Europa-RadBahn: Der 1. Beinbruch

rd | 17. Juni 2019, 13:46 | 3 Kommentare
Drei Meter Fahrbahnbreite – wie hier bei Nütterden – können zu eng sein

Die am Pfingstwochenende eröffnete Europa-RadBahn zwischen Kleve und Nimwegen hat ihren ersten schweren Unfall: Eine Pedelec-Radlerin (67) brach sich am Samstag Nachmittag gegen 16:30 Uhr das Schienbein.

Die Polizei schilderte den Unfallhergang wie folgt: Eine 67-jährige Kranenburgerin befuhr mit dem Pedelec den Europaradweg Richtung Kranenburg. Im Ortsteil Nütterden überholte sie eine weibliche Radfahrerin, die einen Fahrradanhänger mitführte. Während des Überholvorgangs kam der 67-jährigen ein männlicher Radfahrer entgegen. Daraufhin wich sie nach rechts aus, stieß gegen den Fahrradanhänger und stürzte zu Boden. Die beiden Unfallbeteiligten leisteten sofort Hilfe und informierten den Ehemann der Kranenburgerin, der seine Ehefrau mit nach Hause nahm. Über Nacht klagte sie jedoch über Schmerzen, so dass sie am nächsten Morgen ins Krankenhaus Kleve eingeliefert wurde. Dort wurde ein Schienbeinbruch diagnostiziert. An den Rädern entstand kein Sachschaden. Die an dem Unfall beteiligten Radfahrer werden gebeten, sich mit der Polizei Kleve unter der Nummer 02821/5040 in Verbindung zu setzen.



Zerzaust

rd | 13. Juni 2019, 11:19 | 3 Kommentare
Flatterhaft

Ganz Kleve fotografiert zurzeit das wunderbare Mohnfeld an der Emmericher Straße (hier war ja auch bereits eine Aufnahme zu sehen: Mohn ami), aber manchmal muss unsereins nur ein paar Schritte vor die Gartentür laufen, um eine der fragilen Schönheiten zu entdecken. Mal sehen, wie lange die zerzauste Blüte dem Wind noch trotzen kann… 



1300 m² Wohnfläche, 5 Schlafzimmer: Kleves größte Villa steht für 2,85 Mio. Euro zum Verkauf

rd | 07. Juni 2019, 21:38 | 66 Kommentare
In jeder Hinsicht großzügig dimensioniert: Villa der Familie U. an der Nimweger Straße

Als Anwohner die Pläne für das Haus sahen, befürchteten sie, dass in ihrer Nachbarschaft, in einer der besten Wohngegenden der Stadt, ein Freudenhaus entsteht – wofür sonst braucht man schon fünf Schlafzimmer?? Doch der Bau war das Traumobjekt der Nimweger Unternehmerfamilie U. Der wirtschaftliche Erfolg ihrer niederländischen Immobilienunternehmungen sollte sich im Stil des Hauses widerspiegeln. Es handelt sich um Kleves größte Villa – weitaus üppiger dimensioniert als die klassizistischen Villen an der Tiergartenstraße.

Matthias Grass, der für Architekturkritik zuständige Redakteur der Rheinischen Post, säuselte: „Hubert van Erp, Büro van Erp+Jansen, Architekt aus Kleve, plante nach den Skizzen eines niederländischen Kollegen also eine große Villa á (sic!) la Palladio mit Seitenflügeln und klassizistischen Anleihen. ,Es ist sicher kein Einfamilienhaus im herkömmlichen Sinn’, sagt der Planer mit Blick auf überhöhte Zimmerdecken, mit Blick auf die Treppe, die wie die des Friedrich-Wilhelm-Bades aufgebaut ist, mit Blick auf die Tiefgarage.“

Stolz war der Architekt auch auf die mächtigen Träger im Keller, die der Tiefgarage seiner Ansicht nach etwas „Skulpturales“ gegeben haben. Die Steine, aus denen die Fassade besteht, sind allesamt in Bayern einzeln zugeschnitten worden. Die vier Badezimmer mit je einer Badewanne seien für ein Haus dieser Größe nicht ungewöhnlich, so der Architekt.

Doch die Besitzerfamilie, die in die 2014 fertiggestellte Villa eingezogen ist, fühlt sich dort offenbar schon nach fünf Jahren nicht mehr heimisch. Auf der Website der Firma Remax-Immobilien ist Kleves größte Villa als Kaufangebot gelistet: Eine Klasse für sich – Repräsentative, klassische Eleganz in Premiumwohnlage!

Der geforderte Kaufpreis dürfte allerdings normale Anleger vor eine Herausforderung stellen: 2,85 Millionen Euro werden aufgerufen.  Dafür gibt es natürlich Wohnkomfort der besonderen Art. Der Makler Alexander Neulen schwärmt: „Die gradlinige Architektur, umgesetzt mit edlen und hochwertigen Materialien, unterstreicht die Luxuriösität dieser Einheit. Großzügige Raumhöhen, ein stimmiges Lichtkonzept und der architektonisch toll durchdachte Grundriss prägen die Atmosphäre und sind nur einige Pluspunkte dieses hochwertigen Anwesens. Mit einem Aufzug erreichen Sie komfortabel auch von der Tiefgarage aus jede einzelne Wohnebene.“ Der Energiepass befinde sich in Arbeit und könne zeitnah vorgelegt werden.

Man darf gespannt sein, welcher wohlhabende Klever dem Charme des repräsentativen Anwesens erliegt. Bernd „Mom“ Zevens aller Wahrscheinlichkeit nach nicht, der hatte schon das großzügige Penthouse über dem Rilano-Hotel verschmäht: „Wat soll ich denn damit?!“


Europa-RadBahn fertig: Richtung Westen, und dann (fast immer) geradeaus

rd | 07. Juni 2019, 19:32 | 5 Kommentare
Mit der Beschilderung hat man es manchmal etwas zu gut gemeint, aber grundsätzlich gilt: Die neue Strecke beschert Radfahrern eine weitestgehend störungsfreie Fahrt von Kleve bis kurz vor Nimwegen. Dann wird es etwas kniffliger

(Originaltext der Pressemitteilung der Stadt Kleve) Dass Radfahren in mancherlei Hinsicht die bessere Alternative im alltäglichen Verkehr zur Arbeit, zur Schule und zum Studium oder Einkauf darstellt, ist längst allen klar. Radelnde Zeitgenossen tun etwas für Körper und Seele und jeder Kilometer, den das eigene Auto stehen bleibt, schont Klima und Umwelt sowie das eigene Portemonnaie. „Mit der Idee von einer grenzüberschreitenden schnellen und komfortablen Radverbindung von Kleve über Kranenburg bis ins niederländische Nijmegen wollten die Räte der Stadt Kleve und der Gemeinde Kranenburg vor allem umstiegswilligen Pendlern eine adäquate Trasse bieten“, erklärt Bürgermeister Günter Steins.

„Schnellläufer“ in Bestzeit

Gerademal zweieinhalb Jahre hat es von der Bewilligung der Fördermittel bis zur Eröffnung der Europa-Radbahn am 7. Juni 2019 gedauert. Planungs- und Bauzeit sind damit im Vergleich zu anderen Projekten auch beim Radwegebau bemerkenswert schnell über die Bühne gegangen. Dazu waren engste Absprachen zwischen allen Beteiligten notwendig. Erfolgreich war auch das Baukonzept: „Von beiden Endpunkten auf deutscher Seite haben zwei Tiefbauunternehmen aufeinander zugebaut – diese Planung hat letztendlich die eigentliche Bauzeit halbiert und sicherte so die Eröffnung pünktlich zur laufenden Radsaison“, freut sich Bürgermeisterin Sonja Northing.

Bund und Land übernehmen den Großteil der Finanzierung

Als einer der Gewinner des Wettbewerbs „Klimaschutz durch Radverkehr“, ausgeschrieben durch das damalige Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, erhält das Projekt neben der Auszeichnung eine stattliche Förderung. Überzeugt hatten die Juroren des Wettbewerbs vor allem zwei Aspekte des regionalen Radprojektes: Zum einen die Idee, gerade der rasant wachsenden Zahl von elektrisch unterstützten Pedelecs aber auch konventionellen Rädern eine gut ausgebaute und durchgängige Route anzubieten. Dadurch wird der Umstieg auf das Rad befördert und somit ein erheblicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Die Vorteile neuer Technologie können so auch tatsächlich genutzt werden. Der zweite Aspekt war die grenzüberschreitende Dimension der Trasse. Diese verbindet am Ende zwei Mittelzentren und Hochschulstandorte: die deutsche Kreisstadt Kleve und das niederländische Nijmegen.

Letztendlich überzeugten auch das Land NRW diese Argumente. Von den rund 6,5 Millionen Euro Gesamtkosten übernimmt der Bund 4,3 Millionen Euro (70 Prozent Förderquote). Weitere 921.000 Euro (15 Prozent Förderquote) stammen aus Mitteln des Ministeriums für Verkehr NRW. Die beiden beteiligten Kommunen Kranenburg und Kleve stemmen die restlichen rund 1,3 Millionen Euro.

Beste elf Kilometer RadBahn für alle (Rad-)Typen

Rund 11 Kilometer misst die neue Trasse auf deutscher Seite. 4,67 Kilometer liegen dabei auf Klever Stadtgebiet, 6,45 Kilometer führen durch die Gemeinde Kranenburg. Von Bedeutung ist aber auch noch ein anderes Maß: Mit mindestens drei Metern Breite bietet die Trasse genug Raum für äußerst komfortables Vorankommen – sicheres Überholen inbegriffen.

Auch der Belag auf der Strecke macht Spaß: Ebener Asphalt bedeckt den Radweg über die gesamte Länge und bietet optimale Bedingungen. Die Europa-RadBahn lädt letztendlich alle Typen von Radfahrern zur Nutzung ein. Genehmigt ist dabei alles was auch auf herkömmlichen Radwegen erlaubt ist. E-Pedelecs und E-Bikes mit einer höheren Unterstützungsleistung als bis zu 25 Stundenkilometer und andere motorisierte Gefährte dürfen allerdings nicht auf der Europa-RadBahn fahren – sie müssen die Straßen nutzen.

Optimiertes Licht und optimale Ampelschaltungen

Auch ansonsten gelten auf der Trasse die Bedingungen der Straßenverkehrsordnung. Rechtsfahren beispielsweise ist vorgeschrieben. Dass Verkehrsschilder und Ampeln zu beachten sind, versteht sich von selbst. Allerdings haben die Planer die Ampelschaltungen entlang der Strecke so konzipiert, dass ankommenden Radler früh erkannt werden und in der Regel grünes Licht haben, wenn sie die Lichtzeichenanlage erreichen. Bei einigen Querungen – etwa an der B9 – kann es noch zu kurzen Stopps kommen. Ansonsten geht es durchgängig weiter. Es gilt das Prinzip Vorrangigkeit des Radverkehrs vor dem motorisierten Individualverkehr.

In Teilen des Stadtgebiets von Kleve und an neuralgischen Punkten ist die Strecke abends und nachts beleuchtet. Auf eine durchgehende Beleuchtung wurde allerdings bewusst verzichtet. So soll dem Artenschutz Rechnung getragen werden. Artenschutz stand auch bei der Auswahl der verwendeten Leuchten im Vordergrund – sie sind blendfrei und vermeiden weitgehend den Anflug von Insekten und Fledermäusen.

Gute Aussichten über grüne Ränder hinweg

Entlang der Trasse gibt es einiges zu sehen. Einen Höhepunkt bildet dabei sicherlich die Sichtachse auf den Forstgarten in Kleve mit Blick auf die Wasserspiele und den Kupfernen Kopf. Aber auch an anderen Stellen lohnt es sich erhobenen Hauptes zu radeln und ab und an den Blick schweifen zu lassen.

Auch die Ränder der Strecke sind beachtenswert. Sie bieten heimischen Vögeln und Insekten Schutz und Nahrung. Bei der Bepflanzung wurden z. B. durchgängig regionale und krautreiche Mischungen verwendet. Auch da, wo Nutzflächen für Lagerung und Zufahrten eine höhere Bepflanzung verhindern, wurden schmetterlings- und wildbienenfreundliche Samenmischungen aus der Region benutzt.

Draisine im Parallelverkehr

Ab und an wird beim Blick in die Landschaft eine Draisine auf Schienen durch das Bild huschen: Die alte Bahntrasse, auf der jetzt die Europa-RadBahn fertig gestellt wurde, beherbergt auch die Schienen der Draisinen, die in der Saison ein beliebtes Freizeitvergnügen bieten. Der Betrieb der Draisinenbahn parallel zur Europa-Radbahn läuft auch nach Inbetriebnahme der Radstrecke uneingeschränkt weiter.

Die Planungen haben übrigens auch eine Wiederbelebung des Schienenverkehrs zwischen Kleve und den Niederlanden berücksichtigt. Der Bau der Europa-RadBahn beeinträchtigt solche Überlegungen in keiner Weise.