Der Tod von Buchnummer 456/18/0: Was geschah am 17. September in Zelle 143 der JVA Kleve?

rd | 05. November 2018, 18:29 | 28 Kommentare
Das „Vollstreckungsblatt“ von Ahmed Amed

(Aktualisiert und ergänzt)

Am heutigen Montag veröffentlichte das Justizministerium des Landes NRW einen 60-seitigen Untersuchungsbericht, der – weitestgehend aus der Feder des Klever Leitenden Oberstaatsanwalts Holger Schönwitz – erstmals eine Gesamtschau auf die Ereignisse liefert, die am 17. September zum Tod eines syrischen Staatsbürgers führten, der zu Unrecht im Gefängnis war. kleveblog dokumentiert anhand des Berichts die Folge der Ereignisse von dem Anruf bei der Polizei in Geldern bis zu dem Tag, an dem der 26 Jahre alte Syrer in der Bochumer Klinik an den Folgen des von selbst gelegten Brandes in Zelle 143 der Klever JVA verstarb – drei Tage, nachdem die Verwechslung erkannt worden war.

Der vollständige Bericht der Landesregierung ist online als PDF-Dokument abrufbar: „Todesfall in Folge eines Brandes in der JVA Kleve

6. Juli, 15:26 Uhr: Polizeibeamte der Wache Geldern werden zu einer Kiesgrube am Hartefelder Heideweg in Geldern gerufen. Vier Frauen geben an, von dem – dort noch anwesenden – Mann „auf sexueller Grundlage beleidigt“ (wie das in der Juristensprache heißt) worden zu sein. (In Presseberichten war zu lesen, der Mann habe die Frauen „mit Blicken ausgezogen“ und an Masturbation erinnernde Handbewegungen ausgeführt.) Die Beamten belehren den Mann, der keine Angaben zur Sache macht und sich nicht ausweisen kann.

Nach 50 Minuten korrekt identifiziert

16:24 Uhr: Mit Hilfe des Fingerabdruck-Schnell-Abgleichsystems (Fast-ID) wird der Mann auf der Polizeiwache Geldern als namentlich bekannter syrischer Staatsangehöriger identifiziert. Eine elektronische Abfrage im System INPOL/Viva ergibt zwei Ausschreibungen zur Festnahme (Verfahren 2107 Js 601/16 und 3104 Js 328/15) der Staatsanwaltschaft Hamburg. Einer der beiden Kriminalbeamten, die mit dem Fall in der Wache Geldern betraut sind, vermerkt im Hinblick auf die in der Fahndung erfasste Ersatzfreiheitsstrafe, dass der Syrer angegeben habe, das Geld nicht beibringen zu können. Die tatsächlich gesuchte Person hat in den Unterlagen als Staatsangehörigkeit „malisch“ und als Geburtsort „Tombouctou“ vermerkt, für den mittels Fast-ID identifizierten Mann auf der Wache in Geldern finden sich die Angaben „syrisch“ und „Aleppo“. Die Führungspersonalien des tatsächlich gesuchten Mannes, zu denen ein Lichtbild gehört, das einen dunkelhäutigen Mann zeigt, werden durch die Beamten nicht überprüft („nach derzeitigem Erkenntnisstand“, heißt es in dem Bericht). Aufgrund einer Ähnlichkeit mit einem Täter einer angezeigten Vergewaltigung fertigen die Beamten Fotos des Mannes an, um den Ermittlungsvorgang fortzuführen. 

18:06 Uhr: In Emmerich wird eine Leiche gefunden. Da dieser Einsatz Vorrang hat, werden die Maßnahmen zur Überprüfung der Identität des Syrers in der Wache Geldern durch die Beamten abgebrochen.

18:12 Uhr: Ein Beamter aus Geldern unterrichtet per Fax das Landeskriminalamt Hamburg und erbittet die Übersendung der Haftbefehle. In dem Fax weist der Beamte darauf hin, dass die Person auch unter „Ago, Tombouctou Ana“ und „Ago Tombouctou“ geführt wird.

18:32 Uhr: Das Landeskriminalamt Hamburg übermittelt die Haftbefehle, in denen neben den malischen Namen auch der des Syrers vermerkt ist. 

„Suizidgefahr… Der Gef. darf nicht allein bleiben.“

21:10 Uhr: Der Syrer wird in die JVA Geldern-Pont überführt. Er wird mit den von der Polizei festgestellten syrischen Personalien und zudem mit dessen vermeintlichen Alias-Namen (die Personalien des Mannes aus Mali erfasst). (In Wahrheit war es genau andersherum: Der Mann als Mali nutzte die Personalien des Syrers als Alias-Namen.)  Er wird nach telefonischer Rücksprache mit dem JVA-Arzt in einem besonders gesicherten Haftraum untergebracht und hat den Vermerk: „Suizidgefahr. Gemeinschaft mit zuverlässigen Gef. Der Gef. darf nicht allein bleiben. Sicherungsmaßnahmen beachten!“

9. Juli (drei Tage nach der Festnahme): Der Anstaltsarzt führt die Aufnahmeuntersuchung durch. Er wird als vollzugstauglich eingestuft, allerdings für suizidgefährdet gehalten. Deshalb spricht er sich gegen eine Einzelunterbringung aus.

10. Juli: Eine Polizeibeamtin zeigt der Frau, die die Vergewaltigung angezeigt hatte, die Lichtbilder des Syrers. In der weiteren Vernehmung sagt die Frau, dass sie die Vergewaltigung nur vorgetäuscht habe. Die Sachbearbeiterin der Polizei informiert die JVA in Geldern. Das bedeutet, dass der Syrer in eine andere Haftanstalt verlegt werden kann. Das Ermittlungsverfahren wegen Vergewaltigung gegen Syrer (Az. 203 Js 375/18) bei der Staatsanwaltschaft Kleve wird – später – wegen erwiesener Unschuld eingestellt werden.

10. Juli, 15:24 Uhr: Der Syrer wird der JVA Kleve zugeführt. Dort wird er unter der Buchnummer 456/18/0 mit denselben Personalien wie in Geldern erfasst.

11. Juli: Der Syrer wird durch den Anstaltsarzt der JVA Kleve untersucht. Seine Beurteilung: „vollzugstauglich: ja; Bedenken gegen Einzelunterbringung; Suizidgefährdung: ja; Bemerkungen: Beobachtung 15 Min.“

„Seit drei Jahren in Deutschland, die meiste Zeit in Mönchengladbach“

13. Juli: Ein Mitarbeiter des Sozialdienstes der JVA Kleve fertigt einen Vermerk über das Zugangsgespräch mit dem neuen Insassen. Demnach sei er Kriegsflüchtling aus Syrien, halte sich seit drei Jahren in Deutschland auf und habe die meiste Zeit in einer Flüchtlingsunterkunft in Mönchengladbach gelebt. Suizidgedanken würden negiert und seien auch nicht erkennbar.

19. Juli: Der Syrer beantragt die Aufhebung der Beobachtung.

20. Juli: Bei der JVA Geldern geht ein Aufnahmeersuchen der Staatsanwaltschaft Hamburg wegen eines der beiden Delikte aus Hamburg ein. Es wird nach Kleve weitergeleitet. Darin werden neben den Personalien des malischen Staatsangehörigen weitere Personalien angegeben: „geboren am 01.01.1992 in Nouakchott, Staatsangehörigkeit: mauretanisch“.

130 Tagessätze je 5 Euro

27. Juli: Das zweite Aufnahmeersuchen aus Hamburg geht in Kleve ein. Wieder mit denselben Personalien. In dem mit übersandten Urteil des Amstgerichts Reinbek heißt es, wegen der Diebstahlsdelikte sei eine Gesamtgeldstrafe von 130 Tagessätzen je 5 Euro verhängt worden. Ebenfalls an diesem Tag geht ein Schreiben der Staatsanwaltschaft Hamburg vom 20.07. bei der JVA ein, in dem gefragt wird, „ob dort Nachweise über die dort geführten Personalien des Verurteilten vorliegen“. Gegebenenfalls werde um Übersendung von Kopien gebeten.

2. August: Der Anstaltsarzt schreibt anlässlich des Antrags in seine Beurteilung: „Bedenken gegen Einzelunterbringung? nein; Suizidgefährdung? nein“.

3. August: Die Anstaltspsychologin weist auf die ursprünglich gewählte Frist bis zum 30. August für eine erneute Beobachtung hin. Diese sei bewusst gewählt, um eine hinreichend verlässliche Beobachtungsgenauigkeit zu erlangen. Die Sicherungsmaßnahmen bleiben in Kraft.

„… hier liegen keine Nachweise vor“

6. August: Das Schreiben vom 20.07. wird im Original zurück nach Hamburg geschickt. Darauf wird handschriftlich vermerkt: „urschriftlich zurück: hier liegen keine Nachweise vor“. Die Rückmeldung geht am 9. August in Hamburg ein.

29. August: Der Syrer beantragt erneut die Aufhebung der besonderen Beobachtung.

„… eine Menge kaum nachvollziehbarer Angaben“

3. September: Die Anstaltspsychologin spricht aufgrund des Antrags erneut mit dem Syrer. Dieser sei freundlich und auskunftsbereit gewesen und habe „eine Menge kaum nachvollziehbarer Angaben zur Person“ gemacht und Folgendes erklärt: „Er habe seinen Namen immer korrekt mit Ahmad Amad angegeben, geboren sei er am 13. Juli 1992 – alle anders lautenden Angaben seien auf fehlerhafte Protokolle der Polizei zurückzuführen. Die Daten aus dem Urteil zu I. seien ihm allesamt unbekannt, das Urteil betreffe ihn nicht. Er kenne den Namen Amedy Guira nicht, sei nie in Hamburg oder Braunschweig gewesen – schon gar nicht zu der dort angegebenen Tatzeit – da sei er noch gar nicht in Deutschland gewesen usw. usf.“  Hinweise auf Suizidalität seien nicht zu erkennen. 

4. September, 9:30 Uhr: Die „besondere Beobachtung“ wird aufgehoben. Der Syrer beantragt in der Folgezeit die Teilnahme an Sportgruppen. Die wird ihm gestattet.

17. September, wenige Minuten nach 19 Uhr (Einschätzung des Brandsachverständigen): In Zelle 143 der Klever JVA, in der der Syrer untergebracht war, bricht ein Feuer aus. Der Syrer entzündete vermutlich mit einem Einwegfeuerzeug eine Rolle Toilettenpapier und legte die in einen Haufen Textilien auf seiner Matratze. 

Gegensprechanlage 9 Sekunden aktiv

19:19 Uhr: Der Syrer betätigt die Gegensprechanlage seiner Zelle, die auch ein Lichtsignal auslöst. Die Auswertung der Daten zeigt, dass der Kanal für neun Sekunden geöffnet war. Der Bedienstete (der den Ruf entgegennimmt) lässt zu diesem Zeitpunkt einen JVA-Insassen ein Telefonat führen, welches er pflichtgemäß mithört. Der Bedienstete teilt dem Syrer mit, dass er noch ein Telefonat zu führen habe und sich später melden werde. Da von der Gegenseite keine Reaktion kaum, quittierte (beendete) der Bedienstete den Ruf.

19:23 Uhr: Der JVA-Bedienstete alarmiert die Feuerwehr. Nicht ersichtlich aus dem Bericht wird, ob der JVA-Bedienstete davor oder danach die Zellentür öffnete. Der Syrer läuft heraus. Er wird ins Klever Krankenhaus eingeliefert und dann mit dem Rettungshubschrauber zu einer Spezialklinik nach Duisburg geflogen.

19:25 Uhr: Der Brand ist durch die JVA-Bediensteten weitestgehend abgelöscht. 

19:54 Uhr: Ein Streifenwagen der Polizei erhält den Auftrag, sich wegen einer Rauchentwicklung in die JVA zu begeben. Ab 20:30 Uhr führen sie eine Besichtigung des Brandortes durch und fertigen 34 Lichtbilder sowie eine Handskizze an. Die Zelle wird versiegelt: „Der Brandort ist beschlagnahmt. Betreten verboten!“

Ermittlungsverfahren wegen schwerer Brandstiftung

18. September: Die Staatswaltschaft Kleve leitet gegen den Syrer unter dem Aktenzeichen 103 Js 786/18 ein Ermittlungsverfahren wegen schwerer Brandstiftung ein.

24. September: Wegen einer dramatischen Verschlechterung des Gesundheitszustandes wird der Syrer von Intensivstation für Schwerbrandgeschäfigte der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Duisburg zur BGU Bergmannsheil nach Bochum verlegt. Ebenfalls am 24. September geht bei der Polizei in Geldern ein Schreiben der für eines der beiden Hamburger Verfahren zuständigen Rechtspflegerin ein. Sie fragt, „aufgrund welcher Erkenntnisse die dort geführten Personalien des Verurteilten geführt werden“. Um die Übersendung von Nachweisen wird gebeten. Ein Beamte des Bezirksdienst überprüft die Anfrage und findet heraus, dass zu der INPOL-Abfrage des Syrers auch der Datensatz des Mannes aus Mali ausgeworfen wird (weil den Namen des Syrers als Aliasnamen verwendet). Aufgrund dieser Unstimmigkeiten leitet der Beamte das Schreiben an die Fahndungsfachdienststelle des 3. Kriminalkommissariats weiter. 

Das KK 3 prüft – und entdeckt die Verwechslung

26. September: Das KK 3 überprüft die Sache. Abgefragt wird: „AHMED, * 01.01.1992“. Es gibt zwei Treffer. Einen für den Syrer, einen für den Mann aus Mali. Für den Syrer lagen jedoch zum 6. Juli keine Fahndungsnotierungen vor. Das für den Mann aus Mali, nach dem gefahndet wird, hinterlegte Lichtbild einer dunkelhäutigen Person macht erstmals die Verwechslung offenbar.

16:05 Uhr: Die Kriminalbeamtin der Fahndungsfachdienststelle unterrichtet per Fax die Staatsanwaltschaft Hamburg über die festgestellte Personenverwechslung. Um Entlassung aus der Haft wird ersucht. 

17:30 Uhr: Staatsanwalt Neifer wird durch den Leiter der Direktion Kriminalität der Polizei Kleve, Kriminaldirektor Gricksch, über die Personenverwechslung informiert. 

27. September: Die Staatsanwaltschaft leitet gegen sechs Polizeibeamte, die an der Festnahme und Identifizierung des Syrers beteiligt waren, ein Ermittlungsverfahren wegen Freiheitsberaubung ein (414 Js 613/18).

29. September, 4:10 Uhr: Der Syrer erliegt im Krankenhaus Bergmannsheil in Bochum seinen durch den Brand erlittenen Verletzungen. 



Sternbuschbad: Wie sieht’s unterm Familienbecken aus?

rd | 02. November 2018, 14:11 | 7 Kommentare
Volles Rohr: In den Katakomben des Sternbuschbads. Rechts, auf Betonpfeilern ruhend, die Einfassung des Familienbeckens

Werte OK? Aber sicher! Schwimmmeister Harald Reintjes, auch für die Technik zuständig, an einem der ca. 1000 Sensoren im Keller
Aufs Hundertstel genau: 0,44 Milligramm Chlor pro Liter, pH-Wert 7,09, Redox-Wert 818 Millivolt (Erklärung siehe Text)
Technik, die bewegt – und zwar Wassermassen. Das Wasser, das überschwappt, landet in Aktivkohlefiltern und wird tiptop wieder zurück ins Becken gepumpt
Raus damit! Durch diesen Turm wird die Abluft nach draußen geblasen – aber die Luft wird zu großen Teilen wiederverwertet
Vier Meter hoch, zwei Meter Durchmesser: Die beigefarbenen Behälter fassen die Aktivkohle, die das Badewasser reinigt
Die Kraft der blauen Turbinen: Wenn das Strömungsbecken im Außenbereich die Schwimmer durchs Wasser wirbelt, laufen diese drei Turbinen auf hohen Touren. Noch ruhen sie sanft

Selbst der beste Taucher wird im neuen Sternbuschbad nicht weiter als 3,79 Meter tief gelangen. Wenn man aber die Schwimmmeisterzentrale betritt und in freundlicher Begleitung von Jürgen Kahl (Leiter Bäder) und Jan Klösters (Stadtwerke Vertrieb & Marketing) dort eine Tür durchschreitet und eine Betontreppe hinabläuft, dann landet man in den Katakomben des Bades – in einer labyrinthischen Welt aus Rohren, Röhren und Schläuchen, aus Sensoren und Schaltern, aus Pumpen, Generatoren und Motoren. Da den Überblick behalten? Uns Laien erscheint es kaum möglich, doch die auch für die Technik zuständigen Mitarbeiter des Schwimmbades, zum Beispiel Jürgen Reintjes, haben alles im Auge – und im Griff. Das Wasser zum Beispiel sollte einen pH-Wert im neutralen Bereich haben, neutral ist der Wert von 7, zwischen 6,8 und 7,2 wird akzeptiert. Am Tag der Eröffnung lag er bei 7,09, also nahezu perfekt in der Mitte. Der Chlorwert war ebenfalls genau da, wo er hinsollte – bei 44 Milligramm pro Liter Wasser. Das Element, das Keime killt, wird aus Sicherheitsgründen in einem separaten Raum in flüssiger Form dem Badewasser zugeführt. Wie sauber das Wasser letztlich ist, sagt schließlich der dritte Wert, den das LCD-Display in bläulicher Farbe anzeigt, das so genannte Redoxpotenzial. Dieser Wert verändert sich durch die Zugabe von Chlor, und bei einem Wert von 750 Millivolt sind 99,9 Prozent aller Escheria-coli-Keime innerhalb von wenigen Sekunden tot. Wenn, wie am Samstag der Eröffnung, der Wert 818 Millivolt beträgt, heißt das: Die Bakterien können gar nicht so schnell gucken, wie sie massakriert werden – gut für die Badegäste.

Ums Wasser dreht sich alles in einem Schwimmbad, und die wichtigste Aufgabe ist es natürlich, dessen Qualität zu gewährleisten. Zweitwichtigste Herausforderung danach: es auf eine möglichst angenehme Temperatur zu bringen. Das Wasser in den Kinder-, Kurs- und Außenbecken des Sternbuschbades ist wohlige 32 Grad warm, im Familienbecken beträgt die Temperatur immerhin noch 30 Grad, und selbst im Sportbecken steigt das Thermometer noch auf beachtliche 28 Grad Celsius. Doch dafür muss irgendwo im Keller eine Heizung vorgehalten werden. Im Sternbuschbad handelt es sich um ein äußerst leistungsfähiges, gasgetriebenes Blockheizkraftwerk. Der unspektakuläre Kasten in der Größe eines Kleinwagens produziert mehr Energie als für das Schwimmbad selbst benötigt wird. Das führt dazu, dass die Betriebskosten, die bei rund zwei Millionen Euro pro Jahr liegen, durch einen so genannten „steuerlichen Querverbund“ um 600.000 Euro gemindert werden können.  Da haben die Füchse aus der Finanzabteilung der Stadtwerke ganze Arbeit geleistet!

Damit die schöne warme Luft sich nicht gleich in den Sternbusch verabschiedet, bestehen die riesigen Glasfronten des Bades aus 40 Millimeter starker Dreifachverglasung – selbst wenn ein brünftiger Hirsch versehentlich dagegen liefe, bräche höchstens sein Geweih ab. 

Rund 160.000 Besucher werden pro Jahr erwartet, die Kalkulation ergibt sich aus dem langjährigen Mittel der Zahl der Freibandbesucher (80.000) und der Zahl der Hallenbadbesucher (ebenfalls 80.000). Das Ganze ist natürlich konservativ kalkuliert, denn man kann schon davon ausgehen, dass der eine oder andere aus dem Lager der Nicht-Schwimmer konvertiert oder manch einer aus der Kohorte der Emmerich-, Goch- und Bedburg-Hau-Schwimmer fahnenflüchtig wird. 



Prof. Meijer an Hochschule: Ihr wusstet es doch!

rd | 30. Oktober 2018, 18:48 | 49 Kommentare
Würde sich über die gerichtliche Klärung seiner Äußerung freuen: Prof. Dr. Gerard Meijer

Nur getroffene Hunde bellen. (Journalistenweisheit)

Hochschule Rhein-Waal – nun wird immer deutlicher, dass offenbar Geld, Gier und Eitelkeit die Auslöser der Geschehnisse waren, die letztlich zur erzwungenen Demission der Präsidentin führten. Eine neue Äußerung von Prof. Dr. Gerard Meijer, dem früheren Vorsitzenden des Hochschulrats, macht deutlich, wie lange das „Problem Scientific Freshers“ in den Gremien der Hochschule virulent war – und alle, die heute dort noch in der Verantwortung stehen, insbesondere der aktuelle Hochschulratsvorsitzende Prof. Aloys Krieg (RWTH Aachen), wussten offenbar um die ominöse Konstruktion, die den beiden Professoren Thorsten Brandt und Dirk Untiedt beträchtliche Nebeneinkünfte bescherte.

Das ausführliche Interview mit Prof. Dr. Gerard Meijer zu den Hintergründen des Rücktritts von Dr. Heide Naderer hatte offenbar einen Nerv getroffen: „Die Hochschule Rhein-Waal“ (genauer lässt sich das leider nicht sagen) reagierte bekanntlich mit einer Stellungnahme, die überraschenderweise exakt einen Aspekt des Gesprächs herausgriff: die Gesellschaft Scientific Freshers der beiden Hochschulprofessoren Thorsten Brandt und Dirk Untiedt. Das Unternehmen verdiente sein Geld damit, Studenten aus dem Ausland (z.B. aus China) für die Hochschule zu qualifizieren und war den beiden Maschinenbauern von der früheren Hochschulpräsidentin Prof. Dr. Marie-Louise Klotz als „Institut“ zugeschanzt worden. Ausweislich des Bundesanzeigers kam die Scientific Freshers GmbH 2016 auf einen Jahresgewinn von knapp einer halben Million Euro (genau: 470.745,95 €).

Doch die China-Connection stieß nicht überall in der Hochschule auf Begeisterung, und Gerard Meijer äußerte sich in dem Interview dazu mit den folgenden Sätzen:

Ich wusste vorher nichts über die Scientific Freshers. Als ich gesehen habe, wie das läuft, – dass Studenten viel Geld für eine Art Vorschule bezahlen müssen – habe ich das Thema sofort auf die Tagesordnung des Hochschulrats gesetzt. Wenn man so etwas in den Niederlanden machen würde, und es würde bekannt werden – man würde im Knast enden. Das Modell der Scientific Freshers war ein Skandal. Frau Naderer hat dafür gesorgt, dass er auf professionelle Art beendet wurde. Aber das hat das Geschäft für einige vermasselt.

Dazu kam die – oben erwähnte – „Stellungnahme“ der Hochschule, die wie folgt lautete:

Diese Aussage diffamiert Angehörige der Hochschule Rhein-Waal und rückt sie in ein betrügerisches Licht. Die Hochschule Rhein-Waal verwahrt sich gegen Anschuldigungen, die Angehörige der Hochschule betrügerische Absichten unterstellen. Die Konstruktion des Scientific Freshers Instituts wurde seinerzeit juristisch intensiv geprüft und als rechtlich einwandfrei beurteilt. Die Kooperation mit dem Institut wurde von der damaligen Hochschulleitung ausdrücklich begrüßt und als strategisch sinnvoll erachtet. Den in diesem Kontext handelnden Personen wurde zu keinem Zeitpunkt rechtswidriges Verhalten vorgeworfen.

Das klingt, als ob aus heiterem Himmel völlig überraschend Vorwürfe auf die Hochschule und die beiden Professoren niedergeprasselt sind. Die Wahrheit aber ist eine andere – Meijer hat in dem Interview nur wiederholt, was er bereits vor mehr als zwei Jahren in der Hochschule gesagt hatte. Von kleveblog zu der Stellungnahme der Hochschule befragt, erklärte Meijer:

Ich habe das gleiche Statement zu den SF [Scientific Freshern] schon vorher im Hochschulrat gemacht, in Gegenwart aller Mitglieder und ebenso in Gegenwart der Ministerialrätin Frau Rix-Diester. Und ich habe diese Aussage damals und jetzt gemacht, weil ich davon überzeugt bin, dass sie wahr ist. Es wäre höchst interessant, wenn die HSRW diese Aussage (gerichtlich) anginge, weil wir dann einfach herausfinden müssten, ob die Aussage wahr oder falsch ist, und ich bin ziemlich überzeugt davon, dass meine Aussage Bestand haben wird; die Niederlande sind ein entwickeltes Land.

Was bisher geschah:

„Einer Hochschule komplett unwürdig“ (Interview mit Prof. Meijer in kleveblog und NRZ)

Hochschule erkennt Meijer-Kritik weitgehend an (Stellungnahme der Hochschule Rhein-Waal)


Das darf doch nicht haar sein!

rd | 30. Oktober 2018, 11:29 | 6 Kommentare

Unsereins, der sich zu den medium weit herumgekommenen Menschen zählt, glaubte bis heute morgen, wirklich alle denkbaren Variationen von Wortspielen für Friseurgeschäfte gesehen zu haben, von Headline (Ringstraße) über Mata Haari, Cut Haar Ina, Sa-Haara, Chaarisma, Hairberge, Kamm in!, Fönix, Pony & Clyde, Vorhair/nachhair, Hairport, Haarnachie, Haarmonie, verLockend, Haarcore bis hin zu Haarmoden Quinkertz (Ringstraße) – und dann wandelt der niederrheinische Provinzkosmopolit vom Bahnhof in die Innenstadt und erblickt linksseitig:

Haar, haar, haar

Team Hairzog! Hairlich! Natürlich an der Herzogstraße… Darauf muss man (oder frau?) erst einmal kommen. Kompliment!