Windrad-Ärger: Stadtwerke sprechen mit Reyers, warten auf Entscheidung aus Berlin

rd | 02. Dezember 2020, 16:04 | keine Kommentare
Dreht sich zuverlässig, aber wie lange noch? Hubert Reyers vor dem Windrad auf seinem Hof in Kellen

Deutschland möchte die Energiewende, aber ein Landwirt aus Kleve soll seine immer noch bestens funktionierende, aber mittlerweile schon 27 Jahre alte Anlage stilllegen? Wie geht das zusammen? Die Berichterstattung gestern auf kleveblog erhitzte die Gemüter, allgemeines Kopfschütteln gehörte noch zu den milderen Formen der Reaktion.

Nun reagierten auch die Stadtwerke Kleve, auch der Klimaschutzmanager der Stadt Kleve, Christian Bomblat, sicherte seine Unterstützung zu. Stadt-werke-Chefin Claudia Dercks sagte zu kleveblog, dass man natürlich hoffe, dass der Landwirt aus Kellen weiterhin seine Anlage betreiben kann. „Wir stehen mit Herrn Reyers im Gespräch“, so die Geschäftsführerin des kommunalen Energieversorgers, „und prüfen, ob ein Weiterbetrieb der Anlage möglich ist.“

Allerdings liegt die Entscheidung darüber nicht bei den Stadtwerken selbst. Das Unternehmen ist, wie alle anderen Energieversorger auch, an die Bestimmungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gebunden. Die Novellierung des Regelwerks wird derzeit im Bundestag besprochen und steht vor dem Abschluss. Grundsätzlich sieht die Reform EEG-21 vor, dass Deutschland seinen Strom bereits vor dem Jahr 2050 komplett treibhausgasneutral produziert.

Da könnte jedes Windrad helfen, auch eine 27 Jahre alte Anlage am Ortsrand von Kellen. Doch was sagt der derzeit vorliegende Entwurf des Gesetzes konkret zu solchen Anlagen? Der Text – Drucksache 19/23482 – spricht davon, für sogenannte „ausgeförderte Anlagen“ den Rechtsrahmen anzupassen. Dazu gehört auch die Anlage von Reyers. Nach 20 Jahren läuft die Förderung ab, bei Reyers wurde sie schon um sieben Jahre verlängert.

Die Novelle sieht vor, den Betreibern kleiner Anlagen, für die ein Weiterbetrieb in der Direktvermarktung unter Umständen derzeit unwirtschaftlich sein könnte, eine Alternative anzubieten. „Diese Anlagenbetreiber können den in der Anlage erzeugten Strom bis Ende 2027 auch dem Netzbetreiber zur Verfügung stellen und erhalten hierfür den Marktwert abzüglich der Vermarktungskosten“, so steht es im Entwurf. So soll ein Abbau dieser Anlagen verhindert werden.

Soweit der Entwurf. Was davon in der Realität übrig bleibt, und wie sich das dann umsetzen lässt, diese Antwort weiß nur der Wind. Vor allem hinter der Formulierung „Marktwert abzüglich Vermarktungskosten“ lauern natürlich Fallstricke. Was, wenn die Vermarktungskosten höher veranschlagt werden als der Marktwert – muss Reyers dann für jedes Kilowatt Geld bezahlen, wenn sein Windrad weiter Strom produziert?



Energiewende bizarr: Wetterbauer Hubert Reyers soll sein Windrad stilllegen

rd | 01. Dezember 2020, 16:56 | 19 Kommentare
Hubert Reyers vor dem Windrad, das er vor 27 Jahren auf seinem Hof errichten ließ.

Als der Landwirt Hubert Reyers 1993 auf seinem Hof zwischen Kleve und Griethausen ein Windrad errichten ließ, kursierte das Wort Energiewende nur in kleinsten Zirkeln. Die Firma Seewind, die es schon lange nicht mehr gibt, stellte neben der Güllegrube einen 33 Meter hohen Mast auf. Reyers wurde von den RWE dazu verpflichtet, für 30.000 Mark einen eigenen Transformator zu kaufen, dessen Besitz er sogleich schriftlich an den Stromversorger abtreten musste – wer damals, Anfang der Neunzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts, als Einzelner auf die Idee kam, mit erneuerbaren Energien zu experimentieren, musste damit rechnen, dass die mächtigen Konzerne einem Knüppel zwischen die Beine warfen.

Doch Reyers, der wegen seiner online veröffentlichten Wettervorhersagen landauf landab als „Wetter-Bauer“ bekannt ist, ließ sich nicht beirren, und, was soll man sagen: Selten hat man erleben können, dass einem die Zeit so sehr recht gegeben hat.

Die Stadt Kleve hat mittlerweile den Klimanotstand ausgerufen, es wird sogar ein eigener Klimaschutzmanager beschäftigt, Reyers selbst engagiert sich in der „Fridays-for-Future“-Bewegung. Wenn es einen Weihnachtsmarkt gegeben hätte, wäre die Nutzung gasgetriebener Heizpilze zu einem Politikum geworden, so viel ist mal sicher.

Ausgerechnet dort allerdings, wo die Erzeugung erneuerbarer Energien im Raum Kleve ihren Anfang nahm, setzt die Politik jetzt die Axt an – es ist eine Energiewende bizarr, und deren Leidtragender ist der Mann der ersten Stunde: Hubert Reyers. Zum 1. Januar 2021 soll er seine Anlage, obwohl voll funktionsfähig, stilllegen. Die Stadtwerke teilten ihm den Sachverhalt in einem Brief mit. „Ich kann es nicht verstehen“, so Reyers.

Die Betriebsgenehmigung für seine Anlage lief über 20 Jahre, dann wurde sie noch einmal um fünf Jahre verlängert, und schließlich noch einmal um zwei Jahre. Einmal im Jahr kommen zwei Techniker, die für ein paar tausend Euro eine Inspektion vornehmen und dafür sorgen, dass das sich im Winde drehende Rad brav seinen Strom erzeugt – rund 100.000 kW pro Jahr. Aus heutiger Sicht nicht viel, aber genug für den Hof und genug, um mit der Einspeisung ins Netz auch noch ein wenig zu verdienen.

Nach dem Auslaufen der Genehmigung aber darf Hubert Reyers sein Windrad nicht mehr nutzen. „Das ist doch volkswirtschaftlicher Irrsinn“, so der Landwirt. Ihm geht es gar nicht um die Einnahmen, die ihm selbst entgehen, er hat den Blick für die großen Zusammenhänge: „Ich würde die Anlage auch einfach so weiterlaufen lassen, allein schon aus ökologischen Gründen.“

Als er seinen Mitstreitern von Fridays for Future von der drohenden Stilllegung berichtete, waren die, so Reyers, „wie vor den Kopf gestoßen“. Reyers: „Die fanden das furchtbar“ – insbesondere, weil sich doch die Stadt Kleve ihrer unermüdlichen Klimaschutzbemühungen rühme. „Das ist doch ein Armutszeugnis“, so Reyers.

Auch ein neues Windrad anstelle des alten ist nicht möglich. Die Vorschriften für die Standorte haben sich mittlerweile so geändert, dass eine neue Anlage auf dem Bauernhof am Nordostrand des Ortsteils Kellen nicht mehr genehmigungsfähig ist.

Reyers’ letzte Hoffnung ist nun, dass der Klever Klimaschutzmanager Christian Bomblat sich seiner Sache annimmt. Bomblat hatte sich zu seinem seinem Amtsantritt Anfang des Jahres vorgenommen, „Impulse zum Klimaschutz in die Bürgerschaft zu tragen“. In einem Interview sagte er: „Oft kostet Klimaschutz jedoch nicht einmal mehr Geld. Aber es kostet uns oft Mühe, aus eingefahrenen Schemata auszubrechen und Neues umzusetzen.“ Auf dem Hof von Hubert Reyers muss nicht einmal Neues umgesetzt, sondern nur Bestehendes bewahrt werden.



Kreis Klever Impfzentrum wird im Wunderland eingerichtet

rd | 30. November 2020, 14:35 | 38 Kommentare
Zum Wunderland gehört auch die Hansehalle – dort wird jetzt das Impfzentrum des Kreises Kleve eingerichtet

Eben noch tagte die AfD in der Hansehalle Grieth, schon bald soll dort die Bevölkerung gegen das Coronavirus geschützt werden. Der Kreis Kleve teilte soeben mit, dass das Impfzentrum des Kreises in der Veranstaltungshalle, die zum Freizeitpark Wunderland Kalkar gehört, eingerichtet wird – schön für den Betreiber Han Groot Obbink, der in schwierigen Zeiten für seine Eventlocation eine dauerhafte und krisensichere Nutzung gefunden hat. Hier die Nachricht des Kreises Kleve im Wortlaut:

Corona-Stab des Kreises Kleve bereitet kurzfristige Einrichtung der Hansehalle Grieth vor

Kreis Kleve – Der Kreis Kleve arbeitet mit Hochdruck an der Einrichtung eines Corona-Impfzentrums im Kreisgebiet. Die zentrale Frage des Standortes ist nun entschieden. „Wir werden das Impfzentrum Kreis Kleve in der Messe Kalkar einrichten, und zwar in der Hansehalle Grieth“, so Landrätin Silke Gorißen. „Der Standort ist bestens geeignet, weil dort viele Voraussetzungen für die Einrichtung und für den Betrieb gegeben sind. In Kalkar können wir somit künftig mit den Impfungen beginnen, sobald der Impfstoff verfügbar ist.“ Aktuell arbeiten die Verantwortlichen aus dem Corona-Stab des Kreises Kleve an der Detailplanung. „Sobald die wichtigsten Fragen geklärt und auch mit den weiteren beteiligten Institutionen abgestimmt sind, werden wir die Bürgerinnen und Bürger schnell informieren.“

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Bürgerinitiative „Kein Kahlschlag im Klinikwald“ verzichtet auf Klage und appelliert „an Vernunft in Politik und Verwaltung“

rd | 30. November 2020, 13:50 | 11 Kommentare
Bäume sind schön. Manchmal stehen sie Investoren im Weg

Kürzlich erschien in der lokalen Presse eine Stellenanzeige, mit der die Scientific Freshers GmbH, „ein stetig wachsendes Unternehmen mit einer der interessantesten Herausforderungen der Zukunft“, nach Erziehern und Hausmeistern suchten.

Das Unternehmen ist bekanntlich in dem Teil der LVR-Klinik ansässig, den die beiden Betreiber des Unternehmens, die Hochschulprofessoren Thorsten Brandt und Dirk Untiedt, für ein beträchtliches Sümmchen dem Landschaftsverband abkaufen wollen. Der Plan ist, dass dort – in der Nachbarschaft von psychisch kranken Straftätern – ein Wohngebiet entstehen soll. Ein kommerzielles Millionenprojekt, dem ein Gutteil des Waldes auf dem Gelände im Wege steht.

Die Gemeinde Bedburg-Hau, zuständig für die planungsrechtliche Wegbereitung, war schnell mit im Boot, der Bauamtsleiter ging gemeinsam mit Investor Untiedt auf die Jagd. So verwunderte es wenig, dass das von engagierten Bedburg-Hauern initiierte Bürgerbegehren im Rat aus formalen Gründen abgeschmettert wurde. Diesen Beschluss ließ die Initiative „Kein Kahlschlag im Klinikwald“ nun von einem Fachanwalt prüfen. Das Ergebnis: Die Klage habe nur wenig Aussicht auf Erfolg. „Die Initiative wird also keine Klage einreichen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

In der Stellungnahme, für die die drei Vertretungberechtigten Verena Welbers, Günter van Meegen, Theo Janßen, verantwortlich zeichnen, wird der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass die Politik die Bedeutung des Themas, das immerhin rund 1000 Bedburg-Hauer mobilisierte, erkennt. Wörtlich heißt es: „Zurzeit laufen die Vorbereitungen für den Bau der neuen Forensik im Klinik Süd-Teil. Eine große Waldfläche wird dazu weichen müssen. Hier wird uns vor Augen geführt, was uns auch im Nord-Teil erwartet. Vielleicht kommen Politik und Verwaltung dann doch noch zur Vernunft. Die Bürgerinitiative wird die Planung LVR-Klinik Nord-Teil weiter kritisch verfolgen und keinen Versuch unterlassen den Waldbestand zu retten. Eines haben wir auf jeden Fall schon erreicht, die Planung wurde in der Öffentlichkeit wahrgenommen und diskutiert. Viele mit uns können nicht verstehen, warum Wald in Bauland umgewandelt werden soll, wo doch große Flächen Ackerland von der Bezirksregierung Düsseldorf als Bauland ausgewiesen wurden und wieso so etwas überhaupt noch im Zeichen des Klimawandels möglich ist.“

Für den neuen Bürgermeister Stephan Reinders dürfte das Ringen um den Erhalt des Klinikwalds eine erste Bewährungsprobe darstellen – vor seiner Wahl hatte der 38 Jahre alte Newcomer betont, nicht nur der Bürgermeister der CDU sein zu wollen. Im Rat gehen die Meinungen zu den Plänen der beiden Professoren weit auseinander.


Corona-Kurve: Tafel wieder erreicht!

rd | 30. November 2020, 11:21 | 1 Kommentar
Ausbauphase beendet

Die Maßnahmen scheinen Wirkung zu zeigen: Erstmals seit fünf Wochen sind die Infektionszahlen nicht mehr im provisorischen Ausbaubereich der Schiefertafel angesiedelt – die 235 in den vergangenen sieben Tagen im Kreisgebiet erkannten Corona-Fälle passen wieder aufs Originalformat der kleveblog-Seuchenvisualisierung. Das war zuletzt Ende Oktober der Fall. Insgesamt hat es bisher 3252 Fälle im Kreis Kleve gegeben, davon 534 in der Stadt Kleve. 70 Personen sind verstorben. Im Krankenhaus werden derzeit 24 Menschen behandelt.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve