Der Mond hat seine Schuldigkeit getan, der Mond kann gehen (Plädoyer für eine sofortige Abschaffung des Trabanten)

rd | 28. Juli 2018, 12:41 | 8 Kommentare

Weltraumkartoffel: Mond

Der Mond nervt. Er ist, ganz anders als seine große Schwester, die Sonne, unzuverlässig und faul. Ich habe kein Vertrauen mehr in ihn, er soll einfach seinen Posten räumen und verschwinden, und, falls er selbst dazu zu träge ist, sollten die Großmächte dieser Welt (USA, Nordkorea, Frankreich) seine Abgangsbereitschaft mit ein paar Atomraketen fördern.

Seit seiner Entstehung vor 4,53 mal 10 hoch 9 Jahren hat der Mond nichts Gutes geleistet, und selbst diese Entstehung lässt sich heute nicht anders erklären als ein kosmischer Unfall, bei dem – unter Missachtung sämtlicher galaktischer Tempolimits – ein Haufen wabberigen Protoschleims mit 14.000 Stundenkilometern gegen unsere schöne Erde klatschte. Ein Glück, dass nicht mehr passiert ist! Doch seitdem haben wir ihn am Hals, wie den peinlichen Onkel, der nicht nur überflüssigerweise bei jeder Familienfeier auftaucht, sondern dort auch noch sämtliche teuren Getränke auf Ex in sich hineinkippt. Es reicht!

Nehmen wir als Beispiel den Blutmond (gestern). Wenn dieses blasse Orange die Farbe des Blutes sein soll, was ist dann in den schwedischen Krimis immer zu sehen? Erdbeermarmelade? Diese Farbe weist zugleich auf das größte lunare Defizit überhaupt hin: seine andauernde Weigerung, aus sich heraus zu strahlen. Er ist ein Parasit. Wenn die Erde ein Zeckenhalsband um den Äquator spannen würde, wäre er vermutlich längst weg, aber das macht ja auch keiner. Der Mond tut nichts anderes als die elektromagnetische Strahlung, die fleißige Wichtel im Inneren der Sonne unanblässig herstellen, indem sie auf Millionen von kleinen Ambossen Wasserstoffatome zu Helium zusammenschmieden, diese elektromagnetische Strahlung also in der gleichen indolenten Art an sich abprallen zu lassen wie eine hochgeklappte Tischtennisplatte bräsig die Bälle eines vereinsamten Spielers aufs Brett zurückwirft.

Die Romantiker sind drauf reingefallen, und der Quatsch steht immer noch in unseren Schulbüchern und Anthologien (Karl Otto Conrady: Das große deutsche Gedichtbuch, 3 Euro bei Ebay), zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verklärt. „Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst“, säuselt ein gewisser Herr von Eichendorff, wo es in Wahrheit doch heißen müsste: Es war, als hätt ein Staubklumpen ein paar Photonen reflektiert. Freiheit der Dichtung, OK, aber doch bitte halbwegs bei den Fakten bleiben, Herr Eichendorff!

Dazu die beharrliche Weigerung, sich vernünftig fotografieren zu lassen. Sonne lacht, Blende acht, das weiß jeder. Mond reflektiert, Blende blockiert, oder was? Selbst bei ISO 32.000 und drei Sekunden Belichtungszeit sehen Mondfotos so aus, als hätte man mit Blitzlicht ins Innere eines Käsekuchen fotografiert.

Der Mond ist auch nicht gastlich, wie die NASA bei sechs Besuchen in den Sechziger- und Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts feststellte. Nur die Besatzung von Apollo 13 traute den Bildern aus den Reiseprospekten nicht, täuschte einen Defekt am Raumschiff vor und konnte so ohne deprimierenden Aufenthalt auf dem trüben Trabanten wieder die Heimreise antreten.

Über seine eigene Verheertheit aber versucht der gerissene Mond dreist hinwegzutäuschen. Eine von ihm engagierte PR-Agentur kreierte das Wort mondän, was für „von extravaganter Eleganz geprägt“ stehen soll. Mehr Verlogenheit geht kaum: Ein paar tausend Krater, schlechte Luft und eine Landschaft, die so aussieht wie neuerdings die meisten Vorgärten in Kleve, was soll daran mondän sein, bitteschön? Nur die hellsichtigen Engländer haben das miese Spiel des Staubklumpens durchschaut, sie nennen Verrückte lunatics, denn der Mond ist die Mutter aller Verrückten.

Eine dieser Verrücktheiten kennen und verfluchen Strandurlauber, seit es Strandurlaube gibt: An den nervigen Gezeiten, man kennt das ewige Hin uns Her von den Nordseestränden, ist der Mond ebenfalls schuld. Eben noch lag unsereins direkt am Meer und hatte das sanfte Plätschern der Brandung im Ohr, doch kaum hat man die Dose Heineken geleert und will erneut ins Wasser, hat sich die Küstenlinie so weit verzogen, dass ein mehrtägiger Fußmarsch erforderlich ist. Ohne Mond könnte zudem das Wattenmeer komplett bebaut werden (Beitrag zur Linderung der Wohnungsnot), und außerdem bräuchte der Reisende keine Fähren mehr, um zu den Nordseeinseln zu gelangen, die dann übrigens auch keine Inseln mehr wären (West- und Ostfrieseninklusion).

Das permanente Ab- und Zunehmen vergrätzt ebenfalls immer mehr Menschen. Wie eine Frau auf Jojodiät! Stolz wird jedes Gramm Schwund präsentiert, nur um dann ein paar Tage später wieder richtig zuzulegen. Und wenn man dann sagt: „Na, du bist aber ganz schön aufgegangen!“, dann wird geschmollt und man macht sich erstmal komplett vom Acker. Bleib doch weg, wenn du mit Kritik nicht umgehen kannst! Aber nein, dann kommt Madame Luna wieder angetrollt und signalisiert: „Lass es uns noch mal versuchen, ich habe auch wieder etwas abgenommen!“

Die Erde fällt seit Jahrmillionen drauf rein. Doch jetzt, im Zeitalter des Anthropozäns, liegt es an uns Menschen, die Zukunft des Universums – zumindest unserer näheren Umgebung – zu gestalten. Die Losung kann nur lauten: Der Mond hat seine Schuldigkeit getan, der Mond kann gehen!

Wir wollen freie Sicht bis zum Saturn. Die Beleuchtung nachts könnten, wie in Belgien, Straßenlaternen übernehmen. Das Licht ist ohnehin angenehmer.



Deutschlands dreistester Wirt

rd | 25. Juli 2018, 17:51 | 15 Kommentare

Pervers ist noch ein mildes Wort für dieses Angebot eines Gastwirts in einer Klever Seitenstraße

Wie kann man so herzlos sein? Zu Zeiten einer Hitze, für die das Wort „Affe“ zu schwach zu sein scheint, werden gewissenlose Geschäftemacher offenbar besonders erfinderisch! In einer Gaststätte in einer Klever Seitenstraße ist ein skrupelloser Wirt auf die tolldreiste Idee gekommen, für Schattenplätze im Inneren des Lokals eine zusätzliche Gebühr von einem Euro zu verlangen.

„Wer im Schatten sitzt, trinkt nicht so viel“, erklärt der Gastronom seine mitleidslose Rechnung. Gemein! Noch gemeiner: Wer rausgeht und wieder reinkommt, muss erneut bezahlen. Kettenraucher kommen so auf bis zu 40 Euro Schattengebühr, nur wenn sie ein paar Gläser Pilsner Urquell oder Bolten Alt trinken wollen – der Schatten kommt mithin teurer zu stehen als die Flüssigkeitsversorgung. „Alle reden von Schattenwirtschaft“, so der Wirt, der namentlich nicht genannt werden möchte, „aber wir haben sie hier offiziell eingeführt.“



Hochschule Rhein-Waal: Rücktritt vom Rücktritt – und ein anderer Rücktritt

rd | 24. Juli 2018, 12:58 | 21 Kommentare

Dr. Heide Naderer mit Studenten der Hochschule – deren Vertretung, der Asta, hatte der Präsidentin frühzeitig die Unterstützung zugesichert

Lass dich überraschen! In einer Pressemitteilung, die die Hochschule Rhein-Waal heute morgen versandte, teilte deren Präsidentin Dr. Heide Naderer mit, dass sie den Gremien der Hochschule mitgeteilt habe, dass sie ihr Rücktrittsangebot mit sofortiger Wirkung zurückziehe – ein Rücktritt vom Rücktritt also!

Sie habe „reichlich Ermutigung erfahren, die weitere Hochschulentwicklung gemeinsam mit allen Hochschulangehörigen anzugehen“. Das heißt: Sie bleibt im Amt und macht einfach weiter!

Für die noch junge Hochschule mit den diversen Friktionen, die das stürmische Wachstum so mit sich brachte, darf die Entscheidung als gute Nachricht betrachtet werden – ein abrupter Wechsel an der Spitze, der ohnehin nicht so einfach vollzogen werden kann, würde vermutlich eine lange Phase der unnötigen und unberechenbaren Unruhe nach sich ziehen.

Die Lösung, die Naderer statt dessen anbietet, scheint eine andere: Ein Umbau des Präsidiums. Eines der vier Mitglieder, Prof. Dr. Georg Hauck aus Kamp-Lintfort, hat seinen Rücktritt bereits erklärt. Ziel sei es, die Vielfalt der Kompetenzen und Meinungen an der Hochschule in dem Gremium adäquat abzubilden, heißt es in der Pressemitteilung. Naderer: „„Ich bin davon überzeugt, dass die Hochschule die in den vergangenen Wochen identifizierten Aufgaben auf konstruktivem Wege und gemeinsam lösen muss. Daher freue ich mich, an diesem Prozess zusammen mit allen Gremien der Hochschule verantwortlich mitwirken zu können.“

Hier die Pressemitteilung der Hochschule im Wortlaut:

Dr. Heide Naderer bleibt Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal

Rücktrittsangebot offiziell zurückgezogen

Kleve/Kamp-Lintfort, 24. Juli 2018: Die Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal, Dr. Heide Naderer, hat am heutigen Tag die Hochschule und deren Gremien darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie das im Frühjahr gemachte Rücktrittsangebot mit sofortiger Wirkung zurückzieht.

Ausschlaggebend für diesen Schritt waren die Diskussionen der vergangenen Wochen, in denen eine große Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung der Hochschule zum Ausdruck kam. Zugleich wurde an vielen Stellen innerhalb der Hochschule der Wunsch nach personeller Kontinuität an der Spitze geäußert. „Als Präsidentin der Hochschule habe ich in den vergangenen Wochen reichlich Ermutigung erfahren, die weitere Hochschulentwicklung gemeinsam mit allen Hochschulangehörigen anzugehen. An dieser Stelle möchte ich mich sehr herzlich für die erfahrene Bestärkung in meiner weiteren Amtsführung bedanken“, erläutert Dr. Naderer.

Gleichzeitig kündigte Dr. Naderer an, eine Neuaufstellung des Präsidiums in Angriff zu nehmen. Ziel sei es, die Vielfalt der Kompetenzen und Meinungen an der Hochschule in dem Gremium adäquat abzubilden. Dies sei in der derzeitigen Zusammensetzung des Präsidiums so nicht möglich, zumal sich durch den in der letzten Woche erfolgten Rücktritt von Professor Dr. Georg Hauck von dem Amt des Vizepräsidenten für Personal- und Organisationsentwicklung die Notwendigkeit einer personellen Umbesetzung ergeben hat. „Ich bedauere diesen Schritt von Herrn Professor Hauck sehr, da ich in den vergangenen Jahren vertrauensvoll mit ihm zusammenarbeiten konnte und ihn auch persönlich sehr schätze“, so Dr. Naderer.

Dr. Naderer lädt insbesondere diejenigen zur gemeinsamen weiteren Gestaltung der Zukunft der Hochschule ein, die sich augenblicklich noch nicht angemessen einbezogen fühlen. „Ich bin davon überzeugt, dass die Hochschule die in den vergangenen Wochen identifizierten Aufgaben auf konstruktivem Wege und gemeinsam lösen muss. Daher freue ich mich, an diesem Prozess zusammen mit allen Gremien der Hochschule verantwortlich mitwirken zu können“, so Dr. Naderer.


Xenos: TeDi: Schluss in 15 Tagen!

rd | 24. Juli 2018, 10:14 | 11 Kommentare

Mit der Gelassenheit ist’s vorbei: TeDi schließt die Filiale von Xenos in der Unterstadt

Von wegen nahtloser Übergang, alle Beschäftigten werden übernommen, trallala! Nachdem der Discounter TeDi im Frühjahr alle Filialen der niederländischen Kette Xenos übernommen hatte (kleveblog berichtete: Noch mehr heiße City-News), verkündete das Management des Unternehmens zunächst, dass im Grunde einfach nur das Branding der Xenos-Filiale in der Klever Unterstadt geändert wird und die Regale so nach und nach mit den TeDi-Produkten aufgefüllt werden. Alles easy!

Jetzt erfuhr kleveblog: Die Filiale wird am 8. August, also bereits in 15 Tagen, geschlossen! Was zuvor gesagt worden ist, wen schert’s? Ein Grund dafür war von Anfang an ziemlich offensichtlich: Es gibt an der Hoffmannallee bereits eine TeDi-Filiale. Der zweite hingegen ist etwas überraschender: Zwei Geschosse passe nicht ins TeDi-Konzept, und der Laden an der Großen Straße hat bekanntlich ein Kellergeschoss. Die Angestellten haben erst in der vergangenen Woche erfahren, ihnen wurde angeboten, fortan in einer TeDi-Filiale in Dinslaken zu arbeiten (wohl in der Hoffnung, dass keiner die Lust verspürt, jeden Morgen 76 Kilometer zur Arbeit zu fahren).