Der Lärm und der Wall

rd | 13. Juli 2007, 14:11 | keine Kommentare

Ganz im Sinne einer crossmedialen Vernetzung aller Inhalte habe ich auch mal wieder etwas für Lokalausgabe der Rheinischen Post geschrieben, hier der Link.

Wall

Um diesen Wall geht es. Der Lärm schwappt locker drüber. Und der Streit, ob dieser Wall, der das Neubaugebiet am Baumannhof in Bedburg-Hau vor dem Verkehrslärm der B9 schützen soll, zu niedrig ausgelegt ist bzw. überhaupt nötig ist, wie die Gegenseite trotz ca. 1000 Autos pro Stunde verblüffenderweise behauptet, dürfte noch lange nicht ausgestanden sein. Dazu sollte man wissen, dass es auch ein gewisses Vergnügen bereiten kann, eine Recherche mit einem Anruf bei Kleves derzeit schillerndstem Unternehmer Udo Kempkens zu beginnen: “Das ist doch schon Alles geklärt! Was soll das denn jetzt überhaupt? Und da will die Rheinische Post jetzt drüber berichten? Ist das so interessant? Wer sind Sie denn? Da rufe ich aber erst mal in der Redaktion an! Ich sage gar nichts dazu! Wird doch sowieso alles negativ ausgelegt…”



Älteste Kirmes der Welt

rd | 13. Juli 2007, 13:36 | 1 Kommentar

SchlagzeileAuch auf die Gefahr hin, dass hier langsam der Historischen Zeitschrift Konkurrenz erwächst – noch mal zurück in die Vergangenheit, ins finstere Mittelalter zur Zeit des Grafen Johann, mit dem ganzen Programm (Hungersnöte, Revolten, Pest). “Ist die Klever Kirmes schon 651 Jahre alt?” fragt das Klever Wochenblatt, und datiert den Ursprung des Rummels auf den 14. September 1356. Der Beweis lässt sich sogar ohne Blick ins Archiv führen – einfach nur mal das Fritierfett kosten. Und stehen die Losverkäufer nicht auch schon seit ein paar Jahrhunderten da?

Neandertaler mit Niete | kleveblog (15.07. 14:16): [...] Klever Kirmes – die Altersfrage wird immer entscheidender: “Die K...


Monarchen über Kleve

rd | 11. Juli 2007, 16:35 | keine Kommentare

KönigKurzer Ausflug in die Vergangenheit, Teil 2: Friedrich-Wilhelm I., preußischer König von 1713 bis 1740, war ein Mann der deutlichen Aussprache. Die pommerschen Adligen waren für ihn “getreu wie goldt”, in der Altmark hatte er es dagegen mit “schlimme(n), ungehorsame(n) Leutte(n)” zu tun, aber noch mehr Kopfzerbrechen bereiteten S. M. die Untertanen in den westlichen Provinzen Kleve, Berg und Lingen. Diese hielt er für “dumme oxen” und “malicieus wie der deuffel”. Nicht gerade nett. (Aus dem wunderbaren 896-Seiten-Wälzer “Preußen” von Christopher Clark, DVA 2007)


Flandrische Mähre tot

rd | 09. Juli 2007, 17:34 | 1 Kommentar

Von Bismarck, dessen Ururenkel übrigens kürzlich nach einem von anregenden Substanzen angereicherten Leben ausgerechnet in London verschied, ist der Ausspruch überliefert, im Falle eines Weltuntergangs zöge er sich nach Mecklenburg zurück – dort geschehe immer alles 50 Jahre später. Aus Londoner Perspektive dürfte Kleve sich einer ähnlichen Einschätzung erfreuen – es dauert immer etwas länger.

Doch der Reihe nach: Wir schreiben das Jahr 1540, und der testosterongesteuerte englische König Heinrich VIII. erlebt am Neujahrstag ein amouröses Fiasko. Humorlos, langweilig, pockennarbig und auch sonst so ganz anders als von Hans Holbein gemalt erscheint dem Herrscher die berühmteste Tochter der Stadt, Anna von Cleve, als er seiner Braut zum ersten Male angesichtig wird. Angeblich soll er sie sogar als “flandrische Mähre” bezeichnet haben, doch das ist zwar hübsch formuliert, aber historisch leider nicht verbürgt.

Anna von Cleve

Die Ehe wird nie vollzogen und bald annuliert, und nach einem erfüllten Leben in Saus und Braus stirbt die gute Frau 1557 an Krebs – gerade noch rechtzeitig für die Klever Stadtmarketing-Chefin Ute Schulze-Heiming, die nach eigener Aussage “überraschend erfahren” hat, dass sich der Todestag in diesem Jahr zum 450. Male jährt. Die heiße Nachricht animierte das Stadtmarketing, eine spontane Gedenkveranstaltung aus dem Boden zu stampfen, und so heißt es nun am 28. Juli 2007 : “Feiern Sie mit uns den 450. Todestag von Anna von Cleve!”

Heinrich VIII. dürfte kurzfristig verhindert sein, wäre wahrscheinlich aber auch gern gekommen, wenn der Tod seiner Frau im Innenhof der Schwanenburg mit einem englischen Frühstück gefeiert wird.

p.s. Ronald Reagan soll eine seiner Tischreden übrigens mit der schönen Bemerkung begonnen haben: “Ich halte mich an das, was einst Heinrich VIII. zu jeder seiner sechs Frauen sagte: ‘Ich werde Ihre Aufmerksamkeit nicht sehr lange in Anspruch nehmen.'”