Transformanten-Prozess: Die 7 Frauen des Propheten

Die Transformanten nannten ihn „Sonnenblume“: Der Angeklagte auf dem Weg in den Gerichtssaal, im Hintergrund seine drei Strafverteidiger Inez Weski, Pantea Farahzadi und Dr. Rüdiger Deckers

Wie stellte sich die Beziehung des Angeklagten zur Eventmanagerin aus Sicht der Mitglieder des „Ordens der Transformanten“ dar? Antworten darauf gaben vor dem Landgericht Kleve am neunten Verhandlungstag im Prozess gegen den selbsternannten Propheten, dem vielfacher sexueller Missbrauch und Freiheitsberaubung vorgeworfen wird, drei Männer, die alle der Glaubensgemeinschaft angehören.

Bemerkenswert war insbesondere die Aussage eines 36 Jahre alten IT-Technikers, der seit mehreren Jahren mit einer Tochter des Angeklagten liiert ist, sozusagen ein Quasi-Schwiegersohn. Er berichtete, dass B., der Angeklagte, mit einer Frau verheiratet sei. Daraufhin wollte Christian Henckel, der Vorsitzende Richter der 7. großen Strafkammer, es etwas genauer wissen. Ob es weitere Frauen gebe, die sich selbst als Ehefrauen von B. betrachteten? Daraufhin nannte der Zeuge nicht nur den Namen der Eventmanagerin, die das Opfer des langjährigen Missbrauchs sein soll, sondern auch fünf weitere Namen, sodass es in Summe offenbar sieben Frauen gab.

Der Zeuge betrachtete sich auch als Freund des Gocher Unternehmers, zu dem die Eventmanagerin eine Beziehung unterhielt. Man besuchte gemeinsam Spiele von Borussia Mönchengladbach, er war auf seinem Geburtstag zu Gast. „Ich wusste sogar, wo sein Hausschlüssel liegt“, berichtete er. 

An einem Tag in den Wochen vor der Razzia (Oktober 2020) habe er den Auftrag erhalten, einen Brief der Eventmanagerin an den Unternehmer zu übergeben. Am Abend desselben Tages sei er nochmals zum Haus des Mannes gefahren, um Sachen der Frau abzuholen. Der Unternehmer habe ihn „sehr emotional“ und alkoholisiert empfangen, die Kleidungsstücke der Frau hätten im Flur des Hauses verstreut gelegen – allerdings nur Hosen, was den Zeugen nach eigenem Bekunden sehr verwunderte, weil er die Eventmanagerin nur in Kleidern kannte. „Ich dachte, diese Sachen gehören ihr nicht“, sagte er.

Dann berichtete er, man habe sich im Fernsehzimmer längere Zeit unterhalten, und dort habe er erstmals erfahren, dass der Unternehmer eine Beziehung mit der Eventmanagerin eingegangen war – schon seit Anfang des Jahres. „Er sagte, er sei sehr verliebt“, so der Zeuge. In dem Brief habe sie die Beziehung beendet.

Warum er überhaupt einen Brief übergeben musste (und kein Anruf erfolgte), warum ihm dieser Brief ihm nicht von der Eventmanagerin selbst, sondern von einem anderen Graefenthal-Mitarbeiter in die Hand gedrückt wurde, warum die Frau nicht selbst ihre Sachen abgeholt hatte (sie fuhr einen BMW, den Kauf hatte der Gocher Unternehmer vermittelt) – diese Fragen konnte der Zeuge entweder nicht beantworten, oder er verwies darauf, dass die Eventmanagerin eben „krank“ gewesen sei.

Ein weiterer Zeuge, ebenfalls Mitglied der Gemeinschaft, bezeichnete den Vorwurf, die Eventmanagerin sei gefangen gehalten worden, als „Unsinn“. Sie sei nicht der Typ gewesen, der sich gefangen nehmen ließ. Auch er war offenbar näher mit dem Gocher Unternehmer bekannt. Seiner Aussage zufolge hatte dieser ihn sogar beauftragt, sein Büro umzubauen, was auch geschehen ist, allerdings, so der Zeuge, sei die Rechnung noch nicht bezahlt.

Die Beziehung zwischen dem Guru und der Eventmanagerin habe begonnen, als diese 18 Jahre alt geworden sei. Sie habe sich sogar seinen Namen aufs Handgelenk tätowieren lassen. Man habe sie als seine Frau bezeichnen können, allerdings erzählte auch er, dass B. Beziehungen mit mehreren Frauen hatte, was im Kloster bekannt gewesen sei. 

Aus den Aussagen des ersten Zeugen ließ sich rekonstruieren, dass der Guru und sein mutmaßliches Opfer sowie einige weitere Mitglieder der Glaubensgemeinschaft einige Jahre lang eine rege Reisetätigkeit entfalteten, die fluchtartige Züge aufwies. Demnach gab es einen Aufenthalt auf Korsika, der offenbar nach Drohungen beendet wurde, weitere Stationen lagen in der Schweiz (auf einem abgelegenen Bauernhof), im pfälzischen Puderbach sowie auf Neuseeland.

Dieser Zeuge, 60 Jahre alt und mit Fahrdiensten beauftragt, sagte verblüffenderweise, von einer sexuellen Beziehung zwischen dem Guru und der jungen Frau habe er nichts bemerkt, und auch nichts darüber gehört. Bei dem Aufenthalt in der Schweiz, in einem 600 Jahre alten, hellhörigen Haus mit Löchern in den Zimmerdecken, habe er direkt über dem Zimmer des Gurus genächtigt. „Ich hätte es bemerken müssen, wenn da etwas gewesen wäre“, so der Zeuge. 

Am Dienstag war die Öffentlichkeit wieder für mehrere Zeugen zugelassen

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5 Kommentare

  1. 5

    @1 Niederrheinerin “Das wird ja immer “besser””
    Die Groninger und Friesen würden das ´sodema en morrema´ nennen.

     
  2. 4

    @2 Gocher “Wer das Kloster noch besucht sollte sich schämen”
    Es steht ja noch der “Männerschnupfen” am 5. Februar 2022 an, mal gespannt, ob Peter Buchenau dann Schnupfen hat.

     
  3. 3

    By the way ,ich wünschte mir den Opfern würde so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie solchen u.ä., für mich, perversen massiv gestörten 🐦🐦.. es ist schlicht zum 🤮