Eine kleine Einbruchsgeschichte

Seit einigen Wochen häufen sich Einbrüche im Stadtgebiet. Normalerweise verbleiben derlei Delikte in der persönlichen Wahrnehmung auf dem Niveau der Polizeimeldungen über abgetretene Außenspiegel, bis man plötzlich jemanden kennt, dem das Unheil persönlich widerfahren ist. Dann aber beginnt das große Staunen.

So erlebte ein Mitspieler meiner Basketballmannschaft, dass am Montag Abend in seine Arztpraxis eingebrochen wurde. Die beiden Täter lösten dabei einen Alarm aus, Sicherheitsdienst und Polizei rückten an, die Flucht der beiden Männer endete auf der Triftstraße. Die Beute, ca. 160 Euro Bargeld, fand sich nahezu komplett bei einem der Festgenommenen – so gesehen also nichts Spektakuläres. Täter gefasst, Beute wieder da, was bleibt, sind erhebliche Schäden an Fenstern und Türen. Allerdings handelte es sich bei einem der beiden Einbrecher um einen wegen solcher Delikte bereits polizeibekannten und auch vorbestraften Angehörigen einer bekannten Familie aus Kalkar. Dennoch verbrachten die zwei Täter – beide 18 Jahre alt – nur eine Nacht in Polizeigewahrsam und wurden dann auf freien Fuß gesetzt. Schon hier mag man verblüfft sein, aber es kommt noch besser.

Tags darauf verließ der Arzt abends seine Praxis und sah, wie ein Mann mit Taschenlampe in die Sträuchern vor dem Gebäude leuchtete. Es entspann sich ein denkwürdiger Dialog:

– „Entschuldigung, darf ich Sie fragen, was Sie dort machen?“

– „Ich suche was…“

– „Kann ich vielleicht beim Suchen helfen?“

- „Das mit dem Einbruch gestern – das war ich.“

Einen der beiden Täter hatte der erste Weg nach der Freilassung offenbar geradewegs zum Tatort zurückgeführt. Dort wollte er sich nun vermutlich das wiederholen, was er am Abend zuvor auf der Flucht verloren hatte – sein Einbruchswerkszeug. Mein Freund erteilte dem Mann Haus- und Platzverbot, woraufhin dieser zu einem Kumpel oder Komplizen, der in der Nähe wartete, in dessen neuen Audi A6 (!) stieg und den Ort des Geschehens verließ. Ein Anruf des Einruchsopfers bei der Polizei erbrachte die beruhigende Auskunft, dass er sich richtig verhalten habe. Falls der Einbrecher sich noch einmal blicken ließe, würde man auch ausrücken. (Ist natürlich auch eine tolle Motivation für Polizisten, Leute auf frischer Tat zu ertappen und dann am nächsten Tag gleich wieder herausspazieren lassen zu müssen – und dann noch solche Anrufe zu erhalten.)

Deine Meinung zählt:

27 Kommentare

  1. 26

    Genau, ich las da am Wochenende in der Royal Press, dass es in Afghanistan so genannte „Dorffeldj

     
  2. 25

    Die Familie (…) hat in Kalkar und Umgebung einen solch schlechten Ruf! Viele von ihnen sind vorbestraft. Da sollte sich auch mal der Kalkarer B

     
  3. 23

    @egalnormalo
    Das ist aber harter Tobak, den Sie da schreiben. Wollen Sie hier Polizeibeamte animieren an dieser Diskussion teilzunehmen, indem Sie sie herausfordern ?
    Herr des Verfahrens ist die zust

     
  4. 22

    egalonormalo schrieb:
    >“Dieses im o.g. Artikel geschilderte Problem wird in Kleve, bzw. in Deutschland leider immer mehr unter den Teppich gekehrt, was wiederum bedeutet das es doch ein Thema h

     
  5. 19

    Also, …. in Frankreich ist es anders (wenn es denn so ist, wie egalonormalo schildert), in der DDR war es auch anders.

     
  6. 17

    @MeinerEiner

    Apropos Mieter und Vermieter:

    Ich habe ein anderes Beispiel, welches unl

     
  7. 13

    @ Killerplautze:

    In so einem Fall ist der erwirkte Titel nicht das Papier wert, auf dem er geschrieben steht. Kurzes reales Beispiel: Mieter zahlt Miete nicht, also Anzeige durch uns wegen Betruges. Abgabe Eidesstattliche Versicherung, Privatinsolvenz. In der Regel wird so ein Verfahren wegen fehlendem

     
  8. 11

    Mit dem Auto kann man ja mal ne Logikkette aufbauen….

    A6 mit 18 –> Leasingvertrag
    Hartz 4 mit 21 i.V.m. Privatinsolvenz und Antrag auf Restschuldbefreiung
    mit 28 Schuldenfrei und immer noch Hartz 4….

    to be continued…

     
  9. 10

    Der Schoss ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch. (Brecht)

    @Speedy

    Es denkt der Mensch, es wiehert das Pferd, beim Heuvens ist es umgekehrt!

    @Worth

     
  10. 7

    Hallo Ralf,

    es ist ja bereits der relativ lange Zeitraum zwischen der Tat und der Anklageerhebung/Urteil angesprochen worden.

    Sei doch bitte mal so nett und recheriere bei der StA und bei Gericht, woran das liegt und poste das Ergebnis.

    Danke sch

     
  11. 2

    Diese Geschichte ist mehr als nur eine kleine Einbruchsgeschichte: sie beschreibt einen handfesten Skandal, der sich t