Landratswahlen: Schulrat Feyen tritt an, es gibt also ein Duell vor dem Duell

rd | 14. November 2019, 19:32 | 3 Kommentare
Vom Landrat vorgeschlagen, jetzt Bewerbung eingereicht: Dominik Feyen

Das Jahr hielt für Dominik Feyen bereits eine erfreuliche Überraschung bereit: Der Schulrat für den Kreis Kleve wechselt Anfang Dezember nach Düsseldorf, um bei der Bezirksregierung als schulfachlicher Dezernent zu wirken. Doch, wenn es nach Feyen geht, sind seine Tage dort begrenzt. Mehr als 285 sollen es nicht werden – am liebsten wäre er im Herbst des kommenden Jahres wieder hauptberuflich in Kleve tätig, in einem Büro mit der Nummer 1.330 an der Nassauerallee mit einem Blick über die Niederung. Das Büro des Landrats.

Damit das so kommen kann, hat der 46 Jahre alte Beamte jetzt bei der CDU seinen Hut in den Ring geworfen: Dominik Feyen ist neben der Anwältin Silke Gorissen nun der zweite Christdemokrat, der der sich um die Kandidatur für die Landratswahlen im September 2020 bewirbt. Feyen, der 1989 im Alter von 16 Jahren in die Junge Union eintrat, gehört zu den Mitgliedern des erweiterten Vorstandes des CDU-Stadtverbandes in Kleve.

Nach seinem Studium der Sonderpädagogik arbeitete er zunächst an der Ringsschule in Kleve, einer seiner Kollegen dort war der spätere Klever Bürgermeister Theo Brauer. Anschließend leitete er als Rektor die Pestalozzi-Schule in Goch, bevor er nach einer kurzen Zwischenstation am Berufskolleg in die Kreisverwaltung an die Nassauer Allee wechselte, wo offenbar Landrat Wolfgang Spreen auf ihn aufmerksam geworden ist. Bekanntlich hatte Spreen seine Ankündigung, nicht wieder anzutreten, damit verbunden, Feyen als seinen Nachfolger vorzuschlagen.

In Kleve gehört das CDU-Urgestein Manfred Palmen zu den prominenten Fürsprechern des Kandidaten, wohingegen Silke Gorissen kürzlich eine ganze Liste von Unterstützern aus dem ganzen Kreisgebiet vorweisen konnte.

In seinem Bewerbungsschreiben, das gestern beim CDU-Kreisvorstand einging, positioniert sich Feyen als Mann mit dem Ziel, sich um Arbeitsplätze und Ausbildung zu kümmern, damit die Bürger des Kreises (auch die zugewanderten) die Chance haben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Weitere Themen sind des Kandidaten sind die ärztliche Versorgung und die Landwirtschaft („entscheidend mitverantwortlich für die Schönheit unserer Kulturlandschaft“).

Auch der Klimaschutz gehört zu Feyens Agenda, und in diesem Zusammenhang spielt der ÖPNV für ihn eine wichtige Rolle: „Wenn es uns gelingt, den ÖPNV für alle Bürgerinnen und Bürger im Kreis Kleve zu einer praktikablen Alternative zum Individualverkehr zu entwickeln, können hierbei die Menschen der Klimaschutz gleichermaßen profitieren.“

Ein Landrat muss für Feyen, so heißt es in dem Bewerbungsschreiben, die Kernkompetenzen Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Entscheidungsfähigkeit vorweisen. „Ich habe diese Kompetenzen im Laufe meines (beruflichen) Lebens entwickelt, ausgebaut und auch in kritischen, kontrovers diskutierten Entscheidungsprozessen nachgewiesen“, so Feyen.

Mit der Bewerbung von Feyen dürfte feststehen, dass der CDU im Kreis Kleve sowie den politisch interessierten Menschen spannende Monate bevorstehen. Und wenn sich dann in den Gremien die Kandidatin oder der Kandidat im ersten Duell durchgesetzt hat, geht es gleich weiter mit einem zweiten Zweikampf – denn auf der Gegenseite steht der Bedburg-Hauer Bürgermeister Peter Driessen. Da Driessen von einer Allianz aus Grünen, SPD und FDP gestützt wird, erscheint ein neuerlicher Durchmarsch eines CDU-Kandidaten fraglich.

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Gastwirte, aufgepasst! Einbrechertrend Geldspielautomaten

rd | 14. November 2019, 13:10 | keine Kommentare

Drei Einbrüche, ein Ziel: Gaststätten! Die Serie begann am Freitag zwischen 1 Uhr und 8.40 Uhr (8. November), als unbekannte Täter die Eingangstür einer Gaststätte an der Gasthausstraße aufhebelten und in den Schankraum eindrangen. Gewaltsam öffneten sie dort zwei Spielautomaten und die Kasse des Lokals. Mit dem entwendeten Bargeld im vierstelligen Bereich flüchteten sie in unbekannte Richtung. In der Nacht von Sonntag auf Montag (11. November 2019) verschafften sich Unbekannte unerlaubt Zutritt zu zwei Gaststätten: An der Spyckstraße beschädigten sie das Schloss der Eingangstür so sehr, dass sich die Tür öffnen ließ. Im Inneren hebelten sie einen Sparkasten auf und entwendeten das Bargeld. An der Gaststätte auf der Schlossstraße hebelten sie die Eingangstür auf und brachen die Kasse sowie zwei Spielautomaten auf. Auch hier entwendeten sie Bargeld und flüchteten in unbekannte Richtung.

Die Polizei sucht Zeugen, die in der Nacht verdächtigen Personen gesehen haben. Hinweise bitte an die Kripo Kleve unter Telefon 02821 5040. (as)



Flughafen Weeze: Nur noch drei Tage für Parookaville öffnen?

rd | 14. November 2019, 12:11 | 7 Kommentare
Ryanair-Maschine auf dem Flugfeld Weeze: Abfertigung im Morgengrauen (Foto: Airport Weeze)

Die letzte veröffentlichte Bilanz der Flughafen Niederrhein GmbH, die im Bundesanzeiger zu finden ist, betrifft das Jahr 2017. Das Jahr war nach allgemeiner Einschätzung für den Regionalflughafen in Weeze noch ein gutes Jahr. In den 365 Geschäftstagen erwirtschafteten die etwa 90 Mitarbeiter des Airports ein Rohergebnis von 13.091.741,40 Euro.

An drei Tagen im Jahr findet auf dem Gelände des Flughafens das Parookaville-Festival für elektronische Tanzmusik statt. An jedem dieser drei Tage strömen rund 70.000 mehr oder minder junge Menschen nach Weeze, um zu feiern. Rechnet man nun der Einfachheit halber, dass alle Besucher jeweils einen 3-Tage-Pass für die Veranstaltung gekauft haben, die günstigste Variante ohne irgendwelche VIP-Konditionen, ergibt sich für die Veranstalter des Festivals ein Umsatz in Höhe von 14,36 Millionen Euro. Diese Schätzung ist die absolute Untergrenze.

13 Millionen zu 14 Millionen – diese Zahlen sollten zwingend dazu führen, den Flughafen künftig nur noch an den drei Tagen des Festivals geöffnet zu halten, damit die berühmten DJs in ihren Privatjets einfliegen können. Alles andere wäre ein Akt der Unvernunft.

Angeblich ist der Flughafen ein „Leuchtturmprojekt“, ein „Standortfaktor“, und die Befürworter des Flugbetriebs werden nicht müde zu betonen, dass im Umfeld des Airports mittlerweile rund 1000 Arbeitsplätze entstanden seien, wobei nie näher erklärt wird, wo die genau zu finden sind. Die Zeitarbeiter, die in den Wohnblocks auf dem Flughafen untergebracht sind, werden ja wohl hoffentlich nicht dazu gerechnet.

Die neuerliche Bitte um staatliche Unterstützung, nunmehr sind 1,9 Millionen Euro vonnöten, andernfalls erwäge der Eigner, den Flugbetrieb ruhen zu lassen, diese Bitte also wird im Kreishaus vermutlich in bewährter Manier erfüllt. Der schon vor Jahren auf dieser Website prognostizierte „VEB Flughafen Niederrhein“ wird scheibchenweise Realität – und das Schöne für Landrat Wolfgang Spreen wird sein, dass der vermutlich nicht zu verhindernde Zusammenbruch dieser Zukunftsvision ein Fall für seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin sein wird.

Vielleicht hätte die CDU einfach auf einen streitbaren Geist in ihrer Mitte hören sollen. In den Tiefen des Archivs findet sich ein Artikel aus der Rheinischen Post vom 5. November 2002, also noch vor der Aufnahme des kommerziellen Flugbetriebs in Weeze. Damals sprach der Redakteur Ludger Distelkamp mit Alfons A. Tönnissen, zu dieser Zeit Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung im Kreis Kleve sowie Präsidiumsmitglied der Kreis Klever Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Tönnissen sagte, es wäre fatal, nur auf den Markt der Billig-Flieger zu setzen. Laarbruch würde sich dann wohl nur „am untersten Rand der Rentabilität bewegen“.

Andere Fluglinien aber hatten kein Interesse an Weeze, sodass der Geschäftsführung von Anfang an nichts anderes übrig blieb, als sich auf Gedeih und Verderb der irischen Billigfluglinie Ryanair auszuliefern. Was danach geschah, hat den untersten Rand der Rentabilität noch deutlich unterschritten.


Oberstudienrat Wilhelm Michels, Personalakte, Untermappe C – Dokumente eines prügelnden Paukers

rd | 12. November 2019, 14:52 | 27 Kommentare
Einsicht dank Akteneinsicht: Autor Hans Bernd Jerzimbeck

Das Buch hat kein handliches Format (Din A4), und auch der Titel klingt etwas sperrig: „Neuere Archiv- und Informationszugangsgesetze – eine Chance für den Rechtsfrieden“, man kann dem Autor Hans Bernd Jerzimbeck, einem in Düsseldorf wohnhaften und aus Kleve stammenden Lehrer also nicht vorwerfen, allzu reißerisch unterwegs zu sein. Doch schon der Untertitel führt etwas näher an den Inhalt, der für heimatverbundene Klever und insbesondere für ehemalige Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums eine äußerst spannende Lektüre abgeben dürfte: „ein Beispiel aus dem Schulwesen in Kleve am Niederrhein“.

Dieses Beispiel, es ist die Schullaufbahn des Oberstudienrats Wilhelm Michels, den Jerzimbeck als Schüler selbst erleben durfte: „Mitte der 60er Jahre hatte der Verfasser den Lehrer nur mehrere Wochen erlebt und verließ die Schule, als es sich abzeichnete, dass die Strafarbeiten die Hausarbeiten um ein Vielfaches überwogen“, schreibt Jerzimbeck in dem 76 Seiten starken Buch, das in der Buchhandlung Hintzen und in der Gaststätte Zentrale zum Preis von 9,90 Euro erhältlich ist.

Als in der Festschrift zum Jubiläum 200 Jahre Stein-Gymnasium ein paar kryptische Bemerkungen zum Wirken des besagten Pädagogen fielen („befremdlicher Umgang“, schrieb Wilhelm Diedenhofen, selbst jahrzehntelang Lehrer an der Schule), und als insbesondere in einem Beitrag von „ihm und seinem übergriffigen Lehrstil“ die Rede war, dessentwegen an der Schule „fast eine Revolte“ ausgebrochen sei, beschloss Jerzimbeck, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Das Mittel der Wahl: das Gesetz über die Freiheit des Zugangs zu Informationen für das Land Nordrhein-Westfalen (Informationsfreiheitsgesetz Nordrhein-Westfalen, IFG NRW) , das auch dem Autor dieser Zeilen schon viel Freude (und einen aktuellen Gerichtsstreit vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf) beschert hat. Jerzimbeck konnte im Landesarchiv NRW drei Entnazifizierungsakten sowie die gesamte Personalakte, die seine Arbeitszeit als Lehrer von 1938 bis 1978 umfasste, einsehen. Die Untermappe C der Personalakte befasst sich mit den Ereignissen der Beinahe-Revolte aus den Jahren 1969/70.

Der damalige Skandal begann damit, dass am 2. Mai 1969 eine zweiseitige Schülerzeitschrift mit dem Titel ads (aktion demokratische schule) erschien, in der Verstöße angeprangert wurden, die „im krassen Gegensatz zum demokratischen Verständnis unserer Schule stehen“. Angeführt wurden sechs Fälle von Prügelstrafen, die Wilhelm Michels, genannt „Levi“, vollzogen haben soll. Die Schüler forderten die Suspendierung des Lehrers und die Einleitung eines Strafverfahrens.

Zehn Tage später musste Michels beim Schulkollegium in Düsseldorf vorsprechen, wurde auf einen Erlass zum Verbot körperlicher Züchtigung hingewiesen und zu einer schriftlichen Stellungnahme aufgefordert. In seinem vierseitigen Schreiben gab Michels drei Fälle zu (aus Sorge um das Wohl der Schüler) sowie einen Versuch. An die beiden weiteren Fälle könne er sich nicht mehr erinnern. Direktor Erwin de Haar legte einen Begleitbrief bei, in dem es hieß: „Leider habe ich in früheren Jahren Herrn Michels auch deshalb [wegen sinnloser, überlanger Strafarbeiten] öfter ins Gewissen reden müssen, vor allem wegen seines ironischen, den Schüler einschüchternden Tons“.

Es kam zu Vorermittlungen, offenbar war auch einmal ein Staatsanwalt aus Kleve bei einem Telefonat mit der Bezirksregierung zugegen, worüber de Haar in einer Stellungnahme schreibt: „Es war mir interessant, dass der Staatsanwalt, der, während ich mit Ihnen telefonierte, schon im Vorzimmer saß, dann in einem ruhigen Gespräch mit mir so nebenbei bemerkte: ja, erkenne das ja, er sei selbst von Michels schwer geschlagen worden und habe dann einen Tritt ins Kreuz bekommen“.

Michels selbst räumte die Vorwürfe ein, er sah sich in „Konflikten“, die er auf „methodisch falsche Art und Weise zu lösen“ versucht habe. Michels gelobte Besserung, doch der Jurist der Bezirksregierung zweifelte. Er wisse nicht, „wie ein 56 Jahre alter Lehrer sich insoweit noch ändern kann“. Als Strafe einigte man sich auf einen förmlichen Verweis. Parallel dazu lief offenbar auch noch ein Verfahren beim Amtsgericht Kleve, das am 17. Februar 1970 mit dem Erlass eines Strafbefehls endete, weil Michels „als Beamter und in Zusammenhang mit der Ausübung seines Amtes vorsätzlich eine Körperverletzung begangen“ hat.

Spannend in dem Buch ist auch das Kapitel über die Nachfolgeregelung für den Direktorenposten. Direktor de Haar bat wegen seines schlechten Gesundheitszustandes um um Versetzung in den Ruhestand. Der allseits geachtete Fritz Freutel galt als Favorit für die Nachfolge, doch dann fiel die Wahl auf Pastor Alfons Freistühler, der sich während seiner sechs Jahre währenden Zeit an der Spitze des Gymnasiums Petrinum in Brilon (Sauerland) mit fast allen Kollegen überworfen hatte – „völlige Zerrüttung“, heißt es in den Akten. 1970 versetzte Kultusminister Fritz Holthoff Freistühler entgegen der Warnungen aus seinem Hause nach Kleve. (Freistühler selbst schreckte vor körperlichen Züchtigungen nicht zurück, sein Markenzeichen war der feste Kniff in die Wange, um dann den Kopf des Schülers zu schütteln.)

Wilhelm Michels wurde am 7. Dezember 1970, also anderthalb Jahre nach den inkriminierten Vorgängen, sogar noch zum Studiendirektor befördert. In der Begründung heißt es, er habe sich „im übrigen nach den Disziplinarverfahren tadelsfrei geführt “.

Fazit: Ein spannendes Buch für alle, die diese Zeit miterlebten und nun fast wie in einem Krimi nachlesen können, wie hinter den Kulissen die Konflikte ausgetragen und bereinigt wurden.