1. kleveblog-Roadmovie: Oraniendeich, when will I see you again? (2022)

rd | 02. Juni 2019, 19:36 | 15 Kommentare
We shared precious moments…


Horch, Storch: Klick!

rd | 30. Mai 2019, 10:24 | 3 Kommentare
Familie Storch in Düffelward (Foto: Klaus Neumann)

Störche führen eine Saisonehe, ein sehr interessantes Beziehungsmodell. (Kennt der Mensch aus Kurorten.) Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,20 Meter sind die Weißstörche (Ciconia ciconia) mit die größten Tiere, die in freier Wildbahn am Niederrhein anzutreffen sind. Vieles Kleinere, z. B. Frösche, Fische, Großinsekten, Mäuse, Maulwürfe, Entenküken, Jungvögel und Schlangen, wird ihnen zur Beute, um den gefräßigen Nachwuchs zu versorgen. Das Foto von Klaus Neumann aus Düffelward (das Nest steht direkt an der Kirche) zeigt ein Elternteil (die Geschlechter sind nur schwer auseinanderzuhalten, außer beim Sex, da befindet sich das Männchen oben), das sich um zwei Küken, die schon recht stattlich geworden sind, kümmert. Bald werden sie, noch ungelenk und unsicher, ihre ersten Flugversuche unternehmen, und dann womöglich im nächsten Jahr, so grazil dahinsegelnd wie ihre Eltern, die ebenfalls Migranten sind, von Afrika aus kommend den Niederrhein zu ihrer zweiten Heimat erküren. Wie viele Weißstörche es noch gibt, ist nicht sicher. Wikipedia führt eine Schätzung aus dem Jahre 2009 an, nach der es noch 500.000 bis 520.000 dieser Vögel gibt. Schön, wenn der Niederrhein dazu beitragen kann, dass es Jahr für Jahr wieder ein paar mehr werden. 



Die Oraniendeich-Apokalypse: Kellen gewinnt 7,5 Millionen Autos

rd | 29. Mai 2019, 13:15 | 9 Kommentare
Umleitungen sind ausgeschildert, Verwerfungen nicht ausgeschlossen

(Aktualisiert, jetzt mit Kreuzhofstraße als zusätzlichem Aspekt.)

Die ersten Planungen zu einer Südumgehung Kellens datieren aus einer Zeit, als in den Büros noch Fraktur geschrieben wurde. 2006 beschloss der Rat der Stadt Kleve eine Streckenführung, die etwa von der Riswicker Straße bis zum Haus Schmithausen (Euregio) verläuft. Wenn diese Straße mittlerweile Wirklichkeit geworden wäre, bliebe dem Ortsteil ein automobiles Fiasko erspart, welches am 3. Juni beginnt, sich über mindestens 943 Tage erstreckt und insbesondere den Anwohnern der Emmericher Straße ein zusätzliches Automobilaufkommen von rund 7,5 Millionen Kraftfahrzeugen bescheren wird (wahrscheinlich mehr).

Grund dafür ist die – schon ausführlich in anderen Medien dargestellte – Sperrung des Oraniendeichs von Montag an. Der Deich wird, das ist lange geplant, zurückverlegt und begradigt, um für zukünftige Hochwasser, die womöglich infolge der klimatischen Veränderungen stärker ausfallen, gewappnet zu sein. Die Menge an Erdreich, die dafür bewegt wird, beziffern die Bauherren vom Deichverband Xanten-Kleve mit 875.000 m³, eine Masse, die ausreicht, um den Kölner Dom mehr als zweimal komplett auszufüllen. Dementsprechend lange dauern die Arbeiten – erst zum Anfang 2022 soll der neue Deich erstmals befahrbar sein.

Was aber geschieht in der Zwischenzeit mit den Autos, die bisher nicht die Emmericher Straße wählten, sondern den zwei Kilometer längeren Weg über den Deich, der dafür aber deutlich angenehmer zu fahren war? Die Zahl der Autofahrer, die täglich diese Strecke nutzen, beläuft sich zwischen 7000 und 9000. Künftig werden diese Autos, wenn sie nicht ganz weiträumig Kleve umfahren, irgendwann an der Kreuzung Emmericher Straße/Klever Ring stehen. Oder aber, wenn sie eine beliebte Abkürzung nehmen, über die beruhigte Kreuzhofstraße gen brausen.

Gut möglich also, dass in Kellen ab Anfang Juni zu Spitzenzeiten Verhältnisse herrschen, wie der Klever sie sonst nur vom Koningsdag kennt, wenn Tausende Niederländer mit dem Auto in die Stadt stürmen, um den Geburtstag von König Willem-Alexander bei Aldi und Kodi zu feiern. Es würde auch nicht wundern, wenn die Grünen nach Abschluss der Bauarbeiten in Kellen die absolute Mehrheit erhielten. Von Autos jedenfalls dürften die Kellener Anfang 2022 die Nase gestrichen voll haben.

Die Planer haben für die Zeit des Deichbaus eine Umleitung eingerichtet, die über den Postdeich führt. Nutzen werden sie vermutlich nur Ortsunkundige; jedes Navi wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Streckenführung bis zur Ringkreuzung oder aber – je nach Ziel – sogar ganz durch die Stadt empfehlen. Das aber dürfte auch die Kreisverkehre vor neue Herausforderungen stellen, denn für ein deutlich höheres Verkehrsaufkommen sind sie nicht ausgelegt.

Nur an einer Stelle dürften die Baumaßnahmen (deren Nutzen außer Zweifel steht) unter Verkehrsaspekten willkommen geheißen werden: bei den Anwohnern und Nutzern der Gruftstraße. Die Straße, bisher für Autofahrer ein steter Quell des zähen Flusses, wird vermutlich von Montag an für die Dauer von zweieinhalb Jahren deutlich weniger frequentiert, weil ein Gutteil des Verkehrs, der ansonsten durch die Stadt fließt, über die Emmericher Straße zum Klever Ring und dann über die Uedemer Straße auf die B9 geführt wird.

Ein verblüffendes Bild aus dem Familienarchiv von… (© U. Pauls)
Wird die Gruftstraße von Montag wieder so aussehen? (Foto: Familienarchiv U. Pauls)

Die Inszenierung der Wirklichkeit als Friedefreudeeierkuchen

rd | 27. Mai 2019, 14:39 | 26 Kommentare
Was die Zeitung nicht zeigt (Foto: Udo Kleinendonk)

Wir sehen den sehr geschätzten Fotografen der Rheinischen Post, Markus van Offern, bei der Arbeit. Für ein Pressefoto platziert er einige Jubilare der gerade zehn Jahre alt gewordenen Hochschule Rhein-Waal so, dass es nach Hülle und Fülle aussieht. Unter den Abgebildeten stehen in der vorderen Reihe die erste Präsidentin der Hochschule, Prof. Dr. Marie-Louise Klotz (2. v. r.), und in der hinteren der Beauftragte für das Amt des Präsidenten, Prof. Dr. Eberhard Menzel sowie der zukünftige Präsident Dr. Oliver Locker-Grütjen (4. und 5. v. r.). Die meisten der Abgebildeten halten Blumensträuße und Urkunden, und es herrscht, das soll offensichtlich werden, gute Laune. Festtagsstimmung!

Das Bild, welches vermutlich schon in der Zeitung steht (die Lektüre der RP habe ich weitestgehend aufgegeben, ich erreiche nicht einmal mehr das Limit von 20 kostenfrei zu lesenden Artikeln pro Monat), wird sich an die textlichen Jubelarien anschmiegen, mit denen ein gewisser Redakteur glaubt, dem Ereignis gerecht werden zu können. Wie schon geschrieben, eine, womöglich sogar die herrschende Sicht der Dinge.

kleveblog wäre aber nicht kleveblog, wenn es diese spezielle Perspektive auf das Geschehen nicht in einen etwas größeren Zusammenhang betten würde. In diesem konkreten Fall beschenkt uns der Fotograf Udo Kleinendonk mit einem Blick auf die gesamte Szenerie. Das dokumentarische Bild lässt, anders als dessen inszenierte Variante, die Ambivalenz des Geschehens offenbar werden. Die Aufnahme bezeugt eine Kluft, einen sehr großen Abstand zwischen den Geehrten und dem Publikum. Zufall? Was in der offiziellen Aufnahme – vermutlich – in der Unschärfe verschwimmen wird, ist zudem der Umstand, dass das Feld nur spärlich besetzt ist. Das könnte zu der Deutung führen, dass die Geehrten vor allem sich selbst feiern. Studenten jedenfalls scheinen nicht oder nur spärlich vorhanden zu sein, sie dienen wie bei der Podiumsdiskussion zur Jubiläumsfeier allenfalls als Staffage.

Noch interessanter wird der Blick auf das Foto freilich, wenn man die internen Verwerfungen an der Hochschule kennt. Der Wissende sieht  etwa unter den wenigen Zuschauern in der Bildmitte einen Strohhut, der mühelos Prof. Jens Gebauer zuordnet werden kann. Und eher links steht,  verkniffen blickend, Prof. Marion Halfmann. Beide gehörten zu denen, die dem Treiben der nun wieder als visionär präsentierten Gründungspräsidentin Klotz kritisch gegenüberstanden. Beide gehörten auch  als Präsidiumsmitglieder (wie Prof. Georg Hauck, der gar nicht erst auf dem Bild zu sehen ist), zu denen, die im vergangenen Jahr das Messer gegen deren Nachfolgerin wetzten. (Interessanterweise verfolgt die HSRW in Bezug auf diese Personalie das Modell einer stalinistischen Geschichtsschreibung, in der das Wirken von Dr. Naderer komplett ignoriert wird, so wie die Sowjets auch in Ungnade gefallene Genossen aus Fotos wegretuschierten. Aber das nur am Rande.)

Nun, da die Fronten geklärt sind und die Kräfte der Restauration wieder im Fokus wohlmeinender Medien stehen, wirkt es so, als seien Gebauer und Halfmann ins Abseits gedrängt worden, während Menzel und Klotz sich feiern lassen. So kann’s gehen.