Corona aktuell: 226 neue Fälle in einer Woche

rd | 25. Oktober 2020, 17:15 | 11 Kommentare
Auf die Idee, dass die Tafel in der Vertikalen nicht ausreichen würde, ist der Chefstatistiker nicht gekommen. Sonst hätte er die x-Achse deutlich tiefer gesetzt

226 neue Corona-Fälle in einer Woche, eine 7-Tage-Inzidenz von deutlich über 70 – keine Entspannung nirgends. Gestern machten die Kneipen erstmals um 23 Uhr zu, was – soweit die persönlichen Beobachtungen des Autors für den Bereich der Innenstadt auch außerhalb des Stadtzentrums zutreffen – bemerkenswert reibungslos funktionierte. +++ Im Amateurfußball wurden am Wochenende zahlreiche Spiele abgesagt, man wundert sich, dass die Saison noch nicht ausgesetzt ist. +++





Corona im Kreis Kleve: 57 neue Fälle, 2 weitere Tote, Ausbruch in Seniorenresidenz Burg Ranzow

rd | 23. Oktober 2020, 19:46 | 37 Kommentare
Nicht beschreibbare Papierwaren sind noch vorhanden
Einlasskontrollen bei Saturn…
Zwar kommen noch Niederländer nach Kleve, insbesondere, um ein „kopje koffie“ zu trinken, was jenseits der Grenze in der Gastronomie nicht mehr möglich ist, doch 567 freie Parkplätze am Freitag Mittag in der Unterstadt zeigen, dass auch viele zu Hause bleiben

(Wird gegebenenfalls aktualisiert) Corona schlägt zu – erstmals ist in Kleve auch ein Altenheim betroffen, und zwar Burg Ranzow in Materborn. „Die gesamte Einrichtung steht unter Quarantäne“, heißt es vom Kreis Kleve. „Zugleich besteht ein Besuchs- und Aufnahmestopp.“ Wie viele Senioren infiziert sind, ist nicht bekannt. Die Gesamtzahl der (erkannten) Infizierten in der Stadt stieg um 7 Personen auf 214. Zugleich meldete der Kreis, dass zwei weitere Menschen gestorben sind – ein 73 Jahre alter Mann aus Kleve und ein 80 Jahre alter Mann aus Goch. Zu Vorerkrankungen ist dem Kreis Kleve nichts bekannt. In den Krankenhäusern des Kreises werden mittlerweile 32 Personen bekannt. Die Inzidenz (Zahl der Fälle pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen) beträgt den Zahlen des Kreises zufolge 64,5 und liegt somit deutlich über dem zweiten Grenzwert von 50. Insgesamt 1433 Menschen befinden sich in häuslicher Quarantäne – ein neuer Höchstwert.

Fallzahlen (gesamt) in anderen Kommunen: Bedburg-Hau 85, Emmerich 168, Geldern 274, Goch 170, Kalkar 50, Kranenburg 57, Uedem 32.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve



Was trieb der Orden der Transformanten auf Gut Graefenthal? Haftbefehl wegen schweren sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung erlassen

rd | 22. Oktober 2020, 18:07 | 29 Kommentare

Gut Graefenthal: Was geschah hinter diesen Mauern? (Foto: Joachim Schäfer)

(Aktualisert, Haftbefehl erlassen) Der ursprüngliche Vorwurf lautete auf Freiheitsberaubung, zu Lasten einer 25 Jahre alten Frau. Doch nach dem Einsatz der Polizei in den frühen Morgenstunden auf Gut Graefenthal kommen nun neue, schockierende Vorwürfe ans Tageslicht, die die Frage aufwerfen, was der Orden der Transformanten in dem ehemaligen Kloster in Goch-Asperden tatsächlich trieb. Oberstaatsanwalt Günter Neifer zu kleveblog: „Wir haben gerade beim Amtsgericht bei der zuständigen Ermittlungsrichterin den Erlass eines Haftbefehls gegen den 58 Jahre alten niederländischen Staatsbürger beantragt, der gestern vorläufig festgenommen worden war.“ Am Abend erließ die Richterin Haftbefehl, der Mann kam in Untersuchungshaft.

Offenbar sind im Zuge der Ermittlungen weitere schwerwiegende Vorwürfe bekannt geworden. Dem Haftbefehl zufolge soll der selbsternannte Prophet auch für Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern sowie für Vergewaltigungen verantwortlich sein. Die Fälle des sexuellen Missbrauchs sollen sich in den Jahren 2006 bis 2008 im niederländischen Hoeven (Nord-Brabant) ereignet haben, es geht offenbar um zehn einzelne Delikte. Zwei Fälle von Vergewaltigung soll es im vergangenen Jahr auf dem Gelände von Gut Graefenthal gegeben haben.

Außerdem gibt es noch den Vorwurf der Freiheitsberaubung, der das ganze Geschehen ins Rollen gebracht hatte. Die betroffene Person war bei der auf dem Gelände tätigen Eventagentur als Mitarbeiterin beschäftigt, ihre Mutter ist Mitglied des Ordens der Transformanten. Ein weiterer Vorwurf lautet auf Körperverletzung, davon betroffen sein soll ein anderes Mitglied der Sekte.

In Hoeven, wo sich die ersten Fälle ereignet haben sollen, wurde die Sekte 2000 begründet (nach anderen Berichten 2003). In dem 6500-Einwohner-Ort lebten die Anhänger in zehn freistehenden, benachbarten Wohnhäusern. Als die Glaubensgemeinschaft vor zwölf Jahren erstmals in die Schlagzeilen geriet, wohnten in Hoeven rund 60 Mitglieder, weitere 40 anderswo in den Niederlanden. In einem Zeitungsbericht wird ein Robert B. als Coach und „voorganger“ (Vorsteher) bezeichnet. Er soll derjenige sein, der in Goch festgenommen wurde.

In dem Bericht wird beschrieben, dass B. dort mit seiner Ex-Frau, seiner hochschwangeren neuen Frau sowie einer weiteren Freundin lebte, mit der er ein gemeinsames Kind hat. Ein Transformant erläuterte dem Reporter: „Seks in bijbelse context gebeurt altijd in liefde en respect voor elkaar. Orgies en losse relaties zijn dus niet aan de orde. Ons lichaam zien wij als tempel van de ziel en houden we in ere.“ (Sex im bliblischen Kontext geschieht immer in Liebe und gegenseitigem Respekt. Orgien und lose Beziehungen gibt es beim Orden nicht. Wir sehen unseren Körper als Tempel der Seele und halten ihn in Ehren.)

(Weitere Informationen zu B. und zu der Sekte finden sich in einem frei verfügbaren Artikel des Algemeen Dagblad: Opgepakte Nederlandse sekteleider in Duitsland wordt verdacht van misbruik en verkrachtingen)

2019 hatte sich die Gemeinschaft in dem malerischen Gebäudekomplex an der Niers niedergelassen. Käufer der Immobilie war eine Eventagentur namens ADG. In Goch kursierten schon eine ganze Zeitlang Gerüchte, dass das Geschehen dort sektiererische Züge aufweise.

Wie sich der Beschuldigte zu den Vorwürfen äußerte und was die Frau, die angeblich dort gegen ihren Willen festgehalten wurde, bei der Polizei aussagte, wollte die Staatsanwaltschaft mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen noch nicht bekannt geben.

Auf der Website der Glaubensgemeinschaft gibt es den Menüpunkt Geborgenheit. Darin heißt es: „Beim Orden der Transformanten darf sich jeder sicher, akzeptiert und gewertschätzt wissen. Durch einen respektvollen Umgang bietet der Orden Geborgenheit, in der du in einem entspannenden Umfeld deine Beziehung mit Gott vertiefen kannst.“ Die Ermittler scheinen eine andere Vorstellung davon gewonnen zu haben, wie der Umgang miteinander im Orden der Transformanten war.

Auf Facebook wies das Team Graefenthal die Vorwürfe zurück. In dem Statement heißt es: „Wir sind total schockiert von was heute passiert ist. Heute Morgen gab es eine Durchsuchung von der Polizei. Nicht nur die Gebäuden von der Event Location sind durchsucht, sondern auch die private Wohnungen wo Familien und Kinder wohnen. Es handelt sich um falschen Anschuldigungen. Eine Frau befreit? Um ganz klar zu stellen: Diese Frau wovon geredet wird ist unter lauten Protest (Ein Zitat von der Frau: „Ich will hier bleiben! Lass mich Los!“) gegen Ihren Willen von der Polizei mitgenommen. Und wofür? Es ist leider die umgekehrte Welt.“


Corona-Verfügung erlassen, ab übermorgen ist Schluss mit lustig – Sperrstunde ab 23 Uhr

rd | 22. Oktober 2020, 12:50 | 34 Kommentare
Eine aktuelle Grafik des Robert Koch-Instituts zeigt, dass die größten Treiber für die aktuelle Ausbreitung Privathaushalte, Alten-/Pflegeheime, Arbeitsplätze sowie der Freizeitbereich sind

(Der Kreis hat das Datum des Inkrafttretens soeben auf den 24.10. korrigiert.) Soeben raus: Die Allgemeinverfügung des Kreises nach Überschreiten des zweiten Grenzwerts (mehr als 50 Fälle/100.000 Einwohner) mit weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens (siehe unten). Das Katholische Karl-Leisner-Klinikum erlässt mit sofortiger Wirkung einen Besucherstopp, ausgenommen der Besuch schwerstkranker Patienten, von Kindern (Absprachen erforderlich) sowie bei Geburten (Väter). In Kranenburg wurde der Stüppkesmarkt abgesagt.

Bundeswehr hilft bei der Kontaktverfolgung

Die aktuellen Zahlen: 1464 Fälle bisher insgesamt im Kreis Kleve (plus 38), 207 in der Stadt Kleve (plus 4), 29 Menschen im Krankenhaus, 1339 in Quarantäne. Der Kreis Kleve hat die Bundeswehr um Hilfe bei der Nachverfolgung von Kontakten gebeten. Ein größeres Infektionsgeschehen gibt es in Geldern (Seniorenresidenz Bellini/Am Nierspark). Die Inzidenz liegt bei 53,4 (Wert des Landeszentrums Gesundheit).

Hier die entscheidenden Bestimmungen der Allgemeinverfügung:

In der Öffentlichkeit dürfen sich – außerhalb von Familien und Personen zweier Hausstände – nur noch Gruppen von höchsten 5 Personen treffen. An privaten Festen aus herausragendem Anlass dürfen höchstens 10 Personen teilnehmen. Es gilt eine „Sperrstunde“ für Gastronomiebetriebe sowie ein Verkaufsverbot für alkoholische Getränke zwischen 23 und 6 Uhr. Bei Innen- und Außen-Veranstaltung gilt eine Höchstgrenze von 100 Personen (Ausnahme: das Gesundheitsamt lässt aufgrund eines besonderen Hygiene- und Infektionsschutzkonzepts eine Ausnahme zu). 

Aus der bereits in Kraft getretenen Allgemeinverfügung zur Feststellung der Gefährdungsstufe 1 gilt weiterhin, dass der Mund-Nasen-Schutz in geschlossenen Räumen bei Veranstaltungen auch am Sitz- oder Stehplatz getragen werden muss.

Mit der Feststellung des Erreichens der Gefährdungsstufe 2 im Kreis Kleve gilt bei Verstößen gegen die neuen Regelungen ein neuer Bußgeldkatalog. So müssen beispielsweise Gäste, die an einem Fest mit mehr als 10 Personen teilnehmen, mit einem Bußgeld von 250 Euro rechnen. 

Die örtlichen Ordnungsbehörden können als zuständige Behörde für Maßnahmen nach § 28 Infektionsschutzgesetz weitergehende Anordnungen treffen. So können sie beispielsweise laut Coronaschutzverordnung öffentliche Außenbereiche festlegen, in denen die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung besteht, da in diesen Bereichen regelmäßig eine Unterschreitung des Mindestabstands zu erwarten ist, beispielsweise in stark frequentierten Fußgängerzonen. 

Alle Regelungen der Coronaschutzverordnung gelten für den öffentlichen Raum, da für die Privatsphäre ein hoher Grundrechtsschutz besteht. Die Mitglieder des Corona-Stabs appellieren somit an die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger: „Diese Gefährdungsstufe 2 ist eine deutliche Warnung. Wir empfehlen dringend, die Regelungen auch im privaten Raum zu beachten und beispielsweise die Anzahl der Kontakte zu anderen Personen zu reduzieren. Jetzt ist die Mithilfe jedes Einzelnen erforderlich!“

Sport darf weiter betrieben werden

Die gute Nachricht: Vereins- bzw. Mannschaftssport darf – vorerst – weiter betrieben werden. Es gilt § 9 der aktuellen Corona-Schutzverordnung in NRW, in der es heißt:

„(1) Beim Sport- und Trainingsbetrieb sowie bei Wettbewerben auf und in öffentlichen oder privaten Sportanlagen sowie im sonstigen öffentlichen Raum sind geeignete Vorkehrungen zur Hygiene, zum Infektionsschutz, zur Steuerung des Zutritts und zur Gewährleistung eines Mindestabstands von 1,5 Metern (auch in Dusch- und Waschräumen, Umkleide-, Gesellschafts- und sonstigen Gemeinschaftsräumen sowie in Warteschlangen) zwischen Personen, die nicht zu den in § 1 Absatz 2 genannten Gruppen gehören, sicherzustellen. Beim Sport in geschlossenen Räumen ist zudem eine gute Durchlüftung sicherzustellen.

(2) Abweichend von Absatz 1 ist in Kontaktsportarten die Ausübung des Sport-, Trainingsund Wettbewerbsbetriebs ohne Mindestabstand zulässig, wenn die Rückverfolgbarkeit nach § 2a Absatz 1 sichergestellt ist.“

Die obenstehende Grafik ist dem aktuellen Lagebericht des Robert Koch-Institut entnommen. Hier das ganze Dokument zum Download (für den Fall, dass die geschätzten Diskutanten den einen oder anderen Beitrag mal unterfüttern wollen:

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Corona: Nächster Grenzwert überschritten, weitere Einschränkungen folgen

rd | 22. Oktober 2020, 09:43 | keine Kommentare
Das Coronavirus (stark vergrößert, schematische Darstellung)

Heute Nachmittag wird der Kreis Kleve verkünden, dass der nächste Corona-Grenzwert überschritten worden ist und somit weitere Beschränkungen des öffentlichen Lebens unumgänglich sein werden. Die Zahlen, die dieser Entwicklung zugrunde liegen, sind sowohl beim Robert Koch-Institut wie auch beim Lagezentrum Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf bereits abrufbar. Demnach hat es in den vergangenen 24 Stunden im Kreis Kleve 37 weitere erkannte Infektionen mit dem Coronavirus gegeben, die Zahl der Fälle innerhalb von sieben Tagen liegt bei rund 170, die Inzidenz beträgt somit 53,4. (Deutschlandweit wurde der neue Rekordwert von 11.287 neuen Infektionen erreicht, die Inzidenz von 50 war schon gestern überschritten.)

Was kommt nun auf uns zu?

Im Kreis Wesel, wo der Wert gestern überschritten wurde, traten die folgenden Maßnahmen in Kraft:

Personen im öffentlichen Raum
Eine Gruppe, die im öffentlichen Raum zusammentrifft, darf grundsätzlich aus höchstens 5 Personen bestehen.

Mund-Nase-Bedeckung im öffentlichen Raum
Besucherinnen und Besucher von Konzerten, Aufführungen, sonstigen Veranstaltungen und Versammlungen in geschlossenen Räumen sowie von sämtlichen Sportveranstaltungen (auch im Freien) müssen zu jeder Zeit eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Dies gilt auch am Steh- oder Sitzplatz.

Auch in einzelnen öffentlichen Außenbereichen (z.B. bestimmte Fußgängerzonen) gilt eine generelle Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung. Welche Bereiche betroffen sind, ist in Anlage 1 der Allgemeinverfügung aufgeführt.

Zuschauer- und Teilnehmerbegrenzung für Veranstaltungen
Die zulässige Teilnehmerzahl für Veranstaltungen ist auf maximal 100 Personen begrenzt. Bei Veranstaltungen mit einer Teilnehmerzahl über 100 und maximal 250 Personen im Innenraum bzw. maximal 500 Personen im Freien muss drei Tage vorher ein Hygieneschutzkonzept vorgelegt werden. Veranstaltungen mit Teilnehmerzahlen über 250 bzw. 500 Personen sind unzulässig.

Gleichzeitig gelten weiterhin Beschränkungen bei Zuschauerzahlen. Die maximalen Zuschauerzahlen für Veranstaltungen und Versammlungen sind auf ein Drittel der Regelauslastung (Kapazität des Veranstaltungsortes) begrenzt. Bei Sportveranstaltung gilt die Reduzierung der Zuschauerzahlen auf ein Fünftel der Regelauslastung.

Öffnungszeiten gastronomischer Einrichtungen und Verkaufsverbot für alkoholische Getränke
Gastronomische Einrichtungen müssen in der Zeit von 23 bis 6 Uhr geschlossen werden. Während dieser Zeit ist der Verkauf von alkoholischen Getränken an allen Verkaufs- und sonstigen Ausgabestellen verboten.

Personenbegrenzung bei privaten Feiern
An privaten Feiern außerhalb von Wohnungen dürfen höchstens 10 Personen teilnehmen.


Corona: Gesundheitsminister Jens Spahn positiv, ebenso wie 21 weitere Menschen im Kreis, zweiter Grenzwert fast erreicht, ab Montag wieder Maskenpflicht im Unterricht, kein Prinz

rd | 21. Oktober 2020, 17:35 | 16 Kommentare
mona lisa protection protect virus
Corona verändert alles (Foto: Yaroslav Danylchenko/Pexels.com)

(Aktualisiert, korrigiert) Die 21 weiteren Personen, die der Kreis Kleve heute als mit dem Coronavirus infiziert gemeldet hat, befinden sich in bester Gesellschaft: Gesundheitsminister Jens Spahn teilte am späten Nachmittag mit, dass er ebenfalls positiv getestet wurde und sich nunmehr mit leichten Erkältungssymptomen in die häusliche Quarantäne begeben hat. +++ Im Kreis Kleve beträgt die Gesamtzahl der erkannten Infektionen mittlerweile 1426, davon 203 in der Stadt Kleve (5 mehr als gestern). +++ Die Zahl der Menschen, die mittlerweile im Krankenhaus behandelt werden, ist auf 25 angestiegen. +++ Der Inzidenzwert, der über weitere Einschränkungen entscheidet, wurde vom Landeszentrum Gesundheit mit 48,3 beziffert – 50 ist die Grenze. Deutschlandweit beträgt dieser Wert mittlerweile 51,3, in den vergangenen 24 Stunden wurden 7595 neue Fälle gemeldet, in den vergangenen sieben Tagen 42.669. +++ Wenn die Schüler im Kreis Kleve am Montag in ihre Schulen zurückkehren, müssen sie ab sofort auch wieder im Unterricht den Mund-Nase-Schutz tragen. +++ Die für Mittwoch, 28. Oktober 2020, 19.30 Uhr geplante Kuratorinnenführung „Freischwimmer“ im Museum Kurhaus Kleve im Museum Kurhaus Kleve ist Corona-bedingt abgesagt. +++ Frank Konen (Klever Rosenmontags-Komitee) sagte auf der Jahreshauptversammlung des Vereins, dass es aufgrund der Corona-Pandemie in der kommenden Session 2020/21 keinen Klever Karnevalsprinzen sowie keine KRK Veranstaltungen geben wird.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


„Orden der Transformanten“: Großeinsatz der Polizei auf Gut Graefenthal, selbsternannter Prophet festgenommen, Verdacht der Freiheitsberaubung

rd | 21. Oktober 2020, 15:20 | 15 Kommentare
Bekannt für seine Mittelaltermärkte: Gut Graefenthal (Foto: Joachim Schäfer)
Trügerisches Idyll? (Foto: Joachim Schäfer)

(Aktualisiert) Er nannte sich selbst Prophet, doch diesen Eingriff einer höheren Instanz hatte der 58 Jahre alte Niederländer Robert B. nicht vorhergesehen: Am Mittwochmorgen um 3:30 Uhr stürmte eine Hundertschaft der Polizei das Areal von Gut Graefenthal und durchsuchte den weitläufigen Gebäudekomplex in Goch-Asperden. Der Grund: Die Behörden hatten Hinweise erhalten, dass auf dem Gelände eine Frau gegen ihren Willen festgehalten wird.

Das gesamte Geschehen spielt offenbar im Sektenmilieu: Offenbar hat sich auf dem ehemaligen Kloster eine Glaubensgemeinschaft niedergelassen, die sich „Orden der Transformanten“ nennt. An dem Einsatz waren auch Beamten des SEK beteiligt, das Technische Hilfswerk leuchtete das Gelände aus. Der Einsatz in den Morgenstunden verlief gewaltlos.

Die Polizisten entdeckten in einem Gebäude die gesuchte 25 Jahre alte Frau. Sie wird derzeit vernommen. Nach kleveblog-Informationen handelt es sich um die Tochter einer Frau (60), die ebenfalls zu den „Transformanten“ gehört. Der 58 Jahre alte Prophet der Glaubensgemeinschaft wurde vorläufig festgenommen. Insgesamt stießen die Fahnder auf dem Gelände auf 54 Personen, darunter zehn Kinder.

Der Hinweis, dass es auf Graefenthal auch zu Vergehen gegen das Waffengesetz gekommen ist, konnte bei der Durchsuchung des Geländes nicht bestätigt werden. Die Ermittler fanden zwar zwei Schreckschusswaffen, deren Besitz jedoch frei ist. Sollte sich der Vorwurf der Freiheitsberaubung gegen den Niederländer bestätigen, sieht das Gesetz eine Strafe von einem bis zu zehn Jahren vor.

Der „Orden der Transformanten“ ist eine niederländische Gruppierung, die sich als gemeinnütziger Verein organisiert hat und sich auf das „Wort Gottes“ beruft. Der Gemeinschaft gehören rund 100 Mitglieder an, geleitet wird sie von der Theologin Kirsten Smeets. Die in Graefenthal angetroffenen Personen stehen nach Auskunft der Polizei „im Zusammenhang“ mit der Glaubensgemeinschaft und gingen auf dem Grundstück einer Geschäftstätigkeit in einer Eventfirma nach. Es gebe mehrere Veranstaltungsräume, Wohn- und Wirtschaftsräume oder auch ein Café, berichtete eine Polizeisprecherin.

Das Gut Graefenthal hatte in den vergangenen Jahren eine wechselvolle Geschichte: Nachdem der Niederländer Ijsbrand Rovers das Gut gekauft hatte, machte er die Anlage zeitweise wieder der Öffentlichkeit zugänglich, indem dort ein Hotel und eine Gastronomie angesiedelt wurden. Außerdem wurde das ehemalige Kloster als Bildungsstätte und Kulturveranstaltungsort genutzt. Nach der Insolvenz des örtlichen Gastronomen, wurden die Tore des Klosters jedoch wieder für die Öffentlichkeit geschlossen.

Rovers verkaufte das Kloster im Jahr 2017 an die ADG Management Group, die es als Eventlocation vermarktet. Die neuen Besitzer hatten große Pläne, in einem Interview mit der NRZ im März 2017 bezeichneten der neue Geschäftsführer Camiel Engelen und seine Mitarbeiterin Emma H. Graefenthal als „ihr Baby“. Emma H. kündigte in dem Gespräch an, in Graefenthal künftig Bier brauen zu wollen.


Rat in Bedburg-Hau diskutiert über Klinikwald-Pläne: Formale Einwände sollen Bürgerbegehren aushebeln

rd | 21. Oktober 2020, 12:39 | 70 Kommentare
Der Klinikwald, wie er sich dem Spaziergänger präsentiert (am Friedhof, der nicht zum Nordteil des Geländes gehört)

Von allen Argumenten aber ist das formale das bequemste, wenn man in der Sache nicht mehr weiter weiß: „Ihre Hausarbeit enthält zwar viele neue und interessante Einsichten, aber leider entspricht der Zeilenabstand nicht den Vorgaben, weshalb ich sie nicht annehmen kann.“

Auf diesem Niveau versucht zurzeit die Verwaltung der Gemeinde Bedburg-Hau den Bebauungsplan für den Nordteil des Geländes der LVR-Klinik zu retten. Morgen soll, wenn nicht Corona noch einen Strich durch diese Rechnung machen sollte, um 17 Uhr der Rat der Gemeinde in der Mehrzweckhalle Till tagen. Der zweite Tagesordnungspunkt beschäftigt sich mit dem Bürgerbegehren, das den Kahlschlag des Klinikwaldes verhindern will. Dem Beschlussvorschlag zufolge soll der Rat feststellen, dass das Bürgerbegehren unzulässig ist, weil die Fragestellung nicht korrekt ist.

Bekanntlich haben die beiden Klever Hochschulprofessoren Thorsten Brandt und Dirk Untiedt das halbe Klinikgelände mitsamt den darauf befindlichen Immobilien gekauft, um dort praktisch einen neuen Ortsteil mit Einfamilienhäusern zu errichten. Dazu soll nicht nur der Abriss einiger der denkmalgeschützten Häuser vollzogen, sondern auch der rund hundert Jahre alte Baumbestand dezimiert werden. Ein Vorhaben, das in der heutigen Zeit – Stichwort Klima – und in der Gemeinde, wo es allerorten Freiflächen gibt, die problemlos bebaut werden könnten, etwas absurd anmutet.

Der Bebauungsplan, der dem Rat der Gemeinde vorgelegt wurde, stimmte eins zu eins mit den Entwürfen überein, die ein Planungsbüro im Auftrag der beiden Professoren gefertigt hatte. Später kam heraus, dass einer der beiden sogar einen Jagdausflug mit dem Bauamtsleiter der Gemeinde unternommen hatte. Das schafft Nähe. 

Die Bedburger-Hauer Bürger Günter van Meegen , Verena Welbers und Theo Janßen starteten angesichts der Pläne vor vier Monaten ein Bürgerbegehren, dessen Frage lautete: „Soll der LVR-Klinikwald (Nordteil) erhalten bleiben, nicht für Wohn/Mischgebiete gerodet und die überwiegende Restwaldfläche zu Rasenflächen mit Einzelbäumen (Park) umgestaltet werden?“ Die Fragestellung fasst genau zusammen, was dort geplant ist.

Und es darf unterstellt werden, dass die mehr als 1000 Bürger aus der Gemeinde, die ihre Unterschrift für das Begehren abgaben, sehr genau wussten, was sie damit verhindern wollten. Wer Bedburg-Hauer ist, kennt die Klinik und deren Gelände. 

Als die Unterschriften vorlagen, prüfte die Gemeindeverwaltung erst einmal gewissenhaft sämtliche Bögen (was ihre Pflicht ist) und kam zu dem Ergebnis, dass auf einigen Bögen statt des Wortes „Soll“ am Anfang der Frage die Zeichenkombination 5011 stand – wie auch immer diese Ziffernfolge dahin gekommen war. Auf anderen war aufgrund von Kopierfehlern die Frage nicht vollständig zu lesen. Doch auch nachdem die fehlerhaften Listen aussortiert waren, blieben noch 971 gültige Unterschriften – exakt zwei mehr als die erforderliche Mindestanzahl von 969 Unterschriften.

Sodann kam die Verwaltung zu dem Schluss, dass in dem Begehren drei Fragestellungen miteinander verbunden worden seien (was de facto stimmt, weil die darin benannten Sachverhalte zusammen auch Teil des Plans sind). Zudem heißt es, „weder aus den Fragen noch aus der Begründung ist […] erkennbar, welche Gemeindeflächen von der Bezeichnung ‚LVR-Klinik weit (Nordteil)‘ umfasst sein sollen“.

Drittens führt der Beschlussvorschlag zur Ablehnung des Bürgerbegehrens aus, dass laut Gemeindeordnung Bürgerbegehren über die Aufstellung, Änderung, Ergänzung und Aufhebung von Bauleitplänen unzulässig sind. Ausnahme sind die Einleitung von Bauleitplanverfahren. In dieser Phase befinde sich das Projekt allerdings nicht mehr.

Günter van Meegen und seine Mitstreiter legten bei der Gemeinde sofort Widerspruch gegen die Schilderung des Sachverhalts und den daraus resultierenden Beschlussvorschlag ein. Die Fragestellung sei zulässig und entspreche dem Leitfaden „Bürgerbegehren und Bürgerentscheid NRW“. Und das Begehren richte sich eben exakt gegen die Einleitung des Bauleitplans. Das Bürgerbegehren sei bereits am 16. Juni angemeldet worden, dass Bebauungsplan-Verfahren habe erst am 25. Juni begonnen.

Unterdessen liegen der Gemeinde auch die Stellungnahmen der Unteren Landschaftsbehörde (Kreis Kleve) und des Landesbetriebes Wald & Forst NRW vor, die im Zuge des Verfahrens gehört werden müssen. Das Ergebnis: Beide Stellen haben erhebliche Bedenken.

Die Untere Naturschutzbehörde Kreis Kleve legte gegen die Planung vorsorglich Widerspruch ein. Demnach gibt es Plangebiet Waldohreulen, Waldkäuze und Zwergfledermäuse, die allesamt besonderen Schutz genießen. Außerdem hat die Behörde Bedenken, ob die Waldfunktion erhalten werden kann. Die Waldfläche zwischen den Garagen und der Hauptverwaltung, die zum Anpflanzen von Bäumen und Sträuchern herhalten soll, besitze bereits jetzt eine höhere Wertigkeit als durch Neuanpflanzungen je erreicht werden könne. 

Der Landesbetrieb Wald & Forst NRW mahnt an, dass die 15 Hektar Wald im Sinne des

Gesetzes in massiver Weise betroffen sind. Es handele sich überwiegend um altes, zum Teil

120-jähriges, standortgerechtes Gehölz. Der Wald erfülle damit die Lärm- und Klimaschutzfunktion, sowie Immissionsschutz und Erosionsschutz; die Inanspruchnahme sei aus Gründen des Klimaschutzes zu vermeiden.

Das aber sind Argumente zur Sache. Sie dürften schwer wiegen – und können vom neuen Rat unter der Führung von Bürgermeister Stephan Reinders nicht einfach weggewischt werden. 


Corona: 38. Todesfall, 24 neue Infektionen, eine Arztpraxis betroffen, Saisonstart im Basketball verschoben

rd | 20. Oktober 2020, 17:04 | 1 Kommentar

155 erkannte Corona-Infektionen in einer Woche reichen im Kreis Kleve aus, um die Inzidenz auf den Wert von 50 zu bringen – die letzten drei gemeldeten Tageswerte waren 31, 30 und am heutigen Dienstag dann noch einmal 24, was allein schon 85 ergibt. Derzeit beträgt der (offizielle, Düsseldorfer) Wert für den Kreis Kleve 42,6. Viel fehlt nicht mehr. Ab 50 werden neue Einschränkungen kommen, zum Beispiel verkürzte Öffnungszeiten in der Gastronomie.

Unterdessen meldete der Kreis Kleve zum ersten Mal seit 132 Tagen wieder einen Todesfall infolge der Pandemie. In Emmerich verstarb ein 91 Jahre alter Mann, der an Vorerkrankungen gelitten haben soll. 18 Personen befinden sich derzeit in stationärer Behandlung, 1138 Menschen dürfen derzeit das Haus nicht verlassen, entweder, weil sie an Corona erkrankt sind oder weil sie in Kontakt mit einer erkrankten Person gestanden haben sollen. Dazu gehören nach kleveblog-Informationen auch die Mitarbeiter einer Arztpraxis in Kleve, bei der ein Medizinier ein positives Testergebnis erhalten haben soll. Vom Kreis Kleve war mit dem Verweis auf den Datenschutz keine weitere Information dazu zu erhalten.

Rechnerisch hat der Kreis Kleve zurzeit 143 Menschen, die eine erkannte aktive Infektion aufweisen. Im Bereich der Stadt Kleve gab es in den vergangenen zwei Wochen 46 neue registrierte Infektionen. (In den Niederlanden heute 8200 neue Fälle.)

In folgenden Einrichtungen gab es jeweils eine oder mehrere Kontaktpersonen der Kategorie 1: In Goch im Kindergarten Bullerbü, in Bedburg-Hau im Kindergarten St. Pius sowie in Kalkar im Kolping-Kindergarten. Zunächst werden die Testergebnisse dieser Kontaktpersonen abgewartet, um anschließend über weitere Maßnahmen und Testungen zu entscheiden.

Unterdessen hat der Westdeutsche Basketballverband als erster großer Sportverband den zum 31. Oktober vorgesehen Saisonstart abgesagt, aus einer „gesamtgesellschaftlichen Verantwortung heraus“, wie das Präsidium in einer Stellungnahme mitteilte. Neuer Saisonstart soll nun Anfang Januar sein. „Vielleicht sind dann die Infektionszahlen so, dass ein verkürzter Spielbetrieb stattfinden kann“, so das Präsidium des Verbandes. Betroffen sind im Kreis Kleve die Teams der Vereine TV Goch, VfL Merkur Kleve, FKB Emmerich und GW Vernum.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Corona aktuell: Schwellenwert deutlich überschritten (41,3), unterschiedliche Zählungen sorgen für leichte Verwirrung

rd | 19. Oktober 2020, 15:36 | keine Kommentare
Mehr als hundert neue erkannte Fälle in den vergangenen sieben Tagen

Die seit Beginn der Pandemie von kleveblog geführte Übersichtstabelle, gefüttert mit den aktuellen Daten aus der Kreisverwaltung, wies am Sonntag eine Gesamtzahl von 1351 Fällen auf. Am Montag stieg sie um weitere 30 Fälle auf nunmehr 1381. Der anhand der neu erkannten Infektionen aus den vergangenen sieben Tagen berechnete Inzidenzwert (also die Zahl der Fälle je 100.000 Einwohner) ergibt mittlerweile einen Wert, der sich mit großem Tempo auf die zweite Grenze (50) zubewegt.

Schon am Wochenende hatte der Kreis Kleve eine sogenannte Allgemeinverfügung mit neuen Beschränkungen im öffentlichen Leben und drastisch erhöhten Bußgeldern erlassen. Für diese nächste Stufe von Maßnahmen galt ein Schwellenwert von 35. Maßgeblich dafür ist allerdings nicht die Zahl der Fälle in der vom Kreis Kleve selbst geführten Liste (laut der war der kritische Wert noch nicht erreicht), sondern die Datenlage beim Landeszentrum Gesundheit (LZG), und in der dort geführten Auflistung sind für den Kreis Kleve elf Fälle mehr gemeldet. Wie aber kann das?

„Diese Diskrepanz, die es seit geraumer Zeit gibt, erklärt sich wie folgt: Bei der Differenz handelt es sich im Wesentlichen um Personen, die zwar im Kreisgebiet gemeldet sich, sich jedoch in einem anderen Kreis oder einer anderen Stadt aufhalten und dort ihre Quarantäne verbringen, beispielsweise Studierende“, so der Kreis Kleve in seiner Pressemitteilung am Montag. „Solche Einzelfälle wurden seit Beginn der Corona-Pandemie nach und nach in den Fallzahlen-Listen des Kreisgesundheitsamtes nachträglich angepasst und korrigiert. Die Zahlen des LZG und des RKI werden aus statistischen Gründen nicht korrigiert und bleiben somit bestehen.“

Somit lag die offizielle Inzidenz am Freitag bei 35,2, am Samstag sank sie geringfügig auf 34,9, am Sonntag stieg sie auf 36,2, am heutigen Montag liegt der Wert bei 41,3. Wie schon geschrieben, reicht ein einmaliges Unterschreiten des Grenzwertes nicht aus, um die Beschränkungen, die beispielsweise private Feiern betreffen, zurückzunehmen. Um wieder auf den vorigen Stand zurückkehren zu können, muss dieser Wert sieben Tage in Folge unterschritten werden.

(kleveblog behält aus Gründen der Übersichtlichkeit und Nachvollzieharbeit die Werte bei, die sich aus den vom Kreis Kleve gemeldeten Zahlen ergeben. Nach dieser Berechnung ist der Inzidenzwert derzeit 38,9.)

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Feueranschlag am Großen Markt: Mitten in der Stadt 5 Autos zerstört!

rd | 19. Oktober 2020, 15:01 | 16 Kommentare
Video des Feuers, von Jürgen Buil (Feuerwehr Kleve) auf Facebook gepostet
Schaumteppich um den weißen VW Golf (Foto: Feuerwehr Kleve)
Feuerwehrleute sichern die Brandstelle (Foto: Feuerwehr Kleve)
Nur noch Wracks: Drei der fünf zerstörten Autos am Großen Markt
Überreste eines Motors
Geschmolzenes Aluminium auf dem Asphalt zerlaufen
Vor dem zerstörten Wohnmobil: Zwei Propanglasflaschen. Eine weitere flog wie ein Geschoss 50 Meter über den Parkplatz und beschädigte ein weiteres Auto

Feuer-Anschlag auf ein geparktes Auto mitten in der Stadt – mit verheerenden Folgen! Nachdem Unbekannte in der Nacht zu Montag auf dem Parkplatz am Großen Markt einen VW Golf angezündet hatten, griffen die Flammen auf mehrere benachbart abgestellte Autos über. Am Ende waren fünf Fahrzeuge mehr oder minder total zerstört. Hier die Meldung der Polizei, die dringend Zeugen sucht.

„Unbekannte haben in der Nacht zu Montag, 19.10.2020, auf dem innerstädtischen Parkplatz Großer Markt zunächst an einem weißen VW-Golf mit polnischen Kennzeichen einen Brand gelegt. Zeugen hatten den Brand gegen 03.18 Uhr bemerkt und Feuerwehr und Polizei alarmiert. Der Brand breitete sich sehr schnell aus und griff noch auf einen weiteren Pkw, einen Transporter und zwei Wohnmobile über. Sämtliche Fahrzeuge wurden durch den Brand teilweise völlig zerstört. Eine der beiden in einem der Wohnmobile befindlichen Campinggasflaschen war durch die Hitzentwicklung explodiert und bis zu 50 Meter weit geflogen, hatte den Außenspiegel eines geparkten Wagens abgerissen und prallte letztendlich gegen eine Hauswand. Darüber hinaus wurden drei weitere Fahrzeuge in unmittelbarer Nähe des Brandherdes teilweise erheblich beschädigt. Zeugen hatten bei Tatentdeckung eine Unterhaltung von mehreren Männern und einer Frau in einer osteuropäischen Sprache, vermutlich polnisch, sowie Laufschritte wahrgenommen. Diese haben sich in Richtung Grüner Heideberg entfernt. Derzeit ist von einem Schaden von mindestens 50.000 Euro auszugehen. Die Kripo Kleve, Telefon 02821-5040, sucht jetzt dringend weitere Zeugen.“

Kuriose Spätfolge des Brandes: Mit Öl verunreinigtes Löschwasser floss von der Oberstadt in den Spoykanal. Eine Barriere soll nun den (kleinen) Ölteppich eingrenzen (Foto: CP)

Corona: Kreis Kleve erlässt unbefristete Allgemeinverfügung, weil der Grenzwert überschritten wurde, neue Beschränkungen

rd | 17. Oktober 2020, 15:39 | 18 Kommentare

Die Rheinische Post und die NRZ können sich über zwei Anzeigen freuen, denn der nächste Schritt der Corona-Bekämpfung im Kreis Kleve erlangt erst dann Gültigkeit, wenn der Text der Maßnahmen in den beiden Tageszeitungen veröffentlicht worden ist. Doch was geschieht, gab der Kreis Kleve soeben bekannt: Er erlässt eine sogenannte Allgemeinverfügung, weil der 1. Grenzwert (mehr als 35 Fälle je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen) überschritten worden ist. Die Verfügung ist unbefristet, weil erst einmal an sieben aufeinanderfolgenden Tagen dieser Grenzwert unterschritten werden muss. Das Infektionsgeschehen lässt sich auch, anders als zum Beispiel bei der bekannten Hochzeit, an der eine Familie aus Geldern teilgenommen hatte, nicht auf ein singuläres Ereignis zurückführen. Das Virus hat sich gut verteilt.

Was ändert sich durch die neue Verfügung?

An Festen aus herausragendem Anlass dürfen ab 19. Oktober höchstens 25 Personen teilnehmen.

Der Mund-Nasen-Schutz muss in geschlossenen Räumen bei Veranstaltungen auch am Sitz- oder Stehplatz getragen werden.

Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen sind unzulässig.

Die Pflicht zum Mindestabstand wird ausgeweitet.

Die Bußgelder bei Verstößen werden drastisch erhöht.

Die Ordnungsbehörden der Kommunen können weitergehende Maßnahmen anordnen, zum Beispiel die Pflicht, in Fußgängerzonen einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen (so weit ist es in Kleve derzeit (Samstag, 15:38 Uhr) noch nicht).


Corona: 1. Grenzwert überschritten!

rd | 16. Oktober 2020, 16:20 | keine Kommentare

Es gibt 17 neue Fälle einer erkannten Corona-Infektion (1320 seit Beginn der Pandemie im Kreis Kleve), und der erste Grenzwert (mehr als 35 Fälle je 100.000 Einwohner/Woche) wurde erstmals überschritten. Der Kreis Kleve schreibt: „Künftig gelten voraussichtlich ab einer 7-Tage-Inzidenz von 35 bzw. 50 pro 100.000 Einwohnern andere Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens. Für eine Anpassung der Maßnahmen sind die Werte des Landeszentrums Gesundheit NRW mit dem jeweiligen Stand von 0.00 Uhr maßgeblich, die mit den Werten des RKI übereinstimmen. Die heute um 0.00 Uhr ermittelte 7-Tage-Inzidenz im Kreis Kleve liegt bei 35,2.“

Kampf der Systeme

(Hinweis in eigener Sache: Die in der unten verlinkten Tabelle verwendeten Daten weichen davon leicht ab, weil sie sich auf die Werte um 11:30 Uhr des Tages beziehen.)

Am Donnerstagabend erhielt der Kreis Kleve einen Erlass des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Darin wies das Land darauf hin, dass es im Anschluss an heutige Beratungen kurzfristig landesweit verbindliche neue Regelungen geben wird, die auch zu einer Änderung der Coronaschutzverordnung führen können. Kommunen, die aktuell einen erhöhten Inzidenzwert aufweisen, sollen dies abwarten. „Sobald die Änderungen vorliegen, wird der Kreis Kleve auf Basis dieser Landesregelungen handeln“, schreibt die Pressestelle des Kreises. Es kann sich also heute noch etwas ändern!

Von den 1.320 Indexfällen sind 65 in Bedburg-Hau (+1), 156 in Emmerich am Rhein (+6), 232 in Geldern (+1), 147 in Goch (+2), 44 in Kalkar (+2), 181 in Kleve (+3), 50 in Kranenburg (unverändert). 1276 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Corona: 28 neue Fälle im Kreis (davon 6 in Kleve), Ryanair streicht Flugplan zusammen, AfD lädt zum Parteitag ins Wunderland, Lockdown-Countdown in NL

rd | 15. Oktober 2020, 16:49 | 40 Kommentare
Die Kurve vom vergangenen Sonntag

Die gute Nachricht (s. u.) blieb dann auch nur kurz an der Spitze der Ereigniskette, die dieses Angebot liefert. Nun aber: Der Kreis meldet gleich 28 neue Fälle einer Infektion mit dem Coronavirus an einem Tag, davon 6 in der Stadt Kleve. Damit beläuft sich die Zahl der Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen auf 97, der daraus errechnete Inzidenzwert beträgt 31,1. Ab 35 bzw. 50 sollen die verschärften Einschränkungen, zum Beispiels fürs Gastgewerbe, greifen. Der Kreis Kleve hat rein vorsorglich (weil sich der Wert ja nun in diese kritischen Regionen bewegt) seine Zählung an die des Berliner Robert Koch Instituts (RKI) angepasst, da diese für die Einschränkungen maßgeblich sind. Das RKI zieht immer die Datenlage um Mitternacht heran; es ergibt sich also eine kleine Verschiebung zu den Fällen, die der Kreis für seine Presseaussendungen heranzieht (deren Stand ist die Fallzahl um 11:30 Uhr). Die RKI-Inzidenz für den Kreis Kleve beträgt also derzeit 30,1.

Die Zahl der nunmehr erkannten Fälle in Kleve beträgt 178 (+6), in Bedburg-Hau 64 (+2), in Emmerich 150 (+3), in Geldern 231 (wegen der Hochzeit!, +2), in Goch 145 (+3), in Kalkar 42 (+2) und in Kranenburg 50 (+1).

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve

Unterdessen meldete die Fluglinie Ryanair, dass der ohnehin schon stark eingedampfte Winterflugplan nochmals um ein Drittel der Flugverbindungen zusammengestrichen werden soll. Inwieweit in Weeze noch weiter ausgedünnt wird, ist noch nicht bekannt. +++ Von Montag an ist die telefonische Krankschreibung wieder möglich. +++ Die AfD plant, wie die Rheinische Post meldet (Artikel frei online abrufbar), am 28./29. November ihren Bundesparteitag im Wunderland Kalkar abzuhalten, allerdings mit stark verminderter Delegiertenzahl. +++ In den Niederlanden (7383 positive Test am Dienstag, also mehr als in Deutschland) sehen sich die Behörden nicht mehr in der Lage, alle Kontaktketten zu verfolgen. In Den Haag wurde vor der einmonatigen Schließung von Restaurants und Gaststätten am Mittwoch Abend noch richtig gefeiert.


Krankenhaus: Charlie ist das 1000. Baby des Jahres

rd | 15. Oktober 2020, 14:16 | 5 Kommentare
Janine und Andreas van Weegen freuen sich über die Geburt des kleinen Charlie (Foto: Thomas Momsen)

Man denkt ja, dieses Jahr kann eigentlich keine guten Nachrichten mehr produzieren – und dann kommt noch eine: Janine und Andreas van Weegen waren schon am Montag ins Krankenhaus gekommen, die ersten Wehen deutlich spürbar. Aber der kleine Charlie ließ sich bitten und Zeit bis Dienstag. Um 12.48 Uhr kam er gesund und munter zur Welt – und war damit im St.-Antonius-Hospital Kleve das 1000. Baby im Jahr 2020.

49 Zentimeter und 2.930 Gramm misst Charlie. „Wir sind sehr glücklich“, sagt Mutter Janine. „Und wir sind hier super aufgehoben. Die Versorgung ist prima. Hebammen, Ärzte und das Pflegepersonal – alle sind sehr nett. Ein großer Dank an das ganze Team!“

Die nun dreiköpfige Familie wohnt in Kleve-Materborn. Janine (31) arbeitet für die Bundesagentur für Arbeit, Andreas (30) ist Verwaltungsbeamter bei der Bundespolizei.

Im Jahr 2019 hatte es im St.-Antonius-Hospital stolze 1.296 Geburten gegeben. Diesen Trend bestätigen nun die Zahlen des Jahres 2020. Über die positive Entwicklung der Geburtshilfe freuen sich Dr. Lubos Trnka, Chefarzt der Frauenklinik, und Dr. Jochen Rübo, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin sowie Neonatologie am St.-Antonius-Hospital: „Die Familien fühlen sich bei uns wohl und sicher“, so die erfahrenen Mediziner.

Das St.-Antonius-Hospital verfügt über mehrere Entbindungszimmer mit räumlich integriertem Kreißsaal, Operationssaal und einer von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin sowie Neonatologie geführten Neugeborenen-Intensivabteilung.


Mühlhoff-Brand, 3. Prozesstag: „Die ganze Nacht im Bett gelegen“

rd | 15. Oktober 2020, 10:58 | 3 Kommentare
Der Angeklagte und seine Verteidiger Dr. Karl Haas und Tanja Reintjes
Rauchsäule über Uedem am 29.12.2019 (Foto: Feuerwehr Uedem)
Verräterische Mütze?

„Die ganze Nacht im Bett gelegen“

Dritter Verhandlungstag im Mühlhoff-Prozess: Ehefrau verschafft Angeklagtem Alibi, Geschäftsführer beziffert den bisherigen Schaden durch den Brand auf 50 Millionen Euro

Es gibt eine Vielzahl von Indizien, die darauf hindeuten, dass Andreas L. am 29. Dezember des vergangenen Jahres das Werk seines damaligen Arbeitgebers Mühlhoff in Uedem angezündet und dadurch einen Millionenschaden verursacht hat. Am dritten Verhandlungstag vor der 2. großen Strafkammer des Landgerichts Kleve sagte nun aber die Ehefrau des Angeklagten aus – und verschaffte ihrem Mann ein Alibi. Ihren Aussagen zufolge seien sie gegen 23 Uhr gemeinsam schlafen gegangen und am nächsten Morgen nach acht Uhr gemeinsam aufgewacht, zudem sei sie des Nachts zweimal aufgestanden, und auch da habe ihr Mann im Bett gelegen.

Wenn die Kammer unter Vorsitz von Richter Norbert Scheyda diese Aussage Glauben schenkt, scheidet der Angeklagte als Tatverdächtiger aus. L.s Strafverteidiger, Dr. Karl Haas und Tanja Reintjes, schickten auch gleich noch einen Beweisantrag hinterher, der auf dieser Darstellung aufbaute.

Skurril verlief die Präsentation der Gegenstände, die die Polizei am Tatort sichergestellt hatte. Richter Scheyda zeigte der Frau Wollhandschuhe. Antwort: „Wir haben sehr viele Wollhandschuhe.“ Richter Scheyda kramte einen Rucksack mit der Aufschrift Herbalife hervor. Antwort: „Wir hatten Rucksäcke von der Firma.“ Richter Scheyda holte Arbeitshandschuhe aus einem Umschlag. Antwort: „Da hatten wir Unmengen von.“ Richter Scheyda präsentierte ein Bündel Kabelbinder. Antwort: „Hatten wir auch.“ Richter Scheyda zog einen Bolzenschneider aus der Asservatenkiste. Antwort: „Haben wir auch zu Hause.“ Richter Scheyda ergriff einen Zimmermannshammer. Antwort: „Da haben wir zu Hause etliche von.“ Und schließlich zeigte Richter Scheyda die Mütze mit der Aufschrift Landwirtschaftssimulator. Antwort: „So eine hat mein Sohn, und eine ein Freund von ihm.“

Die Ehefrau will durch die Kurznachricht einer Freundin von dem Brand erfahren haben. Das Ehepaar, das damals noch in Uedem lebte, sei vor das Haus getreten und habe die Rauchsäule gesehen. Ihr Mann habe gesagt: „Das kann Horlemann, Elten oder Mühlhoff sein.“ Als später feststand, dass es sich um den Arbeitgeber ihres Mannes gehandelt habe, habe er gesagt: „Mein Gott, es hat gebrannt.“

Erneut nahm auch am dritten Prozesstag das Thema Arbeitssicherheit großen Raum ein. (Wie an den beiden Prozesstagen zuvor klar wurde, könnte ein Motiv des Mannes (so er es denn war) darin liegen, dass seine Warnungen vor missachteten Vorschriften kein Gehör fanden. Die Ehefrau berichtete, dass die Kollegen ihrem Mann hinter vorgehaltener Hand darin recht gegeben hätten, dass nicht alles vorschriftsgemäß ablaufe. Aber sie hätten ihm gesagt: „Wir haben das schon immer so gemacht. Das geht nicht anders.“

Der nächste Zeuge, der Sohn des Angeklagten, 32 Jahre alt, berichtete von einem Beurteilungsgespräch, in dem sein Vater zu mehr Tempo bei der Arbeit aufgefordert worden sei. Man habe ihm gesagt, er müsse schneller arbeiten und solle nicht so auf die Arbeitssicherheit achten. Von da an sei das Thema immer wichtiger für seinen Vater geworden.

Von besonderem Interesse war in diesem Zusammenhang die Aussage eines Sicherheitsingenieurs, der ab Januar 2019 zunächst einmal und dann sogar zweimal wöchentlich in dem Unternehmen tätig war. Zu diesem Zeitpunkt war Andreas L. bereits dauerhaft krankgeschrieben, dennoch kam es in den Wochen vor dem Brand zu einer zufälligen Begegnung der beiden, in der dieser ihm seine Bedenken schilderte. Woraufhin der Ingenieur ihm entgegnete: „Das stimmt nicht.“ Und es habe auch nicht gestimmt, unter der neuen Geschäftsführung habe Arbeitssicherheit oberste Priorität genossen.

Was natürlich direkt zu der Frage führte, was davor in dem Unternehmen und speziell in der Abteilung Logistik los war. Antwort des Ingenieurs: „Der [damalige] Geschäftsführer hatte gemerkt, dass der Bereich Arbeitssicherheit vernachlässigt wird, um das mal ganz deutlich zu sagen, deshalb hat er mich geholt.“ Als der Ingenieur seine Arbeit aufnahm, merkte er, dass sein Vorgänger das „Sicherheitsmanagement-System nicht so gelebt hat“.

Ein weiterer Zeuge war der aktuelle Geschäftsführer des Unternehmens, Markus Wermers. Der Diplom-Ingenieur war nach einem Eigentümerwechsel gerade zweieinhalb Monate auf seinem Posten, als der Brand das Unternehmen verheerte. Er bezifferte den Schaden auf derzeit 50 Millionen Euro. „Das ist das, was wir bei der Versicherung zur Schadensregulierung eingereicht haben“, so Wermers. Noch nicht eingerechnet sei der entgangene Gewinn, weil da noch verhandelt werde, was dem Brand und was Corona zuzurechnen sei.

Der Unternehmenschef, der betonte, wie wichtig ihm Arbeitssicherheit sei, vermittelte auch einen Eindruck vom Ausmaß der Schäden. Für das Unternehmen zentral sind sogenannte Großpressen. Vier davon besaß Mühlhoff, alle wurden sie durch den Brand zerstört. Zwei neuere konnten noch repariert werden und sind erst seit wenigen Wochen, also rund ein dreiviertel Jahr nach dem Brand, wieder im Einsatz. Für die beiden anderen wurde für sieben Millionen Euro eine neue Presse bestellt, die Lieferzeit beträgt ein Jahr.

Zu der Auseinandersetzung mit L. konnte er indes nichts sagen. „Ich kenne ihn nicht“, so Wermers.

Der Brandsachverständige zeigte dem Gericht am Nachmittag noch mehrere hundert Fotos, die das Ausmaß und den Verlauf des Brandes dokumentierten. Er kam zu der Erkenntnis, dass der Brandstifter mindestens anderthalb Stunden nötig gehabt haben musste, um sein zerstörerisches Werk auszuführen.

Der Prozess wird am 26. Oktober fortgesetzt.


Corona: Die Niederlande wurden soeben stillgelegt

rd | 13. Oktober 2020, 14:37 | 28 Kommentare
Virus vs. NL

Soeben hat Premier Mark Rutte die acht Punkte umfassende Liste der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Land wird, wie schon berichtet, weitgehend stillgelegt, und „mondkapjes“, wie es in NL heißt, werden in öffentlichen Innenräumen und in weiterführenden Schulen verpflichtend, alle Veranstaltungen (Festivals, Volksfeste) werden verboten, Sport ist höchstens bis zu vier Personen ohne Kontakt erlaubt (außer Fußball in den höchsten Ligen, dort aber ohne Publikum), Läden müssen um 20 Uhr geschlossen haben und dürfen nur eine begrenzte Kundenzahl einlassen. Gruppen dürfen nur vier Personen umfassen, Haushalte nur einmal am Tag drei Personen zu Besuch empfangen, und die Gastronomie wird erst einmal komplett geschlossen. Für Kleve wichtig: Die Niederländer sollen so wenig wie möglich reisen, sowohl im Inland als auch ins Ausland. (Ist aber eine Soll-Bestimmung.)

Der offizielle Maßnahmenkatalog

Hier der Überblicksbericht aus der Tagesschau: Niederlande im Teil-Lockdown.

Im Norden grenzt Kleve an die Niederlande, wer kauft nicht manchmal gerne bei Albert ein Millingen Hagelslag oder Vanillevla? Bis Nimwegen, der ersten Großstadt in der Nähe, sind es gerade einmal gut zwanzig Kilometer, gerade nahe genug, um die Verlockungen des Nachtlebens dort auszukosten. Und Kleve selbst gilt den Niederländern als ein lekker plekje, wo man günstig einkaufen und dazu noch een kopje koffie trinken kann.

Das alles aber, so scheint es, ist schon bald erst einmal vorbei oder doch deutlich erschwert. Wie der Westdeutsche Rundfunk berichtet, will der niederländische Premier Mark Rutte schon heute Abend drastische Einschränkungen des öffentlichen Lebens in unserem Nachbarland bekannt geben. Beispielsweise sollen alle Kneipen, Cafés und Restaurants in den Niederlanden für zwei Wochen schließen!

Spontane Treffen oder Feiern im Kreise von Freunden sollen deutlich erschwert werden. Geschäften und Kiosken soll es dem Bericht zufolge nicht mehr gestattet sein, nach 20:00 Uhr noch Alkohol zu verkaufen. Private Haushalte sollen täglich höchstens drei Gäste empfangen dürfen. Weitere geplante Einschränkungen betreffen den öffentlichen Nah- und Fernverkehr: Fahrten mit Bussen oder Bahnen immer nur noch gestattet, wenn sie zwingend erforderlich sind. Außerdem soll der Amateursport im Erwachsenenbereich ebenfalls mindestens zwei Wochen komplett stillgelegt werden.

In der vergangenen Woche wurden in den Niederlanden durchschnittlich mehr als fünfeinhalbtausend Menschen täglich positiv auf das Coronavirus getestet – mehr als in Deutschland, obwohl das Land nur knapp ein Viertel der Einwohner hat. Bis auf die Provinz Zeeland gilt das Königreich als Risikogebiet.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Takka Takka! Sentimentale Raucherkeller-Reminiszenzen eines 84-er-Abiturienten

rd | 13. Oktober 2020, 14:06 | 11 Kommentare
Im Qualm der Erinnerungen konserviert: Lichtenstein im Stein-Gymnasium

Von Zeit zu Zeit erinnert sich der Autor, wie an eine ferne Welt der Unschuld, an die glorreichen Wochen und Monate der Adoleszenz, die im Bemühen, seinen Platz in der Welt zu finden, in der Sporthalle verbracht wurden, zweitens im Computerraum des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, wo ein gefrierschrankgroßer Rechner, der ca. hundert Programmzeilen verarbeiten konnte, die paradiesischen Verlockungen der Digitalisierung imaginieren ließ, drittens aber im Walhall der kleinstädtischen Coolness, dem Raucherkeller des Gymnasiums, das damals noch Latein als erste Fremdsprache anbot.

Dass ich nicht rauchte und zudem entweder ein bordeauxfarbenes oder ein hellblaues Sweatshirt der Marke Fruit of the Loom trug, verschaffte mir vermutlich inmitten der rauschebärtigen Kettenraucher, die dort in langen Ledermänteln kurz vor dem Abitur in den Freistunden die Weltrevolution planten, den Status eines obskuren Sonderlings, immerhin aber verdankte ich der Fähigkeit, halbwegs ordentlich Skat spielen zu können, eine Art von Berechtigung, mich dort aufhalten zu dürfen. Skat war zwar eine Tätigkeit der verhassten Bourgeoisie, aber das Spiel würde offenbar auch nach dem vollendeten Umsturz weiter ausgeübt werden.

Zutritt hatten nur Schüler der Oberstufe, denn die waren 16 Jahre alt und durften somit rauchen, allerdings nicht auf dem Schulhof, sondern eben dicht an dicht in dem dafür reservierten Keller an der Ringstraße, in dem ein paar versiffte Sofas eine leise Ahnung von der Welt der damals schon nicht mehr existierenden Kommunen in den Großstädten vermittelten und in dem die Luft schon nach der ersten großen Pause Sauerstoff nur noch in Spurenelementen enthielt.

Im Grunde aber habe ich dem Raucherkeller zu verdanken, dass ich mich auch heute noch für Kunst in allen Formen interessiere. Wenn man den Raum betrat, befand sich gleich links eine Kopie des Gemäldes Takka Takka von Roy Lichtenstein, eine einem Comic entnommene Kampfszene mit dem Mündungsfeuer eines Maschinengewehrs, die kunstsinnige Schüler mit viel Talent an die Wand gepinselt hatten. Das war die erste Begegnung mit der Pop-Art, von da bis zur Suppendose war es nicht mehr weit, und es brauchte danach viele Jahre, bis sich auch der Reiz des klassischen Kanons, der einen damals eher abschreckte und ermüdete, wieder erschloss. Heute hat auch Lorenzo Lotto wieder seinen Reiz. Man wird älter. Plötzlich liest man Fontane mit Gewinn.

Vermutlich aber wären diese Erinnerungen irgendwann im Strudel der Ereignisse, die ein Leben ausmachen, versunken, streng genommen waren sie es sogar schon. Gestern Abend jedoch, ironischerweise auf dem Weg zum Basketballtraining, wie vielleicht vor knapp vier Jahrzehnten auch, passierte ich diesen Raucherkeller (der logischerweise heute nicht mehr in dieser Funktion genutzt werden darf), und wie in einer Zeitreise war alles wieder da, als wäre ein Keks in den Tee getunkt worden. Denn der Raum war erleuchtet und gewährte so in der Dunkelheit einen Blick ins Innere. Und was sehen meine Augen? An der rückwärtigen Wand prangt immer noch Takka Takka!


Corona-Welle: Was zu befürchten war – 29 neue Fälle, mehr als 1200 Menschen unter Verschluss, Inzidenz-Wert über 30, neuer Fall in Kita-Zauberfarben, erste Gaststätten wegen Verstößen geschlossen

rd | 11. Oktober 2020, 15:34 | 110 Kommentare
Zweite Welle (Tafelkreide auf poliertem Schiefer, 2020): Drosten hatte es vorhergesagt, Merkel hatte es vorgerechnet, und genau so scheint es zu kommen. Die Tabelle zeigt die Neuinfektionen pro Woche im Kreis Kleve. Der mittlere Zacken lässt sich auf die Geschehnisse um eine Hochzeitsfeier zurückführen, an der Mitglieder einer Familie aus dem Südkreis teilgenommen hatte

(Jetzt mit aktualisierter Tabelle) Die Kurve schlägt so stark nach oben aus wie seit Anfang April nicht mehr: Der Kreis Kleve verzeichnete in den vergangenen sieben Tagen insgesamt 96 erkannte Infektionen mit dem Coronavirus, der Inzidenzwert steigt auf 30,7 (ab 50 sollen bekanntlich wieder verschärfte Einschränkungen des öffentlichen Lebens gelten).

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve

Die Zahl der Menschen, die wegen möglicher Kontakte in den eigenen vier Wänden bleiben müssen, beträgt zurzeit 1226, so viel wie noch nie und nun den sechsten Tag in Folge im vierstelligen Bereich.

In der Kita Zauberfarben, wo es in der vergangenen Woche einen Indexfall gegeben hat, ist nun eine zweite Infektion erkannt worden. „Die betroffene Person sowie die ermittelten Kontaktpersonen der Kategorie 1 stehen unter Quarantäne“, so der Kreis Kleve. „Testungen werden kurzfristig erfolgen.“ In der Willibrord-Grundschule in Kleve-Kellen wurden zwei Kontaktpersonen der Kategorie 1 in zwei Klassen ermittelt.

Die Rheinische Post meldete am Wochenende, dass die Stadt Kleve erstmals zwei Gaststätten für einen Abend geschlossen hat, weil die Corona-Auflagen nicht eingehalten wurden. Den Betreibern droht ein Bußgeld. Außerdem schiebt der Ordnungsdienst der Stadt Kleve Wache vor einem Haus in Brienen, weil dessen Bewohner sich nicht an die Quarantäne gehalten haben.


Prozess um Mühlhoff-Brand, 2. Verhandlungstag: „Wenn ihr nicht alle auf den Arbeitsschutz achtet, werdet ihr alle sterben“

rd | 09. Oktober 2020, 14:01 | 96 Kommentare
Angeklagter, Verteidiger: Berechtigte Kritik oder „Arbeitsschutzwahn“?
Die Rauchsäule bei dem Brand am 29. Dezember 2019 war kilometerweit sichtbar
Verräterische Mütze

Zweiter Verhandlungstag im Prozess um den Mühlhoff-Brand: Ehemalige Kollegen schilderten, wie der Angeklagte sich für die Arbeitssicherheit im Betrieb engagierte – und kein Gehör fand.

Ein verheerendes Bild von den Zuständen beim Uedemer Autozulieferer Mühlhoff zeichneten am Montag die Kollegen des Angeklagten, die als Zeugen im Prozess um den Großbrand aussagten: Es gab eine Betriebsversammlung, bei der der Betriebsratsvorsitzende dem Mann das Mikrofon aus der Hand riss. Es gab gefährliche Vorkommnisse bei der Arbeit, die eine Kollegin als alltäglich charakterisierte. Und es gab ihre klare Ansage über den Beschwerdeführer: „Er hatte recht.“

Schon zum Prozessauftakt gegen den 58 Jahre alten Ex-Mitarbeiter, dem Brandstiftung mit einem Millionenschaden vorgeworfen wird, hatte sich angedeutet, dass ein mögliches Motiv für die Tat darin liegt, dass zahlreiche Beschwerden des Mannes in punkto Arbeitssicherheit ignoriert wurden. Das wurde nun deutlich konkreter. 

Der erste der Zeugen aus den Unternehmen, der in dem Prozess vor der 2. großen Strafkammer des Landgerichts Kleve unter Vorsitz von Richter Norbert Scheyda aussagte, war der stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrats. Er berichtete, dass Andreas L. als Zeitarbeiter zu dem Unternehmen gekommen war und später als Mitarbeiter übernommen wurde. Er habe immer „Top-Arbeit“ geleistet. 

Doch das änderte sich. „Irgendwann schien es einen Arbeitssicherheitswahn bei Herrn L. gegeben zu haben.“ Arbeitssicherheitswahn? Auf dem Betriebsversammlungen habe er sich aufbrausend zu dem Thema Arbeitssicherheit geäußert, und dann habe er noch heimlich Filmaufnahmen angefertigt, um die Kollegen anzuschwärzen. Der Kommentar des Betriebsrats: Wer so etwas mache, „darf sich nicht wundern, wenn er nicht mehr mit einem ,Herzlich willkommen!’ in seinem Kollegenkreis begrüßt wird“.

Der Betriebsrat war es auch, der die Polizei schon frühzeitig auf die Spur des Angeklagten geführt hatte. Ein Verwandter hatte ihn informiert, dass der Sohn des Angeklagten für ein Diätunternehmen tätig sei – der Angeklagte besaß einen Rucksack mit dem Schriftzug dieser Firma, der am Tatort gefunden wurde. Zudem betreibe der Sohn auch einen YouTube-Channel, auf dem dieser das Spiel Landwirtschaftssimulator spiele und kommentiere. Als der Betriebsrat dies in seiner polizeilichen Vernehmung erwähnte, zeigten ihm die Beamten eine Mütze mit dem Schriftzug des Spiels, die ebenfalls in Tatortnähe herumlag.

Doch im Zentrum des zweiten Prozesstags stand die Frage, wie im Unternehmen mit den Beschwerden des Angeklagten umgegangen wurde. Waren sie berechtigt oder nicht? Aus der Sicht des Vize-Betriebsrats waren sie „völlig drüber“, also absolut unangemessen. Es habe keine Unfälle gegeben, und auch keine Beanstandungen bei Prüfungen. Bei den Beschwerden sei es im wesentlichen um Stapelhöhen gegangen.

Nach dieser Aussage durften die Kollegen aus der Logistikhalle 21 selbst ihre Sicht der Dinge schildern. Der erste, ein 49 Jahre alter Kommissionierer, blieb noch etwas vage: „Es mag sein, dass er recht hat. Aber das müssen dann andere Leute umsetzen.“ Wenn L. auf den (vierteljährlich stattfindenden) Betriebsversammlungen davon gesprochen habe, habe ihm keiner mehr zuhören wollen.

Die nächste Zeugin wurde genauer. Sie schilderte, dass die Kollegen sogar die Halle verließen, wenn L. wieder einmal in einer Betriebsversammlung das Thema Sicherheit aufgriff. Die Beschwerden selbst allerdings waren ihrer Ansicht nach berechtigt: „Er hat recht, aber er hat wohl auch übertrieben.“ 

Riskant waren insbesondere die Stapelhöhen und die Art und Weise, wie manche Güter bewegt wurden. Die Kollegin: „Es ist manchmal schon sehr gefährlich, aber das ist Alltag bei uns.“ Obwohl L. also offenbar durchaus kritische Punkte benannte, habe er bei seinen Bemühungen von seinen Kollegen keinerlei Unterstützung erhalten. 

Als der Vorsitzende Richter sich danach erkundigte, ob es nicht Einweisungen für die Mitarbeiter gebe, erhielt eine Antwort, die offenbarte, dass der Leichtsinn bei Mühlhoff Methode hatte. Die Zeugin: „Das ist bei uns so: ,Unterschreib mal schnell! Das haben wir vergessen!‘ Die Einweisung ist nicht so, wie sie sein sollte.“ Prozessbeobachter dürften sich gefragt haben, warum es in Deutschland Einrichtungen wie die Berufsgenossenschaft überhaupt gibt, wenn mit den Vorschriften so lax verfahren werden kann.

Ein weiterer Zeuge, ebenfalls in der Logistikhalle tätig, sagte ebenfalls, dass es „ein paar Sachen“ gegeben habe, bei denen der Angeklagte „nicht unrecht“ hatte, „aber bei dem Druck den wir hatten …“ Der Satz blieb unvollendet, sein Sinn war wohl der, dass die Vorschriften angesichts der geforderten Arbeitsleistungen gar nicht eingehalten werden konnten.

Er erinnerte sich auch an die Szene auf der Betriebsversammlung, als L. das Mikrofon aus der Hand gerissen wurde. Zuvor habe dieser gesagt: „Wenn ihr hier nicht alle auf den Arbeitsschutz achtet, werdet ihr alle sterben!“ Die Beschäftigung mit dem Thema Arbeitsschutz habe bei L. „wahnhafte Züge“ angenommen, so sagte es der Mitarbeiter bei der Polizei. Als der Richter ihm das Protokoll vorlas, wollte er sich nicht mehr daran erinnern. Intensiv, so sagte er nun, sei es gewesen.

Der Zeuge war es auch, der nach einer längeren Krankheitspause den Angeklagten 2018 zufällig wieder traf, als dieser im Betrieb auf dem Weg zu einem Gespräch war. Er begrüßte ihn mit ein paar üblichen Floskeln, woraufhin L. erwidert habe: „Ihr werdet euch alle noch umgucken!“

Der Prozess wird am 12. Oktober fortgesetzt.


Feierabend in Kleve: Zum fröhlichen Stillstand

rd | 08. Oktober 2020, 18:41 | 24 Kommentare
Nichts fährt mehr (Foto: Rauno Vollrath)

Autofahrer brauchten am frühen Abend in Kleve starke Nerven: Das Zusammentreffen von Regen und Rushhour, verbunden mit ein paar Panem und Unfällen, sorgte dafür, dass auf den großen Straßen um die und in der Stadt nichts mehr, aber auch gar nichts mehr ging. Auf der Nassauerallee Richtung Stadt ging es in Meteretappen voran, für das Teilstück zwischen den zwei Ampeln brauchte man eine halbe Stunde. Staus gab es auch auf der Gruft- und Heldstraße.


Corona breitet sich aus, Zauberfarben-Fall legt auch Jugendamt lahm, Weihnachtsmarkt fällt aus

rd | 08. Oktober 2020, 15:57 | 14 Kommentare
Mittlerweile befinden wir uns schon in Höhe der rechten Spitze

Die zweite Welle wächst, in ganz Deutschland und auch im Kreis Kleve. Soeben meldete die Kreisverwaltung die Zahl von 1206 erkannten Infektionen mit dem Coronavirus, 19 mehr als gestern und 76 mehr als vor sieben Tagen. Damit ist die Verbreitung wieder so hoch wie Anfang August, doch damals konnte das Geschehen auf die Teilnehmer einer Hochzeitsfeier im Südkreis eingegrenzt werden. Diesmal steigen die Zahlen im ganzen Kreisgebiet.

Den dritten Tag in Folge liegt auch die Zahl der Menschen in Quarantäne im Tausenderbereich. Darunter sind, wie kleveblog erfuhr, auch knapp zwei Dutzend Mitarbeiter des Klever Jugendamtes. Das Amt ist somit lahmgelegt, Belange des Kinderschutzes allerdings können weiterhin erfüllt werden, wie Stadt-Sprecher Jörg Boltersdorf mitteilt.

Die Quarantäne der Beamten lässt sich auf den Indexfall in der Kindertagesstätte Zauberfarben zurückführen. „Eine positiv auf das Corona Virus getestete Personen war im Rahmen verschiedener dienstlicher Anlässe auch mit Mitarbeitern des Jugendamtes sowie weiteren Bereichen der Verwaltung Kontakt“, so Boltersdorf. Diese Personen gelten als Kontakte der Kategorie I, für die eine verbindliche Quarantäne vorgeschrieben ist.

Zu den verschiedenen Kontaktsituationen zählte auch eine Verabschiedung anlässlich des letzten Arbeitstages einer Mitarbeiterin. Boltersdorf: „Trotz erfolgter Hygienemaßnahmen, wie zum Beispiel der Belüftung der Räumlichkeiten, ist nach Einschätzung des Kreisgesundheitsamtes davon auszugehen, dass die aufgrund der Anwesenheit der sogenannten Quellperson über einen längeren Zeitraum ausgestoßenen Aerosole von Besuchern eingeatmet werden konnten.“ Eine Absonderung aller Besucher sei mit dem Gesundheitsamt des Kreises besprochen und angeordnet worden. Der Dienstbetrieb des Fachbereichs Jugend und Familie erfolge in den nächsten Tagen nur eingeschränkt.

Wie die NRZ soeben meldete, fällt der Klever Weihnachtsmarkt in diesem Jahr wegen der Corona-Auflagen aus. Der Vorstand des Klever Weihnachtsmarkt e.V, entschied in enger Abstimmung mit den zuständigen Fachbereichen der Stadt Kleve, den Weihnachtsmarkt in diesem Jahr nicht durchzuführen. „Die Entscheidung ist uns allen nicht leicht gefallen. Aber die aktuellen Auflagen zur möglichen Durchführung des Marktes sind leider für uns als Verein so nicht realisierbar“, so der erste Vorsitzende des Vereins Tim Tripp. Derzeit prüft der Vereine alternative Möglichkeiten, um dennoch für eine zusätzliche weihnachtliche Atmosphäre in der Innenstadt zu sorgen. Der neue Vorstand des Vereins um Tim Tripp als ersten Vorsitzenden freut sich bereits jetzt darauf, 2021 an den gelungenen Umzug in die Klever Innenstadt im vergangen Jahr anzuknüpfen.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Franz Joseph van der Grinten, 1933-2020

rd | 07. Oktober 2020, 19:27 | 4 Kommentare
Ein wacher Geist: Franz Joseph van der Grinten (Foto: Institut für bildnerisches Denken)

Die rheinische Kulturszene und Kunstwelt trauert um Franz Joseph van der Grinten, den Sohn eines Landwirts aus Kranenburg, der in jungen Jahren mit seinem älteren Bruder Hans (gestorben 2002) die Kunst für sich entdeckte, der entscheidenden Anteil am Aufstieg von Joseph Beuys hatte und dessen fast schon manisch zu nennender Sammeldrang, den er mit seinem Bruder teilte, zur Anschaffung von mehreren tausend Kunstwerken führte (allein 5000 Arbeiten von Beuys), die heute den Kernbestand des Museums Schloss Moyland bilden. Franz Joseph von der Grinten verstarb heute Morgen im Alter von 87 Jahren.

Kindheit und Jugend verbrachten die Brüder van der Grinten auf dem Bauernhof der Eltern. Von 1943 bis 1954 (mit einer Unterbrechung in der Kriegszeit) besuchte Franz Joseph von der Grinten das Staatliche Gymnasium in Kleve (heute: Freiherr-vom-Stein-Gymnasium). Im Haus des Englischlehrers Dr. Heinrich Schönzeler lernten die beiden Brüder Joseph Beuys kennen, der sich dort gemeinsam mit Schönzelers Sohn Ernst auf die Aufnahmeprüfung für die Düsseldorfer Kunstakademie vorbereitete. Daraus entstand eine Freundschaft, die ein Leben lang hielt.

Und sie erweckte die Leidenschaft für die Kunst. Unter anderem begannen die Brüder, Werke von Beuys aufzukaufen. Als Beuys an seinen eigenen Qualitäten zweifelte und drauf und dran war, sein künstlerisches Schaffen zu beenden, arbeitete er auf dem Hof der van der Grintens in Kranenburg und fasste wieder Lebensmut. Auf dem Hof der van der Grintens fanden auch die ersten Kunstaustellungen statt.

Franz Joseph van der Grinten studierte zunächst Jura und Germanistik in Köln und München, danach noch Philosophie, Psychologie, Anglistik, Romanistik und Kunstwissenschaft in Bonn, und entsprechend weit gefächert waren auch seine Interessen. 1965 heiratete er Ingeborg Weber, mit der er drei Kinder hat, die Künstler Gerhard und Franz Rudolf van der Grinten sowie die Modistin Daphne van der Grinten.

Von 1971 bis 1993 war van der Grinten als Kunsterzieher am Collegium Augustinianum in Gaesdonck tätig. Zu seinen Schülern gehörte auch der Schriftsteller Christoph Peters („Dorfroman“), der am Abend auf Facebook die Todesnachricht veröffentlichte: „Heute Morgen ist mein liebster und wichtigster Lehrer und seit Schultagen väterlicher Freund, der Künstler, Dichter, Gelehrte und Sammler, Franz Joseph van der Grinten im Alter von 87 Jahren gestorben. Ein in jeder Hinsicht wunderbarer und herausragender Mensch, dem ich unendlich viel verdanke.“

Er sammelte Kunst, aber er war auch selbst als Künstler tätig. Sein Sohn Gerhard schrieb anlässlich einer Ausstellung über seinen Vater: „Das Werk von Franz Joseph van der Grinten hat sich stets die Extravaganz des Privaten bewahrt, war sich genüge, ganz unbekümmert um die allgemeine Jagd nach dem Getöse, lautstarkem Beifall, Aktualität, was immer das auch sein mag.“

Später wandte sich der Kunsthistoriker auch der Lyrik zu, im Alter von 80 Jahren veröffentlichte er 2013 seinen ersten Gedichtband. Sein Schüler Klaus Johann sagte anlässlich des Erscheinens: „Wenn ein Dichter mit achtzig Jahren sein début feiert, so ist das ungewöhnlich. Wer freilich
Franz Joseph van der Grinten kennt, der wird es eher ungewöhnlich finden, dass er erst jetzt, als Oktogenarius, seinen ersten Band mit Gedichten vorlegt. Denn in der Tat ist Franz Joseph van der Grinten einer der belesensten Menschen, die man sich vorstellen kann. Wer ihn einmal besucht hat, früher am Grote Laarweg, direkt an seiner alten Wirkungsstätte in Gaesdonck gelegen, oder seit nunmehr auch schon rund
zwanzig Jahren in Erfgen, beinahe in Rufweite zum Schloß Moyland, das seine und seines Bruders Hans van der Grinten Kunstsammlung beherbergt und bewahrt, wer mithin Franz Joseph van der Grinten einmal besucht hat, der wird sich an ihn und seine Familie, die Gastfreundlichkeit und die über alle Zimmer verteilten Kunstwerke erinnern. Aber es werden sich ihm auch unauslöschlich die Legionen von Büchern eingeprägt haben, die
dort in unzähligen Regalen eingeordnet oder in ebenso zahllosen Stapeln auf Boden und Möbeln im ganzen Haus und in fast allen Räumen als Zeugnis unstillbaren Bildungsdranges und Wissensdurstes zu finden waren – jeder Buchrücken im Hause van der Grinten eine unausgesprochene Frage an die eigenen Kenntnisse und eine freundliche Anregung, sie zu erweitern, in eins.“

Ab 1993 bis zum Jahre 2003 war van der Grinten – bis zu dessen Tod gemeinsam mit seinem Bruder Hans – Direktor des Josef-Beuys-Archivs und des Museums Schloss Moyland. Franz Joseph van der Grinten wurde am 23. November 1992 mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Franz Joseph van der Grinten lebte und arbeitete in Bedburg-Hau.


Edeka Schroff: Bilder vom Weltuntergang (heiter beschwingt)

rd | 07. Oktober 2020, 17:26 | 29 Kommentare
Hinterglaspräsentation der kälteheischenden Warenwelt, künstlich abgewrackter Notausgang
Lampen in Form von Steaks illuminieren den TK-Bereich
Aufzuessen in Ruinen: Sitzecke für den Sofortverzehr
Doppel-D, Feinripp: „Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat“
Ein bereits angeknabberter Zylinder aus Pfundpaketen der Kaffeevarietät Jacobs Krönung
Stillleben am Haupteingang: E-Scooter vor Blumenbeet

Der in der vergangenen Woche neu eröffnete Edeka-Supermarkt Schroff an der Hoffmannallee lockte in den ersten Tagen vermutlich mehr Besucher an als das Museum Kurhaus in einem ganzen Jahr (was nicht gegen das Museum sprechen soll), und so widmen wir uns der neu zusammengestellten Präsentation der zeitgenössischen verderblichen, gekühlten, tiefgekühlten und konservierten Warenwelt mit dem Blick des weltgewandten Feuilletonisten, der schon viele netto-Märkte gesehen und ihre Art der Kommunikation zu deuten versucht hat (siehe hier: kleveblog-Supermarktkritik).

Vorweg gestellt sei noch der Hinweis, dass dem Rezensenten wie anderen Erstkunden auch zur Begrüßung eine wiederverwendbare Einkaufstasche überreicht wurde, in der sich eine Flasche MMchen extra trocken befand, dessen beschwingender Inhalt die Entstehung dieses kleinen Werks beeinflusste.

„Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat“

Grundsätzlich ist anzumerken, dass der neue, mit Millionenaufwand restaurierte Supermarkt so viele Waren enthält, dass, wenn man sich abends einschließen ließe und dann rings um einen die Welt unterginge, man noch mehrere 1000 Jahre gut versorgt überleben könnte, auch Wäschewechsel wäre eine Zeitlang kein Problem, es gibt Feinripp-Unterhemden und Büstenhalter in allen Größen. Über der entsprechenden Abteilung prangt der in fröhlichen Schreibschrift-Lettern gesetzte Spruch: „Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat“.

Dem Zeitgeist geschuldet (und natürlich grundsätzlich gut) ist eine Abteilung unter der Überschrift Unverpackt, in der in transparenten Silos allerlei Körner und sonstige Müslibestandteile darauf warten, vom Kunden in mitgebrachte Behältnisse abgefüllt zu werden. Der Rezensent, im Kampf gegen Lebensmittelmotten ein versierter und auch hartnäckiger Kontrahent, vermag sich zwar nicht vorzustellen, wie lange dies ohne einen Befall durchzuhalten ist, aber wir werden sehen.

Sollte die Unverpackt-Abteilung ein dezenter Hinweis darauf sein, dass viel zu viel überflüssige Verpackungen produziert werden, dient der ganze Rest des Supermarkts allerdings als bestes Anschauungsmaterial. Man könnte von einem Feigenblatt für die FFF-Generation sprechen, deren Angehörige allerdings wie alle anderen auch die Blaubeeren und das Sushi von reichlich Plastik umhüllt in den Einkaufswagen stellen.

„Essen ist ein Bedürfnis, Genießen eine Kunst“

Die Waren sind nett und adrett und übersichtlich gestapelt, und manchmal, wie im Falle des Turms aus Pfundpackungen des Kaffees Jacobs Krönung sogar neckisch. Die Installation erinnert an den Turmbau zu Babel, an dessen Ende bekanntlich die große Sprachverwirrung stand, deren Folgen sich bis an die Wände des Supermarkts in der Klever Oberstadt ziehen, wo allerlei Sinnsprüche wie der bereits genannte dem Konsum eine Art von Bedeutung einzuhauchen versuchen, die die konfektionierte Massenware aus sich heraus nicht mehr zu entwickeln imstande ist.

„Versuchungen sollte man nachgeben, wer weiß, ob sie wiederkommen“

Über dem Regal mit Süßigkeiten in Beuteln, in dem so viel Zucker versammelt ist, dass deren Konsum allen Zahnärzten der Stadt die Möglichkeit geben würde, ihren Fuhrpark zu erneuern, steht: „Essen ist ein Bedürfnis, Genießen eine Kunst“. Über dem Eisregal heißt es: „Versuchungen sollte man nachgeben, wer weiß, ob sie wiederkommen“.

Wer weiß, ob man nicht schon morgen mit Steroiden vollgepumpt wird und übermorgen am Beatmungsgerät hängt, lass uns also der größten Versuchung nachgeben, die unser Leben noch zu bieten hat: Mövenpick Vanille.

Überhaupt, Fatalismus scheint das zentrale Motiv der Neugestaltung zu sein. Deutschland, quo vadis? Obwohl neu, ist die vorherrschende Designsprache die der Ruine. Stellvertretend dafür sei die Sitzecke genannt, die Kunden die Möglichkeit gibt, direkt im Laden zu konsumieren. Es handelt sich um zwei Tische, um die eine Fake-Mauer im Trümmergrundstücks-Chic gezogen wurde. Wer darin sitzt und es genießt, der dürfte sich auch in der dystopischen Welt eines Blade-Runner-Films geborgen fühlen.

Die Wände des Supermarkts bieten dem Auge viel nackten Beton, ein Notausgang wurde künstlich in Richtung abgewrackt gestaltet, und über der Tiefkühltheke hängen Lampen in Form von Steaks mit großem Fettrand. Sie wirken wie eine Wahrnehmungsstörung zum Ende des Lebens hin: „Und dann hing alles voller Steaks…“

Es war eine große Investitionen, mit der die Eignerfamilie den Umbau in nur drei Wochen gestemmt hat. Vermutlich kommen die Designvorgaben aus der Edeka-Zentrale, und sie werden nun für das kommende Jahrzehnt, oder womöglich noch länger, das Einkaufserlebnis in der Klever Oberstadt prägen. Das Erlebnis ist aber eines, das uns sagt: So schick die Welt der Waren auch ist, lasst uns nicht vergessen, wie fragil alles geworden ist. Wir sind im Grunde von Trümmern umgeben. Die meisten sehen wir nicht. Der Weltuntergang kann kommen.

Danke, Edeka Schroff für diese ehrliche Inszenierung der Konsumwelt! Morgen werden wieder Lachgummis, Tuffi Vanillemilch und Nescafé Espresso gekauft.

Grenzorte des Verstehens: Schreibtisch der kleveblog-Redaktion im Augenblick der Dichtung

Was verdient der Klever Bürgermeister? Respekt und Anerkennung. Und wieviel?

rd | 07. Oktober 2020, 14:22 | 25 Kommentare
Wolfgang Gebing wird am 2. November der neue Chef im Klever Rathaus

Bürgermeister der Stadt Kleve zu sein, ist natürlich in erster Linie eine Frage der Ehre. Der Erste Bürger der Stadt ist auch zugleich ihr erster Diener, alle Sorgen und Nöte der Klever sind am Ende auch seine Sache, und das erfordert die ganze Frau, oder im Falle Kleves ab dem 2. November den ganzen Mann. Wolfgang Gebing, 54, CDU, wird an diesem Tag die Nachfolge von Sonja Northing antreten. Der Rechtsanwalt hat schon die ersten Interviews gegeben, die erkennen lassen, dass er voller Tatendrang steckt, Kleve zu einem noch besseren, schöneren und erfolgreicheren Gemeinwesen zu machen.

Sein Amt versieht er allerdings nicht nur ehrenamtlich, sondern hauptberuflich. Die sogenannte Eingruppierungsverordnung des Landes NRW sieht vor, dass Bürgermeister in Gemeinden mit mehr als 40.000 und bis zu 60.000 Einwohnern – wozu Kleve mit seinen gut 50.000 Einwohnern zählt – in die Besoldungsgruppe B6 eingestuft werden. Da kommt ganz schön etwas zusammen: Aus einer Übersicht, die der Bund der Steuerzahler in der aktuellen Ausgabe seiner Zeitschrift Der Steuerzahler veröffentlicht hat, geht hervor, dass den Bürgermeistern von Städten in dieser Größenordnung ein Grundgehalt von 9857,60 Euro zusteht. Hinzu kommt noch eine Aufwandsentschädigung, die mit 10 % des Grundgehalts berechnet wird, also nochmals 985,76 Euro.

Die neue Landrätin Silke Gorißen wird der Tabelle zufolge für ihren Dienst in einem Kreis mit mehr als 200.000 Einwohnern in die Besoldungsstufe B7 eingruppiert. Dies entspricht einem Grundgehalt von 10.363,83 Euro. Auch sie erhält zusätzlich eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 10 % des Grundgehalts.

Sonja Northing an dem Schreibtisch, den sie in wenigen Tagen räumen muss

Und wie steht es um die finanzielle Zukunft von Sonja Northing?

Laut Landesbeamtengesetz treten Bürgermeister erst nach einer mindestens achtjährigen Dienstzeit in den Ruhestand. Werden diese acht Jahre nicht erreicht, sind die Bürgermeister mit Ablauf ihrer Amtszeit ohne Anspruch auf Ruhegehalt entlassen. Das klingt erst einmal nicht gut, denn Sonja Northing ist bekanntlich nach Ablauf ihrer fünfjährigen Amtszeit nicht wiedergewählt worden.

Doch es gibt einen Ausweg: Wenn der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin vor der Amtszeit schon in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis gestanden und dadurch Fachkenntnisse erworben hat, die für die Wahrnehmung des Amtes förderlich sind, kann diese Zeit mit der Höchstgrenze von vier Jahren als ruhegehaltsfähig berücksichtigt werden. Sonja Northing hat ihre gesamte berufliche Laufbahn in der Klever Stadtverwaltung verbracht und dürfte somit von dieser Regelung profitieren können. Das Ruhegehalt beträgt rund 33,5 % der letzten Dienstbezüge und kann ab dem 45. Lebensjahr gewährt werden.


Corona: Nochmals elf neue Fälle im Kreis, eine Schule und ein Kindergarten betroffen, 13 Personen im Krankenhaus, darunter Zeitarbeiter, erstmals mehr als 1000 in Quarantäne

rd | 06. Oktober 2020, 19:28 | 7 Kommentare
Neue Skala, neuer Anstieg

Um 16:25 Uhr meldete der Kreis Kleve neun weitere Corona-Erkrankungen, sodass die Gesamtzahl der labordiagnostisch bestätigten Fälle nun insgesamt 1178 beträgt. Erstmals befinden sich mehr als 1000 Einwohner des Kreises in häuslicher Quarantäne, genau 1009.

Am Vormittag schon hatte der Kreis einen Fall aus einer Kindertagesstätte gemeldet, die Einrichtung „Zauberfarben“ in Kellen ist betroffen, 14 Erzieher und 60 Kinder sind ab sofort in Quarantäne, ein mobiles Testzentrum wird eingerichtet.

Die Euregio-Schule in Kranenburg hatte gestern einen weiteren Fall einer Covid-19-Infektion verzeichnet. In der Grenzgemeinde hatte die Zahl der betroffenen Menschen lange Wochen konstant bei zwölf Menschen gelegen. Mittlerweile verzeichnet die Statistik 40 erkannte Infektionen in Kranenburg, innerhalb einer Woche kamen neun neue diagnostizierte Fälle hinzu.

Wie ein besorgter Bürger auf Facebook richtig vorrechnete, entspricht dieser Anstieg einer Inzidenz von über 80 (bei 10.700 Einwohner gerechnet) – normalerweise sollen bei Werten von über 50 massive Beschränkungen greifen, allerdings wird die Inzidenz offenbar nur auf Kreisebene aggregiert, und da liegt der Wert derzeit bei 19 Fällen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen. Nach Informationen von kleveblog lässt sich das Geschehen in Kranenburg auf wenige Familien eingrenzen, sodass derzeit wohl noch nicht davon ausgegangen werden muss, dass das Virus sich absolut unkontrolliert ausbreitet.

Aktuell liegen der Meldung des Kreises Kleve zufolge 13 Menschen in Krankenhäusern und werden dort behandelt. Anders als zu Beginn der Epidemie sind dies, so die Informationen von kleveblog, nicht mehr überwiegend alte Menschen mit schweren Begleiterkrankungen. Ein Gutteil der stationären Patienten machen offenbar aus Osteuropa stammende Zeitarbeiter in Diensten einer niederländischen Firma aus, die in Goch untergebracht sind und die eigentlich nicht oder nicht mehr stationär behandelt werden müssten.

Da sie allerdings, wenn sie vorschriftsmäßig weiter versorgt werden, isoliert untergebracht werden müssten, können Sie nicht zurück in ihre Sammelunterkünfte, in denen sie zu fünft oder sechst auf einem Zimmer zusammengepfercht sind. Der Arbeitgeber jedoch weigert sich, entsprechende Vorkehrungen zu treffen, zudem hat sich herausgestellt, dass die Betroffenen teilweise überhaupt nicht versichert sind. Also bleiben sie im Krankenhaus.

Ein Sprecher des Kreises Kleve antwortete auf eine Anfrage von kleveblog zu dieser Thematik wie folgt: „Die Krankenhäuser im Kreis Kleve [nehmen] keine Patienten stationär auf, die nicht auch eine Krankenhausbehandlung benötigen. Zudem darf ich darauf hinweisen, dass von einem niederländischen Arbeitgeber in den Niederlanden eingesetzte Arbeitskräfte – von solchen sprechen Sie vermutlich – auch in den Niederlanden gesetzlich krankenversichert werden müssen. Soweit eine Behandlung in Deutschland nötig ist, werden die Kosten von einer hiesigen Versicherung getragen. Dazu wird das sogenannte S1-Formular genutzt (früher: E106), das von der niederländischen Versicherung bei Personen mit Wohnsitz in Deutschland grundsätzlich ausgegeben wird. Hier handelt es sich nicht um einen Missbrauch des deutschen Sozialversicherungssystems, sondern um gegenseitige vertragliche Verpflichtungen der Versicherungssysteme in den Niederlanden und in Deutschland.“

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Corona in der Kita Zauberfarben

rd | 06. Oktober 2020, 10:32 | 6 Kommentare

Bisher waren es Kontaktfälle, nun gibt es einer Klever Kita den ersten Corona-Fall, wie der Kreis Kleve meldet: In der städtischen Kita Zauberfarben im Stadtteil Kellen ist eine Person mit dem gefährlichen Virus infiziert, alle Kinder und Betreuer müssen in Quarantäne, ein Testzentrum wird eingerichtet! Hier die Meldung des Kreises im Wortlaut:

In der Kindertageseinrichtung Zauberfarben im Stadtteil Kellen gibt es eine bestätigte Infektion mit dem Coronavirus. Für alle Kinder und Beschäftigten ordnet das Gesundheitsamt eine Quarantäne an. Die Kontaktpersonen werden kurzfristig getestet.

Die mit dem Coronavirus infizierte Person wurde im Rahmen eines in Kitas üblichen Routinetests untersucht. Gestern, am 05.10.2020, wurde das positive Testergebnis bekannt. Die Person zeigt bisher keinerlei Krankheitssymptome.

Nach Bekanntwerden der Infektion wurden Kontaktlisten erstellt. Mit jeder Person wird sich das Gesundheitsamt der Kreisverwaltung Kleve in Verbindung setzen. Nach ersten Einschätzungen wird in der betroffenen Kita ein Testzentrum eingerichtet, um kurzfristige Corona-Tests zu ermöglichen.

Weitere Corona-Berichte im Laufe des Tages.


Dahliende

rd | 04. Oktober 2020, 16:39 | 12 Kommentare
Ohne Worte

Trump positiv, im Kreis Kleve könnte er sein Ergebnis selbst per Handy abrufen

rd | 02. Oktober 2020, 16:52 | 47 Kommentare
Beim amerikanischen Präsidenten würde das Display allerdings anders aussehen

Die Zahlen der erkannten Infektionen im Kreis Kleve schnellen munter in die Höhe, gestern plus 12, heute plus 18, die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen liegt bei 52, die Inzidenz bei 16 (Richtwert: 50). Alles nicht gut. Und es verwundert ein wenig, wie lange es dauert, bis die Ergebnisse von Kontaktpersonen vorliegen (mehrere Tage offenbar in einem mir bekannten Fall, da fragt man sich, wie so die Infektionskette durchbrochen werden soll). Nun aber können Betroffene ab sofort selbst ihr Ergebnis abrufen, teilt der Kreis Kleve mit – möglicherweise ein wichtiger Beitrag zur beschleunigten Erkennung von Infektionen.

Hier die vollständige Mitteilung des Kreises Kleve:

Ergebnisse von Corona-Tests des Gesundheitsamtes ab sofort vom Getesteten selbst digital beim Labor abrufbar

Neue Testformulare können die Wartezeit um einige Tage verkürzen

Kreis Kleve – Ab sofort können Personen, die auf Veranlassung des Gesundheitsamtes auf das Corona-Virus getestet werden, selbst ihr Testergebnis beim Labor abrufen. Dies gilt dann, wenn diese „anlassbezogenen Tests von Personen ohne Symptome“ durch den Hausarzt oder durch das Test-Team des Kreises Kleve durchgeführt wurden. Damit können diese Getesteten die Zeitspanne von der Testung bis zur Information über ihr Testergebnis verkürzen. Denn es dauert aktuell etwa ein bis drei Tage, bis die Labore dem Gesundheitsamt das Ergebnis mitteilen. Anschließend muss das Ergebnis in Kleve zunächst in einer Datenbank erfasst werden, bevor die getestete Person telefonisch über das Ergebnis informiert werden kann.

Die direkte Abfrage durch den Getesteten beim jeweiligen Labor ist nun möglich, da bei Tests auf Veranlassung des Gesundheitsamtes ab sofort neue Formulare zur Testung genutzt werden, die jeweils über einen individuellen QR-Code verfügen. Die untere Hälfte dieses „Laborscheins“ erhält die getestete Person. Am einfachsten funktioniert der Ergebnis-Abruf beim Labor über die kostenlose Corona-Warn-App. Hat die getestete Person diese App auf dem Smartphone, muss lediglich der QR-Code im App-Menü eingescannt werden. Die App benachrichtigt dann die getestete Person, sobald das Testergebnis im Labor vorliegt. Das Testergebnis ist dann auf der Startseite der Corona-Warn-App unterhalb der Risikoeinschätzung zu sehen. Falls das Testergebnis positiv ist, kann diese Person dann mittels Corona-Warn-App andere App-Nutzer freiwillig warnen. Getestete Personen, die nicht über die Corona-Warn-App verfügen, können ihr Ergebnis online beim jeweiligen Labor über einen Code abrufen, der sich unterhalb des QR-Codes befindet. Sollte die getestete Person nicht über diese digitalen Abfrage-Möglichkeiten verfügen, wird dies beim Test vermerkt. Dann wird die Person durch den Kreis Kleve informiert (bei positivem Testergebnis und bei Testung durch das Test-Team des Kreises Kleve) oder muss sich beim eigenen Hausarzt über das Ergebnis informieren. In jedem Fall erhält die getestete Person einen Anruf von Gesundheitsamt des Kreises Kleve, wenn ein positives Labor-Ergebnis vorliegt. Bei diesem Anruf werden dann die weiteren Schritte wie Quarantäne und Verhaltenshinweise besprochen.


Die Unfallfluchten des demografischen Wandels: Frau fährt Knirps mit E-Scooter um und haut ab

rd | 01. Oktober 2020, 09:54 | 31 Kommentare

Wahrscheinlich werden wir uns an Meldungen wie diese gewöhnen müssen:

Alle Meldungen

Am Dienstag (29.09.2020) kam es gegen 16:00 Uhr auf dem Gehweg unmittelbar vor dem Eingang des EOC an der Hoffmannallee zu einer ungewöhnlichen Verkehrsunfallflucht.

Eine 24-jährige Kleverin befand sich mit ihrem 4-jährigen Sohn auf dem Gehweg am Fahrradständer, als eine unbekannte Frau auf einen dort abgestellten E-Scooter (Shopper) mit vier Rädern stieg und rückwärts fuhr.

Den Vierjährigen, der unmittelbar hinter dem Scooter stand, nahm die Unbekannte offenbar trotz diverser Rufe von Zeugen nicht wahr, stieß mit ihm zusammen und überrollte sein Bein.

Nach weiteren Ansprachen von Zeugen hielt sie kurz an, sagte “Entschuldigung” und fuhr dann, ohne sich weiter zu kümmern, in Richtung Siegertstraße weg. Anschließend bog sie nach links in Richtung Sackstraße ab und verschwand.

Der Vierjährige wurde bei dem Unfall glücklicherweise nur leicht verletzt. Er erlitt Prellungen und Schürfwunden am Bein.

Besonders auffällig: Zwei blaue Krücken

Die Polizei sucht nun Zeugen, die Angaben zur Identität der flüchtigen Scooter-Fahrerin machen können. Die Frau war mit einem roten vierrädrigen E-Scooter mit Versicherungskennzeichen unterwegs. An Ihrem Scooter hatte sie hinten links einen Korb, in dem sich zwei blaue Gehhilfen befanden.

Die Frau selbst wird von Zeugen auf 60-65 Jahre geschätzt, soll circa 170-175 cm groß und kräftig gebaut sein. Sie hat braun-rötliche, kurze Haare und trug zum Unfallzeitpunkt eine Brille und eine dunkelblaue Jeans.

Hinweise nimmt die Polizei Kleve unter 02821 5040 entgegen.


Flughafen Berlin fertigstellen? Dazu braucht es einen Niederrheiner!

rd | 30. September 2020, 14:17 | 4 Kommentare

Am 31. Oktober eröffnet der neue Berliner Flughafen, und wer hat’s natürlich geschafft – ein Niederrheiner!

Eleganter Auftritt: Engelbert Lütke Daldrup

Der Flughafen Berlin ist das klassische Beispiel für ein Mammutprojekt, das komplett aus dem Ruder gelaufen ist, vielleicht vergleichbar noch mit dem Schnellen Brüter in Kalkar. Die Baukosten explodierten, unter anderem wegen der ingenieurtechnisch sportlichen Idee, den in einem Brandfall entstehenden Rauch nach unten abzuleiten. Die Eröffnung verzögerte sich Jahr um Jahr, mit der betrüblichen Feststellung, dass das Bauwerk schon zur Eröffnung nicht mehr ausreichen würde, den gesamten Flugbetrieb der Hauptstadt abzuwickeln. Dann kam Corona, sodass dieses Problem sich vorerst nicht mehr stellen dürfte.

So eröffnet nun am 31. Oktober, ganz ohne Pomp, einfach so, mit neun Jahren Verspätung der neue Airport in Berlin. Schon diese schnörkellose Art könnte man als Indiz für die Herkunft des Mannes nehmen, der nunmehr an der Spitze der Flughafen-Gesellschaft steht. Er heißt Engelbert Lütke Daldrup und ist seit März 2017 Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH. Zu seinen Vorgängern gehört auch der schillernde Hartmut Mehdorn, ehemals Bahn-Chef.

Von 1976-1981 hatte Lütke Daldrup an der Universität Dortmund Raumplanung studiert, danach arbeitete er in Frankfurt, wechselte zur großtechnischen Diversität Berlin und wurde dort 1988 mit einer Dissertation über bestandsorientierten Städtebau promoviert. Es folgten berufliche Stationen bei der Berliner Senatsverwaltung und als Beigeordneter für Stadtentwicklung in Leipzig. Nach einem dreijährigen Engagement als Staatssekretär im Verkehrsministerium wurde Lütke Daldrup nach dem Regierungswechsel am 9. November 2009 in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Im Frühjahr 2015 bekam er den Posten des Flughafenkoordinators des Landes Berlin im Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH – und als der Chef des Unternehmens, Karsten Mühlenfeld, zurücktrat, fiel die Nachfolge Lütke Daldrup zu.

Ein durchaus bewegtes Leben in den Metropolen des Landes – das aber seinen Anfang in dessen entlegenster Provinz genommen hat: Engelbert Lüdtke Daldrup wurde am 31. Oktober 1956 in Kranenburg geboren. Das war es dann aber offenbar auch schon, auf Anfrage erklärte seine Pressesprecherin, dass er keine Erinnerungen an seine frühen Jahre am Niederrhein mehr hat. Aber – wie die beharrliche Arbeit zum erfolgreichen Ziel und die unprätentiöse Art der Eröffnung unter Beweis stellt, kann Lütke Daldrup seine Herkunft nicht komplett verleugnen. Einmal Niederrheiner, immer Niederrheiner!

kleveblog gratuliert dem Eröffner!


Rat beschließt einstimmig Anlage einer Streuobstwiese für 325.000 Euro

rd | 30. September 2020, 12:33 | 115 Kommentare

Fragt man Fachleute, wie diese die Anlage einer Streuobstwiese mit 50 Bäumen kalkulieren, empfehlen sie die Anpflanzung von jungen Bäumen mit einem Stammumfang von rund sieben Zentimetern (die wachsen am besten an) und berechnen dann etwa zweihundert Euro pro Baum, fünf Jahre Pflege inbegriffen. Am Ende landet man also bei etwa 10.000 Euro.

Grüner wird’s – entlang des Johann-Moritz-Kanals

Nun sind wir aber in Kleve, einer Stadt, die sich – zu Recht – ihrer Parkanlagen rühmt, die ein umfassendes „Parkpflegewerk“ besitzt, in welchem niedergeschrieben steht, was mit Altem und Neuem Tiergarten zu deren besten zu geschehen hat, und wo ein Obstgarten nicht einfach ein Obstgarten, sondern ein „Obstbaum-Arboretum“ ist.

Das kostet natürlich.

Gestern fällte der Rat der Stadt Kleve in der letzten von Bürgermeisterin Sonja Northing geleiteten Sitzung einstimmig den Beschluss, südöstlich des Prinz-Moritz-Kanals für 325.000 Euro ein „Obstbaum-Arboretum“ anlegen zu lassen. Die Verwaltung rechnet damit, dass die Maßnahme im Herbst 2021 abgeschlossen sein soll.

Wie aber kommen die 325.000 Euro zusammen?

Die Verwaltung rechnet vor: „Die Kosten für das Obstbaum-Arboretum können in zwei Positionen aufgeschlüsselt werden. Zum einen belaufen sich die Kosten für die Baumaßnahmen sowie die Herstellung der Obstwiese auf rd. 245.000 € brutto. Hinzu kommen die Planungskosten des Planungsbüros Landschaft + Garten i. H. v. rd. 80.000 brutto. Die Kosten für die Gesamtmaßnahme belaufen sich somit auf rd. 325.000 € brutto.“

Bevor nun der Stab darüber gebrochen wird, sei geschildert, was auf dem Areal – es handelt sich im Prinzip um die Fläche hinter dem Restaurant Altes Landhaus – neben der Anpflanzung der Obstbäume noch alles verändert wird. Das Gelände wird zukünftig durch vier Stege mit dem Forstgarten und der Promenade entlang des Prinz-Moritz-Kanals verbunden. Am Fernradweg und am Parkplatz werden Fahrradstellplätze errichtet. Der Parkplatz am Restaurant wird mit niedrig wachsenden Wildobstgehölzen eingegrünt (zum Beispiel Hagebutten).

Der Obstgarten selbst kann von Spaziergängern auf gemähten Wiesenwegen (mit Lavaeinmischung) durchschritten werden. Weil das Grundwasser recht hoch steht, werden die Obstbäume auf eigens dafür aufgeschüttete Hügel gepflanzt. Quer durch das Gelände verlaufende Kiesstränge sollen Niederschläge in die seitlichen Wassergräben ableiten, damit der Garten nicht versumpft. Eine Freifläche mit einer großen Eiche und drei bereits dort stehenden Apfelbäumen soll Besuchern künftig als Ruhe-, Spiel- und Picknickwiese dienen. Und natürlich dürfen Infotafeln nicht fehlen, die Auskunft über die Geschichte der Anlage geben.

Fazit: Man mag einen mittleren sechsstelligen Betrag für die Anlage einer Streuobstwiese für übertrieben halten, aber verglichen mit Ausgaben für zum Beispiel Straßenbau handelt es sich doch nur um Peanuts. Und wenn der geneigte Bürger zur Erntezeit durch das Gelände streift, kann er sich ja peu à peu seine Steuergroschen in Naturalien zurückholen.

Und, nicht zu vergessen, dass Kleve sich heute seiner Gartenanlagen rühmen kann, liegt auch darin begründet, dass Johann Moritz von Nassau-Siegen in seiner Zeit als Statthalter in Kleve mit den Parks die Verheerungen des 30-jährigen Krieges vergessen machen wollte. Wer weiß, welche Verheerungen unsereins noch gerne hinter sich lassen möchte.

Hier eine Präsentation der Planungen (Quelle: Stadt Kleve): Obstbaum-Arboretum


Rachefeldzug nach Mobbing? Prozess um den Mühlhoff-Brand (120 Mio. € Schaden)

rd | 29. September 2020, 12:52 | 72 Kommentare
Der Angeklagte neben seinen beiden Verteidigern Dr. Karl Haas und Tanja Reintjes
Generalstabsmäßig in Brand gesetzt: Der Mühlhoff-Komplex am Ortsrand von Uedem am Morgen des 29. Dezember um 10:52 Uhr

Über seinen Michael Kohlhaas schreibt Heinrich von Kleist, er sei „einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“. Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, hatte aus einem verletzten Gerechtigkeitsgefühl heraus einen Rachefeldzug begonnen, der in keinem Verhältnis zum Anlass des Streits stand. 

Ob der Held dieser Erzählung, auf niederrheinische Dimensionen heruntergebrochen, seine Entsprechung in Andreas L. gefunden hat, muss derzeit die 2. große Strafkammer Landgerichts Kleve unter Vorsitz von Richter Norbert Scheyda klären. In der vergangenen Woche begann der Prozess den 58 Jahre alten Mann, der angeklagt ist, am 29. Dezember 2019 die Werkshallen und das Verwaltungsgebäude der Firma Mühlhoff in Brand gesetzt und dabei einen Schaden in Höhe von 120 Millionen Euro verursacht zu haben.

Mehr als 300 Rettungskräfte waren 12 Stunden damit beschäftigt, am 29. Dezember 2019 den Brand bei den im niederrheinischen Uedem ansässigen Automobilzulieferer Mühlhoff zu bekämpfen. 

Bei dem Mann, der nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Polizei für die Katastrophe verantwortlich sein soll, handelt sich um einen (mittlerweile ehemaligen) Mitarbeiter, der als Zeitarbeiter zu dem Unternehmen gekommen war und vor sechs Jahren eine Festanstellung Kommissionierer im Lager erhalten hatte. Staatsanwalt Christian Schmäring wirft ihm Brandstiftung vor, der Strafrahmen liegt bei bis zu zehn Jahren. 

Zur Sache wollte L. am ersten Prozesstag nichts aussagen, doch seine Schilderung der Vorgeschichte lieferte zumindest Hinweise auf ein starkes Motiv – auf einen Rachefeldzug, entstanden aus einem tief verletzten Gerechtigkeitsgefühl. Gestützt wird die Aussage des Angeklagten, der von den Rechtsanwälten Dr. Karl Haas (Kleve) und Tanja Reintjes (Bedburg-Hau) verteidigt wird, durch Akten aus Prozessen vor dem Arbeitsgericht Wesel. 

Dem Chef zeigte er ein Video mit Sicherheitsverstößen

Seit dem 7. Februar sitzt L. in der Klever Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft. Bis zur seiner Verhaftung war er ein unbescholtener und rechtschaffener Mensch. Doch wie er in seiner Firma behandelt wurde, so hat es den Anschein, ließ ihn den Glauben an die Gerechtigkeit verlieren. Zu dem Zerwürfnis mit dem Arbeitgeber kam es, als der Mitarbeiter der Unternehmensleitung und dem Betriebsrat Sicherheitsverstöße bei den Arbeitsprozessen meldete. Der Betriebsrat habe zugesichert, ihm „den Rücken frei zu halten“.

Dem damaligen Geschäftsführer des Unternehmens persönlich spielte er unter vier Augen ein mit dem Handy aufgenommenes Video vor, dass die gravierenden und die Kollegen gefährdenden Mängel dokumentierte. Die Reaktion des Chefs wurde vom Angeklagten vor Gericht so wiedergegeben: „Der war fassungslos. Er hat gesagt: Ich kann die doch nicht alle rausschmeißen.“

„Der notiert alles, der sch… euch an“

Die Ehrlichkeit aber sei ihm nicht gedankt worden, berichtete der Angeklagte: „Im Februar 2018 fing das Mobbing an. Ab dem Datum, an dem ich die Verstöße publik gemacht hatte.“ Er wurde von seinem Kollegen separiert und, so schilderte er, „zu total sinnlosen Tätigkeiten verdonnert“. Im Kollegenkreis habe es geheißen: „Der notiert alles, der sch… euch an!“

Einige Wochen später erhielt er die Kündigung – weil er mit den Videoaufnahmen gegen die Datenschutzbestimmungen im Betrieb verstoßen habe. Dagegen klagte er, und vor dem Arbeitsgericht Wesel bekam er auch recht, weil er nur um die Sicherheit im Betrieb bemüht gewesen sei.

In der Folgezeit erkrankte der Mitarbeiter an einem Herzinfarkt, und der Arbeitgeber, so scheint es, bemühte sich nach Kräften um eine Zerrüttung des Arbeitsverhältnisses. Zwei weitere Abmahnungen sind aktenkundig, eine davon führte ebenfalls zu einem Prozess, den der Mitarbeiter erneut gewann.

19 Tage vor dem Wiedereingliederungsgespräch ging das Werk in Flammen auf

Am 7. Januar 2020 hätte ein Gespräch zur Wiedereingliederung angestanden. 19 Tage vorher ging das Werk in Flammen auf.

Der Chef der Uedemer Feuerwehr, Alexander Janßen, sagte als Zeuge, wie er schon am frühen Morgen aus dem Auto heraus die Rauchsäule über der Stadt gesehen und Verstärkung angefordert habe. Als er gegen 8:20 Uhr am Brandort eingetroffen war, war das Verwaltungsgebäude massivst verraucht und zwei Werkhallen standen „in Vollbrand“, wie die Feuerwehrleute sagen.

Schnell war klar, dass ein Fall von Brandstiftung vorlag. Die Kräfte fanden einen Rucksack mit Einbruchswerkzeug, und sie entdeckten allerorten Kanister und benzingetränkte Lappen, die offenbar als Lunte dienen sollten und die teilweise gezielt über die Steuerungselektronik der Maschinen ausgebreitet worden waren. „Manipulierte Stellen waren in der ganzen Firma verteilt“, so Janßen.

Einbruchsalarm wurde ausgelöst, aber die Sicherheitsfirma hatte keinen Schlüssel

Spätere Ermittlungen ergaben auch, dass bereits um 3:51 Uhr an diesem Tag, also gut 4 Stunden, bevor der Brand erstmals gemeldet wurde, ein automatischer Einbruchsalarm ausgelöst wurde. Der Alarm lief auf bei einer privaten Sicherheitsfirma, die daraufhin einen Kollegen aus Köln nach Uedem schickte. Der Mann hatte allerdings keinen Schlüssel und gelangte deshalb nicht auf das Werksgelände. Von außen nahm er nichts Auffälliges war – und zog wieder von dannen. Währenddessen bereitete offenbar der Brandstifter in den Unternehmen sein Zerstörungswerk vor.

Schon am Morgen nach dem Brand fiel in den Ermittlungen auch der Name des jetzigen Angeklagten – wegen der langen Auseinandersetzung. Und als die Ermittler den Laptop des Mannes durchsuchten, fanden sie heraus, dass in den Tagen vor dem Brand eine intensive Nutzung des Geräts stattgefunden hatte. Es sei die Seite Google Maps aufgerufen worden – mit den Koordinaten des Mühlhoff-Geländes, die noch auf dem Gerät gespeichert gewesen seien. 

Audio-Datei: Er werde es der Firma „noch zeigen“

Eine als Zeugin geladene Kommissarin sagte, auf dem Tablet des Angeklagten sei zudem eine Audio-Datei entdeckt worden, mit der der Angeklagte seinen Streit mit einem Betriebsrat dokumentiert habe. Darin heißt es unter anderem, er werde es der Firma „noch zeigen“. 

Der Prozess wird am 5. Oktober fortgesetzt. 


3 Stichwahlen, 1 CDU-Triple: Silke Gorißen, Wolfgang Gebing und Stephan Reinders gewinnen

rd | 27. September 2020, 19:40 | 68 Kommentare
Entspannt vorm eigenen Wahlplakat: Wolfgang Gebing am Sonntag Abend in Materborn, wo er seinen Wahlsieg feierte (Foto: Jörg Cosar)
Nahm die Siegesnachricht in der CDU-Kreisgeschäftsstelle entgegen: Silke Gorißen, die von Theo Brauer, dem ehemaligen Klever Bürgermeister im Wahlkampf unterstützt wurde
Team Peter Driessen im PAN Kunstforum in Emmerich: Nur das kürzere Ende. „Ich wünsche Silke Gorißen viel Glück für die Aufgabe“, so der Verlierer der Stichwahl
Drei spannende Duelle – hier die Ergebnisse!
Lässig vereint am Spuckmänneken: Wolfgang Gebing & Silke Gorißen (Foto: Facebook): Das Bild entstand vor der Wahl – und vereint nun zwei Sieger auf einem Foto
Bürgermeisterin Sonja Northing im neuen Klever Rathaus an ihrem höhenverstellbaren Schreibtisch, den sie nun ihrem Nachfolger überlassen muss
Stephan Reinders: Blumen für den Wahlsieger
StimmenProzent
Landratswahlen (264.836 Wahlberechtigte)
Wahlbeteiligung83.21731,4
Silke Gorißen (CDU)44.66754,2
Peter Driessen (von SPD, Grüne, FDP und Freien Wählern unterstützt)37.73445,8
Bürgermeisterwahlen Kleve (42.599 Wahlberechtigte)
Wahlbeteiligung14.15133,2
Wolfgang Gebing (CDU, von Grünen und FDP unterstützt)7.32852,8
Sonja Northing (von SPD unterstützt)6.56147,2
Bürgermeisterwahlen Bedburg-Hau (10.997 Wahlberechtigte)
Wahlbeteiligung5.46949,8
Stephan Reinders2.97254,6
Dr. Ursula Pitzner2.46845,4
Stand: 23:45 Uhr, alles vorläufige Endergebnisse

Bürgermeisterwahlen in Kleve

(Aktualisiert, jetzt mit allen vorläufigen Endergebnissen) Es gibt einen Wechsel im Klever Rathaus, nur ein halbes Jahrzehnt währte die Nicht-CDU-Besetzung des höchstens Postens in der Stadt: Wolfgang Gebing, der es im zweiten Anlauf schaffte, Bürgermeisterkandidat seiner Partei zu werden, gelang es im ersten Anlauf, die Amtsinhaberin zu besiegen! Das Rennen war knapp, zwischenzeitlich lagen die Kontrahenten nur 50 Stimmen auseinander. Am Ende aber war es etwas eindeutiger: Gebing vereinigte 7328 Stimmen auf sich, 767 mehr als Sonja Northing (6561 Stimmen). Die Wahlbeteiligung betrug 33 Prozent. In einer ersten Stellungnahme sagte Wolfgang Gebing: „Danke an Kleve! Ich werde die Erwartungen mit besten Kräften erfüllen!“ Gefeiert wurde der Sieg im Ratskrug in Materborn. Sonja Northing: „Ich bedanke mich für das mir entgegengebrachte Vertrauen, die tatkräftige Unterstützung,die zahlreichen lieben Nachrichten und guten Wünsche. Es hat leider nicht gereicht. Kleve hat gewählt. Ich wünsche Kleve alles Gute.“ Ex-Ministerin Dr. Barbara Hendricks kommentierte das Klever Wahlergebnis wie folgt: „In meiner Heimatstadt Kleve musste sich Amtsinhaberin Sonja Northing dem CDU-Kandidaten Wolfgang Gebing knapp geschlagen geben. Ich habe Sonja Northing als engagierte, leidenschaftliche Bürgermeisterin kennengelernt und hätte ihr gewünscht, ihre erfolgreiche Politik für Kleve fortsetzen zu können. Nichtsdestotrotz gratuliere ich auch Wolfgang Gebing herzlich und wünsche ihm eine glückliche Hand im Interesse der Stadt Kleve.”

Landratswahlen im Kreis Kleve

Weniger knapp das Ergebnis im Kreis Kleve: Trotz seines breiten Rückhalts (4 Parteien) gelang es dem Bedburg-Hauer Bürgermeister Peter Driessen nicht, die CDU-Vorherrschaft im Kreis, die seit Christi Geburt existiert, zu brechen. Silke Gorißen siegte mit 54,2 zu 45,8 Prozent. In Stimmen macht das eine Differenz rund 7000 Stimmen aus (44.667 zu 37.734). Die Wahlbeteiligung lag bei 31 Prozent. Silke Gorißen zu kleveblog: „Ich freue mich über das tolle Ergebnis bei der Landratswahl. Mein Dank gilt allen Wählerinnen und Wählern, die mir heute ihre Stimme gegeben haben.“

Peter Driessen verbrachte den Wahlabend mit seinem Team im PAN Kunstforum in Emmerich, wo immerhin die Wiederwahl des Emmericher Bürgermeisters Peter Hinze (SPD, setzte sich gegen Matthias Reintjes (CDU) durch, gefeiert werden konnte. Driessen gratulierte der Siegerin: „Fast hätte es die Sensation des Farbenwechsels von Schwarz auf Bunt gegeben, nach mehr als 50 Jahren CDU-Herrschaft. Ich wünsche Silke Gorißen viel Glück für die Aufgabe und bedanke mich bei meinen Wählerinnen und Wählern für ihr Vertrauen.“

Bürgermeisterwahlen in Bedburg-Hau

In Bedburg-Hau zog Stephan Reinders als neuer Bürgermeister ins Rathaus ein. Nach Auszählung aller Stimmbezirke kam er auf 504 Stimmen mehr als seine Kontrahentin Dr. Ursula Pitzner. Damit hat die CDU nach einer 16 Jahre währenden Durststrecke, in der Peter Driessen (parteilos) Bürgermeister war, den Posten zurückerobert. Stephan Reinders zu kleveblog: „Ich bin natürlich jetzt erleichtert und dankbar für das Vertrauen. Frau Pitzner sage ich – so wie ich es Stefan Veldmeijer auch getan habe –meinen herzlichen Dank für einen immer fairen Wahlkampf und ich habe großen Respekt vor ihrem guten Ergebnis. Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe, die ab November auf mich zukommen wird. Auf die Menschen in Bedburg-Hau, auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung und auf eine gute Zusammenarbeit mit allen Fraktionen im Rat.“ Die Wahlbeteiligung betrug 49,8 Prozent, für die Stichwahlen der beste Wert weit und breit.

Einen herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner!


Wahlen: Gorißen und Reinders mit deutlichen Vorsprüngen, aber in Kleve ist es knapp (zzt. führt Gebing mit 500 Stimmen)

rd | 27. September 2020, 18:51 | 1 Kommentar

Zwei Wahlausgänge stehen so gut wie fest: Auf Kreisebene wird die Rechtsanwältin Silke Gorißen (CDU) aller Wahrscheinlichkeit die nächste Landrätin: 255 von 307 Stimmbezirken sind ausgezählt, sie hat derzeit 5000 Stimmen Vorsprung auf Peter Driessen (55:45). In Bedburg-Hau ist fast alles ausgezählt, der CDU-Kandidat Stephan Reinders führt mit 200 Stimmen (54:46) gegen Dr. Ursula Pitzner. Und in Kleve: Da ist es richtig spannend, aber Wolfgang Gebing (CDU) setzt sich ein bisschen ab: 500 Stimmen Vorsprung, noch drei Stimmbezirke fehlen. Nachdem zwei Drittel der Bezirke ausgezählt waren, führte Wolfgang Gebing noch mit 200 Stimmen. Einige Minuten vorher hatte Amtsinhaberin Sonja Northing noch mit 90 Stimmen (51:49) in Front gelegen. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen!


Corona-Tabelle: Rechter Rand erreicht

rd | 27. September 2020, 16:09 | 6 Kommentare
Die Tafel quer aufhängen geht, dafür ist die Wand zu schmal. Und nun?

Im Grunde ist diese Tafel mit den wöchentlich aktualisierten Corona-Fallzahlen im Kreis Kleve ein Gleichnis dafür, dass wir von etwas heimgesucht werden, das unsere Vorstellungskraft sprengt. Nach den ersten Gipfeln im Frühjahr die allmähliche Erleichterung, die Sache doch in den Griff zu kriegen, verbunden mit der Hoffnung, dass die Skala ausreicht, bis die Seuche annihiliert ist. Einmal schon wurde die x-Achse gestaucht, und nun, Ende September, ist die Darstellung der Entwicklung erneut an die Grenzen gestoßen, die der Schiefergrund ihr bietet – und die Fallzahlen gehen derzeit munter in die Höhe. Im Nachbarland nähert man sich einem zweiten Lockdown an, im Kreis Kleve gab es am Wochenende zwölf neue Fälle, und mittlerweile acht Menschen müssen in Krankenhäusern behandelt werden. Und der Redaktion bleibt wohl nichts anderes übrig, als erneut zum Schwamm zu greifen. (Eigentlich war die Tafel als übergroßer Notizzettel für all die ausstehenden Artikel und Texte gedacht, doch an diese Nutzung ist in diesem Jahr wohl nicht mehr zu denken.)


Mann, Frau, wer weiß das schon genau? Am Sonntag gegen 19 Uhr Sie!

rd | 26. September 2020, 21:26 | 10 Kommentare
Was will uns diese Collage sagen: Sechs Kandidaten stehen zur Wahl, drei Frauen und drei Männer, eine Amtsinhaberin und fünf neue Kandidaten, zwei Anwälte, drei gelernte Verwaltungsmitarbeiter, eine Unternehmensberaterin, drei Verheiratete, zwei in Partnerschaften Lebende, eine Blumenliebhaberin, eine bekam Besuch vom Ministerpräsidenten (in einer Gärtnerei), einer Schützenhilfe von den Grünen, dreimal geht die CDU ins Rennen, zweimal unterstützen alle anderen den Gegenkandidaten, einmal nur die SPD – alles sehr spannende Konstellationen!

Im Kreis Kleve sind 265.011 Menschen aufgerufen, einen neuen Landrat oder eine neue Landrätin zu wählen – entweder eine Frau, Silke Gorißen, Rechtsanwältin, oder einen Mann, Peter Driessen, Bürgermeister in Bedburg-Hau. In der Stadt Kleve sollen 42.620 Wähler das höchste Amt der Stadt besetzen – entweder mit einer Frau, der Amtsinhaberin Sonja Northing, oder mit einem Mann, dem Herausforderer Wolfgang Gebing. Und in Bedburg-Hau werden 10.981 Bürger aufgefordert, den neuen ersten Bürger der Gemeinde zu küren – entweder eine Frau, Dr. Ursula Pitzner, oder einen Mann, Stephan Reinders.

Spannend! Aber wie spannend wird es genau? Hier ein bisschen Futter für die Diskussionen morgen an den Tresen in Stadt und Landkreis:

Kreistagswahl: Wir nehmen die gleiche Wahlbeteiligung an (51,52 %) an. Dann reichen 68.218 Stimmen zum Sieg. Wie viele Stimmen hatte Silke Gorißen vor 14 Tagen? 64.707. Das war also schon ganz schön knapp. In den vergangenen zwei Wochen, das war allerdings deutlich zu sehen, haben die Wahlkämpfer, die hinter Driessen stehen, eine deutliche Kurskorrektur vorgenommen und die Wucht der Parteien (SPD, Grüne, FDP, freie Wähler) mit dem Kandidaten zu verbinden versucht. Ob das reicht? Zusammen kamen die Parteien am 13. September auf 66.025 Stimmen. So gesehen, könnte es vielleicht knapper als in der ersten Runde ausgehen – zumal der Schiedsrichter nicht mehr zur Wahl steht (dessen Achtungserfolg aber außer Frage steht: Er blieb am 13. September nur 1215 Stimmen hinter Peter Driessen).

Bürgermeisterwahl in Kleve: Sonnenblumen duften nicht. Egal, für den Wahlerfolg ließ sich Amtsinhaberin in einem Feld mit Sonnenblumen ablichten, mit dem Näschen an einer Blüte. Am Samstag war sie auf dem Markt an der Linde. Am Freitag bei den Fridays-for-Future-Aktivisten. Wer sie kennt, weiß: Sie kämpft. Sie ist not amused, weil sich viele Unterstützer von ihr abgewandt haben. Sie fühlt sich mitunter unverstanden, weil Politik anders geht als Verwaltungsarbeit. Und sie will es allen noch mal zeigen. Aber wie sehen die Zahlen aus? Northing kam am 13. September auf 5002 Stimmen. Der Mann, der ihr Büro beziehen möchte, holte im ersten Wahlgang 5851 Stimmen, also 849 mehr. Zünglein an der Waage sind in diesem Fall die Stimmen der Kanidaten, die aus dem Rennen sind (Rolf Janßen (Grüne), Daniel Rütter (FDP), Udo Weinrich (Offene Klever), Michael Kumbrink). Zwei der Parteien haben eine eindeutige Wahlempfehlung ausgesprochen – Grüne und FDP legten ihren Wählern Wolfgang Gebing ans Herz. Das sind 4424 und 882 Stimmen. Sollten die Anhänger der Parteien ihrer Führung folgen, ist das Rennen am Sonntag entschieden – aber genau vor diesem Hintergrund sind die Sonja-im-Sonnenblumenfeld-Fotos erklärbar: Die Amtsinhaberin setzt darauf, dass die Basis der Grünen ihren Einsatz fürs Klima honoriert und ohnehin mit einem christdemokratischen Kandidaten fremdelt. Also auch hier: Auf dem Papier ist die Sache vielleicht klarer als am Sonntag an der Urne. Mit der Wahlbeteiligung vom vorvergangenen Sonntag gerechnet, reichen in Kleve 9109 Stimmen zur Mehrheit.

Bürgermeisterwahl in Bedburg-Hau: Stephan Reinders darf sich als der klare Sieger der ersten Runde in der Gemeinde Bedburg-Hau sehen. Er holte 2934 Stimmen, was einem Anteil von 45,5 Prozent entsprach. Die CDU mag sich fast schon wieder an die gute, alte Zeit erinnert gefühlt haben, als alle CDU wählten. Wer nicht, ging auch sonntags nicht in die Kirche. Doch Reinders Erfolg vom 13. September könnte auch darin begründet liegen, dass die beiden anderen Kandidaten, Stefan Veldmeijer und Dr. Ursula Pitzner, sich gegenseitig das Wasser abgegraben haben. Nun ist einer weg (Veldmeijer), und die zweite könnte noch einiges an Stimmen auf sich vereinigen, weil sie nun alle Parteien hinter sich weiß: SPD, Grüne, FDP. Das hat einen Grund: Mit Pitzner hätten die drei Parteien die Mehrheit im Rat. Mit dem CDU-Kandidaten Reinders hätten die Christdemokraten eine Stimme Mehrheit. Das ist ein starkes Argument in beide Richtungen, und nicht umsonst betonte Reinders zum Ende des Wahlkampfs, natürlich nicht nur als CDU-Bürgermeister zu agieren. Also: Auch sehr spannend! Die Rechnung mit der Wahlbeteiligung vom 13. September ergibt, dass dem Sieger 3273 Stimmen reichen. Reinders hatte 2900.


Forderte der Europa-Radschnellweg sein erstes Todesopfer?

rd | 25. September 2020, 16:47 | 52 Kommentare
Tückischer Rechtsschwenk vor der Uferböschung: Radschnellweg am Spoykanal
Parkplatzschonende Streckenführung: Erster Schwenk an der Wiesenstraße, zweiter vor dem Kanal. Der orangefarbene Pfeil zeigt, wo der 44-jährige Klever vermutlich verunglückte
Dieses Foto von Martin Fingerhut macht deutlich, wie die Stelle in der Dunkelheit aus der Sicht eines Radfahrers ausschaut.

Am Freitagmorgen um acht Uhr entdeckten Mitarbeiter der Umweltbetriebe der Stadt Kleve (USK), die den Spoykanal reinigen sollten, an der Brücke, die das Gewässer überquert, eine männliche Leiche. Die Feuerwehr barg den Leichnam und auch ein Fahrrad. Die Polizei übernahm die Ermittlungen und stellte die Identität des Mannes fest – es handelte sich um einen 44 Jahre alten Klever, der gestern Abend nicht zu seiner Wohnung zurückkehrte. Eine Obduktion soll nun die eindeutige Todesursache klären.

Doch wer als Radfahrer die Situation an der Stelle kennt, gelangt zu einem schrecklichen Verdacht: War die Streckenführung des Europa-Radschnellwegs mitursächlich für den Tod des Mannes?

Streng genommen, beginnt die erst vor einem Jahr eröffnete Strecke, deren Bau insgesamt 6,5 Millionen Euro gekostet hat, nördlich der Gleise des Klever Bahnhofs. Bei der Querung der Wiesenstraße macht die Strecke dann einen Schlenker und verläuft – vermutlich, weil die Planer parkplatzschonend gedacht haben – südlich der ursprünglichen Trasse. Die Gleise sind an dieser Stelle (auf dem Parkplatz) allerdings schon längst demontiert. Unmittelbar vor den Spoykanal macht die Strecke dann wieder einen Schwenk zurück auf die Gleistrasse, um die ehemalige Eisenbahnbrücke als Überführung nutzen zu können. Einige Meter von dieser Kurve entfernt steht eine Straßenlaterne, die allerdings einen eher funzeligen Eindruck macht. Die Stelle selbst ist nicht beleuchtet.

Übersieht ein Radfahrer, möglicherweise mit hohem Tempo unterwegs, an dieser Stelle die überraschende Kurve, fährt er geradewegs die an dieser Stelle drei Meter breite Böschung hinunter, und wird von den ca. zwanzig Zentimeter überkragenden Spundwänden des Kanals zu Fall gebracht. So stellt sich nach derzeitigen Erkenntnissen der Polizei der Unfallverlauf dar, wobei noch nicht ersichtlich ist, welche Verkettung unglücklicher Umstände diesen Unfall so tragisch ausgehen ließ.

Die Merkwürdigkeiten des Streckenverlaufs gehen unmittelbar hinter der Brücke weiter, wo der Europa-Radschnellweg noch eine Kurve um das Lokal Red Waggon macht, bevor ab der Flurstraße ein bereits bestehender Weg genutzt wird und schließlich an der Spyckstraße wieder ein Schwenk auf die Südseite der Bahnstrecke vollzogen wird.


Toter Mann im Spoykanal: Es war ein Fahrradunfall (ohne Fremdverschulden)

rd | 25. September 2020, 13:28 | keine Kommentare

Die Umstände des Todes des heute Morgen, 25.09.2020, gegen 08.00 Uhr im Spoykanal tot aufgefundenen Mannes sind weitestgehend geklärt. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Ermittlungen kam der Mann als Radfahrer bei einem Alleinunfall ums Leben. Der 44-jährige aus Kleve war am gestrigen Abend nicht an seine Wohnanschrift zurückgekehrt. Derzeit gilt als wahrscheinlich, dass er offenbar bei Dunkelheit mit seinem Rad aus Richtung Kellen kommend vor der Brücke des Radschnellweges über den Spoykanal die Kontrolle über sein Rad verlor und gemeinsam mit seinem Fahrrad in den Spoykanal stürzte. Die Ermittlungen haben keinerlei Anzeichen für ein Fremdverschulden erbracht. Die eindeutige Todesursache soll durch eine Obduktion geklärt werden. Die Angehörigen werden durch den polizeilichen Opferschutz betreut


Wählen gehen und danach erst mal eine Flasche Schnaps kaufen – in Kleve nicht!

rd | 24. September 2020, 11:04 | 36 Kommentare

Das Oberverwaltungsgericht Münster hat der Stadt Kleve untersagt, am 27. September einen verkaufsoffenen Sonntag anzubieten, meldet Antenne Niederrhein. Das Gericht entschied in einem Eilverfahren im Sinne der Gewerkschaft Verdi, die das Verbot beantragt hatte. Die Stadt Kleve hatte den Kaufsonntag geplant, um den Einzelhandel zu fördern. Diese Begründung reichte dem Gericht nicht aus. Jetzt bleibt das einzige aushäusige Vergnügen am kommenden Sonntag der Gang zur Wahlurne.

Jetzt auch mit einer Presseinformation der Stadt Kleve:

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) NRW hat der Stadt Kleve am späten Nachmittag des 23.09.2020 mitgeteilt, dass es dem Antrag von ver.di stattgegeben hat und per einstweiliger Anordnung eine Durchführung des verkaufsoffenen Sonntages untersagt. 

Somit ist eine Öffnung der Geschäfte am 27.09.2020 nicht möglich. 

Das OVG stuft den Schutz der Sonntagsruhe höher ein, als dass durch die Stadt Kleve in mehreren Punkten dargelegte und aufgeführte öffentliche Interesse, welches nach dem Landeöffnungsgesetz NRW für eine Sonntagsöffnung vorliegen muss.

“Ich nehme die Entscheidung des OVG NRW mit Bedauern zur Kenntnis. Die Landesregierung sollte endlich für Rechtssicherheit bei den Sonntagsöffnungen sorgen. Der Konflikt mit Kirchen und Gewerkschaften über die Sonntagsöffnung darf nicht länger auf dem Rücken des Handels und der Beschäftigten ausgetragen werden. Gerade während der Coronazeit muss die volle Unterstützung für den Handel gegeben sein.

ver.di hatte ihre Klageabsicht schon frühzeitig über die Presse kommuniziert. Daraufhin haben wir die Gewerbetreibenden kurzfristig über die Absicht und die Folgen informiert. Unserer Rechtsauffassung wurde leider nicht gefolgt. Meinem Wunsch, dass die gerichtliche Auseinandersetzung so früh wie möglich zur Klarheit führt, damit der Handel und die Beschäftigten Planungssicherheit erhalten, wurde damit von ver.di gefolgt. Die Einreichung der Klage am Freitag vor dem geplanten verkaufsoffenen Sonntag hätte bei mir Unverständnis ausgelöst“, so Bürgermeisterin Sonja Northing

Die Entscheidung hat des Weiteren zur Folge, dass eine Öffnung der Geschäfte am 29.11.2020 ebenfalls nicht möglich sein wird, da aufgrund der Pandemie eine Durchführung von Großveranstaltungen bis 31.12.2020 untersagt ist. 


Das war’s

rd | 23. September 2020, 17:51 | 1 Kommentar
Nun wird schon das Laub eingesammelt – Sommer ade

15, ab da wird die Masse von Radfahrer kritisch (FFF-Aktion am Freitag)

rd | 23. September 2020, 12:03 | 29 Kommentare
Eine kritische Masse an Schmutz?

Der Begriff der kritischen Masse entstammt der Kernphysik (adieu, liebe Leser!) und bezeichnet die Menge eines spaltbaren Materials, bei der eines der durch die Kernspaltung (immer noch da?) frei werdenden Neutronen im Durchschnitt genau eine weitere Kernspaltung auslöst. Atombomben funktionieren nach dem Prinzip, dass zwei unterkritische Massen durch eine Sprengung miteinander verpresst werden und dadurch eine überkritische Masse entsteht, bei der die Zahl der Spaltungen dann rasant ansteigt. Beim Nuklid 233Uran beispielsweise beträgt die kritische Masse 16,5 kg, sofern die Neutronen nicht reflektiert werden (warte, es kommt noch überraschender).

In einer anderen Bedeutung taucht die kritische Masse als Begriff in der Spieltheorie auf (Mensch, Sie sind aber belastbar!). Sie bezeichnet in diesem Zusammenhang einen Schwellenwert, der erreicht werden muss, um in einer Gruppe eine Strategie so zu etablieren, dass diese sich selbsttragend durchsetzt (Oha!). Man muss also nicht alle überzeugen. Wer mehr dazu wissen will, der sei auf die Arbeiten von Jeffrey Rohlfs verwiesen.

Mit der englischen Version des Begriffs, critical mass, schmückt sich neuerdings eine Bewegung, die den Radfahrern mehr Beachtung im Straßenverkehr verschaffen will. Es gibt diese Aktion seit 1992, und nun auch in Kleve! Der (deutsche) Hintergrund ist schnell erklärt: Ab 15 Radfahrern bilden diese eine Gruppe, die, das sagt die Straßenverkehrsordnung explizit, nicht mehr auf Radwegen fahren muss, sondern auch auf der Straße fahren darf. Diese sogenannte Verbandregel im Fahrverkehr ist in § 27 des Regelwerks definiert und besagt, dass benutzungspflichtige Radwege für diese Gruppe ohne Bedeutung sind. Sie müssen nur zu zweit nebeneinander fahren.

In Frankfurt/Main hatte die Polizei so viel Angst vor den Auswirkungen einer solchen Ansammlung von Radfahrern, dass die Ordnungshüter den Radfahrern die Luft aus den Reifen ließen. Kein feiner Zug! In Kleve hingegen weist die Polizei nun freundlich auf die vorstehende Veranstaltung der Friday-for- Future-Aktivisten im Stadtgebiet hin:

Die Polizei Kleve weist anlässlich der am Freitag (25.09.2020) stattfindenden “Fridays for Future”-Demonstration auf mögliche Verkehrsbeeinträchtigungen im Klever Stadtgebiet hin. Zunächst findet um 16:15 Uhr eine Kundgebung zum Thema Klimastreik auf dem Bahnhofsvorplatz statt. Im Anschluss daran werden die Teilnehmer ab 16:30 Uhr die Demonstration in Form einer Fahrrad-Rundfahrt auf der folgenden Strecke fortsetzen:

Bahnhofstraße – Kalkarer Straße – Klever Ring (B 9) – Uedemer Straße – Nassauerallee – Lindenallee – Ringstraße – Gruftstraße – Tiergartenstraße – Kavarinerstraße – Große Straße – Herzogstraße – Bensdorpstraße – Wiesenstraße – van-den-Bergh-Straße

Das Aufzugsende ist für 18:00 Uhr vorgesehen.

Im gesamten Bereich kann es zu Verkehrsbeeinträchtigungen kommen. Die Polizei Kleve wird den Aufzug begleiten und bittet alle Verkehrsteilnehmer um Verständnis.

(Hat sich doch gelohnt, oder? Und nebenbei noch was zur Kernphysik gelernt…)


Letzte Ernte?

rd | 23. September 2020, 11:17 | 3 Kommentare
Viele sagen, Tomaten sind die Dahlien unter den Nachtschattengewächsen

Kurzer Hinweis in eigener Sache: Vieles ist in den vergangenen zwei Wochen auf dem Schreibtisch der Redaktion liegen geblieben, Geschichten von umtriebigen Professoren, über einen Streit in feinen Kreisen um eine Provision, aus der Klever Geschäftswelt, über das geplante Sportzentrum am Bresserberg (gute Idee, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass es nicht so kommt) und natürlich nicht zuletzt die Auflösung des Eisdielenrätsels, die, wie immer, wenn auf kleveblog ein Rätsel ausgeschrieben wird, leicht verwirrende Züge angenommen hat, sodass mehrere Gewinner in den Genuss eines Cortina-Schokobechers der kleveblog-Variation (extra viel Schokosauce) kommen werden. All dies wird nachgeholt, aber erst nach der Stichwahl, die unsere Aufmerksamkeit noch einige Tage in Anspruch nehmen wird, wegen der spannenden Duelle im Kreis, in der Stadt und auch in Bedburg-Hau, wo sich alle Parteien (SPD, FDP, Grüne) für die unabhängige Kandidatin Dr. Ursula Pitzner ausgesprochen haben, um eine absolute CDU-Mehrheit zu verhindern. Mit Pitzner als Bürgermeisterin, deren Stimme im Rat ebenfalls zählt, hätten die drei Parteien eine Stimme mehr — gewönne der Konkurrent Stephan Reinders (CDU), hätte die CDU mit der Stimme des Bürgermeisters die absolute Mehrheit.

jean-baptiste (23.09. 15:01): @2. rd danke!...
rd (23.09. 12:13): Steht auf der Liste...
jean-baptiste (23.09. 11:59): Über Ernte gesprochen, die Superluxus-Goldene-Äpfel Obstwiese für schlap...

Das Grünen-Dilemma: Jaschinski lud die Bürgermeisterin erst ein und dann wieder aus (aber wer entschied das?)

rd | 21. September 2020, 18:35 | 87 Kommentare

(Aktualisiert, auch Gebing war eingeladen worden) So nicht! Durchaus freundlich und versöhnlich in der Wortwahl, aber vernichtend im Inhalt schildert Kleves Bürgermeisterin Sonja Northing, wie der Ortsverband der Klever Grünen mit ihr umgesprungen ist – es ist, vorsichtig ausgedrückt, ein Umgang, der, wenn er beispielsweise ihrem Vorgänger Theo Brauer widerfahren wäre, zu einem thermonuklearen Krieg geführt hätte. Mindestens.

Bei Bildern wie diesen, das die Bürgermeisterin auf Facebook postete, müsste den Grünen das Herz aufgehen. Tut es aber nicht. (Foto: Facebook/Sonja Northing)

„Die Einladung des Sprechers Herrn Hannes Jaschinski zur geplanten außerordentlichen Mitgliederversammlung“, so schreibt es die Bürgermeisterin auf Facebook, „nahm ich gerne an. Stellten sich doch nach dem Ausscheiden des Herrn Janßen die Grünen die Frage, welche/n Kandidat*in sie nun zur Stichwahl unterstützen wollten. Zu diesem Zweck sollte besagte Mitgliederversammlung stattfinden, nur der Termin und der Ort seien noch zu finden. Ich freute mich über die Gesprächsbereitschaft und die Möglichkeit mich gerade den jüngeren Mitgliedern vorzustellen. Mein immer wieder auch öffentlich formulierter Wunsch zur konstruktiven gemeinsamen Zusammenarbeit, schien erhört. Gerade zum Thema Klima- und Umweltschutz schlägt mein Herz und damit mein Handeln doch GRÜN. Zu anderen gemeinsamen Themen (inklusive, Integration Kulturförderung, Schulentwicklung etc.) erwartete ich einen regen Austausch.“

Was dann passierte, ist nicht bekannt. Vielleicht hat Dr. Hedwig Meyer-Wilmes die Idee dieses Austauschs irgendwie „nicht so toll“ gefunden, vielleicht hat ihr sogar grundsätzlich missfallen, dass der gewählte Vorsitzende eines Ortsverbandes auf die unverschämte Idee gekommen ist, der Bürgermeisterin ein Gespräch anzubieten. Meyer-Wilmes ist bekanntlich davon überzeugt, dass „Northing Kleve nicht gut tut“.

Jaschinski jedenfalls musste zum Telefonhörer greifen. Northing in ihrem Facebook-Post: „Trotz meiner Zusage, teilte mir Herr Jaschinski am Freitag telefonisch mit, dass keine außerordentliche Mitgliederversammlung stattfinden werde und lud mich, verbunden mit einem persönlichen Bedauern, aus. Obwohl enttäuscht, bot ich Herrn Jaschinski eine gute Zusammenarbeit für den Fall meiner Wiederwahl an. Wir verbleiben im Guten. Zu den internen Partei- bzw. Fraktionsangelegenheiten möchte ich mich nicht äußern.“ Das gleiche Schicksal ereilte übrigens auch den CDU-Kandidaten Wolfgang Gebing, der ebenfalls eine Einladung erhielt und dann doch nicht kommen musste – wie Detlev Koken, 2. Mann im Ortsverband Kleve, kleveblog mitteilte.

Am Wochenende nun gingen die Klever Grünen, wer immer von ihnen nun hinter dieser Entscheidung steckt, auf Facebook an die Öffentlichkeit und informierten diese darüber, dass sie empfehlen, Wolfgang Gebing zu wählen. In dem Post hieß es: „Zur Stichwahl am 27. September unterstützen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auch mit breiter Zustimmung der neuen Fraktion Wolfgang Gebings Kandidatur zum Bürgermeister der Stadt Kleve. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Kleve einen Bürgermeister braucht, der über die Bereitschaft zur Verwaltung und Moderation des Rats hinaus vor allem Gestaltungswillen mitbringt.“

Friedrich Foerster, Urgestein der Klever Grünen, brachte in einem Kommentar hier auf kleveblog sein Missfallen zum Ausdruck: „Dass ich jetzt in der Zeitung oder im Internet lesen darf, wie Andere in unserem ,basisdemokratischen‘ Ortsverband entschieden haben und genauso wie die übergroße Mehrheit unserer Ortsverbands-Mitglieder keine Möglichkeit hatte, die Gedanken und Wünsche anderer Mitglieder zu dieser Frage kennenzulernen und meine eigenen Gedanken und Wünsche kundzutun, das ist leider ein Verhalten, das ich äußerst unschön finde.“


Vermisstenmeldung

rd | 21. September 2020, 17:56 | 13 Kommentare
Was vom Althrein blieb (Foto: Christian Flock)

Weniger Altrhein war nie. Wird der Flussarm ein Opfer der Klimakatastrophe? Wir können es nicht mit Bestimmtheit sagen, aber da der rasende Rhein sich immer tiefer in sein Flussbett gräbt (Quelle: H. Reyers), könnte es sein, dass er den Nebenarm gleich mit in die Tiefe reißt. Vielleicht regnet es aber auch morgen wieder, und dann könnte es auch schon wieder anders aussehen. Die Welt, ein Rätsel!


Lob der Dahlie (kleveblog-Naturanalyse)

rd | 21. September 2020, 17:49 | 9 Kommentare
Üppige Blütenpracht in zartem Gelb: Dahlie

Die Geschmäcker sind verschieden, und so möchte ich hier die Außenseitermeinung vertreten, dass von allen Blumen die schönste Blüte aber nicht die Rose oder die Tulpe hat, sondern die Dahlie. Nur wenig weiß der botanische Muffel über das Gewächs, welches sich mit einem gar prächtigen Blütenblätterwerk der Sonne entgegenreckt und um nektarsaugende Insekten wirbt. Die älteren unter meinen Lesern kennen sicherlich noch Daliah Lavi, die 2017 verstorbene Filmschauspielerin und Schlagersängerin („Oh, wann kommst du?“), deren Eltern den Mut hatten, die Tochter nach dieser Blume zu benennen, was sicherlich eine bessere Idee gewesen ist als etwa Tulpe oder Butterblume. Dass wir Deutschen die Dahlie kennen und schätzen und sie in immer neuen Zuchtvariationen verfeinern können, haben wir niemand geringerem als Alexander von Humboldt zu verdanken, der das Gewächs von einer Forschungsreise nach Südamerika mitbrachte. Wie mag sich Frau von Humboldt gefreut haben, als er nach der langen Abwesenheit seiner Holden wenigstens eine Blume (oder zumindest eine Knolle) in die Hand drückte! Von da an nahm sich der ambitionierte Gärtner des Gewächses mit einer Inbrunst an, dass die in der Deutschen Dahlien-, Fuchsien- Gladiolen- Gesellschaft e.V (DDFGG) organisierte Zunft mittlerweile 15 Klassen zu unterscheiden imstande ist, die 2810 verschiedene Sorten umfassen (Stand 2015, danach nicht mehr aktualisiert). Es gibt Halskrausedahlien, Hirschgeweihdahlien und natürlich die Einfachen Dateien, und, für alles was norgendwo sonst reinpasst, die Kategorie der Diversen Dahlien. Das oben gezeigte Exemplar könnte, bei aller Vorsicht, mit der die taxonomische Expertise des Autors zu genießen ist, der Gruppe der Dekorativen Dahlien zugeordnet werden, die sich durch voll gefüllte Blüten auszeichnen und keine Scheibe zeigen. Die Blütenblätter sind flach und am Ende spitz oder abgerundet. Sie sind weniger als zur Hälfte aufgerollt, können aber leicht nach innen oder außen gebogen sein. Dass die Knolle der Dahlie essbar ist, macht sie der Rose überlegen, allerdings wird es die Liebste vermutlich nicht goutieren, wenn der Herr des Hauses sie mit dem Satz: „Liebling, ich habe deine Dahlien gekocht, was möchtest du dazu trinken?“ empfängt. Falls er es doch erwägt: Die Knollen sind nach etwa 15 Minuten gar. Auch aus dem Kochwasser lässt sich noch ein erfrischender Sommerdrink mixen, nur etwas Zitronensaft und Zucker nach Belieben hinzugeben. Sogar die Blütenblätter lassen sich essen, allerdings sind nur wenige Fälle überliefert, in denen hungrige Menschen in Parks oder Gärten befreundeter Paare nach dem Aperol die Blüten abbeißen. Der Maler Salvador Dalí hat übrigens nichts mit der Dahlie zu tun, der hieß einfach so, genauer gesagt: Salvador Felipe Jacinto Dalí i Domènech. Die Pflanze heißt auf Spanisch dalia. Kein Wunder, dass der Dichter Lorca in dem exzentrischen Künstler eher eine Olive erblickte: „O Salvador Dalí, olivenfarbenstimmig! / Nicht rühm ich deinen unvollkommnen jugendlichen Pinsel, nicht deine Farbe, die um die Farbe deiner Zeit herumkreist, doch lob’ ich deine Sehnsucht nach begrenzter Ewigkeit.“ Doch das führt jetzt zu weit.


Im Klever Rathaus bahnt sich ein Wechsel an: Grüne für Gebing

rd | 20. September 2020, 00:14 | 65 Kommentare

Es war an dieser Stelle schon vorhergesagt worden, seit wenigen Stunden steht es fest: Die Grünen in Kleve sprechen sich in der bevorstehenden Stichwahl um das Bürgermeisteramt für den Kandidaten der CDU, Wolfgang Gebing, aus – und damit gegen die parteilose, von der SPD unterstützen Amtsinhaberin Sonja Northing! In einer Mitteilung auf Facebook Poster der Ortsverband der Grünen: „Zur Stichwahl am 27. September unterstützen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auch mit breiter Zustimmung der neuen Fraktion Wolfgang Gebings Kandidatur zum Bürgermeister der Stadt Kleve. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Kleve einen Bürgermeister braucht, der über die Bereitschaft zur Verwaltung und Moderation des Rats hinaus vor allem Gestaltungswillen mitbringt.“ Die Mitteilung bedeutet, dass die Gruppe der alten Grünen sich noch einmal durchsetzen konnte. Sie waren schon vor fünf Jahren aus dem Bündnis ausgestiegen, das das Ziel hatte, einen Nicht-CDU-Bürgermeister in Kleve zu installieren. Der Grünen-Kandidat Dr. Artur Leenders wurde es dann nicht, stattdessen setzte sich Sonja Northing durch, die von SPD, FDP und Offenen Klever getragen wurde. Von diesen Unterstützern ist nur noch die SPD übrig geblieben. Die FDP hat sich offen für Gebing ausgesprochen. Und nun kommen auch noch die Grünen hinzu, die ihrer Anhängerschaft ebenfalls den Christdemokraten nahelegen. Schon unmittelbar nach der Wahl hatte Dr. Hedwig Meyer-Wilmes, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, gesagt, Northing habe der Stadt „nicht gut getan“. Sie konnte offenbar auch die jungen FFF-Grünen dazu bringen, sich dieser Ansicht anzuschließen, obwohl Sonja Northing in Sachen Klima nun wirklich nichts anbrennen ließ und sogar dafür sorgte, dass in Kleve der „Klimanotstand“ ausgerufen und Heizpilze verboten wurden. Addiert man die Stimmen der Gebing-Befürworter aus dem ersten Wahlgang, als diese noch eigene Kandidaten hatten, dem CDU-Anteil hinzu, kommt man auf 11.157 Stimmen. Sonja Northing erhielt demgegenüber im ersten Wahlgang 5002 Stimmen. Die Frage wird sein, ob die Wähler in sieben Tagen den Empfehlungen der Parteien folgen – und ob Sonja Northing es noch gelingen kann, neue Wähler zu mobilisieren.

Der Klever hat die Wahl…


Den Glücklichen schlägt eine Stunde: Schwanenturmuhr läuft wieder

rd | 18. September 2020, 11:55 | 11 Kommentare
Relativ aktuelles Foto

Die schlimmsten Befürchtungen haben sich zum Glück nicht bewahrheitet. Der Techniker der Firma Eduard Korfhage & Söhne („Tradition – Erfahrung – Fortschritt“) stellte bei der Inspektion der durch einen Blitzschlag gestoppten Turmuhr der Schwanenburg fest, dass lediglich eine Sicherung durchgebrannt war. Diese wurde von ihm sofort ausgetauscht, eine kleine Inspektion wurde ebenfalls noch durchgeführt – und seit 11:45 Uhr können die Klever, sofern sie erhobenen Hauptes durch die Innenstadt laufen, wieder die korrekte Zeit an der Uhr ablesen. Endlich!


Bordell-Prozesse: Ein Urteil aus Karlsruhe mit Folgen für Kleve…

rd | 17. September 2020, 16:11 | 1 Kommentar

Vor knapp drei Jahren verurteilte die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Kleve unter Vorsitz von Richter Christian Henckel die drei Betreiber des Bordells Casa Rossa in Emmerich-Elten. Das Ehepaar und deren Sohn hatten sich nach Auffassung des Gerichts der Steuerhinterziehung und des Vorenthaltens von Sozialversicherungsentgelten schuldig gemacht und erhielten dafür Bewährungsstrafen.

Doch damit war das Verfahren noch lange nicht zu Ende. Der Ehemann, dessen Frau mittlerweile verstorben ist, und der Sohn zogen vor den Bundesgerichtshof nach Karlsruhe, und dort fällten die Bundesrichter heute ein Urteil (1 StR 576/18), welches einen neuen Prozess in Kleve nach sich ziehen wird, diesmal vor einer anderen Kammer unter Vorsitz von Richter Winfried van der Grinten.

Grundsätzlich teilten die Richter in Karlsruhe zwar die Erkenntnis aus Kleve, dass die Prostituierten, die im Casa Rossa tätig waren, keine selbstständig agierenden Unternehmerinnen sind, sondern angestellte Beschäftigte des Betriebs, allerdings monierte der BGH offenbar Ungenauigkeiten in der Berechnung der Schadenssumme und der daraus resultierenden Schuld.

In den Prozessen gegen die Bordellbetreiber, die am Landgericht schon zur Folklore gehören, ist die Verlesung der Anklagepunkte in der Regel eine Sache, bei der tabellarisch Einzelpunkte im dreistelligen Bereich aufgelistet werden. So auch im Prozess gegen die Casa-Rossa-Betreiber. Nun entschied der BGH, dass „in den Fällen 132 bis 135 der Urteilsgründe“ das Urteil aufgehoben werde, die grundsätzlichen Feststellungen zur Umsatzsteuerhinterziehung jedoch Bestand hätten. Dieser Teil der Entscheidung betraf den Sohn, der damals als Geschäftsführer des Betriebs geführt wurde. 

Auch beim zweiten Angeklagten, dem Vater, hoben die Richter das Urteil in Bezug auf die ausgesprochene Strafe auf, doch auch dort teilte die Revisionsinstanz die Feststellungen des Klever Gerichts zur Lohnsteuer- und Umsatzsteuerhinterziehung sowie zum Vorenthalten von Sozialversicherungsbeiträgen. 

Die Staatsanwaltschaft hatte ebenfalls Kritikpunkte am Urteil vorgebracht, sie betrafen den Umstand, dass das Gericht die nicht gezahlten von Sozialversicherungsbeiträge nicht eingezogen hatte. Auch in diesem Punkt folgte das Gericht den Einwänden und hob das Urteil vom 22. Dezember 2017 diesbezüglich auf. Nun muss sich die Justiz in Kleve noch einmal mit dem Fall befassen.

Interessant war das Verfahren auch für die Betreiber des Bordells FKK van Goch, die sich derzeit in einem ähnlich gelagerten Fall vor dem Landgericht Kleve verantworten müssen. Allerdings hatte das Casa Rossa mit den dort tätigen Prostituierten eine prozentuale Aufteilung der Einnahmen vereinbart. In Goch mussten die Prostituierten lediglich einen fixen „Eintritt“ bezahlen, um in dem Etablissement im Industriegebiet ihrer Tätigkeit nachgehen zu können. Gleichwohl hat die heutige Entscheidung die Sache der Verteidigung erschwert, da in der Begründung noch einmal klar umrissen wurde, welche Kriterien erfüllt sein müssen, wenn von einem selbstständig ausgeübten Geschäft die Rede sein kann.


Corona-Zwischenspiel

rd | 16. September 2020, 17:29 | 13 Kommentare
Lange nichts mehr gehört von… Corona

Das Infektionsgeschehen im Kreis Kleve ist einigermaßen stabil, mehrere Schulen melden so genannte Indexfälle, im Klever Stadtgebiet die Karl-Kisters-Realschule, außerdem die St. Georg-Grundschule in Kranenburg-Nütterden. Mit den Leitungen der Einrichtungen wurde jeweils abgestimmt, zunächst das Testergebnis der betroffenen Kinder abzuwarten, um anschließend über weitere Maßnahmen und Testungen zu entscheiden. Die Kurve (Neuinfektionen in den jeweils vergangenen sieben Tagen) hat, etwas Fantasie beim Leser vorausgesetzt, tatsächlich die Klever Stadtsilhouette mit Stiftskirche und Schwanenburg nachgebaut.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Ist Sonja noch zu retten? Die FDP empfiehlt Gebing, OK ohne Präferenz

rd | 16. September 2020, 14:38 | 83 Kommentare
Wahlplakat von Sonja Northing in der Klever Innenstadt

Sie glaubt an die Demokratie – aber glaubt die Demokratie noch an sie? Bei der Kommunalwahl am 13. September 2015 erhielt Sonja Northing 10.705 Stimmen, damit war die Kandidatin von SPD, FDP und Offenen Klevern mit einem Stimmenanteil von 64,5 % im ersten Wahlgang zur Klever Bürgermeisterin gewählt worden. Sie hatte etwa doppelt so viele Stimmen auf sich vereinigt wie die beiden anderen Kandidaten (Udo Janssen, CDU, Dr. Artur Leenders, Grüne).

Als auf den Tag genau fünf Jahre später erneut Sonja Northing auf dem Stimmzettel stand, fand die Spitze des Kugelschreibers nur noch selten in den Kreis, der neben ihrem Namen anzukreuzen war. 5002 Wähler entschieden sich für die Amtsinhaberin, also nur noch die Hälfte derjenigen, die ein halbes Jahrzehnt zuvor für sie votiert hatten – und dies trotz eines Wahlkampfes, in dem am Ende alles Sonja war, vom Mischlingshund, der auf die Herzen der tierlieben Wähler gehetzt wurde, bis zur ältesten Bürgerin der Stadt, die anlässlich ihres 107. Geburtstages einen Besuch der Bürgermeisterin erhielt.

Dennoch, von der Euphorie des Jahres 2015 war nicht mehr viel geblieben, was im wesentlichen damit zusammenhängt, dass die Freien Demokraten und die Offenen Klever ihrer einstigen Kandidatin eine neuerliche Unterstützung versagt hatten. Nun kommt es am 27. September, übrigens an einem verkaufsoffenen Sonntag, was die Sache nicht unbedingt einfacher macht, zu einer Stichwahl zwischen Wolfgang Gebing (CDU, 5851 Stimmen) und Northing. Und die Wahlempfehlungen der Parteien bzw. Wählervereinigungen, die vorher einen eigenen Kandidaten hatten, könnten den Ausschlag geben.

Gleich am Wahlabend vorgeprescht war Hedwig Meyer-Wilmes, Fraktionsvorsitzende der Grünen, die pauschal befand: „Sonja Northing hat der Stadt nicht gut getan.“ Angesichts der komplizierten Konstellation im Ortsverband der Klever Grünen lässt sich allerdings nicht mit Gewissheit sagen, ob die Anhängerschaft der Partei Hedwig Meyer Wilmes’ Einschätzung teilt. Es soll auch immerhin schon ein Telefongespräch zwischen Sonja Northing und Hannes Jaschinski, dem Vorsitzenden der Grünen in Kleve, gegeben haben. Die jungen Grünen werden nicht vergessen haben, dass Sonja Northing einer ökologisch ausgerichteten Klimapolitik immer aufgeschlossen gegenüber stand. Ihnen wird ein Realitätstest abverlangt.

Eindeutiger ist die Gemengelage bei der FDP. Ihre Mitglieder sind, vorsichtig ausgedrückt, ein wenig enttäuscht davon, wie die Bürgermeisterin in ihrer ersten Amtszeit agiert hat. Nach kleveblog-Informationen werden sich die Klever Liberalen heute ihren Anhängern empfehlen, in der Stichwahl für Wolfgang Gebing zu stimmen. Das Potenzial dieser Empfehlung lässt sich gut quantifizieren: Daniel Rütter kam bei der Bürgermeisterwahl auf 882 Stimmen (4,9 %).

Die Offenen Klever wiederum konnten sich zu keiner eindeutigen Empfehlung durchringen. Sie verbreiteten heute die folgende Stellungnahme: „Die Offenen Klever stellen fest, dass weder Herr Gebing noch Frau Northing [unserem] Anforderungsprofil entsprechen. Herr Gebing wird von einer Koalition getragen, die den Rat beherrschen und noch weniger auf andere Stimmen hören wird als bisher. Frau Northing steht für die Fortsetzung der etablierten Politik in Kleve. Angesichts dieser ernüchternden Konstellation verbietet sich für alle, die Kleve verändern wollen, die Wahl des ,kleineren Übels‘. Denn wer auch immer die Stichwahl am 27.09.2020 gewinnen wird: Transparenz, Klimaschutz, Kulturzentrum, Jugendmitwirkung und Freiflächenschutz werden an der Spitze der Stadtverwaltung ohne Fürsprecher bleiben. Die Offenen Klever hatten ein solches Dilemma geahnt. Durch unser frühzeitiges Angebot an alle demokratischen Kräfte in Kleve, die Möglichkeit einer parteiübergreifenden Bürgermeisterkandidatur ernsthaft zu prüfen, wollten wir diese Zwickmühle vermeiden. Zu dieser Realpolitik waren andere nicht bereit. Zur Bürgermeister-Stichwahl am 27.09.2020 kann und wird es keine Wahlempfehlung der Offenen Klever geben.“

Um 15:22 Uhr kam die offizielle Pressemitteilung der FDP pro Gebing: „

Die FDP in Kleve positioniert sich im Vorfeld der Stichwahl zum Amt des Bürgermeisters am Sonntag, 27. September. „Die Bürgermeister-Wahl verlief für uns schwer enttäuschend. Wir hätten mit einem deutlich besseren Ergebnis für unseren Kandidaten Daniel Rütter gerechnet, der sich große Verdienste für die Klever Kommunalpolitik erworben hat. Nach einer internen Aufarbeitung der Wahlergebnisse im Ortsverband möchten wir unseren Wählern nun eine Empfehlung zur Wahl des CDU-Kandidaten Wolfgang Gebing aussprechen. Es braucht nämlich dringend einen Wechsel an der Spitze der Stadtverwaltung“, sagt der Parteivorsitzende Maarten Oversteegen.

Immerhin gebe es durchaus inhaltliche Schnittmengen mit den Zielen von Wolfgang Gebing. Auch er fordere die zügigere Umsetzung der Digitalisierung und des Ausbaus der Klever Schulen. Zudem sei man sich einig, dass die Verwaltung eine engere Abstimmung mit der Klever Wirtschaft finden muss. Auch in Sachen Klimaschutz seien die Liberalen von den Äußerung Wolfang Gebings im Wahlkampf durchaus angetan. Der CDU-Kandidat wolle den beschlossenen Klimaschutzfahrplan engagiert umsetzen sowie Anreize für Bürger schaffen – und eben nicht aktionistisch auf Verbote setzen.“ 


kleveblog-Wahlanalyse (II): Wird Wolfgang Bürgermeister von Hedwigs Gnaden?

rd | 14. September 2020, 17:02 | 75 Kommentare
Dr. Hedwig Meyer-Wilmes: Direktmandat – und Königsmacherin?

(Aktualisiert, mit Stellungnahme der Grünen im ersten Absatz und der Chronologie der Kontakte am Ende des Artikels) Man stelle sich vor, die Grünen in Kleve hätten im Vorfeld der Kommunalwahl das Angebot von Udo Weinrich, Vorsitzender der Wählervereinigung Offene Klever, angenommen und einmal miteinander gesprochen. Weinrich, Realist genug, um zu wissen, dass seine Chancen, selbst Bürgermeister zu werden, eher theoretischer Natur sind, hätte vielleicht auf seine Kandidatur verzichtet und die Mitglieder und Anhänger der Offenen Klever dazu gebracht, für den Kandidaten der Grünen, Rolf Janßen (parteilos) zu stimmen. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Hedwig Meyer-Wilmes sagt nun, es habe sehr wohl Gespräche gegeben, und Rolf Janßen habe sich auch bei den Offenen Klevern vorgestellt.

Die Prozentrechnung der Stimmenanteile sähe wie folgt aus: 24,8 + 6,9 = 31,7. Damit wären die Grünen fast gleichauf mit Wolfgang Gebing (32,8 %) und auf jeden Fall vor der Amtsinhaberin Sonja Northing (28,0), Rolf Janßen hätte die Stichwahl erreicht. Da bei dieser Veranstaltung die SPD vermutlich nicht dazu aufgerufen hätte, Wolfgang Gebing zu unterstützen, wäre ein grüner Bürgermeister in Kleve in greifbare Nähe gerückt. Nun haben die Klever am 27. September die Entscheidung zwischen Gebing und Northing. Auf jeden Fall ing.

Nur die Götter wissen, warum die Grünen damals auf das Angebot zum Gespräch nicht einmal geantwortet haben, und so haben sie die vermutlich historisch einmalige Chance verpasst, erstmals in Kleve einen eigenen Bürgermeister zu stellen.

Stattdessen stellen sie in Kleve einen Bürgermeister. Nur, dass dieser Wolfgang Gebing (CDU) heißen wird. Er wird, sobald die Grünen ihre Wahlempfehlung in diese Richtung abgegeben haben werden, die Stichwahl gewinnen und damit der erste Klever Bürgermeister von Dr. Hedwig Meyer-Wilmes’ Gnaden sein.

Hedwig Meyer-Wilmes sonnt sich gerade im strahlenden Glanze des ersten Direktmandats für einen grünen Politiker in Kleve – ihren Stimmbezirk 110 (Gesamtschule Am Forstgarten) gewann sie mit 31,6 % (231 Stimmen) vor dem Kandidaten der CDU, Michael Heyrichs Georg Hiob, der auf 29,6 % der Wählerstimmen (214) kam. Übertrieben gesagt, spielt sie damit in einer Liga mit Hans-Christian Ströbele, der 2002 im Berliner Bundestagswahlkreis Berlin-Friedrichshain – Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost erstmals den Beweis antrat, dass Grüne auch Direktmandate erringen können. Nur, dass der Berliner Zentralsumpf was anderes ist als die Wohngegend um den gepflegten Forstgarten.

Die Schlacht in ihrem Wahlkreis hat Dr. Meyer-Wilmes gewonnen, derart gestärkt, fühlt sie sich vermutlich ganz wohl in einer neuen Position: Ihr fällt ihr nun die Rolle der Königsmacherin zu. Einen ersten Hinweis auf ihre Präferenzen bringt die NRZ von heute: „Man hat ja jetzt keine große Wahl. Wir finden, dass Frau Northing der Stadt nicht gut tut“, wird Hedwig Meyer-Wilmes dort zitiert.

Es gab mal einen begabten Verkäufer in der Herrenmodenabteilung des Klever Kaufhofs, der gerne sagte: „Es ist mir egal, wer unter mir Chef ist.“ So etwa werden aller Wahrscheinlichkeit nach die neuen Verhältnisse auch in Kleve werden. Unter diesen Vorzeichen dürften die Etablierten unter den Grünen (z. B. Michael Bay, Susanne Siebert, Wiltrud Schnütgen und Hedwig Meyer-Wilmes), die seit vielen Jahren an der Seite der CDU stehen, eben auch für den Spitzenkandidaten der CDU, Wolfgang Gebing, eintreten.

Für die jungen Grünen, die Ratsfrischlinge Benedikt Verheyen, Hannes Jaschinski, Maja Manolita Marbach, und Sarah Dörper – tendenziell eher der Fridays-for-Future-Bewegung zuzuordnen – dürfte diese Entscheidung ein erster Realitätstest für ihre politischen Überzeugungen sein.

kleveblog-Dokumentation der Kontakte zwischen Grünen und Offenen Klevern aus Sicht von Udo Weinrich (Offene Klever):

Am 30.10.2019 boten wir allen Parteien per Mail Gespräche zum Thema „Bürgermeisterkandidatur“ an.

Die Grünen antworteten am 5.11.2019 per Mail. Frau MW ließ uns immerhin wissen, in „eine ähnliche Richtung gehen auch unsere Bemühungen, die aber an CDU, FDP (SPD hat sich festgelegt), die alle eigene Kandidaten favorisieren, scheitern können. Wir werden uns bis Anfang Dezember 2019 entscheiden. Ich halte Sie auf dem Laufenden.“

Das war keine Bereitschaft zum Gespräch oder ein Gesprächsangebot, sondern die Ankündigung einer einsamen Entscheidung für “Anfang Dezember”.

Nachdem der Dezember 2019 ohne Nachricht der Grünen verstrichen war, erlaubte sich der Vorsitzende der „Offenen Klever“ am 7. Januar 2020, per Mail bei den Grünen nach dem „aktuellen Stand“ zu fragen und dabei hinzufügen, er „tue das – in Abstimmung mit dem Vorstand der OK – insbesondere deshalb, weil am 14.01.2020 dieses Thema auf der Tagesordnung der Mitgliederversammlung der OK stehen wird. Auf der Grundlage der bis dahin stattgefundenen Gespräche bzw. Rückmeldungen auf unser Gesprächsangebot wird die MV über das weitere Vorgehen entscheiden.“

Schon zwei Tage später kam per Mail die Antwort der Grünen. Es wurde Vollzug gemeldet: „Die MV der Grünen findet diesbezüglich am 4.2.2020 statt. Dass es sich um Rolf Janssen handelt, werden Sie der Presse entnommen haben. Der Kandidat hat weiterhin um Vertraulichkeit gebeten, weil er, wie Sie wissen, in einem Arbeitsverhältnis steckt. Mehr kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.“

Ein Gesprächsangebot zum Kennenlernen enthielt die Antwort von Frau MW nicht. Sie hatte auch keinen anderen Kommunikationskanal genutzt. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Herr Janßen hat sich VOR seiner Inthronisierung NICHT den Offenen Klevern vorgestellt. Es hat aber auch danach keine Vorstellungsrunde bei den OK gegeben. Ein solches Angebot, nachdem die Messe gesungen war, wäre von uns auch nicht ernst genommen worden.

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kleveblog-Wahlanalyse: Das Phänomen Guido Winkmann, das den halben Borussia-Park füllt

rd | 14. September 2020, 12:45 | 18 Kommentare

Dass ein Schiedsrichter, zum Beispiel durch einen falschen Pfiff, ein Spiel entscheiden kann, kennt man. Aber ein Spiel gewinnen?

Handgeschriebener Dank: Guido Winkmann

Wenn man sich die Ergebnisse der Landratswahl anschaut, verblüffen die 23,1 Prozent der Wählerstimmen, die der Bundesliga-Schiedsrichter Guido Winkmann, in der Politik ein Novize, auf sich vereinigen konnte. Noch erstaunlicher wird das Resultat jedoch, wenn der Wahlausgang in den einzelnen Kommunen betrachtet wird: In Kerken, seiner Heimat, holte Guido Winkmann unglaubliche 48,6 Prozent der Stimmen, mehr als Silke Gorißen (35,4 Prozent) und Driessen (12,4 Prozent) zusammen. Dass Winkmann in Kerken gut abschneidet, war allerdings (wegen des Heimvorteils) zu erwarten.

Deshalb ist noch verblüffender, dass der Referee in weiteren acht Kommunen mehr Stimmen holte als der Bürgermeister aus Bedburg-Hau – in Rees, Rheurdt, Geldern, Issum, Kevelaer, Straelen, Wachtendonk und Weeze, wobei er teilweise mehr als das Dreifache der Stimmen von Driessen auf sich vereinigen konnte. Fällt was auf? Winkmann hat den Südkreis für sich einnehmen können, hier war Peter Driessen für viele Wähler also entweder eine unbekannte Größe oder aber ein Vertreter des (ungeliebten) Nordkreises.

Würde man alle Wähler, die für Winkmann votierten, in den Borussia-Park nach Mönchengladbach verfrachten, wäre das Stadion mehr als zur Hälfte gefüllt. „Danke für mehr als 30.000 Stimmen“, ließ der Schiedsrichter den auch als Botschaft am Wahlabend verbreiten. Genau waren es 30685, sein Konkurrent Driessen kam trotz eines deutlich aufwändigeren Wahlkampfs gerade einmal auf 1315 Stimmen mehr.

Was ist da passiert? 1. Feststellung: Peter Driessen kam nur in zwei Kommunen auf bessere Ergebnisse als Silke Gorißen. In Bedburg-Hau fuhr er einen der für ihn gewohnten erdrutschartigen Siege ein, diesmal mit 60 Prozent. Gorißen kam auf 30 Prozent. Und in Kleve, der Stadt, die sich für das Zentrum des Universums hält, gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem knapp besseren Ende für den Bürgermeister aus Bedburg-Hau (41,0 zu 38,5). Außerhalb seines Hometurfs allerdings verschlechterten sich die Zahlen für Driessen sofort dramatisch – zum Beispiel in Goch (26 Prozent) oder Uedem (20,9 Prozent). Außerhalb der Hauptstadt und Heimatgemeinde fielen ihm die Stimmen nicht wie erwartet zu.

Eine Art politischer Arithmetik hätte ergeben, dass SPD, Grünen, FDP und Freie Wählergemeinschaften, die sich alle für Driessen ausgesprochen hatten, so viele Anhänger zu Driessen hätten steuern können, dass die Sache deutlich knapper und womöglich sogar für den 64-Jährigen hätte ausgehen können. Bei den Kreistagswahlen holten die drei Parteien und die Wählervereinigungen 66.025 Stimmen – Driessen aber nur 31.900.

Was ist da passiert? Sagen wir es in der Sprache des Sports: Winkmann hat diesen Überlegungen die Rote Karte gezeigt. Offenbar haben die politisch nur locker interessierten, aber irgendwie unzufriedenen Menschen im Kreis Kleve Gorißen und Driessen dem Establishment zugeordnet und im unkonventionell auftretenden Winkmann die einzig wirkliche Alternative gesehen. Die mitunter etwas hemdsärmelig produziert wirkenden Videos (Typ: Winkmann vor Flipchart) wurden in den anderen Lagern belächelt, in Wahrheit aber waren sie seine Stärke, weil sie unter Beweis stellten, dass er authentisch geblieben ist. Hinzu kommt, dass Winkmann als Sportsmann natürlich wie kein anderer dafür steht, fair und unparteiisch zu sein. Und als Schiedsrichter in der Fußball-Bundesliga hat er unter Beweis gestellt, in seinem Metier zu den besten seines Fachs zu gehören. Die Tätigkeit hat ihm zudem in weiten Teilen des Kreises bekannt gemacht, er musste nicht mehr großartig ins Geschehen eingeführt werden („Winkmann? Ach, der Schiedsrichter!“, und man war sofort im Stoff).

In den Wochen vor der Wahl kursierte in den politischen Zirkeln die These, dass Winkmann eher Silke Gorißen schaden würde, er sei die Alternative für die Menschen (vor allem aus dem Südkreis), die mit Silke Gorißen nichts anfangen könnten und ihre südwärts gerichteten Anbiederungen misstrauten. Winkmann als Denkzettel für die CDU sozusagen. Doch es kam anders: Die CDU hielt ihre Truppen ganz solide zusammen, Gorißen kam sogar in sieben der 16 Kommunen des Kreises auf eine absolute Mehrheit. Und Winkmann brach ins andere Lager ein.

In der Stichwahl fehlt der Schiedsrichter. Um noch eine Chance zu haben, muss Peter Driessen alle Anhänger von Winkmann gewinnen.

kleveblog-Service: Die Ergebnisse der Landratswahl je Kommune:

GorißenDriessenWinkmannEitzert
Rheurdt49,015,730,25,0
Emmerich55,522,018,14,5
Rees61,615,718,34,4
Bedburg-Hau30,760,47,11,8
Goch49,626,818,45,2
Kalkar41,939,614,44,2
Kleve38,541,016,54,0
Kranenburg42,131,523,13,2
Uedem58,920,915,94,3
Geldern54,911,629,14,9
Issum53,211,830,24,8
Kerken35,412,348,63,8
Kevelaer54,017,724,24,1
Straelen47,911,837,62,7
Wachtendonk47,614,132,26,1
Weeze53,911,837,62,7
Angaben in Prozent

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kleveblog-Wahlservice: Alles auf einen Blick, ständig aktualisiert

rd | 13. September 2020, 19:43 | 29 Kommentare

Landratswahlen Kreis Kleve: Stichwahl, aber Gorißen schrammt an der absoluten Mehrheit vorbei

KandidatProzent
Silke Gorißen (CDU)48,7
Peter Driessen 24,0
Guido Winkmann23,1
Friedrich Eitzert (AfD)4,2
Landratswahlen, vorläufiges Endergebnis (Quelle: KRZN)

Silke Gorißen hat mit deutlichem Vorsprung die Landratswahl gewonnen, zum direkten Einzug in Kreishaus hat es aber ganz knapp nicht gereicht. Sie konnte 48,7 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen, sodass sie in der Stichwahl gegen Peter Driessen (24,0 Prozent) antreten muss. Gorißen: „Ich freue mich über das heutige Ergebnis von 48,68 Prozent. Das Ergebnis ist ein starker Rückenwind für die Stichwahl. Mit einem solch deutlichen Vorsprung hatte ich nicht gerechnet. Wir werden jetzt mit vereinten Kräften den Wahlkampf fortsetzen und zu einem erfolgreichen Ende führen.“ Peter Drießen hob in einer ersten Stellungnahme hervor, dass die CDU erstmals nicht direkt einen Landratskandidaten durchgebracht hat: „Danke, Herr Winkmann, Sie haben den Ball auf den Elfmeterpunkt gelegt. Erstmals hat es die CDU nicht geschafft, im ersten Wahlgang den Posten des Landrats zu besetzen.“ Mehr war allerdings erwartet worden.

Peter Driessen: Erstmals kein Durchmarsch eines CDU-Kandidaten

Silke Gorißen: Mit so deutlichem Erfolg nicht gerechnet

Dass Gorißen mehr Stimmen auf sich vereinigt hat als Winkmann und Driessen zusammen, ist ein deutliches Signal. Dass der Schiedsrichter aus Kerken so massiv das Wahlergebnis beeinflusst, überrascht viele.

Die ersten Ergebnisse [im Klever Stadtgebiet!], aus der Grundschule Keeken und aus dem Bootshaus des Clever Ruderclubs, sahen jeweils die CDU-Kandidatin Silke Gorißen mit rund 40 Prozent vorn, auf dem zweiten Platz der Bedburg-Hauer Bürgermeister Peter Driessen mit Prozentwerten um 35. Nach 28 von 47 ausgezählten Bezirken hatte Driessen (40 Prozent) Gorißen (38 Prozent) in Kleve erstmals überholt. Der Trend hielt aber nicht fürs ganze Kreisgebiet. Die Überraschung: Guido Winkmann, der Bundesliga-Schiedsrichter aus dem Südkreis – mit diesen Werten hatte kaum einer gerechnet.

Kreistagswahlen Kreis Kleve: CDU konstant, Grüne und SPD fast gleichauf

Partei2020, in Prozent2014Sitze
CDU44,146,227
SPD19,626,712
FDP6,46,04
Grüne19,610,612
Freie Wähler3,60,02
AfD4,02,92
Die Linke1,81
Kreistagswahlen, vorläufiges Endergebnis (Quelle: KRZN)

Im Kreistag bleibt die CDU auf konstantem Niveau, lange sah es am Abend so aus, als ob die Grünen die neue zweitstärkste Kraft werden würden. Ganz am Ende schaffte es die SPD trotz beträchtlicher Verluste noch, an den Grünen vorbeizuziehen – 26.292 zu 26241 Stimmen, also ein Unterschied von gerade mal 51 Wählerstimmen. Im neuen Kreistag hat die CDU 27 Sitze, alle anderen zusammen kommen auf 33.

Bürgermeisterwahlen Kleve: Duell zwischen Gebing und Northing

Wolfgang Gebing: „Tolles Ergebnis, die Amtsinhaberin klar geschlagen. Jetzt gilt es in der Stichwahl alles zu geben!“ (Foto: Jörg Cosar)
Gute Miene zu einem bestenfalls durchwachsenen Wahlergebnis: Sonja Northing im Clivia-Haus, mit Josef Gietemann und Barbara Hendricks
KandidatProzent
Sonja Northing28,0
Wolfgang Gebing (CDU)32,8
Rolf Janßen (Grüne)24,8
Daniel Rütter (FDP)4,9
Udo Weinrich (Offene Klever)6,9
Michael Kumbrink (CD)2,7
Bürgermeisterwahlen Kleve, Stand 21:23, vorläufiges Endergebnis Uhr (Quelle: KRZN)

Kleve darf in 14 Tagen nochmals wählen – und zwar, ob Wolfgang Gebing Bürgermeister wird oder Sonja Northing Bürgermeisterin bleibt. Die Wahl ging knapp aus, der Trend hatte sich jedoch im Laufe des Abends schnell stabilisiert. Gebing unangefochten in Führung, dahinter Northing und Janßen, wobei sich die Amtsinhaberin im Laufe des Abends etwas absetzen konnte. Gebing hob in einer Stellungnahme das „tolle Ergebnis“, die Amtsinhaberin „klar geschlagen“ zu haben und kündigte an, in der Stichwahl alles zu geben. Sonja Northing sagte: „Kleve soll sozial bleiben – dafür stehe ich und deswegen nehme ich mit Mut die Herausforderung an.“

Rolf Janßen sagte: „

Liebe Kleverinnen und Klever,
ich danke Ihnen für den Zuspruch und das Wahlergebnis. Auch wenn es nicht gereicht hat freue ich mich, dass die „Mission“ erkannt und mir von Vielen das Vertrauen ausgesprochen wurde. Treffen sie bei der Stichwahl eine kluge Entscheidung im Sinne Kleves.“

Bei den Klever Bürgermeisterwahlen hatte Keeken gegen 18:20 Uhr das erste Ergebnis gemeldet: Gebing vorne, Janßen Zweiter, und Northing mit nur 19 Prozent (von rund 70 abgegebenen Stimmen, Wahlbeteiligung 26 Prozent) nur auf Platz 3. Das sorgte für erstes Stirnrunzeln. Nach drei ausgezählten Bezirken (plus Warbeyen, und Joseph-Beuys-Gesamtschule) zeichnete sich ein erster Trend ab, Gebing mit Mitte 30 Prozent vor Janßen und Northing, die im Bereich von gut 20 Prozent lagen. Die Tendenz hielt sich auch nach der Auszählung von sieben Bezirken: Gebing vorne, Northing und Janßen Kopf an Kopf auf den Plätzen. Um 20:30 Uhr hatte sich das Bild verfestigt: 37 der 47 Stimmbezirke waren ausgezählt, Gebing lag mit 32 Prozent an der Spitze. Northing und Janßen lagen knapp drei Prozentpunkte (oder rund 600 Stimmen) auseinander. Das blieb auch so, also Stichwahl zwischen Gebing und Northing.

Die spannende Frage ist, welche Richtung die Kandidaten der unterlegenen Parteien einschlagen: Die Offenen Klever haben schon angekündigt, das Gespräch mit den beiden Kandidaten zu suchen. Ist natürlich pikant, weil sie Sonja Northing zuvor ihre Unterstützung entzogen hatten. Und, gesetzt den Fall, dass Janßen bis zum amtlichen Endergebnis der Dritte bleibt, sind gut 4200 Stimmen das Pfund, mit dem die Grünen im Grunde den nächsten Bürgermeister bestimmen können (wenn eine Empfehlung ausgesprochen wird und die Wähler dem folgen).

Stadtratswahlen Kleve: Zugewinne für die CDU, Grüne 23 Prozent! Hedwig Meyer-Wilmes gewinnt Direktmandat

Partei2020, in Prozent2014Sitze
CDU37,639,521
SPD19,529,010
FDP5,97,44
Grüne23,113,112
Offene Klever6,211,04
AfD5,12
Für Kleve2,21
Klever Stadtratswahlen, Stand 20:30 (Quelle: KRZN)

Im Klever Stadtrat überholen die Grünen die SPD, Stand 19:30 Uhr. Die CDU gewinnt hinzu. AfD wird wohl auch in den Rat einziehen. Eine Stunde später hatte man das Gefühl, die Grünen ziehen gleich auch noch an der CDU vorbei. Sie katapultierten sich auf 23,1 Prozent, sind klar die zweitstärkste Kraft im Rat. Gegenüber der vorigen Wahl war die CDU nun geringfügig, um 2 Prozentpunkte schwächer. Für Klever Verhältnisse geradezu unglaublich: Hedwig Meyer-Wilmes hat in ihrem Stimmbezirk (110, Innenstadt) das Direktmandat errungen – das erste in der Geschichte der Grünen in Kleve!

Bürgermeisterwahlen Bedburg-Hau: Reinders vorn, Pitzner zieht mit 24 Stimmen Vorsprung in die Stichwahl

KandidatProzent
Stefan Veldmeijer27,0
Dr. Ursula Pitzner27,4
Stephan Reinders (CDU)45,5
Bürgermeisterwahlen Bedburg-Hau, Stand 20:21 (Quelle: KRZN)

In Bedburg-Hau liegt Stephan Reinders klar in Führung, die Frage ist, wer gegen ihn in die Stichwahl zieht, Dr. Ursula Pitzner oder Stefan Veldmeijer wurde denkbar knapp entschieden. Am Ende hatte Pitzner exakt 24 Stimmen Vorsprung. Reinders hatte gegenüber den beiden Konkurrenten einen großen Vorsprung (45,5 Prozent). Das vorläufige Endergebnis sah Pitzner bei 1769 Stimmen, Veldmeijer bei 1745.

Blick in die Nachbarschaft

Der Richter darf Bürgermeister bleiben, der Rechtsanwalt hat weiter Kanzleidienst: In Goch setzte sich Amstinhaber Ulrich Knickrehm mit 63,2 Prozent souverän im ersten Wahlgang durch und bleibt Erster Bürger der Stadt Goch. +++ Auch Britta Schulz (Forum Kalkar) ließ in ihrer Heimatstadt nichts anbrennen, souveräne 57,5 Prozent reichten locker für eine zweite Amtszeit im ersten Wahlgang. +++ In Kranenburg tritt Ferdi Böhmer die Nachfolge von Günther Steins an, die Stadt bleibt in der Hand der Christdemokraten. Böhmer holte 51 Prozent, das ist knapp die absolute Mehrheit, aber ganz deutlich mehr als die beiden Konkurrenten Michael Baumann-Matthäus (Grüne, 29,2 Prozent) und Sandra van der Zweep (Wählergemeinschaft, 19,8 Prozent). +++ In Emmerich gibt es eine Stichwahl zwischen Amtsinhaber Peter Hinze (SPD, 45,9 Prozent) und Dr. Matthias Reintjes (CDU, 36,2 Prozent).


Zum Tage

rd | 13. September 2020, 12:40 | 6 Kommentare
Aufgabe: Vergleichen Sie eine Wahl in der brandenburgischen Provinz im 19. Jahrhundert mit der aktuellen Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen!

Drinnen im Saal war der Wahlakt schon im Gange. Hinter der Urne präsidierte der alte Herr von Zühlen, ein guter Siebziger, der die groteskesten Feudalansichten mit ebenso grotesker Bonhomie zu verbinden wußte, was ihm, auch bei seinen politischen Gegnern, eine große Beliebtheit sicherte. Neben ihm, links und rechts, saßen Herr von Storbeck und Herr van dem Peerenboom, letzterer ein Holländer aus der Gegend von Delft, der vor wenig Jahren erst ein großes Gut im Ruppiner Kreise gekauft und sich seitdem zum Preußen und, was noch mehr sagen wollte, zum »Grafschaftler« herangebildet hatte. Man sah ihn aus allen möglichen Gründen – auch schon um seines »van« willen – nicht ganz für voll an, ließ aber nichts davon merken, weil er der bei den meisten Grafschaftlern stark ins Gewicht fallenden Haupteigenschaft eines vor soundso viel Jahren in Batavia geborenen holländisch-javanischen Kaffeehändlers nicht entbehrte. Seines Nachbarn von Storbeck Lebensgeschichte war durchschnittsmäßiger. Unter denen, die sonst noch am Komiteetisch saßen, befand sich auch Katzler, den Ermyntrud (wie Dubslav ganz richtig vermutet) mit der Bemerkung, »daß im modernen bürgerlichen Staate Wählen so gut wie Kämpfen sei«, von ihrem Wochenbette fortgeschickt hatte. »Das Kind wird inzwischen mein Engel sein, und das Gefühl erfüllter Pflicht soll mich bei Kraft erhalten.« Auch Gundermann, der immer mit dabeisein mußte, saß am Komiteetisch. Sein Benehmen hatte was Aufgeregtes, weil er – wie Lorenzen bereits angedeutet – wirklich im geheimen gegen Dubslav intrigiert hatte. Daß er selber unterliegen würde, war klar und beschäftigte ihn kaum noch, aber ihn erfüllte die Sorge, daß sein voraufgegangenes doppeltes Spiel vielleicht an den Tag kommen könne.

Dubslav wollte die Sache gern hinter sich haben. Er trat deshalb, nachdem er sich draußen mit einigen Bekannten begrüßt und an jeden einzelnen ein paar Worte gerichtet hatte, vom Vorplatz her in das Wahllokal ein, um da so rasch wie möglich seinen Zettel in die Urne zu tun. Es traf ihn bei dieser Prozedur der Blick des alten Zühlen, der ihm in einer Mischung von Feierlichkeit und Ulk sagen zu wollen schien: »Ja, Stechlin, das hilft nu mal nicht; man muß die Komödie mit durchmachen.« Dubslav kam übrigens kaum dazu, von diesem Blicke Notiz zu nehmen, weil er Katzlers gewahr wurde, dem er sofort entgegentrat, um ihm durch einen Händedruck zu dem siebenten Töchterchen zu gratulieren. An Gundermann ging der Alte ohne Notiznahme vorüber. Dies war aber nur Zufall; er wußte nichts von den Zweideutigkeiten des Siebenmühlners, und nur dieser selbst, weil er ein schlechtes Gewissen hatte, wurde verlegen und empfand des Alten Haltung wie eine Absage.

Als Dubslav wieder draußen war, war natürlich die große Frage: »Ja, was jetzt tun?« Es ging erst auf elf, und vor sechs war die Geschichte nicht vorbei, wenn sich’s nicht noch länger hinzog. Er sprach dies auch einer Anzahl von Herren aus, die sich auf einer vor dem Gasthause stehenden Bank niedergelassen und hier dem Liqueurkasten des »Prinzregenten«, der sonst immer erst nach dem Diner auftauchte, vorgreifend zugesprochen hatten.

Es waren ihrer fünf, lauter Kreis- und Parteigenossen, aber nicht eigentlich Freunde, denn der alte Dubslav war nicht sehr für Freundschaften. Er sah zu sehr, was jedem einzelnen fehlte. Die da saßen und aus purer Langerweile sich über die Vorzüge von Allasch und Chartreuse stritten, waren die Herren von Molchow, von Krangen und von Gnewkow, dazu Baron Beetz und ein Freiherr von der Nonne, den die Natur mit besonderer Rücksicht auf seinen Namen geformt zu haben schien. Er trug eine hohe schwarze Krawatte, drauf ein kleiner vermickerter Kopf saß, und wenn er sprach, war es, wie wenn Mäuse pfeifen. Er war die komische Figur des Kreises und wurde gehänselt, nahm es aber nicht übel, weil seine Mutter eine schlesische Gräfin auf »inski« war, was ihm in seinen Augen ein solches Übergewicht sicherte, daß er, wie Friedrich der Große, jeden Augenblick bereit war, »die sich etwa einstellenden Pasquille niedriger hängen zu lassen«.

»Ich denke, meine Herren«, sagte Dubslav, »wir gehen in den Park. Da hat man doch immer was. An der einen Stelle ruht das Herz des Prinzen, und an der andern Stelle ruht er selbst und hat sogar eine Pyramide zu Häupten, wie wenn er Sesostris gewesen wäre. Ich würde gern einen andern nennen, aber ich kenne bloß den.«

»Natürlich gehen wir in den Park«, sagte von Gnewkow. »Und es ist schließlich immer noch ein Glück, daß man so was hat…«

[…]

Gegen vier war man von dem Ausfluge zurück und hielt wieder vor dem »Prinzregenten«, auf einem mit alten Bäumen besetzten Platz, der wegen seiner Dreiecksform schon von alter Zeit her den Namen »Triangelplatz« führte. Die Wahlresultate lagen noch keineswegs sicher vor; es ließ sich aber schon ziemlich deutlich erkennen, daß viele Fortschrittlerstimmen auf den sozialdemokratischen Kandidaten, Feilenhauer Torgelow, übergehen würden, der, trotzdem er nicht persönlich zugegen war, die kleinen Leute hinter sich hatte. Hunderte seiner Parteigenossen standen in Gruppen auf dem Triangelplatz umher und unterhielten sich lachend über die Wahlreden, die während der letzten Tage teils in Rheinsberg und Wutz, teils auf dem platten Lande von Rednern der gegnerischen Parteien gehalten worden waren. Einer der mit unter den Bäumen Stehenden, ein Intimus Torgelows, war der Drechslergeselle Söderkopp, der sich schon lediglich in seiner Eigenschaft als Drechslergeselle eines großen Ansehns erfreute. Jeder dachte: der kann auch noch mal Bebel werden. »Warum nicht? Bebel is alt, und dann haben wir den.« Aber Söderkopp verstand es auch wirklich, die Leute zu packen. Am schärfsten ging er gegen Gundermann vor. »Ja, dieser Gundermann, den kenn ich. Brettschneider und Börsenfilou; jeder Groschen is zusammengejobbert. Sieben Mühlen hat er, aber bloß zwei Redensarten, und der Fortschritt ist abwechselnd die ›Vorfrucht‹ und dann wieder der ›Vater‹ der Sozialdemokratie. Vielleicht stammen wir auch noch von Gundermann ab. So einer bringt alles fertig.«

Theodor Fontane, Der Stechlin, Wahl in Rheinsberg-Wutz, Kap. 19 [in: Theodor Fontane: Romane und Erzählungen in acht Bänden. Band 8, Berlin und Weimar 21973, S. 190-202]. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004775465, Lizenz:Gemeinfrei


Was Sie für Sonntag wirklich wissen müssen: Die offizielle kleveblog-Handreichung zur Kommunalwahl (kaum Krawatten, reichlich Räder, helfende Hunde)

rd | 11. September 2020, 19:35 | 38 Kommentare
Radfahren (lassen)

Früher, sagen wir: Ende des vergangenen Jahrhunderts, wäre ein CDU-Kandidat am unteren Niederrhein, der sich auf Wahlplakaten mit Dreitagebart und ohne Krawatte fotografieren lässt, von seiner Kernwählerschaft, den Landwirten, noch vor dem Wahltag geschlachtet worden. So gesehen, dokumentieren die Fotos, mit denen Wolfgang Gebing nun ein zweites Mal versucht, Bürgermeister von Kleve zu werden (das erste Mal hatten allerdings bekanntlich nicht die Wähler, sondern die Parteifreunde selbst verhindert), dass die Partei sich weit in die mehr oder minder moderne Mitte vorwärts bewegt hat. Auf den Plakaten lächelt Gebing, schick unrasiert und in einem lässigen, weißen Hemd, dessen obere Knöpfe geöffnet sind, in die Kamera. Die Botschaft ist er selbst: Wolfgang Gebing. Die CDU ist der Ansicht, in den vergangenen fünf Jahren im Rat erfolgreiche Arbeit geleistet zu haben, mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass dafür die amtierende Bürgermeisterin Sonja Northing alle Meriten einheimst. So soll es nicht weitergehen. Die Frage ist, wie viele Wähler der Kandidat über die Grenzen seiner eigenen Partei für sich einnehmen kann.

Ohne Krawatte, um bei den Äußerlichkeiten zu bleiben, präsentieren sich auch alle anderen Kandidaten, Sonja Northing, na klar, aber auch das Quartett der anderen Herren, Rolf Janßen, Daniel Rütter, Udo Weinrich und Michael Kumbrink. Die drei letztgenannten haben eher Außenseiterchancen. Rolf Janßen hingegen profitiert von einem Trend, der von allen anderen Parteien und Kandidaten eher abperlt: Fragt man junge Menschen, ca. 16 bis 25 Jahre alt, was sie zu wählen gedenken, hört man nur eine Antwort: Grün.

Das aber ist das Verdienst der Fridays-for-Future-Bewegung, die recht erfolgreich das Jungvolk politisch sensibilisiert und dafür begeistert hat, die Trümmer der Elterngeneration fortzuräumen. Raffinierterweise gibt es denn auch ein Wahlplakat, das Janßen lässig diskutierend mit typischen FFF-Vertretern zeigt.

Das einzige Problem (und jetzt bitte nicht verzweifeln, liebe FFF-Aktivisten!): Die Gruppe der 16 bis 25 Jahre alten Klever umfasst ca. 6000 Menschen. Dem stehen beispielsweise mehr als 20.000 Klever gegenüber, die älter als 50 Jahre sind und möglicherweise stabilere politische Überzeugungen haben. Insofern könnte der Schachzug der Grünen, einen fast ein wenig bieder, auf jeden Fall aber gediegen wirkenden Rolf Janßen aufzustellen, äußerst klug gewesen sein – er könnte ein paar der älteren Wähler abfischen.

Den beiden Kandidaten steht die in letzter Zeit nahezu omnipräsente Sonja Northing entgegen. Ihr Slogan setzt auf die Kraft der wahllos zusammengewürfelten Präpositionen, die irgendwie überzeugend klingen: mit in für auf Kleve, Zutreffendes bitte ankreuzen. Sonja Northing ist der Ansicht, in den vergangenen fünf Jahren in Kleve vieles bewegt zu haben (die Antwort auf eine entsprechende Frage hier im kleveblog war ca. zwei DIN A4 Seiten lang) und dafür nicht die ihr zustehende Anerkennung geerntet zu haben. Kann man so sehen, im Prinzip hat der Wähler am Sonntag die Möglichkeit, die Seele der ersten Bürgerin zu streicheln.

Keiner der Kandidaten, so die kleveblog-Prognose, wird im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen. Am wahrscheinlichsten erscheint es, dass das eine Stichwahl geben wird entweder zwischen Northing und Gebing oder aber zwischen Northing und Janßen. Alle drei Kandidaten haben auf jeden Fall ein Fahrrad ins Feld geführt, bei Wolfgang Gebing ist es allerdings ein in den sozialen Netzwerken verbreitetes Stockfoto eines im Sonnenuntergang radelnden Pärchens, Northing und Janßen haben sich jeweils mit ihren eigenen Rädern ablichten lassen – wobei die Bürgermeisterin eventuell noch einmal die Ausrichtung ihrer Fahrradleuchte kontrollieren sollte, so wie auf dem Foto gezeigt, strahlt sie nutzlos in den Nachthimmel. Bei Janßen wirkt es so, als kniee er vor dem Lenkrad, damit dieses auch noch ins Bild rückt.

Gibt es Inhalte? Grundsätzlich versprechen alle Kandidaten ebenso wie die Parteien, das Leben noch ein Stück lebenswerter zu machen. Wie konkret, das blieb weitestgehend blumig. Irgendein Projekt, das in fünf Jahren abgeschlossen sein könnte und Kleve in irgendeiner Form nachhaltig verändert – Fehlanzeige. (Fehlanzeige ist auch so ein Journalistenwort, das eigentlich verboten gehört. Hier wird es jetzt zum letzten Mal verwendet, versprochen.)

Wichtig ist natürlich die Information, dass die Bürgermeisterin Sonja Northing einen neuen Hund hat, von den Niederrhein Nachrichten in der vergangenen Woche exklusiv verbreitet. Das Tier heißt Ludo, der Mischling ist der neue Begleiter, wenn Sonja Northing mit ihrem inner circle im Wald spazieren geht. Wie wichtig Hunde im Wahlkampf sind, stellen im Übrigen auch Silke Gorißen und Peter Driessen, zwei der drei Bewerber um das Landratsamt, unter Beweis. Silke Gorißen ließ sich für Wahlplakate mit ihrem Lebensgefährten und den Familienhund Friso ablichten, Peter Driessen hatte ein etwas verwirrendes Motiv, bei dem er einen Hund streichelt, dazu allerdings den Claim stellen ließ: „Driessen liebt den Austausch mit Menschen im Kreis Kleve…“

Auf den Hund gekommen

Die letzte Diskussion, bei der die beiden Kandidaten aneinander gerieten, wurde darum geführt, ob nun der eine Kandidat einen Kreisdirektor einführt, den die andere Kandidatin (aufgrund ihrer juristischen Vorbildung) nicht nötig hätte – und war eher ein Beweis dafür, wie weit sich Politik mitunter von dem entfernt, was die Wähler wirklich interessiert. Eine CDU im Übrigen, die sich noch bis in diesem Jahr auf die Dienste eines nunmehr 78 Jahre alten Mannes verlassen musste, sollte da übrigens den Ball ganz flach halten.

Ob es nun am Ende die erste Landrätin geben wird, oder ob der 16 Jahre in Bedburg-Hau als Bürgermeister amtierende Peter Driessen die Nachfolge von Wolfgang Spreen antritt, wird sich – so die kleveblog-Prognose – auch erst in der Stichwahl entscheiden. Verantwortlich dafür ist der Bundesliga-Schiedsrichter Guido Winkmann, der als unabhängiger Kandidat die Planungen der beiden großen Lager etwas durcheinandergewirbelt hat, und dem insbesondere im Südkreis Chancen eingeräumt werden, einiges an Stimmen einzufahren. Auf das Amt selbst hat er natürlich nur Aussichten wie der 1. FC Kleve auf den DFB-Pokal.

Weiteres in Kürze: Kranenburg ist spannend, weil die jahrzehntelange CDU-Indolenz nun auch eine Wählervereinigung auf den Plan gerufen hat. In Bedburg-Hau ringen drei Kandidaten um die Nachfolge von Peter Driessen, ein klarer Favorit ist nicht erkennbar. In Goch möchte ein Rechtsanwalt (Jan Baumann, CDU) einen Richter (Ulrich Knickrehm) aus dem Amt jagen, doch der hat keine Lust, sich demnächst wieder mit Verbrechern auseinanderzusetzen. Die Sonja Northing von Kalkar heißt Britta Schulz, auch sie eine parteilose Bürgermeisterin, die eine zweite Amtszeit anstrebt – mit guten Aussichten.

Fazit: So spannend war die Kommunalpolitik schon lange nicht mehr, also wählen gehen! Leider gibt es in diesem Jahr keine öffentlichen Wahlpartys, beispielsweise ist die schöne Veranstaltung im Kreishaus Corona-bedingt abgesagt. Ergebnisse können online abgerufen werden (und kleveblog wird natürlich auch live berichten).


Der einmalige kleveblog-Wahlservice: Leser stellen die Fragen, acht der neun Kandidaten antworten

rd | 08. September 2020, 22:20 | 96 Kommentare
Im Wahlkampfmodus: Peter Driessen, Silke Gorißen, Wolfgang Gebing, Guido Winkmann, Udo Weinrich, Daniel Rütter, Sonja Northing und Rolf Janßen

kleveblog-Leser stellten Fragen, die Redaktion bündelte sie und reichte sie weiter an die drei Landratskandidaten Peter Driessen (parteilos, unterstützt von SPD, FDP, Grünen und Freien Wählern), Silke Gorißen (CDU) und Guido Winkmann (parteilos) sowie an die sechs Klever Bürgermeisterkandidaten Sonja Northing (parteilos, tritt aus dem Amt heraus an, wird von der SPD unterstützt), Wolfgang Gebing (CDU), Rolf Janßen (parteilos, Kandidat der Grünen), Udo Weinrich (Offene Klever), Daniel Rütter (FDP) und Michael Kumbrink (Clever Demokraten) – und acht der neun Politiker antworteten, sodass du, geschätzter Leser, hier nun ganz ohne Bezahlschranke die wichtigsten Informationen online verfügbar hast, um ein Bild von den Kandidaten und ihren politischen Ziele zu gewinnen.

Die Antworten verweisen jeweils auf eine eigene Seite in diesem Angebot. Die Diskussion zu konkreten Antworten bitte auf den jeweiligen Seiten führen. Zu grundsätzlichen Fragen wiederum kann hier unter diesem Artikel kommentiert werden. Bis zur Wahl bleibt dieser Artikel an der Spitze der Seite (wenn nicht der Schwanenturm einstürzt). Andere aktuelle Berichte kommen an zweiter und folgender Stelle.

Landratswahl:

Die Antworten von Peter Driessen

Die Antworten von Silke Gorißen

Die Antworten von Guido Winkmann

Klever Bürgermeisterwahl:

Die Antworten von Sonja Northing

Die Antworten von Wolfgang Gebing

Die Antworten von Rolf Janßen

Die Antworten von Udo Weinrich

Die Antworten von Daniel Rütter

Die Antworten von Michael Kumbrink liegen der Redaktion nicht vor. Und, erbeten waren möglichst prägnante Antworten. Hat in einem Fall nicht so richtig geklappt…

Noch eine Anmerkung: Rolf Janßen ist Kandidat der Grünen, deshalb steht er auf dem Wahlzettel an zweiter Stelle (bei den Kandidaten der Parteien). Sonja Northing ist als unabhängige Kandidatin, die aus dem Amt heraus antritt, bei den Einzelkandidaten gelistet, sie steht getreu der alphabetischen Sortierung am Ende des Zettels.


Margarine-Union: Feuer in ehemaliger Produktionshalle

rd | 08. September 2020, 19:07 | 3 Kommentare
Qualm dringt aus der Halle

Feuer in der ehemaligen Produktionshalle der Margarine-Union an der van-den-Bergh-Straße: Rauchwolken quollen am Abend aus dem Dach des Gebäudes, das seit Jahren leer steht und dessen Eigentümer bisher vergeblich versuchte, es einer neuen Nutzung zuzuführen. Was den Brand auslöste, ist noch nicht bekannt, Brandstiftung erscheint als plausibelste Ursache. Nachts stiegen zumindest früher gerne Jugendliche in das leerstehende Gebäude ein. Die Feuerwehr brachte den Brand schnell unter Kontrolle. Nach Auskunft der Feuerwehr Kleve hat lediglich etwas Unrat gebrannt.


Falsche Adresse beim Kandidaten der Grünen: Müssen 42.757 Stimmzettel für die Klever Bürgermeisterwahl neu gedruckt werden?

rd | 08. September 2020, 18:03 | 42 Kommentare
Kleve trifft es nicht ganz…

Die Frage, wo Rolf Janßen, der Kandidat der Grünen für die Bürgermeisterwahl in Kleve, seinen Wohnsitz hat, ist auf kleveblog schon ausführlich diskutiert worden. Die Antwort lautet: im Kranenburger Ortsteil Zyfflich. Das ist auch zulässig, ein Bürgermeister muss nicht in der Stadt wohnen, an deren Spitze er stehen möchte. Im Wahlgesetz ist lediglich festgelegt, dass der Kandidat seinen Wohnsitz in Deutschland haben muss.

Eine andere Frage ist allerdings, was auf dem Stimmzettel zu stehen hat. Im Falle von Rolf Janßen, der auf dem aktuellen Stimmzettel zur Bürgermeisterwahl an zweiter Stelle verzeichnet ist, steht dort nach der Berufsangabe „Geschäftsführer“ als Wohnort: Kleve. Das wiederum ist eindeutig falsch ist und nun morgen in einer Sondersitzung den Klever Wahlausschuss beschäftigen wird. Nach Informationen von kleveblog ist aus Kreisen der CDU moniert worden, dass die Angabe nicht den Tatsachen entspricht.

Wie aber konnte sie überhaupt dorthin gelangen? Der Kandidat selbst hat aus seinen Wohnsitz nie einen Hehl gemacht und immer offen zugegeben, dass er in Zyfflich wohnt. Die Grünen, auf deren Ticket der parteilose Geschäftsführer der Kreis Kleve Abfallwirtschaft GmbH ins Rathaus einziehen möchte, haben offenbar auch die korrekte Adresse angegeben, als sie Janßen als ihren Kandidaten ins Rennen schickten. Allerdings scheint sie dann im weiteren Prozess der Verarbeitung der Daten – vom Klever Wahlleiter bis zur Druckerei – verloren gegangen und/oder stillschweigend verändert worden zu sein.

Wie nun weiter vorgegangen wird, muss morgen der Wahlausschuss entscheiden. Möglich ist, dass in einer Hauruck-Aktion sämtliche Wahlzettel neu gedruckt werden müssen. Diejenigen von den 42.757 Wählern – so viele Wahlberechtigte gibt es in Kleve –, die schon von dem Recht auf Briefwahl Gebrauch gemacht haben, müssen allerdings vermutlich nicht ein zweites Mal ihre Stimme abgeben. Ihre Stimmzettel können, wenn der Wahlausschuss so entscheidet, trotz der fehlerhaften Adressangabe Gültigkeit behalten. Von der Stadt Kleve war gestern keine Stellungnahme zu erhalten, wie genau es zu der Panne kommen konnte.


Ergänzende Informationen zur Frage: Wie fahrradfreundlich ist eigentlich der Kreis Kleve?

rd | 08. September 2020, 11:52 | 30 Kommentare

Emmerich – Unfallflucht / Pedelecfahrer stürzt, Zeugen gesucht +++ Issum – Verkehrsunfall / 71-jährige Pedelec-Fahrerin schwer verletzt +++ Verkehrsunfall / 77jähriger Pedelec-Fahrer [in Emmerich] schwer verletzt +++ Emmerich- Verkehrsunfall/ 50-jährige Pedelec-Fahrerin schwer verletzt +++ Uedem-Keppeln – Pedelecfahrer [81] bei Verkehrsunfall schwer verletzt +++ Schwerer Verkehrsunfall zwischen PKW und Pedelec / 85-jähriger aus Uedem schwer verletzt +++ Kleve- Unfallflucht/ 33-jähriger Radfahrer stürzt und verletzt sich +++ Verkehrsunfall mit Personenschaden /[Emmericher] Fahrradfahrer schwerverletzt +++ Verkehrsunfall [in Kleve]/ 55-jähriger Rennradfahrer schwer verletzt +++ [Geldern:] Verkehrsunfall mit einer verletzten Radfahrerin +++ Weeze- Verkehrsunfall/ Radfahrerin missachtet Vorfahrt +++ Emmerich – Abbiegeunfall / Radfahrer beschimpft Unfallbeteiligte und flüchtet +++ Kevelaer – Radfahrerin schwer verletzt +++ Goch – Unfall mit Personenschaden / Fahrradfahrer schwer verletzt +++ Goch – Verkehrsunfall / 57-jähriger Radfahrer verletzt +++ Kevelaer – Radfahrerin gestürzt / Fahrer eines silbernen Kleinwagens gesucht +++ Goch – Zeugen nach Unfall mit Radfahrerin gesucht +++ Kleve – Unfallflucht / Fahrradfahrer leicht verletzt +++ Kleve – verletzter Fahrradfahrer / Polizei sucht Fahrer eines dunkelblauen Cabrios +++ Wachtendonk – Rennradfahrer schwer verletzt +++ Emmerich – Radfahrer flüchtet nach Unfall / Hinweise gesucht +++ Issum – Radfahrer stürzt und zieht sich schwere Kopfverletzungen zu +++ Rheurdt – Verkehrsunfall / PKW bringt Radfahrerin zu Fall +++ Kleve – Radfahrer stürzt nach Zusammenstoß mit LKW / Unfallzeugen gesucht +++ Kleve – Verkehrsunfall / 65-jähriger Radfahrer schwer verletzt +++ [Kleve, Gruftstraße:] Verkehrsunfall mit Personenschaden/ Radfahrer verletzt +++ Kleve – Radfahrerin verletzt / Zeugen nach Unfallflucht gesucht +++ Kevelaer-Twisteden / Radfahrer verletzt +++ Goch – Verkehrsunfall / 69-jähriger Radfahrer schwer verletzt +++  Kleve – Verkehrsunfall / Radfahrer stürzt und verletzt sich schwer +++ Emmerich – Zeugen nach Unfall mit verletztem Radfahrer gesucht +++  Kleve- Unfall/ Zwei Radfahrerinnen gestürzt +++ Issum- Verkehrsunfall/ Radfahrerin stürzt nach Zusammenstoß mit Auto +++ Issum – Radfahrerin verletzt +++ Geldern – Radfahrer wird von Zug erfasst und schwer verletzt +++ Geldern – Radfahrerin schwer verletzt +++ Bedburg-Hau – Radfahrer verletzt – Zeuge merkt sich Kennzeichen +++ Verkehrsunfall mit lebensgefährlich verletzter Radfahrerin +++ Kleve- Verkehrsunfall/ Radfahrerin schwer verletzt +++ Emmerich- Verkehrsunfall/ Kollision zwischen Auto und Radfahrer

(Die Auflistung enthält alle Unfallmeldungen aus dem Polizeibericht für den Kreis Kleve seit dem 12. April mit den Wörtern Radfahrer oder Pedelec. Es wird natürlich noch mehr geben, die es aber nicht in den Polizeibericht geschafft haben, bzw. solche, bei denen die Polizei gar nicht erst gerufen wurde.)


Innere Unruhe in der Sternbuschklinik: Patienten verunsichert, Ärzte und Therapeuten frustriert, LVR kündigt „innovative Konzepte“ an

rd | 07. September 2020, 14:54 | 95 Kommentare
Blick auf die Sternbuschklinik: Patient in eigener Sache?
Die Pflegedienstleitungen Heinz-Gerd Giesen und Sibel Eriel freuen sich mit der der Ärztlichen Direktorin Anita Tönnesen-Schlack (2.v.l.) und dem Kaufmännischen Direktor Stephan Lahr (r.) über das neue Stationsgebäude in Bedburg-Hau – anderswo rumort es mächtig

Der Bezug eines neuen Stationsgebäudes auf dem Gelände der LVR-Klinik in Bedburg-Hau war ein Ereignis, das aus Sicht der Verantwortlichen perfekt dokumentierte, wie gut es um die psychiatrische Versorgung der Menschen am Niederrhein bestellt ist. 23 Millionen Euro investierte der Landschaftsverband Rheinland, fünf Stationen aus der ehemaligen Wadtberg-Klinik konnten umziehen, der Wechsel erfolgte während des normalen Klinikalltags und verlief „reibungslos“.

Von einer „deutlichen Verbesserung der psychiatrischen Versorgung“ sprach die Ärztliche Direktorin der Klinik, Anita Tönnessen-Schlack. Nicht nur Patientinnen und Patienten würden sich in den „modernen, lichtdurchfluteten Räumen wohl fühlen“, sondern auch die Mitarbeitenden fänden „wesentlich verbesserte Arbeitsbedingungen vor“.

Anlass also für gute Laune, und Aufbruchstimmung, das sollte anlässlich der Eröffnung Ende August dokumentiert werden. „Qualität für Menschen“, so wirbt der LVR für seine Arbeit, und die Freude über das neue Stationsgebäude sollte diesen Anspruch unterstreichen.

Gerade einmal fünf Kilometer von diesem Neubau entfernt sieht die Welt des psychiatrischen Alltags allerdings ganz anders aus. Für viele Menschen aus Kleve und Umgebung ist die Sternbuschklinik in den vergangenen Jahrzehnten die erste und verlässliche Adresse gewesen, wenn es um die Behandlung von psychischen Erkrankungen ging.

Doch das ändert seit einiger Zeit: Ärzte und Therapeuten gehen oder werden versetzt und werden aufgefordert, „Patienten auszusortieren“. Patienten erhalten Anrufe, dass sie fortan nicht mehr behandelt werden können. „Es ist ein Trauerspiel“, sagt ein Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Welche Bedeutung die Klinik für die medizinische Grundversorgung hat, zeigt die Zahl von 2500 Menschen, die dort pro Quartal in der Ambulanz behandelt werden. Die Ärzte und Therapeuten kümmern sich um die gesamte Bandbreite der psychischen Störungen, von Depressionen über Angst- und Zwangsstörungen bis hin zu bipolaren Erkrankungen und Schizophrenie. Patienten, die zuvor stationär versorgt wurden, werden in der ambulanten Station weiter betreut.

Unter der Leitung von Oberarzt Dr. Adam Krakiewicz und unter der Aufsicht von Chefärztin Dr. Marie Brill waren fünf psychiatrische Fachärzte sowie weitere fünf Psychologen und Psychotherapeuten und natürlich Krankenpflegepersonal in der Ambulanz tätig. „Eigentlich wäre noch mehr Personal nötig gewesen“, so der Mitarbeiter. „Doch die neue Maxime ist: Lieber weniger Patienten behandeln.“

Den Kurs in der Sternbuschklinik bestimmt Anita Tönnessen-Schlack. Nach der Verabschiedung von Dr. Brill wurde sie vom LVR zur neuen Ärztlichen Direktorin ernannt. Ein neuer Stil hielt Einzug. Für die Sternbuschklinik bedeutete dies, dass immer wieder Ärzte und Therapeuten abgezogen wurden, um die Lücken in der Forensik zu stopfen. Eine Therapeutin, so wird berichtet, sei aus dem Urlaub zurückgekommen und habe erst beim Einschalten des Computers angesichts eines leeren Terminkalenders von ihrer Versetzung erfahren.

Dr. Krakiewicz ist mittlerweile im Ruhestand, ein anderer, langjähriger LVR-Kollege wechselte in ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), weitere Kollegen haben gekündigt, Ersatz ist nicht in Sicht. Personalgespräche sollen mitunter etwas „ruppig“ verlaufen. Eine Warteliste wurde dem Vernehmen nach geschlossen, weil sie zu voll war. Unter der Hand werden Hinweise weitergereicht, was man seinem Hausarzt sagen soll, um dennoch eine Behandlung zu erzwingen.

Derzeit arbeiten in der Ambulanz nur noch drei Ärzte. Ein weiterer Arzt wird bald aus der Ambulanz versetzt und seine 500 Patienten mitnehmen. Die zwei Ärzte, die bleiben, reichen gerade einmal, um im Quartal 700 bis 800 Patienten zu behandeln, sodass rechnerisch eine Lücke von 1200 Patienten bleibt, die nicht mehr in der Sternbuschklinik versorgt werden können. Pro Quartal, wohlgemerkt.

„Es ist ein Skandal! Wir tragen etwas mit, das schief läuft“, so der Eindruck des Mitarbeiters. Das Geschehen zieht möglicherweise sogar Kreise über die Sternbuschklinik hinaus. In den vergangenen Monaten gab es zwei gravierende Vorfälle in der Forensik (eine Geiselnahme im Mai, eine Brandstiftung im August). Zumindest die Frage darf gestellt werden, ob die vielfachen Personalrochaden da eine Rolle gespielt haben können.

Der LVR wehrt sich gegen die Kritik aus den eigenen Reihen. In einer Stellungnahme der Kliniksprecherin heißt es: „Wir bestätigen gerne noch einmal, dass die LVR-Klinik Bedburg-Hau mit ihren Ambulanzteilen, so auch dem in der Sternbuschklinik in Kleve, auch in Zukunft ihrem Versorgungsauftrag nachkommt.“ Die Frage, ob Patienten „aussortiert“ werden, blieb unbeantwortet. Man sei derzeit dabei, Verbesserungen und innovative Konzepte in unseren Psychiatrischen Institutsambulanzen einzuleiten und umzusetzen, hieß es stattdessen.

Der Landschaftsverband Rheinland (Köln) teilte in einer Stellungnahme mit: „Die LVR-Klinik Bedburg-Hau passt Ihre Behandlungsangebote und Strukturen an sich ändernde Rahmenbedingungen, z.B. an die demographische Entwicklung oder Behandlungserfordernisse, an. Diese Anpassungen können auch Veränderungen in der Organisation oder Personalstruktur einzelner Bereiche bedeuten und haben das Ziel, die uns anvertrauten Menschen angemessen und bedarfsgerecht entsprechend unseres Versorgungsauftrags zu behandeln und zu betreuen. Aktuelle Veränderungen dienen z. B. der Verbesserung der Gemeindenähe und dem Angebot spezialisierter Behandlungen und wirken sich positiv auf die Situation der Patienten aus. Wir bitten um Verständnis, dass wir uns darüber hinaus zu internen Arbeitsprozessen nicht äußern.“


Fernsehstunde im Gerichtssaal: Strafkammer zeigt WDR-Dokumentation über FKK van Goch

rd | 04. September 2020, 17:35 | 2 Kommentare

Für Ulla O., die gemeinsam mit ihrem Mann Johannes auf der Anklagebank sitzt, waren die letzten 29 Minuten und 7 Sekunden der Verhandlung am Freitag wohl so etwas wie eine nostalgische Erinnerung an die Zeiten, als die Welt der Prostitution an der Benzstraße in Goch noch in ihrem Sinne „in Ordnung“ war. Als die gelernte Bürokauffrau durch die Medien dieser Welt gereicht wurde als Expertin und Qualitätskontrolleurin in Sachen käuflicher Liebe.

Das war so, weil die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts, vor der sich das Ehepaar wegen verschiedener Abgabevergehen mit einem unterstellten Gesamtschaden in Höhe von 1,9 Millionen Euro verantworten muss, eine Fernsehstunde abhielt. Der Vorsitzende Richter Christian Henckel ließ eine 2018 ausgestrahlte WDR-Dokumentation abspielen, bei der die Journalistin Donya Farahani im Rahmen der Reihe „Donya unterwegs im Westen“ eine Woche in dem Gocher Bordell als Thekenkraft arbeitete und sich bei ihrer Tätigkeit sowie bei den Gesprächen mit Prostituierten, Freiern, Mitarbeitern und auch der Chefin Ulla O. filmen ließ.

Als nach dem Prozessauftakt der Film hier auf kleveblog verlinkt wurde, entspann sich eine lebhafte Diskussion darüber, wie authentisch der Film wirklich ist. Auf der einen Seite gab es den Standpunkt, dass die gezeigten Beispiele zu einer klischeehaften Romantisierung beitragen, etwa wenn die aus Ungarn stammende Protagonistin erzählen darf, dass sie nur noch ein paar Monate im „FKK van Goch“ arbeiten möchte, um dann mit dem verdienten Geld in ihrer Heimat ein Altenpflegeheim zu betreiben.

Auf der anderen Seite hielten Diskutanten dem entgegen, dass so immerhin ein Einblick in die Arbeitswirklichkeit möglich werde. Allerdings hat der Film einige Szenen, etwa einen vor laufender Kamera auf der Tanzfläche ausgeführten Sexualakt, die zumindest den Verdacht aufkeimen lassen, hier hat vielleicht die Betreiberin oder wer auch immer etwas nachgeholfen, um ein paar spektakuläre Bilder zu liefern.

Man weiß es nicht, aber immerhin hatte zu Beginn des Prozesses Ulla O. über ihren Anwalt einräumen lassen, dass bei der RTL-2-Bordelltester-Dokumentationsreihe „Rotlichtexperten im Einsatz“ gar nichts stimmte und alles inszeniert war. Davon ist der WDR natürlich weit entfernt, und wenig überraschend – Sex sells – ist im Wikipedia-Eintrag zu der Journalistin nachzulesen: „Ihre Reportage aus einem Bordell am Niederrhein gehört zu den erfolgreichsten Filmen im Dokukanal des WDR auf YouTube.“

Das alles spielte jedoch am Freitag bei der öffentlichen Vorführung des Werks im Saal A 105 des Landgerichts im Kleve keine Rolle, wobei die Frage, wie der offenbar etwas exhibitionistisch veranlagte Freier, der auf der Tanzfläche zur Tat schritt, mit der Prostituierten den Preis für die Leistung vereinbart und wie er bezahlt hat, vielleicht doch für die Beweiserhebung von Bedeutung sein könnte, denn bisher hieß es von Seiten der Angeklagten immer, es handele sich um selbstständig tätige Frauen.

Von den Mitarbeitern des Westdeutschen Rundfunks ist an dieser Stelle keine Aufklärung zu erwarten. Die Staatsanwaltschaft hatte offenbar nachgefragt, ob Donya Farahani zu den Umständen der Filmaufnahmen etwas sagen möchte, allerdings eine Absage erhalten (was das gute Recht der Journalistin ist).

So mussten die Anwesenden mit dem vorlieb nehmen, was der Bericht hergab. Am Anfang, während eine barbusige Mitarbeiterin einen Mann zu einem „Verrichtungszimmer“ geleitet, heißt es: „Erst flirtet sie, dann verhandelt sie den Preis, und dann kann sie mit dem Gast aufs Zimmer gehen, so läuft das.“ Es klingt, als hätte bei der Passage ein Steuerberater den Text vorgegeben.

Eine Minute später erklärt Donya Farahani: „Die Frauen sind selbständig. Sie zahlen 40 Euro Eintritt, 10 Euro [davon] gehen als Vorsteuer ans Finanzamt. Den Preis mit den Freiern machen die Prostituierten selber aus. [Jetzt leicht angeekelt klingend:] Los geht es schon ab 35 Euro – für 20 Minuten Sex. Nach oben sind die Preise aber offen.“ Woher die Untergrenze kommt, wenn die Frauen doch selbständig arbeiten, wird nicht erläutert.

In Minute 23 besucht die Reporterin, von der Kamera begleitet, die über dem Bordell wohnende Ulla O. in ihrem Büro. Süß die Szene, wie Ulla O. zunächst ihre drei kläffenden Minihunde beiseite räumen muss, um Donya Farahani Einlass zu gewähren. Im Büro stehen zwei große Monitore, von denen die Chefin aus das Geschehen im Erdgeschoss verfolgen konnte, auch, wie Kamera 7 zeigt, während sich die Frauen umkleiden.

„Ich will wissen, wie Ulla O. das Bordell organisiert“, so Donya Farahani. Die Chefin, die zuvor schon hatte erklären lassen, dass dazu die Software WiSo Mein Büro zum Einsatz gekommen sei, berichtet: „Das ist praktisch der Vertrag. [Ich mache] mit jeder einzelnen einen Vertrag. Das ist die Zusicherung, dass sie dann auch wirklich unter diesen Rahmenbedingungen arbeiten möchten…“

Alle diese Erläuterungen entsprechen genau der Version der Verteidigung – und sind so ziemlich exakt das Gegenteil von dem, was die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage behauptet. Mehr als wahrscheinlich also, dass die beiden Seiten wie gestern auch schon, selbst bei kleinen Anlässen sich gegenseitig attackieren und der Vorsitzende Richter Mühe hat, die Streithähne wieder zu beruhigen. Der Prozess wird am Dienstag um 13 Uhr fortgesetzt.

Kamera 7 blickt in die Umkleidekabine der Prostituierten

Hier der Bericht zum Prozessauftakt: RTL2-Bordelltesterin vor Gericht: Die Sendung hatte mit der Wirklichkeit nichts zu tun


Dreister Überfall mittags auf Juwelier Rüger, Täter flüchteten in blauem Seat Leon

rd | 04. September 2020, 16:14 | 7 Kommentare
Fachkraft für Verbrechensbekämpfung am Tatort (Foto: Der Kalkarer)

Die vermeintlichen Kunden kamen kurz vor der Mittagsstunde, und sie trugen mehr als nur die vorgeschriebene Mund-Nasen-Bedeckung: Zwei mit Sturmhauben maskierte Männer haben heute am helllichten Tag den Juwelier Rüger an der Hoffmannallee überfallen – anschließend flüchteten sie in einem blauen Seat Leon in Richtung Autobahn.

Im Polizeibericht heißt es: „Gegen kurz vor 12 Uhr am Freitag hörte der Besitzer eines Juweliergeschäfts an der Hoffmannallee Geräusche aus dem Verkaufsraum seines Geschäftes. Als er nachschaute, traf er auf zwei männliche Personen, die ihre Gesichter mit Sturmhauben verdeckt hatten. Während der eine Täter den Juwelierinhaber mit einer Schusswaffe bedrohte, schlug der zweite Täter Vitrinen ein und ergriff mehrere Schmuckstücke. Danach flüchteten die beiden Männer ersten Angaben nach in einem blauen Seat Leon über die Brahmstraße in Richtung Mittelweg. Nach ersten Ermittlungen führte der weitere Fluchtweg der Täter auf die A57 in Fahrtrichtung Krefeld. Die Fahrnung dauert an. Zum Wert der Beute können bislang noch keine Angaben gemacht werden. Verletzt wurde bei dem Überfall glücklicherweise niemand.“


Blitzeinschlag in der Schwanenburg: Wird es für immer 18:37 Uhr bleiben?

rd | 03. September 2020, 19:36 | 13 Kommentare
Einfach mal innehalten und den Tag gepflegt um 18:37 Uhr beginnen
Kategorie: Wolkenblitz
Die Steuerungseinheit der Turmuhr: 6 Schaltkreise, 0 Strom

(Aktualisiert, mit zusätzlichen Informationen zum Einschlag) Als am 28. August um 18:37 Uhr und 33 Sekunden ein Blitz der Kategorie „starker Knaller“ in den Schwanenturm einschlug, stand die Zeit sofort still. Eine negative Ladung von neun Kiloampere ergoss sich für den Bruchteil einer Sekunde in die Steuerungseinheit der Turmuhr und verschmurgelte sämtliche sechs Schaltkreise des Geräts, mit denen sowohl das gemächliche Fortschreiten der Zeiger wie auch die Glockenschläge kontrolliert werden. Ein Schaden von historischer Dimension!

Um sich das Ausmaß des energetischen Impacts zu verdeutlichen, sei darauf hingewiesen, dass schon bei einem einzigen Ampere 6,2 Trillionen Elektronen pro Sekunde unterwegs sind. 9 Kiloampere (9 kA) stehen dann, eine (realistische) durchschnittliche Dauer des Blitzes von einer Zehntelsekunde angenommen, für 5,58 Trilliarden Elektronen. Das ist eine unvorstellbar große Zahl. Wenn man pro Stunde ein Elektron zählen würde, wäre man nach einem Tag erst bei 24. Erst nach 232,5 Trillionen Jahren wäre man fertig – wenn man solange durchhielte.

Der goldene Schwan, der auf der Spitze des Turms thront, kommt interessanterweise nicht als Zielpunkt des Einschläge infrage. Er ist durch einen Blitzableiter gesichert. Die Vermutungen gehen dahin, dass der hochenergetische Elektronenfuror direkt in einen Uhrzeiger einschlug – wodurch er dann freie Bahn zum Uhrwerk und der angeschlossenen Elektrik hatte. Die quirligen, ambigen Elementarteilchen, die sich mit der Geschwindigkeit des Lichts fortbewegen, haben dort zwar keinen äußerlich sichtbaren Schaden hinterlassen, allerdings blicken die drei Flüssigkristallmonitore so tot in die Welt wie die Anzeige eines solargetriebenen Taschenrechners, der zwanzig Jahre in einem Bergwerk gelegen hat.

Doch damit nicht genug. „Wir wissen nicht, ob das Uhrwerk beschädigt ist“, so Udo Trepmann, der Hausmeister der Schwanenburg. Der Techniker ist informiert, wie man so schön sagt, in diesem Fall handelt es sich um die Mitarbeiter der auf Turmuhren spezialisierten Firma Eduard Korfhage & Söhne. Die Fachleute der Firma aus dem niedersächsischen Melle („Tradition – Erfahrung – Fortschritt“) haben ihr Erscheinen für die 38. Kalenderwoche angekündigt. Die beginnt erst am 14. September.

Eine sofortige Reparatur erwartet allerdings niemand, vielmehr rechnen die Verantwortlichen damit, dass die vagabundierenden Elektronen mit ihrer negativen, auf Zerstörung ausgerichteten Ladung auch im Uhrwerk Schäden angerichtet haben, die den Austausch von Bauteilen erforderlich machen. Dabei handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Spezialteile, die nicht in irgendwelchen Kisten herumliegen, sondern die ihrerseits erst bestellt werden müssen, und womöglich sogar erst eigens angefertigt werden müssen. „Bis die Uhr wieder läuft, das wird noch dauern“, so Trepmann. Bis dahin bleibt es in Kleve immer 18:37 Uhr, wenn man zum Turm schaut.

Die Zeit rast? Nein, sie steht. Halten wir inne und schauen in uns. Mors certa, hora incerta.


Christoph Peters’ „Dorfroman“: Der erste Roman über den Schnellen Brüter – bzw. über uns, die wir mit dem Wahnsinn aufgewachsen sind

rd | 03. September 2020, 12:13 | 19 Kommentare
Aufgewachsen im Schatten der Brüter-Baustelle: Autor Christoph Peters (Foto: Luchterhand)
Zentrum des Widerstands: Melkstall von Bauer Maas (Foto: Phoenix) Unten: Das Freundschaftshaus, wie es sich heute präsentiert (Fotos: Christoph Peters)
Demonstranten 1977 in der Kalkarer Innenstadt (Foto: Screenshot aus einem Video von Heinrich Theissen)
Der Schnelle Brüter, wie er sich heute präsentiert: als Freizeitpark (Foto: Buchcover)

So schnell kann ein Leben gehen: Eben träumt man noch davon, ein Tierforscher zu werden, dann ist man so halb in eine Revolution verstrickt, zieht in die Welt, und, ehe man sich versieht, ist man wieder zu Besuch am Niederrhein und kümmert sich um die Verhältnisse im Elternhaus, die schwierig geworden sind, weil der Vater an Demenz erkrankt ist.

Geschichten wie diese dürften der Generation der Baby-Boomer, also der in den sechziger Jahren geborenen Menschen wohlvertraut sein, viele können Vergleichbares erzählen, aber niemand macht es mit einer so mitfühlenden Melancholie wie der aus Kalkar stammende Autor Christoph Peters, der in diesen Tagen seinen neuen Roman, Titel: Dorfroman, veröffentlicht hat.

Peters ist 1966 in Kalkar geboren, und wenn in dem 411 Seiten starken Werk eine Kindheit und Jugend am Niederrhein beschrieben wird, so darf man fröhlich annehmen, dass viel eigenes Erleben in das Werk eingeflossen ist. Aber wie eigen war es wirklich? Schon auf den ersten paar Seiten schildert der Autor ein paar Dinge so genau, dass ich dachte, er hätte auch in meinem Kopf gesessen – nachts vom Vater geweckt zu werden, um Cassius Clay boxen zu sehen, Kaninchen schlachten, evangelische Klassenkameraden wegen ihrer Religion bemitleiden, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Allerdings ist Peters’ Roman weitaus mehr als eine sentimentale Reise in die eigene Vergangenheit, und das liegt an der großen Handlung des Romans – er erzählt davon, wie der Schnelle Brüter, das Kernkraftwerk, das nie ans Netz gegangen und heute ein Freizeitpark ist, in die Gemeinschaft des Dorfes Hönnepel (im Buch: Hülkendonck) einbricht, die Bewohner entzweit und eine Widerstandsbewegung entfacht, die schließlich 1977 zu einer großen „Stopp-Kalkar!“-Demonstration und dem bis dahin größten Polizeieinsatz in der Geschichte der Bundesrepublik führte.

Peters selbst sagt: „Vor 20 Jahren habe ich mich in dem Roman ,Stadt Land Fluß‘ schon einmal mit dem Dorf am Niederrhein beschäftigt, in dem ich aufgewachsen bin. Was ich damals weggelassen habe, war, dass in eben diesem Dorf, nahe Kalkar, während der 1970er und 80er Jahre ein Kernkraftwerk gebaut wurde, das ,der Schnelle Brüter‘ hieß und einige der größten Anti-Atomkraft-Demonstrationen der alten Bundesrepublik unmittelbar vor unserer Haustür vorbeiführte. Mein Vater war während meiner gesamten Kindheit auf Seiten der AKW-Befürworter engagiert, was einer der Gründe für heftige pubertäre Auseinandersetzungen und meine eigene politische Emanzipation wurde.“

Wie der Riss sich durchs Dorf zieht, wie Bauer Maas zur Symbolfigur des Widerstands wurde, wie der Kirchenvorstand in Hönnepel vom Bischof geschasst wurde, weil er sich den Landverkauf widersetzte, wie schillernd es in der basisdemokratischen Anti-AKW-Bewegung zugeht, die sich im Melkstall des Bauern einquartierte, all dies fließt in den Roman ein. Die Geschehnisse sind noch nicht so lange her, aber es fühlt sich schon an wie aus einem anderen Leben. Und dann sieht man Bilder aus Weißrussland und denkt, so viel anders war das damals hier auch nicht.

1971 begannen die Planungen zum Bau des Reaktors, 1977 war die große Demonstration, 1979 war das Bauwerk betriebsbereit, wurde aber nie mit Kernbrennstoff befüllt, 1985 fiel die Entscheidung, den Brüter stillzulegen. 1995 kaufte ihn der holländischer Investor van der Most, der daraus den skurrilsten Freizeitpark der Welt machte. Wie es im KernWasserWunderland (mittlerweile: Kernie) zugeht, habe ich 2003 in einem Artikel für die Rheinische Post schreiben dürfen: Kirmes in Tschernobyl.

Auch Peters widmet sich der wundersamen Wendung und beschreibt einfühlsam das Schicksal des DJs, der in dem für erwachsene Vergnügungen reservierten Teil des Parks seiner Arbeit nachgeht: „Vermutlich hatte [der DJ] sich seine Karriere auch anders vorgestellt: Paraden in Berlin oder New York mit tausenden von Ravern aus der ganzen Welt, Türsteher-bewehrte Auftritte in angesagten Clubs, exklusive Partys für die globalisierten Szene. Eine Weile lief es vielleicht ganz gut, er war zweite oder dritte Garnitur bei Events, für die man sich nicht mehr schämen musste, jedes Mal die Hoffnung auf den ganz großen Durchbruch. Dann kamen andere Zwanzigjährige mit noch unerhörteren Beats, vielleicht wurde ein Kind geboren, Unterhaltszahlungen, Mieterhöhungen, irgendwann das Angebot, hier regelmäßig für berechenbares Geld mittelalte Mittelschichtler aus der nordwesteuropäischen Provinzregionen zum Tanzen zu animieren. Jetzt hüpfen Abend für Abend genau die Leute vor seiner Bühne, denen er hatte entkommen wollen.“

Das Buch ist reich an solchen Beobachtungen. Es gibt eben kein richtiges Leben im falschen. Der „Dorfroman“ ist im Luchterhand Literaturverlag erschienen und zum Preis von 22 Euro in Buchhandlungen (z. B. Hintzen, Hagsche Straße), erhältlich. Für kleveblog-Leser (so, wie ich sie einschätze) ein Buch, das gelesen werden muss. Eigentlich aber für jeden, der den Niederrhein verstehen lernen will. Und für jeden, der es genießen kann, wenn jemand mit wachen Augen auf unsere merkwürdige Welt schaut.

Fun fact: Der Dorfroman dürfte auch der erste Roman sein, in dem die Hochschule Rhein-Waal erwähnt wird. In Cleve könne man Agrartechnologie studieren, heißt es, vielleicht könne man im Haus der Eltern ja einen Studenten einquartieren, der dort dann auch nach dem Rechten sehe. Passt.

Teil 1 der Phoenix-Dokumentation über den Bau des Brüters

6 Kandidaten, 1 Podium: Eindrücke einer aus Warbeyen gestreamten Diskussion

rd | 31. August 2020, 15:42 | 14 Kommentare

Unter den Gästen, die in der vergangenen Woche die Podiumsdiskussion der drei Bürgermeisterkandidaten in Bedburg-Hau verfolgt hatten, befand sich auch Crischa Ohler vom Theater mini-art. Sie beklagte sich, dass ihr in den Entwürfen der Kandidaten die Visionen fehlten. Und natürlich fällt einem dazu gleich der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt ein, von dem der Satz überliefert ist: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

In diesem Zwiespalt zwischen dem, was in der tagtäglichen Ratsarbeit und Verwaltungswirklichkeit tatsächlich möglich ist, und dem, was wünschenswert erscheint, befindet sich jeder, der Kommunalpolitik betreibt. Insofern war auch die Podiumsdiskussion mit dem halben Dutzend Bürgermeisterkandidaten aus der Stadt Kleve, die am Wochenende am Vereinshaus des VfR Warbeyen abgehalten und live im Internet gestreamt wurde, eine lehrreiche Veranstaltung.

Dem Zuschauer am Bildschirm bot sich ein verblüffendes Setting. Die sechs Kandidaten und zwei Moderatoren saßen in acht weißen XXL-Sesseln, in denen zumindest die kleineren von ihnen zu versinken schienen und Mühe hatten, über die Lehne zu greifen, wenn sie das Wasserglas erlangen wollten. Außerdem war Kandidat Kumbrink so weit nach rechts außen abgedrängt, dass einen die Angst beschlich, dass er, wenn er noch einen Zentimeter weiter zur Seite rückt, von der Bühne fällt. Es darf vermutet werden, dass Christian Nitsch, der für die „Kämpferherzen“, die erfolgreichen Fußballerinnen des Vereins, die Begrüßung übernahm, sich hier seiner Rolle als SPD-Funktionär besann und das abtrünnige ehemalige Fraktionsmitglied Kumbrink noch ein bisschen abstrafen wollte.

Wenn unter den sechs Kandidaten eine Frau ist, fällt die natürlich auf. Sonja Northing nutzte das natürlich auch weidlich, erst überreichte sie – als Bürgermeisterin – der Geschäftsführerin der Fußballabteilung, Anni Krüger, zum Vereinsjubiläum einen Blumenstrauß und wies noch keck darauf hin, dass sie sich bei ihrer Garderobe von den Vereinsfarben habe inspirieren lassen – sie kam ganz in Schwarz-Weiß, trug eine modische Kapuzenjacke und hatte am Handgelenk sogar ein Freundschaftsbändchen den Farben des Klubs.

Bleiben wir noch kurz bei der Optik: Anzumerken ist, dass Krawatten bei der Herrenoberbekleidung offenbar keine Rolle mehr spielen. Vier der fünf männlichen Kandidaten trugen unifarbige Businesshemden, wobei Wolfgang Gebing den so erreichten Grad an Seriosität mitunter durch eine Mimik wettzumachen schien, die an den großen Louis de Funès erinnerte, wenn dieser als Polizeichef mal wieder vor einer rätselhaften Situation stand. Von diesem Quartett des edlen Tuchs hob sich der Kandidat der Offenen Klever, Udo Weinrich, ab, der in Holzfällerhemd und Trenchjacke so ein bisschen wie Kommissar Schimanski rüberkam und der sich durchaus erfrischend in seiner Wortwahl zeigte.

Aber was verspricht man nun den Wähler? Digitalisierung ist gut, jeder möchte schnelles Internet, aber das kostet natürlich (was wiederum zu höheren Stromkosten führen könnte, wenn man das Geschäft in die Hände der Stadtwerke legt, mehr bezahlen möchte aber natürlich niemand). Schon früh gelangte die Diskussion zum Thema Radwege. Für bessere Strecken zu sorgen, ist da schnell versprochen.

Doch da gibt es dann möglicherweise Grundstücksbesitzer, und es gibt Kreis-, Land- und Bundesstraßen, für die die Kommune überhaupt nicht zuständig ist. Einer der Teilnehmer merkte süffisant an, dass Kleve doch das Siegel „Fahrradfreundliche Stadt“ verliehen bekommen habe. Die Bürgermeisterin Sonja Northing geriet in Wallung: Die Auszeichnung werde nach festen Kriterien vergeben, und die habe Kleve nun einmal erfüllt.

Offenbar sind die Kriterien, die ausreichen, um so ausgezeichnet zu werden, ein Witz. Als Gegenbeweis dürfte es allein ausreichen, die Unfallmeldungen dieses Jahres, in die Radfahrer verwickelt waren, aufzuzählen. Bei der Stadt Kleve kümmert sich Pascale van Koeverden seit vielen Jahren um die Belange der Zweiradfahrer, und sie macht dies (wie Bürgermeisterin Northing zutreffend betonte) sehr engagiert. Allein: Sie macht es im Rahmen des Möglichen. Als ich sie das letzte Mal traf, war sie auf ihrem Rad gerade an der Emmericher Straße von einem Auto angefahren worden.

Das in Kleve zurzeit Mögliche sind Fahrbahnpinseleien vor Ampeln. Die Stadt Kleve hat zwar ein Radverkehrskonzept, doch dies sei „schon in die Jahre gekommen“, so Kandidat Rolf Janßen. Michael Kumbrink wies darauf hin, dass in diesem Konzept große Verbindungsachsen vorgesehen seien, um schnell durch die Stadt zu kommen. Papier ist bekanntlich geduldig.

Udo Weinrich war es, der offen aussprach, dass eine Förderung des Radverkehrs „nur auf Kosten des Pkw-Verkehrs“ gehen könne. „Im Konfliktfall würde ich immer den Radverkehr den Vorrang geben.“ Die Idee, von den Ortsteilen vom Autoverkehr weitgehend entkoppelt in die Stadt zu gelangen, das wäre so eine Vision. Aber: Betreibt jemand Wahlkampf damit, zum Beispiel die Hoffmannallee für den Autoverkehr zu sperren? Das dann doch lieber nicht.

Moderator Peter Hermanns beklagte sich, dass man von Warbeyen aus immer an der Bundesstraße entlang fahren müsse, um den geschätzten Radschnellweg zu erreichen. Die Autos stören das Empfinden des naturverbundenen Mobilisten. Die Aussage blieb zwar in Warbeyen unwidersprochen, muss aber hier korrigiert werden. Es ist sehr wohl möglich, von Warbeyen zum Radschnellweg zu gelangen, ohne die ganze Zeit auf schlecht gelaunte Menschen in Blechkisten schauen zu müssen: Huisberdener Straße-Hövelscher Weg-Alte Mühle-Schlenk-Sommerlandstraße-Pappelweg-Bahnlinie. Klingt nach großem Umweg, ist aber nur ein kleiner, und zeigt, dass die Protagonisten des Radfahrens vielleicht doch nicht so im Stoff stehen, wie sie es vorgeben zu sein.

Fun Fact: Kennt jemand das Alphabet, mit dem Christian Nitsch arbeitet? Er sagte, er stelle die Kandidaten in „streng alphabetischer“ Reihenfolge vor. Dann: Gebing, Janßen, Weinrich, Rütter, Kumbrink, Northing. G-J-W-R-K-N??


Corona schleicht sich

rd | 30. August 2020, 20:05 | 3 Kommentare
Vielleicht muss die Tafel doch nicht erweitert werden, vier Wochen hält die Skala noch

Die neuen Werte:

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


18:37 Uhr… und es hat Rumms! gemacht – Blitz trifft Schwanenturm, Uhr steht, Beleuchtung kaputt

rd | 29. August 2020, 07:57 | 22 Kommentare
Einschlag um 18:37 Uhr, soviel steht für die Ermittler fest (Foto: A. Schmitz)

Ein kurzes Aufzucken des Himmels, unmittelbar danach ein ohrenbetäubender Knall – so erlebten die Menschen in der Innenstadt das kurze, aber heftige Gewitter am Freitag Abend. Der Blitz der Kategorie 7 (grillt Schafe sofort gar) schlug direkt in den Schwanenturm ein, mit fatalen Folgen. Die Elektrik im Turm des Klever Wahrzeichens fiel aus – die Uhr blieb stehen, die Innen- und Außenbeleuchtung des Gebäudes fiel aus. Als Konsequenz daraus verkündete der Klevische Verein noch am Abend, dass der Turm für Besucher am Wochenende geschlossen bleibt. Erst muss die Firma Hussmann die Schäden inspizieren und beseitigen. In der Innenstadt fiel infolge des Blitzeinschlags auch kurzzeitig das Internet aus.


Klinikwald, Kies, Kohle – wo stehen die Bedburg-Hauer Bürgermeisterkandidaten?

rd | 28. August 2020, 14:59 | 33 Kommentare
Stefan Veldmeijer, Dr. Ursula Pitzner, Stephan Reinders – und einer, der Fragen stellte

Mitten im Grünen, also aus Sicht der Veranstalter passend gewählt, und nur wenige hundert Meter von meinem Elternhaus entfernt hatte ich das große Vergnügen, eine Fragerunde zu leiten, in der sich die drei Bedburg-Hauer Bürgermeisterkandidaten einem geladenen Publikum stellten. Mein Fazit: Alle drei Kandidaten präsentierten sich sehr gut, die Wähler in Bedburg-Hau haben tatsächlich die Qual der Wahl. Hier der Pressebericht der Grünen aus der Gemeinde zu der Veranstaltung:

Der Ortsverband von Bündnis90/Die Grünen in Bedburg-Hau hatte gestern seinen Mitgliedern und Freunden die Gelegenheit gegeben, die Bürgermeisterkandidatin Dr. Ursula Pitzner und die Kandidaten Stefan Veldmeijer und Stephan Reinders näher kennen zu lernen. In der Hauer Reithalle stellteModerator Ralf Daute Fragen zu den Themen, die den Bürgerinnen von Bedburg-Hau zurzeit unter den Nägeln brennen: Die Zukunft der Klinik-Nordteils, der Kiesabbau, die Öffnung und Zukunft des Hallenbades, die Entwicklung des Gemeindezentrums, der Flächenverbrauch und die Digitalisierung.

Die Grünen freuten sich besonders über die Zustimmung zu Grünen-Forderungen, die sie bei der Bewerberin und den beiden Bewerbern für das Bürgermeisteramt erfuhr. So äußerten sich alle drei deutlich für eine Baumschutzsatzung und eine flächendeckende Glasfaserversorgung in der Gemeinde. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit und stellten Fragen in der fast zweieinhalb Stunden dauernden Veranstaltung.

Zum Klinik-Nordteil meinte Stefan Reinders: „Viele Investoren kamen und gingen und ich glaube, dass auch die nächsten gehen werden, wenn wir das Gelände nicht entwickeln dürfen.“ Er ist davon überzeugt, dass ein Bürgermeister mit neuen Ideen auf die Bürgerinnen zugehen muss. Der CDU-Kandidat sprach sich auch für eine Bebauung in den Ortsteilen von Bedburg-Hau aus sowie für eine Generierung von Fördermitteln. Ob er sich als Bürgermeister vorstellen könnte, auch andere Positionen als die der CDU zu vertreten, fragte Ralf Daute den jungen Verwaltungsmann. Die Antwort von Stefan Reinders konnte man als klares „Ja“ werten.

Ursula Pitzner will ihre Entscheidungen zum Klinik-Nordteil ganz stark vom Bürgerwillen abhängig machen. Es sollen alle Akten offengelegt werden. Zum Gemeindezentrum würde sie die Bemühungen um eine weiterführende Schule an die erste Stelle setzen. Sie hält das Einzelhandelskonzept für schön geschrieben. Ursula Pitzner meint, die Zeit sei reif für eine starke Bürgerbeteiligung, mit klaren Worten: „Die Bürger sind bissig.“ Der parteilose Kandidat Stefan Veldmeijer will auf die Bürgerinnen zugehen, Baumschutz müsse angepackt und von der Gemeinde gelebt werden. Er sieht die Chance bei Mehrgenerationenhäusern.

Beim Thema Hallenbad wies Stefan Veldmeijer auf die mögliche Förderung vom Land hin. Eine Schule im Gemeindezentrum habe keine Zukunft, ist er sich sicher und will vor allem die Kürzung von freiwilligen Leistungen verhindern.

Die Partei Bündnis90/Die Grünen hat in Bedburg-Hau keine(n) eigene(n) Kandidatin ins Rennen geschickt. Es gibt auch keine Empfehlung der Partei. Die einzelnen Mitglieder sollten sich ein eigenes Bild von der parteilosen, aber von der SPD unterstützten Kandidatin Frau Dr. Pitzner machen, sowie von den Kandidaten Stefan Veldmeijer (parteilos) und Stephan Reinders (CDU). Das hat funktioniert. Walter Hoffmann als Organisator und Vorsitzender des Ortsverbandes der Grünen war mit der Veranstaltung
sehr zufrieden.


Corona: 1. Rückgang (was eigentlich gar nicht sein kann)

rd | 28. August 2020, 14:47 | keine Kommentare
Häufig wechselnder Alltagsbegleiter

Gestern meldete der Kreis Kleve 1032 Fälle, die bisher insgesamt erfasst worden sein, heute nun einen weniger: 1031 – was natürlich überhaupt nicht sein kann, weil die absolute Zahl der Fälle bestenfalls konstant bleiben kann. Zu vermuten ist, dass ein Testergebnis „falsch-positiv“ war, gewissermaßen ein Fehlalarm. Das Ergebnis der Recherche steht noch aus. Ansonsten gab es wohl einen Kontaktfall in einem Haus für Flüchtlinge in Bedburg-Hau, und gestern vermeldete der Kreis auch Neues aus Schulen und Kindertagesstätten: „In der Klasse 6b der Joseph-Beuys-Gesamtschule an der Hoffmannallee in Kleve gibt es einen Corona-Indexfall. Zu den Kontaktpersonen der Kategorie 1 zählen 24 Schülerinnen und Schüler, die unter Quarantäne stehen. Bei 8 Lehrkräften laufen noch Ermittlungen. Testungen werden kurzfristig erfolgen. Keinen Indexfall, jedoch eine Kontaktperson der Kategorie 1 gibt es in der Gruppe „Kleine Strolche“ des Johannes Kindergartens in Bedburg-Hau. Die Leitung der Kita folgte der Empfehlung des Gesundheitsamtes, sowohl die Kinder als auch die Erzieherinnen und Erzieher der betroffenen Gruppe nach Hause zu schicken und eine Selbstüberwachung durchzuführen.“

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Illegale Zigarettenfabrik in Kranenburg ausgehoben – 12 Tatverdächtige gefasst, Vermieter Theo S. ahnte nichts

rd | 25. August 2020, 19:09 | 77 Kommentare
Kippen, soweit das Auge reicht: Blick in die illegale Zigarettenfabrik (Foto: Zollfahndungsamt Essen)

Die Kranenburger kennen Theo Stoffelen als gut gelaunten Karnevalsprinzen und rechtschaffenen Geschäftsmann, der sein Geld mit dem Vertrieb von Hühnereiern und den Verkauf von Paletten verdient. Doch in der vergangenen Woche war der ehrbarer Kaufmann in seinen Grundfesten erschüttert und saß bei seinem Rechtsanwalt – weil er sich plötzlich ohne sein Zutun in einem Kriminalfall befand, der seit heute bundesweit für Schlagzeilen sorgt. „Vergangenen Dienstag bin ich mit dem Lkw zu meinem Grundstück gefahren, und ich habe meinen Augen nicht getraut – alles war abgesperrt, überall maskierte und bewaffnete Männer“, berichtet Stoffelen. Er sei auf sein Gelände gelaufen, doch schon nach zwei Metern sei er von den vermummten Männern aufgehalten worden: „Sie haben hier nichts zu suchen!“ Stoffelen entgegnete: „Und ob ich hier was zu suchen habe, das ist mein Grundstück!“

Darauf nahmen ihn die Männer beiseite und klärten ihn auf. „Ich habe es nicht glauben können“, so Stoffelen. „Ich habe keine Ahnung davon gehabt, was da betrieben wurde.“

Über das, was in der vergangenen Woche am Drüller Weg in der Nähe des Kranenburger Bahnhofs vorgefallen ist, klärten Staatsanwaltschaft und Zollfahndung heute auf einer Pressekonferenz in Köln die Öffentlichkeit auf. Es handelte sich um einen Großeinsatz vereinter Fahndungskräfte mehrerer Behörden, die den Betreibern einer einer illegalen Zigarettenfabrik auf die Spur gekommen waren. Das Gewerbe soll in einem solchen Ausmaß betrieben worden sein, dass dem deutschen Fiskus nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen zufolge wöchentlich ein Schaden von 1,5 Millionen Euro entstanden ist. Und die Fabrik soll mehrere Jahre betrieben worden sein.

Aufgefundene Beweismittel und der auf Dauer angelegte, professionelle Umbau der Halle lassen nach Angaben der Ermittler darauf schließen, dass die Gruppierung die illegale Anlage seit Ende 2016 betrieben haben könnte. Damit wäre es möglich, dass sich der geschätzte Steuerschaden in Deutschland in dreistelliger Millionenbereich bewegt.

Es handelt sich um die vierte industrielle Produktionsanlage für illegale Zigaretten, die in Deutschland sichergestellt werden konnte. Zuvor waren 2003 und 2005 in Oberhausen sowie in Köln/Koblenz drei Anlagen ausgehoben worden.

„Bei dieser hochprofessionellen Anlage handelt es sich um eine der größten bislang entdeckten Anlagen zur Herstellung illegaler Zigaretten in Deutschland. Durch die funktionierende Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden konnte die Tätergruppierung unseres Erachtens nunmehr nachhaltig gestört werden und ein beträchtlicher, auf Dauer angelegter Steuerbetrug in Deutschland und Großbritannien verhindert werden“, so Torsten Elskamp, Vertreter der Leitung des Zollfahndungsamtes Essen.

Die Fahnder des Zollfahndungsamtes Essen schlugen am 18. August nach aufwändigen Ermittlungen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Kleve in Kranenburg zu. Unterstützt wurden sie dabei von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Hauptzollämter Münster und Duisburg sowie Spezialeinsatzkräften des Zolls und der Bundespolizei. In der Halle entdeckten sie die Maschinen der industriellen Produktionsstraße, zahlreiche Vorprodukte wie ca.sechs Tonnen Tabak, Filter- und Zigarettenpapier, Umverpackungen und etwa 11 Millionen Stück dort produzierter, gefälschter Zigaretten der Marke „Richmond“. Vor Ort konnten auch drei Lieferfahrzeuge sichergestellt werden, die nötig waren, um die Ware zu transportieren.

Die Täter wurden „in flagranti“, auch unter Einsatz der Spezialeinheit des Zolls (ZUZ), in der Halle überrascht. Insgesamt zwölf tatverdächtige Männer aus Polen und der Ukraine im Alter von 28 bis 59 Jahren wurden festgenommen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Kleve erging gegen alle Personen Haftbefehl durch das Amtsgericht Kleve wegen des Verdachtes der bandenmäßigen Steuerhinterziehung durch die illegale Herstellung von unversteuerten Zigaretten.

Den Hinweis zur Einleitung der Ermittlungen unter Federführung der Staatsanwaltschaft Kleve erhielten die Fahnder des Zollfahndungsamtes Essen-Dienstsitz Münster im März, via EUROPOL, der europäischen Koordinierungsbehörde, von der polnischen Polizeieinheit CBS (Centralne Biuro Sledcze), zuständig für die Bekämpfung der organisierten Kriminalität.

Erste Beweisauswertungen führten die Fahnder auf die Spur eines verdächtigen Objektes in den Niederlanden. Nach Spontanmitteilung an die niederländischen Zollbehörden führte die niederländische Zollkontrolle auf einer ehemaligen Pilz-Farm zur Auffindung einer großen Menge an Vormaterialien, wie Filter und Verpackungen, mutmaßlich für die illegale Zigarettenproduktion im Kreis Kleve.

Nach ersten Ermittlungen und Hochrechnungen stellte die mutmaßlich kriminelle Bande in der Anlage am Niederrhein Zigaretten in einem Produktionsvolumen von ca. 10 Millionen Stück pro Woche her. Produziert wurden unterschiedliche Marken, u.a. „Richmond“, „Regal“ „Richman“ und „Mayfair“.Die Zigaretten waren nach derzeitigen Erkenntnissen hauptsächlich für den britischen Schwarzmarkt bestimmt. Der Steueranteil auf legal verkaufte Zigaretten pro Stange in Großbritannien beträgt rund 70 Euro und damit fast doppelt so viel wie in Deutschland.

Theo Stoffelen, der Vermieter der Halle, in der die Zigaretten illegal produziert wurden, sagt, dass er nichts von dem verbrecherischen Treiben seiner Mieter mitbekommen habe – und wenn, hätte er auch sofort die Polizei alarmiert. „Als ich die Halle vermietet habe, wurde mir gesagt, dass dort eine Verpackungsfirma errichtet werden soll, für Kugelschreiber und solche Sachen“, so Stoffelen.

Trotz der vermutlich exorbitant hohen Gewinne, die die illegale Zigarettenproduktion abwarf, waren Stoffelens Mieter alles andere als zuverlässig. Manchmal blieb die Miete aus. Stoffelen: „Dann habe ich das Tor zum Gelände abgeschlossen. Da rief der Vermieter sofort an und beschwerte sich, dass seine Leute nicht hereinkommen. Ich habe dann gesagt: Erst die Miete bezahlen.“ Das geschah jedes Mal sehr schnell, sodass die Produktion weiterlaufen konnte – bis zum 18. August.


Schmelzende! Eiscafé Cortina an der Hoffmannallee: Im Oktober ist Schluss, aus familiären Gründen

rd | 25. August 2020, 12:29 | 43 Kommentare
Mutter und, unverkennbar, Tochter: Maria und Laura Russo vom Eiscafé Cortina
Etwas Großstadtflair in der Kleinstadt

Gefühlt befand sich dort „schon immer“ ein Eiscafé, doch im vergangenen Vierteljahrhundert waren es erst Maria Russo und anschließend ihre Tochter Laura, die dem unscheinbaren Ladenlokal an der Hoffmannallee, gegenüber der Agentur für Arbeit, die Grandezza einhauchten, die sonst nur südlich der Alpen zu finden ist, wo man mitunter auch an vielbefahrenen Straßen sitzt, den Autoverkehr allerdings nicht als störend, sondern als so normal empfindet wie das Meeresrauschen in der Strandbar.

So war es im Cortina, das dem wissenden Klever das geschätzteste Eiscafé von allen war, nicht nur wegen der (ohne künstliche Zutaten) erstellten, köstlichen Eissorten, nicht nur wegen des ausgezeichneten Cappuccinos und auch nicht wegen der belegten Brötchen (die auf Wunsch der älteren Kundschaft mit ins Programm aufgenommen wurden), sondern wegen der einzigartigen Atmosphäre, die ein Publikum anzog, welches problemlos in der Lage war, mit ein paar großen Linien die Weltenläufte zu erklären, nebenbei die Aldiprospekte zu scannen und außerdem über Krankenstände aller Art bestens informiert war. Die Dialoge, denen man am Nebentisch in der Regel unfreiwillig fasziniert zuhörte, brachten dem Café und seinen Gästen sogar eine Erwähnung im Kabarettprogramm von Ludger Kazmierczak (WDR) ein, der dort ebenfalls öfter einkehrte.

Doch all dies kommt nun an ein Ende, Kleve wird um eine liebenswürdige gastronomische Institution ärmer: Ende Oktober, wenn normalerweise nur die Winterpause begonnen hätte, stellt das Cortina die Kühltheke aus – für immer. Schmelzende! „Das ist mein Zuhause hier“, sagt Laura Russo. Doch unter der hohen Belastung litt die Familie, weshalb nun, nach 26 Jahren, der Schlussstrich gezogen wird. „Wir hören aus familiären Gründen auf“, so Laura Russo. Bereits Anfang des Jahres, noch vor der Pandemie, sei die Entscheidung gefallen, nun werden die Tage gezählt. Russo: „Wir danken allen Gästen, die uns so viele Jahre die Treue gehalten haben.“ Den heutigen Tag eingerechnet, sind es nur noch 68. Sehr, sehr schade! (Also schnell noch hin!)

informazioni speciali: Soweit ich das überblicke, ist dann das Eiscafé Primavera an der Emmericher Straße das letzte der einstmals mindestens sechs von Italienern geführten Eiscafés in der Stadt. Woraus man eigentlich gut ein hier im letzten Absatz verstecktes kleveblog-Sommerrätsel machen könnte: Welches waren die (mindestens) vier anderen Eiscafés? Derjenige, der als erster vier (oder mehr) aufzählt, erhält als Hauptgewinn einen Cortina-Schokobecher.


Blick nach Emmerich: Noch schnell ein paar Vögel für die Zählung nachmelden!

rd | 24. August 2020, 23:20 | 5 Kommentare
Unglaubliche Bilder

Mehr Vögel geht nicht: Wer in Emmerich die Aldegundiskirche kennt, weiß, dass sich dort alljährlich die Stare vor dem Abflug sammeln. Autos besser nicht in der Nähe des Baums parken. Aber die Masse an Vögeln, die heute ihre Kurven um das Gotteshaus zog, war phänomenal – ein Naturschauspiel erster Güte!


Corona-Überblick: Neue Fälle, viel Quarantäne

rd | 23. August 2020, 16:58 | 12 Kommentare
5 Wochen hält die Tabelle noch, dann muss die x-Achse erneut gestaucht werden. Wer hätte das gedacht, als die Aufzeichnung der Wochenwerte gestartet wurde?

Die Zahl der mittlerweile erfassten Corona-Infektionen im Kreisgebiet ist auf 1021 gestiegen (plus 9), die Zahl der Menschen, die sich infolge von Infektionen in ihrem Umfeld in Quarantäne begeben müssen, beträgt inzwischen 562 (plus 84). Corona bleibt eine Bedrohung, auch wenn, wer sich am Wochenende die Verhältnisse in der Klever Gastronomie angeschaut hat, durchaus zu der Erkenntnis gelangen konnte, dass einigen Zeitgenossen das mittlerweile herzlich egal geworden ist.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Vorsicht, wenn Ihnen jemand günstige Handtaschen anbietet!

rd | 22. August 2020, 12:19 | 22 Kommentare
Tatort Große Straße

Sind Handtaschen die neuen Geldautomaten?

Sie haben es schon wieder getan! Oder natürlich vielleicht jemand anderes. Aber die Handschrift, wie die Ermittler sagen, ist eindeutig: Früher Morgen, Klever Innenstadt, Eingangstür zertrümmert – und dann ganz fix alles an Handtaschen mitgenommen, was da war. Vier vier Tagen erwischte es die Boutique Meyer Potz in der Großen Straße, in dieser Nacht war ecco Schuh ein paar Häuser entfernt auf der gegenüberliegenden Seite dran. Das Foto entstand um 4:38 Uhr, als Dallas gegen die Los Angeles Clippers 54:68 (Halbzeit) zurücklag. Es ist also davon auszugehen, dass die Täter nicht zu den Anhängern einer der beiden Mannschaften gehörten, wahrscheinlich sogar nicht zu den Freunden des Basketballsports überhaupt. Das dürfte die Ermittlungen ganz schön voranbringen. Wer noch weitere Hinweise hat: 02821-5040. Empfehlung für weitere Händler, die Handtaschen vorrätig haben: Nach Feierabend gut verstecken.


Flughafen Weeze, ein neues, vernichtendes Urteil (CDU, bitte lesen!)

rd | 19. August 2020, 19:17 | 28 Kommentare
Airport auf Bauzaun der HSRW (2011, Foto Kleinendonk)

Heute veröffentlichte der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) ein Gutachten zur Bewertung der Regionalflughäfen, das zu dem für die in Treue fest erstarrten CDU-Mitglieder im Kreistag überraschenden, für erfahrene kleveblog-Leser jedoch nicht besonders neuen Ergebnis kam, dass es am besten sei, den Flughafen Weeze sofort zu schließen. Oder, um es in der Expertensprache der Verfasser auszudrücken: „Der Beitrag des Passagierverkehrs zur Konnektivität ist mit null zu
bewerten.“ (S. 21) NULL!

Nun könnte man einwenden, der BUND sei irgendeine radikale Ökoorganisation, die sich natürlich niemals mit einem Flughafen anfreunden könne und uns alle am liebsten in die Steinzeit zurückbefördern würde. Allein: Es ist ganz anders. Die drei Verfasser der Studie, Werner Reh, Matthias Runkel und Lea Paoli, haben – wie kleveblog gerne auch – auf die Zahlen des Unternehmens geschaut. Ergebnis: Katastrophe.

Hier ein kleiner Auszug aus der Studie:

Einige Fördertatbestände, die bei genauer Betrachtung als Beihilfen des Betriebs zu werten sind, tauchen weder in den Geschäftsberichten, noch in den Notifizierungen der EU-Kommission auf. Sie können als verdeckte Betriebsbeihilfen gewertet werden. So wandelte z. B. der Kreis Kleve im Dezember 2016 sein Darlehen an den Flughafen Weeze in Höhe von
26,835 Mio. Euro in eine stille Beteiligung um. Damit erspart er dem Flughafen Rückzahlungen, die bis dahin sich auf 1,393 Mio. Euro plus Zinsen von bis dahin 7,5 Mio. Euro. Dass der Kreis dafür Gewinnanteile in Höhe von 24,8 % vom Jahresergebnis erhält, die diesen Einnahmen entsprechen ist bei den Jahresergebnissen des Flughafens reine Fiktion oder anders ausgedrückt: Augenwischerei. Ferner stimmte der Kreistag stimmt einer Reduzierung des Stammkapitals am Airport Weeze zu von 13,025 Mio. auf 8 Mio. Euro zu, um die „Ausschüttungsfähigkeit“ des Airports sicherzustellen. Der Investor könnte somit Geld entnehmen, obwohl parallel Gewinnwarnungen ausgegeben wurden. Weil der Flughafen Weeze-Laarbruch frisches Geld benötigte, erhielt er per Kreistagsbeschluss im Dezember 2019 1,9 Mio. Euro als Betriebsbeihilfe, finanziert zu 48 % von der Gemeinde Weeze und zu 52 %
vom Kreis Kleve. Diese Betriebsbeihilfe wurde nicht in Brüssel angemeldet. Der Geschäftsführer des Niederrhein Airport, van Bebber, fordert derzeit, Corona bedingt, 6 Mio. Euro. Der Kreistag müsste das dann über eine Erhöhung der Kreisumlage gegenfinanzieren. Auch hier handelt es sich um Beihilfetatbestände. (S.13)

Die Wortwahl „Beihilfetatbestände“ sollte die Verantwortlichen aufhorchen lassen, auch ein Wort wie „Augenwischerei“ mitten in einem Gutachten lässt nichts Gutes hoffen. Dr. Sebastian Papst, der designierte Flughafenchef, dürfte vor einer Herkulesaufgabe stehen – oder aber ganz schnell fertig sein. (Der Bericht über Dr. Papst ist noch in Vorbereitung.)

Hier der Link zu der Studie (PDF): Regionalflughäfen. Ökonomisch und klimapolitisch unverantwortliche Subventionen.


kleveblog-Wahlservice: Sie fragen, wir leiten weiter und schauen, wer antwortet

rd | 19. August 2020, 12:20 | 106 Kommentare
Ein paar zufällig ausgewählte Schnappschüsse des Print-Wahlkampfs (weitere folgen)

Hier wie gewünscht auch der Link zum WDR-Kandidatencheck mit kurzen Videos der sechs Bürgermeisterkandidaten: Kandidatencheck Kleve

Die Wahl im Zeichen des Virus – nie war es schwieriger, um Stimmen zu kämpfen, und nie hatten Wähler mehr Mühe, direkt in den Kontakt mit den Kandidaten zu treten. Bei der Podiumsdiskussion der Landratskandidaten gestern Abend im Bühnenhaus Kevelaer waren gerade mal 100 Besucher anwesend, wie viele den Live-Stream verfolgten, ist nicht bekannt.

Wenn der von den Grünen unterstützte, unabhängige Klever Bürgermeisterkandidat Rolf Janßen zu seinen „Klartext“-Gesprächsrunden einlädt, kommen drei Dutzend Interessierte, mehr waren aber beispielsweise im Klever Bahnhof auch organisatorisch gar nicht möglich.

Wie aber können interessierte Bürger an Informationen von den Kandidaten gelangen, wenn Interviews und Berichte hinter den Bezahlschranken verborgen bleiben? Man wird sehen, welche Rolle die Anzeigenblätter mittlerweile spielen, als letzte Bastion frei verfügbarer, gedruckter Information.

Aber auch kleveblog beginnt mit dem heutigen Tage seine Berichterstattung über die anstehenden Wahlen. Einer Anregung aus den Kommentaren folgend, bieten wir hier die Möglichkeit, den Kandidaten Fragen zu stellen. Entweder allen, oder auch einzelnen. Wir sammeln die Fragen und leiten Sie weiter – und gehen mal davon aus, dass es auch im Sinne des Wahlerfolgs der Kandidaten ist, diese zu beantworten. Die Redaktion bittet darum, die Fragen möglichst prägnant zu formulieren und Vorträge und Vorhaltungen auf ein Minimum zu beschränken. Die eingereichten Fragen werden zwar sofort veröffentlicht, die Redaktion wird sie aber gebündelt an die jeweiligen Kandidaten senden und um deren Beantwortung bitten.

Los geht’s!


Kleve bekommt eine Kaffeerösterei: „Joto & Coco“ ziehen in die Kavarinerstraße, Eröffnung im November geplant

rd | 19. August 2020, 11:42 | 20 Kommentare

Noch ist einiges zu tun: Geschäftsführer Eike Lehmann im leergeräumten Schulte-zur-Wißen-Ladenlokal. Am Samstag beginnt der Umbau

Wer hätte das gedacht! Nachdem der Herrenausstatter Schulte zur Wißen sein Geschäft in der Kavarinerstraße geschlossen hatte, sah es zunächst so aus, als drohe am nördlichen Ende der Einkaufsmeile ein längerer Leerstand – das Ladenlokal, von Maurice Zevens vermarktet, war zu groß für den kleinen Existenzgründer und zu klein für die Filiale einer größeren Kette. Doch schon am Samstag werden jetzt die Handwerker in der Immobilie aktiv, und bereits am 2. November soll Kleve dort eine exklusive Kaffeerösterei bekommen – und einiges mehr!

Der Wahl-Pfalzdorfer Eike Lehmann, lange für den bekannten Emmericher Röstmaschinenhersteller Probat im Einkauf tätig, wird das neue Geschäft in der Kavarinerstraße eröffnen. Joto & Coco Kaffeebrenner soll das Geschäft heißen – woher der Name kommt, soll (noch) ein Geheimnis bleiben. „Wir werden neben Hausmarken weitere exquisite Sorten anbieten, die wir im Ladenlokal rösten werden“, kündigt Eike Lehmann an.

Doch das ist noch lange nicht alles. Die Rösterei soll im vorderen Teil des Geschäfts stattfinden, unter der fachkundigen Aufsicht von Eike Lehmann. Der Raum dahinter soll, wie Lehmann sagt, dem „Interior Design rund um das Thema Kaffee“ gewidmet sein. Darunter versteht Eike Lehmann unter anderem die richtigen Gefäße für das Getränk – „jeder Kaffee braucht seine eigene Tasse“ –, aber auch Gerätschaften zur Zubereitung und Verfeinerung des Getränks.

Außerdem ist der Bereich für den Ausschank der eigenen Röstungen sowie für Events vorgesehen. Das können zum Beispiel Kaffeeproben sein, aber auch Verkostungen anderer Getränke, die mit Kaffee im Zusammenhang stehen – passende Spirituosen oder auch Biere, die – man staune – mittlerweile mit dem Zusatz von Kaffee gebraut werden. Der Schwerpunkt soll dabei auf Produkten aus der Region liegen – was beim Kaffee selbst allerdings naturgemäß nicht möglich ist.

„Das wird eine runde Sache“, ist Eike Lehmann überzeugt. Die Händler der wohl schönsten Klever Einkaufsstraße dürften sich auch freuen, dass ein weiterer Geschäftsmann mit einem ambitionierten Konzept das Angebot in der Straße vergrößert. Und zur Bereicherung für das gastronomische Leben der Stadt dürfte Joto & Coco ebenfalls beitragen. kleveblog wünscht gutes Gelingen beim Umbau und viel Erfolg mit dem Konzept!

Weitere Berichte aus der Kavarinerstraße:

Aus der Geschäftswelt: mittendrin (Kavarinerstr.) widmet sich der Teekoration

Der nächste Coup: Zevens kauft Schulte-zur-Wißen-Immobilie


Meyer-Potz: Rumms! Und weg!!

rd | 18. August 2020, 15:22 | 3 Kommentare
Mülltonne als Rammbock: Der Eingang der Boutique Meyer-Potz, wie er sich heute Nacht der Polizei präsentierte

3:48 Uhr, eine nicht ganz friedliche Sommernacht in der Klever Innenstadt. Ein lautes Rumms! weckt Anwohner an der Großen Straße auf, auch ein Zeitungszusteller hört den plötzlichen Lärm. Unmittelbar vor dem Eingang der Boutique Meyer-Potz steht ein dunkelblauer Golf, davor zwei ineinandergesteckte Mülltonnen, die als Rammbock genutzt wurden. Der Fahrer des Golf hatte die Behältnisse mit der Kraft des Wagens gegen das Sperrgitter und die dahinter liegende Glastür gedrückt, sodass das Metallkonstruktion weggebogen wurde und die Tür zerbarst. Durch die Lücke verschafften sich einer oder zwei Männer Zugang zu dem Geschäft und stahlen hochwertige Damenhandtaschen. Anschließend sahen Zeugen, wie zwei Männer zu Fuß über die Straße Gerwin flüchteten. Dort verlor sich die Spur der Täter. Wie die Polizei feststellte, war der VW Golf kurz zuvor am Friedrich-Ebert-Ring gestohlen worden. Die Mülltonnen müssen, wie der Adressaufkleber nahelegt, von der Schlosstorstraße zum Tatort geschafft worden sein. Nun sucht die Polizei Zeugen, die insbesondere zu der sogenannten Vortatphase Angaben machen können (Tel. 02821-5040).

Am Nachmittag waren Handwerker mit der Reparatur der Eingangstür beschäftigt

Der Vorfall erinnert fatal an ein Delikt am 23. Dezember des vergangenen Jahres: Damals rammten unbekannte Täter um 3 Uhr nachts mit einem Opel die Eingangstür des bekannten Geschäfts auf und bedienten sich ebenfalls bei den hochwertige Handtaschen für die modebewusste Dame.


Corona: 1000-er-Marke ist geknackt (leider)

rd | 18. August 2020, 14:57 | 1 Kommentar
Werden wohl noch länger auf Gehwegen und vor Gesichtern zu sehen sein: Mund-Nase-Masken

Wer sich darauf freute, dass die Seuche den Rückzug angetreten zu haben schien, wird seit einigen Tagen eines Besseren belehrt. Und heute, 161 Tage, nachdem der erste Corona-Fall im Kreisgebiet verzeichnet wurde, hat die Zahl der erkannten Infektionen die 1000-er-Marke geknackt. Exakt 1002 Fälle meldete der Kreis heute mittag, nochmals fünf mehr als gestern. Einer von 310 Einwohnern des Kreises hat also das Virus nunmehr gehabt, oder anders gesagt: 3 Promille.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Kaskade… hält

rd | 17. August 2020, 16:54 | 46 Kommentare
Reichlich Wasser ging gestern geordnet den Bach runter (Foto: Christian Flock)

Ästhetisch überzeugte die nach dem Erdrutsch neu abgesicherte Kaskade, aber nach gestern kann sich Bernd Klockhaus, der Chef des Tiefbauamts in Kleve, entspannt zurücklehnen: Die Kaskade hält! Selbst die 17 Hektoliter pro Quadratmeter Regen, die gestern über Kleve niedergingen, schluckte das Bauwerk locker wie ein Glas Kölsch weg – Härtetest bestanden!


Durchsagen aus der NordWestBahn, die man nicht so gerne hört

rd | 17. August 2020, 15:52 | 3 Kommentare

Sehr geehrte Fahrgäste, ich habe gerade eine Nachricht bekommen, dass wir hier stehen bleiben müssen und die Polizei die Strecke zwischen Weeze und Kleve gesperrt hat. Das steht wohl im Zusammenhang damit, dass es hier letzte Woche einen Personenunfall gegeben hat. Ich fass es nicht, dass die jetzt nach den Teilen suchen wollen!

Am Samstag so vernommen

Corona: Kranenburger Kita-Kind positiv getestet, Kita bis zum 26. August komplett geschlossen

rd | 17. August 2020, 12:18 | 1 Kommentar

(Aktualisiert) Zwei Schulkinder waren bereits positiv getestet worden, jetzt auch ein Kita-Kind – der Corona-Fall der mehrfachen Mutter aus Kranenburg zieht immer weitere Kreise. Das Kleinkind besucht wie sein Geschwisterchen die Kita der Lebenshilfe in Kranenburg-Nütterden. Über das weitere Vorgehen wurde am Mittag entschieden: Alle Erzieherinnen und Kinder werden getestet und verbleiben in Quarantäne. Für das andere Kind lag am Wochende bereits ein negatives Testergebnis vor.

Hier die vollständige Pressemitteilung des Kreises:

Am heutigen Montag, 17. August 2020, 11.30 Uhr, liegen dem Kreisgesundheitsamt insgesamt 997 labordiagnostisch bestätigte Corona-Infektionen seit Beginn der Corona-Pandemie vor. 

Von den 997 Indexfällen sind 49 in Bedburg-Hau, 110 in Emmerich am Rhein, 210 in Geldern, 108 in Goch, 34 in Issum, 34 in Kalkar, 46 in Kerken, 76 in der Wallfahrtsstadt Kevelaer, 121 in Kleve, 17 in Kranenburg, 58 in Rees, 18 in Rheurdt, 70 in Straelen, 10 in Uedem, 15 in Wachtendonk und 21 in Weeze. 

Corona-Fall an Kita in Kranenburg-Nütterden

Am Wochenende waren beim Gesundheitsamt des Kreises Kleve bekanntlich zwei positive Corona-Fälle von Kindern an Klever Schulen eingegangen. In diesem Kontext stand noch das Testergebnis eines Kita-Kindes aus. Soeben erhielt das Gesundheitsamt die Information, dass für dieses Kind ein positives Testergebnis vorliegt. Nach Rücksprache mit der Kita-Leitung wurde der komplette Kindergarten der Lebenshilfe in Kranenburg-Nütterden geschlossen. Die Kinder sowie die Mitarbeitenden der Kita werden kurzfristig auf das Corona-Virus getestet. 

7-Tage-Inzidenz / Personen in Quarantäne

Es muss weiterhin davon ausgegangen werden, dass diese Zahlen nicht den tatsächlichen Sachstand widerspiegeln, da zum einen laufend neue Fälle gemeldet werden und zum anderen mit hoher Wahrscheinlichkeit zahlreiche unentdeckte Infizierte eine schwer zu schätzende Dunkelziffer bilden.

Von den insgesamt 997 bestätigten Corona-Fällen sind 885 Personen genesen und 37 Personen verstorben. Aktuell befindet sich zwei Personen im Krankenhaus.

Die 7-Tage-Inzidenz entspricht der Anzahl der in den letzten sieben Tagen neu gemeldeten Fälle pro 100.000 Einwohner. In diesem Zeitraum gab es im Kreisgebiet 37 neue labordiagnostisch bestätigte Corona-Infektionen. Dies ergibt im Kreis Kleve eine 7-Tage-Inzidenz von 11,8. 

Aktuell befinden sich insgesamt 432 Personen in häuslicher Quarantäne. 


Corona: Die ersten Fälle in Klever Schulen (Joseph Beuys, Karl Kisters) sind da!

rd | 15. August 2020, 19:31 | 67 Kommentare

(Aktualisiert, mit den neuen Zahlen des Kreises am Ende) Drei Tage nach Schulbeginn melden Kleve und Kevelaer die ersten Fälle mit infizierten Schülern! Und wer an den ersten Tagen gesehen hat, wie der Schulbusverkehr ausgesehen hat, weiß, es werden nicht die letzten sein. Ausgangspunkt der Fälle in Kleve ist eine Familie mit sechs Kindern in Kranenburg, bei der die Mutter positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Zwei der Kinder besuchten die weiterführenden Schulen Joseph-Beuys-Gesamtschule sowie die Karl-Kisters-Realschule. Alle Klassenkameraden und Lehrer werden nun ebenfalls getestet, für alle Schüler der beiden Klassen wurde Quarantäne angeordnet. Ein weiterer Fall betrifft eine Grundschule in Kevelaer. Hier die vollständige Pressemitteilung des Kreises zu den neuen Fällen:

Nur wenige Tage nach Beginn des Schul- und Kindergartenjahres sorgt ein positives Corona-Testergebnis bei einer Mutter von 6 Kindern für ein weiteres arbeitsreiches Wochenende beim Gesundheitsamt des Kreises Kleve. Denn 5 der 6 Kinder besuchen eine Schule oder eine Kita. Das positive Laborergebnis der Mutter ging am Donnerstag, 13. August 2020, beim Gesundheitsamt ein. Da Mutter und Kinder in einem Haushalt leben, wurden die Kinder als so genannte „Kategorie-1-Kontakte“ eingestuft. Das bedeutet, sie stehen seit Donnerstag unter Quarantäne und wurden bereits auf das Corona-Virus getestet. Gleichzeitig wurden die drei Schulen und die betroffene Kita über diesen Sachverhalt informiert, da die Kinder am Mittwoch dort waren. Alle erhielten von Gesundheitsamt entsprechende Informationsschreiben für die Eltern. 

Am heutigen Samstag, 15. August, gingen beim Gesundheitsamt die ersten Ergebnisse ein. 1 Schulkind der Klasse 9 c der Joseph-Beuys-Gesamtschule in Kleve und 1 Schulkind der Klasse 6 b der Karl-Kisters-Realschule in Kleve-Kellen haben ein positives Laborergebnis und sind damit selbst Indexfälle. Das Gesundheitsamt informierte umgehend telefonisch die beiden Schulleitungen. Die Klassen, die die Kinder besucht haben und die jeweiligen Klassenlehrer wurden ebenso als „Kategorie-1-Kontakte“ eingestuft wie die von einem Index-Kind besuchte Betreuungsgruppe an der Karl-Kisters-Realschule. Hier sind 3 Kinder und 1 Betreuungsperson betroffen. Am Montag werden mit Hochdruck die erforderlichen Testungen der betroffenen Klassen und Gruppen organisiert. Die Parallelklassen / Jahrgangsstufen an der Karl-Kisters-Realschule gelten lediglich als „Kategorie-2-Kontakte“. Das Testergebnis des 3. Schulkindes ist negativ (Grundschule St. Georg in Kranenburg-Nütterden). Die beiden Kleinkinder besuchen denselben Kindergarten der Lebenshilfe in Kranenburg-Nütterden. Für 1 Kind liegt ein negatives Testergebnis vor; 1 Laborergebnis liegt noch nicht vor. 

Ebenfalls am Donnerstag, 13. August 2020, ging beim Gesundheitsamt das positive Laborergebnis einer Betreuungsperson des Offenen Ganztags an der Franziskus-Grundschule in Wallfahrtsstadt Kevelaer-Twisteden ein. Die Kontaktpersonen aus dem Bereich des Offenen Ganztags – Schülerinnen, Schüler und Kollegen – wurden bereits durch das Abstrichteam des Gesundheitsamts getestet und stehen unter Quarantäne. 

„Diese ersten Fälle nur wenige Stunden nach Beginn des Schuljahres zeigen, dass die Dynamik der Corona-Pandemie weiterhin sehr hoch ist und nicht unterschätzt werden darf“, so Landrat Wolfgang Spreen. „Wir alle sind und bleiben aufgerufen, die Abstands- und Hygieneregeln auch weiterhin zu beachten.“

Am heutigen Sonntag, 16. August 2020, 13:30 Uhr, liegen dem Kreisgesundheitsamt insgesamt 994 labordiagnostisch bestätigte Corona-Infektionen seit Beginn der Corona-Pandemie vor. 

Von den 994 Indexfällen sind 49 in Bedburg-Hau, 110 in Emmerich am Rhein, 210 in Geldern, 108 in Goch, 34 in Issum, 34 in Kalkar, 46 in Kerken, 76 in der Wallfahrtsstadt Kevelaer, 120 in Kleve, 17 in Kranenburg, 58 in Rees, 18 in Rheurdt, 70 in Straelen, 10 in Uedem, 14 in Wachtendonk und 20 in Weeze. 

Es muss weiterhin davon ausgegangen werden, dass diese Zahlen nicht den tatsächlichen Sachstand widerspiegeln, da zum einen laufend neue Fälle gemeldet werden und zum anderen mit hoher Wahrscheinlichkeit zahlreiche unentdeckte Infizierte eine schwer zu schätzende Dunkelziffer bilden.

Von den insgesamt 994 bestätigten Corona-Fällen sind 880 Personen genesen und 37 Personen verstorben. Aktuell befindet sich zwei Personen im Krankenhaus.

Die 7-Tage-Inzidenz entspricht der Anzahl der in den letzten sieben Tagen neu gemeldeten Fälle pro 100.000 Einwohner. In diesem Zeitraum gab es im Kreisgebiet 41 neue labordiagnostisch bestätigte Corona-Infektionen. Dies ergibt im Kreis Kleve eine 7-Tage-Inzidenz von 13,1. 

Aktuell befinden sich insgesamt 401 Personen in häuslicher Quarantäne. 

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


30,8°, Unwetter dräuen (oder doch nicht), 31,4°…… aber nun: 32°, Tische reinstellen, gleich nur noch 24°

rd | 11. August 2020, 17:39 | 17 Kommentare
Geladene Stimmung: Himmel über Kleve
Kleve (gelbes Quadrat) wirkt umzingelt (Grafik: Buienradar)

RTL2-Bordelltesterin vor Gericht: „Die Sendung hatte mit der Wirklichkeit nichts zu tun“

rd | 11. August 2020, 14:27 | 24 Kommentare
Johannes und Ursula O. mit ihren Verteidigern Malte Englert (l.) und Ulrich Bauschulte (r.) hinter Plexiglas
In der BILD-Zeitung berichtete Ursula O. über ihre Tätigkeit als Bordelltesterin – vor Gericht hieß es nun, die RTL2-Beiträge der Reihe „Rotlichtexperten im Einsatz“ seien frei erfunden

Die Reportagereihe bei RTL2 hieß „Rotlichtexperten im Einsatz“, es gab mehrere Dutzend Folgen, in denen die Gocher Bordellchefin Ursula O. zusammen mit einem Partner heruntergekommene Bordellbetriebe besuchte und wieder auf Vordermann brachte. Auf der Website Rotlichtexperten.de heißt es über die Sendung: „Wenn der Puff verstaubt ist und die Kunden nicht mehr kommen, rufen verzweifelte Bordellbesitzer die Experten zu Hilfe. „EXKLUSIV – DIE REPORTAGE“ begleitet die Rotlicht-Experten Michael B[…] und Ulla O[…] bei ihrer außergewöhnlichen Mission.

Die Sendung, die vorgab, hinter die Kulissen des Gewerbes zu blicken, brachte es im Kuriositätenkabinett des randständigen Privatfernsehens zu einiger Bekanntheit, und sogar in der Bild-Zeitung durfte Ursula O. im März 2015 über ihre Testerfahrungen berichten: „In einem Betrieb war überall getrocknetes Sperma auf den Kissen und Sofas, das war so eklig. In vielen Clubs waren die Mädels ungepflegt, es lag ein schlechter Geruch in der Luft. Schlechtes Essen ist auch ein Thema, teilweise liefen schon kleine Tierchen aus dem Buffet. Und in einem Laden war der Chef sein bester Gast, er saß im Bademantel an der Bar und ließ sich von den Mädels verwöhnen. Da bin ich sofort wieder gegangen.“ Sogar ein angeblicher „Test-Freier“ namens Manni kam zum Einsatz, der, so suggerierte es die Sendung, mit versteckter Kamera die intimen Serviceleistungen aufzeichnete.

Ihr Expertenwissen bezog Ursula O. aus dem Bordell „FKK van Goch“, das die gelernte Buchhalterin mit ihrem Mann Johannes O. seit dem 14.7.2007 an der Benzstraße in Goch betrieb. Vorher hatte sie mit ihrem Mann ein Sonnenstudio in Gladbeck geführt, dann dort den Club „Die blaue Lagune“. Zu den Besuchern des Sonnenstudios zählten auch Prostituierte. „Sie beschwerten sich, wie dreckig ihr Bordell ist, wie doof sie behandelt werden“, so Ursula O. zur Bild-Zeitung. Das sei der Beweggrund gewesen, es selbst in die Hand zu nehmen und besser zu machen.

Das „FKK van Goch“ lief gut. So gut sogar, dass Johannes O., gelernter Trockenbauer, 2014 einen Erweiterungsbau einrichtete, in der benachbarten Immobilie, die zuvor einem Gocher CDU-Politiker gehört hatte. 2500 Quadratmeter maß das der käuflichen Liebe vorbehaltene Areal nun, bis zu 40 Frauen sollen dort gleichzeitig tätig gewesen sein. Gäste mussten 30 Euro Eintritt bezahlen, im Preis inbegriffen waren die Nutzung der Sauna, Essen vom Büffet, drei alkoholfreie Getränke sowie ein Bademantel, der beim Betreten des Etablissements ausgereicht wurde. Die sexuellen Leistungen mussten separat bezahlt werden, und Schilder wiesen darauf hin, dass diese von den Damen vor Ort als selbstständig handelnde Unternehmerinnen erbracht werden.

Der Hinweis bestand nicht ohne Grund: Schon vor acht Jahren gab es vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Kleve einen Prozess gegen den Emmericher Bordellbetrieb „Fun Garden“, der ähnlich organisiert war wie das „FKK van Goch“. Auch damals gab das Betreiberehepaar vor, lediglich als Raumvermieter für selbstständig tätige Prostituierte tätig gewesen zu sein. Bei einer Razzia jedoch fanden Staatsanwalt Hendrik Timmer und seine Ermittler zahlreiche Indizien, die den Verdacht nährten, die Selbstständigkeit sei nur Fassade.

Mit dieser Auffassung verfasste er eine Anklage, der das Landgericht Kleve letztlich nach einem monatelangen Prozess weitgehend folgte und die Betreiber zu Haftstrafen verurteilt. Das Urteil hatte vor dem Bundesgerichtshof Bestand, schrieb bundesdeutsche Rechtsgeschichte und führte in der Folge in Kleve (und in anderen deutschen Städten) zu einigen weiteren Prozessen. Aktuell ist die Verurteilung wegen des Bordells „Casa Rossa“ (Emmerich-Elten) vor dem Bundesgerichtshof anhängig.

Ursula O. war also gewarnt, und entsprechend vorsichtig agierte sie. Zur Erfassung der Geschäftsdaten kam sogar eine Software zum Einsatz, „WiSo Mein Büro“. Jede Prostituierte hatte eine eigene Nummer (um wegen der wechselnden Künstlernamen den Überblick zu behalten), die Liste ging bis Nr. 594.

Dennoch schaute im Jahre 2016 Staatsanwalt Timmer mit großem Aufgebot auch an der Benzstraße in Goch vorbei. Seit heute werden die Ergebnisse vor dem Landgericht Kleve verhandelt, wieder vor der Wirtschaftsstrafkammer unter Vorsitz von Richter Christian Henckel. Diesmal geht es um Abgaben in Höhe von 1.928.270,04 Euro, die den Finanzbehörden durch das Geschäftsmodell vorenthalten worden sein sollen. Das Ehepaar ließ durch seinen Anwalt, Ulrich Bauschulte aus Köln, vortragen, dass die Geschäfte den Vorschriften entsprechend abgewickelt worden seien.

Dann kam der Jurist im Namen der Betreiberin auf die RTL-Reportagereihe zu sprechen. Was er dort offenbarte, lieferte einmal mehr einen betrüblichen Einblick in die Wirklichkeit des privaten Fernsehens. Obwohl die Sendungen einen investigativen und journalistischen Anstrich haben, handelt es sich offenbar komplett um voyeuristische Hirngespinste der verantwortlichen Produzenten.

Die „Bordelltests“ liefen unter dem Arbeitstitel „Pimp my Puff“ und begannen mit einem Fehlschlag. Der Betreiber eines Bordells in Bruchsal, für die erste Sendung ausgeguckt, dachte, sein Laden werde auf Kosten von RTL renoviert. Als das Team nur ein wenig umdekorierte, wurde er wütend und warf er die Fernsehmannschaft raus. Verzweifelt baten die Produzenten, so berichtete es der Rechtsanwalt vor dem Landgericht, nun Frau O. um Hilfe.

Ursula O. fragte Bekannte, und so kam es zu einem Dreh in Dorsten, aber, so Bauschulte für seine Mandantin, „der Club hatte überhaupt kein Problem“. Sämtliche Mängel seien erfunden worden, und die an der Theke arbeitende Frau, eine gekaufte Darstellerin und nicht zum eigentlichen Personal des Clubs gehörend, sei noch auf die Idee gekommen, Zigarre zu rauchen, um noch abschreckender auf die Kundschaft zu wirken.

„Alle Sendungen haben nichts mit der Realität zu tun“, so der Anwalt. Die als Betreiber vorgestellten Personen seien nicht die Betreiber gewesen, und es habe auch keinen „Test-Freier“ mit versteckter Kamera gegeben. Das Kamerateam der Sendung sei einfach mitgelaufen. „Die Sendung hatte nichts mit der Wirklichkeit zu tun.“ Frau O. habe nur daran teilgenommen, weil sie 1000 Euro Gage pro Drehtag erhalten habe und die Sendung Werbung für ihren Club gewesen sei.


Trotz oder wegen Corona?

rd | 11. August 2020, 12:09 | 1 Kommentar
Ausriss der Pressemitteilung des Kreises von heute: Nicht ganz perfekt formuliert…

Corona: Die Sache mit der Hochzeit ist noch nicht durch

rd | 09. August 2020, 16:15 | 36 Kommentare
Die Silhouette der Stadt Kleve wird’s wohl nicht mehr: Corona-Kurve, Stand 8.8.

Die Nachtestungen bei den Hochzeitsgästen führen zu neuen Fällen, aber die Tendenz zeigt wieder nach unten:

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


35,8°… 35,3°… 33°… 27,5°… 26°… 24°… 22,5°… 24,1°… 33,5°… 34,1°… 30,5°… 27,8° 31,5°… 34… 23,3°… 26,9°… 33,2°

rd | 08. August 2020, 14:04 | 2 Kommentare
Glut in 151,677 Millionen Kilometer Entfernung und hier auch.
Cyberkühlung für Geplagte

Was ein Wochenende! Hubert Reyers (wetter-niederrhein.de):„Meteorologen haben mal weit in die Vergangenheit zurückgeschaut: Die aktuelle Dürre am Niederrhein, die nun schon drei Jahre andauert, ist für die Böden und die Vegetation die extremste Trockenheit seit mindestens 1766.“

(Quelle für die Temperaturen: buienradar.nl, Stand Dienstag, 12:04 Uhr)


1000 Arbeitsplätze, jetzt ist Ulrike Ulrich dran

rd | 07. August 2020, 12:07 | 71 Kommentare

Dass der Flughafen Weeze tausend Arbeitsplätze geschaffen hat, ist das Mantra, das die CDU vor sich her trägt, um die nicht enden wollende Serie von Millionenzuschüssen für das gescheiterte „Leuchtturmprojekt“ des Kreises Kleve zu rechtfertigen. Und, auch wenn das Wochenende vielleicht zu schön ist, um sich mit den Wortschwällen zu beschäftigen, mit denen die Wähler in die Irre geführt werden sollen, müssen wir uns an dieser Stelle dem großen Abschiedsinterview widmen, das die scheidenden Fraktionsvorsitzende der CDU im Kreistag, Ulrike Ulrich, dem neuen Lokalchef der Rheinischen Post, Ludwig Krause (herzlich willkommen zurück!), gegeben hat, denn da wird das Märchen von tausend Arbeitsplätzen unverdrossen weiter zum Besten gegeben – oder sogar noch gesteigert, denn nun sind es sogar fast schon 7047 Mitarbeiter! Großes Kino!

Das Wort hat also Ulrike Ulrich (in Klammern kleveblog-Erläuterungen dazu): „Nach den aktuellen Zahlen der zuständigen Agentur für Arbeit ungefähr 1000. (Zuständig ist die Agentur für Arbeit in Wesel. Dort hat kleveblog nachgefragt. Eine solche Aufstellung ist dort nicht bekannt. Und selbst, wenn es sie gäbe, dürfte sie aus Gründen des Datenschutzes nicht nach außen gegeben werden. 5 Pinocchios auf einer Skala von 1-5!) Direkt angestellt am Flughafen sind 82. (So steht es zumindest im Geschäftsbericht des Flughafens, was aber nichts darüber sagt, wie vielen Vollzeitstellen das entspricht. 0 Pinocchios!) Hinzu kommen die Flugbegleiter, die Piloten, der Sicherheitsdienst, die Reinigung, die Mitarbeiter der Tankanlagen, das sind dann noch einmal rund 800. (Der Reihe nach: Die Piloten sind in Malta angestellt, tragen also zum deutschen Sozialversicherungssystem nichts bei. Die Flugbegleiter arbeiten unter prekären Bedingungen (bezahlt werden nur die reinen Flugstunden), selbst wenn man pro in Weeze stationierter Maschine 5 Flugbegleiter rechnet, sind wir dann jetzt erst bei 25. Der Sicherheitsdienst kann bei sechs oder sieben Starts pro Tag auch nicht in Vollzeit gerechnet werden, außerdem absolvieren viele der Mitarbeiter eine (vom Arbeitsamt subventionierte Ausbildung). Wir sind großzügig: 20. Summe 45. Das heißt, im Bereich der Reinigung und Tankanlagen müssten noch einmal 755 Mitarbeiter beschäftigt sein, um auf die Zahl von „rund 800“ zu kommen. 5 Pinocchios!) Und dann kommen noch 135 für die Geschäfte und die Reisebüros hinzu, so dass im Juni die Zahl bei 1000 lag. (Welche Geschäfte? Der eine Kiosk? Der völlig sinnlose Informationsstand der Kreis-Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft? Ein paar Teilzeitbeschäftigte in Reisebüros seien zugestanden. 4 Pinocchios!) Schaut man dann beispielsweise noch auf Parookaville mit 30 Mitarbeitern und 6000 Aushilfen, sieht man die Kreise, die das zieht. (Parookaville nutzt das Gelände! Nicht den Flughafen!! Außer die paar DJs, die mit Privatjets anreisen. 5 Pinocchios!)

kleveblog meint: Der Durchschnitt von 3,6 Pinocchios zeigt: Wir haben es mit einem Paradebeispiel politischer Unverfrorenheit zu tun.


Corona constant

rd | 04. August 2020, 15:17 | 25 Kommentare

Weiterhin 923 Infektionen:

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Hochschule: Der Präsident spricht selbst, Pressesprecherin geht nach Kamp-Lintfort

rd | 04. August 2020, 12:01 | 13 Kommentare
Versetzt nach Kamp-Lintfort: Gabriele Stegers

(Aktualisiert) Ihr war es zu verdanken, dass die Außendarstellung der Hochschule Rhein-Waal in den vergangenen Jahren professionell geworden war. Als Marketingchefin und Pressesprecherin sorgte Gabriele Stegers seit 2017 an der HSRW dafür, dass der Schwall an verrückten Nachrichten, der in den Jahren zuvor über die Presse ergossen wurde, fokussierter floss und ein bisher nicht gekanntes Kriterium namens Relevanz Einzug hielt bei der Entscheidung, was nach draußen gegeben wurde und was nicht.

Doch erfolgreiche Arbeit führt an der HSRW nicht unbedingt dazu, dass man auf seinem Posten bleiben kann, und so verlässt nun Gabriele Stegers die Stabsstelle Kommunikation und Marketing. Die Kommunikationsfachfrau, die vom Hochtief-Konzern an die Hochschule gewechselt war, geht zur Fakultät Kommunikation und Umwelt nach Kamp-Lintfort. Das teilte der Präsident der Hochschule Rhein-Waal, Dr. Oliver Locker-Grütjen, heute persönlich im für ihn typischen gestelzt-gespreizten Stil der Öffentlichkeit mit. Unter dem Betreff „Umstrukturierung der Stabsstelle und des Teams Kommunikation und Marketing“ versandte Locker-Grütjen die folgende Mail an die Presse:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

gerne setze ich Sie darüber in Kenntnis, dass Frau Stegers seit dem 1.7. nicht mehr für die Pressearbeit der Hochschule Rhein-Waal im Präsidium verantwortlich ist. Frau Stegers ist in die Fakultät Kommunikation und Umwelt an den Standort Kamp-Lintfort gewechselt. Vor dem Hintergrund einer breiten Umstrukturierung der Stabstelle und des Teams Kommunikation und Marketing der Hochschule wenden Sie sich bitte, zunächst bis auf Weiteres, an mein Sekretariat oder Frau Dr. Radtke, meine Persönliche Referentin.“

kleveblog meint: Man kann vermuten, dass dieser Wechsel nicht ganz freiwillig erfolgt ist, und die Tatsache, dass die neue Aufgabe nicht einmal umrissen wird, scheint darauf hinzudeuten, dass es sich eher um eine Form der Beschäftigung handelt, die im Japanischen als 窓際族 (madogiwa zoku, Fenstergucker) bezeichnet wird. Das Wort „gerne“ ist auch nicht dem Handbuch der ordentlichen Kommunikation entnommen, und der Umstand, dass der Dank für das bisher Geleistete fehlt, spricht auch für sich – bzw. gegen das Vorhandensein von Umgangsformen an der HSRW überhaupt.


Draisine entgleist, zwei Schwerverletzte

rd | 03. August 2020, 13:40 | 45 Kommentare

(Falsche Ortsangabe korrigiert.) Wie kann denn das passieren? Seit dem 27. April 2008 ist Draisinenstrecke Kleve-Kranenburg-Groesbeek in Betrieb, mehr als hunderttausend Fahrgäste haben die Draisinen seitdem für spaßvolle Ausflüge mit einem beschaulichen Tempo benutzt, und noch nie gab es einen Unfall – bis gestern Abend! Um 18.40 Uhr verletzten sich zwei von insgesamt 10 Teilnehmern einer Reisegruppe schwer, als deren Draisine auf dem Weg nach Kleve in Höhe der Straße Stiller Winkel aus ungeklärter Ursache aus den Schienen sprang. Eine 53-jährige Neusserin und ein 26 Jahre alter Mann aus Neuss mussten mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Der 26-Jährige wurde bereits am Sonntag nach ambulanter Behandlung aus dem Krankenhaus entlassen. Auch für die 53-Jährige kam kurze Zeit später die Entwarnung. Sie trug eine starke Prellung am Knie davon und verließ heute die Klinik. Ein Defekt an einem Rad der Draisine führte zum Entgleisen des Gefährts, das neben den Gleisen aufrecht zum Stillstand kam. Durch die abrupte Bremswirkung rutschten die beiden an den Pedalen sitzenden Personen vom Sattel und trugen Prellungen davon.


Soo sanft, soo gefühlvoll: Hochschulpräsident Dr. Locker-Grütjen schlägt neue Töne an – John & Oliver, Neuvorstellung Nr. 1

rd | 02. August 2020, 17:37 | 10 Kommentare
John, die eine Hälfte von John & Oliver in seiner irischen Heimat
Oliver vs. Sir Elton – verblüffende Parallelen
What would I do without your smart mouth
Drawing me in, and you kicking me out?
You've got my head spinning, no kidding
I can't pin you down

Vor seiner Wahl an die Spitze der Hochschule Rhein-Waal genoss Dr. Oliver Locker-Grütjen einen formidablen Ruf in der Duisburger Musikszene. In der Band False Color Image spielte er die Bassgitarre. Die Gruppe, so war nachzulesen, stand kurz vor dem Durchbruch. Musikalisch orientierte sich das Quartett an U2, „2-Gitarren-Alternative-Rock at its best“ beschrieben Konzertankündigungen den Stil.

Doch der Hochschulpräsident kann auch anders, ganz ohne harte Gitarrenriffs in ohrenbetäubender Lautstärke. In einem Video, das die Hochschule Rhein-Waal in der vergangenen Woche veröffentlichte, schlägt der 49-jährige Duisburger im Duo „John & Oliver“ ganz sanfte, gefühlige Töne an. Bono war gestern, nun erinnert der verträumte Auftritt am heimischen Steinway-Flügel an die ganz großen Balladen von Elton John. Oliver Locker-Grütjen – der Rocket-Man der Hochschule Rhein-Waal!

Der andere Part von „John & Oliver“ ist John Crossan, ein aus Irland stammender Student der Hochschule, der sich seinen Aufenthalt in Kleve auch durch Auftritte in der Fußgängerzone und in Klever Gaststätten finanziert. Die beiden Musiker ergänzen sich kongenial, und den entrückten Mienenspiel des Hochschulpräsidenten am Ende des offenbar Corona-bedingt getrennt eingespielten Songs ist in jeder Faser anzusehen, wie sehr er in der Musik aufgeht.

Den Studenten und HSRW-Mitarbeitern, aber auch allen anderen wird das Video als „musikalischer Sommergruß“ zum Semesterende dargeboten. Als Ouvertüre gibt es noch ein paar staatstragende Worte aus dem präsidialen Büro, in dem eine Deutschland- und eine Europafahne auf dem Sideboard stehen. Das Video selbst ist mit sentimental stimmenden Standbildern des Hochschullebens, wie es das vorerst nicht mehr geben wird, untermalt. Als Song für den Sommergruß haben „John & Oliver“ das Stück „All of me“ von John Legend ausgesucht, ein langsames, getragenes Stück, das der Musiker seiner damaligen Verlobten, dem Model Chrissy Teigen gewidmet hat.

kleveblog meint: Weiter so, vielleicht wird es doch noch was! Kleve ist nur ein Sprungbrett…

Die andere Seite: Harter Rock, oder, wie die NRZ schreibt: „härterer Rock“ (Foto: Arnulf Stoffel)
It’s a little bit funny, this feeling inside…

Coronasonntag: Schwerer Rückfall

rd | 02. August 2020, 15:45 | 10 Kommentare
Steiler Anstieg

Eine Feier, ein Gast aus dem Land der Herdenimmunität – und das Ergebnis: 85 neue Corona-Fälle im Kreis Kleve binnen der vergangenen sieben Tage, wovon 61 in Geldern wohnhafte Gäste der Hochzeitsfeier in Rheinberg waren. Insgesamt wurden 111 Menschen getestet, bei den übrigen 50 fiel das Ergebnis negativ aus. Die Zahl der Menschen, die sich in Quarantäne aufhalten sollen, beläuft sich derzeit auf 311.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Corona in Geldern: 50 (!!) neue Fälle, Index springt auf 21,8

rd | 31. Juli 2020, 11:22 | 30 Kommentare
Schöne Bescherung

(Aktualisiert) Am heutigen Freitag, 31. Juli 2020, 12.35 Uhr, liegen dem Kreisgesundheitsamt insgesamt 903 labordiagnostisch bestätigte Corona-Infektionen seit Beginn der Corona-Pandemie vor. 

Von den 903 Indexfällen sind 48 in Bedburg-Hau, 106 in Emmerich am Rhein, 167 in Geldern, 96 in Goch, 32 in Issum, 34 in Kalkar, 42 in Kerken, 66 in der Wallfahrtsstadt Kevelaer, 119 in Kleve, 12 in Kranenburg, 56 in Rees, 16 in Rheurdt, 69 in Straelen, 8 in Uedem, 14 in Wachtendonk und 18 in Weeze. 

Bei 50 Neuinfektionen in Geldern handelt es sich um Gäste der Festveranstaltung im Kreis Wesel, eine Hochzeit in Rheinberg. „Bei dem Gast, der die weiteren Besucher wahrscheinlich angesteckt hat, soll es sich um eine Frau aus Schweden handeln, die zur Hochzeit angereist war“, schreibt die Bild-Zeitung.

Es muss weiterhin davon ausgegangen werden, dass diese Zahlen nicht den tatsächlichen Sachstand widerspiegeln, da zum einen laufend neue Fälle gemeldet werden und zum anderen mit hoher Wahrscheinlichkeit zahlreiche unentdeckte Infizierte eine schwer zu schätzende Dunkelziffer bilden.

Von den insgesamt 903 bestätigten Corona-Fällen sind 793 Personen genesen und 37 Personen verstorben. Aktuell befindet sich drei Personen im Krankenhaus.

Die 7-Tage-Inzidenz entspricht der Anzahl der in den letzten sieben Tagen neu gemeldeten Fälle pro 100.000 Einwohner. In diesem Zeitraum gab es im Kreisgebiet 68 neue labordiagnostisch bestätigte Corona-Infektionen. Dies ergibt im Kreis Kleve eine 7-Tage-Inzidenz von 21,8. 

Aktuell befinden sich insgesamt 276 Personen in häuslicher Quarantäne. 

Die Schutzvorschriften zu Corona scheinen schon ihren Sinn zu haben, wenn man sich die neueste Meldung aus dem Kreishaus zu Gemüte führt: Unter den mehr als 100 Besuchern einer Familienfeier im Kreis Wesel, die aus Geldern stammen, sind nunmehr 54 (!!) positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das heißt, das Infektionsgeschehen, das im Kreis Kleve fast völlig zum Erliegen gekommen war, ist wieder auf dem Stand vom 2. Juni, als 54 Menschen in einer Woche neu positiv getestet worden waren. Hier die Meldung im Wortlaut:

50 weitere positive Corona-Tests bei Gelderner Gästen der Festveranstaltung im Kreis Wesel

Bekanntlich hatte das Gesundheitsamt des Kreises Kleve zahlreiche Gelderner Gäste einer Festveranstaltung im Kreis Wesel als Kontaktpersonen eines Corona-Indexfalls auf Covid-19 getestet. Diese Kontaktpersonen hatte die Stadt Geldern in enger Zusammenarbeit mit dem Kreis Kleve ermittelt. Das Gesundheitsamt hat in diesem Zusammenhang insgesamt 111 Personen getestet. Alle Kontaktpersonen stehen bereits unter Quarantäne.

Am heutigen Freitag, 31. Juli 2020, 9.00 Uhr, liegen dem Gesundheitsamt des Kreises Kleve insgesamt 98 Laborergebnisse vor (88 Prozent). Insgesamt sind 54 Testergebnisse positiv und 44 negativ. 4 positive Testergebnisse lagen am gestrigen Donnerstag vor und sind damit bereits in die Corona-Statistik eingegangen. Heute wurden somit weitere 50 Gäste der Festveranstaltung nun selbst Corona-Indexfälle. „Das Gesundheitsamt nimmt direkt Kontakt mit den positiv getesteten Personen auf, um weitere Informationen zu erhalten“, so Landrat Wolfgang Spreen. Die Kontaktpersonenermittlung läuft.

Informationen für Reiserückkehrer:

Reiserückkehrer aus so genannten Risikogebieten können sich bei ihrem Hausarzt oder beim Gesundheitsamt des Kreises Kleve testen lassen. Test-Termine beim Gesundheitsamt werden am dortigen Info-Telefon vereinbart (02821 594 950 – montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr). Eine Übersicht der aktuellen Risikogebiete ist auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts hinterlegt (www.rki.de). In jedem Fall müssen sich diese Reiserückkehrer nach ihrer Einreise beim Gesundsamt melden und sich unverzüglich in eine 14-tägige häusliche Quarantäne begeben. Die Quarantäne darf nur für die Hin- und Rückfahrt zur Testung unterbrochen werden. Alle Informationen zur Meldung beim Gesundheitsamt (inklusive Meldeformular) sind auf der Corona-Internetseite des Kreises Kleve hinterlegt (www.kreis-kleve.de – Direktlink auf der Homepage). 

Für alle Reiserückkehrer aus anderen Gebieten ist eine solche Testung derzeit nicht vorgesehen. Sollten diese Reiserückkehrer jedoch Corona-Krankheitssymptome haben, so ist der Hausarzt der richtige Ansprechpartner. Falls ein Arbeitgeber eine Testung wünscht, so kann diese eventuell über einen Betriebsarzt veranlasst werden. Darüber hinaus ist in jedem Fall eine Testung beim Hausarzt auf eigene Kosten möglich. 

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Hochschule Rhein-Waal: Der große Ausverkauf

rd | 30. Juli 2020, 15:13 | 5 Kommentare
Fahrräder, Sessel, Matratzen, Wohnungen: Alles muss raus!

Die Facebook-Seite des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses der Hochschule Rhein-Waal („Student Life at HSRW“) erinnert zur Zeit an eine virtuelle Version der „Palette“: Fahrräder, Sessel, Matratzen, Kleiderhaken, Obstschalen, Whiteboards – alles ist für kleines Geld oder sogar umsonst zu haben, alles muss raus!

Nach der Ankündigung der Hochschule, wegen der weiterhin vorhandenen Bedrohungslage durch die Corona-Pandemie die Lehre auch im bevorstehenden Wintersemester vor allem in digitaler Form abzuhalten, haben sich offenbar viele Studierende dazu entschlossen, ihre Zelte in der Kleinstadt am Niederrhein abzubrechen und die Ausbildung von zu Hause aus, wo immer auf dem Globus das sein mag, fortzusetzen. Was das für das Leben in Kleve bedeutet, lässt sich schwer abschätzen, aber die Vermutung liegt nahe, dass das fröhliche internationale Getümmel in der Innenstadt weitestgehend verschwinden wird.

Schon jetzt steht aber fest, dass der Markt in Kleve überschwemmt wird mit Inventar aus aufgelösten Studentenwohnungen, das nicht mit zurück in die (ferne) Heimat genommen wird oder genommen werden kann. Auch die Zahl der angebotenen Wohnungen oder WG-Zimmer ist spürbar in die Höhe geschnellt und führt (hoffentlich) zu einem Rückgang der Mietpreise, die in den vergangenen Jahren aufgrund des Zuzugs vieler Studenten insbesondere im Segment der kleineren Wohnungen ein absurd hohes Niveau erreicht hatten.


Corona: Zahl der Infizierten steigt

rd | 30. Juli 2020, 14:54 | keine Kommentare

Fünf der sechs neu mit dem Coronavirus infizierten Personen gehörten zu der Festgesellschaft aus Geldern, die in Wesel eine Familienfeier besucht hatte. In Kleve, wo es zuvor 34 Tage lang keine neue Infektion gegeben hatte, haben sich in den vergangenen zwei Tagen zwei Menschen neu infiziert. Die Zahl der in Quarantäne befindlichen Personen ist (wegen der Festgesellschaft aus Geldern) auf 264 Menschen hochgeschnellt; vor drei Tagen waren es noch 99.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Tatort SB 58: Prüfer Nr. 85, bitte aussteigen! Sofort!

rd | 30. Juli 2020, 13:16 | 78 Kommentare
Kontrolleure sollten schon das eigene Tarifsystem kennen (Bild: Unbekannter Meister)

Von Zeit zu Zeit trifft man auf den einen Dösbaddel, der einem den Tag zu versauen imstande ist. Herr, lass es Hirn regnen, möchte man ausrufen, doch der Herr hört nicht.

Mein Dösbaddel hatte raspelkurzes Haar, eine Tätowierung am linken Unterarm und war versehen mit der Befugnis, Fahrausweise in den Linienbussen der NIAG zu kontrollieren, und leistete somit – vielleicht nicht ganz so, wie der scheidende Landrat das meint – seinen Beitrag zur Optimierung des öffentlichen Nahverkehrs. In der sogenannten Schnellbuslinie 58 möchte er, kurz nach Warbeyen, meinen Fahrausweis sehen.

Natürlich habe ich einen. Wie ich finde, habe ich sogar einen der besten – einen Ausweis, der einem dankenswerterweise in die Hand gedrückt wird, wenn man sich entscheidet, zu studieren (das Lebensalter spielt dabei keine Rolle): das Semesterticket der Universität Köln. Es ist in den Studentenausweis integriert und berechtigt einen, sämtliche Busse und Regionalbahnen in ganz NRW zu benutzen, sämtliche Fahrpreise sind mit der Zahlung des Semesterbeitrags abgegolten. Man kann damit in der Bahn bis nach Köln fahren, dann in der U-Bahn bis zur Uni, oder auch nach Siegen, oder man steigt in Düsseldorf in die Straßenbahn oder in Gladbeck in einen Linienbus. Der Ausweis gilt, wer ihn an das Lesegerät der NIAG-Busse hält, bekommt sogar einen Haken angezeigt, dass er akzeptiert worden ist. Das funktioniert seit mehr als einem Jahr bestens.

Und dann kommt der besagte Kontrolleur, schaut sich die Karte wie einen chinesischen Personalausweis an und erklärt im Brustton der Überzeugung: „Der gilt hier nicht.“ Was tun? Warum es nicht einmal mit dem guten, alten Mittel der Argumentation versuchen? „Doch, der gilt, das weiß ich und ich benutze den Ausweis nun schon seit Jahren ohne Probleme.“ – „Nein, der gilt nicht.“

Der Mann tippt auf das Kürzel VRS auf dem Ausweis, blättert in einem reichlich zerfledderten Handbuch, zeigt mir das Tarifgebiet des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg und sagt: „Da gilt der. Nicht hier.“ Man ahnt: Vor einem steht ein absoluter Ausbund an Ahnungslosigkeit, auf die Menschheit losgelassen, um Schaden anzurichten.

Also neuer Versuch, diesmal mit argumentativer Unterstützung aus dem Internet. Da kann man es nachlesen, da könnte auch er es nachlesen, und er bekommt es sogar vorgelesen: „Seit dem WS 2008/09 können alle Studierenden der Universität zu Köln in ganz Nordrhein-Westfalen alle Busse, U-, S- und Regionalbahnen frei nutzen.“ In. Ganz. Nordrhein. Westfalen. Seit mehr als einem Jahrzehnt! Allein, es hätte wohl auch in Großbuchstaben geschrieben sein können, die Botschaft erreicht den Mann nicht: „Der Ausweis gilt hier nicht.“ Er fordert meinen Personalausweis ein und stellt mir wortlos eine „Quittung/Zahlungsaufforderung“ über 60 Euro aus, ausgestellt von „Prüfer Nr. 85“. Ich verabschiedete ihn mit dem Rat, eine berufliche Fortbildung wahrzunehmen oder sich gleich einen ganz neuen Job zu suchen, wir wünschten uns einen schönen Tag und gingen getrennter Wege. Mann, Mann, Mann!

(Nachtrag: NIAG hat sich entschuldigt und den Prüfer aufgeklärt.)


160 Stellen werden gestrichen! Ofenbauer Ipsen „stellt sich neu auf“

rd | 29. Juli 2020, 13:42 | 8 Kommentare
Heat treating in eigener Sache: Ipsen

Ein Schock für die Klever Wirtschaft: „Ipsen stellt sich neu auf“ ist die Pressemitteilung des Ofenbauers überschrieben, und diese Neuaufstellung ist die Umschreibung dafür, dass 160 Stellen in Kleve gestrichen werden sollen. Die betroffenen Mitarbeiter sind in der Produktion in Deutschland beschäftigt.

In der heute veröffentlichten Pressemitteilung des Unternehmens heißt es, vor dem Hintergrund der Marktveränderungen sowie der Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie in den für Ipsen wesentlichen Branchen wie der Automobil- und Luftfahrtindustrie, habe der Experte für Industrieöfen Ipsen seine Strategie „angepasst“. Drei Produktionsstandorte werden geschlossen (Rumänien, China, Japan), statt dessen soll es zukünftig zwei sogenannte „Exzellenzzentren“ geben, eines für Atmosphärentechnologie in Kleve und eines für Vakuumöfen in Rockford (USA).

Die Beschränkung auf nur noch eine Produktlinie in Verbindung mit den Pandemiefolgen machen laut Management eine Umstrukturierung des Standortes in Kleve erforderlich, in deren Verlauf voraussichtlich 160 Stellen „möglichst sozialverträglich“ abgebaut werden. „Die Weiterentwicklung des Werks in Kleve in ein Exzellenzzentrum für Öfen der Atmosphärentechnik ist ein wichtiges Signal für die Bedeutung des Standortes Kleve innerhalb des Konzerns. Dass im Gegenzug die Vakuumöfen-Technologie an die amerikanische Tochtergesellschaft in den USA verkauft wird, ist – was den Stellenabbau bei uns angeht – schmerzlich. Dieser Schritt ist aber notwendig, um die verbleibenden Arbeitsplätze und den Standort in Kleve zu sichern und zukunftssicher aufzustellen,“ so Paul van Doesburg, Geschäftsführer von Ipsen Deutschland.

Ipsen ist Weltmarktführer für Wärmebehandlungsanlagen (Industrieöfen). Wie kaum eine andere Unternehmensgruppe hat das von Harold Ipsen gegründete Unternehmen die Entwicklung der Wärmebehandlung vorangetrieben. Ipsen verfügt über Produktionsstandorte in Europa, Amerika und Asien und Repräsentanzen in 34 Ländern. Zu den Kunden zählen insbesondere Unternehmen aus der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrtindustrie, Lohnhärtereien sowie dem Werkzeug- und Maschinenbau.

„Der Verlust von 160 Arbeitsplätzen ist eine bittere Nachricht insbesondere für die Arbeitnehmer und deren Familien bei Ipsen, aber auch für den Wirtschaftsstandort Kleve!“, so Daniel Rütter, FDP-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Kleve und Bürgermeisterkandidat. Die Coronakrise mit ihren wirtschaftlichen Folgeschäden werde nach Ansicht Rütters wohl auch noch weitere Hiobsbotschaften bescheren. „Wir müssen daher jetzt schnell aktiv gegensteuern, unsere Wirtschaftsförderung wesentlich verstärken, in Verbindung mit der Hochschule einen Gründungs- und Start-up-Cluster schaffen und auch für eine steuerliche Entlastung unserer Betriebe sorgen.“, so skizziert Rütter die Richtung in der sich die Politik in Kleve seiner Ansicht nach nun bewegen müsse.


Corona: Dann testen wir mal eben gut 100 Kontaktpersonen in Geldern

rd | 29. Juli 2020, 13:21 | keine Kommentare
Eine Feier, 100 Kontaktpersonen

Droht da die nächste Corona-Keule im Kreis Kleve? Soeben teilte die Kreisverwaltung mit, dass gut hundert (!) Personen, die in Geldern auf einer Feier mit einem Infizierten in Kontakt gekommen waren, auf das Virus getestet werden. Details zu der Feier würden aus Datenschutzgründen nicht mitgeteilt, so die Kreisverwaltung. Kreis-Sprecherin Ruth Keuken: „Zahlreiche Gelderner Bürgerinnen und Bürger werden am heutigen Mittwoch, 29. Juli 2020, durch das Gesundheitsamt des Kreises Kleve auf das Corona-Virus getestet. Sie alle hatten vor wenigen Tagen an einer großen privaten Festveranstaltung teilgenommen, die außerhalb des Kreises Kleve stattgefunden hat. Ein weiterer Gast hatte nun als Corona-Indexfall von seiner Teilnahme an diesem Fest berichtet. Seit Dienstagnachmittag ermittelt die Stadt Geldern in enger Zusammenarbeit mit dem Kreis Kleve mit Hochdruck die Kontaktpersonen des erkrankten Gastes. Bislang wurden über 100 Kontaktpersonen ermittelt. Zwei Teams des Gesundheitsamtes testen heute diese Personen, die bereits unter Quarantäne stehen. Die Kontaktpersonenermittlung weiterer Gäste läuft noch. Alle Kontaktpersonen werden getestet.“


Wer ist Rolf Janßen, was will er? Neue Gesprächsrunde heute in der Bahnhofshalle

rd | 28. Juli 2020, 11:46 | 97 Kommentare
Bürgermeisterkandidat Rolf Janßen vor mittelständischer Kulisse (Foto: Grüne/Gottfried Evers)

Fünf Männer wollen eine Frau beerben, die jedoch denkt gar nicht daran, sich beerben zu lassen: Das ist die Situation in Kleve rund sieben Wochen vor der Bürgermeisterwahl. Sonja Northing, 2015 mit einer überwältigenden Mehrheit (knapp zwei Drittel der Wählerinnen und Wähler votierten für sie) ins Amt gewählt, tritt wieder an, und gleich fünf Männer glauben, die Sache besser machen zu können und haben ihren Hut deshalb ebenfalls in den Ring geworfen (um mal eine der mieseren Lokaljournalismusmetaphern zu verwenden): Michael Kumbrink (parteilos), Daniel Rütter (FDP), Udo Weinrich (Offene Klever), Wolfgang Gebing (CDU) und Rolf Janßen (parteilos, von den Grünen unterstützt).

Man muss nun kein intimer Kenner der Kleve Politik sein, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass die drei Erstgenannten, obwohl sie sich in der Ratsarbeit oder als Strippenzieher einige Verdienste erworben haben, eher die Außenseiter im Rennen sind. Wahrscheinlicher erscheint es, dass von den drei anderen Kandidaten zwei in die Stichwahl ziehen und am Ende der Wähler zwischen Northing oder Gebing, Northing oder Janßen oder Gebing oder Janßen zu entscheiden hat.

Der große Unbekannte dabei ist Rolf Janßen, aus Zyfflich stammend, ehemaliger Chef der Umweltbetriebe der Stadt Kleve, kurz in Karlsruhe und nun Geschäftsführer der Kreis Klever Abfallwirtschaft GmbH. Anders als Northing, die kennen zu lernen der Klever in den vergangenen fünf Jahren reichlich Gelegenheit hatte, und Gebing, der im Grunde schon immer da war, war Janßen bisher in Kleve wenig präsent.

Das ändert sich nun im Wahlkampf, und heute nun haben die Klever Bürger eine gute Gelegenheit, den Kandidaten näher in Augenschein zu nehmen (soweit die Corona-Regeln das zulassen). Um 19 Uhr lädt Bürgermeisterkandidat Rolf Janßen (parteilos) interessierte Bürgerinnen und Bürger ein, mit ihm über Wirtschaft und Umweltschutz zu diskutieren. Als Experten anwesend sind Joachim Beckers, Chef des gleichnamigen Klever Elektrounternehmens, Helmut Poen, Geschäftsführer der Pietsch Rohstoffe GmbH sowie William Megill, Bionikprofessor an der Hochschule Rhein-Waal. Die Gesprächsrunde findet in der Bahnhofshalle Kleve statt.

Selbst ist der Mann: Großreinemachen in der Bahnhofshalle (Foto: Screenshot Instagram-Story)

Nach der Auftaktveranstaltung Ende Juni (Thema Innenstadtgestaltung und
Einzelhandelsförderung) ist dies nun die zweite Veranstaltung dieses Formats. Die bekannten coronabedingten Abstands- und Hygieneregelungen sind einzuhalten. Besucher werden gebeten, Schutzmasken mitzubringen und sich in die bereitgelegten Liste einzutragen.


Corona-Update

rd | 27. Juli 2020, 15:57 | keine Kommentare
Heute mal leicht schräg fotografiert: 6 Neuinfektionen in den vergangenen 7 Tagen

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Boulderhalle Kliff: Der Expertentest – 👍

Marek Daute | 27. Juli 2020, 12:35 | 1 Kommentar
Abhängen von leicht bis schwer – die bunten Wände der Boulderhalle Kliff
Wer danach noch einen Tischtennisschläger halten kann…

Seit nunmehr zwei Wochen öffnen sich die Schiebetüren der Kliff Boulderhalle am Rande des Klever Industriegebiets. Bouldern (englisch boulder = Felsblock), das seinen Ursprung in den USA hatte und sich besonderer Beliebtheit bei den Studierenden erfreut, fordert eine gesunde Mischung aus Geschick, Balance und Kraft. Aber auch Familien, die einfach mal zusammen abhängen wollen, können die Familienhierarchie anhand der verschiedenfarbig gekennzeichneten Schwierigkeitsstufen neu ausbouldowern. Welche Möglichkeiten aber bietet die neue Anlage in Kleve?

Wer sich entschließt, ein paar Stunden in der Kletterhalle zu verbringen, dem sei geraten, Sportkleidung anzuziehen (Kletterschuhe zum Ausleihen kosten drei Euro), die Fingernägel frisch geschnitten zu haben, sich auf Muskelkater gefasst zu machen und nicht das Gespräch mit anderen Kletterfreudigen zu scheuen. Gerade der Austausch mit erfahrenen Boulderern ist für Neulinge in der Regel erkenntnisreich und verhindert zukünftige Abstürze.

Die Boulderetikette ist zwar nicht in Stein gemeißelt, doch auf die Frage, an welcher Route man gerade hängt, sollte nicht mit „bunt“ geantwortet werden – jeweils eine gleichfarbig markierte Ansammlung von Haltepunkten steht für eine Route, die es zu befolgen gilt. Doch die zwei Betreiber Alexander Schmitz und Philip Becker stehen stets mit Rat und Tat zur Seite und klettern im Notfall auch händchenhaltend mit dir zusammen ans Ziel. Sehr netter Service! Um eine Route erfolgreich zu beenden, sollte am letzten „Stein“ (markiert durch einen roten Streifen) eine kontrolliert stabile Position ca. drei Sekunden gehalten werden. Die Parcours in den verschiedenen Schwierigkeitsstufen sind gut konstruiert, werden allerdings von Zeit zu Zeit umgebaut, damit die künstlichen Felshänge auch Stammgästen noch neue Herausforderungen bieten.

Wenn dann nach der zweiten Runde Klettern endgültig alle Glieder erschöpft sind und die Finger an manchen Stellen schon aufreißen, liefert die gesunde Auswahl an Erfrischungsgetränken einen wohlverdienten Ausklang in den Liegestühlen außerhalb der Halle. Um den müden Muskeln Entspannung zu gönnen, stehen auf der oberen Etage diverse Sitzgelegenheiten, aber auch eine Tischtennisplatte und eine (noch überschaubare) Auswahl an Sportequipment zur freien Verfügung.

Fazit: Die Klettermöglichkeiten in der neuen Halle sind mindestens so gut wie in Nimwegen, die Preise sind absolut fair. Kliff ist eine Bereicherung für alle Klever, die lernen wollen, abzuhängen und dabei nicht abzustürzen – was einem im Leben ja immer helfen kann.


Ryanair droht mit Schließung von Weeze vor dem Winter

rd | 21. Juli 2020, 18:25 | 126 Kommentare
Kondensstreifen über dem Niederrhein

Weil Ryanair sich nicht mit der deutschen Pilotengewerkschaft VC auf einen neuen Tarifvertrag einigen kann, droht die irische Fluglinie nun damit, den Standort „Düsseldorf“, also Weeze, noch vor dem Winter zu schließen. Das einzige, was dann noch von Weeze wegfliegen würde, wären die sechs Millionen Euro in kleinen, nicht nummerierten Scheinen, die die CDU des Kreises unlängst im Kreistag als Rettungszuschuss für das sieche Leuchtturmprojekt durchgeboxt hatte. Das kann man fûr das in Ganovenkreisen durchaus übliche Wortgerassel halten, um eine bessere Verhandlungsposition zu erreichen, den steht allerdings entgegen, dass offenbar schon ein Schließungsbeschluss gefallen ist: Die Ryanair-„Base“ in Hahn im Hunsrück wird offenbar sofort geschlossen. Weitere Infos in einem Artikel im Handelsblatt (frei zugänglich): Ryanair kündigt Stellenabbau und Standortschließungen in Deutschland an.


Corona-Infografik-Service de luxe: Knick in die falsche Richtung

rd | 20. Juli 2020, 12:49 | 12 Kommentare
Zwischen der 2 und der 6 stand sogar einmal die 0, aber die Tafel verzeichnet nur den jeweiligen Wert zum Wochenende

Immer noch auf niedrigstem Niveau, aber leider wieder mit einem Trend nach oben: die Corona-Kurve der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen im Kreis Kleve. Aktuell (Stand Montag, 20.07.) meldet der Kreis vier weitere Infektionen, allesamt aus dem Südkreis (Straelen bzw. Geldern), sodass die 7-Tage-Inzidenz/100.000 Einwohner auf 3,2 angestiegen ist. Nicht schön, aber auch noch nicht alarmierend. In Kleve hat es seit nunmehr 29 Tagen (!) keinen einzigen neuen (erkannten, muss man einschränken) Fall mehr gegeben.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


NEOWISE über CLIVIA

rd | 19. Juli 2020, 14:21 | 3 Kommentare
So schön kann Restmüll sein: Der Schweifstern NEOWISE am nächtlichen Himmel über Kleve (Foto: Christof Iserlohe)

Streng genommen, handelt es sich bei Kometen – der Name kommt bekanntlich von altgriechisch κομήτης, komḗtēs, („Haarstern“), abgeleitet von κόμη, kómē, („Haupthaar, Mähne“) – um kosmischen Restmüll, allerdings illuminieren die oft nur wenige Kilometer messenden Klumpen aus Gestein und Eis, die bei der Entstehung des Sonnensystems übrig geblieben sind, den nächtlichen Himmel aufs Prächtigste, wenn in der Phase der Sonnennähe (Perihel, wie der Fachmann sagt), die Ausgasungen dazu führen, dass der Drecksbrocken einen prächtigen Schweif hinter sich her zu ziehen scheint. So lange NEOWISE, wie der aktuell den Himmel durchsausende Komet, also zu sehen ist, sollte man sich selbst ein wenig der sicher wohlverdienten Nachtruhe berauben und den Blick nach NNO richten, wo er am Sternbild Ursa maior scheinbar gemächlich seine Bahn zieht. In Wahrheit ist er natürlich pfeilschnell, mit 77,6 Kilometer pro Sekunde schießt er durchs All. Übertragen auf die irdischen Verhältnisse, könnte man sagen, er fliegt in weniger als zwei Sekunden von Kleve nach Köln. Weiter von der Sonne entfernt (Aphel) kann es aber durchaus gemütlicher zugehen, da bringen Kollegen von NEOWISE beispielsweise nur 0,9 km/s auf den Tacho. Müssen wir noch was zum Schweif wissen? Ich denke ja. Wie lang mag er wohl sein, ist die Frage. Unsereins, im Schätzen ein Meister, denkt, einige tausend Kilometer. Man sieht ja ganz gut was, obwohl er ziemlich weit weg ist. Dann Wikipedia: „[Der Schweif] kann aber bei großen und sonnennahen Objekten eine Länge von mehreren 100 Millionen Kilometern erreichen. Meistens sind es aber nur einige 10 Millionen Kilometer.“ Oha. Wer NEOWISE verpasst, wird ihn vermutlich nicht wiedersehen (eine metaphysische Erwägungen beiseite gelassen): Erst im Jahr 8850 kommt er erneut in unsere Gefilde. Kann aber auch bis zu 285 Jahre früher oder später sein, also lieber nicht in den Jahresplaner eintragen.

Fun Fact: Warum wissen Sternefreaks, dass sie den Brocken in ihrem Leben nicht wiedersehen werden? Sie erkennen es am astronomischen Originalnamen: C/2020 F3. Das C steht für Umlaufbahn > 200 Jahre!


Neue Phaceliaperspektive mit Mohnakzent, dazu heitere Betrachtungen zur Zahl 5

rd | 19. Juli 2020, 13:39 | 5 Kommentare
Kleve, 13 Uhr: Der Fotograf senkt die Kamera auf Kniehöhe (Foto: Joachim Schäfer)

Es sind mittlerweile so viele Phacelia-Fotos mit Schwanenburg erschienen, dass man den Überblick verloren hat, und dazu auch ca. 200.000 Bilder von Mohnblüten am Niederrhein. Aber hier haben wir einmal alles zusammen – drie halen, een betalen, wie unsere niederländischen Nachbarn sagen würden. Interessant ist übrigens, dass die krautigen Pflanzen über endständige, zymöse Blütenstände verfügen, deren zwittrige, radiärsymmetrischen Blüten fünfzählig sind.

Fünfzählig!

Wie kommt die Natur auf die Zahl 5? Schon mal drüber nachgedacht? 2, 4, 8 usw., das ergibt z. B. zellteilungstechnisch betrachtet Sinn. Schon die Zahl 3 jedoch ist in der Natur hochproblematisch, warum zum Beispiel entwickeln die zweiseitig symmetrischen Tiere drei Keimblätter: Entoderm, Mesoderm und Ektoderm? Und es gibt natürlich den Klee, dessen Gattungsname Trifolium das Phänomen der Dreiblättrigkeit beinhaltet. Uns gilt die vierblättrige Form als der glückbringende Sonderfall, aber sollte nicht der dreiblättrige viel außergewöhnlicher sein? Vielleicht ließe sich postulieren, dass 1 die Zahl Gottes ist (Einheit), 2 die der Natur (Zellteilung) und 3 die des Menschen (Dreieck). 4 ist zweimal zwei, und dann kommt 5. Es gibt sie als Menschenschöpfung (Pentagon, 5-Minuten-Terrine). (Lesen Sie dazu zur Vertiefung bitte auch: Das 16. Fünfeck – Anmerkungen zur Pflasterung des Bahnhofsvorplatzes!) Aber was will die Natur mit 5? Ich denke, mit dieser Frage dürften Jean-Baptiste, Niederrheinstier, Chewgum und … etc. erst einmal eine ganze Weile (5 Min.) beschäftigt sein…


HSRW-Professoren Brandt und Untiedt: Pressekonferenz mit Jagdfreund, ohne kleveblog

rd | 16. Juli 2020, 22:16 | 66 Kommentare
Jagdfreunde unter sich: Dieter Henseler (Bauamtsleiter in Bedburg-Hau) und Investor Prof. Dirk Untiedt (2.v.r.). Beide waren kürzlich noch gemeinsam jagen, jetzt stellte Henseler die Pläne seines Mitjägers vor. Mit dabei auch Prof. Thorsten Brandt und Bürgermeister Peter Driessen

(Aktualisiert, jetzt mit Stellungnahme der Bürgerinitiative) Die beiden Professoren Dr. Thorsten Brandt und Dr. Dirk Untiedt, deren pekuniär orientiertes Treiben ihrem Arbeitgeber, der Hochschule Rhein-Waal, einen schweren Imageverlust zugefügt hat, lassen, so hat es den Anschein, nichts unversucht, den Ruf der HSRW weiter zu beschädigen. Mit dem Vorhaben, beachtliche Teile des Klinikwaldes in Bedburg-Hau abzuholzen, brachte das Professorenduo so viele Einwohner gegen sich auf, dass sich spontan eine Bürgerinitiative gegen die Pläne formierte. Bekanntlich hatten Brandt und Untiedt mit der Betreuung ausländischer, meist chinesischer Studienanwärter („scientific freshers“) reichlich verdient. Später nahmen die beiden Maschinenbauer noch die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge mit ins Portfolio auf. Insgesamt spielte das alles so viel Geld ein, dass Brandt und Untiedt auf die Idee kamen, den seit langem zum Verkauf stehenden Nordteil des Geländes der LVR-Klinik samt der darauf stehenden, denkmalgeschützten Häuser zu kaufen und in ein Wohngebiet umzuwandeln. Die hohen Bäume, viele über hundert Jahre alt, standen den Plänen im Weg. Vom Widerstand überrascht, luden die Herren nun zu einer Pressekonferenz.

Wer je etwas von Interessenkollision gehört haben mag, dürfte verwundert zur Kenntnis genommen haben, dass – wie der Tweet der RP oben zeigt – auch der Bedburg-Hauer Bauamtsleiter Dieter Henseler anwesend war und das Vorhaben erläuterte. Die Gemeinde hatte die von einem Büro erstellten Pläne eins zu eins übernommen. Später kam heraus, dass Investor Untiedt mit Bauamtsleiter Henseler gemeinsam auf einem Jagdausflug war. „Pflege der politischen Landschaft“ nannte man das früher, und damals wäre das vermutlich auch noch ein Fall für die Staatsanwaltschaft gewesen. Heute scheint alles egal.

Interessant auch, dass die beiden Professoren, die sich sonst ja dem wissenschaftlichen Diskurs verpflichtet sehen sollten (soweit die Theorie), darauf verzichteten, kleveblog zu Pressekonferenz einzuladen. Kritische Öffentlichkeit – für Brandt und Untiedt offenbar nur ein Störfaktor bei der geplanten Millioneninvestition, die sich vermutlich am besten bei Jagdausflügen planen lässt. Nichts sollte offenbar die Harmonie stören, die dann auch in eine gewünschte Überschrift in der Rheinischen Post mündete: „Der Wald an der LVR-Klinik soll bleiben“.

Die Bürgerinitiative war jedenfalls nicht überzeugt von dem, was auf der Pressekonferenz gesagt wurde. Hier die Stellungnahme im Wortlaut:

Der Initiative gegen die Überplanung des LVR-Klinik-Nordgelände ist wohl bewusst, dass sie gewaltige Gegner haben, den Landschaftsverband Rheinland incl. einiger politischen Gremien des LVR, das LVR-Amt f. Denkmalpflege, die Gemeindeverwaltung und den Bürgermeister der Gemeinde Bedburg-Hau, die Mehrheit im Gemeinderat und die Käufer. Diese geballte Macht wird natürlich alle Register ziehen, erst recht auch dann wenn es in einen Bürgerentscheid geht, auch mit unbegrenzten finanziellen Mitteln, um ein Bürgervotum zum Erhalt des Waldes und dem einmaligen Denkmal zu verhindern. Dies darf jedoch nicht so weit gehen, dass man die vorliegende Planung öffentlich falsch präsentiert bzw. etwas hineinredet war der Plan gar nicht hergibt.

Schöner kann man es nicht umschreiben wie Dirk Untiedt (NRZ): „Der Waldcharakter des Klinikgeländes ist kein Hindernis, sondern ein wertvolles Gut. Eine großflächige Waldumwandlung ist nicht geplant und wird es mit uns nicht geben.“ Wer den Plan nicht vor Augen hat mag dies glauben. Die zeichnerische Darstellung des Plans spricht jedoch eine andere Sprache. Fünfundzwanzig Neubauten sind vorgesehen. Die Baufenster dafür haben die Größe von Einfamilienhäusern über Mehrfamilienhäusern bis zu einer Größe von 1.000 Quadratmetern. Alleine für diese Baufenster mit den dazugehörigen Grundstücken wird es einen Kahlschlag geben und darüber hinaus müssen auch Abstände eingehalten werden. Die verbleibenden Waldflächen sind im Pan dann auch nicht mehr als Waldflächen gekennzeichnet, sondern als private Grünflächen mit Zweckbestimmung Park.

„Die Unternehmer versprechen, den größten Teil der alten Bäume zu erhalten“ (RP) Doch eben nicht alle alten Bäume. Und was ist mit den jüngeren Bäumen? Sicherlich werden nicht alle Bäume fallen, einige werden stehen bleiben. Doch dann ist es kein Wald mehr, sondern ein Park, so wie es auch im Plan steht.

Eine Fläche im Plan, 6000 Quadratmeter groß, wird als Fläche zum Anpflanzen von Bäumen und Sträuchern ausgewiesen. Auch das hört sich schön an. Doch auf dieser Fläche stehen bereits Bäume (etliche über 100 Jahre alt) und Sträucher. Hier wird nicht nur Sand in die Augen der Bedburg-Hauer gestreut, sondern sogar getäuscht.

Vier denkmalgeschützte Häuser sollen laut Plan abgerissen werden und die andere „behutsam“ mit Blick auf den „klassischen Charme“ sanieren werden. Auch da bietet die zeichnerische Plandarstellung ein anderes Bild. An und  um  einigen Häusern im Kernbereich wurden Baufenster eingezeichnet, eins mit 4000 Quadratmetern (3000 qm Wald). Wird der Bebauungsplan rechtskräftig, hat natürlich der Eigentümer das Recht dort auch in der Größe zu bauen.

Die Initiative „Kein Waldsterben per Ratsbeschluss“ wird bei der Unterschriftensammlung immer den Plan dabei haben und die Bedburg-Hauer können sich davon überzeugen, dass die Angaben der Initiative richtig sind. Wald in Bauland umzuwandeln, an der Schwelle des Klimawandels, ist nicht zu akzeptieren. Auch nicht, weil die Gemeinde Bedburg-Hau von der Bezirksregierung Düsseldorf 25 Hektar reines Ackerland ausgewiesen bekommen hat.

Nun droht auch noch der Bürgermeister (RP): „Wenn das Bürgerbegehren durchkommt, verliert miniArt seine Heimat, dann wird nämlich die Fernwärme abgeklemmt.“ Ein Landratskandidat sollte es doch besser wissen. Ein Bürgerbegehren kann gar nichts verhindern, sondern nur ein Bürgerentscheid. Und Fernwärme abklemmen, geht gar nicht, auch aus rechtlichen Gründen nicht.

Ob das Vorhaben so durchgeht oder nicht, werden die Bedburg-Hauer nach dem Bürgerbegehren durch einen Bürgerentscheid (JA für den Erhalt) anstelle des Gemeinderates entscheiden.

Für die Initiative „Kein Waldsterben per Ratsbeschluss“ die Vertretungsberechtigten Günter van Meegen, Verena Welbers, Theo Janßen


Corona: 4 neue Fälle, alle aus einer Familie im Südkreis

rd | 16. Juli 2020, 16:50 | 2 Kommentare
Die Nulllinie rückt wieder weg

Eine Woche lang herrschte im Kreis Kleve absolute Ruhe an der Coronafront, die wichtige 7-Tage-Inzidenz sank gestern erstmals auf 0,0. Doch damit ist es nun vorbei: Heute meldete der Kreis vier neue Fälle, betroffen ist offenbar eine Familie aus Straelen. Kreis-Sprecher Jürgen Pastoors zu kleveblog: „Bei den vier Neuinfektionen im Kreis Kleve handelt es sich nicht um Reiserückkehrende oder Zeitarbeitende. Weitere Ermittlungen zu diesen vier Fällen, die untereinander in einem Verwandschaftsverhältnis stehen, sind derzeit noch anhängig.“

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Hochschule entwickelt neuen Typ von Schutzmasken

rd | 16. Juli 2020, 11:33 | 8 Kommentare
Professor Dr. Amir Fahmi (zweiter von rechts) und die Mitglieder der Forschungsgruppe der Hochschule Rhein-Waal

Um den Schutz vor dem Coronavirus zu verbessern, hat eine Forschungsgruppe der Hochschule Rhein-Waal unter der Leitung von Professor Dr. Amir Fahmi, Professor für Materialwissenschaften, eine Beschichtung mit biologisch verträglichen Nanofasern für kommerzielle Atemschutzmasken entwickelt. Diese Fasern enthalten poröse Strukturen, deren Größe sowohl mit der von Corona-Viren als auch mit der von anderen luftgetragenen Partikeln vergleichbar ist. Zudem besitzen sie einen bis zu 40-fach reduzierten Durchmesser im Vergleich zu den vorhandenen Fasern der gängigen Atemschutzmasken.

Die Verkleinerung des Durchmessers in Kombination mit der Nutzung mehrerer Vliesschichten mit überlappenden nanoskaligen Hohlräumen verringert die Wahrscheinlichkeit der Übertragung krankheitstragender Partikel und erhöht die Wirksamkeit der Masken. Auf diese Weise ist ein deutlich besserer Schutz nicht nur gegen Viren, sondern auch gegen Bakterien und andere Allergene gewährleistet. „Der Vorteil der von uns entwickelten und kostengünstigen Technologie liegt darin, dass die Nanofasern ohne größere Änderungen bei jeder kommerziellen Maske eingesetzt werden können“, erklärt Professor Fahmi. Ferner können die modifizierten Masken ohne jede Nachbearbeitung getragen werden und sie behindern nicht den Atemprozess.


7-Tage-Inzidenz 0,0 – Corona-Nullstelle erreicht!

rd | 15. Juli 2020, 14:58 | 17 Kommentare

Wer hätte das gedacht: Sieben Tage ohne eine einzige Infektion im ganzen Kreisgebiet!

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Endlich! Der neue KLEVER

rd | 13. Juli 2020, 14:55 | 9 Kommentare
Ein anderer Blick auf Kleve? Der Titel der neuen Ausgabe

Etwas länger als geplant haben die Klever auf den neuen KLEVER warten müssen, auch da hatte ein vermehrungsfreudiges Kleinstlebewesen seine Finger im Spiel: Dafür lässt einen das neue Heft, das ab sofort im Handel erhältlich ist, mit der Pandemie absolut in Ruhe – das Wort Corona taucht nicht einmal auf den 80 Seiten auf!

Dafür aber:

  • Ein Porträt des Bedburg-Hauer Bürgermeisters Peter Driessen – des Mannes, der sich anschickt, erstmals in der Geschichte des Kreises Kleve der CDU das Landratsamt streitig zu machen
  • Eine Reise durch die Welt der Klever Typographie
  • Ein Bericht über die Bewohner der Villa Mina in Rindern
  • Die sechs Klever Bürgermeisterkandidaten im Alter von 20 Jahren
  • Ein Hymne auf den Tiergartenwald
  • Ein seltener Einblick in einen der schönsten Orte Kleves (zumindest für Autoliebhaber)
  • Ein Porträt des Unternehmers Ingo Marks, der nun auch die Postfiliale im Dienstleistungszentrum Wir in Materborn übernimmt
  • Eine Würdigung des Großen Kurfürsten, der in diesem Jahr 400 Jahre alt geworden wäre
  • Ein Gespräch mit dem Kunstlehrer Hans-Uwe Schmidt, der am Kultfilm „Der Garten Eden“ mitwirkte
  • Ein Test der L’Osteria
  • Und ganz am Ende wird auch verraten, wer der Nachfolger von Julia Lörcks bei der Rheinischen Post wird.

Das Heft ist zum Preis von 3,50 Euro im Buch- und Zeitschriftenhandel erhältlich.


Kurvendiskussion: Fast eine Nullstelle

rd | 13. Juli 2020, 14:41 | keine Kommentare
f(x)=CI(KK)-CI-7d(KK)

Wer kennt das Thema nicht aus dem leidigen Mathematikunterricht: Suche die Nullstellen der folgenden Funktion. Eine alte Regel besagt, dass sie nie da waren, wo die Rechnung einen hinführte. Dagegen scheint sich die Funktion Corona-Infektionen im Kreis abzüglich der Corona-Infektionen eine Woche davor zielstrebig auf die Nulllinie zuzubewegen: Nur noch zwei neue Fälle in den vergangenen sieben Tagen, das bedeutet eine 7-Tage-Inzidenz von 0,6.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Rehtung

rd | 12. Juli 2020, 12:31 | 31 Kommentare
Pool an der Kruisbergstraße mit Überraschungsgast

(Die Feuerwehr berichtet:) Eine nicht alltägliche Einsatzmeldung erreichte die Feuerwehr Kleve am Samstag (11. Juli 2020) um 10:06 Uhr. Es ging um eine Tierrettung: Ein Reh sollte in ein privates Schwimmbecken an der Kruisbergstraße gefallen sein. Die gute Nachricht vorne weg: Das Tier konnte unverletzt am nahegelegenen Waldrand abgesetzt werden.


Jürgen Ruby geht in den Ruhestand: Der Richter als Mensch

rd | 12. Juli 2020, 12:24 | keine Kommentare
Mann des Rechts: Jürgen Ruby (Foto: Heiner Frost)

Mehr als drei Jahrzehnte war Jürgen Ruby eine der prägenden Figuren am Landgericht in Kleve, seit elf Tagen nun ist der Jurist im Ruhestand. Wer Jürgen Ruby im Schwurgerichtssaal der Schwanenburg erlebte, sah einen Richter, der auch im Angesicht abscheulicher Verbrechen nicht müde wurde, das Menschliche zu suchen und zu sehen. Das zeichnete ihn aus, und seine guten Wünsche, die jeden Angeklagten nach dem Urteilsspruch begleiteten, standen sinnbildlich für den sorgenden Staat, der auch für seine irrenden Bürger noch das Beste hoffte. Das alles kommt in einem Text, den der Gerichtsreporter Heiner Forst für die Niederrhein Nachrichten verfasste, bestens zum Ausdruck, weshalb dieser hier mit freundlicher Genehmigung des Autors weitergereicht wird:

Da geht einer. Nach 34 Jahren. Eigentlich sind es Vierunddreißig und ein Halbes. Schnell degeneriert alles Geschriebene zum Nachruf, obwohl es doch eigentlich nur ein … ja, was soll es denn eigentlich sein? Ein Echo. Ein paar Worte am Übergang …

Inventar

Jürgen Ruby, Richter am Landgericht – das ist seit dem 1. Juli Vergangenheit. Der Mann gehörte – mit Verlaub – zum Burginventar. Er ist ein Auf-dem-Teppich-Gebliebener – keiner, der die Bedeutung des Amtes mit der eigenen verwechselt und irgendwann verloren im luftleeren Raum aufwacht, weil niemand mehr aufsteht, wenn er den Raum betritt.
Nein – er weiß nicht, wie viele Prozesse es waren und natürlich weiß er nicht, wie viele Jahre er insgesamt „vergeben“ hat. (Da müsste man andere fragen. Kann sein, dass dergleichen in keine Statistik einfließt. Man ist ja nicht beim Fußball, wo alles festgehalten wird.) Aber was die ausgesprochenen Strafen angeht, dürfte es locker mehr sein als ein Jahrhundert. Eben hier wird deutlich, wie bedeutungsvoll und mächtig ein Richter qua Amt ist.

… leise Servus

Abschiede in Corona-Zeiten sind ein leises Ding. „Ich hatte an den letzten beiden Arbeitstagen alle aus dem Landgericht eingeladen, mich in meinem Zimmer zu besuchen – möglichst nicht in großen Gruppen.“ Sie waren alle da. Rubys Zeit ist abgelaufen: kein Resturlaub, der vor dem eigentlichen „Aus“ abzufeiern wäre. Erster Juli und Schlussaus. Irgendwie passt das. Fragen nach der Laufbahn pariert er mit einem Blatt, das er aus der Jackentasche zieht. Da steht alles zu Buche: das Zahlenwerk einer Karriere. Lückenlos reihen sich Indizien aneinander. Will man‘s wissen? Ein bisschen davon. Vielleicht. Staatsexamen 1982. Auf dem Zettel steht das komplette Datum: 13. August. (Ein Richter erscheint nicht unvorbereitet, denke ich.) Am Ende: 1. Juli 2020: Ruhestand.

Zeitung auch

Ruby hat in Bochum studiert. Während des Studiums hat er für die Zeitung gearbeitet: WAZ. (Kollege also.) Er hat über alles geschrieben und die Sache mit der Zeitung könnte etwas damit zu tun haben, dass der Mann mit dem Schnauzbart auch zehn Jahre lang Pressesprecher des Landgerichts war.

Kammerflimmern

Seit dem 8. November 2000 war Ruby Vorsitzender Richter am Landgericht. Baumringe eines Juristenlebens: 1. Strafkammer, 3. Strafkammer, 5. Zivilkammer, auswärtige Strafkammer, Schwurgericht. Hinter diesem Wort in Klammern: „zusätzlich“. Buchführung eines Juristen. Schluss mit Zahlen und Kammerflimmern. Das ist für Insider. (Nur am Rande noch: Auch das Kommen und Gehen der Landgerichtspräsidenten ist verzeichnet: Herr Soundso – von … bis.)

Zweifel?

Was wollte man einen Richter immer schon mal fragen? Vielleicht das: Wie lebt es sich mit dem Zweifel? Die Antwort kommt schnell. „Wenn ich unsicher war, habe ich immer für einen Freispruch plädiert.“ Das klingt einfacher als es am Ende sein mag. Es geht um viel vor Gericht und es braucht Menschen, die sich der Verantwortung nicht nur bewusst sind – das ist nicht genug: Sie müssen sich ihr stellen – in jedem Prozess aufs Neue, denn: Justiz ist kein Fließband.
Hat es viel Befangenheitsanträge gegeben gegen Ruby? „Ich kann mich nicht erinnern.“ Noch denkt man nach, wie das einzuordnen ist, da setzt er seine Antwort fort – 15 Sekunden Stille hat er gelassen. Denkstille. Der Mann ist keine Plaudertasche. Er weiß etwas über das Gewicht der Worte. (Im Namen des Volkes …) „Als Vorsitzender Richter stellen Sie vom Beginn eines Prozesses an eine Atmosphäre her. Das ist wichtig. Es geht um Vertrauen von allen Seiten und es geht darum, allen das Gefühl zu geben, alles sagen zu können.“

Alles Gute

Erinnerungen fahren vorbei. Ruby wünscht am Ende eines Prozesses den Verurteilten nicht selten „Alles Gute“. Es hat nie zynisch geklungen, wenn er das gesagt hat.
Zurück zum Zweifel. „Da gab es einen Fall, der sich in Moers abgespielt hat. Eine Frau wird tot in ihrer Wohnung gefunden. Der Mitbewohner – ein junger Mann, der die Polizei angerufen hatte, ist dann angeklagt worden, sie umgebracht zu haben. Es stellte sich im Lauf der langwierigen Beweisaufnahme heraus, dass sich die Polizei auf diesen Täter konzentriert hatte, ohne weitere mögliche Täter in den Blick zu nehmen. Da war beispielsweise ein Nachbar des Angeklagten – zu dem hätte die Tat viel eher gepasst. Wir haben dann auf dem Computer in der Wohnung ein Foto entdeckt, dass die Leiche von Sharon Tate zeigte. Sie erinnern sich vielleicht. Das war diese Satanistengeschichte damals in Amerika.“ (Richtig: Charles Manson, denke ich und: Quentin Tarantino: Once upon a time in Hollywood.) „Die Leiche der Frau in Moers war in der gleichen Position drapiert worden wie die von Sharon Tate. Und das Tate-Foto hatte sich jemand – ich weiß nicht wer – am Tattag angesehen.“ Der Prozess endete mit einem Freispruch. Zu viele Zweifel …

Bis heute unklar

Ruby erinnert sich an einen Prozess, bei dem ein völlig unbescholtener älterer Mann einer Frau aufgelauert und ihr dann in den Hals gestochen hat. Sie überlebte. „Es ist bis heute völlig unklar, warum der Mann das getan hat.“ Solche Dinge bleiben hängen. „Der Tathergang stand fest, aber es gibt bis heute keine Antwort auf das ‚Warum‘.“ Menschen brauchen Begründungen, denke ich. Punkte müssen verbunden werden, damit nicht Ratlosigkeit entsteht. Vor Gericht geht es um Geschichten, denke ich. Am besten ist es, wenn sie einen Sinn ergeben.
Natürlich gibt es auch Skurriles. „Wenn in einem Drogenprozess der Täter, in dessen Unterhose Drogen gefunden wurden, Ihnen sagt: ‚Ich weiß auch nicht, wie die da hin gekommen sind‘, dann ist das natürlich skurril, oder?“

Einmal Wuppertal: hin und zurück

Der längste Prozess. „Das war 2010.“ Zehn Angeklagte und 21 Verteidiger. „Wir sind an jedem Verhandlungstag mit dem Bus nach Wuppertal gefahren. Dort gab es einen Verhandlungssaal, der groß genug war. Wir haben im Herbst begonnen und waren, glaube ich, erst im März fertig.“

Die Keule

Die längsten letzten Worte, die Ruby je erlebte – auch so eine Geschichte. Der Prozess kam als Berufung vom Amtsgericht. Es ging um einen verurteilten Mörder. Der saß in Geldern ein und hatte sich dort beim Händler eine Kanninchenkeule bestellt. Nach dem Braten stellte er fest: Das Haltbarkeitsdatum für das Fleisch war abgelaufen. „Er hat dann wegen Betrugs geklagt.“ Im Streit wegen der Keule waren dann Anklagepunkte entstanden. Der Mann hatte unter anderem Beamte beleidigt. Seine letzten Worte beim Amtsgericht hatten sechs Stunden in Anspruch genommen. „Mir hatte er versprochen, dass er sich kürzer fasst. Es waren am Ende vier Stunden. Das meiste hatte er sich aufgeschrieben.“

Die Russen kommen

In einem anderen Prozess hatte ein Mann – er wohnte oben in einem Haus – die Türe seiner Wohnung von innen (!) in Brand gesetzt. „Er war sicher, dass auf der anderen Seite der Tür die Russen stehen und ihn holen wollen. Er hat sich also seinen eigenen Fluchtweg durch das Inbrandsetzen der Tür verbaut. Am Ende ist er durch ein Fenster in einer andere Wohnung gelangt. Angeklagt war er schließlich wegen Brandstiftung.“

Strafmaß

„Vor allem bei Drogendelikten haben Sie mitunter einen Strafrahmen zwischen zwei und 15 Jahren. Ich habe nie 15 Jahre verhängt. Im Kopf hat man dann immer: Was, wenn einer kommt und hat noch mehr Drogen dabei und die Umstände sind noch härter. Man muss da genau abwägen.“
Was, wenn ein Prozess „zurück kommt“, wenn also die Revision (der Anklage oder der Verteidigung) durchgeht … trifft einen das? „Wenn man einen Fehler gemacht hat, muss man versuchen, daraus zu lernen. Wenn es um eine Formulierung in der Urteilsbegründung geht, dann perlt das eher ab.“

Ich mach nix

Vielleicht mal zum Äußersten kommen. Gibt es denn Pläne für die Zeit danach? Schnelle Antwort: „Das haben mich in den letzten Tagen viele Menschen gefragt. Antwort: Ich mach nix.“ Reisen? Vorstellbar. „Aber nicht in diesen Zeiten.“ Ein Restaurantbesuch ist kein Maskenball.

Hierarchie, Kritik

Was hat sich geändert in den 24,5 Richterjahren? „Es gibt mehr Respektlosigkeiten. Und: Die Hierarchien sind flacher geworden. Nehmen Sie die Kantine: Früher wäre es undenkbar gewesen, dass Justizwachtmeister und Richter in der Kantine am selben Tisch sitzen. Heute ist das normal.“ Gut oder schlecht? „Was für eine Frage? Gut natürlich.“
Muss Justiz auch mit Kritik leben können? „Auf jeden Fall. Konstruktive Kritik hilft einem weiter. Man kann etwas lernen.“
Gibt es denn noch was auf dem Richterzettel, das der Journalist nicht abgefragt hat? „Ich war seit 1992 Mitglied des Präsidiums des Landgerichts. Zum Präsidium gehören der Präsident und Richter, die von ihren Kollegen gewählt werden. Seit 1992 bin ich immer wieder gewählt worden und so war ich das dienstälteste Mitglied des Präsidiums. Zehn Jahre lang war ich für die Personalangelegenheiten der Richter zuständig. Da ging es unter anderem die Verteilung der Richter auf die Amts- und Landgerichte und die Verteilung der Richter auf die einzelnen Kammern. Das heißt: Ich war in genau dem Gremium, das darüber zu entscheiden hatte, wie die Richter verteilt werden und habe andererseits Vorschläge gemacht. Das hat normalerweise zur Folge, dass der Richter, der für Personalangelegenheiten zuständig ist, nicht ins Präsidium gewählt wird. Ich habe es in den zehn Jahren, in denen ich das gemacht habe, für einen außerordentlichen Vertrauensbeweis gehalten, dass mich die Kollegen trotzdem gewählt haben. Es scheint also, dass ich das ganz gut gemacht habe. So jedenfalls habe ich mir das ausgedacht.“
Am Ende des Gesprächs der Eindruck: Da geht einer, der nicht ins Loch des Bedeutungsverlustes fällt, weil er Amt und Mensch sauber zu trennen in der Lage ist. Fliege nie höher, als du zu greifen in der Lage bist. Langweilen wird Ruby sich nicht. „Wir haben einen großen Garten“, sagt er, „und ich arbeite sehr gern da.“


Boulderhalle Kliff: Ab Samstag darf in Kleve geklettert werden – viel Erfolg!

rd | 10. Juli 2020, 13:40 | 3 Kommentare
Akrobatische Körperbeherrschung ist gefragt: Klettertest im Steilhang aus der Retorte (Foto: Jana Kathrin/Fotostudio Peschges)
Die farbigen Vorsprünge markieren jeweils unterschiedlich schwierige Kletterpfade (Foto: Jana Kathrin/Fotostudio Peschges)

Auf diesen Moment haben die beiden Unternehmensgründer Alexander Schmitz und Philipp Becker länger als gedacht warten müssen, doch am morgigen Samstag, 11. Juli, 10 Uhr, ist es so weit: Dank des Engagements der beiden jungen Männer und ihrer zahlreichen Unterstützer eröffnet in Kleve die Kletterhalle Kliff! (Der Name verweist auf die sprachlichen Ursprünge des Namens Kleve, der am „Kliff“ der Endmoräne erbauten Siedlung.)

Anfang des Jahres hatten die Bauarbeiten in der verkehrsgünstig gelegenen, leerstehenden Industriehalle an der Daimlerstraße begonnen (im anderen Gebäudeteil befindet sich der Schraubenhändler Würth), eigentlich sollte schon im April die Eröffnung sein. Damals, beim Baubeginn, ahnte noch niemand etwas von der Pandemie. Sie verzögerte auch das Vorhaben von Alexander Schmitz und Philipp Becker, allerdings, so muss man aus heutiger Sicht sagen, um gerade einmal drei Monate.

Ab morgen können also Freunde gepflegter, risikoloser Verrenkungen in künstlichen Steilhängen auch in Kleve auf ihre Kosten kommen (bisher war die Grip-Boulderhal in Nimwegen das nächstgelegene Ziel). Der Sport, im Fachjargon Bouldern genannt, erfreut sich insbesondere bei jungen Menschen großer Beliebtheit.

Es geht darum, einen farbig markierten Kletterpfad bis in ca. fünf Meter Höhe zu ersteigen. Die Farben bestimmen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Anfängern sei geraten: Bitte mit den leichteren Pfaden beginnen! Sonst ist die Frustration groß. Bei den schwierigen Strecken vielleicht einfach mal staunend einem fortgeschrittenen Kletterer zuschauen. Der Laie staunt, was möglich ist. Hat man die Zielmarkierung erreicht, darf man sich mit Wonne in die Tiefe fallen lassen, auf weiche Schaumstoffmatten, die die Wirkung der Schwerkraft aufs gnädigste zu mindern wissen.

Menschen, die sich in einer fortgeschrittenen Lebensphase befinden und in leichter Selbstüberschätzung glauben mögen, dass so ein bisschen Rumklettern ja wohl nicht so schwierig ist, werden, wie der Autor, merken, dass sie nach zwei Stunden so erschöpft sind, dass sie es kaum noch bis in den gastronomischen Bereich schaffen, und am nächsten Tag in entlegenen Regionen des Körpers Muskeln spüren, von denen sie nicht einmal wussten, dass es sie gibt. Insgesamt also auch eine sehr empfehlenswerte Betätigung, um den unvermeidlichen Verfallserscheinungen des Alters entgegenzuwirken. Schwinden die Kräfte, lässt man sich einfach fallen in den weichen Schoß des Schaumstoffs.

Trotz der Beschränkungen wegen Corona dürfen bis zu hundert Besucher gleichzeitig in die weiträumige Halle. Unter https://kliff-boulderhalle.de/ besteht die Möglichkeit, sich online anzumelden. Nett ist die Idee, dass es auf der Website auch einen Besucherzähler gibt, der anzeigt, wie viele Gäste gerade in der Halle sind. Die Preisgestaltung ist sehr moderat, eine Tageskarte ist schon ab 10 Euro zu haben, Kinder zahlen nur sieben Euro. Es gibt Ermäßigungen, insbesondere für Familien, zusätzliche Angebote hat Kliff für die Teilnahme an Kursen, für Gruppen und für Firmenevents. Ein stilvoll gestalteter Gastrobereich mit dem feinen Neumarkter Lammersbräu im Ausschank rundet das neue Angebot ab. Eine Bereicherung für Kleve – kleveblog wünscht viel Erfolg!


17 Tage ohne neue (erkannte Infektion): Rechnerisch ist die Stadt Kleve Corona-frei

rd | 09. Juli 2020, 15:46 | 2 Kommentare
Sieht aus wie die Stiftskirche, fand ein Kommentator: Die offizielle kleveblog-Corona-Kurve des Kreises Kleve (Neuinfektionen im Kreis je Woche)

Aktuell sind im ganzen Kreis Kleve nur noch 14 Menschen an Corona erkrankt, und in den vergangenen sieben Tagen hat es nur sechs Neuinfektionen gegeben. Noch besser sieht es für die Stadt Kleve aus, wo seit nunmehr 17 Tagen kein einziger neuer Fall verzeichnet worden ist (was streng genommen nicht heißt, dass es keine gibt). Rein rechnerisch bedeutet dies aber, dass im Augenblick im Stadtgebiet kein einziger Mensch mit Corona herumläuft, was ja für sich genommen eine erfreuliche Nachricht ist.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Es hat sooo gefehlt (noch 7 Tage)!

rd | 06. Juli 2020, 16:56 | 16 Kommentare

Duell der Wasserkocher, clevere Nougatattacke von Milka – was Sie heute über den Kapitalismus wissen müssen

rd | 05. Juli 2020, 18:40 | 27 Kommentare

Der kleveblog-Kenner weiß es längst: Wenn im Aldi-Süd-Prospekt erst der Whirlpool PureSpa 77 (mit neckischer Binnenmajuskel) aus hochfestem, dreifach laminierten Vinyl für 399 Euro angeboten wird und eine Woche später der elektrische (!!!) Räucherofen Ambiano (59,99 Euro), dann kann es nicht lange dauern, bis hier in epischer Breite eine grundsätzliche Abrechnung vorgenommen wird mit den Erzeugnissen der Warenwelt, mit denen wir unsere Haushalte und Gärten zumüllen, bis nach unserem Ende der Entrümpler kommt und alles in einen großen Container wirft, der nach Asien verschifft wird, wo aus dem ganzen Quatsch womöglich in der nächsten Generation elektrische Räucherwhirlpools konstruiert werden, die es dem Nutzer erlauben, sich gleichzeitig zu baden und zu räuchern, und vielleicht ist irgendwo am Rand des Vinylbeckens noch ein Schlitz für Toasts und ein USB-Anschluss.

Es hat alles keinen Sinn! Das System ergeht sich in Zusatzfunktionen, wo aber bleibt das wirklich Neue?

Während noch Überlegungen laufen, was man probeweise räuchern könnte (Uwe Johnson: Jahrestage vielleicht, Äpfel, Gartenblumen, Unterwäsche), fällt der Blick in einer bisher wenig beachteten Ecke des Anwesens auf einen Wasserkocher. Ein Wasserkocher von WMF! (Die Frage, warum er ungenutzt und originalverpackt da herumliegt, wird in einem anderen Beitrag beantwortet.)

Viele wissen es nicht (mehr), deshalb sei an dieser Stelle angefügt: WMF steht für Württembergische Metallwarenfabrik, und Sachen von WMF sind die Daimler-Benze unter den Küchengeräten. Nebenbei bemerkt, das allerhaltbarste Haushaltsgerät in meinem Besitz ist ein Kellnermesser genannter Korkenzieher, den mir ein sehr nahestehender Mensch mal aus Berlin mitgebracht hatte. Erworben wurde er in der Weinhandlung im Willy-Brandt-Haus, also in der SPD-Parteizentrale. Da darf man Lafontainequalität (2-3 Entkorkungen pro Tag) erwarten, und zumindest diese Hoffnung hat die SPD nicht enttäuscht.

Zurück zum Wasserkocher. Es handelt sich um ein extrem wichtiges Haushaltsgerät, weil sich damit die Zeit, die man zum Kochen von Nudeln verwendet, stark verkürzen lässt (das kochende Wasser in den Topf geben!). Bisher kam im Haushalt D. ein zugegebenermaßen nicht auf der Höhe des kontemporären Designs befindliches Plastikprodukt zum Einsatz, das vor Urzeiten bei einem Kaffeeröster in der Großen Straße erstanden wurde. Ich rätsele noch, welche Kombination aus Eigenschaften mich dazu trieb, das Gerät zu kaufen. Bei Tchibo lockt immer eine Potenzierung des Produktnutzens, z. B. bietet sich in den Regalen nicht einfach nur eine Kaffeetasse an, sondern mindestens eine Thermo-Müsli-Kaffeetasse. Aktuell eine Kühlbox mit Tischkicker. Naja, wahrscheinlich handelte es sich um einen Funktions-Wasserkocher.

Nun plötzlich bekam die Maschine also Konkurrenz, ein neues junges Ding machte der alten Dame den Platz auf der Anrichte streitig. Aber, fair, wie wir sind, sagten wir, nicht die Schönere möge obsiegen, sondern die, die uns schneller zu den Nudeln führt. In beide Gerätschaften also 0,75 Liter Wasser eingefüllt und sie sodann simultan gestartet. Welch schönes Schauspiel bietet der WMF-Silberling! Eine Leuchtdiode strahlt das Wasser leuchtend blau an, das sieht nach Energie und Power aus, dass es nur so blubbert. Das Sounddesign passt dazu, es klingt nach Arbeit. Und die Plastikdame nebenan: Gar nichts, nur ein grünes Licht am Knopf erweckt den Eindruck, das sich überhaupt Prozesse der Aufheizung vollziehen.

Doch auch stille Wasser können heiß werden. Nach ca. anderthalb Minuten beginnt im bisher mucksmäuschenstillen Tchiboteil der Siedevorgang, während im WMF-Konkurrenten die Leuchtdiode weiterhin das Geblubber nur simuliert. Nach 1:42 min meldet Tchibo Vollzug, während WMF sich zwar optisch in der Nähe des Siedebeckens eines Kernkraftwerks bewegt, aber erst 19 Sekunden später die gewünschte Leistung erbracht hat. Womöglich ist also bei WMF die ganze Energie für nutzloses Chi-Chi draufgegangen, statt sich um die eigentliche Arbeit zu kümmern. Was lernen wir? Lasse dich nicht von leuchtenden Dioden täuschen, lieber Leser, beachte die inneren Drähte!

Womit die Einleitung zu einem Ende gelangt wäre, denn eigentlich sollte hier weder von betrüblichen Fehlentwicklungen bei Whirlpools noch von simulierenden Wasserkochern die Rede sein, sondern von einer tatsächlichen, bemerkenswerten Neuentdeckung in der Warenwelt, die es wirklich verdient, gelobt zu werden.

Denn es gibt eine wirkliche Neuheit – und damit also noch Hoffnung!

Kürzlich streifte mein stets forschender Konsumentenblick bei einer Brüggemeiersafari ein lilafarbenes Gläsermassiv. Lila, das ist doch Milka! Gläser wiederum sind nicht Milka. In diesem Falle aber doch, für 1,99 Euro bot der Händler Unmengen einer Nuss-Nougat-Creme aus dem Hause Milka an. Wer häufiger mal zum Nutellaglas greift und sich nach diversen Versuchen in Untreue (Nusspli, Nutoka) doch widerstrebend in die Fänge der braunen Paste begeben hat, denkt: der nächste gescheiterte Versuch.

Lila Nussnougatmassiv
Ein Test, wie er härter kaum vorstellbar ist

Gekauft haben wir es trotzdem. Dann der Härtetest: eines dieser mehrstündigen Sonntagsfrühstücke. Da scheidet sich die Spreu vom Weizen. Viel Hoffnung hatten wir für die Neuentwicklung nicht, zumal die Entjungferungsfolie unter dem Deckel auch keinen besonders wertigen Eindruck erweckte, anders als die zart zum Zerreißen gespannte Goldfolie in den Nutellagläsern. Jedoch: Als das Messer in die braune Milkamasse eintaucht, werden wir Zeuge einer ungeahnten Cremigkeit, die fast in Richtung Honig geht, aber kurz vorher halt macht. Perfekt viskoser kann eine Nuss-Nougat-Creme nicht sein, da hat die Milkaforschung wirklich etwas Feines hervorgebracht. Der Geschmack überrascht zudem mit einer angenehmen Nussigkeit und Schokoladität. Ein Blick aufs Zutatenschild macht deutlich, dass dies mit etwa dem gleichen Anteil an Haselnüssen am Gesamtprodukt erreicht wurde.

Die weitere Analyse zeigt, dass die Milkaingenieure aber einen anderen klugen Schachzug gemacht haben: Das Produkt enthält, anders als Nutella, kein Palmöl – womit die ökologisch medium engagierte Fraktion endlich eine Alternative hat, die keine Gewissensbisse bezüglich Umweltzerstörung in Asien auslöst, zugleich aber den Haushaltsetat nicht ungebührlich belastet. (100 Gramm Milka Haselnusscreme kosten 56,8 Cent. Der Benchmarkpreis von Nutella bei Aldi beträgt 53,2 Cent.)

Wer hätte gedacht, dass in diesem von Nutella so einseitig dominierten Markt noch Platz ist für etwas wirklich Neues? What a time to be alive!

Wo Sie gerade bis hier gelesen haben:


Corona: Rückzug des Virus geht weiter

rd | 05. Juli 2020, 16:45 | 3 Kommentare
Corona im Kreis Kleve (neue Fälle pro Woche seit dem 15. März): Es geht bergab

Im gesamten Kreis Kleve (311.000 Einwohner) gab es in den vergangenen sieben Tagen gerade einmal acht Neuinfektionen. In Kleve (Stadt) in 16 Tagen nur einen einzigen Fall einer (erkannten) Infektion mit dem Corona-Virus. Städte wie Kranenburg liegen schon seit Wochen bei einem konstanten Wert. Es sieht so aus, als ob die Pandemie zumindest den Niederrhein wieder verlassen wird, aber – Sportler wissen das – man sollte nicht jubeln, bevor der Schlusspfiff ertönt.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


In 15 Tagen in der Stadt nur ein neuer Corona-Fall!

rd | 03. Juli 2020, 13:55 | 1 Kommentar

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Kleve ist nicht Provinz, sondern Provence!

rd | 03. Juli 2020, 13:51 | 32 Kommentare
Beweisfoto: Dagmar Jordan

Merkur im Glück: Sporthallen ab 13. Juli wieder frei

rd | 02. Juli 2020, 15:56 | keine Kommentare
Nie wieder!

Wer je gesehen hat, wie sich Kühe verhalten, die nach einem langen und trüben Winter im Stall im Frühjahr erstmals wieder auf die Weide gelassen werden, weiß, welche Szenen sich am Montag, 13. Juli, in der Sporthalle des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums abspielen werden. Zum letzten Mal konnten die Basketballer des VfL Merkur Kleve die Halle offiziell am 12. März nutzen, schon da allerdings hatten sich die Reihen deutlich gelichtet. Dann kam der Lockdown. Wie andere Mannschaftssportler auch waren die Basketballer dazu gezwungen, durch den Wald zu joggen oder zu Hause persönliches Krafttraining, beispielsweise an Rudergeräten, zu betreiben. Mangels geeigneter Anlagen in Kleve war sogar das Training unmöglich, als wieder Kontaktsport erlaubt war, sodass die Klever Spieler nach Kalkar zogen, um die beiden dort neu eröffneten Streetball-Felder zu testen. Fazit: Guter, ehrlicher Asphaltboden, aber warum sind Handwerker in Deutschland nicht in der Lage, Körbe auf die korrekte Höhe von 3,05 m anzubringen. So schwer ist das ja nun auch nicht. Aber immerhin, Kalkar hat eine Anlage, von der Kleve nur träumen kann. In ihrer geliebten Halle freilich konnten die Basketballer auch nach der Freigabe von Indoor-Aktivitäten nicht trainieren oder spielen – die Schule brauchte die weiten Räume der Sportstätte, um ordnungsgemäß distanzierten Unterricht abhalten zu können. Doch nun sind Sommerferien, und nach einer Woche der Demontage von Tischen und einer weiteren Woche, in der eine gründliche Grundreinigung erfolgt, sind die Basketballer endlich wieder daheim! Gefühlt geht es dann in der Halle so zu:

And one!

Aus dem Redaktionsalltag (nicht erfolgte Korrekturen)

rd | 01. Juli 2020, 11:57 | 24 Kommentare
Wenn wirklich alles egal ist…

Reine Leere: Hochschule Rhein-Waal macht erst mal Urlaub, und das nächste Semester ist dann auch digital!

rd | 29. Juni 2020, 23:29 | 39 Kommentare
Sag mir, wo die Studierenden sind, wo sind sie geblieben? (Foto: Klaus Oberschilp)

Erstsemester, die fröhlich zechend durch die Stadt ziehen („Pub Crawl“), volle Hörsäle, Schlangen mittags an der Mensa, Englisch sprechende junge Menschen an der Kasse von Edeka Brüggemeier – auf all das wird Kleve auch in den kommenden Monaten verzichten müssen, und die Frage ist (sobald es sich eingespielt haben sollte), warum Menschen aus aller Welt überhaupt noch zum Lernen nach Kleve kommen sollten, wenn doch alles so schön online geht?

Tatsache ist, dass die Studierenden jetzt erfahren haben, dass auch das nächste Semester wegen Corona komplett online stattfinden wird. Dekan Professor Ralf Klapdor schrieb den Studierenden seiner Fakultät Gesellschaft & Ökonomie in der vergangenen Woche in einer Mail, wie er und seine Kolleginnen und Kollegen das aktuelle Semester – in der HSRW scherzhaft Cemester genannt – erlebt haben und wie es weitergehen soll: „Diese Herausforderungen bedingen nicht nur für Sie zusätzliche Probleme und Anstrengungen, sondern auch für alle Lehrenden der Fakultät. Wenn wir hoffentlich Anfang Juli erfolgreich auch die anstehenden online-Prüfungen absolviert haben, werde ich daher alle Professoren und Mitarbeiter bitten, erst einmal Urlaub zu machen, um sich zu erholen. “

Erst mal durchatmen!

Und dann? Klapdor: „Sie werden sicherlich auch sehr interessiert sein, wie sich das Wintersemester darstellen wird. Auch wenn sich die Corona-Situation leicht entspannt hat, führen die Rahmenbedingungen (große Vorlesungsgruppen, internationale Studierendenschaft) dazu, dass wir auch für das Wintersemester festgelegt haben, dass alle Pflichtveranstaltungen online angeboten werden. Wir werden versuchen, ein zusätzliche Angebot an Arbeitsmöglichkeiten und auch einige freiwillige Angebote für das Wintersemester zu organisieren, aber es ist sichergestellt, dass Sie das Semester auch komplett online absolvieren können, wenn Sie nicht in Kleve sind, bzw. sein können.“

Kneipen, die sich auf Studenten spezialisiert haben, Immobilienbesitzer, die mit der überteuerten Vermietung von Kellerlöchern noch einen schnellen Euro gemacht haben, Basketballmannschaften, die ausgezeichnete chinesische Aufbauspieler in ihren Reihen zählen – alles, was einmal die fröhliche und davon gut verdienende internationale Studentenstadt Kleve ausmachte, muss in den kommenden Monaten womöglich neu verhandelt werden. Wird es je wieder sein wie zuvor?

Insbesondere Landrat Wolfgang Spreen, der die Hochschule und den Flughafen als die beiden Leuchtturmprojekte seiner Amtszeit ansieht, muss in den letzten Wochen seiner Amtszeit erleben, dass beide Vorhaben sich vor seinen Augen auflösen: in Weeze der Zombieflughafen, der nur noch mit Millioneninjektionen aus der öffentlichen Hand vor dem Tode bewahrt wird (und einem Geschäftsführer Ludger van Bebber, der sich an die Dortmunder Fleischtöpfe geflüchtet hat (Jahresgehalt > 313.000 Euro (Quelle; Ruhr-Nachrichten)) , und am Spoykanal die Hochschule, die sich aufgrund einer durchgedrehten Internationalisierungsstrategie der Gründungspräsidentin Prof. Dr. Marie-Louise Klotz nunmehr als ein Ensemble leerstehender Gebäude präsentiert.


Studentenhumor – IT-Leiter der Hochschule Rhein-Waal kapituliert

rd | 29. Juni 2020, 22:54 | 13 Kommentare
Die Humorabteilung von kleveblog sagt: So ähnlich sieht der Redaktionsrechner auch aus

Wie das so ist, wenn einem plötzlich ein „Cemester“ angeboten wird und alles digital ablaufen muss: Nicht alles klappt, und manches verwundert die Studenten an der Hochschule Rhein-Waal, beispielsweise eine Server-Wartung ausgerechnet in der Endphase des Semesters, die die Studenten von allen benötigten Zugriffen abschnitt.

Vielleicht hätte man auch zwei Wochen warten können, man weiß es nicht. Jedenfalls machte einer der Studenten seinem Unmut Luft und postete in der HSRW-Facebook-Gruppe des AStA das Foto einer (vemutlich) Süßkartoffel oder (wahrscheinlicher) eines Laibs Brot, in der/dem allerlei Kabel- und Steckverbindungen steckten. Wer ein wenig von IT versteht, weiß insbesondere das schöne Detail des VGA-Anschlusses zu schätzen. Damit wurden ca. 1990 Bildschirme angeschlossen. Um den Scherz perfekt zu machen, postete der Student zu dem Foto: „OFFICIAL: Photo from HSRW server room“.

Man kann den Unmut verstehen, insbesondere, wenn man weiß, dass eine der neuesten Hochschulen Deutschlands digital etwas unterentwickelt unterwegs ist, beispielsweise in Sachen Studentenausweis. Fortgeschrittene Hochschulen, z. B. die Universität in Köln (gegründet 1386), bieten ihren Studenten eine Karte, die ihnen als Studenten-, Bibliotheks- und Mensaausweis dient. In Kleve kriegen die Studenten drei Ausweise und müssen im Bus noch ihren Personalausweis dazu zeigen. Fail, würde der IT-Mensch sagen.

Aber wie failed ist die HSRW?, so eine misshandelte Süßkartoffel mit ein paar Steckern drin darf da ja wohl nicht als Beweis dienen. Das Interessante an diesem Studentenscherz ist aber, dass sich darauf ein Facebook-User namens Marcus Proest zu Wort meldete. Wer ihn nicht kennt: Er ist der bei der Hochschule Rhein-Waal ausweislich deren Website: „ Leitung Dezernat Informationstechnik“, vereinfacht gesagt also der Herr aller Rechner an der HSRW.

Und was sagt der gute Mann? Hier die Übersetzung, Screenshot seines Posts unten: „Insbesondere in der pandemischen Situation ist es sehr wichtig, Wartungsarbeiten, wie diejenige, die meine Kollegen gerade eben machen, durchzuführen. In der Tat haben wir weder das Personal noch die grundsätzliche finanzielle finanzielle Ausstattung, um einen vollständigen, redundanten Service anbieten zu können, und so wird es auch nie sein. Auf jeden Fall sind Posts wie dieser, einfach nur beleidigend für meine hart arbeitenden Kollegen, die versuchen, mit den verfügbaren Mitteln den bestmöglichen Service anzubieten.“

@Marcus Proest: Holen Sie sich schon mal einen Termin beim Chef. Es war vermutlich ihr letzter Post.


Corona: Zum ersten Mal eine Woche ohne neuen Fall in Kleve!

rd | 29. Juni 2020, 22:21 | keine Kommentare
Um noch Platz für ein paar Wochen zu haben, wurde die Kurve mit der technisch sehr empfehlenswerten App SCHWAMM etwas gestaucht (x-50%). Der Trend zeigt in Richtung Erdgeschoss

Zum ersten Mal seit Ende März hat es in Kleve über eine Zeitraum von sieben Tagen keine registrierte Neuinfektion mehr gegeben. Der Erreger ist, anders als in Gütersloh oder Houston, auf dem Rückzug. Hoffentlich bleibt das so. Die Zahl der momentan Erkrankten liegt bei 32, die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen bei 18 – allesamt gute Werte. Wer mehr wissen möchte:

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Corona aktuell: 6 neue Fälle, Sternbusch öffnet Sonntag (ist aber schon ausgebucht), Moyländer Weihnachtsmarkt abgesagt

rd | 26. Juni 2020, 13:57 | 8 Kommentare
Stabiles Geschehen

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve

Am Sonntag öffnet das Sternbuschbad, da das Wetter schlecht werden soll, dürfte sich der Andrang in Grenzen halten. Aber auch bei gutem Wetter wird nichts mehr so sein, wie es war:

Die 40.000 Quadratmeter große Liegewiese bietet zwar viel Raum für den erforderlichen Mindestabstand, aber die Anzahl der Besucher im Sternbuschbad wird über den Online-Ticket-Shop begrenzt. Auch die gleichzeitige Nutzung der Einrichtungen ist limitiert. Die Höchstzahl der Besucher in den jeweiligen Becken ist durch Hinweisschilder an den Becken erkennbar.

Wichtig: Der Zutritt zum Sternbuschbad ist derzeit nur mit einem Online-Ticket möglich. Das gesellige Warten in einer zweihundert Meter langen Schlange in der Mittagssonne ist ersatzlos gestrichen. An der Kasse ist kein Ticketkauf möglich. kleveblog-Service: Hier geht es zum Online-Shop. (Der Sonntag ist aber schon ausgebucht. Es gibt zwei Zeitfenster (9 Uhr, 14 Uhr), beide sind belegt.)

Der berühmte Weihnachtsmarkt in Schloss Moyland ist gestrichen, teilten die Organisatoren heute mit.


Filikran

rd | 25. Juni 2020, 22:06 | 5 Kommentare
Sommer über der Spyckstraße (Franziskushaus) (Foto: Der Kalkarer (wieder in Kleve))

Rainer Severin stirbt vor Kreistagssitzung – Tod des Abgeordneten sichert CDU-Mehrheit für Flughafen-Zuschuss ab, Entscheidung schmälert Chancen von Silke Gorißen aufs Landratsamt

rd | 25. Juni 2020, 14:17 | 26 Kommentare

Manchmal sind im Luftraum über Weeze Flugzeuge. Dieses ist ein Airbus A321 von WizzAir auf dem Weg von Krakau nach Eindhoven

Ein Strauß lag auf dem verwaisten Platz von Rainer Severin im Saal des Berufskollegs am Weißen Tor, wo sich der Kreistag am Mittwochabend zu seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause zusammengefunden hatte. Der Abgeordnete der Linken, der eine Fraktionsgemeinschaft mit den Piraten gebildet hatte, war in der Nacht zuvor verstorben. Sein Tod führte dazu, dass die CDU eine absolute Mehrheit hatte, um einem Freund in der Not zu helfen.

Ludger van Bebber, noch Geschäftsführer des Flughafens Niederrhein in Weeze, in der vergangenen Woche aber schon vom Rat in Dortmund als neuer Chef des Airports in Dortmund bestätigt, hatte wie so oft in den vergangenen Jahren bei seinen Buddys im Kreishaus angeklopft und um Geld gebettelt. Zwei Millionen Euro waren es erst Ende des vergangenen Jahres gewesen, nun sollten es, wegen Corona, noch einmal sechs Millionen Euro werden.

Der Flughafen braucht Geld wie ein Junkie Heroin. Und so, wie der Süchtige in aller Regel seine Lage etwas beschönigend darstellt („alles unter Kontrolle“) hatte van Bebber dem Kreis rosige Aussichten für den Airport in Aussicht gestellt und dazu noch etwas von 1000 Arbeitsplätzen fabuliert, die angeblich in und um den Airport entstanden seien. Der Öffentlichkeit, von der das Unternehmen die Millionen erhalten sollte, blieb der Geschäftsführer dreisterweise jeden Beweis schuldig, wo diese Arbeitsplätze sich genau befinden und um welche es sich handelt. Für die Akten: Die Flughafen Niederrhein GmbH hat ausweislich ihrer Bilanz aus dem Jahr 2018 exakt 90 Arbeitsplätze. Die anderen 910 sollten die Abgeordneten des Kreistags einfach mal als existent hinnehmen.

Als der unabhängige Kandidat für das Landratsamt, der parteilose Bürgermeister Peter Driessen aus Bedburg-Hau, zum Auftakt seines Wahlkampfs in der vergangenen Woche ankündigte, im Falle seiner Wahl erst einmal ein paar unabhängige Wirtschaftsprüfer auf den Flughafen anzusetzen, dürften bei allen Beteiligten die Alarmglocken geläutet haben. Und auch Silke Gorißen hatte sich, als sie auf der Kreismitgliederversammlung der CDU in Kevelaer als Landratskandidatin ihrer Partei aufs Schild gehoben wurde, durchaus kritisch zur Zukunft des Airports geäußert. Van Bebber saß im Publikum.

In den vergangenen Wochen wurden alle Kräfte mobilisiert, um das Prestigeprojekt Flughafen Weeze über den Sommer zu retten. Hans-Josef Kuypers, der Kreis-Wirtschaftsförderer, durfte in seiner Hauspostille Rheinische Post eine Studie des Bundes der Steuerzahler völlig verfälschend wiedergeben und schrieb, dass sich der Flughafen so schön in den Hochglanzprospekten seiner Gesellschaft mache. Die Zeitung war sich nicht zu schade, die Irreführung der Öffentlichkeit abzudrucken.

Dennoch bröckelte die Front, die noch vor Jahren den Flughafen begeistert getragen hatte. Sowohl Grüne und SPD wie auch die FDP, die eigentlich auf Kreisebene mit der CDU zusammenarbeitet, kündigten an, gegen eine weitere Bezuschussung des Flughafens zu sein. Das deckte sich auch mit der Beschlusslage im Kreis selbst, der schon 2015 – anlässlich der Gewährung eines damaligen Zuschusses – weitere Gelder für den Airport ausgeschlossen hatte.

Auch die Bewegung Fridays for Future, mittlerweile eine ernst zu nehmende Größe, wenn es um junge Wähler bei Kommunalwahlen geht, wandte sich gegen das Projekt. Die jungen Aktivisten brauchten sich nicht einmal in die Bilanzen zu vertiefen, sie sehen den Luftverkehr auf Landratspisten schon aus ökologischen Aspekten als eine verfehlte Form von Strukturpolitik.

So sah es vorgestern noch danach aus, als sei die CDU im Kreistag auf die Stimmen der AfD und die des Landrats selbst angewiesen, um dem Freund den Stoff zukommen zu lassen. Dann verbreitete sich die Nachricht vom Tode Rainer Severins, und auch zwei weitere Abgeordnete fehlten, während die Christdemokraten vollständig erschienen waren. Sie drückten den Deal mit ihrer Mehrheit durch, das ist Demokratie.

Demokratie ist auch, wenn am 13. September der neue Landrat gewählt wird. Die CDU kann sicher sein, am Mittwoch um 21:45 Uhr, als mit der Entscheidung über den Nachtragshaushalt auch die Finanzierung des Flughafens durch war, ihrer eigenen Kandidatin so richtig schön in die Knie geschossen zu haben. Klüngel kommt selten gut. Aber Silke Gorißen gehört auch nicht zum Kreis der Buddys. Ihre Chancen wurden gestern Abend auf dem Altar der Startbahn Weeze geopfert.

Sieht so aus, als sei sie von ihrer Partei geopfert worden: CDU-Landratskandidatin Silke Gorißen (Foto vom 29. Januar, nach ihrer Wahl zur Kandidatin in Kevelaer)

Eil: CDU stimmt mit AfD und Piraten für Flughafen

rd | 24. Juni 2020, 20:36 | 80 Kommentare

Was zählen schon Überzeugungen? Aktuell hat die CDU gemeinsam mit der AfD und den Piraten für den neuen, nächsten Flughafen-Zuschuss gestimmt! Die Entscheidung über den Nachtragshaushalt steht zwar noch aus, aber Beobachter rechnen mit denselben Mehrheitsverhältnissen.


Datenschutz?! Darum sagt der Flughafen nichts zu den angeblich „1000 Arbeitsplätzen“; FFF: „Fass ohne Boden nicht weiter mit Geld befüllen!“

rd | 24. Juni 2020, 13:40 | 7 Kommentare
13:22 Uhr über dem Niederrhein, ein Privatflieger in der Nähe von Voerde, das war’s (Screenshot: Flightradar)

kleveblog hatte beim Kreis nachgefragt, bei der IHK und schließlich auch beim Flughafen. Die ersten beiden sagten, man habe die Information vom Flughafen, der Kreis bat sogar, sich dorthin zu wenden für weitere Auskünfte. Machte kleveblog auch, doch die Mail an den Marketingleiter des Flughafens blieb ohne Antwort. Jannik Berbalk, Aktivist bei Fridays for Future, meldete sich ebenfalls bei Terhorst. Ihm, so Berbalk, habe Terhorst gesagt, man dürfe aus Datenschutzgründen nichts Näheres zu der Zahl sagen (Pressemitteilung von FFF am Ende des Textes).

Selten ist die Öffentlichkeit fröhlicher hinters Licht geführt worden! Der Flughafen, der darauf hofft, in heutiger Sitzung des Kreistags das OK für eine weitere Finanzspritze zu bekommen (in Summe sechs Millionen Euro), verweigert die weiteren Auskünfte zu einer fundamentalen Zahl, die dieses Ansinnen belegen soll. Zur Information: In der jüngsten veröffentlichten Bilanz sind 90 Arbeitsplätze bei der Flughafen Niederrhein GmbH aufgelistet, auch da ohne Aufschlüsselung nach Vollzeitäquivalenten. Das zugunsten des Flughafens eingerechnet, müssten also noch irgendwo 910 Arbeitsplätze aufzufinden sein. Die SPD sprach in einer jüngsten Veröffentlichung schon nur noch von 650 Arbeitsplätzen, und Barbara Hendricks, Ex-Umweltministerin aus den Reihen der Sozialdemokraten und lange Zeit eine Befürworterin des Projekts, wird heute in der NRZ so zitiert: „Flughafen macht es sich zu einfach.“

Offen für eine weitere Förderung des Flughafens ist bisher nur die CDU-Kreistagsfraktion. Der Landrat vermutlich auch. Doch das ist noch nicht die Mehrheit. Lösungen, die nicht in einer sofortigen Injektion von Liquidität bestehen, dürften dem Flughafen nicht helfen. Das Insolvenzrecht versteht keinen Spaß, wenn bei einer Überschuldung nicht sofort die Notbremse gezogen wird.

Hier die Pressemitteilung von FFF zur aktuellen Diskussion um den Flughafen (Wortlaut):

Flughafen Weeze soll keine Finanzspritze erhalten.
Die Fridays for Future Bewegung im Kreis Kleve ist gegen eine erneute Finanzspritze für den Flughafen Weeze. Der Flughafen in Weeze steht seit Jahren in der Kritik und wird weder gestern, heute noch morgen ohne Finanzmittel des Kreises und der Kommune Weeze auskommen, so die Meinung der Bewegung im Kreis Kleve.
Seit Jahren ist die Fluggastabwicklung am „Airport Weeze“ rückläufig und die Prognosen der Verantwortlichen sind nicht eingetroffen. Die baldige Erhöhung der Flugtransaktionssteuer und die Bepreisung von Kerosin, welche für eine Klimaneutralität und stärkere Konkurrenzfähigkeit für andere Transportmittel in Deutschland unerlässlich sind, werden den Flughafen weiter in die Defensive rücken lassen. „Es ist davon auszugehen, dass der Flughafen weiter an Bedeutung verlieren wird. Die Analyse, welche vom Bund der Steuerzahler ausgeht, ist auf Daten von 2017 und 2018 getroffen worden und somit mit Blick auf den Klimaschutz längst wieder überholt. Man konnte bereits letztes Jahr sehen, dass der Flughafen auf externe Hilfen angewiesen ist”, führt Falko Mesch an, welcher Mitglied im Vorstand von Fridays for Future Kleve ist.
Auch die 1.000 Arbeitsplätze am Flughafen, welche von Kommune, Landrat und Flughafen ins Feld geführt werden, werden in ihrer Zahl und Art sehr kritisch betrachtet. „Die Flughafenbetreiber und der Landrat können seit Eröffnung des Flughafen keine glaubwürdigen Angaben geben, in welche Schlüsselbereiche diese Arbeitsplätze aufgeteilt sind. Der Landrat verweist nur auf die Angaben der Betreiber des Flughafens“, erläutert Jannik Berbalk, ebenfalls Mitglied des Vorstands,und betont: „Man könnte davon ausgehen, dass hier mit allen Mitteln getrickst wird um den Flughafen mit Steuergeldern am laufen zu halten. Wir sollten das Fass ohne Boden nicht weiter mit Geld befüllen!“
Neben den zweifelhaften Arbeitsplatzzahlen und der prekären Arbeitssituationen , kritisiert die Fridays for Future Bewegung die fehlende Berücksichtigung von Klimazielen und Klimaschutzmaßnahmen bei der großzügigen Verteilung von Finanzspritzen. Fridays for Future fordert, dass die 6 Millionen Euro besser in die lokale Gastronomie und Tourismuswirtschaft gesteckt werden oder in sinnvolle Klimaschutzmaßnahmen. „Gerade in Zeiten von Corona könnte die lokale Tourismusbranche und der Klimaschutz mehr Geld erhalten, denn auf lange Sicht müssen wir die Flugreisen reduzieren und unsere Gesellschaft auf weitreichenden Klimaschutz ausrichten“, ergänzt Lotte Rohde, Vorstandsmitglied Fridays for Future Kleve.

Und zur weiteren Dokumentation noch ein Interview mit Ocke Hamann, einem der Geschäftsführer der IHK Duisburg Wesel Kleve:



IHK-Geschäftsführer Ocke Hamann (Foto: IHK/Michael Neuhaus)

Sie schreiben im Betreff „Systemrelevanz des Airports Weeze“. Im Text ist davon nicht mehr die Rede. Im zweiten Absatz unterstellen sie dem Flughafen eine „große Relevanz“, allerdings nicht in seiner Wesenheit als Flughafen, da Sie selbst im Nebensatz einschränken: „auch wenn er für Güter- und Geschäftsreiseverkehr keine Rolle spielt“. Im nächsten Absatz heißt es dann: „Im Zusammenspiel mit den anderen NRW-Luftverkehrsstandorten ist der Flughafenstandort in NRW systemrelevant.“ Gerne hätte ich vor dem Hintergrund dieser wenig konzis wirkenden Ausführungen eine Erläuterung, was die IHK unter Systemrelevanz versteht.

Hamnn: Unternehmen oder Einrichtungen, die für die Region eine bedeutende volkswirtschaftliche beziehungsweise infrastrukturelle Rolle spielen. Beides ist im Zusammenhang mit dem Airport Weeze gegeben.

Wie definieren Sie das „Zusammenspiel mit den anderen NRW-Luftverkehrsstandorten“?

Hamann: NRW verfügt über eine dezentrale Luftverkehrskonzeption. Diese ist im Luftverkehrskonzept des Landes festgeschrieben. Zwischen den Standorten gibt es eine Art Aufgabenteilung. Der Flughafen Düsseldorf hat für den Personenverkehr eine Drehkreuzfunktion. Köln/Bonn hat aufgrund der Nachtflugerlaubnis für den Frachtverkehr eine besondere Funktion. Den vier weiteren als landesbedeutsamen Standorten Paderborn, Dortmund, Münster und Weeze kommen ergänzende Funktionen zu. Über sie werden überwiegend Charter- und Urlaubsflüge abgewickelt.

Wenn der Flughafen Ihren Worten zufolge eine „große Relevanz“ hat, die allerdings nicht seiner Eigenschaft als Flughafen zuzuschreiben ist, kann man dann noch sagen, dass ein Flughafen große Relevanz hat?

Antwort: Flughafen und Gewerbestandort sind in hohem Maße voneinander abhängig. Die enge Verzahnung beider ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. (Dieses wird auch mit dem Ausweis im Regionalplan und FNP als Flächen für flughafenaffines Gewerbe dargestellt.) Mit einem Passagieraufkommen von 1,23 Millionen Fluggästen 2019 hat sich der Airport Weeze im Wettbewerb der Standorte behauptet. Als Flughafen in Grenznähe zu den Niederlanden erschließt er sich sein Fluggastpotential auf deutscher und auf niederländischer Seite. Dieses kann er aufgrund von Marktverschiebungen und Corona-Lockdown derzeit nicht voll ausschöpfen. Wir gehen aber davon aus, dass sich der Airport nach einer Phase der Marktkonsolidierung, das ihm zugeschriebene Potential weiter erschließen wird.

Sie schreiben: „Wir [machen] uns Sorgen um den Erhalt der Flughafeninfrastruktur in unserer Region“. Wer ist „wir“? Ist diese Position mit den Mitgliedern der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer abgestimmt? Wenn ja, wann und in welcher Form ist dies erfolgt?

Hamann: Als Niederrheinische IHK haben wir die Umwandlung der ehemaligen britischen Militärbasis und die Entwicklung des Airport Weeze zu einem Flughafen des zivilen Personenverkehrs von Anfang an begleitet. Die Bedeutung des Airport Weeze für die Region war seit der Gründung 2003 immer wieder Bestandteil der Beratungen unserer Vollversammlung. Zuletzt hat sie sich im Dezember 2019 mit dem Flughafen befasst und unterstrichen, dass die Entwicklungsperspektiven des Flughafens gewahrt bleiben müssen.

Ist dieser Brief aus einer intrinsisch motivierten Sorge der IHK heraus entstanden, oder gab es zuvor Kontakte zwischen der Geschäftsführung des Flughafens und der IHK, und, wenn ja, in welcher Form fanden diese statt?

Hamann: Die Niederrheinische IHK pflegt gute und enge Kontakte zu allen zentralen Infrastrukturbetreibern in unserer Region, so auch zum Airport Weeze. In dem Brief haben wir die Position zum Ausdruck gebracht, die die IHK seit langem öffentlich vertritt.

Sie schreiben, der Flughafen weise „in NRW und auch im Bundesvergleich eine der besten Kostenstrukturen“ auf. Was ist die Quelle für diese Behauptung? Haben Sie die Quelle geprüft?

Die Passagierzahlen am Airport Weeze sind in den Jahren 2014 bis 2018 relativ konstant geblieben. Sie schwanken in diesen fünf Jahren zwischen 1,7 und 1,9 Millionen Passagieren. Es ist richtig, dass es 2019 erhebliche Marktveränderungen gegeben hat und der Flughafen Weeze 2020, wie alle Flughäfen, unter der Corona-Krise leidet. Aus diesen besonderen Jahren kann man unserer Auffassung nach keinen generellen Trend ableiten. Außerdem ist eine direkte Verknüpfung von Passagierzahlen und Unternehmensergebnis, wie bereits erläutert, nicht zulässig. Die Passagierzahlen sind ein Indiz für die Ertragskraft. Das wirtschaftliche Ergebnis aber wird durch Gesamterträge und Gesamtkosten bestimmt. Die im Vergleich günstigen Produktionskosten sind für den Flughafen daher weiterhin ein Wettbewerbsvorteil.

Wie lässt sich die Behauptung der „besten Kostenstrukturen“ mit der Tatsache in Einklang bringen, dass der Flughafen ohne erlassene Kredite und zusätzliche Betriebskostenzuschüsse nicht überlebensfähig ist?

Hamann: Im Vergleich zu seinen Wettbewerbern ist der Airport Weeze bislang mit geringen öffentlichen Zuschüssen ausgekommen. Wesentlich für die wirtschaftliche Situation des Flughafens sind neben der Kostenstruktur die den Kosten gegenüberstehenden Einnahmen. In der aktuellen Situation sind diese nahezu vollständig weggebrochen. Es wird einige Zeit dauern, bis sie das vorherige Niveau wieder erreichen können. Für diese Phase sind Betriebskostenzuschüsse erforderlich, um den Fortbestand zu sichern.

Sie schreiben: „Auf dem Areal des Flughafens und in dem angrenzenden Gewerbegebiet Airport City Weeze arbeiten inzwischen rund 1000 Menschen bei Firmen und Behörden.“ Was ist Ihre Quelle für die Zahl 1000?

Die Zahlen entsprechen den aktuellen Angaben des Airport Weeze.

Das heißt, die Zahl des Flughafens ist tatsächlich ungeprüft übernommen worden? Unsere IHK verfügt nicht über eigene Erkenntnisse über die Anzahl der Mitarbeiter unserer Mitglieds-Unternehmen. Deswegen stützen wir uns gern auf die jeweiligen Firmen-Angaben, so auch hier.

Ist Ihnen bekannt, dass die auf dem Gelände untergebrachten Zeitarbeiter dieser Zahl ebenfalls zugerechnet werden?

Hamann: Die Ausgestaltung von Beschäftigungsverhältnissen einzelner Unternehmen steht in keinem Zusammenhang mit der Wertschöpfung und regionalwirtschaftlichen Bedeutung des Flughafens.

Sie schreiben: „Das Parookaville-Festival hat das Potenzial, […] imagebildend für die gesamte Region zu wirken. Inwieweit sehen Sie das Parookaville-Festival als essenziellen Bestandteil des Flughafens Weeze?

Hamann: Das Parookaville-Festival hat eine auch internationale Ausstrahlungs- und Anziehungskraft entwickelt. Für die Region ist es wirtschaftlich gesehen ein wichtiger Faktor, zusätzlich wirkt es imagebildend für die Region. Es ist auf dem Gelände des Flughafens entstanden und ohne ihn in der jetzigen Form nicht denkbar.




Hubschrauber und Hunderschaften im Einsatz: Polizei und Staatsanwaltschaft verfolgen Menschenschmuggler

rd | 24. Juni 2020, 12:04 | 5 Kommentare

Der Hubschrauber kreiste seit sechs Uhr morgens über der Stadt, die Mannschaftsbusse der Bundespolizei standen vor dem Klever Bahnhof – weithin sichtbare Zeichen eines Großeinsatzes, mit dem Polizei und Staatsanwaltschaft einen Schlag in Kleve gegen die Schleuserkriminalität durchführten.

Die Ermittlungen begannen bereits vor knapp zwei Jahren, im September 2018, als Bundespolizisten am Flughafen in Weeze einen Iraner in Gewahrsam nahmen. Der Mann wollte nach Großbritannien ausreisen und hatte sich mit einem verfälschten niederländischen Reisepass ausgewiesen. Das brachte die Ermittler, so ergibt es sich zumindest aus der Großaktion in den frühen Morgenstunden, auf die Sput einer international operierenden Menschenschmuggler-Bande. Durchsucht wurden 15 Wohnungen und Geschäftsräume in Kleve, Oberhausen, Krefeld, Gießen und Freiburg. In Zusammenarbeit mit der schwedischen Polizei wurde auch eine Wohnung in Schweden durchsucht.

Das Verfahren richtet sich gegen sechs iranische Staatsbürger sowie gegen einen Niederländer und einen Schweden. Ihnen wird vorgeworfen, banden- und gewerbsmäßig Einschleusungen betrieben zu haben. Die eingeschleusten Menschen waren den Ermittlungen zufolge in erster Linie iranische Staatsbürger. Sie wurden von Teheran nach Istanbul geflogen und gelangten von dort unter anderem mit gefälschten Schengen-Visa nach Deutschland. Zwei der Hauptbeschuldigten wurden verhaftet, zudem stellten die Ermittler umfangreiches Beweismaterial (Mobiltelefone, Datenträger) sicher.


Das halbe Dutzend ist voll: Kleve hat 6. Bürgermeisterkandidaten, Udo Weinrich (OK)

rd | 24. Juni 2020, 11:28 | 45 Kommentare
Kandidat Nr. 6: Udo Weinrich

Gelebte Demokratie! Nun hat Kleve bei der anstehenden Kommunalwahl am 13. September einen weiteren, den mittlerweile sechsten Bürgermeisterkandidaten. Soeben gab die Wählervereinigung Offene Klever bekannt, dass sie gestern Abend einstimmig den Beschluss gefällt haben, Udo Weinrich als Kandidat für das höchste Amt der Stadt zu nominieren. „Ich bin der Liebe wegen nach Kleve gezogen und engagiere mich der Liebe wegen für Kleve“, wird Weinrich in der Pressemitteilung der OK zitiert. Er ist 62 Jahre alt und kann auf 17 Jahre Ratserfahrung zurückgreifen (die meisten davon nicht in Kleve, sondern Hilden, wo er sich einen guten Ruf erarbeitet hatte).

Neben Weinrich sind im Rennen (in alphabetischer Reihenfolge): Wolfgang Gebing (CDU), Rolf Janßen (parteilos, gestützt von den Grünen), Michael Kumbrink (parteilos), Sonja Northing (parteilos, gestützt von der SPD), und Daniel Rütter (FDP)

Hier der vollständige Text der Pressemitteilung:

Die Mitgliederversammlung der „Offenen Klever“ hat am 23. Juni die inhaltlichen und personellen Weichen für die Kommunalwahlen gestellt. Die Ergebnisse fasst Britta Schütt, stellvertretende Vorsitzende der Wählergemeinschaft, zusammen: Unter dem Motto „Unsere Ideen für Kleve“ haben die „Offenen Klever“ (OK) am 23. Juni 2020 im Kolpinghaus ihre Wahlplattform für die Kommunalwahl einstimmig beschlossen. Das 2014 vorgelegte Programm ist komplett überarbeitet worden. „Wir sind den Zielen treu geblieben, die wir seit mehr als 20 Jahren vertreten, haben aber neue Schwerpunkte gesetzt“, fasst Britta Schütt, stellvertretende Vorsitzende der Wählergemeinschaft, die Veränderungen zusammen. Die „Offenen Klever“ haben auch die personellen Weichen für die Kommunalwahlen gestellt. Einstimmig sind die Kandidatinnen und Kandidaten für die 22 Wahlbezirke aufgestellt worden: Stefan Backasch (101), Barbara Bouten (102), Britta Schütt (103), Miranda Vader (104), Peter Wanders (105), Filippo Scevola (106), Friedrich Muhs (107), Miriam Karow (108), Martin Fingerhut (109), Wolfgang Linsen (110), Anne Fuchs (111), Paul Zigan (112), Max Knippert (113), Clemens Giesen (114), Inge Kiwus (115), Eva-Maria Delbeck (116), Stefan Verhees (117), Jan Willem van der Wijngaart (118), Anja Oster (119), Hannelore Pallutz (120), Udo Weinrich (121) und Marco Hendricks (122). Eine Mischung aus bekannten und neuen Gesichtern tritt auch auf der Reserveliste für die „Offenen Klever“ an: Udo Weinrich (1.), Anne Fuchs (2.), Britta Schütt (3.), Marco Hendricks (4.), Clemens Giesen (5.), Inge Kiwus (6.), Max Knippert (7.), Barbara Bouten (8.), Martin Fingerhut (9.) und Paul Zigan (10.). Die Reserveliste wurde bis Platz 15 besetzt. Zur Kommunalwahl werden die „Offenen Klever“ auch mit einem eigenen Bürgermeisterkandidaten antreten. Im Vorfeld war die Wählergemeinschaft auf Klever Parteien zugegangen, um die Möglichkeit einer gemeinsamen Bürgermeisterkandidatur auszuloten. „Wir haben gute Gespräche geführt, aber am Ende hat uns niemand zu 100% überzeugt“, sagt Britta Schütt für den Vorstand. Die Mitgliederversammlung wählte Udo Weinrich, Vorsitzender der Wählergemeinschaft, einstimmig zum Bürgermeisterkandidaten der „Offenen Klever“. „Ich will im Rathaus Anwalt der Klever/innen sein. Parteizugehörigkeit, Hautfarbe oder Herkunft beeindrucken mich nicht,“ sagt der 62-Jährige. Er ist verheiratet, Stiefvater zweier schulpflichtiger Kinder und kann auf insgesamt 17 Jahre Ratserfahrung zurückgreifen. „Ich bin der Liebe wegen nach Kleve gezogen und engagiere mich der Liebe wegen für Kleve“, lautet das Credo des Bürgermeisterkandidaten der „OK“.


Corona killt Oktoberfest und City-Lauf, Kleoland öffnet wieder, nur noch 42 aktive Fälle im ganzen Kreisgebiet

rd | 23. Juni 2020, 18:47 | 1 Kommentar
Kleve ist nicht Gütersloh: Am Niederrhein ist das Virus auf dem Rückzug

Nur noch 18 Infektionen in den vergangenen sieben Tagen, nur noch 42 aktive Fälle im gesamten Kreisgebiet, nur noch eine Person im Krankenhaus: Im Augenblick sieht es so aus, als ob das Coronavirus im Kreisgebiet auf der Flucht ist. Das sind gute Nachrichten. Nicht gut genug allerdings, um verhindern zu können, dass der Organisator des Klever Oktoberfests, das Unternehmen Kle-Event, heute endgültig die Absage der für September geplanten Gaudi bekanntgab. Auch der für den 5. September geplante City-Lauf wurden vom Veranstalter, dem LV Marathon Kleve, am heutigen Dienstag abgesagt. Damit sind eigentlich alle größeren Veranstaltungen in Kleve in diesem Jahr erledigt. Dafür teilte der Indoor-Spielplatz Kleoland mit, dass er ab Montag, 29. Juni, wieder geöffnet hat (montags bis sonntags, 11-19 Uhr). Für Kinder bis 13 Jahren gibt es keine Maskenpflicht. Erwachsene Besucher sind gehalten, auf den Verkehrsflächen einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Bedburg-Hau: 1912 war der Wald jedenfalls schon da

rd | 22. Juni 2020, 22:14 | 118 Kommentare
Lageplan der „Provinzial- Heil- u. Pflege-Anstalt Bedburg-Cleve“ aus dem Jahr 1912

Die Frage, was zuerst da war, die Klinik oder die Bäume, lässt sich relativ einfach beantworten: die Bäume. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Klinik in Bedburg, wie schon geschrieben, in einen existierenden Wald hinein gebaut. Der Lageplan zur Klinikgründung aus dem Jahre 1912 beweist, wie üppig der Kartograph die Vegetation einschätzte (das ganze Gekräusel markiert offenbar Bäume) – was wohl kaum der Fall gewesen sein, kann, wenn die Bäume mit den Häusern eingepflanzt wurden.

Zur Orientierung: Die Straße, die vom linken unteren Drittel etwa in die Mitte des oberen Randes führt, ist die Uedemer Straße. Der Pfeil, der nach links aus dem Bild führt, weist nach Norden. Das mit der Nummer 27 bezeichnete Gebäude ist laut Legende der Gutshof II, dort müsste heute das Bedburg-Hauer Gemeindezentrum stehen.

Abbildung entnommen dem Buch: 100 Jahre LVR-Klinik Bedburg-Hau, Essen 2013


Bar & Brot: Chefin Eva de Schrevel hat neuen Job, bietet Lokal zur „sofortigen Übernahme“ an

rd | 22. Juni 2020, 21:44 | 16 Kommentare
Konzentriert bei der Arbeit: Eva de Schrevel, wie die Gäste sie kennen (Foto: Jana Kathrin)

Als Eva de Schrevel vor einigen Wochen in einem sozialen Netzwerk darüber nachsann, ob man das tun soll, was man liebt, oder das lieben, was man tut, ahnten Freunde bereits, dass bei der erfolgreichen Gastronomin Änderungen ins Haus stehen. Nun ist es offiziell: „Ich habe ein Jobangebot erhalten, welches ich nicht ablehnen kann“, sagt die 32 Jahre alte Emmericherin. Um welche neue Aufgabe es sich handelt, wird nicht verraten, nur so viel ist klar: Der bevorstehende Wechsel bleibt nicht ohne Folgen für das Lokal „Bar & Brot“ in der Schlossstraße.

Vor zwei Jahren hatte Eva de Schrevel das Lokal eröffnet, mit einem anspruchsvollen Konzept in einem elegant-gediegenen Ambiente, alles handgefertigt. Damit hatte die studierte Organisationspsychologin im ansonsten eher bodenständigen Klever Angebot offenbar eine Lücke gefunden. Es gab viel aus der Region, und vieles wurde selbst zubereitet – vom Brot bis zu einer Vielzahl edler Spirituosen, die aus der Brennerei des Vaters („Niederhein Destille“) in Emmerich-Dornick stammten.

„Ich brenne fürs Brennen“, sagte die Liebhaberin hochprozentiger Getränke werbewirksam dazu. Dafür hatte sie voller Enthusiasmus ihren Job an der Hochschule Rhein-Waal aufgegeben. Der Andrang war zeitweise so groß, dass ohne Reservierung keine Tische erhältlich waren. Auch für Firmenevents war das Lokal eine gefragte Adresse. Überregional erregte der forsche Start in einer verzagten Branche ebenfalls Aufsehen: Die Unternehmensgründerin vom Niederrhein kam mit ihrer „Bar-&-Brot“-Story in die Endrunde des deutschen „Gastro-Gründerpreises“ – einmalig in der Geschichte der Klever Gastronomie.

Anfang des Jahres änderte Eva de Schrevel überraschenderweise das ursprüngliche Konzept, fortan gab es nur noch besondere Veranstaltungen wie Tastings oder Kneipenfragerunden, für die allerdings Voranmeldungen der Gäste erforderlich waren. Dann kam die Seuche, und mit der erst einmal einige Wochen völliger Stillstand. Mittlerweile gibt es wieder einige Events, allerdings flüsterten sich die Klever derweil auch zu, dass das Lokal im Immobilienportal Immoscout24 zur „sofortigen Übernahme“ angeboten wird.

Das bestätigt Eva de Schrevel auch: „Ich versuche einen Mieter zu finden, der das Konzept Bar & Brot so erfolgreich weiterführt. Wenn ich diese Person nicht finde, werde ich weiterhin meine gefragten Events am Wochenende anbieten. Ich höre also nicht einfach auf! Ich liebe meine Bar.“


„Kein Waldsterben per Ratsbeschluss!“ Bedburg-Hauer Initiative legt neue Details zu den Bauplänen der Professoren vor

rd | 22. Juni 2020, 12:10 | 21 Kommentare
Nicht alles, was grün aussieht, ist auch grün

Die Bürgerinitiative „Kein Waldsterben per Ratsbeschluss“, mit der einige Bürger aus Bedburg-Hau die Kahlschlagpläne im Klinikgelände stoppen wollen, hat am Wochenende neue Informationen zur Vorgehensweise bekannt gegeben. Bekanntlich möchten die beiden HSRW-Professoren Thorsten Brandt und Dirk Untiedt auf dem nicht mehr als Klinik genutzten Nordteil des Geländes ein Investitionsvorhaben mit Wohnbebauung realisieren.

Hier der Text der Pressemitteilung im Wortlaut:

„Aufgrund der unglaublich hohen Zahl der Anfragen ,Wo kann ich unterschreiben?’ möchte die Initiative Bürgerbegehren ,Kein Waldsterben per Ratsbeschluss’ mitteilen, dass derzeit noch keine Unterschrift geleistet werden kann. Die Gemeinde Bedburg-Hau teilte der Initiative mit, dass mindestens 969 Wahlberechtigte Bedburg-Hauer das Bürgerbegehren unterschreiben müssen. Die Initiative muss jetzt noch warten, bis die Gemeinde die gesetzlich vorgeschriebene Kostenschätzung, was das Begehren mit eventuellem Bürgerentscheid (Wahlgang) kostet, vorgelegt hat. Diese Kostenschätzung muss zwingend auf der Unterschriftenliste eingefügt werden. Sobald diese vorliegt, wird die Initiative über die Medien den Beginn der Unterschriftensammlung bekanntmachen.


Derweil sind noch weitere Details zu Planung bekannt geworden:
Die Straßen im Innenbereich, Zur Mulde, Zur Festwiese und Brückenweg sollen laut Plan privatisiert werden. Die späteren Eigentümer könnten dann diesen Bereich mit ,Privatgelände – Zutritt verboten’ abriegeln und dieser Bereich wäre damit für Bedburg-Hauer nicht mehr zugänglich
Die dunkelgrünen Flächen in der Planzeichnung, die man als Restwald ansehen könnte, sind mit einem fast nicht sichtbarem P und einem weißen Kästchen versehen. In der Legende entpuppt sich das, auch kaum lesbar, als ,Private Grünfläche Park’. Davon ist auch der sogenannte Geschlechtergraben betroffen. Demnach wären auch diese Flächen für Bedburg-Hauer nicht mehr zugänglich. Nun steht fest, dass der gesamte Klinik-Nordbereich nur noch aus Park mit einzelnstehenden Bäumen/Büschen, aus Neubauflächen und Mischgebiet bestehen und zum größten Teil für Bedburg-Hauer nicht mehr zugänglich sein wird. Lediglich eine kleine Fläche (Teilfläche Gärten Ärztehäuser) soll mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt werden. Auch das ist eher eine Täuschung. Es stehen dort schon jetzt sehr alte Eichen und in den Gärten einige Obstbäume.
Die Initiative fragt sich auch, was eine Planzeichnung vom „Hausarchitekt“ der Investoren in der jetzt vorgelegten Planung zu suchen hat? Ganz eindeutig werden hier die Wünsche, nur die Wünsche der Investoren, berücksichtigt. Das hat Gschmäckle!


Jetzt geht es nicht nur um Wald und Klimaschutz, sondern auch um die Gesamtinteressen der Bedburg-Hauer*Innen.


Die Vertretungsberechtigten für das Bürgerbegehren
Günter van Meegen, Verena Welbers, Theo Janßen“


„Artefakt der Wendehammerkultur“: Klever Bürger wollen Bebauung am Bresserberg verhindern, fordern „grünes Tor zur Stadt“

rd | 22. Juni 2020, 11:59 | 14 Kommentare

Noch bis zum 31. Juli hat die Stadt Kleve den Plan zur Bebauung des Areals, auf dem sich früher Tennishalle und Tennisplätze befanden, zur Einsichtnahme ausliegen. Die Anwohner sind, mit einem Wort, entsetzt und befürchten, dass das Projekt der Einfamilienhausbebauung in bester (klimasicherer) Lage im Rat der Stadt „durchgewunken“ wird. Eine Initiative von Anwohnern nimmt dazu wie folgt Stellung:

Bebauungsplan Königsallee / Friedhof Merowinger Straße Dort befindet sich eine Wiese von ca. 1 ha, Größe, entstanden durch Nicht-Nutzung des Terrains ehemalig Tennishalle und der Tennisplätze. Der 2. Bebauungsplan zu diesem Thema ist jetzt vom 22.06. bis 31.07.2020 offen gelegt worden. Es steht zu befürchten, dass er demnächst im Rat Kleve durchgewinkt wird, wohl einzig gegen die Stimme der Offenen Klever, gewiss aber gegen die Meinung der Anwohner. Die Verwaltung will an dieser Stelle ca. 20 Einfamilienhäuser in einem neuerlichen Artefakt der Wendehammer-Kultur unterbringen.Von welcher Seite man sich auch nach Kleve hineinbewegt, sieht man Einzelhaus-Bebauung.. Kleve ist voll mit Einfamilienhäusern, wahrscheinlich mehr als 80 % der Grundfläche für Wohnbebauung im Klever Stadtgebiet. Daten hierzu fehlen. In den ,Vororten’ Bedburg-Hau, Donsbrüggen, Nütterden und Kranenburg wohl mehr als 90 %. In Kleve herrscht kein Mangel in diesem Segment, sondern im Bereich von Mietwohnungen bis 8 € /Quadratmeter. In dem Schreiben der Verwaltung zur Offenlegung steht zum Verfahrensstand – nach der Erwähnung eines Auftrags-Gutachtens und Stellungnahmen von anderen Behörden – unter Punkt ,Stellungnahmen und Eingaben aus der Öffentlichkeit’ nur folgendes: ,Wegnahme der einzigen frei zugänglichen Grünfläche in fußläufiger Umgebung, Bedeutung von Grünflächen in einer Stadt (Vögel ..Insekten .. Bienen).’ Es wird hiermit der Eindruck erweckt, als hätten die Anwohner lediglich allgemein-ökologische Bedenken, sozusagen zeitgemäß-harmlos. In der Tat wurden bereits vor Ausrufung des Klima-Notstands in Kleve in den Einwendungen der Anwohner zur Ablehnung der Bebauung Königsallee/Merowingerstr. die Biotop-Qualitäten dieses einzigen nicht eingezäunten Wiesenstreifens in der Umgegend hervorgehoben. Und es wurden Argumente ganz anderer Art vorgebracht: ungünstige Verkehrsanbindung, gefährliche Kurve im Anstieg zur Endmoräne, Notwendigkeit der Parkplätze für die Bringe- und Abholaktivitäten an der Marienschule. Vor allem sei aber daran erinnert, dass bereits in der Vor-Friday-for-Future-Ära, nämlich im Herbst 2018, die Anwohner mit ca. 250 Einwendungen und Unterschriften gefordert haben:1. Keine Bebauung zwischen Bresserbergstr., Wendehammer und Königsallee oberhalb des Friedhofs!2. Ausgestaltung der Grünfläche ab Jugendherberge bis Wendehammer Bresserbergstr. zu einem ,Grünen Tor zur Stadt’.“

Unterzeichnet haben das Schreiben die Anwohner Bernhard Fluck, Marlene und Klaus Müller, Inge und Ulrich Kiwus sowie Wolfgang Roesch.


Corona: Nur 21 neue Fälle, aktuell nur 45 Menschen krank, 444 neue Tests bei Schlachthöfen im Kreis, alle negativ!

rd | 21. Juni 2020, 16:07 | 2 Kommentare
Im Kreis Kleve scheint das Schlimmste überstanden, aber bange richtet sich der Blick nach Güterloh, von wo der hiesige Betrachter staunend zur Kenntnis nimmt, dass der Großarbeitgeber von 30 Prozent seiner Angestellten keine Adresse hat.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve

(Pressemitteilung des Kreises Kleve) Bei der Sitzung des Corona-Stabs des Kreises Kleve am vergangenen Donnerstag, 18. Juni 2020, wussten alle Anwesenden, dass aufgrund des Corona-Ausbruchs beim Fleischbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück in den nächsten Stunden und Tagen einige bereits geplante Aktivitäten der Unteren Gesundheitsbehörde des Kreises Kleve im Kontext der Corona-Pandemie zunächst einmal würden warten müssen. Mit Erlass vom 17. Juni hatte das MAGS – Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen – die Gesundheitsbehörden landesweit aufgefordert, in allen Schlachthöfen und fleischverarbeitenden Betrieben, die mit Werksvertragsnehmern arbeiten, die dort arbeitenden Personen unverzüglich erneut zu testen.

Diese Tests wurden am 18. Juni gemeinsam mit den beiden betroffenen Unternehmen im Kreisgebiet vorbereitet. Landrat Wolfgang Spreen sprach in diesem Zusammenhang von „einer erneut sehr guten, schnellen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Unternehmen“. Am Freitag, 19. Juni, sowie am Samstag, 20. Juni wurden insgesamt 470 anwesende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen getestet.

Am heutigen Sonntag, 21. Juni 2020, 13.15 Uhr, liegen dem Gesundheitsamt insgesamt 444 Testergebnisse vor (94 Prozent). Alle 444 vorliegenden Ergebnisse sind negativ! Die Ergebnisse der verbleibenden 26 Testungen liegen noch nicht vor.

Bereits Mitte Mai waren bei beiden Schlachtbetrieben Mitarbeiter-Testungen auf COVID-19 durchgeführt worden. Auch damals waren alle Labor-Ergebnisse negativ.


Aufatmen in Kleve: Der Kaufhof bleibt! Bürgermeisterin Northing: „Das ist ein ganz großes Glück!“

rd | 19. Juni 2020, 14:24 | 44 Kommentare
Filiale bleibt erhalten!

Gute Nachricht für Kleve: Der Kaufhof in der Stadt gehört nicht zu den 62 Filialen, die der Galeria Karstadt Kaufhof Konzern im Zuge von Sanierungsmaßnahmen schließen wird, die Filiale, deren Anfänge mehr als hundert Jahre zurückreichen, bleibt der Stadt erhalten. „Wir bleiben. Das ist ein ganz großes Glück“, sagte Bürgermeisterin Sonja Northing in einer ersten Stellungnahme zu kleveblog. „Ich freue mich für die Mirarbeitenden, das ist das Allwichtigste.“ Vor zwei Wochen hatte Northing noch die Klever Mitarbeiter des Warenhauskonzerns besucht, die mit einer Menschenkette um das Kaufhaus auf ihre schwierige Lage aufmerksam machten. Northing glaubt, dass der Standort Kleve „die besseren Argumente“ hatte: hohe Zentralitätskennziffer, schwarze Zahlen der Filiale und dazu ein gutes Sortiment. Im Zuge der drohenden Schließungen hatte die Bürgermeisterin auch mit ihrer Amtskollegin in Wesel, Ulrike Weskamp, Kontakt aufgenommen. „Wir haben uns gegenseitig die Daumen gedrückt“, so Northing. Das hat offenbar geholfen: Auch das Kaufhaus in Wesel bleibt.

Filialleiterin in Kleve ist Annette Kraska, deren Freude ebenfalls doppelt war: Bevor sie 2018 als Nachfolgerin von Astrid Vogell nach Kleve kann, leitete sie das Haus in Wesel.

„Unser Warenhaus in Kleve besteht seit nunmehr 91 Jahren mit derzeit insgesamt 51 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Wir glauben sagen zu dürfen, dass wir schon seit langen Jahren ein identitätsprägender Bestandteil der Innenstadt von Kleve sind und als erheblicher Frequenzbringer mit unseren Kunden einen wichtigen Beitrag
für eine attraktive und lebendige Klever Innenstadt leisten. Wir sind davon überzeugt, dass von dem Bestehen unseres Hauses der gesamte innerstädtische Einzelhandel und die vielfältigen gastronomischen Einrichtungen in der Innenstadt profitieren. Dies alles möchten wir auch in Zukunft für unsere Stadt bleiben und leisten”, sagten die Betriebsräte Meike Lönnecke, Magdalena Hillen, Tanja Tenhaef-Stupp, Mara Quinkertz und Fabian Janhsen, als sie am 2. Juni die Menschenkette mit den Mitarbeitern gebildet hatten.

Aufatmen vermutlich auch bei Bernd Zevens. Der Klever Unternehmer, Investor und Großimmobiliensammler kaufte 2012 dem Kaufhof das Gebäude ab (Mom kauft Kaufhof), für einen achtstelligen Betrag, wie damals gemunkelt wurde. Seitdem ist das Warenhaus Mieter in der Immobilie. Zevens kann nun darauf hoffen, dass die Mieteinnahmen weiter fließen.

In Nordrhein-Westfalen schließt der Konzern nach Informationen der Bild-Zeitung die folgenden Standorte: Karstadt Bielefeld, Düsseldorf-Schadowstraße, Dortmund und Bonn; Kaufhof in Brühl, Dortmund, Düsseldorf-Werhahn. Und in Essen kommt das Aus sowohl für die Karstadt- wie auch für die Kaufhof-Filiale. Insgesamt sind also neun Standorte in NRW betroffen. Insgesamt hat der Konzern 172 Warenhäuser. Durch die Schließungen sind rund 6000 Arbeitsplätze gefährdet.

Wie alles begann: Plakat zur Eröffnung im Jahre 1912 (Bild: Stadtarchiv Kleve)
Ein Hauch von großer, weiter Welt: Fassade des Kaufhauses Weyl (Foto: Stadtarchiv Kleve)
Luftaufnahme aus der Vorkriegszeit: Deutlich wird, wie sich das Kaufhaus schon damals von der kleinteiligen Umgebung abhebt (Foto: Stadtarchiv Kleve)
Großbaustelle im Herzen der Stadt: Wiederaufbau nach dem Krieg (Foto: Stadtarchiv Kleve)
Blick von der Marktstraße in die Innenstadt, rechts unten der neue Kaufhof


Überraschende Personalie: Julia Lörcks gibt Leitung der Klever RP-Redaktion ab, verlässt Verlag

rd | 18. Juni 2020, 16:30 | 23 Kommentare
Nach 18 Jahren bei der RP auf neuen Wegen: Julia Lörcks

Die Leitung der Klever Redaktion der Rheinischen Post ist in einer umtosten Branche bisher immer so etwas wie ein Fels der Stabilität gewesen. Alois Puyn führte die Redaktion eine gefühlte Ewigkeit, nach ihm kam Jürgen Loosen, der schon einige Jahre bei dem Blatt war und dann 24 Jahre als „Lokalchef“ beziehungsweise, wie das heute heißt, als Leitender Regionalredakteur fungierte. Zum Jahresende schied er aus, kam aber als Altersteilzeitler einen Tag noch einen Tag pro Woche in die Redaktion und machte das Blatt.

Für ihn kam Julia Lörcks, eine studierte Kommunikationswissenschaftlerin, mit einer Laufbahn, wie sie so viele Mitarbeiter der RP in ihren Anfängen aufweisen – 2002 nach dem Abitur begann sie als frei Mitarbeiterin in Kleve, Studium, danach (2007-2009) Volontariat bei der Neuß-Grevenbroicher Zeitung und schließlich nach drei Jahren als freie Journalistin – unter anderem in Diensten für die Rheinische Post und deren Online-Ableger, für die Rheinland-Presse, für die AOK und HSRW – der Redakteursvertrag bei der Rheinischen Post. Zunächst war sie in Wesel tätig, dann in Kleve und Xanten, und als sie dort eine leitende Funktion erhielt, raunten die Kollegen in Kleve schon, dass damit die Nachfolge für das Urgestein Jürgen Loosen vorbereitet werde.

So kam es auch. Mit dem Antritt der 37 Jahre alten Journalistin Anfang des Jahres verband sich die Hoffnung, dass die Zeitung sich den neuen Entwicklungen gegenüber öffnete und auch von ihren Ansichten, die teilweise von persönlicher Abneigung getrieben zu sein schienen, zumindest ein wenig abrückte. Das große Interview, das Julia Lörcks mit Bürgermeisterin Sonja Northing führte, war ein solches Zeichen. Das Blatt wurde in den vergangenen Monaten frischer und persönlicher, man zeigte Mut, die großen Themen groß zu machen und den Kleinkram wegzulassen.

Doch schon Ostern war klar, dass dieser Neuanfang ohne Julia Lörcks weitergehen musste. Julia Lörcks bleibt, anders als ihre Vorgänger, keine Jahrzehnte, sondern nur sieben Monate Lokalchefin des Blattes. Sie sagt: „Ich habe gekündigt – aus betrieblichen und privaten Gründen. Ich habe mich entschieden, freiwillig meinen Traumjob aufzugeben und mich an anderer Stelle beruflich weiterzuentwickeln.“ Ihr neuer Platz ist, wie man hört, in der Privatwirtschaft. Bis Ende Juli arbeitet Julia Lörcks noch in der Redaktion, dann übernimmt der Nachfolger. Es soll sich um eine interne Lösung handeln.


„Peter verbindet“: Landratskandidat Peter Driessen startet Wahlkampf – Klammer als Symbol, keine Subventionen für den Flughafen

rd | 18. Juni 2020, 14:44 | 5 Kommentare
Eingeklammert im Kreise der Unterstützer: Peter Driessen (2.v.r.)
Peter unter Strom: Wahlkampf im Elektroauto
Ansagen in Richtung Kreishaus: Ralf Jansen (FW), Daniel Rütter (FDP), Peter Driessen, Birgitt Höhn (Grüne), Norbert Killewald (SPD) und Bruno Jöbkes (Grüne)

Die Pressekonferenz fand im Clivia-Haus an der Tichelstraße statt, in einem der Säle im Erdgeschoss des ehemaligen Hotels, dessen Räume nun als Pflegeheim genutzt werden. In ebendiesem Erdgeschoss feierte vor fünf Jahren Sonja Northing ihren erdrutschartigen Sieg, mit dem sie als unabhängige Kandidatin, getragen von SPD, FDP und Offenen Klevern, zur Bürgermeisterin der Stadt Kleve gewählt wurde. So gesehen, war es eine naheliegende Idee, den Bedburg-Hauer Bürgermeister Peter Driessen in diesen Räumen vorzustellen, denn auch er plant als unabhängiger Kandidat einen Coup, wie er in der politischen Geschichte des Kreises Kleve ohne Beispiel ist: Mit Unterstützung von SPD, Grünen, FDP und den freien Wählervereinigungen im Kreis möchte der 64 Jahre alte Politiker das Landratsamt erobern.

„Seit 2015 arbeiten wir daran, den Wechsel hinzubekommen“, schilderte Driessen den Pressevertretern seine Motivation für die Kandidatur. Damals gab es im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise Unstimmigkeiten zwischen den Bürgermeistern und Landrat Wolfgang Spreen. Dieser Wunsch habe sich im vergangenen Jahr verfestigt, und es gelang dem Bedburg-Hauer, ein denkwürdiges Bündnis zu schmieden, denn er zog nicht nur Rot und Grün auf seine Seite, sondern auch die von Stephan Haupt geführte FDP, die auf Kreisebene eigentlich mit der CDU fröhlich zusammenarbeitet.

Nun scharen sie sich alle hinter Driessen, was die Beteiligten aber auch ausdrücklich nur auf die Person bezogen wissen wollen. Die politischen Programme divergieren doch ein wenig. Das alles aber glaubt Peter Driessen unter einen Hut bringen zu können, sofern er am 13. September (oder gegebenenfalls zwei Wochen später, falls es zu einer Stichwahl kommt) vom Wähler den Auftrag erhält, an die Nassauerallee einzuziehen.

Die Fähigkeit, moderieren zu können, dürfte da gefragt sein. Dass er das kann, hat er in seinen nunmehr 16 Jahren als Bürgermeister in der Klever Nachbargemeinde unter Beweis gestellt; der Politikbetrieb dort läuft weitgehend geräuscharm und effizient ab. Als Driessen sich das erste Mal zur Wiederwahl stellte, gab es nicht einmal einen Gegenkandidaten der zuvor für Jahrzehnte unangefochten regierenden Christdemokraten.

Kein Wunder, dass diese Fähigkeit nun auch in den Mittelpunkt des – durch Corona massiv beeinflussten – Wahlkampfs gerückt werden soll. Driessens Slogan heißt „Peter verbindet“, und die mit der Konzeption der Wahlkampagne beauftragte Werbeagentur Lohmann & Friends aus Krefeld ersann dazu als Symbol die eckige Klammer , die bekanntlich die Elemente, die zwischen den beiden Zeichen stehen, verbindet. Hobbyfotografen kennen es auch für Fokus-Bereich ihrer Kamera. Zwei lebensgroße Klammern, in verschiedenen Färbungen in Anlehnung an die unterstützenden Parteien erhältlich, sollen die Wahlkampfauftritte optisch unterstützen.

Die Optik ist das eine, wichtiger aber sind die Inhalte. Was ist dem Kandidaten wichtig? Driessen: „Den [derzeitigen] Landrat werden viele Bürger nur aus den Medien kennen. Ich möchte ein Landrat sein, der mit den Bürgern ins Gespräch kommt. Mir ist es wichtig Fragen zu beantworten und zu stellen.“

Außerdem möchte er den Kreis etwas mehr zusammenführen, bisher werde seiner Meinung nach noch zu sehr zwischen Kleverland und Gelderland sowie zwischen den rechtsrheinischen Gebieten getrennt. Driessen möchte beispielsweise Sitzungen des Kreisausschusses und des Kreistages in den Süden verlegen, und sie – wenn es dort geeignete Räume dafür gibt – auch auf der (aus Klever Sicht) Günnekant abhalten.

Seine Unterstützer sekundierten dem Kandidaten, als es um die Zusammenarbeit zwischen den Kreis und den Kommunen ging. Da waren vor der jüngsten Kreistagssitzung alle 16 Bürgermeister aufmarschiert, darunter auch acht von der CDU, und begehrten Rederecht. Sie wurden aber abgekanzelt. „Wie die Kreis-CDU die 16 Bürgermeister so blamiert hat, ist unbeschreiblich“, sagte Norbert Killewald, Kreisgeschäftsführer SPD. „Der Landrat beweist jeden Tag aufs Neue, dass es notwendig ist, einen Wechsel herbeizuführen“, ergänzte Birgitt Höhn von den Grünen. „Wir sind davon überzeugt, dass Peter Driessen es anders machen kann und wird“, legte Daniel Rütter (FDP-Bürgermeisterkandidat in Kleve) nach.

Konkret forderte Driessen Fortschritte bei der Digitalisierung („High Speed für den ganzen Kreis Kleve“) und mehr bedarfsgerechte Lösungen im öffentlichen Nahverkehr. Wenig Hoffnung hatte er, dass es gelingt, den Regionalexpress 10 bis Nimwegen zu führen. „Darüber sprechen wir schon seit 1996“, so Driessen, „und bisher hat Groesbeek immer nein gesagt.“

Natürlich war auch der defizitäre Flughafen in Weeze ein Thema. Die Meinung des Kandidaten: „Ich habe mir vorgenommen erst einmal eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft da drauf zu setzen, um zu sehen, ob der Flughafen nun schwarze Zahlen schreibt oder nicht. Subventionen wird es mit mir nicht geben.“ Auf die Frage, ob er befürchte, von der noch regierenden CDU bei diesem Thema vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, reagierte Driessen mit einer Lebensweisheit, die er von seinem Vater übernommen habe: „Rege dich nur auf, wenn du es ändern kannst.“


K3: Die Etappenlösung

rd | 18. Juni 2020, 11:24 | 5 Kommentare
Die Stegstraße war als Umleitung nur bedingt geeignet (Foto: Britta Verheyen)

Mal sehen, ob das was bringt: Soeben stellte die Kreis Klever Baugesellschaft (KKB) eine Lösung für die Bauarbeiten an der Klever Straße vor, die am Montag für einige Zornesausbrüche unter Anwohnern und Pendlern gesorgt hatten. Jetzt soll die Straßenerneuerung in vier Etappen durchgeführt werden, um die Belastungen für die Bewohner und Durchquerer der Düffel zu mindern. Hier das Konzept im Wortlaut:

Der Beginn der Bauarbeiten an der Klever Straße (K 3) unter Vollsperrung am Montag, 15. Juni 2020, sorgte in den vergangenen Tagen für viel Aufregung unter den Anwohnern. Insbesondere Landwirte und Gastronomen sorgten sich um die Erreichbarkeit ihrer Grundstücke. In einem Gespräch zwischen bauausführender Firma, einem Vertreter der Kreis Kleve Bauverwaltungs-GmbH (KKB) als Auftraggeberin und Anwohnern wurden nun die einzelnen Bauabschnitte und die angedachte Erreichbarkeit einzelner landwirtschaftlicher Betriebe besprochen. Die weiträumige Umleitung erfolgt demnach aufgrund der hohen Verkehrsbelastung und der überregionalen und landesübergreifenden Verkehrsbedeutung der Strecke. Die kommunalen Straßen in der Niederung sind aufgrund der nicht gegebenen Leistungsfähigkeit als Umleitungsstrecken nicht geeignet. Wegen einer seit Dezember 2018 rechtskräftigen Arbeitsrichtlinie ist es nicht mehr möglich, die Baumaßnahmen unter halbseitiger Sperrung der Fahrbahn durchzuführen. Die Erneuerung der Klever Straße wird nach dem Gespräch in nun vier Bauabschnitten vorgenommen. Diese sind: Nieler Straße bis Vossegatt, Vossegatt bis Klever Straße 46, Klever Straße 46 bis Klever Straße 8 und Klever Straße 8 bis zum Bauende zwischen Trübsche Straße und Stegstraße. Anwohner der betroffenen Abschnitte können ihre Grundstücke mit Einschränkungen erreichen. Eine entsprechende Feinabstimmung wird es während der gesamten Bauphase geben. Rettungskräfte können im Fall eines Einsatzes unter Nutzung von Sonderrechten den Geh- und Radweg nutzen. Die Bauarbeiten werden bis voraussichtlich Ende September 2020 fertiggestellt.


Corona – die neue Tabelle

rd | 17. Juni 2020, 16:09 | keine Kommentare

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Baupläne der Hochschulprofessoren Brandt und Untiedt lösen Bürgerbegehren in Bedburg-Hau aus

rd | 17. Juni 2020, 11:39 | 106 Kommentare
Diese Grafik von Günter van Meegen zeigt, wieviel Wald im Nordteil der Landesklinik verschwinden soll
Ergänzende Dokumentation: Der Vorentwurf zum Bebauungsplan Nr. 26. Zur Erläuterung der dazugehörige Kommentar von Günter van Meegen: „Man kann sehr gut erkennen, dass die dunkelgrünen Bereiche, die man leicht als Wald ansehen könnte, auch Park sind. Kennzeichen P = private Fläche und das weiße Kästchen bedeutet Park. Also P, so wie Innenbereich und natürlich die Baugrundstücke – alles Privat – nix für Bedburg-Hauer Picknick.“ Wenn ich das Dokument richtig deute, wurde hier einfach die Planung des Kevelaerer Büros StadtUmBau durchgewunken.

Es war einige Monate still geworden um die Pläne der beiden Hochschulprofessoren Thorsten Brandt und Dirk Untiedt, deren Chinesenbetreuung so viel Geld abgeworfen hatte, dass die beiden Maschinenbauer in Staatsdiensten dem LVR das halbe Gelände der Klinik in Bedburg-Hau abkaufen konnten. Brandt und Untiedt kannten das Gelände, weil dort ihre Organisation Scientific Freshers ansässig ist. Sie wollen das Areal als Bauland erschließen – weshalb nun die Pläne öffentlich ausgelegt werden mussten. Das Ergebnis: Um den in Sachen Naturerhalt stets kämpferischen Bedburg-Hauer Günter van Meegen formierte sich eine Initiative, die sofort ein Bürgerbegehren gestartet hat. Das Ziel: Die weitgehende Abholzung des Klinikwaldes soll verhindert werden. Hier im Wortlaut die Pressemitteilung der Initiative:

Klinikwald: Bürgerbegehren in Bedburg-Hau auf den Weg gebracht

Jetzt erst, nachdem die Pläne (Vorentwurf) zum Bebauungsplan für den Nordteil der LVR-Klinik bekannt wurden, konnte reagiert werden. Die Gegner der bis dahin vagen Planung standen schon lange in den Startlöchern und so konnte bereits am vergangenen Dienstag ein Bürgerbegehren bei der Gemeinde angemeldet werden. Die Fragestellung zum Bürgerbegehren lautet: „Soll der LVR-Klinikwald (Nordteil) erhalten bleiben, nicht für Wohn/Mischgebiete gerodet und die überwiegende Restwaldfläche zu Rasenflächen mit Einzelbäumen (Park) umgestaltet werden?“

Die Begründung zur Fragestellung lautet: Die Gemeinde Bedburg-Hau möchte durch Aufstellung eines Bebauungsplans den Nordteil des LVR-Klinikwaldes umwidmen in Allgemeine Wohngebiete und Mischgebiete. Die zur Bebauung vorgesehenen Flächen des Plangebiets sollen im zentralen Bereich innerhalb des Haupterschließungsbogens als Mischgebiete und in den westlich, nördlich und östlich anschließenden Bereichen als Allgemeine Wohngebiete festgesetzt werden. Die zur Bebauung vorgesehenen Flächen bestehen zum großen Teil aus Waldflächen. Ebenso die Flächen im Kerngebiet, die in der Planung als Rasenflächen mit Einzelbäumen (Park) dargestellt sind. Zudem sollen vier denkmalgeschützte Häuser abgebrochen werden. Es gibt keine Garantie zum Schutz der verbleibenden denkmalgeschützten Häuser.

Die Gemeinde Bedburg-Hau hat ausreichende Baulandflächen, reines Ackerland, rund 25 Hektar, von der Bezirksregierung Düsseldorf  (Regionalplan) als Bauland ausgewiesen bekommen. Dennoch soll Wald zu Bauland umgewandelt werden. Wir sind der Ansicht, dass im Zeichen des Klimawandels kein Wald mehr für Bauland geopfert werden darf.

„Kein Waldsterben per Ratsbeschluss“

Die Vertretungsberechtigten für das Bürgerbegehren sind: Günter van Meegen, Verena Welbers und Theo Janßen.

Nun muss noch darauf gewartet werden, bis die Gemeinde eine Kostenschätzung vorlegt, denn diese muss auf den Unterschriftenlisten aufgeführt werden und erst dann können Unterschriften gesammelt werden. Die Kostenschätzung bezieht sich auf die Folgekosten eines Bürgerbegehrens für die Gemeinde im Falle eines Erfolges des Begehrens durch Übernahme durch den Rat oder durch einen Abstimmungssieg im Bürgerentscheid.

Wer die Initiative unterstützen möchte, kann sich melden. Kontakt: 02821-69208 oder v.meegen@t-online .de


Chaos in der Düffel: Klever Straße gesperrt, Lastwagen und Traktoren begegnen sich auf Feldwegen, Autos landen in Straßengräben

rd | 16. Juni 2020, 17:19 | 134 Kommentare
Wer die Stegstraße kennt, weiß, dass sie als Umleitung nur begrenzt taugt (insbesondere, wenn die deutsche Glasfaser auch ein bissche rumbaut) (Foto: Britta Verheyen/Facebook)

Seit gestern ist die Hauptverbindungsstraße vom Klever Stadtgebiet zum Ortsteil Keeken gesperrt, und zwar im Abschnitt zwischen der Einmündung Stegstraße (Düffelward) bis Nieler Straße (K2, Keeken). Der Radweg wird ausgebaut, ebenso die Fahrbahn. Das ganze Vorhaben soll bis zum 2. Oktober abgeschlossen sein, eine Umleitung sei eingerichtet, teilte die Polizei mit.

Doch diese Umleitung treibt Verkehrsteilnehmer und Anwohner seit nunmehr zwei Tagen in die Verzweiflung, auf Facebook türmen sich die Kommentare, in denen die Autoren unglaubliche Begegnungen auf Feldwegen schildern und am Verstand derjenigen zweifeln, die für die temporäre Streckenführung verantwortlich zeichneten.

Lena Jacobs aus Keeken, deren Sohn in Rindern zum Kindergarten geht, klagte über eine Stunde Fahrzeit zwischen den benachbarten Dörfern. Das würde für zweimal Hin- und Rückweg pro Tag zwei Stunden Fahrzeit bedeuten, wenn die Verhältnisse sich nicht bessern sollten. „Die Planer haben da, meiner Meinung nach, totalen Mist gebaut“, so ihre Einschätzung. Bernd Stromberg antwortete, dass momentan Radfahren die schnellste Variante sei.

Bei diversen Ausweichrouten nahmen offenbar Polizei und Ordnungsamt Autofahrer in Empfang, die verbotene Wegeführungen für sich zu nutzen versuchten. Dave Lohmüller meldete aus der Trübschen Straße verärgerte Anwohner: „Die sind auf 180, weil alle dorthin geleitet werden später auf den Grundstücken wenden müssen, da es dort eine Baustelle gibt, die nicht ausgeschildert ist.“ Auf der Straße gilt die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h, was offenbar auch nicht jedem Verkehrsteilnehmer bekannt ist.

Britta Verheyen berichtete: „Ich bin heute querfeldein von Keeken nach Rindern über Donsbrüggen gefahren…Chaos ohne Ende, daTrecker und Lkw dieselbe Idee hatten und die kleinen Feldwege nicht breit genug sind für Gegenverkehr. Keine Umleitungsschilder!!….Ortsfremde kommen niemals hier ans Ziel. Ich frag mich wie es wird, wenn in Kekken ein Notfall herrscht und Krankenwagen ihren Weg bis hier bahnen müssen????“ Eine weitere Teilnehmerin der Diskussion wies auf das Pflegeheim in Keeken hin, das ebenfalls einer guten Anbindung bedürfe.

Eine Userin hatte schon den ersten Wagen im Straßengraben liegen sehen – „es ist eine Katastrophe, dicke Lkw aus Holland kommen einem entgegen, und es gibt kaum Ausweichmöglichkeiten“. Und die Erntezeit stehe noch bevor. Anrufer erhielten beim Kreis Kleve telefonisch die Auskunft, dass man über die Stegstraße nach Keeken gelange. Die Information war offenbar komplett daneben, weil dort die Deutsche Glasfaser am Werke war. Carsta Hanßen: „Eben sind alle die in die Stegstraße gefahren und sind kurze Zeit später wieder umgedreht. (Ich war zu Fuß bei der Milchtankstelle.)“


Strich zum Sonntag

rd | 14. Juni 2020, 18:35 | keine Kommentare
32 Neuinfektionen, alles scheint unter Kontrolle…

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Forschung der Hochschule Rhein-Waal dringt in Grenzbereiche der Erkenntnis vor: Wenn man die Lebensqualität verbessert, verbessert man die Lebensqualität, findet Professorin heraus

rd | 14. Juni 2020, 13:06 | 57 Kommentare
Mehr ÖPNV verbessert die Lebensqualität (Symbolbild)

Einen bemerkenswerten Einblick in die Möglichkeiten der modernen Wissenschaft, wie sie an der Hochschule Rhein-Waal praktiziert wird, erhielten in dieser Woche die Mitglieder des Sozialausschusses der Stadt Kleve. Die Erkenntnisse waren so profund und außerordentlich, dass am Ende des Vortrags der offenbar völlig überwältigte Kämmerer der Stadt Kleve, Willibrord Haas, sich zumindest im Konjunktiv bereit erklärte, etwaige „beschlossene Maßnahmen“ in den Haushaltsplan für das Jahr 2021 aufzunehmen. Wer auch nur einen Funken Ahnung von Kommunalpolitik hat, weiß, was das bedeutet.

Was aber ist geschehen? Ausweislich eines Berichts in der Rheinischen Post, vom Universalversteher Matthias Grass verfasst, hat die Hochschulprofessorin Ingrid Jungwirth im Auftrag der Stadt Kleve das neuerdings „Quartier“ genannte Stadtviertel westlich der Hoffmannallee untersucht. Das machten dann wohl die Studenten, mit einem Resultat, dessen in der Zeitung vorgestellte quantitative Aussagekraft sich in engen Grenzen hält. Offenbar wurden „alle 2719 Haushalte“ in der Oberstadt angeschrieben. 182 schrieben per Briefpost zurück, 26 nahmen an einer Online-Befragung teil, und weitere 75 im direkten Gespräch. Ergibt in Summe 283 Haushalte, also gerade einmal zehn Prozent.

Nicht klar wird, das kann allerdings ein Mangel des Berichts und nicht der Untersuchung sein, inwieweit die Erstansprache in deutscher Sprache erfolgte, was schon zum Ausschluss eines Großteils der Einwohner hätte geführt haben können. Jedenfalls lässt die Erkenntnis, dass die durchschnittliche Wohndauer in diesem „Quartier“ auf Basis der 283 Antworten 16 Jahre beträgt, leise Zweifel aufkeimen.

Gleiches gilt für den nächsten Absatz, in dem konstatiert wird, dass in dem ehemaligen Arbeiterviertel 35 % der Bewohner (der antwortenden Bewohner?) einen Migrationshintergrund haben und 8 % (acht Prozentpunkte der 35 %?, der antwortenden Bewohner?) keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.

Derlei Feinheiten sind aber auch im Grunde wurscht, wenn als Ergebnis zusammengefasst das folgende berichtet wird: „Ein Quartiersmanagement, besserer ÖPNV, mehr Radwege und vielleicht Carsharing, Treffpunkte für Jugendliche und ältere Menschen […], sozialer Wohnungsbau […]“ seien Maßnahmen, die sich die Bewohner wünschten. Plus mehr Parkplätze. Mit anderen Worten: Wenn ein Stadtviertel lebenswerter gemacht wird, wird es lebenswerter gemacht. E=mc²!

Für derlei Erkenntnisse hatte sich die Wissenschaftlerin, die es wohl nicht bis nach Kleve geschafft hatte, aus Berlin per Videokonferenz zuschalten lassen. Auch ein Statement.

Wo Sie gerade bis hier gelesen haben:


Post schließt Filiale in Materborn, WIM besorgt

rd | 10. Juni 2020, 16:01 | 13 Kommentare
Post geschlossen: Improvisierte Mitteilung an die Kundschaft (Foto: Urx)

„Ich habe gestern eine Stunde auf dem Parkplatz gestanden und mit Kunden gesprochen, ich kam gar nicht mehr weg“, sagt Norbert Leenders. Doch der Schuhmacher, der in den ehemaligen Räumen des Werkzeughändlers van Beusekom mit drei weiteren Geschäftsleuten als „Wir in Materborn“ (WIM) eine Art Miniaturgeschäftszentrum betreibt, war genauso perplex wie die Menschen, die Briefe aufgeben oder Paketsendungen abholen wollten. Es müsse wohl Diskrepanzen gegeben haben, mehr weiß er nicht. Klar ist: Diese Diskrepanzen eskalierten zu Beginn der Woche wohl derart, dass die Post sich dazu entschloss, die Filiale sofort zu schließen. Gestern vormittag kam ein Postkommando, demontierte die Einrichtung und räumte Inventar und noch abzuholende Pakete ein (die werden nun erneut zugestellt). Für die anderen Geschäftsleute von WIM, neben Leenders noch ein CD-Händler sowie Bürobedarfshändler Menges, hängt damit aber das gesamte Konzept an einem seidenen Faden. Denn die Post mit ihrem regen Publikumsverkehr lieferte auch den anderen Händlern einen steten Strom an Interessenten. Die fallen nun weg, die Tür zu dem Geschäftslokal ist derzeit sogar abgeschlossen, weil fast alle Kunden zur Post kommen – und dann Leenders & Co. den Verdruss über die geschlossene Filiale abbekommen. Logisch, dass sie wie auch die Bürger in Materborn gerne wieder eine Postfiliale in den Geschäftsräumen sähen. Doch gegenüber dem Vermieter van Beusekom ließ der Post-Pächter Francisco Javier de la Cruz-Hernandez durchblicken, dass er den Platz benutzen werden, um dort ein anderes Geschäft zu betreiben. Welches, das stehe noch nicht fest. Dann aber wäre kein Platz für die Post mehr da. Die anderen WIM-Mitglieder sind auch nur Untermieter bei de la Cruz-Hernandez, auch dieses Konstrukt steht also derzeit auf etwas unsicheren Beinen. Die Frage ist auch, wie schnell sich einer neuer Filialbetreiber finden würden. Dem Vernehmen nach müssen die Händler eine Sicherheit im fünfstelligen Bereich hinterlegen, um Postdienste anbieten zu dürfen. Die hat auch nicht jeder gerade zur Hand.

WIM gibt es in Materborn seit 2015. Zuerst hatte der Buchhändler Guido Burmann die Postfiliale mit betrieben. Seit Anfang des Jahres bot de la Cruz-Hernandez die Dienste an, die gerne angenommen wurden und in den vergangenen Monaten infolge von Corona sogar einen ungeahnten Boom erlebten.


Aus der Abteilung Komplett-Hinters-Licht-Führung der Öffentlichkeit: „Silberstreif für Airport“ (RP)

rd | 10. Juni 2020, 11:51 | 33 Kommentare
Dreiste Irreführung des Lesers: Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers. Was aber ist zu tun? Die RP sollte die Kolumne sofort einstellen (Verlust jeglicher Glaubwürdigkeit). Der Landrat sollte seinen Wirtschaftsförderer umgehend feuern (entweder kann er nicht sinnentnehmend lesen, oder er hat nur ein begrenztes Verständnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen (auch dann ist er für das Amt (!) ungeeignet)

(Aktualisiert) Der Flughafen Weeze ist in Turbulenzen, um es milde auszudrücken, aber der Club der Freunde wird nicht müde zu erklären, wie sinnvoll es ist, das Investment weiter zu bezuschussen. Sechs Millionen Euro stehen aktuell zur Debatte.

Insofern wundert es nicht, dass in der Rheinischen Post in der Kolumne „Nur mal so“, die vom Wirtschaftsförderer des Kreises Kleve, Hans-Josef Kuypers, mit Plattitüden gefüllt wird (bei der aktuellen Kolumne ist in der Online-Version die Autorenschaft allerdings nicht ersichtlich), der Flughafen ebenfalls zum Thema wird.

Schon die Überschrift lässt aufhorchen: „Silberstreif für Airport“. Da ist der Leser natürlich gespannt, und er erfährt im Folgenden, dass sogar „ der als kritisch bekannte Bund der Steuerzahler den Flughafen Weeze als ,tendenziell gewinnträchtig‘ [sieht]“. Man staunt.

Der Flughafen sei ein Standortfaktor, der sich in jeder Hochglanzbroschüre gut mache. Man wundert sich. Wedelt hier nicht der Schwanz mit dem Hund? Ist der Flughafen eine Requisite für Hochglanzbroschüren?

Dann kommt der Autor zu besagtem Silberstreif, der sich aus einer Studie des Verbandes ergebe. Er schreibt, etwas schwurbelig, aber das tut dem Thema ja auch gut: „Dieses Papier muss sich gefallen lassen, dass es den Niederrheiner trotz mancher Ernüchterung auch nachdenklich macht, Bestärkung liefert, Hoffnung streut: Unter allen untersuchten Regionalflughäfen, so der Bund der Steuerzahler, schreiben danach nur zwei Standorte in der Republik schwarze Zahlen.“ Memmingen und Weeze. Es folgt das bemerkenswerte Zitat zu den Gewinnaussichten des Airports: „Lediglich die Flughäfen Weeze und Memmingen, bei denen von Beginn an private Investoren engagiert waren, sind tendenziell gewinnträchtig.“ Autor der Studie, so erfährt der Leser am Ende, sei Matthias Warneke, der „von Haus aus Volkswirtschaftler [ist] und das Deutsche Steuerzahlerinstitut des Bundes der Steuerzahler mit Sitz in Berlin [leitet]“.

In dem Beitrag heißt es sogar, dass die besagte Studie in Kenntnis der Corona-Situation im März veröffentlicht worden sei. Wie gesagt, man wundert sich. Der Bund der Steuerzahler ist ja tendenziell eine Organisation, die sich gegen das sinnlose Verbraten von Steuergeldern ausspricht. Also machte sich kleveblog die Mühe und recherchierte mal ein wenig.

Schnell findet man heraus, dass Matthias Warneke das Deutsche Steuerzahlerinstitut nicht leitet. Das Institut hat einen Präsidenten, der heißt Rainer Holznagel. Matthias Warneke ist der wissenschaftliche Leiter. Dem Präsidenten haben wir also gestern Abend ein paar Fragen geschickt: „Gerne würde ich wissen, aufgrund welcher Kriterien es zu dieser positiven Bewertung kam, ob die näheren Umstände wie der Ende des Jahres gewährte Betriebskostenzuschuss dem Autor bekannt waren und ob der Autor seine Einschätzung aufrecht erhält.“

Heute morgen antwortete dann der Autor persönlich: „Herr Holznagel bat mich, Ihnen als Autor der Bestandsaufnahme zu antworten. Das zugrundeliegende Papier übersende ich Ihnen anbei. Wie Sie darin sehen, bezieht es sich auf das Jahr 2018, also auf die jüngsten verfügbaren Jahresabschlüsse und damit auf seinerzeitige Jahresergebnisse und öffentliche Zuschüsse. Es liegt auf der Hand, dass es 2019 Veränderungen bei einzelnen Flughäfen gab; von 2020 ganz zu schweigen. Der Passagierrückgang in Weeze ist ja kein Geheimnis. In der Gesamtschau bestätigen die 2018er Zahlen aber den defizitären Trend der Vorjahre.“

Jahr 2018?! Bestätigung des defizitären Trends der Vorjahre?!

kleveblog meint: Dieses Papier entgegen der Einschätzung des Autors für eine plumpe Stimmungsmache zu nutzen, dazu gehört schon eine gewisse Unverfrorenheit. Aber was veranlasst eine angesehene Zeitung, diesen Propagandamüll offenbar ohne weitere Kontrolle ins Blatt zu heben?


Die Sonntagskurve am Montag

rd | 08. Juni 2020, 17:44 | 8 Kommentare
33 neue labordiagnostisch bestätigte Infektionen am Sonntag

742 Indexfälle meldete der Kreis am Sonntag (9 Neuinfektionen, davon 5 Zeitarbeiter), heute um 14:29 Uhr waren es dann 743 Personen.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Corona aktuell: 14 neue Fälle, wieder allesamt Leiharbeiter, jetzt 367 Personen in Quarantäne

rd | 04. Juni 2020, 15:09 | 6 Kommentare
Reproduktionsfreudiger Geselle

Man möchte, dass das Thema einfach vorbei ist, irgendwie vorbei, aber diesen Gefallen tut uns das Coronavirus nicht. Soeben meldet der Kreis Kleve 14 neue Fälle. Es handelt sich um den dritten zweistelligen Tagesanstieg in den vergangenen zehn Tagen, und erneut stammen alle neuen klinisch bestätigten Fälle aus dem Bereich der Leiharbeiter, deren kostengünstige Unterbringung in (zu) eng belegten Sammelunterkünften die Ausbreitung des Virus begünstigt. Dass Sammelunterkünfte betroffen sind, zeigt auch die Zahl der in Quarantäne befindlichen Personen. Sie schnellte auf 367 Personen hoch (plus 78). Der Wert liegt eher beim Spitzenwert als bei dem niedrigsten, der Ende Mai erreicht worden war. Immerhin liegt die so genannte Inzidenz bei (nur) 13,5 und somit noch weit vom Grenzwert (50) entfernt, ab dem die Einschränkungen wieder verschärft werden sollen.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Woher stammt eigentlich die Zahl 1000 in Zusammenhang mit Arbeitsplätzen am Flughafen Weeze? Vom Flughafen selbst, sagt der Kreis. Aha.

rd | 04. Juni 2020, 12:48 | 33 Kommentare
Vertrauensseliger Umgang mit Zahlen: Landrat Wolfgang Spreen (Foto: Kreis Kleve)

Gestern verschickte der Kreis Kleve eine Pressemitteilung, die überschrieben war mit den Worten: „Landrat wirbt für Erhalt von 1.000 Arbeitsplätzen am Flughafen Weeze“ (vollständiger Text am Ende des Artikels). Und da war sie wieder, die Zahl 1000, die mantraartig ins Feld geführt wird, um Zuwendungen an den Flughafen zu rechtfertigen, zuletzt beispielsweise im Brief der Niederrheinischen IHK an den Landrat, oder vor einigen Monaten in der Haushaltsrede der Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion, Ulrike Ulrich. Der Umgang mit solchen Zahlen sollte zumindest eine Kontrolle wert sein, denkt man. Also fragte kleveblog den Kreis, was er zu tausend Arbeitsplätzen am Airport weiß, wenn schon für deren Erhalt geworben wird.

Hier die Liste der Fragen:

  1. Was ist die Quelle für diese Zahl?
  2. Viele der Jobs am Flughafen sind (mangels Geschäftszeiten auch zu normalen Betriebszeiten) nur in Teilzeitarbeitsstellen, z. B. Servicekräfte in der Gastronomie etc. Wie fällt die Umrechnung in Vollzeitäquivalente (FTEs)? aus?
  3. Laut Geschäftsbericht beschäftigt der Flughafen 90 Mitarbeiter. Wie verteilen sich die anderen 910 Jobs (auf welche Unternehmen, auf welche Branchen)?
  4. Wie fließen das Unternehmen Parookaville bzw. das Festival – welche ja mit dem Flugbetrieb nichts zu tun haben – in diese Rechnung ein?
  5. Wie fließen die auf dem Gelände des Flughafens untergebrachten Zeitarbeiter – welche ja nichts mit dem Flughafen zu tun haben – in diese Rechnung ein?
  6. Wie viele der 1000 Jobs – unterstellt, die Zahl ist zutreffend – werden gefördert (z. B. durch die Agentur für Arbeit), sodass sich im Grunde eine doppelte Förderung ergibt?

Und hier die Antwort des Kreises:

„Zu Ihrer Anfrage kann der Kreis Kleve Ihnen Folgendes mitteilen: Die Angaben zur Anzahl der Arbeitsplätze am Flughafen Weeze stammen von der Flughafen Niederrhein GmbH. Die von Ihnen erbetenen detaillierten Angaben zu verschiedenen Teilbereichen rund um den Flughafen liegen in originärer Zuständigkeit der Flughafen Niederrhein GmbH. Ich bitte Sie daher, weitere Informationen zu den von Ihnen angesprochenen Themenfeldern dort einzuholen.“

kleveblog meint: Da sagt jemand 1000, und dann wird das ohne weitere Prüfung nachgeplappert? Vom Landrat??

Hier der vollständige Text der Pressemitteilung:

Die Corona-Pandemie wirkt sich auf zahlreiche Lebens- und Wirtschaftsbereiche aus. Davon ist auch der Flughafen Weeze mit seinen rd. 1.000 Arbeitsplätzen nicht verschont geblieben. Durch das völlige Ruhen des Flugbetriebs ist der Airport in eine wirtschaftliche Notlage geraten. Aufgrund der zum Teil öffentlich geführten Diskussion um die Unterstützung der Flughafen Niederrhein GmbH appelliert Landrat Wolfgang Spreen eindringlich an alle Beteiligten, konstruktiv an dem Erhalt des Flughafens und damit an dem Erhalt der vielen Arbeitsplätze, die mit dem Flughafen verbunden sind, mitzuwirken.

Spreen: „Der Flughafen mit seinen unterschiedlichen Geschäftsfeldern hat sich über viele Jahre hinweg finanziell selbst tragen können. Auch das vergangene Wirtschaftsjahr konnte mit einem positiven Jahresergebnis abgeschlossen werden. Es wäre fatal, wenn dieses Unternehmen mit seinen vielen Arbeitsplätzen der Corona-Pandemie zum Opfer fallen würde. Die aktuellen Sorgen und Nöte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, wie es in dieser schwierigen Zeit mit Ihnen weitergeht, kann ich absolut nachvollziehen. Ich hoffe sehr, dass diese Sorgen und Nöte auch von anderen Beteiligten wahrgenommen werden.“

Deswegen stellt Landrat Wolfgang Spreen auch noch einmal klar heraus, dass eine notwendige Unterstützung des Flughafens die Haushalte des Kreises Kleve und der Gemeinde Weeze nur unwesentlich belasten würde.

Angesichts der derzeit historisch günstigen Kreditkonditionen ist von einem jährlichen Zinsaufwand von höchstens 30.000 €, der zur Finanzierung des auf den Kreis Kleve entfallenden Betrages von 3,12 Mio. € anfallen dürfte, auszugehen. Für die Gemeinde Weeze mit einem Anteil von 2,88 Mio. € an dem Rettungsschirm wird der Betrag noch ein wenig geringer ausfallen. Im Übrigen stellen die für die Erhöhung der stillen Beteiligung aufzubringenden 6 Mio. € bilanztechnisch lediglich einen Aktivtausch dar und gehen nicht mit dem Verbrauch von Eigenkapital einher.

Wolfgang Spreen abschließend: „Dieser vergleichsweise geringe Aufwand sollte es uns wert sein: Nämlich die Rettung zahlreicher Arbeitsplätze und damit die Existenz vieler Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mit ihren Familien.“


Ist das der Bürgerwille? Vier „Musketiere“ präsentieren neuen Plan für den Minoritenplatz

rd | 03. Juni 2020, 13:59 | 107 Kommentare

Großzügige Anlage, kein Hutzelkram: Blick von Norden auf den Minoritenplatz
Repräsentativer Eingang zur Stadt. Gut zu erkennen sind die beiden Sichtachsen an der Rückseite der Volksbank auf den Netelenhorst und zwischen Deutscher Bank und dem neuen Gebäude Richtung Kavarinerstraße
Blick aus dem Ratssaal: Oben Podrecca, unten aktueller Bebauungsplan
Die roten Linien zeigen die Baufelder, die der aktuelle Bebauungsplan vorsieht
Vision für die Stadt: Heinz Sack, Peter Wack, Lukas Verlage, Hans Hussmann

Der durchschnittliche Klever Journalist verbringt ein Gutteil seiner Laufbahn damit, Pressekonferenzen beizuwohnen, in denen die Neugestaltung des Minoritenplatzes – nun aber wirklich – angestoßen wird. Das Areal in unmittelbarer Nähe des Rathauses ist seit Jahrhunderten ein Parkplatz, und es ist anzunehmen, dass es auch dann noch ein Parkplatz sein wird, wenn Automobile längst auf dem Schrottplatz der Geschichte gelandet sein werden. Der Verfasser selbst wurde Mitte der achtziger Jahre als Mitarbeiter der Rheinischen Post vom damaligen Lokalchef Alois Puyn in den Blauen Salon der Stadthalle beordert, wo sich die CDU der „endgültigen Gestaltung“ der Freifläche widmete, natürlich mit dem gleichen nihilistischen Ergebnis, das im Grunde an die Vergeblichkeit menschlichen Strebens überhaupt gemahnt.

Insofern kann es gar nicht verdienstvoll genug eingeschätzt werden, dass nun, mehr als ein Jahr nach der Verabschiedung des Bebauungsplans für den Minoritenplatz im Klever Rat, eine Gruppe von Klever Bürgern aus der Deckung kommt und einen neuen Entwurf vorlegt. Und so traten, mit dem ziemlichen Abstand, am späten Vormittag Lukas Verlage (Geschäftsführer der Firma Colt), Heinz Sack (Geschäftsführer der Firma Tel-inform), Peter Wack (Förderverein Campus Cleve) und Hans Hussmann (Hussmann Elektrotechnik) vor die Presse. Verlage bezeichnete das Quartett als die „vier Musketiere“, hinter denen noch eine ganze Reihe weiterer Bürger der Stadt stünden.

So gesehen, kann das, was sie vorstellten, vielleicht tatsächlich als Bürgerwille bezeichnet werden, und, wenig überraschend, sieht der einmal mehr ganz anders aus als das, was in den Amtszimmern des Klever Rathauses ersonnen wurde. Ein ähnliches Beispiel wurde kürzlich hier auf kleveblog vorgestellt, es ging um die Bürgerbeteiligung bei der Gestaltung des Mehrgenerationenplatz am Backermatt, wo die Anregungen aus Workshops souverän von der Verwaltung in die Tonne gekloppt wurden.

Die Gruppe, die sich mit den Minoritenplatz beschäftigte, hatte auf jeden Fall schon einmal eine Idee, die – soweit der Verfasser in der Lage ist, das zu überblicken, also für ca. 50 Jahre – noch keiner hatte. Die Initiative ließ sich von dem Gedanken leiten, als erstes einen Platz zu setzen und dann die Gebäude dazu zu denken. Bisher war es eher so, dass größere oder kleinere Immobilien auf das Areal gewürfelt wurden und anschließend die Baulücken als „Platz“ bezeichnet wurden.

Dann hatte die Gruppe eine zweite Idee, die in Kleve ebenfalls nicht selbstverständlich ist. Sie traute sich, jemanden zu fragen, der etwas von der Sache versteht. In diesem Fall war es der Wiener Architekt Boris Podrecca, der im vergangenen Jahr auf Einladung der Initiative DenkPause einen Vortrag über Platzgestaltung gehalten und dabei offenbar ein paar Augen geöffnet hatte. Lukas Verlage wiederum hatte über Bauprojekte auch beruflichen Kontakt mit dem Mann aus der lebenswertesten Stadt der Welt.

Der bemerkenswerte Vortrag und die ohnehin existierende Verbindung führten dazu, dass die Bürger-Initiative Podrecca beauftragte, sich mit dem Minoritenplatz zu beschäftigen. „Viel“ habe die Gruppe investiert, so Heinz Sack, doch es gehe darum, „Schlimmeres zu verhindern“ (Peter Wack).

Immerhin sieht die Gruppe das Areal als das Zentrum der sich Richtung Ebene entwickelnden Stadt, die durch die Hochschule sowie durch die Wohnbebauung des ehemaligen Union-Geländes eine Verschiebung des Schwerpunktes erfährt. „Wir haben die fantastische Möglichkeit, in Kleve einen zentralen Platz zu schaffen“, so Lukas Verlage.

Wie aber sieht der Entwurf von Boris Podrecca aus? Der Österreicher beschäftigte sich ein wenig mit der Klever Geschichte und stieß auf das Wort Sichtachsen, die seit Johann Moritz von Nassau-Siegen eine Rolle spielen, seit Woolworth allerdings in Vergessenheit geraten sind. Podrecca schuf also erst einmal einen 3000 Quadratmeter großen Platz und entwickelte dann zwei Sichtachsen, die eine quasi in der Verlängerung der Herzogbrücke in Richtung Westen (bis zur Kavarinerstraße), die andere parallel zum Spoykanal an der Rückseite der Volksbank vorbei.

Die Animationen zeigen die Großzügigkeit dieses Entwurfes auf. Übrig blieb noch der Platz für ein Gebäude (Grundfläche 2000 Quadratmeter), welches mit seiner nach Westen gerichteten Spitze in den Obergeschossen ein Stück weit in den Platz hineinragt. Das Gebäude selbst soll belebt werden (also nicht als Bank oder für die Verwaltung genutzt werden), stattdessen sind denkbar Volkshochschule, Stadtbücherei, Gastronomie und auch Veranstaltungsort für kleinere Events.

„Es wäre möglich, dieses Gebäude über eine sehr lange Zeit zu bespielen“, sagt Hans Hussmann. Mehr Einzelhandelsfläche soll auf keinen Fall in die Stadt geholt werden. Verlage verwies auf gelungene Platzgestaltungen in anderen Städten dieser Welt und sagte: „Wir wollen Vorreiter sein in Kleve. Sydney, Kopenhagen, Kleve – können Sie sich das vorstellen?“

Das verblüffende an den neuen Entwurf ist der Umstand, dass einem tatsächlich zunächst einmal kein Kritikpunkt einfällt. Kein sinnfreies Geraune von „kleinteiliger Bebauung“, kein resigniertes „Irgendwas muss ja dahin“, sondern einfach mal ein vom Platz her gedachter Entwurf. Gut, dass die Gruppe sich das getraut hat.

Aber was sagt die Politik? Was die Verwaltung? Peter Wack zitierte die Antwort der Bürgermeisterin: „Och, das finde ich gut. Da bekomme ich endlich mein Medienzentrum.“ Auch aus allen Fraktionen habe man bei der Vorstellung des Planes positive Reaktionen erhalten. „Wir haben nirgendwo Widerstand gespürt“, berichtet Wack. Verlage ergänzt: „Wir wollten einen Anstoß geben, bevor der Zug abgefahren ist.“ Nun seien Politik und Verwaltung gefordert.

PS. Auch der neue Entwurf geht davon aus, dass sich eine Tiefgarage unter dem Minoritenplatz-Areal nicht rechnet und damit die Tiefgarage unter dem Rathaus weiterhin nicht genutzt werden kann (sie hat keine Zufahrt). Doch die Gruppe regte an, dort eine Fahrrad-Tiefgarage (wie es sie in jeder größeren niederländischen Stadt gibt) unterzubringen. Ebenfalls eine gute Idee.

Info Boris Podrecca


Das 1986 gegründete Wiener Studio mit Außenstellen in Venedig und Stuttgart befasst sich mit der Integration von Stadtgestaltung und Architektur unter besonderer Berücksichtigung der Systematisierung der gesamten städtischen Kontextualität, der Verbindung von Architektur und Landschaft sowie der Formulierung von Typologie und Materialität. Dank der sogenannen „Poetik der Unterschiede“, einer dialogischen Strategie von alt und neu, die auf den ökologischen und kulturellen Unterschieden der verschiedenen Standorte basiert, realisierte das Studio in acht europäischen Ländern eine Vielzahl von Gebäuden für Unternehmen, Wohnen, Produktion, Tourismus und Kultur sowie zahlreiche öffentliche Räume. Zu den wichtigsten Werken gehören in Wien der 202 m hohe Millennium Tower, Institutsgebäude des Vienna BioCenters und zuletzt der Umbau des DomMuseums sowie das Businesscenter Austria Campus; in Italien der Umbau des Museums für Moderne Kunst Ca ‘Pesaro in Venedig, die Kirche und Pfarrzentrum Pentecoste in Mailand sowie die Metrostation San Pasquale in Neapal; in Slowenien die Medizinische Fakultät in Maribor, in Kroatien Hotelresorts in Dubrovnik und Zadar sowie in Frankreich das Porzellanmuseum in Limoges. Über 30 Gestaltungen an öffentlichen Räumen, unter anderem in Wien, Salzburg, Klagenfurt, Stuttgart, Piran, Split, Triest, Ravenna und Verona. Ein weiteres Tätigkeitsfeld ist die Gestaltung von Ausstellungen wie über Joze Plecnik im Centre Pompidou in Paris, Friedrich Kiesler in New York und die Strauss Epoque in Peking und Hongkong.


Stabwechsel bei der NABU-Naturschutzstation Niederrhein: Dietrich Cerff folgt auf Dr. Volkhard Wille

rd | 02. Juni 2020, 19:06 | 3 Kommentare
Dietrich Cerff (links) tritt die Nachfolge von Dr. Volkhard Wille an
Abständig verabschiedet: Dr. Volkard Wille

Die NABU-Naturschutzstation Niederrhein wird ab 1. Juli von einem hauptamtlichen Vorstand geleitet. Neuer Vorsitzender wird der aktuelle Geschäftsführer Dietrich Cerff. Volkhard Wille, der den Verein seit 26 Jahren ehrenamtlich führt, wird dem neuen Aufsichtsrat vorsitzen. Das ist das Ergebnis der Wahl durch die Mitgliederversammlung am vergangenen Freitag.

Dietrich Cerff ist seit 17 Jahren bei der Naturschutzstation angestellt und seit 2015 Geschäftsführer. Von Hause aus ist er Botaniker, seine thematischen Schwerpunkte sind grenzüberschreitender Naturschutz und Wald. Darüber hinaus deckt er breites Themenspektrum im Naturschutz ab, ist im besten Sinne des Wortes Generalist. Als stellvertretende Vorsitzende wählten die Mitglieder Klaus Markgraf-Maué und Susanne Klostermann, die beide seit 24 beziehungsweise 20 Jahren in der Naturschutzstation beschäftigt sind. Markgraf-Maué ist Experte für das Thema Fluss und Aue, Klostermann für das Thema Wiesenvögel.

„Ich bedanke mich für das Vertrauen und freue mich darauf, gemeinsam mit Susanne Klostermann und Klaus Markgraf-Maué sowie unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die verschiedenen Aufgaben weiterhin bestmöglich im Sinne von Artenschutz und Artenvielfalt hier am Niederrhein zu erfüllen“, sagt Dietrich Cerff. Er baue weiterhin auf die Unterstützung aller Mitglieder, ehrenamtlich Tätigen sowie weiteren Mitstreitern und Partnern und bedanke sich herzlich für deren wertvolles Engagement. „Wir erleben momentan besondere Zeiten, in denen die Natur eine immer größere Wertschätzung erfährt, vor und während der Coronakrise“, sagt Cerff. Er hoffe sehr, dass Politik und Gesellschaft trotz zusätzlicher Belastungen daran denken und entsprechend handeln.

Als Vorsitzenden des neuen Aufsichtsrates wählte die Versammlung den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Dr. Volkhard Wille. Stellvertreter werden Andreas Jünemann und Christian Chwallek. Außerdem wählten die Mitglieder als Beisitzer Adalbert Niemers, Stefan R. Sudmann und Dr. Dieter Lütticken.

Dr. Volkhard Wille sagt: „Wir freuen uns, dass wir die NABU-Naturschutzstation Niederrhein Ende 2019 nicht nur mit dem Umzug nach Rindern, sondern auch mit einer Satzungsänderung so aufstellen konnten, dass die wichtige Arbeit für den Naturschutz im Nordkreis Kleve auch künftig professionell und mit großem Engagement von uns geleistet werden kann.“ Die neue Satzung – von der Mitgliederversammlung im Dezember 2019 beschlossen – sieht vor, dass der Vorstand nunmehr hauptamtlich sein kann. Dazu wurde ein ehrenamtlicher Aufsichtsrat installiert. Um den Verein fit für die Zukunft zu machen, hatte die letzte Mitgliederversammlung eine entsprechende Satzungsänderung verabschiedet.

Neuem Vorstand und Aufsichtsrat ist wichtig, dass es bei der Ausrichtung der Station Kontinuität gibt. Die wichtigste Grundlage ihrer Arbeit ist die Verwurzelung in der Gesellschaft durch den Verein sowie weitere Ehrenamtliche und durch den Austausch mit allen wichtigen Interessensgruppen. Das zentrale Ziel der Station ist und bleibt die naturverträgliche Landnutzung – egal ob das die Landwirtschaft oder das Thema Fluss und Auen oder den Wald betrifft. Um die Wichtigkeit des Naturschutzes allen klar zu machen, ist die NABU-Naturschutzstation Niederrhein in der Umweltbildung – sowohl für Kinder als auch für Erwachsene – und in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv.


Seerosen aus KaLi, Mohnblumen aus Kellen, Gerstengrannen unbekannter Provenienz

rd | 01. Juni 2020, 18:33 | 2 Kommentare
It’s a strange world: Seerosen in Kamp-Lintfort (Landesgartenschau) (Foto: Joachim Schäfer)
Mohnblumen in einem Gerstenfeld: Könnte von Monet sein, ist aber auch von: Joachim Schäfer

Schon im Sachkundeunterricht der Grundschule lernte man die Getreidesorten zu unterscheiden: Die Gerste hatte die längsten Grannen, was sich übrigens vom althochdeutschen grana (Barthaar) ableitet, falls es jemanden interessiert. Auf Platz 2 war der Weizen, auf Platz 3 der Roggen, und der Hafer fiel ganz raus, weil der sich von anderen Getreidearten in der Form des Fruchtstandes unterscheidet, der als Rispe und nicht als Ähre ausgebildet ist. Das zeigt, dass er in der Systematik weit entfernt von anderen Getreidearten steht. (Foto: Joachim Schäfer)

Corona aktuell: Hausbesuche in Sammelunterkünften, 4 neue Fälle, Kurve geht nach oben

rd | 01. Juni 2020, 18:25 | 1 Kommentar
Nicht gut: Deutlicher Aufwärtstrend

Aktuelles aus dem Kreishaus: „Am Pfingstwochenende wurden sowohl in Goch als auch in Emmerich am Rhein zahlreiche Leiharbeiter in Sammelunterkünften, die in der niederländischen Fleischindustrie tätig sind, auf COVID-19 getestet“, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreises. Ergebnisse lägen noch nicht vor. Die Maßnahmen seien in Abstimmung mit der Bezirksregierung Düsseldorf erfolgt. Diese Testungen werden, so Landrat Wolfgang Spreen, möglicherweise tausende Menschen betreffen. Der Landrat hatte das Land Nordrhein-Westfalen über den Krisenstab der Bezirksregierung um personelle Unterstützung für die Kontrollen dieser Sammelunterkünfte gebeten. Diese Unterstützung wurde nun durch das Land NRW gewährt.

Ursprünglich sollten zwei externe Teams für Testungen am Pfingstsonntag und am Pfingstmontag zur Verfügung stehen. Diese Testungen wurden durch das Gesundheitsamt des Kreises Kleve in kürzester Zeit vorbereitet. Schlussendlich standen die beiden Teams der Stadt Krefeld zu je drei Personen zunächst nur am Pfingstsonntag zur Verfügung. Aufgrund der bereits erfolgten Vorbereitungen übernahmen dann kurzfristig zwei mobile Probenentnahme-Teams des Kreises Kleve die Testungen am Pfingstmontag.

Am Pfingstsonntag wurden die Probenentnahmen in allen priorisierten Sammelunterkünften in Goch abgeschlossen. Hierbei handelt es sich um Unterkünfte mit Indexfällen und Sammelunterkünfte von Leiharbeitern, die in der niederländischen Fleischindustrie tätig sind. Am Pfingstmontag waren die beiden Teams des Kreises Kleve zur Testung der Leiharbeiter in Emmerich am Rhein unterwegs. „Ich danke insbesondere den beiden Helfer-Teams aus Krefeld sowie den freiwilligen Helfern aus dem Kreisgebiet vom Deutschen Roten Kreuz, vom Malteser Hilfsdienst und von der Johanniter-Unfall-Hilfe für die kurzfristige Bereitschaft, den Kreis Kleve erneut zu unterstützen“, so Landrat Spreen.

Die amtliche Corona-Statistik, die am Samstag und Sonntag ausgeblieben war, lieferte für den Montag nun eine Gesamtzahl von 709 Fällen, in den vergangenen sieben Tagen gab es (wegen der positiv getesteten Leiharbeiter (v. a.) aus Emmerich) 55 neue Fälle, also rund doppelt so viel wie in den Wochen zuvor. Die 7-Tage-Inzidenz je 100.000 Einwohner, die als Indikator für die Wiedereinführung der Einschränkungen gilt, beträgt aktuell 17,7 und ist damit glücklicherweise immer noch weit vom Grenzwert 50 entfernt.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Pf(ingstf)oto

rd | 01. Juni 2020, 13:59 | 2 Kommentare
Ein durchaus rätselhaftes Bild, bis dann der Groschen fällt… (Foto: Der Kalkarer)

Lieber Leser, die Redaktion wünscht frohe Pfingsttage und wird dir die restlichen Stunden des Festes mit einigen schönen Aufnahmen aus den Werkstätten unserer geschätzten Lichtbildner versüßen. In den kommenden Tagen nehmen wir auch die Produktion von ganzen und halben Sätzen wieder auf, und vielleicht fangen wir tatsächlich am besten an mit der als „Ordnung zur Kompensation der Folgen der Coronavirus SARS-CoV-2-Epidemie für Studium und Lehre an der Hochschule Rhein-Waal“ titulierten amtlichen Bekanntmachung 11/2020  der HSRW, über die in den Kommentaren schon einiges zu lesen ist, und die – Corona hin, Corona her – ein in der deutschen Hochschullandschaft vermutlich einmaliges Dokument ist.


Corona: 16 neue Fälle, 11 davon Leiharbeiter

rd | 29. Mai 2020, 21:09 | 2 Kommentare
Nicht kaputtzukriegen: Coronavirus

Nach 16 neuen festgestellten Infektionen ist die Zahl der insgesamt vom Coronavirus befallenen Menschen im Kreis Kleve auf 705 gestiegen – ein Zusammenhang mit den am Mittwoch bekannt gewordenen Fällen erkrankter Leiharbeiter aus Osteuropa, die in niederländischen Schlachthöfen arbeiten, liegt auf der Hand. Elf der Neuinfizierten sind laut Kreis Kleve als Zeitarbeiter erfasst. Die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen, die sich zuletzt auf etwa 30 eingependelt hatte, ist auf 58 hochgeschnellt. Die Gesamtzahl der in der Stadt Kleve festgestellten Erkrankungen mit dem Coronavirus beträgt 94.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve

Gestern vermeldete der Kreis Kleve einen deutlichen Anstieg der Sozialhilfeempfänger (heute wird von Bedarfsgemeinschaften gesprochen). Hier der Text der Pressemeldung:

Die Zahl der Menschen, die im Kreis Kleve auf SGB-II-Leistungen angewiesen sind, ist im Mai deutlich gestiegen. Wies die April-Statistik noch ein Plus von 67 SGB-II-Bedarfsgemeinschaften (BG) gegenüber dem Monat März aus, so verzeichnete das Jobcenter Kreis Kleve im Mai 264 zusätzliche BG. In den insgesamt 8.094 Bedarfsgemeinschaften leben 14.778 Menschen, davon 10.850 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Bei den verbleibenden 3.928 Sozialgeldempfängern handelt es sich in der Regel um Kinder. „Gut zwei Monate nach Beginn der Corona-Pandemie sind die Folgen auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt deutlich sichtbar“, so Landrat Wolfgang Spreen. „Wie lange und in welchem Umfang sie sich auf die SGB-II-Zahlen im Kreis Kleve auswirkt, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden.“ Die Zahlen der Vermittlung in Arbeit werden in der Statistik des Jobcenters Kreis Kleve mit einer dreimonatigen Wartezeit erfasst. Im Januar 2020 konnten 160 Personen in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit vermittelt werden. Weitere 84 Menschen arbeiten nun in einem Minijob.


Corona-Kontrollen von Sammelunterkünften: Landrat fordert von Laschet Verstärkung

rd | 29. Mai 2020, 13:34 | 14 Kommentare
Ball zurück ins Düsseldorfer Spielfeld gespielt: Landrat Spreen

Die Diskussion um die Unterbringung der Leiharbeiter hat immerhin einen erfreulichen Nebeneffekt: Endlich einmal wird das Ausmaß dieser Beschäftigungs- und Wohnverhältnisse im Kreis Kleve offenbar! In einer neuen Pressemitteilung aus dem Kreishaus heißt es, in den vergangenen zwei Wochen seien bereits 20 Objekte begangen worden. Sie stehen auf einer Liste mit insgesamt 60 Immobilien, bei denen es sich um Unterkünfte handelt, deren Besichtigung „priorisiert“ worden ist. Das wiederum heißt im Umkehrschluss: Es gibt noch weitaus mehr. Die Überprüfung der 40 noch fehlenden Unterkünfte würde hochgerechnet weitere vier Wochen dauern – und weil das möglicherweise im Gegensatz zur Dringlichkeit der Sache steht, hat Landrat Spreen jetzt das Land NRW um Unterstützung gebeten. Spreen: „Je nach Umfang der gewährten Landes-Unterstützung lässt sich der benötigte Zeitraum für die Kontrollen möglicherweise erheblich verkürzen.“

Interessanterweise muss Spreen ausgerechnet bei dem Thema, bei dem er (als Jurist) mit gutem Grund daran erinnert hat, dass auch die Arbeitskräfte aus Osteuropa Menschen mit Grundrechten sind, massive Kritik einstecken. Das Thema gilt offenbar als wahlkampftauglich, die Klever Ex-Umweltministerin Dr. Barbara Hendricks (keine Juristin, aber Historikerin) regte unlängst in einem Interview mit der Rheinischen Post die Unterbringung der betreffenden Personen in einem Zeltlager an. Vermutlich ein gut gemeinter Vorschlag (Ansteckungsrisiken minimieren), allerdings hätte ein kurzes Erinnern dem Gespräch vermutlich gut getan.

Hier als Hintergrund die vollständige Pressemitteilung aus dem Kreishaus:

Bekanntlich hatte das Gesundheitsamt des Kreises Kleve aufgrund eines entsprechenden Erlasses des MAGS (Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW) vom 13. Mai 2020 zum Thema „Überprüfung von Unterkünften von Personen, die in der niederländischen Fleischindustrie arbeiten und in NRW wohnen“ die Kommunen um Übermittlung von aussagekräftigen Informationen gebeten. In den vergangenen Tagen haben mehrere Städte und Gemeinden hinreichend konkrete Daten an den Kreis Kleve gesandt. Daraufhin fanden im Zusammenwirken mit diesen Kommunen, die zum Teil selbst Ordnungs-, Bauaufsichts- und Wohnungsaufsichtsbehörde sind, Überprüfungen der Unterkünfte in Begleitung der Unteren Gesundheitsbehörde des Kreises statt. Auch das Arbeitsschutzdezernat der Bezirksregierung Düsseldorf ist, soweit verfügbar, in diese Kontrollen mit eingebunden. „In der vergangenen und in dieser Woche haben insgesamt rund 20 Begehungen stattgefunden“, so Landrat Wolfgang Spreen. „Weitere Termine in der kommenden Woche sind abgestimmt.“ Inhalte und Ergebnisse der Kontrollen sowie angeordnete Maßnahmen des Gesundheitsamtes werden seitens des Kreises Kleve nicht öffentlich gemacht.

Angesichts der Vielzahl der gemeldeten Objekte und des damit verbundenen hohen Arbeitsaufkommens hat der Kreis Kleve die kreisangehörigen Kommunen darauf hingewiesen, dass sich die sukzessive Begehung aller Objekte mit dem verfügbaren Kreis-Personal auf die nächsten Wochen erstrecken wird. Deshalb hat Landrat Spreen mit Regierungsvizepräsident Roland Schlapka gesprochen und das Land NRW um personelle Unterstützung gebeten. Spreen: „Je nach Umfang der gewährten Landes-Unterstützung lässt sich der benötigte Zeitraum für die Kontrollen möglicherweise erheblich verkürzen“. Stand heute, 29. Mai 2020, wurden von den Kommunen rund 60 Objekte priorisiert, von denen 20 bereits kontrolliert wurden. Der Kreis Kleve erwartet, dass nach weiteren Abstimmungen mit den Kommunen zusätzliche Objekte in einer ähnlichen Größenordnung hinzukommen werden. Deshalb wurde das Land um Unterstützung gebeten. Im Übrigen geht der Kreis Kleve davon aus, dass bei einigen Objekten auch Mehrfach-Begehungen erforderlich sein werden.

Der Landrat betont ferner, dass für die Fachleute des Gesundheitsamtes ein Indexfall in einer Sammelunterkunft schon immer Vorrang hatte und hat. Spreen: „Diese Sammelunterkünfte der fleischverarbeitenden Industrie werden unverzüglich überprüft und erforderliche Maßnahmen ergriffen.“


Hochschule Rhein-Waal erforscht „Klang des Corona-Lockdowns“

rd | 29. Mai 2020, 11:20 | 12 Kommentare
So sieht der Lockdown von oben aus – aber wie klingt er?

Wie eine Blaskapelle wohl nicht, eher wie ein Staubsaugerroboter. Den veränderten Klang des Planeten während der Covid-19-Pandemie zu dokumentieren, das steckt hinter der Idee des Pandemic Silence Project. Dafür sammelt Professor Dr. Andreas von Bubnoff, Professor für Wissenschaftskommunikation an der Hochschule Rhein-Waal, Audioaufnahmen aus aller Welt. Wer sich beteiligen möchte, kann seine eigene Aufnahme einreichen.

Aufgrund der Verbreitung des Coronavirus liegt in vielen Ländern das öffentliche und auch wirtschaftliche Leben nahezu lahm oder ist stark eingeschränkt. Dass sich dabei auch der Klang unserer Wohnorte, der Natur, ja des ganzen Planeten radikal zu verändern scheint, wird kaum diskutiert. So wird es beispielsweise an vielen Orten deutlich stiller. Was aber bedeutet diese plötzliche Stille für uns? Und was können wir aus dieser Stille lernen über unseren Einfluss auf den Klang zu normalen Zeiten? Professor von Bubnoff ist davon überzeugt, dass das globale Herunterfahren der meisten menschlichen Aktivitäten während der Pandemie eine einzigartige Chance ist, solche Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen.

Einen Klang einzureichen ist einfach: Benötigt werden mindestens ungefähr eine halbe Minute Audio der „Klanglandschaft“; ein Foto des Ortes der Klangaufnahme; Ort, Datum und Uhrzeit der Aufnahme; und schließlich noch ein kurzer Kommentar dazu, was zu hören ist und was an den Geräuschen und der Lockdown-Situation ungewöhnlich ist. Eine genaue Anleitung und das Formular zum Hochladen finden sich unter https://www.riffreporter.de/anthropozaen/corona-pandemie-still-pandemic-silence/. „Was die einzureichenden Klänge angeht, sind wir so ziemlich offen für alles”, betont Professor von Bubnoff. „Nur sollte der Kontext klar sein und der Klang eine besondere Bedeutung für die Teilnehmenden haben.”


Kreis Kleve & Weeze sollen Flughafen mit 6 Millionen Euro unter die Arme greifen

rd | 28. Mai 2020, 21:22 | 27 Kommentare
Terminal in Weeze: Es ist eine Leere (Fotos © Udo Kleinendonk)

Vorlage Nr. 1281/WP 14, nichtöffentliche Sitzung des Kreistages, überschrieben: Finanzierungsangelegenheiten der Flughafen Niederrhein GmbH. Worum es geht, dürfte klar sein. Nicht klar, wie viel. Sechs Millionen! Mit sechs Millionen Euro soll der Kreis Kleve den Flughafen Niederrhein unterstützen – und, um es in eine Perspektive zu setzen, es handelt sich dabei um die 1,6-fache Summe des Betrags, mit dem der Kreis Kleve exakt 951 kleinere Unternehmen unterstützt hat. Kurz vor der Kommunalwahl im September sollen noch einmal ein paar Pflöcke eingerammt werden, um den chronisch kriselnden Flughafen, auf dem seit dem 25. März kein regulärer Flugbetrieb mehr stattfindet, über die nächsten paar Monate zu retten.

„Die Geschäftsführung der Flughafen Niederrhein GmbH (FN GmbH) [also der scheidende Geschäftsführer Ludger van Bebber – Anm. d. Red.] ist aktuell an den Kreis Kleve und die Gemeinde Weeze herangetreten und bittet um Liquiditätssicherung durch die Bereitstellung von 6 Mio. Euro“, heißt es in der Vorlage. Der Flughafen verzeichne derzeit einen Umsatzausfall von einer Million Euro pro Monat.

Im Gegensatz zum Interview mit der Rheinischen Post, in dem van Bebber im Juli wieder einen regen Flugbetrieb versprach, steht in der Sitzungsvorlage für die Kreistagsmitglieder, „dass in der diesjährigen Sommersaison in Folge der Pandemie keine Passagiere erwartet werden können“. Der Flughafen schätzt, dass – wenn der Flugbetrieb tatsächlich wieder aufgenommen werden sollte – rund 180.000 Passagiere in der Sommersaison von Weeze abfliegen oder dort ankommen. „Ob diese Entwicklung bzgl. der o.g. Annahmen nachhaltig realistisch ist, kann im derzeitigen volatilen Umfeld nicht final beurteilt werden“, heißt es in der Vorlage.

Interessanterweise traut sich der Flughafen, Voraussagen für die nächsten fünf Jahre zu machen. Demnach geht er 2021 von einem Passagieraufkommen von 80 Prozent des Wertes von 2019 aus, 2022, 2023 und 2024 sollen es dann jeweils 50.000 mehr werden, sodass es insgesamt 1,15 Millionen Passagiere wäre (80.000 weniger als 2019). Eine wichtige Einnahme für den Flughafen ist das Parookaville-Festival. Der Flughafen geht davon aus, dass diese Veranstaltung im kommenden Jahr wieder stattfindet.

Andere Finanzierungsmöglichkeiten wurden als Alternativen geprüft und verworfen – sowohl der Rettungsschirm des Bundes (KfW-Bank) wie auch die des Landes (NRW-Bank) sähen lediglich die Vergabe von Krediten vor. Die aber dürften für den Flughafen nicht zu bekommen sein, denn wie soll er das Geld zurückzahlen? Die Kredite sollen in fünf oder sechs Jahren wieder zurückgezahlt werden, das heißt, bei einer (unterstellten) Normalisierung des Flugbetriebs 2021 bleibt kaum Zeit, zusätzlich etwas zur Rückführung der Darlehen zu erwirtschaften. Der Flughafen lebt von der Hand in den Mund.

Und was macht der Gesellschafter? Ihm sei die weitere Zuführung von Mitteln nicht möglich, so die Vorlage, da er selbst von der Coronakrise wirtschaftlich betroffen sei. Allerdings sei er bereit, auf die Rückführung eines Darlehens in Höhe von vier Millionen Euro zu verzichten. Das klingt großherzig, heißt aber nichts anderes, als dass er darauf verzichtet, sich selbst das Geld zurückzuzahlen. Das bringt dem Flughafen keinen Euro mehr.

Das Geld soll dem Flughafen als Einlage in eine stille Gesellschaft zufließen. Der Kreis Kleve, so ist es vorgesehen, beteiligt sich mit 3,12 Millionen Euro daran, der Rest (2,88 Mio. Euro) soll von der Gemeinde Weeze getragen werden.

In einem Brief an Landrat Spreen, der wie ein Beweisstück der Vorlage angefügt ist, schrieben der IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Dietzfelbinger und sein Geschäftsführer Ocke Hamann an Landrat Spreen unter dem Betreff „Systemrelevanz des Airports Weeze“: „Angesichts der aktuellen Entwicklung und der Wettbewerbssituation unter den Regionalflughäfen machen wir uns Sorgen um den Erhalt der Flughafeninfrastruktur in unserer Region.“ Der Flughafen in Weeze weise eine der besten Kostenstrukturen bundesweit auf. Einmal mehr wird die Behauptung der 1000 Arbeitsplätze wiederholt. Bemerkenswert aber auch in diesem Brief ist die Betonung, wie bedeutend das Parookaville-Festival ist. Es habe „das Potenzial, wie andere europaweit bekannte Festivals z. B. in Wacken oder Roskilde imagebildend für die gesamte Region zu wirken.Was das aber mit dem Flugbetrieb zu tun hat, wird das Rätsel der beiden Herren bleiben.

***

Unterdessen ist aus Dortmunder Ratskreisen zu hören, dass der üppig dotierte Vertrag mit dem designierten Dortmunder Flughafen-Geschäftsführer Ludger van Bebber nicht auf ungeteilte Begeisterung stößt – was nicht unerheblich ist, weil der Rat der Berufung van Bebbers zustimmen muss. Was gestört habe, so vermelden Stimmen aus Dortmund, sei, dass der Manager in seinem Lebenslauf seine Beteiligungen an Firmen, die mit dem Flughafen selbst in geschäftlicher Verbindung stehen (z. B. Agello) verschwiegen hat. kleveblog-Leser wissen seit Jahren um die merkwürdigen Zusammenhänge.


Hochschule veröffentlicht Zahlen. Besser gesagt: Malen nach Zahlen

rd | 28. Mai 2020, 15:10 | 66 Kommentare
Offenbar im Spoykanal versenkt: Zahlen der Hochschule, die nicht jeder wissen soll (Foto: Klaus Oberschilp)

Im vergangenen Jahr führte kleveblog der staunenden Öffentlichkeit anhand von hochschulinternen Zahlen vor Augen, dass das Bild der schönen, heilen Hochschulwelt doch so einige Risse aufweist. Angesichts der außerordentlich hohen Abbruchzahlen war der Bericht mit den Worten „Bilanz des Scheiterns“ überschrieben. Der Ärger darüber war so groß, dass die neue Hochschulleitung um Präsident Dr. Oliver Locker-Grütjen postwendend den RP-Redakteur Matthias Grass zum Gespräch bat, in dem man ihm alternative Wahrheiten präsentierte, die dieser in einer Art von Wackeldackeljournalismus an seine Leserschaft weiterreichte („Doppelt so viele Ingenieure im Ziel“).

Dass kleveblog die Zahlen überhaupt veröffentlichen konnte, ist dem Informationsfreiheitsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen zu verdanken, das Bürgern die Möglichkeit gibt, Akten von Institutionen einzusehen (im Idealfall arbeiten die Einrichtungen ja für den Bürger, nicht dagegen). Auch für das neue Jahr hatte kleveblog einen solchen Antrag gestellt, allerdings hat sich die Leitung der Hochschule nun offenbar dazu entschlossen, diese Zahlen gleich in einem Akt der Vorwärtsverteidigung selbst herauszugeben – allerdings in einer für eine Hochschule (aka wissenschaftliche Einrichtung) bemerkenswerten Auswahl…

Die Pressemitteilung dazu liest sich zum Einstieg wie eine Ermahnung an die kleveblog-Redaktion: „Der Bericht basiert auf Daten des Controllings der Hochschule. Die Kennzahlen erfordern zum Teil detailliertes Wissen über die Methoden der Erhebung, um sachgerecht interpretiert zu werden“, heißt es im Text. Übersetzt: Bitte keine anderen Deutungen als die, die die Experten der Hochschule uns dazu geben mögen.

Der Bericht selbst ist online abrufbar (Zahlen der HSRW 2019), es handelt sich um 50 Seiten mit vielen Tabellen und bunten Grafiken. Das wirkt auf den ersten Blick ja mal sehr transparent. Doch warte, lieber Leser!

Einer der zentralen Punkte, auf denen die kleveblog-Berichterstattung des vergangenen Jahres basierte, war die so genannte „Kohortenanalyse“, bei der geschaut wurde, wie groß der Schwund im Verlauf der Semester so ist. Also: Wie viele von denen, die einen Studiengang angefangen haben, sind im nächsten Semester noch da, und so weiter. Der Schwund kann viele Gründe haben (Wechsel des Studiums, Wechsel des Studienorts, Abbruch, Tod). Die Zahlen belegten, dass mehr als die Hälfte der Studenten ihren Studiengang nicht wie vorgesehen zu Ende geführt hatten.

Gespiegelt wurde dieser Umstand in den Übersichten zu den Bachelor-Abschlussquoten, in denen die Zahlen der exmatrikulierten (also: ausgeschiedenen) Studenten mit denen in eine Beziehung gesetzt wurden, die einen Bachelorabschluss erhalten hatten. In der Problemfakultät Technologie & Bionik kamen auf 795 exmatrikulierte Studenten 172 mit einem Bachelorabschluss (22 %).

Zahlen, die es nun nicht mehr geben soll (aus dem Bericht 2018)

Insofern war die kleveblog-Redaktion bei Eingang der Pressemitteilung gespannt, wie die nun frei Haus gelieferten neuen Zahlen so aussehen. Allein: Im aktuellen Bericht fehlen sie – und zwar komplett! Das ist etwa auf dem Niveau von Turkmenistan und Tadschikistan, wo es – den offiziellen Zahlen zufolge – keine Corona-Fälle gibt.

Stattdessen meldet sich der Präsident Oliver Locker-Grütjen zu dem (offenbar immer noch) brisanten Thema zu Wort, allerdings bemerkenswerterweise, ohne eine einzige Zahl zu nennen. Im zehnten und letzten Absatz der Pressemitteilung, also zu einem Zeitpunkt, zu dem der PR-verständige Kommunikator guten Gewissens davon ausgehen kann, dass die Hälfte der Journalisten bereits eingeschlafen ist, heißt es: „Die Hochschule wird die Abschlussquote – also den Anteil eines Jahrgangs, der die Hochschule mit einem Abschlusszeugnis verlässt – weiterhin im Blick behalten. ‚Wir werden ein Bündel von Maßnahmen ergreifen, um die Quote zu erhöhen. Dabei werden wir die sogenannten Studiengangswechsler und ‑zweifler verstärkt in den Fokus nehmen‘, erklärt der Präsident.“

kleveblog meint: Willkommen in der Trump-Hochschule für alternative Realität!

Selektive Wahrnehmung: HSRW-Präsident Locker-Grütjen (2.v.r.) mit lokaler Prominenz in der Klever Sparkasse (Foto: HSRW)

Ein kleines bisschen Nichts, oder: Das Klever Mehrgenerationenplatzfiasko (Bürgerwille, na und?)

rd | 28. Mai 2020, 13:45 | 40 Kommentare
Ein bisschen Boule darf sein
Platz für ein Basketballfeld: Skizze aus dem Workshop
Bürgermeisterin Sonja Northing: „Wir wohnen in einer Stadt, das sollten wir nicht vergessen“

(Aktualisiert, jetzt mit Stellungnahme des Beigeordneten Jürgen Rauer.) Wenn man in der Mitte des sechsten Lebensjahrzehnts steht, sollte man klug genug sein, die Schuld nicht mehr bei anderen zu suchen. Man trägt einen Sack voller Erfahrungen mit sich herum, man hat Lug und Trug gesehen, man war Zeuge von großer Niedertracht und noch größerer Dummheit. Und so bleibt am Ende nur die deprimierende Feststellung: Konnte ich wirklich so naiv sein?

Vielleicht war es blanker Idealismus, vielleicht aber auch Bürgersinn, der mich Ende Oktober 2017 in die Räume der Volkshochschule getrieben hatte. Dorthin hatte die Stadt die Anwohner der Straße Backermatt und das etwas weitere Umfeld (dazu gehöre auch ich) geladen, um über einen Entwurf für die Neugestaltung eines Areals zu diskutieren, das Klevern als Skaterplatz ein Begriff ist und das nunmehr seit gefühlten zehn Jahren nicht mehr ist als eine asphaltierte Fläche. Bürgerbeteiligung nennt sich das, und, weil die Bürgermeisterin sich das auf ihre Fahnen geschrieben hatte, war sie sogar persönlich gekommen und sprach zu Beginn der Veranstaltung ein paar freundliche Worte.

Zunächst stellten die Planer ihr Konzept vor, von dem sie selbst einräumten, dass es möglicherweise ein wenig überfrachtet sei. Aber es sollte ja auch ein „Mehrgenerationenplatz“ werden, auf dem Jung und Alt einander friedlich begegnen. Wobei, das zeigte sowohl der Entwurf wie auch die sich anschließende Diskussion, der Begriff „Jung“ sehr aus der Perspektive von Menschen betrachtet wurde, die wissen, dass die Zahl der Tage, die noch vor ihnen liegt, durchaus begrenzt ist. Als Beitrag zur sportlichen Betätigung war ein Boule-Feld vorgesehen, zweifelsohne ein schöner Sport, allerdings vor allem ausgeübt von Menschen, die Konrad Adenauer noch persönlich gekannt haben.

So nutzte ich die sich an das Plenum anschließenden Workshops, den verwegenen Vorschlag zu machen, dort doch ein Basketballfeld mit einzuplanen, eingedenk der Tatsache, dass schon zu Amtszeiten Theo Brauers Jugendliche, die in der Nähe des Platzes wohnten (und die mittlerweile erwachsen sind) einen Brief mit dem gleichen Wunsch an den damaligen Bürgermeister geschrieben hatten, der immerhin nach drei oder vier Jahren mit einer nichtssagenden Replik beantwortet wurde.

Die Diskussion ergab – meiner Erinnerung nach – keine großen Einwände. Das Titschen der Bälle bereitete etwas Sorgen, die ich aber mit einem Hinweis auf moderne Bodenbeläge zu entkräften vermochte. Und dass zu viele Jugendliche den Platz bevölkern könnten, um ihrem Hobby nachzugehen, ließe sich wohl kaum als Gegenargument anführen, wenn ausdrücklich von einem Mehrgenerationenplatz die Rede ist. Als ich am frühen Abend die Veranstaltung verließ, tat ich dies in dem guten Gefühl, etwas unternommen zu haben, um unser kleines Gemeinwesen ein wenig lebenswerter zu gestalten.

Dann tat sich: nichts. Ein Jahr lang: nichts. Zwei Jahre lang: nichts. Im vergangenen Jahr kam der Kampfmittelräumdienst. Er fand: nichts. Weitere Monate gingen ins Land, in denen geschah: nichts.

Und nun, Mitte Mai 2020, rund tausend Tage nach dem Workshop, zauberte die Stadt Kleve den neuen Entwurf für den Platz aus dem Hut. Der Plan zeigt, was eine Agentur imstande ist zu imaginieren, wenn sie eine Verwaltung beeindrucken will, die wiederum von sich glaubt, den Bürgerwillen imaginieren zu können. Von dem aber, was in der Veranstaltung im Oktober vor drei Jahren angeregt wurde, setzt dieser Entwurf exakt um: nichts. Dort, wo im Rahmen der Bürgerbeteiligung mal probeweise ein Basketballfeld eingezeichnet wurde, befindet sich auch in den neuen Plänen genau das seniorengerechte Boule-Feld, das schon vorher dort war. Die erste Vorstellung des Areals fand übrigens statt in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses, dessen Mitgliedern angeraten sei, eventuell noch einmal über das erste Wort im Namen ihres Gremiums nachzudenken.

Natürlich wollte ich als Bürger vom federführenden Planer in Erfahrung bringen, wann und wo im Entscheidungsprozess für die Platzgestaltung das Basketballfeld verloren gegangen ist. Also schrieb ich eine Mail an Herrn Rauer. Hier die Antwort: „Vielen Dank für Ihre Anfrage. Im Rahmen der Diskussionen bei der Informationsveranstaltung zum Mehrgenerationenplatz Backermatt wurde bereits der Punkt der Lärmemissionen, insbesondere auch aufgrund der Nähe zur Seniorenwohnanlage angesprochen. In der vertiefenden Planung wurde die Realisierung der Möglichkeit des Basketballspiels geprüft. Aufgrund der Lärmbelastung kann dies jedoch keine Berücksichtigung finden. Bei Bedarf kann geprüft werden, ob dieses Angebot sich in der näheren Umgebung integrieren lassen kann.“

Wir halten fest: Neue Argumente werden gehört, dann aber wieder verworfen, weil sie die vorgefasste Weisheit stören. Wie gesagt: Wie konnte ich so naiv sein!

Da allerdings, wegen Corona, vermutlich in Zukunft ohnehin kein Cent mehr ausgegeben werden darf (Haushaltssperre!), wird vermutlich auch in den kommenden Jahren dort passieren: nichts.


Corona bei Leiharbeitern: Die meisten Infizierten wohnen in Emmerich

rd | 27. Mai 2020, 16:10 | 1 Kommentar
Das Virus

Von den insgesamt Corona-positiven 26 Leiharbeitern, die beim niederländischen Fleischverarbeiter VION beschäftigt sind und im Kreis Kleve leben, wohnen sechs Personen in fünf Sammelunterkünften. Diese bekamen heute Vormittag Besuch von Mitarbeitern des Kreis-Gesundheitsamtes in Begleitung von Dolmetschern und Mitarbeitern der örtlichen Ordnungsämter, die Verfolgung der Kontakte wurde eingeleitet. Bei den Hausbewohnern wurden Abstriche genommen, ebenfalls wurde eine Quarantäne angeordnet. Personen, die gestern telefonisch nicht erreicht werden konnten, sollen im Laufe des heutigen Tages persönlich aufgesucht werden. Auf die Städte des Kreises Kleve verteilen sich die 26 neu erkannten Infizierten wie folgt: Emmerich 21, Goch 1, Kalkar 1, Kevelaer 1 und Kleve 2.

Wenig überraschend machte die Zahl der Erkrankten heute einen Satz um 27 nach oben.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve

Chewgum (27.05. 21:48): Geht also....

Corona: 26 Leiharbeiter positiv getestet, kommt jetzt eine zweite Welle?

rd | 26. Mai 2020, 16:49 | 41 Kommentare
Treuer Begleiter

Um 14:04 Uhr verschickte der Kreis seine tägliche Mail mit den aktuellen Corona-Zahlen. Die Inhalte waren wie zuletzt meistens zur grundsätzlichen Beruhigung angetan: Demnach gebe es 660 bestätigte Infektionen, einer mehr als gestern, und nur 24 neue Infektionen in den vergangenen sieben Tagen. Die Meldung war vermutlich schon zum Zeitpunkt des Versands veraltet, denn exakt 108 Minuten später verschickte der Kreis Kleve eine zweite Pressemitteilung – und die berichtete von 26 weiteren Fällen, die dem Kreis nun bekannt geworden seien. Alle Betroffenen sind aus Osteuropa stammende Leiharbeiter, die im niederländischen Schlachthof VION in Groenlo arbeiten und von Wohnsitzen im Kreis Kleve aus zu ihrer Arbeitsstelle pendeln. (Der Originaltext der Meldung findet sich am Ende des Berichts.)

Das verheißt nichts Gutes, denn wer auch nur ansatzweise etwas darüber weiß, wie die Menschen von den (niederländischen) Arbeitsvermittlern in Deutschland untergebracht werden, weiß: Bessere Bedingungen kann das Coronavirus gar nicht finden! Sie leben dicht an dicht in Wohnungen, die für unsere Verhältnisse so überlegt sind, dass vielleicht ältere Mitbürger sich noch an die Zustände nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern, als in vielen Wohnungen zusätzlich Flüchtlinge untergebracht werden mussten. Aber für das billige Schnitzel wird derlei dann ja toleriert, wobei es nicht nur die Arbeitsvermittler aus den Niederlanden sind, die von dem System profitieren, sondern auch die Besitzer der Immobilien, die sie entweder auf diese Weise lukrativ vermieten oder aber teuer verkaufen können.

Staunen lässt auch, dass das Zusammenspiel zwischen deutschen und niederländischen Behörden etwa so gut zu verlaufen scheint wie das zwischen deutschen und afghanischen Ämtern, wir allerdings in einem geeinten Europa leben. Auch der übliche Sammeltransport in Kleinbussen zur Arbeit ist sicherlich eine ideale Möglichkeit, das Virus weiter zu verbreiten.

Nun soll hier aber keine Schwarzmalerei betrieben werden, nur steht zu befürchten, dass mit den nunmehr 26 neuen Fällen nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein wird. Jetzt (mit diesen neuen Informationen) werden die Mitarbeiter des Kreises in die Unterkünfte gehen und weitere Proben nehmen. Dort leben auch Menschen, die in Hotels, im Gartenbau, in der Landwirtschaft usw. arbeiten. Und natürlich sind die Bewohner abends in den Supermarkt gegangen oder am Wochenende in die (gerade wiedereröffneten) Kneipen. Das klingt nicht gut.

Die Kommunen haben die Sammelunterkünfte gezählt und kamen auf die folgenden Zahlen: Emmerich 40; Kranenburg 18; Goch 24; Kleve 51. Vermutlich aber sind es noch mehr, da anzunehmen ist, dass nicht jede Wohnung erfasst worden ist.

Probeweise ist in der Corona-Tabelle eine zusätzliche Zeile für den heutigen Tag eingefügt worden. Sie zeigt, dass die Zahl der aktuell erkrankten Menschen von 52 auf 78 gestiegen ist, die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen auf 45 und die als Richtwert herangezogene Zahl je 100.000 Einwohner auf 14,5. Das ist mehr als doppelt so viel wie auf Basis der ersten Meldung. Ab einem Wert von 50 sollen die Beschränkungen des öffentlichen Lebens wieder verschärft werden. Im Landkreis Coesfeld passierte das, nachdem dort wegen einer Infektionswelle unter den (vorwiegend osteuropäischen) Mitarbeitern des Schlachthofs Westfleisch dieser Wert überschritten wurde.

Wegen der angeblich schleppenden Behandlung des Themas steht Landrat Wolfgang Spreen seit Tagen in der Kritik, insbesondere von Bürgermeister Peter Hinze (Emmerich). Die Rheinische Post hat sich dieser Sicht angeschlossen. Spreen erwiderte auf die Vorhaltungen: „Leiharbeiter sind auch Menschen mit Grundrechten.“ Da ist ihm bedingungslos zuzustimmen, auch wenn das einige möglicherweise anders sehen (wollen). Der Fehler liegt ohnehin eher im System, das aber weitestgehend toleriert worden ist (wenn die Leiharbeiter nicht gerade in die eigene Nachbarschaft einquartiert worden sind).

Hier die Pressemitteilung im Wortlaut:

Am heutigen Mittag (26. Mai) ist dem Kreis Kleve eine Liste der Personen übermittelt worden, die in dem fleischverarbeitenden Unternehmen VION im niederländischen Groenlo arbeiten, dort auf SARS-Cov2 getestet wurden und im Kreisgebiet Kleve wohnen. Es handelt sich um 88 Mitarbeiter des Unternehmens, von denen 26 positiv getestet wurden. Die Untere Gesundheitsbehörde des Kreises Kleve hat unverzüglich mit den erforderlichen Maßnahmen begonnen

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve