Beuys, wie er leibte und lebte

Des Künstlers durchdringender Blick (Screenshot aus dem Film „Beuys“ von Andreas Veiel)

Nun, an Joseph Beuys kommt in diesen Tagen niemand vorbei. Gerade eröffnete das Museum Schloss Moyland die Ausstellung „Joseph Beuys und die Schamanen“, und es ist zu hoffen, dass eine Rückkehr zur Normalität auch dazu führen wird, dass möglichst viele Menschen nicht nur virtuell, sondern real in den Genuss der Schau kommen, die noch bis zum 29. August dauern wird.

Das Museum schreibt zu der Ausstellung: „Joseph Beuys thematisierte in frühen Werken immer wieder Schamanen und die Kontexte, in denen diese agieren. Zudem nahm er, etwa in Aktionen, die Rolle des Schamanen an oder bediente sich schamanischer Praktiken. Die Figur des Schamanen verkörpert für Beuys grundlegende Manifestationen spiritueller Zusammenhänge, die auf Künftiges ausgerichtete Idee von Transformation und Ganzheit. Eurasien als geistiger Raum spielt dabei eine wichtige Rolle. Die ethnologische Darstellung vermittelt ein Grundverständnis vom historischen und zeitgenössischen indigenen Schamanismus und bringt Besucher:innen die historischen und mythischen schamanischen Lebenswelten nahe, auf die Beuys sich vielgestaltig bezogen hat.“

Wer sich noch etwas mehr mit dem Künstler beschäftigen möchte, dem sei an dieser Stelle der einzigartige Dokumentarfilm „Beuys“ von Andreas Veiel empfohlen, der anlässlich seiner Premiere 2017 auch schon im Klever Kino gezeigt wurde und der nun noch bis zum Ende des Monats in der ARD-Mediathek zu sehen ist. Hier der Link zum Film: Beuys (WDR).

Andreas Veiel sichtete für das 107 Minuten lange Werk mehr als 400 Stunden Filmmaterial, 300 Stunden Audiomaterial und über 20.000 Fotos, die er in einer 18 Monate langen Schnittarbeit zu einer kunstvollen Collage zusammenfügte, die einen wunderbaren Einblick vermittelt, wie engagiert, zuspitzend und immer aber auch humorvoll der aus Klever stammende Künstler in seiner Zeit unterwegs war.

Auf Wikipedia heißt es zu dem Film: „Die Dokumentation verzichtet weitgehend auf eine explizite biografische Abfolge, stattdessen beleuchtet sie unter Zuhilfenahme unveröffentlichten Archivmaterials die gesellschafts-ökologischen und politischen Aspekte des Künstlers, die anhand ausgewählter Werke, vornehmlich Installationen und Aktionen sowie Interviews mit Beuys, festgemacht werden. Stationen aus dem Leben des Künstlers werden kurz anhand privater Fotografien der Familie oder aus dem Atelier skizziert, humorvolle Szenen bringen indes den Menschen hinter dem mutmaßlichen ‚Mythos Beuys‘ zum Vorschein. Aktuelle Interviews lassen die Weggefährten Franz Joseph van der Grinten, Klaus Staeck, Johannes Stüttgen, Rhea Thönges-Stringaris und Caroline Tisdall zu Wort kommen.“

Die Kritik viel zwiespältig aus. Diedrich Diederichsen bemerkte in der taz, dass Beuys „hier eher nostalgisch von der provinziellen Öffentlichkeit der alten BRD her konstruiert“ werde, „nicht von einer globalen Kunst“, wobei „der ‚hässliche Beuys‘: der Anthroposoph, Esoteriker, Spitzenkandidat der AUD und Erfinder seiner biografischen Legenden“ fehle; „gut täte“ laut Diederichsen „eine kritische Würdigung“. Dagegen hieß es im Tagesspiegel: „Das Material ist spröde, die Montage sprüht vor Intelligenz“.

Da darf am Ende natürlich nicht der Hinweis in eigener Sache fehlen

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