Im November 2024 zog Dieter Pohler mit seiner Partnerin Gabriele Brocks von Berlin nach Kleve. „Wir dachten, hier gibt es noch eine heile Welt“, sagt der 73 Jahre alte Lehrer.
Nein, auch in Kleve gibt es keine „heile Welt“ mehr.
Pohlers Glaube daran wurde erschüttert, als er am vergangenen Dienstag Nachmittag mit dem Fahrrad von seiner Wohnung am Rindernschen Deich hoch zur Buchhandlung Hintzen fuhr, um dort ein bestelltes Buch abzuholen. Der Buchkauf und ein kurzes Gespräch mit der Mitarbeiterin dauerten vielleicht fünf Minuten, vielleicht sogar weniger als das. Dieter Pohler verließ guter Dinge das Geschäft und wollte sich wieder auf sein Fahrrad schwingen. Doch als er in Richtung Laternenpfahl blickte, sah er – nichts. Sein Rad, mit einem Qualitätsschloss des Herstellers Abus ordnungsgemäß an dem direkt vor dem Geschäft stehenden Laternenpfahl abgeschlossen, war weg. Gestohlen. Am hellichten Tag, mitten in der belebten Stadt, und niemand hatte etwas gesehen.
Nun könnte in Sachen Fahrraddiebstähle Kummer gewohnte Klever einwenden, dass ein solches Delikt alltäglich ist und – wie der sprichwörtliche Sack Reis, der in China umgefallen ist – keiner weiteren Erwähnung bedarf, doch dieser Fall ist anders. Denn abhanden gekommen ist ein knapp 30 Jahre altes Unikat, dessen Eigentümer sagt: „Dieses Fahrrad war wie eine zweite Haut für mich.“

1998 hatte Pohler das Modell der Firma Softride für 3800 Dollar auf Hawaii gekauft, und seitdem begleitete das Gefährt den studierten Sportler, der als junger Mann auch mal an der Junioren-Weltmeisterschaft im Rudern teilgenommen hatte, durch eine bemerkenswerte Laufbahn. „Ich habe damit achtmal den Ironman bewältigt und an zwei Welt- und Europameisterschaften teilgenommen. Deshalb hat das Rad für mich einen ideellen Wert.“ An den Dieb appelliert er: „He Dieb, gib das Rad zurück, bitte!“ Wenn es noch so etwas wie Ganovenehre gibt, sollte dieser Ruf nicht ungehört verhallen.
Das Fahrrad wird nicht mehr hergestellt. Zuletzt hatte Pohler 2019 damit einen Wettkampf absolviert, danach hat er den Triathlon-Lenker demontiert und es als ganz normales Straßenfahrrad benutzt. Die Konstruktion macht das Rad zu einem absoluten Hingucker: Der Sattel ist nicht wie normalerweise im Sitzrohr befestigt, sondern an einer Karbonschwinge montiert. „Der Name Softride sagt schon alles“, so Pohler. Unebenheiten im Gelände werden komplett weggefedert. „Bis zu 89 Stundenkilometer bin ich damit gefahren“, berichtet Pohler. „Und das Rad hat das alles ausgehalten. Man entwickelt dann schon eine Beziehung dazu.“
Deshalb hofft er inständig auf ein Wiedersehen. In einschlägigen Portalen hat er vor dem Kauf des Rades gewarnt, und für Hinweise verspricht er eine Belohnung. Vielleicht kann sein Glaube an die heile Welt am Niederrhein ja wiederhergestellt werden. „In Berlin hat man mir noch nie ein Fahrrad gestohlen“, sagt Pohler.
Dass er überhaupt nach Kleve gezogen ist, liegt an seiner Partnerin Gabriele Brocks, die aus Kleve stammt. „Wir haben uns vor 18 Jahren auf einer Karnevalsveranstaltung in Berlin kennengelernt.“ Damals zog die Frau zu ihm in die Hauptstadt. Doch auch davor war Kleve für Pohler verblüffenderweise keine unbekannte Größe: Einer seiner Kollegen an der Schule in Berlin, in der er unterrichtete, war Norbert Look – auch er stammt aus Kleve und war der einzige Lehrer an allen Berliner Schulen, der Niederländisch als Unterrichtsfach gab.


Das Fahrrad ist garantiert schon irgendwo im Osten an den Mann gebracht worden, sei es Tschechien, Polen oder wer weiß wo, Käufer für so ein Gefährt gibt es immer.
Der vor etlichen Jahren geklaute schwarze Grillwagen eines Klever Metzgers tauchte ja damals auch, per Zufall von einem Klever im Urlaub entdeckt, auf einem polnischen Campingplatz dann wieder auf.
Beschaffungskriminalität. Oder: „Oh, dieses seltene Zweirad aus US-amerikanischer Produktion aus den späten 90ern wollte ich immer schon mein eigen nennen – wenn ich jetzt, wann dann?! „
Dieser Gelegenheitsdiebstahl war zwar spontan, aber es war wohl jemand mit Absicht und Werkzeug unterwegs, jemand, der wusste, dass er das in max. einer Minute schaffen muss.
Jetzt hat er sich das auffällige Fahrrad angeeignet und könnte bei einem Verkauf ggf. ermittelt werden. Selber damit rumfahren wäre auch unklug. Warum also dieses Fahrrad? Es ist ja auch schon älter, hat mehr ideellen als monetären Wert.
Was kann den Dieb, wenn er es erwägt, daran hindern, das Fahrrad wieder im Klever Stadtgebiet abzustellen?
Spuren können abgewischt werden.
Es gibt in Kleve keine Videoüberwachung im öffentlichen Raum.
Das Fahrrad könnte auch irgendwo versteckt und ein Hinweis gegeben werden. Zum Beispiel einen Zettel an den Betreiber dieses Blogs schicken.
Der Dieb könnte sich also durchaus von der Last dieses Fahrrads befreien.
Und er würde hier nochmal Aufmerksamkeit bekommen als jemand, der in der Lage war, etwas unerwartet Anderes zu tun als bisher.
Lieber Dieb, du könntest dich selber überraschen! Weil du mehr bist als jemand, der anderen Menschen ihr Eigentum wegnimmt.
@10
Oder auf dem Grund des Spoykanals!?
PS:
Man sitzt auf einem Fahrrad im Übrigen nicht (immer) auf dem üblicherweise vorhandenen, nahezu vertikal verlaufenden Rohr vom Sattel zum Tretlager. Wenn man kräftig in die Pedale tritt, wird dieses Rohr auf Zug belastet. Über die Jahre musste ich daher inzwischen schon zum dritten Mal ein solches Rohr schweißen, weil es der Maximalbelastung bei steiler Bergfahrt nicht mehr standgehalten hatte.
Ich hoffe sehr, dass mein lieber (EX) Kollege sein Rad zurückbekommt.Die Hoffnung stirbt zuletzt. Lg aus Berlin nach Kleve
Norbert Look
Mit etwas Glück wird es in der Spyckstrasse an bekanntem Haus wieder auftauchen!
Nachtrag: Wenn ich am Pflaster arbeite, dann nie allein. Min. drei Personen; mit Schutzhelm (KEIN Fahrradhelm!). Wichtig: Alle tragen Warnwesten (Aufdruck USK oder Horlemann/Look/Siebers), einer stemmt auf und zwei gucken zu; mit Händen in den Hosentaschen. So ist auch der Diebstahl hochwertigster Zwei-Räder völlig unauffällig…
Beim Diebstahl Fahrradhelm aufsetzen. Dann denkt jeder es ist der Besitzer. Dann kann auch Akkuflex und Autogenschweißgerät zum Einsatz kommen. Oder Kangoohammer für die Straßenlaterne…
Waren am vorletzten Wochenende in Zwolle. Der Weg zur Stadt mit dem Drahtesel schon ein Erlebnis. Fahrradstraße (Pkw als Gast), tolle Radwege, unter anderem eine Unterführung, die allen Verantwortlichen in Bezug auf die Spyckbrücke als Musterbeispiel gelten sollte.
In Zwolle angekommen kannst dir aussuchen, wo du bewacht und ohne Groschen deine Fiets abstellen kannst.
Dem Betroffenen viel Glück. Eine Frage sei erlaubt. So ein ideeller Wert, würde die niemals auch nur eine Sekunde aus den Augen lassen.
Mal aus krimineller Sicht: Welcher Vollidiot klaut denn so ein Fahrrad? Man kann nicht damit herumfahren, weil viel zu auffällig, man kann es nicht verkaufen, kein Mensch kann die Teile gebrauchen. Ich habe ein bisschen die Hoffnung, das man das Rad nahezu unbeschädigt in einem Graben wiederfindet.
Wie mir früher schon ein Polizeimeister angesichts einer Vorlesung zur Einbruchsprävention gesagt hat:
Es gibt wenig Gentlemen-Gauner und kriminelle Akademiker…. die meisten sind einfach hirnlose Arschlöcher (war nicht meine Wortwahl😁)
Die Älteren erinnern sich noch: „Fahrradwache“ ( f. zwei Groschen)🤔
@2
Es stellt sich die Frage nach der Verhältnismässigkeit.
Warum Knöllchen schreiben wenn man die wirkliche Kriminalität nicht in den Griff kriegt?
Natürlich kann man nicht vor jede Sparkasse einen Polizisten stellen. Obwohl es wünschenswert wäre.
Man muss aber auch nicht in der Fussgängerzone (oder auf dem menscheleeren Sommerdeich) Strafen verteilen wo nix passiert, nur um der Strafe willen.
Und ob man nach Alarm Geldautomatensprengung gemütlich zum Tatort fährt statt direkt die (wenigen und vorhersehbaren) Fluchtwege abzuschneiden, …. aber die Diskussion will ich gar nicht wieder aufmachen. Sorry.
Habe halt auch selber in menier Jugendzeit wenig gute Erinnerungen an Autofahrer und Polizei. An der Einfahrt Wasserburgalle bin in den 80er Jahren als Schüler mit dem Fahrrad über den damals dort noch vorhandenen Zebrastreifen gefahren weil ich in den Forstgarten wollte. Klar, war auch nicht ganz korrekt. Ein einbiegendes Auto hat mich voll am Vorderrad getroffen, das war total hinüber und zerbeult. Der Mann mittleren, der selber nicht aufgepasst hatte,Alters stieg aus guckte sich das an und sagte „Ja, Jung, muss gucken wie de damit klarkommst“ und fuhr weiter. Ich war als so circa 12jähriger so verschreckt das ich mich als Schuldiger gefühlt habe. So war das in den 80ern.
In der gleichen Epoche bin ich mal auf dem Radweg Nimweger Str. bei Gnadenthal von einer zufällig vorbeifahreneden Polizeistreife angehalten worden, weil mein Rücklicht nicht funktionierte. Der aussteigende Polizist schnauzte tierisch rum und verlangte 10DM, die ich in Münzen dabei hatte. Der hat das Geld penibel nachgezählt und dann sind die weitergefahren. Beleg? Nie gesehen. Schönes Trinkgeld.
Lange her, Ja. Und auch ich habe Fehler gemacht. Aber meine Sympathie für die Polizei in Kleve ist nach wie vor eher begrenzt. Tut mir leid. Ist aber natürlich ein subjektives, vielleicht gefärbtes Empfinden, soll nix heissen eigentlich. Kindheit prägt halt.
Läufts denn jetzt wenigstens am Bahnhof? Wird da wenigstens seitens der Polizei öfter kontrolliert und hat man die Lage da im Griff?
Mir fehlt heute der Stadt „Sheriff“ 😢 der wie einst u.a. Manni H. in Grün ( 🙄 ) der mit scharfen Blick für Ordnung + § § 🔎 die Große + Hagsche Straße im Blick hatte. 😎 Heutige Polizei mit marzialem (militärisches ) Auftreten die heute dem desillusionierten Bürger / in eher beste Wünsche 👍🏼 zur Terror Bekämpfung entlocken würden, ☝🏼 sie passen wohl nicht mehr in ein „friedliches Klever Stadtbild“ ,die Oma / Opa über die Straße u. ä. helfen . 🙄 😇
@1: „Wenns wirklich nötig wäre sind sie nie da. Ob Automatensprengung oder Diebstahl“
Einfach mal ne´ Streife vor jeder Bank, oder besser gleich das ganze Präsidium – und zwar 365 Tage / 24 Std. – vor der eigenen Haustüre Tür platzieren lassen.
Damit ist alles sicher und das Denken über die s. g. Realität, erhält noch buntere Blüten.
(…alles so schön bunt hier)
Hm, komisch. Die Polizei steht doch um diese Zeit sonst gerne in der Fussgängerzone zum Knöllchenverteilen für die bösen bösen Fahrradfahrer.
Aber da hatten sie wohl gerade noch Mittagspause …..
Wenns wirklich nötig wäre sind sie nie da. Ob Automatensprengung oder Diebstahl.