Technologie – nicht immer „high“

rd | 19. August 2007, 00:37 | 1 Kommentar

Schild

Wir sehen das Eingangsschild des Technologie-Zentrums Kleve. 27 verschiedene Schilder, alle Achtung. Hui, da ist was los, da wird geforscht, gefrickelt und entwickelt, dass es nur so zischt und dampft. „Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran.“ Und so hätte ich eigentlich mit der schönen Illusion den Heimweg antreten können, dass doch nicht alles so schlimm ist, wie ich immer schreibe. Dann ging ich am Freitag, ca. 18 Uhr, in Richtung Eingang. Hasen hoppelten über die Pflastersteine. Menschen Fehlanzeige. Auch ein Forscher macht mal Feierabend. Sicher, da gibt es dieses Klischee von den verrückten Wissenschaftlern, die Tag und Nacht über den größten Problemen der Menschheit brüten und plötzlich mit dem Commodore C64 aus der Garage kommen. Aber vielleicht kann man ja auch die Welt retten und am Wochenende erst mal lecker grillen.

Leider beging ich dann auf dem Rückzug den Fehler, zu lesen, wer da alles an innovativen Schaltkreisen, revolutionären Internetanwendungen, bahnbrechenden Nanomolekülen tüftelt in den hinter üppig wucherndem Grün versteckten Eternitpavillons.

Erste Enttäuschung: Sechs der 27 Schilder gehören Einrichtungen wie der IHK, der „Grenzüberschreitenden Existenzgründungsberatung“ oder dem „Kompetenznetzwerk NL/NRW“ oder nicht zu identifizierenden Institutionen wie „Alpha Omega“. Der Rest könnte immerhin technologisch tätig sein – aber ist es Zukunftstechnologie? Um es kurz zu machen, hier meine Top 5 der Technologie-Zentrum Kleve gehörenden Firmen und Einrichtungen:

  • Funkmietwagen Monika Bosmann
  • Maria Kramer Business Cards (ein Visitenkartenhersteller??)
  • Plaza Foods GmbH
  • Dienstleistungs-Pool Ida Lehmann
  • Sachverständigenbüro Josef Gietemann

Und hier die 5 Neuvorstellungen für das Jahr 2008:

  • Eisenwaren van Beusekom
  • Pommes Peters
  • Dienstleistungs-Pool Club Madam
  • Fahrradverleih und Minigolf J. Cronauer
  • Königlich-Preußische Kunstbutter-Gesellschaft van den Bergh

Schild

Technologiezentrum immer schöner | kleveblog (30.09. 14:01): [...] So gesehen, steht das Technologiezentrum Kleve (TZK), die idyllische ...


Teamgeist bei der Volksbank

rd | 17. August 2007, 16:25 | 1 Kommentar

Kürzlich wurde an dieser Stelle schon in einer messerscharfen Analyse dargelegt, dass Teamgeist bei der Volksbank Kleverland nicht unbedingt die Bedeutung hat, die unsereins aus dem Sport kennt. Noch düsterer sieht es allerdings aus, wenn man ausgewechselt wurde – so wie der frühere Vorstandsvorsitzende Josef Tunnissen.

Die Volksbank Kleverland selbst hat – vermutlich aus verständlichen Gründen – kein überragendes Interesse daran, die Dinge, die während Tunnissens Amtszeit geschehen sind, einer breiteren Öffentlichkeit darzulegen (z. B. die Immobiliengeschäfte im Osten), und so erschien vor einigen Wochen in der Lokalpresse die dürre Meldung, dass man sich geeinigt habe, etwa in der Form: Wir machen dir keinen Prozess, du kriegst von uns keine Altersbezüge mehr (ein Deal, der das Ausmaß der Verheerungen erahnen lässt). Allerdings schien es da noch so, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt.

Jetzt fand ich in einem tieferen Papierflöz auf meinem Schreibtisch eine alte Lokalausgabe der NRZ, in der der neue Vorstandschef ausführlich zu Wort kam. Zitat: „Nachfolger Frank Ruffing distanzierte sich in der NRZ deutlich von Tunnissen: Mit seinem Namen wolle die Volksbank nicht in Verbindung gebracht werden. Punkt!“ Ausgestoßen aus der Kaste der Geldscheinwedler, persona non grata – nach gefühlten zwanzig Jahren an der Spitze des Geldinstituts. Für einen Menschen, der in seiner aktiven Zeit die Lokalausgabe eines Masters of the Universe abgab, sicherlich eine unschöne Wendung in der Abenddämmerung des Lebens, und ganz ungewöhnlich für ein korporatistisch strukturiertes Städtchen, in dem gern alles unter dem Deckel gehalten wird. Andererseits: Angesichts der Tatsache, dass bisher 38 Millionen Euro Unterstützung vom Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken nötig waren, um die Schieflage der Bank auszugleichen, womöglich noch die mildeste Form der Bestrafung – die Tilgung aus der Geschichte.

(Wird fortgesetzt – unter anderem mit einer Analyse des überraschenden 1.-FC-Kleve-Sponsorings durch die Volksbank Kleverland)





Adieu, (Bijou) Brigitte

rd | 16. August 2007, 16:27 | keine Kommentare

Der Bauschuttcontainer vor der Ladenfront in der Klever Stadtmitte ließ das Schlimmste befürchten. Und so kam es auch: Bijou Brigitte, gefühlte Jahrzehnte verlässlicher Lieferant für Modeschmuck aus den Grenzbereichen der Ästhetik und (zumindest in den Zeiten vor H&M) die sichere Anlaufstelle, wenn sich schüchterne Teenager die ersten eigenen Dessousträume zu realisieren trauten, ist nicht mehr. Dass Klever Teenager so aussehen, wie sie aussehen (Kirmes forever!), ist zu großen Teilen dem schillernden Sortiment von Bijou Brigitte zu verdanken. Jetzt hauen Bauarbeiter, die dem mitgebrachten Bier nach zu urteilen aus den neuen Bundesländern stammen, mit schwerem Gerät alles kurz und klein. Was folgt? Theoretisch wäre an der Stelle noch Platz für ein Bäckereicafé (immerhin ist Heicks mehr als 50 Meter entfernt und zudem auf der gegenüberliegenden Seite) oder für einen Handyshop (der nächste ist erst im übernächsten Geschäft).

Nachtrag: Es ist nur ein Umbau! Kein neuer Handyshop!! Ab dem 27. August, wie mittlerweile Schilder an der Ladenfront verkünden, ist die dekorative Grundausstattung für Klever Teenager wieder gesichert.


Schreien bis der Arzt kommt

rd | 16. August 2007, 16:04 | keine Kommentare

Ein Mann aus meiner Nachbarschaft hatte kürzlich einen Motorradunfall. Tagsüber, mitten in Kleve, in Sichtweite der Stiftskirche, deren Türme nicht nur zu den Wahrzeichen dieser Satdt gehören, sondern auch an die tiefe Verankerung der christlichen Werte hierzulande gemahnen. Naja, zumindest bis man einen Motorradunfall hat und am eigenen Leibe erleben darf, wie hoch Hilfsbereitschaft im Kurs steht.

Die Maschine krachte auf das rechte Bein des Mannes, zertrümmerte das Fußgelenk und blieb auf den geborstenen Knochen liegen. Er schrie vor Schmerzen, und was geschah? Passanten gingen an der Unfallstelle vorbei, Autofahrer auf Parkplatzsuche kurvten um das Motorrad herum, Anwohner schauten aus dem Fenster. Zwanzig Minuten habe es gedauert, so der Nachbar, bis ihn jemand aus der misslichen Lage befreite. Selbst wenn man nun einrechnet, dass Opfer subjektiv immer glauben, es dauere ewig, bis Hilfe eintrifft – schon eine Minute wäre angesichts der belebten Ecke zu viel.

So lernen wir, dass in Kleve ein moderater Darwinismus praktiziert wird. Wer selbst gestürzt ist, kann auch selbst wieder aufstehen. Survival of the fittest – zumindest die ersten zwanzig Minuten.