Skala. Ende der Vorstellung.

rd | 08. Februar 2019, 13:44 | 30 Kommentare
Szene wie aus einem Katastrophenfilm: Der Bagger frisst sich ins Gebäude (Foto: Jörg Schneider-Maessen)
Blick von der Herzogbrücke auf Kleve, links hinter der Brücke das alte Lichtspielhaus (Foto: Rainer Hoymann/Klevischer Verein)
Die Zukunft: Im Erdgeschoss läuft der Film „Das Parfüm“ (Regie: Rossmann), darüber „Fenster zum Hof“ (Regie: ReppCo). Den Sonnenstand dieser Visualisierung der Firma ReppCo kann es übrigens meiner Einschätzung nicht geben

Cinema Paradiso (Italien 1988). Supermarkt (Deutschland, 1974). Tatort: Leerstand (Deutschland, 2005). Jenseits der Träume (USA, 1999). Let’s make money (Österreich, 2008). Excavator (Korea, 2017). Demolition (USA 2015). Nostalghia (UdSSR/Italien, 1983) Der Architekt (Deutschland, 2008). Das Parfum (Deutschland, 2006). Das Mietshaus (Deutschland, 1963). Das Fenster zum Hof (USA, 1954). Ein Vermieter zum Knutschen (USA 1991). 

So war es, so ist es, und so wird es sein – die Geschichte des Klever Skala-Kinos in Filmtiteln. Heute begannen die Bagger mit dem Abriss. Ein Stück Klever Geschichte verschwindet, die Firma ReppCo (die für den Standort auch schon mal einen Plan für eine neue Stadtbücherei vorgelegt hatte, sich damit aber nicht durchsetzen konnte), verwirklicht nun auf Wunsch der Eigentümerin Stefanie Hammer ein Wohn-/Geschäftshaus. Ins Erdgeschoss zieht der Drogeriemarkt Rossmann, die beiden Obergeschosse werden schätzungsweise ein Dutzend Wohnungen beherbergen. 

Dass die Immobilie selbst nicht unbedingt dazu einlud, sie zu erhalten, steht außer Frage. Gleichwohl soll der Abriss hier zum Anlass genommen werden, noch einmal an die frühen Jahre zu erinnern. Zum Glück gibt es das Internet, wo sich nahezu alles findet. Unter anderem Zitate aus der Zeitschrift „Der neue Film“ (1947-1960 erschienen), die hier gerne durchgereicht werden: 

  • Nachdem vor einigen Monaten das in der Turnhalle in Kleve untergebrachte Skala-Theater seinen Spielbetrieb wegen Rückgabe des Gebäudes an die Stadt einstellen mußte, konnte jetzt der Grundstein zum neuen Skala-Theater gelegt werden. Bauherr des am Rathausplatz entstehenden Lichtspielhauses ist Theaterbesitzer Rudolf Hammer, der bereits das Burgtheater in Kleve betreibt. Die 700 Personen fassende Skala soll noch vor Weihnachten eröffnet werden. Entwurf und Ausführung: Architekt Hanns Rüttgers, Düsseldorf. (Der neue Film 84/1953)
  • Nach einer Bauzeit von 15 Wochen konnte in Kleve am Niederrhein das zweite Lichtspielhaus der Familie R. Hammer, das rund 700 Sitzplätze fassende Skala-Theater eröffnet werden. Der Neubau wurde erforderlich, da die bisher an Stelle des kriegszerstörten Skala-Theaters benutzte Turnhalle wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt werden soll. . Der Zuschauerraum der neuen Skala besticht durch seine harmonische Linienführung. Die Pastelltöne der Wandbespannung bilden im Zusammenklang mit den Farben der Vorhänge und der von Schröder & Henzelmann gelieferten Bestuhlung einen wohltuenden Akkord. Für den Panorama-Film würde bereits eine Projektionswand von 11 m Breite und 6 m Tiefe vorgesehen. Moderne kinotechnische Apparaturen lieferte die Firma Engelsmann, Castrop-Rauxel. Die Skala verfügt ferner über eine neuzeitliche Schwerhörigen- und Klimaanlage. Entwurf und Gesamtleitung: Architekt Hanns Rüttgers, Düsseldorf. (Der neue Film 9/1954)

„Neuzeitliche Schwerhörigen- und Klimaanlage“… nett. 



Kann jetzt auch hängen bleiben

rd | 07. Februar 2019, 15:05 | 14 Kommentare
Die Form bestimmt den Inhalt

Wenn die Partei sich so um Deutschland kümmert wie um den Plakatständer vor der eigenen Geschäftsstelle an der Lindenallee in Kleve, dann muss man sich Sorgen um unsere Heimat machen!

Der Februar ist schon weit vorangeschritten, doch in der Halterung unter dem Parteilogo hängt immer noch das Stockfoto einer in warmes Licht getauchten Kirche in einer verschneiten Berglandschaft. Wir merken: Es stimmt nichts. Wobei wir bereit sind zu verzeihen, dass die Verantwortlichen sich nicht einmal die Mühe gemacht haben, ein Bild einer niederrheinischen Winterlandschaft herauszusuchen („schickt die Zentral ein Berlin halt irgendein Plakat, hängen wir das mal auf“). Aber offenbar hat, und wir schreiben mittlerweile den 7. Februar, noch niemand, der die Zentrale der Partei der Lindenallee aufgesucht hat, daran Anstoß genommen, dass mittlerweile das Weihnachtsfest knapp anderthalb Monate zurückliegt, und auch für Neujahrswünsche ist es kurz vor Karneval eigentlich ein bisschen spät. Lebt die CDU in einer eigenen Zeit? Losgelöst von den Empfindungen der Menschen, die auf dem Bürgersteig entlang gehen und verwundert auf die Weihnachtswünsche blicken?

Noch bedenklicher aber stimmt der verrapsackte Zustand des Plakats. Die bei der Anschaffung vermutlich als super-schick empfundene und den modernen Charakter der Volkspartei unterstreichende Konstruktion aus zwei Glasscheiben, zwischen denen das Plakat gehalten wird, ist anfällig für Feuchtigkeit. Ich meine mich zu erinnern, dass ich bereits vor Jahren ein Bild der Kanzlerin veröffentlicht habe, die außerordentlich faltig und unvorteilhaft aussah, was aber lediglich daran lag, dass das Papier feucht geworden war und Wellen gezogen hatte.

Seitdem gingen ungezählte Plakate den Weg des Verderbens, und die Christdemokraten nahmen den Verfall der Botschaften mit einer staunenswerten Indolenz hin. An der Lindenallee wird offenbar einem Konservativismus gehuldigt, der vor jedweden Eingriffen in die Schöpfung zurückscheut. Der Herr gibt’s, der Herr nimmt’s. Gewählt werden sie ja ohnehin, warum also etwas tun? Aber würdest du, lieber Leser, dir von denen ein Auto reparieren lassen?



Hochschule: Fährt Rosenmontag schon der neue Präsident (m/w) auf dem Zugwagen mit?

rd | 07. Februar 2019, 00:58 | 10 Kommentare
Hat offenbar bald wieder Zeit für eigene Berechnungen: Prof. Menzel

Viele Aktivitäten der Hochschule Rhein-Waal konzentrierten sich in den vergangenen Wochen auf die Vorbereitung von Prüfungen sowie auf den Bau eines eigenen Wagens für den Klever Rosenmontagszug (10 Jahre Hochschule Rhein-Waal – dem Frohsinn ein Fanal). Für die zweite der beiden Beschäftigungen, die akademische Bastelstunde, gibt es nun eine ganz neue Option: Der neue Präsident (m/w) der Hochschule kann dem Klever Narrenvolk womöglich wie ein Karnevalsprinz präsentiert werden. Denn bereits für den 13. Februar, exakt 19 Tage vor dem Höhepunkt des rheinischen Brauchtums, hat die HSRW zu einer Hochschulwahlversammlung eingeladen.

Es ist die 4. Sitzung des Gremiums, und sie hat laut Einladung das Thema „Wahl der Präsidentin/des Präsidenten“. Im Hörsaal Nr. 3 sollen ab 14 Uhr zehn Tagesordnungspunkte abgehandelt werden, der fünfte davon – öffentlich – ist die Präsentation der Kandidaten. Drei darauf folgende TOPs (Bericht über das Auswahlverfahren der Findungskommission, Kandidatengespräch und Aussprache) werden nicht öffentlich abgehandelt. Dann soll die Wahl erfolgen. Inwieweit die Anfertigung von Lichtbildern erlaubt ist, kann der Einladung nicht entnommen werden.

Offenbar sollen ganz schnell Nägel mit Köpfen gemacht werden, um nach dem Tohuwabohu des vergangenen Jahres und der Installierung eines – man kann es leider nicht anders sagen – peinlichen Interimspräsidenten, der seine sehr speziellen Vorstellungen von Klimaveränderungen hat, zumindest den Anschein einer handlungsfähigen und ernstzunehmenden Hochschule zu erwecken.

Wer immer der Nachfolger – die maskuline Form sei an dieser Stelle gestattet, denn prognostiziert wird ein mittelalter Mann mit Affinität zum Maschinenbau – von Dr. Heide Naderer, die im August 2018 nach drei Jahren im Amt zurücktrat, sein wird, kann bei seiner Arbeit glücklicherweise darauf vertrauen, dass es zwei Störfaktoren nicht mehr geben dürfte: Die Angehörigen der Hochschule, die glauben in Ämtern oder Gremien das Kommando zu führen, werden es sich nicht noch einmal erlauben können, die Kanonen auf das eigene Schiff zu richten. Und Aloys Krieg, der Professor aus Aachen, der als überforderter Vorsitzender des Hochschulrats im vergangenen Jahr die Eskalation der Ereignisse mit zu verantworten hatte, dürfte sich nach der  Installation eines Nachfolgers – sowie nach einer der Etikette geschuldeten Karenzzeit – dorthin zurückziehen, wohin er schon lange gehört – in den Ruhestand.


Hier wird gerade der Königsgarten geleert

rd | 05. Februar 2019, 20:58 | 1 Kommentar
Kam noch mal wieder, um die Kaffeemaschine zu demontieren: Unbekannter Einbrecher im Restaurant Königsgarten

Geht’s noch dreister? Das Restaurant Königsgarten am Kermisdahl wurde in der Nacht zu Dienstag gleich zweimal vom selben Einbrecher heimgesucht. Betreiber David van Uhm postete auf Facebook gleich mehrere Bilder des vermummten Täters und berichtete, wie erstaunlich die Tat abgelaufen ist. Demnach verschaffte sich der Ganove erstmals um zwei Uhr in der Nacht Zutritt zu dem Restaurant und suchte die Räumlichkeiten nach Wertgegenständen ab. Dabei war sein Blick offenbar auf den Kaffeevollautomaten gefallen, den er allerdings nicht sofort demontieren und mitnehmen konnte. Doch die Maschine hatte es dem Einbrecher offenbar angetan: Anderthalb Stunden nach dem ersten Einbruch kehrte der Mann zurück und schraubte – man kann es wohl nicht anders ausdrücken –in  aller Seelenruhe das Gerät ab. Die Arbeit daran dauerte, so David van Uhm, rund eine Stunde. Der Täter flüchtete unerkannt, Hinweise bitte an die Polizei Kleve.