Erstaunliches Hitze-Phänomen am Niederrhein: Jetzt gibt es sogar Quallen in den Kolken!

Craspedacusta sowerbii

Sie sind im Grunde nichts anderes als Wasser mit ein bisschen Verpackung! Doch normalerweise vermutet unsereins Quallen an den Stränden der Nordsee, wo sie oftmals in Massen herumquallen und Schwimmern durch ihre Nesseln ganz schön zusetzen können. Wenn sie im Sand liegen, ihres schützenden Mediums beraubt, können sie ganz pittoresk aussehen. Doch es gibt auch eine Quallenart, die im Süßwasser lebt – und die wurde jetzt erstmals in einem Kolk bei Kleve gesichtet. Das Besondere: Schon normale Quallen bestehen praktisch komplett aus Wasser, doch die Medusen der Art Craspedacusta sowerbii setzen noch eins drauf: Sie setzen sich zu 99,3 Prozent aus Wasser zusammen. Mehr Wasser gibt es in der Natur nicht!

Dass erste Exemplare der Süßwasserqualle jetzt zu sehen sind, ist der Hitze geschuldet: Sie lassen sich erst blicken, wenn die Wassertemperatur dauerhaft 25 Grad Celsius übersteigt. Die Quallen entwickeln sich aus kleinen Polypen nur in Jahren mit langanhaltend heißen Sommern. Wenn diese Temperaturen nicht erreicht werden, bleiben sie als winzige Polypen am Seeboden und werden vom Menschen nicht bemerkt. Dass die Süßwasserquallen nun in hiesigen Gewässern anzutreffen sind, ist für das Wasser eine gute Nachricht: Craspedacusta sowerbii benötigt saubere, stehende oder langsam fließende Gewässer mit intakter Flora. Die wirbel- und hirnlosen Nesseltiere – mit das älteste an Getier, was es so gibt – gedeihen nicht in verschmutztem oder nährstoffbelastetem Wasser. (Was wiederum bedeutet, dass sie im Kermisdahl nicht anzutreffen sein werden, da dort das Wasser durch die Landwirtschaft belastet ist.)

Gefährlich sind die gemächlich durchs Wasser pulsenden Medusen übrigens nicht, anders als viele der Salzwasserarten. Die in ausgewachsenem Zustand bis zu 25 Millimeter großen Tiere haben zwar bis zu 600 Tentakeln. Doch die Nesselkapseln (Nesselzellen) auf den Tentakeln der Süßwasserqualle sind zu schwach, um die dicke menschliche Haut zu durchdringen. Das Gift wird zwar abgegeben, kann aber nicht in den Körper gelangen. Höchstens ein kleiner Piks, ein kurzes Ziepen oder ein minimales Kribbeln ist spürbar (Quelle: Der Spiegel).

Fun Fact: Da die Medusen in den hiesigen Gewässern sich aus den Polypen entwickeln, sind sie gleichgeschlechtlich. Kein heterosexueller Sex zur Vermehrung also. Die Polypen vermehren sich asexuell durch Knospung, Querteilung oder durch Frusteln. Aus den Polypen entstehen dann gleichgeschlechtliche Medusen, die sich nicht sexuell vermehren können, da ihnen der andere Geschlechtspartner fehlt. Der erste europäische Nachweis erfolgte 1880 in den Royal Botanic Gardens in London, wo sie in einem Seerosenbecken auftraten. Vermutet wird, dass sie aus Brasilien eingeschleppt wurden.

(Frage für einen Freund: Wie vermehrt man sich durch Frusteln? Ist das nicht der Fortpflanzungmodus der AfD?)

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