Das Wim-Thoelke-Problem

rd | 07. Februar 2007, 10:15 | keine Kommentare

Wenn man am frühen Dienstag Abend in einer Gaststätte Muscheln bestellt und die Kellnerin nach kurzer Nachfrage in der Küche mit der enigmatischen Botschaft zurückkehrt:

„Zwei Portionen sind noch da…“,

steht man als kundiger Klever Kneipengänger vor dem Wim-Thoelke-Problem: Risiko! Kurze strategische Überlegung: Kein Gastwirt kauft am Montag Muscheln, Sonntag geht nicht, Samstag kommt wahrscheinlich nicht infrage, weil die Wochenendbeschaffung schon am Freitag abgewickelt wird. Also was immer da in der Küche noch für zwei Portionen reicht, ist wahrscheinlich vier Tage alt. Trotzdem bestellt, aber mit dem Kugelfischgefühl der Japaner. Ein Gefühl, das sich noch verstärkte, als der Gastwirt während des Essens an unserem Tisch vorbei frische Ware in die Küche trug.

Hat aber geschmeckt. Manchmal braucht man auch beim Essen etwas Nervenkitzel.



Ringstraße & Selbstironie

rd | 06. Februar 2007, 23:55 | keine Kommentare

Von meiner Friseurin (Friseuse darf man wohl nicht mehr sagen) mit dem Ausdruck des Bedauerns erzählt: Die Absolventen der Ringschule – neuhochdeutsch Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen oder so ähnlich – zogen zur Feier des Schulabschlusses mit T-Shirts durch die Stadt, auf denen zu lesen war: „Hartz IV, wir kommen!“

Eigentlich ist die Entrüstung nicht nachzuvollziehen. Immerhin zeigen die T-Shirts, dass die Schule ihrem Bildungsauftrag nachgekommen ist: Die Schüler wissen, was ihnen bevorsteht. Es sei denn, die Schüler haben ihre Aktion mit dem Wissen um die wahren Vergünstigungen eines Hartzlebens gestartet. Aber das ist eben nicht „IV“. Also eher unwahrscheinlich.



Saddam beim Ideenbäcker

rd | 03. Februar 2007, 02:22 | 1 Kommentar

Die berühmtesten Klever (in der Fußgängerzone) sind zweifelsohne Saddam, Kohl und Schäuble. Jedenfalls treffe ich sie immer wieder zwischen Fischmarkt und Eisdiele unten. Helmut Kohl (naja, in einer etwas jüngeren Version) ist dann zu beobachten, wie er vor Mister Minit steht. Schäuble, leicht verlottert (zwar nicht im Rollstuhl, aber doch etwas älter wirkend als der echte), schlurft mit einer Stummelzigarette im Mund an der Eisdiele vorbei. Saddam ist auch überall. Natürlich noch in der Nur-Schnauzbart-Version und noch voll im Saft. Krönung des Ganzen wäre zweifelsohne, wenn alle drei im Bäckereicafé gemeinsam die Weltlage erörtern würden.


Mehr A-Klasse-Promis gibt’s m. E. nicht in der Stadt. Ich bin mir zwar recht sicher, auch einmal Romano Prodi gesehen zu haben (vor Kodi), doch soo bekannt ist der nun wieder nicht.


Auf geht’s, Kleve

rd | 26. Januar 2007, 16:41 | keine Kommentare

Das war zweifelsohne meine Lieblingsserie aus der Grenzland Post. Hatte fast schon so etwas wie die Springer-Zeitung für Second Life, oder es erinnerte mich an von mir verantwortete Serien für die Bild am Sonntag über die virtuellen Blumenfelder in den neuen Bundesländern.
Jedenfalls: Während die RP also unentwegt Macher in die Öffentlichkeit zerrte, passierte in unmittelbarer Nachbarschaft der Redaktion Folgendes (ohne Garantie auf Vollständigkeit, auf jeden Fall aber ohne Erwähnung oder allesfalls mit Minimalstnotiz in der RP):

  • Das Spielwarengeschäft Röhricht machte dicht (nach 20 Jahren).
  • In der Neuen Mitte gab ein Modegschäft auf.
  • Das traditionsreiche Haus „Optik Pfister“ plakatierte seine Geschäftsaufgabe.
  • Ein Weinhändler aus Kempen schloss seine Filiale in der Hagschen Str.
  • Gleich gegenüber segnete die Postfiliale das Zeitliche (und wurde durch einen Kellerverschlag im EOC ersetzt).
  • Der Traditionsbuchladen „Hintzen unten“ firmierte plötzlich unter „CoBu“ und setzt seitdem auf Büchertrash.

Krönender Abschluss des Ganzen war dann zum Jahresende das Ende der Geschäftsstelle der Rheinischen Post, die vermutlich seit der Gründung der Zeitung dort Bestand hatte. Wer jetzt Anzeigen aufgeben will, wird gebeten, einen so genannten „ServicePunkt“ aufzusuchen. Dabei handelt es sich um ein Kundenbüro der NIAG, das in den letzten Ausläufern der Kavarinerstraße zwischen Kabinenkino und Dönerbude liegt und dessen Mitarbeiter wohl noch nicht ganz ausgelastet waren. Aus der Sicht der großen RP wirkt es ein wenig so, als würde ein Juwelier seine Klunker in einer Pommesbode feilbieten. Wenn’s denn passt.