Sternbuschbad: Fall von sexueller Belästigung

rd | 23. August 2019, 15:11 | 16 Kommentare

Aus dem Polizeibericht von heute: „Ein 19-jähriger Mann hat am Mittwochnachmittag (21.08.2019) im Schwimmbadbereich des Sternbuschbades ein 13-jähriges Mädchen sexuell belästigt. Sie hatte gemeinsam mit ihrer älteren Schwester das Bad besucht und dort deren Bekannten getroffen, der in Begleitung des 19-jährigen war. Nach dem Vorfall, der sich gegen 17.00 Uhr ereignete, hatten sich die Vier zunächst wieder im Liegebereich des Bades aufgehalten. Zeugen hatten den Vorfall jedoch beobachtet und die 13-jährige dazu aufgefordert, sich an die Schwimmbadaufsicht zu wenden. Diese hielt dann den Mann bis zum Eintreffen der Polizei fest. Der in Straelen wohnende jungen Mann wurde nach Vernehmung sowie erkennungsdienstlicher Behandlung aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Seitens des Sternbuschbades wurde ein Hausverbot ausgesprochen.“



Ey, Mädels, haltet mal den Bericht in die Kamera!

rd | 21. August 2019, 17:03 | 52 Kommentare
Fragwürdiges Frauenbild: Warum müssen zwei junge Frauen den Jahresbericht der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Kleve (von der das Foto stammt) in die Kamera halten?

Das Staunenswerte am Kreis Kleve ist, dass größere gesellschaftliche Strömungen ihn wie der Rhein durchfließen und auch wieder verlassen, ohne dass sich irgendetwas ändert. Ein schönes Beispiel dafür ist das Foto, das die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Kleve, geführt von Hans-Josef Kuypers, als Anlage zu einer Pressemeldung versandte, mit der darüber informiert wurde, dass der Selbstbeweihräucherungsbericht des Jahres 2018 erschienen ist (der Artikel dazu findet sich heute in der Rheinischen Post: Wirtschaftsförderung legt Jahresbericht vor). Das Bild lässt alle Diskussionen zum Rollenbild von Frauen in der Gesellschaft selbstgenügsam an sich abprallen wie ein Boxsack die Schläge eines Faustkämpfers.

Wenn es vor der Erstellung des Fotos irgend einen kognitiven Prozess gegeben haben sollte, dürfte der sich in einem Satz zusammenfassen lassen: „Ey, Mädels, haltet mal den Bericht in die Kamera.“

Selbst traditionell dem Machismo ergebene Sportarten wie Boxen sind da mittlerweile weiter. Die leicht bekleideten Frauen, die jeweils die nächste Runde anzeigten, gelten als verpönt. Kürzlich gab auch die Formel 1 bekannt, auf die sogenannten Grid Girls, deren Aufgabe sich darin beschränkt, in knapper Bekleidung eine Tafel mit einer Startnummer zu halten, zu verzichten. Derlei Entwicklungen aber werden in den Räumen der Kreis-Wirtschaftsföderung an der Hoffmannallee souverän ignoriert.

Zu sehen sind zwei junge Frauen, zu denen nichts bekannt ist außer deren Namen. Ihre offensichtliche Funktion: Sie dienen als Dekorationsobjekt für das Druckwerk. Diese Wertung kann man nun gendermäßig miesepetrig finden, doch genau diese kleinen, verheerenden Signale sind es eben, mit der eine männlich dominierte Gesellschaft (in diesem Fall die Kreis-Wirtschaftsförderung) den Frauen ihre Funktion zuweist – weshalb ein solches Bild, so unschuldig es auch daher kommen mag, wegen der unterschwelligen Aussage eben doch ein Skandal ist. Von einer öffentlichen Einrichtung produziert und verbreitet, wohlgemerkt. Warum meldet sich eigentlich die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Kleve nicht zu Wort? Hat Sandra Poschlod-Grause schon resigniert?

Von einem kürzlich verstorbenen Richter des höchsten amerikanischen Gerichts, Paul Stevens, der bekannt dafür war, andere Menschen mit Respekt zu behandeln, gibt es die schöne Anekdote, dass er bei einem Empfang, bei dem wie selbstverständlich eine junge weibliche Kollegin damit betraut war, den Kaffee zu servieren, diese altherrengesteuerte Rollenverteilung sofort unterband – indem er geradewegs zu der servierenden Richterin ging und sagte: „Danke für Ihren Einsatz, jetzt bin ich dran.“ (Nachzulesen hier: Supreme Court Justice John Paul Stevens, Who Led Liberal Wing, Dies at 99) Stevens entwand der Frau die Kanne und schenkte den Gästen danach persönlich den Kaffee ein.

In Kleve, darauf sind Wetten anzunehmen, werden die jungen Frauen nach dem Fototermin sicherlich noch das Geschirr der Pressekonferenz weggeräumt haben.



Nach Scheiterhaufen-Tirade: AfD-Vorstand mahnt Beisitzer ab, Unruhe an der Hochschule

rd | 21. August 2019, 11:29 | 15 Kommentare
Von rechts: Georg Bastian, Albert Zulauf, Tim Görtz, Christopher Gietmann (Reihenfolge der Namen in der Bildunterschrift korrigiert)

Auf Facebook entpuppte sich Christopher Gietmann als wahrer Wutbürger. Anfang August wetterte der Altenpfleger, Beisitzer im Vorstand der Klever AfD, gegen die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie sei eine „Vaterlandsverräterin“, die seiner Meinung nach „auf den Scheiterhaufen“ gehöre. Geführt wird die AfD in Kleve von Georg Bastian, Professor an der Hochschule Rhein-Waal. Der Wissenschaftler und AfD- Stadtverbandsvorsitzende reagierte, von kleveblog befragt, nun umgehend auf diese Entgleisung: „Der Vorstand hat Herrn Gietmann eine Abmahnung erteilt.Hatespeech ist inakzeptabel.“

Gegenüber dem Vorstand hatte Gietmann eingeräumt, Urheber der Scheiterhaufen-Tirade zu sein. Nach dem Tod eines achtjährigen Schülers im Frankfurter Hauptbahnhof seien die Emotionen hochgekocht. Er habe sich darüber geärgert, dass von der Kanzlerin kein Wort des Beileids gekommen sei und sie stattdessen ihren Urlaub angetreten habe. Der Zorn allerdings war von keinerlei Fakten gedeckt: Wie schon kurz nach der Tat bekannt wurde, handelt es sich bei dem Täter um einen Mann, der seit vielen Jahren in der Schweiz lebte und der an einer schweren psychischen Erkrankung litt.

Die Aktivitäten des Professors in der fremdenfeindlichen Partei sorgen an der Hochschule, die sich bekanntlich ihrer weltoffenen und toleranten Ausrichtung rühmt, mittlerweile für erhebliche Unruhe. In einem Gespräch, dass Vertreter der DGB-Hochschulgruppe mit der NRZ führten (Klever Hochschulgruppe zeigt Flagge), fiel der Name Georg Bastian zwar nicht, allerdings sagte Tolgay Özdemir: „Aussagen wie ‚Die Flüchtlinge kommen doch nur wegen der Sozialleistungen‘ oder dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre, sind direkte Angriffe auf das friedliche Zusammenleben bei uns. Ebenso dürfen wissenschaftsfeindliche Aussagen, zum Beispiel bezüglich des Klimawandels, in unserem akademischen Umfeld nicht akzeptiert und toleriert werden.“ Die Adressaten der Botschaft sind klar: Bastian befürchtet die Islamisierung Europas, und der kurzzeitige Interimspräsident Menzel erwies sich als Klimatroll.

In einem Interview (AfD, diversity and more: Interview with Hochschule Rhein-Waal Professor Georg Bastian) sagte Bastian: „One good friend of mine is from Tunisia and another one is from Bangladesh. One of them wants to drop the religion because he believes that it is not matched to the modern, democratic open society. They have a different opinion about freedom of speech, how to deal with women rights and homosexuals – definitely not a match to our modern German society. There are indeed problems and if you address these kinds of problems, then you are not racist or Islamophobic, you are interested in solving the problems, mentioning the problems.“ Das Pariser Klimaschutz-Abkommen bezeichnete er als „weird“ (verrückt).

Für den neuen Präsidenten der Hochschule, Dr. Oliver Locker-Grütjen, besteht indes derzeit kein Handlungsbedarf. Locker-Grütjen: „Wir leben in einer pluralen und offenen Gesellschaft, in der es gilt, unterschiedliche Meinungen, Ansichten sowie Weltanschauungen und Wertvorstellungen zu tolerieren und auszuhalten. Aushalten und ausblenden sollten wir dabei aber nicht Momente, die darauf hinweisen, dass möglicherweise die Demokratie, unsere Grundordnung, die uns diese Freiheit beschert hat, in ihren Grundfesten Schaden nehmen könnte. (…) Dennoch halten wir es zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht, weitergehende Maßnahmen (,dem Treiben etwas entgegensetzen‘) zu starten, da wir dann nur auf eine bestimmte Aktivität – in diesem Fall ein Hochschulmitglied und seine rechtskonforme Parteizugehörigkeit und sein bislang (hochschulrechtlich) einwandfreies Verhalten – reagieren.“ Er plant allerdings, Diskussionsrunden zu etablieren.


Kliff: Kleve bekommt Kletterhalle!

rd | 20. August 2019, 15:00 | 5 Kommentare
Junger Mann, das gibt nichts: Zum nächsten orangefarbenen Punkt kommst du nie!

Der Name Kleves leitet sich zwar vom Wort Kliff ab, aber auch das ist wohl, wie so vieles in Kleve, als maßlose Übertreibung zu werten – wo bitte sollte man an der Endmoräne aus Sand vernünftig klettern können? Dafür gibt es in der Stadt auf den Spielplätzen Gerüste, das war es dann aber auch.

Klettern allerdings liegt im Trend, nur heißt es dann nicht mehr Klettern, sondern: Bouldern. Das gilt als Sport, ist im kommenden Jahr sogar eine olympische Disziplin. Der Boulderer klettert ohne Hilfsmittel, nur mit dem, was Gelenkigkeit und Muskelkraft so hergeben, an Bergwänden hoch – oder eben, wenn Bouldern als Hallensport betrieben wird, an künstlichen Wänden, auf denen farblich markierte Haltepunkte eine Strecke nach oben vorgeben. Hat der Kletterer mit beiden Händen den letzten Farbstein erreicht und kurz gehalten, darf er sich mit Wonne in die Tiefe fallen lassen – in eine weiche Schaumstoffmatte.

Wer als Klever bouldern wollte, musste bisher nach Nimwegen fahren. Dort gibt es die Grip Boulderhal, die einen ein paar Stunden beschäftigen kann, bis sich sämtliche bisher bekannten und auch andere Muskeln anfühlen wie Pudding. Doch, wenn alles glatt geht, wird die Fahrt in die Nachbarstadt bald nicht mehr nötig sein: Zwei junge Männer, Alexander Schmitz aus Kleve und Philipp Becker aus Issum, planen in Kleve eine Boulderhalle zu eröffnen. Der Name wurde mit Blick auf die Klever Geschichte gewählt: Kliff.

Kliff soll in einer bereits bestehenden Halle entstehen – und zwar an strategisch günstiger Lage, nämlich an der Kreuzung Landwehr/Klever Ring/Tweestrom, hinter der Niederlassung des Materialhandels Würth. Dort fanden die beiden Unternehmer eine leerstehende, 700 Quadratmeter große Halle, die in den kommenden Monaten umgebaut werden soll. Alexander Schmitz: „Die Halle soll über vier verschiedene Kletterbereiche verfügen, die von einem erfahrenen Unternehmen erstellt werden: ein spektakulärer Wettkampfbereich, ein Trainingsbereich, ein Plaisir- und Anfängerbereich sowie ein Kinderbereich mit kindgerechten Gestaltungen wie Lianen oder einer Kletterburg. Die Routen dieser Bereiche sollen ständig erneuert werden, um langfristig Abwechslung zu schaffen. Das Angebot soll von Kindertraining über Einsteigerkurse und langfristig auch bis hin zu speziellen Technik- und therapeutischen Kursen reichen.“ Auch Wettkämpfe sollen dort möglich sein. 

Wenn alles nach Plan läuft, sollen Anfang des kommenden Jahres die ersten Kletterer in den Steilwänden des Klever Kliffs hängen.