Oldie but goldie! Vor sechs Jahren verabschiedete die Stadt Kleve ihren Rechtsdirektor Wolfgang Goffin nach einer Jahrzehnte währenden Karriere, in deren Verlauf er so etwas wie die graue Eminenz der Verwaltung geworden war. Auf den Juristen wartete der verdiente Ruhestand, in dem er seitdem die Zeit ohne Arbeit genießen und sich seinen Hobbys widmen konnte. Doch damit ist es seit kurzem vorbei – Goffin, mittlerweile 70 Jahre alt, ist wieder auf den Fluren des Rathauses anzutreffen!
„Auf Ersuchen der Stadt Kleve steht der ehemalige Leitende Rechtsdirektor Wolfgang Goffin der Stadtverwaltung seit Februar auf Honorarbasis zur Verfügung“, teilt Stadtsprecher Niklas Lembeck mit. „Er unterstützt die Stabsstelle Rechtsangelegenheiten während einer Elternzeit für die Dauer eines Jahres bei Bedarf zu einzelnen juristischen Sachverhalten.“
Zurück auf Anfang also gewissermaßen. Goffin war Ende 2020 nach 42 Jahren in Diensten der Stadtverwaltung in den Ruhestand gegangen. Sonja Northing, damals noch Bürgermeisterin und mittlerweile verstorben, wählte seine Nachfolgerin aus. Die Wahl fiel auf Trudis Jans, die damals von Wesel, wo sie ebenfalls als Rechtsdirektoren tätig war, nach Kleve wechselte. Doch lange blieb sie nicht auf dieser Stelle.
2021 löste Wolfgang Gebing Sonja Northing als Bürgermeister ab. Trudis Jans, die ein SPD-Parteibuch besaß, befand sich noch in der Probezeit und erhielt die Kündigung.
Die Stelle musste neu besetzt werden. Die Wahl fiel auf Marie-Theres Hermsen, die Anfang 2022 ihr Amt antrat. Sie ist die Ehefrau eines ehemaligen CDU-Stadtverordneten, doch stets wurde beteuert, dass dieser Umstand keinerlei Einfluss auf ihre Berufung gehabt hat. Das Paar lebt in Bedburg-Hau, 2023 legte Benedict Schröers wegen des neuen Lebensmittelpunkts sein Ratsmandat nieder. Marie-Theres Hermsen, zum Zeitpunkt der Berufung 29 Jahre alt, war zuvor als Richterin tätig. Sie befindet sich zur Zeit in Mutterschaft.
Also musste wieder ein Ersatz her. Wer die Website der Stadt Kleve aufruft, findet unter der Stabsstelle I – Rechtsangelegenheiten den Namen von Daniela Rennecke, die zuvor Leiterin des Schulamtes gewesen war. Sie war als Übergangslösung vorgesehen, so ist aus dem Rathaus zu hören. Über ihr steht allerdings schon – so als sei nie etwas gewesen – der Name von Wolfgang Goffin. Beide Personen werden schlicht als „Mitarbeiter“ geführt.


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Wie heißt er denn nun? Goffin oder Ruffing?
Interessante Biographien der Rechtspertinnen. Ein Parteibuch hier, eine Parteinähe dort. Erstaunlich auch das Alter einer der Stelleninhaberinnen. 29 Jahre bei Dienstantritt. Alle Achtung. Eine A 16 müssen sich andere Juristen im öffentlichen Dienst erst über einige Jährchen „erdienen“. Heißt aus dieser Warte nicht umsonst öff. „Dienst“. Die haben dann so ganz nebenbei auch zwangsläufig einiges „erfahren“. Da wären wir bei der Qualifikation „Erfahrung“. Eigentlich für so eine herausgehobene Stelle , bei allem vielleicht vorhandenem juristischen und performancetechnischen Genie , unverzichtbar. Wie geht das mit 29? Mal kurz überlegen. Studium der Rechtswissenschaften, 1. Juristisches Staatsexamen, Referendariat, 2. Jur. Staatsexamen. Dann erste Anstellung als Richterin und als solche ein, zwei Jahre Praxis auf einem anderen Berufsfeld. Erfahrung im Hinblick auf die Leitung eines kommunalen Rechtsamts sieht für mich anders aus. Man führe sich nur die entsprechenden Stellenprofile aus anderen Bereichen der öff. Verwaltung zu Gemüte.