Gerichtskantine sucht neuen Pächter – Janes Warnke hört auf!

rd | 26. Juni 2018, 17:54 | 2 Kommentare

So fing im September 2016 alles an: Pächter Janes Warnke (l.) und Koch Daniel Gabor (r.) präsentierten sich als die neuen Hausherren in der Gerichtskantine. Dazwischen Bernd Wermeckes (Vizepräsident Landgericht), Katja van der Louw (Ehefrau von Janes Warnke), Claudia Knickrehm (stellvertretende Direktorin des Amtsgerichts) und Alexander Lembke (Pressesprecher des Gerichts)

Er kann einen Braten vierteilen, sich selbst aber nicht: Janes Warnke, seit September 2016 Betreiber der Gerichtskantine in der Schwanenburg, hat den Pachtvertrag gekündigt! Die Entscheidung, so sagt er, sei ihm sehr schwer gefallen, allerdings sei er an Grenzen der Belastbarkeit gestoßen.

Schon, als er den Pachtvertrag für Gerichtskantine unterschrieb, tanzte der Koch auf zwei Hochzeiten. Er betrieb damals bereits die Restauration zum Aussichtsturm, wo, in Kleve selten genug, gehobene Küche zelebriert wird. Das Lokal führt Warnke auch weiterhin, ebenso wie ein drittes Engagement, das später noch hinzu kam – die Kantine des Elektronikkonzerns Fuji im Industriegebiet. Und schließlich hat Warnke auch noch eine Familie, deren Mitglieder er von Zeit zu Zeit auch zu Gesicht bekommen möchte.

Für die Angestellten der Justiz, Rechtsanwälte, Angeklagte, Zeugen und sonstige Gäste wird noch bis Ende September aufgetischt, ab dann ist Schluss. Wie es danach weitergeht, weiß derzeit noch keiner, die Stelle wird neu ausgeschrieben.

Doch der Markt der Mittagstische ist umkämpft, insbesondere die Kantine im Kreishaus saugt viel Appetit ab. Dafür locken einen künftigen Betreiber der Gerichtskantine diverse Feste der Justiz sowie der legendäre Möhneball – Veranstaltungen, die zwar enorm viel Vorbereitung erfordern und deren Erfolg auch vom Wetter abhängig sind, die im Idealfall jedoch scharenweise konsumfreudige Menschen an die Tresen spülen.

Als Warnke vor zwei Jahren in der Gerichtskantine anfing, brachte er frischen Wind und guten Willen in die Küche. Er ging auf die veränderten Ernährungsgewohnheiten von Verbrechern und Rechtsanwälten ein und kochte vegetarischer und auch etwas experimenteller. Es gab auch schon mal Thai Curry. Außerdem war unter seiner Ägide plötzlich neben der gewohnten Tasse Filterkaffee für achtzig Cent auch die zeitgemäße Palette von Spezialitäten, bei denen geschäumte Milch zum Einsatz kommt, erhältlich.

Doch auch der Tag von Warnke hat nur 24 Stunden, und so fällte er nach zwei Jahren in der Schwanenburg den Entschluss, das Engagement zu beenden. Die Justiz hatte sich sicher etwas anderes erhofft – Warnkes Vorgänger Rüdiger Hendricks hatte 29 Jahre den Kochlöffel geschwungen, bevor er aufhörte.

Der Artikel zum Start: Gerichtskantine: Blutwurst zur Eröffnung

Der Artikel zum Abschied von Rüdiger Hendricks: Das letze Gericht

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2 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 2. Kindeswohl a.D.

    “Und schließlich hat Warnke auch noch eine Familie, deren Mitglieder er von Zeit zu Zeit auch zu Gesicht bekommen möchte.” Dann mal gut das sie das Engagement als erstes dort knicken, denn Gerichte sind bekannterweise familienfeindliche Orte.

     
  2. 1. Joseph Johann

    Die Mittagstischangebote sind eine Bereicherung für u. a. alleinstehende Senioren. Neben einem guten und preiswerten Essen gibt es Gelegenheit zur Kommunikation.