HMS Truxor: Neue Allzweckwaffe der USK im Kampf gegen den Vegetationsterror

rd | 24. Januar 2019, 13:34 | 14 Kommentare
Auf der Flucht gefällt: streunende Birken

Vagabundierende Vegetation, ein Thema, das lange Tabu war. Es war eine verheerende Auseinandersetzung, ein Krieg, über den niemand sprechen durfte. Immer wieder düpierte der Gegner die Kräfte der Umweltbetriebe der Stadt Kleve (USK), die Häcksler blieben stumm. Streunende Strolchsträucher, auf der Flucht vor Special Forces der USK, hüpften einfach ins Wasser und waren für die orange Infanterie nicht mehr greifbar. Schwimm- und Schlingpflanzen hingegen, die sich im nährstoffreichen Wasser der Wetering pudelwohl fühlten, krochen auf der Flucht vor dem städtischen Pleustophytenkreuzer HMS Theo d’Oro einfach an Land und zeigten dem Marinepersonal der USK von dort aus eine lange Nase. Es war zermürbend, es war frustrierend! An den Gestaden der Stadt herrschte vegetative Anarchie. Jede Pflanze schien zu machen, was sie wollte.

Dieser Zustand, vergleichbar dem der abgestellten Fahrräder am Bahnhof, die auch alles überwuchern, war so nicht länger hinnehmbar. OK, es mag zwar alles Gottes Schöpfung sein, aber ist es nicht die Pflicht eines fürsorglichen Gemeinwesens, den Weinberg des Herrn in Ordnung zu halten? Der strategische Kommandostab der Admiralität der Umweltbetriebe der Stadt Kleve beratschlagte das Problem und fand eine Lösung, von der sie überzeugt ist, dass sie die der Flora die Flausen schon austreiben wird: die HMS Truxor, nach dem Pleustophytenkreuzer das zweite Kriegsschiff im Flottenpark der USK!

Es handelt sich um ein Amphibienfahrzeug. Das heißt, es kann flüchtige Pflanzen zu Wasser und zu Lande verfolgen – und ihnen mithilfe von Greifzangen, deren Stahl härter ist als die Schneidezähne finnischer Biber, auch sofort im Rahmen eines fairen Prozesses einen selbigen, wenn auch kurzen machen. Die üppige Bewaffnung kann vom Kaleu im auf Wunsch auch überdachten Gefechtsstand mit Hilfe von zwei Joysticks bedient werden. Die HMS Truxor ist ein schwedisches Erzeugnis und wird in dem skandinavischen Land seit vielen Jahren erfolgreich zur Bekämpfung von ausufernder Ufervegetation eingesetzt. Bekanntlich mögen die Schweden blitzblanke Felsklippen, von denen sie aus Spaß zur Wintersonnenwende Köttböllar herunterkullern lassen. 

Mit einer Geschwindigkeit von sieben Knoten ist die HMS Truxor mühelos in der Lage, flüchtende Birken einzuholen. Angetrieben wird das Schiff von einem 45-PS-Turbodieselmotor, dessen Abgase zusätzlich noch den Feinstaub des Todes über die Uferböschungen legen. Die Stadt Kleve bezeichnet die Neuanschaffung als „multifunktionales Reinigungsgerät“, als „Allrounder mit Vorrichtungen für Rechen, Greifer und Schneidgerät“, doch schon bald dürfte es einen Ruf als Juwel im Betriebsbereich Stadtentwässerung der Umweltbetriebe genießen. Bei einem Probeeinsatz im Bereich der Luisenbrücke war die Truxor so erfolgreich, dass die Strecke nun auch wieder von Containerschiffen befahren werden kann. „Alle Beteiligten zeigten sich nach den ersten Einsätzen sehr zufrieden und sind optimistisch, den Zustand von Kermisdahl / Spoykanal im Stadtgebiet erheblich zu verbessern“, so die vorsichtige Einschätzung von Stadtsprecher Jörg Boltersdorf.

In der nächsten Stufe – Frühjahrsoffensive – soll getestet werden, ob die getöteten Pleustophyten gleich zu Brotaufstrich verarbeitet werden können, der an den städtischen Schulen als veganes Nutella zum Frühstück gereicht werden kann.

Wenn du, lieber Leser, auf den Geschmack gekommen bist: Das Mähboot, das auch zum Aufräumen in ungeordneten Haushalten verwendet werden kann, ist zum Preis von 99.000 Euro erhältlich. 

Einen Kommentar schreiben





14 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 14. rd

    @jb Queen Sonja

     
  2. 13. jb

    Steht HMS nicht für ” her majesty’s ship ” ? Ich verstehe das nicht, die USA waren doch eine Demokratie…

     
  3. 12. Jens-Uwe Habedank

    Dieses Gerät ist vielleicht mit Weitsicht angeschafft worden – der Altrhein wird ja nun auch versumpfen…

     
  4. 11. Niederrheinstier

    @RD
    Mmmuuuh, RD, können Sie bitte auch mal ermitteln, ob die USK auch diese Option hier mitbestellt haben, mmuuuuh:
    Option: Umweltfreundliches Hydrauliköl Panolin (36 Liter) als Ersatz für Standard-Hydrauliköl
    Art.-Nr. 94-10HLP462
    (Vermmmuuuhtlich ist das nachher nur als Sondermüll zu entsorgen, mmmuuuh. Aber damit kennen sich die USK ja aus, mmmuuuh).
    Bei soviel Hydraulik an dem Truxor habe ich Angst vor einem Schlauchplatzer oder so, mmuuubuuuh. Nicht auszudenken, wenn der Truxor dabei gerade über eine meiner grünen Wiesen panzert oder sich nahe einer meiner Weidetränken (oder eiem Brunnen dafür) befindet, mmuubuuh. Hydrauliköl (und einen Eintrag ins Hydrauliköllastenkataster der Stadt Kleve) möchte ich da nicht haben, mmuuuuuuuh! Sonst muss ich dem Truxor halt mal sicherheitshalber an seinem Waschplatz (mit Ölabscheider) auflauern und ihm da in die Flanke fallen und ihn umstoßen, mmuuuuh. Dann liegt er da hilflos auf dem Rücken – wie eine Schildkröte, mmuuuuh.

     
  5. 10. Benno

    Sofern es sich um eine sinnvolle Investion handelt, ist es ok. Hauptsache Truxor steht nicht nach kurzem Einsatz auf dem Hof der USK wie unsere Bimmelbahn auf dem NIAG-Gelände.

    Benno

     
  6. 9. Messerjocke

    Damit können die doch bestimmt auch unsere Garage aufräumen! Wie erreicht man auf kürzestem Weg die USK?

     
  7. 8. Chewgum

    Herrlicher Artikel.

    Für die, die im neuen Jahr nicht (mehr) so viel Geld ausgeben wollen: Mann kann dieses amphibisch multifunktionale Teil auch gleich bei Truxor mieten, optional mit oder ohne Fahrer.

    Am besten gefällt mir ja der Truxor DM 4700 B mit Unterstand: http://www.truxor.de/truxor.html

     
  8. 7. otto

    @6.rd,

    bitte leih ihn mir, du weißt ja wo ich wohne, ich benötige ihn “dringend”!

     
  9. 6. rd

    @Dietmar Der Bericht ist ohne Arg geschrieben. Ich habe auch schon einen Truxor für meinen Garten bestellt.

     
  10. 5. Dietmar Shields

    @rd
    Ich finde den obigen Bericht nicht fair und daher muss ich doch mal Partei für die Verantwortlichen bei der Stadt und USK ergreifen!

    Ich erinnere mich an einen kleveblog Bericht von Juli 2017!
    Hierin wurde seinerzeit über die unzureichende Arbeitsleistung des anderen extra entwickelten Spezialbootes berichtet und vom Blog-Usern auch belächelt und bemängelt.
    Darin wurde aber auch von Usern über Spezialboote mit der richtigen Technik für tiefere Gewässer hingewiesen, es gab sogar den Link zu einem YouTube Video dazu, sprich also von einem Schneid- oder Mähboot das den Wasserpflanzen bis zu einer Schneidtiefe von circa 3,5 unter der Wasseroberfläche zu Leibe rücken konnte.

    Und genau so ein Spezialboot hat die Stadt Kleve nun für die Wasserflächen der Stadt Kleve angeschafft, gut gemacht.
    Da es genug Kanäle und Wasserflächen gibt kann es neben dem Spoykanal und Kermisdahl auch am Tiergarten auf den dortigen breiten Wasserkanälen ebenfalls eingesetzt werden.

    Alter Bericht von 2017 hier: https://www.kleveblog.de/pleustophytenkreuzer-stoesst-an-kapazitaetsgrenzen-haas-erwaegt-einsatz-von-killerkarpfen/

     
  11. 4. Herbert Jöken

    wahrscheinlich kann man das Ding auch noch vom warmen Büro aus mit einer App und Satelliten gestützten Navigation steuern….

     
  12. 3. Stefan Schuster

    Bin begeistert! Das Dingens ist ja Längen besser als Laubbläser und Aufsitz-Rasenmäher. Und dann noch das Topmodell der Baureihe in der PS-stärksten Variante, um der besonders außerordentlichen Widerstandsfähigkeit des Klever Gekröses auch mannhaft Herr werden zu können.

    Nur eine winzige Nölerei: Bei dem Preis wäre doch wohl auch eine Sonderlackierung in klevischem rot drin gewesen, oder?

     
  13. 2. otto

    Kann dieser Greifer auch für die Verunreinigung der Kaskade eingesetzt werden? Die Gefahr,
    dass dann eventuell die Sicherheit der Spaziergänger nicht mehr gewährleistet werden kann,
    ist mehr als ein dümmliches Argument des “Reparatörs”.

    (Vertraulich) Seine neueste Kreation soll sogar den Sontowski-Klotz noch als Märchenschloss
    erscheinen lassen!

     
  14. 1. Star

    Das ist ja ein wunderbares Spielzeug für Männer! Bloß: warum muss die öffentliche Hand das bezahlen?!
    Ansonsten: Wunderbar geschrieben, Herr Daute. Sie sorgen doch immer (nun gut: meistens) für vergnügliche Minuten am Tag.