Rollator köj vergätte

rd | 14. Dezember 2007, 14:06 | 1 Kommentar

Der im Klever Wochenblatt erschienene Leserbrief von Mathilde Vervoorst aus Kranenburg vermittelt nicht nur einen Eindruck von der Wucht des niederrheinischen Idioms (es klingt doch wie Deutsch mit zu hohem Cholesterinspiegel, oder?), sondern bringt dazu noch ein fast schon Tabuthema ans Licht der Öffentlichkeit: Sind unsere schönen Innenstädte überhaupt noch geeignet für die Menschen, die darin leben?

Immerhin zeigt dieses Dokument, dass die Geranienoffensive der Kranenburger CDU, für die sich sogar Kleveblog-Leser aus den Vereinigten Staaten interessierten (vermutlich Exil-Kranenburger), bei der Kernzielgruppe (Kranenburger Jahrgang 1940 und älter) wirklich gut ankommt: “Kroanenbörg es doch soo schöön!”

Leichte sprachliche Probleme bei der Übertragung ins Hochdeutsche bereitet übrigens das Wort “Gemier”: Schlamassel? Dilemma? Gefrett? Molesten? Gemöhre? Oder was?

Leserbrief

Mierenrätsel gelöst | kleveblog (16.12. 17:23): [...] Das Mierenrätsel, von Maria Vervoorst aus Kranenburg in diesem Leser...


Wenn Bill Gates Kleve kauft…

rd | 14. Dezember 2007, 02:04 | 2 Kommentare

Kleve ist…

… eine Stadt mit knapp 50.000 Einwohnern, 20 Parkscheinautomaten, 9 Brücken, 64117 Medien in der Stadtbücherei, 20 Schulen, einem Datenschutzbeauftragten, 18 Fußballanlagen, 5395 Straßenbeleuchtungsmasten, einem Klärwerk, ganz vielen Parkanlagen, deren Beschreibung Stoff für ca. 200 Heimatkalender abgibt, und natürlich mit einem Bürgermeister, der nicht müde wird, die wunderbaren Seiten dieser Stadt zu betonen (aber hat er eine andere Wahl?). So viele schöne Dinge, und nun lernen wir dank des Neuen Kommunalen Finanzmanagements (NKF), was unsere schöne, stolze Schwanenstadt controllermäßig wert ist. Ergebnis: 550 Millionen Euro, “aber der ideelle Wert ist weit höher” (T. Brauer).

Rumms! 550 Millionen Euro!! Klingt erst mal nach einer Menge Geld – aber bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus:

  • Die Deutsche Bank könnte sich von einem Jahresgewinn 14 Kleves kaufen.
  • Das Vermögen der Brüder Karl und Theo Albrecht reicht für 43 Kleves.
  • Und der unvermeidliche Bill Gates hat in wenigen Jahren mittelmäßiger Softwareproduktion einen Geldberg angehäuft, der für 70-mal Kleve reicht.

Wie heißt das noch mal: Die wichtigste Komponente von Mut ist – Demut. Gerade, wenn man in einer 550-Millionen-Euro-Metropole wohnt.

p.s. Eine anderer Vergleich ist auch nicht schlecht: Kleve = 73 % Diamonda (bei der angekündigten Investitionssumme von 750 Millionen Euro)



NRNWRO

rd | 12. Dezember 2007, 19:31 | 2 Kommentare

Gute Nachrichten vom Flughafen Niederrhein! Ryanair, die einzige Fluglinie, bei der die Preise sich im Verlaufe einer Buchung entwickeln wie die für eine Inanspruchnahme gewerblicher Liebesdienste, steuert demnächst von Weeze aus die beiden polnischen Destinationen Breslau und Bromberg an. Der Sinn erschließt sich erst, wenn man weiß, dass in den ehemals von der britischen Armee benutzten Baracken künftig eine niederländische Zeitarbeitsfirma ihre polnischen Vertragsarbeiter unterbringen will. Die Perspektive lautet also: Weeze, Luftdrehkreuz für Monteure. Sicher, das hat nicht direkt Business-Class-Glamour, aber was soll’s? Klempner, die zu Rohrbrüchen nach ganz Europa ausschweben, könnten einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung der A57 leisten. Weiter so!


In Sachen Milchkühe

rd | 11. Dezember 2007, 02:13 | keine Kommentare

FocusausrissKleine Pretiose aus dem Fakten-Focus, der eigentlich Anlass gäbe zu einer kleinen Meditation zum Sinn und Unsinn von Journalismus. Jedenfalls könnte sich der Hardcoreklever entrüstet auflehnen und sagen, da macht man und da tut man, und was bleibt hängen – 41.000 Milchkühe. Kein Freizeitpark, kein Technologiezentrum, kein italienisches Flair vorm Klever Rathaus, nein, nur “AgroBusiness” in seiner anmutigsten Form. Muh. Aber zum Trost sei gesagt: Laut dieser Veröffentlichung in einem 32-seitigen “Sonderteil NRW”, erschienen zur Bambi-Verleihung in Düsseldorf, ist ausgerechnet die Landeshauptstadt die kriminellste Stadt, in Meinerzhagen fällt der meiste Regen, in Coesfeld leben die wenigsten Menschen mit “Migrationshintergrund”, in Köln fahren die meisten Cabrios und in Steinfurt leben 900.000 Schweine. Dann schon lieber Milchkühe, und die anderen Daten, die einen wirklich staunen machen, liefert natürlich der Klassiker: Das statistische Jahrbuch der Stadt Kleve.