Elsabrunnen: Radfahrer nietet Fußgängerin (54) um

rd | 20. November 2019, 11:27 | 6 Kommentare

(Korrigiert, Radfahren war zum Zeitpunkt des Unfalls nicht mehr erlaubt.) Das wird die Diskussionen um die Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrer einmal mehr befeuern: Ein Radfahrer (30), der mit seinem Rad stadtabwärts unterwegs war, fuhr am Dienstag Vormittag in Höhe des Elsabrunnens eine Frau (54) um. Er war zu schnell, das Rad war nicht verkehrssicher – die erlitt schwere Verletzungen und musste im Krankenhaus behandelt werden. Jetzt sollen die Kontrollen verstärkt werden. Zum Unfallzeitpunkt war die Nutzung der Fußgängerzone durch Radfahrer seit einer Viertelstunde nicht gestattet, aber erlaubt ist den Radlern lediglich Schrittgeschwindigkeit. Das Tempo schätzt die Polizei ab, wenn Bußgelder verteilt werden. Hier die Originalmeldung der Polizei:

„Mit Verletzungen musste am Dienstag, 19.11.2019, eine 54 Jahre alte Frau aus Bedburg-Hau in das Krankenhaus gebracht werden. Sie war gegen 11.15 Uhr in der Fußgängerzone in Höhe des Elsabrunnens unterwegs, als sie von einem offenbar mit erhöhter Geschwindigkeit fahrenden 30-jährigen Radfahrer aus Kleve erfasst wurde. Während der Unfallaufnahme stellte sich heraus, dass das Rad nicht verkehrssicher war. Die Polizei macht an dieser Stelle darauf aufmerksam, dass das Befahren der Fußgängerzone nur zu bestimmten Zeiten in Schrittgeschwindigkeit gestattet ist und hat eine Fortsetzung der Kontrollen in diesem Bereich angekündigt.“



Justiz extrem: Landgericht verhandelt über hochbegabtes Huhn

rd | 19. November 2019, 16:25 | 4 Kommentare
War Sieglinde (Symbolbild) wirklich besser als andere Hühner?

Spektakulärer Prozess vor dem Landgericht Kleve! Sind 300 Euro Schadenersatz für das Huhn Sieglinde angemessen, oder muss das Ableben des Vogels mit deutlich mehr Geld kompensiert werden? Vor dieser Frage stehen die Richter, die sich am 22. November um 10:15 Uhr im Saal 102 versammeln, um über den Fall mit dem Aktenzeichen 5 S 25/19 in einer Berufungsverhandlung zu urteilen. Was aber ist geschehen? Vor gut zwei Jahren, am 4. Juni 2017, jagte und riss ein Hund eine Henne namens Sieglinde. Dafür möchte der Hühnerhalter vom Hundehalter nun eine Entschädigung. So weit so klar, allerdings geht es um mehr als den Preis eines Suppenhuhnes. Das Amtsgericht Geldern hatte den besonderen Status des Huhns bereits anerkannt und dem Hühnerherrn in erster Instanz immerhin 300 Euro Schadenersatz zugesprochen (Az. 17 C 148/18). Doch das war dem Halter viel zu wenig, denn Sieglinde soll speziell für Fernsehproduktionen ausgebildet worden sein und, so heißt es in der Klageschrift, an Produktionen wie Wendy I, Drei Schwestern, Stern TV und Terra X mitgewirkt haben. Deshalb wird nun in der Schwanen(!)burg neu über den Wert des hochbegabten Huhns verhandelt. Die Parteien sind anwaltlich vertreten, heißt es in einer Mitteilung des Gerichts.



Heimchen auf dem Herd: Der Klever Grillen-Burger im Test

rd | 18. November 2019, 19:17 | 8 Kommentare
Mit der Schöpfkelle wird der Burger in die Pfanne befördert
Nach zwei Minuten sind die Patties von jeder Seite knusprig braun
Links der klassische Cheeseburger, rechts die Ziegenkäse-Preiselbeere-Variation: beides lecker
Philip Weykamp serviert – und sucht Finanziers

Philip Weykamp steht in der Küche seiner Wohnung an der Königsallee in Kleve und zeigt an seinem Herd, wie er denkt, die Essgewohnheiten der Deutschen (oder zumindest eines Teils davon) zu verändern. Mit einer Kelle langt er in eine Schüssel, die mit einer bräunlichen Masse von breiiger Konsistenz gefüllt ist. Einen Schlag davon gibt der 32 Jahre alte Master der Produktentwicklung in eine Pfanne, und gleich danach noch einen. Beide werden noch ein wenig platt gedrückt und dann jeweils eine Minute von jeder Seite knusprig gebraten.

Das Ergebnis ähnelt dem Fleischklops, der zwischen die Brötchenhälften eines Hamburgers wandert, und er ist auch für diesen Zielort bestimmt. Allein: Es handelt sich nicht um Fleisch, und auch nicht um die aus Gemüse bestehenden „Patties“, die als vegetarischer Burger-Ersatz dienen und mittlerweile sogar schon den Weg in die Regale der Discounter gefunden haben.

Die beiden Patties, die am Ceranherd in der Klever Oberstadt Gestalt annehmen, bestehen im wesentlichen aus einer Zutat, die für den deutschen Gaumen noch gewöhnungsbedürftig ist. Wesentlicher Bestandteil des Burgers ist ein Insekt mit dem botanischen Namen Acheta domesticus, zu deutsch Heimchen, aus der Familie der Echten Grillen.

Googelt man danach, findet man Angebote für Terrarienbesitzer, die das Tier als Futterinsekt für Reptilien benutzen. Aber in der Küche des Homo sapiens, neben Müsli und Nudeln?

Für Weykamp durchaus vorstellbar. Nachdem er an der Uni in Aachen seinen Master gemacht hatte, verdingte sich der gebürtige Klever, Sohn des Rechtsanwalts Dietmar Gorissen, bei Ford und arbeitete im Big Business. Doch für ein Sabbatical, eine Auszeit von einem Jahr, ließ er sich beurlauben und reiste um die Welt. In Asien erlebte er, wie die Menschen als Snack frittierte Grillen verspeisten – und probierte sie selber.

Irgendwie ist er bei den Tieren hängen geblieben, denn wenn man etwas nachhaltig denkt, wie das die jungen Menschen heute machen, weiß man, dass der Verzehr von Fleisch nicht unbedingt das beste ist, was man den Planeten antun kann.

Weykamp kennt die Zahlen: Für die Produktion eines Kilos Rindfleisch benötigt das Tier 16 Kilogramm Futter. Für ein Kilo Grillen reichen hingegen zwei Kilogramm Futter. Reichlich Protein ist sowohl im Rindfleisch wie in der Grille.

Gemeinsam mit einem Freund aus Studientagen, Christopher Fischer aus Dinslaken (33), ersann er zunächst ein Konzept, wie die Grille auf den mitteleuropäischen Teller wandern soll, und dann begannen die Versuche, das ganze Vorhaben auch praktisch umzusetzen.

Das Konzept besteht aus drei Elementen, und man merkt dem Plan den dahinter stehenden Master der Produktentwicklung gut an: Das neue Angebot sollte aus Grillenmehl bestehen (ganze Tiere sind hierzulande noch zu gewöhnungsbedürftig), es sollte keiner Kühlung bedürfen (Stichwort: Klima), und es sollte einfach zu handhaben sein.

Den beiden Unternehmern erschien das Burger-Patty perfekt geeignet, um aus Grillenmehl eine Speise für jedermann zu kreieren. Zugesetzt wurden Soja und Haferflocken („für die Haptik im Gaumen“) sowie verschiedene Gewürze, wobei Weykamp und Gorissen die Zutaten regional und möglichst Bio halten möchten.

Die Grillen aber kommen aus Thailand, wo ein britisches Unternehmen eine Farm betreibt. Sie leben dort ein normales Grillenleben, bis die Züchter die Temperatur unter 25 °C absenken. Dann stellen die Insekten den Stoffwechsel ein. Wenn sie wieder aufwachen, sind sie schon längst Mehl.

Das wird nach Deutschland geschickt und bei einem Fertigungsunternehmen in Osnabrück getreu der Klever Rezeptur zu einer Mischung verrührt, die in einen Beutel wandert, der darauf wartet von einem Konsumenten bestellt und geöffnet zu werden.

happycricket heißt das Unternehmen von Weykamp und Fischer (cricket ist das englische Wort für Grille). Derzeit ist es noch in der Phase des Crowdfundings, das heißt, kulinarisch interessierte Menschen können die Grillenmehl-Mischung übers Internet bestellen und auf diese Weise die Finanzierung des Unternehmens befördern.

Gründer per Crowdfunding unterstützen

8000 Euro Startkapital hat sich das Duo als Ziel gesetzt, 4000 Euro davon haben Sie schon zusammen (mittlerweile schon 5900!), und bis Ende November läuft die Aktion noch. Die günstigste Bestellmöglichkeit kostet derzeit 8,99 Euro (inklusive Versand). Dafür erhält der Käufer ein Päckchen mit der Aufschrift „Der Grüne“, dass er oder sie lediglich aufreißen muss. Der Inhalt muss mit etwas Wasser verrührt werden und 10 Minuten quellen. Dann ist der Brei reif für die Pfanne.

Wenige Augenblicke später hat der Koch Patties von angenehmer Konsistenz, die leicht nussig und angenehm würzig schmecken. Würde man nicht wissen, dass es sich nicht um Fleisch handelt, käme man vermutlich nicht auf die Idee. „Wir möchten mit unserem Produkt allerdings nichts nachahmen“, so Weykamp, „sondern setzen bewusst auf einen eigenen Geschmack.“

Langfristig will happycricket die Regale der Supermärkte erobern, doch dafür müssen natürlich ganz andere Produktionsmengen erreicht werden. Bis zu 3,5 Tonnen Grillenmehl können die Unternehmer monatlich abrufen, das reicht für 100.000 Packungen. Dann aber, so Weykamp, „brauchen wir eine eigene Fabrik in Kleve“.

Hier der Link zum Unternehmen: https://www.startnext.com/happycricket


So wird der neue Klever Weihnachtsmarkt aussehen

rd | 18. November 2019, 13:47 | 8 Kommentare
Vom Koekkoekplatz bis zum Rathaus – und ohne Matsch

Wenn Bürgermeisterin Sonja Northing am Freitag, 29.11., um 17 Uhr den neuen Klever Weihnachtsmarkt direkt unter ihrem Amtszimmer eröffnen wird, ist dies zugleich der Schlussstrich unter einer Ära des Matsches. Die Stände, die sich als Kopie des Moyländer Weihnachtsmarkts in den vergangenen Jahren im zugigen Areal des Forstgartens verloren haben, werden vom 29. November bis zum 8. Dezember komprimiert auf einem gepflasterten oder asphaltierten Areal stehen, das vom Koekkoekplatz bis zum Rathausparkplatz reicht. Etwas mehr Marktatmosphäre ist also garantiert. Die Anbindung an die Stadt dürfte dem Besucheraufkommen vermutlich zuträglich sein. Insgesamt gibt es rund 40 Stände, davon ist rund ein Viertel gastronomischer Natur (auf dem Plan in gelber Farbe dargestellt). Attraktionen sind ein Karussell sowie der mittlerweile schon bekannte LED-Schwan, die im Übergangsbereich zwischen den beiden Arealen (also etwa vor dem Café Solo) aufgebaut werden. Bei den Ständen, die laut Vorgabe mit „reichlich Tannengrün“ zu verzieren sind, erwartet die Besucher das übliche Sortiment an Kunsthandwerkern, neu hinzu kommen aber auch mehrere Klever Geschäftsleute, die für etwas mehr Lokalkolorit sorgen sollen.