Während die lieben Kleinen freitags demonstrieren…

rd | 01. April 2019, 14:29 | 12 Kommentare
X7-Basismodell: V6-Diesel mit 265 PS
Tipp der Redaktion: der Diesel mit 150 PS und Allradantrieb

… entführt die FAZ die Eltern dienstags im Teil „Technik & Motor“ in eine Welt, in der sie in Augenschein nehmen können, welches Fahrzeug am besten geeignet ist, um die Kinder von Klimaschutz-Kundgebung abzuholen. Zur Auswahl stehen BMW oder Audi, das Basismodell von BMW bringt es auf stolze 265 PS (zur Erinnerung: die Abkürzung steht für „Pferdestärken“, bildlich gesprochen, haben wir es also hier mit einer Kutsche zu tun, vor die 265 Pferde gespannt werden), bei den verschiedenen Varianten des Audi Q7 empfiehlt die Redaktion den Diesel mit 150 PS. Die Entscheidung fällt schwer. 



Trauer um einen großen Klever: Paul Dirmeier ist tot

rd | 29. März 2019, 01:59 | 1 Kommentar
Grandseigneur des Karnevals, Meister der Mundart: Paul Dirmeier  (Foto: privat)


Der langjährige Geschäftsleiter des Amtsgerichts, Schwanenfunker-Karnevalist, Heimatdichter und Mundartkenner ist im Alter von 89 Jahren friedlich entschlafen – ein Nachruf

Er war jemand“, sagt seine Tochter Claudia Kressin, „dessen Humor uns immer Leichtigkeit geschenkt hat.“ Als langjähriger Geschäftsleiter des Amtsgerichts Kleve, als umjubelter Karnevalist bei den Schwanenfunkern, als gefeierter Heimatsdichter und eben auch als fürsorglicher Familienvater war Paul Dirmeier ein Mensch, der stets zu vermitteln wusste, dass hinter allen Wolken die Sonne scheint.

Doch seine sonore Stimme ist jetzt verstummt. Paul Dirmeier verstarb Anfang der Woche im Alter von 89 Jahren, er ist nach einer schweren Krankheit, die die letzten zwei Jahre seines Lebens bestimmte, friedlich entschlafen. Die Bürger der Stadt trauern um einen großen Klever.

Bis auf die Jahre der Ausbildung verbrachte Dirmeier seine gesamte berufliche Laufbahn am Klever Amtsgericht. Nach dem Abitur am Freiherr-vom-Stein- Gymnasium absolvierte er in Köln eine Ausbildung zum Rechtspfleger. Zurück in Kleve, stieg er am Amtsgericht nach und nach zum Justizoberamtsrat auf, der schließlich viele Jahre die Verwaltungsgeschäfte des Amtsgerichts führte. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Ausbildung junger Menschen in der Justiz, die Dirmeier engagiert und leidenschaftlich (und manchmal mit väterlicher Strenge) durch die Lehrjahre führte.

In der Bütt der Beste: Dirmeier als wortgewaltiger Karnevalist (Foto: Hans Kersting/Archiv Klevischer Verein)

Eine Klever Ikone wurde Paul Dirmeier durch sein Engagement bei den Schwanenfunkern. Als er 1958 dem Verein beitrat, beherrschte er die Klever Mundart noch nicht. Denn, anders als man vermuten könnte, war ihm das Platt nicht in die Wiege gelegt worden. Seine Eltern stammten aus Bayern und waren Anfang der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts an den Niederrhein gezogen, als die neu errichtete Landesklinik in Bedburg-Hau Personal suchte.

Es war der Heimatdichter Karl Groenewald, der den Novizen den Gebrauch der Klever Mundart lehrte – und natürlich seine Frau Gerda. Dirmeier war ein ehrgeiziger Schüler, der die Mundart am Ende beherrschte, als wäre sie seine Muttersprache gewesen. In seinen späten Jahren galt er als eine, wenn nicht gar die Instanz in Sachen Platt.

Die geschliffenen Wortwechsel auf Platt waren das Markenzeichen des Duos „DiSchu“ – die gemeinsamen Auftritte von Paul Dirmeier und Helmut Schumacher galten über Jahre als der Höhepunkt einer jeden Schwanenfunker-Sitzung. „Paul Dirmeier war der beste Büttenredner am Niederrhein“, sagt Wilhelm Lievertz, der jahrzehntelang gemeinsam mit ihm bei den Schwanenfunkern aktiv war. „Er war in jeder Hinsicht ein Vorbild und immer hilfsbereit.“

Anders als die anderen Karnevalisten im Verein, die ihr Programm immer im Vorfeld vorstellen mussten, machte Dirmeier aus seinen Nummern allerdings ein Geheimnis. Er war selbstbewusst genug, um zu wissen, dass er mit seinen feinen Pointen zum Stadtgeschehen meistens goldrichtig lag.

Die Heimatverbundenheit war die eine Seite des Paul Dirmeier, doch sie ergänzte sich bei ihm um eine – nur einem engeren Kreise bekannte – Neugier auf die Welt, die keine Grenzen kannte. Schon mit seinem ersten VW Käfer fuhr Dirmeier mit seiner Frau, der er ein Leben lang innig verbunden blieb, an die italienische Riviera und bis nach Spanien. In späteren Jahren kamen Reisen auf fast alle Kontinente sowie Kreuzfahrten durch alle Weltmeere hinzu.

Zeit seines Lebens war Paul Dirmeier sportlich aktiv, spielte Handball und betrieb Leichtathletik. Bis vor wenigen Jahren war er auch regelmäßig an der Tischtennisplatte anzutreffen, und wenn immer er die Wahl zwischen Aufzug oder Treppe hatte, entschied er sich für die Variante, die ihn auf Trab hielt. Wohl auch deshalb war er fit genug, bis ins hohe Alter bei den Schwanenfunkern aufzutreten;  erst mit 80 Jahren trat er von der Bühne, die ihm so viel bedeutete, ab.

Erst in den letzten Jahren ließ die Gesundheit ihn im Stich, die schwere Krankheit raubte ihm nicht nur die körperliche Stärke, sondern sie ließ auch seinen Witz und seine Geistesgegenwart verstummen. Paul Dirmeier hinterlässt seine Frau Gerda, mit der er im September die Eiserne Hochzeit gefeiert hätte, sowie die Kinder Claudia und Klaus und drei Enkelkinder.

Der Gedenkgottesdienst findet statt in der Stiftskirche am Freitag, 5. April, um 10 Uhr. Anschließend ist um 11 Uhr die Urnenbeisetzung auf dem Friedhof an der Merowingerstraße (Eingang Welbershöhe).  



Hochschule: Suizid eines Studenten überschattet Semesterstart

rd | 27. März 2019, 21:23 | 94 Kommentare
David S. studierte seit 2014 in Kleve – gestern verbreitete sich die Nachricht von seinem Tod unter den Studenten (Foto: Klaus Oberschilp)

Seit wenigen Tagen trudeln wieder Studenten aus aller Welt an der Hochschule Rhein-Waal ein, der Beginn des Sommersemesters bringt neue junge Menschen in die Stadt, und zudem die Rückkehrer der höheren Semester. Doch die Freude über den Start oder das Wiedersehen am Campus in Kleve wurde gestern von einer traurigen Nachricht überschattet: David S., einer der 5500 Studierenden am Standort Kleve, nahm sich das Leben.

„Die Hochschule Rhein-Waal ist tief erschüttert über den Tod des Studenten David Stevenson“, ließ die Hochschule in einer Mitteilung verlauten. „In Trauer fühlt sie mit seiner Familie, seinen Freunden und allen, die ihn hier an der Hochschule kennen und schätzen gelernt haben. Da es sich hier um einen Suizid handelt, wurden von den entsprechenden Behörden Ermittlungen aufgenommen. Über die Umstände bzw. die Hintergründe kann die Hochschule daher keine Angaben machen.“ Ein persönliches Statement aus dem Präsidium der HSRW gab es nicht.

In der Hochschulgruppe „Student Life at Hochschule Rhein-Waal powered by AStA“, die vom Allgemeinen Studierenden-Ausschuss auf Facebook betrieben wird und die für Studenten eine wichtige Plattform zum Austausch darstellt, wurde für Mittwoch Nachmittag zu einer Gedenkfeier für den verstorbenen Kommilitonen eingeladen. Er studierte seit 2014 Maschinenbau und lebte in Emmerich. Seine Wurzeln hatte er in Australien.

In der Student-Life-Gruppe diskutierten die Studenten und auch ein Professor aus der Fakultät Technologie & Bionik zugleich darüber, welche Ursachen der Tat zugrunde liegen, welche Hilfsangebote es für Studenten in Lebenskrisen gibt und wie das Angebot möglicherweise verbessert werden kann. „Guys: There is a lot going on in the background that the University is not at liberty to discuss on a public forum like Facebook“, schrieb Professor William Megill. „There are lots of resources available to support you all, and yes, the information about those needs to be improved (and we’re working on that), but it is there, at all kinds of levels, from confidential phone numbers to the people of the FSRs to the Vertrauensprofessoren (Link Professors) to the official psychologists to pretty much all of the individual profs, staff and your fellow students. Not all of us are properly trained to deal with crises, but we all know how to be human beings.“

Zuvor hatte ein Student in der Diskussion die Frage aufgeworfen, ob der Umgang der Hochschule mit dem Studenten korrekt gewesen sei. „i swear to god, if this was usa and university dropped the ball this hard, lawyers would be running after me to sue the university“, lautete sein Posting. Frei übersetzt: Wenn das in den USA passiert wäre und die Hochschule so hart vorgegangen wäre, würden Anwälte die Hochschule verklagen.“ 

Der Mitstudent beschreibt David S. als sehr zurückhaltenden Menschen, der zunächst „Electrical Engineering“ lernte, dann aber die Fachrichtung wechselte und „Mechanical Engineering“ studierte. Der Grund für den Wechsel sei gewesen, dass er fürchtete, bei einer dritten Prüfung durchzufallen und damit sein Studium endgültig gescheitert wäre. In seinem Studiengang sei er einer der älteren Studenten gewesen. Der späte Wechsel der Fachrichtung habe eine große Niedergeschlagenheit ausgelöst. Er sei bestürzt gewesen, einige Professoren seien ihm gegenüber „nicht so zuvorkommend“ aufgetreten, Der Kommilitone: „Zu versuchen, eine professionelle psychologische Hilfe durch die Hochschule zu bekommen, kann sehr entmutigend sein.“ Die Hochschule hält solche Angebote vor (s.o.), offenbar ist die Kenntnis über deren Existenz nicht überall bekannt.

Im  November 2014 war es bereits zu einem Suizid eines Studenten gekommen. Ein 26 Jahre alter Mann aus Brasilien hatte sich durch einen Sprung vom Dach des damals noch stehenden Union-Verwaltungsgebäudes das Leben genommen. 


Hochschule Rhein-Waal schießt Frauen ab, lässt Frauen aber wenigstens drüber sprechen

rd | 26. März 2019, 14:30 | 21 Kommentare
Mittwochsakademie der Hochschule: Frauen dürfen sagen, dass sie nichts zu sagen haben (Foto: Pixabay)

Bekanntlich waren an der Spitze der Hochschule Rhein-Waal bisher zwei Frauen, die – allerdings aus ganz unterschiedlichen Gründen – nun nicht mehr im Amt sind. Doch die schärfsten Kritiker der Elche waren bekanntlich früher selber welche. Was liegt also näher, als ausgerechnet an der Hochschule Rhein-Waal, offenbar einem Hort des gepflegten Maschinenbaumachismo, im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe Mittwochsakademie über „Frauen in Führungspositionen“ zu sprechen?!

Es ist natürlich nicht anzunehmen, dass Professorin Dr. Hildegard Maria Nickel, Professorin im Ruhestand der Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, in ihrem Vortrag am 3. April („Frauen in Führungspositionen – Männer in einer neuen Väterrolle? Geschlechterverhältnisse in der Arbeitswelt“) die Verhältnisse an der HSRW unter die Lupe nimmt. Dabei wäre das, was dort vorzufinden ist, das beste Anschauungsmaterial für das Auseinanderklaffen von Anspruch und gesellschaftlicher Wirklichkeit – besser noch als jeder Dax-Vorstand. Hier der Überblick: Hochschulratsvorsitzender: Prof. Dr. Aloys Krieg ♂; Interimspräsident Prof. Dr. Eberhard Menzel ♂; designierter Präsident Dr. Oliver Locker-Grütjen ♂; Kanzler: Michael Strotkemper ♂; Dekan Fakultät Technologie & Bionik: Prof. Dr. Dirk Nissing ♂; Dekan Fakultät Life Sciences: Prof. Dr. Peter Scholz ♂; Dekan Gesellschaft & Ökonomie: Prof. Dr. Ralf Klapdor ♂; Dekan Fakultät Kommunikation & Umwelt: Prof. Dr. Andreas Schürholz ♂.

Man könnte also sagen, die Hochschule Rhein-Waal ist fest in Männerhand. Es gibt nicht mal eine Alibidekorationsfrau, wohl aber eine Gleichstellungsbeauftragte.

Man könnte zudem sagen, dass die Hochschule, die sich Internationalität wie keine zweite in Deutschland auf die Fahnen geschrieben hat, von weißen, deutschen Männern ohne Migrationshintergrund und mittleren bis hohen (Krieg, Menzel) Alters geführt wird. Das diverseste Element in dieser Gruppe ist der Doppelname des designierten Präsidenten. Dieses sehr homogene Ensemble leistet sich nun aber den Luxus, eine Frau aus Berlin einzufliegen, die dann schön darüber reden (und der Klever Öffentlichkeit erklären) darf, was so im Großen und Ganzen falsch läuft. Bester Witz ever.

Das Programm Mittwochsakademie an der Fakultät Gesellschaft und Ökonomie steht unter dem Motto „Von regional bis global – Wirtschaft und Gesellschaft im aktuellen Zeitgeschehen“. Laut Pressemitteilung werden  nicht nur spannende Inhalte aufgegriffen, sondern gleichzeitig die thematische und interdisziplinäre Vielfalt der Fakultät zum Ausdruck gebracht: „Gegenwärtige Themen werden von Referierenden aus Wissenschaft und Praxis anschaulich präsentiert, theoretisch hinterfragt und in großer Runde diskutiert.“ Die Veranstaltungen finden jeweils mittwochs um 18 Uhr auf dem Campus Kleve, Marie-Curie-Straße 1, in Gebäude 02 (neben dem Hörsaalgebäude), Raum 02 01 017 (Seminarraum 5) statt.