Hendrik Timmer wechselt nach Düsseldorf: Kleves bekanntester Staatsanwalt bekämpft jetzt die Organisierte Kriminalität

Öfter mal im Rampenlicht: Staatsanwalt Hendrik Timmer

Ein Verlust für Kleve, ein Gewinn für Düsseldorf: Hendrik Timmer, der wohl profilierteste Vertreter der Staatsanwaltschaft in Kleve, hat seinen Arbeitsplatz gewechselt. Seit Mitte November bereits arbeitet der 50 Jahre alte Jurist in der Landeshauptstadt Düsseldorf – in einer Abteilung, die sich auf die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität spezialisiert hat.

Timmer freut sich über die berufliche Neuorientierung: „Die Möglichkeit, landesweit in großen Verfahren der organisierten Kriminalität zu arbeiten, ist sehr reizvoll.“ Es fügte sich, dass der nordrhein-westfälische Justizminister Peter Biesenbach im September des vergangenen Jahres die neue Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten (ZeOS) vorstellte, die dem organisierten Gangstertum mit neuer Kraft zu Leibe rücken und insbesondere die erweiterten Möglichkeiten der Vermögensabschöpfung noch effektiver nutzen soll.

Für die neue Abteilung suchte das Land erfahrene Staatsanwälte. Timmer hat zwölf Jahre Erfahrung in Wirtschaftskriminalität und zudem in großen Prozessen wie den Rotlicht-Verfahren und dem Schlüsseldienst-Prozess unter Beweis gestellt, dass er auch komplexe Verfahren zu einem erfolgreichen Abschluss bringen kann. 

Insbesondere seine Erfahrung bei der Vermögensabschöpfung kann Timmer nun auf neuem Terrain gewinnbringend einsetzen. „Der Aspekt wurde bisher in der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität immer ein bisschen außen vor gelassen“, so Timmer. „Ich habe die Erfahrung gesammelt, dass es sehr viele Synergieeffekte gibt, wenn man diese Verfahren auf mehrere Beine stellt – Organisierte Kriminalität und Wirtschaftsdelikte.“

Bundesweit bekannt wurde Timmer im Jahr 2012 durch den sogenannten „Fun-Garden-Prozess“ gegen das Betreiberehepaar des Emmericher Bordells mit diesem Namen. In dem Verfahren ging es darum, ob die in dem Etablissement tätigen Frauen als selbstständige Prostituierte, wie dem Finanzamt gegenüber angegeben, oder doch als angestellte Mitarbeiterinnen des Hauses anzusehen seien.

Vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Kleve konnte sich Timmer in einem monatelangen Prozess mit seiner Überzeugung durchsetzen, dass es sich um Scheinselbstständigkeit handelte – was einen Urteilsspruch nach sich zog, der vor dem Bundesgerichtshof Bestand hatte und der den Auftakt für eine Vielzahl weiterer Verfahren nach dem gleichen Muster bildete. Ein für die Betreiber bequemes Geschäftsmodell implodierte, sogar das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete über den Staatsanwalt aus Kleve, der all das ins Rollen gebracht hatte.

Timmers Ermittlungseifer führte auch zu dem schlagzeilenträchtigen Schlüsseldienstprozess gegen einen Unternehmer aus Geldern, der bundesweit in Telefonbüchern für Schlüsseldienstleistungen geworben und dabei den Eindruck erweckt hatte, die jeweiligen Fachmonteure seien in Ortsnähe ansässig. Tatsächlich waren sie manchmal mehrere hundert Kilometer entfernt, hatten keine Ahnung von der Materie und stellten überteuerte Rechnungen aus. In dem Prozess gab es einen Urteilsspruch wegen Betrugs. Das Verfahren wurde allerdings vor kurzem nach einer erfolgreichen Revision in Teilen neu vor dem Landgericht Kleve verhandelt. Am Ende kam eine Freiheitsstrafe von 6 Jahren für den Hauptangeklagten heraus.

Zuletzt machte Timmer sich in Kleve einen Namen, als gemeinsam mit seiner Kollegin Christina Lindner in mehreren Razzien einige Fälle aufdeckte, in denen Corona-Hilfsgelder zweckentfremdet worden waren. 

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11 Kommentare

  1. Traum Beruf ? 🙄 Ein “El Fiscal” hat in seiner Funktion z.B. in Mexico +-0 Chance im Bett zu sterben. Herr T.ist für mich auch hier in der heutigen Zeit ein sehr mutiger Mann, die Justiz sollte viele mit seinem Engagement haben. Somit viel Glück +Erfolg.

     
  2. Hr. Timmer erst mal gratuliert ( Ist das ein Verwandter von “Deutsch-Timmer” vom Stein?) …

    Sicherlich hat er davon profitiert, dass der aussergrundgesetzliche Niederrhein eine solche Fülle von staatsanwaltlichen Aufgaben bietet…

    Wenn man nun noch einen Staatsrechtler in hiesigen Gefilden hätte – könnte mal in Kleve das Grundgesetz statt Klever Landrecht einziehen…

     
  3. Mmuuuh, wenn Herr Timmer’s Faible die organisierte Kriminalität (also so etwas wie Mehrfach Auffällige Finanzanlagen In Altbauten) ist, warum hat er sich dann nie bemmüüüht, Licht in die Missetaten der Scientlogy Fressers zu bringen, mmuuuhNurWeilDieSFVermmuuuhtlichSmallFishSind? Trotzdem alles Gute in Düsseldorf, mmuuuhEndlichSturmfreieStälleHier!

     
  4. Ganz ehrlich gesagt, ist er Wilhelm Timmer wie aus dem Gesicht geschnitten. Könnte er evtl. sogar der Sohn sein? Als ich Anfang der 90er auf dem Stein war, war Timmer (so wie ich es in Erinnerung habe) kurz vor dem Ruhestand.

    Aber mit dem Alter irrt man ja schon mal leicht. Ende letzten Jahres traf ich OStR a.D. Kluge und er sah immer noch so aus wie zu Schulzeiten.

     
  5. Hallo Hendrik, alte “Feile” ;-)),

    viel Glück in Düsseldorf vom Mitabiturienten!
    @rd: Genauer der zweite von dreien bei insgesamt vier Kindern.

     
  6. @9:
    Keineswegs.

    Hendrik hat zwei Brüder, einer älter und einer jünger. Deswegen der zweite von dreien. Dazu kommt eine ältere Schwester (diese aber meiner Erinnerung nach jünger als der älteste Bruder). Namen wüsste ich auch noch, lasse ich aber mal sein.

     
    1. Ergänzend dazu meldet die NRZ heute, dass auch Oberstaatsanwalt Günter Neifer Kleve gen Düsseldorf verlässt. Er wechselt zur Generalstaatsanwaltschaft nach Düsseldorf.

       

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