»Das Schweigen der Lämmer«: Funktionale Fixierung

rd | 12. Mai 2012, 14:16 | 8 Kommentare

Durchaus frech, wie die Rheinische Post die Transparenz in Sachen Rathausverfahren mit einem Griff ins Filmtitelarchiv charakterisierte: »Das Schweigen der Lämmer«, so hieß es in dem 20-Zeiler von Jürgen Loosen und Marc Cattelaens. Die Berichterstattung leidet halt ein wenig darunter, dass Vieles ins Nichtöffentliche verschoben wird, um sicher zu gehen, dass die neuesten Wendungen in einem Verfahren, das begann, bevor der Kreis die Planungen zur Hochschule aufnahm, und das sicher erst zu einem Ende kommen wird, wenn die ersten Studenten dort promoviert werden, nur sorgsam gefiltert und mit dem richtigen Spin versehen der Öffentlichkeit zugänglich werden. So viel zur Einleitung. Was aber geschah wirklich auf der Ratssitzung am 9. Mai?

Der letzte Stand, den mir ein mit der Materie vertrauter Lokalredakteur anvertraute, war der, dass die Stadt die Pläne einfach ankaufen und dann irgendwie selber weitermachen wollte. In dem kleinen RP-Artikel wiederum sagt Kämmerer Willibrord Haas, dass das Vergabeverfahren nun doch so fortgeführt werde, wie es die Vergabekammer der Bezirksregierung angeregt habe, damals, im Oktober 2011, la nur von einer leichten Verzögerung von »wenigen Wochen« die Rede war.

Hinter dieser Aussage steckt also, vorsichtig ausgedrückt, eine Kehrtwende um 180 Grad, die eigentlich nur dadurch erklärbar wird, dass der Bieter, dem der Entwurf hätte abgekauft werden sollen, mit gesundem Menschenverstand reagiert hat. Gesunder Menschenverstand sagt: Nein, ich bin doch nicht blöd.

Fortführung des Verfahrens, das bedeutet aber auch: Die Verwaltung muss Überstunden einlegen. Denn im Kern wurde damals ja kritisiert, dass beide Unternehmen (ten Brinke, Erich Tönnissen) auf Basis unterschiedlicher Vorgaben ihr Gebote einreichten. Nun also, so beschloss der Rat mit denkbar knapper Mehrheit, darf die Verwaltung sich mit der »Fixierung der gewünschten funktionalen Anforderungen« beschäftigen. Die Aufgabenliste umfasst elf Haupt- und 29 Unterpunkte und sagt uns vor allem eines: Das dauert.

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  1. 8. tut nichts zur Sache

    @RumsdieKuh4Ever
    Und wenn nicht der Mieter, sondern der Vermieter die Kosten für den Umbau trägt, was macht der dann sofort: Richtig, die Kosten auf die Miete umschlagen neben Zins und Zinseszins.

    Wenn das ganze Hin und Her noch lange dauert, dann wird vielleicht der Klüngelshaufen ja doch noch vorher abgewählt, bevor man zur Tat schreiten kann.
    Wann war nochmal die übernächste Kommunalwahl? 😉

     
  2. 7. RumsdieKuh4Ever

    @Konfuzius a.D.

    Von der Stadt wurde bereits frühzeitig kommuniziert, dass das Union-Gebäude nicht in Frage kommt. Die Kosten für einen zeitweiligen Umbau wären zu hoch. Dabei dachte ich immer, dass der Vermieter die Kosten für die Instandsetzung trägt aber anscheinend denkt man in der besten Verwaltung in dieser Milchstrasse anders darüber.

    Allerdings wäre es wesentlicher einfacher und günstiger, das tempoäre Domicil der Herren Brauer, Haas und Rauer mitsamt Bauamt in den Lightex-Bau zu verlagern.

    Grosse Umbauten beziehungsweise Fenster, Türen oder Heizung sind ja dank des seit langen Dienstjahren vorhandenden Dauer-Durchzuges in den Köpfen der oben Genannten nicht unbedingt notwendig und die Sparkasse hat als Eigentümer wenigstens eine zeitweilige äusserst gut bezahlte Nutzung für ihre erstklassige Immobilie erreicht.

     
  3. 6. Bataver

    Mein Vorschlag für das Rathaus:
    https://www.kleveblog.de/2009/08/1000-meisterwerke-die-kreditprufung-beton-in-sumpf-2002/

     
  4. 5. Konfuzius a. D.

    @ Andreas

    Falsch: Es reichen 3.460 Quadratmeter Brutto für ca. 169, nicht ca. 170, aus der Stadtverwaltung. Nachzulesen hier:

    http://bit.ly/KbWiti

    Ärgerlich, dass dem “Union-Verwaltungsgebäude” die Fenster ausgefallen sind. Schlage vor, man verschandelt nun nicht die für den Handel und Tourismus wichtige Campingidylle am Bahnhof, sondern fragt auf der anderen Strassenseite den Bauherren ob der nicht für ein paar Euro oder Meter Beton einen Platz freiräumen kann. Das wäre eine tolle Lösung.

    Ich bin mir sicher das die Bürger, der Wahlausgang in der Provinz wird es belegen, die fettige Tradition schätzen.

     
  5. 4. Der Laie

    Vom Grundsatz der DIN ISO 9001,hat man in der Stadtverwaltung
    und im Stadtrat noch nichts gehört, denn sonst wüßte man ja:

    Am Besten ist, man macht es gleich Richtig.

    Aber wo sollte die “selbstverliebte Elite” auch gelernt haben,dass das Überleben davon abhängt, dass der Kunde und nicht das Produkt wiederkommt.
    Vll. erst dann,wenn Nichtwähler sich zu Protestwählern entwickeln und Verhältnisse wie in der Weimarer Republik Einzug halten.

     
  6. 3. Andreas

    WTF???

    Ein Rathau ist ein Funktionsbau, die Klever mögen ja Quader, verklinkert oder nicht.

    Die Verwaltung hat Abteilungen, jede Abteilung die Fachbereiche … oder umgekehrt?
    Egal!

    Reichen 200 Büros?

    Dann auf vier Etagen je 50 Büros, alle einheitlich, jedes Büro erhält das gesetzliche Ausstattungsminimum und gut ist.

    Einfache Planung, Klever Stil (quadratisch, praktisch, verklinkert) und kostengünstig.

    In Kleve wird auf Geschichte, Stil, Bürgernähe und Transparenz eh´ geschissen, also genügt ein Kellerkämmerlein neben dem HA-Raum zur Konsensfindung der Fraktionsoberen.

    Meine Güte, was soll der Terz?

    MfG,
    Andreas

     
  7. 2. Opposition

    Ich vermute nicht, dass Ten Brinke jetzt seine Pläne nicht verkauft, sondern, dass Herr Smola und sein Jurist so clever, sind, dass sie diesen Kauf verhindert haben.
    Ansonsten hätte die Gegenpartei schon einen Riesenvorteil gehabt und ET wieder von vorne ganz neu rechnen müssen.
    Eine solche Fortsetzung, wie von einigen Träumern der Verwaltung und Politik gewünscht, war im Urteil der Vergabekammer nicht vorgesehen.
    Für die neue Vergabe braucht die Stadt Kleve nicht wie behauptet ein paar Wochen, sondern mehr als ein Jahr.
    Wie sagte Herr Cosar so schön zum Verfahren: “Wenn ein Schiff unterzugehen droht, ist es nicht an der Zeit den Schuldigen zu suchen, sondern die Rettungsboote zu besteigen.”
    Jetzt sitzt man schon ein dreiviertel Jahr im Rettungsboot, auch Herr Cosar kennt mit Sicherheit den oder die Schuldigen und könnte diese doch mal über Bord werfen.
    Dann beschleunigt sich das Verfahren bestimmt.
    Oder alle Smola-Feinde und Ten-Brinke-Fans verlassen zur Schaffung der notwendigen Neutralität freiwillig das Parkett.
    Es wird langsam peinlich rund ums Rathaus.

     
  8. 1. Kranenburger Landei

    Das ist doch bereits schon einmal verfilmt worden?

    “Apocalypse Now”

    Wenn die so weiter machen wird der Bau ein ganz heisses Thema bei der nächsten Kommunalwahl.

    Ist es eigentlich jemanden bekannt ob die Stadt die Firma Niemann Stegge wegen unsorgfältiger Prüfung des Astoc-Entwurfs auf Schadensersatz verklagt und zudem Herrn Kamphausen wegen seiner Interessenkollision als Gesellschafter ebenda die Rechnung für seine juristischen Bemühungen auf Null Euro kürzt?