Du weißt, es ist Frühling, wenn…

rd | 05. April 2019, 11:54 | 1 Kommentar
So viele Versprechungen

Rasen-Nachsaat ohne Umgraben, das ist das Heilsversprechen, dem der typische Aldi-Kunde in diesen Tagen wie schon in all den Jahren davor bereitwillig Glauben schenkt. Diesmal lockt der Discounter mit „Rasen-Samen plus Dünger im Combi-Pack“, die „zur Regeneration intensiv genutzter Rasenflächen“ dienlich seien. Ich weiß nicht, wie viele Pakete dieser Art sich schon in meiner Abstellkammer stapeln, doch selbst die Versuche, das Zeug zentimeterdick über Löwenzahn und Moos zu streuen, sind gescheitert. Heute aber weiß ich voller Demut: Wie kann man auch so vermessen sein, mit einer schnöden „Reparatur-Mischung“ in die majestätische Schönheit der Schöpfung eingreifen zu wollen. Von mir aus kann der Garten doch einfach eine Heidelandschaft werden! Ist ohnehin schöner…



Empire am Ende: Kleves letzte Videothek macht dicht

rd | 03. April 2019, 11:32 | 7 Kommentare
50%, alles muss raus!

Erinnert sich noch jemand an die Strafgebühren, die fällig waren, wenn eine Videokassette nicht zurückgespult zurückgegeben wurde? Erinnert sich überhaupt noch jemand daran, was eine Videokassette war?

Vielleicht lässt es sich so ausdrücken: Mit den 380 cm³ großen schwarzen Plastikkisten begann die Auflösung des Fernsehens, wie unsere Eltern es gerade erst kennengelernt hatten – pünktlich um 20:00 Uhr war das Gerät einzuschalten, wenn die Tagesschau gesehen werden wollte. Plötzlich war der Konsument sein eigener Programmdirektor, zeichnete Spielfilme und Fernsehshows mit Videorecordern auf und hortete die Daten wie früher der Bildungsbürger seine Romane in der eigenen Bibliothek.

Es gab Menschen, die verfügten über alle James-Bond-Filme, und andere, die sämtliche Alf-Episoden gespeichert hatten, um sie bei Gelegenheit zu betrachten. Und natürlich gab es hier und da auch dieses Segment von Filmen, deren Betrachtung nicht für eine breitere Öffentlichkeit vorgesehen war und die meistens dialogarm und anatomisch recht detailreich waren.

Diese technologische Revolution, die heute von jedem Smartphone und dem darauf verfügbaren, online greifbaren Angebot in den Schatten gestellt wird, brachte damals auch eine neue Form des Unternehmertums in die Städte. Überall eröffneten Videotheken, die eine reichhaltige Auswahl an Filmkunst bereit hielten, die entweder noch zu neu war, um im Fernsehen gezeigt zu werden, oder deren Inhalt es schwierig machte, eine Ausstrahlung in öffentlich-rechtlichen Anstalten (oder sogar bei den privaten Sendern) zu rechtfertigen.

Die Videotheken hielten endlose Regalmeter mit solchen Werken vor, sie auszuleihen kostete nur ein paar Mark (später Euro) und konnte zu einem friedlichen Familienwochenende entscheidend beitragen. Stichwort: den lieben Kindern Sonntag morgens einen Spielfilm vorsetzen.

Als die sperrigen Videokassetten von der nächsten technischen Revolution, von den DVDs, verschlungen wurden, war dies für die meisten Videothekare nicht mehr als eine Umstellung des Sortiments, fortan gab es die Werke eben als Silberscheibe. Allerdings konnte die eingangs erwähnte Strafgebühr nicht mehr erhoben werden. Womöglich war dies der erste Nagel im Sarg des Untergangs.

Richtig desaströs wurde es für das Business allerdings erst, als das Internet alles, was es an Bewegtbild gab, anfing aufzusaugen und über legale sowie halblegale und natürlich kriminelle Plattformen wieder ausspuckte. Warum sich abends noch eigens ins Auto setzen, wenn das begehrte Werk nur ein paar Klicks entfernt ist?

Das alles ist nun bestimmt schon ein Jahrzehnt Realität in deutschen Wohnzimmern, und natürlich auch in den Wohnstuben in Kleve. Und so passierte der Spaziergänger auf dem Weg zum Bahnhof mit immer größerem Erstaunen die Familienvideothek Empire, die allem Internet-Bohei zum Trotz einfach Bestand zu haben schien. Natürlich mit einer getrennten Abteilung für die Filme, die eher speziell sind.

Doch nun ist die Generation der Menschen, die sich für einen Film, den sie zu Hause genießen wollen, noch einmal aus dem Haus heraus bewegen, offenbar soweit zurückgedrängt worden, dass für Kleves letzte Videothek der Vorhang fällt. „Räumungsverkauf alles“ künden große Lettern im Schaufenster. Die Preise sind halbiert, doch der große Ansturm der verbliebenen Kunden ist nicht zu beobachten. Kleves letzte Videothek schließt, eine Art Filmriss. The End.

Reich an Erlebnis: das Empire von innen


Herzlichen Glückwunsch! Georg Hoymann ist Kleves neuer Super-Hausmeister

rd | 02. April 2019, 16:10 | 1 Kommentar

(Aktualisiert, korrigiert) Das ging schnell: Schon gestern, am 1. April, saß Georg Hoymann an seinem neuen Arbeitsplatz – als Chef des Gebäudemanagements der Stadt Kleve (GSK). Hoymann, Jahrgang 1981, folgt auf Thomas Mutz, der den Posten geräumt hatte, weil er die Chance hatte, in seiner Heimatstadt Geldern den Geschäftsführerposten einer städtischen Immobiliengesellschaft einzunehmen.

Hoymann ist nun gewissermaßen der oberste Hausmeister der Stadt Kleve. Das Amt ist mit Sicherheit nicht ganz stressfrei, da zum Immobilienbestand auch die Schulen gehören – und da wird allerorten überplant, renoviert und neu gebaut (zum Beispiel die Gesamtschulen, das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, das Konrad-Adenauer-Schulzentrum).

Doch es sind nicht nur die Schulgebäude, die ab sofort zu Hoymanns Zuständigkeit gehören. Die Liste der weiteren städtischen Immobilien ist lang: Stadtarchiv, Kindergärten, Stadtbücherei, Wohnhäuser, Stadthalle, Friedhofsgebäude, Begegnungsstätten und Turnhallen. Zum Aufgabenbereich gehören zudem die Vermietung und Verpachtung städtischer Objekte, die Akquise von Grundstücken sowie die Organisation von Hausmeister- und Reinigungsdiensten.

Georg Hoymann stammt aus Kleve. Nach seinem Abitur in Kleve absolvierte Ausbildung bei einer Steuerkanzlei und arbeitete zunächst bei den Kommunalbetrieben der Stadt Goch 2007 wechselte er zurück in seine Heimatstadt und arbeitete als Sachbearbeiter in der Kämmerei unter Willibrord Haas. Später wurde Hoymann Abteilungsleiter und stellvertretender Fachbereichsleiter im Fachbereich Finanzen und Liegenschaften der Stadt Kleve. In dieser Zeit war er verantwortlich für die Einführung des Neuen Kommunalen Finanzmanagements, der Einführung der Software SAP sowie der Aufstellung der Haushaltspläne und Jahresabschlüsse der Stadt Kleve. Des Weiteren war er auch für die Aufstellung der Wirtschaftspläne und der Jahresabschlüsse für das Gebäudemanagement der Stadt Kleve mitverantwortlich.

Im Oktober wechselte er zum Kreisverband Kleve-Geldern des Deutschen Roten Kreuzes, wo er Vorstandsmitglied wurde. Jetzt ist er wieder dort, wo seine berufliche Laufbahn angefangen hatte.

In seiner Freizeit ist Georg Hoymann begeisterter Sportler. Er ist zweiter Geschäftsführer des LV Marathon Kleve und passabler Mittelstreckenläufer (5000 m in 18:44,5 Minuten). Zuvor war er auch für den VfL Merkur Kleve als physisch äußerst präsenter Basketballer aktiv, diesen Weg beendete er aber nach Meinung seiner Mitspieler zu früh.

Kai Fischer (02.04. 18:13): Guter Mann, viel Erfolg Georg....

Leichenschmaus abgesagt: „Echte-Körper“-Schau beim Griechen in Kellen findet nicht statt

rd | 01. April 2019, 14:57 | 4 Kommentare
Bis auf weiteres muss der Klever ins Mauritshuis nach Den Haag gehen, wenn er Muskeln und Sehnen sehen will (Rembrandt: Die Anatomie des Dr. Tulp)

Der Leichenschmaus fällt aus! Die großflächig im ganzen Stadtgebiet plakatierte Schau„Echte Körper“, die nach Art der bekannten Körperwelten-Ausstellung Präparate menschlicher Körper zu zeigen versprach („Von den Toten lernen“), wurde von der Stadt Kleve nicht genehmigt. „Die Ausstellung findet nicht statt“, so Daniel Hendricks, Sprecher der Stadt Kleve, zu kleveblog.

Ursprünglich sollten im „Restaurant Georgios“, wie es auf den Plakaten heißt, 200 Exponate konservierter Körper (oder zumindest von Teilen davon) gezeigt werden. Die Vorstellung, neben Moussaka auch Muskelpartien betrachten zu dürfen, ließ viele Menschen erschaudern, allerdings war mit der Ortsangabe „Restaurant“ wohl eher der Saal des Schützenhauses in Kellen gemeint.

Dass die Ausstellung, die vom 4. bis zum 7. April laufen sollte („nur wenige Tage“) nun trotz der unübersehbaren Plakatierung nicht stattfindet, liegt daran, dass behördliche Vorgaben offenbar überhaupt nicht eingehalten wurden. Als die Plakate bereits hingen, war bei der Stadt Kleve noch gar kein Antrag auf Genehmigung der Veranstaltung eingegangen.

Denn für die Durchführung der Ausstellung ist nach § 11 Absatz 3 des Bestattungsgesetzes NRW eine Genehmigung durch die Ordnungsbehörde erforderlich. „Der Antrag wurde vom Veranstalter erst am 26.03.2019 hier eingereicht“, so Daniel Hendricks. Was immer dann an Schriftkram übermittelt wurde, wohl nicht so gut in Schuss wie die Leichen, die zur Schau werden sollten. Hendricks: „Die Erteilung der Genehmigung wurde mit Schreiben vom 29.03.2019 abgelehnt, da die eingereichten Unterlagen nicht aussagekräftig waren und somit die Voraussetzungen für die Erteilung der Genehmigung nicht vorlagen.“

Wie kleveblog bereits berichtet hatte, scheiden sich in den Behörden offenbar die Geister. Grundsätzlich muss nach dem Bestattungsgesetz NRW eine Erklärung der Personen vorliegen, dass sie damit einverstanden sind, dass ihr Körper oder Teile davon hübsch aufbereitet der Öffentlichkeit präsentiert werden. Das ist mit viel Aufwand verbunden. Außerdem ist es untersagt, aus den Überresten verschiedener Menschen ein idealtypisches Exponat zu basteln. In manchen Städten – z. B. Bielefeld – gab sich die Verwaltung allerdings mit der Eidesstattlichen Versicherung eines Rechtsanwalts zufrieden, dass alles seine Ordnung habe. Kleve nimmt es da offenbar genauer.

Mal abgesehen davon, dass auch die Datumsangaben mit heißer Nadel gestrickt waren: Das menschliche Muskelfleisch wird in Kleve nicht gezeigt.