In 15 Tagen in der Stadt nur ein neuer Corona-Fall!

rd | 03. Juli 2020, 13:55 | keine Kommentare

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve



Kleve ist nicht Provinz, sondern Provence!

rd | 03. Juli 2020, 13:51 | 4 Kommentare
Beweisfoto: Dagmar Jordan


Merkur im Glück: Sporthallen ab 13. Juli wieder frei

rd | 02. Juli 2020, 15:56 | keine Kommentare
Nie wieder!

Wer je gesehen hat, wie sich Kühe verhalten, die nach einem langen und trüben Winter im Stall im Frühjahr erstmals wieder auf die Weide gelassen werden, weiß, welche Szenen sich am Montag, 13. Juli, in der Sporthalle des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums abspielen werden. Zum letzten Mal konnten die Basketballer des VfL Merkur Kleve die Halle offiziell am 12. März nutzen, schon da allerdings hatten sich die Reihen deutlich gelichtet. Dann kam der Lockdown. Wie andere Mannschaftssportler auch waren die Basketballer dazu gezwungen, durch den Wald zu joggen oder zu Hause persönliches Krafttraining, beispielsweise an Rudergeräten, zu betreiben. Mangels geeigneter Anlagen in Kleve war sogar das Training unmöglich, als wieder Kontaktsport erlaubt war, sodass die Klever Spieler nach Kalkar zogen, um die beiden dort neu eröffneten Streetball-Felder zu testen. Fazit: Guter, ehrlicher Asphaltboden, aber warum sind Handwerker in Deutschland nicht in der Lage, Körbe auf die korrekte Höhe von 3,05 m anzubringen. So schwer ist das ja nun auch nicht. Aber immerhin, Kalkar hat eine Anlage, von der Kleve nur träumen kann. In ihrer geliebten Halle freilich konnten die Basketballer auch nach der Freigabe von Indoor-Aktivitäten nicht trainieren oder spielen – die Schule brauchte die weiten Räume der Sportstätte, um ordnungsgemäß distanzierten Unterricht abhalten zu können. Doch nun sind Sommerferien, und nach einer Woche der Demontage von Tischen und einer weiteren Woche, in der eine gründliche Grundreinigung erfolgt, sind die Basketballer endlich wieder daheim! Gefühlt geht es dann in der Halle so zu:

And one!

Aus dem Redaktionsalltag (nicht erfolgte Korrekturen)

rd | 01. Juli 2020, 11:57 | 23 Kommentare
Wenn wirklich alles egal ist…

Reine Leere: Hochschule Rhein-Waal macht erst mal Urlaub, und das nächste Semester ist dann auch digital!

rd | 29. Juni 2020, 23:29 | 37 Kommentare
Sag mir, wo die Studierenden sind, wo sind sie geblieben? (Foto: Klaus Oberschilp)

Erstsemester, die fröhlich zechend durch die Stadt ziehen („Pub Crawl“), volle Hörsäle, Schlangen mittags an der Mensa, Englisch sprechende junge Menschen an der Kasse von Edeka Brüggemeier – auf all das wird Kleve auch in den kommenden Monaten verzichten müssen, und die Frage ist (sobald es sich eingespielt haben sollte), warum Menschen aus aller Welt überhaupt noch zum Lernen nach Kleve kommen sollten, wenn doch alles so schön online geht?

Tatsache ist, dass die Studierenden jetzt erfahren haben, dass auch das nächste Semester wegen Corona komplett online stattfinden wird. Dekan Professor Ralf Klapdor schrieb den Studierenden seiner Fakultät Gesellschaft & Ökonomie in der vergangenen Woche in einer Mail, wie er und seine Kolleginnen und Kollegen das aktuelle Semester – in der HSRW scherzhaft Cemester genannt – erlebt haben und wie es weitergehen soll: „Diese Herausforderungen bedingen nicht nur für Sie zusätzliche Probleme und Anstrengungen, sondern auch für alle Lehrenden der Fakultät. Wenn wir hoffentlich Anfang Juli erfolgreich auch die anstehenden online-Prüfungen absolviert haben, werde ich daher alle Professoren und Mitarbeiter bitten, erst einmal Urlaub zu machen, um sich zu erholen. “

Erst mal durchatmen!

Und dann? Klapdor: „Sie werden sicherlich auch sehr interessiert sein, wie sich das Wintersemester darstellen wird. Auch wenn sich die Corona-Situation leicht entspannt hat, führen die Rahmenbedingungen (große Vorlesungsgruppen, internationale Studierendenschaft) dazu, dass wir auch für das Wintersemester festgelegt haben, dass alle Pflichtveranstaltungen online angeboten werden. Wir werden versuchen, ein zusätzliche Angebot an Arbeitsmöglichkeiten und auch einige freiwillige Angebote für das Wintersemester zu organisieren, aber es ist sichergestellt, dass Sie das Semester auch komplett online absolvieren können, wenn Sie nicht in Kleve sind, bzw. sein können.“

Kneipen, die sich auf Studenten spezialisiert haben, Immobilienbesitzer, die mit der überteuerten Vermietung von Kellerlöchern noch einen schnellen Euro gemacht haben, Basketballmannschaften, die ausgezeichnete chinesische Aufbauspieler in ihren Reihen zählen – alles, was einmal die fröhliche und davon gut verdienende internationale Studentenstadt Kleve ausmachte, muss in den kommenden Monaten womöglich neu verhandelt werden. Wird es je wieder sein wie zuvor?

Insbesondere Landrat Wolfgang Spreen, der die Hochschule und den Flughafen als die beiden Leuchtturmprojekte seiner Amtszeit ansieht, muss in den letzten Wochen seiner Amtszeit erleben, dass beide Vorhaben sich vor seinen Augen auflösen: in Weeze der Zombieflughafen, der nur noch mit Millioneninjektionen aus der öffentlichen Hand vor dem Tode bewahrt wird (und einem Geschäftsführer Ludger van Bebber, der sich an die Dortmunder Fleischtöpfe geflüchtet hat (Jahresgehalt > 313.000 Euro (Quelle; Ruhr-Nachrichten)) , und am Spoykanal die Hochschule, die sich aufgrund einer durchgedrehten Internationalisierungsstrategie der Gründungspräsidentin Prof. Dr. Marie-Louise Klotz nunmehr als ein Ensemble leerstehender Gebäude präsentiert.


Studentenhumor – IT-Leiter der Hochschule Rhein-Waal kapituliert

rd | 29. Juni 2020, 22:54 | 13 Kommentare
Die Humorabteilung von kleveblog sagt: So ähnlich sieht der Redaktionsrechner auch aus

Wie das so ist, wenn einem plötzlich ein „Cemester“ angeboten wird und alles digital ablaufen muss: Nicht alles klappt, und manches verwundert die Studenten an der Hochschule Rhein-Waal, beispielsweise eine Server-Wartung ausgerechnet in der Endphase des Semesters, die die Studenten von allen benötigten Zugriffen abschnitt.

Vielleicht hätte man auch zwei Wochen warten können, man weiß es nicht. Jedenfalls machte einer der Studenten seinem Unmut Luft und postete in der HSRW-Facebook-Gruppe des AStA das Foto einer (vemutlich) Süßkartoffel oder (wahrscheinlicher) eines Laibs Brot, in der/dem allerlei Kabel- und Steckverbindungen steckten. Wer ein wenig von IT versteht, weiß insbesondere das schöne Detail des VGA-Anschlusses zu schätzen. Damit wurden ca. 1990 Bildschirme angeschlossen. Um den Scherz perfekt zu machen, postete der Student zu dem Foto: „OFFICIAL: Photo from HSRW server room“.

Man kann den Unmut verstehen, insbesondere, wenn man weiß, dass eine der neuesten Hochschulen Deutschlands digital etwas unterentwickelt unterwegs ist, beispielsweise in Sachen Studentenausweis. Fortgeschrittene Hochschulen, z. B. die Universität in Köln (gegründet 1386), bieten ihren Studenten eine Karte, die ihnen als Studenten-, Bibliotheks- und Mensaausweis dient. In Kleve kriegen die Studenten drei Ausweise und müssen im Bus noch ihren Personalausweis dazu zeigen. Fail, würde der IT-Mensch sagen.

Aber wie failed ist die HSRW?, so eine misshandelte Süßkartoffel mit ein paar Steckern drin darf da ja wohl nicht als Beweis dienen. Das Interessante an diesem Studentenscherz ist aber, dass sich darauf ein Facebook-User namens Marcus Proest zu Wort meldete. Wer ihn nicht kennt: Er ist der bei der Hochschule Rhein-Waal ausweislich deren Website: „ Leitung Dezernat Informationstechnik“, vereinfacht gesagt also der Herr aller Rechner an der HSRW.

Und was sagt der gute Mann? Hier die Übersetzung, Screenshot seines Posts unten: „Insbesondere in der pandemischen Situation ist es sehr wichtig, Wartungsarbeiten, wie diejenige, die meine Kollegen gerade eben machen, durchzuführen. In der Tat haben wir weder das Personal noch die grundsätzliche finanzielle finanzielle Ausstattung, um einen vollständigen, redundanten Service anbieten zu können, und so wird es auch nie sein. Auf jeden Fall sind Posts wie dieser, einfach nur beleidigend für meine hart arbeitenden Kollegen, die versuchen, mit den verfügbaren Mitteln den bestmöglichen Service anzubieten.“

@Marcus Proest: Holen Sie sich schon mal einen Termin beim Chef. Es war vermutlich ihr letzter Post.


Corona: Zum ersten Mal eine Woche ohne neuen Fall in Kleve!

rd | 29. Juni 2020, 22:21 | keine Kommentare
Um noch Platz für ein paar Wochen zu haben, wurde die Kurve mit der technisch sehr empfehlenswerten App SCHWAMM etwas gestaucht (x-50%). Der Trend zeigt in Richtung Erdgeschoss

Zum ersten Mal seit Ende März hat es in Kleve über eine Zeitraum von sieben Tagen keine registrierte Neuinfektion mehr gegeben. Der Erreger ist, anders als in Gütersloh oder Houston, auf dem Rückzug. Hoffentlich bleibt das so. Die Zahl der momentan Erkrankten liegt bei 32, die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen bei 18 – allesamt gute Werte. Wer mehr wissen möchte:

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Corona aktuell: 6 neue Fälle, Sternbusch öffnet Sonntag (ist aber schon ausgebucht), Moyländer Weihnachtsmarkt abgesagt

rd | 26. Juni 2020, 13:57 | 8 Kommentare
Stabiles Geschehen

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve

Am Sonntag öffnet das Sternbuschbad, da das Wetter schlecht werden soll, dürfte sich der Andrang in Grenzen halten. Aber auch bei gutem Wetter wird nichts mehr so sein, wie es war:

Die 40.000 Quadratmeter große Liegewiese bietet zwar viel Raum für den erforderlichen Mindestabstand, aber die Anzahl der Besucher im Sternbuschbad wird über den Online-Ticket-Shop begrenzt. Auch die gleichzeitige Nutzung der Einrichtungen ist limitiert. Die Höchstzahl der Besucher in den jeweiligen Becken ist durch Hinweisschilder an den Becken erkennbar.

Wichtig: Der Zutritt zum Sternbuschbad ist derzeit nur mit einem Online-Ticket möglich. Das gesellige Warten in einer zweihundert Meter langen Schlange in der Mittagssonne ist ersatzlos gestrichen. An der Kasse ist kein Ticketkauf möglich. kleveblog-Service: Hier geht es zum Online-Shop. (Der Sonntag ist aber schon ausgebucht. Es gibt zwei Zeitfenster (9 Uhr, 14 Uhr), beide sind belegt.)

Der berühmte Weihnachtsmarkt in Schloss Moyland ist gestrichen, teilten die Organisatoren heute mit.


Filikran

rd | 25. Juni 2020, 22:06 | 4 Kommentare
Sommer über der Spyckstraße (Franziskushaus) (Foto: Der Kalkarer (wieder in Kleve))

Rainer Severin stirbt vor Kreistagssitzung – Tod des Abgeordneten sichert CDU-Mehrheit für Flughafen-Zuschuss ab, Entscheidung schmälert Chancen von Silke Gorißen aufs Landratsamt

rd | 25. Juni 2020, 14:17 | 23 Kommentare

Manchmal sind im Luftraum über Weeze Flugzeuge. Dieses ist ein Airbus A321 von WizzAir auf dem Weg von Krakau nach Eindhoven

Ein Strauß lag auf dem verwaisten Platz von Rainer Severin im Saal des Berufskollegs am Weißen Tor, wo sich der Kreistag am Mittwochabend zu seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause zusammengefunden hatte. Der Abgeordnete der Linken, der eine Fraktionsgemeinschaft mit den Piraten gebildet hatte, war in der Nacht zuvor verstorben. Sein Tod führte dazu, dass die CDU eine absolute Mehrheit hatte, um einem Freund in der Not zu helfen.

Ludger van Bebber, noch Geschäftsführer des Flughafens Niederrhein in Weeze, in der vergangenen Woche aber schon vom Rat in Dortmund als neuer Chef des Airports in Dortmund bestätigt, hatte wie so oft in den vergangenen Jahren bei seinen Buddys im Kreishaus angeklopft und um Geld gebettelt. Zwei Millionen Euro waren es erst Ende des vergangenen Jahres gewesen, nun sollten es, wegen Corona, noch einmal sechs Millionen Euro werden.

Der Flughafen braucht Geld wie ein Junkie Heroin. Und so, wie der Süchtige in aller Regel seine Lage etwas beschönigend darstellt („alles unter Kontrolle“) hatte van Bebber dem Kreis rosige Aussichten für den Airport in Aussicht gestellt und dazu noch etwas von 1000 Arbeitsplätzen fabuliert, die angeblich in und um den Airport entstanden seien. Der Öffentlichkeit, von der das Unternehmen die Millionen erhalten sollte, blieb der Geschäftsführer dreisterweise jeden Beweis schuldig, wo diese Arbeitsplätze sich genau befinden und um welche es sich handelt. Für die Akten: Die Flughafen Niederrhein GmbH hat ausweislich ihrer Bilanz aus dem Jahr 2018 exakt 90 Arbeitsplätze. Die anderen 910 sollten die Abgeordneten des Kreistags einfach mal als existent hinnehmen.

Als der unabhängige Kandidat für das Landratsamt, der parteilose Bürgermeister Peter Driessen aus Bedburg-Hau, zum Auftakt seines Wahlkampfs in der vergangenen Woche ankündigte, im Falle seiner Wahl erst einmal ein paar unabhängige Wirtschaftsprüfer auf den Flughafen anzusetzen, dürften bei allen Beteiligten die Alarmglocken geläutet haben. Und auch Silke Gorißen hatte sich, als sie auf der Kreismitgliederversammlung der CDU in Kevelaer als Landratskandidatin ihrer Partei aufs Schild gehoben wurde, durchaus kritisch zur Zukunft des Airports geäußert. Van Bebber saß im Publikum.

In den vergangenen Wochen wurden alle Kräfte mobilisiert, um das Prestigeprojekt Flughafen Weeze über den Sommer zu retten. Hans-Josef Kuypers, der Kreis-Wirtschaftsförderer, durfte in seiner Hauspostille Rheinische Post eine Studie des Bundes der Steuerzahler völlig verfälschend wiedergeben und schrieb, dass sich der Flughafen so schön in den Hochglanzprospekten seiner Gesellschaft mache. Die Zeitung war sich nicht zu schade, die Irreführung der Öffentlichkeit abzudrucken.

Dennoch bröckelte die Front, die noch vor Jahren den Flughafen begeistert getragen hatte. Sowohl Grüne und SPD wie auch die FDP, die eigentlich auf Kreisebene mit der CDU zusammenarbeitet, kündigten an, gegen eine weitere Bezuschussung des Flughafens zu sein. Das deckte sich auch mit der Beschlusslage im Kreis selbst, der schon 2015 – anlässlich der Gewährung eines damaligen Zuschusses – weitere Gelder für den Airport ausgeschlossen hatte.

Auch die Bewegung Fridays for Future, mittlerweile eine ernst zu nehmende Größe, wenn es um junge Wähler bei Kommunalwahlen geht, wandte sich gegen das Projekt. Die jungen Aktivisten brauchten sich nicht einmal in die Bilanzen zu vertiefen, sie sehen den Luftverkehr auf Landratspisten schon aus ökologischen Aspekten als eine verfehlte Form von Strukturpolitik.

So sah es vorgestern noch danach aus, als sei die CDU im Kreistag auf die Stimmen der AfD und die des Landrats selbst angewiesen, um dem Freund den Stoff zukommen zu lassen. Dann verbreitete sich die Nachricht vom Tode Rainer Severins, und auch zwei weitere Abgeordnete fehlten, während die Christdemokraten vollständig erschienen waren. Sie drückten den Deal mit ihrer Mehrheit durch, das ist Demokratie.

Demokratie ist auch, wenn am 13. September der neue Landrat gewählt wird. Die CDU kann sicher sein, am Mittwoch um 21:45 Uhr, als mit der Entscheidung über den Nachtragshaushalt auch die Finanzierung des Flughafens durch war, ihrer eigenen Kandidatin so richtig schön in die Knie geschossen zu haben. Klüngel kommt selten gut. Aber Silke Gorißen gehört auch nicht zum Kreis der Buddys. Ihre Chancen wurden gestern Abend auf dem Altar der Startbahn Weeze geopfert.

Sieht so aus, als sei sie von ihrer Partei geopfert worden: CDU-Landratskandidatin Silke Gorißen (Foto vom 29. Januar, nach ihrer Wahl zur Kandidatin in Kevelaer)

Eil: CDU stimmt mit AfD und Piraten für Flughafen

rd | 24. Juni 2020, 20:36 | 76 Kommentare

Was zählen schon Überzeugungen? Aktuell hat die CDU gemeinsam mit der AfD und den Piraten für den neuen, nächsten Flughafen-Zuschuss gestimmt! Die Entscheidung über den Nachtragshaushalt steht zwar noch aus, aber Beobachter rechnen mit denselben Mehrheitsverhältnissen.


Datenschutz?! Darum sagt der Flughafen nichts zu den angeblich „1000 Arbeitsplätzen“; FFF: „Fass ohne Boden nicht weiter mit Geld befüllen!“

rd | 24. Juni 2020, 13:40 | 7 Kommentare
13:22 Uhr über dem Niederrhein, ein Privatflieger in der Nähe von Voerde, das war’s (Screenshot: Flightradar)

kleveblog hatte beim Kreis nachgefragt, bei der IHK und schließlich auch beim Flughafen. Die ersten beiden sagten, man habe die Information vom Flughafen, der Kreis bat sogar, sich dorthin zu wenden für weitere Auskünfte. Machte kleveblog auch, doch die Mail an den Marketingleiter des Flughafens blieb ohne Antwort. Jannik Berbalk, Aktivist bei Fridays for Future, meldete sich ebenfalls bei Terhorst. Ihm, so Berbalk, habe Terhorst gesagt, man dürfe aus Datenschutzgründen nichts Näheres zu der Zahl sagen (Pressemitteilung von FFF am Ende des Textes).

Selten ist die Öffentlichkeit fröhlicher hinters Licht geführt worden! Der Flughafen, der darauf hofft, in heutiger Sitzung des Kreistags das OK für eine weitere Finanzspritze zu bekommen (in Summe sechs Millionen Euro), verweigert die weiteren Auskünfte zu einer fundamentalen Zahl, die dieses Ansinnen belegen soll. Zur Information: In der jüngsten veröffentlichten Bilanz sind 90 Arbeitsplätze bei der Flughafen Niederrhein GmbH aufgelistet, auch da ohne Aufschlüsselung nach Vollzeitäquivalenten. Das zugunsten des Flughafens eingerechnet, müssten also noch irgendwo 910 Arbeitsplätze aufzufinden sein. Die SPD sprach in einer jüngsten Veröffentlichung schon nur noch von 650 Arbeitsplätzen, und Barbara Hendricks, Ex-Umweltministerin aus den Reihen der Sozialdemokraten und lange Zeit eine Befürworterin des Projekts, wird heute in der NRZ so zitiert: „Flughafen macht es sich zu einfach.“

Offen für eine weitere Förderung des Flughafens ist bisher nur die CDU-Kreistagsfraktion. Der Landrat vermutlich auch. Doch das ist noch nicht die Mehrheit. Lösungen, die nicht in einer sofortigen Injektion von Liquidität bestehen, dürften dem Flughafen nicht helfen. Das Insolvenzrecht versteht keinen Spaß, wenn bei einer Überschuldung nicht sofort die Notbremse gezogen wird.

Hier die Pressemitteilung von FFF zur aktuellen Diskussion um den Flughafen (Wortlaut):

Flughafen Weeze soll keine Finanzspritze erhalten.
Die Fridays for Future Bewegung im Kreis Kleve ist gegen eine erneute Finanzspritze für den Flughafen Weeze. Der Flughafen in Weeze steht seit Jahren in der Kritik und wird weder gestern, heute noch morgen ohne Finanzmittel des Kreises und der Kommune Weeze auskommen, so die Meinung der Bewegung im Kreis Kleve.
Seit Jahren ist die Fluggastabwicklung am „Airport Weeze“ rückläufig und die Prognosen der Verantwortlichen sind nicht eingetroffen. Die baldige Erhöhung der Flugtransaktionssteuer und die Bepreisung von Kerosin, welche für eine Klimaneutralität und stärkere Konkurrenzfähigkeit für andere Transportmittel in Deutschland unerlässlich sind, werden den Flughafen weiter in die Defensive rücken lassen. „Es ist davon auszugehen, dass der Flughafen weiter an Bedeutung verlieren wird. Die Analyse, welche vom Bund der Steuerzahler ausgeht, ist auf Daten von 2017 und 2018 getroffen worden und somit mit Blick auf den Klimaschutz längst wieder überholt. Man konnte bereits letztes Jahr sehen, dass der Flughafen auf externe Hilfen angewiesen ist”, führt Falko Mesch an, welcher Mitglied im Vorstand von Fridays for Future Kleve ist.
Auch die 1.000 Arbeitsplätze am Flughafen, welche von Kommune, Landrat und Flughafen ins Feld geführt werden, werden in ihrer Zahl und Art sehr kritisch betrachtet. „Die Flughafenbetreiber und der Landrat können seit Eröffnung des Flughafen keine glaubwürdigen Angaben geben, in welche Schlüsselbereiche diese Arbeitsplätze aufgeteilt sind. Der Landrat verweist nur auf die Angaben der Betreiber des Flughafens“, erläutert Jannik Berbalk, ebenfalls Mitglied des Vorstands,und betont: „Man könnte davon ausgehen, dass hier mit allen Mitteln getrickst wird um den Flughafen mit Steuergeldern am laufen zu halten. Wir sollten das Fass ohne Boden nicht weiter mit Geld befüllen!“
Neben den zweifelhaften Arbeitsplatzzahlen und der prekären Arbeitssituationen , kritisiert die Fridays for Future Bewegung die fehlende Berücksichtigung von Klimazielen und Klimaschutzmaßnahmen bei der großzügigen Verteilung von Finanzspritzen. Fridays for Future fordert, dass die 6 Millionen Euro besser in die lokale Gastronomie und Tourismuswirtschaft gesteckt werden oder in sinnvolle Klimaschutzmaßnahmen. „Gerade in Zeiten von Corona könnte die lokale Tourismusbranche und der Klimaschutz mehr Geld erhalten, denn auf lange Sicht müssen wir die Flugreisen reduzieren und unsere Gesellschaft auf weitreichenden Klimaschutz ausrichten“, ergänzt Lotte Rohde, Vorstandsmitglied Fridays for Future Kleve.

Und zur weiteren Dokumentation noch ein Interview mit Ocke Hamann, einem der Geschäftsführer der IHK Duisburg Wesel Kleve:



IHK-Geschäftsführer Ocke Hamann (Foto: IHK/Michael Neuhaus)

Sie schreiben im Betreff „Systemrelevanz des Airports Weeze“. Im Text ist davon nicht mehr die Rede. Im zweiten Absatz unterstellen sie dem Flughafen eine „große Relevanz“, allerdings nicht in seiner Wesenheit als Flughafen, da Sie selbst im Nebensatz einschränken: „auch wenn er für Güter- und Geschäftsreiseverkehr keine Rolle spielt“. Im nächsten Absatz heißt es dann: „Im Zusammenspiel mit den anderen NRW-Luftverkehrsstandorten ist der Flughafenstandort in NRW systemrelevant.“ Gerne hätte ich vor dem Hintergrund dieser wenig konzis wirkenden Ausführungen eine Erläuterung, was die IHK unter Systemrelevanz versteht.

Hamnn: Unternehmen oder Einrichtungen, die für die Region eine bedeutende volkswirtschaftliche beziehungsweise infrastrukturelle Rolle spielen. Beides ist im Zusammenhang mit dem Airport Weeze gegeben.

Wie definieren Sie das „Zusammenspiel mit den anderen NRW-Luftverkehrsstandorten“?

Hamann: NRW verfügt über eine dezentrale Luftverkehrskonzeption. Diese ist im Luftverkehrskonzept des Landes festgeschrieben. Zwischen den Standorten gibt es eine Art Aufgabenteilung. Der Flughafen Düsseldorf hat für den Personenverkehr eine Drehkreuzfunktion. Köln/Bonn hat aufgrund der Nachtflugerlaubnis für den Frachtverkehr eine besondere Funktion. Den vier weiteren als landesbedeutsamen Standorten Paderborn, Dortmund, Münster und Weeze kommen ergänzende Funktionen zu. Über sie werden überwiegend Charter- und Urlaubsflüge abgewickelt.

Wenn der Flughafen Ihren Worten zufolge eine „große Relevanz“ hat, die allerdings nicht seiner Eigenschaft als Flughafen zuzuschreiben ist, kann man dann noch sagen, dass ein Flughafen große Relevanz hat?

Antwort: Flughafen und Gewerbestandort sind in hohem Maße voneinander abhängig. Die enge Verzahnung beider ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. (Dieses wird auch mit dem Ausweis im Regionalplan und FNP als Flächen für flughafenaffines Gewerbe dargestellt.) Mit einem Passagieraufkommen von 1,23 Millionen Fluggästen 2019 hat sich der Airport Weeze im Wettbewerb der Standorte behauptet. Als Flughafen in Grenznähe zu den Niederlanden erschließt er sich sein Fluggastpotential auf deutscher und auf niederländischer Seite. Dieses kann er aufgrund von Marktverschiebungen und Corona-Lockdown derzeit nicht voll ausschöpfen. Wir gehen aber davon aus, dass sich der Airport nach einer Phase der Marktkonsolidierung, das ihm zugeschriebene Potential weiter erschließen wird.

Sie schreiben: „Wir [machen] uns Sorgen um den Erhalt der Flughafeninfrastruktur in unserer Region“. Wer ist „wir“? Ist diese Position mit den Mitgliedern der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer abgestimmt? Wenn ja, wann und in welcher Form ist dies erfolgt?

Hamann: Als Niederrheinische IHK haben wir die Umwandlung der ehemaligen britischen Militärbasis und die Entwicklung des Airport Weeze zu einem Flughafen des zivilen Personenverkehrs von Anfang an begleitet. Die Bedeutung des Airport Weeze für die Region war seit der Gründung 2003 immer wieder Bestandteil der Beratungen unserer Vollversammlung. Zuletzt hat sie sich im Dezember 2019 mit dem Flughafen befasst und unterstrichen, dass die Entwicklungsperspektiven des Flughafens gewahrt bleiben müssen.

Ist dieser Brief aus einer intrinsisch motivierten Sorge der IHK heraus entstanden, oder gab es zuvor Kontakte zwischen der Geschäftsführung des Flughafens und der IHK, und, wenn ja, in welcher Form fanden diese statt?

Hamann: Die Niederrheinische IHK pflegt gute und enge Kontakte zu allen zentralen Infrastrukturbetreibern in unserer Region, so auch zum Airport Weeze. In dem Brief haben wir die Position zum Ausdruck gebracht, die die IHK seit langem öffentlich vertritt.

Sie schreiben, der Flughafen weise „in NRW und auch im Bundesvergleich eine der besten Kostenstrukturen“ auf. Was ist die Quelle für diese Behauptung? Haben Sie die Quelle geprüft?

Die Passagierzahlen am Airport Weeze sind in den Jahren 2014 bis 2018 relativ konstant geblieben. Sie schwanken in diesen fünf Jahren zwischen 1,7 und 1,9 Millionen Passagieren. Es ist richtig, dass es 2019 erhebliche Marktveränderungen gegeben hat und der Flughafen Weeze 2020, wie alle Flughäfen, unter der Corona-Krise leidet. Aus diesen besonderen Jahren kann man unserer Auffassung nach keinen generellen Trend ableiten. Außerdem ist eine direkte Verknüpfung von Passagierzahlen und Unternehmensergebnis, wie bereits erläutert, nicht zulässig. Die Passagierzahlen sind ein Indiz für die Ertragskraft. Das wirtschaftliche Ergebnis aber wird durch Gesamterträge und Gesamtkosten bestimmt. Die im Vergleich günstigen Produktionskosten sind für den Flughafen daher weiterhin ein Wettbewerbsvorteil.

Wie lässt sich die Behauptung der „besten Kostenstrukturen“ mit der Tatsache in Einklang bringen, dass der Flughafen ohne erlassene Kredite und zusätzliche Betriebskostenzuschüsse nicht überlebensfähig ist?

Hamann: Im Vergleich zu seinen Wettbewerbern ist der Airport Weeze bislang mit geringen öffentlichen Zuschüssen ausgekommen. Wesentlich für die wirtschaftliche Situation des Flughafens sind neben der Kostenstruktur die den Kosten gegenüberstehenden Einnahmen. In der aktuellen Situation sind diese nahezu vollständig weggebrochen. Es wird einige Zeit dauern, bis sie das vorherige Niveau wieder erreichen können. Für diese Phase sind Betriebskostenzuschüsse erforderlich, um den Fortbestand zu sichern.

Sie schreiben: „Auf dem Areal des Flughafens und in dem angrenzenden Gewerbegebiet Airport City Weeze arbeiten inzwischen rund 1000 Menschen bei Firmen und Behörden.“ Was ist Ihre Quelle für die Zahl 1000?

Die Zahlen entsprechen den aktuellen Angaben des Airport Weeze.

Das heißt, die Zahl des Flughafens ist tatsächlich ungeprüft übernommen worden? Unsere IHK verfügt nicht über eigene Erkenntnisse über die Anzahl der Mitarbeiter unserer Mitglieds-Unternehmen. Deswegen stützen wir uns gern auf die jeweiligen Firmen-Angaben, so auch hier.

Ist Ihnen bekannt, dass die auf dem Gelände untergebrachten Zeitarbeiter dieser Zahl ebenfalls zugerechnet werden?

Hamann: Die Ausgestaltung von Beschäftigungsverhältnissen einzelner Unternehmen steht in keinem Zusammenhang mit der Wertschöpfung und regionalwirtschaftlichen Bedeutung des Flughafens.

Sie schreiben: „Das Parookaville-Festival hat das Potenzial, […] imagebildend für die gesamte Region zu wirken. Inwieweit sehen Sie das Parookaville-Festival als essenziellen Bestandteil des Flughafens Weeze?

Hamann: Das Parookaville-Festival hat eine auch internationale Ausstrahlungs- und Anziehungskraft entwickelt. Für die Region ist es wirtschaftlich gesehen ein wichtiger Faktor, zusätzlich wirkt es imagebildend für die Region. Es ist auf dem Gelände des Flughafens entstanden und ohne ihn in der jetzigen Form nicht denkbar.




Hubschrauber und Hunderschaften im Einsatz: Polizei und Staatsanwaltschaft verfolgen Menschenschmuggler

rd | 24. Juni 2020, 12:04 | 5 Kommentare

Der Hubschrauber kreiste seit sechs Uhr morgens über der Stadt, die Mannschaftsbusse der Bundespolizei standen vor dem Klever Bahnhof – weithin sichtbare Zeichen eines Großeinsatzes, mit dem Polizei und Staatsanwaltschaft einen Schlag in Kleve gegen die Schleuserkriminalität durchführten.

Die Ermittlungen begannen bereits vor knapp zwei Jahren, im September 2018, als Bundespolizisten am Flughafen in Weeze einen Iraner in Gewahrsam nahmen. Der Mann wollte nach Großbritannien ausreisen und hatte sich mit einem verfälschten niederländischen Reisepass ausgewiesen. Das brachte die Ermittler, so ergibt es sich zumindest aus der Großaktion in den frühen Morgenstunden, auf die Sput einer international operierenden Menschenschmuggler-Bande. Durchsucht wurden 15 Wohnungen und Geschäftsräume in Kleve, Oberhausen, Krefeld, Gießen und Freiburg. In Zusammenarbeit mit der schwedischen Polizei wurde auch eine Wohnung in Schweden durchsucht.

Das Verfahren richtet sich gegen sechs iranische Staatsbürger sowie gegen einen Niederländer und einen Schweden. Ihnen wird vorgeworfen, banden- und gewerbsmäßig Einschleusungen betrieben zu haben. Die eingeschleusten Menschen waren den Ermittlungen zufolge in erster Linie iranische Staatsbürger. Sie wurden von Teheran nach Istanbul geflogen und gelangten von dort unter anderem mit gefälschten Schengen-Visa nach Deutschland. Zwei der Hauptbeschuldigten wurden verhaftet, zudem stellten die Ermittler umfangreiches Beweismaterial (Mobiltelefone, Datenträger) sicher.


Das halbe Dutzend ist voll: Kleve hat 6. Bürgermeisterkandidaten, Udo Weinrich (OK)

rd | 24. Juni 2020, 11:28 | 43 Kommentare
Kandidat Nr. 6: Udo Weinrich

Gelebte Demokratie! Nun hat Kleve bei der anstehenden Kommunalwahl am 13. September einen weiteren, den mittlerweile sechsten Bürgermeisterkandidaten. Soeben gab die Wählervereinigung Offene Klever bekannt, dass sie gestern Abend einstimmig den Beschluss gefällt haben, Udo Weinrich als Kandidat für das höchste Amt der Stadt zu nominieren. „Ich bin der Liebe wegen nach Kleve gezogen und engagiere mich der Liebe wegen für Kleve“, wird Weinrich in der Pressemitteilung der OK zitiert. Er ist 62 Jahre alt und kann auf 17 Jahre Ratserfahrung zurückgreifen (die meisten davon nicht in Kleve, sondern Hilden, wo er sich einen guten Ruf erarbeitet hatte).

Neben Weinrich sind im Rennen (in alphabetischer Reihenfolge): Wolfgang Gebing (CDU), Rolf Janßen (parteilos, gestützt von den Grünen), Michael Kumbrink (parteilos), Sonja Northing (parteilos, gestützt von der SPD), und Daniel Rütter (FDP)

Hier der vollständige Text der Pressemitteilung:

Die Mitgliederversammlung der „Offenen Klever“ hat am 23. Juni die inhaltlichen und personellen Weichen für die Kommunalwahlen gestellt. Die Ergebnisse fasst Britta Schütt, stellvertretende Vorsitzende der Wählergemeinschaft, zusammen: Unter dem Motto „Unsere Ideen für Kleve“ haben die „Offenen Klever“ (OK) am 23. Juni 2020 im Kolpinghaus ihre Wahlplattform für die Kommunalwahl einstimmig beschlossen. Das 2014 vorgelegte Programm ist komplett überarbeitet worden. „Wir sind den Zielen treu geblieben, die wir seit mehr als 20 Jahren vertreten, haben aber neue Schwerpunkte gesetzt“, fasst Britta Schütt, stellvertretende Vorsitzende der Wählergemeinschaft, die Veränderungen zusammen. Die „Offenen Klever“ haben auch die personellen Weichen für die Kommunalwahlen gestellt. Einstimmig sind die Kandidatinnen und Kandidaten für die 22 Wahlbezirke aufgestellt worden: Stefan Backasch (101), Barbara Bouten (102), Britta Schütt (103), Miranda Vader (104), Peter Wanders (105), Filippo Scevola (106), Friedrich Muhs (107), Miriam Karow (108), Martin Fingerhut (109), Wolfgang Linsen (110), Anne Fuchs (111), Paul Zigan (112), Max Knippert (113), Clemens Giesen (114), Inge Kiwus (115), Eva-Maria Delbeck (116), Stefan Verhees (117), Jan Willem van der Wijngaart (118), Anja Oster (119), Hannelore Pallutz (120), Udo Weinrich (121) und Marco Hendricks (122). Eine Mischung aus bekannten und neuen Gesichtern tritt auch auf der Reserveliste für die „Offenen Klever“ an: Udo Weinrich (1.), Anne Fuchs (2.), Britta Schütt (3.), Marco Hendricks (4.), Clemens Giesen (5.), Inge Kiwus (6.), Max Knippert (7.), Barbara Bouten (8.), Martin Fingerhut (9.) und Paul Zigan (10.). Die Reserveliste wurde bis Platz 15 besetzt. Zur Kommunalwahl werden die „Offenen Klever“ auch mit einem eigenen Bürgermeisterkandidaten antreten. Im Vorfeld war die Wählergemeinschaft auf Klever Parteien zugegangen, um die Möglichkeit einer gemeinsamen Bürgermeisterkandidatur auszuloten. „Wir haben gute Gespräche geführt, aber am Ende hat uns niemand zu 100% überzeugt“, sagt Britta Schütt für den Vorstand. Die Mitgliederversammlung wählte Udo Weinrich, Vorsitzender der Wählergemeinschaft, einstimmig zum Bürgermeisterkandidaten der „Offenen Klever“. „Ich will im Rathaus Anwalt der Klever/innen sein. Parteizugehörigkeit, Hautfarbe oder Herkunft beeindrucken mich nicht,“ sagt der 62-Jährige. Er ist verheiratet, Stiefvater zweier schulpflichtiger Kinder und kann auf insgesamt 17 Jahre Ratserfahrung zurückgreifen. „Ich bin der Liebe wegen nach Kleve gezogen und engagiere mich der Liebe wegen für Kleve“, lautet das Credo des Bürgermeisterkandidaten der „OK“.


Corona killt Oktoberfest und City-Lauf, Kleoland öffnet wieder, nur noch 42 aktive Fälle im ganzen Kreisgebiet

rd | 23. Juni 2020, 18:47 | 1 Kommentar
Kleve ist nicht Gütersloh: Am Niederrhein ist das Virus auf dem Rückzug

Nur noch 18 Infektionen in den vergangenen sieben Tagen, nur noch 42 aktive Fälle im gesamten Kreisgebiet, nur noch eine Person im Krankenhaus: Im Augenblick sieht es so aus, als ob das Coronavirus im Kreisgebiet auf der Flucht ist. Das sind gute Nachrichten. Nicht gut genug allerdings, um verhindern zu können, dass der Organisator des Klever Oktoberfests, das Unternehmen Kle-Event, heute endgültig die Absage der für September geplanten Gaudi bekanntgab. Auch der für den 5. September geplante City-Lauf wurden vom Veranstalter, dem LV Marathon Kleve, am heutigen Dienstag abgesagt. Damit sind eigentlich alle größeren Veranstaltungen in Kleve in diesem Jahr erledigt. Dafür teilte der Indoor-Spielplatz Kleoland mit, dass er ab Montag, 29. Juni, wieder geöffnet hat (montags bis sonntags, 11-19 Uhr). Für Kinder bis 13 Jahren gibt es keine Maskenpflicht. Erwachsene Besucher sind gehalten, auf den Verkehrsflächen einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Bedburg-Hau: 1912 war der Wald jedenfalls schon da

rd | 22. Juni 2020, 22:14 | 114 Kommentare
Lageplan der „Provinzial- Heil- u. Pflege-Anstalt Bedburg-Cleve“ aus dem Jahr 1912

Die Frage, was zuerst da war, die Klinik oder die Bäume, lässt sich relativ einfach beantworten: die Bäume. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Klinik in Bedburg, wie schon geschrieben, in einen existierenden Wald hinein gebaut. Der Lageplan zur Klinikgründung aus dem Jahre 1912 beweist, wie üppig der Kartograph die Vegetation einschätzte (das ganze Gekräusel markiert offenbar Bäume) – was wohl kaum der Fall gewesen sein, kann, wenn die Bäume mit den Häusern eingepflanzt wurden.

Zur Orientierung: Die Straße, die vom linken unteren Drittel etwa in die Mitte des oberen Randes führt, ist die Uedemer Straße. Der Pfeil, der nach links aus dem Bild führt, weist nach Norden. Das mit der Nummer 27 bezeichnete Gebäude ist laut Legende der Gutshof II, dort müsste heute das Bedburg-Hauer Gemeindezentrum stehen.

Abbildung entnommen dem Buch: 100 Jahre LVR-Klinik Bedburg-Hau, Essen 2013


Bar & Brot: Chefin Eva de Schrevel hat neuen Job, bietet Lokal zur „sofortigen Übernahme“ an

rd | 22. Juni 2020, 21:44 | 10 Kommentare
Konzentriert bei der Arbeit: Eva de Schrevel, wie die Gäste sie kennen (Foto: Jana Kathrin)

Als Eva de Schrevel vor einigen Wochen in einem sozialen Netzwerk darüber nachsann, ob man das tun soll, was man liebt, oder das lieben, was man tut, ahnten Freunde bereits, dass bei der erfolgreichen Gastronomin Änderungen ins Haus stehen. Nun ist es offiziell: „Ich habe ein Jobangebot erhalten, welches ich nicht ablehnen kann“, sagt die 32 Jahre alte Emmericherin. Um welche neue Aufgabe es sich handelt, wird nicht verraten, nur so viel ist klar: Der bevorstehende Wechsel bleibt nicht ohne Folgen für das Lokal „Bar & Brot“ in der Schlossstraße.

Vor zwei Jahren hatte Eva de Schrevel das Lokal eröffnet, mit einem anspruchsvollen Konzept in einem elegant-gediegenen Ambiente, alles handgefertigt. Damit hatte die studierte Organisationspsychologin im ansonsten eher bodenständigen Klever Angebot offenbar eine Lücke gefunden. Es gab viel aus der Region, und vieles wurde selbst zubereitet – vom Brot bis zu einer Vielzahl edler Spirituosen, die aus der Brennerei des Vaters („Niederhein Destille“) in Emmerich-Dornick stammten.

„Ich brenne fürs Brennen“, sagte die Liebhaberin hochprozentiger Getränke werbewirksam dazu. Dafür hatte sie voller Enthusiasmus ihren Job an der Hochschule Rhein-Waal aufgegeben. Der Andrang war zeitweise so groß, dass ohne Reservierung keine Tische erhältlich waren. Auch für Firmenevents war das Lokal eine gefragte Adresse. Überregional erregte der forsche Start in einer verzagten Branche ebenfalls Aufsehen: Die Unternehmensgründerin vom Niederrhein kam mit ihrer „Bar-&-Brot“-Story in die Endrunde des deutschen „Gastro-Gründerpreises“ – einmalig in der Geschichte der Klever Gastronomie.

Anfang des Jahres änderte Eva de Schrevel überraschenderweise das ursprüngliche Konzept, fortan gab es nur noch besondere Veranstaltungen wie Tastings oder Kneipenfragerunden, für die allerdings Voranmeldungen der Gäste erforderlich waren. Dann kam die Seuche, und mit der erst einmal einige Wochen völliger Stillstand. Mittlerweile gibt es wieder einige Events, allerdings flüsterten sich die Klever derweil auch zu, dass das Lokal im Immobilienportal Immoscout24 zur „sofortigen Übernahme“ angeboten wird.

Das bestätigt Eva de Schrevel auch: „Ich versuche einen Mieter zu finden, der das Konzept Bar & Brot so erfolgreich weiterführt. Wenn ich diese Person nicht finde, werde ich weiterhin meine gefragten Events am Wochenende anbieten. Ich höre also nicht einfach auf! Ich liebe meine Bar.“


„Kein Waldsterben per Ratsbeschluss!“ Bedburg-Hauer Initiative legt neue Details zu den Bauplänen der Professoren vor

rd | 22. Juni 2020, 12:10 | 21 Kommentare
Nicht alles, was grün aussieht, ist auch grün

Die Bürgerinitiative „Kein Waldsterben per Ratsbeschluss“, mit der einige Bürger aus Bedburg-Hau die Kahlschlagpläne im Klinikgelände stoppen wollen, hat am Wochenende neue Informationen zur Vorgehensweise bekannt gegeben. Bekanntlich möchten die beiden HSRW-Professoren Thorsten Brandt und Dirk Untiedt auf dem nicht mehr als Klinik genutzten Nordteil des Geländes ein Investitionsvorhaben mit Wohnbebauung realisieren.

Hier der Text der Pressemitteilung im Wortlaut:

„Aufgrund der unglaublich hohen Zahl der Anfragen ,Wo kann ich unterschreiben?’ möchte die Initiative Bürgerbegehren ,Kein Waldsterben per Ratsbeschluss’ mitteilen, dass derzeit noch keine Unterschrift geleistet werden kann. Die Gemeinde Bedburg-Hau teilte der Initiative mit, dass mindestens 969 Wahlberechtigte Bedburg-Hauer das Bürgerbegehren unterschreiben müssen. Die Initiative muss jetzt noch warten, bis die Gemeinde die gesetzlich vorgeschriebene Kostenschätzung, was das Begehren mit eventuellem Bürgerentscheid (Wahlgang) kostet, vorgelegt hat. Diese Kostenschätzung muss zwingend auf der Unterschriftenliste eingefügt werden. Sobald diese vorliegt, wird die Initiative über die Medien den Beginn der Unterschriftensammlung bekanntmachen.


Derweil sind noch weitere Details zu Planung bekannt geworden:
Die Straßen im Innenbereich, Zur Mulde, Zur Festwiese und Brückenweg sollen laut Plan privatisiert werden. Die späteren Eigentümer könnten dann diesen Bereich mit ,Privatgelände – Zutritt verboten’ abriegeln und dieser Bereich wäre damit für Bedburg-Hauer nicht mehr zugänglich
Die dunkelgrünen Flächen in der Planzeichnung, die man als Restwald ansehen könnte, sind mit einem fast nicht sichtbarem P und einem weißen Kästchen versehen. In der Legende entpuppt sich das, auch kaum lesbar, als ,Private Grünfläche Park’. Davon ist auch der sogenannte Geschlechtergraben betroffen. Demnach wären auch diese Flächen für Bedburg-Hauer nicht mehr zugänglich. Nun steht fest, dass der gesamte Klinik-Nordbereich nur noch aus Park mit einzelnstehenden Bäumen/Büschen, aus Neubauflächen und Mischgebiet bestehen und zum größten Teil für Bedburg-Hauer nicht mehr zugänglich sein wird. Lediglich eine kleine Fläche (Teilfläche Gärten Ärztehäuser) soll mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt werden. Auch das ist eher eine Täuschung. Es stehen dort schon jetzt sehr alte Eichen und in den Gärten einige Obstbäume.
Die Initiative fragt sich auch, was eine Planzeichnung vom „Hausarchitekt“ der Investoren in der jetzt vorgelegten Planung zu suchen hat? Ganz eindeutig werden hier die Wünsche, nur die Wünsche der Investoren, berücksichtigt. Das hat Gschmäckle!


Jetzt geht es nicht nur um Wald und Klimaschutz, sondern auch um die Gesamtinteressen der Bedburg-Hauer*Innen.


Die Vertretungsberechtigten für das Bürgerbegehren
Günter van Meegen, Verena Welbers, Theo Janßen“


„Artefakt der Wendehammerkultur“: Klever Bürger wollen Bebauung am Bresserberg verhindern, fordern „grünes Tor zur Stadt“

rd | 22. Juni 2020, 11:59 | 14 Kommentare

Noch bis zum 31. Juli hat die Stadt Kleve den Plan zur Bebauung des Areals, auf dem sich früher Tennishalle und Tennisplätze befanden, zur Einsichtnahme ausliegen. Die Anwohner sind, mit einem Wort, entsetzt und befürchten, dass das Projekt der Einfamilienhausbebauung in bester (klimasicherer) Lage im Rat der Stadt „durchgewunken“ wird. Eine Initiative von Anwohnern nimmt dazu wie folgt Stellung:

Bebauungsplan Königsallee / Friedhof Merowinger Straße Dort befindet sich eine Wiese von ca. 1 ha, Größe, entstanden durch Nicht-Nutzung des Terrains ehemalig Tennishalle und der Tennisplätze. Der 2. Bebauungsplan zu diesem Thema ist jetzt vom 22.06. bis 31.07.2020 offen gelegt worden. Es steht zu befürchten, dass er demnächst im Rat Kleve durchgewinkt wird, wohl einzig gegen die Stimme der Offenen Klever, gewiss aber gegen die Meinung der Anwohner. Die Verwaltung will an dieser Stelle ca. 20 Einfamilienhäuser in einem neuerlichen Artefakt der Wendehammer-Kultur unterbringen.Von welcher Seite man sich auch nach Kleve hineinbewegt, sieht man Einzelhaus-Bebauung.. Kleve ist voll mit Einfamilienhäusern, wahrscheinlich mehr als 80 % der Grundfläche für Wohnbebauung im Klever Stadtgebiet. Daten hierzu fehlen. In den ,Vororten’ Bedburg-Hau, Donsbrüggen, Nütterden und Kranenburg wohl mehr als 90 %. In Kleve herrscht kein Mangel in diesem Segment, sondern im Bereich von Mietwohnungen bis 8 € /Quadratmeter. In dem Schreiben der Verwaltung zur Offenlegung steht zum Verfahrensstand – nach der Erwähnung eines Auftrags-Gutachtens und Stellungnahmen von anderen Behörden – unter Punkt ,Stellungnahmen und Eingaben aus der Öffentlichkeit’ nur folgendes: ,Wegnahme der einzigen frei zugänglichen Grünfläche in fußläufiger Umgebung, Bedeutung von Grünflächen in einer Stadt (Vögel ..Insekten .. Bienen).’ Es wird hiermit der Eindruck erweckt, als hätten die Anwohner lediglich allgemein-ökologische Bedenken, sozusagen zeitgemäß-harmlos. In der Tat wurden bereits vor Ausrufung des Klima-Notstands in Kleve in den Einwendungen der Anwohner zur Ablehnung der Bebauung Königsallee/Merowingerstr. die Biotop-Qualitäten dieses einzigen nicht eingezäunten Wiesenstreifens in der Umgegend hervorgehoben. Und es wurden Argumente ganz anderer Art vorgebracht: ungünstige Verkehrsanbindung, gefährliche Kurve im Anstieg zur Endmoräne, Notwendigkeit der Parkplätze für die Bringe- und Abholaktivitäten an der Marienschule. Vor allem sei aber daran erinnert, dass bereits in der Vor-Friday-for-Future-Ära, nämlich im Herbst 2018, die Anwohner mit ca. 250 Einwendungen und Unterschriften gefordert haben:1. Keine Bebauung zwischen Bresserbergstr., Wendehammer und Königsallee oberhalb des Friedhofs!2. Ausgestaltung der Grünfläche ab Jugendherberge bis Wendehammer Bresserbergstr. zu einem ,Grünen Tor zur Stadt’.“

Unterzeichnet haben das Schreiben die Anwohner Bernhard Fluck, Marlene und Klaus Müller, Inge und Ulrich Kiwus sowie Wolfgang Roesch.


Corona: Nur 21 neue Fälle, aktuell nur 45 Menschen krank, 444 neue Tests bei Schlachthöfen im Kreis, alle negativ!

rd | 21. Juni 2020, 16:07 | 2 Kommentare
Im Kreis Kleve scheint das Schlimmste überstanden, aber bange richtet sich der Blick nach Güterloh, von wo der hiesige Betrachter staunend zur Kenntnis nimmt, dass der Großarbeitgeber von 30 Prozent seiner Angestellten keine Adresse hat.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve

(Pressemitteilung des Kreises Kleve) Bei der Sitzung des Corona-Stabs des Kreises Kleve am vergangenen Donnerstag, 18. Juni 2020, wussten alle Anwesenden, dass aufgrund des Corona-Ausbruchs beim Fleischbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück in den nächsten Stunden und Tagen einige bereits geplante Aktivitäten der Unteren Gesundheitsbehörde des Kreises Kleve im Kontext der Corona-Pandemie zunächst einmal würden warten müssen. Mit Erlass vom 17. Juni hatte das MAGS – Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen – die Gesundheitsbehörden landesweit aufgefordert, in allen Schlachthöfen und fleischverarbeitenden Betrieben, die mit Werksvertragsnehmern arbeiten, die dort arbeitenden Personen unverzüglich erneut zu testen.

Diese Tests wurden am 18. Juni gemeinsam mit den beiden betroffenen Unternehmen im Kreisgebiet vorbereitet. Landrat Wolfgang Spreen sprach in diesem Zusammenhang von „einer erneut sehr guten, schnellen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Unternehmen“. Am Freitag, 19. Juni, sowie am Samstag, 20. Juni wurden insgesamt 470 anwesende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen getestet.

Am heutigen Sonntag, 21. Juni 2020, 13.15 Uhr, liegen dem Gesundheitsamt insgesamt 444 Testergebnisse vor (94 Prozent). Alle 444 vorliegenden Ergebnisse sind negativ! Die Ergebnisse der verbleibenden 26 Testungen liegen noch nicht vor.

Bereits Mitte Mai waren bei beiden Schlachtbetrieben Mitarbeiter-Testungen auf COVID-19 durchgeführt worden. Auch damals waren alle Labor-Ergebnisse negativ.


Aufatmen in Kleve: Der Kaufhof bleibt! Bürgermeisterin Northing: „Das ist ein ganz großes Glück!“

rd | 19. Juni 2020, 14:24 | 39 Kommentare
Filiale bleibt erhalten!

Gute Nachricht für Kleve: Der Kaufhof in der Stadt gehört nicht zu den 62 Filialen, die der Galeria Karstadt Kaufhof Konzern im Zuge von Sanierungsmaßnahmen schließen wird, die Filiale, deren Anfänge mehr als hundert Jahre zurückreichen, bleibt der Stadt erhalten. „Wir bleiben. Das ist ein ganz großes Glück“, sagte Bürgermeisterin Sonja Northing in einer ersten Stellungnahme zu kleveblog. „Ich freue mich für die Mirarbeitenden, das ist das Allwichtigste.“ Vor zwei Wochen hatte Northing noch die Klever Mitarbeiter des Warenhauskonzerns besucht, die mit einer Menschenkette um das Kaufhaus auf ihre schwierige Lage aufmerksam machten. Northing glaubt, dass der Standort Kleve „die besseren Argumente“ hatte: hohe Zentralitätskennziffer, schwarze Zahlen der Filiale und dazu ein gutes Sortiment. Im Zuge der drohenden Schließungen hatte die Bürgermeisterin auch mit ihrer Amtskollegin in Wesel, Ulrike Weskamp, Kontakt aufgenommen. „Wir haben uns gegenseitig die Daumen gedrückt“, so Northing. Das hat offenbar geholfen: Auch das Kaufhaus in Wesel bleibt.

Filialleiterin in Kleve ist Annette Kraska, deren Freude ebenfalls doppelt war: Bevor sie 2018 als Nachfolgerin von Astrid Vogell nach Kleve kann, leitete sie das Haus in Wesel.

„Unser Warenhaus in Kleve besteht seit nunmehr 91 Jahren mit derzeit insgesamt 51 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Wir glauben sagen zu dürfen, dass wir schon seit langen Jahren ein identitätsprägender Bestandteil der Innenstadt von Kleve sind und als erheblicher Frequenzbringer mit unseren Kunden einen wichtigen Beitrag
für eine attraktive und lebendige Klever Innenstadt leisten. Wir sind davon überzeugt, dass von dem Bestehen unseres Hauses der gesamte innerstädtische Einzelhandel und die vielfältigen gastronomischen Einrichtungen in der Innenstadt profitieren. Dies alles möchten wir auch in Zukunft für unsere Stadt bleiben und leisten”, sagten die Betriebsräte Meike Lönnecke, Magdalena Hillen, Tanja Tenhaef-Stupp, Mara Quinkertz und Fabian Janhsen, als sie am 2. Juni die Menschenkette mit den Mitarbeitern gebildet hatten.

Aufatmen vermutlich auch bei Bernd Zevens. Der Klever Unternehmer, Investor und Großimmobiliensammler kaufte 2012 dem Kaufhof das Gebäude ab (Mom kauft Kaufhof), für einen achtstelligen Betrag, wie damals gemunkelt wurde. Seitdem ist das Warenhaus Mieter in der Immobilie. Zevens kann nun darauf hoffen, dass die Mieteinnahmen weiter fließen.

In Nordrhein-Westfalen schließt der Konzern nach Informationen der Bild-Zeitung die folgenden Standorte: Karstadt Bielefeld, Düsseldorf-Schadowstraße, Dortmund und Bonn; Kaufhof in Brühl, Dortmund, Düsseldorf-Werhahn. Und in Essen kommt das Aus sowohl für die Karstadt- wie auch für die Kaufhof-Filiale. Insgesamt sind also neun Standorte in NRW betroffen. Insgesamt hat der Konzern 172 Warenhäuser. Durch die Schließungen sind rund 6000 Arbeitsplätze gefährdet.

Wie alles begann: Plakat zur Eröffnung im Jahre 1912 (Bild: Stadtarchiv Kleve)
Ein Hauch von großer, weiter Welt: Fassade des Kaufhauses Weyl (Foto: Stadtarchiv Kleve)
Luftaufnahme aus der Vorkriegszeit: Deutlich wird, wie sich das Kaufhaus schon damals von der kleinteiligen Umgebung abhebt (Foto: Stadtarchiv Kleve)
Großbaustelle im Herzen der Stadt: Wiederaufbau nach dem Krieg (Foto: Stadtarchiv Kleve)
Blick von der Marktstraße in die Innenstadt, rechts unten der neue Kaufhof


Überraschende Personalie: Julia Lörcks gibt Leitung der Klever RP-Redaktion ab, verlässt Verlag

rd | 18. Juni 2020, 16:30 | 21 Kommentare
Nach 18 Jahren bei der RP auf neuen Wegen: Julia Lörcks

Die Leitung der Klever Redaktion der Rheinischen Post ist in einer umtosten Branche bisher immer so etwas wie ein Fels der Stabilität gewesen. Alois Puyn führte die Redaktion eine gefühlte Ewigkeit, nach ihm kam Jürgen Loosen, der schon einige Jahre bei dem Blatt war und dann 24 Jahre als „Lokalchef“ beziehungsweise, wie das heute heißt, als Leitender Regionalredakteur fungierte. Zum Jahresende schied er aus, kam aber als Altersteilzeitler einen Tag noch einen Tag pro Woche in die Redaktion und machte das Blatt.

Für ihn kam Julia Lörcks, eine studierte Kommunikationswissenschaftlerin, mit einer Laufbahn, wie sie so viele Mitarbeiter der RP in ihren Anfängen aufweisen – 2002 nach dem Abitur begann sie als frei Mitarbeiterin in Kleve, Studium, danach (2007-2009) Volontariat bei der Neuß-Grevenbroicher Zeitung und schließlich nach drei Jahren als freie Journalistin – unter anderem in Diensten für die Rheinische Post und deren Online-Ableger, für die Rheinland-Presse, für die AOK und HSRW – der Redakteursvertrag bei der Rheinischen Post. Zunächst war sie in Wesel tätig, dann in Kleve und Xanten, und als sie dort eine leitende Funktion erhielt, raunten die Kollegen in Kleve schon, dass damit die Nachfolge für das Urgestein Jürgen Loosen vorbereitet werde.

So kam es auch. Mit dem Antritt der 37 Jahre alten Journalistin Anfang des Jahres verband sich die Hoffnung, dass die Zeitung sich den neuen Entwicklungen gegenüber öffnete und auch von ihren Ansichten, die teilweise von persönlicher Abneigung getrieben zu sein schienen, zumindest ein wenig abrückte. Das große Interview, das Julia Lörcks mit Bürgermeisterin Sonja Northing führte, war ein solches Zeichen. Das Blatt wurde in den vergangenen Monaten frischer und persönlicher, man zeigte Mut, die großen Themen groß zu machen und den Kleinkram wegzulassen.

Doch schon Ostern war klar, dass dieser Neuanfang ohne Julia Lörcks weitergehen musste. Julia Lörcks bleibt, anders als ihre Vorgänger, keine Jahrzehnte, sondern nur sieben Monate Lokalchefin des Blattes. Sie sagt: „Ich habe gekündigt – aus betrieblichen und privaten Gründen. Ich habe mich entschieden, freiwillig meinen Traumjob aufzugeben und mich an anderer Stelle beruflich weiterzuentwickeln.“ Ihr neuer Platz ist, wie man hört, in der Privatwirtschaft. Bis Ende Juli arbeitet Julia Lörcks noch in der Redaktion, dann übernimmt der Nachfolger. Es soll sich um eine interne Lösung handeln.


„Peter verbindet“: Landratskandidat Peter Driessen startet Wahlkampf – Klammer als Symbol, keine Subventionen für den Flughafen

rd | 18. Juni 2020, 14:44 | 4 Kommentare
Eingeklammert im Kreise der Unterstützer: Peter Driessen (2.v.r.)
Peter unter Strom: Wahlkampf im Elektroauto
Ansagen in Richtung Kreishaus: Ralf Jansen (FW), Daniel Rütter (FDP), Peter Driessen, Birgitt Höhn (Grüne), Norbert Killewald (SPD) und Bruno Jöbkes (Grüne)

Die Pressekonferenz fand im Clivia-Haus an der Tichelstraße statt, in einem der Säle im Erdgeschoss des ehemaligen Hotels, dessen Räume nun als Pflegeheim genutzt werden. In ebendiesem Erdgeschoss feierte vor fünf Jahren Sonja Northing ihren erdrutschartigen Sieg, mit dem sie als unabhängige Kandidatin, getragen von SPD, FDP und Offenen Klevern, zur Bürgermeisterin der Stadt Kleve gewählt wurde. So gesehen, war es eine naheliegende Idee, den Bedburg-Hauer Bürgermeister Peter Driessen in diesen Räumen vorzustellen, denn auch er plant als unabhängiger Kandidat einen Coup, wie er in der politischen Geschichte des Kreises Kleve ohne Beispiel ist: Mit Unterstützung von SPD, Grünen, FDP und den freien Wählervereinigungen im Kreis möchte der 64 Jahre alte Politiker das Landratsamt erobern.

„Seit 2015 arbeiten wir daran, den Wechsel hinzubekommen“, schilderte Driessen den Pressevertretern seine Motivation für die Kandidatur. Damals gab es im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise Unstimmigkeiten zwischen den Bürgermeistern und Landrat Wolfgang Spreen. Dieser Wunsch habe sich im vergangenen Jahr verfestigt, und es gelang dem Bedburg-Hauer, ein denkwürdiges Bündnis zu schmieden, denn er zog nicht nur Rot und Grün auf seine Seite, sondern auch die von Stephan Haupt geführte FDP, die auf Kreisebene eigentlich mit der CDU fröhlich zusammenarbeitet.

Nun scharen sie sich alle hinter Driessen, was die Beteiligten aber auch ausdrücklich nur auf die Person bezogen wissen wollen. Die politischen Programme divergieren doch ein wenig. Das alles aber glaubt Peter Driessen unter einen Hut bringen zu können, sofern er am 13. September (oder gegebenenfalls zwei Wochen später, falls es zu einer Stichwahl kommt) vom Wähler den Auftrag erhält, an die Nassauerallee einzuziehen.

Die Fähigkeit, moderieren zu können, dürfte da gefragt sein. Dass er das kann, hat er in seinen nunmehr 16 Jahren als Bürgermeister in der Klever Nachbargemeinde unter Beweis gestellt; der Politikbetrieb dort läuft weitgehend geräuscharm und effizient ab. Als Driessen sich das erste Mal zur Wiederwahl stellte, gab es nicht einmal einen Gegenkandidaten der zuvor für Jahrzehnte unangefochten regierenden Christdemokraten.

Kein Wunder, dass diese Fähigkeit nun auch in den Mittelpunkt des – durch Corona massiv beeinflussten – Wahlkampfs gerückt werden soll. Driessens Slogan heißt „Peter verbindet“, und die mit der Konzeption der Wahlkampagne beauftragte Werbeagentur Lohmann & Friends aus Krefeld ersann dazu als Symbol die eckige Klammer , die bekanntlich die Elemente, die zwischen den beiden Zeichen stehen, verbindet. Hobbyfotografen kennen es auch für Fokus-Bereich ihrer Kamera. Zwei lebensgroße Klammern, in verschiedenen Färbungen in Anlehnung an die unterstützenden Parteien erhältlich, sollen die Wahlkampfauftritte optisch unterstützen.

Die Optik ist das eine, wichtiger aber sind die Inhalte. Was ist dem Kandidaten wichtig? Driessen: „Den [derzeitigen] Landrat werden viele Bürger nur aus den Medien kennen. Ich möchte ein Landrat sein, der mit den Bürgern ins Gespräch kommt. Mir ist es wichtig Fragen zu beantworten und zu stellen.“

Außerdem möchte er den Kreis etwas mehr zusammenführen, bisher werde seiner Meinung nach noch zu sehr zwischen Kleverland und Gelderland sowie zwischen den rechtsrheinischen Gebieten getrennt. Driessen möchte beispielsweise Sitzungen des Kreisausschusses und des Kreistages in den Süden verlegen, und sie – wenn es dort geeignete Räume dafür gibt – auch auf der (aus Klever Sicht) Günnekant abhalten.

Seine Unterstützer sekundierten dem Kandidaten, als es um die Zusammenarbeit zwischen den Kreis und den Kommunen ging. Da waren vor der jüngsten Kreistagssitzung alle 16 Bürgermeister aufmarschiert, darunter auch acht von der CDU, und begehrten Rederecht. Sie wurden aber abgekanzelt. „Wie die Kreis-CDU die 16 Bürgermeister so blamiert hat, ist unbeschreiblich“, sagte Norbert Killewald, Kreisgeschäftsführer SPD. „Der Landrat beweist jeden Tag aufs Neue, dass es notwendig ist, einen Wechsel herbeizuführen“, ergänzte Birgitt Höhn von den Grünen. „Wir sind davon überzeugt, dass Peter Driessen es anders machen kann und wird“, legte Daniel Rütter (FDP-Bürgermeisterkandidat in Kleve) nach.

Konkret forderte Driessen Fortschritte bei der Digitalisierung („High Speed für den ganzen Kreis Kleve“) und mehr bedarfsgerechte Lösungen im öffentlichen Nahverkehr. Wenig Hoffnung hatte er, dass es gelingt, den Regionalexpress 10 bis Nimwegen zu führen. „Darüber sprechen wir schon seit 1996“, so Driessen, „und bisher hat Groesbeek immer nein gesagt.“

Natürlich war auch der defizitäre Flughafen in Weeze ein Thema. Die Meinung des Kandidaten: „Ich habe mir vorgenommen erst einmal eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft da drauf zu setzen, um zu sehen, ob der Flughafen nun schwarze Zahlen schreibt oder nicht. Subventionen wird es mit mir nicht geben.“ Auf die Frage, ob er befürchte, von der noch regierenden CDU bei diesem Thema vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, reagierte Driessen mit einer Lebensweisheit, die er von seinem Vater übernommen habe: „Rege dich nur auf, wenn du es ändern kannst.“


K3: Die Etappenlösung

rd | 18. Juni 2020, 11:24 | 5 Kommentare
Die Stegstraße war als Umleitung nur bedingt geeignet (Foto: Britta Verheyen)

Mal sehen, ob das was bringt: Soeben stellte die Kreis Klever Baugesellschaft (KKB) eine Lösung für die Bauarbeiten an der Klever Straße vor, die am Montag für einige Zornesausbrüche unter Anwohnern und Pendlern gesorgt hatten. Jetzt soll die Straßenerneuerung in vier Etappen durchgeführt werden, um die Belastungen für die Bewohner und Durchquerer der Düffel zu mindern. Hier das Konzept im Wortlaut:

Der Beginn der Bauarbeiten an der Klever Straße (K 3) unter Vollsperrung am Montag, 15. Juni 2020, sorgte in den vergangenen Tagen für viel Aufregung unter den Anwohnern. Insbesondere Landwirte und Gastronomen sorgten sich um die Erreichbarkeit ihrer Grundstücke. In einem Gespräch zwischen bauausführender Firma, einem Vertreter der Kreis Kleve Bauverwaltungs-GmbH (KKB) als Auftraggeberin und Anwohnern wurden nun die einzelnen Bauabschnitte und die angedachte Erreichbarkeit einzelner landwirtschaftlicher Betriebe besprochen. Die weiträumige Umleitung erfolgt demnach aufgrund der hohen Verkehrsbelastung und der überregionalen und landesübergreifenden Verkehrsbedeutung der Strecke. Die kommunalen Straßen in der Niederung sind aufgrund der nicht gegebenen Leistungsfähigkeit als Umleitungsstrecken nicht geeignet. Wegen einer seit Dezember 2018 rechtskräftigen Arbeitsrichtlinie ist es nicht mehr möglich, die Baumaßnahmen unter halbseitiger Sperrung der Fahrbahn durchzuführen. Die Erneuerung der Klever Straße wird nach dem Gespräch in nun vier Bauabschnitten vorgenommen. Diese sind: Nieler Straße bis Vossegatt, Vossegatt bis Klever Straße 46, Klever Straße 46 bis Klever Straße 8 und Klever Straße 8 bis zum Bauende zwischen Trübsche Straße und Stegstraße. Anwohner der betroffenen Abschnitte können ihre Grundstücke mit Einschränkungen erreichen. Eine entsprechende Feinabstimmung wird es während der gesamten Bauphase geben. Rettungskräfte können im Fall eines Einsatzes unter Nutzung von Sonderrechten den Geh- und Radweg nutzen. Die Bauarbeiten werden bis voraussichtlich Ende September 2020 fertiggestellt.


Corona – die neue Tabelle

rd | 17. Juni 2020, 16:09 | keine Kommentare

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Baupläne der Hochschulprofessoren Brandt und Untiedt lösen Bürgerbegehren in Bedburg-Hau aus

rd | 17. Juni 2020, 11:39 | 106 Kommentare
Diese Grafik von Günter van Meegen zeigt, wieviel Wald im Nordteil der Landesklinik verschwinden soll
Ergänzende Dokumentation: Der Vorentwurf zum Bebauungsplan Nr. 26. Zur Erläuterung der dazugehörige Kommentar von Günter van Meegen: „Man kann sehr gut erkennen, dass die dunkelgrünen Bereiche, die man leicht als Wald ansehen könnte, auch Park sind. Kennzeichen P = private Fläche und das weiße Kästchen bedeutet Park. Also P, so wie Innenbereich und natürlich die Baugrundstücke – alles Privat – nix für Bedburg-Hauer Picknick.“ Wenn ich das Dokument richtig deute, wurde hier einfach die Planung des Kevelaerer Büros StadtUmBau durchgewunken.

Es war einige Monate still geworden um die Pläne der beiden Hochschulprofessoren Thorsten Brandt und Dirk Untiedt, deren Chinesenbetreuung so viel Geld abgeworfen hatte, dass die beiden Maschinenbauer in Staatsdiensten dem LVR das halbe Gelände der Klinik in Bedburg-Hau abkaufen konnten. Brandt und Untiedt kannten das Gelände, weil dort ihre Organisation Scientific Freshers ansässig ist. Sie wollen das Areal als Bauland erschließen – weshalb nun die Pläne öffentlich ausgelegt werden mussten. Das Ergebnis: Um den in Sachen Naturerhalt stets kämpferischen Bedburg-Hauer Günter van Meegen formierte sich eine Initiative, die sofort ein Bürgerbegehren gestartet hat. Das Ziel: Die weitgehende Abholzung des Klinikwaldes soll verhindert werden. Hier im Wortlaut die Pressemitteilung der Initiative:

Klinikwald: Bürgerbegehren in Bedburg-Hau auf den Weg gebracht

Jetzt erst, nachdem die Pläne (Vorentwurf) zum Bebauungsplan für den Nordteil der LVR-Klinik bekannt wurden, konnte reagiert werden. Die Gegner der bis dahin vagen Planung standen schon lange in den Startlöchern und so konnte bereits am vergangenen Dienstag ein Bürgerbegehren bei der Gemeinde angemeldet werden. Die Fragestellung zum Bürgerbegehren lautet: „Soll der LVR-Klinikwald (Nordteil) erhalten bleiben, nicht für Wohn/Mischgebiete gerodet und die überwiegende Restwaldfläche zu Rasenflächen mit Einzelbäumen (Park) umgestaltet werden?“

Die Begründung zur Fragestellung lautet: Die Gemeinde Bedburg-Hau möchte durch Aufstellung eines Bebauungsplans den Nordteil des LVR-Klinikwaldes umwidmen in Allgemeine Wohngebiete und Mischgebiete. Die zur Bebauung vorgesehenen Flächen des Plangebiets sollen im zentralen Bereich innerhalb des Haupterschließungsbogens als Mischgebiete und in den westlich, nördlich und östlich anschließenden Bereichen als Allgemeine Wohngebiete festgesetzt werden. Die zur Bebauung vorgesehenen Flächen bestehen zum großen Teil aus Waldflächen. Ebenso die Flächen im Kerngebiet, die in der Planung als Rasenflächen mit Einzelbäumen (Park) dargestellt sind. Zudem sollen vier denkmalgeschützte Häuser abgebrochen werden. Es gibt keine Garantie zum Schutz der verbleibenden denkmalgeschützten Häuser.

Die Gemeinde Bedburg-Hau hat ausreichende Baulandflächen, reines Ackerland, rund 25 Hektar, von der Bezirksregierung Düsseldorf  (Regionalplan) als Bauland ausgewiesen bekommen. Dennoch soll Wald zu Bauland umgewandelt werden. Wir sind der Ansicht, dass im Zeichen des Klimawandels kein Wald mehr für Bauland geopfert werden darf.

„Kein Waldsterben per Ratsbeschluss“

Die Vertretungsberechtigten für das Bürgerbegehren sind: Günter van Meegen, Verena Welbers und Theo Janßen.

Nun muss noch darauf gewartet werden, bis die Gemeinde eine Kostenschätzung vorlegt, denn diese muss auf den Unterschriftenlisten aufgeführt werden und erst dann können Unterschriften gesammelt werden. Die Kostenschätzung bezieht sich auf die Folgekosten eines Bürgerbegehrens für die Gemeinde im Falle eines Erfolges des Begehrens durch Übernahme durch den Rat oder durch einen Abstimmungssieg im Bürgerentscheid.

Wer die Initiative unterstützen möchte, kann sich melden. Kontakt: 02821-69208 oder v.meegen@t-online .de


Chaos in der Düffel: Klever Straße gesperrt, Lastwagen und Traktoren begegnen sich auf Feldwegen, Autos landen in Straßengräben

rd | 16. Juni 2020, 17:19 | 31 Kommentare
Wer die Stegstraße kennt, weiß, dass sie als Umleitung nur begrenzt taugt (insbesondere, wenn die deutsche Glasfaser auch ein bissche rumbaut) (Foto: Britta Verheyen/Facebook)

Seit gestern ist die Hauptverbindungsstraße vom Klever Stadtgebiet zum Ortsteil Keeken gesperrt, und zwar im Abschnitt zwischen der Einmündung Stegstraße (Düffelward) bis Nieler Straße (K2, Keeken). Der Radweg wird ausgebaut, ebenso die Fahrbahn. Das ganze Vorhaben soll bis zum 2. Oktober abgeschlossen sein, eine Umleitung sei eingerichtet, teilte die Polizei mit.

Doch diese Umleitung treibt Verkehrsteilnehmer und Anwohner seit nunmehr zwei Tagen in die Verzweiflung, auf Facebook türmen sich die Kommentare, in denen die Autoren unglaubliche Begegnungen auf Feldwegen schildern und am Verstand derjenigen zweifeln, die für die temporäre Streckenführung verantwortlich zeichneten.

Lena Jacobs aus Keeken, deren Sohn in Rindern zum Kindergarten geht, klagte über eine Stunde Fahrzeit zwischen den benachbarten Dörfern. Das würde für zweimal Hin- und Rückweg pro Tag zwei Stunden Fahrzeit bedeuten, wenn die Verhältnisse sich nicht bessern sollten. „Die Planer haben da, meiner Meinung nach, totalen Mist gebaut“, so ihre Einschätzung. Bernd Stromberg antwortete, dass momentan Radfahren die schnellste Variante sei.

Bei diversen Ausweichrouten nahmen offenbar Polizei und Ordnungsamt Autofahrer in Empfang, die verbotene Wegeführungen für sich zu nutzen versuchten. Dave Lohmüller meldete aus der Trübschen Straße verärgerte Anwohner: „Die sind auf 180, weil alle dorthin geleitet werden später auf den Grundstücken wenden müssen, da es dort eine Baustelle gibt, die nicht ausgeschildert ist.“ Auf der Straße gilt die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h, was offenbar auch nicht jedem Verkehrsteilnehmer bekannt ist.

Britta Verheyen berichtete: „Ich bin heute querfeldein von Keeken nach Rindern über Donsbrüggen gefahren…Chaos ohne Ende, daTrecker und Lkw dieselbe Idee hatten und die kleinen Feldwege nicht breit genug sind für Gegenverkehr. Keine Umleitungsschilder!!….Ortsfremde kommen niemals hier ans Ziel. Ich frag mich wie es wird, wenn in Kekken ein Notfall herrscht und Krankenwagen ihren Weg bis hier bahnen müssen????“ Eine weitere Teilnehmerin der Diskussion wies auf das Pflegeheim in Keeken hin, das ebenfalls einer guten Anbindung bedürfe.

Eine Userin hatte schon den ersten Wagen im Straßengraben liegen sehen – „es ist eine Katastrophe, dicke Lkw aus Holland kommen einem entgegen, und es gibt kaum Ausweichmöglichkeiten“. Und die Erntezeit stehe noch bevor. Anrufer erhielten beim Kreis Kleve telefonisch die Auskunft, dass man über die Stegstraße nach Keeken gelange. Die Information war offenbar komplett daneben, weil dort die Deutsche Glasfaser am Werke war. Carsta Hanßen: „Eben sind alle die in die Stegstraße gefahren und sind kurze Zeit später wieder umgedreht. (Ich war zu Fuß bei der Milchtankstelle.)“


Strich zum Sonntag

rd | 14. Juni 2020, 18:35 | keine Kommentare
32 Neuinfektionen, alles scheint unter Kontrolle…

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Forschung der Hochschule Rhein-Waal dringt in Grenzbereiche der Erkenntnis vor: Wenn man die Lebensqualität verbessert, verbessert man die Lebensqualität, findet Professorin heraus

rd | 14. Juni 2020, 13:06 | 57 Kommentare
Mehr ÖPNV verbessert die Lebensqualität (Symbolbild)

Einen bemerkenswerten Einblick in die Möglichkeiten der modernen Wissenschaft, wie sie an der Hochschule Rhein-Waal praktiziert wird, erhielten in dieser Woche die Mitglieder des Sozialausschusses der Stadt Kleve. Die Erkenntnisse waren so profund und außerordentlich, dass am Ende des Vortrags der offenbar völlig überwältigte Kämmerer der Stadt Kleve, Willibrord Haas, sich zumindest im Konjunktiv bereit erklärte, etwaige „beschlossene Maßnahmen“ in den Haushaltsplan für das Jahr 2021 aufzunehmen. Wer auch nur einen Funken Ahnung von Kommunalpolitik hat, weiß, was das bedeutet.

Was aber ist geschehen? Ausweislich eines Berichts in der Rheinischen Post, vom Universalversteher Matthias Grass verfasst, hat die Hochschulprofessorin Ingrid Jungwirth im Auftrag der Stadt Kleve das neuerdings „Quartier“ genannte Stadtviertel westlich der Hoffmannallee untersucht. Das machten dann wohl die Studenten, mit einem Resultat, dessen in der Zeitung vorgestellte quantitative Aussagekraft sich in engen Grenzen hält. Offenbar wurden „alle 2719 Haushalte“ in der Oberstadt angeschrieben. 182 schrieben per Briefpost zurück, 26 nahmen an einer Online-Befragung teil, und weitere 75 im direkten Gespräch. Ergibt in Summe 283 Haushalte, also gerade einmal zehn Prozent.

Nicht klar wird, das kann allerdings ein Mangel des Berichts und nicht der Untersuchung sein, inwieweit die Erstansprache in deutscher Sprache erfolgte, was schon zum Ausschluss eines Großteils der Einwohner hätte geführt haben können. Jedenfalls lässt die Erkenntnis, dass die durchschnittliche Wohndauer in diesem „Quartier“ auf Basis der 283 Antworten 16 Jahre beträgt, leise Zweifel aufkeimen.

Gleiches gilt für den nächsten Absatz, in dem konstatiert wird, dass in dem ehemaligen Arbeiterviertel 35 % der Bewohner (der antwortenden Bewohner?) einen Migrationshintergrund haben und 8 % (acht Prozentpunkte der 35 %?, der antwortenden Bewohner?) keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.

Derlei Feinheiten sind aber auch im Grunde wurscht, wenn als Ergebnis zusammengefasst das folgende berichtet wird: „Ein Quartiersmanagement, besserer ÖPNV, mehr Radwege und vielleicht Carsharing, Treffpunkte für Jugendliche und ältere Menschen […], sozialer Wohnungsbau […]“ seien Maßnahmen, die sich die Bewohner wünschten. Plus mehr Parkplätze. Mit anderen Worten: Wenn ein Stadtviertel lebenswerter gemacht wird, wird es lebenswerter gemacht. E=mc²!

Für derlei Erkenntnisse hatte sich die Wissenschaftlerin, die es wohl nicht bis nach Kleve geschafft hatte, aus Berlin per Videokonferenz zuschalten lassen. Auch ein Statement.

Wo Sie gerade bis hier gelesen haben:


Post schließt Filiale in Materborn, WIM besorgt

rd | 10. Juni 2020, 16:01 | 13 Kommentare
Post geschlossen: Improvisierte Mitteilung an die Kundschaft (Foto: Urx)

„Ich habe gestern eine Stunde auf dem Parkplatz gestanden und mit Kunden gesprochen, ich kam gar nicht mehr weg“, sagt Norbert Leenders. Doch der Schuhmacher, der in den ehemaligen Räumen des Werkzeughändlers van Beusekom mit drei weiteren Geschäftsleuten als „Wir in Materborn“ (WIM) eine Art Miniaturgeschäftszentrum betreibt, war genauso perplex wie die Menschen, die Briefe aufgeben oder Paketsendungen abholen wollten. Es müsse wohl Diskrepanzen gegeben haben, mehr weiß er nicht. Klar ist: Diese Diskrepanzen eskalierten zu Beginn der Woche wohl derart, dass die Post sich dazu entschloss, die Filiale sofort zu schließen. Gestern vormittag kam ein Postkommando, demontierte die Einrichtung und räumte Inventar und noch abzuholende Pakete ein (die werden nun erneut zugestellt). Für die anderen Geschäftsleute von WIM, neben Leenders noch ein CD-Händler sowie Bürobedarfshändler Menges, hängt damit aber das gesamte Konzept an einem seidenen Faden. Denn die Post mit ihrem regen Publikumsverkehr lieferte auch den anderen Händlern einen steten Strom an Interessenten. Die fallen nun weg, die Tür zu dem Geschäftslokal ist derzeit sogar abgeschlossen, weil fast alle Kunden zur Post kommen – und dann Leenders & Co. den Verdruss über die geschlossene Filiale abbekommen. Logisch, dass sie wie auch die Bürger in Materborn gerne wieder eine Postfiliale in den Geschäftsräumen sähen. Doch gegenüber dem Vermieter van Beusekom ließ der Post-Pächter Francisco Javier de la Cruz-Hernandez durchblicken, dass er den Platz benutzen werden, um dort ein anderes Geschäft zu betreiben. Welches, das stehe noch nicht fest. Dann aber wäre kein Platz für die Post mehr da. Die anderen WIM-Mitglieder sind auch nur Untermieter bei de la Cruz-Hernandez, auch dieses Konstrukt steht also derzeit auf etwas unsicheren Beinen. Die Frage ist auch, wie schnell sich einer neuer Filialbetreiber finden würden. Dem Vernehmen nach müssen die Händler eine Sicherheit im fünfstelligen Bereich hinterlegen, um Postdienste anbieten zu dürfen. Die hat auch nicht jeder gerade zur Hand.

WIM gibt es in Materborn seit 2015. Zuerst hatte der Buchhändler Guido Burmann die Postfiliale mit betrieben. Seit Anfang des Jahres bot de la Cruz-Hernandez die Dienste an, die gerne angenommen wurden und in den vergangenen Monaten infolge von Corona sogar einen ungeahnten Boom erlebten.


Aus der Abteilung Komplett-Hinters-Licht-Führung der Öffentlichkeit: „Silberstreif für Airport“ (RP)

rd | 10. Juni 2020, 11:51 | 31 Kommentare
Dreiste Irreführung des Lesers: Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers. Was aber ist zu tun? Die RP sollte die Kolumne sofort einstellen (Verlust jeglicher Glaubwürdigkeit). Der Landrat sollte seinen Wirtschaftsförderer umgehend feuern (entweder kann er nicht sinnentnehmend lesen, oder er hat nur ein begrenztes Verständnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen (auch dann ist er für das Amt (!) ungeeignet)

(Aktualisiert) Der Flughafen Weeze ist in Turbulenzen, um es milde auszudrücken, aber der Club der Freunde wird nicht müde zu erklären, wie sinnvoll es ist, das Investment weiter zu bezuschussen. Sechs Millionen Euro stehen aktuell zur Debatte.

Insofern wundert es nicht, dass in der Rheinischen Post in der Kolumne „Nur mal so“, die vom Wirtschaftsförderer des Kreises Kleve, Hans-Josef Kuypers, mit Plattitüden gefüllt wird (bei der aktuellen Kolumne ist in der Online-Version die Autorenschaft allerdings nicht ersichtlich), der Flughafen ebenfalls zum Thema wird.

Schon die Überschrift lässt aufhorchen: „Silberstreif für Airport“. Da ist der Leser natürlich gespannt, und er erfährt im Folgenden, dass sogar „ der als kritisch bekannte Bund der Steuerzahler den Flughafen Weeze als ,tendenziell gewinnträchtig‘ [sieht]“. Man staunt.

Der Flughafen sei ein Standortfaktor, der sich in jeder Hochglanzbroschüre gut mache. Man wundert sich. Wedelt hier nicht der Schwanz mit dem Hund? Ist der Flughafen eine Requisite für Hochglanzbroschüren?

Dann kommt der Autor zu besagtem Silberstreif, der sich aus einer Studie des Verbandes ergebe. Er schreibt, etwas schwurbelig, aber das tut dem Thema ja auch gut: „Dieses Papier muss sich gefallen lassen, dass es den Niederrheiner trotz mancher Ernüchterung auch nachdenklich macht, Bestärkung liefert, Hoffnung streut: Unter allen untersuchten Regionalflughäfen, so der Bund der Steuerzahler, schreiben danach nur zwei Standorte in der Republik schwarze Zahlen.“ Memmingen und Weeze. Es folgt das bemerkenswerte Zitat zu den Gewinnaussichten des Airports: „Lediglich die Flughäfen Weeze und Memmingen, bei denen von Beginn an private Investoren engagiert waren, sind tendenziell gewinnträchtig.“ Autor der Studie, so erfährt der Leser am Ende, sei Matthias Warneke, der „von Haus aus Volkswirtschaftler [ist] und das Deutsche Steuerzahlerinstitut des Bundes der Steuerzahler mit Sitz in Berlin [leitet]“.

In dem Beitrag heißt es sogar, dass die besagte Studie in Kenntnis der Corona-Situation im März veröffentlicht worden sei. Wie gesagt, man wundert sich. Der Bund der Steuerzahler ist ja tendenziell eine Organisation, die sich gegen das sinnlose Verbraten von Steuergeldern ausspricht. Also machte sich kleveblog die Mühe und recherchierte mal ein wenig.

Schnell findet man heraus, dass Matthias Warneke das Deutsche Steuerzahlerinstitut nicht leitet. Das Institut hat einen Präsidenten, der heißt Rainer Holznagel. Matthias Warneke ist der wissenschaftliche Leiter. Dem Präsidenten haben wir also gestern Abend ein paar Fragen geschickt: „Gerne würde ich wissen, aufgrund welcher Kriterien es zu dieser positiven Bewertung kam, ob die näheren Umstände wie der Ende des Jahres gewährte Betriebskostenzuschuss dem Autor bekannt waren und ob der Autor seine Einschätzung aufrecht erhält.“

Heute morgen antwortete dann der Autor persönlich: „Herr Holznagel bat mich, Ihnen als Autor der Bestandsaufnahme zu antworten. Das zugrundeliegende Papier übersende ich Ihnen anbei. Wie Sie darin sehen, bezieht es sich auf das Jahr 2018, also auf die jüngsten verfügbaren Jahresabschlüsse und damit auf seinerzeitige Jahresergebnisse und öffentliche Zuschüsse. Es liegt auf der Hand, dass es 2019 Veränderungen bei einzelnen Flughäfen gab; von 2020 ganz zu schweigen. Der Passagierrückgang in Weeze ist ja kein Geheimnis. In der Gesamtschau bestätigen die 2018er Zahlen aber den defizitären Trend der Vorjahre.“

Jahr 2018?! Bestätigung des defizitären Trends der Vorjahre?!

kleveblog meint: Dieses Papier entgegen der Einschätzung des Autors für eine plumpe Stimmungsmache zu nutzen, dazu gehört schon eine gewisse Unverfrorenheit. Aber was veranlasst eine angesehene Zeitung, diesen Propagandamüll offenbar ohne weitere Kontrolle ins Blatt zu heben?


Die Sonntagskurve am Montag

rd | 08. Juni 2020, 17:44 | 8 Kommentare
33 neue labordiagnostisch bestätigte Infektionen am Sonntag

742 Indexfälle meldete der Kreis am Sonntag (9 Neuinfektionen, davon 5 Zeitarbeiter), heute um 14:29 Uhr waren es dann 743 Personen.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Corona aktuell: 14 neue Fälle, wieder allesamt Leiharbeiter, jetzt 367 Personen in Quarantäne

rd | 04. Juni 2020, 15:09 | 5 Kommentare
Reproduktionsfreudiger Geselle

Man möchte, dass das Thema einfach vorbei ist, irgendwie vorbei, aber diesen Gefallen tut uns das Coronavirus nicht. Soeben meldet der Kreis Kleve 14 neue Fälle. Es handelt sich um den dritten zweistelligen Tagesanstieg in den vergangenen zehn Tagen, und erneut stammen alle neuen klinisch bestätigten Fälle aus dem Bereich der Leiharbeiter, deren kostengünstige Unterbringung in (zu) eng belegten Sammelunterkünften die Ausbreitung des Virus begünstigt. Dass Sammelunterkünfte betroffen sind, zeigt auch die Zahl der in Quarantäne befindlichen Personen. Sie schnellte auf 367 Personen hoch (plus 78). Der Wert liegt eher beim Spitzenwert als bei dem niedrigsten, der Ende Mai erreicht worden war. Immerhin liegt die so genannte Inzidenz bei (nur) 13,5 und somit noch weit vom Grenzwert (50) entfernt, ab dem die Einschränkungen wieder verschärft werden sollen.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Woher stammt eigentlich die Zahl 1000 in Zusammenhang mit Arbeitsplätzen am Flughafen Weeze? Vom Flughafen selbst, sagt der Kreis. Aha.

rd | 04. Juni 2020, 12:48 | 33 Kommentare
Vertrauensseliger Umgang mit Zahlen: Landrat Wolfgang Spreen (Foto: Kreis Kleve)

Gestern verschickte der Kreis Kleve eine Pressemitteilung, die überschrieben war mit den Worten: „Landrat wirbt für Erhalt von 1.000 Arbeitsplätzen am Flughafen Weeze“ (vollständiger Text am Ende des Artikels). Und da war sie wieder, die Zahl 1000, die mantraartig ins Feld geführt wird, um Zuwendungen an den Flughafen zu rechtfertigen, zuletzt beispielsweise im Brief der Niederrheinischen IHK an den Landrat, oder vor einigen Monaten in der Haushaltsrede der Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion, Ulrike Ulrich. Der Umgang mit solchen Zahlen sollte zumindest eine Kontrolle wert sein, denkt man. Also fragte kleveblog den Kreis, was er zu tausend Arbeitsplätzen am Airport weiß, wenn schon für deren Erhalt geworben wird.

Hier die Liste der Fragen:

  1. Was ist die Quelle für diese Zahl?
  2. Viele der Jobs am Flughafen sind (mangels Geschäftszeiten auch zu normalen Betriebszeiten) nur in Teilzeitarbeitsstellen, z. B. Servicekräfte in der Gastronomie etc. Wie fällt die Umrechnung in Vollzeitäquivalente (FTEs)? aus?
  3. Laut Geschäftsbericht beschäftigt der Flughafen 90 Mitarbeiter. Wie verteilen sich die anderen 910 Jobs (auf welche Unternehmen, auf welche Branchen)?
  4. Wie fließen das Unternehmen Parookaville bzw. das Festival – welche ja mit dem Flugbetrieb nichts zu tun haben – in diese Rechnung ein?
  5. Wie fließen die auf dem Gelände des Flughafens untergebrachten Zeitarbeiter – welche ja nichts mit dem Flughafen zu tun haben – in diese Rechnung ein?
  6. Wie viele der 1000 Jobs – unterstellt, die Zahl ist zutreffend – werden gefördert (z. B. durch die Agentur für Arbeit), sodass sich im Grunde eine doppelte Förderung ergibt?

Und hier die Antwort des Kreises:

„Zu Ihrer Anfrage kann der Kreis Kleve Ihnen Folgendes mitteilen: Die Angaben zur Anzahl der Arbeitsplätze am Flughafen Weeze stammen von der Flughafen Niederrhein GmbH. Die von Ihnen erbetenen detaillierten Angaben zu verschiedenen Teilbereichen rund um den Flughafen liegen in originärer Zuständigkeit der Flughafen Niederrhein GmbH. Ich bitte Sie daher, weitere Informationen zu den von Ihnen angesprochenen Themenfeldern dort einzuholen.“

kleveblog meint: Da sagt jemand 1000, und dann wird das ohne weitere Prüfung nachgeplappert? Vom Landrat??

Hier der vollständige Text der Pressemitteilung:

Die Corona-Pandemie wirkt sich auf zahlreiche Lebens- und Wirtschaftsbereiche aus. Davon ist auch der Flughafen Weeze mit seinen rd. 1.000 Arbeitsplätzen nicht verschont geblieben. Durch das völlige Ruhen des Flugbetriebs ist der Airport in eine wirtschaftliche Notlage geraten. Aufgrund der zum Teil öffentlich geführten Diskussion um die Unterstützung der Flughafen Niederrhein GmbH appelliert Landrat Wolfgang Spreen eindringlich an alle Beteiligten, konstruktiv an dem Erhalt des Flughafens und damit an dem Erhalt der vielen Arbeitsplätze, die mit dem Flughafen verbunden sind, mitzuwirken.

Spreen: „Der Flughafen mit seinen unterschiedlichen Geschäftsfeldern hat sich über viele Jahre hinweg finanziell selbst tragen können. Auch das vergangene Wirtschaftsjahr konnte mit einem positiven Jahresergebnis abgeschlossen werden. Es wäre fatal, wenn dieses Unternehmen mit seinen vielen Arbeitsplätzen der Corona-Pandemie zum Opfer fallen würde. Die aktuellen Sorgen und Nöte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, wie es in dieser schwierigen Zeit mit Ihnen weitergeht, kann ich absolut nachvollziehen. Ich hoffe sehr, dass diese Sorgen und Nöte auch von anderen Beteiligten wahrgenommen werden.“

Deswegen stellt Landrat Wolfgang Spreen auch noch einmal klar heraus, dass eine notwendige Unterstützung des Flughafens die Haushalte des Kreises Kleve und der Gemeinde Weeze nur unwesentlich belasten würde.

Angesichts der derzeit historisch günstigen Kreditkonditionen ist von einem jährlichen Zinsaufwand von höchstens 30.000 €, der zur Finanzierung des auf den Kreis Kleve entfallenden Betrages von 3,12 Mio. € anfallen dürfte, auszugehen. Für die Gemeinde Weeze mit einem Anteil von 2,88 Mio. € an dem Rettungsschirm wird der Betrag noch ein wenig geringer ausfallen. Im Übrigen stellen die für die Erhöhung der stillen Beteiligung aufzubringenden 6 Mio. € bilanztechnisch lediglich einen Aktivtausch dar und gehen nicht mit dem Verbrauch von Eigenkapital einher.

Wolfgang Spreen abschließend: „Dieser vergleichsweise geringe Aufwand sollte es uns wert sein: Nämlich die Rettung zahlreicher Arbeitsplätze und damit die Existenz vieler Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mit ihren Familien.“


Ist das der Bürgerwille? Vier „Musketiere“ präsentieren neuen Plan für den Minoritenplatz

rd | 03. Juni 2020, 13:59 | 105 Kommentare

Großzügige Anlage, kein Hutzelkram: Blick von Norden auf den Minoritenplatz
Repräsentativer Eingang zur Stadt. Gut zu erkennen sind die beiden Sichtachsen an der Rückseite der Volksbank auf den Netelenhorst und zwischen Deutscher Bank und dem neuen Gebäude Richtung Kavarinerstraße
Blick aus dem Ratssaal: Oben Podrecca, unten aktueller Bebauungsplan
Die roten Linien zeigen die Baufelder, die der aktuelle Bebauungsplan vorsieht
Vision für die Stadt: Heinz Sack, Peter Wack, Lukas Verlage, Hans Hussmann

Der durchschnittliche Klever Journalist verbringt ein Gutteil seiner Laufbahn damit, Pressekonferenzen beizuwohnen, in denen die Neugestaltung des Minoritenplatzes – nun aber wirklich – angestoßen wird. Das Areal in unmittelbarer Nähe des Rathauses ist seit Jahrhunderten ein Parkplatz, und es ist anzunehmen, dass es auch dann noch ein Parkplatz sein wird, wenn Automobile längst auf dem Schrottplatz der Geschichte gelandet sein werden. Der Verfasser selbst wurde Mitte der achtziger Jahre als Mitarbeiter der Rheinischen Post vom damaligen Lokalchef Alois Puyn in den Blauen Salon der Stadthalle beordert, wo sich die CDU der „endgültigen Gestaltung“ der Freifläche widmete, natürlich mit dem gleichen nihilistischen Ergebnis, das im Grunde an die Vergeblichkeit menschlichen Strebens überhaupt gemahnt.

Insofern kann es gar nicht verdienstvoll genug eingeschätzt werden, dass nun, mehr als ein Jahr nach der Verabschiedung des Bebauungsplans für den Minoritenplatz im Klever Rat, eine Gruppe von Klever Bürgern aus der Deckung kommt und einen neuen Entwurf vorlegt. Und so traten, mit dem ziemlichen Abstand, am späten Vormittag Lukas Verlage (Geschäftsführer der Firma Colt), Heinz Sack (Geschäftsführer der Firma Tel-inform), Peter Wack (Förderverein Campus Cleve) und Hans Hussmann (Hussmann Elektrotechnik) vor die Presse. Verlage bezeichnete das Quartett als die „vier Musketiere“, hinter denen noch eine ganze Reihe weiterer Bürger der Stadt stünden.

So gesehen, kann das, was sie vorstellten, vielleicht tatsächlich als Bürgerwille bezeichnet werden, und, wenig überraschend, sieht der einmal mehr ganz anders aus als das, was in den Amtszimmern des Klever Rathauses ersonnen wurde. Ein ähnliches Beispiel wurde kürzlich hier auf kleveblog vorgestellt, es ging um die Bürgerbeteiligung bei der Gestaltung des Mehrgenerationenplatz am Backermatt, wo die Anregungen aus Workshops souverän von der Verwaltung in die Tonne gekloppt wurden.

Die Gruppe, die sich mit den Minoritenplatz beschäftigte, hatte auf jeden Fall schon einmal eine Idee, die – soweit der Verfasser in der Lage ist, das zu überblicken, also für ca. 50 Jahre – noch keiner hatte. Die Initiative ließ sich von dem Gedanken leiten, als erstes einen Platz zu setzen und dann die Gebäude dazu zu denken. Bisher war es eher so, dass größere oder kleinere Immobilien auf das Areal gewürfelt wurden und anschließend die Baulücken als „Platz“ bezeichnet wurden.

Dann hatte die Gruppe eine zweite Idee, die in Kleve ebenfalls nicht selbstverständlich ist. Sie traute sich, jemanden zu fragen, der etwas von der Sache versteht. In diesem Fall war es der Wiener Architekt Boris Podrecca, der im vergangenen Jahr auf Einladung der Initiative DenkPause einen Vortrag über Platzgestaltung gehalten und dabei offenbar ein paar Augen geöffnet hatte. Lukas Verlage wiederum hatte über Bauprojekte auch beruflichen Kontakt mit dem Mann aus der lebenswertesten Stadt der Welt.

Der bemerkenswerte Vortrag und die ohnehin existierende Verbindung führten dazu, dass die Bürger-Initiative Podrecca beauftragte, sich mit dem Minoritenplatz zu beschäftigen. „Viel“ habe die Gruppe investiert, so Heinz Sack, doch es gehe darum, „Schlimmeres zu verhindern“ (Peter Wack).

Immerhin sieht die Gruppe das Areal als das Zentrum der sich Richtung Ebene entwickelnden Stadt, die durch die Hochschule sowie durch die Wohnbebauung des ehemaligen Union-Geländes eine Verschiebung des Schwerpunktes erfährt. „Wir haben die fantastische Möglichkeit, in Kleve einen zentralen Platz zu schaffen“, so Lukas Verlage.

Wie aber sieht der Entwurf von Boris Podrecca aus? Der Österreicher beschäftigte sich ein wenig mit der Klever Geschichte und stieß auf das Wort Sichtachsen, die seit Johann Moritz von Nassau-Siegen eine Rolle spielen, seit Woolworth allerdings in Vergessenheit geraten sind. Podrecca schuf also erst einmal einen 3000 Quadratmeter großen Platz und entwickelte dann zwei Sichtachsen, die eine quasi in der Verlängerung der Herzogbrücke in Richtung Westen (bis zur Kavarinerstraße), die andere parallel zum Spoykanal an der Rückseite der Volksbank vorbei.

Die Animationen zeigen die Großzügigkeit dieses Entwurfes auf. Übrig blieb noch der Platz für ein Gebäude (Grundfläche 2000 Quadratmeter), welches mit seiner nach Westen gerichteten Spitze in den Obergeschossen ein Stück weit in den Platz hineinragt. Das Gebäude selbst soll belebt werden (also nicht als Bank oder für die Verwaltung genutzt werden), stattdessen sind denkbar Volkshochschule, Stadtbücherei, Gastronomie und auch Veranstaltungsort für kleinere Events.

„Es wäre möglich, dieses Gebäude über eine sehr lange Zeit zu bespielen“, sagt Hans Hussmann. Mehr Einzelhandelsfläche soll auf keinen Fall in die Stadt geholt werden. Verlage verwies auf gelungene Platzgestaltungen in anderen Städten dieser Welt und sagte: „Wir wollen Vorreiter sein in Kleve. Sydney, Kopenhagen, Kleve – können Sie sich das vorstellen?“

Das verblüffende an den neuen Entwurf ist der Umstand, dass einem tatsächlich zunächst einmal kein Kritikpunkt einfällt. Kein sinnfreies Geraune von „kleinteiliger Bebauung“, kein resigniertes „Irgendwas muss ja dahin“, sondern einfach mal ein vom Platz her gedachter Entwurf. Gut, dass die Gruppe sich das getraut hat.

Aber was sagt die Politik? Was die Verwaltung? Peter Wack zitierte die Antwort der Bürgermeisterin: „Och, das finde ich gut. Da bekomme ich endlich mein Medienzentrum.“ Auch aus allen Fraktionen habe man bei der Vorstellung des Planes positive Reaktionen erhalten. „Wir haben nirgendwo Widerstand gespürt“, berichtet Wack. Verlage ergänzt: „Wir wollten einen Anstoß geben, bevor der Zug abgefahren ist.“ Nun seien Politik und Verwaltung gefordert.

PS. Auch der neue Entwurf geht davon aus, dass sich eine Tiefgarage unter dem Minoritenplatz-Areal nicht rechnet und damit die Tiefgarage unter dem Rathaus weiterhin nicht genutzt werden kann (sie hat keine Zufahrt). Doch die Gruppe regte an, dort eine Fahrrad-Tiefgarage (wie es sie in jeder größeren niederländischen Stadt gibt) unterzubringen. Ebenfalls eine gute Idee.

Info Boris Podrecca


Das 1986 gegründete Wiener Studio mit Außenstellen in Venedig und Stuttgart befasst sich mit der Integration von Stadtgestaltung und Architektur unter besonderer Berücksichtigung der Systematisierung der gesamten städtischen Kontextualität, der Verbindung von Architektur und Landschaft sowie der Formulierung von Typologie und Materialität. Dank der sogenannen „Poetik der Unterschiede“, einer dialogischen Strategie von alt und neu, die auf den ökologischen und kulturellen Unterschieden der verschiedenen Standorte basiert, realisierte das Studio in acht europäischen Ländern eine Vielzahl von Gebäuden für Unternehmen, Wohnen, Produktion, Tourismus und Kultur sowie zahlreiche öffentliche Räume. Zu den wichtigsten Werken gehören in Wien der 202 m hohe Millennium Tower, Institutsgebäude des Vienna BioCenters und zuletzt der Umbau des DomMuseums sowie das Businesscenter Austria Campus; in Italien der Umbau des Museums für Moderne Kunst Ca ‘Pesaro in Venedig, die Kirche und Pfarrzentrum Pentecoste in Mailand sowie die Metrostation San Pasquale in Neapal; in Slowenien die Medizinische Fakultät in Maribor, in Kroatien Hotelresorts in Dubrovnik und Zadar sowie in Frankreich das Porzellanmuseum in Limoges. Über 30 Gestaltungen an öffentlichen Räumen, unter anderem in Wien, Salzburg, Klagenfurt, Stuttgart, Piran, Split, Triest, Ravenna und Verona. Ein weiteres Tätigkeitsfeld ist die Gestaltung von Ausstellungen wie über Joze Plecnik im Centre Pompidou in Paris, Friedrich Kiesler in New York und die Strauss Epoque in Peking und Hongkong.


Stabwechsel bei der NABU-Naturschutzstation Niederrhein: Dietrich Cerff folgt auf Dr. Volkhard Wille

rd | 02. Juni 2020, 19:06 | 3 Kommentare
Dietrich Cerff (links) tritt die Nachfolge von Dr. Volkhard Wille an
Abständig verabschiedet: Dr. Volkard Wille

Die NABU-Naturschutzstation Niederrhein wird ab 1. Juli von einem hauptamtlichen Vorstand geleitet. Neuer Vorsitzender wird der aktuelle Geschäftsführer Dietrich Cerff. Volkhard Wille, der den Verein seit 26 Jahren ehrenamtlich führt, wird dem neuen Aufsichtsrat vorsitzen. Das ist das Ergebnis der Wahl durch die Mitgliederversammlung am vergangenen Freitag.

Dietrich Cerff ist seit 17 Jahren bei der Naturschutzstation angestellt und seit 2015 Geschäftsführer. Von Hause aus ist er Botaniker, seine thematischen Schwerpunkte sind grenzüberschreitender Naturschutz und Wald. Darüber hinaus deckt er breites Themenspektrum im Naturschutz ab, ist im besten Sinne des Wortes Generalist. Als stellvertretende Vorsitzende wählten die Mitglieder Klaus Markgraf-Maué und Susanne Klostermann, die beide seit 24 beziehungsweise 20 Jahren in der Naturschutzstation beschäftigt sind. Markgraf-Maué ist Experte für das Thema Fluss und Aue, Klostermann für das Thema Wiesenvögel.

„Ich bedanke mich für das Vertrauen und freue mich darauf, gemeinsam mit Susanne Klostermann und Klaus Markgraf-Maué sowie unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die verschiedenen Aufgaben weiterhin bestmöglich im Sinne von Artenschutz und Artenvielfalt hier am Niederrhein zu erfüllen“, sagt Dietrich Cerff. Er baue weiterhin auf die Unterstützung aller Mitglieder, ehrenamtlich Tätigen sowie weiteren Mitstreitern und Partnern und bedanke sich herzlich für deren wertvolles Engagement. „Wir erleben momentan besondere Zeiten, in denen die Natur eine immer größere Wertschätzung erfährt, vor und während der Coronakrise“, sagt Cerff. Er hoffe sehr, dass Politik und Gesellschaft trotz zusätzlicher Belastungen daran denken und entsprechend handeln.

Als Vorsitzenden des neuen Aufsichtsrates wählte die Versammlung den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Dr. Volkhard Wille. Stellvertreter werden Andreas Jünemann und Christian Chwallek. Außerdem wählten die Mitglieder als Beisitzer Adalbert Niemers, Stefan R. Sudmann und Dr. Dieter Lütticken.

Dr. Volkhard Wille sagt: „Wir freuen uns, dass wir die NABU-Naturschutzstation Niederrhein Ende 2019 nicht nur mit dem Umzug nach Rindern, sondern auch mit einer Satzungsänderung so aufstellen konnten, dass die wichtige Arbeit für den Naturschutz im Nordkreis Kleve auch künftig professionell und mit großem Engagement von uns geleistet werden kann.“ Die neue Satzung – von der Mitgliederversammlung im Dezember 2019 beschlossen – sieht vor, dass der Vorstand nunmehr hauptamtlich sein kann. Dazu wurde ein ehrenamtlicher Aufsichtsrat installiert. Um den Verein fit für die Zukunft zu machen, hatte die letzte Mitgliederversammlung eine entsprechende Satzungsänderung verabschiedet.

Neuem Vorstand und Aufsichtsrat ist wichtig, dass es bei der Ausrichtung der Station Kontinuität gibt. Die wichtigste Grundlage ihrer Arbeit ist die Verwurzelung in der Gesellschaft durch den Verein sowie weitere Ehrenamtliche und durch den Austausch mit allen wichtigen Interessensgruppen. Das zentrale Ziel der Station ist und bleibt die naturverträgliche Landnutzung – egal ob das die Landwirtschaft oder das Thema Fluss und Auen oder den Wald betrifft. Um die Wichtigkeit des Naturschutzes allen klar zu machen, ist die NABU-Naturschutzstation Niederrhein in der Umweltbildung – sowohl für Kinder als auch für Erwachsene – und in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv.


Seerosen aus KaLi, Mohnblumen aus Kellen, Gerstengrannen unbekannter Provenienz

rd | 01. Juni 2020, 18:33 | 2 Kommentare
It’s a strange world: Seerosen in Kamp-Lintfort (Landesgartenschau) (Foto: Joachim Schäfer)
Mohnblumen in einem Gerstenfeld: Könnte von Monet sein, ist aber auch von: Joachim Schäfer

Schon im Sachkundeunterricht der Grundschule lernte man die Getreidesorten zu unterscheiden: Die Gerste hatte die längsten Grannen, was sich übrigens vom althochdeutschen grana (Barthaar) ableitet, falls es jemanden interessiert. Auf Platz 2 war der Weizen, auf Platz 3 der Roggen, und der Hafer fiel ganz raus, weil der sich von anderen Getreidearten in der Form des Fruchtstandes unterscheidet, der als Rispe und nicht als Ähre ausgebildet ist. Das zeigt, dass er in der Systematik weit entfernt von anderen Getreidearten steht. (Foto: Joachim Schäfer)

Corona aktuell: Hausbesuche in Sammelunterkünften, 4 neue Fälle, Kurve geht nach oben

rd | 01. Juni 2020, 18:25 | 1 Kommentar
Nicht gut: Deutlicher Aufwärtstrend

Aktuelles aus dem Kreishaus: „Am Pfingstwochenende wurden sowohl in Goch als auch in Emmerich am Rhein zahlreiche Leiharbeiter in Sammelunterkünften, die in der niederländischen Fleischindustrie tätig sind, auf COVID-19 getestet“, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreises. Ergebnisse lägen noch nicht vor. Die Maßnahmen seien in Abstimmung mit der Bezirksregierung Düsseldorf erfolgt. Diese Testungen werden, so Landrat Wolfgang Spreen, möglicherweise tausende Menschen betreffen. Der Landrat hatte das Land Nordrhein-Westfalen über den Krisenstab der Bezirksregierung um personelle Unterstützung für die Kontrollen dieser Sammelunterkünfte gebeten. Diese Unterstützung wurde nun durch das Land NRW gewährt.

Ursprünglich sollten zwei externe Teams für Testungen am Pfingstsonntag und am Pfingstmontag zur Verfügung stehen. Diese Testungen wurden durch das Gesundheitsamt des Kreises Kleve in kürzester Zeit vorbereitet. Schlussendlich standen die beiden Teams der Stadt Krefeld zu je drei Personen zunächst nur am Pfingstsonntag zur Verfügung. Aufgrund der bereits erfolgten Vorbereitungen übernahmen dann kurzfristig zwei mobile Probenentnahme-Teams des Kreises Kleve die Testungen am Pfingstmontag.

Am Pfingstsonntag wurden die Probenentnahmen in allen priorisierten Sammelunterkünften in Goch abgeschlossen. Hierbei handelt es sich um Unterkünfte mit Indexfällen und Sammelunterkünfte von Leiharbeitern, die in der niederländischen Fleischindustrie tätig sind. Am Pfingstmontag waren die beiden Teams des Kreises Kleve zur Testung der Leiharbeiter in Emmerich am Rhein unterwegs. „Ich danke insbesondere den beiden Helfer-Teams aus Krefeld sowie den freiwilligen Helfern aus dem Kreisgebiet vom Deutschen Roten Kreuz, vom Malteser Hilfsdienst und von der Johanniter-Unfall-Hilfe für die kurzfristige Bereitschaft, den Kreis Kleve erneut zu unterstützen“, so Landrat Spreen.

Die amtliche Corona-Statistik, die am Samstag und Sonntag ausgeblieben war, lieferte für den Montag nun eine Gesamtzahl von 709 Fällen, in den vergangenen sieben Tagen gab es (wegen der positiv getesteten Leiharbeiter (v. a.) aus Emmerich) 55 neue Fälle, also rund doppelt so viel wie in den Wochen zuvor. Die 7-Tage-Inzidenz je 100.000 Einwohner, die als Indikator für die Wiedereinführung der Einschränkungen gilt, beträgt aktuell 17,7 und ist damit glücklicherweise immer noch weit vom Grenzwert 50 entfernt.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Pf(ingstf)oto

rd | 01. Juni 2020, 13:59 | 2 Kommentare
Ein durchaus rätselhaftes Bild, bis dann der Groschen fällt… (Foto: Der Kalkarer)

Lieber Leser, die Redaktion wünscht frohe Pfingsttage und wird dir die restlichen Stunden des Festes mit einigen schönen Aufnahmen aus den Werkstätten unserer geschätzten Lichtbildner versüßen. In den kommenden Tagen nehmen wir auch die Produktion von ganzen und halben Sätzen wieder auf, und vielleicht fangen wir tatsächlich am besten an mit der als „Ordnung zur Kompensation der Folgen der Coronavirus SARS-CoV-2-Epidemie für Studium und Lehre an der Hochschule Rhein-Waal“ titulierten amtlichen Bekanntmachung 11/2020  der HSRW, über die in den Kommentaren schon einiges zu lesen ist, und die – Corona hin, Corona her – ein in der deutschen Hochschullandschaft vermutlich einmaliges Dokument ist.


Corona: 16 neue Fälle, 11 davon Leiharbeiter

rd | 29. Mai 2020, 21:09 | 2 Kommentare
Nicht kaputtzukriegen: Coronavirus

Nach 16 neuen festgestellten Infektionen ist die Zahl der insgesamt vom Coronavirus befallenen Menschen im Kreis Kleve auf 705 gestiegen – ein Zusammenhang mit den am Mittwoch bekannt gewordenen Fällen erkrankter Leiharbeiter aus Osteuropa, die in niederländischen Schlachthöfen arbeiten, liegt auf der Hand. Elf der Neuinfizierten sind laut Kreis Kleve als Zeitarbeiter erfasst. Die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen, die sich zuletzt auf etwa 30 eingependelt hatte, ist auf 58 hochgeschnellt. Die Gesamtzahl der in der Stadt Kleve festgestellten Erkrankungen mit dem Coronavirus beträgt 94.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve

Gestern vermeldete der Kreis Kleve einen deutlichen Anstieg der Sozialhilfeempfänger (heute wird von Bedarfsgemeinschaften gesprochen). Hier der Text der Pressemeldung:

Die Zahl der Menschen, die im Kreis Kleve auf SGB-II-Leistungen angewiesen sind, ist im Mai deutlich gestiegen. Wies die April-Statistik noch ein Plus von 67 SGB-II-Bedarfsgemeinschaften (BG) gegenüber dem Monat März aus, so verzeichnete das Jobcenter Kreis Kleve im Mai 264 zusätzliche BG. In den insgesamt 8.094 Bedarfsgemeinschaften leben 14.778 Menschen, davon 10.850 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Bei den verbleibenden 3.928 Sozialgeldempfängern handelt es sich in der Regel um Kinder. „Gut zwei Monate nach Beginn der Corona-Pandemie sind die Folgen auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt deutlich sichtbar“, so Landrat Wolfgang Spreen. „Wie lange und in welchem Umfang sie sich auf die SGB-II-Zahlen im Kreis Kleve auswirkt, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden.“ Die Zahlen der Vermittlung in Arbeit werden in der Statistik des Jobcenters Kreis Kleve mit einer dreimonatigen Wartezeit erfasst. Im Januar 2020 konnten 160 Personen in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit vermittelt werden. Weitere 84 Menschen arbeiten nun in einem Minijob.


Corona-Kontrollen von Sammelunterkünften: Landrat fordert von Laschet Verstärkung

rd | 29. Mai 2020, 13:34 | 14 Kommentare
Ball zurück ins Düsseldorfer Spielfeld gespielt: Landrat Spreen

Die Diskussion um die Unterbringung der Leiharbeiter hat immerhin einen erfreulichen Nebeneffekt: Endlich einmal wird das Ausmaß dieser Beschäftigungs- und Wohnverhältnisse im Kreis Kleve offenbar! In einer neuen Pressemitteilung aus dem Kreishaus heißt es, in den vergangenen zwei Wochen seien bereits 20 Objekte begangen worden. Sie stehen auf einer Liste mit insgesamt 60 Immobilien, bei denen es sich um Unterkünfte handelt, deren Besichtigung „priorisiert“ worden ist. Das wiederum heißt im Umkehrschluss: Es gibt noch weitaus mehr. Die Überprüfung der 40 noch fehlenden Unterkünfte würde hochgerechnet weitere vier Wochen dauern – und weil das möglicherweise im Gegensatz zur Dringlichkeit der Sache steht, hat Landrat Spreen jetzt das Land NRW um Unterstützung gebeten. Spreen: „Je nach Umfang der gewährten Landes-Unterstützung lässt sich der benötigte Zeitraum für die Kontrollen möglicherweise erheblich verkürzen.“

Interessanterweise muss Spreen ausgerechnet bei dem Thema, bei dem er (als Jurist) mit gutem Grund daran erinnert hat, dass auch die Arbeitskräfte aus Osteuropa Menschen mit Grundrechten sind, massive Kritik einstecken. Das Thema gilt offenbar als wahlkampftauglich, die Klever Ex-Umweltministerin Dr. Barbara Hendricks (keine Juristin, aber Historikerin) regte unlängst in einem Interview mit der Rheinischen Post die Unterbringung der betreffenden Personen in einem Zeltlager an. Vermutlich ein gut gemeinter Vorschlag (Ansteckungsrisiken minimieren), allerdings hätte ein kurzes Erinnern dem Gespräch vermutlich gut getan.

Hier als Hintergrund die vollständige Pressemitteilung aus dem Kreishaus:

Bekanntlich hatte das Gesundheitsamt des Kreises Kleve aufgrund eines entsprechenden Erlasses des MAGS (Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW) vom 13. Mai 2020 zum Thema „Überprüfung von Unterkünften von Personen, die in der niederländischen Fleischindustrie arbeiten und in NRW wohnen“ die Kommunen um Übermittlung von aussagekräftigen Informationen gebeten. In den vergangenen Tagen haben mehrere Städte und Gemeinden hinreichend konkrete Daten an den Kreis Kleve gesandt. Daraufhin fanden im Zusammenwirken mit diesen Kommunen, die zum Teil selbst Ordnungs-, Bauaufsichts- und Wohnungsaufsichtsbehörde sind, Überprüfungen der Unterkünfte in Begleitung der Unteren Gesundheitsbehörde des Kreises statt. Auch das Arbeitsschutzdezernat der Bezirksregierung Düsseldorf ist, soweit verfügbar, in diese Kontrollen mit eingebunden. „In der vergangenen und in dieser Woche haben insgesamt rund 20 Begehungen stattgefunden“, so Landrat Wolfgang Spreen. „Weitere Termine in der kommenden Woche sind abgestimmt.“ Inhalte und Ergebnisse der Kontrollen sowie angeordnete Maßnahmen des Gesundheitsamtes werden seitens des Kreises Kleve nicht öffentlich gemacht.

Angesichts der Vielzahl der gemeldeten Objekte und des damit verbundenen hohen Arbeitsaufkommens hat der Kreis Kleve die kreisangehörigen Kommunen darauf hingewiesen, dass sich die sukzessive Begehung aller Objekte mit dem verfügbaren Kreis-Personal auf die nächsten Wochen erstrecken wird. Deshalb hat Landrat Spreen mit Regierungsvizepräsident Roland Schlapka gesprochen und das Land NRW um personelle Unterstützung gebeten. Spreen: „Je nach Umfang der gewährten Landes-Unterstützung lässt sich der benötigte Zeitraum für die Kontrollen möglicherweise erheblich verkürzen“. Stand heute, 29. Mai 2020, wurden von den Kommunen rund 60 Objekte priorisiert, von denen 20 bereits kontrolliert wurden. Der Kreis Kleve erwartet, dass nach weiteren Abstimmungen mit den Kommunen zusätzliche Objekte in einer ähnlichen Größenordnung hinzukommen werden. Deshalb wurde das Land um Unterstützung gebeten. Im Übrigen geht der Kreis Kleve davon aus, dass bei einigen Objekten auch Mehrfach-Begehungen erforderlich sein werden.

Der Landrat betont ferner, dass für die Fachleute des Gesundheitsamtes ein Indexfall in einer Sammelunterkunft schon immer Vorrang hatte und hat. Spreen: „Diese Sammelunterkünfte der fleischverarbeitenden Industrie werden unverzüglich überprüft und erforderliche Maßnahmen ergriffen.“


Hochschule Rhein-Waal erforscht „Klang des Corona-Lockdowns“

rd | 29. Mai 2020, 11:20 | 12 Kommentare
So sieht der Lockdown von oben aus – aber wie klingt er?

Wie eine Blaskapelle wohl nicht, eher wie ein Staubsaugerroboter. Den veränderten Klang des Planeten während der Covid-19-Pandemie zu dokumentieren, das steckt hinter der Idee des Pandemic Silence Project. Dafür sammelt Professor Dr. Andreas von Bubnoff, Professor für Wissenschaftskommunikation an der Hochschule Rhein-Waal, Audioaufnahmen aus aller Welt. Wer sich beteiligen möchte, kann seine eigene Aufnahme einreichen.

Aufgrund der Verbreitung des Coronavirus liegt in vielen Ländern das öffentliche und auch wirtschaftliche Leben nahezu lahm oder ist stark eingeschränkt. Dass sich dabei auch der Klang unserer Wohnorte, der Natur, ja des ganzen Planeten radikal zu verändern scheint, wird kaum diskutiert. So wird es beispielsweise an vielen Orten deutlich stiller. Was aber bedeutet diese plötzliche Stille für uns? Und was können wir aus dieser Stille lernen über unseren Einfluss auf den Klang zu normalen Zeiten? Professor von Bubnoff ist davon überzeugt, dass das globale Herunterfahren der meisten menschlichen Aktivitäten während der Pandemie eine einzigartige Chance ist, solche Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen.

Einen Klang einzureichen ist einfach: Benötigt werden mindestens ungefähr eine halbe Minute Audio der „Klanglandschaft“; ein Foto des Ortes der Klangaufnahme; Ort, Datum und Uhrzeit der Aufnahme; und schließlich noch ein kurzer Kommentar dazu, was zu hören ist und was an den Geräuschen und der Lockdown-Situation ungewöhnlich ist. Eine genaue Anleitung und das Formular zum Hochladen finden sich unter https://www.riffreporter.de/anthropozaen/corona-pandemie-still-pandemic-silence/. „Was die einzureichenden Klänge angeht, sind wir so ziemlich offen für alles”, betont Professor von Bubnoff. „Nur sollte der Kontext klar sein und der Klang eine besondere Bedeutung für die Teilnehmenden haben.”


Kreis Kleve & Weeze sollen Flughafen mit 6 Millionen Euro unter die Arme greifen

rd | 28. Mai 2020, 21:22 | 27 Kommentare
Terminal in Weeze: Es ist eine Leere (Fotos © Udo Kleinendonk)

Vorlage Nr. 1281/WP 14, nichtöffentliche Sitzung des Kreistages, überschrieben: Finanzierungsangelegenheiten der Flughafen Niederrhein GmbH. Worum es geht, dürfte klar sein. Nicht klar, wie viel. Sechs Millionen! Mit sechs Millionen Euro soll der Kreis Kleve den Flughafen Niederrhein unterstützen – und, um es in eine Perspektive zu setzen, es handelt sich dabei um die 1,6-fache Summe des Betrags, mit dem der Kreis Kleve exakt 951 kleinere Unternehmen unterstützt hat. Kurz vor der Kommunalwahl im September sollen noch einmal ein paar Pflöcke eingerammt werden, um den chronisch kriselnden Flughafen, auf dem seit dem 25. März kein regulärer Flugbetrieb mehr stattfindet, über die nächsten paar Monate zu retten.

„Die Geschäftsführung der Flughafen Niederrhein GmbH (FN GmbH) [also der scheidende Geschäftsführer Ludger van Bebber – Anm. d. Red.] ist aktuell an den Kreis Kleve und die Gemeinde Weeze herangetreten und bittet um Liquiditätssicherung durch die Bereitstellung von 6 Mio. Euro“, heißt es in der Vorlage. Der Flughafen verzeichne derzeit einen Umsatzausfall von einer Million Euro pro Monat.

Im Gegensatz zum Interview mit der Rheinischen Post, in dem van Bebber im Juli wieder einen regen Flugbetrieb versprach, steht in der Sitzungsvorlage für die Kreistagsmitglieder, „dass in der diesjährigen Sommersaison in Folge der Pandemie keine Passagiere erwartet werden können“. Der Flughafen schätzt, dass – wenn der Flugbetrieb tatsächlich wieder aufgenommen werden sollte – rund 180.000 Passagiere in der Sommersaison von Weeze abfliegen oder dort ankommen. „Ob diese Entwicklung bzgl. der o.g. Annahmen nachhaltig realistisch ist, kann im derzeitigen volatilen Umfeld nicht final beurteilt werden“, heißt es in der Vorlage.

Interessanterweise traut sich der Flughafen, Voraussagen für die nächsten fünf Jahre zu machen. Demnach geht er 2021 von einem Passagieraufkommen von 80 Prozent des Wertes von 2019 aus, 2022, 2023 und 2024 sollen es dann jeweils 50.000 mehr werden, sodass es insgesamt 1,15 Millionen Passagiere wäre (80.000 weniger als 2019). Eine wichtige Einnahme für den Flughafen ist das Parookaville-Festival. Der Flughafen geht davon aus, dass diese Veranstaltung im kommenden Jahr wieder stattfindet.

Andere Finanzierungsmöglichkeiten wurden als Alternativen geprüft und verworfen – sowohl der Rettungsschirm des Bundes (KfW-Bank) wie auch die des Landes (NRW-Bank) sähen lediglich die Vergabe von Krediten vor. Die aber dürften für den Flughafen nicht zu bekommen sein, denn wie soll er das Geld zurückzahlen? Die Kredite sollen in fünf oder sechs Jahren wieder zurückgezahlt werden, das heißt, bei einer (unterstellten) Normalisierung des Flugbetriebs 2021 bleibt kaum Zeit, zusätzlich etwas zur Rückführung der Darlehen zu erwirtschaften. Der Flughafen lebt von der Hand in den Mund.

Und was macht der Gesellschafter? Ihm sei die weitere Zuführung von Mitteln nicht möglich, so die Vorlage, da er selbst von der Coronakrise wirtschaftlich betroffen sei. Allerdings sei er bereit, auf die Rückführung eines Darlehens in Höhe von vier Millionen Euro zu verzichten. Das klingt großherzig, heißt aber nichts anderes, als dass er darauf verzichtet, sich selbst das Geld zurückzuzahlen. Das bringt dem Flughafen keinen Euro mehr.

Das Geld soll dem Flughafen als Einlage in eine stille Gesellschaft zufließen. Der Kreis Kleve, so ist es vorgesehen, beteiligt sich mit 3,12 Millionen Euro daran, der Rest (2,88 Mio. Euro) soll von der Gemeinde Weeze getragen werden.

In einem Brief an Landrat Spreen, der wie ein Beweisstück der Vorlage angefügt ist, schrieben der IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Dietzfelbinger und sein Geschäftsführer Ocke Hamann an Landrat Spreen unter dem Betreff „Systemrelevanz des Airports Weeze“: „Angesichts der aktuellen Entwicklung und der Wettbewerbssituation unter den Regionalflughäfen machen wir uns Sorgen um den Erhalt der Flughafeninfrastruktur in unserer Region.“ Der Flughafen in Weeze weise eine der besten Kostenstrukturen bundesweit auf. Einmal mehr wird die Behauptung der 1000 Arbeitsplätze wiederholt. Bemerkenswert aber auch in diesem Brief ist die Betonung, wie bedeutend das Parookaville-Festival ist. Es habe „das Potenzial, wie andere europaweit bekannte Festivals z. B. in Wacken oder Roskilde imagebildend für die gesamte Region zu wirken.Was das aber mit dem Flugbetrieb zu tun hat, wird das Rätsel der beiden Herren bleiben.

***

Unterdessen ist aus Dortmunder Ratskreisen zu hören, dass der üppig dotierte Vertrag mit dem designierten Dortmunder Flughafen-Geschäftsführer Ludger van Bebber nicht auf ungeteilte Begeisterung stößt – was nicht unerheblich ist, weil der Rat der Berufung van Bebbers zustimmen muss. Was gestört habe, so vermelden Stimmen aus Dortmund, sei, dass der Manager in seinem Lebenslauf seine Beteiligungen an Firmen, die mit dem Flughafen selbst in geschäftlicher Verbindung stehen (z. B. Agello) verschwiegen hat. kleveblog-Leser wissen seit Jahren um die merkwürdigen Zusammenhänge.


Hochschule veröffentlicht Zahlen. Besser gesagt: Malen nach Zahlen

rd | 28. Mai 2020, 15:10 | 66 Kommentare
Offenbar im Spoykanal versenkt: Zahlen der Hochschule, die nicht jeder wissen soll (Foto: Klaus Oberschilp)

Im vergangenen Jahr führte kleveblog der staunenden Öffentlichkeit anhand von hochschulinternen Zahlen vor Augen, dass das Bild der schönen, heilen Hochschulwelt doch so einige Risse aufweist. Angesichts der außerordentlich hohen Abbruchzahlen war der Bericht mit den Worten „Bilanz des Scheiterns“ überschrieben. Der Ärger darüber war so groß, dass die neue Hochschulleitung um Präsident Dr. Oliver Locker-Grütjen postwendend den RP-Redakteur Matthias Grass zum Gespräch bat, in dem man ihm alternative Wahrheiten präsentierte, die dieser in einer Art von Wackeldackeljournalismus an seine Leserschaft weiterreichte („Doppelt so viele Ingenieure im Ziel“).

Dass kleveblog die Zahlen überhaupt veröffentlichen konnte, ist dem Informationsfreiheitsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen zu verdanken, das Bürgern die Möglichkeit gibt, Akten von Institutionen einzusehen (im Idealfall arbeiten die Einrichtungen ja für den Bürger, nicht dagegen). Auch für das neue Jahr hatte kleveblog einen solchen Antrag gestellt, allerdings hat sich die Leitung der Hochschule nun offenbar dazu entschlossen, diese Zahlen gleich in einem Akt der Vorwärtsverteidigung selbst herauszugeben – allerdings in einer für eine Hochschule (aka wissenschaftliche Einrichtung) bemerkenswerten Auswahl…

Die Pressemitteilung dazu liest sich zum Einstieg wie eine Ermahnung an die kleveblog-Redaktion: „Der Bericht basiert auf Daten des Controllings der Hochschule. Die Kennzahlen erfordern zum Teil detailliertes Wissen über die Methoden der Erhebung, um sachgerecht interpretiert zu werden“, heißt es im Text. Übersetzt: Bitte keine anderen Deutungen als die, die die Experten der Hochschule uns dazu geben mögen.

Der Bericht selbst ist online abrufbar (Zahlen der HSRW 2019), es handelt sich um 50 Seiten mit vielen Tabellen und bunten Grafiken. Das wirkt auf den ersten Blick ja mal sehr transparent. Doch warte, lieber Leser!

Einer der zentralen Punkte, auf denen die kleveblog-Berichterstattung des vergangenen Jahres basierte, war die so genannte „Kohortenanalyse“, bei der geschaut wurde, wie groß der Schwund im Verlauf der Semester so ist. Also: Wie viele von denen, die einen Studiengang angefangen haben, sind im nächsten Semester noch da, und so weiter. Der Schwund kann viele Gründe haben (Wechsel des Studiums, Wechsel des Studienorts, Abbruch, Tod). Die Zahlen belegten, dass mehr als die Hälfte der Studenten ihren Studiengang nicht wie vorgesehen zu Ende geführt hatten.

Gespiegelt wurde dieser Umstand in den Übersichten zu den Bachelor-Abschlussquoten, in denen die Zahlen der exmatrikulierten (also: ausgeschiedenen) Studenten mit denen in eine Beziehung gesetzt wurden, die einen Bachelorabschluss erhalten hatten. In der Problemfakultät Technologie & Bionik kamen auf 795 exmatrikulierte Studenten 172 mit einem Bachelorabschluss (22 %).

Zahlen, die es nun nicht mehr geben soll (aus dem Bericht 2018)

Insofern war die kleveblog-Redaktion bei Eingang der Pressemitteilung gespannt, wie die nun frei Haus gelieferten neuen Zahlen so aussehen. Allein: Im aktuellen Bericht fehlen sie – und zwar komplett! Das ist etwa auf dem Niveau von Turkmenistan und Tadschikistan, wo es – den offiziellen Zahlen zufolge – keine Corona-Fälle gibt.

Stattdessen meldet sich der Präsident Oliver Locker-Grütjen zu dem (offenbar immer noch) brisanten Thema zu Wort, allerdings bemerkenswerterweise, ohne eine einzige Zahl zu nennen. Im zehnten und letzten Absatz der Pressemitteilung, also zu einem Zeitpunkt, zu dem der PR-verständige Kommunikator guten Gewissens davon ausgehen kann, dass die Hälfte der Journalisten bereits eingeschlafen ist, heißt es: „Die Hochschule wird die Abschlussquote – also den Anteil eines Jahrgangs, der die Hochschule mit einem Abschlusszeugnis verlässt – weiterhin im Blick behalten. ‚Wir werden ein Bündel von Maßnahmen ergreifen, um die Quote zu erhöhen. Dabei werden wir die sogenannten Studiengangswechsler und ‑zweifler verstärkt in den Fokus nehmen‘, erklärt der Präsident.“

kleveblog meint: Willkommen in der Trump-Hochschule für alternative Realität!

Selektive Wahrnehmung: HSRW-Präsident Locker-Grütjen (2.v.r.) mit lokaler Prominenz in der Klever Sparkasse (Foto: HSRW)

Ein kleines bisschen Nichts, oder: Das Klever Mehrgenerationenplatzfiasko (Bürgerwille, na und?)

rd | 28. Mai 2020, 13:45 | 40 Kommentare
Ein bisschen Boule darf sein
Platz für ein Basketballfeld: Skizze aus dem Workshop
Bürgermeisterin Sonja Northing: „Wir wohnen in einer Stadt, das sollten wir nicht vergessen“

(Aktualisiert, jetzt mit Stellungnahme des Beigeordneten Jürgen Rauer.) Wenn man in der Mitte des sechsten Lebensjahrzehnts steht, sollte man klug genug sein, die Schuld nicht mehr bei anderen zu suchen. Man trägt einen Sack voller Erfahrungen mit sich herum, man hat Lug und Trug gesehen, man war Zeuge von großer Niedertracht und noch größerer Dummheit. Und so bleibt am Ende nur die deprimierende Feststellung: Konnte ich wirklich so naiv sein?

Vielleicht war es blanker Idealismus, vielleicht aber auch Bürgersinn, der mich Ende Oktober 2017 in die Räume der Volkshochschule getrieben hatte. Dorthin hatte die Stadt die Anwohner der Straße Backermatt und das etwas weitere Umfeld (dazu gehöre auch ich) geladen, um über einen Entwurf für die Neugestaltung eines Areals zu diskutieren, das Klevern als Skaterplatz ein Begriff ist und das nunmehr seit gefühlten zehn Jahren nicht mehr ist als eine asphaltierte Fläche. Bürgerbeteiligung nennt sich das, und, weil die Bürgermeisterin sich das auf ihre Fahnen geschrieben hatte, war sie sogar persönlich gekommen und sprach zu Beginn der Veranstaltung ein paar freundliche Worte.

Zunächst stellten die Planer ihr Konzept vor, von dem sie selbst einräumten, dass es möglicherweise ein wenig überfrachtet sei. Aber es sollte ja auch ein „Mehrgenerationenplatz“ werden, auf dem Jung und Alt einander friedlich begegnen. Wobei, das zeigte sowohl der Entwurf wie auch die sich anschließende Diskussion, der Begriff „Jung“ sehr aus der Perspektive von Menschen betrachtet wurde, die wissen, dass die Zahl der Tage, die noch vor ihnen liegt, durchaus begrenzt ist. Als Beitrag zur sportlichen Betätigung war ein Boule-Feld vorgesehen, zweifelsohne ein schöner Sport, allerdings vor allem ausgeübt von Menschen, die Konrad Adenauer noch persönlich gekannt haben.

So nutzte ich die sich an das Plenum anschließenden Workshops, den verwegenen Vorschlag zu machen, dort doch ein Basketballfeld mit einzuplanen, eingedenk der Tatsache, dass schon zu Amtszeiten Theo Brauers Jugendliche, die in der Nähe des Platzes wohnten (und die mittlerweile erwachsen sind) einen Brief mit dem gleichen Wunsch an den damaligen Bürgermeister geschrieben hatten, der immerhin nach drei oder vier Jahren mit einer nichtssagenden Replik beantwortet wurde.

Die Diskussion ergab – meiner Erinnerung nach – keine großen Einwände. Das Titschen der Bälle bereitete etwas Sorgen, die ich aber mit einem Hinweis auf moderne Bodenbeläge zu entkräften vermochte. Und dass zu viele Jugendliche den Platz bevölkern könnten, um ihrem Hobby nachzugehen, ließe sich wohl kaum als Gegenargument anführen, wenn ausdrücklich von einem Mehrgenerationenplatz die Rede ist. Als ich am frühen Abend die Veranstaltung verließ, tat ich dies in dem guten Gefühl, etwas unternommen zu haben, um unser kleines Gemeinwesen ein wenig lebenswerter zu gestalten.

Dann tat sich: nichts. Ein Jahr lang: nichts. Zwei Jahre lang: nichts. Im vergangenen Jahr kam der Kampfmittelräumdienst. Er fand: nichts. Weitere Monate gingen ins Land, in denen geschah: nichts.

Und nun, Mitte Mai 2020, rund tausend Tage nach dem Workshop, zauberte die Stadt Kleve den neuen Entwurf für den Platz aus dem Hut. Der Plan zeigt, was eine Agentur imstande ist zu imaginieren, wenn sie eine Verwaltung beeindrucken will, die wiederum von sich glaubt, den Bürgerwillen imaginieren zu können. Von dem aber, was in der Veranstaltung im Oktober vor drei Jahren angeregt wurde, setzt dieser Entwurf exakt um: nichts. Dort, wo im Rahmen der Bürgerbeteiligung mal probeweise ein Basketballfeld eingezeichnet wurde, befindet sich auch in den neuen Plänen genau das seniorengerechte Boule-Feld, das schon vorher dort war. Die erste Vorstellung des Areals fand übrigens statt in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses, dessen Mitgliedern angeraten sei, eventuell noch einmal über das erste Wort im Namen ihres Gremiums nachzudenken.

Natürlich wollte ich als Bürger vom federführenden Planer in Erfahrung bringen, wann und wo im Entscheidungsprozess für die Platzgestaltung das Basketballfeld verloren gegangen ist. Also schrieb ich eine Mail an Herrn Rauer. Hier die Antwort: „Vielen Dank für Ihre Anfrage. Im Rahmen der Diskussionen bei der Informationsveranstaltung zum Mehrgenerationenplatz Backermatt wurde bereits der Punkt der Lärmemissionen, insbesondere auch aufgrund der Nähe zur Seniorenwohnanlage angesprochen. In der vertiefenden Planung wurde die Realisierung der Möglichkeit des Basketballspiels geprüft. Aufgrund der Lärmbelastung kann dies jedoch keine Berücksichtigung finden. Bei Bedarf kann geprüft werden, ob dieses Angebot sich in der näheren Umgebung integrieren lassen kann.“

Wir halten fest: Neue Argumente werden gehört, dann aber wieder verworfen, weil sie die vorgefasste Weisheit stören. Wie gesagt: Wie konnte ich so naiv sein!

Da allerdings, wegen Corona, vermutlich in Zukunft ohnehin kein Cent mehr ausgegeben werden darf (Haushaltssperre!), wird vermutlich auch in den kommenden Jahren dort passieren: nichts.


Corona bei Leiharbeitern: Die meisten Infizierten wohnen in Emmerich

rd | 27. Mai 2020, 16:10 | 1 Kommentar
Das Virus

Von den insgesamt Corona-positiven 26 Leiharbeitern, die beim niederländischen Fleischverarbeiter VION beschäftigt sind und im Kreis Kleve leben, wohnen sechs Personen in fünf Sammelunterkünften. Diese bekamen heute Vormittag Besuch von Mitarbeitern des Kreis-Gesundheitsamtes in Begleitung von Dolmetschern und Mitarbeitern der örtlichen Ordnungsämter, die Verfolgung der Kontakte wurde eingeleitet. Bei den Hausbewohnern wurden Abstriche genommen, ebenfalls wurde eine Quarantäne angeordnet. Personen, die gestern telefonisch nicht erreicht werden konnten, sollen im Laufe des heutigen Tages persönlich aufgesucht werden. Auf die Städte des Kreises Kleve verteilen sich die 26 neu erkannten Infizierten wie folgt: Emmerich 21, Goch 1, Kalkar 1, Kevelaer 1 und Kleve 2.

Wenig überraschend machte die Zahl der Erkrankten heute einen Satz um 27 nach oben.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve

Chewgum (27.05. 21:48): Geht also....

Corona: 26 Leiharbeiter positiv getestet, kommt jetzt eine zweite Welle?

rd | 26. Mai 2020, 16:49 | 41 Kommentare
Treuer Begleiter

Um 14:04 Uhr verschickte der Kreis seine tägliche Mail mit den aktuellen Corona-Zahlen. Die Inhalte waren wie zuletzt meistens zur grundsätzlichen Beruhigung angetan: Demnach gebe es 660 bestätigte Infektionen, einer mehr als gestern, und nur 24 neue Infektionen in den vergangenen sieben Tagen. Die Meldung war vermutlich schon zum Zeitpunkt des Versands veraltet, denn exakt 108 Minuten später verschickte der Kreis Kleve eine zweite Pressemitteilung – und die berichtete von 26 weiteren Fällen, die dem Kreis nun bekannt geworden seien. Alle Betroffenen sind aus Osteuropa stammende Leiharbeiter, die im niederländischen Schlachthof VION in Groenlo arbeiten und von Wohnsitzen im Kreis Kleve aus zu ihrer Arbeitsstelle pendeln. (Der Originaltext der Meldung findet sich am Ende des Berichts.)

Das verheißt nichts Gutes, denn wer auch nur ansatzweise etwas darüber weiß, wie die Menschen von den (niederländischen) Arbeitsvermittlern in Deutschland untergebracht werden, weiß: Bessere Bedingungen kann das Coronavirus gar nicht finden! Sie leben dicht an dicht in Wohnungen, die für unsere Verhältnisse so überlegt sind, dass vielleicht ältere Mitbürger sich noch an die Zustände nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern, als in vielen Wohnungen zusätzlich Flüchtlinge untergebracht werden mussten. Aber für das billige Schnitzel wird derlei dann ja toleriert, wobei es nicht nur die Arbeitsvermittler aus den Niederlanden sind, die von dem System profitieren, sondern auch die Besitzer der Immobilien, die sie entweder auf diese Weise lukrativ vermieten oder aber teuer verkaufen können.

Staunen lässt auch, dass das Zusammenspiel zwischen deutschen und niederländischen Behörden etwa so gut zu verlaufen scheint wie das zwischen deutschen und afghanischen Ämtern, wir allerdings in einem geeinten Europa leben. Auch der übliche Sammeltransport in Kleinbussen zur Arbeit ist sicherlich eine ideale Möglichkeit, das Virus weiter zu verbreiten.

Nun soll hier aber keine Schwarzmalerei betrieben werden, nur steht zu befürchten, dass mit den nunmehr 26 neuen Fällen nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein wird. Jetzt (mit diesen neuen Informationen) werden die Mitarbeiter des Kreises in die Unterkünfte gehen und weitere Proben nehmen. Dort leben auch Menschen, die in Hotels, im Gartenbau, in der Landwirtschaft usw. arbeiten. Und natürlich sind die Bewohner abends in den Supermarkt gegangen oder am Wochenende in die (gerade wiedereröffneten) Kneipen. Das klingt nicht gut.

Die Kommunen haben die Sammelunterkünfte gezählt und kamen auf die folgenden Zahlen: Emmerich 40; Kranenburg 18; Goch 24; Kleve 51. Vermutlich aber sind es noch mehr, da anzunehmen ist, dass nicht jede Wohnung erfasst worden ist.

Probeweise ist in der Corona-Tabelle eine zusätzliche Zeile für den heutigen Tag eingefügt worden. Sie zeigt, dass die Zahl der aktuell erkrankten Menschen von 52 auf 78 gestiegen ist, die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen auf 45 und die als Richtwert herangezogene Zahl je 100.000 Einwohner auf 14,5. Das ist mehr als doppelt so viel wie auf Basis der ersten Meldung. Ab einem Wert von 50 sollen die Beschränkungen des öffentlichen Lebens wieder verschärft werden. Im Landkreis Coesfeld passierte das, nachdem dort wegen einer Infektionswelle unter den (vorwiegend osteuropäischen) Mitarbeitern des Schlachthofs Westfleisch dieser Wert überschritten wurde.

Wegen der angeblich schleppenden Behandlung des Themas steht Landrat Wolfgang Spreen seit Tagen in der Kritik, insbesondere von Bürgermeister Peter Hinze (Emmerich). Die Rheinische Post hat sich dieser Sicht angeschlossen. Spreen erwiderte auf die Vorhaltungen: „Leiharbeiter sind auch Menschen mit Grundrechten.“ Da ist ihm bedingungslos zuzustimmen, auch wenn das einige möglicherweise anders sehen (wollen). Der Fehler liegt ohnehin eher im System, das aber weitestgehend toleriert worden ist (wenn die Leiharbeiter nicht gerade in die eigene Nachbarschaft einquartiert worden sind).

Hier die Pressemitteilung im Wortlaut:

Am heutigen Mittag (26. Mai) ist dem Kreis Kleve eine Liste der Personen übermittelt worden, die in dem fleischverarbeitenden Unternehmen VION im niederländischen Groenlo arbeiten, dort auf SARS-Cov2 getestet wurden und im Kreisgebiet Kleve wohnen. Es handelt sich um 88 Mitarbeiter des Unternehmens, von denen 26 positiv getestet wurden. Die Untere Gesundheitsbehörde des Kreises Kleve hat unverzüglich mit den erforderlichen Maßnahmen begonnen

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Kleiner Hinweis

rd | 25. Mai 2020, 18:10 | keine Kommentare
Coronavirus, von van Gogh skizziert

Auch wenn derzeit nicht mehr täglich eine Meldung zum Corona-Geschehen veröffentlicht wird, die Tabelle wird weiterhin jeden Tag aktualisiert. Das heißt, wer den Link speichert, kann sie jederzeit aufrufen. Oder auf den Link in einem älteren Artikel klicken, das führt auch jeweils zu der neuen Tabelle. Aktuell vier Neuerkrankungen, 30 Fälle in den vergangenen sieben Tagen sowie 55 derzeit als erkrankt geführte Menschen.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Original & Fälschung: Das Frühstück im Grünen

rd | 25. Mai 2020, 16:27 | 16 Kommentare
Sehr entspannt: Kühe beim Nachstellen klassischer Gemälde

Der treue kleveblog-Leser Niederrheinstier wird nicht müde zu predigen, dass die in unseren Gefilden immer noch omnipräsenten Wesen der Gattung Bos taurus unterschätzt werden. Man muss aber manchmal auch genau hinschauen, um die besondere Herzensbildung der Tiere zu erkennen: An der Rheinbrücke konnte man heute zum Beispiel eine Gruppe von Rindern sehen, die sich scheinbar doof am Rhein niedergelassen hatten und ihr schwarzbuntes Fell von den noch feuchten Halmen der Uferwiese umschmeicheln ließen. Ein Sinnbild der heiteren Trägheit, möchte man auf den ersten Blick meinen. Doch der klassisch gebildete Mensch erkennt sofort: Diese Tiere liegen nicht nur einfach so da, sie stellen – nahezu perfekt – ein klassisches Gemälde nach, das berühmte Frühstück im Grünen (Le petit déjeuner sur l’herbe). Wer aber mag ihr Lehrmeister gewesen sein? Dass in den Ställen klassische Musik die Milchleistung erhöht, ist bekannt. Aber werden die Herden demnächst womöglich einmal wöchentlich durchs Museum Kurhaus getrieben? Oder durch Schloss Moyland, wo dann ein hinterlassener Kuhfladen womöglich als Kunstwerk gölte? Fragen über Fragen…

Das Original:

Als man noch nackt im Stadtpark sitzen durfte: Edouard Manets Meisterwerk (Von Édouard Manet – wartburg.edu, gemeinfrei)

Die Corona-Sonntagstafel: Es scheint sich einzupendeln, neuer Tiefstwert bei Erkrankten

rd | 24. Mai 2020, 15:23 | 10 Kommentare
27-28-28… weniger scheint’s nicht zu werden
Den Sitznachbarn mal eben in die Rippen stoßen – das geht nicht mehr: Corona-Klassenraum in der Lutherschule
Wie lange werden solche Bilder noch zum Alltag gehören?
Seit dieser Woche alles wie gehabt: Zufriedene Niederländer, campierend vor Ruinen

Drei Wochen mit jeweils knapp unter 30 Fällen im Kreisgebiet liegen nun hinter uns, und es scheint, als würde sich das Vorkommen der Seuche in diesem Bereich einpendeln – was prinzipiell keine ganz schlechte, aber auch keine ganz gute Nachricht ist. Die aktuelle Zahl besagt auch noch nicht, wie sich die Lockerungen aus das Geschehen ausgewirkt haben, das dürfte erst ab der nächsten Woche durchschlagen. Die Zahl der aktuell Erkrankten beträgt 52, ein neuer Tiefstwert. Die sogenannte Inzidenz verharrt seit zwei Wochen bei rund 10 je 100.000 Einwohner, also beispielsweise auf Kleve heruntergerechnet bedeutet dies (rein rechnerisch), dass es fünf neue Fälle in den vergangenen sieben Tagen gegeben hat. (Die tatsächliche Zahl liegt bei sieben neuen Fällen, aber auch dieser Wert ist sehr gering.)

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


… und hier der kleine Corona-Service, die neuen Zahlen (+7)

rd | 19. Mai 2020, 18:03 | 16 Kommentare

Die Zahl der Fälle ist um 7 auf 636 gestiegen. Die 7-Tage-Inzidenz je 100.000 Einwohner auf 10,2. Die Leiharbeiter, die in Kleve leben, aber in den Niederlanden arbeiten, werden ein politisches Thema – weil die im Nachbarland nach Bekanntwerden von Infektionen verordnete Quarantäne jenseits der Grenze nicht überwacht wird (werden kann?). Recherchen dazu laufen.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve

Häufig wechselnder Begleiter

Flughafen Weeze: Durchaus verwirrende Signale, was genau könnte „intensiver Flugbetrieb“ sein?

rd | 18. Mai 2020, 18:35 | 13 Kommentare
Ein Strich am Himmel – zurzeit schon viel

Während dieser Artikel verfasst wird, befinden sich im Luftraum des Niederrheins drei Kleinflugzeuge und ein Ultraleichtflieger in der Luft, keine Maschine, die den Flughafen Weeze ansteuert oder von dort abfliegt, und auch kein Jet, der in zehn oder zwölf Kilometern Höhe zwischen den Metropolen dieser Welt pendelt. Das sollte man vielleicht im Hinterkopf behalten, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass der Flughafen Weeze am frühen Nachmittag via Rheinische Post verkünden ließ, bereits ab Juli wieder mit „intensivem Flugverkehr“ zu rechnen.

Auf der Website des Flughafens stehen derweil immer noch die Nachrichten vom 24. März, dass der Flugverkehr ab dem folgenden Tag eingestellt wird. Die letzte größere Flugbewegung war wohl die außerplanmäßige Landung einer Maschine, die den Gesundheitsminister Jens Spahn vor zwei Tagen an den Niederrhein expedierte.

Was „intensiver Flugverkehr“ genau bedeuten soll, bleibt offen, aber als freundlicher Hinweis sei hier an die abendliche Netzwerkveranstaltung der Rheinischen Post im Terminal des Flughafens erinnert, welche nicht durch Fluglärm gestört wurde, da an diesem Tag mit einem (damals) normalen Betrieb die letzte Maschine am frühen Nachmittag abhob. Der damals noch avisierte Sommerflugplan sah rund 50 Starts pro Woche vor, eine durchaus bescheidene Zahl von Flugbewegungen, für die am benachbarten Flughafen in Düsseldorf nur wenige Stunden kalkuliert werden.

Noch verwirrender wird die Nachricht angesichts der ebenfalls vom heutigen Tag stammenden Mitteilung, dass die Fluggesellschaft Ryanair, bekanntlich der einzige Kunde in Weeze, einen Einbruch der Passagierzahlen um nahezu die Hälfte erwartet und über Standortschließungen nachdenkt (dabei fällt allerdings vor allem der Name Wien, Heimat von Lauda Air).

Wie all dies zu der optimistischen Prognose eines „intensiven“ Betriebs passt, das ist eine spannende Frage. Glücklicherweise wird das Publikum nicht allzu lange auf die Folter gespannt, bis zum Juli verbleiben nur noch 43 Tage. Flughafenchef Ludger van Bebber jedenfalls ist vermutlich in der glücklichen Position, die sich daran anschließenden Nachrichten nicht mehr verkünden zu müssen, da er Ende September schon seine neue Stelle als Geschäftsführer des Flughafens in Dortmund antritt.


Corona: 1. Spuck-Attacke in Kleve

rd | 18. Mai 2020, 11:49 | 16 Kommentare

So etwas hat gerade noch gefehlt! Aus dem Polizeibericht: „Auf äußerst perfide und verachtende Weise hat ein junger Mann am Samstagnachmittag, 16.05.2020, seine Abneigung gegen die Hygieneschutzvorschriften zum Ausdruck gebracht. Nach den bisherigen Erkenntnissen betrat der mit ca. 20 Jahre alt und groß beschriebene Verdächtige gegen 16.00 Uhr eine Bäckerei auf der Wiesenstraße ohne Mund-Nase-Bedeckung. Als eine Mitarbeiterin unter Hinweis auf die geltenden Regeln sich weigerte, dem Mann Brötchen zu verkaufen, bespuckte dieser zunächst sie, dann ihre Kollegin und zum Schluss noch Teile der Backwaren im Auslagenregal. Danach verließ er das Geschäft in unbekannte Richtung. Der Verdächtige trug langes schwarzes Haar, welches er zum Zopf gebunden hatte sowie einen Oberlippenbart. Bekleidet war er mit einer schwarzen Jacke, Bluejeans, roten Schuhen sowie einem orangefarbenen Schal. Zeugen, die Hinweise zur Identität des Mannes geben können, werden gebeten, sich mit der Polizei Kleve, Telefon 02821-5040, in Verbindung zu setzen.“ 

Ergänzend zur Auftragsnummer 4039912 wird das scheinbare Alter des Verdächtigen auf zwischen 20 und 40 Jahr korrigiert. Zur Größe des Mannes können keine detaillierten Angaben gemacht werden. Die Zeuginnen haben den Mann nur als relativ groß beschrieben. 


Fast schon eine kleveblog-Tradition: die Corona-Kurve zum Sonntag (leicht steigend)

rd | 17. Mai 2020, 16:48 | 5 Kommentare
28 neue Fälle in den vergangenen sieben Tagen…

… womit der Kreis Kleve bei 9,0 Fällen je 100.000 Einwohner liegt. Da erst ab 50 Fällen wieder schärfere Einschnitte drohen, kann man die Lage also noch (vorsichtig) entspannt betrachten. Die Zahl der aktuell noch als infiziert geführten Menschen im Kreis Kleve beträgt 63.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Corona: Wissen Sie noch, was Sie am 1. Mai getan haben (+ 9 Infektionen)? Trauungen wieder ohne Maske möglich, Sporthallen und Schwimmbäder bleiben vorerst dicht

rd | 15. Mai 2020, 20:56 | 1 Kommentar
Haben wir uns dran gehalten?

Die Inkubationszeit für unser kleines Virus beträgt bekanntlich ca. 14 Tage, sodass der Anstieg von neun Fällen von gestern auf heute, ein deutlicher Ausreißer nach einigen Tagen mit höchstens einer Handvoll neu erkannter Infektionen, weist also zurück auf den Anfang des Monats, als die Leute anfingen, den Lockdown nervig zu finden. Womöglich ist das die Quittung dafür, vielleicht aber auch nur ein einmaliger Ausreißer (hoffen wir’s mal). Die Zahl der Todesopfer ist bei 33 geblieben, die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen beträgt 29 (Tendenz leicht steigend, sie war schon mal auf 19 gesunken). Aktuell krank sind 70, so wenig wie seit Anfang der Pandemie im Kreis nicht mehr. Der Link zur Tabelle am Ende des Textes.

***

Unterdessen nimmt die Serie etwas merkwürdig wirkender Entscheidungen kein Ende, diesmal betrifft es beispielsweise die Sporthallen. Erst durften die Vereinssportler rein, aber ohne Kontakt. Der sollte erst ab Ende Mai wieder zum Repertoire gehören dürfen. Bis dahin ging zum Beispiel Werfen und Laufen. Nun hat die Bürgermeisterin Sonja Northing gestern mit der Heimatministerin Ina Scharrenbach telefoniert, und als Ergebnis sind die Sporthallen der Stadt Kleve erst einmal wieder geschlossen.

***

Das Freibad im Sternbusch wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch den ganzen Juni noch geschlossen bleiben müssen, entgegen der ursprünglichen Ankündigung des Landes, dass Öffnungen ab Ende Mai erlaubt sind. Allerdings fehlen noch die Handreichungen, wie die Öffnung in Zeiten von Corona umgesetzt werden soll – und deshalb bleibt das neue Bad die nächsten Wochen noch dicht.

***

Die Möglichkeit, in den vergangenen Wochen massiv home improvement zu betreiben, hat, wie nicht anders zu erwarten, dem Wertstoffhof einen beträchtlichen Andrang an Heimwerkern beschert, die Krempel und Bauschutt abliefern wollten. Der unlängst bekannt gegebene Verzicht auf Terminvergabe führte nun, bei offenbar zum Zerreißen gespannten Nerven der Kundschaft, zu Eskalationen, insbesondere, als die Bediensteten vor den Wartenden in Pause gingen. Auf Facebook kam nun der Appell, nicht auszurasten: „Leider [gibt es] immer wieder Anfeindungen gegenüber unseren dort tätigen Kollegen, die mit Hochdruck versuchen, jedem Anliegen so schnell wie möglich gerecht zu werden. Bitte bleibt geduldig, geht respektvoll miteinander um und beachtet die Verhaltensregeln.“ Die Resonanz war durchwachsen, aber die meisten Kommentatoren lobten durchaus der Einsatz der USK-Mitarbeiter.

***

Das Klever Rathaus öffnet wieder zaghaft, die Kreisverwaltung ebenfalls. Wer aber was zu erledigen hat, sollte vorher sicherheitshalber anrufen – ohne Termin geht wohl die nächste Zeit noch gar nichts. Trauungen im Trauzimmer und im Museum Kurhaus mit bis zu 14 Personen sind wieder möglich, bei der Trauung müssen keine Schutzmasken getragen werden.

***

Stadt Kleve verzichtet auch im Mai auf die Elternbeiträge für die Kindergärten.

***

10. Videobotschaft der Bürgermeistern, diesmal satte zwölf Minuten:

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve

Wo Sie gerade bis hier gelesen haben:


Razzien bei mutmaßlichen Coronabetrügern: Oma (81) als Unternehmerin geführt, für die Hilfe gleich Gold gekauft und gebunkert

rd | 15. Mai 2020, 12:40 | 23 Kommentare
Goldbarren, 200-Euro-Scheine: Sichergestellte Corona-Soforthilfen bzw. deren metallisierte Form
Umschlag hinterm Schrank: Dafür war die Corona-Soforthilfe nicht gedacht
In diesem Kran war das Gold versteckt
Ermittelt: Staatsanwältin Christina Lindner
Ermittelt: Staatsanwalt Hendrik Timmer

(Aktualisiert, mit neuem Material zu den Unternehmen und Fällen) Das schnelle Geld rief auch Betrüger auf den Plan, das zumindest vermuten neben dem gesunden Menschenverstand auch die Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Kleve und der Polizei aus Kleve und Viersen, die seit Mittwoch sieben Wohnungen und drei vermeintliche Geschäftsräume in Kleve, Kevelaer, Goch, Rees und Viersen durchsuchen.

Die insgesamt sechs Verfahren richten sich gegen sieben Beschuldigte, davon drei, die im Bereich Kosmetik tätig waren (Nagelstudios, Haarentfernung) und die nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft schon vorher in Schieflage geraten waren. Weitere Beschuldigte sind der Betreiber einer Eisdiele sowie der Geschäftsführer eines Kranverleihers, der neben der Zahlung für sein Unternehmen (15.000 Euro) auch noch seine 81 Jahre alte Mutter als Alleinunternehmerin aufgeführt hatte. Sie erhielt eine Zahlung in Höhe von 9000 Euro. Der Geschäftsführer hatte das Geld sofort in Gold investiert, welches er in einem seiner Kräne versteckt hatte. Als die Fahnder kamen, führte er sie zu dem Aufbewahrungsort. Dort fand sich das Edelmetall im Wert von rund 25.000 Euro. Andere hoben das Geld sofort ab und verwahrten es in einem Schrank oder in einem Tresor. Die Banken hatten die Fälle an die Staatsanwaltschaft gemeldet, weil sie Verdacht wegen Verstößen gegen das Geldwäschegesetz geschöpft hatten.

Gegen die sieben Personen wird nun ermittelt, weil sie im Verdacht stehen, gewerbsmäßigen Betrug begangen zu haben. Beim Ausfüllen der Soforthilfeanträge mussten die Antragsteller bestätigen, dass sie nicht zuvor schon in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesen sind. Die Verdächtigen sollen wahrheitswidrig gegenüber Behörden angegeben haben, als Gewerbetreibende durch die Corona-Pandemie Liquiditätsengpässe erlitten zu haben. Auf diese Weise sollen sie sog. Corona-Soforthilfen in Höhe von 9.000 bzw. 15.000 Euro erschlichen haben.

Bei den Beschuldigten handelt es sich um fünf Deutsche, eine Libanesin und eine Rumänin im Alter von 22 bis 81 Jahren. Die Maßnahmen, die zurzeit noch andauern, dienen auch der Auffindung von Vermögenswerten, um die aus den Straftaten erlangten Gewinne wieder zu entziehen.

Die sechs Verfahren sind die ersten, die bei der Staatsanwaltschaft in Kleve in Sachen Corona-Soforthilfe eingeleitet wurden. Mittlerweile gibt es nach Auskunft von Staatsanwalt Hendrik Timmer, der gemeinsam seiner Kollegin Christina Lindner die Ermittlungen führt, Dutzende Verfahren mit dem gleichen Hintergrund.


Corona aktuell: Wie viele Klever maskieren sich?, kein Schlachter infiziert, kein Lichterfest

rd | 13. Mai 2020, 17:28 | 12 Kommentare
Gewissenhaft bereitet sich die örtliche Gastronomie auf die Wiedereröffnung vor: Genau definierte Laufwege, Bewirtungszonen, Konversationsflächen und Intestinalpassagen machen den Besuch der Gaststätten fast schon zu einem ausbildungspflichtigen Unterfangen. Wer mehr als zwei Bier getrunken hat, findet vermutlich auch nicht mehr raus und ist für immer in einer Zeitschleife gefangen
Bekanntlich bestimmt die Nachfrage das Angebot. Aber ein Preis von 1,50 Euro, wie er am Self-Baumarkt für ein Produkt im Werte eines einstelligen Cent-Bereichs aufgerufen wird, erscheint angetan, einmal grundsätzlich über die Wirtschaftsordnung nachzudenken

Der Mund-Nase-Schutz, unser neuer Alltagsbegleiter. Man ertappt sich bei dem Gedanken, ob man so ein Teil eingepackt hat, weil sonst der Besuch der Geschäftswelt nicht mehr möglich ist. Einwegteil aus Papier oder Stoffversion mit schrillem oder mit kleinbürgerlichem Design? Man kann nur hoffen, dass das bald ein Ende hat. Pflicht ist der Schutz derzeit nur beim Betreten eines Geschäfts oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wirte und Kellner können ihre Gäste nicht mehr mit einem Lächeln begrüßen (zumindest nicht mehr mit einem sichtbaren), da sie ebenfalls zum Tragen einer Maske verpflichtet sind. Aber auch in der Klever Fußgängerzone wird der korrekt getragene Schutz mehr und mehr zum Standard: Eine Zählung, gestern für die Dauer einer Bratwurst bei Terhoeven am Kaufhof durchgeführt, ergab, dass von 73 Passanten 16 einen Mund-Nase-Schutz trugen (22%), heute (zweimal die Stadt hoch gelaufen) waren es 25 von 80 (31%).

***

Die aktuellen Zahlen aus dem Kreishaus: 4 neue Infektionen (608 insgesamt). Weiterhin 33 Todesopfer. Aktuell Erkrankte: 74. Neuinfektionen der letzten 7 Tage: 28.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve

**

Der Kreis Kleve hat aufgrund eines entsprechenden Erlasses des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW in zwei Schlachtbetrieben im Kreisgebiet Covid-19-Tests durchgeführt. Dem Kreis Kleve gegenüber hat kein Mitarbeitender die Durchführung des Tests verweigert. Es wurden insgesamt 456 anwesende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen getestet. Am heutigen Mittwoch, 13. Mai 2020, 11.30 Uhr, liegen dem Gesundheitsamt 339 Testergebnisse vor (74 Prozent der durchgeführten Tests). Alle 339 vorliegenden Ergebnisse sind negativ! Die Ergebnisse der verbleibenden 117 Testungen liegen noch nicht vor. 

**

Adieu, Forstgartenkonzerte und Lichterfest. Hier die Mitteilung der Stadt Kleve im Wortlaut: „Nunmehr hat sich die Stadt Kleve aufgrund der Ereignisse um die Corona-Pandemie dazu entschlossen, neben sämtlichen Forstgartenkonzerten auch das Lichterfest am 5. September 2020 abzusagen. Obwohl Lockerungsmaßnahmen Aufführungen im Freien zulassen, gehen diese dennoch mit strengen Hygienevorschriften und sogenannten geeigneten Maßnahmen (Gestellung von Ordnern etc.) einher, zu denen auch die Steuerung des Zutritts und die Sicherstellung eines Mindestabstandes von 1,5 Metern zwischen den Besuchern gehört. Zudem sind gemäß der Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Corona-Virus (Corona-Schutzverordnung), die seitens der Landesregierung derzeit 14tägig fortgeschrieben wird, dass auch im Freien nicht mehr als 100 Besucher pro Veranstaltung zulässig sind. Vor diesem und dem Hintergrund, dass im Vorfeld eines Konzertes durch das Kontaktverbot keine ordentlichen Proben stattfinden konnten, sowie der Beschränkung der Personenzahl auf der Bühne der Konzertmuschel, hatten bereits einige Musikvereine ihr Forstgartenkonzert im Vorfeld abgesagt. Die Stadtverwaltung Kleve bedauert die Absage der Forstgartenkonzerte sowie des Lichterfestes sehr und hofft, diese Veranstaltungen im nächsten Jahr in gewohnter Manier wieder durchführen zu können.“



Corona aktuell: 2 weitere Menschen aus Kleve (68, 69) gestorben

rd | 12. Mai 2020, 15:08 | keine Kommentare
Achtlos weggeworfen: Mund-Nase-Schutz

Der aktuelle Corona-Überblick aus der Kreisverwaltung: Insgesamt 604 bestätigte Infektionen (genau so viele wie gestern), aber gleich drei neue Todesfälle, darunter eine Frau (68 Jahre alt) und ein Mann (69) aus Kleve. Das dritte Opfer – das 33. während der Pandemie im Kreisgebiet – stammt aus Geldern und ist eine 78-jährige Frau. Insgesamt sind nun aus Kleve 80 Infektionen gemeldet. Nochmals zwei mehr als am Sonntag. (Zu den Hintergründen dieses plötzlichen Anstiegs ist der kleveblog-Redaktion derzeit nichts bekannt.) Insgesamt verharren die Zahlen auf einem relativ niedrigen Niveau, zum ersten Mal seit dem 6. April gibt es keine Neuinfektion zu vermelden. Die Zahl der Neuansteckungen innerhalb der letzten sieben Tage liegt bei 29 Personen. Genesen: 498. Im Krankenhaus: 15. In Quarantäne: 288.

Hier einmal der Überblick über alle Gemeinden des Kreises: 36 in Bedburg-Hau, 48 in Emmerich am Rhein, 85 in Geldern, 41 in Goch, 30 in Issum, 26 in Kalkar, 38 in Kerken, 54 in der Wallfahrtsstadt Kevelaer, 80 in Kleve, 10 in Kranenburg, 50 in Rees, 15 in Rheurdt, 59 in Straelen, 7 in Uedem, 11 in Wachtendonk und 14 in Weeze.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve


Abitur in den Zeiten von Corona

rd | 12. Mai 2020, 11:28 | 3 Kommentare
Basketball nein, Duden ja: Setting für die Abiturprüfung am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium

Der Weg zur Matura führt am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium über den Notausgang, der nunmehr als Eingang fungiert, in die Sporthalle. Auf den Treppenstufen dorthin klebt schwarz-gelbes Absperrband, um den Reifeprüflingen die wegen Corona gebotene Distanz anzuzeigen. Gleich am Eingang warten zwei Desinfektionsmittelspender, sowie zwei Tafeln, auf denen die Platzzuweisung geregelt ist. Dann erblicken die Schüler zwei Spielfelder voller Tische, insgesamt neun Reihen mit jeweils sechs Tischen, Platz für 54 Abiturienten also. Damit die Zeremonienmeister der Prüfung, die Lehrer, nicht durch den Sportsaal brüllen müssen, können die Lehrer eine Lautsprecheranlage nutzen, um die Anweisungen für die Prüfung bis in den letzten Winkel der Spielfelder zu übertragen. Auf jedem Tisch befindet sich ein Duden – schön aufgestellt, nicht liegend –, sodass die Schüler auf jeden Fall die Möglichkeit haben, zumindest die Rechtschreibung ihrer Werke in den Griff zu bekommen. Der Rest muss im Kopf sitzen. Und das wird er sicher auch, denn Zeit zum Lernen war in den vergangenen Wochen wohl genug. So ist kleveblog optimistisch, dass alle Abiturienten ihre Prüfungen mit Erfolg absolvieren und wünscht: Gutes Gelingen!


Corona: Fieberzelt wird geschlossen

rd | 11. Mai 2020, 11:59 | 32 Kommentare
Ende der Fieberambulanz am 17. Mai

Wegen rückläufiger Patientenzahlen schließt das Katholische Karl-Leisner-Klinikum am Sonntag, 17. Mai 2020, die Fieberambulanz am St.-Antonius-Hospital Kleve. Das Klinikum stellt damit seine ambulante Corona-Testung ein.

Patienten mit Covid-19-Symptomen, die einer ärztlichen Abklärung bedürfen, werden auch weiterhin gebeten, sich in ihrer Hausarztpraxis zu melden.

„Unsere Fieberambulanz hat sich vor allem in den Wochen der größten Unsicherheit bewährt“, so Holger Hagemann, Geschäftsführer des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums. „Wir haben als Klinikum für die Menschen der Region eine effektive Diagnostik ermöglicht und durch die räumliche Trennung vom Krankenhaus die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Patienten geschützt.“

Im März waren täglich bis zu 80 Patienten im Fieberzelt am St.-Antonius-Hospital, zuletzt haben sich dort während der Öffnungszeiten von 16 bis 20 Uhr weniger als zehn Patienten pro Tag auf eine Corona-Infektion testen lassen.

Das Katholische Karl-Leisner-Klinikum hat die Fieberambulanz am 29. Februar 2020 eröffnet. Die Kosten belaufen sich seitdem auf einen mittleren sechsstelligen Betrag.


Die aktuelle Coronakurve: Infektionszahlen gehen weiter zurück, aber gleich ein halbes Dutzend neuer Fälle in Kleve

rd | 10. Mai 2020, 14:49 | 14 Kommentare
Nur noch 27 neue Infektionen (erkannt) im Kreisgebiet in dieser Woche

Corona, die Hoffnung: Die positive Entwicklung hat sich in der vergangenen Woche fortgesetzt. Soeben meldet der Kreis Kleve, dass es kreisweit in den letzten sieben Tagen nur noch 27 neue Infektionen gegeben hat, gegenüber der Zahl der Vorwoche (34) nochmals ein deutlicher Rückgang. Doch es gibt nicht nur gute Nachrichten…

Kleverin (95) verstorben, sechs neue Fälle in Kleve

Es hat ein weiteres, das mittlerweile 30. Todesopfer gegeben (eine 95 Jahre alte Frau aus Kleve), und in Kleve hat es gestern gleich ein halbes Dutzend neuer Fälle gegeben: Die Zahl der Erkrankungen ist von 72 auf 78 gestiegen (möglicherweise ein Indikator dafür, dass eine Gruppe betroffen ist). Da gestern insgesamt nur sieben neue Fälle erfasst wurden, ist also fast der gesamte gestrige Zuwachs ins Klever Stadtgebiet zu verorten. Und die 7-Tages-Zahl war im Laufe der Woche auch schon mal niedriger (19), alles nachzuprüfen hier in der Überblickstabelle. Die Gesamtzahl der (erfassten) Erkrankten im Kreisgebiet beläuft sich auf 99, bleibt also knapp im zweistelligen Bereich.


Film zum Sonntag: 60 Jahre B.C. Koekkoek Haus in 671 Sekunden

rd | 10. Mai 2020, 13:40 | keine Kommentare

Seit der Künstler Janusz Grünspek die Heißklebepistole zur Seite gelegt und sich dem Digitalen zugewandt hat, haben die Klever schon einiges an bemerkenswerten Arbeiten zu Gesicht bekommen, unter anderem eine schöne Fotoserie mit verfremdeten Hausfassaden, deren Schönheit erst durch die Grünspeksche Verfremdung wirklich sichtbar wurde. Auch gibt es mittlerweile mehrere Filme aus seiner Werkstatt. Diese sind allerdings eher der Gebrauchskunst zuzurechnen, was aber keinesfalls abwertend zu verstehen ist. In diese Linie gehört auch der von ihm produzierte Film zum Jubiläum des B.C. Koekkoek-Hauses, der heute auf Youtube veröffentlicht wurde, und der – in Zeiten der Pandemie – womöglich die einzige Form ist, in der solch ein Ereignis heute noch gefeiert werden kann, nämlich virtuell. Seit genau 60 Jahren ist das Palais an der Kavarinerstraße ein Museum, nachdem es zuvor (kurz) Rathaus und davor Wohnhaus war. Der erste Bewohner des Hauses war Malerfürst B. C. Koekkoek, der Begründer der Klever romantischen Malerschule. Er lebte, arbeitete und starb in dem Haus. Der sehenswerte Film geht anhand der alten Baupläne durchs Museum und zeigt, wie Koekkoeks Räume erhalten geblieben sind und heute genutzt werden. Ein schöner, virtueller Sonntagsspaziergang!

Genug der Vorrede, hier der Film:

(Wer sich fragt, wem die sonore Sprecherstimme gehört: Es handelt sich um den Antenne-Niederrhein-Moderator Oliver Drucks. Klaus Oberschilp, der gerne auch die kleveblog-Leserschaft mit ausgezeichneten Fotos beschenkt, sind die perfekt ins Licht gesetzten Aufnahmen der Kunstwerke zu verdanken.)

Das Jubiläum als virtuelle Gabe

Corona & die Klever Gastronomie: Das (vorläufige?) Ende der Kneipe, wie wir sie kannten und schätzten

rd | 09. Mai 2020, 15:33 | 51 Kommentare
Gemütlichkeit ade: 1,5 Meter Abstand zwischen den Tischen, Tresenplätze nur bei Plexiglasschutz
Fließt bald mehr Sterillium als Bier?

(Aktuelle Corona-Zahlen unten.) Die mittlerweile neunte Videobotschaft aus ihrem Amtszimmer nutzte Bürgermeisterin Sonja Northing auch dazu, den Gastronomen der Stadt Mut zuzusprechen. „Wichtig ist, dass unsere Gastronomie, dass die Kneipen geöffnet werden“, sagte sie, „einfach auch, weil viele Gastronomiestätten sonst in die Insolvenz gehen würden, und das wollen wir alle wirklich gar nicht.“

Das war am Freitag, als zwar klar war, dass die Landesregierung das Gastgewerbe nicht mehr länger komplett aus dem Geschäft halten würde, nicht aber, wie die Regelungen im einzelnen aussehen werden, die nun von den Betreibern von Lokalen und Restaurants zu befolgen sind. Diese Regularien gab die Stadt am Samstag bekannt, mit einem Link zu einem PDF-Dokument (hier als Service für die kleveblog-Leser komplett nachzulesen: Hygienestandards), dessen erster Abschnitt sich in insgesamt 17 Punkten der Gastronomie widmete. Zusammenfassend ist zu sagen: Für Gäste wird es künftig schwer zu unterscheiden sein, ob sie sich in einen Operationssaal herein bewegen oder in eine Schankwirtschaft.

Die Regelungen im Überblick: Nicht nur in Restaurants, sondern auch in Kneipen herrscht Sitzplatzpflicht. Wer einen gastronomischen Betrieb betritt, muss sich am Eingang die Hände waschen bzw. „bei Bedarf“ (was immer das heißt) desinfizieren. Auf „nicht kontaktfreie Begrüßungsrituale“ ist zu verzichten, das zumindest vermag niemanden zu überraschen.

Auf jedem Tisch muss ein Zettel ausliegen, der nicht nur eine Einverständniserklärung zur Datenerhebung (wir erinnern uns, Datenschutzgrundverordnung) beinhaltet, sondern auch eine Liste, auf der die Gäste ihren Namen und den Zeitraum ihres Besuchs eintragen, für den Fall, dass Kontaktpersonen nachverfolgt werden müssen. Der Gastwirt muss diese Liste vier Wochen aufbewahren und, nicht immer ist das Gewerbe ja frei von pikanten Begegnungen, die Vertraulichkeit wahren.

Nächster Punkt: Tische. Die sind so anzuordnen, dass sich entweder zwischen Tischkante und Tischkante anderthalb Meter Abstand befinden oder aber zwischen den beiden Rückenlehnen sich gegenüberstehender Stühle. An der Theke muss ein Abstand von anderthalb Metern zum Personal eingehalten werden, und, wenn das nicht möglich ist (also in jeder normalen Gaststätte) hat der Betrieb wie im Einzelhandel auch einen Plexiglasschutz anzubringen.

Die Laufwege zum Ein- und Ausgang sowie zur Toilette sind so zu bemessen, dass durchgehend anderthalb Meter Abstand zu anderen Tischen eingehalten werden können. Sind die Bereiche stark frequentiert, sollen Abstandsmarkierungen angebracht werden.

Speisen sind nur als Tellergerichte zulässig, sämtliche Spülvorgänge müssen bei Temperaturen von mehr als 60 °C durchgeführt werden.

Beschäftigte mit Kontakt zu den Gästen (Wirt, Kellner) müssen eine Mund-Nase-Bedeckung tragen und sich mindestens alle 30 Minuten die Hände desinfizieren oder waschen, worüber Buch geführt werden muss. In Sanitärräumen sind Hände Desinfektionsmittel, Flüssigseife und einmal Handtücher zur Verfügung zu stellen.

kleveblog meint: Eine Diskussion darüber, ob die Maßnahmen angemessen sind, soll hier nicht angestoßen werden. Aber mit Gastronomie, wie sie die Menschen kannten und schätzten, hat ein Betrieb, der diese Regularien beachtet, nichts mehr zu tun.

+++

Die aktuellen Corona-Zahlen vom Samstag:

592 bestätigte Fälle (2 mehr als gestern); 72 in Kleve; 29 Todesopfer; 467 Genesene; 16 im Krankenhaus; 295 in Quarantäne. Die Zahl aktuell erkrankten Person beträgt im gesamten Kreisgebiet nur noch 96. Die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen beträgt 22. (Daraus errechnet der Kreis die Inzidenz je 100.000 Einwohner. Sie beträgt 7,0. Das ist recht einfache Mathematik: Die 22 Fälle müssen durch drei geteilt werden, weil der Kreis knapp über 300.000 Einwohner hat. (Alle Zahlen zusammengefasst hier in der Überblickstabelle.)


Corona, das große Aufmachen. Kazmierczak vor Autos. Der Überblick

rd | 08. Mai 2020, 16:30 | 1 Kommentar
Straßenmüll, den es vor zwei Monaten noch nicht gab
Ein Teil des Trainings könnte darin bestehen, um die Tische Slalom zu laufen

Ist das Gegenteil vom Shutdown der Shutup? Wir wissen es nicht, aber einiges wird wieder normaler in den kommenden Tagen und hoffentlich für lange Zeit (heute 6 neue Infektionen, alle Zahlen zusammengefasst hier in der Überblickstabelle). Hey, was geht – hier die Übersicht:

Autokino: Heute erster Live-Auftritt von Ludger Kazmierczak im Autokino. Die Gäste waren begeistert: „Ein besonderes Erlebnis, bei der Weltpremiere Comedy live im Autokino dabei gewesen zu sein. Es war einmalig schön“, so die Meinung eines Gastes. Weitere Veranstaltungen folgen.

Überlebensgroß: Ludger Kazmierczak live

Basketball: (Voraussichtlich) ab Montag, 11. Mai, wieder Hallentraining. Kontaktlos, wenig Ball, vor allem Linienläufe (2 Gruppen, Sets à 3 Stück), beim Training ist permanent ein Arzt zugegen.

Rammstein in Nimwegen: Njet. Die Band hat heute den kompletten zweiten Teil der Stadiontour durch Europa abgesagt.

Stadtbücherei: Seit gestern wieder für Ausleihe und Rückgabe geöffnet. Begrenzte Öffnungszeit montags bis donnerstags und samstags von je 3 Stunden starten! Bücherei nur mit Mund-Nase-Schutz betreten und möglichst alleine kommen.

Restaurants: Dürfen ab Montag öffnen. Hygienekonzept, Platzanweisung, Tischabstand müssen vorliegen, erfolgen, gewährleistet sein. Kneipen noch geschlossen.

Spielplätze: Alle Kinderspielplätze auf dem Gebiet der Stadt Kleve sind seit gestern wieder geöffnet. Bolz- und Skateplätze bleiben weiterhin für den Aufenthalt und der Nutzung für alle Personen (Erwachsene, Jugendliche, Kinder) geschlossen. Auf Kinderspielplätzen ist bei Begleitpersonen untereinander ein Mindestabstand von 1,5 Metern zu gewährleisten, soweit sie nicht zur Familie oder häusliche Gemeinschaft gehören.

Wertstoffhof: Krempel kann ab sofort ohne Terminvergabe wieder abgegeben werden. Erweiterte Öffnungszeiten: Montag-Freitag, 8-12 Uhr und 13-16 Uhr, Samstag 8-12 Uhr.

Volkshochschule: Ab Montag, dem 11. Mai 2020, öffnet die Volkshochschule der der Stadt Kleve wieder. Um die notwendigen Schutzmaßnahmen einzuhalten, haben die Mitarbeitenden der VHS die Unterrichtsräume und die Flure entsprechend hergerichtet. Da die VHS sehr unterschiedliche Veranstaltungen anbietet, die unterschiedliche Voraussetzungen und Bedingungen mit sich bringen, prüft sie sorgfältig, was sie wann und wie anbieten kann. Dazu werden Teilnehmer individuell informiert.

Vater-Kind-Zelten der Kolpingfamilie: In diesem Jahr leider abgesagt.

Night Mover: Steht bis auf Weiteres nicht zur Verfügung, bereits gebuchte Tickets verfallen automatisch.

Tiergarten: Geöffnet. Folgende Tiere haben die Öffnung nicht mehr erlebt: Poitou-Esel Kena und einer derzwei Waschbären, Max, verstarben, während der Park geschlossen war. Da nur 600 Besucher gleichzeitig in den Park dürfen, werden 600 Marken bei Eintritt vergeben. Die werden beim Verlassen in den Briefkasten geworfen und nach einer Desinfektion wiederverwendet.


Themenwechsel, aber es bleibt in der Tierwelt, oder: Was kann der Kammmolch?

rd | 08. Mai 2020, 13:48 | 14 Kommentare
Scheu, glitschig, hochintelligent (vielleicht): der Kammmmolch (Foto: NABU)
NABU-Mitarbeiterin Corinna Barthel bei der Zählung im Kolk (Foto: NABU)

Die Naturschutzgebiete rund um die NABU-Naturschutzstation Niederrhein beheimaten verschiedenste Amphibienarten. Dieses Jahr sind Biologin Ortrun Heine und Praktikantin Corinna Bartel wieder unterwegs, um das Vorkommen der Molche und Frösche zu untersuchen. Bei der Entdeckung eines europaweit streng geschützten Kammmolches ist die Freude besonders groß.

In regelmäßigen Abständen findet die Amphibienkartierung der NABUNaturschutzstation Niederrhein statt. Das bedeutet, die Biologinnen der Station rücken schwer bepackt mit Rucksäcken aus – gefüllt unter anderem mit Molchreusen, Kescher und Wathosen. Ziel ist es, das Vorkommen der Amphibien in den umliegenden Naturschutzgebieten zu dokumentieren, um es mit alten Daten zu vergleichen. Die Informationen werden gebraucht, um Aussagen zur Entwicklung der Gebiete zu machen und Maßnahmen abzuleiten. Zu den Gebieten der Station, die für die Amphibienkartierung relevant sind, gehören das Kranenburger Bruch, die Rindernschen Kolke, die Emmericher Ward und die Moiedtjes-Teiche.

Den Gebieten gilt in diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit, da die Biologinnen hofften, Kammmolchfunde der letzten Kartierungen zu bestätigen. Der Kammmolch ist nicht nur wegen seiner Größe oder seiner Seltenheit besonders. Er ist zudem europaweit nach Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien geschützt. Das bedeutet, dass er nicht verletzt oder getötet werden darf und sein Lebensraum geschützt werden muss. Seine Gefährdung in Europa, aber auch hier am Niederrhein geht vor allem von der Zerstörung der Kleingewässer aus, in denen er zu Hause ist. Diese werden unter anderem zunehmend durch Pestizide verschmutzt oder für Landschaftsnutzung zugeschoben. Diese Kleingewässer trocknen außerdem wegen des Klimawandels mit seinen höheren Temperaturen und geringeren Niederschlägen stärker aus. Auch Verluste durch den Straßenverkehr spielen eine Rolle. „Als wir Anfang April dann tatsächlich den ersten Kammmolch in der Emmericher Ward nachgewiesen haben, war das ein besonders schöner Moment“, sagt Ortrun Heine.

Neben den Kammmolchen kann man in den Naturschutzgebiete rund um Kleve auch auf Teichmolche, Erdkröten und Gras- oder Wasserfrösche treffen. Außerdem begegnet man natürlich nicht nur adulten, also erwachsenen Amphibien, sondern auch Laich und Kaulquappen beziehungsweise Molchlarven. Um all das zu unterscheiden, brauchen auch erfahrene Biologinnen einen Bestimmungsschlüssel.

Bei der Untersuchung, für die die NABU-Naturschutzstation Niederrhein stets eine Ausnahmegenehmigung beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz beantragen muss, steht das Wohlergehen der Tiere natürlich im Vordergrund. Deshalb werden Arbeitsgeräte, Kleidung und Hände vor und nach der Arbeit in den Gebieten gründlich desinfiziert. Dabei geht es vor allem darum, die Amphibien vor dem Chytridpilz zu schützen. Der verursacht die sogenannte „Salamanderpest“. Dieser Pilz wurde vermutlich aus Asien eingeschleppt und befällt die Haut der Amphibien, was zu ihrem Tod führt. „Das Desinfizieren ist zwar ein riesiger Arbeitsaufwand, aber natürlich extrem wichtig für den Schutz der Tiere“, sagt Ortrun Heine. Nach den Untersuchungen vor Ort werden die gefangenen Molche und Frösche selbstverständlich wieder freigelassen.

Wenn Ortrun Heine von ihrer Arbeit spricht, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich von der Begeisterung für die Natur anstecken zu lassen. Wie allen Biologinnen und Biologen gefalle ihr am Kartieren besonders, so viel Zeit draußen verbringen zu dürfen. „Plötzlich springt ein Hase auf, Rehe brechen durch das Gestrüpp, ein Großer Brachvogel ist zu hören oder ein Eisvogel zu beobachten. Das ist alles so schön. Also, wem da nicht das Herz aufgeht …“

kleveblog meint: Und dann erst die Störche, Löffler, Kiebitze, Blaumeisen und Dohlen!


Auf dem Weg zum Avifaunafanatismus? Der Storch darf nicht fehlen

rd | 08. Mai 2020, 12:09 | 1 Kommentar
Kinderreiche Familie im milden Licht der Abendsonne: 3 Nesthocker in Düffelward mit reichlich Appetit. Vater (oder Mutter?) geht anschaffen (Foto: Klaus Neumann)

Die Störche sind natürlich das Imposanteste, was der niederrheinische Himmel im Sommer zu bieten hat (von den Boeing 737 des Unternehmens Ryanair mal abgesehen, die sind größer, aber weniger ästhetisch, und deren Rückkehr ist mehr als ungewiss). Zur Erbauung des Lesers ein Beitrag über das Tier, erschienen im vergangenen Jahr im Magazin Der KLEVER (Ausgabe 2-2019):

Horch, ein Storch! 

Mittlerweile ist das charakteristische Klappern wieder häufiger am Niederrhein zu hören – doch der Zuwachs an Störchen beruht nicht unbedingt darauf, dass die Lebensbedingungen besser geworden sind.

Wenn ein Schwarm am Himmel seine Kreise zieht und gerade nicht eine Windkraftanlage oder eine Überlandleitung ins Blickfeld rutscht, könnte man sich in die Zeit der Dinosaurier zurückversetzt fühlen. Die Weißstörche, die es auf eine Flügelspannweite von mehr als zwei Metern bringen können, gehören zu den eindrucksvollsten Vertretern der niederrheinischen Tierwelt – und zum Glück sind sie am heimischen Himmel immer häufiger zu sehen. 

Einst gehörte der Weißstorch (Ciconia ciconia) zum typischen Bild unserer Landschaft. Die Redewendung, dass der Klapperstorch die Kinder bringe, bezeugt beispielhaft die Verankerung des Vogels in der alltäglichen Wahrnehmung früherer Tage. Doch die Entwicklungen in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, die gemeinhin unter dem Wort Fortschritt zusammengefasst werden, machten den majestätischen Vögeln das Leben am Niederrhein schwer. 

Hungrige Jungvögel: 1,2 Kilogramm Kleingetier wird pro Tag verfüttert

Aus Wiesen mit ihrem reichen Angebot an Kleingetier wurden Felder, Feuchtgebiete wurden trockengelegt. Das alles hatte zur Folge, dass den Störchen schlichtweg die Nahrung fehlte, die insbesondere zur Aufzucht der Brut nötig war. Ein Jungvogel im Nest vertilgt, kurz bevor er flügge wird, täglich rund 1,2 Kilogramm an Kleingetier, das ihm die Eltern servieren müssen. Dass das immer schwieriger aufzutreiben war, machte den Niederrhein aus Sicht der Storcheneltern unattraktiv, zusätzlich dezimierten Unfalltode (Überlandleitungen), die Jagd auf die Vögel in Afrika sowie verschlechterten Lebensbedingungen auch dort die Bestände. Spätestens Mitte des vergangenen Jahrhunderts waren sie verschwunden, vielleicht von einigen versprengten Restexemplaren abgesehen. 

Doch1996 kehrten sie an den Niederrhein zurück, vermutlich infolge von Auswilderungsprojekten, die die Wiederbesiedlung einleiteten. Das erste Pärchen brütete in Zyfflich, nachdem dort eine Nisthilfe aufgestellt worden war. „Inzwischen ist die Population deutlich angestiegen“, sagt Bettina Blöß, Diplom-Biologin beim Naturschutzzentrum des Kreises Kleve. In diesem Jahr zählte die Expertin 33 Brutpaare, die insgesamt 73 Jungstörche erfolgreich in die Luft brachten. Der Schnitt pro Brutpaar liegt also bei etwas mehr als zwei Jungvögeln. 

Der Zuwachs an Störchen ist allerdings, trotz vielerorts aufgestellter Nisthilfe, nicht unbedingt den verbesserten Lebensbedingungen am Niederrhein zu verdanken. Bei den Weißstörchen wird zwischen Westziehern und Ostziehern unterschieden. Die Ostzieher fliegen über den Bosporus in afrikanische Gefilde, die Westzieher nutzen die Meerenge von Gibraltar, um den Kontinent im Süden zu erreichen. 

Die Störche, die am Niederrhein sesshaft sind, gehören allesamt zu den Westziehern. Sie überfliegen auf dem Weg gen Süden die iberische Halbinsel und fanden dort zahlreiche Mülldeponien, auf denen sie ausreichend Nahrung finden. Das mag für uns Menschen unästhetisch wirken, aber bei den Vögeln führt es dazu, dass viele von ihnen den anstrengenden Flug bis Afrika abbrachen und einfach in Spanien überwinterten.  

„Vermutlich hat dies zu einer geringeren Wintersterblichkeit geführt“, so Bettina Blöß. „Daher kommen immer mehr Störche zum Brüten zurück.“ Auch der Bruterfolg in anderen Regionen kann zum Anstieg der Bestände beigetragen haben – denn anders, als viele denken, sind Störche nicht sehr brutortstreu. 


Wo wir gerade bei Vögeln sind: Drususdeich, 1. Kolk rechts – ein seltener Löffler

rd | 08. Mai 2020, 11:17 | 10 Kommentare
Besondere Kennzeichen: Schnabel in Form eines Latte-Löffels (Foto: Duck Heek)

Die Serie außerordentlicher Vogelbegegnungen in Zeiten der Pandemie nimmt kein Ende. Diesmal entdeckte kleveblog-Leser Duck (!!) Heek am Drususdeich in Rindern, 1. Kolk rechts, dieses Prachtexemplar aus der Avifauna. Es handelt sich um einen von ca. 59.000 Löfflern, die es noch gibt und die definitiv nicht hier heimisch sind. Wie der Ring am linken Bein zu offenbart, war der weiße Freund mit dem lattelöffelartigen Schnabel und dem Federkamm am Haupt schon Gegenstand ornithologischer Untersuchungen, womöglich hat er auch schon im Sudan oder in Äthiopien Quartier genommen, wohin es ihn und seine Artgenossen in den Winter zieht. Vor der Überquerung des Mittelmeeres machen die Löffler Rast an der Costa da Luz in Spanien (westlich von Cadiz). Und wir? Wir kommen nicht mal bis zur Nordseeküste im Moment! Aber warte nur, balde…


Corona, na und? Neu macht der Mai: Bänke, Blumenladen, L’Osteria, Aldi

rd | 07. Mai 2020, 20:41 | 2 Kommentare
Sichere Bank. Online-Benutzung unmöglich
Fast fertig: Für die italienischen Momente im Leben
Sag’s durch die Blume: Rechtzeitig vor dem Muttertag befriedigt „Flowers & More“ endlich wieder florale Bedürfnisse der Stadtmenschen (Foto: Flowers & More)

Die Kreisverwaltung liefert weiter (dankenswerterweise) die Seuchenzahlen, aber fast schon mit einer Routine, wie einem sonst die Empfänger von Sozialleistungen portioniert präsentiert wurden. Aktuell also ein weiteres Todesopfer, das 29. im Kreisgebiet, ein 65 Jahre alter Mann aus Emmerich. Es gibt vier neue Infektionen (584 insgesamt), und mittlerweile hat der Kreis die Darstellung von kleveblog übernommen, nach der einfach die Infektionen der letzten sieben Tage gezählt werden, weil dies einen besseren Überblick verschafft, wie sich die Krankheit ausbreitet oder eben nicht. Wie schon berichtet, betrug die Zahl am vergangenen Sonntag 34, mittlerweile liegt sie sogar nur noch bei 19. (Alle Zahlen zusammengefasst hier in der Überblickstabelle.)

+++

Bierleitungen gereinigt

Kein Wunder also, dass sich viele Gewerke darauf freuen, durchstarten zu können. In der Gaststätte Zentrale wurden die Bierleitungen schon gereinigt, allerdings gibt es noch keinen Termin für die Wiedereröffnung von Kneipen. Restaurants dürfen öffnen, allerdings so richtig gemütlich wird es aufgrund der Abstandsregeln noch nicht. Gäste müssen zu den Tischen geführt werden und ihre Namen angeben, und an einem Tisch dürfen höchsten Angehörige zweier Haushalte sitzen.

+++

Rohbau al dente

Gut ist aber, dass in Kleve bald ein Restaurant mehr zur Auswahl stehen wird: Trotz der schlechten Nachrichten wurde an der Emmericher Straße fleißig weitergebaut, und der Esstempel L’Osteria sieht so aus, als könne er schon bald eröffnen. Hätte man nicht gedacht.

+++

Kleinstadtblumen

Zweifel äußerten einige kleveblog-Kommentatoren, ob der Gründergeist von Ingo Marks tatsächlich anhält. Unlängst (aber zu einer Zeit, als Corona noch so fern schien) wurde er auf kleveblog mit seinem neuer Tobacco-&-More-Filiale am Fischmarkt vorgestellt. Dabei offenbarte er, dass er am alten Standort des Geschäfts einen Blumenladen zu eröffnen beabsichtige. Wer immer in der Innenstadt ein paar Blumen nötig hatte, sei es als Geste der Dankbarkeit oder für ein überraschend vereinbartes Rendezvous, stand bisher auf dem Schlauch und musste aus Vorgärten etwas wegrupfen. Das ist aber nun vorbei, wie angekündigt hat Ingo Marks sein Geschäft eingangs der Stechbahn eröffnet. Der Name, wenig überraschend: Flowers & More. Wir wünschen allzeit eine Handbreit Wasser in der Vase!

+++

Ein Ausbund an Grundsolidität

Und, als seien das der guten Nachrichten nicht schon genug, überrascht die Stadt Kleve mit der Aufstellung zweier wertiger Bänke in der Fußgängerzone (eine oben, eine unten). Sie stammen aus den Freudenberg-Werkstätten und strahlen eine Unerschütterlichkeit aus, die in diesem Tagen nicht ganz verkehrt erscheint. Sofort überlegt man sich, wann eigentlich zuletzt etwas für Fußgänger in diesem Abschnitt getan wurde, und es fallen einem nur die mittlerweile so richtig abgeratzten Holzmanschetten um die Platanen ein, die vor ca. 50 Jahren angebracht wurden. Schön, dass sich auch da was ändert.

+++

Warten auf den Aldipalast

Nicht verschweigen wollen wir auch, dass an der Emmericher Straße der älteste Aldi-Markt der Welt der Abrissbirne zum Opfer gefallen ist und in den nächsten Monaten durch einen neuen Aldipalast ersetzt wird. Die Welt wird immer perfekter, möchte man jauchzen. Wer sehen will, wie die schöne neue Welt des Discounters bald auch in Kleve aussehen wird, der möge nach Emmerich fahren, da steht gleich links vor der Stadt, in idealer Einflugschneise für die Kunden aus unserem Nachbarland, am alten Bundeswehrgelände ein Konsumschloss für uns Normalverbraucher.


Corona-Zahlen fallen, Kleve macht sich bereit für Lockerungen, Cinque-Sommernacht trotzdem abgesagt

rd | 06. Mai 2020, 16:39 | 37 Kommentare
Wann darf man sich wieder zur Begrüßung um den Hals fallen?

Während Angela Merkel in Berlin erörterte, wie die strengen Vorschriften zur Eindämmung der Pandemie gelockert werden können, lieferte der Kreis Kleve Zahlen, die dazu passen. Die Infektionswelle scheint zurückgedrängt werden zu können – hoffentlich für immer!

Von gestern auf heute gab es fünf neue bestätigte Infektionen (insgesamt nunmehr 580), doch die Zahl der aktuell Infizierten, die sich rechnerisch aus der Statistik ergibt, beträgt nur noch 112, so wenig wie zuletzt am 20. März. 21 Menschen befinden sich in stationärer Behandlung, auch ein Tiefstwert seit Ende März. Mittlerweile sind 28 Menschen verstorben, das letzte Todesopfer, ein Mann aus Rees, war 86 Jahre alt. 440 Menschen sind seit dem Ausbruch der Pandemie genesen. (Alle Zahlen zusammengefasst hier in der Überblickstabelle.) Es sieht also alles ganz gut aus, und doch musste Bruno Schmitz, der Veranstalter des größten Sommerevents in Kleve, heute eine bittere Entscheidung verkünden: Die Cinque-Sommernacht, veranstaltet vom Kleinkunstverein gleichen Namens, wird in diesem Jahr abgesagt. Sie hätte am 22. August stattfinden sollen, doch nach wie vor sind alle Großveranstaltungen bis zum 31. August untersagt. Zehn Tage fehlten. Der Verein hatte schon mehr als tausend Karten verkauft, normalerweise kommen rund 2500 Menschen auf der Festwiese am Tiergarten zusammen.


Die Lage des Landes

rd | 06. Mai 2020, 13:49 | 5 Kommentare
Was magst du lesen, kleiner Freund: Blaumeise in kleveblog-Bibliothek

Unlängst war auch die Blaumeise im Ensemble der Untergangsmeldungen vertreten, ein bösartiges Bakterium raffte den zierlichen Vogel dahin. Gleichwohl gilt der Bestand von Cyanistes caeruleus als nicht gefährdet. Insgesamt wiegt der Vögel nur rund zehn Gramm. Wer Uwe Johnsons Jahrestage nicht so mag, könnte sich also auch 126 Blaumeisen und Regal stellen, von Gewicht her kein Unterschied. Interessant aber ist auch die in der Forschung bisher kaum erörterte Frage, wo sich der Vögel selbst sieht, wenn man in ein Regal fliegen lässt. Die Antwort auf dieses Rätsel sehen kleveblog-Leser exklusiv hier: Sie sehen sich schon bei großer amerikanischer Literatur (William Gaddis, Richard Ford), aber auch „Beuys am Niederrhein“ und das „Whisky-Lexikon“ erwecken das Interesse des bildungshungrigen Singvogels. Was der „TopGuideNatur“ sowie das Werk von Richard Panek sind, müsste ich eigentlich selbst erst mal wieder herausfinden. Pro-Tipp für Leute, die nicht wissen, was sie lesen sollen: Locken Sie eine Blaumeise in ihre Bibliothek. Das erste Buch, worauf sich der Vogel niederlässt, ist’s.


Letzter Kiebitz?

rd | 05. Mai 2020, 16:21 | 9 Kommentare
Grenzen der Smartphonefotografie: Kiebitz auf einem Acker in Warbeyen

Nun gut, wo das Herz des Lesers bei den Betrachtungen aus der Welt der Vögel aufzugehen scheint, schieben wir noch schnell einen Kiebitzschnappschuss hinterher. Doch anders als die zuvor erwähnte Dohle sieht es für den Feldvogel namens Vanellus vanellus nicht so gut aus: Seine Neigung, die Gelege relativ unstrukturiert in irgendwelche Ackermulden zu platzieren, bringt ihn in hiesigen Gefilden, leider an den Rande des Aussterbens. Aus seinem ursprünglichen Lebensraum wurde der Kiebitz vertrieben. Hauptfaktoren waren Entwässerung, Grundwasserabsenkung, frühe Wiesenmahd, industrieller Torfabbau, Aufforstung von Mooren sowie landwirtschaftliche Arbeiten. Der Kiebitz ist etwa taubengroß (28 bis 32 cm). Durch den Kontrast zwischen schwarzer Oberseite mit grünlich schimmerndem Metallglanz und weißer Unterseite mit schwarzem Brustband sowie eine abstehende Federholle am Hinterkopf ist die Spezies unverkennbar. Die Kopfseite ist weißlich mit schwarzem Streif unter dem großen dunklen Auge. Das ist auf dem Foto leider alles nicht zu erkennen.


Frühstücksgast Dohle, ohne fremde Federn

rd | 05. Mai 2020, 13:03 | 4 Kommentare
Spekulierte aufs Brötchen: Coloeus monedula

Wenn die Dohle sich zum Frühstück niederlässt, wird einem schnell gewahr, dass einem über die Kreatur, Vogel des Jahres 2012, nur wenig erinnerlich ist, was sehr schade ist, weil der gefiederte Freund einer Gattung angehört, die den Menschen seit Jahrtausenden fasziniert. Also betreiben wir, während der Gast begierig aufs Honigbrötchen spekuliert, ein wenig Dohlenforschung. Erste Erkenntnis: Es gibt zwar im Lateinischen das Wort dolus, doch bedeutet Schmerz und hat mit dem Vogel nichts zu tun, er heißt in der Sprache der Ornithologen: Coloeus monedula.

Dieser aber faszinierte die Menschen seit alters her. Schon Aristoteles widmete sich, wie ich, der Beobachtung der Dohlen. Er ritzte in seine Tontafel folgende Beobachtung: „Man sieht, wie sie sich auf mannigfaltige Weise liebkosen, ihre Schnäbel zusammenstecken, als wenn sie sich küssen wollten.“

Sie gelten als klug. Der römische Geschichtsschreiber Plinius berichtet, die Dohle habe die Menschen die Fertigkeit des Getreideanbaus gelehrt. Sie sei so klug, dass sie die Reste von Getreide, die sie nicht fressen könne, in der Erde verstecke und im folgenden Jahr die inzwischen gewachsenen Ähren einsammle. Die Menschen hätten dieses Verhalten beobachtet und dann begonnen, auch Samen in die Erde zu legen – die Erfindung des Ackerbaus. Allerdings muss man hinzufügen, dass der Name Plinius nicht unbedingt für Zuverlässigkeit steht. Es gibt zwei von ihnen, zu unterscheiden in den Älteren und den Jüngeren, und der Ältere berichtete in seiner Naturalis historia, dass Elche keine Kniegelenke haben. Deshalb, so Plinius, lehnten sich die Tiere zum Schlafen an Bäume. Und die jagenden Germanen hätten diese Bäume heimlich angesägt, sodass mit dem Baum auch das Tier umgefallen sei und sich nicht wieder erheben konnte. So ein Quatsch. Fake news!

Aelian (170-235 n.Chr.) hingegen überliefert, dass bei den Thessaliern und Illyriern Dohlen in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt wurden. Sie fraßen die Eier der Heuschrecken und vernichteten so die Nachkommenschaft der Insekten, die den Feldfrüchten der genannten Völker Schaden zufügten. Für die Verminderung der Heuschreckenschwärme – und zum Anlocken der Vögel – bedankte man sich mit öffentlichen Fütterungen. Allerdings blieb die abgebildete Dohle jeden Tätigkeitsnachweis schuldig, sodass das Honigbrötchen nicht übereignet werden konnte.

Schon seit der Antike ist auch die Vorliebe der Dohle für gänzende Gegenstände bekannt. Cicero attackiert in einer Rede einen Prozessgegner, man dürfe ihm nicht mehr Gold anvertrauen als einer Dohle. Eine weitere Eigenschaft der Dohle, ihre „Schwatzhaftigkeit“, gab den Menschen des Mittelalters Anlass für allegorische Deutungen. Ihr Verhalten galt als Sinnbild für das leere Gerede der Philosophen oder für den verderblichen Wortschwall der Irrlehrer.

Der mittelalterliche Gelehrte Thomas von Cantimpré (1201-1270) spricht als erster von der Fähigkeit der Dohle, menschliche Stimmen nachzuahmen. Sie werde darin annähernd perfekt, wenn man sie schon im Kükenstadium unterrichte, und besonders in den Morgenstunden lerne sie begierig und nachhaltig. Diese Eigenschaft wird noch von Friedrich Naumann gerühmt, der im 19. Jahrhundert in seiner „Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas“ schreibt: „Wenn man sie jung aus dem Neste nimmt, sie mit Brot, Semmel, Insekten füttert, lernen sie verschiedene Worte ziemlich deutlich nachsprechen und vergnügen durch ihr Betragen, indem sie viel Verstand und Klugheit verraten, ganz ungemein.“ Der spezielle Gast reagierte jedoch nicht auf Ansprache.

Nur den wenigsten bekannt dürfte der Umstand sein, dass das Fleisch der Vögel ein Genuss ist. Naumann berichtete dazu: „Ihr Fleisch schmeckt gut, besonders wenn sie jung sind; viele essen es mit Appetit, viele aber nicht. Da es dem Fleisch der jungen Tauben gleich kommen soll, so soll dies zuweilen von betrügerischen Gastwirten benutzt werden.“ Selbst wenn nun finstere Gedanken in mir erwacht wären, hätte ich mangels Kenntnis betrügerischer Gastwirte keinerlei Möglichkeit gefunden, meine Beute abzusetzen.

Die Dohle ist, nun ja, geben wir’s zu, nicht der schönsten Vögel einer. Dennoch wäre sie mit einer List beinahe zum König der Vögel geworden, wie der berühmte Äsop in einer (historisch allerdings nicht belegten) Fabel berichtet. Darin heißt es, Göttervater Zeus wollte den Vögeln einen König geben und „setzte einen Tag fest, an dem sie vor ihm erscheinen sollten, damit er den schönsten von ihnen zum König einsetzen könnte. Dann versammelten sich die Vögel am Ufer eines Flusses, um sich zu säubern. Die Dohle, die sich ihrer Hässlichkeit bewusst war, machte sich daran, die Federn, die den anderen Vögeln ausgefallen waren, aufzusammeln. Sie verteilte die Federn auf ihrem Körper und befestigte sie. Auf diese Weise gelang es ihr, schöner zu werden als alle anderen Vögel. Der festgesetzte Tag kam, und alle Vögel erschienen vor Zeus. Auch die Dohle präsentierte sich, geschmückt mit Federn von jeder Farbe, und Zeus wollte sie schon wegen ihres glänzenden Aussehens zum König erklären, als ihr die entrüsteten anderen Vögel die jeweils eigenen Federn entrissen. So wurde die Dohle, entblößt, wieder zur Dohle.“

Als Moral fügt der antike Schriftsteller hinzu: „Dieses geschieht auch denen, die von Schulden leben: Solange sie das Geld der anderen haben, scheinen sie jemand zu sein; aber wenn sie es zurückbezahlt haben, sind sie wieder die, die sie vorher waren.“ Die deutsche Redewendung „sich mit fremden Federn schmücken“ geht auf diese Fabel zurück.

Sehr interessant. Hättest du, lieber Leser, es gewusst?

(Mit Material vom Nabu (Karl Wilhelm Beichert))


Die Kurve der Hoffnung: So wenig Corona wie seit Mitte März nicht mehr (nur noch 34 neue Infektionen)

rd | 03. Mai 2020, 18:21 | 7 Kommentare
In den ersten sieben Tagen, in denen die Infektionswelle den Kreis Kleve erreichte, gab es insgesamt 36 (erkannte) Infektionen. Zwischendurch stieg die Zahl der Neuinfektionen pro Woche auf über hundert. In der Woche vom 27. April bis zum 3. Mai schrumpfte der Wert auf 34. Ein Zeichen der Hoffnung!

Das sind aller Wahrscheinlichkeit nach gute Nachrichten: Die Zahl der (erkannten) Neuinfektionen mit dem neuen Coronavirus ist im Kreis Kleve in den vergangenen sieben Tagen auf 34 zurückgegangen! Das sind noch weniger als in der ersten Woche ab dem ersten festgestellten Fall im Kreisgebiet (damals, Mitte März, schnellte die Zahl auf 36 hoch). Zweimal gab es in den mittlerweile acht Wochen, in denen die Pandemie auch am Niederrhein präsent ist, sogar mehr als hundert neue Fälle pro Woche. Davon ist man mittlerweile weit entfernt – und zwar relativ verlässlich. In den beiden letzten Aprilwochen gab es schon nur noch 57 und 59 neue Fälle der Covid-19-Erkrankung. Im Klever Stadtgebiet stieg die Zahl der Fälle in der vergangenen Woche von 61 auf 66, als fünf neue Erkrankte mehr. Ebenfalls eine gute Entwicklung. Die Zahl der Todesopfer liegt bei 26, die Gesamtzahl aller bisher festgestellten Infektionen beträgt 572. Aktuell als krank gelten 140 Menschen (davon sind 20 im Krankenhaus). 367 Kreis Klever Bürger müssen zu Hause in Quarantäne bleiben. Alle Zahlen zusammengefasst hier in der Überblickstabelle.


Sonntagskontemplation (3): Doch, es wird noch weißer

rd | 03. Mai 2020, 17:51 | 1 Kommentar
Die Handlung des Films geht etwa so: Aus holländischem Genlabor entwichenes Blumenkohlmonster will Klever Wahrzeichen verspeisen

Sonntagskontemplation (2): Weißer wird’s nicht

rd | 03. Mai 2020, 17:47 | keine Kommentare
Niederrhein von seiner schönsten Seite: Weißdorn bei Erfgen

Sonntagskontemplation (1): Flugbetrieb, der nicht ruht

rd | 03. Mai 2020, 17:42 | 2 Kommentare
Kennt man aus Weeze nicht mehr: Flugbetrieb

Verbotene Zahlungsbewegung um 3:27 Uhr: Geldautomat der Sparkasse in Materborn gesprengt

rd | 02. Mai 2020, 12:29 | 52 Kommentare
Um 3:27 Uhr schlug die Brandmeldeanlage Alarm. Doch die Mitarbeiter der Freiwilligen Feuerwehr Kleve konnten nur noch vereinzelt am Boden herumliegende Geldscheine auflesen (Foto: Feuerwehr Kleve)

Der nächste Knall, und ein Ende der Serie scheint verblüffenderweise nicht in Sicht: Am Samstag Morgen um 3:27 Uhr sprengten unbekannte Täter den Geldautomaten der Sparkasse Rhein-Maas in Materborn. Das Gerät steht im Vorraum der Bankfiliale, der normalerweise bis 5 Uhr morgens verschlossen ist. Offenbar verschafften sich die Täter gewaltsam Zugang zu diesem Raum. Hier die Meldung der Polizei Kleve: „ Am frühen Samstag Morgen gegen 03:27 kam es zu einer vollendeten Geldautomatensprengung bei der Sparkasse in Kleve-Materborn. Zeugen berichteten von mehreren lauten Knallgeräuschen. Der Geldautomat, sowie diverse Scheiben des Schalterraums wurden erheblich zerstört. Am Tatort wurden Geldscheine auf dem Boden liegend vorgefunden. Daher ist davon auszugehen, dass die Täter eine bisher unbekannte Summe Bargeld erbeuteten. Vom Tatort flüchteten 2 Personen auf einem Motorroller in einen angrenzenden Park und 3 Personen in einem roten PKW. Bislang kann zur Höhe der Tatbeute und des Sachschaden keine Aussage gemacht werden.“ In den sozialen Netzwerken wurde der spektakuläre Fall – der Automat steht immerhin in der Ortsmitte von Materborn – sofort eingehend diskutiert. Und insbesondere eine Frage tauchte auf: Warum werden hierzulande die Automaten nicht mit Farbpatronen gesichert, die im Falle einer Detonation die Scheine einfärben und unbrauchbar machen? Offenbar ist das in unserem Nachbarland Standard, weshalb dort nachts auch keine Geldautomaten in die Luft fliegen. Von einigen Tätern – zum Beispiel den Angehörigen der „Audi-Bande“ – ist auch bekannt, dass sie deswegen aus den Niederlanden nach Deutschland „pendeln“, um dann hier ihre Detonationen auszulösen.


Corona-Alltag: Was kommt da auf uns zu?

rd | 01. Mai 2020, 17:36 | 8 Kommentare
Blitzblank präsentiert sich der Regionalexpress Kleve-Düsseldorf. Fast muss man der Pandemie dankbar sein, dass man das einmal erleben durfte
Fahrplanschild ohne Fahrplan: Der Busverkehr ist arg ausgedünnt – wie lang noch?
Mannschaftsport extrem: Nach jedem Wurftraining den Ball desinfizieren, der Rebounder hat Handschuhe zu tragen (Freifeld in Bergamo)
Täglicher Begleiter: der Mund-Nasenschutz
Seit heute am Spoykanal: Hochsicherheitserdbeerstand

Während der Kreis weiter sich moderat entwickelnde Infektionszahlen vermeldet – aktuell eine Gesamtzahl von 568 Infizierten und 26 Toten (Überblickstabelle hier.) –, und während Bürgermeisterin Sonja Northing in ihrer mittlerweile achten Videobotschaft in ihrer Eigenschaft als erste Zeremonienmeisterin der Stadt auf den (Dis)tanz in den Mai sowie die Kabarett- und Grillveranstaltungen für Automobilisten im Tichelpark hingewiesen hat, zeigt der Blick in die maskierte Stadt, dass der Alltag, wie wir ihn einmal kannten und schätzten, noch weit entfernt ist. Es gibt zwar einen Erdbeerstand, aber mit einem Plastikeinsatz in Augenhöhe und strikten Abstandsregeln. Ein Leser schrieb vom Notfahrplan der NIAG mit seinen staunenswerten Einschränkungen: Insgesamt 16 Fahrten der Linie 50 (Brienen-Reichswalde und zurück) pro Tag von Montag bis Freitag fallen derzeit aus. Wer also darauf angewiesen ist, schaut in die Röhre. Die NordWestBahn hingegen präsentiert sich den wenigen Fahrgästen so sauber wie nie zuvor. Das hätten die Fahrgäste eigentlich jeden Tag verdient, zeigt aber, wie desillusioniert man schon war. Während man in Weeze auf dem Bahnsteig auf den Rückzug nach Kleve wartet, ertönt auf dem Gegengleis aus den Lautsprechern das vertraute Lied: „… hat circa 25 Minuten Verspätung“. Jetzt fahren schon nur noch so wenige Züge, und trotzdem die gleiche Leier. Richtig blöd läuft es für die Sportler, die derzeit außer Liegestützen im Wohnzimmer und Waldläufen nicht viel machen dürfen. Gestern veröffentlichte der Deutsche Basketball-Bund, wie er sich den Wiedereinstieg ins Training vorstellt. Hier ein „best of“ der Vorschriften: „Ein Spieler pro Hallenhälfte […] Beim Wurftraining kann ein zweiter Spieler oder Trainer als Rebounder fungieren. Dieser trägt Handschuhe und Mundschutz […] Jeder Sportler nutzt ausschließlich seinen/ihren eigenen Ball, der entsprechend gekennzeichnet wird. Der Ball wird vor und nach der Trainingseinheit desinfiziert […] Duschen und Umziehen erfolgt ausschließlich zu Hause […] Es findet kein Händeschütteln, Abklatschen oder ähnlicher Körperkontakt statt.“ Wir sehen uns dann 2021 oder 2022 oder so.


Uwe Dönisch-Seidel, 1952-2020

rd | 30. April 2020, 19:02 | 13 Kommentare
Uwe Dönisch-Seidel

Als Uwe Dönisch-Seidel vor wenigen Jahren über eine Ausstellung der von ihm geförderten und geschätzten Künstlerin Barbara Schröder schrieb, fiel in dem Beitrag der Satz: „Das Leben ist zu kurz, um schlechtes Essen und schlechten Wein zu konsumieren.“ In dem Text waren die Worte auf die aus Kleve stammende Malerin gemünzt, die bei Bordeaux auf einem Weingut lebt. Doch sie waren auch für den Autor selbst Programm. Er war ein Genussmensch, der die schönen Dinge des Lebens zu schätzen wusste. Gestern nun war es Barbara Schröder, die auf Facebook den überraschenden Tod ihres Freundes vermeldete – Uwe Dönisch-Seidel war am Mittwoch Mittag verstorben, sechs Tage vor seinem 68. Geburtstag.

Die Nachricht zog schnell Kreise. Zunächst in der forensischen Psychiatrie in Bedburg-Hau, wo der Diplom-Psychologe, der als Landesbeauftragter für den Maßregelvollzug arbeitete, im Dienst zusammengebrochen war und trotz sofortiger Hilfe nicht mehr wiederbelebt werden konnte. Dann in den Kreisen der Künstler und Kulturschaffenden, denen sich Dönisch-Seidel Zeit seines Lebens eng verbunden fühlte. Und schließlich unter den Sportlern der Kreisstadt, die mit seinem Namen das wohl schillerndste Kapitel der Klever Sportgeschichte verbinden.

Psychiatrie, Kunst, Sport – so gegensätzlich die Bereiche auch erscheinen mögen, in der Person von Uwe Dönisch-Seidel fanden sie zusammen. Das Grenzgängerische war sein Element. Seine berufliche Laufbahn begann in der LVR-Klinik in Bedburg-Hau, und dort war er in seinen frühen Jahren einer Reformer, die entscheidend dazu beitrugen, dass das Bild der „Anstalt“ endlich einem modernen Verständnis eines psychiatrischen Krankenhauses wich. Und so, wie man salopp sagt, dass Genie und Wahnsinn eng beieinander liegen, holte er auch die Kunst in die Landesklinik. Dönisch-Seidel gehörte zu den Initiatoren des Artoll-Kunstlabors, das seit Mitte der 90-er Jahre in einem nicht mehr genutzten Stationsgebäude auf dem Gelände des Krankenhauses viel besuchte Kunstausstellungen organisiert. Von der Gründung des Verein 1994 bis zum Jahre 2011 wirkte Dönisch-Seidel als Vorsitzender und setzte wichtige Impulse.

In den vergangenen zwanzig Jahren war Dönisch-Seidel als Landesbeauftragter für den Maßregelvollzug dafür verantwortlich, in ganz Nordrhein-Westfalen die Unterbringung psychisch kranker Straftäter zu begleiten. Eine herausfordernde Aufgabe, gerade in Zeiten, in denen die Stimmung zu kippen schien und straffällig gewordene Menschen mit einer psychischen Erkrankung wieder dämonisiert wurden. Dönisch-Seidels Verdienst war es, ausgleichend zu wirken und dafür zu sorgen, dass Einrichtungen wie die Forensik in Bedburg-Hau in der Bevölkerung akzeptiert wurden. Nutzer der Regionalbahn nach Düsseldorf konnten Dönisch-Seidel oftmals frühmorgens oder abends im Zug antreffen, wenn ihn seine Dienstgeschäfte in die Landeshauptstadt führten. Eigentlich hatte er 2017 schon die Altersgrenze erreicht, doch Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann wollte, dass er das Amt weiter betreute (mit Dank an Johannes Rütten für die ergänzenden Informationen).

Den meisten Klevern jedoch wird Dönisch-Seidel nicht wegen seiner beruflichen Tätigkeit und auch nicht wegen seiner kulturellen Ambitionen ein Begriff sein, sondern wegen der drei Jahre, die er an der Spitze des 1. FC Kleve stand. Von 2007 bis zum 3. November 2010 war er der Vorsitzende des Vereins, und es waren die Jahre, in denen die Verantwortlichen das ganz große Rad drehen wollten und den Verein Liga um Liga in die Höhe puschten.

Der Diplom-Psychologe war in gewisser Weise das Aushängeschild des Klubs, er konnte die Ambitionen seiner Mitstreiter wortgewandt verkaufen. Und wieder versuchte er den Brückenschlag, nicht nur zwischen den Kräften innerhalb des Vereins, sondern auch nach außen. Beispielsweise sorgte er dafür, dass die Mannschaft eine Ausstellung des Künstlers André Lemmens im XOX-Gelände besuchte. Insgesamt gab es viel Trubel, ein bisschen war der Klub der FC Bayern des Niederrheins.

Dann kamen die Steuerfahnder. Sie entdeckten Aktenordner, in denen die Schwarzgeldzahlungen an Spieler feinsäuberlich abgeheftet waren. Im Vereinsrecht haftet der Vorsitzende. Die Staatsanwaltschaft ermittelte jahrelang und förderte staunenswerte Einzelheiten über ein (im Amateurfußball allerdings übliches) System zutage, in dem Steuervorschriften nur am Rande interessierten. Nach langem Ringen stellte jedoch das Landgericht Kleve das Verfahren ein, unter anderem deshalb, weil niemand der Beteiligten handelte, um sich persönlich zu bereichern.

Der Einstellungsbeschluss, der die berufliche Laufbahn Dönisch-Seidels in Diensten des Landes NRW rettete, war jedoch mit einer beträchtlichen Geldbuße verbunden. Dönisch-Seidel musste sein Haus verkaufen. Danach mied er über viele Jahre das Rampenlicht. War er verbittert? Man weiß es nicht. Aber auch in diesen Jahren wird er sicher die Muße gehabt haben, sich an einem guten Glas Rotwein zu erfreuen. Und, auch wenn er vorzugsweise exzellente Weine genossen hat: Sein Leben war zu kurz.

Als Galerist in Kleve (ca.1986, Foto: Udo Kleinendonk)
Große Bühne Fußball: Drei Jahre führte Dönisch-Seidel den 1. FC Kleve
Vorzeigepsychiatrie: Uwe Dönisch-Seidel führt Minister Karl-Josef Laumann durch die neu eröffnete Forensik in Bedburg-Hau (2008). Links Bürgermeister Peter Driessen

Sachen gibt’s: Brütende Ringeltaube stoppt Abriss des Bahnhofsdachs

rd | 29. April 2020, 19:57 | 33 Kommentare
Der Fotograf hält Abstand zu Mensch und Tier: Niemand soll bei seiner Arbeit (Abreißen, Brüten) gestört werden (Foto: Udo Kleinendonk

Auch die Ratten der Lüfte haben etwas Rücksicht verdient – und so wird der Abriss des Bahnhofsdachs in Kleve noch eine Zeitlang hinziehen. Eine Ringeltaubennest unter dem Dach wird solange geschont, bis der Nachwuchs flügge ist. Hier die Pressemitteilung der Stadt Kleve dazu:

„Mitten unter dem Bahnhofsdach, auf einem tragenden Holzträger direkt an der Hauswand, brütet ein Ringeltaubenpärchen und hat zwei Jungtiere in ihrem Gelege. Diese Bruttätigkeit ist in den letzten Wochen unbemerkt geblieben. Mehrere weitere verlassene alte Nester, die auf den Balken der Dachkonstruktion festgestellt wurden, weisen jedoch keine Bruttätigkeit auf. 

Unmittelbar vor Beginn der Abrissmaßnahme wurde der Stadt angezeigt, dass sich dort ein Vogelpaar eingenistet hatte, so dass bereits am Montag die Abrissmaßnahme kurzzeitig gestoppt worden ist. Erst nach Aufklärung der Sachlage und in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Kleve konnten die Arbeiten in einem Teilbereich wieder aufgenommen werden. 

Am Dienstag fand ein weiterer Ortstermin mit allen am Bau Beteiligten, Vertretern der Bahn und der Naturschutzbehörde statt, um die artenschutzrechtlichen Belange und die technischen Möglichkeiten zu erörtern. Eine besondere Schwierigkeit besteht durch den laufenden Bahnbetrieb, der nicht gefährdet werden darf. Diese sogenannte Sperrpause des Gleises 1 ist derzeit bis zum 30.4. befristet und kann nicht ohne weiteres verlängert werden.  Da die Bruttätigkeit nicht unzumutbar gestört und das Nest nicht beseitigt oder verlagert werden darf, können die Abrissarbeiten in dieser Woche nicht vollständig abgeschlossen werden. 

Als Ergebnis wurde ein zweiter Abrisstermin für den zu belassenen Teil des Daches abgestimmt. Dazu wird die Sperrpause Ende Mai für einen Tag, nachdem die Jungvögel das Nest verlassen können bzw. haben, erneut angeordnet. Der Abriss kann dann vollständig beendet werden. Zwischenzeitlich können alle anderen Arbeiten auf dem Bahnsteig weitergeführt werden.“

Info Ringeltaube (Wikipedia): Die Ringeltaube (Columba palumbus) ist eine Vogelart aus der Familie der Tauben (Columbidae). Sie ist die größte Taubenart Mitteleuropas und besiedelt weite Teile der Paläarktis von Nordafrika, Portugal und Irland nach Osten bis Westsibirien und Kaschmir. Auffällige Merkmale sind die weißen Flügelbänder und der weiße Halsstreifen. Ringeltauben, im deutschsprachigen Raum auch Waldtauben genannt, bewohnen bewaldete Landschaften aller Art, aber auch Alleen, Parks und Friedhöfe, heute auch bis in die Zentren der Städte. Die Ernährung erfolgt wie bei den meisten Arten der Familie fast ausschließlich pflanzlich. Die Ringeltaube ist je nach geografischer Verbreitung StandvogelTeilzieher oder überwiegend Kurzstreckenzieher und verbringt den Winter vor allem in West- und Südwesteuropa. Die Art ist trotz der starken Bejagung in vielen Ländern ein häufiger Brutvogel und in Europa nicht gefährdet.


Corona aktuell: Drive-in-Comedy mit Kazmierczak, Drive-in-Angrillen, noch kein Drive-in-Gottesdienst, dafür Platz für 108 Gläubige in der Stiftskirche (Messe ohne Weihwasser und Gotteslob). 10 neue Infektionen

rd | 29. April 2020, 15:54 | 4 Kommentare
Im Hoodie, im Garten, im Bilde: Kabarettist Kazmierczak tritt demnächst auch vor Menschen in Autos auf

Die Gesundheitsbehörden des Kreises Kleve melden zehn neue Infektionen, keine neuen Todesfälle und weitere 22 genesene Patienten, sodass die Gesamtzahl der aktuell als erkrankt geführten Patienten 149 beträgt. Auf 100.000 Einwohner heruntergerechnet, bedeutet dies 48 Patienten. Diese Zahl ist interessant, weil sie sich mit dem vergleichen lässt, was Gesundheitsminister Jens Spahn in heute in seiner Pressekonferenz gesagt hat. Da wurden Bundesländer mit unter 25 Kranken je 100.000 Einwohner gewissermaßen als leuchtende Beispiele herausgestellt, Landkreise mit mehr als 100 Fälle auf 100.000 Einwohner hingegen als Katastrophenregionen. Der Kreis Kleve liegt mittendrin. (Überblickstabelle hier.) +++ Der Erfolg des Drive-in-Kinos (Donnerstag, 20:15 Uhr: Das perfekte Geheimnis) hat Bruno Schmitz, dessen Kabarett-Business ja auch lahm liegt, auf den Plan gerufen – er schickt Lokalmatador Ludger Kazmierczak auf den Tichelpark-Parkplatz, wo er vor den versammelten Windschutzscheiben ein Coronaprogramm abliefern wird. Die erste Veranstaltung am 8. Mai war vier Stunden, nachdem sie auf Facebook annonciert wurde, ausverkauft. Weitere sollen folgen (verspricht zumindest Kazmierczak). Facebook-Freunde erfreuen sich schon seit einigen Wochen an den launigen Videobotschaften, die der WDR-Redakteur aus dem eigenen Garten an die Welt versendet. +++ Grillgut wird auf Kühlergrill serviert? Sogar das Angrillen von Lothar Quartier soll jetzt im Drive-in-Format stattfinden, und zwar tags darauf, am 9. Mai, unter der Schirmherrschaft von Sonja Northing. +++ Sachsen überlegt, Sport draußen ohne Kontakt wieder zu erlauben. Also Kugelstoßen. Diskuswerfen. Hammerwerfen. (Tennis und Golf allerdings auch.) Als nächstes kommt dann vermutlich Sport drinnen ohne Kontakt: Barren, Reck, Ringe. So was können sich nur 105 Jahre alte Sportlehrer ausdenken. Vielleicht in ein paar Wochen dann alles, was auch Spaß machen könnte (draußen, Kontakt: Fußball – drinnen, Kontakt: Basketball). +++ Die ausgezahlten Soforthilfen aus dem Corona-Programm des Kreises Kleve liegen bei rund 3,2 Mio. Euro, von den bisher 1.155 Anträgen wurden 803 bewilligt und 330 abgelehnt. +++ Klever Lichterlauf abgesagt. +++ Bundesregierung beschließt einmalige Zahlung für Pflegekräfte von bis zu 1000 Euro, die von Ländern und Kommunen auf bis zu 1500 Euro aufgestockt werden kann. +++ Der aktuelle Plan für die Gottesdienste in Kleve, die ab 1. Mai ja wieder erlaubt sind: Samstag, 17.30 Uhr Christus-König-Kirche und Sonntag, 9 Uhr St. Mariä Empfängnis, 10 Uhr St. Lambertus, 11.30 Uhr Stiftskirche. Maximale Besucherzahlen: Stiftskirche: 108 Plätze; Christus-König-Kirche: 78 Plätze; St. Mariä Empfängnis: 42 Plätze und St. Lambertus: 36 Plätze. In den Kirchen ist die Zahl der maximal belegbaren Plätze deutlich sichtbar markiert.  Weihwasserbecken bleiben leer. Das Gesangbuch Gotteslob wird aus hygienischen Gründen nicht ausgelegt. Die Kommunionordnung wird so angepasst, dass die Gläubigen die Kommunion im gebotenen Mindestabstand empfangen können.


Geht’s noch?! Klever zerkratzt 66 Autos

rd | 29. April 2020, 13:23 | keine Kommentare
Dieses Smiley macht keine gute Laune, so viel ist sicher

Was ihn antrieb, ist nicht klar, aber die (vorläufige) Endstation seiner Reise erscheint angemessen: Ein 28 Jahre alter Mann aus Kleve wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, nachdem er in Kleve, Bedburg-Hau und Kalkar insgesamt 66 Autos mit einem Messer und mit Steinen zerkratzt hatte. Sein Motiv: ein Smiley. Der Schaden geht in die Tausende. Hier der Bericht der Polizei im Wortlaut:

Der Polizei gelang es am Dienstag (28. April 2020), einen 28-Jährigen aus Kleve festzunehmen, der kurz zuvor eine Vielzahl von Fahrzeugen in Kleve, Bedburg-Hau (Hasselt) und Kalkar beschädigt hatte. Mit einem Messer und Steinen hatte der Mann in den frühen Morgenstunden an insgesamt 66 Autos den Lack zerkratzt. Auf dem Meisenweg in Kleve startete er seine Tatserie und „verewigte“ sich mit Smileys und Schriftzeichen auf den Motorhauben von zwei Autos. Danach ging es in Bedburg-Hau-Hasselt weiter. Hier verursachte er Schäden an insgesamt 57 Fahrzeugen, davon auf einen Schlag 18 auf dem Gelände eines Autohauses an der Kalkarer Straße. Auf der Klompstraße ging der 28-Jährige einen Nissan Micra an. Die Wagenbesitzerin konnte den Täter noch in der Nähe ihres Autos sehen und stellte kurz darauf die Kratzer auf der Motorhaube fest. Sie lieferte den Polizeibeamten eine erste Beschreibung des Mannes. Doch der hatte sich in der Zwischenzeit auf den Weg nach Kalkar begeben. Er zog eine Spur der Kratzer-Verwüstung durch die Tiller Straße und ritzte Smileys in den Lack von weiteren sieben Fahrzeugen. Eine 36-jährige Zeugin beobachtete, wie er sich an den Autos zu schaffen machte und rief die Polizei hinzu. Die Beamten fahndeten im näheren Umfeld nach dem Täter und wurden wenig später an einem Supermarkt an der Gocher Straße fündig: Hier war der 28-Jährige kurz zuvor auch noch als Ladendieb aufgefallen. Die Polizeibeamten brachten den Mann daraufhin auf die Wache, wo er alle Straftaten zugab. Nach Begutachtung durch einen Arzt wurde er schließlich durch das Ordnungsamt in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. (cs)


Dr. Markus Krebber: Ein Klever wird neuer RWE-Chef, wird er den Hambacher Forst abholzen lassen?

rd | 28. April 2020, 18:29 | 10 Kommentare
Der Chef und sein designierter Nachfolger: Rolf Martin Schmitz und Dr. Markus Krebber

Wenn man ein wenig überlegt, welche Klever Persönlichkeiten aus dem Wirtschaftsleben es besonders weit gebracht haben, fallen einem natürlich zwei Namen ein, zum einen der Spectro-Gründer Paul K. Friedhoff, zum anderen der Alltours-Chef Willi Verhuven. Beide waren Gründer, sie fingen in Kellern bzw. in Reisebürokaschemmen an, und sie schafften es, ihre Unternehmen in die Spitze der jeweiligen Branchen zu katapultieren. Spectro gehört mittlerweile zum amerikanischen Ametek-Konzern, ob die Figur des Unternehmensgründers da noch präsent ist, darf bezweifelt werden. Anders Alltours, da mischt Willi Verhuven immer noch persönlich mit, freut sich über 1,45 Milliarden Euro Umsatz und schaut aktuell sicher bange auf die Entwicklung seiner Branche. Aber halten wir fest, zwei Persönlichkeiten. Ganz anders verlief die Karriere von Markus Krebber, der aber künftig in einer Liste der erfolgreichen Klever in der Wirtschaft nicht mehr fehlen darf: Der 47 Jahre alte Mann wird im kommenden Jahr der erste (gebürtige) Klever sein, der an der Spitze eines DAX-Konzerns steht. Heute beschloss der Aufsichtsrat des RWE-Konzerns, dass Krebber im kommenden Jahr den derzeitigen Vorstandsvorsitzenden Rolf Martin Schmitz beerben wird.

An der Spitze von RWE wird der neue Chef noch ganz andere Volumina bewegen als Verhuven und Friedhoff: Der RWE-Konzern machte im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von 13,125 Milliarden Euro (mir würde schon der Teil nach dem Komma reichen). Krebber kennt diese Zahl wie viele andere auch in- und auswendig, denn seit vier Jahren arbeitet er als Finanzvorstand des Konzerns. Doch Krebber wird nicht nur das Vergnügen haben, seinen Aktionären mehr oder minder voluminöse Zahlen zu präsentieren. Als RWE-Chef wird er auch für die Abholzung des Hambacher Forstes zuständig sein (wenn sein aktueller Chef das Thema nicht noch auf seine letzten Monate erledigt bekommt). Inwieweit die Sozialisation des neuen Chefs inmitten des schönen Reichswaldes dazu zu einer neuen Einstellung führen könnte, wird sich zeigen.

Die Rheinische Post, die Anfang des Jahres erstmals über die Personalie berichtet hat, beschreibt den Manager als „Mischung aus Rheinländer und kühlem Rechner – entspannt im Umgang, hart in der Sache“ (hier der Link zum aktuellen Artikel: Der Kronprinz aus Kleve wird neuer RWE-Chef ). Eine kurze Google-Suche über Spuren, die Krebber bis zu seinem Abitur in Kleve hinterlassen hat, fördert nicht viel Brauchbares zutage. Nach einer Ausbildung bei der Deutschen Bank zum Bankkaufmann studierte er  an der Gerhard Mercator-Universität Duisburg und an der Indiana University of Pennsylvania Wirtschaftswissenschaften. Danach arbeitete ab 2000 bei der Unternehmensberatung McKinsey. Seine 411 Seiten starke Dissertation, für die 2007 bei der Humboldt-Universität promoviert wurde, hatte den Titel: „Kapitalmarktorientierte Bewertung von Lebensversicherungsunternehmen mit überschussbeteiligtem Geschäft“.

Ausweislich des Geschäftsberichts 2019 erhielt Markus Krebber eine Gesamtvergütung in Höhe von 3,356 Millionen Euro. Sein aktueller Chef bekam 4,215 Millionen Euro.

Hier die Pressemitteilung vom RWE im Wortlaut:

Der Aufsichtsrat der RWE AG hat in seiner heutigen Sitzung entschieden, dass Dr. Markus Krebber zum 1. Juli 2021 die Nachfolge von Dr. Rolf Martin Schmitz als Vorstandsvorsitzender der RWE AG antreten soll, dessen Vertrag zu diesem Zeitpunkt planmäßig ausläuft. Der 1957 in Mönchengladbach geborene Schmitz ist seit 2009 Vorstand des Unternehmens und führt den Konzern als CEO seit 2016. 

Der Aufsichtsratsvorsitzende der RWE AG, Dr. Werner Brandt, erläutert: „Dem Aufsichtsrat war es wichtig, frühzeitig eine Nachfolgeregelung zu treffen. Die Wahl von Herrn Krebber stellt sicher, dass die strategische Neuausrichtung der RWE hin zu einem global führenden Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien langfristig fortgesetzt wird. Herr Schmitz und Herr Krebber haben gemeinsam die Weichen gestellt, um den Konzern zu einem nachhaltigen Unternehmen umzubauen, das bereits 2040 klimaneutral sein wird. Dieser Weg soll konsequent fortgesetzt werden.“

Markus Krebber (47) war nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften zunächst in der Unternehmensberatung und im Finanzdienstleistungssektor tätig. Seit 2012 arbeitet er im 
RWE Konzern, wo er zunächst für die RWE Supply & Trading verantwortlich war und seit 2016 Finanzvorstand (CFO) der RWE AG ist. Gemeinsam mit Schmitz hatte Krebber 2018 die Transaktion mit E.ON vorangetrieben und damit dem Konzern angesichts der weitreichenden Transformation der Energiewirtschaft neue Zukunftsperspektiven eröffnet.

Den formalen Beschluss über die Bestellung von Markus Krebber als Vorstandsvorsitzenden der RWE AG zum 1. Juli 2021 wird der Aufsichtsrat zu einem späteren Zeitpunkt treffen. Über die Nachfolge von Krebber als CFO der RWE AG wird der Aufsichtsrat zu gegebener Zeit entscheiden. Das gilt auch für die Entscheidung über die Nachfolge von Rolf Martin Schmitz in seiner Funktion als Arbeitsdirektor der RWE AG, die er bis 30. Juni 2021 in Personalunion ebenfalls innehat. 


Corona: 2 weitere Todesopfer, Hilfsfonds der Hochschule für notleidende Studenten

rd | 28. April 2020, 16:38 | 157 Kommentare

Kurzes Update am Dienstag: Die Gesamtzahl der bisher erfassten Corona-Fälle im Kreisgebiet beläuft sich auf 549 Fälle (Überblickstabelle hier). Zwei weitere Personen sind gestorben, diesmal zwei Frauen aus Wachtendonk (91 und 96 Jahre alt). Nur noch 29 Menschen werden stationär behandelt. 428 Personen befinden sich in Quarantäne. Die Zahl der Klever Bürger, für die die Diagnose gestellt wurde, beläuft sich auf nunmehr 61. Alles im Grunde recht stabil. +++ Die Hochschule Rhein-Waal hat gemeinsam mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und dem „Förderverein der Hochschule Rhein-Waal – Campus Cleve e.V.“ den Corona-Hilfsfonds ins Leben gerufen. Dieser soll Studierenden der Hochschule, die in finanzielle Notlage geratenen sind, helfen. Bedürftige Studierende der HSRW können über den AStA unbürokratisch Zuschüsse zum Lebensunterhalt in Form einer Einmalzahlung in Höhe von 250 Euro beantragen. Verständlicherweise wird dieser Fonds nicht die kompletten Bedürfnisse abdecken können, sondern nur eine kleine Unterstützung in der Not bedeuten. „Wir möchten vor allem jenen helfen, die keine andere Unterstützung erhalten und sich normalerweise mit Nebenjobs über Wasser halten“, so der AStA-Vorsitzende Joshua Lehmann.


Fr-Sa-So-Corona: Cake-to-go, 59 neue Fälle in einer Woche, ist irgendwas noch nicht abgesagt?

rd | 26. April 2020, 20:35 | 26 Kommentare
Vorige Woche 59 neue Fälle im gesamten Kreisgebiet, in dieser Woche 57: Das Geschehen erscheint überschaubar, aber was lernen wir daraus?
Lieb gewonnene Sonntagsrituale werden durch Cake-to-go ersetzt. Der Himbeer-Frischkäse war natürlich einige Kilometer später etwas derangiert, aber hat dennoch ausgezeichnet geschmeckt. (Bestellungen unter 3545 für den Folgetag möglich.)
Das obligatorische Rapsfoto lassen wir natürlich nicht ausfallen: Ganz schön gelb

Gibt es eigentlich irgendetwas, das noch nicht abgesagt ist? Soweit ich den Überblick habe, stehen noch Rammstein in Nimwegen (24.06.), das Klever Oktoberfest (18.-26.09.) und Heiligabend (24.12.), ansonsten kann man das Jahr unter dem Aspekt Geselligkeit wohl weitestgehend abhaken. +++ Aber immerhin, das Seuchengeschehen hat sich im Kreisgebiet stabilisiert, nachzutragen sind noch die neuen Fälle von Freitag (11), Samstag (11) und Sonntag (5), sodass im Wochenverlauf insgesamt 59 erkannte Neuerkrankungen hinzukamen. Das bewegt sich auf dem Niveau der Vorwoche (57), bleibt also stabil, was als gute Nachricht zu werten ist. Die Zahl der Todesopfer hat sich auf 22 erhöht, es handelt sich auch bei den neuen Verstorbenen um hochbetagte Frauen (95, Kleve; 94, Straelen) und Männer (77, Weeze; 82, Kleve). +++ Hier die aktualisierte Gesamttabelle als kleiner kleveblog-Service. +++ Unterdessen rekrutiert der Kreis Kleve offenbar Corona-Kontakt-Teams, deren Aufgabe es sein wird, die Kontakte von Infizierten nachzuverfolgen. Der Personalbedarf liegt, laut einer Pressemitteilung von Barbara Hendricks, bei 75 Mitarbeitern. +++ Gute Idee von Daniel Rütter (Bürgermeisterkandidat der FDP): Wegen Corona die Parkgebühren aussetzen, um zusätzliche Kontakte (in dem Fall mit den Automaten) zu vermeiden. Rütter: „Die momentan wenigen Personen, die in die Stadt fahren, um Erledigungen zu tätigen, sollten mit so wenig Menschen und Gegenständen wie möglich in Berührung kommen.“ Vor allem aber möchte die FDP die schwer gebeutelten Geschäfte in der Innenstadt stärken. „Deshalb wollen wir, dass auch nach weiteren Lockerungen die Parkplätze das gesamte Jahr über kostenlos bleiben sollen und wir recht bald wieder eine belebte Innenstadt bekommen. Kleve soll auch nach Corona eine beliebte Einkaufsstadt bleiben.“ +++ Corona-Fußgängerzonentalk: „Da hat die Coronakrise auch wat Gutes: saubere Luft und wer braucht jetzt ein neues Auto. Und da in Venedig sind die Schwäne und Fische wieder da.“ +++ Aktuelle Flugzeuge am Himmel: keine. +++


Corona aktuell: Nur noch mit Mundschutz ins Rathaus

rd | 23. April 2020, 19:03 | 37 Kommentare
Dieser Busch ist vorschriftsmäßig gekleidet. Er darf ins Klever Rathaus. Aber will er? (Foto gefunden von: Christa van Bebber)

Kein Tag ohne neue Regeln für unser Zusammenleben. Heute, am Reiseblatt-Tag, bekanntlich der Tag vor dem SZ-Magazin-Tag, kam aus dem Klever Rathaus die Mitteilung, dass die Besucher fortan bitte mit einem Atemschutz zu kommen haben. Grundsätzlich ist das Klever Rathaus geschlossen, alles an Behördengängen soll elektronisch oder fernmündlich (was ja eigentlich auch elektronisch ist, aber wir wollen jetzt nicht zu philosophisch werden) erledigt werden. Wenn aber doch ein Besuch vonnöten sein sollte: „… können die Bereiche nach vorheriger telefonischer Terminvereinbarung aufgesucht werden“, schreibt die Stadt Kleve. „Die Termine sind in den jeweiligen Fachbereichen zu vereinbaren. Zur eigenen Sicherheit und zum Schutz der Beschäftigten wird darum geben, einen Mundschutz zu tragen.“ +++ Gibt es neue Zahlen? Natürlich. Sie sagen: Es bleibt konstant. Hier die Datenlage im Einzelnen: Gesamtzahl der Fälle: 511. In Kleve: 54. Genesen: 308. Im Krankenhaus: 36. Gestorben: 18 (neu ein Mann (88) aus Straelen). In Quarantäne: 455. Hier die Gesamttabelle als kleiner kleveblog-Service. +++ Was ist sonst noch zu beachten? Wer nach einem Aufenthalt im Ausland, der länger als 72 Stunden gedauert hat, in den Kreis Kleve zurückkehrt, muss sich beim Kreis melden und 14 Tage in häuslicher Quarantäne verbleiben. +++ Näher, mein Gott, zu dir: NRW will Gottesdienste wieder erlauben +++ Win-Win-Situation der kölschen Art: „Wenn München das Oktoberfest absagt, heißt das nicht, dass Köln wackelt oder die Session in Gefahr ist.“ Sagt Christoph Kuckelkorn, der Vorsitzende des Festkomitees Kölner Karneval. Im Hauptberuf: Bestattungsunternehmer.


Schönes Video, spannendes Projekt

rd | 23. April 2020, 14:39 | 17 Kommentare
Gerne, wenn von der kulturellen Überlegenheit des Westens schwadroniert wird, kommt die Sache mit dem Frauenbild in anderen Regionen der Welt. Und dann kommt der Anfang dieses Videos, man hört Sepp Herberger mit einem Zitat und erfährt anschließend, dass Frauenfußball erst seit 1970 in Deutschland erlaubt ist (es hieß damals noch Damenfußball). Um so schöner, dass der Sport mittlerweile auch für Frauen selbstverständlich geworden ist. Und in Warbeyen, einem Dorf, das zum Zentrum des Frauenfußballs in der Region geworden ist, planen die Verantwortlichen nun ein spannendes Projekt, worüber sie in diesem Film informieren. Prädikat: Sehenswert!

Auf diesem Bild fehlen…

rd | 23. April 2020, 14:21 | 7 Kommentare
Acker bei Huisberden

Normal sind für den Monat April in Deutschland Niederschlagsmengen von rund 60 Liter pro Quadratmeter (lt. Deutschem Wetterdienst exakt 58 Liter). Das bedeutet wiederum rechnerisch, dass auf eine Monatshälfte rund 30 Liter entfallen. Nun aber melden die Meteorologen, dass bisher erst drei Prozent der im Monat üblichen Menge tatsächlich niedergeregnet sind – auf diesem Bild fehlen also rund 27 Liter Wasser pro Quadratmeter. (Für die Freaks, die hier alle Rechnungen kontrollieren: 3 % von 58 = 1,74. Dann 29 – 1,74 = 27,26.) Das Foto oben, bei Huisberden aufgenommen, zeigt: So sieht die Landschaft auch aus. Dazu erklärt Wetterbauer Hubert Reyers heute auf seiner Website wetter-niederrhein.de: „In den vergangenen Tagen lagen die Verdunstungsraten am Niederrhein bei 5 bis 6 Litern Wasser pro Quadratmeter und Tag. Für Ende April sind diese Werte ungewöhnlich hoch. Derart hohe Verdunstungsraten finden wir sonst nur bei Hochdruckwetterlagen mit Ostwind in den Sommermonaten. Diese erklärt, warum die Frühlings-Trockenheit am Niederrhein aktuell extreme Ausmaße angenommen hat.“ Es fällt also nicht nur kein Regen, das bisschen Feuchtigkeit, das noch vorhanden ist, wird vom Ostwind mitgenommen.


Corona-Buchhaltung: Nachtrag von gestern

rd | 23. April 2020, 14:05 | keine Kommentare
Tja, das wird wohl noch ein wenig dauern, bis dieser Wunsch (von wem überhaupt? Gott?) erhört wird (Foto: Klaus Oberschilp)

Natürlich wollen wir unsere tägliche Dienstleistung nicht unter den Tisch fallen lassen, nur diesmal kommt sie einen Tag verspätet. Wobei, wie unlängst schon geschrieben, die Unterschiede kaum noch zu erkennen sind. Heute ist jedenfalls Donnerstag, wir erinnern uns, der Tag des Reiseblatts in der FAZ und für mich eigentlich der Tag mit dem fixesten aller fixen Termine, dem Basketball in der Hobbygruppe (20 Uhr, Stein-Gymnasium). Auch schon Lichtjahre weit weg. Selbst als Verletzungen mich aus der Bahn geschossen hatte, trottete ich humpelnd in die Halle, um auf einem Bahn stehend Würfe zu nehmen oder wenigstens den anderen zuzuschauen bei der freudvollen Betätigung, die einem selbst verwehrt blieb. Die Zahlen aber, die jetzt folgen, sind noch von GESTERN. Das war Mittwoch, der Natur-und-Wissenschaft-Tag meiner geschätzten alten Tante. Da also betrug die Gesamtzahl der bisher erfassten Fälle im Kreis Kleve exakt 500, davon 53 in Kleve. 17 Todesfälle (Nr. 17 ist ein 75 Jahre alter Mann aus Rees). 300 genesen, 35 im Krankenhaus, 448 Personen in Quarantäne.

Und jetzt noch ein kleiner Service der kleveblog-Redaktion für alle, die den Überblick behalten wollen: Sämtliche Zahlen des Kreises in einer Tabelle frei abrufbar (allerdings nur Kleve einzeln aufgeführt, die anderen Ortschaft fehlen): Überblick Corona Kreis Kleve. Wenn das so funktioniert, wie ich es mir vorstelle, müsste sich im Browser eine Google-Docs-Tabelle öffnen.


Angrillen – noch eine Veranstaltung, die dem Coronavirus zum Opfer fällt

rd | 22. April 2020, 13:59 | 6 Kommentare
Eigentlich schon eine Klever Traditionsveranstaltung: das Angrillen der Metzgerei Quartier. In diesem Jahr muss das Event jedoch ausfallen (Foto: Charly Stoffels)

Das Schicksal der Veranstaltung stand im Grunde fest, als die Bundesregierung das Aus für Großveranstaltungen bis zum 31. August verkündete. Denn in den vergangenen acht Jahren mauserte sich das zweitägige „Angrillen“-Festival der Metzgerei Quartier, angeboten in den beiden Musikfarben Schlager und Rock, zu einem Event, zu dem die Klever in Scharen strömten und eng an eng auf Bierzeltgarnituren die ersten Grillspezialitäten des Jahres verköstigten. Soeben meldete Quartier dann auch die Absage. Hier die Meldung im Wortlaut: „,Uns fällt die Entscheidung unendlich schwer. Wir haben wochenlang mit allen Beteiligten um einen Termin gekämpft. Aber nun müssen wir feststellen: Unter den jetzigen Gegebenheiten können wir das Angrillen – Made in Kleve in diesem Jahr nicht stattfinden lassen. Wir müssen die Veranstaltung auf das kommende Jahr schieben, alles andere wäre unvernünftig und verantwortungslos‘, erläutert Veranstalter Daniel Quartier. Bis mindestens zum 31.  August dieses Jahres sind bekanntlich alle Groß-Events untersagt und danach sind die folgenden Wochenenden bereits mit anderen Großveranstaltungen belegt. ,Es war unmöglich, einen Termin für unser tolles Event zu finden. Die Enttäuschung aller Beteiligten ist riesengroß‘, fügt Lothar Quartier hinzu.“

Als neuen Termin haben die Veranstalter den 7. und 8. Mai 2021 ins Auge gefasst. Alle Karten behalten ihre Gültigkeit. Doch so ganz ohne Angrillen-Event sollen die Fans nicht bleiben. Es soll kurzfristig (!) noch eine Überraschung aus dem Hut gezaubert werden. Eine weitere Eventserie aus dem Hause Quartier muss der aktuellen Situation ebenfalls Tribut zollen: Die geplanten Grillseminare werden an neuen Terminen stattfinden.


Das nächste Tatörtchen

rd | 22. April 2020, 12:32 | keine Kommentare

Was ist da nur los, schon wieder waren Sanitäroristen am Werke! Diesmal meldet die Polizei: „Am späten Dienstagabend (21. April 2020) gegen 23:30 Uhr haben unbekannte Täter auf einer Baustelle im Bereich Kerkpad /Hohe Straße ein Toilettenhäuschen angezündet. Die Feuerwehr Rindern löschte den Brand, das mobile Kunststoff-WC wurde aber komplett zerstört. Einer der Einsatzkräfte der Feuerwehr sah nach Abschluss der Löscharbeiten auf dem Gelände einer nahegelegenen Grundschule nach dem Rechten. Dabei sah er, wie jemand mit einer Taschenlampe schnell über den Friedhof in Richtung Drususdeich davonlief. Zeugen werden gebeten, sich bei der Kripo Kleve unter Telefon 02821 5040 zu melden.“


Klever Oktoberfest: Wird in diesem Jahr „O’zapft is!“ zu hören sein? Die Veranstalter planen es…

rd | 21. April 2020, 19:05 | 12 Kommentare
Sie kommen zu Tausenden in Lederhosen und Dirndln in das Festzelt am Klever Bahnhof, doch wie wird es in diesem Jahr aussehen: Schunkeln mit Sozialdistanz? (Foto: Kle-Event)

Am Dienstag Mittag kam die Nachricht, dass die Mutter aller Oktoberfeste, die Wies’n in München, in diesem Jahr zum ersten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ausfällt. Natürlich wegen Corona. Die Frage ist, wie die Veranstalter der äußerst erfolgreichen Nachahmerfeste im Flachland mit dieser Entscheidung umgehen werden– zum Beispiel das Unternehmen Kle-Event von Bernd Zevens, das seit 2015 äußerst erfolgreich die niederrheinische Version des dirndlaffinen Gelages veranstaltet. In diesem Jahr sind laut Website vier Festabende geplant, an den beiden letzten Wochenenden im September, also zur gleichen Zeit wie das Original des Festes in München. Auf den rauschenden Großpartys hatten in den vergangenen Jahren jeweils mehrere tausend Freunde des bayrischen Brauchtums ausgelassen gefeiert. Und 2020? Entschieden ist noch nichts. Christian Nitsch, einer der Mitorganisatoren, sagt: „Eine Absage steht nicht an.“ Auf Facebook heißt es: „Liebe Freunde des Klever Oktoberfestes, ob wir unser Oktoberfest in der Zeit vom 18.- 26. September 2020 feiern dürfen, steht noch in den Sternen. Wir werden die nächsten Tage und Wochen die Entwicklung dieser Pandemie in NRW und in Kleve beobachten und zudem auf klare Signale aus der nordrheinwestfälischen Landesregierung warten. Liebe treue Freunde des Klever Oktoberfestes, egal welche Regelungen letztlich vorgegeben werden, am Ende gilt es jegliche gesundheitliche Gefährdung für unsere Gäste zu vermeiden. Lasst uns gemeinsam die nächste Zeit abwarten und ,Gutes‘ hoffen. Bleibt gesund, Euer Klever Oktoberfest-Team.“

Die Organisation des Events dürfte angesichts der mannigfachen Unsicherheiten ein Ritt auf der Rasierklinge werden: Derzeit sind alle Massenveranstaltungen in Nordrhein-Westfalen bis zum 31. August untersagt. 18 Tage später dann der Fassanstich in einem Festzelt, das mit 3500 Menschen gefüllt ist? Im Augenblick schwer vorstellbar. Eine Einschränkung der Besucherzahl wäre denkbar, könnte aber wirtschaftliche Verwerfungen auslösen. Und außerdem: Schunkeln mit Sozialdistanz, wie soll das bitteschön gehen?


Corona-Kurzticker: 16. Todesopfer

rd | 21. April 2020, 15:04 | 25 Kommentare

(Heute ist Dienstag.) Eine 99 Jahre alte Frau aus Straelen ist das 16. Todesopfer der Corona-Pandemie im Kreis Kleve. Neun weitere Infektionsdiagnosen wurden gestellt (Gesamtzahl nunmehr 491), abzüglich als „genesen“ geführter Menschen (287) sowie der 16 Verstorbenen ergibt sich somit eine aktuelle Patientenzahl von 188, von denen 34 im Krankenhaus behandelt werden (gestern 193). In der Stadt Kleve hat es bisher insgesamt 51 erkannte Corona-Infektionen gegeben.

Wie sähe die Welt aus, wenn alle Menschen mit einem Reifrock (Radius 75 Zentimeter) durch die Gegend laufen müssten, um den Abstand zu gewährleisten?

Die gaaanz vorsichtige Corona-Öffnung: Bitte noch keine Partys feiern, sagt der Landrat (Klever halten sich weitestgehend daran)

rd | 20. April 2020, 18:37 | 6 Kommentare

(Heute ist Montag.) Die ersten Stunden der vorsichtigen („schrittweisen“) Rückkehr zur Normalität – die Stimmung ist gedämpft, aber immerhin (gefühlt) gedämpft optimistisch. Sollte das Schlimmste tatsächlich überstanden sein?

Drosten sagt nein, und auch Landrat Wolfgang Spreen warnt: „Die Corona-Fallzahlen im Kreisgebiet sind in den letzten Tagen stabil, nicht rückläufig. Deshalb ist es zwingend erforderlich, dass sich die Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin an die Abstandsgebote und Hygieneregeln halten.“

Doch die Menschen trauen sich wieder in die Stadt, die meisten sind auch auf Distanz zu ihren Mitmenschen bedacht. Die Quote der Mundschutzträger liegt bei gefühlt einem von 20 Menschen. Aber man wird sich wohl dran gewöhnen (müssen). Die ersten Geschäfte haben ihre Warenständer wieder auf die Fußgängerzone gestellt. Der Blick nach drinnen zeigt eine schöne Varietät von Plexiglaskonstruktionen im Kassenbereich, und, wo derlei fehlt, trägt das Verkaufspersonal Mundschutz. Die Buchhandlung Hintzen und einige andere Geschäfte auch haben in ihren Ladenlokalen Laufwege eingerichtet, damit die Kunden sich nicht in die Quere kommen.

An der Hochschule Rhein-Waal hat das Sommersemester begonnen, für das es relativ egal ist, ob die Studierenden vor Ort sind oder nicht – alle Lehrveranstaltungen finden online statt. Womöglich das Modell für die Zukunft, Fernhochschule Kleve. Die Professoren nennen das Halbjahr mit dem ihnen eigenen Wortwitz in einem sechsminütigen Begrüßungsvideo Cemester, und man darf raten, wo das C herkommt. Das übliche Spektakel, Pubcrawl und so weiter, findet nicht statt.

An der Nassauer Allee, in der Kreisverwaltung, werden derweil weiter die Fallzahlen addiert, mittlerweile ist der Kreis bei 482 „labordiagnostisch bestätigten“ Fällen angelangt (drei mehr als gestern), die Zahl der Toten liegt weiterhin bei 15, im Klever Stadtgebiet sind 51 Fälle zu vermelden. Die Nettozahl der Erkrankten beträgt 193 , ein Rückgang gegenüber gestern von 16.

Ob diese Entwicklung anhält, wird sich zeigen. Amtsärztin Dr. Martina Scherbaum befürchtet, dass die Bevölkerung nun nach Wochen der sozialen Isolation unvorsichtig werden könnte: „Nachlassende Vorsicht bedeutet in etwa 10 bis 14 Tagen steigende Infektionszahlen. Dies führt dann auch zu einer steigenden Zahl von Kontaktpersonen, die ermittelt und ebenfalls in Quarantäne geschickt werden müssen.“ Und dann ginge das ganze Spiel von vorne los. Bitte nicht!


Villa Nova: Historisches Klo gestohlen – waren es Sanitäroristen?

rd | 20. April 2020, 13:38 | 4 Kommentare

Handelte es sich um Sanitäroristen? Unbekannte Täter entwendeten aus dem griechischen Restaurant Villa Nova an der Tiergartenstraße eine historische Toilette und weitere Sanitärapparaturen. Um an die Beute zu gelangen, zerstörten die Täter eine Glasscheibe, hinter der die Objekte als Akktraktion ausgestellt waren. Neben der Toilette rissen die Einbrecher auch das Waschbecken und die Armaturen heraus. Nach Erkenntnissen der Polizei ereignete sich die Tat zwischen Donnerstag, 15 Uhr, und Freitag (17. April 2020), 8 Uhr Wie die Täter ins Gebäude gelangt sind und in welche Richtung sie mit der Beute geflüchtet sind, ist derzeit noch unklar. Die Polizei sucht Zeugen, die Hinweise zu verdächtigen Personen oder Feststellungen machen können. Zeugen sollen sich bei der Kripo Kleve unter Telefon 02821 5040 melden.


Corona-Hoffnungsschimmer: Nur noch 57 neue Infektionen, so wenig wie seit Mitte März nicht mehr

rd | 19. April 2020, 15:09 | 20 Kommentare
Satter Rückgang: Die Zahl der Neuinfektionen ist deutlich gesunken

Soeben vermeldete der Kreis Kleve, dass seit Samstag vier weitere Corona-Infektionen diagnostiziert wurden, also seit Beginn des Ausbruchs im Kreis insgesamt 479 Fälle (mit 15 Toten). Doch die Tabelle zeigt, dass endlich – und passend zur vorsichtigen Rückkehr ins Geschäftsleben – Anlass zur Hoffnung besteht, denn die Zahl der Neuinfektionen pro Woche ist deutlich zurückgegangen. Insgesamt verzeichneten die Ärzte im Kreisgebiet in der Woche vom 13.-19 April nur noch 57 neue (erkannte) Ansteckungen, das sind so wenig wie ganz zu Anfang des Ausbruchs. Der Netto-Krankenstand (Diagnose minus Genese, minus Gestorbene) beträgt am heutigen Sonntag 209 (gestern 205).

Im Tiergartenwald heute nur begrenzt möglich
Ausflug zum Müggelsee: die Klever Bundestagsabgeordnete Dr. Barbara Hendricks mit Mundschutz in der Berliner Tram (Foto: Barbara Hendricks)

Rot sehen: Aufmarsch der Erdbeerhütten

rd | 19. April 2020, 13:41 | 3 Kommentare
Aufmarsch in Warbeyen: Die Hütten, die sich um Sozialdistanz nicht scheren müssen, stehen in Reih und Glied, bereit, ausgeliefert zu werden. Aber wie werden es die Kunden halten?

Corona aktuell: 475-(255+15)=205

rd | 18. April 2020, 15:00 | 3 Kommentare
Bitte. Danke.

Will sagen: Sechs neu erkannte Infektion mit dem Coronavirus (insgesamt 475), ein weiteres Todesopfer (sa. 15), vier weitere Menschen, die genesen sind (255). Daraus ergibt sich gewissermaßen eine Netto-Zahl aktuell erkrankter Menschen, die bei nunmehr 205 liegt. Gestern sah die Rechnung wie folgt aus: 469-(251+14)=204.


Klever Bahnhof bis auf weiteres unbenutzbar

rd | 18. April 2020, 14:19 | 23 Kommentare
Liebling, ich habe den Bahnsteig geschrumpft!
Bei der Bahn eine unbekannte Größe: Hygieneabstand

Die gute Nachricht dürfte sein, dass ausnahmsweise einmal nicht die NordWestBahn dafür verantwortlich gemacht werden kann. Die schlechte: Der Klever Bahnhof ist weitestgehend unbenutzbar, zumindest, wenn der Bahnkunde sich an die Corona-Abstandsempfehlungen halten möchte. Der Grund: In Kürze wird bekanntlich das marode Bahnhofsdach abgerissen, und natürlich ist es wünschenswert, dass die Fahrgäste nicht schon vor Fahrtantritt von herabfallenden Trümmerteilen erschlagen werden. Also: Absperrung. Dadurch aber, das Foto zeigt es, sind die je nach Sichtweise hinteren oder vorderen ein bis zwei Wagen der zwei oder drei Zugabschnitte langen NWB-Züge nur noch über einen Bahnsteig zu betreten, der etwas breiter als ein Meter ist. Gleichzeitiges Ein- und Aussteigen, wie sonst gewohnt, wird für die immerhin nicht erschlagenen Passagiere zu einem erheblichen Infektionsrisiko. Wer aber denkt sich so etwas aus?


Unser distanziertes Leben: Bürovermummung, Youtubeerstkommunion, und wie bitte soll Bürgernähe im Wahlkampf möglich sein?

rd | 17. April 2020, 14:00 | 15 Kommentare
Corona-Lagesitzung im Kreishaus (Foto: Kreis Kleve)

(Heute ist ja schon Freitag! Aktualisiert, jetzt mit der Zahl der Neuinfektionen) Zuletzt habe ich so viele Menschen mit Mundschutz gesehen, als Prof. Braun in einer beherzten Aktion mein lädiertes Knie wieder zusammenflickte (die älteren Leser werden sich erinnern: Quadrizepssehnenruptur nach Fahrradsturz). Da aber war nach einer halben Stunde, die zudem ich die Gnade hatte, in Vollnarkose verbringen zu dürfen, alles vorbei.

Jetzt aber scheint die Bedeckung des Gesichts, zum eigenen und zum Schutz anderer, zu einer alltäglichen Erscheinung zu werden. Aktuell meldet der Kreis Kleve in seinen Städten und Gemeinden 22 neue Infektion, die Zahl der Todesopfer ist um einen Menschen, einen 82 Jahre alten Mann aus Kleve, auf 14 gestiegen. Montag sollen die kleineren Geschäfte wieder öffnen (Faustregel für Kleve: alles außer Saturn, H&M, Kaufhof, Woolworth, C&A, Mensing Kavarinerstraße), in einer Woche, am 27. April, will auch die Stadtbücherei wieder öffnen. Von einer Rückkehr zur Normalität zu sprechen, erscheint dennoch vermessen.

„Wir müssen leider davon ausgehen“, sagt Landrat Wolfgang Spreen, „dass diese besonderen Umstände noch für unbestimmte Zeit andauern werden.“ Selbst wenn Montag mit der Öffnung der Geschäft ein wenig Normalität wieder Einzug hält, werden der Hygieneabstand an der Supermarktkasse, der große Bogen um den entgegenkommenden Passanten in der Fußgängerzone, die Begrüßung ohne Handschlag und schon gar nicht mit Küsschen links, Küsschen rechts sowie die großflächige Verhüllung des Gesichts (die noch vor wenigen Wochen in Teilen der Bevölkerung verdammt wurde (da allerdings, weil Zeichen einer Religion)) der Normalzustand unseres Zusammenlebens.

Wird gestreamte Gottesdienst aus einer leeren Kirche der neue Standard für die Ausübung des Glaubens? Youtubeerstkommunion, Skypebeichte? Wie ist der Klever Klaviersommer vorstellbar, wie kann man sich die Kirmes am Montag Abend in Materborn vorstellen. Der VfL Merkur Kleve hat gerade seine lange vorbereiteten Jubiläumsfeierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen abgesagt.

Und, wo wir gerade beim Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. August sind, wie sollen Politiker bis zum 13. September, dem Tag der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen, noch Bürgernähe unter Beweis stellen. Klassisches Klinkenputzen, der Kugelschreiberverteilstand in der Fußgängerzone – alles kaum vorstellbar. Wäre es nicht sogar ein Zeichen besonderer Verantwortung, wenn sich Kandidaten als potenzielle Super-Spreader, die sie ja sind, möglichst bürgerfern verhielten? FDP-Mundschutz als Giveaway?

Tennisspieler wollen nun wieder ihren Sport ausüben, ein Ansinnen, das nachvollziehbar erscheint, denn die Kontrahenten kommen sich normalerweise nicht allzu nahe. Aber wann wird auf den Fußballfeldern des Kreises wieder gekickt, wann sind die Sporthallen wieder geöffnet? Und, wenn es so weit ist, welche Einschränkungen wird es geben?

Der Alltag, wie wir ihn über Jahre kannten, hat sich gerade einmal 32 Tage verabschiedet, und er wird, wie es scheint, in seiner früheren, sorglosen Ausprägung erst einmal nicht wiederkehren. Aber hoffen wir, dass das, was vielleicht schon gar nicht mehr genug zu schätzen gelernt hatten, bald zurückkehrt – und unser aller Leben vielleicht bereichert worden ist um ein wenig mehr Bewusstsein für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens!


Corona aktuell: 3 JVA-Beamte haben Corona, Parookaville kann nicht stattfinden, Klever Kirmes (Großveranstaltung, oder?) wohl auch nicht, Autokino läuft, 13 Tote, jetzt auch der erste aus Kleve (85), neue Tabelle

rd | 15. April 2020, 15:46 | 33 Kommentare
Gut fünf Wochen nach dem ersten Corona-Fall im Kreis Kleve: Die Tabelle zeigt die Zahl der jeweils diagnostizierten Neuinfektionen pro Woche: 36 in der Woche bis zum 15. März, 85 bis zum 22. März, 115 bis zum 29. März, 68 bis zum 5. April, 118 bis zum 12. April. Idealerweise würde diese Kurve irgendwann wieder verlässlich nach unten gehen. Aber wann?
Wer sich schon immer gefragt hat, wo beim Autokino der Ton herkommt: UKW 106,2 (Foto: Niklas Daute)

(Heute ist Mittwoch, was man zum Beispiel noch daran erkennen kann, dass sich in der FAZ die Beilage „Natur und Wissenschaft“ findet. Dienstag ist der „Technik-und-Motor-“, Donnerstag der „Reiseblatt“-Tag. Alles andere wird zunehmend unauseinanderhaltbarer.) Drei Beamte der JVA Kleve haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Die Bediensteten wurden am Wochenende positiv getestet. JVA-Sprecher Jörg Neyenhuys: „Sie waren in einem Bereich eingesetzt, der keinen direkten Kontakt mit Gefangenen hat. In enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Kreises Kleve wurden Kontaktpersonen nach RKI klassifiziert und ebenfalls getestet. Das Ergebnis bleibt abzuwarten. Die Inhaftierten wurden zeitnah informiert und allen Beschäftigten und Gefangenen wurden nunmehr OP/Dental-Mundschutzmasken zur Verfügung gestellt.“ +++ Nachdem soeben gemeldet wurde, dass Bund und Länder sich darauf geeinigt haben, alle Großveranstaltungen bis zum 31. August abzusagen, haben nun auch die Parookaville-Organisatoren keine andere Wahl mehr, als ihr Festival für elektronische Musik, eines der erfolgreichsten überhaupt, ausfallen zu lassen oder auf einen späteren Termin zu verschieben (falls das logistisch möglich ist). Das Festival sollte vom 17. bis zum 19. Juli auf dem Gelände des Flughafens Weeze stattfinden. 2019 waren 85.000 Besucher gekommen, das Event war ausverkauft. +++ Wenn die Kirmes in Kleve als Großveranstaltung gelten sollte (wovon wohl auszugehen ist), dürfte sie den Nachrichten aus Berlin zufolge in diesem Jahre auch nicht stattfinden. Geplant war sie vom 11. bis 19. Juli. Erst das Klever Oktoberfest könnte wieder wie gewohnt steigen (ab 18. September). +++ Gutes Zeichen? Die Öffnungszeiten des Fieberzelts am Klever Krankenhaus werden weiter eingekürzt. Ab Donnerstag (16. April) ist die Diagnoseeinheit täglich nur noch von 16 bis 20 Uhr geöffnet (Kriterien: Grippesymptome UND Vorerkrankungen mit besonderem Komplikationsrisiko ODER Mitarbeiterin oder Mitarbeiter im Gesundheitswesen) +++ Erweiterter Rückrufservice: Bisher wurden nur diejenigen informiert, deren Corona-Test positiv ausgefallen ist. Jetzt werden auch die angerufen, deren Test negativ war. Die Regelung: Kreis ruft die positiven Fälle (also die Erkrankten) an. Krankenhaus die negativen. +++ Mittlerweile sind elf Menschen im Kreisgebiet an den Folgen der Pandemie gestorben. Alle Opfer waren hochbetagt. Bei den letzten vier Todesfällen handelte es sich um einen Mann aus Kevelaer (72), eine Frau aus Emmerich (82), eine Frau aus Straelen (80) und den ersten Klever (85). +++ Die Gesamtzahl aller bisherigen Infektionen im Kreisgebiet beläuft sich laut Mitteilung des Kreises Kleve nunmehr auf 438 Menschen. Der Kreis weist darauf hin, dass nun erstmals mehr Menschen genesen (229) als aktuell infiziert (438-13-229=196) sind. kleveblog hat nach fünf Wochen seine Darstellung geändert, weil natürlich in der Zwischenzeit auch Menschen genesen (und leider auch sterben). Die Tabelle oben zählt die neu erfassten Erkrankungen pro Woche. Die Kurve sollte also (am besten so schnell wie möglich) sinken. +++ Gute Resonanz beim Autokino am Tichelpark, viele Vorstellungen sind bereits ausverkauft, so Kinobetreiber Reinhard Berens. Heute 20:30 Uhr: Bohemian Rhapsody. Profi-Tipp: Irgendwas mitnehmen, um die Fenster zu verdecken, sonst scheint die Sonne ins Auto (Treibhaus-Effekt).


Im Porträt: Der Kavarinerpfau

rd | 15. April 2020, 15:02 | 7 Kommentare
Stolzer Vogel: Das neue Wahrzeichen der Kavarinerstraße (Foto: Martin Fingerhut)

Unlängst veröffentlichte kleveblog ein aus großer Entfernung geschossenes Foto eines prächtigen Blaupfaus auf den Dächern der Kavarinerstraße. Die geschätzte Fotografin hatte sich zwar alle erdenkliche Mühe gegeben, doch die nicht gerade magnifiziente Optik der Handykamera beförderte nur eine schemenhaft erkennbare Silhouette des Tieres auf die lichtempfindlichen Pixel des Chips im Inneren der Apparatur, von wo aus sie auch mit ausgefeiltesten Programmen nicht mehr hochzujazzen war. Fake News, hieß es in den Kommentaren sogleich. Doch Anwohner Martin Fingerhut, dessen Dächer der Vogel wohl auch beschreitet, ließ diese Aufnahme keine Ruhe, und in bester grzimekesker (die Älteren unter meinen Lesern werden wissen, was gemeint ist, die noch älteren sagen vielleicht: sielmännlicher) Manier legte er sich auf die Lauer, und: Voilà! Ein geradezu prächtiges Porträt eines stolzen, vielleicht sogar ein wenig eitlen Vogels, der gerade die Abgeschiedenheit des kleinstädtischen Fußgängerzonenlebens für sich entdeckt hat. Kavariner darf nicht sterben!, möchten wir da fast ausrufen.

Rückansicht (Foto: Nicole Verfondern)

Nur keine Umstände, Hygieneabstand zum Blütenstand: kleveblog wünscht frohe Ostern (Instandhaltungsartikel)!

rd | 13. April 2020, 14:57 | 10 Kommentare
Nach Vorschrift
Im Blütenstand: Kirschbaum im Abendlicht
Aus welcher Warte? Alles eine Frage des Standpunkts…
Pflegezentrum Clever Stolz: Gemeinsam schaffen wir das!
Plötzlich ist Selbstabholung möglich: Gelbe Säcke am Rathaus
Weiße Ostereier plus Dinatrium-6-hydroxy-5-[(E)-(4-sulfonatophenyl)diazenyl]-2-naphthalinsulfonat ergibt fast perfekt gefärbte braune Eier
Unbekannte Grüße – Danke!

Ewiges Rätsel deutsche Sprache! Vorgestern wies ich in Plauderlaune angesichts der Neuschöpfung Hygieneabstand auf den bemerkenswerten Umstand hin, dass sich im deutschen Wortschatz zwar die beiden Nomen Anstand und Abstand finden, aber nur eine adjektivische Ableitung, nämlich anständig. Dabei könnte man abständig gut gebrauchen, zum Beispiel für einen dezenten, nicht übergriffigen Verehrer: Er verhielt sich anständig abständig. Allerdings kann unsereins unanständige Bemerkungen machen, die wären gewissermaßen abständig, sind aber oft einfach nur abgestanden, was wiederum ein ganz anderer Schnack ist.

Nun aber bin ich vollumfänglich geständig, lege also ein Geständnis ab (warum nicht: Gestand?): Das obenstehende (obenständige?) Räsonnement war nur der vorläufige Zwischenstand der mählichen Erkenntnis eines augenscheinlich unhaltbaren Zustands, für den aber sich vermutlich auch wieder niemand zuständig fühlt, vermutlich, weil dessen Beseitigung einiges an Umstand mit sich bringt, also umständlich (und warum eigentlich nicht: umständig?) ist – nämlich die scheinbar völlig willkürliche Bestückung des Deutschen mit seinen Wörtern.

Was aber, wenn ich die Redaktion des Duden nun inständig um Ergänzungen und Korrekturen bäte? Handelte es sich um einen Instand? (Nicht zu verwechseln mit Instant(kaffee, zum Beispiel).) Gäbe es Menschen, die meinem Anliegen Beistand zusicherten, sich also beiständig verhielten?

Ich bin natürlich nicht imstande, mich in meinem redaktionellen Unterstand ständig mit derlei Gegenständen zu beschäftigen, hoffe aber seit meinem Einstand bei kleveblog für meine Leser mit Verstand, also für die verständigen unter euch, beständig, dass der Vorrat an derlei kaum verständlichen Betrachtungen über den Tag hinaus Bestand hat, sodass die Instandhaltung des Witzarsenals auf dieser Seite keinerlei Probleme bereit. Denn wir sind standhaft!

In diesem Sinne, liebe Leser: Frohe Ostern und vielen Dank!

Früher gab es in Preußen drei Stände, heute in Deutschland wohl Tausende!

Coronostern: „Hygieneabstand“, 421 Fälle (+20)

rd | 11. April 2020, 19:10 | 7 Kommentare
Kaufen Sie bitte vorsichtig ein!
Sein Name ist Hase, er schaut von rechts auf die Tafel und weiß von nichts, aber wir wissen: plus 20 Fälle
Abstand = halber Tacho gilt an der Kasse nicht

(Heute ist Samstag.) Von einem Abflachen der Kurve kann wohl nicht mehr die Rede sein: Heute meldet der Kreis Kleve 421 erkannte Corona-Erkrankte (plus 20 gegenüber gestern), davon mittlerweile 36 in Kleve (plus 5) und 31 in Bedburg-Hau (konstant). 39 Menschen werden in Krankenhäusern behandelt, für aktuell 479 Menschen ist häusliche Quarantäne angeordnet. Die Zahl der Todesfälle ist unverändert bei 8 geblieben. +++ Man weiß ja mittlerweile, dass es vernünftig ist, auf Distanz zu bleiben, aber als neugebildetes Kompositum habe ich es heute erstmals bei Edeka in Schneppenbaum erblickt, das Wort: „Hygieneabstand“. Hat gute Chancen, das Wort des Jahres zu werden. Und auch das Antonym funktioniert, ich würde es „Ferkelnähe“ nennen: „Finger weg!“ +++ Die ersten drei Filme im Autokino am Tichelpark: Der Hase (Ostermontag, 14 Uhr), Der König der Löwen (17 Uhr), Das perfekte Geheimnis (20:30 uhr) +++ Cooler Spaß für die ganze Familie: Stell dir vor, dein Vorname (oder der eurer Liebsten) wäre die Bezeichnung eines IKEA-Produkts: Was passt? Lange Diskussionen (und vielleicht der eine oder andere Eklat) sind garantiert. Ich finde zum Beispiel, Ralf ist NICHT die Bezeichnung eines Fußabtreters!

Auch zum folgenden Artikel ist nun der Abstand gewährt. Übrigens: Man kann anständig sein, aber nicht abständig – romantische Semantiker, bitte übernehmen!

Liste der 10 Autos, die der Autor mal besessen hat (6 sind gelogen):

rd | 11. April 2020, 17:26 | 19 Kommentare
Diese seitlichen Verzierungen hießen, so glaube ich, warum auch immer, „Rallyestreifen“
  1. Ford Escort
  2. Lada Samara
  3. 5er BMW Touring
  4. VW Golf
  5. Ferrari Testarossa
  6. Ferrari Testarossa
  7. Ferrari Testarossa
  8. Ferrari Testarossa
  9. Ferrari Testarossa
  10. Ferrari Testarossa

Liste der 10 Dinge, von denen eines grundsätzlich drinnen liegen geblieben ist, während man sich gerade im Garten zum Frühstück hingesetzt hat

rd | 11. April 2020, 11:21 | 14 Kommentare
S. 55: Der Zug ist durch Harlem passiert, die Bänke sind stramm besetzt mit Schlafenden von dunkler Haut.

(Eines ist natürlich gelogen.)

  1. Brot
  2. Nutella
  3. Salz
  4. Käsemesser
  5. Hafermilch
  6. Eierlöffel
  7. Küchenrolle
  8. Kaffeekanne
  9. Smartphone
  10. Uwe Johnson: „Jahrestage“

Oje! Jetzt 401 Fälle und 8 Tote

rd | 10. April 2020, 17:30 | 8 Kommentare

Schock-Zahl aus der Kreis-Verwaltung: Jetzt sind es mehr 400 erkannte Fälle, 58 mehr als gestern – einen so großen Anstieg von Tag zu Tag gab es im Kreis Kleve bisher nicht. Zwei weitere hochbetagte Menschen sind gestorben (eine Frau aus Emmerich (82), ein Mann aus Straelen (93), das sind die Toten Nr. 7/ und 8. Hier die Mitteilung des Kreises im Wortlaut: „Am heutigen Freitag, 10. April 2020, 15.30 Uhr, liegen dem Kreisgesundheitsamt insgesamt 401 labordiagnostisch bestätigte Corona-Infektionen vor. Davon sind 30 in Bedburg-Hau, 23 in Emmerich am Rhein, 53 in Geldern, 24 in Goch, 27 in Issum, 20 in Kalkar, 32 in Kerken, 31 in der Wallfahrtsstadt Kevelaer, 31 in Kleve, 7 in Kranenburg, 40 in Rees, 9 in Rheurdt, 39 in Straelen, 6 in Uedem, 7 in Wachtendonk und 6 in Weeze. In Klärung befinden sich 16 Meldungen. 

coronakonforme Schlange vor der Eisdiele in Kalkar

Es muss davon ausgegangen werden, dass diese Zahlen nicht den tatsächlichen Sachstand widerspiegeln, da zum einen laufend neue Fälle gemeldet werden und zum anderen mit hoher Wahrscheinlichkeit zahlreiche unentdeckte Infizierte eine schwer zu schätzende Dunkelziffer bilden.

Von den insgesamt 401 bestätigten Corona-Fällen sind 172 Personen genesen, 38 Personen befinden sich im Krankenhaus und 8 Personen sind verstorben. Bei der siebten verstorbenen Person handelt es sich um eine 82-jährige Frau aus Emmerich am Rhein. Die achte verstorbene Person ist ein 93-jähriger Mann aus Straelen. Ob es Vorerkrankungen gab, ist dem Gesundheitsamt nicht bekannt.

Aktuell befinden sich insgesamt 450 Personen in häuslicher Quarantäne (Stand: 10.04.2020, 15.30 Uhr).“


Länger als 72 Stunden außer Landes? Dann bei Rückkehr erst mal Quarantäne!

rd | 10. April 2020, 15:38 | 14 Kommentare

Die Corona-Einreise-Verordnung des Landes Nordrhein-Westfalen verpflichtet alle Bürgerinnen und Bürger, die ab dem 10. April 2020 (Karfreitag) aus dem Ausland nach Deutschland einreisen, sich sofort in eine 14-tägige Quarantäne zu begeben und sich beim Gesundheitsamt zu melden. Bestimmte Berufsgruppen wie Grenzpendler, medizinisches Personal oder LKW-Fahrer sind von dieser Einreise-Verordnung nicht betroffen. 
Einwohnerinnen und Einwohner aus dem Kreis Kleve, die mehr als 72 Stunden im Ausland waren, müssen sich beim Gesundheitsamt melden. Hierfür wurde eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet: reiserueckkehrer@kreis-kleve.de. Die E-Mail muss folgende Angaben enthalten: Name/Namen, Vorname/Vornamen, Geburtsdatum/Geburtsdaten, Anschrift, Telefonnummer, Reisedaten, Hinweis auf grippeähnliche Symptome (welche, ab bzw. bis wann). Falls die Zusendung einer E-Mail nicht möglich ist, ist eine Kontaktaufnahme über das Info-Telefon der Kreisverwaltung Kleve unter der Rufnummer 02821 594 950 möglich. Die Betroffenen erhalten vom Gesundheitsamt eine Rückmeldung. Weitere Informationen wurden auf der Coronavirus-Internetseite des Kreises Kleve hinterlegt. Auf der Homepage www.kreis-kleve.de gibt es einen Direktlink zu dieser Internetseite. +++ Woher kommt eigentlich das Wort Quarantäne? Bereits 1374 ist eine, allerdings nur zehn Tage dauernde, Quarantäne in Reggio nell’Emilia durchgeführt worden. Zur Isolierung der von einer Seuche befallenen Menschen wurden früher häufig Seuchenhäuser errichtet. Um ihre Stadt vor Pestepidemien zu schützen, beschloss im Juli 1377 die Regierung der Republik Ragusa, dass sich vor dem Betreten der Stadt alle ankommenden Reisenden und Kaufleute dreißig, später dann vierzig (d. h. quaranta) Tage lang isoliert in eigens dafür errichteten Lazaretten aufhalten müssen, darunter in Lazareti bei Dubrovnik. Von dieser Regelung leitete sich der Begriff Quarantäne in der heutigen Bedeutung ab. 1383 wurde zum ersten Mal in Marseille die Quarantäne über ankommende Schiffe verhängt, um sich auch vor der Pest zu schützen, die damals in Europa wütete. Eine andere Quelle spricht davon, dass Beamte aus Venedig 1374 die Quarantäne einführten. Besatzung und Waren wurden zunächst auf der Insel Lazzaretto Nuovo isoliert und durften erst nach dreißig, später nach vierzig Tagen an Land.


Liste von 10 in meinem Garten entdeckten Vogelarten (1 ist gelogen)

rd | 10. April 2020, 12:10 | 10 Kommentare
  1. Amsel
  2. Spatz
  3. Kohlmeise
  4. Blaumeise
  5. Rotkehlchen
  6. Zaunkönig
  7. Saatkrähe
  8. Taube
  9. Eichelhäher
  10. Seeadler
Alles im Blick

Corona aktuell: 343 Fälle, Online-Osterbotschaft von Johannes Mecking und Martin Schell, neues Trampeltier, was ist eigentlich mit Rammstein in Nimwegen?

rd | 09. April 2020, 15:11 | 13 Kommentare
Auch diese Y-Achse ist an ihr Ende gelangt. Hoffentlich ist die nächste Erneuerung die letzte!
Ökumenische Grüße aus der Kirche an der Böllenstege

(Heute ist Donnerstag. Bis einschließlich Ostermontag wird kleveblog die Corona-Berichterstattung auf das Nötigste beschränken. Man muss auch mal durchatmen. Frohe Ostern, und bleiben Sie gesund, liebe Leserinnen und Leser!)

343 bestätigte Corona-Fälle meldet der Kreis Kleve heute (zehn mehr als gestern), jeweils 30 in Kleve und Bedburg-Hau. Die Verdoppelungsrate, rückwärts gerechnet: 14 Tage (179, 26.03.), 7 Tage (83, 18.03.), 2 Tage (40, 16.03) – also eine gute Tendenz! +++ Aus der Evangelischen Kirche an der Böllenstege senden Propst Johannes Mecking und Pfarrer Martin Schell eine Osterbotschaft an die Gläubigen – per Youtube abrufbar. (Die Unternehmensvideoschwurbelmusik stört etwas.) Ostermontag um 9:30 Uhr läuten alle Kirchenglocken eine Viertelstunde lang. +++ Ein virtueller Besuch im Tiergarten Kleve kann auch viel Freude ins Leben bringen. Gerade hat ein Trampeltier Nachwuchs bekommen, die Fotos und Videos dazu sind auf Facebook zu sehen. Link zu allen acht Fotos unten. +++ Eigentlich sollte Ende Mai in Klagenfurt die große Europatournee von Rammstein beginnen, in deren Verlauf auch Nimwegen am 24. Juni in den Genuss eines Konzertes kommen sollte. Viele Klever hatten sich darauf gefreut. Doch ob die Massen in den Goffertpark strömen werden, steht noch in den Sternen. Aktuell gab die Band das folgende Statement heraus: „Wir beobachten die Situation in den einzelnen Ländern sehr genau und sind in engem Austausch mit den örtlichen Partnern der Band. Sobald es verbindliche Informationen gibt, werden diese an jeden, der ein Ticket für die kommenden Shows besitzt, weitergegeben. Bis dahin bitten wir um noch ein wenig Geduld und Verständnis.“ +++


Corona aktuell: 333 Fälle, jeweils 29 in Kleve und Bedburg-Hau, HSRW-Duo baut Tauchermasken um, Wasserfontänen werden gestartet

rd | 08. April 2020, 16:42 | 74 Kommentare
Maske (Prototyp), Prof. Bastian, Sadok ben Salem
„Und die Sonne geht auf, und die Erde geht unter. Ganz oben steht der Mond, und er schaut jeden Tag auf die Erde herunter, von seinem Blick bleibt nichts verschont“, sagt Rocko Schamoni (Der Mond): Aufnahme des gestrigen Supermondes (Foto: Christian Breuer)
Wasser Marsch: Ostergrüße der Bürgermeisterin

(Heute ist Mittwoch. In zwei Tagen ist Karfreitag.) „Am heutigen Mittwoch, 08. April 2020, 13.00 Uhr, liegen dem Kreisgesundheitsamt insgesamt 333 labordiagnostisch bestätigte Corona-Infektionen vor. Davon sind 29 in Bedburg-Hau, 21 in Emmerich am Rhein, 39 in Geldern, 21 in Goch, 26 in Issum, 19 in Kalkar, 28 in Kerken, 28 in der Wallfahrtsstadt Kevelaer, 29 in Kleve, 7 in Kranenburg, 35 in Rees, 8 in Rheurdt, 28 in Straelen, 5 in Uedem, 5 in Wachtendonk und 5 in Weeze.“ So die Mitteilung des Kreises. +++ Stadt Kleve setzt als Zeichen der Hoffnung die Wasserfontänen vorzeitig in Betrieb, so Bürgermeisterin Sonja Northing in ihrer fünften Videobotschaft +++ 16:12 Uhr: Ein Flugzeug überfliegt Kleve – der Wizz Air Flug von Budapest nach Eindhoven. +++ Interessanter Beitrag aus der Rheinischen Post, warum die Zahlen des Kreises Kleve und des Robert Koch-Instituts sich unterscheiden (das RKI ist um gut 50 Fälle höher): Der Kreis erfasst nur nur die positiven Tests, das RKI auch Menschen mit den gleichen Symptomen (Fieber, Husten) im Haushalt eines positiv getesteten Menschen. (kleveblog bleibt bei den Zahlen des Kreises.) +++ Stadt stellt Video online, das zur Förderung des lokalen Handels aufruft, Infos dazu auch unter Innenstadt-Kleve.de, hier die Liste Klever Geschäfte, die Not- und/oder Lieferdienste anbieten +++ Gemeinsam mit dem HSRW-Absolventen Sadok ben Salem, verantwortlich für den Bau von Prototypen bei der Polyoptics GmbH in Kleve, entwickelte Professor Dr. Georg Bastian, Professor für angewandte Optoelektronik und Laserphysik, aus einer Tauchmaske eine Atemschutzmaske. Dafür wurde anstelle eines Schnorchels über einen Adapter ein Filter angebracht. Mit Hilfe eines 3D-Druckers wurde ein Prototyp gefertigt. Ein Eilantrag auf Zulassung als medizinisches Gerät beim zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ist bereits gestellt. „Auch dieses Beispiel zeigt, wie gut die Hochschule Rhein-Waal in der Region und darüber hinaus vernetzt ist und als Hochschule für angewandte Wissenschaften nicht nur dem Transfergedanken gerecht wird, sondern auch ihre Leistung gemeinschaftlich mit anderen in der jetzigen Krise in den Dienst der Sache stellt“, betont Präsident Dr. Oliver Locker-Grütjen. +++ Man kann es nicht anders sagen, bisher sind wir im Kreis Kleve und auch in Deutschland relativ glimpflich davongekommen, aber es gibt eben auch Orte, an denen es ganz anders zugeht. Zum Beispiel im London. Wer des Englischen mächtig ist, kann im – geschätzten – Guardian nachlesen, wie der Alltag auf einer Corona-Station in der britischen Metropole aussieht. Hier der Link zum Beitrag: As an ICU doctor, I see the crisis unfold one person at a time. Here’s what it looks like. Sehr anrührend, aber nichts für zarte Gemüter. +++ „Wie schützt man sich im Alltag am besten vor einer Ansteckung mit Sars-CoV-2? Bei Masken gehen die Meinungen weiter auseinander. Eine andere Sache steht aber fest: Das Tragen von Gummihandschuhen beim Einkaufen ist unsinnig.“ (FAZ)

Schöner Satz auf S. 16
Das Lied zur Bildunterschrift oben

In eigener Sache

rd | 07. April 2020, 10:22 | 24 Kommentare

Liebe kleveblog-Leser,

seit nunmehr 13 Jahren steht kleveblog für engagierten, kritischen und mitunter auch ausgelassenen Journalismus in Kleve, und wie sehr die Seite inmitten einer Vielzahl von anderen Angeboten geschätzt wird, haben insbesondere die vergangenen Wochen, die unser aller Leben auf den Kopf gestellt haben, gezeigt. Es sind herausfordernde Zeiten, die für viele von uns auch finanzielle Auswirkungen haben.

kleveblog beispielsweise war immer auch das Produkt einer Querfinanzierung durch andere Aufträge, die nun aber zu großen Teilen nicht mehr bestehen. Also konzentrieren wir uns aufs Wesentliche – und hoffen auf Ihre Mithilfe. Von heute an besteht die Möglichkeit, die Arbeit von kleveblog direkt zu unterstützen und auf diese Weise womöglich noch besser zu machen. Wenn Ihnen die Seite etwas wert ist, können Sie dies ab sofort nicht nur mit Lob oder Schulterklopfen zum Ausdruck bringen, sondern auch mit Euro!

Ganz wichtig: Sie können einen Beitrag leisten. Es bleibt Ihre Entscheidung, ob Sie die Arbeit von kleveblog unterstützen möchten, und, wenn ja, in welcher Höhe. An der Verfügbarkeit der Inhalte für alle wird sich nichts ändern: Sämtliche Inhalte bleiben im Sinne eines offenen Internets weiterhin frei abrufbar, nichts wird hinter einer Bezahlschranke versteckt. Natürlich würde sich die Redaktion über eine Unterstützung der Arbeit freuen. Danke im voraus!

Hier geht es zur Bezahlseite: kleveblog unterstützen

Herzlichst, Ihr

Ralf Daute