Europaradbahn Kleve-Nimwegen schon jetzt velozipedabel

rd | 24. Februar 2019, 22:32 | 64 Kommentare
Richtung Westen – und dann immer geradeaus (Foto: BfSS)

Die Europaradbahn, die Kleve und Nimwegen auf eine klimafreundliche Weise verbinden soll, nähert sich der Fertigstellung. Im Sommer diesen Jahres soll es so weit sein, und es ist zu vermuten, dass Dr. Barbara Hendricks, die Umweltministerin war, als die Entscheidung fiel, das 6,5-Millionen-Euro-Projekt mit Berliner Geld zu fördern, das rote Band durchschneiden wird, um die Strecke freizugeben. Verdient hätte sie es, denn – diese Prognose sei gewagt – dieses Projekt wird deutlich mehr Menschen Freude bereiten als das zweite große Verkehrsvorhaben der jüngeren Vergangenheit, die Industriestraße, die die Lücke zwischen Industriegebiet und Oraniendeich geschlossen hat.

Diese Einschätzung gründet sich auf praktischer Erfahrung: Die Strecke, die auf deutscher Seite 11,12 Kilometer lang ist, präsentiert sich dem Besucher schon jetzt, Monate vor der Fertigstellung, in einem velozipedablen Zustand, nur an einigen Übergängen ist ein wenig Kurvenfahrt erforderlich. Einige Klever Radfahrer – z. B. Petra S. – nutzen die Strecke auch schon, um zu ihrem Arbeitsplätzen nach Kranenburg zu fahren.

Die Strecke führt entlang der alten Bahntrasse, sie erscheint angenehm weit und lässt das felgenquälende Gerumpel auf dem Radweg entlang der B 9 schon jetzt ratzfatz vergessen – jene schier endlose Serie von Einmündungen, Übergängen und Kreisverkehren, die empfindsame Pedaleure Tränen der Verzweiflung vergießen lässt.

Die neue Piste dagegen: Richtung Westen, und dann immer geradeaus. Der Radfahrer, das vom Joch des Autos und seiner raumgreifenden Lebensweise befreite Wesen. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass sich schon jetzt, auf dem planierten und verdichteten Erdgrund, sofort ein Gefühl der Befreiung einstellt. Wie soll das erst sein, wenn der Weg in feinstem Loockasphalt erstrahlt?

4,67 Kilometer des Europaradwegs liegen auf Klever Stadtgebiet, 6,45 auf Kranenburger. Aus dem Westen arbeitet sich die Firma Siebers nach Osten vor, aus dem Osten drängt Loock Erd- und Tiefbau gen Westen. Irgendwo in der Mitte treffen sich die beiden Unternehmen, so wie damals, als die Eisenbahn quer durch Amerika gebaut wurde. Und dann heißt es: Bahn frei!



Weisheit zum Wochenende

rd | 23. Februar 2019, 16:28 | 16 Kommentare

Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht. In diesem Fall Josef Peters, ehemaliger (korr.) Vorsitzender der Kreisbauernschaft, der auf Facebook die Demonstrationen junger Menschen zum Klimaschutz kommentierte. Seine Erkenntnis ist so profund und insbesondere in Bezug auf das Raum-Zeit-Kontinuum so brutal herausfordernd, dass ohne ein tieferes Verständnis des Inhalts sich eigentlich jede weitere Kommentierung verbietet.

Also:

„Das[s] etwas besser werden soll[,] ist kein Argument in einer Zeit[,] wo vieles schlechter war als heute.“

Klar, oder?

Quelle:

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…


Auflösungserscheinungen an der Hagschen Straße

rd | 21. Februar 2019, 12:34 | 19 Kommentare
Time to say arrividerci?
Renovieren geht anders: Eiscafé Panciera
Vergebens gewartet: Ali

Ganz oben in der Ecke, an der Kreuzung Linde, investiert die evangelische Kirche in den nächsten Monaten drei Millionen Euro, um die in die Jahre gekommene Versöhnungskirche zu renovieren. Die moderne Architektur des Gotteshauses ist zwar interessant, allerdings wirkt sie auf viele Menschen spröde und abweisend. Das dürfte sich in Zukunft ändern, so dass der Anfang der Straße deutlich einladender wirkt.

Doch was kommt dann?

Der Passant, der sich stadtabwärts bewegt, sieht sich gleich mehrfach mit Auflösungserscheinungen konfrontiert. Den Anfang macht die Geschäftsstelle der NRZ, die seit wenigen Wochen geschlossen ist. Die Scheiben des Ladenlokals sind verklebt, wie zu hören war, vergingen zwischen der Mitteilung der Schließung und deren Vollzug gerade einmal drei Tage.

Wenige Meter weiter wird derzeit auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine der traditionsreichsten Eisdielen der Stadt, das Eiscafé Panciera, komplett entkernt. Ein Ansprechpartner ist nicht auszumachen, allerdings wirken die Arbeiten weniger wie eine Renovierung und etwas mehr wie „Die Räume sind im Ursprungszustand zu übergeben“. Das wäre sehr schade, insbesondere der Garten im rückwärtigen Bereich war Anfang des Jahrtausends ein beliebter Treffpunkt für Freunde kalter Speisung.

Auch das Ladenlokal des Friseurs Marmaris steht leer. Allerdings zog der Betreiber in das Geschäftshaus gegenüber der ehemaligen Post, sodass er der Hagschen Straße erhalten geblieben ist (und sich sogar vergrößert hat). In dem benachbarten Ladenlokal, dort hat ein Schneider die Nachfolge des netten, kleinen Cafés mystic Garden angetreten, hängt auch schon wieder das Schild eines Immobilienmaklers.

Der größte Einschlag aber steht am 13. März bevor. Kurz vor Frühlingsanfang schließt der Textil-Discounter Zeeman („So einfach kann es sein“) seine Filiale an der Hagschen Straße – und beschert dem Straßenzug damit einen riesigen Leerstand, der vermutlich nicht schnell wieder beseitigt werden kann.


Kleiner Klopfer ganz groß: Karneval kann kommen

rd | 20. Februar 2019, 13:23 | 8 Kommentare
Stolz präsentieren die Mitarbeiter des Edeka-Markts Brüggemeier ihr Werk

Mauern stehen gemeinhin für Widerständigkeit, für Abgrenzung und Zurückweisung. Wie anders müssen sich diese beiden freundlichen Mitarbeiter des Edeka-Marktes Brüggemeier gefühlt haben, als der Filialleiter sie mit dem Auftrag betraute, einen Wall aus Fünfundzwanziger-Packs von Likör-Varietäten zu bauen, die unter dem Namen „Kleiner Klopfer“ vertrieben werden. Im Supermarkt selbst ist die Bestimmung des Bauwerks seine Auflösung, idealerweise ist bis Aschermittwoch der gesamte Vorrat verkauft. Diejenigen, die an der Zerlegung des Walls beteiligt sind, Mauerspechte gewissermaßen, verbinden mit jedem dieser Bausteine die mannigfache Möglichkeit, Trennungen zu überwinden und neue Verbrüderungen anzustoßen.

Ein sanft geschwungenes Mauersegment, wie oben abgebildet, ist bereits zum Preis von 2037 Euro und 60 Cent zu haben. Würde die komplette US-amerikanisch-mexikanische Grenze mit einer Mauer in dieser Gestalt abgesichert, käme dies den amerikanischen Steuerzahler deutlich billiger als die derzeit von Präsident Trump geforderten 5,7 Milliarden Dollar. Ein „beautiful wall“ aus „Kleinen Klopfern“ würde nach einer konservativen kleveblog-Kalkulation nur 1,019 Milliarden Euro kosten, und er würde die Verständigung zwischen den beiden Nationen vermutlich deutlich befördern. Die Frage ist allerdings, ob der Hersteller des „Kleinen Klopfers“, die Wolffstore GmbH aus Nettetal, überhaupt in der Lage ist, so viel von dem Zeug zu produzieren.