Wenigstens ein Loch ist zu, aber in der Spyckstraße…

Das Loch reichte bis zum Erdmittelpunkt

Die Mitarbeiter der Firma Loock haben beinahe in Rekordzeit ein Loch bis fast zum Erdmittelpunkt ausgehoben, sie haben Ströme von Lava beiseite geschoben und mit dem Fingerspitzengefühl, das einer Baggerschaufel innewohnt, auch die vielen Monster in der Tiefe besänftigt, die Löcher ins Erdreich gestochen haben, all dies mit dem (ökologisch motivierten) Ziel, auch die Römerstraße für den Kraftfahrzeugverkehr unpassierbar zu machen, und fast wäre es ihnen auch gelungen, aber eben nur fast, und so kann das Unternehmen, das wie Acetylsalicylsäure in den Adern dafür sorgt, dass alles reibungslos fließt, nun schon Vollzug melden und die wohl wichtigste Umleitungsader der Stadt, die Römerstraße, die den Verkehr der Ringstraße in sich aufnehmen muss (außer die ganz großen Fahrzeuge), darf ab sofort wieder in beide Richtungen bespielt werden, wie die Stadt Kleve am heutigen Vormittag stolz vermeldete.

Die dauernde Benutzung der Straße hatte die Erdgeister, die unter der Asphaltdecke wohnten, erzürnt, und das Gleichgewicht zwischen der realen und der Schattenwelt war erschüttert worden. Viele hätten an dieser Stelle aufgegeben, denn man weiß halt nicht, was einem im Dunklen blühen kann. Auf Facebook gab es ein Video, das zeigte, wie ein unsichtbarer Trupp von Erdgeistern versuchte, einen Bagger in das Loch zu ziehen, aber der Baggerfahrer widersetzte sich wacker und zudem sorgten weitere Mitarbeiter der Firma Loock mit zwei gigantischen Spundwänden dafür, dass die Schattenwelt mit den Mitteln deutscher Tiefbautechnik abgesichert und so verdichtet werden konnte, dass einerseits nun wieder oben Autos fahren können, andererseits aber unten die Erschütterungen nur noch so maßvoll ausfallen, dass die vielen Erdgeister (viele waren vorher Waldgeister im nahegelegenen Tiergartenwald, sind aber wegen der besseren Lebensbedingungen in die Stadt gezogen) sich wieder fühlen wie Menschen in einer beschaulichen Siedlung wie Donsbrüggen.

Erdgeister besänftigt: Ab Montag wieder freie Fahrt für freie Bürger

Die subterranen Kobolde in der Spyckstraße müssen sich indes noch länger auf Ungemach infolge des Eindringens von Erdmenschen in ihr angestammtes Revier einstellen. Die Stadt Kleve teilte Folgendes mit: „Bis planmäßig Ende März 2024 werden dort Kanal- und Straßenbauarbeiten durchgeführt. Damit der Verkehr über die Spyckstraße in Richtung Landwehr abfließen kann, wurde die Überquerung der Europaradbahn an dieser Stelle ermöglicht. Ursprünglich waren auf der Spyckstraße beidseitig der Europaradbahn Sperrpfosten installiert, die ein Überqueren der Europaradbahn für KFZ-Verkehr unterbanden. Zu Beginn der Baumaßnahme wurden die Sperrpfosten entfernt und durch eine Ampel ersetzt, die für den Straßenverkehr dauerhaft rot anzeigte und sensorengesteuert nur bei Bedarf auf grün schaltete. “

Das hatten sich die Erdgeister aber nicht gefallen lassen, wie es nun den Anschein hat. Seit Beginn der Arbeiten vor knapp einem Monat ist diese Ampelanlage nun wiederholt das Ziel von Vandalismus geworden. Es wurden etwa Kabel gestohlen und die Lichter der Ampelanlage zerschlagen. „Für die Stadt Kleve sind die Beweggründe für die sinnlose Zerstörung der Ampelanlage unverständlich“, sagt die Stadt Kleve dazu. Das aber zeigt nur, wie verschieden die Denkweisen von Erdgeistern und städtischen Beamten sind. Etwas mehr kulturelles Aufeinander-Zugehen wäre von beiden Seiten angebracht. Allerdings waren die Erdgeister eher da (siehe: Tolkien: Herrr der Ringe, Bd. 2, S. 1471). Nun sollen Stoppschilder die Probleme lösen. Da ständige Ausfallzeiten der Ampelanlage die Verkehrssicherheit gefährden, wurden anstelle der Ampel diese Verkehrszeichen für den Autoverkehr installiert. Ergänzt werden diese jeweils durch ein Hinweisschild auf den kreuzenden Radverkehr. Die Kobolde haben weiter freie Fahrt (freien Flug), solange sie sich im Zustand der Immaterialität bewegen.

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2 Kommentare

  1. 1

    Und die Ringstraße wird im November doch nicht wieder frei – muss man sich nur mal ansehen…!

    Und – Fasst der einzige Weg in die Oberstadt führt durch die Stechbahn am Parkhaus Mitte-Kleve vorbei – warum man da, bei all dem ( noch einzig möglichen) Verkehr noch Parken erlaubt, ist mir ein Rätsel – schon mal um 08h, 13h, oder 16-18h da gewesen? Stunden…..