3254 Impfdosen für 30 Einrichtungen, Stadt Kleve richtet keine Mitfahrbörse ein, gibt Taxigutscheine aus

rd | 15. Januar 2021, 13:30 | 4 Kommentare
Eine Dosis

Der aktuelle Impfstand im Kreis Kleve: Bis einschließlich 16.01. (also morgen) werden 3254 Impfdosen abgerufen sein (Futur II). 30 der insgesamt 74 Betreuungseinrichtungen sind dann durchgeimpft. Die Zahl der Geimpften entspricht dann wie andernorts auch ziemlich genau einem Prozent der Gesamtbevölkerung.

„Die Stadt Kleve richtet keine Mitfahrbörse sein“, so Bürgermeister Wolfgang Gebing, Die Impfwilligen ab 80, die nicht selbst, durch Dritte oder mit Unterstützung der gesetzlichen Krankenkasse zum Impfzentrum nach Kalkar befördert werden können, werden in Kleve Berechtigungsgutscheine für eine Hin- und eine Rückfahrt mit einem Taxiunternehmen erhalten.

Der aktuelle Krankenstand im Kreis Kleve: 5344 Infektionen (+48), 832 in Kleve (+7), 103 Verstorbene (0), 34 im Krankenhaus (-4).

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve

Weitere Ergänzung: Das Corona-Info-Board der Stadt Goch führt auf, wie sich die jeweiligen Zuwächse sich auf die 16 Kommunen des Kreises verteilen. Hier der Link: Corona-Info-Board.



Zoff in der FDP: Bitterböse Kritik, Klapdor und Haupt sollen zurücktreten, fordern „kritische Liberale“

rd | 14. Januar 2021, 22:27 | 33 Kommentare

Die FDP des Kreises Kleve – ein brodelnder Vulkan, der kurz vor einer gewaltigen Eruption steht?

Ein Schriftwechsel, der schon Mitte Dezember begann, liefert bemerkenswerte Einblicke in parteinterne Frontlinien und legt den Verdacht nahe, dass eine größere Gruppe von Mitgliedern äußerst unzufrieden ist. Es geht um den aktuellen Kurs der Partei sowie um einige Personalentscheidungen – und am Ende werden sogar die Rücktritte des Kreisvorsitzenden Stephan Haupt und des Fraktionschefs Professor Dr. Ralf Klapdor gefordert, „um den Weg für einen Neuanfang freizumachen“.

„Innerhalb und außerhalb der FDP ist der Eindruck entstanden, dass die FDP-Kreistagsfraktion mehr eine Klapdor-Versorgungseinrichtung ist als eine politische Kraft, die etwas zum Guten für die Menschen im Kreis Kleve bewegen will – und zwar mit Stil und Anstand“, heißt es in dem siebenseitigen Brief, den eine Gruppe unterzeichnet hat, die sich selbst „kritische Liberale“ nennt, und zu der unter anderem Dietmar Gorißen, Dr. Dirk Hammes (Kevelaer) und Thomas Wittenburg (Issum) gehören.

Das Schreiben ist der reine Sprengstoff.

Abgerechnet wird praktisch mit allem, was geschehen ist, seit der Kreisvorsitzende Stephan Haupt vor der Kommunalwahl de facto das Bündnis mit der CDU aufgekündigt hatte, um gemeinsam mit SPD, Grünen und Freien Wählern den Bedburg-Hauer Bürgermeister Peter Driessen als neuen Landratskandidaten durchzusetzen. Driessen sollte der erste Nicht-CDU-Landrat des Kreises Kleve werden, doch dieses Vorhaben erfüllte sich nicht; in der Stichwahl behielt die CDU-Kandidatin Silke Gorißen die Oberhand.

„Seit dem Beginn der neuen Legislaturperiode am 1. November 2020 liefert die FDP-Kreistagsfraktion nur negative Schlagzeilen“, so der Eindruck der „kritischen Liberalen“. Die langjährige Fraktionsgeschäftsführerin Gaby Meinert sei „unter höchst fragwürdigen Umständen“ aus ihrem Amt entfernt worden – bekanntlich zugunsten der Ehefrau des Fraktionsvorsitzenden Professor Dr. Ralf Klapdor (siehe hier: Auf Kollisionskurs). Bei der Besetzung des Vorsitzes im Verwaltungsrat der Sparkasse Rhein-Maas sei es zu einer „handstreichartigen Überrumpelung der Landrätin“ gekommen. Und schließlich noch das Beharren auf der „sehr kostenintensiven Installation eines Kreisdirektors“. Etliche Mitglieder, so der Brief, „fragen sich, ob das noch ihre FDP ist“.

Selbst die Tatsache, dass Klapdors Ehefrau den Posten nun gar nicht mehr antritt, konnte die Kritiker offenbar nicht versöhnen. Dem Brief zufolge hat der Kreisvorstand die Sache entschieden, obwohl dieser formal gar nicht zuständig ist. „Die Tatsache, dass es in der Sitzung keinen Einspruch gegen diese Einmischung des Kreisvorstands vom Fraktionsvorsitzenden gab, dokumentiert erneut seine Führungsschwäche“, so die Ankläger.

Auch hinsichtlich des neuen Postens Kreisdirektor, den die Listenverbindung installieren wollte, kann das Umdenken der Verantwortlichen die Kritiker nicht überzeugen: „vorerst (!!) Auf die Einführung eines Kreisdirektor zu verzichten, ist wohl eher ein Ausdruck des scheinheiligen Nachgebens auf den öffentlichen und medialen Protest und nicht das von Einsicht getragene ehrliche Bekenntnis zu einem fairen Politikstil“, heißt es.

Die Hauptverantwortung für all dies liege beim Vorsitzenden der Kreistagsfraktion, Ralf Klapdor. Mitverantwortlich gemacht wird auch der Kreisvorsitzende Stephan Haupt, dessen Führungsstil massiv kritisiert wird. Die kritischen Liberalen fordern, dass beide von ihrem Posten zurücktreten, dass die Fraktiongeschäftsführung neu besetzt wird und dass die Listenverbindung mit den anderen Parteien aufgekündigt wird.


Sowohl der Kreisvorstand wie auch die Kreistagsfraktion reagierten ihrerseits mit Briefen auf die Vorwürfe.

Stephan Haupt stellte klar, dass die Kandidatur von Peter Driessen nicht über Hinterzimmerdiplomatie festgezurrt wurde, im Gegenteil, es sei kein Gespräch ohne Vertreter der Fraktion geführt worden. Das Ergebnis für Driessen in der Stichwahl – 45,7 % – bezeichnete er als „sehr respektabel“. Der gesamte Vorstand sehe keine unüberbrückbaren Differenzen und hoffe diese im Dialog lösen zu können.

Die Kreistagsfraktion verwahrte sich dagegen, auch den neuen Fraktionsgeschäftsführer Luca Kersjes abzuräumen, da er sich in einem ordnungsgemäßen Auswahlverfahren durchgesetzt habe und es bisher auch keine Kritik an seiner Arbeit für die Fraktion gebe. Die Diskussion um einen Kreisdirektor halte man zwar weiter für inhaltlich richtig, aber „nach einem Gespräch mit der Landrätin sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir ihr Zeit geben sollten, ihre Aussagen zu einer neuen deutlich veränderten Verwaltung Führung zu belegen.“

Das Ralf Klapdor per Überrumpelungstaktik zu seinem Posten im Verwaltungsrat der Sparkasse kam, weisen die Kreistagsmitglieder (Ralf Klapdor, Kay Ehrhardt, Arie Kerkman, Jan-Wellem Neuhaus) ebenfalls zurück. Die CDU selbst sei in einer Besprechung der Fraktionsvorsitzenden „extrem schnell“ über den Punkt hinweggegangen, somit sei der Vorschlag für die CDU nicht überraschend. Der nächste Satz trägt die Handschrift von Klapdor selbst: „Im Übrigen sollte beachtet werden, dass die beamtenrechtlichen Abführungsregeln an dieser Stelle für einen Hochschullehrer strenger sind als für eine Landrätin.“

„Dass der Start hätte besser sein können, ist unstrittig“, wird eingeräumt. Doch künftig möchte die FDP-Kreistagsfraktion wieder „mit konkreten inhaltlichen Forderungen wahrgenommen werden“. Dafür sei alle Erfahrung und alles inhaltliche Know-how vonnöten, weshalb die Rücktrittsforderung gegen den Vorsitzenden zurückgewiesen werde.



Mitfahrbörse zum Impfzentrum: So sollen die Senioren zu ihrem Schuss kommen

rd | 14. Januar 2021, 14:53 | 31 Kommentare
Große Bühne: Landrätin Silke Gorißen und die 16 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des Kreises in Kevelaer. Die Ideen zum Impfzentrum freilich kamen in einer Videokonferenz (Foto: Stadt Kevelaer)

Bürgersinn statt Busverbindung: So wollen der Kreis und die 16 Kommunen in den kommenden Wochen dafür Sorge tragen, dass die hochbetagten Bürger des Kreises ihre Impfung im abgelegenen Wunderland Kalkar bekommen! Die Transporte immobiler Senioren, die nicht in Pflegeheimen leben, sollen von einer Mitfahrbörse organisiert werden. „Wir leben in einem Flächenkreis mit intakten Netzwerken und großem sozialen Engagement. Darum bitten wir die jüngeren Menschen in unseren Städten und Gemeinden, einen wichtigen Teil zum Gelingen der nationalen Impfstrategie beizutragen“, so Landrätin Silke Gorißen.

Einigkeit unter 17 Hauptverwaltungsbeamten

Die Konferenz der Bürgermeisterin und der Bürgermeister und der Landrätin im Kreis Kleve hat sich jetzt im Rahmen einer Videokonferenz einmütig darauf verständigt, den Impfwilligen ab 80 Jahren, die nun als erste Gruppe ins Impfzentrum kommt, bei Bedarf – wenn also das persönliche Umfeld kein Hilfsangebot machen kann – ein individuelles Beförderungsangebot in Form einer so genannten „Mitfahrbörse“ zu machen. Die Städte und Gemeinden werden kurzfristig solche Börsen organisieren, in der sich die Bürgerinnen und Bürger im Rathaus melden können, die ehrenamtlich Impflinge zum Impfzentrum und wieder nach Hause fahren. „Ältere Menschen brauchen nämlich individuelle Fahrten zum Impfzentrum!“, sind sich die 17 Hauptverwaltungsbeamten einig.


Wie sieht es an der Corona-Front aus? 46 neue Fälle, mittlerweile 103 Todesopfer, rund 1000 Menschen in Quarantäne

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve

Weitere Ergänzung: Das Corona-Info-Board der Stadt Goch führt auf, wie sich die jeweiligen Zuwächse sich auf die 16 Kommunen des Kreises verteilen. Hier der Link: Corona-Info-Board.


Die über 80-Jährigen im Kreisgebiet erhalten in Kürze ein umfangreiches Informationspaket per Post, das über den konkreten Ablauf informiert. Ab dem 25. Januar 2021 sind – laut Aussage der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein – Anmeldungen für die Impfung im Impfzentrum möglich. Dort beginnen die Impfungen am 1. Februar.

Die Landrätin wie auch die Bürgermeisterin und die Bürgermeister setzen in diesem Zusammenhang auf die Eigenverantwortung und Eigeninitiative der Bevölkerung. „Bieten Sie Ihren Eltern oder Großeltern, Ihrem Nachbarn oder der Freundin an, ihn oder sie zwei Mal zum Impfzentrum zu fahren, damit dort in den kommenden Wochen die Impfungen erfolgen können“, appelliert Christoph Gerwers als Sprecher der Konferenz der Hauptverwaltungsbeamten an die Hilfsbereitschaft der Menschen im Kreis Kleve.

Alle Kommunen im Kreis Kleve werden allerdings denjenigen Bürgerinnen und Bürgern, die keinerlei Möglichkeit haben, zu ihren Impfterminen ins Impfzentrum zu kommen, über die „Mitfahrbörsen“ ein individuelles Beförderungsangebot machen. „In jeder Kommune wird es dafür eine Ansprechpartnerin oder einen Ansprechpartner geben“, erläutert Christoph Gerwers. Die Kommunen wollen den Impflingen dann Freiwillige benennen, die sie zum Impfzentrum und wieder nach Hause bringen. „Wir haben zum Beispiel mit der Helferbörse in Rees zu Beginn der Pandemie sehr gute Erfahrungen gemacht und sind zuversichtlich, dass sich ausreichend Freiwillige melden, die diesen Dienst gerne übernehmen“, so Gerwers als Sprecher der Bürgermeisterkonferenz.

Über die Details werden die Kommunen ihre Bürgerinnen und Bürger noch informieren. Landrätin Silke Gorißen: „Die Impfung von gut 312.000 Kreis Klever Bürgerinnen und Bürgern ist eine Mammut-Aufgabe, die von uns allen in den kommenden Monaten viel Kraft und Ausdauer erfordert. Ich danke der Bürgermeisterin und den Bürgermeistern für die gute Zusammenarbeit und hervorragende Unterstützung.“


Der Corona-Tipp: Komm’, wir gehen zur Stadtbücherei!

rd | 13. Januar 2021, 12:52 | 8 Kommentare
Bücher haben in der abendländischen Kultur einen festen Platz, und zwar meistens in einem Billy-Regal

Welche Freuden bleiben einem noch? Der Keller ist aufgeräumt, Netflix ist leergeguckt, sämtliche Gesellschaftsspiele sind durchgespielt (und die Liebsten weigern sich, weitere Runden zu absolvieren), und nun? YouTube liefert noch ein paar nette Vorlesungen (Feynmann!), doch das hält auch nicht ewig. Warum sich nicht also wieder einer guten, alten Kulturtechnik zuwenden, von der im Wischzeitalter viel zu selten Gebrauch gemacht wird: Bücher lesen! Und da kommt das Corona-Angebot der Stadtbücherei Kleve gerade recht: Unter 02821-84373 oder buecherei-ausleihe@kleve.de können je Abholtermin zehn Medien vorbestellt werden. Zur Abholung an der Stadtbücherei (Wasserstr. 30) muss ein fester Termin vereinbart werden. Und dem Leser sei versichert, dass das Team der Stadtbücherei einem (fast) alles besorgen kann, was seit Gutenberg veröffentlicht wurde. Wenn einem zum Beispiel die verwegene Idee kommt, zum 100. Geburtstag von Beuys mal das Werk Der ganze Riemen von Johannes Stüttgen durchzuarbeiten (Ladenpreis: 800 Euro), schreibt man einfach eine Mail an die obige Adresse und wie durch ein Wunder kommt wenige Tage später der Anruf: „Können Sie abholen!“ Richtig nice.

Der Vollständigkeit halber sei hinzugefügt, dass natürlich auch die elektronische Ausleihe der Stadtbücherei (also zum Beispiel das Ausleihen von E-Books) weiterhin genutzt werden kann.

Parental Advisory/Hinweis für die Generationen X, Y und Z: Die Überschrift zitiert einen Aufkleber, mit dem zu Zeiten von Wilfried Hönes (+) in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts für die Stadtbücherei geworben wurde.


Neuer Leiter im Tiergarten: 26 Jahre, Wiener, Tierarzt

rd | 12. Januar 2021, 15:47 | 12 Kommentare
Zufälle gibt es: Als der neue und der alte Leiter gemeinsam mit Joachim Schmidt (Leiter des Vereins Tiergarten) vor die Kamera traten, zeigte sich im Hintergrund auch das Wappentier des Zoos, der Rote Panda. Wenn das kein gutes Zeichen ist!

Im Klever Tiergarten endet eine Ära, und sie könnte zugleich der Anfang einer neuen sein: Dietmar Cornelissen, seit 24 Jahren Leiter des kleinen Zoos mit 50 Tierarten (zum Vergleich: Köln 863), tritt aus der vordersten Reihe zurück und übergibt die Führung der Einrichtung an den 26 Jahre alten Diplom-Tierarzt Martin Polotzek – wenn der neue Mann bis zur Rente in Kleve bleibt, werden das dann sogar mehr als 40 Jahre!

Polotzek absolvierte sein Veterinärmedizinstudium von 2014 bis Anfang 2020 in Wien und war zuletzt als klinischer Tierarzt in Mitterndorf sowie als zoopädagogischer Mitarbeiter im Wiener Tiergarten Schönbrunn tätig. Seine Leidenschaft für Zoos festigte er bei den studienbegleitenden Praktika in Nürnberg, Karlsruhe, Heideberg, Gelsenkirchen und Köln. Die guten Kontakte zwischen dem Kölner Zoo und dem Tiergarten Kleve führten auch dazu, sich für die neue Stelle zu bewerben.


Martin Polotzek ist Ende des alten Jahres nach Kleve gezogen und bereits von der Natur des Niederrheins angetan. Er freut sich auf die neuen Herausforderungen, zumal er sich auf ein engagiertes Teams stützen kann. In seiner Einarbeitungszeit ist er besonders dankbar dafür, dass er die Erfahrungen des Vorstandsmitglieds und Tierarztes Dr. Klaus Plein und des leitenden Tierpflegers Dietmar Cornelissen nutzen kann, der dem Park als stellvertretender Leiter erhalten bleibt, ebenso wie Christine Oster. Im vergangenen Jahr erlebte der Tiergarten – natürlich wegen Corona – einen drastischen Besucherrückgang. Im Frühjahr und zum Jahresende war der Zoo insgesamt zwölf Wochen geschlossen. Statt 85.000 Menschen kamen 2020 nur noch 62.000, um Ziegen, Pinzgauer Rinder und Seehunde zu besichtigen.

PS. Auf Facebook zeigt der Tiergarten zurzeit alle paar Tage schöne Videos von Tieren aus dem eigenen Bestand, die in diesen trüben Zeiten die Seele zu erwärmen vermögen. Ein Beispiel hier (keine Ahnung, warum Einbetten bei Facebook nicht funktioniert):

https://fb.watch/2ZrXBrtEmC/