Krankenhaus: Neuer Leiter der Zentralen Notaufaufnahme

rd | 10. Januar 2021, 14:11 | 1 Kommentar
Dass er an einer Schnittstelle sitzt, dürfte sicher sein – im Interesse der Patienten ist zu hoffen, dass die Schnitte selbst nicht zu groß ausfallen (Foto: KKLE)

Entweder, Sie folgen der roten Linie auf dem Fußboden, oder ein Einsatzfahrzeug bringt sie zu ihm: Roland Jelinski.

Der 54 Jahre alte Mediziner ist seit dem 1. Januar neuer ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme im St.-Antonius-Hospital Kleve. Jelinski, Facharzt für Anästhesie (Zusatzbezeichnungen: Notfallmedizin, Intensivmedizin) ist seit 2008 für den Klinikverbund und seit 2018 im St.-Antonius-Hospital Kleve tätig. „Als ärztlicher Leiter kümmert sich der erfahrene Mediziner in der ZNA um das Management der wichtigsten Schnittstelle in der klinischen Notfallversorgung, um möglichst reibungslose Behandlungsabläufe“, so das Krankenhaus in einer Pressemitteilung. „Das kollegiale Miteinander der beteiligten Fachabteilungen im St.-Antonius-Hospital Kleve betreut er bereits als organisatorischer ärztlicher Leiter der Intermediate Care (IMC), diese Aufgabe nimmt er weiterhin wahr.“ Ebenfalls zum ärztlichen Team der ZNA im St.-Antonius-Hospital gehört Kristina Schwering, die der ZNA als Funktionsoberärztin fest zugeordnet ist.



kleveblog-Filmkritik: Was sagt uns Klevern der neue Imagefilm der Stadt?

rd | 08. Januar 2021, 15:40 | 61 Kommentare

Eine der vielen Seuchen des Internets ist das Genre des Imagefilms. Lächelnde Menschen, die zu Schwurbelmusik irgendwas machen, ab und zu ein paar Drohnenaufnahmen, dazu ein Sprecher, der sich in abgegriffenen Phrasen behaglich eingerichtet hat. Insofern durfte man gespannt sein, als die Stadt Kleve heute vermeldete, dass nun auch sie – endlich, ihrer Meinung nach – das Internet mit einem solchen Streifen bestücken kann.

Grundsätzlich sei vorab die Frage gestattet, ob der Zeitpunkt der Veröffentlichung so gut gewählt ist, denn der Film zeigt logischerweise Menschenansammlungen, Kunden in Geschäften, Gäste in Restaurants, Besucher von Konzerten und und und. Alles Dinge, die offenbar noch vor Corona gedreht worden sind. Man merkt den Szenen die Unbeschwertheit der Vorseuchenzeit gut an, weshalb sie zumindest in den kommenden Monaten vor allem ein Stirnrunzeln auslösen dürften. Vermutlich wollten die Verantwortlichen nicht das ganze Geld in die Mülltonne werfen, und so entschied man sich, den Streifen einfach rauszuhauen. Vielleicht wollten sie auch einfach in diesen trüben Tagen ein wenig Optimismus verbreiten, man weiß es nicht.

Entstanden sind jedenfalls ein fünfminütiger Hauptfilm sowie sechs sogenannte Themenfilme von jeweils rund anderthalb Minuten Länge. Die Themenfilme recyceln einiges an Material aus dem Hauptfilm und bringen es in einen neuen Zusammenhang, beispielsweise „Bauen und Wohnen“, einem Film, in dem dann allerdings bemerkenswerterweise nichts zu den beiden Themen gesagt wird.

kleveblog hat sich den Hauptfilm näher angeschaut – und gibt hier eine bebilderte Einführung in das erstaunliche Werk:

Eine junge Frau auf dem Weg zur Arbeit. Sie steigt zu Beginn der Fußgängerzone vom Rad – obwohl sie doch bis 11 Uhr noch fahren dürfte.

Der Film beginnt mit einer jungen Frau, die das Haus verlässt und sich des Lebens in Kleve erfreut: „Ich liebe den Moment, wenn ich morgens aus dem Haus gehe. Der Blick auf die Schwanenburg und das Vogelgezwitscher machen mir immer gute Laune.“ Dazu blickt sie in einem Winkel von ca. 45 Grad nach links oben, bevor sie aufs Rad steigt und zur Arbeit fährt. Am Ende der Stechbahn steigt sie ab und läuft durch die Fußgängerzone zu ihrem Arbeitsplatz im Hotel Rilano. Vor dem Eingang stellt sie ihr Fahrrad ab, steckt sich ihr Namensschild an und empfängt an der Rezeption Gäste.

Typischer Ort, an dem Mitarbeiter des Hotels Rilano ihr Fahrrad unverschlossen abstellen?

Die ganze Szene ist von vorne bis hinten Quatsch. Wenn die junge Frau über die Stechbahn zur Arbeit fährt, wohnt sie vermutlich irgendwo im Bereich der Oberstadt. Um nach links oben zur Schwanenburg zu blicken, insbesondere in der gezeigten Perspektive, müsste man (beispielsweise) in den Galleien wohnen, was die Nutzung der Stechbahn zu einem Akt des Wahnsinns machen würde.

Unterstellen wir also Oberstadt. Da sie ihrer eigenen Aussage zufolge „morgens“ zur Arbeit fährt, müsste sie gar nicht absteigen, Radfahrer dürfen bis 11 Uhr die Fußgängerzone nutzen. Oder sie nähme die Heldstraße, das wäre jedenfalls die bessere Alternative.

Zu allem Überfluss haben die Filmemacher auch noch ein Streckenstück des Europa-Radwegs eingeschnitten, was nun überhaupt keinen Sinn ergibt. Am Ende der Fahrt stellt sie das Rad vor dem Eingang des Hotels ab, was ein absolutes Novum ist, weil dort nie Räder stehen. Das weiß auch das Filmteam, denn das Fahrrad wird gar nicht abgeschlossen.

Ab Sekunde 43 beginnt die Arbeit der jungen Frau. Sie empfängt Hotelgäste. Niemand verlangt an dieser Stelle echte Gäste, aber als halbwegs wissender Klever fällt man natürlich vor Lachen erst einmal vom Stuhl, wenn man die Gäste als Familie Budde aus Kleve erkennt – Vater André war mal Karnevalsprinz. Dass er mit Frau und Kind im Hotel eincheckt, verwundert etwas, aber das kann der auswärtige Betrachter natürlich nicht wissen.

Familie Budde checkt ein in einem Hotel in der eigenen Stadt

In der folgenden dreiviertel Minute nutzt Familie Budde das Freizeitangebot der Draisine, und der Betrachter kann sich mit ihr über die Schönheit der Klever Landschaft freuen. In Minute 1:26 fährt das Trio nach rechts aus dem Bild, und wir sehen es nie wieder.

Nach 30 Sekunden fährt Familie Budde aus dem Bild

Dafür jetzt: das Museum (mit Professor Harald Kunde). Die Tierskulpturen von Mataré bilden den Übergang zum Tiergarten. Nach 3 Minuten kommt dann der Radtourismus ins Spiel, bevor kurze Zeit später Professor Megill von der Hochschule Rhein-Waal (echt im Kittel) ein U-Boot-Modell in einem Bassin zu Wasser lassen darf.

Training im Stadion?

Der Rest des Films geht dafür drauf, dass mitgeteilt wird, dass es in Kleve verschiedene Schulen gibt und außerdem wird Fußball gespielt: „Teamgeist wird in Kleves Vereinswelt großgeschrieben.“ Ach. Trainiert wird im Stadion, vermutlich eher unüblich. Ein Fehlschuss wird per Drohne zur Schwanenburg und in den Königsgarten verlängert und landet dort bei sechs jungen Menschen und einem Tablet am Tisch. Die Stimme aus dem Off: „Wer die vielfältigen Angebote der Stadt kennenlernen oder gemeinsam mit Familie oder Freunden etwas unternehmen möchte, kann sich mit dem Online-Veranstaltungskalender einen Überblick verschaffen.“

Junge Menschen im Königsgarten informieren sich auf einem Tablet über die vielfältigen Freizeitmöglichkeiten der Stadt. Der junge Mann rechts macht Schleichwerbung für einen privaten Treffpunkt, von dessen Besuch er auch schon zu träumen scheint.

Das macht dann eine junge Frau auf einem Samsung-Tablet, auf dem dann zu der rätselhaften Schlusseinstellung übergeblendet wird. Von einer Drohne aus gefilmt bilden Menschen auf einer Wiese den Schriftzug Kleve, dazu heißt es: „Kleve ist einfach immer lebenswert.“ Rund 50 Menschen aber beteiligen sich nicht an der Bildung des Schriftzugs, sondern wenden sich von diesen Menschen ab – was soll uns das sagen?

Kleve – der Imagefilm: FSK 0, frei auf YouTube verfügbar. Auf IMDB noch nicht bewertet

Kleve – nicht alle gehören dazu. Das kennt man.



Impfen: Der aktuelle Stand

rd | 08. Januar 2021, 13:42 | 51 Kommentare
Noch so ein Impfsymbolfoto. Habt ihr euch als Kinder auch immer so gefreut, wenn es der Apotheker einem nicht nur das „Medi-&-Zini“-Poster in die Hand drückte, sondern auch noch eine Spritze?

Seit dem 27. Dezember wird im Kreis Kleve geimpft, das sind – den heutigen Tag eingerechnet – 13 Tage. Wie ist der aktuelle Stand?

Laut Kassenärztlicher Vereinigung Nordrhein (KVNo) konnten bis gestern 772 Dosen in sechs Einrichtungen verabreicht werden. Bis Sonntag kommt eine weitere Einrichtung hinzu (dann sollten es 910 Dosen sein). Montag kommen weitere Häuser in Goch und Kalkar hinzu mit weiteren 170 Impfungen.

Das heißt, am Montag ist der Stand voraussichtlich bei 1080 von 7600 (potenziellen) Impfkandidaten (alle Bewohner und Mitarbeiter der Pflegeheime). Das ergibt eine Quote von 14 Prozent, wenn sich alle impfen lassen. Nimmt man das bereits beschriebene Verhältnis von zwei Dritteln zu einem Drittel (was rechnerisch bedeutet, dass nur jede zweite Pflegeheim-Mitarbeiter von der Möglichkeit sich impfen zu lassen Gebrauch macht) als Grundlage, beträgt die Quote schon 19 Prozent.

Kleiner Zusatzservice: Der von mir sehr geschätzte Georg Streiter, lange Regierungssprecher und seit kurzem unter die Blogger gegangen, hat in seinem Blog Wiedervorlage sehr schön die wankelmütige Corona-Berichterstattung in der Bild-Zeitung beschrieben – sehr lesenswert. Hier der Link: Corona bei „Bild“: Egal was, Hauptsache es knallt.


Ipsen wird halbiert, Abbau von 138 Stellen beschlossen

rd | 07. Januar 2021, 15:22 | 4 Kommentare
Firmensitz von Ipsen an der Flutstraße

Ein sozial abgefederter Kahlschlag – Sozialplan, Transfergesellschaft, Förderprogramme, Unterstützung bei Frühverrentung –, so fängt das neue Jahr für die Mitarbeiter eines der größten Klever Industrieunternehmen an. Bei Ipsen, dem renommierten Hersteller von Industrieöfen, müssen 138 Mitarbeiter gehen. Das kommt einer Halbierung des Unternehmens gleich, denn am Standort Kleve, künftig „Exzellenzzentrum für Atmosphärentechnik“, werden nur noch 154 Stellen verbleiben.

Über die Einschnitte konnte zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat Einvernehmen erzielt werden. „Wir sind froh, dass wir mit dem nun beschlossenen Paket einen Weg gefunden haben, die beschlossene Strategieänderung sozialverträglich abzufedern“, so Paul van Doesburg, Geschäftsführer von Ipsen Deutschland in einer soeben versandten Pressemitteilung. Und weiter: „Wir werden jetzt mit Hochdruck an die Umsetzung der neuen Strategie gehen und damit dem Standort langfristig eine Alternative geben.“

Das Exzellenzzentrum soll sich der Innovation widmen, und wie immer, wenn das Wort fällt, wird dann auch schnell die (aus Ipsen-Sicht benachbarte) Hochschule Rhein-Waal ins Feld geführt. In der Pressemitteilung heißt es: „Um die Entwicklung von Innovationen zu erleichtern[,] gibt es bereits Spräche mit der Stadt zur möglichen Einrichtung eines Innovationsclusters mit der Hochschule Rhein-Waal bzw. dem Zentrum für Forschung, Innovation und Transfer (ZFIT).“ Das ist natürlich, man muss es nicht extra betonen, Geschwurbel in Reinkultur.

Mitarbeiter von Ipsen sind jedenfalls sehr enttäuscht über die Entwicklung: Die Vakuumlinie die spannendere und zukunftsträchtigere Technologie. Die „Atmosphärentechnologie“ bzw. „Atmosphärentechnik“ (in der Pressemitteilung tauchen beide Formulierungen auf) gilt als Trostpflaster. Atmosphärenöfen werden für konventionelle Verfahren der Wärmebehandlung eingesetzt (z. B. Härten). Ihre Technik zeichnet sich durch einfaches Design und vergleichsweise geringe Kosten aus. Mit Vakuumöfen sind neben konventionellen auch anspruchsvolle Wärmebehandlungen durchführbar. Die Umwandlung des Gefüges unter Vakuum und das Abschrecken mit Kühlgas führen zu einer optimalen Härte und einer blanken Oberfläche der Werkstücke.

Der Betriebsrat kann seinen Unmut über die Entscheidung auch nicht verhehlen. In der Pressemitteilung heißt es: „Der Betriebsrat ist nach wie vor der Meinung, dass der Unternehmerentscheid[,] die zukunftsträchtige Vakuumlinie zu verkaufen[,] nicht richtig ist. Es ist immer besser, ein zweites Standbein zu haben, wie sich in der Vergangenheit schon häufig gezeigt hat.“ Ein Alternativkonzept des Betriebsrates habe jedoch keine Beachtung gefunden. „Dagegen sind wir machtlos“, so das Gremium. Den Sozialplan indes hält Betriebsratschef Werner Schulte für gelungen.


So läuft das mit dem Impfen: Bisher 706 Personen geimpft, zwei Drittel Bewohner, ein Drittel Personal

rd | 06. Januar 2021, 14:03 | 32 Kommentare
Wenn es sich nicht um ein Symbolfoto handelte, das ganz unten in einem digitalen Karton lag, böte sich folgende Bildunterschrift an: Erwartungsvoll blickt diese junge Mitarbeiterin eines Pflegeheims der Impfung entgegen

Nichts erregt die Gemüter in den Kommentaren mehr als die Frage, wie gut oder schlecht das Impfprogramm organisiert ist. Um mitreden zu können, ist es natürlich hilfreich, die Fakten zu kennen. Hier sind sie:

3800 Bewohner in Pflegeheimen und genauso viele Mitarbeiter in insgesamt 74 Einrichtungen hatte der Kreis Kleve für die erste Phase des Impfprogramms gemeldet. Macht in Summe 7600 Menschen, die in ihrer jeweiligen Einrichtung Besuch von einem mobilen Impfteam erhalten (und nach derzeitigem Stand 14 Tage darauf noch einmal, weil ja zwei Injektionen erforderlich sind).

Das Programm lief am 27. Dezember an, und bisher wurden 706 Menschen in fünf Einrichtungen des Kreises Kleve geimpft (Stand 5. Januar). Das heißt: Innerhalb von zehn Tagen (alle Tage seit dem 27. Dezember eingerechnet) gab es fünf Impfeinsätze im Kreisgebiet. Klingt nach nicht viel, aber natürlich kann nur soviel verimpft werden, wie überhaupt verfügbar ist.

Wer lässt sich impfen? Klar ist: Die Impfung ist freiwillig, und bei Personen, die unter Betreuung stehen, ist die Einwilligung des Betreuers erforderlich. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNo), die die Impfungen durchführt, kann jedoch nicht sagen, wie hoch die Quote der geimpften Personen ist. Ihr wird lediglich von den Einrichtungen der Bedarf gemeldet. Der einzige Anhaltspunkt, der geeignet ist, eine halbwegs zuverlässige Aussage zu treffen, ist die von der KVNo gemeldete Quote, dass die Impfungen sich zu zwei Dritteln auf die Bewohner und zu einem Drittel auf das Personal verteilen. Theoretisch müsste das Verhältnis halbe-halbe sein, da in den Einrichtungen ebenso viele Senioren wie Mitarbeiter gemeldet sind.

Zu hören ist zudem von Ärzten, dass die Vorbereitungen in den Heimen mitunter suboptimal abgelaufen sind. Beispielsweise fehlten Genehmigungen für die Personen, die unter Betreuung stehen. Dabei war eigentlich genügend Zeit, die Einwilligung vorab einzuholen. Fehlt diese, dürfen Ärzte nicht impfen.

Grundsätzlich ist folgender Ablauf vorgesehen: Die Heime melden sich zunächst „impfbereit“, was bedeutet, dass bestimmte logistische Voraussetzungen erfüllt sind. Zugleich wird der Bedarf an Impfdosen übermittelt. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein bestellt diese dann beim Gesundheitsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen und organisiert die Impfung mit Team X am Impftag Y. Dieser Tag wiederum wird dem Gesundheitsministerium mitgeteilt, welches dann über ein Logistikunternehmen passgenau an diesem Tag den Impfstoff in das Heim liefern lässt.

Derzeit werden Termine rund eine Woche im Voraus geplant. Die nächste größere Impfstofflieferung für NRW ist für den 8. Januar angekündigt, also bereits in zwei Tagen. Die Impfungen in den Heimen sollen laut Medienberichten Mitte Februar abgeschlossen sein. Das Impfzentrum des Kreises Kleve im Wunderland soll nach derzeitigen Planungen Anfang Februar seinen Betrieb aufnehmen, über den Start der Terminvergabe wird noch informiert.