Herbststillleben mit 11 Rädern und 2 Einkaufswagen

rd | 11. November 2018, 14:32 | 4 Kommentare
Anglerglück an der Spoy (Foto: Dr. Britta Schmitz)

Die Anfang Oktober erschienene Ausgabe des Stadtmagazins Der KLEVER zeigte ein Foto, das einige verrostete Fahrradgerippe am Ufer des Spoykanals zeigte. Drei Studenten mit einem Übermaß an Tagesfreizeit waren morgens bei guter Sicht mit einer Schnur und einem Fleischerhaken den Spoykanal und den Kermisdahl entlang gelaufen und den Boden der Gewässer nach Fundstücken abgesucht. Das Ergebnis des gut einstündigen Fischzugs waren ein gutes Dutzend Räder, mehrere Einkaufswagen und zudem eine Stahltreppe, die sich allerdings nicht bergen ließ. Die reiche Ausbeute rief jetzt offenbar Nachahmungstäter auf den Plan – am Rande des Spoykanals waren am Wochenende wieder ein Dutzend Fietsen aus dem Kanal gehoben werden, dazu erneut zwei Einkaufswagen. Der Klever an sich scheint im Übermut besessen zu sein vom Drang, vieles zu versenken…

Raub der Zeit (Foto aus: Der KLEVER, 2018/2)




„Dat weet ik nit mehr. Die Knastaufenthalte waren auch nicht so schön, da vergisst man einiges…“

rd | 10. November 2018, 14:38 | 3 Kommentare
Diffus blieb auch die Faktenlage in der Schwanenburg

Es wird vermutlich für immer ein Rätsel bleiben, wer die beiden Schlafmittel in den Pudding rührte, den der 93 Jahre alte Mann aus Emmerich-Praest am Mittag des 26. September 2017 verspeiste. Das Dessert beraubte den Mann seiner Sinne, so dass die Frau, die sich zu einem Vorstellungsgespräch zu ihm begeben hatte, in Ruhe die Wohnung durchsuchen und am Ende mit rund 12.000 Euro Bargeld und einer Bankkarte zu ihren beiden Komplizen zurückkehren konnte.

Der Teil ist unstrittig, der Fall hatte seinerzeit bundesweit Schlagzeilen gemacht, und mittlerweile hat die Justiz zwei der drei Täter verurteilt: Die 32 Jahre alte Bewerberin erhielt eine fünfjährige Freiheitsstrafe und unterzieht sich derzeit einer Drogentherapie, der 54 Jahre alte Mann sitzt eine dreijährige Haftstrafe ab. Am Donnerstag begann nun vor dem Landgericht Kleve vor der zweiten großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Gerhard van Gemmeren der Prozess gegen die dritte an dem Verbrechen beteiligte Person – eine 48 Jahre alte Frau aus Kleve. (Das Verfahren war zuvor aufgrund einer Erkrankung der Frau abgetrennt worden.)

Vier weitere Verhandlungstage sind angesetzt, doch schon zum Verhandlungsauftakt zeichnete sich ab, dass – abgesehen von der allseits eingeräumten Gesamtverstrickung in das Geschehen – nur mühsam Klarheit wird Einzug halten.

Die beiden bereits verurteilten Mittäter waren als Zeugen geladen. Als erster trat Peter B., genannt Pit, vors Gericht. Sein Auftritt hatte die Grandezza des überheblichen Ganoven, der sich für ganz schlau hält, aber immer wieder in Handschellen endet.

Vom Vorsitzenden Richter befragt, was an jenem Tag geschehen sei, antwortete er: „Ja, was war da los? Das ist lange her. Da weiß ich gar nichts mehr. Keine Ahnung, ich hatte auch ein bisschen Wodka getrunken. Dat weet ik nit mehr. Die Knastaufenthalte waren auch nicht so schön, da vergisst man einiges. Ich bin unglaubwürdig, warum soll ich überhaupt aussagen?“

Er teilte noch mit, dass er seinen Hund weiterhin besitze, seine Mutter versorge ihn und es gehe ihm gut, bevor er sich mit einem freundlichen „Auf Wiedersehen!“ von allen Besuchern im Saal A 105 der Klever Schwanenburg verabschiedete.

Die Angeklagte selbst hatte zuvor ihren Anwalt eine Erklärung zur Person und zum Tatgeschehen verlesen lassen. Demnach sei sie schwer psychisch krank und zuletzt nicht mehr in der Lage gewesen, ihren Beruf als Altenpflegerin auszuüben. Mit Jobs als Haushaltshilfe hielt sie sich über Wasser.

So lernte sie auch den hochbetagten Mann aus Praest kennen, der im „Klever Wochenblatt“ eine Kleinanzeige geschaltet hatte: „Suche liebe Frau mit Auto“. Weil er darauf bestanden habe, dass die liebe Frau mit Auto auch bei ihm einziehe, sei der Job nichts für sie gewesen. Daraufhin stellte sie den Kontakt zu der 32 Jahre alten Kleverin her. Von dem Tatkomplott habe sie jedoch nichts gewusst, in der verlesenen Erklärung sagte sie dazu: „Ich habe erst durch die Polizei erfahren, dass ein vergifteter Pudding im Spiel gewesen ist.“

Dem widersprach die dritte Täterin. Als Zeugin berichtete sie, von der Angeklagten eine Tüte mit zwei Puddinggläsern bekommen zu haben, verbunden mit dem deutlichen Hinweis, dass das größere der beiden Gläser für den Rentner bestimmt sei. Der Hinweis aber er gibt nur einen Sinn, wenn ein Wissen um die besondere Zutat in einer der beiden Nachspeisen bestanden hat.

Davon ging auch die Polizei nach ihren Ermittlungen aus. Eine Kriminalkommissarin schilderte die Ermittlungsarbeiten und deren Fazit: Alle drei Täter seien sich darüber im klaren gewesen, dass etwas in dem Pudding gewesen sein. Jedoch habe man keine Klarheit darüber erlangen können, wer die Süßspeise mit dem Schlafmittel versetzt habe.

Der Prozess wird am Montag mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt.



„Ihr Handy vibrierte. Ich hab’s gelesen. Es war ein Kerl…“

rd | 08. November 2018, 14:53 | keine Kommentare

„Dann haust du mich kaputt“ – vor dem Landgericht wird ein Fall von häuslicher Gewalt verhandelt: Mann soll Frau bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und mit Kabel ausgepeitscht haben

Es ist das erste Mal seit Anfang des Jahres, dass die beiden wieder gemeinsam in einem Raum anzutreffen sind. Damals war es ein Wohnzimmer in einer Wohnung am Großen Markt in Kleve, die beiden waren noch Mann und Frau mit vier gemeinsamen Kindern. Am Mittwoch war es der Saal A 105 im Landgericht in der Klever Schwanenburg, und er war der Angeklagte, sie die Zeugin – und beide würdigten sich keines Blickes.

Die Anklage wirft dem 27 Jahre alten Klever eine Fülle von Straftaten vor, die sich unter „häuslicher Gewalt“ zusammenfassen lassen: Es soll Schläge gegeben haben, mit der flachen Hand und mit der Faust, es soll Tritte gegeben haben, in der Anklageschrift findet sich außerdem die Vorwürfe, der Mann habe seine Frau dreimal bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und bei anderer Gelegenheit mit einem HDMI-Kabel ausgepeitscht.

Bei einer Attacke sei die Frau hochschwanger gewesen, sodass ein Krankenwagen gerufen werden musste. Wieder heimgekehrt, soll es die nächsten Misshandlungen gegeben haben, eingeleitet vom Mann mit der Frage: „Was habe ich dir gesagt, was passiert, wenn die Polizei kommt?“ Die Frau antwortete: „Dann haust du mich kaputt.“ Einige Fotos in den Gerichtsakten dokumentieren verschiedene Verletzungen.

Vom Vorsitzenden Richter Frank Janßen befragt, schilderte der Angeklagte zunächst sein Leben, dessen einzige Konstante der zunehmende Cannabis-Konsum gewesen zu sein scheint. Er habe zwölf Geschwister, in Rindern den Hauptschulabschluss gemacht, eine Lehre abgebrochen, bei einer Zeitarbeitsfirma gejobbt und sei auch über längere Phasen arbeitslos gewesen. Und dann kamen ja auch die Kinder.

Im Bundeszentralregister ist er bereits mit neun Eintragungen verzeichnet, die meisten wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, zweimal wegen Fahrerflucht, zudem wegen Sachbeschädigung und Beleidigung. Die aus diesen Delikten gebildete Gesamtfreiheitsstrafe sitzt er zurzeit ab.

Die Tatvorwürfe bezeichnete der 27-Jährige als „ein bisschen dramatisiert“. Ohrfeigen räumte er aber ein. Die diesen Übergriffen zu Grunde liegende Motivationskette schilderte er anhand eines exemplarischen Morgens: „Ihr Handy vibrierte. Ich hab’s gelesen. Es war ein Kerl. Er wollte sich nochmal mit ihr treffen.“ Daraufhin gab es die Ohrfeigen. Oder, um mit dem Angeklagten zu sprechen: „Ich sag mal so: Ich war in Rage.“

In den Akten ist auch eine Schilderung verzeichnet, dass das Opfer seinem Peiniger inmitten einer Gewaltattacke ein Glas Wasser angeboten haben soll. „Das passt doch nicht!“, kommentierte der Angeklagte.

Als erste Zeugin durfte das Opfer aussagen. Die 22 Jahre alte Frau schilderte ihre Ehe als ein Martyrium, welches nach der Geburt des zweiten Kindes im Jahre 2014 begann: „Da fing es an mit Ohrfeigen.“ Ihr sei zu Unrecht Untreue unterstellt worden, sie sei zu Hause eingesperrt worden, Nachbarn hätten wegen der ständigen Streitereien immer wieder die Polizei rufen müssen, Wutanfälle habe es beispielsweise gegeben, wenn ihr Mann Abdrücke der Kinder auf dem Fernseher entdeckt habe. Als sie mit dem Kabel geschlagen worden sei, sei sie „vom Gesicht bis zu den Beinen komplett blau“ gewesen.

Das Paar lebte von rund 1600 Euro monatlich, eine Kombination aus Kindergeld, Sozialhilfe und Elterngeld. Einiges davon wurde offenbar vom Mann verspielt, so dass ab der Monatsmitte das Geld knapp wurde und die Stimmung sich verdüsterte. „Ich musste aufpassen, ob er gute Laune hatte oder nicht“, so die junge Frau. Wenn einer der vielen Joints seine Wirkung tat, war die Lage erträglicher.

Die Ehe ist mittlerweile geschieden, der Angeklagte hörte den Ausführungen seiner Ex-Frau ohne die Spur einer Regung zu. Richter Janßen befragte die 22-Jährige auch zu der Episode mit dem Wasserglas. Sie berichtete: „Ich war wie eine Maschine. Dass ich geschlagen wurde, gehörte für mich zum Alltag dazu.“

Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.


HSRW: Senat bittet Prof. Menzel, Posten zu bekleiden, den es gar nicht gibt

rd | 06. November 2018, 12:40 | 149 Kommentare
Joyful time: Dreams are our reality, sagt der Senat

Tollhaus Hochschule Rhein-Waal, Kapitel 461: kleveblog berichtete erstmals am 19. September über die Personalie, nun machte der HSRW-Senat sie – laut eines Facebook-Posts des Allgemeinen Studenten-Ausschusses, die Hochschule selbst kommunizierte die Sache (lieber?) nicht – aktenkundig: Das Gremium bat in seiner Sitzung am 31. Oktober das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Prof. Eberhard Menzel als Interimspräsidenten einzusetzen – einen Posten, den das Hochschulgesetz überhaupt nicht vorsieht. Sancta simplicitas!

Der Kontakt mit Menzel bestand dem Vernehmen nach schon sehr lange. Nach dem Rücktritt der Präsidentin war sein Wagen dann häufiger auf dem Parkplatz der Hochschulverwaltung anzutreffen. Auch dem Schauspiel der Hochschulwahlversammlung am 24. September, bei der unter der Leitung von Prof. Aloys Krieg (RWTH Aachen) das juristische Kunststück versucht wurde, die bereits zurückgetretene Präsidentin nochmals abzuwählen, war Menzel als Zuschauer im Audimax zugegen.

Menzel, 69 Jahre alt, ist von Hause aus Elektrotechniker und war Gründungspräsident der Hochschule Ruhr-West. Dort wurde er vor drei Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Nun soll er offenbar den Standort Kleve „retten“, weil die hauseigenen Kräfte, denen die Leitung per Gesetz zufällt, sich dazu nicht in der Lage sehen.

Ebenfalls beschlossen wurde – laut AStA – ein Gespräch mit einer Personalberatungsfirma, um ein gemeinsames Verständnis des Anforderungsprofils des zukünftigen Präsidenten/der zukünftigen Präsidentin zu finden. Blöd nur: Die Stellenausschreibung war zu diesem Zeitpunkt schon veröffentlicht. 

Bisherige Berichte zum Thema:

Der Methusalem-Komplex: Wird die Hochschule „Eberhards Bastelstube“?

Hochschule: Holzpflock ins Herz gerammt

Hochschule: Präsidentin/Präsident verzweifelt gesucht

„Einer Hochschule komplett unwürdig“