Der Methusalem-Komplex: Wird die Hochschule „Eberhards Bastelstube“?

rd | 19. September 2018, 17:27 | 15 Kommentare
„Markenzeichen gepflegter Schnauzbart und freundliches Lächeln“ (WAZ): Prof. Eberhard Menzel, hier bei der Verabschiedung vor drei Jahren an der Hochschule Ruhr-West. Links von ihm seine Nachfolgerin Gudrun Stockmanns. Damals befand sie, Menzel habe ihr die Hochschule „auf dem Silbertablett“ serviert. Nach nur drei Jahren warf sie allerdings das Handtuch (Foto Emig/HRW)

Ein Mann, der drei Jahre vor der Rente steht, holt einen Mann, der seit drei Jahren in Rente ist – sieht so die nähere Zukunft der Hochschule Rhein-Waal aus? Willkommen im Methusalem-Komplex! Professor Aloys Krieg von der RWTH Aachen, 62 Jahre alt und Vorsitzender des Hochschulrates der HSRW, sprach in Interviews mehrfach von einer „Interimslösung“ für die Leitung der Hochschule in Kleve und Kamp-Lintfort, mit der man rechtliches „Neuland“ zu betreten gedenke.

Wie dieses „Neuland“ in Fleisch und Blut aussehen könnte, wurde in den vergangenen Wochen im Präsidiumsgebäude auf dem Campus in Kleve deutlich: Dort wurde in verschiedenen Büros Professor Eberhard Menzel, 68 69 Jahre alt und ehemaliger Präsident der Hochschule Ruhr-West, gesichtet – eine Erscheinung, die nur erklärbar ist, wenn der rüstige Rentner als Interimspräsident geholt werden soll.

Wer aber ist Eberhard Menzel?

Was Marie-Louise Klotz für Kleve und Kamp-Lintfort war, war Eberhard Menzel für Mülheim an der Ruhr und Bottrop – der Präsident einer der 2009 von der damaligen CDU-FDP-Landesregierung neu gegründeten Hochschulen. 2015 endete seine sechsjährige Amtszeit mit dem Erreichen der Altersgrenze, Dudelsackspieler brachten dem bekennenden Schottland-Fan auf der Abschiedsfeier das Steiger-Lied als Ständchen, und Menzel sagte: „Mit dem Abschied vom aktiven Arbeitsleben werde ich einen wichtigen Teil hinter mir lassen. Gleichzeitig ist der Abschied aber auch ein Tor in eine neue Welt, die wunderbare Möglichkeiten in sich birgt.“

Die neue Welt, die wunderbare Möglichkeiten in sich birgt, sollte unter anderem „Eberhards Bastelstube“ werden, ein Projekt, mit dem der Maschinenbauer Elektrotechniker junge Menschen für Technik begeistern wollte. Nun sieht es so aus, als werde die Hochschule Rhein-Waal „Eberhards Bastelstube“. Doch die jungen Menschen, die dort sind, bedürfen wohl keiner großen zusätzlichen Begeisterung für Technik mehr, denn sonst wären sie wohl kaum aus allen Teilen der Welt angereist, um Mechanical Engineering zu studieren.

Vielleicht aber kann der alte Mann das Personal der Hochschule für irgendwas begeistern. Im Internet finden sich Bilder, die Menzel zeigen, wie er Torten anschneidet und Grillwürstchen wendet. Die WAZ schreibt über ihn: „Markenzeichen mag auch sein freundliches Lächeln unter dem gepflegten Schnauzbart sein.“ Ein Gute-Laune-Opa gewissermaßen, und vielleicht ist es diese Art der fröhlichen Entintellektualisierung, nach der die junge Hochschule am Niederrhein nach drei Jahren angestrengten Nachdenkens so gelechzt hatte. Etwa so, wie man sich früher auf dem Gymnasium nach zwei Doppelstunden Mathe und Chemie auf den Grundkurs Pädagogik in der fünften und sechsten Stunde gefreut hatte.

Da allerdings der rechtliche Status des Engagements von Menzel noch – vorsichtig ausgedrückt – in einer Grauzone liegt, fragte kleveblog die Leitung der Hochschule, was der gute Mann augenblicklich in Kleve mache. Hier der Text im Wortlaut:

Seit Anfang des Monats wird häufig Herr Prof. Eberhard Menzel, vormals Präsident der HRW, in der HSRW gesehen. Da ich nicht annehme, dass er nur zum Kaffeetrinken nach Kleve fährt, ergeben sich einige Fragen, um deren zeitnahe Beantwortung ich die aktuelle Leitung der Hochschule – wer immer das sein mag (Krieg, Hauck, Präsidium) – bitte:

1) Welche Tätigkeiten verrichtet Herr Menzel?

2) Wer hat ihn dazu beauftragt?

3) Auf welcher Rechtsgrundlage erfolgte die Beauftragung?

4) Gibt es möglicherweise eine Perspektive für diese Tätigkeit – z. B. eine zukünftige Interimspräsidentschaft?

5) Sind diese Schritte mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft abgestimmt, zumal insbesondere die von Herrn Krieg angestrebte Interimspräsidentschaft ja im Gesetz nicht vorgesehen und von ihm selbst als „Neuland“ bezeichnet worden ist?

Die Leitung der Hochschule ließ antworten, dass man gerne bereit sei, die Fragen zu beantworten – allerdings erst in zwei Wochen. Wir legen es uns mal auf Termin. 

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15 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 15. rd

    Ah, stimmt. Falsch erinnert. Wird selbstverständlich korrigiert.

     
  2. 14. TungstenM

    Soweit mir bekannt ist, hat Prof. Dr. E. Menzel ein Alter von 69 Jahren. Außerdem ist er nicht Maschinenbauer sondern hat Elektrotechnik studiert. Aber das kann schon Mal passieren, wenn man völlig entintellektualisiert ein Blog schreibt.

     
  3. 13. Joseph Johann

    RP 25.09.2018: Es ist vollbracht. Welchen Schaden die HSRW nimmt, bleibt abzuwarten. Der auch veröffentlichte Artikel „Studenten lernen ihre Hochschule kennen “ gibt Hoffnung auf geordnete Zeiten.

     
  4. 12. Chewgum

    @jb p.s.: wir leben in einem Land, das es nicht mal schafft, Scientology und die NPD zu verbieten. Da wird sich lieber an Menschen ausgetobt, die unseren Lebensraum schützen wollen.

     
  5. 11. Chewgum

    @9 jb Ok, für die Hochschule gibt es laut HG keine Interimslösung. Die Rodung des Hambacher Forstes geht gar nicht. Ein Unterschied zur HSRW ist, dass in Kleve wohl niemand weggetragen und abgeführt wird. So, jetzt hab ich auch mal alles in einen Topf geworfen. Raus kommt dabei, dass man mal am Hambacher Forst erscheinen sollte und dann vielleicht auch mal vor der HSRW …

     
  6. 10. rd

    @jb „Wir sind in Deutschland. Hier gelten Regeln.“ (Angela Merkel) Naja, nicht überall.

     
  7. 9. jean baptiste

    @3. Chewgum „nur um eine Interimslösung“
    Es gibt kein „nur“.
    In einer Gesellschaft wie der unsrigen, in der alles bis ins Detail geregelt ist, gibt es keinen Raum für „Interims-Lösungen“
    Schauen Sie als aktuellstes Fallbeispiel die Geschichte um den Hambacher Forst.
    Im Niederländischen gibt es da eine passende Redewendung als Antwort, „geen speld tussen te krijgen“.
    Wenn morgen (offensichtlicher bereits gestern und heute ) der CDU-grünen Koalition die Bürgermeisterin nicht gefällt, kann man nicht so mal eine „Interimslösung“ aus dem Hut ziehen.

     
  8. 8. Mito

    @ 7. Bastler
    Sorry, hab‘ ich missverstanden.

     
  9. 7. Bastler

    @Mito Wegen des Personals, nicht wegen der Studenten!

     
  10. 6. Mito

    Man kann sicherlich darüber diskutieren ob Nicht-EU-Bürger Studiengebühren zahlen sollen oder nicht, aber generell dieser Hochschule bzw. den Studiengängen der HSRW das intelektuelle Niveau abzusprechen nur weil die Studenten aus vielen verschiedenen Ländern kommen, ist daneben.

     
  11. 5. Bastler

    „fröhliche Entintellektualisierung“ 😉 Bleibt es denn eine Hochschule oder wird es ein multikultureller Abenteuerspielplatz, vom deutschen Steuerzahler finanziert?

     
  12. 4. Joseph Johann

    Wenn es nicht so schlimm wäre, würde ich von einem Narrenspiel sprechen.

     
  13. 3. Chewgum

    Es geht ja nur um eine Interimslösung. Was soll denn da diese altersdiskriminierende Häme einem Mann gegenüber, der für die Probleme an der HSRW nichts kann?

    Ansonsten sag ich nur: Jupp Heynckes

     
  14. 2. Star

    Die Hochschule verfügt über diverse Gremien und Regeln für die Wahl eines neuen Präsidenten. Was passiert aber offenbar jetzt? Es wird ein (Interims-)Präsident „eingesetzt“: von wem? Mit welcher demokratischen Legitimation? Oder spielen demokratische Regeln plötzlich keine Rolle mehr, weil die Hochschule noch andere Probleme hat als nur „Frau Dr. Naderer“, die man ja offenbar bald los ist? Gelten jetzt Notstands„Gesetze“(?) an der HSRW?

     
  15. 1. jean baptiste

    eine „Interimslösung“ für die Leitung der Hochschule in Kleve und Kamp-Lintfort, mit der man rechtliches „Neuland“ zu betreten gedenke.

    Tja, das wird dann ein weiteres Heimspiel für den Anwalt von Frau Naderer.
    Ich würd´s einfach mal Aloys´und Eberhards Bastelei typisieren.

    Ich hab´mal im Chemieunterricht gelernt >Erst das Wasser dann die Säure,sonst passiert das Ungeheure<.

    Abgewandelt auf diesen Fall bedeutet das für mich, da es gesetzliche Regeln gibt, die keine Fragen offenlassen, ist es Pipi Langstrumpf -Logik, um sich seine eigene Welt zu machen.
    Allerdings, Verwaltungsrecht ist so dröge, da sollte man den zuständigen Instanzen auch mal was zum Lachen gönnen.