Jauchzet! Frohlocket: Ein Wochenende im Zeichen des Gesangs

Bach rauf und runter: Städtische Singgemeinde Kleve

Noch nicht in Weihnachtsstimmung und keine Lust, mit Glühwein nachzuhelfen? Nun, die Redaktion hätte da gleich noch zwei andere Tipps, denn dieses Wochenende steht ganz im Zeichen des weihnachtlichen Gesangs – entweder aktiv oder passiv. Aktiv als Mitsänger einem großen Spontanchor im Innenhof der Schwanenburg, passiv als Zuhörer fein austarierter menschlicher Stimmen, die in der Gesamtschule am Forstgarten Bachs Weihnachtsoratorium geben. Doch der Reihe nach:

Weihnachtssingen im Innenhof der Schwanenburg (Samstag (heute!), 17 Uhr)

Am Samstag, 16. Dezember 2023, um 17 Uhr veranstaltet der Klevische Verein zum dritten Mal im Innenhof der Schwanenburg das offene Weihnachtssingen. Diesmal wird auch ein Ensemble von Jagdhornbläsern die Veranstaltung bereichern. Der Klevische Verein freut sich über alle, die Lust am gemeinsamen Singen haben. Es wurde eine Auswahl aus allseits bekannten Liedern mit deutschen und englischen Texten getroffen. Alle Texte werden auf einem großen Monitor übertragen – man muss die fünfte Strophe von „Stille Nacht“ also nicht auswendig kennen. Sie geht so:

„Stille Nacht! Heilige Nacht!
Lange schon uns bedacht,
Als der Herr vom Grimme befreit,
In der Väter urgrauer Zeit
Aller Welt Schonung verhieß,
Aller Welt Schonung verhieß.“

Darauf muss man erst einmal kommen: Als der Herr vom Grimme befreit in der Väter urgrauer Zeit aller Welt Schonung verhieß.

Wie in den Vorjahren gibt es heißen Punsch und Glühwein. Und selbstverständlich wird durch die Beleuchtung der Schwanenburg eine unverwechselbare Stimmung in den historischen Gemäuern erzeugt. Der Verein freut sich sehr über eine rege Teilnahme zu dieser kostenfreien Veranstaltung.

Weihnachtsoratorium von Bach in der Gesamtschule am Forstgarten (Sonntag (morgen), 17 Uhr)

„Jauchzet, frohlocket – jetzt erst recht!“ – So betiteln die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern der Gesamtschule am Forstgarten in Kleve-Rindern ihre Arbeiten anlässlich der geplanten Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach mit der Städtischen Singgemeinde Kleve e.V. in ihrer Schule. Hannah, Ella, Lenja, Ruth, Lea, Madelief, Leander und Konstantin aus der 9 D und E  schrieben eine umfangreiche, dreiteilige Textsammlung, in der sie die Traditionen der Advent- und Weihnachtszeit zusammenfassten, die ihnen wichtig und lieb geworden sind. So entstanden Szenen, die vom Familienfrieden zeugen, vom Glück, Zeit miteinander verbringen zu können und von den typischen Symbolen mit einem gemütlichen Zuhause, feierlichem Essen, Wärme, Kerzenlicht. „Aber der Blick muss weiter werden!“ So beschrieben die Neuntklässler im zweiten Teil ihrer Arbeit die Ergebnisse auf die Frage: „Dürfen wir heute Weihnachten feiern? In dieser unruhigen Zeit? In einer Zeit der wirtschaftlichen Verunsicherung? Der Kriege und der Umweltkatastrophen? Ruth, Konstantin, Ella und alle anderen sich eine nachdenklich bejahende Antwort: „Ja, wir dürfen feiern. Aber mit Augenmaß und mit dem Gedanken an diejenigen, die in welcher Form auch immer Hilfe und Unterstützung benötigen“.

Jetzt erst recht: Schüler der Gesamtschule am Forstgarten beschäftigten sich mit Bach

Aktionen wurden formuliert im dritten Teil mit Ideen zum Spenden, zur Unterstützung von Hilfsbedürftigen und mit einer Kerzenaktion, unterstützt von der Schulleiterin, Dr. Rose Wecker, und den Lehrerinnen und Lehrern, mit Jutta Poorten und Theresa Drißen. An den Texten des Weihnachtsoratoriums mit der oft fremden Sprache wurde in einer gemeinsamen Arbeitssitzung mit der Singgemeinde gearbeitet: „Wenn man sich erst mal hineingehört hat, drücken Text und vor allem die Musik von Bach all das aus, was wir auch notiert haben“, fassten die Schüler und Schülerinnen ihre Erfahrungen zusammen.

Eine typische Bach-Textpassage geht so: „Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben, den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu sehn! Deine Wangen
müssen heut viel schöner prangen, eile, den Bräutigam sehnlichst zu lieben!“

Das klingt interessant. Aber nicht nach Weihnachten. Was muss man dazu zum Beispiel wissen? Die Bitte, es möge die Seele zum Empfang des Erlösers gebührend vorbereitet sein, findet in bilder­reicher Sprache Ausdruck. Die Musik dazu stammt aus der Herkules-Kantate BWV 213. Trotz des drastischen Affektwechsels von der tugendeifrigen Wollustkritik der Vorlage («Ich will dich nicht hören, ich will dich nicht wissen») zur liebenden Erwartung der Tochter Zion beeindruckt das in einem schwebenden Dreiertakt gesetzte Arientrio durch seine anhaltende Eleganz und seinen sehnsuchtsvollen Ton. (Quelle: https://www.bachipedia.org/werke/bwv-248-1-jauchzet-frohlocket-auf-preiset-die-tage/)… Tugendeifrige Wolllustkritik…

Die Schüler der Q1 , Ash und Nico ließen sich mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern  unter anderem von der Musik des Eröffnungschores zu einem Ausdruckstanz inspirieren; die Zuschauer werden ihn als Videoaufzeichnung, die auch von Lehrer Jonas Meyer unterstützt wurde, erleben dürfen.

„Das Weihnachtsoratorium 2023 in noch ungewohnter Umgebung, aber engagiert getragen von generationenübergreifender Kreativität – wir freuen uns darauf!“, schreibt die Singgemeinde. Das Konzert beginnt am Sonntag, 17. Dezember um 17 Uhr in der Mensa der Gesamtschule am Forstgarten, Eichenallee 1. Ab 16 Uhr können die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler bereits angesehen werden.

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