Sparkasse: Wieviele Kunden wurden vor 2002 erleichtert?

rd | 10. Juli 2009, 19:06 | 25 Kommentare

Offenheit sieht anders aus: Zentrale der Sparkasse Kleve

Offenheit sieht anders aus: Zentrale der Sparkasse Kleve

Der Skandal, der die Sparkasse Kleve erschüttert, wird von Tag zu Tag obskurer. Die entscheidende Frage ist: Was war vor 2002, dem Beginn der Tatserie in den Akten der Justiz? Immerhin war die Täterin mehr als 40 Jahre in den Diensten der Sparkasse…

Es muss Mitte der 60-er Jahre gewesen sein, als die Sparkasse Kleve Frau X einstellte. Anzunehmen ist, dass sie eine Lehre absolvierte und danach, so etwa ab 1968 oder 1969 als ausgebildete Bankkauffrau im direkten Kontakt mit Kunden stand und für sie Geldgeschäfte erledigte. Kollegen berichten, dass sie schon frühzeitig ein Faible für ältere Kunden entwickelte, die sie besonders fürsorglich betreute. In ihrer Freizeit engagierte sie sich kirchlich. So lief das Jahrzehnte. Und dann, im Jahre 2002, nach etwa 35 Jahren im Dienst, weicht die freundliche Dame plötzlich vom Pfad der Tugend ab und beginnt Kundengelder zu veruntreuen?

Der gesunde Menschenverstand sagt: nein. Frau X sagt: gar nichts. Zum Glück aber liefert die Staatsanwaltschaft Kleve eine überzeugende Erklärung, warum die Serie der Straftaten von 2002 bis 2006 ging und nur rund 60 Delikte umfasste. Günter Neifer, Leitender Oberstaatsanwalt: “Die Zäsur ist rechtlicher Natur. Verjährungsfragen haben eine Rolle gespielt, dass man den Zeitraum 2002 hat beginnen lassen.”

Untreue (§ 266 StGB) verjährt nach fünf Jahren (siehe z. B. hier).

Das aber wirft hinsichtlich das tatsächlichen Umfangs der Delikte einige Fragen auf. Vier davon habe ich dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Kleve, Rudi van Zoggel, am Freitag um 13.03 Uhr per Mail übermittelt. Eine Antwort blieb bis jetzt aus.

Hier die Fragen:

1) Welche Aussagen hat Frau X im Zuge der internen Ermittlungen dazu gemacht, wann sie mit den Delikten begann?

2) Welcher Zeitraum ist intern überprüft worden?

3) Sind die 60 Delikte, deretwegen der Strafbefehl erfolgte, alle, die bei den internen Ermittlungen entdeckt worden, oder gibt es noch mehr?

4) Können Sie sicherstellen, dass alle betroffenen Kunden entdeckt und entschädigt wurden? (Gegebenenfalls deren Erben.)

Um es mal so zu sagen: Als Kunde der Sparkasse würde mich das Schweigen etwas beunruhigen. Aber vielleicht war auch einfach schon Wochenende. Wir bleiben mal dran.

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25 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 25. abudabi

    Heute in der RP war ein Artikel wo eine fingierte Erstwählerin eher harmlose Fragen an die Politiker per Mail sandte. Fazit: die CDU antwortet grundsätzlich nicht! Da dürfte eine Unperson wie Herr Daute erst recht keinen Gnadenerweis in Form einer Antwort erhalten…..

     
  2. 24. Bernd Derksen

    Und Spreen wird antworten müssen, gerade in Wahlkampfzeiten macht er es sich ansonsten unnötig schwer. Inwieweit er aber glaubt, es mit einem Verweis auf die angebliche Nichtöffentlichkeit mehr oder weniger bewenden lassen zu können, bleibt abzuwarten.
    Auf jeden Fall habe ich nun bemerkt, dass auch vor Kreistagssitzungen Einwohnerfragestunden stattfinden; könnte ich ja mal nutzen. Der nächste Termin ist aber erst Ende September.

     
  3. 23. ralf.daute

    @Neuling Wie gesagt, Herr Spreen hat eine Mail mit den Fragen erhalten.

     
  4. 22. Neuling

    Herr Daute, was machen die Interviews mit van Zoggel und Spreen? Auch bei den Mitarbeitern der Kreisverwaltung ist Ihr Blog ein Kantinen- und Flurthema.

     
  5. 21. Klaus-Dieter

    @ Herr Daute, Rudi van Zoggel wird niemals mit Ihnen sprechen weil er weiß, dass er Ihnen nicht gewachsen ist. (…) Und wenn er doch später mal auf Druck von Wolfgang Spreen ein Gespräch mit Ihnen führen muss, seien Sie vorsichtig. Sein Lächeln heißt nicht “Freundlichkeit”. (…) Fragen Sie die Mitarbeiter der Sparkasse Kleve.

     
  6. 20. ralf.daute

    @Maya Thurup Die nächste Eskalationsstufe ist bereits vollzogen: Mail an den Verwaltungsrats-Vorsitzenden Wolfgang Spreen (Landrat Kreis Kleve). Noch keine Reaktion. Ich plane aber schon die Veröffentlichung einer Dauerrubrik: “Leute, die Angst haben, mit mir zu reden”. Bisher auf der Liste: Rudi van Zoggel…

     
  7. 19. Maya Thurup

    Wie lange noch? Ich warte immer noch! Brieftaube + Flaschenpost losschicken, Fax + Mail scheinbar technisch zu anspruchsvoll für die Sparkasse!?

     
  8. 18. KlePeter

    Wegen meines Urlaubes habe ich mir nun die Mühe gemacht, die letzten 14 Tage hier nachzulesen. Ich muss schon sagen, dass mich sehr wundert, dass eine solche Geschichte nur Konsequenzen für eine einzelne Angestellte hat.
    Nach meiner Ansicht, muss es hier zumindest ein kollektives Versagen der Aufsichtsgremien und der Führungsebene gegeben haben. Ohne Mitwisserschaft erscheint es mir schwierig, einen Betrug in dieser Größenordnung über viele Jahre unbemerkt durchzustehen. Zumal hier der Eindruck eines “scharfen Hundes” RvZ als Revisor erzeugt wird und die Entscheidungskompetenz der Mitarbeiter in den vergangenen Jahren auf Marginalitäten reduziert worden sein soll.
    Wenn dies wirklich die Tat einer einzelnen Person ist, haben die Wirtschaftsprüfer das Risikomanagement der Spasskasse falsch beurteilt. Dies wiederum bestätigt mich in meiner Auffassung, dass Wirtschaftsprüfer spätestens nach drei Jahren keine Folgeauftrag mehr bekommen dürfen (im übrigen auch bei kommunalen Gesellschaften und Betrieben).
    Das Schweigen ist umsomehr verständlicher, wenn man versteht, dass ein solches Fehlverhalten der Verantwortlichen (!) den Verlust des Posten kosten wird. Aber die Verträge sind ja so gestrickt, das die Betroffenen relativ weich fallen.
    Die wahlkämpfenden Komunalpolitiker müssten sich eigentlich die gleichen Fragen stellen und an Aufklärung interssiert sein. Oder bin ich da zu naiv?

     
  9. 17. Exilant

    @ FRANZ JOSEF: DAS legitimiert die Sache natürlich vollkommen! manmanman…

     
  10. 16. Fotofritz

    Auf Zeit kommts eh raus. Der Druck wächst schließlich.

     
  11. 15. Reinmacher

    @Herr Daute, Sie haben doch bestimmt noch alte Beziehungen zur BILD, zur Süddeutschen und zur Frankfurter. (Habe ich Gegooglet)!! Ist das denn nicht ein Sommerlochthema für diese Zeitungen? Evtl. wird Herr van Zoggel dann mal munter und meldet sich bei Ihnen. (…)

     
  12. 14. ralf.daute

    @ullrich Weil man ja in diesen Zeiten nicht sicher sein, dass E-Mails ankommen und gelesen werden, habe ich vorgestern – laut Sendeprotokoll um 17.14 Uhr – ein Fax mit denselben Fragen an Herrn van Zoggel geschickt. Antwort nada. Scheint ihm wohl nicht so wichtig. Nun hörte ich aber, das die überregionale Redaktion der Rheinischen Post an der Geschichte ebenfalls Interesse gezeigt hat – vielleicht bekommen die ja eine Antwort.

     
  13. 13. ullrich

    Herr Daute, was macht denn das Interview mit Herrn van Zoggel?

     
  14. 12. Fotofritz

    ich hätte da übrigens noch eine frage anzuhängen :

    – warum sind etwaige fälle nicht früher bekannt geworden und
    – wie wurden diese dann seitens der sparkasse “behandelt”, so das nichts nach aussen drang ?

    man könnte spekulieren, das es hier bereits wissen über eine “undichte stelle” gab, man aber keine spur zum täter fand. die geschädigten müssen also besänftigt worden sein … aber wie ???

     
  15. 11. MB 300

    @Bänker
    Die Feststellung über den Arbeitseinsatz von RvZ ist richtig. Er ist ein Arbeitstier – auch Samstags und Sonntags. Bei dem Verdienst?/der Bezahlung kommen mir allerdings nicht die Tränen sondern da muss man den Einsatz verlangen. Seine Schwäche, keinen anderen zu vertrauen, wird er nicht mehr ablegen können. Einmal Revisor immer Revisor. Zudem macht RvZ den Fehler diesen Einsatz (Samstags und Sonntags) auch von seinen “Untergebenen” zu verlangen. Er vergisst allerdings, dass diese Mitarbeiter lediglich 1/10 seines Einkommens bekommen – aber mehr verdient hätten. Das es dann bei vielen Mitarbeitern zu so vielen Nervenzusammen-brüchen kommt ist verständlich. Sein “Tick” a l l e s entscheiden zu wollen ist für die Sparkasse ein sehr großer Hemmschuh.
    Trotzdem bleibe ich der Sparkasse treu – denn die M i t a r b e i t e r sind gut und die anderen Mitbewerber sind n i c h t besser.

     
  16. 10. afrika

    @Maya Thurup
    Ich baue die Sammelbüchse wenn Sie die 100.000 Euro mitbringen.

     
  17. 9. Bänker

    @Reiner, da muß ich für den armen Rudi van Zoggel aber in die Bresche springen!! Er hat bestimmt keine 38,5 Stungen-Woche. Er arbeitet wirklich sehr viel. Das muß er ja auch, weil er niemandem vertraut! Über jede Kleinigkeit will er informiert werden. Und deshalb entscheiden seine Mitarbeiter auch nicht mehr so wie früher. Es ist so traurig aber wahr.

     
  18. 8. ralf.daute

    @FRANZ JOSEF Aber es waren Sparbücher!

     
  19. 7. FRANZ JOSEF

    Auf jedem Kontoauszug der Sparkasse Kleve steht hinten drauf, daß man den Saldo überprüfen sollte und Unstimmigkeiten unverzüglich der Revision melden sollte! Tja, liebe ältere Kunden, jetzt ist es zu spät!

     
  20. 6. rainer

    hallo, “Aber vielleicht war auch einfach schon Wochenende”. öffentlicher dienst halt. 38,5 std (einen und einen halben tag pro woche arbeiten) und haus pool boot. meine verwaltung scheint ein bisschen teuer

     
  21. 5. Maya Thurup

    @Messerjocke: Staub? Der Bürger weiß es doch erst seit einer Woche! Es besteht zweifelsfrei öffentliches Interesse und man kann geteilter Meinung sein, ob 60 Delikte+ 800.000 € einen “minderschwereren Fall” darstellen! Meine Jungs gehen für 10 x Schwarzfahren schon mal für 14 Tage in den Bau… .
    Zudem gibt es offensichtlich keinerlei Beweise dafür, dass dieses Geld wirklich überwiegend “gespendet” wurde oder hat jemand von euch noch ne 100.000 € Sammelbüchse?

     
  22. 4. Messerjocke

    Man muss ja auch nicht unnötig viel Staub aufwirbeln.

     
  23. 3. ralf.daute

    @Fotofritz Guter Gedanke! Da scheint ein klassischer Zirkelschluss möglich: Ich ermittle nur über einen Zeitraum von 5 Jahren – und somit bleibt es automatisch ein minderschwerer Fall, und etwaige ältere Delikte sind verjährt – und können somit nicht mehr dazu beitragen, daraus einen schweren Fall zu machen.

     
  24. 2. Fotofritz

    “Allerdings beträgt die Verfolgungsverjährung für die Untreue in einem besonders schweren Fall – strafbar gemäß § 266 Absatz 1 und Absatz 2 in Verbindung mit § 263 Absatz 3 StGB – 10 Jahre (§ 78 Absatz 3 Nr. 3 StGB), da hierfür eine Höchststrafe von 10 Jahren Freiheitsstrafe vorgesehen ist. ”

    Ich weiß nicht Herr Daute…ich weiß nicht. Eigentlich dürfte man sich Frage 3 ja selbst beantworten können, wenn man vergleicht in welchem Zeiraum ermittelt wurde und wie lange die Dame tatsächlich dort beschäftigt war.

    Und zu alle dem, war der Strafbestand wohl nicht schwer genug. Oder warum wurde nur für die letzten 5 Jahre ermittelt ?

     
  25. 1. Kässler

    Ich wette mit Ihnen um 6 Gals Kölsch bei Herrn Norbert Einstein, daß Sie eine Antwort von dem König der Sparkasse Kleve nicht bekommen werden. Man weiß doch, er hat immer recht, er weiß immer alles besser, er ist unbelehrbar und selbstherrlich. E wird niemals eine Antwort geben auf Ihre Fragen. Mein Tipp: sprechen Sie doch mal mit den Politikern aus dem Verwaltungsrat. Die wissen auch über alles Bescheid. Wir stehen vor der Wahl Herr Daute!!