Abenteuer Jobbörse: Bachelor of Love bei der LVA

rd | 03. März 2010, 16:53 | 22 Kommentare
Der Mann von der Bundeswehr im hellblauen Hemd wollte mich nicht als embedded Reporter, rechts ein Ausschnitt der aufblasbaren Kokosnuss, in der die Mitarbeiter von jobrapido Interessenten empfingen

Der Mann von der Bundeswehr im hellblauen Hemd wollte mich nicht als embedded Reporter, rechts ein Ausschnitt der aufblasbaren Kokosnuss, in der die Mitarbeiter von jobrapido Interessenten empfingen

Die Wirtschaftskrise! Da muss man sich auch mal umsehen, wenn’s so richtig nicht läuft. Zum Beispiel auf der vierten Klever Jobbörse in der Stadthalle, an deren Eingangstür der Hinweis auf die bevorstehende Aufführung von “Kein Job für Sünder” mich auch nicht abschrecken konnte. Ich wollte Arbeit. Hier. Jetzt.

1. Versuch: Nicole von der etablierten Klever Softwareschmiede db-central (wie sich herausstellen sollte, das einzige private Unternehmen – von Zeitarbeitsfirmen mal abgesehen) fragt mich: “Was können Sie denn?” “Schreiben.” “Und sonst?” “Nichts. Aber ich könnte vielleicht Programme schreiben.” “Beherrschen Sie denn Programmiersprachen wie PHP und C++?” “Ja, ich kann das Datum in PHP. Und ich habe schon mal eine Website gebaut.” “Mh, das wird schwierig. Aber ich gebe Ihnen trotzdem mal meine Visitenkarte, dann können Sie eine Initiativbewerbung schreiben.” Danke, Nicole!

Das fängt ja gut an. Eine Minute Konversation, und schon darf ich eine Bewerbung schreiben. Aber es kommt noch besser:

2. Versuch: Die Deutsche Rentenversicherung. “Die Rente ist sicher”, heißt es ja immer. Bestimmt auch als Arbeitgeber. Aber bin ich nicht zu alt? “Nein, wenn es Ihnen nichts ausmacht, neben 20-Jährigen die Schulbank zu drücken.” Bei der Rente gibt’s nämlich nur Ausbildungsplätze. Stimmt die Kohle denn? “Sie bekommen während der Ausbildung 870 Euro monatlich, und dazu studieren sie. Hinter sind Sie Bachelor of Love.” Das passt ja, dachte ich noch, aber dann klärte mich meine Begleiterin auf, dass es vermutlich Bachelor of Law hieße.

Trotzdem: Eine Bewerbung und einen fast schon sicheren Ausbildungsplatz nach fünf Minuten – Jobkrise, wo bist du? Hier:

3. Versuch: Bundeswehr: “Was können Sie denn?” “Schreiben, aber ich würde auch kämpfen.” “Wie alt sind Sie denn?” “44.” “Oh, das ist leider viel zu alt, wir nehmen nur bis zum Alter von 25, in Ausnahmefällen bis 31 Jahre.” “Aber ich könnte doch als embedded Reporter irgendwo mitfahren und schöne Kriegsberichte schreiben.” “Nein, dafür haben wir die freie Presse.” So schnell gebe ich natürlich nicht auf: “Die schreiben aber auch, was sie wollen. Ich würde schreiben, was SIE wollen.” Doch die Abwehrfront steht: “Das ist doch gut, dass es die freie Presse gibt, wenn die nicht schreiben würde, dass Soldaten rohe Schweineleber essen müssten, würde sowas nicht aufgedeckt.” Ein echter Demokrat, der Mann mit einer Raute auf der Schulter (Dienstrang? Leutnant – Danke, Marek!), aber für meine beruflichen Ambitionen allerdings eine Art MOAB. Immerhin, ich darf einen Handzettel mitnehmen.

4. Versuch: Flughafen: Die Firma AviSec, was vermutlich für Aviation Security steht, preist sich als eines der führenden deutschen Ausbildungszentren für Luftsicherheit. Luftsicherheit, das heißt in dem Fall Passagiere abtasten. Die Plätze am AviSec-Tisch sind gut besetzt, viele Männer und Frauen füllen ein Bewerbungsformular aus. Scheint ja durchaus begehrt zu sein – ich aber lande unsanft auf dem Boden der Tatsachen, denn Nebila von AviSec klärt mich darüber auf, dass die achtwöchige Ausbildung im Abtasten und Koffergucken 3390,00 Euro kostet (!), was aber evtl. vom Arbeitsamt übernommen werde. (Man erkennt das Geschäftsprinzip: Vom Arbeitsamt Geld für verlorene Seelen abgreifen. Ein Kurs mit 25 Teilnehmern bringt AviSec also 84.750 Euro. Er dauert 320 Stunden. Daraus ergibt sich ein Stundensatz von 264,84 Euro!!!) Nun wollte ich aber nicht das süße Leben der AviSec-Chefs finanzieren, sondern selbst etwas verdienen.

Deshalb der 5. Versuch: Die Herren des Verfahrens persönlich, die Agentur für Arbeit. Eine Frau hört sich meine interessante Biographie an, dann meint sie, vielleicht am besten Mal unter “Verschiedenes” nachsehen. Klar, mache ich sofort. Im Angebot: Büchsenmacher (kann ich nicht), Helfer in der Landwirtschaft (wäre machbar, wer sagt’s denn). Leider sind zu Verdienst etc. keine weiteren Angaben erhältlich, sodass die Offerte etwas diffus bleibt.

Also weiter zum 6. Versuch: Schreiben kann ich, da sollte reden nicht viel schwieriger sein – auf zum Stand von Antenne Niederrhein, auf zur Lösung all meiner Probleme. Volker sagt mir, dass Nachwuchsjournalisten gesucht werden. Ich entgegne: “Nachwuchsjournalisten, das ist doch nur ein anderes Wort für Praktikanten!” So sei das heute aber überall, erwidert Volker. Kann sein, aber ohne mich – ich möchte ja abends mit etwas Geld in der Tasche nach Hause kommen…

Zunehmend desillusioniert nimmt mich plözlich eine surreale Szenerie gefangen – eine aufblasbare Kokosnuss von den Ausmaßen einer Hüpfburg, in deren Inneren zwei junge Menschen ein Versprechen in einem Wort abgeben: jobrapido (es handelt sich übrigens um ein Angebot der Agentur für Arbeit). Treffer, hier bin ich richtig!

7. Versuch: “Hallo, ich suche einen Job. Sofort. Hauptsache Geld.” Eine junge Frau, ich glaube, sie hieß Sabine, füllt die Suchmasken ihres Rechners aus. Und da kommt es auch schon, mein persönliches Angebot: Aushilfe bei McPaper! 40 Stunden im Monat, auf Abruf bereitstehen, Sabine schätzt irgendwas zwischen fünf und sieben Euro pro Stunde. Als Arbeitsgeber tritt nicht einmal McPaper auf, sondern eine Firma aus Berlin, die Workstation AG (klingt nach Methode Schlecker). 40 mal sieben, das ergäbe einen Monatsverdienst von 280 Euro! Qualifiziert bin ich auch – denn ich weiß, dass am Ende des Verkaufsgesprächs immer noch dieses erzdämliche “In dieser Woche haben wir übrigens Tesafilm im Angebot, wollen Sie nicht noch ein paar Rollen kaufen?” kommt. Bingo! Schluss mit diesem nerv- und zeitraubenden Contentbergwerk kleveblog hier – ab jetzt wird gearbeitet!

***
ps. Materielle Bilanz: 3 Kugelschreiber, 2 Tüten Fruchtgummi, 2 Schlüsselbänder und eine Fahrradsattelhaube von der Euregio

pps. Der Fairness halber sei gesagt, dass das Angebot insgesamt informativ ist, wobei jedem Interessenten, der einfach nur einen Job sucht, schnell klar sein dürfte, dass sein Heil allein in der Zeitarbeit liegt (ca. die gesamte linke Hälfte der Stadthalle) und da vor allem in den Niederlanden (aufm Bau, mindestens fünf Anbieter).

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22 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 22. rd

    Lang, lang ist’s her, dass dieser Bericht geschrieben wurde – und nun, fünf Jahre später, hat auch die Gewerkschaft VerDi das Problem erkannt – allerdings bisher nur in Düsseldorf und Köln/Bonn: http://www.taz.de/!5227276/

    Eine Kommentatorin schrieb wenig später: https://www.kleveblog.de/wie-funktioniert-so-ein-flughafen-eigentlich/

     
  2. 21. Kiste

    @Dickschaedel
    >Zu was hat der Herrgott alle diese Christdemokraten mit Verstand gesegnet?

    Ich bin eigentlich grün-links angesiedelt, aber man muss ehrlicherweise sagen, dass die meisten “Reformen” unter denen die Menschen jetzt leiden, von Autokanzler und “Genosse der Bosse” Schröder kommen.

    Unter Kohl gab es keine Auslandseinsätze der Bundeswehr, keine Expansion der Zeitarbeitsfirmen, keine Heuschrecken, keine Aufstocker/Mindestlohnproblematik und auch es gab auch den Würmelingpass der Bahn für kinderreiche Familien noch.

    Alles unter Rot-Grün abgeschafft bzw. eingeführt. Rot-Grün !!! Nicht Kohl! Nicht CDU! Der Herr Autokanzler war’s! Schröder und Fischer haben uns das alles geschenkt!

    Die vereinfachung der Spekulationen, Abschaffung der Steuern auf Finazgeschäfte, die Ausweitung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetztes, die Aufstockerproblematik und damit verbundene Subvention der Unternehmen, Mehdorn als Chef bei der Bahn, Abschaffung des Würmeling-Passes (und bei der SPD schwafelt jeder (…) von “man müsse was für Kinder tun”) , fast auch Abschaffung der Bahncard, die schleichende Einführung von Studiengebühren. Alles Schröder! Alles SPD!

    Und die SPD wundert sich ernsthaft über den Erfolg der Linken.

    Wenn ich Gabriel und Nahles schon sehe, (…)

     
  3. 20. Dickschaedel

    Auf dem Airport Laarbruch gibts noch ne Firma STI mit Sitz in Wiesbaden die machten oder machen das gleiche wie die Firma AviSec – ne Bekannte hat dort auch son Job bei STI gemacht – 8€ für Schichtdienst
    Die Ausbildung wurde genauso gemacht. Mein ältester Sohn arbeitet für die Zeitarbeitsfirma Profil in Kleve – sein Lohn kommt ca. 20 Tage verspätet aufs Konto, kommt pünktlich, reißt sich den Arsch auf und trotzdem findet er diesen Westerwelle super.
    Ich bin der Meinung man braucht diese Zeitarbeitsfirmen nicht.
    Die Jobbörse in der Stadthalle ist alles nur Show. Ab 40 + bist du weg
    Zu was hat der Herrgott alle diese Christdemokraten mit Verstand gesegnet? TB und Spreen …. (…) brauchen Hilfe

     
  4. 19. clavinius

    @ Klausi

    Gestern Abend habe ich mich mit einigen Leuten zum Feierabend-Bierchen getroffen. Einer der Teilnehmer (Kumpels) ist exzellent in den Internas von Ipsen eingeweiht. Demnächst werden wegen der positiven Auftragslage 5 neue Leute eingestellt. Meine Frage: “Sind das denn welche von den Gekündigten, die in der Zwischenzeit keinen neuen Job gefunden haben?” Antwort: “Nein, alle nur von Zeitarbeitsfirmen!”
    Es gab in Deutschland jahrzehntelang der Begriff der “sozialen Marktwirtschaft”, der Begriff “globale, soziale Marktwirtschaft” muß erst noch erfunden werden.

    Zitat:
    ++ Sozialstaatsdebatte: Schwarze Schafe gibt es auch in der Wirtschaft
    FDP-Chef Guido Westerwelle sieht in der Sozialstaatsdebatte auch die Unternehmen in der Pflicht. „Ich bin überzeugt, dass es auch in der Wirtschaft schwarze Schafe gibt, die die Mittel des Sozialstaates mitnehmen, obwohl sie eigentlich in der Lage wären, Arbeitsplätze zu schaffen“, sagte Westerwelle im Berliner „Tagesspiegel“. Als Beispiel nannte er Kleinstverträge mit Arbeitnehmern, um sozialversicherungspflichtige Jobs zu umgehen.

    Das gibt es nicht nur bei “einfachen Jobs” sondern auch bei Hochqualifizierten (Siehe Ipsen)!

    http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Guido-Westerwelle-Sozialstaat-Hartz-IV-Parteien;art122,3042833

    Es gibt Momente, da schäme ich mich für Unternehmer, obwohl ich keiner bin. Wenn von einem Bewerber erst eine kostenpflichtige Ausbildung durch die eigene Firma auferlegt wird, um danach zu erfahren, dass man den Anforderungen nicht erfüllt, ist schon kriminell! Das dass von Stadt, Staat und Land mit seinen entsprechenden Behörden auch noch gefördert wird zeigt, dass die Politik in den letzten Jahren versagt hat.
    Jeder Verbraucherschutzverein warnt vor solchen Jobangeboten. Ich frage mich, ist diese Firma überhaupt geeignet, die Sicherheit in Weeze bei solchen Geschäftsgebaren zu garantieren?

     
  5. 18. klausi

    @habedank
    Nicht das wir uns falsch verstehen. Natürlich finde ich es gut dass der Sachverhalt hier von Ihnen angesprochen wird. Nur ohne Ross und Reiter bringt das nichts. Amt 50, Aufsichtsbehörde, Dienstaufsicht usw.; das bringt doch nichts ausser heisser Luft. Zeitverschwendung sich daran aufzureiben.

    Die einzige Instituation die etwas bewirken kann ist die Öffentlichkeit. Das scheuen die Übeltäter nicht die Kollegen von der Dienstaufsicht.

    Ein Zweizeiler mit Fakten in diesem Blog bring mehr als all die Briefe auf dem Dienstwege.

     
  6. 17. Jens-Uwe Habedank

    @klausi: Ross und Reiter erkennen sich wohl schon wieder…Namen des Betroffenen, des Fallmanagers und der Agentur liegen hier vor. Im übrigen auch der Stadt Kleve, Amt 50, die solche Dinge bei Beschwerden als “nicht berechtigt” bezeichnet, es anders darstellt, von “Mißverständnissen” etc. spricht…Das Amt, die Stadtverwaltung bestimmen immer noch was “von öffentlichem Interesse” ist. Gegen derartige Leute vom Amt hat es auch schon Dienstaufsichtsbeschwerden gegeben, beim Vorgesetztem über Meisterbürger bis hin nach Düsseldorf – Was meinen Sie, was da heraus kam…?! “Alles in Ordnung” und der Jobsuchende erhielt ‘ ne Leistungskürzung….( die aber später vom Gericht verworfen wurde)

    Wer nun genau ist eigentlich auch egal – dass solche Dinge passieren, das ist doch der Skandal! Wäre ich mir nicht sicher, hätte ich geschrieben “Es könnte sein..”, ” man kann vermuten..:” usw. Ich bin da aber sehr, sehr rechtssicher.

     
  7. 16. pd

    ein 58jähriger ingenieur der 30 jahre bei ipsen war dürfte übern daumen ein halbes monatsgehalt pro jahr betriebszugehörigkeit abfindung erhalten haben.
    irgendwas zwischen 35.000 und 45.000 euro würde ich vermuten.

    sicher ist es in der regel bedauerlich wenn man entlassen wird aber da gibts jetzt 2 jahre arbeitslosengeld und die angesprochenen abfindung, danach evtl. frühverrentung und nen minijob im ingenieurbüro mit 400euro abzugsfrei.

    ich gönns keinem gekündigt zu werden aber es gibt sicherlich fälle die schlechter versorgt sein dürften als ein ingenieur der 30jahr gearbeitet hat, abfindung bekommt und nahe an der rente ist.

    viel viel schlimmer ist die perspektivlosigkeit und ständige angst vorm jobverlust die die heutige generartion praktikum hat/haben muß. übrigens auch für die volkswirtschaft relevant denn jemand der nicht weiß ob er in 2 jahren noch arbeit hat, kauft kein häuschen, kein vernünftiges auto und kann es erst recht nicht verantworten eine familie zu gründen.

    @ wim heuvens

    zu teuer mag sein. wenn ein arbeitnehmer zu unproduktiv arbeitet und weniger wert schöpft als er geld kostet entsteht ein problem. das ist aber altersunabhängig so.

    im übrigen ist meine erfahrung mit älteren arbeitnehmern eher die, dass sie zwar mehr kosten aber eben auch mehr einbringen. im handwerk wo ich tätig bin ist es einfach so dass nichts berufserfahrung ersetzt, NICHTS! kein studium keine lehrzeit, keine körperliche fitness etc. ! die kniffe der alten sind im wahrsten sinne gold wert. nebenbei sind sie oft auch weniger krank als der 20jährige frischling, sind pünktlicher und haben in der regel auch den besseren blick für betriebswirtschaftliche zusammenhänge sprich wenn 5 leute in der pause 15min länger sitzen bleiben dann ist das durchaus relevant genauso wie die 3 tage die ich wegen schnupfen zuhause bleibe etc.

    dass die chefs angst haben ist in aller regel quatsch. mag ihm öffentlichen dienst so sein kann ich nicht beurteilen, hier ist es aber so dass die chefetage in der regel selbst recht fit ist und allein schon aus eigennutz daran interessiert ist möglichst hervorragende mitarbeiter zu haben.

    was zivilcourage und fügen angeht: auch hier gilt dass der verzogene 20jährige ind der regel aufsässiger ist als der 50jährige der in sich selbst ruht. wenn sie wüßten wie manch ein lehrstelleninteressent hier auftritt oder wie sich manch ein azubi seinem ausbilder gegenüber verhält…

    (ausnahmen bestätigen die regel)

     
  8. 15. klausi

    @habedank
    bitte nennen Sie doch Ross und Reiter damit solche Machenschaften über den Weg des öffentlichen Interesses unterbunden werden können.
    Darüber zu schreiben und zu berichten ohne dass es in irgendeiner Weise fassbar wird bringt nichts. Dann lieber den Mund halten.

     
  9. 14. Jens-Uwe Habedank

    Die Sache mit “Job gegen Geld” (AviSec) ist auch von den vermittelnden Stellen, und nicht nur BA, leider mehr als geduldet: Die Stadt Kleve, als Optionskommune, versucht Leute (40-50jährige) in die Versicherungswirtschaft zu bringen und nennt das dann Vermittlung. Das sieht dann so aus: “Ausbildung” als Versicherungsfachwirt bei einer Agentur, deren Inhaber zufällig ein Freund des Fallmanagers ist. Lohn/ Gehalt = 0, — Euro, dafür gibt’s ja die Ausbildung…
    Geld gibt’s nur gegen genügend “Scheine” (vermittelte Versicherungen), 5% von der Provision, 95% erhält der Agenturinhaber.
    Ach ja – Gebühren ( ca. 800,- – Euro) für sogenannte, verpflichtende, Fortbildungsmeetings ( auf Mallorca!?) sind natürlich auch noch an den Agenturinhaber zu erbringen – heißt also, “Scheine” schreiben, schreiben, schreiben….

    Wenn genügend Leute “Scheine” schreiben und der Agenturinhaber sich den zweiten Porsche zulegt, kann die Stadt Kleve wieder schreiben: ” Vermittlungserfolge….”

     
  10. 13. klausi

    @clavinius
    ich habe auch schon mehrfach etwas zu diesem Thema geschrieben und mich dann doch entschlossen es wieder zu löschen. Da ist ein Thema bei dem man sich natürlich gehörig die Finger verbrennen kann weil es hier nicht nur eine Wahrheit gibt. Ihren Beitrag fand ich sehr gut!

    Die Diskussion machte sich fest an dem 58 jährigen Ingenieur der bei Ipsen arbeitslos wurde. Das ist sehr bedauerlich aber wenn es eine Firma nicht mehr schafft alle Leute zu behalten dann muss halt entlassen werden. Und wenn ein 50+ teurer ist als ein 30 jähriger dann kann ich diese Entscheidungen gut verstehen. Es gibt keinen Grund warum der 58er nicht auch für das Gehalt des 30 jährigen arbeiten kann. Das mehr an Erfahrung gleicht sich i.d.R. mit den Ausbildungsdefiziten der älteren Mitarbeiter wieder aus.

    Viel schlimmer finde ich das von Herrn Daute geschilderte Beispiel der Sicherheitsfirma welche für den Flughafen Mitarbeiter sucht. So wie ich das verstanden habe muss da erst kräftig bezahlt werden (egal ob Arbeitsamt oder privat) um die Kosten der Ausbildung (früher wurde das Einarbeitung genannt) zu decken. Das ist einfach nur schlimm und Geldschneiderei der übelsten Art. Selbst Schuld wer sich dafür hergibt aber was ich wirklich schlimm finde ist das solche Firmen dann einen öffentlichen Auftrag (Sicherheitsdienst am Flughafen) erhalten können.

     
  11. 12. esined

    “Wenn ein 58-jähriger Kinder hat, sind die in der Regel schon mind. 10 Jahre aus dem Haus und selbst bei Studium schon ca. 5 Jahre fertig”

    Also diese Rechnung funktioniert ja auch nicht immer, oder?
    Ich bin direkt nach der Ausbildung ausgezogen, meine Schwester wird nach dem Studium + zugehörigem praktischen Jahr ausziehen (bzw. den “Wochenenendwohnsitz” bei meinen Eltern aufgeben).
    Wenn mein Vater 58 Jahre alt ist, bin ich 5 Jahre aus dem Haus, meine Schwester wird wohl gerade ausziehen.
    Und wir haben nicht in Schule / Ausbildung / Studium rumgetrödelt, sondern alles in der normalen Zeit durchgezogen bzw. teilweise sogar verkürzt…

     
  12. 11. clavinius

    Ich habe mir reichlich Gedanken gemacht, ob ich in dieser Diskussion einsteige. Als 54-jähriger sehe ich mich noch lange nicht zum sogenannten “Alteisen”, sondern ich stehe jeden Tag voll im Leben. Ein Bekannter von mir, freute sich, als er mit etwa 58 Jahren im Vorruhestand gehen konnte. Das war vor 3 Jahren. Sicherlich hatte er einen härteren Job, als ich habe. Ihm wurden in den letzten Jahren seiner Tätigkeit als “Fachkraft > Schlosser < bei der ehemaligen DB” und zwar von Kleve nach Krefeld ein Dreischichtdienst in den letzten Jahren aufgezwungen. Jahrzehntelang war er im Zweischichtdienst.
    Meine Tätigkeit beginnt morgens um 9.00 und endet in der Regel spätestens um 18.00 Uhr. Wenn viel Arbeit anfällt, arbeite ich mit Freuden auch gerne mal länger, nehme mir aber auch die Freiheit, wenn nichts zu tun ist, früher – auch erheblich früher – Feierabend zu machen.
    Ich glaube, dass nicht unbedingt Stechuhren über eine Leistungsfähigkeit oder Bereitschaft zur Leistung entscheiden. Es gehört aber auch zu meiner langjährigen Erfahrung, dass es mir viel Spass macht, jüngeren Arbeitskollegen, meine Erfahrungen, meine Kreativität, meine Routine und auch meine Arbeitsweise weiter zu vermitteln.
    Bei Disskusionen über dieses Thema erzähle ich gerne über eine etwa 80-jährigen Verkäuferin in einem kleinen – aber bekannten ehemaligen Lebensmittelgeschäft in Kleve. Sie stand täglich, und wenn es nur zwei oder drei Stunden war, in der sogenannten Drangphase hinter ihrer Brötchentheke. Als das Geschäft geschlossen hatte, innerhalb kürzester Zeit wurde sie ein Pflegefall.
    Was ich damit für jüngeren Menschen aussagen will, diese Dame hat nie einen Arbeitslosen einen Job weggenommen. Da ich den Geschäftsmann sehr gut kannte, sprachen wir auch mal über diese Dame. Er sagte mir, wenn er ihr diesen Job nehmen würde, baut sie körperlich und geistig ab. Solange er kann, wird diese Dame mit ihren Vor- und Nachteilen bei ihm arbeiten dürfen. Das ist und war nicht nur Anerkennung ihrer Person, sondern auch soziale Verantwortung.
    Ich fühle mich als 54-jähriger Jung und möchte wenn meine Gesundheit es zu läßt, noch mindestens 13 Jahre meinen Mann stehen. Ich freue mich, dass kein Stichtag einem zum “Altschrott” erklärt! Sicher, dass kann jeder auch für sich selbst entscheiden, und ob er sich selbst zum Alteisen erklärt.
    Nur in dieser Gesellschaftsform, in der wir hier in Deutschland leben, ist es legitim, sich auch selbst und persönlich zu Entscheiden. Das macht unter anderem die deutsche Lebensweise nach 1945 aus.
    Nur es ist wirklich traurig, dass leistungsbereite junge Menschen nicht die Chance bekommen, sich zu verwirklichen.

     
  13. 10. Kiste

    Ich bin 30+ und mir geht es (zumindest finanziell gesehen, eben mangels Arbeit) auch nicht so gut (aber natürlich immer noch um Welten besser als Menschen anderswo in der Welt). Aber ich klage nicht und vor allen Dingen mache ich nicht andere dafür verantwortlich. Ich muss schon selbst gucken, dass ich wieder Arbeit finde. Wenn ich keine finde, bin ichs selbst schuld.

    Und an den Fakten gibt es nichts herumzudeuteln. Wer 30 Jahre lang schon Arbeit hatte, der hat zumindest die Gelegenheit gehabt, sich etwas aufzubauen.
    Die jungen insbesondere Familienväter/mütter, die keine Arbeit finden, sind viel schlechter dran, ihnen ist diese Möglichkeit, etwas anzusparen, noch gar nicht gegeben worden.
    Natürlich muss man auch immer den Einzelfall betrachten, und Dinge wie Erbschaften lass ich momentan unberücksichtigt, da auch diese eben Einzelfälle sind.

    Die Situation ist natürlich für keinen zufriedenstellend, ganz sicher auch nicht für den schon etwas älteren Arbeitslosen.

    Eine ähnliche Diskussion hatte sich vor einigen Jahren im Fall der “bösen” Nokia ergeben. Ich will Nokia nicht verteidigen, aber die Volkswirtschafter haben vorgerechnet, dass Nokia über Jahre hinweg vielen Menschen in Bochum Arbeit (und Lohn) gegeben hat, die ansonsten keine hätten und damit die Steuersubventionen mehr als zurückgezahlt hat.
    Von daher war das Nokia-Projekt in Deutschland ein Gewinn, auch wenn das Unternehmen jetzt den Standort Bochum verlassen hat.

    Ebenso sieht es wahrscheinlich mit Fuji oder elefanten oder eben auch Ipsen aus.

    Ewige Sicherheit wird es halt nie geben.

     
  14. 9. Kiste

    @obi

    Wie sinnig und toll, einen 58-jährigen mit 2 Kindern gegen einen 30-jährigen kinderlosen Ing. zu vergleichen.
    Machs doch genau umgekehrt. 58-jähriger kinderloser gegen 30-jährigen Ing. mit Frau und 2 Kindern zu Hause. Da ist der 30-jährige aber gewaltig geaascht.
    Setze wenn, dann bitte gleiche Masstäbe an.

    Wenn ein 58-jähriger Kinder hat, sind die in der Regel schon mind. 10 Jahre aus dem Haus und selbst bei Studium schon ca. 5 Jahre fertig, -sofern der arme 58-järige überhaupt seinen Kindern das Studium finanziert hat, -mir ist kein einziger Fall aus meinem Klever Bekanntenkreis bekannt, bei dem sich die Eltern für die Ausbildung der Kinder verschuldet haben. Auch hat ein 58-jähriger ind er Regel sein Haus abbezahlt und sitzt bei Arbeitslosiogkeit nicht direkt auf der Strasse. Das tägliche Stadtbild auch in Kleve bestätigt das eigentlich.

    Wie gesgat, 30 Jahre Arbeitsleben brechen nicht zusammen. Der 58-jährige Ingenieur hatte zumindest schon die Möglichkeit etwas zu sparen, während dem 30-jährigen Arbeitslosen dazu die Möglichkeit genommen wird.

    Es bleibt dabei: Ein jüngerer Arbeitsloser ist gegenüber einem Endfünfziger eindeutig im Nachteil. Der Gedankengang ist richtig. Deine Vergleichsgrundlage ist falsch.

     
  15. 8. eddy

    @ Kiste….

    Dir scheint es ja immer gut gegangen zu sein.

    Dann hoffe mal, dass sich das für Dich nie ändert!!!

    Ein Wort:

    Unverschämt!

     
  16. 7. Wim Heuvens

    @ obi / Kiste

    Der 58jährige Ingenieur ist in unserer heutigen Gesellschaft einfach zu alt, ab ca. 45 gehört man nicht mehr dazu, warum:
    zu teuer, zu gut und damit echte Konkurrenz zu Vorgesetzten, Chef, Geschäftsführung, zu kritisch, da großes Wissen

    — dann doch lieber jüngere, die noch keine Zivilcourage gelernt haben, die sind preiswerter und fügen sich (Ausnahmen bestätigen die Regel)

     
  17. 6. obi

    @Kiste

    Kein sorry. Dein Gedankengang ist falsch und tatsächlich sehr böse.

    Beim 58-jährigen Ing. gehe ich davon aus, dass er gerade zwei Kinder aus der Ausbildung raus hat. Kosten der Ausbildung und Großzucht 2 x 200.000€.

    Die Banken werden immer noch brav ihre 5-6% Zinsen + Tilgung verlangen. Das Haus kriegt der Ing. im Kleverland derzeit kaum noch verkauft, also bleibt er hier bevor er Geld vernichtet.

    Dem 30-jährigen kinderlosen zur Miete lebenden Ing. steht die Welt offen.

    Geh noch mal in dich und versuche zu verstehen was es bedeutet wenn 30 Jahre deines Arbeitsleben zusammenbrechen. Und sag jetzt nicht, dass das halt üblich sei. Wetten das Ipsen in 2 Jahren wieder Ing. benötigt, dann aber nur die jungen einstellt, weil die viel billiger und up-to-date sind.

    PS
    Ich bin übrigens erst 42 beginne aber langsam ältere Mitarbeiter zu verstehen

     
  18. 5. Kiste

    Zum 58-jährigen Ingenieur:
    Klingt jetzt böse, aber ist doch so:

    Im Gegensatz zum arbeitslosen 30jährigen Ingenieur dürfte sich der 58-jährige Ingenieur mit 30 Jahren Betriebszugehörigkeit doch schon durchaus was zusammengespart haben, hat vielleicht n Häuschen und muss vielleicht nicht mehr unbedingt arbeiten um zu leben. Immer diese Jammerei derer, die eigentlich schon genug haben.

    Den jungen Leuten gehts da wirklich viel schlechter, -sorry.

     
  19. 4. Kiste

    Ich empfehle: Selbstständig bleiben und versuchen, aus kleveblog und einem Printmedium ein Crossmediaprodukt zu machen dass dann auch Geld bringt. KlePoint schaffts ja auch irgendwie.
    Kleve ist für solche Sachen halt nicht der lukrativste Standort.

    Naja, bei den “Christdemokraten” von der Rheinischen Pest oder vielleicht irgendwo im Presseamt der Stadtverwaltung dürfte man es als Kleveblog-Betreiber vielleicht jetzt nicht so einfach haben, eine Festanstellung zu bekommen.

    Ansonsten würde ich mich mal in Nijmegen umgucken, – wird oft unterschätzt.

     
  20. 3. Marek

    wenn es eine Raute über 2 gekreutzten Federn war mit gold und rotem rand war es ein Brigadegeneral
    wenn es dasselbe nur in grün und silber war es ein Major
    und ohne gekreuzte Federn war es ein Leutnant

     
  21. 2. RumsdieKuh4Ever

    Ich habe mal Content-Klau betrieben und finde bei der RP dieses:

    “Ein Diplom-Ingenieur, der bis Anfang Oktober in der Berufs-Qualifizierungsgesellschaft für ehemalige Ipsen-Mitarbeiter tätig ist, war beim Rundgang über die Börse immer noch verbittert, dass er nach 30 Jahren in der Firma „wortlos entlassen” worden ist. „Ich suche in der Stadthalle nach neuer Arbeit, weil ich nicht in Hartz IV abrutschen möchte”, so der 58-Jährige.”

     
  22. 1. Jens

    Raute? Eher “Fisch”. Müsste also mindestens Feldwebel gewesen sein. Wikipedia könnte weiterhelfen…