Es passt zu der Zeiten Läufte, dass exakt einen Tag, nachdem der Fußball seine Seele aushauchte (unter anderem durch eine 27-minütige Halbzeitshow und zuvor bereits durch den absurden Eingriff eines greisen Staatenlenkers), ein Berufsfußballspieler starb, der vor einem halben Jahrhundert wie kein zweiter für den Geist dieses Sportes stand, der rackerte und kämpfte und köpfte (wiewohl nur 1,70 m groß) und der eben nicht nur auf dem Platz sondern auch abseits des Feldes ein großartiger Mensch war. Die Rede ist von: Kevin Keegan.
Das ist nun aber insofern ein Thema für kleveblog, weil dieser Kevin der erste in meinem Leben war, noch vor dem, der im Film allein zu Haus war (1990) und auch vor Kevin Costner, der ebenfalls 1990 seinen Film „Der mit dem Wolf tanzt“ herausbrachte. Nach der Jahrtausendwende kam noch Kevin Pitzner hinzu, mit dem mich einige Jahre des fröhlichen Basketballspielens verbinden. Gut möglich, dass für seinen Vornamen schon der Hamburger Profi Pate stand.
Kevin Keegan war ein lockenköpfiger Engländer, der 1977 für die damals sagenumwobene Summe von 2,3 Millionen DM (1,176 Millionen €) vom FC Liverpool zum Hamburger SV gewechselt war, was vermutlich an mir vorbeigegangen wäre, wenn nicht mein bester Freund Georg Verhoeven Anhänger dieses Fußballklubs gewesen wäre und ich fortan angesichts dieses Spielertransfers dauerhaft mit der Überlegenheit seines auserwählten Klubs konfrontiert worden wäre. Fortuna Düsseldorf reichte nie an den Hamburger SV heran.
Unter Keegan begann der Höhenflug des Hamburger SV, dessen Gipfelpunkt 1983 der Gewinn des Europapokals der Landesmeister in Athen war, durch einen 1:0-Sieg gegen Juventus Turin, das Tor erzielte Felix Magath in der 8. Minute, Trainer war damals der legendäre Ernst Happel (Turin wurde von Giovanni Trapattoni betreut). Keegan war damals freilich schon nicht mehr dabei, er hatte den Verein 1980 nach 90 Pflichtspielen und 32 darin erzielten Toren wieder verlassen. In seinem zweiten Jahr der Hansestadt aber hatte er seinen Club zur Deutschen Meisterschaft geschossen (danach verwüsteten die siegestrunkenen Fans das Volksparkstadion, es gab 71 Verletzte).
Doch natürlich war auch schon der Wechsel von Keegan zum Hamburger SV ein Teil jener Kommerzialisierung des Sports, deren Exzess in den vergangenen vier Wochen in den Vereinigten Staaten zu besichtigen war. Damals aber sorgten noch Dinge für Schlagzeilen, die heute bestenfalls noch für eine Fußnote herhalten würden. Eine der umtriebigen Personen beim Hamburger SV war der aus der PR-Branche stammende Manager Dr. Peter Krohn, der mit getönter Brille und weißkragigem Hemd den Inbegriff eines hanseatischen Geschäftsmanns abgab.
„Fußball muss auch Unterhaltung sein“, das war die Devise von Krohn. Er sorgte dafür, dass der HSV als fünfter Club der Bundesliga Werbung auf seine Trikots drucken ließ (Campari), dass der HSV in rosa Trikots spielte (um auch die Frauen für den Sport zu begeistern) und dass das Geld nur so sprudelte. Im ersten Jahr seines Wirkens verdoppelte sich der Umsatz auf fünf Millionen Mark, und statt einer Viertelmillion Mark Verlust gab es einen Gewinn in gleicher Höhe. Zum Vergleich: Der FC Bayern München macht heute einen Jahresumsatz von knapp einer Milliarde €, das ist eine Steigerung um den Faktor 200.
Diese Entwicklung begann in Deutschland damit, dass Krohn den Spieler aus Liverpool verpflichtete, der dort binnen sechs Jahren zum Star gereift war (230 Spiele, 68 Tore, Spitzname „Mighty Mouse“). Keegan hatte seine Laufbahn an der Anfield Road 1971 begonnen. Als das damals 20 Jahre alte Talent vom legendären Manager Bill Shankly verpflichtet wurde, machte dieser dem Spieler ein Gehaltsangebot von 45 £ pro Woche. Keegan wollte mehr. Er handelte 50 £ heraus.
Kevin Keegan, mittlerweile in den Adelsstand erhoben, starb am Montag im Kreise seiner Familie an den Folgen einer Krebserkrankung, deren finales Stadium er vor sieben Wochen selbst bekannt gegeben hatte.
Nachruf im Guardian: Kevin Keegan, Liverpool legend and former Newcastle manager, dies aged 75
FC Liverpool: A special tribute in memory of Kevin Keegan


Aaah, die Mighty Mouse. Danke für den Artikel, und ganz generell deine Meinung zum Fußball.
1978, Fußball Sommerpause in Deutschland. Ich lebte und arbeitete damals in Jeddah, Saudi Arabien. Der HSV kam für ein Freundschaftsspiel nach Jeddah, ich war im Stadion. Alle Stars auf dem Platz, also auch Keegan und Magath. Kevin hatte wohl keine Lust und spielte schwach. Magath war exzellent und schoss ein Tor. Trotzdem verlor der HSV (ich glaube 1:2).
Sweet Memories….