1389 Tage ohne Freibad, und es werden nur noch elf mehr

rd | 02. Juli 2019, 17:52 | 2 Kommentare
Wirkt wie ein abstraktes Gemälde: Das Sternbuschbad aus großer Höhe, kurz vor der Eröffnung (Foto: Torsten Barthel)

Am 12. September 2015 konnten sich die Klever Bürger zum letzten Mal auf den Liegewiesen des Sternbuschbades aalen, die schier endlosen weiten eines 50-Meter-Beckens auskosten, allen Mut zusammen nehmen und vom 10-Meter-Turm springen. (Am 13. September 2015 war das Bad dann noch für Hunde geöffnet.) Es folgten, den heutigen Tag eingerechnet, 1389 Tage, an denen der Klever notgedrungen nach Goch oder Emmerich ausweichen musste, um in den Genuss eines öffentlichen Freibads zu kommen. Tage, an denen Baggerseen erkundet wurden oder, wenngleich dies nur die schwache Ahnung des originalen Erlebnisses ist, beim Discounter erstandene Pools im Garten platziert wurden. Doch nur noch weitere elf Tage muss auf dieses Sommervergnügen ersten Ranges in den Grenzen der Stadt verzichtet werden, dann, nach insgesamt knapp vierjähriger Bauzeit, hat Kleve wieder ein Freibad. Und zwar ein schönes!

Aus der Luft, von Torsten Barthel mit einer Drohne aus großer Höhe fotografiert, präsentiert sich das Gelände ebenso jungfräulich wie einladend. Gut erkennbar ist allerdings der große Wermutstropfen für die Fraktion der Bahnenschwimmer – von den ehemals acht 50-Meter-Bahnen sind gerade einmal anderthalb übrig geblieben. Den Rest des ehemaligen Olympiabeckens eroberte zu einem guten Teil eine Spaßbadelandschaft, die Planschern reichlich Gelegenheit zur Zerstreuung bietet.

Der Sprungturm ist auch verkleinert, die Frage ist allerdings, ob nicht auch fünf Meter Mut ausreichen, um die Damen- oder Herrenwelt zu bezirzen. Mut, so die Meinung des Autors, lässt sich ohnehin schlecht quantifizieren. Gut zu sehen ist überdies, dass dem Rasen noch ein paar Tage des ungestörten Wachstums ganz gut zu Gesicht stehen. An vielen Stellen scheint das Erdreich durch.

Am 14. Juli, zu Beginn der Sommerferien, sollte die Bodenbedeckung strapazierfähig genug zu sein, um den Ansturm von Badegästen, die nach einem Jahrhundertsommer ohne Freibad auf Entzug sind, standzuhalten. Sie werden eine Anlage vorfinden, die, mitten im Wald gelegen, zu den schönsten im Lande gehört!



Bachelor-Abschlussquoten nach Geschlecht und Herkunft

rd | 02. Juli 2019, 10:46 | 25 Kommentare

Vor einigen Tagen  hatte ich ja noch versprochen, zum Bericht über die extrem hohen Abbruchquoten an der HSRW (Bilanz des Scheiterns) die Zahlen für deutsche bzw. für ausländische Studierende nachzureichen. Sie finden sich in dem Überblicksbericht auf Seite 34 in der Tab. 4.5, Bachelor-Abschlussquoten nach Geschlecht und Herkunft. Die Erläuterung dazu lautet wie folgt: „Diese Auswertung veranschaulicht[,] wieviel Studierende insgesamt einen Studienabschluss erreicht haben im Verhältnis zur Gesamtzahl der Exmatrikulierten (mit oder ohne Abschluss) seit Einführung des Studienganges bis zum aktuellen Wintersemester. Hinsichtlich der Exmatrikulierten sind nur solche Anfängerkohorten berücksichtigt, die bereits die Regelstudienzeit erreicht haben und somit auch Abschlüsse möglich sind.“ 

Im Überblick: Der Unterschied zwischen Frauen und Männern ist größer als der zwischen deutschen und ausländischen (hier mit falschem Wortgebrauch als „internationalen“ bezeichnet) Studierenden


St.-Antonius-Hospital: Chefarzt der Unfallchirurgie geht „aus persönlichen Gründen“

rd | 01. Juli 2019, 23:20 | 1 Kommentar
Der Kittel passte, so schien es damals: Prof. Dr. Christoph Braun gab die Leitung der Unfallchirurgie am Klever Krankenhaus in die Hände von Professor Dr. Lars Victor Baron von Engelhardt (Foto: KKLE/Marc Albers)

Gerüchte, dass es um die berühmte „Chemie“ zwischen dem Chef und seinem Team nicht zum Besten bestellt war, schwirrten bereits seit einiger Zeit an den Tresen der Stadt. Auch die Tatsache, dass einige langjährige Kräfte aus der Klinik das Haus verließen, allen voran Dr. Thomas Bertrams, der seit dem 1. April als Leitender Arzt der Unfallchirurgie in Emmerich arbeitet, galt einigen als Indiz dafür, dass es im Klever St.-Antonius-Hospital in der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sportmedizin atmosphärische Störungen gab, seit Professor Dr. Lars Victor Baron von Engelhardt Mitte vergangenen Jahres die Station übernommen hatte. Nun steht das Engagement des 45 Jahre alten Mediziners vor einem frühzeitigen Ende: Wie kleveblog erfuhr, hat Baron von Engelhardt zum Ende des Jahres seine Kündigung eingereicht, „aus persönlichen Gründen“, wie es heißt.

Lars Victor Baron von Engelhardt war am 1. Juli 2018 neuer Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sportmedizin geworden. Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie spezielle orthopädische Chirurgie und spezielle Unfallchirurgie war davor unter Prof. Jörg Jerosch als Oberarzt am Johanna-Etienne-Krankenhaus in Neuss tätig, das in der Unfallchirurgie und Orthopädie eine überregionale Strahlkraft hat. Zuvor hat er an den in Nordamerika und Frankreich führenden Gelenk- und Sportkliniken unter Professor Peter McDonald (Winnipeg) und Professor Phillipe Hardy (Paris) gearbeitet.

Baron von Engelhardt folgte auf Professor Dr. Christof Braun, der seit 1996 Chefarzt der Klinik für Chirurgie am St.-Antonius-Hospital Kleve und später standortübergreifend der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie und Orthopädie am St.-Antonius-Hospital Kleve und Marienhospital Kevelaer war. Braun prägte die Klinik wie kein zweiter, weil er nicht nur ein exzellenter Fachmann war, sondern darüber hinaus auch ein Arzt, der sich im besten Sinne um seine Patienten kümmerte. Unter Brauns Leitung wurde die Klinik das einzige regionale Traumazentrum im Kreis Kleve und seit 2016 auch zertifiziertes Endoprothetikzentrum.

Den Chefarztposten gab Professor Braun mit Erreichen der Altersgrenze ab, die Profession aber ließ ihn nicht los. Seit Juli 2018 betreibt er mit seiner Kollegin Stefanie Untiedt die Praxis für Chirurgie des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Karl Leisner in den Räumen des Wilhelm-Anton-Hospitals Goch.

Bernd Ebbers, Geschäftsführer des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums, bezeichnete den Nachfolger beim Amtsantritt als „echten Glücksfall“ für das Klinikum und die Region und gab der Hoffnung Ausdruck, dass es zu einer langjährigen Zusammenarbeit kommen werde. Diese Einschätzung sollte sich nicht erfüllen. Die Geschäftsführung des Krankenhauses ist schon damit beschäftigt, einen Nachfolger für Baron von Engelhardt zu suchen. Nicht auszuschließen ist auch, dass interimsweise noch einmal Christoph Braun die Verantwortung übernimmt.


Hochschule Rhein-Waal: Bilanz des Scheiterns

rd | 24. Juni 2019, 14:11 | 139 Kommentare
Angesichts der verheerenden Zahlen stünde der HSRW ein wenig Selbstreflexion gut zu Gesicht (Foto: Klaus Oberschilp)

(Teil 3 der Serie zum Jubiläum der Hochschule Rhein-Waal) Interne Zahlen der Hochschule Rhein-Waal legen nahe, dass sie das Ziel einer „exzellenten Ausbildung“, wie vom Wissenschaftsministerium NRW propagiert, nicht ansatzweise erreicht: Sehr, sehr viele Studenten bringen das in Kleve begonnene Studium nicht zu Ende — und nur wenige schaffen tatsächlich einen Bachelor-Abschluss. Besonders alarmierend sind die Zahlen an der Fakultät Technologie & Bionik, wo in den zehn Jahren seit der Gründung gerade einmal 164 Studierende den Bachelor-Abschluss erreicht haben. So vielfältig positiv die Auswirkungen der Hochschulgründung für die Stadt Kleve auch sein mögen — aus akademischer Sicht stellt sich die Sinnfrage.

Als sich zu Beginn des Sommersemesters David S., aus Australien stammender Student des Maschinenbaus an der Hochschule Rhein-Waal, das Leben nahm, entwickelte sich auf kleveblog eine kontrovers geführte Diskussion. Es ging im Kern darum, wie gut oder schlecht die Ausbildung an der HSRW ist, und ein Kommentator mit dem Nickname Herzeleid regte an, sich doch einmal die statistischen Daten der Hochschule selbst dazu anzusehen.

Doch Zahlen zum Studienverlauf und Studienerfolg hat die Hochschule bisher nicht veröffentlicht, obwohl sich die Hochschule genau daran messen lassen müsste. (Künftig wird auch die Finanzierung der Einrichtung daran gekoppelt und nicht wie bisher an der Zahl der Neueinschreibungen.) Intern jedoch verfügt die Hochschule seit Jahren über diese Informationen, sie sind aufbereitet in einem so genannten „Überblicksbericht“, der von der dem Kanzler zugeordneten Stabsstelle Controlling zusammengestellt wird. In der Hochschule sind diese Zahlen nur einem kleinen Kreis bekannt.

kleveblog nahm jedoch die Anregung des Kommentators auf und verlangte unter Hinweis auf das Informationsfreiheitsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen Einblick in die Unterlagen. Die Hochschulverwaltung musste das Ansinnen gewähren, sodass nun die Öffentlichkeit erstmals erfahren kann, wie es – jenseits aller blumigen Festreden zum Jubiläum [„Ich ziehe meinen Hut vor Ihnen, Marie-Louise“) – tatsächlich um die Hochschule Rhein-Waal und die Qualität der Ausbildung bestellt ist.

Das Bild ist – mit einem Wort – erschreckend.

Während an den Fachhochschulen in Deutschland Wikipedia zufolge rund drei Viertel der Studenten ihr Studium erfolgreich absolvieren, legen die Zahlen aus dem Überblicksbericht (Datenstand Oktober/November 2018) nahe, dass es in Kleve genau andersherum zu sein scheint: Die weitaus meisten Studenten bringen ihr Studium an der HSRW nicht ordnungsgemäß zu Ende. Insbesondere in der Fakultät Technologie & Bionik sieht das Bild verheerend aus: In den zehn Jahren ihres Bestehens hat die HSRW in dieser Fakultät insgesamt gerade einmal 164 Bachelor-Absolventen mit einem Abschlusszeugnis entlassen.

Die Zahl der Studenten, die sich für die Studiengänge der Fakultät neu eingeschrieben hat, beträgt 148 (Wintersemester 11/12), 189 (12/13) und 252 (13/14). (Die beiden ersten Jahrgänge sind nicht Bestandteil des Berichts.) Zusammengerechnet also 589 Studenten, die eigentlich schon fertig sein müssten. Setzt man diese Zahl in Beziehung zu den tatsächlichen Absolventen, ergibt sich eine Erfolgsquote von gerade mal 27 Prozent – und selbst dieser Wert könnte noch zu hoch gegriffen sein, da die Einschreibungszahlen aus den ersten beiden Jahrgängen fehlen.

Die weiteren Statistiken in dem Bericht zeigen, dass das von der  Gründungspräsidentin Prof. Dr. Marie-Louise Klotz initiierte Wachstum auf Teufel komm raus offenbar erfolgreich jeden Gedanken an die Qualität der Ausbildung zu überdecken vermochte.

Den Zahlen zufolge (Stand Ende 2018) haben sich seit dem Wintersemester 2011/12 insgesamt 12308 Studierende an der HSRW für die verschiedenen Bachelor-Studiengänge eingeschrieben. Die Gesamtzahl der Bachelor-Studenten (Stand Ende 2018) beläuft sich auf 5950. So weit, so logisch: Es gibt Fluktuation, weil manche Studenten die Hochschule auch wieder verlassen.

Wie aber verläuft das Studium? Eine so genannte Kohortenanalyse gibt Aufschluss darüber. Dabei wird betrachtet, wie sich eine Gruppengröße über den Zeitverlauf verändert. Wie viele von denen, die sich für einen Bachelorstudiengang eingeschrieben haben, sind ein Semester später noch dabei? Und wie viele zwei, drei, vier Semester später?

Im Wintersemester 2010/11 begannen 504 Frauen und Männer ihr Bachelor-Studium an der HSRW. Ein Semester später waren es nur noch 431 (minus 14 %), zwei Semester später 379 (minus 25 %), drei Semester später 342 (minus 32 %), vier Semester später 319 (minus 37 %). Im achten Fachsemester schließlich waren von der ursprünglichen Gruppe noch 229 Studenten übrig (minus 55 %). All diese Veränderungen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Studienabbrecher zurückzuführen. Erst vom achten Semester an (Regelstudienzeit plus ein Semester) sind es tatsächliche Absolventen, die zu einer weiteren Verringerung der Zahl beitragen.

Die Kohortenanalyse belegt auch für die vier weiteren Jahrgänge 12/13, 13/14, 14/15 Rückgänge von über 50 Prozent. Das heißt umgekehrt: Mehr als jeder zweite Student beendet sein Studium nicht wie vorgesehen an der HSRW.

Doch auch wer eingeschrieben bleibt, kommt nicht unbedingt zum Bachelor: In der aktuellen Zahl der Bachelor-Studenten findet sich auch eine hohe Zahl von Studenten, die die Regelstudienzeit überschritten haben. Hochschulweit sind dies derzeit 1254 Studierende, die neun Semester und länger studieren (Anteil 21%). In der Fakultät Technologie und Bionik liegt der Wert sogar bei 23 Prozent (468 von 2020). Wie viele von ihnen einen Abschluss tatsächlich noch schaffen, kann nicht gesagt werden. Die Lebenserfahrung sagt, dass die Wahrscheinlichkeit immer weiter sinkt.

Die Gesamtzahl der Bachelor-Abschlüsse, die es bisher an der HSRW gegeben hat, beträgt 2146. Die in dem Bericht erfassten Einschreibungen (also wieder ohne die ersten beiden Jahrgänge) beträgt 4167. Auch dieser (vermutlich wiederum zu hoch angesetzte) Wert – 51 Prozent – sticht nicht positiv hervor.

Eine Tabelle mit der Überschrift Abschlussquoten, in der die Zahlen der exmatrikulierten Studenten mit denen der Absolventen in eine Beziehung gesetzt werden, offenbart, dass das Verhältnis noch negativer ausfällt als in der rechnerischen Gegenüberstellung von Einschreibungen und Bachelor-Abschlüssen. Wer die Hochschule verlässt, muss sich exmatrikulieren (auschreiben). Gründe dafür sind im Wesentlichen der Abbruch des Studiums oder dessen erfolgreiche Beendigung. Denkbar sind aber auch Pausen oder der Wechsel des Studienortes.

Zusammengefasst kommen in der Fakultät Technologie und Bionik auf 795 exmatrikulierte Studenten 172 mit einem Bachelor-Abschluss – das entspricht einer Abschlussquote von 22 Prozent. In der Fakultät Life Sciences liegt dieser Wert bei immerhin 40 Prozent (468 von 1161), in der Fakultät Gesellschaft & Ökonomie bei 41 Prozent (757 von 1842), und am besten steht noch die Fakultät Kommunikation und Umwelt in Kamp-Lintfort da, die einen Wert von 46 Prozent (800 von 1724) erreicht.

Alle Fakultätszahlen addiert, ergibt sich ein Wert von 40 Prozent. Damit dürfte die HSRW deutschlandweit zu den schlechtesten Fachhochschulen gehören.

Die Werte könnten vermutlich besser sein, wenn die ursprüngliche Zielsetzung der Hochschule tatsächlich realisiert worden wäre, in großem Maßstab Studierende zu gewinnen, die sich zusätzlich zum Beruf oder zur Ausbildung an der HSRW einschreiben. Dies sollte auch die Vernetzung mit der regionalen Wirtschaft stärken. Die Zahlen aber offenbaren auch in diesem Segment, dass dieses Ansinnen zu keinem Zeitpunkt ernsthaft verfolgt worden ist: Insgesamt gibt es laut Überblicksbericht 103 solcher Studenten (1,5%), ganze zehn davon in der Fakultät Technologie und Bionik.

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kleveblog meint: Auch wenn die Fensterreden, die allerorten zum Jubiläum der Hochschule zu hören waren, den Eindruck verfestigt haben, alle Verantwortlichen seien damit hochzufrieden, die HSRW als einen bunten Karneval der Kulturen zu inszenieren, gibt es zur Bewertung der Ausbildung junger Menschen nur eine Währung: den Studienerfolg. Die Zahlen, die die HSRW dazu vorliegen hat (und vermutlich aus gutem Grund nicht einmal intern einem größeren Kreise zugänglich gemacht hat), sollten Demut lehren, zumal der Betrieb vom Steuerzahler finanziert wird. Sie zeichnen das Bild einer weitgehend dysfunktionalen Ausbildungsstätte, die insbesondere in unverantwortlicher Weise mit dem Schicksal junger Menschen aus dem fernen Ausland spielt. Zweck einer Hochschule ist es weder, Professoren Spielzeuge zu finanzieren noch sie zu Millionären machen – sie haben in erster eine Verantwortung gegenüber den Studenten.