Wenn’s so richtig schief läuft (aus dem Polizeibericht)

rd | 20. September 2019, 17:27 | 7 Kommentare

Für die Polizeistreife hörte sich der Einsatz „Verkehrsunfall mit Sachschaden“ zunächst nach einem Routineeinsatz an. Sie war am Freitag, 20.09.2019, gegen 13.15 Uhr, zu dem Auffahrunfall an der Einmündung Tiergarten-/Heldstraße gerufen worden. Auf der Anfahrt teilte die Einsatzleitstelle der Funkstreife jedoch mit, dass der Unfallverursacher, ein 33jähriger Autofahrer aus Emmerich, alkoholisiert sei und sich von der Unfallstelle entfernen will. Den Beamten konnten den Mann jedoch vor Ort antreffen, der bereitwillig mitteilte, dass er vor 3 Stunden eine Flasche Wein getrunken habe. Der Alkoholtest vor Ort ergab dann einen Wert von ca. 2 Promille. Doch nicht genug: Die Beamten fanden heraus, dass der Mann mit Haftbefehl gesucht wird und keine Fahrerlaubnis hat. Den ungültigen Führerschein hatte er noch bei sich. Dieser wurde sichergestellt. Beim Pkw seines Bruders, mit der Autofahrer unterwegs war, war die TÜV-Plakette geschwärzt und es bestand kein Versicherungsschutz. Der Mann wurde festgenommen, auf der Polizeiwache wurde ihm eine Blutprobe entnommen.

(Fehlt eigentlich nur noch, dass er sich im Gefängnis noch ein Bein bricht )



„Hitzetage kommen nur vereinzelt vor“

rd | 20. September 2019, 12:07 | 9 Kommentare
Der ehemalige Diercke-Schulatlas von Dorothee Kiesow, der aus unerklärlichen Gründen auf dem Dachboden meines Elternhauses aufgefunden wurde, sagt für die meisten Teile Deutschlands: „Hitzetage kommen nur vereinzelt vor.“ So steht es noch in der 184. Auflage aus dem Jahre 1974. Hat sich seitdem etwas verändert, außer der Tatsache, dass wir alle älter geworden sind? 


Krankenhaus: Geschäftsführer Ebbers geht, Hagemann Nachfolger

rd | 17. September 2019, 10:55 | keine Kommentare
Hört auf: Bernd Ebbers (Foto: KKLE)
Rückt auf: Holger Hagemann (Foto: KKLE)

Überraschende Personalie: Bernd Ebbers, Geschäftsführer der Katholischen Karl Leisner Trägergesellschaft (KKLE), hört zum Jahresende auf  – so die Information, die die Mitarbeiter am Vormittag erhielten. Seine Aufgaben wird er ab sofort nicht mehr ausüben. Nachfolger wird offenbar Holger Hagemann, bisher Regionaldirektor des St.-Antonius-Hospitals in Kleve. Die KKLE ist die Dachgesellschaft für den Verbund der vier Krankenhäuser in Kleve, Goch, Kevelaer und Kalkar mit mit mehr als 3000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber am unteren Niederrhein.

Wie zu hören ist, führten unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung der Einrichtung zu dem Wechsel an der Spitze. Bekanntlich stehen die Krankenhäuser in ganz Deutschland unter einem immensen Kosten- und Fusionsdruck, und die Frage ist, wie sich eine dezentral organisierte Einrichtung wie die KKLE GmbH in diesem Wettbewerbsumfeld aufstellt, um einerseits effizient zu arbeiten und andererseits (in einem Landkreis) bürgernahe Versorgung zu gewährleisten.

Vor einiger Zeit hatte kleveblog bereits berichtet, dass für den Standort Goch Veränderungen erwogen werden. Vorgesehen ist offenbar, die stationäre Versorgung mehr und mehr auf Kleve zu konzentrieren. Dies Entwicklung hätte zur Folge, dass die entsprechenden (somatischen) Abteilungen des Wilhelm-Anton-Hospitals ebenfalls in Kleve angesiedelt werden. In Goch befinden sich bisher die Kliniken für Allgemein- und Viszeral (Bauchraum)-Chirurgie, für Anästhesie und Intensivmedizin, für Innere Medizin (Hämatologie, Onkologie, Palliativmedizin), für Innere Medizin (Lungenerkrankungen), für Thoraxchirugie sowie das Institut für Nuklearmedizin. Dafür soll in Goch dort die ambulante Versorgung ausgebaut werden. In Beschlüsse gegossen sind diese Veränderungen allerdings noch nicht.

Bernd Ebbers, Diplom-Verwaltungswirt, war zum 1. Dezember 2015 vom Aufsichtsrat der Katholischen Karl-Leisner-Trägergesellschaft als Hauptgeschäftsführer berufen worden. „Bernd Ebbers ist ein exzellenter Fachmann des Krankenhausmanagements und darüber hinaus tief in der Region verwurzelt“, hieß es damals von Seiten des Aufsichtsrats. Von 1992 bis 2004 war Bernd Ebbers bereits in unterschiedlichen leitenden Funktionen für den Verbund der Katholischen Kliniken im Kreis Kleve tätig. Vor seiner Rückkehr zur Katholischen Karl-Leisner-Trägergesellschaft im Oktober 2015 als Regionaldirektor des Marienhospitals Kevelaer war er insgesamt elf Jahre als Verwaltungsdirektor und Geschäftsführer für die Sankt Marien-Hospital Gmbh in Gelsenkirchen-Buer tätig.


Drogen für die Welt: Im Darknet verkauft, aus Kleve und Emmerich versandt

rd | 16. September 2019, 22:43 | keine Kommentare
Von einem Chalet in der Ferienhaussiedlung Reewold aus gingen Drogen in alle Welt

(Artikel erschien auch in der NRZ) Das Landgericht Kleve befasst sich mit einem spektakulären Fall von Drogenhandel im Darknet – Niederländer soll Postfilialen in Kleve, Emmerich und Rees genutzt haben, um in Tausenden von Fällen Ectsasy, Amphetamine, LSD, Kokain und andere illegale Substanzen zu verschicken

Der Ferienpark Reewold liegt in Putten nördlich der Hoge Veluwe, und wer eines der Chalets in der Siedlung bezieht, sucht vor allem eines: Ruhe. Der Besucher ist umgeben von Wäldern, Wiesen und Mooren, und in einer Rezension im Internet heißt es, im Park gebe es keinerlei kommerzielle Aktivitäten, was dafür sorge, dass es sehr ruhig zugehe. „Die Leute kommen hierher, um sich zu entspannen“, schreibt ein Rezensent.

Zumindest bei einem Besucher scheint dies nicht der Fall gewesen zu sein. Dieser Mann heißt Richard W., ist 33 Jahre alt, Niederländer mit Wohnsitz in Hilversum. Seit Montag steht er als Angeklagter vor Gericht. Die 1. große Strafkammer des Landgerichts Kleve unter Vorsitz von Richter Jürgen Ruby verhandelt eine Anklage, die die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime des Landes Nordrhein-Westfalen bei der Staatsanwaltschaft Köln in akribischer Ermittlungsarbeit zusammengestellt hat.

Für das Gericht in Kleve ist es einer der größten Drogenprozesse der vergangenen Jahre, und es zeichnet sich ab, dass die Verhandlung viele Einblicke darin gewähren wird, wie die Kriminalität mit illegalen Substanzen heutzutage abläuft – und zwar in jenem Teil des Internets, der als Darknet bezeichnet wird. Dort wird auf Plattformen, die wie eBay funktionieren, anonym mit allem gehandelt, was verboten ist. Bezahlt wird in virtuellen Währungen.

95 Seiten Text umfasst die Anklage, die Staatsanwältin Lisa Klefisch am Vormittag in zwei Stunden vortrug. Es geht um gewerbsmäßigen Handel mit sowie um Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, insgesamt handelt es sich um 126 Fälle aus den Jahren 2017 und 2018, die wiederum eine Essenz aus rund 3400 Fällen bilden, die die Ermittler rekonstruieren konnten. 

Dass der Fall in Kleve verhandelt wird, liegt daran, dass am Ende der Geschäfte, die im virtuellen Raum stattfinden, doch noch ein realer Vorgang vonnöten ist – der Versand der Pakete. Richard W. packte die Sendungen, so die Anklage, in seinem Ferienhaus in Reewold ab und fuhr dann in wechselnden Autos, unter anderem mit einem 7er BMW, über die Grenze, um sie von deutschen Postfilialen und Packstationen in Kleve, Emmerich und Rees aus zu verschicken.

Vom Niederrhein ging die Ware in die ganze Welt, die Staatsanwältin listete namentliche Empfänger von Calgary in Kanada bis Christchurch in Neuseeland auf. Versandt wurde praktisch alles, was der Drogenmarkt so hergibt – LSD, Amphetamin, MDMA (und entsprechende Derivate), Chrystal Meth, Kokain, Ecstasy-Tabletten (ein Produkt hieß „F1 Max Verstappen“), Marihuana und Haschisch.

Die Lieferungen nach Übersee soll der Angeklagte zur Tarnung in Lautsprecherboxen oder Luftpumpen verpackt haben. Immer wieder fielen Sendungen bei Kontrollen auf, dennoch konnte die Spur offenbar lange Zeit nicht zurückverfolgt werden, unter anderem auch, weil W. fingierte Absenderadressen genutzt haben soll. 

Auf der Darknet-Handelsplattform Dream Market genoss der Angeklagte, der dort unter einem Pseudonym agierte, trotz gelegentlicher Lieferungsausfälle größtes Ansehen. Er hatte reihenweise 5-Sterne-Bewertungen und wurde auf der Plattform als „Vendor“ geführt, was einer Auszeichnung gleichzusetzen ist.

Auf die Spur von Richard W. kamen die Ermittler offenbar, weil in zwei Fällen verdeckt agierende Fahnder Geschäfte mit dem Mann abwickeln und zurückverfolgen konnten. Nach der Festnahme Ende vergangenen Jahres stellten Polizeibeamte in einem Schuppen, der zu dem Chalet gehört, mehr als 30 Kilogramm Drogen sicher, versteckt in einem Gefrierschrank und in einer Waschmaschine. Kokain lagerte in einem Eimer, laut Anklage 1,2 Kilogramm. Die Erlöse aus den Verkäufen sollen sich laut Anklage auf mindestens 578.000 Euro belaufen. 

Staatsanwältin Klefisch übergab dem Gericht nach Verlesung der Anklage noch weitere Ermittlungsakten. Diese betreffen offenbar weitere Aktivitäten auf einer anderen Handelsplattform. Dabei handelt es sich um den Wall Street Market – was insofern interessant, als dass einer der Betreiber dieser Plattform ein 22 Jahre alter Klever ist, dessen Verhaftung Ende April weltweit Schlagzeilen machte. Diese Fälle seien aber „noch nicht Gegenstand des Verfahrens“, so die Anklägerin.

Der Prozess wird am Mittwoch um 10 Uhr fortgesetzt. Der Verteidiger von Richard W. kündigte für den zweiten Prozesstag eine Erklärung des Angeklagten an.