Eine überraschende Geschichte, die in Weeze ihren Anfang nimmt

rd | 09. Juli 2019, 19:27 | 5 Kommentare
Weeze, Startpunkt eines überraschenden Erlebnisses

Gemeinhin gewinnt unsereins schnell den Eindruck, unser Gemeinwesen stehe kurz vor dem Ende. Jeder denkt nur noch bis zur Grenze seines eigenen, zugeschotterten Vorgartens. Allerorten Familien, die ihre zarten Töchterlein im SUV zur Gesamtschule helikoptern, auf dass sie freitags zum Rathaus ziehen und den Klimaschutz einfordern. Und die Politik! Ratlos, verlogen, korrupt, siehe Gorch Fock, siehe Migration, siehe Europa.

Dann, die Wechselfälle des Lebens hatten mich nach Köln expediert, wo ich an einer äußerst lehrreichen Veranstaltung zur Geschichte der Schrift teilgenommen hatte, fällte ich auf dem Rückweg eine schicksalhafte Entscheidung: Im Duisburger Hauptbahnhof entschloss ich mich gegen 18 Uhr, die Rheinseite zu wechseln und das letzte Stück der Strecke nach Kleve mit dem Niers-Express zurückzulegen. Das bedeutete wiederum, zunächst die paar Kilometer bis Krefeld zurückzulegen, von wo aus der Regionalexpress, abfahrend von Gleis 2, die letzte Etappe des Weges absolvieren sollte. Alles easy, dachte ich, was regen sich die Leute nur so über die Bahn auf, läuft doch.

Wenige Minuten später hatte ich im Geiste Exekutionen für alle Verantwortlichen angeordnet.

Auf der Bahnhofsanzeige war als Endhaltestelle nicht Kleve, sondern Weeze angegeben, dazu plärrte die Durchsage: „Die Halts in Goch, Bedburg-Hau und Kleve entfallen.“ Bittere Tränen flossen über mein Gesicht, ich sah mich schon in den Fängen des Schienenersatzverkehrs, ein fürchterliches Wort, das den Schrecken der Sache halbwegs angemessen wiedergibt. Fünf Minuten später war ich allerdings gezwungen, die Hinrichtungen rückgängig zu machen – für eine Sperrung wegen einer zu entschärfenden Bombe können nun beim besten Willen weder Pofalla noch sämtliche Kleinkopferten der NordWestBahn zur Rechenschaft gezogen werden.

Ich fügte mich also in mein Schicksal und bestieg den Zug, der mich in einen Ort bringen sollte, den ich (womöglich zurecht) noch nie in meinem Leben besucht hatte. Kempen. Nieukerk. Aldekerk. Geldern. Kevelaer. Weeze, alle raus! Auf dem gegenüberliegenden Gleis stand wie angekündigt auch der Zug, der irgendwann nach der Entschärfung die Fahrt vollenden sollte. In Weeze ist allerdings nicht ersichtlich, wie der Reisende dorthin gelangt. Hinweisschilder zur Unterführung waren wohl im Etat nicht vorgesehen. Der Masse folgend, fand sich allerdings der Weg hin zum Bahnhofsvorplatz, wo allerlei mürrische Reisende auf- und abgingen und darauf warteten, die letzten Etappen zurücklegen zu können.

Auf dem Parkstreifen parkte ein Wagen, an dessen Beifahrertür ein junger Mann stand, der mehrfach fragte, ob jemand nach Goch müsse. Er gehörte ebenfalls zu den Gestrandeten und war von seiner Liebsten in Weeze abgeholt worden, und jetzt waren im Auto noch zwei Plätze frei – und die bot er den Reisenden an, einfach so. Nun musste ich zwar nicht nach Goch, sondern nach Kleve, aber Goch ist auf alle Fälle schon mal näher am Ziel. Für den Rest werde sich schon eine Lösung finden, dachte ich, ein Mensch, dem Optimismus nicht ganz fremd ist.

Sie fand sich auch tatsächlich, aber auf ganz unerwartete Weise. Ein kurzer Wortwechsel zwischen Beifahrersitz und Rückbank ergab, dass ein zweiter Zufallspassagier ebenso wie ich Kleve als Ziel hatte. Der junge Mann fragte seine Freundin: „Sind wir heute nett?“ Das war natürlich eher rhetorisch, denn kurzerhand setzten sie die Fahrt bis nach Kleve (knapp vor meiner Haustür) fort, verweigerten wacker jede Entschädigung, brachten den Mitreisenden zum Klever Bahnhof (wo sein Auto stand) und traten dann die Heimfahrt zum Abendessen an.

Ich aber dachte: Solange es noch solche Menschen gibt, wird dieses Land nicht dem Untergang geweiht sein. Eine schöne, eine überraschende Erfahrung!



Vorschau 2020: Rammstein in Nimwegen (86 Euro, natürlich binnen Minuten ausverkauft)

rd | 08. Juli 2019, 13:20 | 12 Kommentare

Schon jetzt steht fest: Das Kulturereignis des kommenden Jahres in Kleve findet in Nimwegen statt. Was aber nicht schlimm ist, es dürfte bis Kleve zu hören und zu sehen sein: Die Musikcombo Rammstein, erfolgreichstes Exportprodukt des Landes seit Goethe, gastiert am 24. Juni 2020 um 19 Uhr im Goffertpark Nimwegen. Die Show ist pyrotechnisch und musikalisch anspruchsvoll, um es mal milde auszudrücken. Der Sänger geht mit einem Flammenwerfer auf sein Bandmitglied los, ein Lied behandelt in seinen Versen den berühmten Fall des Kannibalen Armin M. Das alles ist nicht jedermanns Geschmack, aber Rammstein ist auf jeden Fall unique und weltberühmt. 

Wer das Glück hatte, aus Kleve zu stammen und eines der Tickets zu ergattern, kann also mit dem Rad oder dem Schnellbus 58 zu einem Weltereignis fahren, wann hat man das schon mal? Viele dürfte es allerdings nicht sein, die ganze Europe Stadium Tour war binnen weniger Stunden ausverkauft (von wenigen Plätzen in Osteuropa einmal abgesehen), nachdem der Vorverkauf am Freitag Vormittag gestartet war.

  Eine schöne Würdigung der Bühnenshow und der (auch textlich) bemerkenswerten Songs findet sich im britischen Guardian (die Zeitung ist halt einfach so gut, dass einem die Tränen kommen, wenn man sie mit deutschen Blättern vergleicht). Hier der Link: Rammstein: pure panto from German shock rockers 



Glückwunsch! Dr. Naderer führt künftig den NABU NRW

rd | 07. Juli 2019, 18:55 | 15 Kommentare
Neue Aufgabe: Dr. Heide Naderer führt den NABU NRW (Foto: NABU)

Neue Aufgabe für Dr. Heide Naderer: Die 54-jährige Politologin, zuletzt Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal, führt künftig den Umweltverband NABU in Nordrhein-Westfalen, eine Organisation mit mehr als 90.000 Mitgliedern, die sich auf vielfältige Weise für den Natur- und Umweltschutz engagiert. Naderer wurde von 200 Delegierten in Kreuztal (Sauerland) gewählt und folgt auf den langjährigen Vorsitzenden Josef Tumbrinck, der nach 23 Jahren an der Spitze des Landesverbandes ins Bundesumweltministerium wechselte. Sie setzte sich gegen zwei Mitbewerber durch.

Heide Naderer, leidenschaftliche Hobby-Imkerin, engagiert sich seit vielen Jahren für den Umweltschutz, auch an der Hochschule Rhein-Waal sorgte sie dafür, dass Aspekte der Nachhaltigkeit vorangetrieben wurden. Mitglied beim NABU ist Naderer seit 1980, als die Organisation noch Deutscher Bund für Vogelschutz hieß. Naderer kündigte an, „mit voller Kraft und gemeinsam mit der großen Nabu-Familie für ein Nordrhein-Westfalen zu kämpfen, in dem der Naturschutz einen hohen Stellenwert“ habe. 

Der NABU NRW ist der größte Umweltverband in Nordrhein-Westfalen. Seit mehr als 100 Jahren engagieren sich NABU-Aktive in heute mehr als 50 selbstständigen Kreis- und Stadtverbänden landesweit für Mensch und Natur. Mit praktischer Landschaftspflege und Artenschutzprojekten, Bildungsangeboten für Kinder oder Stellungnahmen zu bedeutenden Eingriffen in die Natur setzt sich der NABU für eine intakte Umwelt ein. Dabei setzt der NABU NRW auf eine starke Basis und die Kompetenz seiner Spezialisten in den Fachausschüssen.


Hochschule: Die, die durchkamen

rd | 05. Juli 2019, 17:51 | 12 Kommentare
Glückwunsch! 

Dass die meisten Studierenden an der Hochschule Rhein-Waal ihr Studium nicht ordnungsgemäß zu Ende bringen, ändert nichts daran, dass natürlich die, die es nach Jahren mehr oder minder anstrengenden Lernens geschafft haben, Bachelor oder gar Master zu werden, sich über den Erfolg ihrer Mühen freuen dürfen – 684 junge Frauen und Männer, so listet es die Hochschule in ihrer Pressemitteilung auf, wurden zum Abschluss des Semesters mit den Abschlüssen versehen und durften, so das aus Amerika abgeguckte Ritual, ihre Hüte in die Luft werfen. Auch kleveblog gratuliert natürlich und wünscht den jungen Absolventen viel Glück für ihre weitere akademische oder beginnende berufliche Laufbahn.

(Und bevor jetzt alle anfangen nachzurechnen: Im akademischen Jahr 2018 gab es hochschulweit insgesamt 907 Abschlüsse (699 Bachelor, 208 Master). Es ist allerdings nicht klar inwieweit Absolventen aus dem Wintersemester 18/19 in die heute veröffentlichte Zahl von 684 Absolventen eingeschlossen sind (oder eben nicht), aber das lässt sich sicherlich herausfinden.)