Auch wenn man Hitler übersprüht, bleibt’s Sachbeschädigung

Mit Beweismaterial vor Gericht: Wilfried Porwol (Foto: Udo Kleinendonk)

Kürzlich fuhr ich mit dem Rad an der Emmericher Straße hinter der Euregio an dem dort im Niemandsland stehenden Ehrenmal vorbei und sah, dass eine der Steinplatten fehlte. Der erste Reflex: „Nein Wilfried, nicht hier auch noch?!“

Doch es war an dieser Stelle wohl der Zahn der Zeit, der das Denkmal in Mitleidenschaft zog, und nicht das Wirken des pazifistischen Aktionskünstlers Wilfried Porwol, der auch in seinem 70. Lebensjahr nicht müde wird, gegen aus seiner Sicht kriegsverherrlichende Mahnmale vorzugehen. Besonders angetan hat es ihm das Kriegerdenkmal in Kalkar, welches in der Tat durch eine vermutlich bundesweit einmalige Inschrift erstaunen lässt – es handelt sich um ein Zitat von Adolf Hitler.

Am 9. Mai des vergangenen Jahres ging Porwol mit der Spraydose bewaffnet gegen das aus der Zeit gefallene Denkmal an, danach ließ die Stadt Kalkar das Monument wieder reinigen, und weil die Stadt die Kosten für die Reinigung nicht selbst bezahlen wollte, landete der Künstler wegen Sachbeschädigung vor Gericht. In dieser Woche erging vor dem Amtsgericht Kleve das Urteil in Sachen der zweiten Sprühaktion. Amtsrichter Thomas Staczan sprach zwar von „nachvollziehbaren Motiven“, die allerdings kein eigenmächtiges Handeln rechtfertigten und verurteilte den Künstler deshalb zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen (1200 Euro).

Für Porwol ist das Denkmal „ein Monstrum mit krimineller Aussage“, die Tat gab er bereitwillig zu. Allerdings muss man auch nicht Kunstgeschichte studiert haben, um die Handschrift von Porwol zu erkennen. Gleichwohl ließ das Amtsgericht eine frühere Sprayaktion nicht mit ins Urteil einfließen. Schon einmal war das Denkmal pazifistisch umgestaltet worden, und zwar am 28. Juli vorvergangenen Jahres, doch in diesem Fall vermochte das Gericht mit der größtmöglichen Milde, die die Justiz aufzubringen imstande ist, einen möglichen Nachahmungstäter nicht auszuschließen.

Die gute Nachricht immerhin ist, dass das Hitler-Zitat bald nicht mehr zu sehen sein wird. Im Juni hatte der Rat der Stadt Kalkar einstimmig beschlossen, den Spruch abzudecken.

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12 Kommentare

  1. 12

    der adler darf noch immer da stehen??tse… ein Unding. unfassbar.. Herrn Porwol bitte sein Geld zur

     
  2. 6

    Zitat: „Allerdings muss man auch nicht Kunstgeschichte studiert haben, um die Handschrift von Porwol zu erkennen. Gleichwohl lie

     
  3. 3

    Ich muss bei dem Thema immer an die „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz denken. An Max Nansen und Siggi Jepsen.