Geplante Sparkassen-Fusion: Not hilft Elend

Eine Zange, wie von Schlieffen zur Eroberung entworfen
Die Pressekonferenz zur Fusion am 4. Juli 2016

Als am 4. Juli 2016 die Vorstände der Sparkassen Kleve und Emmerich-Rees die Fusion ihrer Geldinstitute bekannt gaben, wählten sie das historische Gemäuer der Schwanenburg, um die epochale Tragweite der Entscheidung zu unterstreichen. Doch schon der neue Name des Geldinstituts machte das Vorläufige deutlich, denn er war als Kampfansage zu verstehen: Sparkasse Rhein-Maas. Passend dazu standen in den Ecken des Spiegelsaals drei sogenannte Roll-ups, die grau eingefärbt das Geschäftsgebiet der zukünftigen Sparkasse zeigten, und, weiß, einiges an Freiraum östlich des namensgebenden Flusses.

Das aber war das Geschäftsgebiet der Verbandssparkasse Goch-Kevelaer-Weeze. Der damalige Vorstandsvorsitzende der neuen Sparkasse, Rudi van Zoggel, kommentierte den weißen Fleck wie folgt: „Der Grundstein ist gelegt. Goch hat sich für einen Alleingang entschieden, aber die Türen stehen immer offen.“ Schon damals sagte er auch, er erwarte, dass in den nächsten drei bis fünf Jahren eine Entscheidung mit der Sparkasse Rhein-Maas anstehe.

Nun, es wurden fünf. Am Wochenende teilten die Geldinstitute aus Goch und Kleve in einer dürren Pressemitteilung mit, dass sie Gespräche über einen Zusammenschluss aufgenommen haben. Sie steht noch nicht einmal auf der Website der Sparkasse, wo die letzte Meldung zwei Wochen alt ist.

Auch die Gremien des Instituts scheinen überrumpelt worden zu sein. Udo Weinrich (Offene Klever), einer von 16 Vertretern der Stadt Kleve, die vom Rat der Stadt in die Verbandsversammlung der Sparkasse Rhein-Maas entsandt worden sind, monierte, dass das Gremium das Thema Fusion oder Fusionsabsicht nicht behandelt habe und es auch keinen entsprechenden Beschluss gebe, der den Verwaltungsrat der Sparkasse legitimierte, Gespräche über eine Fusion aufzunehmen.

In der am Freitag am späten Nachmittag versandten Mitteilung hieß es indes, die Verwaltungsräte der beiden Sparkassen einen entsprechenden Beschluss gefasst hätten.

Es ist davon auszugehen, dass dieser mit Macht in die Tat umgesetzt wird, frei nach dem Motto: Not hilft Elend. Und immerhin, eine Fusion könnte zumindest eines der Vorstandsgehälter im mittleren sechsstelligen Bereich überflüssig machen. Würden die Leiter der Geldinstitute nach ihrem wirtschaftlichen Erfolg bezahlt, dürften sie ohnehin kaum mehr verdienen als der Betreiber einer mittelmäßigen Pommesbude.

Das Geschäftsmodell der Banken ist nicht mehr vorhanden, es geht nur noch darum, Kosten zu drücken und bei der Erfindung angeblich erforderlicher Gebühren möglichst kreativ vorzugehen. Ein Zusammenschluss könnte dienlich sein, ein paar Stellen im Back Office zusammenzulegen, und eben einen Vorstand weich gepolstert zu entsorgen.

Zusammengehen würden dann eine Bank mit 461 Mitarbeitern und Einlagen in Höhe von 1,816 Milliarden Euro und eine Bank mit 102 Mitarbeitern und Einlagen in Höhe von 554,34 Millionen Euro. Das Filialnetz, bestehend aus 19 Geschäftsstellen (Kleve) und sechs Geschäftsstellen (Goch) kann kaum weiter ausgedünnt werden, allerdings könnte der Sitz der Sparkasse in Goch noch einer anderen Nutzung zugeführt werden.

Was auch immer dann entstehen mag, dessen Tage dürften auch schon so gut wie gezählt sein. Zum Vergleich: Die Sparkasse Krefeld, die den Südkreis (Geldern, Issum, Kerkern, Rheurdt, Wachtendonk) schon in Beschlag genommen hat, bringt es auf Einlagen in Höhe von 7,619 Milliarden Euro, ist also schon jetzt wiederum dreimal so groß wie das zukünftige Gebilde Sparkasse Rhein-Maas (inklusive Goch-Kevelaer-Weeze).

kleveblog-Berichte zur damaligen Fusion:

Sparkassenfusion (3): Die Pressekonferenz

Sparkassenfusion (5): Der weiße Fleck

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4 Kommentare

  1. 4

    Thema Vorstandsgehälter .. die könnte man vielleicht noch mit marktüblich irgendwie rechtfertigen, wobei das Beispiel mit der Pommesbude auf dem freien Markt auch nicht unüblich wäre, verdient die Firma nix verdient der Unternehmer nix. Leider ist ne Sparkasse aber quasi öffentlicher Dienst und der Chef niemand, der so wirklich für irgendwas gerade stehen muss. Er bekommt das Gehalt bombensicher, der Steuerzahler ist im Zweifelsfall dafür zu belangen.

    Die Gehälter rechtfertigt man wie folgt: man stehe ja, im Ringen um die besten Köpfe, im Wettbewerb mit anderen Banken und Unternehmen und müsse entsprechend bezahlen… Zur Erinnerung: diese besten Köpfe haben es in den letzten Jahrzehnten geschafft, Steuermillionen aus unserem Kreis zu erbetteln, Gebühren zu erhöhen und zu erfinden, Filialen zu schließen und sich mehr und mehr aus ihrem Versorgungsauftrag zurück zu ziehen. Ich empfinde das Niveau als maximal Pommesbude. Wobei ich damit den vielen guten Gastronomen, die Tag für Tag für Ihr Unternehmen kämpfen, eigentlich viel zu nahe trete.

    Was man bei bei der versuchten Erklärung der überzogenen Gehälter lieber gleich verschweigt, sind die zusätzlichen lebenslangen Pensionen, die wir Bürger dem Vorstand schulden. Diese sind halt nicht (Banken)marktüblich und widersprechen der wir-zahlen-lediglich-marktüblich Argumentation und sind somit schwerlich zu rechtfertigen. Leider “gehört” das Institut Sparkasse über die Beteiligungen durch Städte, Gemeinden und Kreise uns allen und wenn es Bürgergeld und nicht die eigene Kohle ist, ja da haut man halt noch üppige, sechsstellige Pensionen raus. Was kümmert es die Politik solange für eben diese bspw. über ein Pöstchen im Verwaltungsrat auch noch ein Krümelchen abfällt.

    Warum bspw ein Herr van Zoggel von seinen 300.000€ Jahresgehalt nichts für die Rente zurücklegen musste weil er ja jetzt noch bis ans Lebensende 200.000€/a Pension kassiert, ist ein Fehler im (Selbstbedienungs)system und ein Skandal, den leider kaum einer als solchen empfindet.

    Apropos, ich meine mich erinnern zu können, dass die damalige Fusion mit der bankrotten, von uns Steuerzahlern über die 10Mio Kreiseinlage geretteten, Sparkasse Emmerich, dazu führen sollte, dass aus damals zusammen 5 (7?) Vorstandsmitgliedern 3 (5?) werden sollten. Ist das eigentlich passiert oder kassieren klammheimlich alle weiter?

    Was mir wichtig ist und wer sich durch meinen Post defintiv nicht auf den Schlips getreten fühlen soll, sind die vielen Sparkassen Mitarbeiter, die jeden Tag einen wirklich guten Job machen. Ich erlebe sie fast immer hilfsbereit, lösungsorientiert und freundlich. Das die oberste Chefetage es nicht schafft, mit diesem motivierten, gut ausgebildeten und gut arbeitenden Mitarbeiterstamm erfolgreicher zu sein, ist ein ein weiteres Zeichen dafür, dass Eure Chefs zwar viel Geld bekommen, es aber nicht verdienen.

    Und eins noch, wir wollen ja nicht zu positiv enden, apropos Steuergeld und Beteiligungen…. Stadt bzw. Kreis Kleve verteilen Dein und mein Steuergeld, das wofür wir vorher so geschwitzt haben, nicht nur in Höhe von 10.000.000€ vor nicht allzulanger Zeit an die Sparkasse Emmerich, nein, es gingen auch ca. 30.000.000€ an den Flughafen Weeze oder jetzt mal wieder von der Stadt Kleve ein nettes Sümmchen an die Draisinen GmbH, die ohne den nächsten Nachschlag aus dem Steuersäckel mal wieder pleite wäre…. eigentlich alles Unternehmen, die sich ohne versteckte Subventionen am Markt behaupten sollten… so erzählte und erzählt es die Lokalpolitik. Aber ab jetzt ändert sich ja alles… weiblich ledig jung oder wie war es im anderen Artikel über den CDU Vorsitz? Bin gespannt.

     
  2. 2

    Wie kommt´s, dass mir beim Lesen des Artikels, ungefähr da, wo Herr Weinrich erwähnt ist, eine Frage von Hermann Josef Abs einfiel, die dieser dann auch gleich selbst beantwortet hatte:

    Was ist der Unterschied zwischen einer Hundehütte und einem Aufsichtsrat?

    Die Hundehütte ist für den Hund,
    der Aufsichtsrat ist für die Katz.