Aus der gastronomischen Welt: Dislike, Abmarschställchen, New Live, iMixit

rd | 30. Mai 2016, 08:55 | 15 Kommentare

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Alkohol ist keine Lösung, doch für diejenigen unter uns, die bisweilen etwas unvernünftig sein möchten und schon ganz früh oder noch ganz spät ein gepflegtes Pils zu sich nehmen wollen, ist diese Nachricht aus der gastronomischen Welt Kleves nichts anderes als ein Leberhaken: Die Gaststätte Marställchen in der Schlossstraße, erste Adresse für das 11-Uhr-Pils, hat seit Anfang Mai geschlossen. Es ist das – zumindest vorläufige – Ende einer Kneipeninstitution. Anfang der Achtzigerjahre hatte Bernhard Fluck das Lokal gegründet, das Konzept war minimalistisch: Im Grunde handelt es sich bei der Gaststätte um einen großen Tresen, der allen Zechern kurze Wege zum Getränk garantierte. Später wechselte das Geschäft den Besitzer. Es gab Versuche, sich ein jüngeres Publikum zu erschließen, unter anderem machte die Kneipenrallye für Erstsemester der Hochschule Rhein-Waal eine Zeit lang auch im Marställchen Station – doch eigentlich waren dort eher ewige Studenten die treuen Kunden. Der letzte Wirt, so war zu vernehmen, zahlte die Miete nicht mit der Regelmäßigkeit, die der Besitzer erwartete. Andere Stimmen verweisen auf eine nur schwach ausgeprägte Bereitschaft des Vermieters, die Immobilie instandzuhalten. Ein Nachmieter wird gesucht, die Pacht beträgt 1450 Euro monatlich.

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Jedem Ende wohnt ein Anfang inne, das gilt auch in der Schlossstraße: Zwei Ladenlokale oberhalb des Marställchens, dort, wo Pia Wucherpfennig (jetzt Pias, Kavarinerstraße) einige Zeit das Café Zeit betrieb, eröffnet am Donnerstag, 2. Juni das Lokal Mixit, das neben Sky-Empfang und freiem WLAN „coole Cocktails & hausgemachte Shots“ verspricht, wie ein ins Fenster geklebter Flyer verkündet. Man muss heutzutage nicht mehr alles verstehen, deshalb sei hier nur kommentarlos weitergegeben, dass die Happy Hour um achtzehn Uhr beginnt und ein offenes Ende hat. Ergänzt wird dieses Angebot durch eine „Pitcher Hour“, was immer das ist, die um einundzwanzig Uhr beginnt und drei Stunden anhält.

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Das Zeitliche gesegnet hat das Café Like (ehemals Franziskaner, ehemals Flöns & Schmöker, ehemals Bayernstadl), welches in der Klever Gastronomiegeschichte nur in Erinnerung bleiben wird wegen der denkbar unpraktischsten Art, einen Deckel zu schreiben (der vorgedruckte Zettel enthielt Kästchen mit verschiedenen Cent- und Eurobeträgen, so dass beispielsweise für eine Bestellung im Wert von 1,80 Euro Kreuze in den Kästchen für 10, 20 und 50 Cent sowie in dem für einen Euro gemacht werden mussten – darauf muss man erst mal kommen.

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Neues Leben hingegen im Café Live, das einst als erste Studentenkneipe der Stadt gestartet war, dann aber trotz polyglotten Persaonals nicht recht vom Fleck kam. Nun nennt die Lokalität an der Hafenstraße sich Amsterdamer Grillhaus, womit vermutlich den niederländischen Besuchern der Stadt auf dem Weg zum Parkplatz schon ein wenig Heimatflair vermittelt werden soll.

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15 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 15. Nobody

    @13. Andre Gerritzen

    „Es gibt zahlreiche Klever Bürger, die gerne um 22:00 ihr Ohr aus dem Fenster halten………. “

    Ja, das ist leider genau so! 🙁

     
  2. 14. rd

    Der Vorsprung von kleveblog wird knapper, aber er hält: 39 Stunden und 5 Minuten, nachdem hier veröffentlicht wurde, dass das Marställchen geschlossen hat und nebenan das Lokal Mixit eröffnet, berichtet die RP, dass das Marställchen geschlossen hat und nebenan das Lokal Mixit eröffnet: http://m.rp-online.de/nrw/staedte/kleve/eine-kneipe-schliesst-eine-cocktailbar-oeffnet-aid-1.6012641.

    Hinweis an die Kollegen: Bitte beim Übernehmen von Textpassagen bitte keine Fehler einbauen, das fällt auf mich zurück:

    kleveblog:

    Zwei Ladenlokale oberhalb des Marställchens, dort, wo Pia Wucherpfennig (jetzt Pias, Kavarinerstraße) einige Zeit das Café Zeitbetrieb, eröffnet am Donnerstag, 2. Juni das Lokal Mixit…

    RP:

    An der Schloßtorstraße, dort wo ehemals das Café Zeit von Pia Wucherpfennig war, eröffnet in Kürze die Cocktailbar „Mixit“.

    Es handelt sich um die Schlossstraße, auch wenn Google etwas anderes sagt.

     
  3. 13. Andre Gerritzen

    @11
    Dann kann das Ordnungsamt ihm ja die zusätzliche Nutzung und die damit verbundene Lärmentwicklung untersagen.
    Es gibt aber zahlreiche Klever Bürger, die gerne um 22:00 ihr Ohr aus dem Fenster halten und sobald sie irgendwas hören können, die Polizei rufen.
    Die Kontrollieren nicht ob die Beschwerde wegen Lärmbelästigung begründet ist, sondern Befehlen nur „Musik aus“.

    Es gibt Grenzwerte, Messvorschriften und Schulungen um zu bestimmen ob eine Lärmbelästigung/Überschreitung des Lärmwerte vorliegt. Damit kennt sich in Kleve aber keiner aus.

     
  4. 12. Tembaco

    @ 11
    …..am besten den Bierkeller wieder aktivieren…..was gibt’s im Sommer schöneres als ein kühles Plätzchen😉

     
  5. 11. Markus van Appeldorn

    @9 Andre Gerritzen

    Das liegt freilich auch mitunter daran, dass manche Wirte dazu neigen, im Erfolgsfall ihr Geschäftslokal auf Öffentliche Flächen auszudehnen. Das heißt, der Wirt streicht gerne den Ertrag ein, die mit der Geschäftstätigkeit verbundenen Lärmemissionen sollen aber andere erdulden.

     
  6. 10. Husky

    Und dann wird sich wieder Aufgeregt wenn junge Erwachsene einfach so irgendwo Feiern …

     
  7. 9. Andre Gerritzen

    Und läuft ein Laden mal gut, kommen die Anwohner und sorgen dafür das da bald Schluss ist.
    Das Schicksal hat in Kleve schon einige ereilt.
    Und wenn Wohnbebauung jetzt schon in Gewerbegebieten genehmigt wird, darf man bald nach 22:00 nirgendwo mehr hin können.

     
  8. 8. Zampano

    @7

    bin ja kein Poet, will auch keiner sein
    nun ja

    Kneipen kommen und gehen
    die Leerstände bleiben bestehen
    willst du verweilen am Tresen
    brauchste Spesen oder Moneten
    sonst der Wirt kann nur noch beten

     
  9. 7. Markus van Appeldorn

    Zampano, Ihr Gedicht ist es geht so. Aber rd ist auch ein mieser Poet.

     
  10. 6. Zampano

    @5
    so direkt habe ich das nicht gemeint…
    Man(n) geht heute nicht mehr so in die Kneipen, wie vor 20 Jahren noch!
    Mein Opa ging noch zum Frühschoppen.
    Heute geht man früh (shoppen). Klick klick kauf…heute bestellt,morgen kein Geld aber gleich schon da, ach wie wunderbar!

    Bier,Korn,Schnaps und Wein lassen wir heute sein
    Joghurt,Bio und Dextrose so bleibt das Geld auch in der Hose

    Gesund wir sind und ohne Tanz
    so bekommen die Kneipen heute einen Kranz

    wenn wir wollen jemand kennenlernen
    die Tastatur müssen wir erlernen

    das sprechen aber nicht
    so war´s früher noch am Stammtisch

     
  11. 5. Markus van Appeldorn

    @4 Zampano

    Klar, heute geht man nicht mehr ins Marställchen, sondern ins Internet. Vielleicht könnte ein vorgeschriebener Mindestverzehr im Internet ja dazu beitragen, die Kneipenkultur zu beleben.

     
  12. 4. Zampano

    ich glaube einfach, dass das Kneipen/Disco sterben mit unserer Zeit zu tun hat. Wir gingen halt früher dorthin, heute hat man Internet und geht nirgendwo hin…man Whats apped oder Facebooked oder Pinterested oder you tubed…!
    Alles hat ein Ende, dieses Ende ist leider Bullshit, da keiner mehr miteinander spricht sondern nur noch übereinander schreibt-ohne Bierchen!
    Die einzige Ausnahme die „ich“ kenne, ist der Prinzenhof und das Radhaus

     
  13. 3. Günter Hoffmann

    Klever Kneipen Kultur ?… ganz großes Kino….wer über Klever Butter eine Doktor Arbeit schreiben konnte der hätte zum Thema Historie der Klever Kneipen garantiert auch ein „schönes“`dankbares Thema denn das passt sicher auch zum ehemaligen Industrie Standort Kleve mit allen “ up`s and down`s “ für die ehemaligen Protagonisten.

     
  14. 2. rd

    Danke, Markus!

     
  15. 1. Markus van Appeldorn

    Ich nehme an, das Café Like war der wahre Initiator der epochemachenden Klever Kleingeld-Kampagne, damit sie nicht noch Felder für 1-, 2- und 3-Cent-Beträge brauchten. rd, Pitcher bezeichnet übrigens die Position des Werfers beim Baseball, im gastronomischen Gebrauch aber eher einen gläsernen Schankkrug mit etwa zwei Liter Fassungsvermögen – in aller Regel für Bier. Übliches Ausschank-Gemäß in Sportbars amerikanischen Zuschnitts, das tischweise mit mehreren Gläsern serviert wird, also etwa dem – freilich bereits portionierten – „Meter Bier“ vergleichbar.