Klimawandel immer doller: Jetzt schon Flamingos im Altrhein

rd | 16. Februar 2020, 14:04 | 6 Kommentare
16 Grad, fast wie in Afrika: Flamingo am Deich (Foto: Torsten Barthel)
Steife Westbrise: Flugschau in Pink (Foto: Torsten Barthel)

Laut Wikipedia leben Kuba-Flamingos (Phoenicopterus ruber) bevorzugt in den Lagunen und Salzseen in Mittel- und Südamerika – und ganz bestimmt nicht am Altrhein zwischen Schenkenschanz und Düffelward. Beziehungstechnisch ist das Tier seriell monogam, wie der Fachmann sagt, das heißt, es geht mit jeder Fortpflanzungsperiode eine neue Paarbeziehung ein. Außer man ist ganz allein auf sich gestellt und ist der einzige Farbtupfer weit und breit zwischen dem Braungrün von Schenkenschanz und dem Grünbraun von Düffelward. Vielleicht verlief die letzte Beziehung ja nicht so gut. Lieber alleine als einen Tag länger, man kennt solche Gedanken. Aber man weiß es nicht, du kann den Vögeln nur vor den Schnabel gucken. Pink sind die Viecher übrigens bekanntermaßen, weil mit der Nahrung – in aller Regel planktonische Algen – Carotinoide aufgenommen werden, die mit Hilfe von Enzymen in der Leber unter anderem in das Pigment Canthaxanthin umgewandelt werden. Das lagert sich im Gefieder ein. Wenn also der Vogel noch länger am Altrhein verweilen sollte, wird er mangels Meeresplankton seine vitale Farbe verlieren und sich der Ödnis des Umlandes angleichen. Dass der Vogel auf zwei Beinen steht, ist seltsam. Normalerweise stehen Flamingos den lieben langen Tag auf einem Bein, das sich (nach dem Anheben des anderen) genau unter dem Körperschwerpunkt befindet. Ein Sperrmechanismus sorgt dafür, dass definitiv kein Kraftaufwand nötig ist, um in dieser Position stundenlang (und theoretisch auch nach dem Tod) zu verharren. Dass die Tiere tot sind, merkt man daran, dass sie umkippen, wenn man sie anstupst. Die lebenden hingegen fliegen weg oder fressen einem Fische aus der Hand.

Man könnte die Anwesenheit des Tieres am Altrhein für ein weiteres Indiz des Klimatohuwabohus halten. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass der Althreinflamingo aus der Gefangenschaft ausgebüxt ist. Die nördlichste Famingo-Brutkolonie der Welt befindet sich im Zwillbrocker Venn, einem Feuchtgebiet an der deutsch-niederländischen Grenze. Dort wurden im Jahre 2012 zwölf Brutpaare von Rosa- und Chileflamingos gezählt.



1. Facebook-Kandidatur bei der SPD: Frank Thon will Kreisvorsitzender werden

rd | 15. Februar 2020, 14:21 | 1 Kommentar
Stilistisch in der neuen Zeit angekommen: Frank Thon bewirbt sich per Facebook um den Kreisvorsitz der SPD

Die Serie der Nachrichten des Typs „Jung beißt Alt weg“ geht heiter weiter, nach – je nach Zählweise – zwei bis drei Politikern aus der Jungen Union, die für die CDU Kreistagsmandate anstreben, hat sich nun eine neue Stimme aus der SPD gemeldet: Der Uedemer Frank Thon will in seiner Partei den Kreisvorsitz erringen (den Posten hat zur Zeit der altgediente Genosse Norbert Killewald inne).

Wie neu die Zeit auch in der sozialdemokratischen Partei geworden ist, zeigt insbesondere die Art und Weise, wie der 30 Jahre alte Mitarbeiter des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) seine Kandidatur anmeldete: Frank Thon veröffentlichte gestern Abend um 17:11 Uhr auf seiner Facebook-Seite ein dreiminütiges Video, in dem er seine Beweggründe und seine Ambitionen vorstellt. „Ich trete an, weil ich etwas aufbauen will“, sagt er in dem Film. „Ich trete an, weil ich Führungsverantwortung übernehmen will. Ich trete an, weil ich der Überzeugung bin, der Richtige für die neue Zeit zu sein.“

In seiner Online-Bewerbungsrede – aus dem Fenster im Hintergrund blickt der Betrachter auf eine verregnete, nicht mehr zu identifizierende Kreuzung – referiert Thon über die sich verändernde Welt, deren Folgen nicht nur in Berlin, sondern auch in Griethausen zu spüren seien. Nach seiner Ausbildung zum Speditionskaufmann habe er in der freien Wirtschaft gearbeitet und dort gelernt, mit allen Menschen auf Augenhöhe zu reden – „vom Trucker bis zum Vorstand“.

Dennoch habe er sich gegen eine Karriere in der freien Wirtschaft entschieden, nachdem er die Möglichkeit erhielt, beim DGB als Gewerkschaftssekretär einzusteigen. Das habe ihm die Chance eröffnet, „hauptberuflich für meine Überzeugungen einzutreten“.

Seiner eigenen Partei, die sich bekanntlich gerade auf Bundesebene mal wieder eine neue Führung gegönnt hat, will er Mut zusprechen. „Wir dürfen uns nicht als Zweit- oder Drittbewerber sehen“, so Thon. Die SPD im Kreis Kleve habe mehr als 1000 Mitglieder, die es zu mobilisieren gelte. Thon: „lasst uns Teil unserer Heimat sein und unserer Heimat verbessern!“

In Teilen der Partei wurde die Kandidatur mit leichter Irritation aufgenommen. Der nächste Parteitag steht erst im Oktober, also in acht Monaten, an. Ursprünglich war unter den Genossen vereinbart worden, bis nach den Kommunalwahlen im September zu warten, um im Wahlkampf möglichst geschlossen auftreten zu können.



Razzia in Kalkarer Galerie, Fälschungen von Werken von Markus Lüpertz vermutet

rd | 14. Februar 2020, 14:06 | 3 Kommentare
Kalkarer Galeristen unter Fälschungsverdacht. Die Blumen von Gerhard Fonck waren echt, so viel ist sicher (Bild von der Eröffnung der Galerie 2013, Foto: Stadt Kalkar)

Ein neuer Fälschungsskandal erschüttert die deutsche Kunstszene – und im Zentrum des Geschehens befindet sich eine Galerie aus Kalkar! Am Vormittag gaben die Staatsanwaltschaft Kleve und die Polizei Kleve eine gemeinsame Presseerklärung heraus. Darin hieß es: „Seit 8 Uhr heute Morgen durchsuchen Beamte der Kreispolizeibehörde und der Staatsanwaltschaft Kleve eine Kunstgalerie und zwei Ateliers in Kalkar sowie Wohnungen in Goch und Mühlheim. Gegen die Betreiber der Galerie besteht der Verdacht des gewerbsmäßigen Betruges und der Urheberrechtsverletzung. Sie sollen im großen Stil gefälschte Werke eines bekannten Künstlers aus Berlin an eine Galerie in Süddeutschland verkauft haben. Aufgeflogen waren die Taten dadurch, dass der Künstler die gefälschten Exponate in der süddeutschen Galerie entdeckt hatte. Nach Angaben der geschädigten Galeriebetreiberin beläuft sich die Schadenssumme auf rund 100.000 Euro. Die heutigen Maßnahmen dienen der Auffindung von Beweisen sowie Vermögenswerten, um die aus den Straftaten erlangten Gewinne wieder zu entziehen.“

Nach Informationen von kleveblog war es Markus Lüpertz, einer der bekanntesten zeitgenössischen deutschen Maler und Bildhauer überhaupt, der den Fall ins Rollen brachte. Der Künstler hatte eine Galerie in Dachau bei München besucht und dort eine Grafik entdeckt, von der er sicher war, dass er es nicht erstellt hatte. Er meldete diese Beobachtung der Betreiberin der Galerie, die daraufhin zunächst einmal die Verkäufer kontaktierte. Als sie dort nicht weiter kam, informierte sie die Behörden.

Von Lüpertz gibt es Gemälde, Zeichnungen, Radierungen und Skulpturen. Die Preise für seine Werke erreichen schnell auch einmal sechsstellige Bereiche. Von 1988-2009 war Lüpertz Rektor an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf; er hat einen Hang zum dandyhaften, leicht exzentrischen Auftritt. Sein Markenzeichen ist ein weißer Gehstock mit einem Knauf in Form eines Totenkopfes. Der nunmehr 78 Jahre alte Künstler lebt seit 2017 mit seiner Frau Dunja wieder in seiner Heimatstadt Mönchengladbach-Rheydt.

Die Ermittler vermuten, dass neben den Werken von Lüpertz auch die Künstler Rene Magritte und Amedeo Modigliani gefälscht wurden. Insgesamt geht es nach derzeitigen Schätzungen der Ermittler um hundert bis zweihundert Drucke, deren Urheberschaft nun untersucht werden muss. Neben den Druckgrafiken geht es in einem Fall auch um – geringwertigere – Poster, bei denen eine Grafik aus einem anderen Lüpertz-Werk herauskopiert und auf diese Weise ohne Genehmigung vervielfältigt wurde.

Als die beiden Betreiber der Galerie in Kalkar ihr Geschäft im Frühjahr 2013 eröffneten, gratulierte der damalige Bürgermeister Gerhard Fonck den beiden Kunstunternehmern mit ein paar Orchideen. In der ersten Ausstellung wurden Druckgrafiken unter anderem von Markus Lüpertz, aber auch von A. R. Penck und Salvador Dali gezeigt. Wer eine Ausgabe der Rheinischen Post mitbrachte, bekam zehn Prozent Rabatt auf die verkauften Kunstwerke. Bereits im Sommer 2014 expandierte der Betrieb, in der Monrestraße wurde eine weitere, 200 Quadratmeter große Halle angemietet.

Auf der Website der Galerie heißt es: „Unsere [Galerie] präsentiert mit wechselnden Ausstellungen Kunstwerke aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie und Skulptur, die Welt der klassischen Moderne, sowie der zeitgenössischen Kunst. Unsere Leidenschaft: Präsentieren, Vermitteln, Unterstützen der Kunst und ein enger Kontakt zu Ihnen, den Kunstinteressierten und Sammlern und natürlich zu den Künstlern, hat für uns höchste Priorität.“

Es scheint, als ob damit noch nicht alles gesagt ist. Derzeit ist die Galerie geschlossen. „Wir machen eine Ausstellungspause und renovieren für Sie“, so der Text auf der Website.


Junge Union stürmt: Lisa Drunkemühle kandidiert in Materborn (gegen Gabriele Schmidt)

rd | 13. Februar 2020, 11:53 | 36 Kommentare
Weiter geht’s: Lisa Drunkemühle tritt in Materborn an

Wenn die Erinnerung nicht trügt, begann auch die Karriere von Ronald Pofalla in der Jungen Union. Sie gewann entscheidenden Schwung, als er irgendwann gegen den Platzhirsch Heinz Seesing antrat und mit der Rückendeckung der jungen CDU-Mitglieder einen Kandidatenplatz eroberte. Die Methode scheint sich die Nachwuchsorganisation gemerkt zu haben – nach Robert Böving, Kreisvorsitzender der JU, der gestern ankündigte, Manfred Palmen den Wahlbezirk abnehmen zu wollen, hat sich nun ein zweites JU-Mitglied einen Wahlbezirk ausgeguckt, in dem bisher eine altgediente Christdemokratin, Gabriele Schmidt, zu Hause war. Lisa Drunkemühle, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Landtag NRW tritt unter dem Schlagwort Generationenwechsel in Materborn an! Hier der Text ihrer Pressemitteilung im Wortlaut:

Mit Lisa Drunkemühle (27), studierte Politologin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Landtag NRW, bewirbt sich nunmehr ein weiteres aktives Mitglied der Jungen Union um einen Klever Wahlbezirk für den Kreistag Kleve. Es handelt sich um den bislang von Gabriele Schmidt (64) vertretenen Bezirk Materborn.
Lisa Drunkemühle ist sowohl im CDU-Stadtverband Kleve als auch auf der Kreisebene gut vernetzt. Als Geschäftsführerin der Jungen Union im Kreis Kleve und stellvertretende Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Materborn-Reichswalde ist sie mit der politischen Arbeit bereits bestens vertraut.
„Ich wünsche mir ein gutes Miteinander der Generationen, eine bürgernahe und familienfreundliche Politik. Auch der Klimaschutz muss verstärkt in den Focus gerückt werden. Als Vertreterin der jungen Generation ist es mir ein dringendes Anliegen, hierzu aktiv meinen Beitrag zu leisten, um den Kreis Kleve in eine gute Zukunft zu führen“, erklärt Drunkemühle.