Rund fünfzig Personen mussten am Mittwoch vor einer Woche erleben, wie kastriertes Rats-TV aussieht. Weil zum einen der Kämmerer Klaus Keysers, zum anderen abgesehen vom Vorsitzenden Georg Hiob sich gegen die Übertragung ihrer Beiträge ausgesprochen hatte, waren die Lücken größer als die Passagen, in denen die Sitzung live gezeigt wurde. Das rief Unmut hervor, nicht nur bei den Zuschauern, sondern auch in der CDU-Fraktion selbst, die sich (unter Ausschluss der am Rechner zuschauenden Öffentlichkeit) dagegen verwahren musste, von der AfD vereinnahmt zu werden (deren Fraktionsmitglieder der Übertragung zugestimmt hatte). Als sich die Fraktion abends nach der Sitzung in der Gaststätte Zentrale traf, waren angesichts der Verwerfungen die Würfel schon gefallen. „Wir geben das frei“, so der Fraktionsvorsitzende Georg Hiob.
Später erläuterte er den Entschluss. Insbesondere von jüngeren Leuten aus den Reihen der CDU sei er mehrfach angesprochen worden: „Schade, dass man eure Beiträge nicht hören kann!“ Ursprünglich hatten sich die Christdemokraten gegen die Übertragung ausgesprochen, weil sie die Befürchtung hatten, das Format könne durch die AfD als Propaganda-Plattform genutzt werden – mit Beiträgen, die sich nicht mehr auf die eigentliche Diskussion im Stadtrat beziehen, sondern die nur als „Soundbites“ für den ewigen Wahlkampf draußen fungieren. Doch die Gefahr hält Hiob angesichts von nur 50 Zuschauern nunmehr für vernachlässigbar. Künftig stellt die CDU ihren Fraktionsmitgliedern frei, ob sie sich zeigen wollen oder nicht (es gibt übrigens auch die Möglichkeit, nur den Ton übertragen zu lassen, wie es beispielsweise Heiner Szubries vom Sozialliberalen Forum Kleve tut).
Damit erscheint als sicher, dass die Stadtverordneten schon ab der nächsten Sitzung weitestgehend vollständig zu sehen und zu hören sein werden. Aber was ist mit der Verwaltung? Bürgermeister Markus Dahmen (parteilos) hat offensichtlich kein Problem mit der Übertragung, Kämmerer Klaus Keysers hingegen schon. Er referierte gleich zu Beginn der jüngsten Ratssitzung über den Stadt der Planungen für die Landesgartenschau, doch sein Beitrag war – abgesehen von der der Präsentation – komplett ausgeblendet. Das zermürbte die Zuschauer erheblich.
„Ich habe mit Klaus Keysers gesprochen“, sagt nun Georg Hiob. „Schade, dass er nicht zu sehen ist, denn as er sagt, hat Hand und Fuß, und seine Beiträge sind auch wichtig.“ Gut möglich, dass das Gespräch da einen Sinneswandel ausgelöst hat. Im Sinne der Transparenz wäre es zu begrüßen.

