Montessori-Schule: Klever Rat geht Schulrätin Platzen an

Schicke neue Architektur, aber die falsche Pädagogik?

Nach der Sitzung des Schulausschusses, in der die Leiterin der Montessori-Schule in Kleve, Betül Durmaz, berichtete, wie sie künftig den reformpädagogischen Ansatz zu verwirklichen gedenke (eher weniger), seien die Vertreter der Parteien „mehr entsetzt als überzeugt“ gewesen, heißt es in einem Schreiben, das CDU, SPD, Grüne und FDP gemeinsam an die Schulrätin Angelika Platzen geschickt haben. Der Brief an die Kreisbeamtin – der Text liegt der Redaktion vor – spart nicht mit Vorwürfen in die verschiedensten Richtungen und fordert vom Kreis Kleve Unterstützung bei der Verwirklichung der Montessori-Pädagogik in der Schule an der Spyckstraße, die eigens dafür mit einer Millionensumme fachgerecht aus- und umgebaut wurde.

„Um die Montessori-Pädagogik auch zukünftig zum Erfolg zu führen, bedarf es aus unserer Sicht aber auch einer Leitung und einer Schulrätin, die diese Pädagogik gleichermaßen engagiert unterstützen“, heißt es in dem zweiseitigen Schreiben. Bei der Schulrätin hegen die Politiker so ihre Zweifel: „Sie kommen aus dem Urlaub zurück und informieren sich bei der Schulleitung nach dem Ergebnis der Schulausschusssitzung, nicht aber beim Bürgermeister oder der städtischen Schuldezernentin?“ Auch die von der Schulrätin in der NRZ angekündigte dreitägige Montessori-Qualifizierung erscheint den Verfassern „wenig zielführend“. Die Jahrgangstrennung, an der sich der ganze Streit entzündete, habe nach Ansicht der Schulrätin für vier Jahre Bestand, während Betül Durmaz im Schulausschuss berichtete, die Umsetzung benötige noch etwas Zeit. Man vertraue darauf, dass die Schulrätin die Erwartungen der Klever Politik nicht enttäusche.

Diese Erwartungen wurden auch noch einmal deutlich formuliert: „Für die Verwaltung und uns Politiker:innen steht zweifelsfrei fest, dass wir neben den sieben Grundschulen die Montessori-Grundschule behalten wollen, für die viele Eltern seit Jahren engagiert gekämpft haben. Auch gehen wir davon aus, dass weder eine Schulkonferenz noch die Schulleitung beschließen können, den Montessori-Charakter der Schule aufzuheben. […] Dass es seit längerer Zeit Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Montessori-Pädagogik gab, insbesondere am Standort Kellen, wirft die Frage auf, weshalb keine Hilfe angefragt wurde. Stattdessen ohne jedes Hilfeersuchen die Jahrgangsmischung, eine der wesentlichen Grundlagen der Montessori-Pädagogik aufzugeben, ist nicht akzeptabel.“

Der jahrgangsübergreifende Unterricht war allerdings nicht nur eine Idee von Maria Montessori, sondern auch der nordrhein-westfälischen Bildungspolitiker aller Coleur, allerdings mit dem Hintergrund, angesichts geburtenschwächerer Jahrgänge Lehrerstellen einsparen zu können. Inwieweit das Anfang des 20. Jahrhundert von Montessori entwickelte pädagogische Konzept, dessen Kern „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist, in eine fragmentierte moderne Schulwelt mit Kindern, die vielfältige Förderungsbedarfe haben, überhaupt noch passt, ist eine andere Frage. Die Verfasser des Schreibens möchten, dass der Ansatz beibehalten wird. Die Schulleiterin, mit der basalen Realität in den Klassenräumen konfrontiert, hatte im Schulausschuss berichtet, dass 80 Prozent der Eltern nicht einmal wüssten, dass die Schule an der Spyckstraße sich der Montessori-Pädagogik verschrieben hätte.

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27 Kommentare

  1. 27

    @26. EhemaligeMutter Das Schulleitungsbashing hat mich schon bei Frau Durmaz gestört und es stört mich jetzt auch bei der ehemaligen Schulleiterin. Ansonsten kann ich Ihrem Kommentar einiges abgewinnen.

     
  2. 26

    Ich, als ehemalige Mutter der Schule und selbst Pädagogin, kann nur sagen: ” GOTT SEI DANK KEINE JAHRGANGSMISCHUNG MEHR!!! ”

    Es ist an einer städtischen Schule mit diesem Klientel einfach NICHT möglich! Es befinden sich viel zu viele Kinder in einer Klasse, die Räume sind zu klein, die Nebenräume nicht nutzbar, da die Verbindungstür fehlt… es gibt keine 2te pädagogische Kraft in den Klassen. Das sind alles Dinge für die weder das Team noch die Schulleitung etwas können.

    Die Klassen mögen vielleicht zwischen JG 1 und 4 aufgeteilt worden sein, aber in den Klassen wird immer noch niveauübergreifend unterrichtet. Mit welchen Ressourcen manche Kinder eingeschult werden ist gruselig und es kommt ihnen sehr zu Gute, dass sie ganz in Ruhe ersteinmal “alleine” ankommen können. Die durch den Lockdown verursachten Defizite wären für 1 Lehrkraft mit 20/25 Kindern in der Jahrgangsmischung überhaunpt nicht aufzuarbeiten. Fragt man Lehrkräfte an anderen Schulen berichten sie ähnliche Probleme, OHNE Mischung…

    Ich frage mich, warum die letzten Jahre alles toll war ( und das war es defintiv nicht!!! katastrophale Zustände unter Frau Ziegler ) und nun, plötzlich, wegen der Jahrgangtrennung so ein Fass aufgemacht wird.

    Meiner Meinung nach ( selbst Montessorikind und Befürworterin der Pädagogik ) ist die Grundhaltung dem Kind / Menschen gegenüber die Wichtigste Säule !!! Darüber wird nie berichtet. Schade, denn das Team, wie auch die Schulleitung, fangen jedes Kind bestmöglich auf ( ja, auch mit etlichen Überstunden aufgrund des Personalmangels ).
    Wer denkt sich ein Urteil über die Arbeitsweise erlauben zu dürfen sollte sich selbst ein Bild vor Ort machen. Ich jedenfalls bin von der Schulleitung und dem Team nach wie vor überzeigt. Gut Ding will Weile haben. Die Schule wurde vorher von einer unfähigen, ewig kranken, Schulleitung an die Wand gefahren. Betül Durmaz löffelt derzeit die Suppe aus und wird unter Druck gesetzt. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass es nicht um die Schule geht, sondern einzig und allein um die Herkunft der neuen Schulleitung.

     
  3. 25

    Ich finde es wirklich furchtbar wie hier die Schulleitung an den Pranger gestellt wird.
    Keine Schulleitung trifft solche Entscheidungen im Alleingang! Sollte doch jedem klar sein.
    Kleve sollte froh und dankbar sein, so eine kompetente Schulleiterin bekommen zu haben.
    Ich finde das hat was von einer Hetzjagd. Wer auch immer dafür verantwortlich ist, sollte sich schämen!!!
    Sind da etwa persönliche Gründe mit im Spiel? Könnte man fast meinen….

     
  4. 23

    @22. RW Bei Professoren ist das gang und gäbe aber bei Lehrpersonal an Allgemeinbildenden Schulen?

     
  5. 22

    Bin ich auf dünnem Eis ? Dann habe ich als Schulleiterin jedenfalls eine Genehmigung für evtl. Nebentätigkeiten. Tik-tak…

     
  6. 21

    @ Jens-Uwe Habedank “… Schulleiterin eingestellt …
    die Hierarchie läuft anders !
    Bezirksregierung ist Dienstherr:In

     
  7. 20

    Kommt da noch etwas oder ging es nur darum der Schulrätin an den Karren zu fahren? Bei früheren Threads wurde ja nicht an Kritik an der Schulleitung gespart. Da frage ich mich schon, ob die Schulleiterin ihr Kollegium und eventuell Elternvertreter tyrannisiert oder ob sie öffentlich an den Pranger gestellt wird, weil sie die Montessoripädagogik nicht ganz so enthusiastisch sieht, sondern erst mal zusehen muss, wie sie die Schülerschaft auf ein mit anderen Grundschulen vergleichbares Niveau bringen kann. Wer etwas zum Sachverhalt beitragen kann, möge bitte die Leserschaft aufklären.

     
  8. 19

    Warum fragt niemand die Lehrkräfte und die Elternvertretung wo nach deren Ansicht das Problem liegt? Es werden hier viel zu sehr die Differenzen zwischen den Mitgliedern des Schulausschusses respektive den meisten im Rat vertretenen Fraktionen und dem Bürgermeister auf der einen und der Schulleiterin auf der anderen Seite betont. Die Betroffenen werden anscheinend ignoriert. Vielleicht ist die Kritik an der Schulrätin berechtigt. Vielleicht hätte der Schulausschuss auch schon früher den Dialog mit der Schulrätin suchen können, die hier interessanterweise wie eine städtische Beamtin behandelt wird, obwohl sie das definitiv nicht ist.

     
  9. 18

    @13
    Nur wie gut, dass Frau Wier schon seit längerer Zeit Rentnerin ist. Aber Sie sind ja gegen alles was in Kleve passiert. Nur frage ich mich, was Sie überhaupt noch ein Kleve hält, wo doch alles so schlecht ist hier!!

     
  10. 16

    Der jahrgangs-übergreifende Unterricht war und ist keineswegs
    eine bevorzugte Art und Weise, Lehrkräfte-Stellen einzusparen.

    Das war vielleicht mal in Zeiten großen Lehrkräfte-Mangels so,
    um ein gutes Angebot aufrechterhalten zu können.

    Mal abgesehen davon, dass jahrgangs-übergreifenden Lernen
    durchaus für alle Lernenden und Lehrenden ein Gewinn sein kann,
    wenn man es wirklich gut macht – es ist auch hilfreich, um kleine
    Grundschulen in Dörfern nicht zumachen zu müssen, sondern
    weiterführen zu können.

    Auch das ist nichts Neues.
    Meine ersten beiden Schuljahre habe ich in einer Volksschule
    im damals noch selbstständigen Flamersheim – heute ein Stadtteil
    von Euskirchen – in einem gemeinsamen Klassenraum für das
    erste und das zweite Schuljahr erlebt – und das Anfang der
    Sechziger Jahre!

    Die Aussage von Frau Betül Durmaz, “dass 80 Prozent der Eltern
    nicht einmal wüssten, dass die Schule an der Spyckstraße sich
    der Montessori-Pädagogik verschrieben hätte”, fällt ja wohl
    eindeutig auf sie selber zurück. Es ist ja wohl ihre Pflicht,
    interessierte Eltern vor der Aufnahme eines Kindes genau
    darüber zu informieren, an was für einer Schule sie ihr Kind
    gerade anmelden wollen!

     
  11. 15

    @ Jens-Uwe Habedank:

    Apropos Eigentore:

    Frau Annette Wier ist seit knapp einem Jahr pensioniert.
    Sie war also schon längst pensioniert,
    als Frau Betül Durmaz Schulleiterin
    der Klever Montessori-Schule wurde.

    Was meinst Du wohl,
    warum der oben genannte Brief an die Schulrätin
    Angelika Platzen geschrieben wurde?
    Frau Angelika Platzen ist übrigens Beamtin des Kreises Kleve.
    Lehrkräfte an Grundschulen, auch leitende, werden vom Kreis
    eingestellt.
    Lehrkräfte an weiterführenden Schulen werden vom zuständigen
    Regierungs-Präsidium eingestellt.

    Die zuständige Schulrätin beim Kreis Kleve, Frau Angelika Platzen,
    ist also der persönlich verantwortliche Mensch dafür,
    dass Frau Betül Durmaz Schulleiterin der Montessori-Schule Kleve
    geworden ist.

    Frau Annette Wier und ihre Nachfolgerin hatten und haben diese
    – um es freundlich auszudrücken – unglückliche Personalie also
    überhaupt nicht zu verantworten und sind mutmaßlich nicht einmal
    darauf angesprochen und gefragt worden.

    Wer hat hier also eine überaus peinliche Eigentor-Serie hingelegt?

    🙁

     
  12. 13

    Nun bin ich nicht unbedingt ein Anhänger von Montessori – wenn ma es aber macht, dann bitte auch konsquent!
    Die Stadt Kleve hat Geld in die Hand genommen – mit der Erwartung einer pädagogischen Umetzung…
    Die Stadt Kleve hat es aber vollkommen versäumt pädagogische Erwartungen an/ mit finanziellen Mitteln zu verknüpfen…!
    Somit – Eigentor Nr. 1

    Die Stadt Kleve hat eine Schulleiterin, ohne jede Montessori-Qualifiktaion!, eingestellt – und hat nun das Dilemma…
    Eigentor Nr. 2 …

    Amt für …Schulen, liebe Frau Wier? Voll versagen!!! Wie schon seit Ewigkeiten….!

     
  13. 10

    Wenn wie von Montessori vorgesehen nur 15 Schüler in einer Klasse sitzen ist das auch machbar mit Jahrgang 1-4 aber da die Klassen viel größer sind … warum wird darüber nicht berichtet?

     
  14. 7

    @5 kleiner Erdbewohner
    diesen Wortschwall hat meine Enkelin als Kleinkind schon damals mit 4 prägnanten Worten typisiert : KANN ICH SCHON ALLEINE

     
  15. 6

    @Kommt mal klar “Natürlich informiert sich die Schulrätin bei der Schulleitung!
    Ich weiss, wir reden gerade über die Montessoriphilosohie, da geht das mit Hierarchie etwas anders.
    Aber die Schulrätin hat nun mal einen Dienstherrn, und der heisst Bürgermeister-In.
    Wenn jemand eine objektive Meinung zu einem Gerichtsverfahren erfragen will, wendet der sich doch auch nicht an den Anwalt des Angeklagten ?
    Dass die Schuldirektorin zwar eine pädagogische Ausbildung hat, aber keine Montessori-Ausbildung ist wieder ein richtig klever Phänomen, wahrscheinlich reicht demnächst für einen Wehrleiter schon, ein Pyromane zu sein Kleve ist halt in Allem etwas anders.

     
  16. 5

    “Hilf mir, es selbst zu tun, zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld, meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler und Anstrengung zu, denn daraus kann ich lernen.”
    Montessori

     
  17. 4

    „Der jahrgangsübergreifende Unterricht war allerdings nicht nur eine Idee von Maria Montessori, sondern auch der nordrhein-westfälischen Bildungspolitiker aller Coleur, allerdings mit dem Hintergrund, angesichts geburtenschwächerer Jahrgänge Lehrerstellen einsparen zu können.“

    Da schwant einem nichts Gutes. Ein pädagogisches Konzept danach auszuwählen ob sich damit Personal einsparen lässt, ist keine gute Basis. Es gibt unter den Empörten bestimmt auch welche, denen die Montessori-Pädagogik tatsächlich am Herzen liegt oder die sich den Initiatoren der Klever Montessoripädagogik verpflichtet fühlen.

    Mir ist die Montessoripädagogik grundsätzlich auch sympathisch aber es wäre tatsächlich nötig zu überprüfen, wie Grundschulen sein müssen, um Kinder intellektuell und sozial am besten fit für das Leben und weiterführende Schulen zu machen. Das scheinen die Verfasser aber nicht im Fokus zu haben: „Inwieweit das Anfang des 20. Jahrhundert von Montessori entwickelte pädagogische Konzept, dessen Kern „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist, in eine fragmentierte moderne Schulwelt mit Kindern, die vielfältige Förderungsbedarfe haben, überhaupt noch passt, ist eine andere Frage. Die Verfasser des Schreibens möchten, dass der Ansatz beibehalten wird.

     
  18. 3

    Wer ist dafür verantwortlich, einer Schulleiterin ohne Montessori-Qualifikation eine Anstellung auf einer Montessori-Schule zu geben?

     
  19. 2

    Pädagogik ist kein Selbstzweck. Hat der Schulausschuss mal überlegt herauszufinden was eine Grundschule zu einer guten Grundschule in der alle Kinder unabhängig vom familiären Hintergrund erfolgreich lernen können macht?

     
  20. 1

    „Bei der Schulrätin hegen die Politiker so ihre Zweifel: „Sie kommen aus dem Urlaub zurück und informieren sich bei der Schulleitung nach dem Ergebnis der Schulausschusssitzung, nicht aber beim Bürgermeister oder der städtischen Schuldezernentin?“ “

    Natürlich informiert sich die Schulrätin bei der Schulleitung. Das ist das naheliegenste. Wenn es Unklarheiten gibt, kann sie sich auch noch bei der städtischen Schuldezernentin erkundigen. Aber beim Bürgermeister? Soll sie sich vielleicht auch noch bei den Fraktionsvorsitzenden erkundigen???