Bürgermeisterin Sonja Northing: Ihr geliebter Hund Dexter ist gestorben

rd | 06. Februar 2020, 01:12 | 59 Kommentare
Ein Bild aus glücklichen Tagen: Sonja Northing mit Dexter im Forstgarten (2015, Foto: Michael Raadts)

Bei der Ratssitzung am Mittwoch ließ Sonja Northing sich nichts anmerken, reagierte schlagfertig und verwies den etwas vorlauten Michael Bay in die Schranken. Nur die wenigsten im Ratssaal wussten, dass seit Sonntag ein dunkler Schatten über der Seele der Bürgermeisterin liegt. Ein Schatten, dessen Ausmaß wohl nur jemand erahnen kann, der sich selbst schon einmal innig mit einem Tier verbunden fühlte: Die Bürgermeisterin trauert um ihren Mischlingsrüden Dexter, der am Wochenende überraschend verstorben ist. Sie nannte ihn mitunter zärtlich „First Dog“. Beste Freunde erhielten auf elektronischem Wege die Nachricht, dass ihr geliebter Hund verschieden ist.

Dexter, groß, gutmütig und auf eine angenehme Art träge, war seit vielen Jahren der ständige Begleiter von Sonja Northing. Die beiden unternahmen gemeinsam und mit weiteren Freundinnen gerne lange Spaziergänge durch die umliegenden Wälder. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde der Hund erstmals bekannt, als Northing im Wahlkampf 2015 mit Dexter vor dem Abriss des Sternbuschbades beim Hundeschwimmen ins Becken stieg.

Auch während ihrer Amtszeit als Bürgermeisterin kam es mitunter vor, dass Dexter sie zu Terminen begleitete – die Anwesenheit des Hundes schaffte Nähe, baute Barrieren ab. Als Ghostwriter für ihren Hund schickte sie bereits 2008, lange vor ihrer Zeit als Bürgermeisterin, einen Antrag an ihren Vorgänger Theo Brauer, in der Stadtverwaltung den Aktionstag Hund einzuführen. An diesem Tag sollten die Verwaltungsmitarbeiter ihre Hunde mit zur Arbeit bringen können.

Sonja Northing kam mit Dexter ins Sozialamt. Ihr Fazit, der Zeitschrift „Du und das Tier“ des Deutschen Tierschutzbundes anvertraut, lautete so: „Ich habe den Tag in sehr angenehmer Erinnerung behalten. Dexters fröhliche und zugleich sanfte Art verschaffte ihm von Anfang an große Sympathien. Alle Mitarbeitenden freuten sich, ihn zu sehen, ihn zu streicheln, mit ihm zu spielen und ihn zu beschmusen. Die Termine an denen er teilnahm, waren von einer heiteren Grundstimmung geprägt. Die Gespräche verliefen in entspannter, netter Atmosphäre und wurde von allen Beteiligten als besonders glück- und gewinnbringend empfunden.“

In einem anderen Interview sagte sie: „Hunde im Büro verbessern die körperliche und seelische Gesundheit der Mitarbeitenden. Die Zufriedenheit wächst und der Umgang der Kolleginnen und Kollegen untereinander wird offener, freundlicher, kooperativer und menschlicher.“ Ende vergangenen Jahres ließ Sonja Northing ihren Hund erneut zu Wort kommen, diesmal als den fiktiven Verfasser von Weihnachtsgrüßen. Das kam nicht überall gut an. Gleichwohl war die Mail ein Zeugnis der tiefen inneren Verbundenheit, die sie mit dem Vierbeiner fühlte. Bei vielen Gelegenheiten versuchte sie, für ihren Dexter eine Partnerin zu finden, damit es ihm vergönnt sei, Vaterfreuden zu erleben. Auch in den Weihnachtsgrüßen schrieb Northing als Dexter noch einmal von diesem Wunsch. Er sollte nicht in Erfüllung gehen.

Das „Wuff“ – es ist verstummt.



Abschied von Foto allkauf, Hagsche Str.

rd | 05. Februar 2020, 19:10 | 6 Kommentare
Rolladen runter, handgeschriebener Zettel in der mit Folie verklebten Eingangstür: Foto allkauf, Hagsche Straße

Das Geschäft gehörte irgendwie zum Klever Einzelhandelsinventar, seit 30 Jahren. Oder sogar schon seit 40 Jahren? Oder noch länger? Man weiß es nicht, schwach ist die Erinnerung daran, dass dort einst ein Kopierer stand, der zum damals sensationell günstigen Preis von 10 Pfennigen pro Blatt schwarz-weiße Ablichtungen herstellte, anders als bei dem Gerät in der Postfiliale (heute Mrs. Sporty), wo für die gleiche Dienstleistung 50 Pfennig verlangt wurde. Auch bei den Papierabzügen von Fotos war Foto allkauf in der Hagschen Straße ein Preisbrecher, und im Schaufenster warteten lange vor den Zeiten von Mediamarkt ganze Reihen von Kameras, nahezu immer im Preis „herabgesetzt“, auf Schnäppchenjäger. Zuletzt hatte sich das Geschäft, geführt von Stefan Schneiders, auf Fotoarbeiten der Sorte „Porträt auf Kaffeebecher“ spezialisiert. Irgendwann war auch das Wort allkauf aus dem Geschäftsnamen verschwunden, doch für den Klever blieb der Betrieb trotz des neuen Namens Ringfoto immer Foto allkauf, so wie Edeka Schroff auch die nächsten tausend Jahre noch Super 2000 heißen wird. Allerdings konnten die Zugewinne im Spezialgeschäft wohl nicht die Verluste ausgleichen, die durch die Abwanderung von kamerakaufenden Kunden ins Internet entstanden sind. Und so ging das Geschäft den Weg alles Irdischen; seit Anfang Februar ist das Geschäft geschlossen. Der Entschluss sei ihm sehr schwer gefallen, sagt Schneiders. Im mit Folien verklebten Eingang hängt ein handgeschriebener Zettel, in dem die Kunden gebeten werden, die möglicherweise entstandenen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.





Filmemacher aus Kevelaer: Missbrauchsprozess beginnt am 14. Februar

rd | 05. Februar 2020, 13:46 | 9 Kommentare
Umgab sich gerne mit Kindern: der Filmemacher aus Kevelaer

Die Ankündigung des Landgerichts überschreibt die Terminankündigung wie folgt: „Strafverfahren gegen einen 50-Jährigen aus Kevelaer wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 52 Fällen in Tateinheit mit schwerem sexuellen Missbrauchs eines Kindes in 11 Fällen, in weiterer Tateinheit mit sexuellen Übergriffs in 5 Fällen und versuchten sexuellen Übergriffs in weiteren 5 Fällen“. Angeklagt ist der Filmemacher aus Kevelaer, der auch für den Kreis Kleve tätig war und der sich in seinen Werken insbesondere für benachteiligte Kinder eingesetzt hatte. Wenn die Vorwürfe zutreffen, war das jedoch wohl vor allem Fassade.

„Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll es in den Jahren 1998 bis 2002 in den damals bewohnten Wohnungen des Angeklagten in Kevelaer und während zweier Urlaube in den Niederlanden zu mindestens 42 sexuellen Handlungen des Angeklagten zum Nachteil seines Mitte 1990 geborenen Neffen gekommen sein“, heißt es in der Mitteilung des Landgerichts. Im Rahmen von sozialen Projekten/Jugendarbeit – es handelte sich um Ferienfreizeiten – soll es in weiteren 10 Fällen sexuelle Handlungen gegeben haben, die der Filmemacher an Kindern vorgenommen haben soll.

Eine von dem Kevelaerer geplante Dokumentation über eine der Ferienmaßnahmen, bei der ausgewählte Schulkinder im vergangenen Jahr eigenverantwortlich durch Deutschland radelten, sollte sogar im Fernsehen ausgestrahlt werden. Im Rahmen einer am 11.07.2019 bei dem Angeklagten in Kevelaer durchgeführten Wohnungsdurchsuchung sollen insgesamt 27 Lichtbilder mit kinderpornographischen Inhalten aufgefunden worden sein. Deshalb muss der Mann sich zudem wegen Besitzes kinderpornographischer Schriften verantworten.

Der Prozess, der vor der Jugendschutzkammer des Landgerichts in der Klever Schwanenburg verhandelt wird, beginnt am 14. Februar um 9:30 Uhr. Zwei Fortsetzungstermine finden am 18. und 28. Februar statt.


Aktuelle Presseschau (Grüne, HSRW)

rd | 05. Februar 2020, 11:01 | 8 Kommentare
RP, 5. Februar 2020
kleveblog, 20. Dezember 2020
RP, 5. Februar 2020
kleveblog, 15. November 2017
Es gibt europäische, deutsche und internationale Studenten

(Aktualisiert)

Der Leser hat kein Archiv, sagte einst Ludger Distelkamp, mittlerweile im Ruhestand befindlicher Redakteur der Rheinischen Post. Das Internet aber vergisst nichts. Und so darf der Leser heute in der Lokalzeitung zur Kenntnis nehmen, dass die Grünen sich für Rolf Janssen als Kandidaten für die anstehende Bürgermeisterwahl in Kleve ausgesprochen haben – eine Information, über die der kleveblog-Leser schon seit einigen Wochen verfügte: Klever Bürgermeisterwahl wieder mit Janssen (Spoiler: Nicht Udo, sondern ein Mann der Grünen).

Als auf dieser Seite darüber am 20. Dezember des vergangenen Jahres berichtet wurde, meldeten sich selbst altgediente Mitglieder der Grünen in der Redaktion und sprachen von einem verfrühten Aprilscherz. In der Gaststätte Zentrale erzählten Gäste aus dem Umfeld des Kandidaten, dass Rolf Janssen höchstselbst in Kurzmitteilungen die Darstellung dementiert habe. Und auch die Lokalzeitung ging auf das Thema ein, und zwar nonchalant in einem Überblicksbericht über die Kommunalwahl mit dem Hinweis, dass der angebliche Kandidat doch längst erklärt habe, dass er nur zur Verfügung stehe, wenn sich mindestens zwei Parteien für ihn aussprechen. Alles Quatsch! Gestern Abend, auf der Mitgliederversammlung der Grünen im Kolpinghaus, sprachen sich 22 der 23 anwesenden Mitglieder für den Kandidaten Janssen aus. Damit wird die Klever Bürgermeisterwahl noch spannender.

Ebenfalls heute berichtet die Rheinische Post, dass das Präsidium der Hochschule Rhein-Waal „den Weg der Konsolidierung und Qualitätssteigerung […] Beibehalten“ werde. Nun mag man darüber streiten, inwieweit das Verb „beibehalten“ korrekt gewählt ist, aber die Idee, das ausufernde Wachstum der Einrichtung zu begrenzen, um endlich der vielfältigen Probleme, die dadurch verursacht wurden, Herr zu werden, ist so neu nicht. Schon im November 2017 rief die damalige Präsidentin die Grenzen des Wachstums aus.

Gute Ausländer, böse Ausländer

In dem aktuellen RP-Artikel wird das System Klotz („Völker aller Länder, kommt nach Kleve!“) , das doch angeblich so toll war, dann zu Grabe getragen. Der HSRW-Präsident Locker-Grütjen annonciert wörtlich „einen bunten Strauß von Zulassungsvoraussetzungen“ für künftige Studenten, insbesondere mit Mathetests (angeblich aber liegen die Abschlussquoten an der HSRW im bundesweiten Durchschnitt), und seine Vizepräsidentin Tatiana Ziemenkowa kündigt – laut Bericht – an, zu prüfen, in welchen Studiengängen „mehr europäische, in welchen mehr deutsche und in welchen mehr internationale Studenten zugelassen“ werden sollten. Das aber erscheint, die Korrektheit des Zitats mal unterstellt, wie eine feine Unterscheidung in gute und böse Ausländer (mehr Holländer? Weniger Inder?), die vermutlich keiner juristischen Prüfung und schon gar keiner ethischen (außerhalb der AfD) standhalten dürfte.

Kleiner Service, wegen der Bedeutung der Ankündigung, für die hier mitlesenden ausländischen Studenten:

Good foreigners, bad foreigners: In the current RP article, the Klotz system (“Peoples of all countries, come to Kleve!”), which was supposed to be so great, is buried. HSRW President Locker-Grütjen introduces “a colorful bouquet of admission requirements” for future students, especially with math tests (supposedly, however, the graduation rates at HSRW are at nationwide average), and his Vice President Tatiana Ziemenkowa announces – according to the report – to check in which courses “more European, in which more German and in which more international students should be admitted”. But that appears, assuming the correctness of the quotation, like a fine distinction between good and bad foreigners (more Dutch? Fewer Indians?), which should probably not withstand any legal examination and certainly not an ethical one (outside the AfD).