Getötete Schafe in Kranenburg: Es war kein Wolf, sondern ein Goldschakal!

rd | 30. Oktober 2020, 12:44 | 18 Kommentare
Neu am Niederrhein: Goldschakal (Foto: tontantravel – [1], CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37161041)
Früh unterwegs: GG010m am 23. August um 5:16 Uhr auf einer Weide in Mülheim an der Ruhr (Foto: Odin Franke)

Die Tierwelt am Niederrhein ist nun nachgewiesenermaßen um eine Art reicher, doch deren Anwesenheit bereitet auch einige Sorgen: Die Fälle von insgesamt neun getöteten Schafen im Raum Kranenburg sind, so das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV), auf einen männlichen Goldschakal zurückzuführen. Das Tier wurde im August in Mülheim an der Ruhr nachgewiesen, zunächst wie bei einem echten Kriminalfall durch DNA-Spuren am Opferschaf, dann durch den Schnappschuss einer Wildkamera in der Nähe des Tatorts. Die Behörde gab dem Tier den nach Behörde klingenden Namen (bzw. die Kennung): GG010m.

Im Verlauf des Sommers zog GG010m dann offenbar rheinabwärts und nutzte die endlosen Weiten des Niederrheins für seine Streifzüge. Am 25. und am 28. September wurden in Kranenburg tote Schafe auf einer Weide gefunden. Wieder zog das Landesamt die Genetiker des Senckenberg Forschungsinstituts zurate, und die kamen zu einem eindeutigen Ergebnis: „Auch diese Schafe [wurden] durch den männlichen Goldschakal mit der Kennung GG010 getötet.“

Das LANUV weist darauf hin, dass Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor dem Wolf grundsätzlich auch zum Schutz vor Goldschakalen, Füchsen und Hunden geeignet sind. Halter von Schafen, Ziegen und Gehegewild in Wolfsgebieten und Pufferzonen können Fördermittel für den Erwerb von Elektrozäunen und die wolfsabweisende Optimierung bestehender Zäune und Zubehör für den Schutz ihrer Herden vor Übergriffen beantragen.

Zuallererst aber, so die Meinung von kleveblog, sollte man sich über den neuen Bewohner des Niederrheins, der den wissenschaftlichen Namen Canis aureus führt, freuen. Es handelt sich um ein elegant auftretendes Tier mit einer Schulterhöhe von etwa fünfunddreißig bis fünfzig Zentimetern und einem goldgelben Fell. Neben dem Wolf ist der Goldschakal der einzige Vertreter der Gattung Canis, der auf dem europäischen Kontinent lebt, hauptsächlich auf dem Balkan – seit einigen Jahren jedoch breitet sich die Population in Richtung Norden und Westen aus. 1998 wurde das erste Exemplar in Deutschland gesichtet.

Der Goldschakal jagt oft allein, manchmal im Paar, nur selten im Rudel. Gemächlich durchschreitet er sein Revier, welches er mit Urinspuren markiert hat. Wird ein Beutetier entdeckt, macht er sich klein, schleicht sich geduckt so nah wie möglich heran, um dann nach einem kurzen Sprint zum tödlichen Biss anzusetzen. Untereinander verständigen sich die Schakale mit einer ganzen Reihe von Winsel-, Heul- und Belllauten.

Die Tiere leben, durchaus überraschend, in einer Art fester Ehe, in der der Monat Oktober für Aktivitäten im Bereich der Fortpflanzung reserviert ist. Das Weibchen ist 60 Tage trächtig und bringt dann in einer zuvor ausgesuchten, geeigneten Höhle einen Wurf mit sechs bis neun Welpen zur Welt. Nach einem halben Jahr sind die Jungtiere selbstständig, manchmal verbleiben allerdings ein oder zwei der Nachkommen bei den Eltern, um bei der Aufzucht der nächsten Generation mitzuhelfen.

Interessant ist aus Sicht des Forschers das Jagdverhalten. Zieht ein Goldschakal allein durch sein Leben, das in freier Wildbahn rund acht Jahre dauert, führt nur einer von fünf Jagdversuchen (im Schnitt) zur ersehnten Beute. Paare sind weitaus erfolgreicher unterwegs: zwei von drei Attacken enden damit, dass das Beutetier sein Leben beendet. Die Jagdweise des Goldschakals ähnelt der des Rotfuchses: Wie dieser stellt er seine Ohren auf, macht einen Katzenbuckel, hebt seinen Schwanz, macht einen langen Satz und landet mit den Vorderpfoten auf der Beute, die er mit einem kräftigen Biss oder durch Schütteln tötet.

Der Goldschakal darf in Deutschland nicht gejagt werden (er steht nicht auf der Liste der jagdbaren Arten). Wer mehr wissen will: Patricia D. Moehlman, Virginia Hayssen: Canis aureus (Carnivore: Canidae). In: Mammalian Species, Band 50, Nr. 957, 17. April 2018, S. 14–25, doi:10.1093/mspecies/sey002.

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18 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 18. Goldy

    @17. Niederrheinstier Fritten auf den Feldern? Wer‘s glaubt wird selig.

    Grütze auf dem Bauernhof gibt’s aber
    https://m.youtube.com/watch?v=8Dyoet_39is

     
  2. 17. Niederrheinstier

    Mmuuuh, rd, aber der Guardian hat den wesentlichen Köder für eine potentielle Ansiedlung von Goldbrowny in Belgien vergessen aufzuführen, mmuuuhGrobmaschigesSiebinderFeder: Die schöne, originale, grobgeschnittene und goldbraun fritiierte belgische Friture, mmuuuhInBelgiensollensogarFrittenaufdenFeldernwachsen.

    @ Goldbrowny
    Mmuuuhsorry, aber vor allem die kleinen, noch schwachen Paarhufer halten sich seit Neuestem am liebsten im Schutz hoher, elektrischer Zäune auf, und fressen, was da noch auf der Wiese übrig bleibt, mmuuuhsafe. Aber nicht weil die mad bzw. von Kreutzfeld-Jakob oder boviner spongiformer Enzophalopathie (BSE) oder so befallen sind, mmuuuhnixForensik.

     
  3. 16. rd

    Sogar im Guardian ist Kranenburg nun ein Thema, vermutlich zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg (oder überhaupt): https://www.theguardian.com/world/2020/nov/03/golden-jackals-expected-to-emerge-in-belgium-say-experts

     
  4. 15. Goldy

    @14. Niederrheinstier Das war ja an der frischen Luft, da kann nicht viel passiert sein. Ob ich immun bin? Glaube ich nicht.
    Um noch mal auf das alternative Futter zurückzukommen, dieses frittierte Zeug liegt schwer im Magen, einfach ungenießbar, da würde ich sogar Soja-Schnitzel noch vorziehen. Sind bei den Paarhufern eigentlich Gemüse-Smoothies beliebt?

     
  5. 14. Niederrheinstier

    @ 13 (Goldy)
    Mmuuuh, wirklich keinen Appetit auf smakelijke, goldbraune Fritaten, mmuuuhdiekannstDuauchlangsamfressen?
    Und über den Hund gewundert, dass der Dich nicht gewittert (gerochen) hat, mmuuuhnixschnüffel?
    Dann gib’ gut Acht, Goldy, mmuuuhalert! Laut allen möglichen und unmöglichen CORONA-Sieben-Quellen ist der plötzliche Verlust des Geruchssinns ein recht untrügliches Zeichen für eine CORONA-Infektion, mmuuuhCOVID19
    (können Hunde auch bekommen). Ich wünsche die, dass Du Dich nicht gar schon infiziert hast, mmuuuhAerosole. Oder bist Du wegen Deiner asiatischen Abstammung schon immuuuhn gegen COVID19, mmuuuhVaccin-19?

     
  6. 13. Goldy

    @Niederrheinstier Fast Food ist nichts für mich.
    @Niederrheinerin Ich bin harmlos, einfach respektvoll Abstand halten und keine Hektik verbreiten.
    @Thomas F. Ich habe mich schon über den Hund gewundert. Ist Charlies Nase verstopft? Vielleicht mal zum Tierarzt gehen? Bis zum nächsten Mal im Reichswald.
    @Jean-Baptiste le Rond d Alembert Leider stimmt das mit den gesundheitlichen Gefahren. Noch bin ich aber top fit.
    @G. Hoffmann Das ist auch meine Beobachtung.

     
  7. 12. Jean-Baptiste le Rond d’Alembert

    @11. Thomas F ” Da der Schakal sich Reglos zeigte”
    Gibt es hier im Schwarm nicht jemanden, der sich mit dem Verhalten von wilden Tieren auskennt ?
    Ein Jäger oder Wildbiologe muss so ein Verhalten von einem wilden Wolfartigen doch sicher einschätzen können ?
    Aus Waldwissen: (im Netz) : Goldschakale sind anfällig für Tollwut, Staupe und Leptospirose.

     
  8. 11. Thomas F

    Das ist wirklich spannend.
    Also das wahr so,
    Im Schein meiner Kopflampe reflektierten ein Augenpaar, es wirkte irgendwie anders ,da ich bereits des Öfteren Augen in dieser Jahreszeit ,im Reichswald oder Stadtpark, reflektierende Augen gesehen habe Fuchs ,Schwein,Reh ,Katzen…
    Ich blieb sogar stehen und Lugte um einen Baum der mir die Sicht versperrte. So konnte ich das Tier in ungefähr 6m Entfernung sehen und er mich.
    Wir taxierten uns ich erschrak sogar ein wenig, Da der Schakal sich Reglos zeigte, seitlich den Kopf zu mir Gewand starte er mich an.
    Charlie mein Labrador Rüde bemerkte das Tier überhaupt nicht.
    Wir setzten unseren Lauf Sicherheitshalber fort.
    Sogar jetzt das ich weiß was mich mich im Wald erwarten könnte habe ich keine Angst ,
    Toll was die Natur so alles zu bieten hat…..

     
  9. 10. Niederrheinerin

    @9 Jean-Baptiste le Rond d’Alembert

    Ihr Post hilft mir jetzt nicht weiter.

     
  10. 9. Jean-Baptiste le Rond d’Alembert

    @8. Niederrheinerin “Wie verhielt sich der Goldschakal”
    Der verhält sich toll, und wütig, da überall als scheuer und Menschen meidender Geselle beschrieben, vielleicht sogar tollwütig.

     
  11. 8. Niederrheinerin

    @7 Thomas F. Wow, da sind Sie einer der ersten Augenzeugen des neuen Bewohners im Kreis Kleve.

    Wie verhielt sich der Goldschakal, als er Sie wahrnahm?

     
  12. 7. Thomas F.

    Bin dem Schakal beim joggen am 30.10 um 19.00 Uhr in der Nähe der Sieben Quellen begegnet ,
    wunderte mich noch was für ein großer Fuchs es sei, jedoch erfuhr ich aus der RP die Nachricht das es sich um einen Goldschakal handeln könnte.
    Beeindruckendes Tier.
    Gruß

     
  13. 6. Niederrheinstier

    Mmuuuh, goldbrauner Goldschakal, Du hast es fast geschafft ins Schakalaffenland, mmuuuheigentlichmüsstestDuesschonwitternkönnen! Du brauchst nur noch schakalaffe 99 km weiter gen Westen zu ziehen, und dann bist Du da, mmuuuhvölligeGlückseligkeit: In het midden van het mooije Nederland, mmuuuhoemoemenou. Nederland, het land van alle droomen van alle Goldschakalen, mmuuuhdawirdDirderSpeichelimMaulzusammenlaufen. Denn da gibt es so viele lekker goldbraun frittierte Frikandelen, Bitterballen, Nasis, Patat Frites, Bamis, Sates, Kippen en nog wat meer, wie Du nur fressen möchtest, mmuuuhdervolleGenuss. Und die armen Schäfchen auf den hiesigen grünen Wiesen können unbeschwert wie bisher und ohne Furcht draußen den warmen Föhn aus Südwesten genießen, mmuuuhnocheinmalrichtigvordemWinteraufwärmen. Also, Goldschakal, zieh schnell weiter, das Goldschakalaffenland wartet auf Dich, mmuuuhtschö!

     
  14. 5. Jean-Baptiste le Rond d’Alembert

    8@rd. ” Neben dem Wolf ist der Goldschakal der einzige Vertreter der Gattung Canis, der auf dem europäischen Kontinent lebt”
    Hier hat die Geschichte gleich mehrere Lücken.
    Der Wolf der einzige Vertreter der Gattung Canis auf dem europäischen Festland ? Das stimmt so nicht !
    Ich bin selbst schon einmal von einem weiteren Vertreter der Gattung Canis gebissen worden.
    Der nannte sich canis lupusforma familialis.
    Übrigens, unsere ehemalige Bürgermeisterin SN hat einen gehabt, um den sie kräftig getrauert hat. Jetzt hat sie sogar Ersatz angeschafft, und von der Sorte gibt es in Europa noch weitere Millionen.

    Zurück zum goldigen Scha(ka)l, ich weiss zwar auch nicht, wem der genau gefährlich werden kann, aber verschiedene Bücher vertreten verschiedene Meinungen.
    Während eines davon spricht, dass der nur Kleintiere wie Mäuse, Ratten, bis hin zu maximal Kaninchen und Hasen reisst, sprechen andere Quellen auch von Schafen, und kleinerem Wild im Wald.
    Ausserdem fressen sie Aas jeder Art und putzen so auch Wald und Flur sauber.

     
  15. 4. Guenther Hoffmann

    Ich denke mal,hier im Dunstkreis sind nur Menschen und Wildschweine unberechenbar und gefährlich.🙄 😳 😁

     
  16. 3. rd

    Auf der Website jagderleben.de („Des Jägers bestes Web-Revier“) heißt es: „Goldschakale gelten als scheu und meiden den Kontakt zu Menschen. Eine Gefahr geht von gesunden Tieren nicht aus.“

     
  17. 2. rd

    Gute Frage, wird gleich beantwortet.

     
  18. 1. Niederrheinerin

    Ein schönes Tier.

    Aber was macht man, wenn man dem Goldschakal begegnet? Rennt er weg oder soll man lieber selber wegrennen?

    Bisher hatte ich nur Angst vor Wildschweinen, vor allem, wenn Frischlinge dabei sind. Mir ist auf dem Kartenspielerweg Richtung Grafwegen (als man die Straße noch befahren konnte) bei Dunkelheit fast mal eine ganze Familie vors Auto gelaufen. Nur die verschreckten Frischlinge blieben dicht zusammengedrängt im Kegel des Scheinwerferlichts stehen. Ich erinnerte mich daran, dass mein Vater mal gesagt hatte, in so einem Fall nicht aussteigen und das Licht abschalten, wenn möglich. Da liefen sie dann in den Wald hinein.