Snakes in a Street

rd | 12. April 2019, 11:10 | 6 Kommentare
Starr vor Kälte: Boa in der Spyckstraße

(Schlangenart korr.) Könnte der Auftakt zu einem guten Horrorfilm sein: Snakes in a Street. Der Spyckstraße, genau genommen. Ein Halter von zwei Boa constrictors, ungiftigen aber doch recht kräftigen Würgeschlangen, die in der Lage sind, ihre Opfer zu zerquetschten, beerdigt diese in der festen Überzeugung, sie seien tot. Aber nein! Ihnen war nur etwas kalt, weshalb sie in die arttypische Starre verfielen – doch dann wurde es wärmer, und das Leben kehrte zurück in die muskulösen Körper. Nun schleichen sie sich nachts durch die Spyckstraße, von Vorgarten zu Vorgarten, immer auf der Suche nach etwas Leckerem, hier ein Hund, da ein Kätzchen… Und die Bürgermeisterin ist voller Sorge… (Soweit der Anfang des Drehbuchs, das noch geschrieben werden muss.)

Einer Schlange wurde ein Spezialkommando der Klever Feuerwehr gestern bereits habhaft, aber von der zweiten fehlt noch jede Spur. Die Stadt gab heute eine besorgniserregende Pressemitteilung heraus. Hier der Text im Wortlaut:

An die Redaktionen – Gemeinsame Pressemitteilung der Stadt Kleve und Polizei Kleve

Würgeschlangen an der Spyckstraße

Am Donnerstagmittag, 11.04.2019 wurde durch die Feuerwehr Kleve, unter Beteiligung der Polizei und der Ordnungsbehörde der Stadt Kleve, an einem Haus an der Spyckstraße in Kleve eine Schlange, vermutlich eine Python, gerettet. (https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/126799/4243718)

Laut Angaben des Besitzers soll es sich um zwei Schlangen gehandelt haben. Er hatte eine etwa 120cm lange Python gemeinsam mit einer zweiten Python in einem Garten an der Spyckstraße begraben, weil er vom Tod der Schlangen ausgegangen war. Die zweite Schlange, die etwa 80cm lang ist, konnte bislang nicht aufgefunden werden. Sie befindet sich vermutlich aufgrund der Temperaturen in einer Kältestarre.

Bei einer Python handelt es sich um eine Würgeschlange, die nicht giftig ist.

Hinweise bitte an die Polizeiwache Kleve unter Telefon 02821/ 504-0 oder zu den Bürozeiten an die Ordnungsbehörde der Stadt Kleve unter Telefon 02821/ 84-0.





Nah am Menschen: Der neue KLEVER ist da!

rd | 05. April 2019, 19:02 | 5 Kommentare

Frühjahrsausgabe des Magazins mit Geschichten über Claus van Bebber, Michael Dickhoff, Paul Dirmeier und über Anna, Sibylla und Amalia von Cleve – Titelthema ist der persönliche Blick auf eine Alzheimer-Erkrankung

Ein Bild, zusammengesetzt aus unzähligen Familienfotos: Esszimmer in einem Haus, das jetzt leer steht – das Cover der neuen Ausgabe

Ein wichtiges Thema, das viele Familien betrifft, steht im Mittelpunkt der neuen Ausgabe des Stadtmagazins Der KLEVER, die ab dem Wochenende im Handel erhältlich ist. Autor Ralf Daute berichtet über die Alzheimer-Erkrankung seiner Mutter – ein sehr persönlicher Blick, der zeigen soll, wie wichtig in dieser Phase des Lebens der Zusammenhalt ist, und dass auch unter diesen Umständen sehr wohl Momente des Glücks möglich sind.

Auch mit vielen anderen Geschichten ist die Frühjahrsausgabe wieder wie gewohnt nah am Menschen: Helga Diekhöfer porträtiert in ihrer Reihe „Wer wohnt da eigentlich?“ den Künstler Claus van Bebber auf Gut Trostendahl. Michael Dickhoff wird aus Anlass des Jubiläums der Klangfabrik vorgestellt, und das Leben und Wirken des Karnevalisten Paul Dirmeier, der am Freitag beigesetzt wurde, wird mit einem Nachruf gewürdigt.

Andere Themen im Magazin, die Kleve bewegen, betreffen die Übernahme des Klever Traditionsunternehmens de Loreyn, die betonreiche Situation an den Kaskaden, eine erfolgreiche Aktion gegen den Ärztemangel, das vermutliche Ende der Abifete am Radhaus und den Niedergang des Skatspiels in den Kneipen. Autorin Wiltrud Schnütgen beschäftigt sich in einem historischen Beitrag mit einem Vergleich der drei Schwestern Sibylla, Anna und Amalia von Cleve. Gewohnte Rubriken sind die in der Fußgängerzone aufgeschnappten Klever Weisheiten und der Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Gastronomie.

Das 80 Seiten starke Magazin kann zum Preis von 3,50 Euro im Klever Zeitschriftenhandel gekauft werden.





Du weißt, es ist Frühling, wenn…

rd | 05. April 2019, 11:54 | 1 Kommentar
So viele Versprechungen

Rasen-Nachsaat ohne Umgraben, das ist das Heilsversprechen, dem der typische Aldi-Kunde in diesen Tagen wie schon in all den Jahren davor bereitwillig Glauben schenkt. Diesmal lockt der Discounter mit „Rasen-Samen plus Dünger im Combi-Pack“, die „zur Regeneration intensiv genutzter Rasenflächen“ dienlich seien. Ich weiß nicht, wie viele Pakete dieser Art sich schon in meiner Abstellkammer stapeln, doch selbst die Versuche, das Zeug zentimeterdick über Löwenzahn und Moos zu streuen, sind gescheitert. Heute aber weiß ich voller Demut: Wie kann man auch so vermessen sein, mit einer schnöden „Reparatur-Mischung“ in die majestätische Schönheit der Schöpfung eingreifen zu wollen. Von mir aus kann der Garten doch einfach eine Heidelandschaft werden! Ist ohnehin schöner…


Empire am Ende: Kleves letzte Videothek macht dicht

rd | 03. April 2019, 11:32 | 7 Kommentare
50%, alles muss raus!

Erinnert sich noch jemand an die Strafgebühren, die fällig waren, wenn eine Videokassette nicht zurückgespult zurückgegeben wurde? Erinnert sich überhaupt noch jemand daran, was eine Videokassette war?

Vielleicht lässt es sich so ausdrücken: Mit den 380 cm³ großen schwarzen Plastikkisten begann die Auflösung des Fernsehens, wie unsere Eltern es gerade erst kennengelernt hatten – pünktlich um 20:00 Uhr war das Gerät einzuschalten, wenn die Tagesschau gesehen werden wollte. Plötzlich war der Konsument sein eigener Programmdirektor, zeichnete Spielfilme und Fernsehshows mit Videorecordern auf und hortete die Daten wie früher der Bildungsbürger seine Romane in der eigenen Bibliothek.

Es gab Menschen, die verfügten über alle James-Bond-Filme, und andere, die sämtliche Alf-Episoden gespeichert hatten, um sie bei Gelegenheit zu betrachten. Und natürlich gab es hier und da auch dieses Segment von Filmen, deren Betrachtung nicht für eine breitere Öffentlichkeit vorgesehen war und die meistens dialogarm und anatomisch recht detailreich waren.

Diese technologische Revolution, die heute von jedem Smartphone und dem darauf verfügbaren, online greifbaren Angebot in den Schatten gestellt wird, brachte damals auch eine neue Form des Unternehmertums in die Städte. Überall eröffneten Videotheken, die eine reichhaltige Auswahl an Filmkunst bereit hielten, die entweder noch zu neu war, um im Fernsehen gezeigt zu werden, oder deren Inhalt es schwierig machte, eine Ausstrahlung in öffentlich-rechtlichen Anstalten (oder sogar bei den privaten Sendern) zu rechtfertigen.

Die Videotheken hielten endlose Regalmeter mit solchen Werken vor, sie auszuleihen kostete nur ein paar Mark (später Euro) und konnte zu einem friedlichen Familienwochenende entscheidend beitragen. Stichwort: den lieben Kindern Sonntag morgens einen Spielfilm vorsetzen.

Als die sperrigen Videokassetten von der nächsten technischen Revolution, von den DVDs, verschlungen wurden, war dies für die meisten Videothekare nicht mehr als eine Umstellung des Sortiments, fortan gab es die Werke eben als Silberscheibe. Allerdings konnte die eingangs erwähnte Strafgebühr nicht mehr erhoben werden. Womöglich war dies der erste Nagel im Sarg des Untergangs.

Richtig desaströs wurde es für das Business allerdings erst, als das Internet alles, was es an Bewegtbild gab, anfing aufzusaugen und über legale sowie halblegale und natürlich kriminelle Plattformen wieder ausspuckte. Warum sich abends noch eigens ins Auto setzen, wenn das begehrte Werk nur ein paar Klicks entfernt ist?

Das alles ist nun bestimmt schon ein Jahrzehnt Realität in deutschen Wohnzimmern, und natürlich auch in den Wohnstuben in Kleve. Und so passierte der Spaziergänger auf dem Weg zum Bahnhof mit immer größerem Erstaunen die Familienvideothek Empire, die allem Internet-Bohei zum Trotz einfach Bestand zu haben schien. Natürlich mit einer getrennten Abteilung für die Filme, die eher speziell sind.

Doch nun ist die Generation der Menschen, die sich für einen Film, den sie zu Hause genießen wollen, noch einmal aus dem Haus heraus bewegen, offenbar soweit zurückgedrängt worden, dass für Kleves letzte Videothek der Vorhang fällt. „Räumungsverkauf alles“ künden große Lettern im Schaufenster. Die Preise sind halbiert, doch der große Ansturm der verbliebenen Kunden ist nicht zu beobachten. Kleves letzte Videothek schließt, eine Art Filmriss. The End.

Reich an Erlebnis: das Empire von innen