Kleve hat das erste Pilates-Studio

Anna van der Veer auf einem „Reformer“

Pilates ist so eine Sache, die der Niederrheiner eher in Großstädten verortet, wo gefühlt an jeder Straßenecke ein Studio diese Form der Körperertüchtigung anbietet. Doch wie alle Trends aus den Metropolen hat es auch in diesem Fall einfach nur etwas gedauert, bis ein Angebot dieser Art auch in Kleve zu finden ist. Seit Montag ist es soweit: Anna van der Veer, eine 23 Jahre alte Niederländerin, die seit sieben Jahren in Kleve wohnt, hat in der Gasthausstraße ihr Studio „Swan Pilates“ eröffnet – schon am Abend fand der erste Kurs statt.

Wer das Geschäftslokal in der Gasthausstraße betritt, wird nicht mehr wiedererkennen, dass dort bis vor kurzem noch das Second-Hand-Geschäft „Tres Chig“ von Christoph Gebhardt ansässig war. Der Umbau dauerte drei Monate, nun erscheint alles luftig, es gibt viele Spiegel und indirekte Beleuchtung, farblich dominieren weiß und Kork. Im Zentrum stehen sechs Geräte, die an Rudermaschinen erinnern. Sie heißen „Reformer“ und ermöglichen den Kursteilnehmern eine Vielzahl von Übungen, bei denen es um die Stärkung der Körpermitte geht. „Core“, wie die Kenner sagen.

„Unser Studio entstand aus einer einfachen, aber kraftvollen Intention — einen Raum zu schaffen, in dem sich Bewegung sinnvoll anfühlt und sich der Körper wie ein Zuhause anfühlt“, heißt es in blumigen Worten auf der Website. „Ein Ort der Ruhe, an dem Kraft auf Stille trifft, Anstrengung auf Leichtigkeit und jeder Atemzug dich wieder mit dir selbst verbindet. Mehr als nur ein Studio ist dies eine Philosophie des achtsamen Lebens. Wir glauben an Bewegung, die nährt, fordert und transformiert — und dich dabei unterstützt, dich stärker und zugleich ruhiger zu fühlen.“

Wie kam es dazu, dass Anna van der Veer das Studio eröffnete? „Der Plan schlummerte schon über ein Jahr in meinem Kopf“, berichtete van der Veer, die ausgebildete Fitnesstrainern ist und zuvor auch Psychologie studierte und bei der niederländischen Militärpolizei arbeitete. Als sie dann im Frühjahr die leer stehende Immobilie entdeckte, war die Zeit gekommen, die Idee zu realisieren.

Da es sechs der Reformer-Geräte gibt, können höchstens sechs Personen an einer Kurseinheit teilnehmen. Buchung und Bezahlung erfolgen über die Website von Swan-Pilates. Eine Kurseinheit dauert 50 Minuten, zwei Probestunden sind für 44 Euro erhältlich. Wenn ganze Pakete gebucht werden, ändern sich die Preise. Weitere Angebote sind geplant.

Die Eröffnung bestätigt für die Innenstadt einmal mehr den Trend, dass klassische Handelsgeschäfte verloren gehen und sich statt dessen Gewerbe niederlässt, das nicht digitalisierbar ist – Fitness (dazu passt auch, dass an der Hagschen Straße in Kürze ein EMS-Trainingsstudio eröffnet), körpernahe Dienstleistungen (Haare, Bärte, Nägel) sowie Gastronomie.

Info Pilates: Pilates, auch Pilates-Methode genannt, ist ein systematisches Ganzkörpertraining zur Kräftigung der Muskulatur, primär von Beckenboden-, Bauch- und Rückenmuskulatur. Das Pilatestraining kann auf der Matte und an speziell entwickelten Geräten stattfinden. Entwickelt wurde es von Joseph Hubertus Pilates (1883–1967). Er nannte seine Methode zunächst Contrology, da es bei Pilates darum geht, die Muskeln mit Hilfe des Geistes zu steuern. Die Geschichte des Erfinders ist übrigens sehr spannend.

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24 Kommentare

  1. 24

    #23
    „Was Sie als dreist empfinden, ist eine übliche Sache, wenn….“
    Sie sagen lediglich,, dass es üblich geworden ist, dreist zu sein.

    „….Bezuschussung würde dem Studio vielleicht helfen und mehr Leute könnten sich das Training an den Reformer-Geräten leisten, ….“
    Bitte, seien Sie dreist! Nutzen Sie den Zuschuss anschließend, um einen an Altersarmut erkrankten Menschen (800 € Rente) zu behandeln.

  2. 23

    @22 Dr. Øttga

    Was Sie als dreist empfinden, ist eine übliche Sache, wenn entsprechende Kurse nach §20 SGB V anerkannt und Kurs sowie Kursleitung von der Zentralstelle Prüfstelle Prävention (ZPP) im Auftrag der gesetzlichen Krankenkassen zertifiziert sind.

    Die Krankenkassen setzen auf primäre Gesundheitsprävention, um Krankheitskosten zu vermeiden.

    Ich bin von der ZPP z. B. als Stressmanagement-Trainerin zertifiziert. Dafür muss man verschiedenste Voraussetzungen erfüllen sowie die Einweisung in ein bestimmtes von der ZPP anerkanntes Kursangebot durchlaufen.

    Die Möglichkeit einer Bezuschussung würde dem Studio vielleicht helfen und mehr Leute könnten sich das Training an den Reformer-Geräten leisten, das im Vergleich zum Matten-Pilates, das oft angeboten wird, kostenintensiver, aber auch noch effektiver ist.

  3. 22

    @ 13
    Zitat: „Vielleicht eine Bezuschussung durch Krankenkassen ermöglichen?“
    Angesichts der Kürzungsergebnisse/-Sym­pho­nie, die das Streichorchester aus Berlin geliefert hat, empfinde ich Ihr Ansinnen, sich Pilates-Kurse durch die Krankenkassen bezuschussen zu lassen als geradezu dreist.

  4. 21

    Mmuuuh, wo bleibt hier die sozio-ökonomisch basierte Analyse betreffend vermmuuuhtlicher Synergieeffekte für die Gastshausstraße??? Wenn der Pilates-Laden sich erfolgreich entwickeln sollte (mmuuuh, das sei ihm gegeönnt), dann werden da demnächst stündlich bis zu sechs Kunden heausstolpern, denen es ob der vorherigen körperlichen Betätigung nach Trinkbarem dürstet, mmuuuh, vor allem nach Wasser, Saft und Schorle. Ob rd schon überlegt hat, die Öffnungszeiten seiner Zentrale (und sein Getränkeangebot) an diese vermmuuuhtliche neue Kundengruppe anzupassen, mmuuuh, zwecks Hereinstolper-Fang der heraustolpernden Personen??? Mmuuuhtmaßlich könnten der Zentrale so goldene Zeiten blühen, mmuuuh, durch optimale Ausnutzung der vermmuuuhtlichen Synergieeffekte für die Gasthausstraße.

  5. 20

    Ob Kleve als Standort die richtige Wahl war, wird sich zeigen. Das Angebot, zwei Probeeinheiten je 50 Minuten für nur 44 € kaufen zu können, halte ich unter den Umständen (Anschaffung, Bürokratieaufwand, Energiekosten, Miete, Steuern) für absolut in Ordnung. Viel Erfolg!

  6. 19

    Hinweis:
    Wenn ihr Hausarzt Ihnen eine Notfall-ÜBERWEISUNG ausstellt, bekommen Sie neuerdings über die Tel.Nr. 116117 recht schnell einen Termin bei einem Spezialisten – eine eindeutige Verbesserung. Stellt dieser Spezialist Ihnen dann ein REZEPT aus für physio- oder ergotherapeutische Behandlungen, ist plötzlich alles wie gehabt, und Sie suchen sich ’nen Wolf.

    Kleve hat keinen Bedarf an Personen, die schnell reich werden wollen. Wir brauchen Heiler, Mediziner für Kassenpatienten. Ich spreche aus Erfahrung.

  7. 17

    @13 Fitness (oder Fußgängerin…)

    Ihre Antwort auf meinen Kommentar 13 passt leider gar nicht. Zu allem, worauf Sie sich beziehen, habe ich nichts geschrieben.

    Für mich ist das neue Studio einfach von der Lage her sehr passend.

  8. 15

    @12.
    Ach ….. Herr Plecker …… warum so krampfhaft?
    Training machte und macht einfach Spaß! Ohne Marketingstrategie…..
    Man muss nicht alles analysieren und sezieren… . einfach mal lassen.
    Sie sind halt wahrscheinlich nicht in der aktiven Szene?

  9. 14

    13.
    Einfach mal lesen, wer der Gründer von Pilates war, uns seit wann es Pilates gibt.😉
    Abgesehen vom neuen Studio, wurde und wird in Kleve schon sehr lange Pilates in Fitness-Studios und VHS angeboten und ist immer ausgebucht.

  10. 13

    Yes! Pilates ist super effektiv und hat wenig mit dem sonstigen Trainieren in Gyms zu tun.

    Gut ist die zentrale Lage des Studios, und die Ausstattung ist sehr ansprechend.

    Die Preisgestaltung erscheint mir unübersichtlich und das Niveau etwas zu hoch.

    Vielleicht eine Bezuschussung durch Krankenkassen ermöglichen?

  11. 12

    @9

    Das hat auch niemand grundsätzlich in Frage gestellt. Vielleicht nochmal lesen und verstehen. Daute hat es erkannt: Er schreibt vom „Trend“, also von dem, was kommen mag und nicht von dem was war bzw. ist. Ich schreibe vom „Megatrend“.

  12. 10

    Alles Neue hat es schwer in Kleve, in unserer kleinen spießigen Stadt…
    Jedem Tierchen sein Pläsierchen, ich wünsche viel Erfolg, auch wenn diese Art der Ertüchtigung
    nicht meins ist. Gerade deshalb: toi, toi, toi

  13. 9

    @5.
    Fitnessangebote gibt es schon seit sehr langer Zeit in Kleve und bedarf keiner Vision. Man trainierte und trainiert einfach … das ist Normalität!
    Man braucht also nicht bis 2040 warten! 🥱

  14. 8

    @2 und 4:
    Mein Gott, wie verbittert muss man sein. Das sind dann die gleichen, die sich über Leerstand in der City beschweren. Beide wahrscheinlich nicht nie was eigenes geleistet. So jemand wie euch würde Kleve wirklich nicht fehlen.

    Das studio ist doch super. Wenn man es nicht nutzen will, muss man ja nicht. Immer dieses ge-unke nervt!

  15. 7

    @6

    Menschen, dessen Sehnsüchte Entschleunigung, Natur und Selbstverbesserung sind, bilden eine stetig wachsene Kernzielgruppe u.a. im Tourismusbereich.

    Xanten ist bereirs als renomierte Domstadt und Römerstadt auf diesen Zug aufgesprungen und auch Kevelaer als Wallfahrtsstadt schöpft inzwischen ab.

    Nur Kleve sucht noch immer nach der Selbsterkenntnis nach der „Alles-Stadt“ (Hochschulstadt, Einkaufsstadt, Schwanenstadt, Lohengrinstadt, Stadt am Wasser uvm.)

  16. 6

    Fitness jenseits der Vereine und jenseits der testosterongeschwängerten Gyms wird immer ein Thema sein.

  17. 5

    EIch beginne diesen Kommentar mit einem Zeitstrahl.

    1.
    Am 12. August 2013 schrieb ich in (m)einer Visionsstudie zur Gestaltung der Zukunft Kleves:

    „Für die Lebensqualität der Klever Bürger und Bürgerinnen sowie die Aufenthaltsqualität der Besucher und Gäste könnten Entwicklungen im Wellness- und Gesundheitssektor im weiteren Sinn eine hohe Bedeutung haben. Gesundheit und Wellness zählen seit Anfang des neuen Jahrtausends zu jenen Megatrends, die auf einem langfristigen und tiefgreifenden Wertewandel beruhen.

    Eigenverantwortlichkeit und Vorsorgebereitschaft für die Gesundheit besitzen inzwischen einen hohen Stellenwert. Die Sehnsüchte nach Entschleunigung, Natur und Selbstverbesserung sind heute stärker denn je.

    Wellness und Gesundheit können in Kleve nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht von wachsender Bedeutung für die Stadtentwicklung der Stadt sein, sondern können auch auf dem Tourismussektor Zugang zu weiteren Segmenten verschaffen. Salutogenese ist das Stichwort, aus dem meine Vision aufbaut.

    (…)

    Die Vision

    Kleve könnte 2040 als Stadt der erlebbaren Salutogenese, des Wellness bzw. der Medizin in der Destination Niederrhein wahrgenommen werden. Dabei sollte sich Kleve 2040 nicht ausschließlich als Seniorenstadt darstellen, sondern vielmehr auch für die Jugend attraktiv sein.
    Kleve als Marke für ganzheitliche Gesundheits-, Wellness- und Wohlfühl-Angebote für Bürger sowie für Gäste, die Qualität zu schätzen wissen, die gerne wiederkommen und Kleve weiterempfehlen. Kleve sollte sich als ganzheitliche Gesundheitsdestination entwickeln, die den Menschen insbesondere ermöglicht, wieder zu sich selbst zu finden. Die Idylle und Ausstrahlung des Ortes führen dazu, dass Stress des Alltags abgebaut wird und der Gast durch die Vielzahl der Freizeitmöglichkeiten, gerade in der freien Natur sowie in Verbindung mit den Erlebnisräumen Kultur und Geschichte sowie aktiv Ablenkung an der frischen Luft findet.“

    2.
    Am 8. April 2025 zitiert Ralf Daute in seinem Artikel „Neue Chefin fürs Klever Marketing sieht „natürliches Destinationskapital““ hier bei kleveblog.de die damals neu eingestellte Geschäftsführerin der Wirtschaft, Tourismus, Marketing Stadt Kleve GmbH (WTM), Verena Rohde. Frau Rohde bestätigt damit die Potenziale im Bereich Fitness und Gesundheit:

    „Ich freue mich sehr auf diese spannende neue Herausforderung. Kleve bietet sehr viel Potenzial für die Weiterentwicklung zu einer lebendigen und multifunktionalen Stadt. Wir haben mit den barocken Gartenanlagen ein besonderes natürliches Destinationskapital, das noch viele Möglichkeiten in der touristischen Angebotsschaffung im Bereich Fitness und Gesundheit bietet.“

    Quelle: https://www.kleveblog.de/neue-chefin-fuers-klever-marketing-sieht-natuerliches-destinationskapital/

    3.
    Heute am 14. Juli 2026 legt Ralf Daute mit seinem Artikel „Kleve hat das erste Pilates-Studio“ hier im kleveblog.de nach:

    „Die Eröffnung [Anmerkung des Kommentators: des Studio „Swan Pilates“] bestätigt für die Innenstadt einmal mehr den Trend, dass klassische Handelsgeschäfte verloren gehen und sich statt dessen Gewerbe niederlässt, das nicht digitalisierbar ist – Fitness (dazu passt auch, dass an der Hagschen Straße in Kürze ein EMS-Trainingsstudio eröffnet), …“

    Quelle: https://www.kleveblog.de/kleve-hat-das-erste-pilates-studio

    Fazit:

    Ich bin mir sicher, dass die Themen Wellness, Wellbeeing, Fitness, Gesundheit, Salutogenese, Stärkung des Wohlbefindens, Natur etc. in Zukunft auch in Kleve immer mehr Raum einnehmen werden.

    Ich wünsche Anna van der Veer viel Erfolg mit ihrem Angebot und beglückwünsche ihr an dieser Stelle.

  18. 4

    Mutig, mutig. Ein Angebot das vermutlich 95% uninteressiert links liegen lassen werden. Im Zweifelsfall fährt der geneigte Niederrheiner lieber Rad oder besser E-Bike als sich allen Ernstes ein Pilates Abo zu kaufen und sich 2 Mal die Woche auf zur Gasthaus Straße zu begeben.

    Männer dürfen natürlich teilnehmen – die Anzahl dürfte dabei etwa so ausfallen wie bei einem Yoga Kurs der VHS.

    Ein Fazit kann man erst nach 3-5 Jahren fällen falls es überhaupt dazu kommt – aber für mich persönlich sage ich: Das hat Kleve noch wirklich unbedingt gefehlt. Nicht.

  19. 1

    Vielleicht doofe Frage, aber dürfen auch Männer teilnehmen? Finde dazu keinen Infos auf der HP und natürlich ist Reformerpilates eher damenlastig, aber für Kraft und Beweglichkeit echt top für „den Mann“

    Einen guten Start wünsche ich- toll, dass dieses Angebot jetzt auch in Kleve verfügbar ist.