Spaziergänger entdecken seltenes Naturphänomen im Reichswald

Was aber ist das?
Irgendwie haarig…
Ist aber: Eis. Richtig: Eis (gefrorenes Wasser)

Seit jeher widmet kleveblog der Natur die ungeteilte, liebevolle Aufmerksamkeit, die die Schöpfung verdient. Berichte über Wiesenpieper, verschneite Wälder, Blumenkohlanbau, Blässhühner, Goldschakale und Dahlien sorgen inmitten des knallharten journalistischen Tagesgeschäfts mit all seinen Skandalen und Affären immer wieder für Momente der kaminknisternden Behaglichkeit. Insofern aber glaubte die Redaktion, alle Phänome dieser Erde, sofern sie mit Kleve in Verbindung zu bringen sind, bereits vorgestellt zu haben – und dann das! Die Fotos oben, die Adelheid Schmitz-Weinauer der Redaktion sandte, zeigen ein kleines Wunder der Natur – Haareis, auch Eisblume genannt! Sie schreibt: „Wir haben die Eisblume am Sonntag auf einer Frühwanderung im  Reichswald entdeckt. Sie ist fantastisch anzusehen und recht selten, eben ein Wunder. Kommt die Sonne durch die Baumgipfel, schmilzt die Eisblume sogleich dahin, und ein Windstoß genügt, um die feinen Eishaare zu zerstören. Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Sicherlich staunen und erfreuen sich auch andere Menschen an dieser Einmaligkeit der Natur.“

Das sagt die Wissenschaft:

Davon ist die Redaktion auch überzeugt, und liefert gerne noch die Erklärung nach, was zusammen kommen muss, dass dieses extrem seltene Naturphänomen zu bestaunen ist: Erst 2008 bestätigte eine biophysikalische Studie von Gerhart Wagner und Christian Mätzler die Hypothese Alfred Wegeners (der mit der Kontinentalverschiebung), dass ein Pilz im Totholz für die Bildung des Haareises verantwortlich ist. Demnach produziert das Myzel winteraktiver Pilze (u. a. Schlauch- und Ständerpilze) Gase, die das im Holz vorhandene leicht unterkühlte Wasser an die Oberfläche verdrängen. Dort gefriert es und wird durch nachdrängende, beim Austritt aus dem Holz ebenfalls gefrierende Flüssigkeit weitergeschoben. Dies geschieht ausschließlich bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt, wenn das Wasser im Holz noch nicht gefroren ist, es an der geringfügig kälteren Umgebungsluft jedoch gefriert. Eine Randbedingung für die Haareisbildung ist außerdem hohe Luftfeuchtigkeit: Wenn die Luft nicht mit Wasserdampf gesättigt ist, sublimieren die feinen Eiskristalle kurz nach ihrer Bildung an der Holzoberfläche, so dass keine langen Haareiskristalle entstehen können.

Wunder der Natur!

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2 Kommentare

  1. Schöne Bilder, habe ich vorher noch nie gesehen. Bei „Eisblume“ habe immer nur an Feuchtigkeit, die an Fensterscheiben gefriert und Muster ergibt, gedacht.

     

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