Hochschule Rhein-Waal: Warum nicht Hausbootologie studieren?

rd | 18. Dezember 2017, 11:32 | 23 Kommentare
Hausboote — in Amsterdam relativ gut erforscht, in Kleve Neuland. Aber nicht mehr lange.

Hausboote — in Amsterdam relativ gut erforscht, in Kleve Neuland. Aber nicht mehr lange.

Sachen gibt’s! Womöglich hat die Hochschule Rhein-Waal bald ein weiteres Alleinstellungsmerkmal – den weltweit einzigartigen Studiengang Hausbootologie! Oder: Floating Home Science.

Die Hochschule beteiligt sich an einem Forschungsprojekt, das herausfinden soll, ob man auf Baggerseen Hausboote einsetzen kann – und sogar der Kreis Kleve ist mit im Boot, er fällte in nichtöffentlicher Sitzung dem Beschluss, die ersten beiden Schwimmhäuser in einem Kellener Kolk für 1,2 Millionen Euro zu finanzieren. Federführend auf Seiten der Hochschule ist Professor Dr.-Ing. Thorsten Brandt, der kleveblog-Lesern bereits als verdienstvoller Kümmerer um chinesische Abiturienten und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bekannt ist.

Hausboote erforschen?, werden da jetzt sicherlich bildungsferne Schichten raunen. Muss das denn sein? Reicht es nicht, mal eben nach Amsterdam zu fahren und sich an den Grachten umzuschauen? O nein, die Sache ist viel komplexer, man könnte fast den Eindruck gewinnen, Elementarteilchen zu erforschen ist ein Kinderspiel dagegen.

Neben der Hochschule und dem Kreis ist auch die Architektenpartnerschaft Hülsmann/Thieme/Minor an dem Projekt beteiligt. In der Vorlage, die im Kreistag beschlossen wurde, heißt es: „Um nachhaltige Nutzungsstrategien für Gewässer, die z.B. als Folgelandschaft der Auskiesung entstehen, zu entwickeln, soll ein Forschungsprojekt […] aufgelegt werden, welches sich mit der Erstellung von dauerhaftem Wohnraum auf Gewässern beschäftigt. Neben den Anforderungen an ein Gebäude auf dem Wasser hinsichtlich der Konstruktion und Versorgungstechnik ist auch das Wohnumfeld ein ausschlaggebender Faktor für die Akzeptanz neuer energieeffizienter Siedlungsstrukturen.“

Vermutlich um die Mitglieder im Kreistag nicht auf die Idee zu bringen, dass hier allein die Hautevolee zu neuer Prachtentfaltung strebt, heißt es im Text weiter: „Aktivitäten in diesem Umfeld beruhen nicht nur auf dem Drang zu möglicherweise exklusiven Wohnformen, sondern es finden sich zunehmend objektiv bedingte Erfordernisse für das Nutzen und Verwerten von Wasserflächen als Bauland.“ Interessanterweise aber wird der Klimawandel nicht ins Feld geführt.

Prof. Brandt erläuterte für kleveblog, was genau erforscht werden soll: „Bei der Entwicklung schwimmender Gebäude gibt es sowohl technisch als auch baurechtlich viele bislang noch ungeklärte Fragen. Da schwimmende Gebäude beispielsweise anders als Hausboote an feste Strukturen zur Ver- und Entsorgung angebunden sind, stellen sich unter anderem folgende Fragen: Wie sehen diese Strukturen aus und wie verändern sie sich, wenn aus einzelnen schwimmenden Gebäuden eine Siedlung wird? Baurechtlich ist dieses Thema in Deutschland vollkommenes Neuland. Auch Fragen der Finanzierung, die zwingend eine Gebäudeversicherung voraussetzt, sind noch nicht geklärt.“

Aus technischer Sicht sei geplant, das in den Niederlanden vorhandene Wissen über schwimmende Häuser mit dem in Deutschland vorhandenen Know-how im Bereich des energieeffizienten Bauens zu kombinieren. Beispielsweise könnten anders als bei Gebäuden an Land zum Beispiel sogenannte Wasser-Wasser Wärmepumpen zum Einsatz kommen – mit dem ökologischen Vorteil, dass durch das Beheizen der Häuser zudem das Gewässer gekühlt wird.

„Denkt man weiter in Richtung höherer Stückzahlen“, so Brandt weiter, „werden Fragen der Konstruktion, der Fertigung und der Logistik interessant. Können die Kosten eines schwimmenden Gebäudes mit denen eines an Land konkurrieren, wenn man unter anderem fertige Module kombiniert und diese zudem so dimensioniert sind, dass möglichst günstige Transportwege genutzt werden können?“ In diesen und weiteren Fragen sieht Brandt für die Hochschule Rhein-Waal eine „Chance für die Forschung“ und „spannende Themen für Bachelor- oder Masterarbeiten“.

Der Kreis Kleve mit seinen zahlreichen Kolken erscheint als Forschungsgebiet geradezu ideal. Gefragt werden musste er ohnehin. Brandt: „Nach deutscher Gesetzeslage besteht kein Baurecht für Wasserflächen. Aus diesem Grund ist im Kreis Kleve angedacht, im Flächennutzungsplan solche Flächen als Bauland auszuweisen. So kam auch der Kreis Kleve mit ins Boot, der für zwei Versuchsgebäude einen entsprechenden Bauantrag einreichen kann.“

Kolk der Wahl ist ein Gewässer im Kellen, das im Besitz des Unternehmens Loock Erd- und Tiefbau befindet. Das allerdings rief auch schon Umweltschützer auf den Plan – dort hat sich eine Kolonie von geschützten Uferschwalben angesiedelt.

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23 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 23. Bürger

    Wieso soll der Bau von 2 Hausbooten, deren Stückpreis vom Architekturbüro auf 300 – 350.000,00 geschätzt wird, mit 1,2 Millionen subventioniert werden?
    http://www.rp-online.de/nrw/staedte/kleve/wohnen-auf-dem-wasser-aid-1.6697382

     
  2. 22. Rüdiger Weizenkeim

    @GüHo; Mit Ratte(n) hat man dann jedenfalls zu tun….

     
  3. 21. Rainer

    Auf den Wassern überleben hat laut Legende einst zum Fortbestand der Tier- und Menschenwelt geführt, 1. Buch Moses, Genesis 6.1 – 10.32

     
  4. 20. otto

    Kolke sind und bleiben schützenswerte Naturreservate. Hier Versuche mit Hausboot Installationen etc.
    vorzunehmen, entspricht dem Niveau des Radschnellweges nach Nijmegen.

     
  5. 19. K. Brückenbauer II

    H.P. lecker,

    Schön, dass du den Park ansprichst. Es scheint sich hier bei den Kommentaren ein ordentlicher weihnachtlicher Adventskalender zu entwickeln.

    Wieso erinnert mich dass jetzt an unsere gemeinsame Schulzeit? Aber die hintersten Plätze waren einfach die Besten.

     
  6. 18. ???

    @15. Niederrheinstier

    Da sind Sie ja wieder! 😉
    Ich dachte schon, Sie wären weitergezogen, oder hätten Urlaub in den Bergen zum Almabtrieb oder Viehscheid, verbracht. 🙂

     
  7. 17. HP.Lecker

    Was ist eigentlich aus den Diamonda-Projektplänen am Airport Weeze geworden?

     
  8. 16. Zecke

    Gott sei Dank Stier,

    Wir hatten uns schon richtig Sorgen gemacht. Nicht aus zu denken, wenn Ihnen etwas zu geschossen wäre.

    Leider sitze ich hier im tiefen Grass und komme nicht weg. Aber was soll es, dann warte ich halt bis ein Rindvieh sich an mir vorbeischiebt und komme dann in Ihre Richtung.

    Ich wünsche zum Singen viel frisches Grass und ausreichend Flüssigkeit, dass ist gut für die Simme.

     
  9. 15. Niederrheinstier

    Mmuuuhh! Da bin ich wieder, mmuuuhh! Dank RD’s großen Weihnachtsamnestie, mmuuuuh!
    Hausbootologie? Naja, aufgrund der Erderwärmung müssen zukünftig vielleicht mehr Menschen auf (Raum-) Schiffen und Hausbooten ausharren, mmuuuhh. Aber ganz neu ist das nicht, mmuuuh. Das gab es schon ein paar mal: Arche Noah, Waterworld und so, mmuuuuh! Und ob dazu gerade die maßgeblichen Beiträge aus Kleve kommen werden, mmuuuh? Wenn ich so auf die von RD benannten Akteure schaue wohl eher nicht, mmuuuuh. Da wird mir vielmehr ganz weihnachtlich ums Herz und ich muß auch gar nicht mehr muhen, sondern nur noch trällern:

    Klüngele, Glöckchen, klüngelengeling, klüngele, Glöckchen, klüng …

     
  10. 14. ???

    Könnte es sein, dass auch dieses Geld zu Förderprogrammen gehört, die, wenn sie nicht termingerecht abgerufen werden, verfallen……..oder vielleicht übriggebliebenes Geld, das vorigen Jahres für 2017 eingeplant und genehmigt wurde, und wenn es nicht irgendwie verbraucht wird, die automatische Kürzung eines Budgets für 2018 ansteht?

     
  11. 13. Rüdiger Weizenkeim

    Niederrheinische Fruchtfolge; Acker, Auskiesung, Mülldeponie, sozialer Wohnungsbau bzw. Flughafen. Zuschütten und bauen kann demnächst entfallen…

     
  12. 12. Läufer

    zu 10 rd), wer ist bitte die Bezirksregierung…..

    Die Bezirksregierung sollte schon danach schauen, dass die Umsetzungspflicht der Europäischen
    Wasserrahmen-Richtlinie (WRRL) durch die Wasser- und Bodenverbände im Kreis Kleve eingehalten wird. Basis hierfür ist der FNP (Flächennutzungsplan). Und Grundlage Richtlinie 2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie), also europäisches Gesetzt.

    Hier kann sich natürlich ein bildungsferner Bürger fragen, was hat den jetzt ein Wohnpark, bestehend aus dutzenden Wohnbooten auf dem Wasser zu suchen. Und warum möchte die Bezirksregierung die Wohnboote in Hönnepel nicht liegen sehen? Und warum hat sich die Bezierksregierung gegen eine Änderung im Flächennutzungsplan in Kalkar entschieden (aktuell/im FNP 2017).

    Der aktuelle Zustand ist: Dass die Bezirksregierung eine Änderung des Regionalplanes und FNP abgelehnt hat und auch kein Interesse daran hat, dass hier im Wasser gebaut wird. Hier ist ein verständliches Interesse der Bezirksregierung an dem Schutz der Wasserflächen und des Wasserschutzes überhaupt.

    Und der Kreis Kleve,
    der ist dafür zuständig, dass Recht und Gesetz auf Kreisebene eingehalten wird. Nicht mehr und nicht weniger.

    Es bleibt die weitere Frage, was mit den von Hülsmann / Thieme / Minor entwickelten, erstellten und aufgebauten Wohnboot in Hönnepel geschieht? Gehört ja laut Bezirksregierung nicht dort hin, ist also illegal. Zuständige Ordnungsbehörde: der Kreis Kleve, als untere Baubehörde!

    Weiter: Gehört dieses Wohnboot von H-M-T schon zu den von dem Kreis Kleve hier aufgeführten Förderprojekt?

    In einem Gespräch der RP vom 12.Januar 2016, erklärt Herr Hülsmann, dass ein solches Wohnboot 330.000.-Euro kostet. Und hier ist noch nicht die Sprache von: Schmutzwasser- Wasser- und Stromanschluss, Zufahrt usw. und die Verankerung des Bootes selbst. Aber dies könnte natürlich gut die Firma Loock aus Kleve machen, dann gibts dies zu einem Oligopolpreis hinzu.

    [http://www.rp-online.de/nrw/staedte/kleve/energie-sparen-im-schwimmenden-haus-aid-1.5684499]

    Jetzt möge mich bitte keiner fragen, ob all diese hier aufgezählten Dinge eine gute Basis für eine Investition von 1,2 Mio Euro öffentlichen Geldes sind.

     
  13. 11. rd

    Interessanterweise hat die zuständige Bezirksregierung anlässlich eines ähnlichen Projekts in Kalkar bereits verlauten lassen, dass sie an derlei Sachen kein Interesse hat. Was aber den Kreis nicht davon abhält, 1,2 Mio. Euro zu verbraten, denn, wer bitte ist die Bezirksregierung??

     
  14. 10. Beobachter

    Warum der Einfachheit halber nicht direkt vor der Tür der Hochschule auf dem Spoykanal?

    Da muss ja eh sonst kein anderes größeres Wassergefährt mehr vorbei.

    Vom Hörsaal aufs Boot und zurück in wenigen Minuten.

    … und auch in Xanten kann man bereits Hausboote für Aufenthalte mieten.

    Alles nix Neues, aber unsere tolle Hochschule schafft es durch die “verenglischte” Sprache ja immer wieder, ganz banales ganz toll aussehen zu lassen …

    Ich würde mich allerdings als Versuchs-Wohn-Kaninchen melden – dann hätte ich´ s morgens nicht so weit zum Job 😉

     
  15. 9. Max Knippert

    Es ist natürlich humorlos, wenn ich jetzt für die Schwimmhäuser in die Tasten haue, aber es macht Sinn.

    1999 habe ich mal an einem Wettbewerb (HEWI) teilgenommen und natürlich nicht gewonnen. Eine Gewinnergruppe bestand aus Argentiniern, die ein völlig autarkes Schwimmboot mit Ökostrom (so nannte man das damals) und eigener Lebensmittelversorgung gebaut haben. Hier der einzige Link den ich finden konnte (http://www.lanacion.com.ar/206793-hombre-y-habitat-una-relacion-dificil).

    Wenn wir uns jetzt die Küsten der Welt ansehen; „75% aller Megastädte mit einer Einwohnerzahl von mehr als 10 Millionen befinden sich in den Küstenzonen. Sie bieten mehr als 45 Prozent der Weltbevölkerung Wohn- und Lebensraum“ (http://worldoceanreview.com/wor-1/kuesten/veraenderung-der-kuesten/), dann wäre es ja völlig daneben, diesen Lebensraum nicht zu betrachten – zumal alles irgendwann absäuft. Wenn wir das jetzt auf das Zentrum der Welt, den Kreis Kleve, beziehen so ist es doch ein Geschenk, eine Hochschule und sehr viel Fläche für Zukunftsspiele jedweder Art zu haben, oder nicht?

    Das wir auch viel, weil letztlich auch dies Städteplanung ist, von unseren Nachbarn lernen können ist wieder ein Vorteil, weil man nicht bei Null anfangen muss.

    Ich bin alles andere als ein Technikgläubiger, aber in diesem Fall, kann man überhaupt nichts dagegen haben weil es schlicht eine Notwendigkeit ist oder bald sein wird. Und die Uferschwalben brauchen wohl auch keine Sorgen haben, sollte sie noch genügend Insekten finden und überleben, weil Ufer nun mal ein dehnbarer Begriff bei Hochwasser ist…

     
  16. 8. Günter Hoffmann

    So eine schön auf alt getrimmte Nobel Jacht ( Lingo : Ratte ) wäre sicher ein feiner Blickfang für das zukünftige exklusive Leben in Kleve am und im Wasser.

     
  17. 7. Jogger

    Zur Weihnachtszeit gibt es jedes Jahr diese besonderen Geschenke, erinnert mich an den Kleveblogweihnachtskalender von vor 12 Monaten.

    Think out of the box.
    http://www.kleveblog.de/824-stille-flughafengesellschaftsnacht-heilige-flughafengesellschaftsnacht/

    Bin gespannt was wir in 12 Monaten bekommen!

    Vielleicht wird der Teslar Gründer von den Baggerlöchern im Kreisgebiet aus Raketen ins All schiessen lassen. SpaceX – Station – Hönnepel, ach was besser In Kehrum!

    ***

     
  18. 6. Jens-Uwe Habedank

    Joh – und die Anzahl der Anträge von Auskiesungen wird (weiter) steigen (und genehmigt werden) – Totschlagendes Argument: Wohnraum schaffen! Denn wo heute weitere Seen und Kolke entstehen, entstehen morgen neue Flächen für Wohnungen…
    In spätestens der 3. oder 4. Amtszeit des Klever Beigeordneten R. Aua wird der Altrhein zwischen Keeken/Bimmen und Griethausener Brücke eingedeicht, 100e von Hausbooten dümpeln über’m Altrhein – und der Brückenbau Schanz-Düffelward kann eingespart werden: Man hüpft von Hausboot zu Hausboot an’s andere Ufer…

     
  19. 5. ???

    Es gibt auch schon “Hausboot Niederrhein”………… vielleicht interessant zum “Probewohnen”?

     
  20. 4. rd

    @R. Weizenkeim Der ist gut. Man kann sicher viel über das Projekt sagen, aber unterirdisch ist es mit Sicherheit nicht!

     
  21. 3. Rüdiger Weizenkeim

    Ach, das lädt aber zu zahlreichen Wortspielereien ein – die verkneife ich mir jetzt mal.

    Allerdings kaufen clevere niederländische Geschäftsleute (ist das nicht ein „weißer Schimmel“?) mittlerweile Grundstücke in Hunsrück und Westerwald – nicht nur weil es dort billig ist sondern vor allem hochwassersicher (also sicher vor Hochwasser).

    Also: Schon wieder ein „Leuchtturm-Projekt“ (Entschuldigung – das musste raus…) ?

     
  22. 2. Zum Fremdschämen

    Wußte gar nicht das man studieren muß um solch einen Müll zusammen zu nageln.

     
  23. 1. Wolfgang Look

    Empfehle als Einstieg den Besuch im Hausbootmuseum in Amsterdamhttps://houseboatmuseum.nl/duits/index.html, beobachten kann man die Hausbootwohnungen hier an vielen Ort, keine alte Holzkähne, sondern High-Tech-Produkte mit Top-Versorgung