HeiPo, oder: Glanz & Elend der Polsterdemokratie

rd | 16. November 2007, 15:00 | 9 Kommentare

Wer Ronald Pofalla und seinen durch nichts zu bremsenden Ehrgeiz kennt, weiß wie sehr ihn die lokalmediale Formschwäche des vergangenen Wochenendes getroffen haben muss. Doch wie sonst nur die ganz großen Sportler geht er gestärkt aus dieser Krise hervor: Müntefering-Rücktritt? Thierse-Entgleisung? Ach was, die Wahrheit ist aufm Platz, und der Platz ist für den Generalsekretär der CDU zweifelsohne der gemütlich gestaltete Eingangsbereich des nach dem visionären Firmengründer Heinz Bodden (übrigens der Vater des ehemaligen Bundesligaspielers Olaf Bodden) benannten HeiBo-Möbelhauses an der Hauptstr. 25 im Bedburg-Hauer Ortsteil Louisendorf, ganz in der Nähe des formidablen Autohauses Weber.

WappenDort kaufte ich vor Jahrzehnten für 10.000 Mark in bar einen waldmeistergrünen Lada Samara (ganz in der Familientradition von Autos mit merkwürdigen Grüntönen verhaftet, die mein Vater mit einem lofotengrünen VW Passat eröffnete). Der Lada Samara begleitete mich sogar bis nach Hamburg und gab dort zum Jaguar-E-Type des Zahnarztes, der in dem von mir bewohnten Mietshaus im Erdgeschoss praktizierte, einen hübschen Kontrast ab, vielleicht sogar einen mit sozialkritischem Unterton. Louisendorf wurde von Auswanderern aus der Pfalz gegründet, die ursprünglich nach Amerika wollten, dann aber schon am Niederrhein hängen blieben. Das Wappen der Familie Bodden zieren drei goldene Polsternägel, was nichts mit Vampirbekämpfung zu tun hat, sondern für die lange Tradition des Möbelhauses steht. So viel zum biographischen und historischen Kontext, in dem sich nun Ronald Pofalla bewegte.

Klar ist: Wenn einer der wichtigsten Politiker Deutschlands eines der wichtigsten, wenn nicht gar das wichtigste Möbelhaus in Louisendorf besucht, kann die Lokalpresse nicht außen vor bleiben. Ca. vier Bildveröffentlichungen – Chapeau! Nur die Texte waren schwach, da hatte der Wissenschaftliche Mitarbeiter des Polsterdemokratievertreters wohl etwas geschludert. So was wie “Pofalla fordert mehr soziale Polsterung” oder “Pofalla macht reinen Tisch” hätte schon drin sein müssen. Die Angebote von HeiBo im Bereich “moderner Polstergarnituren” sind jedenfalls außerordentlich gut, und – wenn meine Demokratieeuphorie mich nicht in die Irre führt – auf jedes einzelne der bei HeiBo ausgestellten Möbelstücke ist ein wenig vom Glanz des charismatischen Bundespolitikers abgestrahlt.



Klever Politbarometer

rd | 11. November 2007, 22:07 | 3 Kommentare

Tabelle

Hier das aktuelle Politbarometer: Welcher Lokalpolitiker brachte es am Wochenende wie oft mit einem Foto in die Presse?

Ein ganz starkes Comeback feierte Theo Brauer, dessen mediale Zurückhaltung in den vergangenen Wochen offenbar nur ein geschicktes Täuschungsmanöver war. Mit dem Heimspiel des Klever Unternehmerpreises im Rücken schaffte das Klever Stadtoberhaupt gleich zehn Veröffentlichungen und schoss damit sofort wieder an die Spitze der Charts (Vorwoche: 0). Besonders eindrucksvoll das Foto des Bürgermeisters mit der Straßensammelbüchse des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Nach eher schwachem Saisonbeginn legte auch sein Konkurrent aus der Nachbargemeinde Bedburg-Hau, Peter Driessen, nun mehrere fulminante Auftritte hin – einen, zur Einweihung eines Wanderweges zwischen Kleve und Bedburg-Hau, sogar gemeinsam mit seinem Konkurrenten aus Kleve. Getrennt spazieren, vereint zuschlagen!

Sorgen bereitet dagegen immer noch der Landrat des Lächelns. Acht Fotos von vor zwei Wochen, dann null in der vergangenen, und nun lediglich eines (einen Sonderpunkt gab es allerdings dafür, dass er mit einer kuriosen Komposition (“SPD-Vorwürfe an Spreen” – “Landrat weist Vorwürfe zurück”) die letze Seite der Niederrhein Nachrichten komplett abgräumt hat). Allerdings weist die Jury schon jetzt präventiv darauf hin, dass Landratfotos mit dem orangefarbenen Hemd nicht mehr in die Wertung genommen werden.

Ganz schwach zur Zeit die Auftritte der bundespolitischen Elite: Barbara Hendricks und Ronald Pofalla jeweils nur mit einem Foto, die beide im Zuge der neuen, kostensparenden “Leserreporter”-Aktion des RP-Lokalteils generiert wurden und auf denen die Protagonisten allenfalls mit der Leselupe zu erkennen sind. Dafür zahlen wir keine Diäten!



iPhone-Mania im Klever T-Punkt

rd | 10. November 2007, 19:06 | keine Kommentare

So viel ist sicher: Wenn Steve Jobs sein iPhone als erstes in Kleve auf den Markt geworfen hätte, würde das schicke Teil ab Montag nächster Woche bei Aldi verramscht und er selbst müsste schachtelweise iProzac schlucken, um die Depressionen in den Griff zu bekommen. Immerhin: 13 Verkäufe in den ersten beiden Tagen, und viele Leute, die sich vom sehr freundlichen Special Sales Agent Artur (im weißen Sweatshirt) in entspannter Atmosphäre das Ding erklären lassen (übrigens zu gefühlten 50 Prozent Holländer, die das Erwachsenenspielzeug Nr. 1 fürs bevorstehende deutsche Weihnachtsgeschäft erst Anfang des kommenden Jahres bekommen). Lustigerweise funktionierte übrigens ausgerechnet im T-Punkt selbst das WLAN nicht, sodass der wirkliche Vorteil des Geräts, die schicke Darstellung von Internetseiten, nicht mal ausprobiert werden konnte. Der Mann ganz links im Bild scheint mir übrigens prototypisch für die leicht skeptische, abwartende Haltung des Klever Establishments dem neuen iPhone gegenüber zu stehen.

T-Punkt-Mania


Sitzstreik (4)

rd | 10. November 2007, 19:03 | keine Kommentare

Diese Bank sagt uns: Wer sich hier niederlässt (mit Blick auf Kleves einzigen Kreisverkehr für Fußgänger), wird sich vermutlich auch nicht für die Zukunftswerkstatt Herrenoberbekleidung interessieren.

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