Hochschule: Der Bass ist der Boss

rd | 06. Juni 2019, 13:06 | 14 Kommentare
Neue Töne an der HSRW: Seit Anfang der Woche amtiert Oliver Locker-Grütjen, in seiner Freizeit Bassist, als Präsident (Foto: Arnulf Stoffel)

Beim Campusfest zum Jubiläum präsentierte er sich erstmals einer breiteren Öffentlichkeit, am Montag war sein erster Arbeitstag, heute stellte er sich der Presse vor: Dr. Oliver Locker-Grütjen, der neue Präsident der Hochschule Rhein-Waal. In seiner Freizeit spielt in der Rockband False Color Image Bass – kleveblog wagt eine musiktheoretische Interpretation, was das für das Wirken des Mannes aus Duisburg bedeuten könnte…

Der Bass ist das wichtigste Instrument in der zeitgenössischen Popmusik. Seine Töne, die tiefsten überhaupt, sind es, die dem filigranen Gerüst aus Gesang und den Klängen anderer Instrumente überhaupt erst Halt geben. Einen Song ohne Bass zu komponieren, das käme dem Versuch gleich, ein Hochhaus ohne Stahlträger zu bauen. Eher kann der Komponist alles andere weglassen, nicht ohne Grund heißt eine der wichtigsten Strömungen der modernen Unterhaltungsmusik „Drum & Bass“, sie reduziert die Stücke auf ihre musikalische Essenz.

Zugleich ist der Bass das Instrument, das als einziges auch den Kopf zu umgehen imstande ist. Der Bass zieht in den Bauch, die wummernden Töne lassen die Eingeweide vibrieren. Bass ist Gefühl, großes Gefühl. Ein Ton mit einer Frequenz von 100 Hz hat eine Wellenlänge von 6,80 Meter, er erfüllt den ganzen Raum, das Ohr kann – anders als bei den höheren Tönen – nicht mehr ausmachen, aus welcher Richtung er kommt.

Vielleicht ist es Küchenpsychologie, vielleicht aber auch sagt diese musiktheoretische Einführung mehr über die Entwicklung aus, die Hochschule Rhein-Waal in den kommenden Jahren nehmen wird, als Tonnen von bedrucktem Papier mit theoretischen Konzepten und wohlmeinende Worte auf Pressekonferenzen. Denn an der Hochschule Rhein-Waal ist der Bass der Boss: Dr. Oliver Locker-Grütjen, am 13. Februar einstimmig zum neuen Präsidenten der Einrichtung gewählt, spielt in der Rockband False Color Image die für die tiefen Töne zuständige Gitarre.

Ihre letzten Auftritte hatte die Band, eine Gruppe von vier langjährigen Freunden aus Duisburg, im Dschungel-Club in Moers und in der Gaststätte R(h)einblick in Alt-Homberg. In der Ankündigung des Gigs hieß es: „False Color Image (FCI) ist Zwei-Gitarren-Alternative Rock at its best, mit eigenen Songs. Liebe+Verlust, Freud + Leid, Macht + Ohnmacht: FCI meint es ernst, ihre Musik bewegt, ob man will oder nicht. FCI macht keinen Spaß, wo keiner ist. Ob die Zuhörer tanzen oder einfach nur zuhören wollen: FCI überzeugt, vor allem live. Mit wachsender Fangemeinde gelangt die Band auf den Schirm der Veranstalter.“

Ob in der zweiten Jahreshälfte noch Zeit für weitere Auftritte zur Verfügung steht, dürfte zweifelhaft sein. Der neue Präsident aber wäre vermutlich gut beraten, sein Wissen um die untergründige Wirkung der tiefen Töne bei seinen künftigen Aufgaben zu nutzen.

Das verbeamtete Professorenensemble, von der Gründungspräsidentin Professor Dr. Marie-Louise Klotz in einer einzigartigen intellektuellen Diversität zusammengestellt, präsentiert sich in seinen schillerndsten Figuren wie eine Ansammlung von Solisten, die sich nicht einmal darüber hat einigen können, ob überhaupt Musik gespielt werden sollte. Manche waren (und sind) eher für Fußball.

Womöglich sind sie ja für die tiefen Töne, die ohne den Umweg über das Gehirn wirken, empfänglicher. Und womöglich funktioniert es im akademischen Betrieb einer schillernden Fachhochschule im Hinterland nicht anders als in einer Popband, deren Kräfteverhältnis Sting einst so beschrieb: „Es ist eine ruhige Stärke, die von einem Bassisten ausgeht, weil er das Gesamte untermauert. Für einen Bandleader wie mich, also einen Bassmann und Sänger, bedeutet es, dass die Band unter meiner Kontrolle ist. Alle anderen Frequenzen werden von mir kontrolliert. Und ich bin gerne in dieser Position. Es ist sehr erfüllend.“

Oliver Locker Grütjen – die Biographie

  • 1990 Abitur am Albert-Einstein-Gymnasium in Duisburg-Rumeln-Kaldenhausen
  • 1990 Ausbildung bei der Deutschen Bundesbank
  • 1993 Studium des Lehramtes in Bochum und Essen
  • 1995 Studium der Ökologie in Essen
  • 1999 Wissenschaftlicher Mitarbeiter Uni Essen
  • 2000 Persönlicher Referent der Rektorin der Uni Essen
  • 2002 Assistent des Dekans des Fachbereichs Biologie, Geografie und Landschaftsarchitektur der Universität Essen
  • 2003 Geschäftsführer des Zentrums für Mikroskalige Umweltsysteme (ZMU)
  • 2007 Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Universität Duisburg-Essen (FFT)
  • 2008 Abteilungsleiter des Science Support Centres (SSC) der Universität Duisburg-Essen
  • 2019 Präsident der Hochschule Rhein-Waal


10-Zentner-Bombe vor Rathaus gefunden, Entschärfung erfolgreich!

rd | 05. Juni 2019, 14:19 | 12 Kommentare
It’s not a bug, it’s a feature: Unscharfe Bombe (Foto: Stefan Maaßen)
In diesem Betonschacht liegt die SAP 1000, eine halb panzerbrechende Bombe aus amerikanischen Beständen

+++ Entschärfung erfolgreich!!! +++


(Aktualisiert, jetzt auch mit Informationen zur Bombe SAP 1000 lbs) Bei den Bauarbeiten am Minoritenplatz ist eine 10-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Die Entschärfung des Blindgängers ist für 17:30 Uhr vorgesehen, vorher wird die Innenstadt weiträumig evakuiert.

Kaum auszudenken, was eine mögliche Explosion anrichten könnte: der Neubau der Volksbank Kleverland, das neue Rathaus – und selbst das Präsidium der Hochschule Rhein-Waal könnten durch die fürchterliche Druckwelle der Detonation in Schutt und Asche gelegt werden. Deshalb ist dem Fachmann vom Kampfmittelräumdienst Düsseldorf eine ruhige Hand zu wünschen, wenn er gegen halb sechs mit seinem kniffligen Werk beginnt. Die Stadt wird ab nachmittags eine Geisterstadt sein: Hochschule geräumt, Banken und Supermärkte geschlossen, Rathaus geräumt.

Der innere Sicherheitsbereich, der komplett geräumt werden muss, erstreckt sich in einem Radius von ca. 500 Metern um den Bombenfund. Betroffen sind (grob beschrieben) alle Menschen innerhalb des Rings Gruftstraße, Stechbahn, Schwanenburg, Königsgarten, Bahnhof, van-den-Bergh-Straße. Die dort wohnende Bevölkerung sowie die Besucher und Beschäftigten der dort angesiedelten Gewerbebetriebe haben bis spätestens 16.30 Uhr die Wohnungen und Betriebe zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Die Stadt Kleve bietet den Betroffenen Unterkunft im Feuerwehrdepot Kleve, Brabanterstraße 56.

Schwerkranke und Körperbehinderte werden, soweit erforderlich, durch den Krankentransportdienst aus dem Gefahrenbereich gefahren. Entsprechende Wünsche sind an die Leitstelle am 05.06.2019 bis spätestens 15.30 Uhr, Tel.-Nr. 02821/ 7710, zu richten.

Im äußeren Sicherheitsbereich, der sich  daran anschließt, sollen die Menschen in den Häusern bleiben, bis der einminütige Sirenen-Warnton, der die erfolgreiche Entschärfung verkündet, erklungen ist.

Die 10-Zentner-Bombe war nach der Auswertung von Luftbildern gefunden worden. Der Sprengkörper ist vom Typ SAP 1000 lbs (SAP steht für Semi Armor Piercing) und wird als halb panzerbrechende Bombe klassifiziert. Die Bombe hat ein Gesamtgewicht von 451,3 kg und ist mit 145 kg TNT gefüllt. Am Heck des 1,45 m langen Sprengkörpers findet sich der von Feuerwerkern gefürchtete Langzeitzünder M125, der von einem Leitwerkhalterring verdeckt ist. An der Auslösespindel des Zünders befindet sich ein Windrad, das während des freien Falls durch den Luftstrom bewegt wird. Das Bewegung wird durch ein Getriebe auf die Spindel übertragen, die sich in das Zündergehäuse bohrt und dort eine mit Aceton gefüllte Ampulle zerstört. Das Aceton löst einen Verzögerungsring aus Zelluloid auf, der mit den Haltekugeln den Schlagbolzen arretiert hält. Die Detonation erfolgt durch diese Technik mit einer Verzögerung von zwei bis 144 Stunden. 


Die Luftbildauswertung spielt bei der Kampfmittelbeseitigung eine herausragende Rolle, so das Innenministerium NRW. Die Alliierten hatten im Zweiten Weltkrieg zur Vorbereitung und Kontrolle ihrer Luftangriffe Aufklärungsfotos der betroffenen Regionen aufgenommen. Diese Aufnahmen lassen erkennen, wo schwerpunktmäßig Kampfmittel abgeworfen wurden. Etwa 330.000 dieser Bilder, die nach dem Zweiten Weltkrieg in britischen und amerikanischen Archiven aufbewahrt wurden, stehen heute der Kampfmittelbeseitigung zur Verfügung.



Hä?! (Mundartlich für: Was soll das denn, bitte?)

rd | 05. Juni 2019, 13:31 | 12 Kommentare
Verwirrung der Spitzenklasse: Schizoide Beschilderung an der neuen Europaradbahn

Radfahrer, die es gewohnt sind, Vekehrsregeln einzuhalten (ja, die soll es dem Vernehmen nach geben), dürften auf der neuen Europaradbahn den vollständigen Zusammenbruch ihres stvobasierten Wertesystems erleiden. An nahezu jeder Kreuzung der Strecke, die am Freitag von den beiden Bürgermeistern Sonja Northing und Günter Steins eingeweiht wird, erblicken sie in Richtung Kleve rechts des Weges das Verkehrszeichen mit der Nr. 301 (Vorfahrt). Dieses Schild zeigt an, dass an der kommenden Kreuzung / Einmündung einmalig Vorfahrt besteht. Links des Weges ragt hingegen das Zeichen Nr. 206 – Halt! Vorfahrt gewähren! auf! Und nun? Anhalten? Weiterfahren? Anhalten und Weiterfahren? Es wird den Radler, der sich regelkonform verhalten möchte, in seiner moralischen Mitte zerreißen. Und erst in der Psychiatrie dürfte ihm die Erleuchtung kommen, dass das Stop-Schild womöglich für die Draisine gemeint ist, was – wenn es denn so ist – die Sache auch nicht viel besser macht. Wieso müssen die halten und die Radler nicht? 

Lobende Erwähnung hingegen für das Zusatzzeichen unter dem blauen Radweg-Schild (Nr. 237, Sonderweg für Fahrradfahrer, darf nur von Radfahrern benutzt werden, Radweg-Pflicht): „keine Mofas“. 

Sehr gelungen auch dieser Schilderwald (Foto: M. Cox)

Sturmböen verwüsten Tiergartenstraße

rd | 05. Juni 2019, 02:21 | 3 Kommentare
Tiergartenstraße in Höhe der Esso-Tankstelle: Abgerissene Äste, soweit das Auge reicht (Foto: FW)

(Aktualisiert, Überschrift geändert (siehe Kommentar)) Was war das denn? Ein Unwetter, das gerade einmal ein paar Minuten dauerte (wenn überhaupt), verwüstete gestern Abend gegen 22:30 Uhr die Klever Unterstadt. Spitzenböen erreichten Windgeschwindigkeiten von 92 km/h, das entspricht Windstärke 10 (Sturm). Insbesondere die prächtige Tiergartenstraße sah nach dem Durchzug des Unwetters aus wie ein Trümmerfeld. Zahlreiche von den Alleebäumen beiderseits des Straßenzuges abgerissene Äste und sogar ganze umgestürzte Bäume blockierten die Fahrbahn. Die Sperrung der Straße dauerte noch bis weit nach Mitternacht an.

Wetterbauer Hubert Reyers hatte es auf seiner Seite wetter-niederrhein.de exakt vorhergesagt: „Im Laufe des späteren Abends so ab 23 Uhr ziehen von Süd nach Nord einige Schauer und Gewitter auf. Diese treffen aber nicht jeden Ort am Niederrhein, dafür kriegen andere Orte richtig was ab.“ 

„Richtig was ab“ bekam im Stadtgebiet in erster Linie die Tiergartenstraße. Doch auch auf der Merowingerstraße und der Nassauerallee sollen Bäume umgestürzt sein, das Martinshorn der Rettungskräfte war am späten Abend im ganzen Stadtgebiet zu hören. In den sozialen Netzwerken war angesichts der Urgewalt des Unwetters sogar von einem „Mini-Tornado“ die Rede. Ob auch Personen verletzt wurden, war am Abend noch nicht bekannt.

Heute morgen meldeten Polizei und Feuerwehr insgesamt mehr als hundert Einsätze. In Pfalzdorf fuhr ein Mopedfahrer gegen einen umgestürzten Baum und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Wetterbauer Hubert Reyers warnte vor erneuten Gewittern in der kommenden Nacht: „In der kommenden Nacht müssen wir erneut mit teils heftigen Gewittern rechnen. Dabei sind Starkregen, Hagel und erneut Sturmböen möglich, dann sind diese Wetterereignisse recht verbreitet und nicht nur punktuell dabei. Bitte alle Gegenstände sichern!“

Wieder einer weniger: Horizontalbaum am Ehrenmal (Foto: B. Pauls)