Pudding vergiftet, Urteil gefällt

rd | 20. November 2018, 10:49 | keine Kommentare
Landgericht Kleve: Die 2. große Strafkammer bestrafte Anstifterin im Prozess um vergifteten Pudding

Fünf Jahre und neun Monate soll eine 48 Jahre alte Kleverin für ihre Beteiligung an dem Komplott, bei dem ein damals 93 Jahre alter Rentner beraubt wurde, hinter Gittern – der Haftbefehl wurde wegen des schlechten Gesundheitszustands der Frau  vorerst außer Vollzug gesetzt.

Nach den Plädoyers haben die Angeklagten in einer Gerichtsverhandlung das letzte Wort, und normalerweise ist von der Anklagebank selten mehr als ein Satz der Reue zu hören. Am Montag, bevor sich die 2. große Strafkammer des Landgerichts Kleve zur Urteilsberatung zurückzog, war dies anders. Monika G., angeklagt, mit zwei Komplizen einen zum Tatzeitpunkt 93 Jahre alten Mann aus Emmerich ausgeraubt zu haben, sprach mehr als zehn Minuten und konnte erst durch ihren Anwalt, den Strafverteidiger Gerhard Thien aus Essen, wieder beruhigt werden.

„Verdammt ungerecht“ finde das, was im Gerichtssaal passiert sei. „Die ganze Sache“ habe sie dermaßen mitgenommen, dass sie „ohnehin schon kaputt“ sei. Mittendrin baute sie sich vor Staatsanwältin Kim Görtz auf und versuchte mit einem Foto zu belegen, dass sie während ihrer Haft misshandelt worden sei. Die Tat, die ihr vorgeworfen werde, passe gar nicht zu ihr: „Warum soll ich so etwas tun, ich bin doch ein guter Mensch.“

Von diesen Worten aber aber ließ sich die Kammer unter Vorsitz von Richter Gerhard van Gemmeren ebenso wenig beeindrucken wie zuvor vom Plädoyer ihres Anwalts. Der Verteidiger war die Staatsanwältin frontal angegangen: „Ich wunderte mich, als ich den Vortrag der Staatsanwältin hörte. Der wirkte so, als ob Sie bei der Beweisaufnahme nicht dabei gewesen waren.“ Dann brachte der Jurist sogar eine Weisheit an, die so wahrscheinlich nicht in den Kommentaren zum Strafgesetzbuch zu finden ist: „Dem größten Ganoven wird geglaubt, wenn er den anderen in die Pfanne haut.“

Das war in der Tat ein Problem für die 48 Jahre alte Kleverin, aber beileibe nicht das einzige. Denn nicht nur die beiden Mittäter hatten im ersten Prozess in dieser Sache ausgesagt, auch die Angeklagte selbst hatte sich gegenüber Polizei und Haftrichter zu dem Raub geäußert. Hinzu kamen viele Indizien – beispielsweise durch Handy-Ortung ermittelte Bewegungsprofile und abgehörte Telefonate –, so dass sich für die Strafkammer am Ende ein recht stabiles Bild ergab: „Man verabredete sich zu dritt, diesen Mann auszuplündern“, so das Fazit von Richter van Gemmeren.

Dieser Mann, das war der wohlhabende Senior aus dem Emmericher Ortsteil Praest, der über die Zeitungsanzeige „Suche liebe Frau mit Auto“ an das Trio aus Kleve geraten war. Die drei Klever verabredeten, einen Pudding mit Schlafmittel zu versetzen und diesen dem Rentner bei einem Vorstellungsgespräch zu verabreichen. Die Süßspeise war als „Überraschung“ angekündigt worden. Nachdem der Rentner noch am Esstisch wegsackte, durchsuchte eine Komplizin die Wohnung und machte reiche Beute – 12.000 Euro und 8500 tschechische Kronen sowie eine Bankkarte, mit deren Hilfe wenig später weitere 2000 Euro abgehoben werden konnten.

Im Blut des Opfers konnten später Spuren zweier Schlafmittel nachgewiesen werden, die Wirksubstanz eines der beiden Mittel findet sich in frei verkäuflichen Tabletten der Marke „Schlafsterne“. Dieses Medikament nahm die Angeklagte. Auch 1500 Euro aus der Beute stellte die Polizei in der Wohnung von Monika G. sicher – allerdings erst, als sie selbst die Ermittler auf das Versteck hingewiesen hatte.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagte sich eines schweren Raubes und der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht habe. Die Haftstrafe wurde mit fünf Jahren und neun Monaten etwa in der Region bemessen, die auch von der Staatsanwaltschaft gefordert worden war. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Antreten muss die Kleverin die Haft vorerst nicht – dazu ist ihr psychischer Gesundheitszustand viel zu angegriffen.



NRZ: Spreen: Bahnlinie: Niemals

rd | 14. November 2018, 21:09 | 55 Kommentare
Das Moos muss sich nicht sorgen, die Blätter werden höchstens vom Wind (oder von Draisinen) hinfort geweht

(Aktualisiert, mit Statement von Stefan Stefan Haupt (FDP))

Schon vor einigen Wochen schrieb kleveblog, dass die Versuche, die Bahnlinie Kleve-Nimwegen zu reaktivieren, so gut wie gescheitert sind (Prellbock für die Ewigkeit). Während die deutsche Seite sich große Hoffnungen machte, waren die Vertreter der Gemeinde Berg en Daal weniger begeistert – die Strecke hätte das relativ neue, ohne Bahn geplante Zentrum der Ortschaft Groesbeek zerschnitten und umfangreiche Umbauten und Sicherungsmaßnahmen entlang der Gleisanlage erforderlich gemacht.

Jetzt, so berichtet es die NRZ heute, gestand auch Wolfgang Spreen, Landrat des Kreises Kleve, ein, dass die Strecke, die von Düsseldorf nach Kleve führt, auch weiterhin an einem Prellbock an der Hafenstraße enden wird (Aus für Reaktivierung der Bahnstrecke Kleve-Nimwegen (Aus für Reaktivierung der Bahnstrecke Kleve-Nimwegen).

„Die Reaktivierung der Strecke ist endgültig gestoppt“, sagte  Spreen im Ausschuss für Umwelt und Strukturplanung. Selbst Gespräche unter Zuhilfenahme eines Mediators seien ergebnislos verlaufen.

Die Kommunalpolitiker in Berg en Daal und auch in Nimwegen favorisieren den Ausbau der Busverbindung zwischen Kleve und Nimwegen. Die Linie soll bis an die Radboud-Universität geführt werden, zudem sollen die Taktzahl erhöht und die Dienstzeiten ausgeweitet werden.

Derzeit verkehrt die Linie 58 lediglich im Stundentakt, um 22:16 Uhr fährt der letzte Bus ab Kleve Bahnhof in Richtung Nimwegen. Seine Endhaltestelle, den Bahnhof in der Kaiserstadt, erreicht er nach exakt 52 Minuten Fahrtzeit, unter anderem, weil er vor der Grenze an jeder Milchkanne hält und sich hinter der Grenze durch das Örtchen Beek quält. Mit dem Rad benötigt man für die gleiche Strecke bei einem gemütlichen Tempo 79 Minuten, was nicht so viel länger ist.

Wie ein Leichentuch liegt das Herbstlaub auf dem Gleisbett (an der Spyckstraße).  Es handelt sich als um das berühmte „Bild mit Symbolcharakter“

Die Bahnstrecke wurde 1991 stillgelegt. Die Fahrtzeit betrug (meiner Erinnerung nach) etwas mehr als 20 Minuten. Ein Youtube-Video dokumentiert eine der letzten Fahrten:

Als Diesel noch kein Schimpfwort war: Triebwagen der Deutschen Bahn 1991 im Bahnhof Kranenburg

Stephan Haupt bedauert Ausgang der Initiative der Euregio zur Reaktivierung

Die Absage von Nimwegen und Berg en Daal bezüglich der Reaktivierung der Bahnlinie Kleve-Nimwegen nimmt der Kreis Klever FDP-Landtagsabgeordnete Stephan Haupt mit großen Bedauern zur Kenntnis. „Es ist mir unverständlich, dass dieses für die gesamte Grenzregion so bedeutende Infrastrukturprojekt auf Ablehnung bei den beiden niederländischen Kommunen stößt. Ich halte es für ein völlig falsches Signal, dass wir es in der heutigen Zeit nicht schaffen, dieses grenzüberschreitende Projekt tatsächlich voranbringen zu können. Weder eine Busverbindung die im Stundentakt über die Bundesstraße fährt, noch ein 30 Kilometer langer Schnellradweg sind eine Alternative zu einem regelmäßigen Bahnverkehr. Nun bleibt der Klever Bahnhof vorerst weiterhin Endbahnhof und bekommt keine Anbindung an die Niederlande.“, so Stephan Haupt. „Danken möchte ich aber der Euregio und Landrat Wolfgang Spreen für ihren Einsatz und deren Engagement diese Gespräche in der Sache zu führen, auch wenn das Ergebnis leider bisher nicht den gehofften Erfolg gebracht hat. Ich setze aber darauf das nach den Provinzwahlen in den Niederlanden ein Umdenken in der Sache stattfinden kann.“, kommentiert Haupt abschließend.



Hundefutter, nackte Haut und der Duft des Niederrheins

rd | 14. November 2018, 16:36 | 2 Kommentare
Leiche im Pool: Roman Seliger (Ken Duken, r.) findet seine Nachbarin Katharina Läufer (Siri Nase, l.) tot auf (Foto: ZDF/Jakub Bejnarowicz)

Heute um 22 Uhr zeigt der Kanal ZDFneo die erste von drei Doppelfolgen der neuen Krimiserie „Parfum“ – die erste Serie im deutschen Fernsehen, die im Klever Umland spielt. Verantwortlich dafür ist die Drehbuchautorin Eva Kranenburg. Der Name ist (wenig überraschend) ein Pseudonym, die Frau ist 45 Jahre alt, hat als Psychotherapeutin gearbeitet, bevor sie ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte – und sie stammt vom Niederrhein, wie der gewählte Zweitname deutlich macht.

Die Serie, inspiriert von Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“, erzählt die Geschichte von ehemaligen Internatsschülern (Typ Gaesdonck), die mit dem Tod der Sängerin K irgendwie zu tun haben. Die Sängerin wird äußerst effektvoll von einem Nachbarn tot und nackt und verstümmelt in einem Pool aufgefunden.

Auch ansonsten geizt die Serie nicht mit nackter Haut und der Darstellung körperlicher Vereinigungen. Die FAZ schreibt: „Die Aufdringlichkeit der Kamera in den vielen Nackt- und Sexszenen wirkt regelrecht peinlich, zumal die puppenschönen Frauen darauf reduziert zu sein scheinen, Spielball für männliche Begierden zu sein.“

So anregend diese Impressionen aus dem Niederrhein auch immer sein mögen, ansonsten kommt die Region nicht so gut weg. Die Serie spielt in einem imaginären Ort zwischen Kleve und Goch, und der FAZ-Rezensent erfreut sich besonders an einer Szene, in der eine „herrlich abgerockte Ursel vom Niederrhein“ sich damit brüstet, spielenden Kindern Hundefutter zu verabreichen.

Der SPIEGEL wiederum versuchte sich an einer Landschaftsbeschreibung, die allerdings auch sexuell konnotiert ist: „Nur Düsternis und Strommasten, die phallisch in die niederrheinische Ödnis ragen.“ Zum Beleg der Monotonie wird der Satz einer Darstellerin herangezogen, die sich vergeblich darum bemüht, ein Blumenbeet zum Blühen zu bringen: „Blumen wachsen hier keine, immer nur Giersch.“ 

Dass die Darstellerin in der Serie immer von ihrem Mann verprügelt wird, gehört offenbar auch zur niederrheinischen Folklore. Das Fazit im SPIEGEL lautet: „Überhaupt scheint es an diesem Niederrhein nichts zu geben als endlose Felder und eine Autobahn, daneben liegen der Puff und auch gleich das Kommissariat, das aber aussieht wie eine alte Lagerhalle.“ Auch der FAZ-Kritiker konnte der Kargheit des Niederrheins so gar nichts abgewinnen: „Ein paar Drohnenflüge weniger hätten es auch getan.“

Die Szenen im „katholischen Internat am Niederrhein“ wurden übrigens nicht auf der Gaesdonck gedreht, sondern im Landschulheim Schloss Heesen (bei Hamm). Produzentin Sarah Kirgegaard: „Das fiktionale Internat der Serie heißt ,St. Laurentius’. Der reale Ort und auch die nahe gelegene Stadt Hamm werden nicht genannt, die konkreten Spielorte der Serie bleiben bewusst anonym. Drehbuchautorin Eva Kranenburg, die selbst am Niederrhein aufgewachsen ist, hatte eine bestimmte Art von Gebäude im Kopf, als sie den Geheimclub um das Parfum an diesem Internat erfand. Wir haben lange danach gesucht: ein grandioser und zugleich verwunschener Backsteinbau, ein bisschen ,britisch’, ein bisschen nostalgisch, etwas unheimlich und dabei wunderschön. Schloss Heessen war die perfekte Location.“

Die sechsteilige Serie Parfum läuft mittwochs um 22 Uhr in Doppelfolgen auf ZDFneo und ist komplett in der ZDF-Mediathek verfügbar. 


Evangelische Stiftung: Betreuungsassistentinnen klagen gegen Heimleitung

rd | 13. November 2018, 16:06 | 34 Kommentare
Termin in der Burg: Acht Betreuungsassistentinnen der Evangelischen Stiftung klagten vor dem Arbeitsgericht gegen die Veränderung der ihrer Arbeitszeiten

„Der Arbeitgeber ist der Chef. Punkt.“ Sätze wie dieser, gesprochen von der Arbeitsrichterin Gabriele Terfrüchte, fielen an diesem Mittag gleich mehrfach im Saal B 207 der Klever Schwanenburg. Sie machten deutlich, dass die Juristin den Fall an sich für so klar beurteilt, dass schon ein Jurastudent in frühen Semestern zu einer richtigen Lösung käme. Der Arbeitgeber hat das Recht, die Lage der Arbeitszeit zu bestimmen. Der Arbeitgeber hat das Recht, ein Organisationskonzept zu ändern. Und der Arbeitgeber hat das Recht, auch weniger gute Entscheidungen zu fällen. Ist zwar blöd, darf er aber. 

Dennoch dauerte der Sitzungstermin am Dienstag unter dem Dach der Schwanenburg mehr als eine Stunde, es wurde diskutiert und widersprochen, es wurden Vermittlungsversuche erwogen und verworfen. Insofern war die Verhandlung weniger eine juristische Lehrstunde und vielmehr die Dokumentation einer schleichenden Entfremdung, die sich wie ein Gift in eine Organisation gefressen hat. Und sie bot zugleich einen Einblick darin, wie es am Ende der Wertschöpfungskette in der Seniorenbetreuung zugeht, dort, wo „am Menschen“ gearbeitet wird.

Die Kläger waren acht der zwölf so genannten Betreuungsassistentinnen der Evangelischen Stiftung an der Hagschen Straße. Sie verrichten mit den 120 Bewohnern der Einrichtung Tätigkeiten, die nicht in den pflegerischen Bereich gehören, das heißt, sie unternehmen beispielsweise Spaziergänge mit den Senioren, sie singen und spielen, backen und kochen mit ihnen. Morgens gab es früher eine Zeitungsrunde, am Wochenende standen Besuche auf dem Markt oder in der Kirche auf dem Programm.

Vieles davon sei nun nicht mehr möglich, klagten die Betreuungsassistentinnen – seit die Leitung der Evangelischen Stiftung die Arbeitszeiten verlegt habe. Ursprünglich waren die Dienste der Frauen, die allesamt in Teilzeit arbeiten, über die gesamten Tagesstunden verteilt. Im Zuge einer Neukonzeption teilte der Leiter der Einrichtung, Holger de Lange, seinen Mitarbeiterinnen am 19. September mit, von November an erfolge die Betreuung der Senioren nur noch in den Nachmittagsstunden zwischen 15 und 19 Uhr.

Der Richterin erklärte der Rechtsvertreter der Evangelischen Stiftung, Dr. Werner Neyen, warum dies nötig gewesen sei. Es habe Beschwerden von Angehörigen und vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) gegeben, dass zu viele Betreuungsangebote ausgefallen seien. Mit der Bündelung auf den Nachmittag habe die Leitung versucht, wieder Verlässlichkeit herzustellen. Als die Veränderung auf der Teamsitzung angekündigt worden sei, habe es auch keinen Widerspruch gegeben. Dass man sich nun vor Gericht begegne, darüber sei sein Mandant „verwundert“.

Unmittelbar nach der Entscheidung hatte de Lange allerdings einen mehrwöchigen Urlaub angetreten. Seine Vertreterin bekam sehr wohl etwas von dem Unmut in der Belegschaft mit, wollte diesen aber lediglich in Einzelgesprächen abarbeiten. Daraufhin gingen die Betreuungsassistenten zum Anwalt Helmut Mühlenbäumer, der für die acht Assistentinnen Klage beim Arbeitsgericht einreichte.

Denn mit der Neufestlegung der Arbeitszeit brach für die Mitarbeiterinnen, die alle schon seit vielen Jahren in der Evangelischen Stiftung arbeiten, ein wohlaustariertes Modell zusammen. Beispielsweise ließen sich die neuen Arbeitszeiten nicht mit weiteren Teilzeit-Jobs unter einen Hut bringen. Eine alleinerziehende Mutter klagte: „Meine Kinder sehen mich überhaupt nicht mehr. Ich arbeite nun schon seit 25 Jahren hier, aber jetzt weiß ich nicht mehr weiter.“

Die Schilderungen weiterer Mitarbeiterinnen legten zumindest auch den Verdacht nahe, dass die Ursachen für die häufigen Ausfälle, die zu der Veränderung der Arbeitszeiten geführt hatten, weitestgehend hausgemacht sind. Man habe zusätzlich Küchendienste verrichten müssen, wodurch Überstunden angefallen seien, die dann eben während der Betreuungszeiten mit Freizeit vergolten worden seien.

Heimleiter Holger de Lange rechnete vor, dass die Kostenträger für 120 Bewohner nur sechs Stellen genehmigten, aus denen man dann die zwölf Halbtagsstellen gemacht habe. Diese seien für zehn Bereiche zuständig, „das geht mathematisch nicht mehr auf“. Durch die Konzentrierung der Stunden auf den Nachmittag falle weniger aus.

Die Assistentinnen entgegneten, dass sich das Angebot für die Bewohner dennoch verschlechtert habe. Die Zeit für wirkliche Betreuung sei auf eine Stunde pro Tag geschrumpft, „ab fünf Uhr stehe ich doch wieder in der Küche und schmiere Brote“, berichtete eine Mitarbeiterin – da dies gemeinsam mit den Bewohnern geschehe, werde dies ebenfalls der Betreuungszeit zugeschlagen. Eine andere Mitarbeiterin erzählte sogar, dass sie gemeinsam mit einer Kollegin 16 Stunden damit beauftragt worden sei, einen Keller auszuräumen – „da fiel auch die Betreuung aus“. Zudem könnten Vormittagsangebote wie Markt- und Messebesuche nicht mehr stattfinden.

„Vielleicht hat [der Heimleiter] ein falsches Konzept. Vielleicht auch nicht“, resümierte die Richterin. Mit den Beschwerden jedenfalls seien die Betreuungsassistenten bei ihr an der falschen Stelle. „Ich kann für Sie nichts tun.“

Richterin Terfrüchte riet den beiden Parteien dringend, noch einmal das Gespräch zu suchen. „Sie haben motivierte Damen hier sitzen – das sehe ich“, sagte sie in Richtung de Lange. Und den Assistentinnen gab sie mit auf den Weg: „Ich würde versuchen, den Arbeitgeber zu überzeugen.“ Eine der Klägerinnen schließlich stellte klar: „Unsere Bewohner liegen uns am Herzen.“

Das Verfahren ruht nun erst einmal.