Hochschule: … und es ward Licht in Büro 04 02 026

rd | 29. November 2018, 15:57 | 51 Kommentare
Das Licht brennt, aber ist auch Erleuchtung in Büro 04 02 026 eingekehrt?
Auf abschüssigem Gelände: Prof. Dr. Eberhard Menzel, neuerdings „Beauftragter für die Funktion des Präsidenten“ an der Hochschule Rhein-Waal

(Aktualisiert, jetzt auch mit dem Text einer Mail an die Studierenden)

Gestern war wieder einer dieser Tage, an denen es der Hochschule Rhein-Waal gelang, Menschen mit Freude am sinnentnehmenden Lesen von Texten an ihrem Verstand zweifeln zu lassen. Der Inhalt einer um 10:17 Uhr versandten HSRW-Pressemitteilung, in der der Rückzug eines 69 Jahre alten Elektrotechnikers aus dem Ruhestand verkündet wurde, lässt erahnen, dass viele Juristen daran gefeilt haben, die neue Aufgabe des Senioren so zu formulieren, dass die vollständige Verdrehung des Hochschulgesetzes für das Land Nordrhein-Westfalen nicht sofort ins Auge springt.

Nach dem Rücktritt der Präsidentin hatte der Vorsitzende des Hochschulrats, Professor Dr. Aloys Krieg von der RWTH Aachen, dessen Agieren in dieser Krise insgesamt etwas unglücklich erscheint, in einem Interview mit der NRZ eine Übergangslösung angekündigt, obwohl diese im Gesetz überhaupt nicht verankert ist. In der Zeitung wurde er wie folgt zitiert: „Die Amtsgeschäfte werden nun zunächst von Vizepräsident Prof. Dr. Georg Hauck weitergeführt. In den nächsten Tagen werden wir überlegen, wie es ab September mit einer Interimslösung weitergeht.“

Aus dem September wurde der Oktober, aus dem Oktober wurde der November, und nun, wenige Stunden vor Beginn des Dezembers präsentierte die Hochschule in besagter Pressemitteilung die Lösung: Professor Dr. Eberhard Menzel, auf wundersame Weise schon unmittelbar nach dem Rücktritt der gewählten Präsidentin an der Hochschule präsent, wird streng genommen nicht Interimspräsident, weil es diese Funktion bekanntlich gar nicht gibt, sondern – Trommelwirbel – „Beauftragter für die Funktion des Präsidenten“, also nicht Präsident, sondern ausgestattet mit den Funktionen des Präsidenten, also vielleicht doch – Präsident?

Kriegs Gewinnler

Der neue Mann, man könnte ihn fast Kriegs Gewinnler nennen,  nimmt es mit der Wortklauberei selbst nicht ganz so genau. Unter dem Absender „Präsident der Hochschule Rhein-Waal“ verschickte Menzel heute um 10:08 Uhr eine Mail an die Studierenden (s. u.) mit dem Betreff „Interimspräsident“, und so steht es auch am Ende unter dem Namen des Professors.

In der Mail berichtet er, etwas diffus allerdings, bereits „vor einigen Wochen“ von Prof. Krieg gefragt worden zu sein, „ob ich mir vorstellen könne, die Hochschule als Beauftragter für die Funktion des Präsidenten so lange zu leiten, bis im Besetzungsverfahren für die Präsidentin/den Präsidenten eine Dauerlösung gefunden sein wird“. Bei diesem Gespräch wäre man gerne dabei gewesen: „Sehr geehrter Herr Kollege, können Sie sich vorstellen, die Hochschule Rhein-Waal als Beauftragter für die Funktion des Präsidenten so lange zu leiten, bis im Besetzungsverfahren für die Präsidentin/den Präsidenten eine Dauerlösung gefunden sein wird?“ Auch das „vor einigen Wochen“ bedarf der Präzisierung – zumindest gibt es an der Hochschule Stimmen, die berichten, schon zu einem Zeitpunkt den Namen Menzel gehört zu haben, als noch nicht einmal der Rücktritt der Präsidentin feststand.

Gestern nachmittag brannte folgerichtig auch im Büro 04 02 026 des Präsidiumsgebäudes erstmals seit Wochen

wieder Licht.

Komplettiert wird die Personalie durch eine erste Äußerung des neuen Beauftragten für die Funktion des Präsidenten, in der er freimütig bekennt, dass seine Tage schon gezählt sind, er aber unverdrossen noch ein paar Weichen stellen möchte. Menzel sagte laut Pressemitteilung: „Da manche Prozesse langwierig sein können, bin ich mir aber auch darüber bewusst, dass ich in der mir begrenzt zur Verfügung stehenden Zeit an der einen oder Stelle lediglich die Weichen stellen kann.“

Da wird sich sein Nachfolger/seine Nachfolgerin sicher freuen.

Nachfolgend, zur Erbauung der Leserschaft, der Text der Pressemitteilung sowie der Text einer Mail an die Studierenden im Wortlaut:

Professor Dr. Eberhard Menzel als Beauftragter für die Funktion des Präsidenten der Hochschule Rhein-Waal ernannt


Das vakante Präsidentenamt der Hochschule Rhein-Waal wird ab sofort von einem Beauftragten geführt. Professor Dr. Eberhard Menzel wird die Aufgaben bis zum Antritt einer von der Hochschulwahlversammlung gewählten Nachfolgerin oder eines Nachfolgers übernehmen.


Kleve/Kamp-Lintfort, 28. November 2018: Seit September 2018 wurden die Geschäfte des Präsidentenamts der Hochschule Rhein-Waal zunächst in Vertretung von Professor Dr. Georg Hauck, Vizepräsident für Personal- und Organisationsentwicklung, Diversity, geführt. Jetzt hat die Hochschule auf eigenen Antrag beim Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen hin einen Beauftragten für die Funktion des Präsidenten. Professor Dr. Eberhard Menzel wird bis zum Antritt einer von der Hochschulwahlversammlung gewählten Nachfolgerin oder eines Nachfolgers die Aufgaben eines Präsidenten wahrnehmen. „Die Aufgabe sehe ich als eine Herausforderung an, der ich mich gerne mit den Hochschulmitgliedern gemeinsam stellen möchte. Da manche Prozesse langwierig sein können, bin ich mir aber auch darüber bewusst, dass ich in der mir begrenzt zur Verfügung stehenden Zeit an der einen oder Stelle lediglich die Weichen stellen kann“, so Professor Menzel.


In Hemslingen im Kreis Rotenburg geboren, studierte der Niedersachse Elektrotechnik an der RWTH Aachen. Seine Professorenlaufbahn begann er an der Fachhochschule Dortmund. Im Hochschulbereich, insbesondere im Hochschulmanagement, bringt Professor Menzel einiges an Erfahrung mit: So war er insgesamt 25 Jahre als Professor an verschiedenen Hochschulen tätig, davon an der Fachhochschule Dortmund vier Jahre Prorektor für Forschung und Entwicklungsaufgaben, drei Jahre Dekan des Fachbereiches Elektrische Energietechnik, und sieben Jahre Rektor. An der Hochschule Ruhr West war er sechs Jahre Gründungspräsident. In dieser Zeit hat Professor Menzel reichlich Erfahrung sammeln können mit dem Übergang von der Gründungsphase zur Konsolidierungsphase einer Hochschule und den dafür notwendigen organisatorischen Anpassungen. Darüber hinaus ist Professor Menzel seit 14 Jahren Vorsitzender des Hochschulrates der Hochschule Koblenz und Vorstandsvorsitzender bei der Agentur für Qualitätssicherung durch Akkreditierung von Studiengängen e.V. (AQAS e.V.).


Professor Menzel bildet zusammen mit den Vizepräsidenten Professor Dr. Georg Hauck, Professor Dr. Jens Gebauer und Vizepräsidentin Professorin Dr. Marion Halfmann sowie Kanzler Michael Strotkemper das Präsidium der Hochschule Rhein-Waal.

***

Studierende erhielten heute offenbar eine Mail mit dem Betreff „Interimspräsident“. Hier deren Wortlaut:

Liebe Studierende,

vor einigen Wochen bin ich vom Hochschulratsvorsitzenden der Hochschule Rhein-Waal, Professor Dr. Krieg, gefragt worden, ob ich mir vorstellen könne, die Hochschule als Beauftragter für die Funktion des Präsidenten so lange zu leiten, bis im Besetzungsverfahren für die Präsidentin/den Präsidenten eine Dauerlösung gefunden sein wird.

Die Anfrage hat mich sehr geehrt und so habe ich mit meiner Zusage dann auch nicht lange gewartet. Diese Aufgabe sehe ich als eine Herausforderung an, der ich mich gerne mit Ihnen gemeinsam stellen möchte. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW hat nun offiziell meine Beauftragung bestätigt, die Hochschule Rhein-Waal in der Interimszeit zu leiten.

Im Hochschulbereich, insbesondere im Hochschulmanagement, bringe ich einige Erfahrung mit: 25 Jahre als Professor, vier Jahre als Prorektor für Forschung und Entwicklungsaufgaben, drei als Jahre Dekan des Fachbereiches „Elektrische Energietechnik“, sieben Jahre als Rektor der FH Dortmund, und sechs als Jahre Gründungspräsident der Hochschule Ruhr West. Daneben bin ich seit 14 Jahren Vorsitzender des Hochschulrates der Hochschule Koblenz und Vorstandsvorsitzender bei AQAS e.V.

Als Mitglied des Präsidiums der Hochschule Ruhr West habe ich reichlich Erfahrung mit dem Übergang von der Gründungsphase zur Konsolidierungsphase der Hochschule und den dafür notwendigen organisatorischen Anpassungen sammeln können.

Wer ist nun dieser Eberhard Menzel?

Von außen kommend, unparteiisch, pragmatisch und lösungsorientiert bin ich in erster Linie ein offener Mensch und bevorzuge oder benachteilige niemanden. Meine Bürotür ist stets für Sie geöffnet, kommen Sie herein für ein ehrliches Gespräch, Kaffee ist auch da! Ich werde alle Mitglieder dieser Hochschule respektieren und immer die Hochschule als Ganzes im Blick haben.

Es ist mir wichtig zu betonen, dass dies auch explizit für Sie als Studierende gilt. Ich halte es für außerordentlich wichtig, dass wir bei den strategischen Entscheidungen, welche die Hochschulleitung fällen muss, nicht den Blick auf Ihre Bedürfnisse verlieren. Schließlich ist die gute Ausbildung der Studierenden nicht nur gesetzlich, sondern auch aus meiner persönlichen Überzeugung heraus, eine unserer wichtigsten Aufgaben.

Meine Zeit an der Hochschule Rhein-Waal wird endlich sein und da ich weiß, wie langwierig manche Prozesse sein können, werde ich an der einen oder anderen Stelle lediglich die Weichen stellen können. Einige Aufgaben habe ich mir aber vorgenommen: als jemand, der gewohnt ist, im Team zu arbeiten, möchte ich  den Teamgedanken fest im Präsidium und der Hochschule insgesamt verankern.

Ein besonderes Anliegen ist es mir, die Kommunikation innerhalb der Hochschule zu verbessern, aber auch die Kommunikation mit den Kommunen und Institutionen soll vertieft werden.

Gern möchte ich mich Ihnen, möglicherweise im Rahmen von Veranstaltungen wie einem „meet the president“ oder Besuchen in den Fachschaftsräten und Sitzungen des Studierendenparlaments, noch ausführlicher vorstellen.

Ihr

Prof. Dr. Eberhard Menzel

Interimspräsident

*** Fun fact: „meet the president“ hat wer an der HSRW eingeführt? ***



Nach 23 Jahren! Tabak Edler hört auf

rd | 28. November 2018, 13:42 | 5 Kommentare
Lässt Zeitungen und Zeitschriften hinter sich: Andreas Edler

„Früher“, sagt Andreas Edler, „habe ich noch mehr als 100 Bild-Zeitungen täglich verkauft.“ Das Früher, von dem der Kaufmann spricht, liegt noch nicht so lange zurück, es war kurz vor der Jahrtausendwende, als Edler das traditionsreiche Tabak-und Zeitschriftengeschäft an der Hoffmannallee von seinem Vorgänger übernommen hatte. Heute, so sagt er, gehen gerade mal noch zehn gedruckte Exemplare des Boulevardblattes pro Tag über die Ladentheke.

Auch in anderen Bereichen – beim Tabakkauf – habe sich das Konsumverhalten der Kunden geändert, und daraus zieht Andreas Edler zum Jahresende die für ihn logische Konsequenz: Nach 23 Jahren wird er seinen Laden eingangs der Hoffmannallee schließen. Die Montagsausgabe der Bild-Zeitung, die am 31. Dezember erscheint, wird die letzte sein, die in dem Geschäft erworben werden kann.

„Der Kontakt mit den Menschen wird mir fehlen“, sagt Edler – das Ladenlokal mit den schwarzen Ledersesseln im hinteren Bereich war immer auch eine Nachrichtenzentrale, in der die neuesten Entwicklungen aus Politik und Wirtschaft angeregt diskutiert worden, meistens bei gleichzeitigem Konsum hochwertiger Tabakwaren. Andreas Edler war und ist im Klever Handel sehr gut verdrahtet, was ihn kurzzeitig auch zum Vorsitzenden des Klever City Netzwerks werden ließ. 

Den Verkauf von Zigarren und Zigarillos möchte Edler auch zukünftig fortführen – wie genau, steht allerdings noch nicht fest. Zudem sucht der 48 Jahre alte Kaufmann für sich eine neue Herausforderung, und idealerweise sollte dies eine Aufgabe sein, bei der er auch wieder mit Menschen zu tun hat.

Danke für die gute Zeit – und viel Erfolg für die Zukunft!



Beckenranderscheinungen: Künstler feiern Hallenbad-Abschied mit „Kulturwelle“

rd | 20. November 2018, 15:09 | 25 Kommentare
Kultur kann eine ernste Sache sein, wenn man im Bademantel Großes plant: Ron Manheim, Daniel Ziegler, Max Knippert, Tomas Geisselbrecht, Harald Kleineke, Bruno Schmitz, David Wiederhold und Christoph Frauenlob von der freien Klever Kulturszene

Geständnis am Beckenrand: „Ich nenne uns einen kreativen Chaos-Haufen“, sagt Bruno Schmitz. Und diese Ansammlung von schillernden Menschen, die als freie Klever Kulturszene firmieren, hat sich vorgenommen, dem alten Klever Hallenbad, welches zur Eröffnung des neuen Sternbuschbads Ende Oktober seinen Dienst eingestellt hat, einen würdigen Abschied zubereiten.

Auf einer Pressekonferenz am Beckenrand und in Teilen stilecht mit Bademantel bekleidet, schilderten die Künstler nun erstmals, was ihnen vorschwebt, damit die Klever 110 Jahre Badekultur an diesem Standort Revue passieren lassen können. Zwei Wochen im Januar 2019 sind für die so genannte Kulturwelle reserviert, es gibt Konzerte, Lesungen, Filmvorführungen, Kabarett und schließlich eine große Abschlussfeier am 3. Februar.

Dann kann das Wasser endgültig abgelassen werden. Am Montag, bei der Pressekonferenz, präsentiert sich das Bad übrigens so, als könne man gleich ins Wasser springen. Und so war es auch: Die Stadtwerke haben das Bad sicherheitshalber betriebsbereit gehalten, für den Fall, dass im Sternbusch irgendetwas schief läuft. Doch dort funktioniert alles bestens.

Wenn die Kulturszene ab dem 19. Januar ins Hallenbad einlädt, wird das Becken ebenfalls noch mit Wasser gefüllt sein. Diese Idee hatte David Wiederholt, Geschäftsführer der auf Eventarchitektur spezialisierten PlanWerkstatt GmbH aus Bedburg-Hau. So passiert nichts, wenn jemand vom Beckenrand herunterfällt, andernfalls hätte der Beckenrand großflächig abgesichert werden müssen. Die Wasserhöhe wird allerdings höchstens 2,20 m betragen, so dass die Bühne für die Veranstaltungen im Wasser aufgebaut werden kann, die Zuschauer allerdings im Nichtschwimmerbecken schön trocken sitzen.


„Die Künstler werden sich das Gebäude ein Stück weit erobern“, kündigte Max Knippert, Klever Bildhauer und Aktionskünstler, an. Er selbst will für eine brückenartige Skulptur die zahlreichen Türen des Hallenbades nutzen, muss allerdings vor Baubeginn noch baurechtliche Fragen klären. Im Foyer soll eine Ausstellung mit historischen Fotos einen Eindruck davon vermitteln, wie sich die Badekultur in Kleve seit 1908 entwickelt hat. Esther Mols und Marga Cox planen diese Entwicklung anhand einer Collage aus alten Badeanzügen nachzuzeichnen – entsprechende Schwimmbekleidung, die noch irgendwo im alten Kleiderschränken herumlungert, wird gerne entgegengenommen (Kontakt für alles unter frauenlob.org). Die Kreismusikschule kündigte verschiedene Konzerte an, unter anderem die Komposition „Waves“ von Raimund Philippi, in deren Mittelpunkt Johanna Sebus steht.


Im Rahmen der Pressekonferenz erinnerte Bruno Schmitz erneut an einen lang gehegten Wunsch der freien Klever Kulturszene. Schmitz: „Wir sind seit Jahren auf der Suche nach einem Kulturzentrum. Das Hallenbad wäre ideal. Das ist im Besitz der Stadt, und es wäre eine Vision für Kleve.“ Städte wie Wolfsburg und Oberhausen sei eine ähnliche Umwidmung gelungen. Schmitz: „Aber wir sind erst einmal froh, dass wir jetzt 14 Tage hier sein dürfen.“ Ein Dank der Beteiligten ging an die Stadt Kleve und an die Stadtwerke für die großzügige Unterstützung des Projekts.


Pudding vergiftet, Urteil gefällt

rd | 20. November 2018, 10:49 | keine Kommentare
Landgericht Kleve: Die 2. große Strafkammer bestrafte Anstifterin im Prozess um vergifteten Pudding

Fünf Jahre und neun Monate soll eine 48 Jahre alte Kleverin für ihre Beteiligung an dem Komplott, bei dem ein damals 93 Jahre alter Rentner beraubt wurde, hinter Gittern – der Haftbefehl wurde wegen des schlechten Gesundheitszustands der Frau  vorerst außer Vollzug gesetzt.

Nach den Plädoyers haben die Angeklagten in einer Gerichtsverhandlung das letzte Wort, und normalerweise ist von der Anklagebank selten mehr als ein Satz der Reue zu hören. Am Montag, bevor sich die 2. große Strafkammer des Landgerichts Kleve zur Urteilsberatung zurückzog, war dies anders. Monika G., angeklagt, mit zwei Komplizen einen zum Tatzeitpunkt 93 Jahre alten Mann aus Emmerich ausgeraubt zu haben, sprach mehr als zehn Minuten und konnte erst durch ihren Anwalt, den Strafverteidiger Gerhard Thien aus Essen, wieder beruhigt werden.

„Verdammt ungerecht“ finde das, was im Gerichtssaal passiert sei. „Die ganze Sache“ habe sie dermaßen mitgenommen, dass sie „ohnehin schon kaputt“ sei. Mittendrin baute sie sich vor Staatsanwältin Kim Görtz auf und versuchte mit einem Foto zu belegen, dass sie während ihrer Haft misshandelt worden sei. Die Tat, die ihr vorgeworfen werde, passe gar nicht zu ihr: „Warum soll ich so etwas tun, ich bin doch ein guter Mensch.“

Von diesen Worten aber aber ließ sich die Kammer unter Vorsitz von Richter Gerhard van Gemmeren ebenso wenig beeindrucken wie zuvor vom Plädoyer ihres Anwalts. Der Verteidiger war die Staatsanwältin frontal angegangen: „Ich wunderte mich, als ich den Vortrag der Staatsanwältin hörte. Der wirkte so, als ob Sie bei der Beweisaufnahme nicht dabei gewesen waren.“ Dann brachte der Jurist sogar eine Weisheit an, die so wahrscheinlich nicht in den Kommentaren zum Strafgesetzbuch zu finden ist: „Dem größten Ganoven wird geglaubt, wenn er den anderen in die Pfanne haut.“

Das war in der Tat ein Problem für die 48 Jahre alte Kleverin, aber beileibe nicht das einzige. Denn nicht nur die beiden Mittäter hatten im ersten Prozess in dieser Sache ausgesagt, auch die Angeklagte selbst hatte sich gegenüber Polizei und Haftrichter zu dem Raub geäußert. Hinzu kamen viele Indizien – beispielsweise durch Handy-Ortung ermittelte Bewegungsprofile und abgehörte Telefonate –, so dass sich für die Strafkammer am Ende ein recht stabiles Bild ergab: „Man verabredete sich zu dritt, diesen Mann auszuplündern“, so das Fazit von Richter van Gemmeren.

Dieser Mann, das war der wohlhabende Senior aus dem Emmericher Ortsteil Praest, der über die Zeitungsanzeige „Suche liebe Frau mit Auto“ an das Trio aus Kleve geraten war. Die drei Klever verabredeten, einen Pudding mit Schlafmittel zu versetzen und diesen dem Rentner bei einem Vorstellungsgespräch zu verabreichen. Die Süßspeise war als „Überraschung“ angekündigt worden. Nachdem der Rentner noch am Esstisch wegsackte, durchsuchte eine Komplizin die Wohnung und machte reiche Beute – 12.000 Euro und 8500 tschechische Kronen sowie eine Bankkarte, mit deren Hilfe wenig später weitere 2000 Euro abgehoben werden konnten.

Im Blut des Opfers konnten später Spuren zweier Schlafmittel nachgewiesen werden, die Wirksubstanz eines der beiden Mittel findet sich in frei verkäuflichen Tabletten der Marke „Schlafsterne“. Dieses Medikament nahm die Angeklagte. Auch 1500 Euro aus der Beute stellte die Polizei in der Wohnung von Monika G. sicher – allerdings erst, als sie selbst die Ermittler auf das Versteck hingewiesen hatte.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagte sich eines schweren Raubes und der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht habe. Die Haftstrafe wurde mit fünf Jahren und neun Monaten etwa in der Region bemessen, die auch von der Staatsanwaltschaft gefordert worden war. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Antreten muss die Kleverin die Haft vorerst nicht – dazu ist ihr psychischer Gesundheitszustand viel zu angegriffen.