Kranenburg: Ist die Schülerbeförderung wirklich so schlecht?

rd | 03. Dezember 2014, 17:48 | 9 Kommentare

Eltern beschwerten sich, die Rheinische Post griff die Kritik auf und berichtete ausführlich über die Probleme, die Schüler aus Kranenburg mit der Busbeförderung haben: „Bei den Fahrten von Kranenburg nach Kleve regiert das Chaos, Überfüllte Busse, keine passenden Anschlüsse“. Doch einfach mal so drauflos kritisieren, das lässt sich die Stadt von der RP nicht mehr gefallen. Hier, frisch aus dem Netz, die bemerkenswert detailfreudige Erwiderung der Stadtverwaltung:

Die Schülerbeförderung steht in der Kritik – „Bei den Fahrten von Kranenburg nach Kleve regiert das Chaos, Überfüllte Busse, keine passenden Anschlüsse“
Ist das wirklich so?

Derzeit werden folgende Kapazitäten zur Schülbeförderung morgens von Kranenburg nach Kleve angeboten:

2 Gelenkbusse SB58 ab Wyler (Kapazität wurde nach dem Schuljahreswechsel aufgestockt)
1 Gelenkbus SB58 ab Bürgermeisteramt (wurde vor dem Schuljahreswechsel erst ab Bomshof eingesetzt)
2 Standardlinienbusse L55 über Nütterden Kirche und Galgensteeg, davon ein Bus direkt zur Realschule Hoffmannallee, der andere Bus fährt zum Bahnhof Kleve
1 Gelenkbus L59, durchgebunden auf die L50 zum Kellen Schulzentrum
Die Kapazitäten (insgesamt 670 Plätze) sind ausreichend, die Fahrgäste neigen allerdings dazu, den letzten Bus zu nehmen. In der Konsequenz sind die ersten Busse nicht ausgelastet, der letzte Bus hat dann Probleme, alle Fahrgäste aufzunehmen.

Ebenso neigen einige Fahrgäste dazu, an der Haltestelle Bomshof von der Linie 55 in die Linie SB58 umzusteigen. Dieser Umstieg ist unnötig, beide Busse kommen nahezu zeitgleich am Bahnhof in Kleve an, bei der Ankunft ist die L55 schwach besetzt und die SB58 deutlich stärker besetzt.

In der Ausgabe der Rheinischen Post am 02.12.2014 wurden Beispiele von betroffenen Kindern dargestellt. Die NIAG hat die Vorwürfe überprüft:

Zu Jan und Timon, die an der Haltestelle Richtersgut zusteigen:

Die Aussage, dass es beim Zustieg keinen Sitzplatz mehr gibt, ist zutreffend, jedoch besteht dieses Problem lediglich bei Abfahrt um 06:45 Uhr. Sie haben alternativ die Möglichkeit mit der SB58 um 7:11 Uhr und um 7:12 Uhr zu fahren.

Zu Robin:

Seine Fahrtstrecke betrifft die Relation Rindern -> Kranenburg, die auf Initiative des Schulleiters der Gesamtschule und in Gesprächen mit ihm, dem Schulverwaltungsamt Kleve, einem betroffenen Großvater und der NIAG durch Anpassungen zu den Herbstferien verbessert wurde:

Robin hat 15:40 Uhr (nicht 16:05 Uhr, wie in der RP mitgeteilt) Schulschluss. Er kann nahezu ohne Wartezeit um 15:53 Uhr mit der L60 zum Kleve Bahnhof fahren, und dort in einen der beiden Busse SB58 in Richtung Kranenburg umsteigen. Einer der beiden Busse auf der SB58 hat die Anweisung, auf Umsteiger zu warten. Das Düffelmobil ist ein Problem. Zur Lösung wird eine bereits angekündigte, neue Fahrt der SB58 um 16:18 ab Kleve Bahnhof nach Wyler und Durchbindung auf die L59 in Richtung Zyfflich, Niel und Mehr zum 14.12.14 eingerichtet. Diese neue Verbindung basiert auf einem Gespräch zwischen der Gemeinde Kranenburg und der NIAG.

Zu Leona:

Leona wird ab 14.12.14, wie bei Robin teilweise beschrieben, um 16:10 Uhr in die L52 einsteigen und im gleichen Bus als SB58 und 59 ohne Umstieg weiterfahren können.

Zu Rene:

Er hat diverse Möglichkeiten, am Bahnhof Kleve um 7:37 Uhr einen Bus in Richtung Haltestelle Frankenstr. zu gelangen (1 x L50 Ri. Reichswalde, 1 x L50 Ri. EOC, 2 x L56 Ri. Weißes Tor, 1 x L51 Ri. Be.-Hau). Daneben gibt es zeitgleich noch 1 x L57 Ri. Materborn über die Haltestelle Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Es folgt noch ein Bus auf der L56 um 7:52 Uhr in Richtung Weißes Tor. Die beschriebene Umstiegsproblematik ist derzeit nicht nachvollziehbar und war auch bisher nicht Inhalt der Gespräche mit der Stadt Kleve oder der Gemeinde Kranenburg.

Zu Jens:

Er hat die Möglichkeit, um 15:56 Uhr mit der L50 oder um 15:57 Uhr mit der L56 zum Bahnhof Kleve zu fahren und dort in die SB58 umzusteigen.

Zu Alena:

Sie hat bei einem Schulschluss um 14:15 Uhr die Möglichkeit, ab Kellen Offenberg die L50 um 14:50 Uhr oder die SB58 um 14:58 Uhr in Richtung Bahnhof Kleve zu nehmen. Dort kann sie mit der SB58 um 15:07 Uhr weiter nach Kranenburg fahren. Diese Fahrt wird ab dem 14.12.2014 mit einem Verstärkerbus versehen. Diese Maßnahme basiert ebenfalls auf dem Gespräch mit der Gemeinde Kranenburg. Beobachtungen auf der 15:07-Uhr-Fahrt bestätigen das stark angestiegene Fahrgastaufkommen und den hieraus resultierenden Kapazitätsmangel.

Fazit:

Das Düffelmobil führt zu einer kritischen Situation, welche durch die ab 14.12.2014 neue, durchgebundene Fahrt L52/SB58/L59 um 16:10 Uhr vom Schulzentrum Kellen über Wyler bis nach Zyfflich entschärft wird. Die Fahrt SB58 um 15:07 ab Kleve Bahnhof wird zum 14.12.14 verstärkt. Die Relation Kranenburg-Rindern und zurück ist bereits zu den Herbstferien optimiert worden und zeigt seit diesem Zeitpunkt keine Störungen mehr. Die Relation Rindern-Düffelward/Keeken (ist nicht Bestandteil des Presseartikels) wurde zeitgleich optimiert und läuft ebenfalls störungsfrei.

Alle diese Maßnahmen wurden und werden im Dialog mit den betroffenen Kommunen, Schulverwaltungsämtern und auch Schulleitern gemeinsam entwickelt. Teilweise sind sie auch Initiatoren der Optimierungsmaßnahmen, die seitens der NIAG und LOOK als ÖPNV-Dienstleister dann auch umgesetzt werden.

Die hier geschilderten Reisezeiten liegen innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen aus Schülerfahrtkostenverordnung und Schulgesetz.

In vielen Fällen handelt es sich um ein Verteilungsproblem von Fahrgästen auf die vorhandenen und ausreichenden Fahrzeugkapazitäten. Das beschriebene Phänomen, dass die Fahrgäste möglichst den spätesten von mehreren Bussen nehmen wollen, wird durch die Mitarbeiter der Betriebsleitung deutlich wahrgenommen, die fast jeden Schultag am Bahnhof in Kleve um 7:30 Uhr präsent sind und entstörend eingreifen.

Der Schulträger hat nicht die Pflicht zur Beförderung. Dies obliegt einzig und allein den Erziehungsberechtigten. Der Schulträger ist lediglich zur Übernahme von notwendig entstehenden Fahrkosten verpflichtet.

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9 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 9. Fisch

    @8. Telly

    Bitte beruhigen Sie sich!

    In den Großstädten hat mit einigen wenigsten Ausnahmen ein Schulkind auf den Weg zur Schule und zurück, in den überfüllten öffentlichen Verkehrsmitten, einen Sitzplatz……….aber das ist seit jeher absolute Normalität!

    Und je früher sich ein Kind an die Normalität der Welt gewöhnt, desto selbständiger wird der Mensch……..glauben Sie mir, das ist einfach so……… 100%!!!

     
  2. 8. Telly

    Ich habe selten so unpassende Bemerkungen gelesen.
    Was hat ein Grundschüler mit Schulpflicht (ja, auch die müssen schon fahren) mit einem 16- oder 17-jährigen Jugendlichen zu tun, der sich bewusst für eine Ausbildung in der „großen“ Stadt entschieden hat?
    Und auch der wird sich hoffentlich beschweren, wenn er ständig im Zug keinen Sitzplatz erhält, denn dann hat die Bahn falsch geplant und ohne Beschwerden ändert sich nichts!
    Und stehend im Bus über Land knattern geht m. E. für Kinder gar nicht. Aber, ich weiß, im Linienverkehr erlaubt.
    Außerdem die Eltern zahlen inzwischen, damit keiner auf die Idee kommt, die Fahrten zur Schule wären umsonst, weil das Schoko-Ticket ist verpflichtend.
    Hatten damals die Kinder auch regelmäßig bis zur 10. Stunde und die nächste Schule in Timbuktu? Ich kann mich nicht erinnern (Abi in den späten Achzigern).
    Ach ja, ich lag während der Autofahrt mit meinen Großeltern auf der Hutablage im Auto und habe da gespielt. Heute würde man diese Großeltern wahrscheinlich bei einer Kontrolle verhaften, aber immer noch stehend im Bus bei 60, 70 oder vielleicht auch etwas mehr km/h unterwegs?
    Und was kann die Generation der Kinder dafür. Sollen die statt vollem oder vorbeifahrenden Bus freiwillig laufen, oder was?
    Warum wird die Kritik so negativ gesehen? Man will nicht mehr Geld aus dem Steuersäckel. Im Gegenteil, neben den Eltern zahlt reichlich der Schulträger und dafür soll die NIAG „liefern“. Die NIAG ist mehrheitlich ein Unternehmen. 51% gehören der RHENUS VENIRO GmbH & Co. KG. Also was ist schlimm daran, dass die Gelder auch voll im Sinne der Nutzer genutzt werden und entsprechender Service gefordert wird.

     
  3. 7. Husky

    Was diese Kinder und Eltern wohl sagen wenn man dann plötzlich nach Krefeld zur Ausbildung oder Schule muss und um 5 Uhr aus dem Haus muss?

     
  4. 6. wilhelmIII

    ###“Der Schulträger hat nicht die Pflicht zur Beförderung. Dies obliegt einzig und allein den Erziehungsberechtigten. Der Schulträger ist lediglich zur Übernahme von notwendig entstehenden Fahrkosten verpflichtet”.###

    Was wäre denn, wenn die Eltern einen eigenen Fahrdienst organisieren? Würden sie dann auch den Satz für den öffentlichen Nahverkehr bekommen?

    Kennt sich da jemand aus?

     
  5. 5. Fisch

    Merkwürdige Generation!

    In den Großstädten sind die meisten Kinder pro Schulweg ca. 1 Stunde! mit ev. 2-3x umsteigen, unterwegs…….

    Da war und ist es angesagt, dass die Schüler/Innen bei Unterrischtsbeginn 8:00 Uhr um 7:45 Uhr auf dem Schulhof sind……….und das funktioniert einfach so ohne Gemeckere!!!

     
  6. 4. willi winzig

    Früher waren die Grundschulen auch noch in den Dörfern zu finden! In jüngster Zeit hat die Stadt Kleve aber die Schulen unteranderem in Keeken, Donsbrüggen sowie demnächst in Griethausen dichtgemacht. Der Autoverkehr war zudem vor 20, 30 Jahren ein anderer als heute.
    (Müssen Kinder auch heuer noch) unerbittlich jeden morgen zu Fuß von Bimmen aus Richtung Grundschule Rindern, damit (sie) nicht verhätschelt unter einer sozialen Käseglocke aufwachsen müssen?

     
  7. 3. Thorsten Bankmann

    Wie sind wir früher nur zurecht gekommen?
    Weiter die Kinder verhätscheln und Mama- und Papa-Taxi spielen?
    Das Sozialverhalten wird dadurch gestärkt, in der Gruppe unterwegs zu sein und nicht dadurch, dass Eltern ihre Kinder unter eine Käseglocke stellen

     
  8. 2. Telly

    Wenn man dies liest platzt einem fast das Hemd. Ich kann fast nicht glauben, was da steht. Wie kann der Bürgermeister zulassen, dass ein Schreiben in dieser Form sein Haus, wenn auch nur elektronisch, verlässt.

    Zitat „Ebenso neigen einige Fahrgäste dazu, an der Haltestelle Bomshof von der Linie 55 in die Linie SB58 umzusteigen. “ In diesem Zusammenhang von Fahrgästen zu sprechen zeigt die Intention des Verfassers. Es sind Kinder! Und natürlich nehmen diese morgens möglichst den letzten Bus um noch gerade pünktlich zur Schule zu kommen. Wahrscheinlich handelte der Verfassers dieser Antwort als Kind ähnlich. Sollen die Eltern sich absprechen und Ihre Kinder für die verschiedenen Abfahrtszeiten einteilen? Vielleicht sollten die Busse einfach gleichzeitig ankommen, damit man sich verteilen kann.

    „Der Schulträger hat nicht die Pflicht zur Beförderung. Dies obliegt einzig und allein den Erziehungsberechtigten. Der Schulträger ist lediglich zur Übernahme von notwendig entstehenden Fahrkosten verpflichtet.“
    Was heißt das denn? Wir Eltern sollen dankbar sein, weil wir seit mehreren Jahren für das Schoko-Ticket zahlen und der Schulträger so gnädig ist, die Schüler zu transportieren.
    Wahrscheinlich sind wir noch selbst Schuld, da wir ja auf dem Land wohnen. Und außerdem muss die Stadt Kleve ja hier für Schüler aus anderen Städten und Gemeinden zahlen, dann sollte man wohl erst recht dankbar sein!?
    Also Dankbarkeit zeigen und ruhig sein!
    Was wäre denn die Alternative? Eltern bringen mit dem eigenen PKW die Kinder zur Schule. Na prima, noch mehr Rush-Hour an der Schule.

    Das Problem ist im Kern, dass im Linienverkehr (denn dies ist es und i. d. R. kein Schüler- bzw. Sonderverkehr) die Personenbeförderung auch mit stehenden Kindern durchgeführt werden darf. Hätte, wie im Fernverkehr, jeder einem Sitzplatz, wäre die Sicherheit erhöht und das Gedränge verhindert. Ja, das kostet!
    Aber im PKW ist alles mögliche wie Kindersitze u. ä. vorgeschrieben und im Bus wird über Land stehend gefahren. Dies ist ein Missverhältnis, aber hier ist der Gesetzgeber gefragt.

    Das es wirklich so überfüllt zugeht, wie im Artikel vom 02.12.2014 beschrieben , kann man auch in anderen Städten und Gemeinden des Kreises beobachten, trotz versprochener Verbesserung nach Einführung des Schoko-Tickets. Welches übrigens mangels Angebot des ÖPNV in den Dörfern auch für die Freizeit nichts, aber auch gar nichts gebracht hat, außer sichere Einnahmen als eine Säule für die NIAG.
    Also es ist genauso gekommen, wie vor rund 3 Jahren vor Einführung des Schoko-Tickets nach massiven Protest befürchtet würde. Nach 2 Jahren wurde auch nicht merkbar evaluiert, wie es versprochen war.
    Das Thema wird hoffentlich noch hochkochen, auch in anderen Städten und das zu Recht, denn es ist ein tägliches Ärgernis und nun sind auch andere Eltern „wachgeworden“. Sollen die Schulträger und NIAG meinetwegen glauben, sie machen alles richtig. Ich empfehle, einfach mal morgens mitfahren.

    Die Sache mit dem Maxi-Train in Goch im letzten Jahr war in dieser Angelegenheit auch bezeichnend.

     
  9. 1. R K H

    Hallo, „Der Schulträger hat nicht die Pflicht zur Beförderung. Dies obliegt einzig und allein den Erziehungsberechtigten. Der Schulträger ist lediglich zur Übernahme von notwendig entstehenden Fahrkosten verpflichtet“. Hier müssten Zahlen folgen. Einerseits verlangt der Schulträger eine zügige Wissensvermittlung, andererseits beschwert er sich über Eltern die im Halteverbot stehen (müssen), um morgens Kinder pünktlich zum Unterricht zu bringen, damit man nicht alle täglich um viertelnachsechs aufstehen müssen um einen Bus um sieben zu erreichen, damit man um acht in der Schule ist. Bis zu welchem Haushaltseinkommens werden die Kosten erstattet? Ab wann bekommt man garnichts mehr? Ist die Schülerbeförderung eine bequeme Einnahmequelle für den subventionierten ÖPNV (se müssen ja mit uns). Hier macht es sich m.E. der Träger zu leicht