Hochschule Rhein-Waal: Der große Ausverkauf

rd | 30. Juli 2020, 15:13 | 5 Kommentare
Fahrräder, Sessel, Matratzen, Wohnungen: Alles muss raus!

Die Facebook-Seite des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses der Hochschule Rhein-Waal („Student Life at HSRW“) erinnert zur Zeit an eine virtuelle Version der „Palette“: Fahrräder, Sessel, Matratzen, Kleiderhaken, Obstschalen, Whiteboards – alles ist für kleines Geld oder sogar umsonst zu haben, alles muss raus!

Nach der Ankündigung der Hochschule, wegen der weiterhin vorhandenen Bedrohungslage durch die Corona-Pandemie die Lehre auch im bevorstehenden Wintersemester vor allem in digitaler Form abzuhalten, haben sich offenbar viele Studierende dazu entschlossen, ihre Zelte in der Kleinstadt am Niederrhein abzubrechen und die Ausbildung von zu Hause aus, wo immer auf dem Globus das sein mag, fortzusetzen. Was das für das Leben in Kleve bedeutet, lässt sich schwer abschätzen, aber die Vermutung liegt nahe, dass das fröhliche internationale Getümmel in der Innenstadt weitestgehend verschwinden wird.

Schon jetzt steht aber fest, dass der Markt in Kleve überschwemmt wird mit Inventar aus aufgelösten Studentenwohnungen, das nicht mit zurück in die (ferne) Heimat genommen wird oder genommen werden kann. Auch die Zahl der angebotenen Wohnungen oder WG-Zimmer ist spürbar in die Höhe geschnellt und führt (hoffentlich) zu einem Rückgang der Mietpreise, die in den vergangenen Jahren aufgrund des Zuzugs vieler Studenten insbesondere im Segment der kleineren Wohnungen ein absurd hohes Niveau erreicht hatten.



Corona: Zahl der Infizierten steigt

rd | 30. Juli 2020, 14:54 | keine Kommentare

Fünf der sechs neu mit dem Coronavirus infizierten Personen gehörten zu der Festgesellschaft aus Geldern, die in Wesel eine Familienfeier besucht hatte. In Kleve, wo es zuvor 34 Tage lang keine neue Infektion gegeben hatte, haben sich in den vergangenen zwei Tagen zwei Menschen neu infiziert. Die Zahl der in Quarantäne befindlichen Personen ist (wegen der Festgesellschaft aus Geldern) auf 264 Menschen hochgeschnellt; vor drei Tagen waren es noch 99.

Hier die aktualisierte Tabelle: Gesamtüberblick Corona Kreis Kleve



Tatort SB 58: Prüfer Nr. 85, bitte aussteigen! Sofort!

rd | 30. Juli 2020, 13:16 | 79 Kommentare
Kontrolleure sollten schon das eigene Tarifsystem kennen (Bild: Unbekannter Meister)

Von Zeit zu Zeit trifft man auf den einen Dösbaddel, der einem den Tag zu versauen imstande ist. Herr, lass es Hirn regnen, möchte man ausrufen, doch der Herr hört nicht.

Mein Dösbaddel hatte raspelkurzes Haar, eine Tätowierung am linken Unterarm und war versehen mit der Befugnis, Fahrausweise in den Linienbussen der NIAG zu kontrollieren, und leistete somit – vielleicht nicht ganz so, wie der scheidende Landrat das meint – seinen Beitrag zur Optimierung des öffentlichen Nahverkehrs. In der sogenannten Schnellbuslinie 58 möchte er, kurz nach Warbeyen, meinen Fahrausweis sehen.

Natürlich habe ich einen. Wie ich finde, habe ich sogar einen der besten – einen Ausweis, der einem dankenswerterweise in die Hand gedrückt wird, wenn man sich entscheidet, zu studieren (das Lebensalter spielt dabei keine Rolle): das Semesterticket der Universität Köln. Es ist in den Studentenausweis integriert und berechtigt einen, sämtliche Busse und Regionalbahnen in ganz NRW zu benutzen, sämtliche Fahrpreise sind mit der Zahlung des Semesterbeitrags abgegolten. Man kann damit in der Bahn bis nach Köln fahren, dann in der U-Bahn bis zur Uni, oder auch nach Siegen, oder man steigt in Düsseldorf in die Straßenbahn oder in Gladbeck in einen Linienbus. Der Ausweis gilt, wer ihn an das Lesegerät der NIAG-Busse hält, bekommt sogar einen Haken angezeigt, dass er akzeptiert worden ist. Das funktioniert seit mehr als einem Jahr bestens.

Und dann kommt der besagte Kontrolleur, schaut sich die Karte wie einen chinesischen Personalausweis an und erklärt im Brustton der Überzeugung: „Der gilt hier nicht.“ Was tun? Warum es nicht einmal mit dem guten, alten Mittel der Argumentation versuchen? „Doch, der gilt, das weiß ich und ich benutze den Ausweis nun schon seit Jahren ohne Probleme.“ – „Nein, der gilt nicht.“

Der Mann tippt auf das Kürzel VRS auf dem Ausweis, blättert in einem reichlich zerfledderten Handbuch, zeigt mir das Tarifgebiet des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg und sagt: „Da gilt der. Nicht hier.“ Man ahnt: Vor einem steht ein absoluter Ausbund an Ahnungslosigkeit, auf die Menschheit losgelassen, um Schaden anzurichten.

Also neuer Versuch, diesmal mit argumentativer Unterstützung aus dem Internet. Da kann man es nachlesen, da könnte auch er es nachlesen, und er bekommt es sogar vorgelesen: „Seit dem WS 2008/09 können alle Studierenden der Universität zu Köln in ganz Nordrhein-Westfalen alle Busse, U-, S- und Regionalbahnen frei nutzen.“ In. Ganz. Nordrhein. Westfalen. Seit mehr als einem Jahrzehnt! Allein, es hätte wohl auch in Großbuchstaben geschrieben sein können, die Botschaft erreicht den Mann nicht: „Der Ausweis gilt hier nicht.“ Er fordert meinen Personalausweis ein und stellt mir wortlos eine „Quittung/Zahlungsaufforderung“ über 60 Euro aus, ausgestellt von „Prüfer Nr. 85“. Ich verabschiedete ihn mit dem Rat, eine berufliche Fortbildung wahrzunehmen oder sich gleich einen ganz neuen Job zu suchen, wir wünschten uns einen schönen Tag und gingen getrennter Wege. Mann, Mann, Mann!

(Nachtrag: NIAG hat sich entschuldigt und den Prüfer aufgeklärt.)


160 Stellen werden gestrichen! Ofenbauer Ipsen „stellt sich neu auf“

rd | 29. Juli 2020, 13:42 | 8 Kommentare
Heat treating in eigener Sache: Ipsen

Ein Schock für die Klever Wirtschaft: „Ipsen stellt sich neu auf“ ist die Pressemitteilung des Ofenbauers überschrieben, und diese Neuaufstellung ist die Umschreibung dafür, dass 160 Stellen in Kleve gestrichen werden sollen. Die betroffenen Mitarbeiter sind in der Produktion in Deutschland beschäftigt.

In der heute veröffentlichten Pressemitteilung des Unternehmens heißt es, vor dem Hintergrund der Marktveränderungen sowie der Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie in den für Ipsen wesentlichen Branchen wie der Automobil- und Luftfahrtindustrie, habe der Experte für Industrieöfen Ipsen seine Strategie „angepasst“. Drei Produktionsstandorte werden geschlossen (Rumänien, China, Japan), statt dessen soll es zukünftig zwei sogenannte „Exzellenzzentren“ geben, eines für Atmosphärentechnologie in Kleve und eines für Vakuumöfen in Rockford (USA).

Die Beschränkung auf nur noch eine Produktlinie in Verbindung mit den Pandemiefolgen machen laut Management eine Umstrukturierung des Standortes in Kleve erforderlich, in deren Verlauf voraussichtlich 160 Stellen „möglichst sozialverträglich“ abgebaut werden. „Die Weiterentwicklung des Werks in Kleve in ein Exzellenzzentrum für Öfen der Atmosphärentechnik ist ein wichtiges Signal für die Bedeutung des Standortes Kleve innerhalb des Konzerns. Dass im Gegenzug die Vakuumöfen-Technologie an die amerikanische Tochtergesellschaft in den USA verkauft wird, ist – was den Stellenabbau bei uns angeht – schmerzlich. Dieser Schritt ist aber notwendig, um die verbleibenden Arbeitsplätze und den Standort in Kleve zu sichern und zukunftssicher aufzustellen,“ so Paul van Doesburg, Geschäftsführer von Ipsen Deutschland.

Ipsen ist Weltmarktführer für Wärmebehandlungsanlagen (Industrieöfen). Wie kaum eine andere Unternehmensgruppe hat das von Harold Ipsen gegründete Unternehmen die Entwicklung der Wärmebehandlung vorangetrieben. Ipsen verfügt über Produktionsstandorte in Europa, Amerika und Asien und Repräsentanzen in 34 Ländern. Zu den Kunden zählen insbesondere Unternehmen aus der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrtindustrie, Lohnhärtereien sowie dem Werkzeug- und Maschinenbau.

„Der Verlust von 160 Arbeitsplätzen ist eine bittere Nachricht insbesondere für die Arbeitnehmer und deren Familien bei Ipsen, aber auch für den Wirtschaftsstandort Kleve!“, so Daniel Rütter, FDP-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Kleve und Bürgermeisterkandidat. Die Coronakrise mit ihren wirtschaftlichen Folgeschäden werde nach Ansicht Rütters wohl auch noch weitere Hiobsbotschaften bescheren. „Wir müssen daher jetzt schnell aktiv gegensteuern, unsere Wirtschaftsförderung wesentlich verstärken, in Verbindung mit der Hochschule einen Gründungs- und Start-up-Cluster schaffen und auch für eine steuerliche Entlastung unserer Betriebe sorgen.“, so skizziert Rütter die Richtung in der sich die Politik in Kleve seiner Ansicht nach nun bewegen müsse.


Corona: Dann testen wir mal eben gut 100 Kontaktpersonen in Geldern

rd | 29. Juli 2020, 13:21 | keine Kommentare
Eine Feier, 100 Kontaktpersonen

Droht da die nächste Corona-Keule im Kreis Kleve? Soeben teilte die Kreisverwaltung mit, dass gut hundert (!) Personen, die in Geldern auf einer Feier mit einem Infizierten in Kontakt gekommen waren, auf das Virus getestet werden. Details zu der Feier würden aus Datenschutzgründen nicht mitgeteilt, so die Kreisverwaltung. Kreis-Sprecherin Ruth Keuken: „Zahlreiche Gelderner Bürgerinnen und Bürger werden am heutigen Mittwoch, 29. Juli 2020, durch das Gesundheitsamt des Kreises Kleve auf das Corona-Virus getestet. Sie alle hatten vor wenigen Tagen an einer großen privaten Festveranstaltung teilgenommen, die außerhalb des Kreises Kleve stattgefunden hat. Ein weiterer Gast hatte nun als Corona-Indexfall von seiner Teilnahme an diesem Fest berichtet. Seit Dienstagnachmittag ermittelt die Stadt Geldern in enger Zusammenarbeit mit dem Kreis Kleve mit Hochdruck die Kontaktpersonen des erkrankten Gastes. Bislang wurden über 100 Kontaktpersonen ermittelt. Zwei Teams des Gesundheitsamtes testen heute diese Personen, die bereits unter Quarantäne stehen. Die Kontaktpersonenermittlung weiterer Gäste läuft noch. Alle Kontaktpersonen werden getestet.“