Zum Jahresabschluss: Hashtag aus Stahl

rd | 31. Dezember 2020, 12:09 | 9 Kommentare
Bei näherem Hinschauen… (Foto: Thomas Arntz)

Die Altrheinbrücke ist schon ca. sieben Trillionen Mal fotografiert worden, aber dann findet sich doch wieder eine neue Perspektive auf das Bauwerk. Der von Thomas Arntz erhaschte Blick auf das Stahlgerüst scheint dem flüchtigen Hashtag aus der virtuellen Welt einen massiven aus Puddelstahl entgegenzusetzen. Und, seien wir ehrlich: Die korrosionsbeständige Stabilität, die ein Hashtag aus Stahl verspricht, ist es doch, die wir uns für das neue Jahr wünschen, oder?

In diesem Sinne wünscht kleveblog allen Lesern: Guten Rutsch!



Der Ungeliebte

rd | 30. Dezember 2020, 19:43 | 7 Kommentare
Adieu!

Er müffelte schnell, stand stets im Weg und riss zuverlässig immer dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen konnte. Und doch wird der Gelbe Sack uns fehlen.

In der legendären britischen Comedy-Serie Fawlty Towers gibt es die Figur des Kellners Manuel, der eigentlich ein dienstbarer Geist sein sollte, grundsätzlich aber alles verschlimmert. Der Gelbe Sack war der Manuel in unser aller Haushalte.

Anders als zum Beispiel die Schwämmchen aus Stahlwolle, mit denen sich Angebranntes von Topfböden kratzen lässt. Auch sie werden nie mit einem Gefühl der Zuneigung genutzt, aber wenn sie benötigt werden, versehen sie zuverlässig ihren Dienst und man freut sich, dass es sie gibt.

Der Gelbe Sack wurde nie anders als mit Geringschätzung, wenn nicht gar Verachtung bedacht. Schon allein deshalb, weil er als Sack nicht zu gebrauchen war. Die Folienstärke von fünfzehn Mikrometern war so ausgelegt, damit der Verbraucher nicht auf die Idee kommen sollte, die kostenlos ausgegebenen Säcke für andere Zwecke zu benutzen. 

Genau dies machten viele Menschen natürlich trotzdem, es ging jedoch meistens schief. Die Säcke hielten halt nichts aus und rissen bei der kleinsten Kante widerstandslos ein. Mit Schimpf und Schande bedachte wurde indes nicht die eigene Gier, sondern: der Sack!

Dieser Text ist in der aktuellen Ausgabe des Magazins Der KLEVER erschienen, die für 3,50 Euro im Buch- und Zeitschriftenhandel (soweit geöffnet) erhältlich ist.

Im Laufe der langen Wochen, in denen der Sack sich für die ihm zugedachte Bestimmung anbot, wurde er ein Massengrab des Konsums, dessen Anblick von Tag zu Tag unappetitlicher wurde. Er schluckte leere Frischkäsepackungen, Nutelladeckel, Wurstfolien, Getränkeflaschen, Suppendosen, Erdnussdosen, Sahnebecher, Nudeltüten, und auch wenn einem daran gelegen war, mikrobiologische Eskalationen durch sorgfältiges Ausspülen des Leerguts zu verhindern, entwickelte der Gelbe Sack schnell ein Eigenleben.

Der Nutzer näherte sich dem Objekt mit zunehmendem Missbehagen, was dazu führte, dass die Neigung es auszutauschen sich umgekehrt proportional zur Füllung desselben entwickelte. Lieber noch eine Verpackung reinstopfen! Das Ergebnis war das sogenannte Gelber-Sack-Aneurysma, in dessen Folge sich die Verpackungen im ganzen Zimmer verteilten und ein erneutes, von Gefühlen des Ekels begleitetes Eintüten erforderten. Schuld war natürlich: der Sack!

Obwohl das System relativ einfach zu verstehen war, unterliefen einem unachtsamen Sack-User schon mal Füllfehler. Die Folgen waren in jedem Fall ärgerlich. Hatte man beispielsweise ein Getränkebehältnis entsorgt, das die Ahnung eines Pfandgeldes erweckte, konnte es gut sein, dass man morgens am Straßenrand in eine aufgerissene Tüte blickte, derweil der restliche Müll die gesamte Nachbarschaft beglückte und sich mit jeder Windböe weiter verteilte. 

Noch ärgerlicher allerdings war es, wenn versehentlich etwas hinzugegeben wurde, das nicht für diesen Sack vorgesehen war. Dann ließen die Mitarbeiter der Umweltbetriebe der Stadt Kleve den Sack einfach stehen. Die ganze Straße leergeräumt, nur vor der eigenen Haustür steht ein Sack – so geht Schmach heute. Mal abgesehen davon, dass man sich weitere Wochen mit dem Anblick der eigenen Müllsammlung beschäftigen durfte. 

In der Retrospektive wird wahrscheinlich kein Klever irgendein auch nur annähernd freudvolles Ereignis mit dem Gelben Sack verbinden. Insofern sollte sich eigentlich eine allgemeine Erleichterung breit machen, wenn die Umweltbetriebe der Stadt Kleve die filigrane Plastikhülle zum Jahresende aus dem Verkehr ziehen (von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen) und stattdessen die robuste Gelbe Tonne einführen. 

Und doch ist, wie bei so vielen Ritualen, die sich über die Jahre in unseren Alltag eingeschlichen haben, zu vermuten, dass der Wechsel nicht ohne ein Gefühl der Wehmut ablaufen wird: 

Du wirst uns fehlen, du ungeliebter Sack!



Nicht erschrecken! Foto ist alt (Hokovit-Brand)

rd | 29. Dezember 2020, 16:56 | 3 Kommentare
Der „Hokovit-Brand“ (Foto: Feuerwehr Kleve)

Bisweilen wird das Gelände an der Hochschule noch „Hokovit-Parkplatz“ genannt, und zumindest die älteren Klever verbinden mit diesem Namen auch noch einen Gebäudekomplex, der früher Alte Jülicher Mühle hieß, bevor er von dem Schweizer Unternehmer Ulrich Hofmann übernommen wurde, der dort sein Unternehmen Hokovit ansiedelte. Hokovit steht übrigens für Hofmann Konzentrate Vitamine, das Unternehmen stellte Futtermittel her. Auf der Website des noch existierenden Unternehmens findet sich eine Chronik, darin heißt es im Stichwort-Stil für die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts: „Ausdehnung Produktion nach Deutschland. Kauf alte Jülicher Mühle in Kleve am Niederrhein. Einige Jahre später Brand und totale Zerstörung der Mühle in Deutschland und Aufgabe der Produktion an diesem Standort.“ Wie 1977 die Flammen aus dem Gebäude schlugen und eine riesige, weithin sichtbare Rauchsäule über der Stadt stand, hat sich jedem Klever, der dabei war, tief ins Gedächtnis eingegraben. In ihrem Adventskalender auf Facebook veröffentlichte die Feuerwehr Kleve am 23. Dezember einige bisher nur selten gezeigte Aufnahmen der Katastrophe, von denen hier eines zur Erinnerung an das Ereignis gezeigt wird. Die Feuerwehr schreibt dazu: „15.38 Uhr Großbrand Futtermittelfabrik. Der Brand in der Futtermittelfabrik Hofmann (Hokovit, Standort war da, wo jetzt die Klever Kirmes steht) sorgte für eine Feuersäule über Kleve. Die 30 bis 40 Meter hohe Feuersäule war bis zur Emmericher Rheinbrücke sichtbar. Dem Brand, bei dem ein Millionenschaden entstand, rückten Feuerwehrkräfte aus dem gesamten Nordkreis zu Leibe. So gelang es den Kräften, ein Übergreifen auf benachbarte Gebäude zu verhindern und gegen 17.30 Uhr die Meldung kam ,Flammen unter Kontrolle‘.“


Mensing wird Sinn, Kahlschlag in der Klever Innenstadt bleibt aus, zum Glück

rd | 29. Dezember 2020, 16:36 | 2 Kommentare
So gut gefüllt wie zur Vorweihnachtszeit ist die Klever Fußgängerzone derzeit und mindestens bis zum 10. Januar nicht mehr, aber die Chancen stehen gut, dass nach dem Ende des Lockdowns die meisten Geschäfte weiterhin vorhanden sind

Wenn in ferner Zukunft, irgendwann nach dem 10. Januar 2021, in der Klever Innenstadt auch die Geschäfte wieder öffnen dürfen, die nicht nur Dinge des täglichen Bedarfs verkaufen, öffnet ein Großteil der Geschäfte auch tatsächlich wieder – das ist die gute Nachricht zum Jahresende. Die wichtigste Rettung zweifelsohne: In der Großen Straße bleiben die beiden Mensing-Bekleidungshäuser erhalten, allerdings werden sie künftig unter dem Namen Sinn firmieren. Den älteren Klevern dürfte diese Umwandlung ein Déjà-vu bescheren: Wenn ich mich recht entsinne, war in den siebziger Jahren etwa dort, wo jetzt Douglas Parfüms verkauft, schon mal eine Filiale des Unternehmens ansässig. Alles kehrt zurück. Nicht auszudenken, wie die Stadt ohne die beiden großen Modehäuser ausgesehen hätte.

Mensing, in Bottrop ansässig, hatte zunächst eine Insolvenz in Eigenregie versucht. Das Unterfangen aber verlief erfolglos. Wenn bis zum Jahresende kein Investor gefunden werde, so hieß es dann, müssten die Modehäuser geschlossen werden. Das sah nicht gut aus, denn in Lockdown-Zeiten sinkt der Bedarf an Kleidung, die nicht den Bereich Jogginghosen zuzuordnen ist, erheblich. Doch am Ende fand sich mit der Sinn-Gruppe aus Hagen ein Unternehmen, das die Chancen der Mensing-Filialen in den sieben Städten höher einschätzte als deren Risiken.

„Aufgrund des Zeitdrucks, des ohnehin schwierigen Umfelds im Bereich des Textileinzelhandels und des erneuten Lockdowns erwies sich sie Investorensuche als äußerst anspruchsvoll”, sagte Rechtsanwalt Christoph Schulte-Kaubrügger von der Kanzlei White & Case. „Mit der Sinn GmbH konnte ein Investor gefunden werden, der sämtliche Arbeitsplätze in den Filialen von Mensing erhält. Das ist sehr erfreulich.”

Die Immobilien selbst gehören dem Klever Investor Bernd Zevens, der vermutlich auch erfreut darüber sein wird, dass die Mieteinnahmen weiter fließen. Weiter geht es offenbar auch für die Boutique Bonita, jedenfalls waren dort die „Alles-Mus-raus!“-Plakate nicht mehr zu sehen. So sind als sicherer Verlust nur zu verbuchen (Stand 29. Dezember): Marc O’Polo, die Boutique Gina Laura und die Filiale der Kette Kenny S. Ausgeräumt wurde am heutigen Dienstag auch das Modegeschäft neben Photo Porst, allerdings könnte es dort auch möglich sein, dass der seit mehreren Jahren durchgeführte „Räumungsverkauf wegen Umbau“ nun tatsächlich ein Ende gefunden hat und der avisierte Umbau tatsächlich begonnen wird.


Rätsel Blumenkohl

rd | 28. Dezember 2020, 14:22 | 8 Kommentare
Von oben ähnelt er dem menschlichen Gehirn: Blumenkohl

Wie schon angekündigt, zwischen den Jahren soll es hier etwas optischer und naturphilosophischer zugehen. Gestern konnten wir den Blässhühnern bei ihrem rätselhaften Spiel zuschauen, heute widmen wir uns der verkannten Schönheit des Blumenkohls, der in der Draufsicht der auf das menschliche Gehirn durchaus nahezukommen scheint. Vielleicht ist das der Grund, dass der Kopf trotz seiner anmutigen Struktur nur selten in Vasen auf dem Küchentisch steht, sondern lieber zerkleinert verspeist wird.

Rangliste der Kohlsorten:

  1. Rosenkohl
  2. Blumenkohl
  3. Wirsing
  4. Kohlrabi
  5. Weißkohl/Spitzkohl (-> Sauerkraut)
  6. Brokkoli
  7. Rotkohl
  8. Grünkohl

Fun fact I: Wussten Sie, dass der Klippenkohl (auf Helgoland zu finden, in den Mittelmeerländern und an der europäischen Atlantikküste) der Stammvater aller heutigen Kohlsorten ist?

Fun fact II: Sauerkraut war über viele Jahrhunderte im Winter der wichtigste Vitaminlieferant für die Bevölkerung sowie für die Seefahrer.

News to use: Bestes Blumenkohlrezept: Roasted Cauliflower With Pancetta, Olives and Crisp Parmesan (aus der New York Times)

Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (03.01. 06:18): Aber wenn wir schon über Stuss reden, diese Story über Blumenkohl ist Stu...
Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (03.01. 05:42): @6. Müller "STUSS" Es freut mich doch immer, wenn Menschen ihre Meinung s...
Müller (30.12. 11:04): @3, STUSS...
No chimney (29.12. 15:53): No reaction is the best reaction....
Rüdiger Weizenkeim (29.12. 15:16): @2GH Mit Zähnen lässt sich dann auch noch prima La Paloma pfeifen. ...