Feierabend in Kleve: Zum fröhlichen Stillstand

rd | 08. Oktober 2020, 18:41 | 24 Kommentare
Nichts fährt mehr (Foto: Rauno Vollrath)

Autofahrer brauchten am frühen Abend in Kleve starke Nerven: Das Zusammentreffen von Regen und Rushhour, verbunden mit ein paar Panem und Unfällen, sorgte dafür, dass auf den großen Straßen um die und in der Stadt nichts mehr, aber auch gar nichts mehr ging. Auf der Nassauerallee Richtung Stadt ging es in Meteretappen voran, für das Teilstück zwischen den zwei Ampeln brauchte man eine halbe Stunde. Staus gab es auch auf der Gruft- und Heldstraße.



Corona breitet sich aus, Zauberfarben-Fall legt auch Jugendamt lahm, Weihnachtsmarkt fällt aus

rd | 08. Oktober 2020, 15:57 | 14 Kommentare
Mittlerweile befinden wir uns schon in Höhe der rechten Spitze

Die zweite Welle wächst, in ganz Deutschland und auch im Kreis Kleve. Soeben meldete die Kreisverwaltung die Zahl von 1206 erkannten Infektionen mit dem Coronavirus, 19 mehr als gestern und 76 mehr als vor sieben Tagen. Damit ist die Verbreitung wieder so hoch wie Anfang August, doch damals konnte das Geschehen auf die Teilnehmer einer Hochzeitsfeier im Südkreis eingegrenzt werden. Diesmal steigen die Zahlen im ganzen Kreisgebiet.

Den dritten Tag in Folge liegt auch die Zahl der Menschen in Quarantäne im Tausenderbereich. Darunter sind, wie kleveblog erfuhr, auch knapp zwei Dutzend Mitarbeiter des Klever Jugendamtes. Das Amt ist somit lahmgelegt, Belange des Kinderschutzes allerdings können weiterhin erfüllt werden, wie Stadt-Sprecher Jörg Boltersdorf mitteilt.

Die Quarantäne der Beamten lässt sich auf den Indexfall in der Kindertagesstätte Zauberfarben zurückführen. „Eine positiv auf das Corona Virus getestete Personen war im Rahmen verschiedener dienstlicher Anlässe auch mit Mitarbeitern des Jugendamtes sowie weiteren Bereichen der Verwaltung Kontakt“, so Boltersdorf. Diese Personen gelten als Kontakte der Kategorie I, für die eine verbindliche Quarantäne vorgeschrieben ist.

Zu den verschiedenen Kontaktsituationen zählte auch eine Verabschiedung anlässlich des letzten Arbeitstages einer Mitarbeiterin. Boltersdorf: „Trotz erfolgter Hygienemaßnahmen, wie zum Beispiel der Belüftung der Räumlichkeiten, ist nach Einschätzung des Kreisgesundheitsamtes davon auszugehen, dass die aufgrund der Anwesenheit der sogenannten Quellperson über einen längeren Zeitraum ausgestoßenen Aerosole von Besuchern eingeatmet werden konnten.“ Eine Absonderung aller Besucher sei mit dem Gesundheitsamt des Kreises besprochen und angeordnet worden. Der Dienstbetrieb des Fachbereichs Jugend und Familie erfolge in den nächsten Tagen nur eingeschränkt.

Wie die NRZ soeben meldete, fällt der Klever Weihnachtsmarkt in diesem Jahr wegen der Corona-Auflagen aus. Der Vorstand des Klever Weihnachtsmarkt e.V, entschied in enger Abstimmung mit den zuständigen Fachbereichen der Stadt Kleve, den Weihnachtsmarkt in diesem Jahr nicht durchzuführen. „Die Entscheidung ist uns allen nicht leicht gefallen. Aber die aktuellen Auflagen zur möglichen Durchführung des Marktes sind leider für uns als Verein so nicht realisierbar“, so der erste Vorsitzende des Vereins Tim Tripp. Derzeit prüft der Vereine alternative Möglichkeiten, um dennoch für eine zusätzliche weihnachtliche Atmosphäre in der Innenstadt zu sorgen. Der neue Vorstand des Vereins um Tim Tripp als ersten Vorsitzenden freut sich bereits jetzt darauf, 2021 an den gelungenen Umzug in die Klever Innenstadt im vergangen Jahr anzuknüpfen.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve

Weitere Ergänzung: Das Corona-Info-Board der Stadt Goch führt auf, wie sich die jeweiligen Zuwächse sich auf die 16 Kommunen des Kreises verteilen. Hier der Link: Corona-Info-Board.



Franz Joseph van der Grinten, 1933-2020

rd | 07. Oktober 2020, 19:27 | 4 Kommentare
Ein wacher Geist: Franz Joseph van der Grinten (Foto: Institut für bildnerisches Denken)

Die rheinische Kulturszene und Kunstwelt trauert um Franz Joseph van der Grinten, den Sohn eines Landwirts aus Kranenburg, der in jungen Jahren mit seinem älteren Bruder Hans (gestorben 2002) die Kunst für sich entdeckte, der entscheidenden Anteil am Aufstieg von Joseph Beuys hatte und dessen fast schon manisch zu nennender Sammeldrang, den er mit seinem Bruder teilte, zur Anschaffung von mehreren tausend Kunstwerken führte (allein 5000 Arbeiten von Beuys), die heute den Kernbestand des Museums Schloss Moyland bilden. Franz Joseph von der Grinten verstarb heute Morgen im Alter von 87 Jahren.

Kindheit und Jugend verbrachten die Brüder van der Grinten auf dem Bauernhof der Eltern. Von 1943 bis 1954 (mit einer Unterbrechung in der Kriegszeit) besuchte Franz Joseph von der Grinten das Staatliche Gymnasium in Kleve (heute: Freiherr-vom-Stein-Gymnasium). Im Haus des Englischlehrers Dr. Heinrich Schönzeler lernten die beiden Brüder Joseph Beuys kennen, der sich dort gemeinsam mit Schönzelers Sohn Ernst auf die Aufnahmeprüfung für die Düsseldorfer Kunstakademie vorbereitete. Daraus entstand eine Freundschaft, die ein Leben lang hielt.

Und sie erweckte die Leidenschaft für die Kunst. Unter anderem begannen die Brüder, Werke von Beuys aufzukaufen. Als Beuys an seinen eigenen Qualitäten zweifelte und drauf und dran war, sein künstlerisches Schaffen zu beenden, arbeitete er auf dem Hof der van der Grintens in Kranenburg und fasste wieder Lebensmut. Auf dem Hof der van der Grintens fanden auch die ersten Kunstaustellungen statt.

Franz Joseph van der Grinten studierte zunächst Jura und Germanistik in Köln und München, danach noch Philosophie, Psychologie, Anglistik, Romanistik und Kunstwissenschaft in Bonn, und entsprechend weit gefächert waren auch seine Interessen. 1965 heiratete er Ingeborg Weber, mit der er drei Kinder hat, die Künstler Gerhard und Franz Rudolf van der Grinten sowie die Modistin Daphne van der Grinten.

Von 1971 bis 1993 war van der Grinten als Kunsterzieher am Collegium Augustinianum in Gaesdonck tätig. Zu seinen Schülern gehörte auch der Schriftsteller Christoph Peters („Dorfroman“), der am Abend auf Facebook die Todesnachricht veröffentlichte: „Heute Morgen ist mein liebster und wichtigster Lehrer und seit Schultagen väterlicher Freund, der Künstler, Dichter, Gelehrte und Sammler, Franz Joseph van der Grinten im Alter von 87 Jahren gestorben. Ein in jeder Hinsicht wunderbarer und herausragender Mensch, dem ich unendlich viel verdanke.“

Er sammelte Kunst, aber er war auch selbst als Künstler tätig. Sein Sohn Gerhard schrieb anlässlich einer Ausstellung über seinen Vater: „Das Werk von Franz Joseph van der Grinten hat sich stets die Extravaganz des Privaten bewahrt, war sich genüge, ganz unbekümmert um die allgemeine Jagd nach dem Getöse, lautstarkem Beifall, Aktualität, was immer das auch sein mag.“

Später wandte sich der Kunsthistoriker auch der Lyrik zu, im Alter von 80 Jahren veröffentlichte er 2013 seinen ersten Gedichtband. Sein Schüler Klaus Johann sagte anlässlich des Erscheinens: „Wenn ein Dichter mit achtzig Jahren sein début feiert, so ist das ungewöhnlich. Wer freilich
Franz Joseph van der Grinten kennt, der wird es eher ungewöhnlich finden, dass er erst jetzt, als Oktogenarius, seinen ersten Band mit Gedichten vorlegt. Denn in der Tat ist Franz Joseph van der Grinten einer der belesensten Menschen, die man sich vorstellen kann. Wer ihn einmal besucht hat, früher am Grote Laarweg, direkt an seiner alten Wirkungsstätte in Gaesdonck gelegen, oder seit nunmehr auch schon rund
zwanzig Jahren in Erfgen, beinahe in Rufweite zum Schloß Moyland, das seine und seines Bruders Hans van der Grinten Kunstsammlung beherbergt und bewahrt, wer mithin Franz Joseph van der Grinten einmal besucht hat, der wird sich an ihn und seine Familie, die Gastfreundlichkeit und die über alle Zimmer verteilten Kunstwerke erinnern. Aber es werden sich ihm auch unauslöschlich die Legionen von Büchern eingeprägt haben, die
dort in unzähligen Regalen eingeordnet oder in ebenso zahllosen Stapeln auf Boden und Möbeln im ganzen Haus und in fast allen Räumen als Zeugnis unstillbaren Bildungsdranges und Wissensdurstes zu finden waren – jeder Buchrücken im Hause van der Grinten eine unausgesprochene Frage an die eigenen Kenntnisse und eine freundliche Anregung, sie zu erweitern, in eins.“

Ab 1993 bis zum Jahre 2003 war van der Grinten – bis zu dessen Tod gemeinsam mit seinem Bruder Hans – Direktor des Josef-Beuys-Archivs und des Museums Schloss Moyland. Franz Joseph van der Grinten wurde am 23. November 1992 mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Franz Joseph van der Grinten lebte und arbeitete in Bedburg-Hau.


Edeka Schroff: Bilder vom Weltuntergang (heiter beschwingt)

rd | 07. Oktober 2020, 17:26 | 29 Kommentare
Hinterglaspräsentation der kälteheischenden Warenwelt, künstlich abgewrackter Notausgang
Lampen in Form von Steaks illuminieren den TK-Bereich
Aufzuessen in Ruinen: Sitzecke für den Sofortverzehr
Doppel-D, Feinripp: „Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat“
Ein bereits angeknabberter Zylinder aus Pfundpaketen der Kaffeevarietät Jacobs Krönung
Stillleben am Haupteingang: E-Scooter vor Blumenbeet

Der in der vergangenen Woche neu eröffnete Edeka-Supermarkt Schroff an der Hoffmannallee lockte in den ersten Tagen vermutlich mehr Besucher an als das Museum Kurhaus in einem ganzen Jahr (was nicht gegen das Museum sprechen soll), und so widmen wir uns der neu zusammengestellten Präsentation der zeitgenössischen verderblichen, gekühlten, tiefgekühlten und konservierten Warenwelt mit dem Blick des weltgewandten Feuilletonisten, der schon viele netto-Märkte gesehen und ihre Art der Kommunikation zu deuten versucht hat (siehe hier: kleveblog-Supermarktkritik).

Vorweg gestellt sei noch der Hinweis, dass dem Rezensenten wie anderen Erstkunden auch zur Begrüßung eine wiederverwendbare Einkaufstasche überreicht wurde, in der sich eine Flasche MMchen extra trocken befand, dessen beschwingender Inhalt die Entstehung dieses kleinen Werks beeinflusste.

„Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat“

Grundsätzlich ist anzumerken, dass der neue, mit Millionenaufwand restaurierte Supermarkt so viele Waren enthält, dass, wenn man sich abends einschließen ließe und dann rings um einen die Welt unterginge, man noch mehrere 1000 Jahre gut versorgt überleben könnte, auch Wäschewechsel wäre eine Zeitlang kein Problem, es gibt Feinripp-Unterhemden und Büstenhalter in allen Größen. Über der entsprechenden Abteilung prangt der in fröhlichen Schreibschrift-Lettern gesetzte Spruch: „Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat“.

Dem Zeitgeist geschuldet (und natürlich grundsätzlich gut) ist eine Abteilung unter der Überschrift Unverpackt, in der in transparenten Silos allerlei Körner und sonstige Müslibestandteile darauf warten, vom Kunden in mitgebrachte Behältnisse abgefüllt zu werden. Der Rezensent, im Kampf gegen Lebensmittelmotten ein versierter und auch hartnäckiger Kontrahent, vermag sich zwar nicht vorzustellen, wie lange dies ohne einen Befall durchzuhalten ist, aber wir werden sehen.

Sollte die Unverpackt-Abteilung ein dezenter Hinweis darauf sein, dass viel zu viel überflüssige Verpackungen produziert werden, dient der ganze Rest des Supermarkts allerdings als bestes Anschauungsmaterial. Man könnte von einem Feigenblatt für die FFF-Generation sprechen, deren Angehörige allerdings wie alle anderen auch die Blaubeeren und das Sushi von reichlich Plastik umhüllt in den Einkaufswagen stellen.

„Essen ist ein Bedürfnis, Genießen eine Kunst“

Die Waren sind nett und adrett und übersichtlich gestapelt, und manchmal, wie im Falle des Turms aus Pfundpackungen des Kaffees Jacobs Krönung sogar neckisch. Die Installation erinnert an den Turmbau zu Babel, an dessen Ende bekanntlich die große Sprachverwirrung stand, deren Folgen sich bis an die Wände des Supermarkts in der Klever Oberstadt ziehen, wo allerlei Sinnsprüche wie der bereits genannte dem Konsum eine Art von Bedeutung einzuhauchen versuchen, die die konfektionierte Massenware aus sich heraus nicht mehr zu entwickeln imstande ist.

„Versuchungen sollte man nachgeben, wer weiß, ob sie wiederkommen“

Über dem Regal mit Süßigkeiten in Beuteln, in dem so viel Zucker versammelt ist, dass deren Konsum allen Zahnärzten der Stadt die Möglichkeit geben würde, ihren Fuhrpark zu erneuern, steht: „Essen ist ein Bedürfnis, Genießen eine Kunst“. Über dem Eisregal heißt es: „Versuchungen sollte man nachgeben, wer weiß, ob sie wiederkommen“.

Wer weiß, ob man nicht schon morgen mit Steroiden vollgepumpt wird und übermorgen am Beatmungsgerät hängt, lass uns also der größten Versuchung nachgeben, die unser Leben noch zu bieten hat: Mövenpick Vanille.

Überhaupt, Fatalismus scheint das zentrale Motiv der Neugestaltung zu sein. Deutschland, quo vadis? Obwohl neu, ist die vorherrschende Designsprache die der Ruine. Stellvertretend dafür sei die Sitzecke genannt, die Kunden die Möglichkeit gibt, direkt im Laden zu konsumieren. Es handelt sich um zwei Tische, um die eine Fake-Mauer im Trümmergrundstücks-Chic gezogen wurde. Wer darin sitzt und es genießt, der dürfte sich auch in der dystopischen Welt eines Blade-Runner-Films geborgen fühlen.

Die Wände des Supermarkts bieten dem Auge viel nackten Beton, ein Notausgang wurde künstlich in Richtung abgewrackt gestaltet, und über der Tiefkühltheke hängen Lampen in Form von Steaks mit großem Fettrand. Sie wirken wie eine Wahrnehmungsstörung zum Ende des Lebens hin: „Und dann hing alles voller Steaks…“

Es war eine große Investitionen, mit der die Eignerfamilie den Umbau in nur drei Wochen gestemmt hat. Vermutlich kommen die Designvorgaben aus der Edeka-Zentrale, und sie werden nun für das kommende Jahrzehnt, oder womöglich noch länger, das Einkaufserlebnis in der Klever Oberstadt prägen. Das Erlebnis ist aber eines, das uns sagt: So schick die Welt der Waren auch ist, lasst uns nicht vergessen, wie fragil alles geworden ist. Wir sind im Grunde von Trümmern umgeben. Die meisten sehen wir nicht. Der Weltuntergang kann kommen.

Danke, Edeka Schroff für diese ehrliche Inszenierung der Konsumwelt! Morgen werden wieder Lachgummis, Tuffi Vanillemilch und Nescafé Espresso gekauft.

Grenzorte des Verstehens: Schreibtisch der kleveblog-Redaktion im Augenblick der Dichtung

Was verdient der Klever Bürgermeister? Respekt und Anerkennung. Und wieviel?

rd | 07. Oktober 2020, 14:22 | 25 Kommentare
Wolfgang Gebing wird am 2. November der neue Chef im Klever Rathaus

Bürgermeister der Stadt Kleve zu sein, ist natürlich in erster Linie eine Frage der Ehre. Der Erste Bürger der Stadt ist auch zugleich ihr erster Diener, alle Sorgen und Nöte der Klever sind am Ende auch seine Sache, und das erfordert die ganze Frau, oder im Falle Kleves ab dem 2. November den ganzen Mann. Wolfgang Gebing, 54, CDU, wird an diesem Tag die Nachfolge von Sonja Northing antreten. Der Rechtsanwalt hat schon die ersten Interviews gegeben, die erkennen lassen, dass er voller Tatendrang steckt, Kleve zu einem noch besseren, schöneren und erfolgreicheren Gemeinwesen zu machen.

Sein Amt versieht er allerdings nicht nur ehrenamtlich, sondern hauptberuflich. Die sogenannte Eingruppierungsverordnung des Landes NRW sieht vor, dass Bürgermeister in Gemeinden mit mehr als 40.000 und bis zu 60.000 Einwohnern – wozu Kleve mit seinen gut 50.000 Einwohnern zählt – in die Besoldungsgruppe B6 eingestuft werden. Da kommt ganz schön etwas zusammen: Aus einer Übersicht, die der Bund der Steuerzahler in der aktuellen Ausgabe seiner Zeitschrift Der Steuerzahler veröffentlicht hat, geht hervor, dass den Bürgermeistern von Städten in dieser Größenordnung ein Grundgehalt von 9857,60 Euro zusteht. Hinzu kommt noch eine Aufwandsentschädigung, die mit 10 % des Grundgehalts berechnet wird, also nochmals 985,76 Euro.

Die neue Landrätin Silke Gorißen wird der Tabelle zufolge für ihren Dienst in einem Kreis mit mehr als 200.000 Einwohnern in die Besoldungsstufe B7 eingruppiert. Dies entspricht einem Grundgehalt von 10.363,83 Euro. Auch sie erhält zusätzlich eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 10 % des Grundgehalts.

Sonja Northing an dem Schreibtisch, den sie in wenigen Tagen räumen muss

Und wie steht es um die finanzielle Zukunft von Sonja Northing?

Laut Landesbeamtengesetz treten Bürgermeister erst nach einer mindestens achtjährigen Dienstzeit in den Ruhestand. Werden diese acht Jahre nicht erreicht, sind die Bürgermeister mit Ablauf ihrer Amtszeit ohne Anspruch auf Ruhegehalt entlassen. Das klingt erst einmal nicht gut, denn Sonja Northing ist bekanntlich nach Ablauf ihrer fünfjährigen Amtszeit nicht wiedergewählt worden.

Doch es gibt einen Ausweg: Wenn der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin vor der Amtszeit schon in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis gestanden und dadurch Fachkenntnisse erworben hat, die für die Wahrnehmung des Amtes förderlich sind, kann diese Zeit mit der Höchstgrenze von vier Jahren als ruhegehaltsfähig berücksichtigt werden. Sonja Northing hat ihre gesamte berufliche Laufbahn in der Klever Stadtverwaltung verbracht und dürfte somit von dieser Regelung profitieren können. Das Ruhegehalt beträgt rund 33,5 % der letzten Dienstbezüge und kann ab dem 45. Lebensjahr gewährt werden.