Hochschule wählt neuen Präsidenten – einen Rockmusiker aus Duisburg

rd | 13. Februar 2019, 17:25 | 6 Kommentare
Konzentriert vor dem Start: Dr. Oliver Locker-Grütjen mit Prof. Dr. Aloys Krieg (M.)

Zwei Männer mit Wurzeln an der Uni Duisburg-Essen führen künftig die Hochschule Rhein-Waal: Am Mittwoch wählte sich die Hochschulwahlversammlung Dr. Oliver Locker-Grütjen zum neuen Präsidenten der HSRW. Locker-Grütjen stammt aus Duisburg-Rumeln-Kaldenhausen. Sowohl der zukünftige Präsident wie auch der derzeitige Verwaltungschef, Kanzler Michael Strotkemper, haben an der Universität Duisburg-Essen gearbeitet und dürften sich daher gut kennen. Locker-Grütjen, 47 Jahre alt, soll sein Amt am 1. Juni antreten.

Im vollbesetzten Hörsaal 3 stellte sich der neue Chef in freundlichen Worten als bodenständiger und kompetenter Wissenschaftsmanager vor, der ein weites Verständnis dafür mitbringe, „wie Hochschule funktioniert“. Er ist verheiratet, Vater von drei Kindern, kocht gerne, treibt Sport und musiziert. Er sagte in der Vorstellung tatsächlich „musizieren“, was ein bisschen mehr nach Querflöte und etwas weniger nach dem klingt, was ihn tatsächlich umtreibt: Dr. Locker-Grütjen spielt in der Band False Color Image Bass:

False Color Image: In here

Am 17. Mai spielt die Band in der Gaststätte R(h)einblick in Alt-Homberg. Das Konzert wird so angekündigt: „False Color Image (FCI) ist Zwei-Gitarren-Alternative Rock at its best, mit eigenen Songs. Liebe+Verlust, Freud + Leid, Macht + Ohnmacht: FCI meint es ernst, ihre Musik bewegt, ob man will oder nicht. FCI macht keinen Spaß, wo keiner ist. Ob die Zuhörer tanzen oder einfach nur zuhören wollen: FCI überzeugt, vor allem live. Mit wachsender Fangemeinde gelangt die Band auf den Schirm der Veranstalter.“

In den vergangenen zehn Jahren leitete Dr. Oliver Locker-Grütjen an der Universität Duisburg-Essen das Science Support Center, das für die Förderung der Forschung zuständig war. Seine Doktorarbeit schrieb er über „Rahmenbedingungen für Forschung an deutschen Universitäten – Wissenschaft in Ketten oder entfesselte Hochschulen“.

Programmatisch sagte er nichts, was nicht auch die Vorgängerin gesagt hätte/hatte oder jeder andere Nachfolger sagen würde, also irgendwas mit Internationalisierung, mit Vertrauen und natürlich auch mit Stärkung der Kontakte ins Nachbarland, Teamplay sei ihm wichtig, der Frauenanteil müsse erhöht werden, er bekannte sich zu den zwei Standorten der Hochschule und wurde sogar ein bisschen verwegen, als er der Hoffnung Ausdruck verlieh, dass „man vielleicht auch irgendwann mit dem Zug nach Kamp-Lintfort kommt“. Der Umstand, dass Locker-Grütjen weder Professor ist noch über besondere Forschungserfahrung verfügt – beides Dinge, die bei der Vorgängerin zu heftigen Attacken geführt hatten –, spielte in den Beratungen über die Berufung des neuen Präsidenten keine Rolle mehr.

„Mit Dr. Locker-Grütjen haben wir einen kompetenten Präsidenten gefunden. Er bringt nicht nur wesentliche Erfahrungen aus dem Hochschulbereich mit, sondern auch die notwendigen Voraussetzungen für die anstehenden Aufgaben an der Hochschule Rhein-Waal“, zeigt sich Prof. Dr. Aloys Krieg, Vorsitzender des Hochschulrats und der Findungskommission, überzeugt.. „Ich freue mich sehr über die Wahl und auf die neuen Herausforderungen als Präsident der Hochschule Rhein-Waal. Hier sehe ich die strategische Koordinierung und Steuerung interner wie externer Prozesse unter Berücksichtigung der Diversität der Fächer, Kulturen und Mitglieder der Hochschule als vorrangige Aufgabe. Ein großes Anliegen ist es mir dabei, nach dem Prinzip Transparenz und Partizipation die Hochschule im Team und mit dem Wissen aller ihrer Mitglieder erfolgreich zu gestalten“, äußert sich Dr. Locker-Grütjen.

Die Vita des neuen Präsidenten (der Seite der Uni Duisburg-Essen entnommen):

1990:Abitur am Albert-Einstein-Gymnasium Duisburg, Rumeln-Kaldenhausen
1990-1991: Ausbildung bei der Deutschen Bundesbank, Bundesbankinspektor
1991-1993:Zivildienst
1993-1995:Studium des Lehramtes der Sek. I in den Fächern Biologie und Geografie an der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Gesamthochschule Essen
1995-1999:Studium der Ökologie an der Universität Essen 
Abschluss zum Diplom-Umweltwissenschaftler mit Auszeichnung
26.1.2012:Promotion zum Dr. phil. mit dem Thema: „Rahmenbedingungen für Forschung an deutschen Universitäten – Wissenschaft in Ketten oder entfesselte Hochschule?“

Berufserfahrung
 

1999-2000:Wiss. Mitarbeiter im Rektorat der Universität Essen – zuständig für die Bearbeitung der Gesamtevaluation der Hochschule
2000-2002:Persönlicher Referent der Rektorin der Universität Essen, 
Mitglied des Rektorates
2002-2003:Assistent des Dekans des Fachbereichs Biologie, Geografie und Landschaftsarchitektur der Universität Essen
2003 – August 2007:Geschäftsführer des Zentrums für Mikroskalige Umweltsysteme (ZMU)
September 2007 – Juni 2008:Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Universität Duisburg-Essen (FFT)
Seit  Juli 2008:Abteilungsleiter des Science Support Centres (SSC) der Universität Duisburg-Essen

Weitere Tätigkeiten
 

1991-1996:Freier Mitarbeiter des Ingenieurbüros Spiekermann GmbH & Co Beratende Ingenieure in Düsseldorf
1998-2001:Freier Mitarbeiter in der Arbeitsgemeinschaft Umweltbewertung und Umweltentwicklung (AUBE) Essen
2000-2002:Vertreter der Universität Essen im Rat der Lokalen Agenda 21
seit 2004:Ehrenamtlicher Geschäftsführer des Vereins zur Förderung der Umwelt- und Gesundheitswissenschaften (VUG)
seit 2007:Mitglied der Freiherr vom Stein Gesellschaft
seit 2007:Juror der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw)
seit 2009:Aktivist bei common purpose Deutschland

 
Tätigkeiten im Ausland
 

1996:Forschungsaufenthalt zur Erstellung der Diplomarbeit in Zambia, University of Zambia, Lusaka. Afrika.
2003-2007:Verschiedene Aufenthalte an den Partnerinstituten der Radboud Universiteit Nijmegen  im Rahmen der Kooperationsprojekte der Universität Duisburg-Essen
2007 und 2008:Gastaufenthalte am QUESTOR-Center der Queens University Belfast
Gut gefüllt: Hörsaal 3 der HSRW zum Auftakt der Hochschulwahlversammlung

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6 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 6. Stefan Schuster

    Noch 2 Wochen, dann wird die HSRW und werden wissenschaftlich interessierte Klever den Interimspräsidenten Menzel nicht länger ertragen müssen. Deshalb verkneife ich mir meinen ersten Reflex: Flogging a dead horse.

    Der Themenkomplex ‚Unseriöse Wissenschaft‘ ist aber umfassender mit vielen Grauzonen. Gestern habe ich mir folgendes Youtube Video angesehen:
    https://www.youtube.com/watch?v=SiwKIcx41oU

    Im ersten (langweiligen) Teil geht um die AFD und das Instut EIKE (siehe ->Menzel). Ab Minute 8:20 wird es spannender, Überleitung zu ‚Predatory Journals‘, unseriösen pseudowissenschaftlichen Verlagen. Minute 25:00 in den Video hat mich dann elektrisiert.

    Bei 25:00 wird eine Auflistung von Browser-URLs gezeigt, mit denen jeder überprüfen kann, ob Wissenschaftler die Dienste solcher pseudowissenschaftlichen Verlage nutzen (oder gar unterstützen). Also habe ich gleich den obersten Link ausprobiert und in meine Browser-Adresszeile eingegeben:
    „HSRW“ site:omicsonline.org

    Bingo! In der Trefferliste die Namen von zwei HSRW Mitarbeitern. Omics ist nur einer von vielen dubiosen pseudowissenschaftlichen Verlagen. Die vielen weiteren Links im Video habe ich dann nicht mehr aufgerufen, dazu bin ich zu faul, das eine Beispiel hat mir gereicht.

    Bitte nicht missverstehen! Es kann sein, dass diese beiden Mitarbeiter getäuscht wurden oder sogar ohne eigenes Wissen in der Trefferliste auftauchen, deshalb ist das keine Kritik an den Personen. In einem der beiden Fälle ist der HSRW-Mitarbeiter neben den 5 Hauptautoren lediglich als ‚Correspondig Author‘ aufgeführt (allerdings als Einziger mit Dienst-Telefonnummer und -Mailadresse). Der zweite Fall betrifft den Vortrag eines anderen Mitarbeiters auf einer pseudowissenschaftlichen Tagung, vom Omics-Verlag organisiert.

    Ich fände es angebracht, wenn der neue Präsident sich dieses Themas mit hoher Priorität annimmt. Ein Verhaltenskodex mit verbindlichen Leitlinien und eine Blacklist der größten Predatory Journals würde einem Verfall wissenschaftlicher Reputation entgegenwirken.

     
  2. 5. ...

    Hier ein paar Tipps zum Überleben:

    Wenn Sie das hier lesen, dann haben Sie schon den ersten Hinweis befolgt:

    – Lesen Sie den Kleveblog (insbesondere ältere Beiträge zum Thema HSRW)

    – natürlich auch Regionalzeitungen lesen

    – Reden Sie mit möglichst vielen HSRW-Angehörigen, um ein Gefühl dafür zu bekommen wer welche Interessen hat

    – Versuchen Sie herauszufinden wer vorrangig eigene Interessen vertritt und für wen die HSRW wichtiger als die eigenen Interessen ist

    – lassen Sie sich solange Zeit mit der Bildung des neuen Präsidiums bis Sie ungefähr wissen wer wie tickt

    – HSRW-Angehörige, die Ihrer Vorgängerin nahe standen oder zumindest neutral gegenüber der ehemaligen Präsidentin waren, sind sehr wahrscheinlich die Personen von den Sie am wenigsten zu befürchten haben

    – Hören Sie auf den Rat von Niederrheinstier

     
  3. 4. Joseph Johann

    Die Vielfalt der bisherigen Tätigkeiten bieten wahrscheinlich eine Grundlage für die neue Aufgabe. Voraussetzung ist jedoch, dass er sich nicht verzettelt und sich ganz auf die neue Aufgabe konzentriert. Lehre und Forschung sind unabdingbare Aufgaben.

     
  4. 3. Seebär

    Niederrheinstier hat sich noch nicht zum neuen Oberhirten geäußert? Na hoffentlich ist der Emulator nicht kaputt!

     
  5. 2. Chewgum

    Stehen Rockmusiker nicht für klare Kante? Das täte der Hochschule gut

     
  6. 1. Justin

    „Ein großes Anliegen ist es mir dabei, nach dem Prinzip Transparenz und Partizipation die Hochschule im Team und mit dem Wissen aller ihrer Mitglieder erfolgreich zu gestalten“, äußert sich Dr. Locker-Grütjen.“

    Sollte Herr Dr. Locker-Grütjen ernsthaft versuchen Transparenz und Partizipation für alle Hochschulangehörigen zu ermöglichen, dann wird das sicher nicht widerstandslos hingenommen werden. Es bleibt zu hoffen, dass er sein oben genanntes Vorhaben umzusetzen und ein vertrauensvolles Klima in der HSRW schaffen kann. Dafür wünsche ich Herrn Dr. Locker-Grütjen gutes Gelingen.