Speichen sollst du weichen!

rd | 21. Februar 2017, 14:54 | 4 Kommentare

Die Ringstraße auf dem Weg zur radfahrerfreundlichen Verkehrsader, Etappe 1: Fort mit den Bäumen!

USK-Sägen auf all deinen Wegen: Radfahrers Freud, Laubbaums Leid (Foto: B. Pauls)

USK-Sägen auf all deinen Wegen: Radfahrers Freud, Laubbaums Leid (Foto: B. Pauls)



So viel passiert meistens doch nicht

rd | 21. Februar 2017, 10:09 | 5 Kommentare

Every NYT front page since 1852 from Josh Begley on Vimeo.

Alle Titelseiten der New York Times seit 1852 im 52-sekündigen Schnelldurchlauf…



Schulentwicklung: 4 Kisters-Züge, und alles wird gut?

rd | 20. Februar 2017, 18:30 | 8 Kommentare

Die aktuelle Pressemitteilung der Stadt Kleve – vier Züge an der Karl Kisters Realschule als Happy End?

Auf der Grundlage der derzeitigen Diskussionen in der Elternschaft, Politik und Verwaltung, angesichts der nun aktuellen zu verteilenden  537 Schülerinnen und Schülern wird die Bürgermeisterin Sonja Northing von der ihr eingeräumten Befugnis, im Schuljahr 2017/2018 an der Karl Kisters Realschule vier Eingangsklassen festzusetzen, Gebrauch machen. Die Bürgermeisterin möchte die in ihrer Entscheidungsbefugnis bestehenden Möglichkeiten ausschöpfen und dem Elternwillen Rechnung tragen.
Der Rat der Stadt Kleve hatte am 09.11.2016 und 28.11.2016 folgende Zügigkeiten festgelegt
Die Karl Kisters Realschule wird dreizügig

Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium bleibt dreizügig

Das Konrad-Adenauer-Gymnasium bleibt dreizügig

Die Gesamtschule Rindern wird fünfzügig

Die Sekundarschule wird zum 01.08.2017 in eine fünfzügige Gesamtschule umgewandelt
Für die zu verteilenden 537 Schülerinnen und Schüler ist eine Klassenfrequenzstärke von 27 zugrunde zu legen und ermöglicht bei einem errechneten Wert von 19,88 die Bildung von mehr als die festgelegten 19 Eingangsklassen. Daher ist eine Vierzügigkeit der Karl Kisters Realschule möglich 
Für weitere Eingangsklassen ist ein entsprechender Ratsbeschluss erforderlich, welcher der Rat der Stadt Kleve in einer Sondersitzung am 02.03.2017 herbeiführen könnte. Die Bürgermeisterin hat in diesem Fall keine eigene Entscheidungsbefugnis und ist somit an den Beschluss des Rates der Stadt Kleve vom 09.11.2016 gebunden. Eine andere Zügigkeit ist daher nur im Wege eines neuen Ratsbeschlusses möglich.
Die im Ratsbeschluss vom 28.11.2016 festgelegte Voraussetzung, dass 21 Züge für die weiterführenden Schulen notwendig sind, könnte dadurch erreicht werden.


Schul-Lotto stoppen! Eltern schreiben offenen Brief, planen Demo vor Rathaus

rd | 20. Februar 2017, 12:42 | 14 Kommentare
Vieles hat sich geändert, seit die Niederrheinische Schulbankfabrik Heinrich Hübecker Anfang des 20. Jahrhunderts ihre „schwellenlose Schulbank“ auf den Markt brachte. Schwellen und Hemmschwellen, so scheint es, gibt es trotz weiter veränderten Mobiliars immer noch

Vieles hat sich geändert, seit die Niederrheinische Schulbankfabrik Heinrich Hübecker Anfang des 20. Jahrhunderts ihre „schwellenlose Schulbank“ auf den Markt brachte. Schwellen und Hemmschwellen, so scheint es, gibt es trotz weiter veränderten Mobiliars immer noch

52 Kinder aus Kleve, Kranenburg und Bedburg-Hau werden im Sommer nicht auf die Schule gehen können, die die Eltern für sie wünschen. Das ist knapp jeder zehnte Schüler, eine ganze Menge also. Statt dessen, so die Stadt Kleve in einer Pressemitteilung von vergangener Woche, „haben [die Eltern] die Möglichkeit, ihr Kind bis zum 03.03.2017 an der Gesamtschule in Kleve-Rindern oder der Gesamtschule Oberstadt anzumelden“.

Dieser Hinweis aber löste ein Beben aus – vielleicht am besten zu ersehen an einem offenen Brief, den Eltern versandten und der deshalb hier in voller Länge nachzulesen ist:

Willkommen bei der Schullotterie – Klever Stadtrat spielt das „Spiel des Lebens“ mit 300 Grundschülern!!!

Wer in Kleve schulpflichtige Kinder hat, benötigt schon eine hohe Frusttoleranz und eine große Leidensfähigkeit. Die Schulpolitik in Kleve erscheint doch vielen mehr wie eine Achterbahnfahrt als ein durchdachtes Konzept von schulischen Möglichkeiten. Von hü nach hott, von links nach rechts und dann wieder eine Kehrtwende. Und wir Eltern sollen treu und möglichst still allen Wendungen folgen!

Erst werden gut funktionierende Schulen abgeschafft, dann eine neue Sekundarschule eröffnet und bevor sich diese etablieren kann, wird sie wieder abgeschafft, oder nein, erweitert und umbenannt in Gesamtschule, die aber von Eltern gar nicht gewünscht wurde. Planungssicherheit für die Schülerinnen und Schüler, für Eltern, für Lehrer und Schule: Fehlanzeige! Der Elternwille zählt – nur in Kleve nicht?! Das Affentheater im November in der Diskussion um die Sekundarschule ist uns allen noch sehr präsent.

Der Eindruck eines schlechten Treppenwitzes verstärkt sich jetzt wieder. Da wird der Realschule zugesichert, bei entsprechender Anmeldezahl vierzügig zu laufen, dem Freiherr- vom-Stein-Gymnasium wird es – wie in den letzten Jahren – ebenfalls in Aussicht gestellt und auch  die Gesamtschule in Rindern konnte von einer 6-Zügigkeit ausgehen. So ein entsprechender Ratsbeschluss mit einer beiläufigen Ausstiegsklausel. Und jetzt – die Anmeldezahlen sprechen eine mehr als deutliche Sprache, gelten Zusagen von jetzt auf gleich nicht mehr. – Dass es für etwa 50 Kinder am Ende heißen wird: „Schade, leider verloren, aber auf diese Schule kannst Du jetzt nicht gehen!“

Und dass bis dahin etwa 300 Familien in völliger Unsicherheit darüber gelassen werden, ob ihr Kind nicht eines von 50 ist. Das Losverfahren entscheidet dann, welche Schule es wird? Aber in der Lostrommel befinden sich keine Zettel, sondern junge, „echte“ Menschen, mit deren Biographien bereits jetzt „Das Spiel des Lebens“ gespielt wird: „Gehen Sie nicht über Los, ziehen Sie nicht…“

Monatelang haben sich Kinder, Eltern und Lehrer Gedanken über die richtige Schule gemacht. Grundschullehrer haben die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Gutachten dokumentiert und in Gesprächen zur richtigen Schulform beraten. Die weiterführenden Schulen haben beim Tag der offenen Tür ihre Profile und Angebote dargelegt. Die Individualität der Schulen hat bei den Eltern und ihren Kindern zu der Entscheidung geführt, sich an „ihrer“ Wunschschule anzumelden.

All das spielt nun keine Rolle mehr. Das Los entscheidet.

Damit nicht genug: Diese Entscheidung wird „Schule machen“, sich etablieren und auch 2018, 2019 und alle folgenden Jahrgänge betreffen. Die Konsequenz daraus: Achtjährige oder neunjährige Schulzeit? – Das Los entscheidet! Ganztag oder Halbtag? – Das Los entscheidet! Geschwisterkinder auf zwei oder mehr Schulen? – Das Los entscheidet! Wir fordern: Kein Lotteriespiel mit unseren Kindern! Machen Sie Ihre Entscheidungen rückgängig!

Für besorgte Eltern: Familie Bleckmann, Chris Feige, Familie Spicker, Familie Lachmann, Familie Lange, Bettina Gerlach, Familie Heyne uvm

Die Demonstration der Eltern soll am Dienstag um 15 Uhr vor dem Interimsrathaus stattfinden.

Hier zur Dokumentation die Pressemitteilung der Stadt Kleve:

Schulentwicklung – Zügigkeiten der weiterführenden Schulen für das Schuljahr 2017/2018

Am 10.02.2017 endete das Anmeldeverfahren der weiterführenden Schulen in Kleve. Nach Auswertung der Zahlen mit den Schulleitungen der weiterführenden Schulen unter dem Vorsitz der Bürgermeisterin Sonja Northing wurden die vom Rat der Stadt Kleve am 09.11.2016 und 28.11.2016 festgelegten Zügigkeiten der weiterführenden Schulen wie beschlossen umgesetzt.

  • Die Karl Kisters Realschule wird dreizügig
  • Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium bleibt dreizügig
  • Das Konrad-Adenauer-Gymnasium bleibt dreizügig
  • Die Gesamtschule Rindern wird fünfzügig
  • Die Sekundarschule wird zum 01.08.2017 in eine fünfzügige Gesamtschule umgewandelt

565 Schülerinnen und Schüler aus Kleve, Kranenburg und Bedburg Hau sind an den weiterführenden Schulen aufzunehmen. 34 Schülerinnen und Schüler haben sich an Schulen außerhalb von Kleve angemeldet bzw. sind aus Kleve verzogen. 15 Schülerinnen und Schüler sind aus anderen Gemeinden in Kleve angemeldet worden. Somit sind insgesamt 546 Schülerinnen und Schüler zu verteilen.

Für diese zu verteilenden 546 Schülerinnen und Schüler ist eine Klassenfrequenzstärke von 27 zugrunde zu legen und ermöglicht bei einem errechneten Wert von 20,22 die Bildung von lediglich 20 Zügen. Die Aufnahme eines vierten Zuges durch die Karl Kisters Realschule wäre nur bei der erforderlichen Bildung von 21 Zügen möglich gewesen.

Die Anmeldezahlen für das Freiherr-vom-Stein Gymnasium (103), das Konrad-Adenauer-Gymnasium (100) und die Karl Kisters Realschule (110) sind mehr als ausreichend, so dass der Ratsbeschluss vom 09.11.2016 hinsichtlich einer Dreizügigkeit umgesetzt werden kann. Die Schulleitungen werden nun die jeweiligen Anmeldungen sichten und die Zusagen in der kommenden Woche verschicken. Aufgrund der Begrenzung auf die Dreizügigkeit können, obwohl die Schulen bis zur Kapazitätsgrenze in Höhe von 29 Schülerinnen und Schüler je Eingangsklasse aufnehmen werden, nicht alle Anmeldungen (52) eine Zusage erhalten.

Die Eltern, die darüber informiert werden, dass ihr Kind nicht an der gewünschten Schule angenommen werden kann, haben die Möglichkeit, ihr Kind bis zum 03.03.2017 an der Gesamtschule in Kleve-Rindern oder an der Gesamtschule Oberstadt anzumelden.

Die beiden Gesamtschulen können gemäß Ratsbeschluss vom 09.11.2016 jeweils fünf Eingangsklassen bilden. An der Gesamtschule Kleve-Rindern haben sich 114 und an der Gesamtschule Oberstadt 92 Schülerinnen und Schüler angemeldet.


Dr. Heinrich Martens, 1932-2017

rd | 18. Februar 2017, 13:13 | 15 Kommentare
Dr. Heinrich Martens (Foto: Familie)

Dr. Heinrich Martens (Foto: Familie)

Dr. med. Heinrich Martens kannte mich lange Jahre besser als ich mich selbst, davon gehe ich zumindest aus. Für mich, als Kind, gab es Gott – der wusste alles –, dann kam lange nichts, und dann kam Dr. Martens. Meine Eltern wandten sich frühmorgens oder spätabends an ihn, wenn ich fieberte oder hüstelte. Selbstverständlich war er auch nach Praxisschluss zu Hause privat erreichbar, wenn die Eltern im Angesicht eines wimmernden Kindes nicht mehr weiter wussten. Es konnte gut sein, dass er sich dann noch eben in seinen silbernen Mercedes setzte und das Haus des Patienten ansteuerte, um persönlich den Genesungsprozess in Gang zu setzen.

Meiner Erinnerung nach, die an dieser Stelle zugegebenermaßen anekdotisch ausfällt, ließen sich die meisten Leiden meiner Kindheit mit drei Varianten von Säften behandeln: Melrosun, Gelonida und Ferro infant. Die Wahl zwischen den ersten Säften wurde getroffen, je nachdem, ob meine Mutter „etwas Natürliches“ einforderte oder die scheinbare Schwere der Erkrankung den Einsatz von „Chemie“ nötig machte. Manchmal wurde mir im Labor per Piekser in den Zeigefinger Blut entnommen. Wenn die Probe mal wieder zu wenig Eisen enthielt, erhielt ich „Ferro infant“.

Dr. Martens arbeitete und arbeitete und arbeitete.

Eine Serie von Hausbesuchen absolvierte er vor der morgendlichen Sprechstunde, eine weitere vor der nachmittäglichen. Das Wartezimmer war immer voll, meine Mutter gab mir den Tipp, so lange wie möglich die Kindersprechstunde am Dienstag zu nutzen – „da kommst du schneller dran“. Irgendwann wurde das natürlich peinlich, und ich wechselte in die Welt der Großen, inklusive der großen Welt, die sich mir darbot in den Zeitschriften des Lesezirkels. Ich bevorzugte die Illustrierte „Quick“ und war immer etwas vergrätzt, wenn ein anderer Patient sie mir weggeschnappt hatte.

Die Wartezeiten erschienen mir jungem Mann schier unendlich. Termine wurde nicht vergeben, es ging stur der Reihe nach, was dazu führte, dass es frühmorgens regelrecht einen Wettlauf zum Wartezimmer gab, das geraume Zeit vor Beginn des eigentlichen Praxisbetriebs geöffnet wurde.

Der Heilungsprozess setzte ein, sobald die Sprechstundenhilfe den Namen ins Wartezimmer rief. Auch im Vorzimmer herrschte ein lebhafter Betrieb. Zwei rote Stühle vor den Behandlungszimmern waren die nächste Etappe, die es zu erobern galt. Sie waren die Vorstufe zu dem Eintritt in eines der beiden Sprechzimmer, die durch eine Verbindungstür getrennt waren, sodass Dr. Martens hin- und herwirbeln konnte.

Saß man – endlich – in einem der beiden Behandlungszimmer, schweifte der Blick über dicht gefüllte Bücherregale mit medizinischer Fachliteratur. Man wusste sofort: Hier kann mir nichts Schlimmes passieren! Dann rauschte auch schon die Verbindungstür auf. Und rumms!, schloss sie sich hinter Dr. Martens, der unter seinem weißen Kittel gerne einen gelben Pullunder mit V-Ausschnitt trug.

Ein fester Händedruck, ein freundlicher Blick, Oberkörper freimachen, kurz abhorchen oder abtasten – all dies in dem sicheren Gefühl, das vor einem der versierte Körperfachmann stand, der das schwächelnde Gewebe zu reparieren verstand. Dr. Martens nahezu unveränderlicher Gemütszustand war unverwüstliche Zuversicht. In Windeseile stand die Diagnose – natürlich nichts Ernstes, kein Krebs, Gott sei Dank! –, ein Rezept wurde ausgestellt und man war wieder auf dem Rückweg in die glückliche Gemeinschaft der Gesunden.

In meinen Jungmannjahren gab es bei meinen Besuchen in der Praxis stets noch ein, zwei freundliche Sätze für den weiteren Lebensweg. Beispielsweise erinnere ich mich, wie Dr. Martens, frisch zurückgekehrt von einer Reise nach China, mir berichtete, dass dort der Kommunismus die einzig mögliche Herrschaftsform sei. Oder, dass er abends vor dem Schlafengehen noch stets eine Stunde lese, was er auch mir empfahl – und was mir angesichts seines Arbeitspensums geradezu phänomenal erschien.

Nur wenig war bekannt über den privaten Menschen Dr. Martens. Er sammelte Oldtimer, jede Form von Luxus aber blieb ihm zeitlebens fremd. In den Pausen des Praxisbetriebs konnte man ihm schon mal eine Zigarette rauchen sehen. Manchmal fuhr er mit Klever Freunden auf die Lofoten, um dort auf hoher See zu angeln. Als es ihm noch besser ging, spazierte er auch gerne sonntags durch den Klever Forstgarten, in Begleitung seiner Frau Adelheid, ebenfalls Ärztin und auch in der Praxis aktiv.

Vor vielen Jahren erlitt Dr. Martens einen schweren Herzinfarkt und musste wochenlang in Aachen im Uniklinikum behandelt werden. Aber er erholte sich davon und arbeitete einige Zeit später wieder wie gewohnt.

Heinrich Martens stammte aus einfachen Verhältnissen, Kinderfreunde aus Kleve nannten ihn wegen seiner roten Haare und nach der Familie seiner Mutter „de rooie Does“. Er studierte nach dem Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Köln und Freiburg Medizin und arbeitete zunächst in Krankenhäusern in Freiburg, Heinsberg und Paderborn, bevor er 1963 seine Praxis an der Hoffmannallee eröffnete. Vor einigen Jahren übergab er sie an seinen Sohn Christian.

Zehn Tage vor seinem 85. Geburtstag ist Heinrich Martens in der vergangenen Woche nach einem erfüllten Leben friedlich entschlafen. Er hinterlässt Frau und drei Kinder. Über seine Todesanzeige stellte die Familie den lateinischen Sinnspruch „Aliis inserviendo cresco, floreo“. Übersetzt heißt das: Indem ich anderen diene, wachse und blühe ich.

Dr. Martens war nicht ein Hausarzt, er war der Hausarzt schlechthin.


Wohin am Wochenende? (7)

rd | 17. Februar 2017, 14:46 | 1 Kommentar
Fehlt wegen einer Muskelverletzung, hätte also Zeit, ins Museum zu gehen: Merkur-Point-Guard Artur Kerenker (Foto: Klaus-Dieter Stade/Rheinische Post)

Fehlt wegen einer Muskelverletzung, hätte also Zeit, ins Museum zu gehen: Merkur-Point-Guard Artur Kerenker (Foto: Klaus-Dieter Stade/Rheinische Post)

(Achtung, Termin Puppa korrigiert, ist bereits heute) Freunde der schönen Künste, die sich zudem an athletischen Männerkörpern delektieren, gerne mal ein bisschen Blues hören – und im Akkordeon das „männliche Prinzip“ erkennen, werden an diesem Wochenende schier verrückt! (Wenn sie es nicht schon sind.)

Der Reihe nach:

Freitag, 19:30 Uhr: Salon der Künstler (Museum Kurhaus)

Alle fünf Jahre präsentiert das Museum Kurhaus einen Querschnitt durchs hiesige Kreativpotenzial, wobei „hiesig“ mit künstlerischer Leichtigkeit definiert wird – beispielsweise hat die Barbara Schroeder, eine der ausgewählten Künstlerinnen, zwar Klever Wurzeln, lebt aber seit vielen Jahren in der Nähe von Bordeaux. Ausgewählt wurden die Künstler von einer vierköpfigen Jury (Bettina Paust (Museum Schloss Moyland), Stephan Mann (Museum Goch), Harald Kunde (Museum Kurhaus Kleve) und Susanne Figner (Museum Kurhaus Kleve)), zu sehen sind neben der bereits erwähnten Barbara Schroeder Rita Beckmann, Jacintha Bierens, Britta Bogers, Monika Buchen, Zhenia Couso Martell, Brigitte Dams, Eun Young Lee, Caroline Koenders, Malte Lambert, Anke Land, Pier Pennings, Miranda Rikken, Lique Schoot, Elly Sloep, Barbara Schroeder und Dini Thompsen. Die Eröffnung ist am Freitagabend um 19:30 Uhr, die Ausstellung selbst wird bis zum 1. Mai zu sehen sein. Einen guten Überblick liefert der Artikel von Claudia Groenewald in der NRZ: Museum Kurhaus macht die Poesie des Alltags sichtbar.

Freitag, 21 Uhr: Harp Mitch (Tanzpalast Bresserberg)

Der Niederländer zelebriert seit vielen Jahren als Harpplayer mit exzellenter Band den Blues aus den letzten 50 Jahren. Von den Blueslegenden Little Walter, George „Harmonica“ Smith bis hin zu der neuen Generation wie Rod Piazza und Rick Estrin sowie eigenen Kompositionen weiß er sein Publikum zu begeistern. Der Einlass ist bereits um 20 Uhr. Die Eintrittskarten sind unter anderem bei der Tourist Info erhältlich. (Eine Veranstaltung der Klangfarbe, Eintritt 10 Euro (Vorverkauf), 12 Euro (Abendkasse))
Samstag, 18:15 Uhr: VfL Merkur Kleve – TG Düsseldorf II (Stein-Gymnasium)

Gerne erinnert sich die Mannschaft des VfL Merkur Kleve noch an ihren ersten von insgesamt (bisher) drei Saisonsiegen: Zu fünft, in kleinstmöglicher Besetzung also, war man nach Düsseldorf gefahren, und einer der fünf Spieler war noch eine Ergänzung aus der zweiten Mannschaft, der dort kaum eingesetzt worden war. Das Ziel war: irgendwie die 40 Minuten herumkriegen, Hauptsache, den Punktabzug fürs Nichtantreten vermeiden! Stattdessen besiegte die Klever Rumpftruppe die TG Düsseldorf II. Jetzt steht das Rückspiel in heimischer Halle an. Es dürfte genauso spannend werden, denn sowohl die Klever wie auch die Düsseldorfer zeigten sich in den letzten Begegnungen deutlich verbessert. Das Spiel beginnt um 18:15 Uhr, wer nicht live in der Halle sein kann, kann das Spiel auch mit dem WBV-League-Pass online schauen.
Sonntag, 18:00 Uhr: Schöne Müllerin (Kirche Böllenstege)

Traditionell entwerfen die versierten Instrumentalisten des „Ensemble Musikfabrik“ eigene Kammermusikprojekte. „In die Tiefe der Zeit“ tauchen vier Musiker und ein Sprecher beim Konzert der „Besonderen Reihe“ am Sonntag, 19. Februar, 18 Uhr, in der Kleinen Kirche an der Böllenstege. Dabei steht Schuberts „Schöne Müllerin“ in einer Version für Viola und Akkordeon mit Gedichtrezitationen aus dem Liederzyklus in einem neuen Kontext mit zeitgenössischen Werken. Auch die Kompositionen von Klaus Huber, Georges Aphergis und Toshio Hosokawa setzen sich mit der Natur und dem Menschen auf Wanderschaft auseinander.
Der Bratscher Axel Porath hat das Programm konzipiert. Zusammen mit der Akkordeonistin Margit Kern, die Schuberts Lieder für Viola und Akkordeon bearbeitet hat, zieht er Schuberts Musik als romantisch-visionären Faden durch das intensive Konzertprogramm. Müllers Gedichte, die Schubert in seinem berühmten Liedzyklus vertonte, werden vom Schauspieler und Sprecher Bernt Hahn verlesen. Zeitgenössische Reflexionen zur Natur als Sinnbild für Seelenzustände bieten im Wechsel damit „Winter Seeds“ („Wintersamen“) von Klaus Huber für Streichtrio und Akkordeon, Georges Aperghis‘ „Faux Mouvement“ für Streichtrio und schließlich die titelgebende Komposition „In die Tiefe der Zeit“ von Toshio Hosokawa. Der Japaner komponiert nach eigenen Worten wie ein Gärtner und in Korrespondenz mit der Natur, stellt hier in der Viola und dem Akkordeon das männliche und das weibliche Prinzip gegeneinander – wie auch Schubert von unglücklicher Liebe erzählt, vom Werden und Vergehen von Mensch und Natur. Hosokawa sieht – wie die Romantiker auch – jeden Klang als Landschaft mit Farben und Schattierungen. Seine Einladung an den Hörer lautet: „Nehmen Sie sich Zeit, die Kraft von Stille und Energie in dieser Musik auf sich wirken zu lassen!“ Mit von der Partie im Konzert sind die Geigerin Hannah Weirich und der Cellist Dirk Wietheger mit seinem kostbaren Testore-Violoncello (Mailand, Anfang 18. Jahrhundert).


Hochschule Rhein-Waal: Prof. Meijer tritt als Hochschulratsvorsitzender zurück!

rd | 17. Februar 2017, 03:37 | 10 Kommentare
Anfang des Jahres erhielt Prof. Gerardus Meijer den höchsten zivilen Verdienstorden der Niederlande: „Ritter im Orden des niederländischen Löwen“. Jetzt trat er als vorsitzender des Klever Hochschulrats zurück (Foto: HSRW)

Anfang des Jahres erhielt Prof. Gerardus Meijer den höchsten zivilen Verdienstorden der Niederlande: „Ritter im Orden des niederländischen Löwen“. Jetzt trat er als vorsitzender des Klever Hochschulrats zurück (Foto: HSRW)

(Aktualisiert, jetzt mit der Pressemitteilung am Ende des Textes) Diese Brüskierung konnte und wollte sich Prof. Gerardus Meijer nicht gefallen lassen: Eine Woche, nachdem aus fadenscheinigen Gründen die Besetzung der Kanzler-Stelle ab der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) torpediert wurde, legte der renommierte Wissenschaftler nach kleveblog-Informationen sein Amt als Vorsitzender des Hochschulrats nieder und trat zurück! Eine Stellungnahme der Hochschule soll in Kürze dazu veröffentlicht werden.

Der niederländische Wissenschaftler, seit 2014 Vorsitzender des Hochschulrats, durfte in der hektischen und überbordenden Gründungsphase der HSRW als der weltläufige Gegenpol zur Gründungspräsidentin mit ihrer mediokren Klüngelpolitik gelten. Prof. Meijer mühte sich nach Kräften, mit seinem Gremium (das gewissermaßen als Aufsichtsrat der Hochschule zu verstehen ist) das Profil der Hochschule zu schärfen – in Richtung Hochschule, und vielleicht ein bisschen weniger in Richtung Selbstbedienungsladen.

Das Standing dazu hatte der Mann zweifelsohne: Er kam von der Max-Planck-Gesellschaft, war bis Ende vergangenen Jahres Präsident der Radboud-Universität in Nimwegen und leitet seit Anfang 2017 das Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin. Um es einmal mit einem Vergleich auszudrücken: Dass der Molekularphysiker sich für die junge Hochschule in Kleve engagierte, war etwa so, als wenn Pep Guardiola beim 1. FC Kleve die Nachwuchsarbeit koordinieren würde.

Was allerdings – vorsichtig ausgedrückt – nicht jeder so zu schätzen wusste.

Meijer hatte bereits die Weichen gestellt, als es um die Nachfolge der Gründungspräsidentin Marie-Luise Klotz ging. Die Frau, die in den ersten Jahren das Gesicht der Hochschule war, hatte ein System etabliert, in dem es reichlich Gelegenheit gab, sich etwas dazuzuverdienen. Das bekannteste Beispiel – auf dieser Website mehrfach vorgestellt – war das Unternehmen Scientific Freshers der Professoren Thorsten Brandt und Dirk Untiedt.

Die Scientific Freshers GmbH erfüllt keine Hochschulaufgaben, sondern verhilft (vor allem) Chinesen gegen Geld zu einer Art Express-Abitur. Dennoch erhielt das Unternehmen von Klotz den privilegierten Status eines AN-Instituts der HSRW. Juristen staunten. Das Geschäft florierte. Die geschäftstüchtigen Professoren gründeten schon bald eine eigene Verwaltungsgesellschaft für die frisch erworbenen Immobilien (Scientific Freshers Real Estate GmbH) und haben mittlerweile als neues Geschäftsfeld die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge entdeckt. Es gibt Gerüchten zufolge Pläne, große Teile des Landesklinik-Geländes in Bedburg-Hau zu kaufen.

Die Günstlingswirtschaft der Gründungspräsidentin fand allerdings ein abruptes Ende, als 2015 bei der anstehenden Wahl nicht sie, sondern die bis dato in Kleve gänzlich unbekannte Wissenschaftlerin Dr. Heide Naderer in einem umtosten Verfahren zur neuen Chefin der Hochschule gewählt worden war. In der fraglichen Versammlung waren die Klever Verwaltungsspitze (der damalige Bürgermeister Theo Brauer, Kämmerer Willibrord Haus und Beigeordneter Jürgen Rauer) wie die Führung des Kreises (Wilfried Suerick, Wolfgang Spreen), um Stimmung für Klotz zu machen. Allein, es half nicht.

Mit dem Amtsantritt von Naderer ist es an der Hochschule merklich ruhiger geworden – es passiert zwar immer noch sehr viel, aber der kinderkarnevaleske Einschlag der frühen Jahren ist sehr zurückgedrängt. Doch unter der Oberfläche wirken noch die alten Netzwerke, die die Hochschule als „ihr Ding“ betrachten. Und diese Kräfte ließen vor einer Woche bei der Kanzlerwahl überraschenderweise die Muskeln spielen. Die Wahl sollte eigentlich nur eine Formsache sein, da das Vorgehen der Findungskommission unter Vorsitz von Prof. Meijer mit allen Beteiligten abgestimmt war.

Als dann die Wahl anstand, kam es zum Eklat: Ein Mitglied des Wahlgremiums bemängelte urplötzlich, dass nur ein Kandidat zur Abstimmung vorgelegt worden sei. Andere Mitglieder folgten überraschenderweise dieser Ansicht, sodass in der Abstimmung nicht die erforderliche Stimmenzahl erreicht wurde.

Unter den Sechsunddreißig Strategemen (三十六計), die dem chinesischen General Tan Daoji († 436) zugeschrieben werden, lautet das mit der Nummer 26: Die Akazie schelten, dabei aber auf den Maulbeerbaum zeigen. Die Mehrheit in einer der beiden „Kammern“, die den neuen Kanzler hätte wählen sollen, zeigte auf den Kandidaten. Aber der Angriff richtete sich gegen Prof. Meijer.

Der Niederländer zog jetzt die Konsequenz aus dieser Brüskierung und verlässt erhobenen Hauptes den Hochschulrat und kommt so einem möglicherweise zermürbenden Kleinkrieg in den akademischen Niederungen des Niederrheins zuvor. Dann lieber an der Spree Moleküle erforschen. Die Hochschule jedoch verliert einen klugen Kopf.

Hier die Pressemitteilung der Hochschule im Wortlaut:

Prof. Dr. Gerard Meijer tritt als Mitglied und Vorsitzender des Hochschulrates zurück

Kleve/Kamp-Lintfort, 16. Februar 2017: Prof. Dr. Gerard Meijer hat mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt als Mitglied des Hochschulrates der Hochschule Rhein-Waal sowie als dessen Vorsitzender erklärt. Professor Meijer teilte dies dem Staatssekretär im Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen Dr. Thomas Grünewald mit und setzte Präsidium und Hochschulrat darüber in Kenntnis.

Die Hochschulpräsidentin Dr. Heide Naderer und der Senatsvorsitzende Prof. Dr. Achim Kehrein nahmen die Entscheidung Professor Meijers zur Niederlegung seines Amtes mit großem Bedauern zur Kenntnis und danken ihm für seine umfangreiche und sehr engagierte Arbeit für die Hochschule. Professor Meijer leitete den Hochschulrat der Hochschule Rhein-Waal seit Mai 2014.

Laut § 5 Abs. 1 der Grundordnung der Hochschule Rhein-Waal besteht der Hochschulrat aus sechs externen und vier internen Mitgliedern. Nach § 22 Abs. 4 HG NRW wird nun ein Auswahlgremium, bestehend aus zwei Mitgliedern des Hochschulrates, zwei Mitgliedern des Senats und einer/einem Vertreter/in des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, gebildet. Dieses Gremium sucht dann eine/n Nachfolger/in, die/der für die Dauer der noch verbleibenden Amtszeit von Professor Meijer in den Hochschulrat rückt. Der Vorschlag wird dann zur Bestätigung in den Senat und anschließend zur Zustimmung an das Ministerium gegeben. Im Anschluss erfolgt die Bestellung durch das Ministerium.

Zusätzlich zu der Wahl eines neuen Hochschulratsmitglieds muss ein neuer Vorsitzender des Hochschulrates gewählt werden. Bis zur Wahl des neuen Vorsitzenden übernimmt Hochschulratsmitglied Prof. Dr. Robert Renner, Professor für Gesundheitsförderung und Ernährung an der Hochschule Rhein-Waal, stellvertretend den Vorsitz im Hochschulrat. Der Hochschulrat hat seine nächste Sitzung in der kommenden Woche.


10 Jahre kleveblog! 8. Diese verdammten Rätsel

rd | 16. Februar 2017, 14:10 | 3 Kommentare

Relativ früh kam die Redaktion auf die Idee, die versammelte Leserschaft mit hirnrissigen, abstrusen, unlösbaren und dadaesken Rätseln zu quälen. Das Kreuzworträtsel im SZ-Magazin ist Kindergarten im Vergleich zu den labyrinthischen Hirnwindungen, die beschritten werden mussten, um die Gedankenverirrungen hinter den Aufgaben zumindest ansatzweise nachvollziehen zu können. Hier ein Überblick aus den vergangenen zehn Jahren – ohne Frage, aber dafür mit Lösung, was natürlich schon wieder neue Rätsel aufwirft:

Dali? Oder doch nur Daute?

Lösung: cinque-Sommernacht

Holzbank, Plastiktasse, Butterkeks…

Lösung: Einschulung

Nie gesehen

Lösung: Whisky-Saloon

Rätselhafte Realität, manchmal

Lösung: Karl Malone

In the year 67? Or 69? Or 65?

Lösung: wahrscheinlich 1967

Lösung: Dreimaster (drei Master) (Foto: J. Schäfer)

Lösung: Dreimaster (drei Master) (Foto: J. Schäfer)

Adria. Eiger. Impresa. Ici. Excalibur. Onderneming. Gemini. Vilgir.
(Lösung: Am Rhein)


Gute Nachrichten zur Wochenmitte (2): Volkbank erhält höchste Fördersumme

rd | 15. Februar 2017, 11:02 | 1 Kommentar
Stürzende Linien, große Fenster: Umgestaltung einer ehemaligen Bankfiliale (Foto: mediamixx)

Stürzende Linien, große Fenster: Umgestaltung einer ehemaligen Bankfiliale (Foto: mediamixx)

Erfolgsbeispiel aus dem Fassaden- und Hofflächenprogramm: Die ehemalige Volksbank am Fischmarkt in der Klever Innenstadt hat ein komplettes Facelifting vollzogen. Ziel war es, das Gebäude langfristig für den Einzelhandel attraktiv zu gestalten. Dazu zählte auch eine aufwendige Fassadenrenovierung, die im Rahmen des Fassaden- und Hofflächenprogramms gefördert wurde. Das Förderprogramm kann im Rahmen des Integrierten Handlungskonzepts Innenstadt Kleve (IHK) in Anspruch genommen werden. Ansprechpartner für Interessenten ist das Citymanagement Innenstadt Kleve.

Nachdem die Volksbank die Immobilie am Fischmarkt 20 Jahre lang als Geschäftsgebäude genutzt hatte, zog sie 2015 in die neu gebaute Zentrale am Minoritenplatz um. „Uns war es wichtig, dass in der Innenstadt kein Leerstand entsteht, sondern neue und attraktive Möglichkeiten für den Einzelhandel geschaffen werden“, erläutert Frank Ruffing, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Kleverland. In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Ader und Kleemann aus Kalkar wurde ein entsprechendes Konzept entwickelt. Hierbei wurde auch der neue Mieter, die Unternehmensgruppe „Bestseller“, miteinbezogen.

Die Fassade besteht nun aus großen Fensterflächen, die das gesamte Gebäude offen, hell und einladend wirken lassen. Optisch bilden das Erdgeschoss und die erste Etage hierbei eine Einheit, da die Fenster ohne Unterbrechung von unten nach oben reichen. „Wir sind mit dem Ergebnis dieser besonderen Fassadengestaltung sehr zufrieden. Die beiden Komponenten ,funktionale Nutzung‘ und ,ansprechende Optik‘ wurden optimal vereint“, erklärt Ruffing. „An diese Stelle gehört Einzelhandel, und das haben wir im positiven Sinne realisiert“, so der Vorstandsvorsitzende weiter.

Joachim Beisel, Generalbevollmächtigter der Volksbank Kleverland, ergänzt: „Um unseren Kunden weiterhin den Service zur Bargeldversorgung anbieten zu können, wurde auch ein Geldautomat der Volksbank in die Fassadengestaltung integriert.“

Von der Antragsstellung der Förderung bis zur Vollendung der Maßnahme verging nur ein gutes halbes Jahr. „Der gesamte Prozess ist sehr reibungslos und zügig vonstattengegangen“, bestätigt Beisel. Mit 12.500 Euro hat die Volksbank die höchstmögliche Fördersumme in Anspruch nehmen können. Insgesamt seien etwa 110.000 Euro in die Renovierung der Fassade geflossen.

Das Citymanagement Innenstadt Kleve ist mit dem Ergebnis ebenfalls sehr zufrieden. „Alle Beteiligten haben an einem Strang gezogen, so dass die Umgestaltung in kurzer Zeit über die Bühne gehen konnte. Bei Interesse und für generelle Fragen zum Fassaden- und Hofflächenprogramm stehen wir jederzeit zur Verfügung“, betont Citymanagerin Anke Haun.


Gute Nachrichten zur Wochenmitte: Volksbank wieder telefonisch erreichbar

rd | 15. Februar 2017, 10:52 | keine Kommentare

Zwei Tage lange war die Volksbank Kleverland telefonisch nicht mehr zu erreichen, womöglich befürchtete der eine oder andere Kunde schon das Schlimmste. Es handelte sich jedoch lediglich um eine Störung der Telefonanlage, die mittlerweile behoben werden konnte. Die Bankgeschäfte können nun auch wieder fernmündlich erledigt werden.


Du merkst, es geht zu Ende, wenn…

rd | 12. Februar 2017, 15:10 | 3 Kommentare
Steht traditionell – allerdings nicht im gefriergetrockneten Zustand – für Reichtum: Fette Henne

Steht traditionell – allerdings nicht im gefriergetrockneten Zustand – für Reichtum: Fette Henne

… es dir nie gelingt, eine Packung Frischkäse ein zweites Mal zu benutzen.

… die Besteckfächer in der Spülmaschine leer bleiben, während Tassen und Gläser kaum noch reinpassen.

… du denkst: „2014… mh… müsste aber eigentlich noch gut sein“.

… du früher donnerstags „Die Zeit“ gekauft hast, heute aber der Ansicht bist: „Aldi – meine Woche“ ist auch recht interessant.

… du die Wochenprospekte von Aldi, Kodi und Lidl zu Vergleichszwecken nebeneinanderlegst.

… die Fette Henne nicht mehr so richtig auf die Beine zu kommen scheint (obwohl sie jetzt schon zwei Monate wieder drinnen steht).


Wohin am Wochenende? (6)

rd | 11. Februar 2017, 10:40 | keine Kommentare

Vielleicht einfach nur:

Raus!

Schneell noch raus, bevor der Frühling kommt!

Schneell noch raus, bevor der Frühling kommt!

Alternativ die folgenden drei vier Vorschläge:

Samstag, 18 Uhr: „Wohin?“ (Versöhnungskirche)

Auf Wegen und Abwegen, über Umwege und Sackgassen, Traumpfade und Hoffnungsbrücken umkreist der Chor „Die Untertanen“ mit seinem neuen Programm „Wohin?“ das Thema Flucht. Ist ja gerade recht aktuell. Wohin geht es mit uns und anderen zwischen Grenzsetzungen und Verletzungen? Wiegt der Verlust der alten Heimat schwerer als die Unmöglichkeit, eine neue zu finden? Wie groß ist die Angst? In wem? Wovor? Bin ich ein besserer Mensch, wenn ich einen Flüchtling aufnehme – weil mein Großvater ja auch mal auf der Flucht war? Und was ist der Unterschied zwischen Utopie und Naivität? Sie wissen nicht genau, wo wir stehen? Wissen Sie denn, wo Sie stehen? Und wohin Sie gehen wollen? Leise und nachdenklich, verzweifelt und fordernd, zwischen hoffnungs- und liebevoll, abgründig, poetisch, mal wütend, mal sehnsüchtig gehen die Untertanen unter die Haut. Mit Musik von Ungarn bis Israel, von Deutschland bis Südafrika, von Wecker über Brecht bis Kodály. Eintritt ist frei.

Samstag, 20 Uhr: Smettys Vinyl Party (Tanzpalast Bresserberg)

Wer kennt das nicht noch! LPs 33, Singles 45… „Die Party, die nicht perfekt sein möchte. Es darf ruhig knistern und knacken. Für Jung und Alt.“ So die Ankündigung. Es dürfen eigene Platten mitgebracht werden, die DJ Smetty mit Angabe des Grundes (erster Kuss oder so romantisches Zeugs) spielt. Weitere Infos: www.smettysvinylparty.de. Eintritt: 4 Euro.

Samstag, 20 Uhr: ForQ (Radhaus)

Vier junge, aus Kleve stammende Musiker (Jonas, Andreas, Mikula, Santa) spielen instrumentalen progressive Rock, angelehnt unter anderem an Pink Floyd, aber auch an weniger bekannte Ensembles wie Frumpy. Frumpy? Auch The Doors gehören zu den Vorbildern. Der Eintritt ist frei.

Samstag, 20 Uhr: Rio Reiser (Culucu)

Er war einer der Besten, ist aber leider schon lange tot. Rio Reiser. Wer seine Musik mag, sollte sich heute Abend ins Culucu begeben. In der theater-musikalischen Biografie „Zwischen den Welten“ schlüpft der Schauspieler und Sänger Rudi Rhode in Rio Reisers Rolle und zeichnet ihn als ruhelosen Visionär einer freien Gesellschaft. Auf der Wanderschaft durch sein Leben begegnet er den unterschiedlichsten Weggefährten, Freunden und Widersachern – alle verkörpert durch den einen Rudi Rhode… und natürlich werden auch zahlreiche Live-Songs aus der Feder Rios gespielt – von „Keine Macht für Niemand“ bis zum „Junimond“. Zum Anfüttern das hier:


Hochschule Rhein-Waal: Tektonische Verwerfungen brechen bei Kanzlerwahl auf

rd | 10. Februar 2017, 13:21 | 7 Kommentare
Von oben sind selbst die USA schön anzusehen (Foto: NASA/Apollo 17)

Von oben sind selbst die USA schön anzusehen (Foto: NASA/Apollo 17)

Die Hochschule Rhein-Waal präsentiert sich von außen betrachtet ein wenig so wie die Erde auf Satellitenaufnahmen – schillernd, bunt, vielfältig. Aber wie auf der Erde ist auch in der Hochschule die Oberfläche nur eine dünne Kruste. Darunter walten tektonische Kräfte, die Kontinentalplatten aneinander reiben lassen und sie unter Spannung setzen, bis die aufgestaute Energie sich in furchtbaren Beben entlädt.

Wer gestern Abend in der Hochschule war, wurde Zeuge einer solchen Erschütterung des akademischen Betriebs: Die geplante Kanzlerwahl, eigentlich eine Formsache, endete im einem Eklat und ließ den Hochschulratsvorsitzenden Prof. Dr. Gerard J.M. Meijer brüskiert zurück – was dem Ruf der Hochschule in der akademischen Welt, wenn man einmal über den Klever Tellerrand blickt, einmal mehr schweren Schaden zufügt.

Was aber ist geschehen?

Im vergangenen Jahr verließ die Kanzlerin der Hochschule, Bibiana Kemner, Kleve, um einen neuen Posten an der Hochschule Niederrhein in Krefeld anzutreten. Der Kanzler hat in einer Hochschule ein wichtiges Amt inne, weil er über die Finanzen wacht. Nach einem kurzen Interregnum bestimmte das Präsidium übergangsweise Karsten Koppetsch zum neuen Kanzler.

Koppetsch, Diplom-Verwaltungswirt, kann eine gewisse Nähe zu den Scientific-Freshers-Professoren Torsten Brandt und Dirk Untiedt nicht abgesprochen werden, denn er agierte eine Zeitlang zusätzlich zu seinen Aufgaben an der Hochschule als Geschäftsführer der Scientific Freshers Real Estate GmbH. Die Gesellschaft kümmert sich um die Verwaltung die von dem Institut angehäuften Immobilien (mehr zu den Scientific Freshers hier: Was erlauben Klotz und hier: Waffeln backen.

Doch diesen Posten, das sei der Fairness halber hinzugefügt, hat Koppetsch mittlerweile drangegeben; bei näherer Betrachtung hätte er womöglich auch zu einer Interessenkollision mit seinen Aufgaben als kommissarischer Kanzler geführt.

Mit der Suche eines endgültigen Nachfolgers wurde eine Findungskommission unter Vorsitz von Professor Meijer beauftragt. Meijer fungiert als Vorsitzender des Klever Hochschulrats und ist eine Koryphäe im Wissenschaftsbetrieb, was aber in Kleve nur wenige wissen (wollen).

Als der Professor aus Nimwegen mit der Suche beauftragt wurde, war er noch Präsident der renommierten Radboud-Universität. Mittlerweile arbeitet der 55-jährige Wissenschaftler als Direktor des Fritz-Haber-Instituts der Max Planck-Gesellschaft in Berlin, was in der Welt der Gelehrten einem Ritterschlag gleichkommt. Meijer ist also ganz oben unterwegs, was ihm vielleicht auch einen unbestechlichen Blick auf die Ränkespiele im Inneren einer kleinen, jungen Fachhochschule in der Provinz bewahrt hat.

Wie die Findungskommission zusammengesetzt war und wie sie arbeitete, lässt sich der Pressemitteilung entnehmen, die von der Hochschule unter der Überschrift „Hochschule Rhein-Waal sucht weiterhin neuen Kanzler“ noch gestern Abend versandt wurde.

Darin heißt es:

„Die Vorbereitung der Wahl lag demnach in den Händen einer vom Senat und Hochschulrat gemeinsam eingesetzten Findungskommission, die aus je drei Mitgliedern der beiden Gremien bestand. In einem zeitlich abgestimmten Verfahren hat die Findungskommission aus den eingegangenen Bewerbungen eine Liste mit sieben in Frage kommenden Kandidaten erarbeitet. Sie wurden zu Gesprächen mit der Findungskommission eingeladen, die sich danach und nach intensiven Gesprächen auf einen Wahlvorschlag als Empfehlung an die Hochschulwahlversammlung verständigte, der einen Kandidaten enthielt.“

Die Hochschulwahlversammlung wiederum ist ein Gremium, das zur Hälfte aus sämtlichen Mitgliedern des Senats und zur anderen Hälfte aus sämtlichen Mitgliedern des Hochschulrats besteht. Da die Personen aus Findungskommission und Hochschulwahlversammlung also teilweise identisch ist, sollte man davon ausgehen können, dass das Vorgehen abgestimmt ist.

Doch es kam ganz anders.

Mitglieder aus dem Wahlgremium beschwerten sich in der Sitzung scheinbar aus heiterem Himmel darüber, dass nur ein Kandidat und nicht eine Liste mit Kandidaten präsentiert wurde. In der Pressemitteilung heißt es dazu etwas verkomplizierend: „In der Erwartung einer Vorschlagsliste mit mehreren Kandidaten ist eine Mehrheit der Senatsmitglieder in der Hochschulwahlversammlung der Empfehlung der Findungskommission nicht gefolgt, während sich die Mitglieder des Hochschulrats einstimmig für den Wahlvorschlag ausgesprochen haben.“ Eine Mehrheit in beiden Teilen des Gremiums wäre aber nötig gewesen – der Vorschlag wurde also abgeschmettert. Hochschulpräsidentin Dr. Heide Naderer kommentierte den Vorgang lediglich mit zwei Sätzen: „Das ist Demokratie. Es ist, wie es ist.“

Aber was ist es?

Möglicherweise ein Eklat mit einem Bumerang-Effekt für die Hochschule. Wie ist es zu werten, wenn eine monatelange gemeinschaftliche Arbeit urplötzlich mit einem Hinweis auf Verfahrensfragen zunichte gemacht wird? Ein Beobachter führte das Wort „Intrige“ ins Feld – gegen einen der renommiertesten Wissenschaftler Europas? Warum? Meijer selbst soll vor der Abstimmung der Wahlversammlung den Mitgliedern des Gremiums geraten haben, eine Entscheidung zu fällen, die gut für die Hochschule ist.

Eine solche Entscheidung zu fällen, das ist offenbar in Kleve nicht so einfach – oder aber die Meinungen darüber, was gut für Hochschule ist, gehen auseinander. Das Verfahren muss jedenfalls mit einer Neuausschreibung der Kanzlerposition fortgesetzt werden.


Korrektur

rd | 09. Februar 2017, 15:42 | 7 Kommentare

Im kleveblog-Beitrag „Stille Flughafengesellschaftsnacht, heilige Flughafengesellschaftsnacht“, Ende des vergangenen Jahres erschienen, hieß es:

Das Erfolgreichste, was auf dem weiträumigen Gelände, auf dem auch Flugzeuge starten und landen, stattfindet, dürfte vermutlich das Parookaville-Festival sein, dicht gefolgt von der Unterbringung von Flüchtlingen.

Das ist falsch. Richtig muss es heißen:

… dicht gefolgt von der potenziellen Unterbringung von Flüchtlingen.

Der Rheinischen Post vom Tage ist zu entnehmen (Neue Flüchtlingsunterkunft steht leer), dass die provisorisch untergebrachten Flüchtlinge mittlerweile alle weg sind. Die neue „Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE)“ für 750 Flüchtlinge hingegen steht kurz vor der Fertigstellung, wird aber mangels Andrang nicht genutzt, sondern nur als Reserve bereitgehalten. Mietzahlungen fließen gleichwohl, das Land hat mit dem Airport einen Vertrag über zehn Jahre abgeschlossen. Gutes Geschäft!


Bier-Akademie, Wunderbar, Küchenkraut, Finy’s – – – Abriss!

rd | 09. Februar 2017, 15:11 | 6 Kommentare
Fin-de-siecle-Stimmung

Fin(y)-de-siecle-Stimmung

Kein Herd, nirgends

Kein Herd, nirgends

(Jetzt auch mit Hinweis auf „Bier-Akademie“) Das Gebäude ist bereits entkernt, die Abrissbagger sind bestellt: Eine der gastronomischen Adressen in der Stadt mit einer großen Tradition, das Gebäude an der Ecke Stechbahn/Backermatt, wird in wenigen Tagen Geschichte sein. „Wir bauen dort ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohneinheiten“, so Jochen Koenen von Zevens Grundbesitz.

Das Gebäude gehört zum reichhaltigen Portfolio des Unternehmens von Bernd Zevens. „Wir haben am Mittwoch die Baugenehmigung erhalten“, berichtet Koenen. In vier bis sechs Wochen sollen die Arbeiten an dem neuen Haus beginnen.

Lange Jahre war das Erdgeschoss der Immobilie an der strategisch günstig gelegenen Ecke in Innenstadtnähe gastronomisch genutzt worden. Die Geschichte begann mit der „Bier-Akademie“ von Willi Lünendonk, der zuvor das „Downtown“ (am Opschlag) und das „PX“ (im XOX-Gelände) betrieben hatte.

Viele Klever werden sich noch gerne an den Nachfolgebetrieb der „Bier-Akademie“ erinnern, die „Wunderbar“. Matthias Braun führte das Lokal in einer formvollendeten Mischung aus Genie und Wahnsinn. Unvergessen, wie er Gästen einmal eine besondere Delikatesse anbot: „Ich habe noch Austern. Gestern war Dr. XY da, die sind übrig geblieben.“

Später betrieb der sehr selbstbewusste Koch Ralf Horst Tronnier an gleicher Stelle sein ambitioniertes Restaurant „Küchenkraut“, das den Klevern gehobene Küche zu ebensolchen Preisen bot, allerdings waren die als Zutat mitgelieferten Launen des Inhabers dem Geschäft nicht immer zuträglich.

Es folgten einige Jahre, in denen Josephine Heselmann (ehemals „Schwarzer Ritter“) in der Immobilie ihr Restaurant „Finy’s“ erfolgreich leitete. Nachdem sie den Betrieb Ende 2014 aufgab, fand sich kein neuer Mieter mehr. Daraufhin fiel die Entscheidung zum Abriss.


Steh’n die Trecker in der Stadt, haben Bauern Barbara satt!

rd | 09. Februar 2017, 13:57 | 48 Kommentare
Trecker-Protest gegen Ministeriums-Kampagne: die Wiesenstraße heute vormittag (Foto: Thomas Tewoort)

Trecker-Protest gegen Ministeriums-Kampagne: die Wiesenstraße heute vormittag (Foto: Thomas Tewoort)

„Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“: Mit flapsigen Sprüchen dieser Art, stilistisch an die volkstümlichen Bauernregeln angelehnt, möchte die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit auf ökologische Problemfelder in der Landwirtschaft hinweisen. Die Landwirtschaft habe nur eine Zukunft, so die Auffassung von Barbara Hendricks, „wenn sie naturverträglich ist und Artenvielfalt, Klimaschutz und die Gesundheit der Menschen mit berücksichtigt“. Nun aber sehen sich die Landwirte in Deutschland durch die gerade erst gestartete Plakat-Kampagne pauschal diffamiert, und, wenig überraschend, Unionspolitiker polterten gleich mit, allen voran Horst Seehofer, der die Sprüche als „nicht nur eine Verunglimpfung, sondern eine Beleidigung“ bezeichnete. In der Heimatstadt von Hendricks, hier bei uns in Kleve, brachten die Landwirte ihre Verärgerung mit einem spektakulären Protest zum Ausdruck: mit ihren Treckern zogen sie vor die Wiesenstraße, wo sich das Wahlkreisbüro von Hendricks befindet, und legten bis zum Mittag den Verkehr weit gehend lahm. Merke: Steh’n die Trecker in der Stadt, haben Bauern Barbara satt!


Aus der Geschäftswelt: Neue Messer, Adressen, Namen

rd | 08. Februar 2017, 20:48 | 2 Kommentare
America first, Kleve second: Sascha Piron

Apple war stärker: Sascha Piron

Jeder Reisende weiß: Das wichtigste der neun Werkzeuge ist der Korkenzieher (Foto: Kotters)

Jeder Reisende weiß: Das wichtigste der neun Werkzeuge ist der Korkenzieher (Foto: Kotters)

Elektro Rock, 01.03.2015, Fiasko des Halbausräumens

Elektro Rock, 01.03.2015, Fiasko des Halbausräumens

Fangen wir mit der schlechten Nachricht an: Letzter Verkaufstag bei Strauss Innovation am Fischmarkt ist der 22. Februar, danach ist vermutlich erst einmal einige Zeit mitten in der Stadt, in bester Lage, ein ärgerlicher Leerstand zu verzeichnen. Jetzt gekaufte Ware kann nicht mehr umgetauscht werden, was irgendwie einleuchtend erscheint. + + + Etwas weiter oberhalb, wo uns jahrelang Elektrik Rick mit seinen Schaufensterrätseln erfreute, ist ebenfalls eine große Fläche neu zu vermieten: Der Händler für alle eckigen Küchengeräte ist an die Kalkarer Straße verzogen, das Ladenlokal kurz vor dem Markt Linde wird derzeit nicht mehr genutzt. + + + Dass Kleve eine scharfe Sache ist, weiß jeder, der in dieser Stadt lebt und sie liebt. Und das seit bald 775 Jahren! Was liegt da näher als – – – ein Klever Messer! Und siehe da, hier ist es. Die Firma Kotters teilt mit: „Die Stadt Kleve feiert dieses Jahr den 775. Geburtstag. Wir haben dies zum Anlass genommen, ein schickes KLEVE-Messer fertigen zu lassen. Das neunteilige Schweizer Taschenmesser zeigt auf der schwarzen Griffschale eine silberfarbene Silhouette von Kleve. Ab ca. 6. März 2017 ist das besondere Taschenmesser nur bei uns für 26,50 € erhältlich.“ + + + Was hat Apple, das milliardenschwere Unternehmen aus Kalifornien, mit einem Metallbauunternehmen aus Kleve gemeinsam? Nur drei Buchstaben, aber damit fingen die Probleme an. Als Sascha Piron vor gut zehn Jahren in Kleve sein Metallbauunternehmen gründete, standen bei der Namensgebung die Hauptkunden Pate. Sie entstammten den Branchen Belüftung, Erdöl und Energie, im Englischen: Air, Petrol, Power. Aus den Anfangsbuchstaben dieser Wörter formte Piron die APP Components GmbH. Ein Jahr später kam das erste iPhone auf den Markt – und mit ihm bekamen die drei Buchstaben APP als Kurzbezeichnung für die Programme auf den Smartphones eine ganz neue Bedeutung. Jetzt hat Geschäftsführer Sascha Piron aus der Namensgleichheit die Konsequenzen gezogen: Seit Januar heißt sein Unternehmen Piron Metallbau GmbH. Der Grund ist einleuchtend: „Wer im Internet nach meinem Unternehmen gesucht hat und beispielsweise bei Google die Begriffe ,App‘ und ,Kleve‘ eingegeben hat, bekam immer Ergebnisse mit Programmanbietern für Kleve, fand aber nicht mein Unternehmen“, berichtet Piron. Damit ist jetzt Schluss! America first, Deutschland second. True.


Einem vom Pferd erzählen

rd | 07. Februar 2017, 15:51 | 24 Kommentare

Das Paar wollte sich nicht fotografieren lassen, deshalb gibt es keine Bilder zu dieser Geschichte, die aber nichtsdestotrotz eine Erwähnung verdient hat. Gestern um die Mittagszeit, während ich mein Fahrrad die Hagsche Straße hochschob, erblickte ich zwischen Sparkasse und Pohland Optik eine klapprige Kutsche und zwei Pferde. Dann sah ich eine Frau, die einem auf der Kutsche liegenden Sack Stroh Heu entnahm und damit ein Pferd fütterte.

Was aber ist das, fragte ich mich und ging auf die wetterfest gekleidete Frau zu. Sie klärte mich auf und sagte, sie und ihr Freund stammten aus Bulgarien und sie seien auf der Durchreise. Mit den Pferden und der Kutsche. Sie seien in ihrer Heimat aufgebrochen, dann durch Tschechien gereist und hatten zunächst die Schweiz als Ziel. Die Alpen hatten sie bereits überquert und waren im italienischen Teil der Alpenrepublik, als sie ihre Pläne änderten und sich die Niederlande als neues Ziel ausguckten. Mehr als tausend Kilometer hätten sei bereits zurückgelegt.

Sie seien Künstler, was aber keinesfalls in einem professionellen Sinne zu verstehen sei, vielleicht eher so in Richtung Lebenskünstler. Ärger hätten sie noch nirgendwo bekommen, diverse Male seien allerdings schon Ordnungshüter gerufen worden, die sich dann allerdings jedes Mal davon überzeugen konnten, dass alles seine Richtigkeit hat und die beiden, die neben der Kutsche herradeln, tatsächlich einfach mit zwei Pferden unterwegs sind. Ihr Nachtlager schlagen sie in einem Zelt auf, meistens am Rande von Städten, da, wo es Bauernhöfe gibt, damit sie die beiden Pferde mit Stroh versorgen können.

Die beiden Reisenden betteln nicht, aber in den wenigen Minuten des Gesprächs gab es gleich zwei Passanten, die Geld für die Pferde spendeten – und die offenbar auch einfach nur dankbar waren, für kurze Zeit etwas so ganz Normales und zugleich Verrücktes wie zwei Pferde mitten in der Stadt zu sehen.


Herzlichen Glückwunsch, Puppa!

rd | 06. Februar 2017, 14:55 | 2 Kommentare
Noch ein Piccolöchen?Das Glas Sekt darf nicht fehlen

Noch ein Piccolöchen? Das Glas Sekt darf nicht fehlen

Haus Bresserberg: Marie-Luise Klar in ihrem Reich

Haus Bresserberg: Marie-Luise Klar in ihrem Reich

Heute wird die Grande Dame der Klever Gastronomie 80 Jahre alt – herzlichen Glückwunsch, Marie-Luise Klar, oder, wie die halbe Welt sie kennt, Puppa Schmitz!

kleveblog gratuliert mit der Geschichte ihres Lebens (ursprünglich erschienen im Magazin Der KLEVER):

„Ich hab‘ sie alle überlebt“

Noch kein Beerdigungskaffee in dieser Woche, „ist das nicht komisch?“ Aber gestorben wird immer, also kein Grund, nervös zu werden, und so umsäuselt den Gast auch an einem regnerischen Nachmittag in einer menschenleeren Kneipe eine charmante Fürsorglichkeit, die in der Frage gipfelt: „Jung, willste ‘n Rosinenbrot mit Butter? Ein Kaffee ohne wat, dat is‘ doch nix.“

Bei Kaffee und Rosinenbrot entspinnt sich ein Gespräch über das Leben und die Liebe im Besonderen, über Krieg und Kriminalität – und über Tennisspiele im Sonnenaufgang. Aber wo anfangen?

Am besten vielleicht dort, wo eine junge Frau, die damals noch Schmitz mit Nachnamen hieß, jene Abzweigung nahm, die in späteren Jahren aus einem leidlich erfolgreichen Etablissement eine gastronomische Instanz der Stadt machte und aus Marie-Luise jene Puppa, die heute von den Schwanenfunkern auf die Bühne geholt wird und die bei der Jahresrückblicksgala „Made in Kleve“ vor hunderten Zuschauern in der Stadthalle erzählen darf, wie das so war, als sie von Einbrechern überfallen, gefesselt und sieben Stunden im Badezimmer ihrer Wohnung eingesperrt worden war.

Diese Abzweigung, die nicht hätte beschritten werden müssen und die alles änderte, liegt mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. Das Kleve der beginnenden fünfziger Jahre, eine Zeit, in der es noch ein Gymnasium gab, das allein Mädchen vorbehalten war, das „Lyzeum“. Die Schuljahre wurden noch lateinisch bezeichnet. Marie-Luise ging in der „Studienanstalt für Mädchen“ in die Obertertia, also in die neunte Klasse, und nichts hätte dagegen gesprochen, dass sie weiter zur Schule ging.

Außer Marie-Luise Klar selbst. „Ich hatte einfach keine Lust mehr“, sagt sie. Diesen Entschluss teilte sie auch ihrer Mutter mit. Nun sind viele Reaktionen von Eltern denkbar, insbesondere wenn diese viel Ehrgeiz darin legen, dass aus der eigenen Tochter ein „gutes Mädchen“ wird. Die unwahrscheinlichste aller denkbaren Entgegnungen erscheint aber der folgende Satz einer Mutter: „Gott sei Dank! Dann bleib mal hier.“

Paula Schmitz sagte genau diesen Satz.

Hier, das war in diesem Fall bereits das Ausflugslokal „Haus Bresserberg“. Die Gaststätte wurde ihre Welt. Puppa hat die Schule abgebrochen, sie hat nicht mal die mittlere Reife, sie hat keine Ausbildung, und sie ist immer in Kleve geblieben – aber nichts von alledem bereut sie, wenn sie heute, 79 Jahre alt, auf ein reiches Leben zurückschaut. „Für mich gibt es nichts Besseres“ sagt Puppa. „Käme ich noch einmal auf die Welt, ich würde wieder Wirtin werden wollen. Ich kann es nicht anders sagen, das ist mein Traumberuf.“

Kein Wunder, dass das Wochenende stets mit einem freudvollen Ritual eingeleitet wird. Hermann Hendriksen, der Tennislehrer und auch der Trainer von Puppa, setzt sich freitags abends gegen acht Uhr in die noch menschenleere Gaststätte und trinkt ein Fläschchen Piccolo, gemeinsam mit Puppa, die eigens dafür aus ihrer Wohnung herunterkommt und noch mit Lockenwicklern in den Haaren. Hendriksen feiert nach getaner Arbeit das Wochenende, Puppa die Vorfreude darauf, dass die Kasse wieder klingeln wird.

An den Wochenenden arbeitet sie mit, natürlich nicht mehr so viel wie früher. Puppa: „Aber wenn es voll ist, packe ich mit an, und dann ist es nicht so, dass ich gegen die Arbeit anschaue wie nichts Gutes, sondern ich freue mich darauf!“ Genau betrachtet, bilden die Geschichte der Gaststätte und die ihres Lebens eine Einheit. Der Bresserberg ist Puppa, Puppa ist der Bresserberg.

1934 übernahmen die Eheleute Paula und Gottfried Schmitz den Betrieb an der Königsallee, 1937 wurde Tochter Marie-Luise geboren, ein Einzelkind. „Und dabei sagen die Leute immer, dass aus Einzelkindern nichts wird“, so Puppa heute.

Es war Puppas Mutter, die im Kranenburger Jägerhof gastronomische Erfahrungen gesammelt hatte, die voller Energie steckte und den Betrieb auf Vordermann brachte – alle vorherigen Pächter waren daran gescheitert, dass das „Haus Bresserberg“ im Sommer die Gäste in Scharen anlockte und im Winter leer blieb. Paula Schmitz sorgte mit großen Festen dafür, dass durchgängig Geld in der Kasse war.

Der Betrieb lief so gut, dass Ende der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Mutter auf die Idee kam, die Immobilie zu kaufen. Sie gehörte einst Gustav Hoffmann, dem legendären Schuhfabrikanten, doch der hatte sie im Zuge einer finanziellen Schieflage an den Kreis Kleve verkaufen müssen. Die Beamten waren froh über einen Interessenten, doch sie wollten noch mehr losschlagen – sämtliche Tennisplätze, die um die Gaststätte herum angelegt worden waren. Dafür allerdings besaß Paula Schmitz nicht genug Geld.

„Aber das war ihr egal“, berichtet die Tochter. Für 13.000 Reichsmark gingen die Gaststätte und die Sportanlagen in den Besitz der Familie Schmitz über. Den Kaufvertrag unterschrieb die entschlossene Gastwirtin zunächst alleine, die Rolle des Vaters war darauf beschränkt, dass sein Sold – den er als Major bezog – komplett in die Tilgung des Darlehens floss.

Damit die Familie überleben konnte, musste das Geschäft laufen. Auch während des Krieges, als Soldaten in dem Lokal einquartiert waren, auch in Zeiten, in denen es nicht einmal Strom gab. „Auf allen Tischen standen Milchdosen mit Öl und einem Docht darin“, erinnert sich Puppa. „Auch auf dem Klavier. Da der Pianist die Noten in der Nähe des schummrigen Lichts ablesen musste, hatte er am Ende des Abends immer einen dicken Russstreifen im Gesicht.“

Als sich der Zweite Weltkrieg dem Ende zuneigte, wurden Mutter und Tochter ins Münsterland evakuiert, wo sie bei einem Landwirt unterkamen. Dann kehrten sie heim – zu dem, was der Krieg von ihrem Besitz übrig gelassen hatte. „Es war alles kaputt“, so Puppa. „Zwei Zimmer und ein Ofenrohr nach draußen, mehr hatten wir nicht.“

Einmal mehr war es die unbändige Energie der Mutter, die den Betrieb wieder erblühen ließ. Sie maggelte mit allem und mit jedem und sorgte unter anderem dafür, dass Mitarbeiter der Firma Gustav Hoffmann die Schützengräben zuschütteten, die quer durch die Tennisplätze gezogen worden waren.

Die Mutter, das personifizierte Wirtschaftswunder, und der Vater als eher zaghafter Gegenpart, der auch erbaulichen Momenten gegenüber aufgeschlossen war – so hat Puppa die ersten Jahre nach dem Krieg in der Gaststätte wahrgenommen. Von ihrer Mutter hat sie auch den Spitznamen erhalten, so nannte Paula Schmitz ihre Tochter, wenn sie in der Kneipe aushalf und am Zapfhahn stand: „Puppa, machste noch drei Pils!“

Zwei Szenen sind ihr aus den frühen Nachkriegsjahren besonders in Erinnerung geblieben. Die eine betrifft das Vorhaben, einen der zahlreichen Mottoabende in der Zeitung zu bewerben: „Samstags: Moulin Rouge“, so der Textvorschlag der Mutter, der der durchaus frivole Hintergrund der Formulierung wohl bewusst war. Vater war besorgt: „Das kannst du doch so nicht schreiben, nimm doch stattdessen: ‚Sehenswerte Dekoration‘.“ Mutter: „Dann kommt doch keiner!“ Klar, welche Formulierung am Ende obsiegte.

„Meine Mutter hat das alles wieder in Gang gebracht“, sagt Puppa heute. War der Laden leer, schlich sie missgelaunt umher. In der zweiten Erinnerung saß sie an einem solchen schlechten Tag in dem kleinen Raum mit Ölofen, mehr war „Haus Bresserberg“ damals noch nicht, und hörte gemeinsam mit ihrem Vater „Das ideale Brautpaar“, die von Jacques Königstein moderierte erfolgreichste Radioshow der fünfziger Jahre. So viel Muße während der Arbeitszeit konnte die Mutter nicht ertragen, so dass sie einen Streit vom Zaun brach. Mehr Gäste kamen dadurch natürlich auch nicht, aber, so Puppa, „sie hat uns den ganzen Abend versaut“.

Doch die Abende ohne Umsätze wurden seltener, die, an denen das Geschehen sich bis in die frühen Morgenstunden verlängerte, mehr und mehr. Zugleich entdeckte Puppa ihre Leidenschaft fürs Tennisspiel. Einmal stürzte sie nach einer ausschweifenden Nacht mit ihrem Tanzpartner ins Schlagzeug der Musikband. Am nächsten Morgen, auf der Autofahrt zum sonntäglichen Tennisturnier, berichtete sie ihren Mitspielern von dem Vorfall: „Ich bin gestern doch glatt in die Kapelle gefallen.“ Ungläubiges Staunen bei einer Sportskameradin: „Seit wann gehst du denn in die Kirche?“

1954 nahm sich Gottfried Schmitz, der an Depressionen litt, das Leben. „Ich hatte immer einen sehr guten Draht zu meinem Vater, aber die Erinnerungen an den Krieg, die Misere der Nachkriegsjahre und dann noch die Tatsache, dass wir immer noch Schulden hatten – all das war zu viel für ihn“, glaubt seine Tochter heute. Verwandte liehen Geld, damit der Betrieb weitergehen konnte.

Und wie es weiterging! Die Klever Jazzfreunde entdeckten das Lokal für sich, sogar Klaus Doldinger spielte dort, und zum Glück verfügte die Betriebsleitung mittlerweile über ausgezeichnete Kontakte zu den Behörden, sodass die Sperrstunde um ein Uhr morgens mehr und mehr empfehlenden Charakter bekam. Es gab viele gute Jahre und dann wieder schlechtere, aber Puppa hielt sich immer über Wasser, auch wenn die Gäste mal eher eine Ansammlung von 200 Jahren Gefängniserfahrung waren. Lang, lang ist’s her, und auch in dieser Phase hat sie nie einen Türsteher gebraucht: „Das habe ich alles selbst erledigt.“

Die langen Nächte wurden der Normalfall, bisweilen war erst um sechs Uhr morgens oder noch später Schluss. Meist endeten solche Abende dann mit einer Art vorweggenommenem Katerfrühstück – Bratkartoffeln mit Spiegelei, 7,50 Mark zusätzlich auf den Deckeln, die meist schon das Aussehen eines Jägerzauns hatten.

Wegen der engen Verbindung zum Tennisclub Rot-Weiß Kleve (der Verein hat die Plätze gepachtet) waren immer wieder auch Tennisspieler unter den Gästen, die glaubten Puppa herausfordern zu können, und es kam im Sonnenaufgang des Öfteren zu denkwürdigen Begegnungen. Meistens gewann Puppa, der Einsatz war in der Regel eine Flasche Sekt. Nur einmal musste sie sich einem höherklassigen Spieler aus den Niederlanden geschlagen geben, doch der spendierte trotzdem eine Flasche Sekt. Dafür musste Puppa allerdings im Gegenzug ein Frühstück zubereiten.

Seit 1979, als ihre Mutter starb, führt Puppa Schmitz das „Haus Bresserberg“ allein. Schon in den Jahren zuvor war sie allerdings die Frau, die für den Laden stand, ihre Mutter hatte sich bevorzugt im Hintergrund aufgehalten.

Wenn das Lokal die Bezugsgröße für das ganze Leben wird, ist es vielleicht normal, dass eine Beziehung fürs Leben sich auch von dort aus entwickelt. Da war dieser Mann mit durchaus feinen Umgangsformen, der öfter am Sonntag zu den Tanznachmittagen erschien. Paul Klar, Maschinenbauingenieur aus Oberhausen. Als er wieder einmal am Bresserberg war, Zeitung las und an seiner Tasse Kaffee nippte, dachte Puppa sich: „Wenn du jetzt nicht zu ihm gehst und ihn ansprichst, siehst du ihn nie wieder.“

Sie verabredeten sich zu einem Kaffee in Plasmolen (auf neutralem Terrain sozusagen). Beim Aufbruch machte der Galan die Dame darauf aufmerksam, dass sie die Handschuhe vergessen habe. „Da dachte ich mir: So ein Glück!“, so Puppa, die sich selbst in solchen Dingen für etwas schlampig hält. Allerdings sei es, bis sie ihn für sich eingenommen habe, noch „ein harter Kampf“ gewesen. „Der war elf Jahre älter als ich, der hat sich das lange überlegt.“ Als Puppa einmal krank darniederlag, wich er nicht von ihrer Seite, bis sie genesen war – „danach waren wir zusammen“.

Die beiden heirateten, aus der Ehe ging Sohn Sven hervor (der heute als Lehrer und Künstler arbeitet und keinerlei Ambitionen hegt, die Gaststätte irgendwann zu übernehmen). Und das junge Paar schmiedete Pläne. Er sagte: „Wir ziehen nach Essen.“ Sie sagte: „Mit dir ziehe ich überall hin.“ Puppa heute: „Stell dir mal vor – ich in einer Großstadt.“ Gleichwohl wurden damals am Baldeneysee Grundstücke besichtigt – allerdings waren die Preise so hoch, dass der Plan, Kleve zu verlassen, sofort beerdigt wurde.

Neue Pläne wurden geschmiedet. Warum nicht direkt neben dem Lokal ein schönes, neues, großes Haus bauen? Dieses Vorhaben wurde auch verwirklicht, und Paul klar war voller Begeisterung im Rohbau zugange und fragte seine Puppa detailversessen, wo diese oder jene Steckdose angebracht werden solle. Ein großes Missverständnis! „Das interessierte mich doch gar nicht, ich wollte doch viel lieber mit dem Kerl im Bett liegen!“

So kam es, dass das Haus zwar fertiggestellt, aber nie bezogen wurde. Puppa blieb dort wohnen, wo sie ihr ganzes Leben verbracht hatte – im Obergeschoss des Lokals. Puppa: „Unser Wohnzimmer liegt genau über der Kapelle, und wenn unten laute Musik gespielt wird, klappert bei uns oben das Porzellan. Bei den Rockkonzerten kann selbst ich das nicht aushalten, dann stecke ich mir Stöpsel ins Ohr. Im Schlafzimmer ist es auch etwas ruhiger.“

Der gut verdienende Mann, der ursprünglich mit seiner neuen Frau nach Essen ziehen wollte und dann in Kleve ein neues Haus baute, das nie bezogen wurde, führte seine Ehe also in der ersten Etage über einer Gaststätte, in der regelmäßig die Nacht zum Tage wurde. „Wir haben uns gut verstanden“, sagt Puppa. „Er hat mich gelassen, ich habe ihn gelassen. Und dann war er plötzlich tot.“ Herzinfarkt am Arbeitsplatz, ein paar Stunden später verstarb er im Krankenhaus. 13 Jahre ist das nun her.

Seitdem ist sie allein, aber nicht einsam. Die längste Beziehung ihres Lebens hat sie zu ihrem Laden, der an jedem Abend ein Brennglas ist, der das echte Leben verdichtet und natürlich auch verklärt und verleugnet. Sie hat Beziehungen entstehen und vergehen sehen, sie sagt, sie sei auch „ein bisschen Beichtmutter“, und sie habe ein schwaches Namensgedächtnis, was in ihrem Gewerbe auch ein Vorteil sein kann. „In der Liebe ist schon was los auf der Welt, aber das ist ja nicht nur bei uns, sondern überall so. Die Moral hat schon sehr gelitten.“ Sagt Puppa.

Dreimal wurde bei ihr eingebrochen, der erste Einbruch machte sie zur Heldin. Der Täter fesselte sie und sperrte sie ins Badezimmer. Die Fesseln konnte sie lösen, doch es gelang nicht, die Tür zu öffnen. Puppa: „Da habe ich mir erst die Fingernägel gemacht, dann die Fußnägel, dann die Haare gewaschen. Ich musste was machen, ich hätte natürlich auch schreien können, aber niemand hätte mich gehört.“ Erst der Zeitungsbote befreite Puppa aus ihrer misslichen Lage. Der Täter wurde gefasst und verurteilt.

Nach dem zweiten Einbruch saß Puppa Schmitz zitternd in der Wohnung, und ein junger Polizist sprach beruhigend auf sie ein: „Frau Klar, wahrscheinlich wäre es am besten, wenn sie sich eine andere Wohnung suchen würden.“ Puppa schwieg, nicht ausgesprochen blieb also der folgende Gedanke: „Männeken, wenn du wüsstest – in einer anderen Wohnung wäre ich auch tot.“ Auch dieser Täter wurde gefasst und verurteilt.

Der dritte Einbruch war der schlimmste, weil der Täter mit einem Elektroschocker kam. Das Gerät funktionierte zum Glück nicht. Und zum Glück hatte sie gerade ihren Steuerberater in der Leitung, der sofort die Polizei rief. Der Täter wurde gefasst und ebenfalls verurteilt.

So hat Puppa Schmitz Krisen und Kriminelle überstanden, sie hat gelebt, geliebt, und sie ist stolz und kann auch lachen, wenn sie auf all das zurückblickt, was ihr Leben ausmacht. Vor einigen Jahren, als das Schweizerhaus abgerissen wurde, dachte sie: „Jetzt habe ich alle überlebt.“ Alles, was an Gastronomie zumindest in einer ähnlichen Liga spielte, ist vergangen – Schweizerhaus, Eddie’s Club, Hotel Bollinger, Old Grany, Herta Cattle und ihr Hotel Robbers, alles im Staub der Geschichte.

Das „Haus Bresserberg“ hat alle überdauert, und die Wirtin ebenfalls. Nur der Herrgott bestimme, wie lange sie noch hinterm Tresen stehe. Puppa: „Wenn ich hier raus muss, wo sollte ich dann hingehen? Ich könnte natürlich in mein Haus ziehen, aber ich bin sicher, dass ich da kaputtgehen würde. Wenn hier andere Leute herumspringen – das geht ja wohl gar nicht!“


Karrieresprung für Klever Journalisten: Peter Huth wird WamS-Chef

rd | 06. Februar 2017, 11:33 | 12 Kommentare
Peter Huth, Chefredakteur BZ, Ex-Mitarbeiter Grenzland Post

Peter Huth, Ex-Mitarbeiter Grenzland Post

Peter Huth, jetzt selbst Teil der Chefredakteurs-Ahnengalerie (Foto: Peter Huth)
Herzlichen Glückwunsch! Der aus Kleve stammende Journalist Peter Huth übernimmt eine neue Aufgabe bei Axel Springer – er führt ab sofort die Redaktion der renommierten Welt am Sonntag. Der Medienkonzern (Bild u.a.) teilte mit: „Peter Huth, 47, seit 2008 Chefredakteur der B.Z. und seit 2013 zusätzlich Stellvertreter des Chefredakteurs von BILD, wird ebenfalls mit sofortiger Wirkung Chefredakteur der Welt am Sonntag. Nachfolger von Peter Huth als Chefredakteur der B.Z. wird Miriam Krekel, 39, derzeit Stellvertreterin des Chefredakteurs.“ Vorstandsvorsitzender Matthias Döpfner kommentierte: „Peter Huth hat die B.Z. als Magnet der Kreativen und als Beispiel für modernen Hauptstadt-Boulevardjournalismus positioniert. Dafür danke ich ihm und wünsche ihm für seine neuen Aufgaben bei der Welt am Sonntag ebenso viel Erfolg.“


10 Jahre kleveblog! 7. Wie war das, als Angela Merkel die Redaktion besuchte?

rd | 05. Februar 2017, 17:32 | keine Kommentare
Ein Besuch in der hippen kleveblog-Redaktion? Warum nicht, Frau Bundeskanzlerin? (Foto © Bundespresseamt/Denzel)

Ein Besuch in der hippen kleveblog-Redaktion? Warum nicht, Frau Bundeskanzlerin? (Foto © Bundespresseamt/Denzel)

Als Angela Merkel vor vier Jahren Theo Brauer besuchte, um sich von ihm die Welt erklären zu lassen, machte die Kanzlerin auch einen kleinen Abstecher zum Grünen Heideberg, zur hippen kleveblog-Redaktion. Neuland für die Regierungschefin, die damals noch mit einem Nokia 7210 telefonierte und dem Herausgeber bei einem Chai Latte im grünen Regierungskostüm erläuterte, warum Fake News für Sie ein rotes Tuch sind. Die Redaktion zeigte sich einsichtig und nahm daraufhin die folgenden Geschichten sofort vom Netz:

Pleustophytenkreuzer MS Theo d’oro: Möge die Schlacht beginnen!

Sparkasse nimmt neue Hauptstelle in Betrieb: Nach der Volksbank Kleverland hat nun auch die Sparkasse Kleve eine neue Hauptstelle in Betrieb genommen. Der Neubau war nötig geworden, nachdem der moldawische Zentralbankrat überraschend die Sprengung des bisherigen…

(19/24) 1000 Meisterwerke: Elektrik-Rick: Das Leben ist eine Spülmaschine. Es ist eine der klassischen fiaskösen Situationen aus der Echtküche im Echtleben: Man will benutztes Geschirr in die Spülmaschine einräumen und entdeckt, dass der Partner oder Spross den bereits seit…

Fragen und Antworten zum Einsatz des Pleustophytenkreuzers HMS Theo d’Oro: Vor zwei Monaten ließen die Umweltbetriebe der Stadt Kleve den Pleustophytenkreuzer der T-Klasse HMS Theo d’Oro vom Stapel, ein Doppelrumpfschiff mit einer unzerstörbaren Außenhaut aus eloxiertem, hochangereicherten Aluminium, dessen vier…

Landgericht: Neue, fluchtsichere Toiletten installiert! So schnell können Behörden reagieren: Nach der Flucht eines Häftlings während der Urteilsbegründung installierte die Justiz jetzt neue – garantiert fluchtsichere – Toiletten…

Die Akte Schürmanns: Nie ausgeführte Korrekturen: Im Klever Wochenblatt erschien gestern ein Artikel mit der Überschrift »Die „drei ???“« – ein Dokument der nackten Angst, wie eine kleveblog zugespielte Manuskriptfahne mit nie ausgeführten Korrekturen von Redaktionsleiter…

VEB FN: Spreen verspricht 15 Freiflüge für jeden Bürger! Es ist eine gute Nachricht für alle Bürger: Im Zuge der Umwandlung des Flughafens Niederrhein (FN) in einen Volkseigenen Betrieb (VEB), die bis 2016 abgeschlossen sein soll, verspricht Landrat Wolfgang…

1000 Meisterwerke: „Teures ‚Licht-Bild’“: Der ganz der regimekritischen Dichtung der Spätrenaissance verhaftete Lyriker Walther Flinterhoff, ein Mitglied der Gruppe 1848, hat mit seiner neuen Text-Bild-Collage „Teures ‚Licht-Bild’“ ein Werk geschaffen, dessen Platzierung unten links auf der Seite B6 Lokale Kultur mit spielerischem Undersstatement vergessen macht

And the winner is… Camping Freizeit Sport


Von oben herab: Baustelle Sternbuschbad

rd | 05. Februar 2017, 16:18 | 4 Kommentare

Doh-So-Philie, diesmal der Blick auf Kleves größte Baustelle. Es wird, wenngleich zukünftig ohne wettkampfuntaugliches Olympiabecken (bei den Beckenmaßen war die Verkachelung nicht mitberechnet worden)…

Waldarbeiten (Foto: Torsten Barthel)

Waldarbeiten (Foto: Torsten Barthel)


Wohin am Wochenende? (5)

rd | 03. Februar 2017, 17:40 | keine Kommentare

Noch nichts vor? Na warte!

Samstag, 16:00 Uhr: Knackiger Po (Volkshochschule)

Ist das noch die Volkshochschule, wie wir sie kennen? Die Volkshochschule, die Dienstag abends Stenografiekurse anbietet, damit man besser durchs Leben kommt? Vermutlich nicht, aber egal – die Teilnehmer dieses VHS-Kurses lernen „effektive Übungen, […] um den Unterkörper wieder in TOP-Form zu bringen“. Und Massagetechniken. Und Tipps und Tricks, das Hautbild zu verschönern. (Voranmeldung war erforderlich.)

Samstag, 18:15 Uhr: VfL Merkur Kleve – FSV Jüchen (Stein-Gymnasium)

Nach dem Überraschungssieg in Emmerich am vergangenen Sonntag empfangen die Basketballer des VfL Merkur Kleve nun den Tabellenführer FSV Jüchen. Allerdings erhielt der frisch erweckte Optimismus im Abstiegskampf im Laufe der Woche erhebliche Dämpfer – Aufbauspieler Artur Kerenker konnte die ganze Woche nicht trainieren, Center Kevin Pitzner zog sich im Training einen Bänderriss zu und fällt vermutlich für den Rest der Saison aus, und Leistungsträger Alex Kacar musste aus Gründen, die der Trainer noch einer strengen Prüfung unterziehen wird, absagen. Also eine schwere Prüfung, die zu sehen nicht ganz einfach sein wird. Das Spiel ist seit Wochen ausverkauft, möglicherweise lungern vor der Schule aber noch Schwarzkartenverkäufer herum. Mehr als siebzig Cent sollte man aber auf keinen Fall für ein Ticket ausgeben!

Sonntag, 11:30 Uhr: Schule Kunst Museum (Museum Kurhaus)

An diesem Wochenende präsentieren weiterführende Klever Schulen samstags und sonntags ab 11 Uhr die Kunstwerke von Schülerinnen und Schülern, die das gesamte letzte Schuljahr aus Anlass der Ausstellungen im Museum Kurhaus Kleve entstanden sind. Bei „Schule Kunst Museum“ handelt es sich um das größte Klever Bildungsnetzwerk, das seit dem Jahr 2000 existiert und kontinuierlich zwischen dem Klever Museum und den Schülern betrieben wird. Es kulminiert im gemeinsamen Ausstellungswochenende, an dem das gesamte Erdgeschoss des Museums mit Werken von Kindern und Jugendlichen eingerichtet wird. Im Rahmen des Projekts gibt es am Samstag von 15:30 Uhr bis 16:30 Uhr eine Führung sowie den Festakt „Mittendrin“ am Sonntag von 11:30 Uhr bis ca. 13 Uhr.
Der Eintritt ist frei.

Sonntag, 17:00 Uhr: Karneval an der Orgel (Willibrord-Kirche)

Die katholische Kirchengemeinde St. Willibrord, Kleve lädt am Sonntag um 17 Uhr in ihre Pfarrkirche an der Overbergstraße im Ortsteil Kellen zu einem besonderem Konzert ein. Zur Aufführung kommt der „Karneval der Tiere“ des französischen Komponisten Camille Saint-Saens in einer Fassung für Orgel zu 4 Händen und Füßen, ergänzt durch Texte von Albrecht Gralle. Die 14 meist recht kurzen Sätze von Saint-Saens widmen sich lautmalerisch meist einer Tierart und zitieren und parodieren gleichzeitig Melodien bekannter Komponisten, etwa von Mozart, Rossini oder Offenbach, wobei es der Komponist den Zuhörern überlässt, etwaige Beziehungen zwischen den Tieren und den zitierten Komponisten herzustellen – gewissermaßen eine „musikalische Bütt“. Die ursprünglich sehr abwechslungsreiche kammermusikalische Instrumentierung kommt einer Wiedergabe auf der Orgel mit ihren vielfältigen Klangfarben sehr entgegen. Ausführende sind Helmut Lisken als Sprecher, Christian Kammans und Michael Behrendt an der Orgel. Der Eintritt ist frei – es wird am Ende um eine Spende zur Deckung der Kosten gebeten.


10 Jahre kleveblog! 6. Fantastische Fotos aus 7 Erdzeitaltern

rd | 02. Februar 2017, 14:50 | 1 Kommentar

Auch wenn die Veranstaltung hier grundsätzlich im Zeichen des Wortes steht, so war kleveblog in den vergangenen zehn Jahren auch immer ein Hort der hochwertigen Lichtbildnerei. Hier zur allgemeinen Erbauung eine kleine, bescheidene und sicherlich unvollständige Auswahl, bevor in den kommenden Tagen weitere Details zur Festgala in der Klever Stadthalle, zu der sich jetzt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel angesagt hat, veröffentlicht werden. kleveblog stand übrigens auch schon mal auf der Liste möglicher Grimme-Preisträger, allerdings sind die Siege dort für Stefan Niggemeier reserviert.

Weiteres Umfeld (Foto: Torsten Barthel)

Weiteres Umfeld (Foto: Torsten Barthel)

Gelebte Vielfalt aus dem Klever Bäckereiwesen: Weckmänner auf Kegeltour (Fotorecherche: H. Marquardt)

Gelebte Vielfalt aus dem Klever Bäckereiwesen: Weckmänner auf Kegeltour (Fotorecherche: H. Marquardt)

Dieses Bild scheint zu schreien: Nimm mich!

Dieses Bild scheint zu schreien: Nimm mich! (Aus dem Bistro Mystic Garden)

Summer jam

Summer jam (am Drususdeich)

Schiffsbau für den Bahnhof: Eleganter Schwung im Arnheimer Terminal (Foto © Ronald Tillemann)

Schiffsbau für den Bahnhof: Eleganter Schwung im Arnheimer Terminal (Foto © Ronald Tillemann)

Frugaler Charme

Frugaler Charme

Bürgermeister und Gefolge (Foto: B. Pauls)

Bürgermeister und Gefolge (Foto: B. Pauls)

Die Natur erobert zurück

Die Natur erobert zurück (Union-Gelände)

Nahm sich 30 Sekunden Zeit für die Belichtung: Klaus Oberschilp

Nahm sich 30 Sekunden Zeit für die Belichtung: Klaus Oberschilp

Blaupause

Blaupause im Strnbuschfreibad

Don't look back in anger

Don’t look back in anger

Die Hochschule Rhein-Waal präsentiert sich derzeit zerrissen, was die Nachfolge der Gründungspräsidentin angeht (Foto: Klaus Oberschilp)

Die Hochschule Rhein-Waal präsentiert sich derzeit zerrissen, was die Nachfolge der Gründungspräsidentin angeht (klassisches Symbolfoto, geschossen von: Klaus Oberschilp)

Greenback (Foto © Claudia Philipp

Greenback (Foto © Claudia Philipp

Mögen diese beiden die Herzen derjenigen wärmen, die bisher leer ausgegangen sind

Mögen diese beiden die Herzen derjenigen wärmen, die bisher leer ausgegangen sind (Stilleben aus dem Café T42)

Illustration sponsored by Kochlöffel Media Services

Das Knochenmodell stand mal hoch im Kurs, um Kleve zu erklären – kleveblog lieferte die passende Illustration, sponsored by Kochlöffel Media Services

Meingott, denmusserdochmachn!

Meingott, denmusserdochmachn! (Aus dem Buch „Kleve 1977“ von Peter Janssen)

Man könnte glauben, diese Stadt würde 20 nach 9 nicht mehr erleben. Tat sie dann aber doch, wie eigentlich immer

Man könnte glauben, diese Stadt würde 20 nach 9 nicht mehr erleben. Tat sie dann aber doch, wie eigentlich immer

Ich war's nicht schuld: Autor und Ford Escort in Bayonne (wo der Wagen dann auch blieb – nach Motorschaden für 900 Francs verkauft)

Ich war’s nicht schuld: Autor und Ford Escort in Bayonne (wo der Wagen dann auch blieb – nach Motorschaden für 900 Francs verkauft)

Blick Richtung Westen (Klick aufs Bild für bildschirmsprengende Darstellung)

Grüne Hölle Reichswald, Blick Richtung Westen (Klick aufs Bild für bildschirmsprengende Darstellung)

Wer das anklickt, sprengt seinen Bildschirm (© Kleinendonk)

Nobler Nebel an der Hochschule (Foto: Kleinendonk)

© Christian Flock

Ökologische Fußabdrücke im Himmel (Foto: Christian Flock)


10 Jahre kleveblog: 5. Glanz und Elend 54.080 genehmigter Kommentare

rd | 31. Januar 2017, 20:49 | 8 Kommentare

Wenn mich mein verbliebenes Lateinwissen nicht täuscht, hat das Wort Kommentar die lateinischen Wurzeln „cum“ und „mens“, man bringt also seinen Verstand („mens“) mit („cum“) ein, mithin steht dem Kommentar diametral entgegen die Demenz, bei der der Verstand sich langsam verabschiedet.

So gesehen, ist kleveblog seit seiner Gründung im Januar 2007, reichlich Verstand in Form von 54.080 genehmigten Kommentaren entgegen gebrandet, hinzu darf noch eine beträchtliche Zahl gelöschter Kommentare gerechnet werden, die möglicherweise auch Formen von Intelligenz enthielten, die jedoch entweder aus juristischen Gründen oder aus solchen des Anstands nicht die redaktionelle Kontrolle, von erzürnten Lesern mitunter gerne auch fälschlicherweise „Zensur“ genannt, passieren konnten.

Seit Bestehen der Seite sorgen die Kommentare für Verdruss, womit kleveblog freilich nicht allein auf dieser Welt ist, sondern nur eine von ca. zehn Millionen Seiten. Kürzlich ging mein ehemaliger Chef, Michael Spreng (sprengsatz.de), sogar so weit, aus seinem Blog sämtliche Kommentare zu verbannen. Zu viel Hass, zu viel Blödsinn, zu viel Unverstand, so etwa war die Argumentationslinie.

kleveblog wird seine Kommentare behalten, auch wenn der Schriftleitung klar ist, dass nicht jeder Wortbeitrag mit der Brillanz der redaktionellen Inhalte (???) mithalten kann. Demgegenüber steht aber in vielen Fällen eine lebhafte Diskussion, die sonst in Kleve nirgendwo zu finden ist.

Klar, den einen stört die mögliche Anonymität, den anderen die Handvoll der Kommentatoren, die im Zweifel die virtuelle Stammtischhoheit immer wieder an sich reißen. Doch die Redaktion weiß erstens zu schätzen, dass die Leser sich tatsächlich beteiligen – und dies auf einem Niveau, das auf jeden Fall deutlich oberhalb von Facebook angesiedelt ist –, dass sie in ihren Beiträgen mitunter auf Fehler in der redaktionellen Darstellung hinweisen, dass sie diese um wertvolle Aspekte bereichern, oder dass sie auch schon mal noch verquerer denken als die Redaktion selbst. Also: Auch nach zehn Jahren bleibt alles, wie es ist, wer keine Lust auf dieses „Mit-Denken“ hat, muss es sich ja nicht antun.

Was Sie sonst noch über die Kommentare auf kleveblog wissen wollten, bisher aber nicht zu fragen wagten:

Die meisten Kommentare bisher geschrieben hat der Mann oder die Frau namens „Messerjocke“. Mit seinen 3015 Kommentaren ist „Messerjocke“ für beachtliche 5,5 Prozent des gesamten Meinungsaufkommens verantwortlich. Der Name des Pseudonyms stammt übrigens aus dem Kinderbuch „Pippi Langstrumpf“, in dem ein Pirat so heißt.

Früher lieferte sich Messerjocke ein kopf-an-Kopf-Rennen mit Killerplautze, doch mittlerweile liegt Messerjocke uneinholbar vorne – Killerplautze ist nämlich tot (Ludwig Seerden, 1960-2013).

Die beiden zweifelsohne umstrittensten Kommentatoren waren Willi Heuvens, der in Bezug auf den früheren Bürgermeister Theo Brauer hagiographische Tendenzen an den Tag legte, und Martin Fingerhut, der einfach alles wusste (und weiß), und das auch noch besser – und zudem in einer eigenTümlichen RechtSchreibung, von deren besserer LesBarKeit er als einziger Mensch im UniVersum überZeugt war (und ist).

Die liebsten Kommentatoren sind mir die, die aus der Tiefe des Raumes mit profunden Wissen über bestimmte Vorgänge glänzen, da gab es beispielsweise einmal einen Konfuzius a.D., oder aktuell meldet sich von Zeit zu Zeit der rätselhafte Niederrheinstier.

Tendenziell bevorzuge ich kurze und pointierte Äußerungen, und was überraschende Perspektiven angeht, ist beispielsweise ein „R K H“ ein verlässlicher Lieferant für mitunter strenge, aber immer diskussionswürdige Ansichten.

Das Bewertungssystem für die Kommentare, vor gut einem Jahr eingeführt und irgendwie ein bisschen Facebook-artig, bringt meines Erachtens nicht so viel. Ich denke, es wird wieder abgeschafft.

Was Sie, lieber Leser, nicht zu Gesicht bekommen, sind die zahllosen Spam-Kommentare, mit denen auch diese Seite geflutet wird. Das Abwehrsystem, das sehr verlässlich arbeitet, meldet aktuell seit seiner Installation im Mai 2012 337.616 Kommentare, die Werbebotschaften für Potenzmittel oder Billigkredite waren. Mithin kommen auf einen normalen Kommentar zehn Spam-Kommentare, und in der ganzen Zeit sind nur sieben echte Kommentare fälschlicherweise der Spam-Kategorie zugeordnet worden, die Genauigkeit liegt also bei fast hundert Prozent. Das System (Akismet) rechnet vor, dass mir durch die automatische Erkennung 60 Tage Arbeit erspart worden sind – das ist doch mal nett!


10 Jahre kleveblog… Schätze aus dem Wörtersee (Edition 2011)

rd | 31. Januar 2017, 19:57 | keine Kommentare

Blick zurück zum Jubiläum: Das Jahr 2011… die ersten Lose für den Minoritenplatz werden vergeben… die Hochschule läuft zu großer Form auf… und die halbe NATO diskutiert in Kleve die Zukunft des Krieges… hier alles im Spiegel einiger paranoider Überschriften:

Wohlfühlfaktor 560: Die (wahrscheinlich) gemütlichste Baustelle der Welt

07b 2 MOES D R225: CANC. – THÖM: Sachen gibt’s

Geistige Schlagsahne, so what? 8219 Tagestouristen, so what?

4 Lose – 1,5 Gewinner – 2,5 Nieten (vorerst)

Eine fliese Geschichte

Easy Rider (Swiss version)

Flughafen Niederrhein: Eine »steuerlich sinnvolle« Verlustkonservendose?

Fähr Play

Einen haben wir noch: Prof. Ranga (»Dschörnalism & Bionics«)

Tagebuch eines Geräderten (3): Ich fühle mich so bedarfsgeampelt

Die Stunde des Käseigels: Time to say good Bay

Bachelorstudiengang Riesenradiologie (International Wonderwheelistics)

Kirchstraße 19: Lt. Aktenlage Heiratsantrag

Schwere Koriander-Krise/Heavy coriander crisis/भारी धनिया संकट

Dschäppssissi (JAPCC)

Hausaufgabe: Schreibe einen Aufsatz »Prinz Thommy entspannt sich«, und…


Der rasende Ronald: Bahn frei für Pofalla!

rd | 30. Januar 2017, 16:37 | 33 Kommentare
Über die Bedeutung des Wortes gemeinsam darf spekuliert werden, die Chancen stehen allerdings gut, dass Ronald Pofalla weiter in die Mitte rücken wird

Über die Bedeutung des Wortes »gemeinsam« darf spekuliert werden, die Chancen stehen allerdings gut, dass Ronald Pofalla weiter in die Mitte rücken wird (Foto: DB)

An dem Tag, an dem sein Vertrag eigentlich um drei Jahre hätte verlängert werden sollen, trat er ab: Rüdiger Grube, Chef der Bahn, des mit 300.000 Mitarbeitern und rund 40 Milliarden Euro Jahresumsatz größten deutschen Unternehmens, räumt mit sofortiger Wirkung seinen Posten! Grund dafür soll ein Streit mit dem Aufsichtsrat gewesen sein, der dem 65 Jahre alten Vorstandschef nur eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre genehmigen wollte.

Man könnte sich vorstellen, dass dieser Vorschlag einer um ein Drittel gekürzten Amtszeit vor dem Hintergrund gemacht wurde, dass ein anderer Kandidat bereits mit den Hufen scharrte – und für den ist der Weg nun mit sofortiger Wirkung komplett frei! Ronald Pofalla, langjähriger Kanzleramtsminister und enger vertrauter von Angela Merkel, seit 2015 im Vorstand der Bahn, gilt als Favorit für die Nachfolge – und wäre damit ein weiterer Klever (in diesem Fall etwas genauer: Weezer), der in Berlin an entscheidender Stelle mitmischt (neben z.B. Dr. Barbara Hendricks und Peter Huth).

Der überraschende Wechsel aus der Politik in die deutlich lukrativere freie Wirtschaft hatte vor einigen Jahren für böse Schlagzeilen und auch für viel Bitternis in der regionalen CDU gesorgt. Die Christdemokraten waren noch fröhlich für ihren langjährigen Spitzenkandidaten in den Wahlkampf gezogen und mussten wenige Wochen nach der Wahl erfahren, dass Pofalla mit der Politik gar nicht mehr so viel im Sinn hatte. Pofalla ertrug den Sturm der Entrüstung, indem er sich einfach wochenlang weg duckte und überdies sein Privatleben neu sortierte (Hochzeit mit der 22 Jahre jüngeren Anwältin Nina Hebisch am 8. August vergangenen Jahres).


10 Jahre kleveblog! 4. Der Mensch im Fokus

rd | 28. Januar 2017, 13:31 | 3 Kommentare

Natürlich steht auf dieser Seite der Mensch im Fokus, der Mensch mit all seinen Stärken und, vielleicht etwas mehr noch, mit seinen Schwächen. Aber vom Anbeginn der klevebloggerei an war es auch stets von Bedeutung, dem Gegenüber tief ins Auge zu blicken – was eine Fülle wunderschöner Porträtaufnahmen nahezu zwangsläufig mit sich brachte. Hier, nach zehn Jahren scharfer Tiefe und tiefer Schärfe, eine kleine Auswahl:

Zukunftsmodell Wochenmarkt: Marktbeschicker Jürgen Holtmans

Zukunftsmodell Wochenmarkt: Marktbeschicker Jürgen Holtmans

Ein Leben für Gott: Schwester Cäcilia (Foto: KKLK)

Ein Leben für Gott: Schwester Cäcilia (Foto: KKLK)

Marianne und Wilhelm Bucksteeg: Am 23.12. ist Schluss

Marianne und Wilhelm Bucksteeg: Die letzten Tage „Zu den Kastanien“

 Alfons A. Tönnissen (hier 2014 bei der Nachmittagslektüre im Pias) musste erleben, dass Einbrecher sein Haus durchwühlten

Kluger Kopf mit NZZ: Alfons A. Tönnissen

Sicherer Blick für die modischen Bedürfnisse des Mannes: Ulrich Schulte zur Wißen

Sicherer Blick für die modischen Bedürfnisse des Mannes: Ulrich Schulte zur Wißen

Rüdiger Hendricks mit einem Klassiker aus der Gerichtskantine, der Tasse Filterkaffee für 60 Cent

Rüdiger Hendricks mit einem Klassiker aus der Gerichtskantine, der Tasse Filterkaffee für 60 Cent

Barbara Jacobs bei der Eröffnung des BioMarkts in der Hoffmannallee

Barbara Jacobs bei der Eröffnung des BioMarkts in der Hoffmannallee

Das neue Führungsquartett der Klever Jazzfreunde, ansprechend in Szene gesetzt

Das neue Führungsquartett der Klever Jazzfreunde, ansprechend in Szene gesetzt

Apo in seiner Welt. Am 24.12. wird ein neues Kapitel aufgeschlagen

Apo in seiner Welt

Blumen auch von der CDU, überreicht vom Fraktionschef Wolfgang Gebing (Foto © Thorsten Barthel)

Blumen für Sonja Northing auch von der CDU, überreicht vom Fraktionschef Wolfgang Gebing (Foto © Thorsten Barthel)

Neu im Mai: Dr. Heide Naderer

Neu im Mai: Dr. Heide Naderer

Ihm ist das Lachen vergangen: Udo Tjaden

Ihm ist das Lachen vergangen: Udo Tjaden

Nix wie weg? Investor Thomas Riek (Foto: © Kleinendonk

Nix wie weg? Investor Thomas Riek (Foto: Kleinendonk)

Wenn Sie den kleveblog-Redakteur einmal zu fassen kriegten…

Der Redakteur hat’s schwer – im Dialog mit Theo Brauer (Foto: Kleinendonk)


10 Jahre kleveblog – noch mehr aus dem Sprachlabor…

rd | 28. Januar 2017, 13:17 | keine Kommentare

10 Jahre kleveblog, 10 Jahre Sprachlabor! Für viele diese Überschriften wird der Autor vermutlich in der Wortspielhölle frittiert, aber sei’s drum – schöne Überschriften aus dem Jahr 2010:

Das Private ist das Politische am Beispiel Putenbraten
Bürgerversammlung Rindern: Schaulaufen der Silbenschleppzüge

Böse Köttböllarüberraschung auf dem Köntöauszug
Abenteuer Jobbörse: Bachelor of Love bei der LVA

Triester Trestertristesse
T42: Alles ganz (s)anders

Kirmesanekdote (mit 100 Toten)
Irreal. Wolkenkuckucksheim. Protest. Utopie. Hinrissig. Unverschämtheit

Belle Block
Krume Gedanken
12 Zeilen Haas


„Diagnose: Jugendschizophrenie“

rd | 28. Januar 2017, 12:59 | 5 Kommentare

Beim Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gestern im Bundestag standen zwei Menschen im Mittelpunkt, die sterben mussten, weil sie psychisch krank waren. Sie waren zunächst Patienten der Landesklinik Bedburg-Hau, bevor sie nach Hadamar verlegt wurden. Dort wurden sie ermordet und verbrannt, wie Tausende andere psychisch kranke Menschen auch. Wer mehr zu den beiden Schicksalen erfahren will – die Gedenkreden sind auf YouTube verfügbar:

Benjamin Traub:

Anna Lehnkering:

… und vielleicht ist es die beste Medizin gegen alle derzeit so langsam wieder salonfähig werdenden Ansichten, sich diese beiden Reden anzuhören.


Wohin am Wochenende? (4)

rd | 27. Januar 2017, 15:55 | keine Kommentare
Variationsreiche Arranschemenz, wie der Kölner sagt

Variationsreiche Arranschemenz, wie der Kölner sagt

Unsere handverlesene Auswahl fürs letzte Januarwochenende:

Freitag, 20 Uhr: Wilfried Schmickler (Stadthalle)

Der bekannte Kabarettist präsentiert „Das Letzte“. Eintritt: 21 Euro.

Freitag, 20:30 Uhr: Tamoko (Casa Cleve)

Ob man „Roxy“ von den Bläck Fööss, „Heimweh nach Köln“ oder „Ich bin ene Kölsche Jung“ in der Jazz-Version wiedererkennen wird? Ob das mit „Superjeilezick“ von Brings überhaupt funktioniert? Seit zwei Jahren tingelt die Band um den Pianisten Simon Seeberger mit dem ungewöhnlichen Songmaterial durch die Bundesrepublik und stößt jedes Mal auf große Begeisterung. Die kölsche Lebensart schätzend, doch gleichzeitig von einem beständigen Fernweh begleitet, lässt uns Seeberger die melancholische Zerrissenheit zwischen den Vorzügen der Heimat und dem abenteuerlichen Kitzel des Fremden und Ungewohnten spüren. Konzert der Klever Jazzfreunde.

Sonntag, 13:30 Uhr: Antiquarischer Büchermarkt (Kolpinghaus)

Für Freunde alten, bedruckten Papiers fast schon ein Muss: der antiquarische Büchermarkt des Klevischen Vereins zu Jahresbeginn im Kolpinghaus.

Sonntag, 18 Uhr: FKB Emmerich – VfL Merkur Kleve (Hansa-Sporthalle)

Zweiter Spieltag der Rückrunde, die Klever Basketballer immer noch mit dem Rücken zur Wand. Das Lokalderby in Emmerich kommt da gerade recht. Abfahrt Fanbus: 17 Uhr ab Stein-Gymnasium.


10 Jahre kleveblog! 3. Die besten Überschriften

rd | 27. Januar 2017, 15:32 | keine Kommentare

klblg_10j-klblg_kuchen

Lokale Zeitgeschichte im Schnelldurchlauf, gesehen in Form von Überschriften, bei denen jedem Google-fixierten Suchmaschinenoptimierer die Haare zu Berge stehen dürften. kleveblog war und ist Anbiederung an lesende Maschinen völlig fremd, für die Redaktion ist Sprache eine fantastische Möglichkeit, dem Treiben der Welt einen Sinn abzuringen, der überraschend und verblüffend sein kann und auf jeden Fall Zusammenhänge herstellt, wo es gut tut, auch einmal über den Tellerrand zu blicken.

Hier also die besten Überschriften, jeweils verlinkt mit den dazugehörigen Artikel, damit man weiß, worum es geht (Teil 1: die frühen Jahre (2007-2009).

Geranienoffensive bringt Demokratie in Gefahr

1000 Meisterwerke: Die Geranienpyramide

Buchladé

HeiPo, oder: Glanz & Elend der Polsterdemokratie

Rollator köj vergätte

Margarine, Gleichmut, Fruchtbarkeit

Ein Ambiente zum Schießen

Mommographie-Screening

Agrobusiness Sprachschaum

Der gespielte Witz: „Ryanair-Garantie“

Möhrenmikado mit Kabelbinder

Haiku des Monats (Zoggel modified)

Theokratie vs Momarchie

Auch Ihnen ein schönes Knochenende!

1. FC Schockstarre (Stand 14:59 Uhr)

Innenstadthaarakiri

Chateau und Rosenkohl

Bistrostuhl ./. Udo Kempkens – Anklage!

1. FC Fassohneboden spielt Ratspressing

Kleve sagt der Glühbirne adé

Die Gedeutmeyerte

Die Poesie des Schuhverkaufens

Echte Pfründe stonn zesamme

Supernova, mit Mamma’s Pizza Place nachempfunden

48 Sekunden Ludger J.

Wenig praktikable Tipps zur Erlangung und Nutzung von Rinderhälften

Bio-Wellness-Engineering

Eine kurze Geschichte über Massageschildkröten

Noch ein Handy, ’ne Fiets, ein Laptop und ein bisschen Konfitüre

Verschiebung der Erdachse inkl.?

Das letzte Mannifest

Bizeps gegen Barbara

Frau Hammer, Ihr Haus ist dann mal weg

Requiem auf 7 Klever Bäcker

Von dieser Geschichte sollten Sie nie, nie, nie erfahren

Ich, Sven Rickes

Om halv twee sin ik weg, meer hem ik ni noedig

Ein Bild von Traurigkeit (wenn der Gouda nicht wäre)

Woolworth: Verkauf von Antimaterie hat begonnen

Die 9 Stufen tantrischen Glücks

Warum muss Rindern zerstört werden?

Die 75 Tage des Thunfischs


10 Jahre kleveblog! 2. Die nackten Fakten, oder: Das weiß Google über dich, lieber Leser

rd | 26. Januar 2017, 15:30 | 10 Kommentare
Pulsschlag des Lebens: Die deutlich sichtbaren Ausreißer sind das kleine Erdbeben (2011), Udo Janssens Kandidaten-Coup (2014) sowie die Nominierung und Wahl von Sonja Northing (2015) – und da sage noch einer, Politik gehe nicht

Pulsschlag des Lebens: Die deutlich sichtbaren Ausreißer sind das kleine Erdbeben (2011), Udo Janssens Kandidaten-Coup (2014) sowie die Nominierung und Wahl von Sonja Northing (2015) – und da sage noch einer, Politik gehe nicht

10 Jahre kleveblog, 10 Jahre Fake-News, Hasskommentare und alternative Fakten – wer tut sich so etwas an?

klblg_10j-klblg_kuchenDu bist männlich, 40 Jahre alt, hast Abitur und eine schwere Kindheit hinter dir, verdienst 4500 € brutto monatlich, bist bei noch keiner Straftat erwischt worden und leicht unzufrieden mit dem politischen Establishment – vielleicht sieht so der typische kleveblog-Leser aus, vielleicht auch nicht. Ich weiß es nicht, Google wahrscheinlich schon. Was Google wiederum mir durch den Einbau des kleinen Tools Google Analytics mitteilt, sind die folgenden Fakten (seit 01.01.2008)

  • Sitzungen: 2.990.864
  • Nutzer: 934.739 (davon Wiederholungstäter: 68,7 %)
  • Unterschiedliche Nutzer in den vergangenen 30 Tagen: 11.990
  • Seitenaufrufe: 6.522.180
  • Seiten/Sitzung: 2,18
  • Durchschnittliches Nutzungsdauer: 2 Minuten und 48 Sekunden
  • Betriebssystem: Windows (69,38 %)
  • Betriebssystem (mobil): iOS (60,19 %)
  • Geschlecht: 54,15 % männlich
  • Alter: 27,5 % 18-24; 5,5 % über 65
  • Weltkarte der Nutzer: alle Länder außer Grönland, Spitzbergen, einige zentralafrikanische Staaten, Nordkorea und Papua-Neuguinea
könnte mal bitte jemand in Papua-Neuguinea auf kleveblog klicken

Könnte mal bitte jemand in Papua-Neuguinea auf kleveblog klicken

Meistgelesene Einzelartikel:

  1. Offizielle Liste der Wiewörter (8954; da hat Google Sprachschüler hingeführt ;-))
  2. Udo! Udo! Udo 78:76 (8305)
  3. Dorfstraße: Ein Leserbrief, der in der NRZ stand (8016)
  4. Ausgzapft is: Gordion Management stellt Insolvenzantrag, Oktoberfest in Gefahr (7499)
  5. Verwirrung um Party am 1. Weihnachtstag im Schweizerhaus (7283)

(Zur Erläuterung: Diese Tabelle gibt vermutlich nicht das korrekte Bild wieder, da auf kleveblog bekanntlich die meisten Artikel durch einen Klick auf die Startseite aufgerufen werden können.)

Was sie über die große Jubiläumsgala in neun Tagen in der Stadthalle wissen müssen: Kleidungsstil: festlich-sexy; Tanzkenntnisse: alle lateinamerikanischen Gesellschaftstänze; Trinkfestigkeit: ausgeprägt; Ehrengäste: Dr. Barbara Hendricks, Sonja Northing, Theo Brauer, Messerjocke, Gerd Zuckerberg


Wenn Emmerich (im Nebel) verschwunden ist, sieht die Rheinbrücke noch schöner aus

rd | 26. Januar 2017, 13:29 | 5 Kommentare

Unlängst dachte die Redaktion, mit der Veröffentlichung eines Bildes, dass die Emmericher Rheinbrücke mit zwei exakt gleich großen Pylonen zeigt, sei endgültig alles Optische zu diesem Thema publiziert worden. Und dann sendet ein Leser diese am Oraniendeich entstandene Aufnahme:

Emmerich kann, muss aber nicht unbedingt sein (Foto: Jörg Streuff)

Emmerich kann, muss aber nicht unbedingt sein (Foto: Jörg Streuff)


10 Jahre kleveblog! 1. Die entbehrungsreichen Anfänge nach dem Krieg, als alles in Trümmern lag

rd | 25. Januar 2017, 16:58 | 10 Kommentare

klblg_10j-klblg_kuchenKaum zu glauben, aber auf die Minute genau vor zehn Jahren, am 25. Januar 2007 um 16:58 Uhr, erschien der erste kleveblog-Artikel überhaupt. In den folgenden Jahren erschienen 3209 weitere Beiträge, also durchschnittlich 0,88 Berichte pro Tag.

Bevor dieses Jubiläum in zehn Tagen mit einer großen Gala in der Klever Stadthalle gefeiert wird, wird die Zeit genutzt, um die Entwicklung unseres kleinen Angebots, das im frühen Stadium von mir gerne als „Privatkirmes“ bezeichnet wurde, vorzustellen – anhand vieler fantastischer Zahlen, mit Screenshots früherer Erscheinungsformen, mit Listen der erfolgreichsten Berichte (als Kriterium gilt allein die Zahl der Seitenaufrufe) und der fleißigsten Kommentatoren, mit den besten Bildern und den schönsten vernichtenden Urteilen langjähriger Nichtleser. Also viel spannender, sich selbst bespiegelnder Lesestoff für ganz wenig Geld.

Die erste Geschichte, die unten zu lesen ist, dokumentiert die zaghaften Anfänge. Damals musste der Programmcode noch mit 32-er-Schraubschlüsseln in jedes einzelne Empfangsgerät eingebaut werden, nach vier Wochen waren die Besitzer der Internet-Zugangseinrichtungen dazu angehalten, die HTML-Muttern nachzuziehen, damit sie den digitalen Erschütterungen, die dieser ungewohnt freche Lokalcontent in den Arbeitsspeichern auslöste, standhalten konnten. Die Zugriffszahlen damals lagen bei rund zwanzig Seitenaufrufen pro Tag. Heute sind es an normalen Tagen rund tausend, an außergewöhnlichen – Schweizerhaus schließt, Erdbeben, Northing wird Bürgermeisterin – auch schon mal fünftausend bis siebentausend.

Genug der Vorrede, hier nun der Artikel inkl. der beiden (erst zwei Jahre später abgegebenen) Kommentare dazu, deren Pseudonyme langjährigen Lesern wohlvertraut sind:

4 Regale sind genug

rd | 25. Januar 2007, 16:58 | 2 Kommentare
Nachdem in beautiful Kleve unlängst schon ein Geschäft für polnische Feinkost eröffnet hat, steht nun offenbar der nächste konsequente Schritt in Richtung internationaler Metropole bevor. Der holländische Käsemann aus der Fußgängerzone plant, wie zu hören war, die Eröffnung eines holländischen Spezialitätengeschäfts. M. E. dürften für die Einrichtung zwei Kühlregale und zwei normale Regale genügen:

Matjes
Industriepudding („Vla“)
Labberbrot
Genever
Oder habe ich etwas vergessen? (Käse zählt nicht, den verkauft er ja ohnehin schon.)(Drogen natürlich erst recht nicht, das ist ja hier so was von verboten…)

1. Messerjocke
Am 13. Februar 2009 um 18:59 Uhr |Bearbeiten
In Kleve läuft’s doch ! Friteuse neben den Tresen, Bitterballen, Kipkorn u. Frikandeln zusätzlich ins Angebot und fertig ist das unvergleichliche Sortiment.

2. Jean Dampff , i.V.Killerplautze
Am 14. Februar 2009 um 03:38 Uhr |Bearbeiten
@Messerjocke

Das Kamps, ja der Bäcker, nicht der unsägliche Sohn, betreibt im Nachbarland Bakerstreet, die all das Fertigfutter, wie von Dir beschrieben, an den Tankstellen anbieten.

(wieso hupt hier mitten in der Nacht die Deutsche Bahn? – schon wieder)

Für unser Kirchspiel ist das schon eine gute Idee, denn dann muss der Frietjes-Grins wieder mal seine Preise senken.


Siegbert Nöldner, 1939-2016

rd | 24. Januar 2017, 12:09 | 6 Kommentare
Ewiger Kampf gegen den Verfall seiner eigenen Immobilien: Siegbert Nöldner

Ewiger Kampf gegen den Verfall seiner eigenen Immobilien: Siegbert Nöldner

Siegbert Nöldner war ein Ritter der traurigen Gestalt. Wie Don Quichotte, der erste seiner Art, führte er lange Jahre seines Lebens einen Kampf gegen alle möglichen Feinde, den er nie gewinnen konnte. Nöldner legte sich an mit Behörden und mit Banken, und den wohl größten und aussichtslosesten Kampf überhaupt führte er gegen den Verfall der Immobilien, die er an der Frankenstraße und an der Hagschen Straße besaß.

Don Quichotte hatte seinen Sancho Pansa, und in Begleitung von Siegbert Nöldner ebenfalls immer ein treuer Knappe anzutreffen, der für die Verrichtung von Handlangerarbeiten zuständig war, beispielsweise dafür, Baumaterial aus dem klapprigen Kleinwagen asiatischer Provenienz auszulagern und zu den Ewigkeitsbaustellen zu transportieren. Wie der rote, rostige Nissan zeigte, sparte Nöldner auch an sich selbst, was aber noch übertroffen wurde durch die Knauserigkeit, die er seinen Immobilien gegenüber an den Tag legte.

Das Schlägerputztuch mit Stickerei „Evelyn N.“ ist im Preis enthalten

Auf Luxus legte Siegbert Nöldner keinen Wert: Privatverkauf eines Golfwagens, das Schlägerputztuch mit Stickerei „Evelyn N.“ war im Preis von 60 Euro enthalten

Einmal konnte man ihn dabei beobachten, wie er in dem Ladenlokal an der Hagschen Straße neue Fenster einsetzte – selbst gefertigt aus Holzleisten und einer Einfachscheibe, und dementsprechend solide aussehend. Schon vor dem Einbau der „Fenster“ wurden die 52 Quadratmeter für 420 Euro angeboten, „geeignet auch für Existenzgründer, Subventionen durchs Arbeitsamt“.

Seien Sie mutig!

Immobilie ohne Fenster, auch für Existenzgründer

Die Wohnungen in seinen Häusern waren, diplomatisch ausgedrückt, unter Standard und wurden von ihm an die Randexistenzen unserer Gesellschaft vermietet, was durchaus honorig ist („Verdienstbescheinigungen der letzten zwei Monate“, wie andere Vermieter sie gerne einfordern, hat Nöldner vermutlich nie zu Gesicht bekommen), zumal einige der Mieter dort auch kostenlos wohnen durften – wenn das Sozialamt die Zahlung der Miete verweigerte.

Nöldners Immobilien waren aber nicht nur der Gegenstand beständiger Kampfhandlungen gegen den Zahn der Zeit, der Besitzer zögerte auch nicht, sie als Waffe einzusetzen. Mehrfach beschriftete Siegbert Nöldner die Fassade des Hauses an der Hagschen Straße mit Losungen gegen die Menschen, gegen die er gerade zu Felde zog. Es konnte den Sparkassendirektor treffen, oder einen Klever Staatsanwalt, oder auch einen Motorradfahrer mit Migrationshintergrund, der aus der Sicht des Einzelkämpfers gegen Verkehrsregeln verstoßen hatte.

Noch sind die Inhalte etwas statisch

Parolen auf dem „Haus der Kunst“, wie Nöldner seine Immobilie 2015 taufte

Wenn Nöldner dann per behördlicher Anordnung dazu verdonnert wurde, seine Parolen zu entfernen, wurden die Gäste im gegenüberliegenden Café Samocca Zeuge des bemerkenswerten Schauspiels, wie der alte Mann auf eine klapprige Leiter stieg und höchstpersönlich in aller Seelenruhe alles überpinselte.

Siegbert der Sagenhafte hatte – wie Theo Brauer – als Karnevalsprinz einen Bart.

Siegbert der Sagenhafte


Es ist nicht zu ergründen, wann und warum Siegbert Nöldner den grotesken Kampf gegen die Welt eröffnete. Er war einmal Berufsschullehrer, und Weggefährten aus dieser Zeit erzählen, dass er schon dort nach seinen eigenen Regeln lebte und arbeitete. Und er war tatsächlich einmal, 1981, Karnevalsprinz in Kleve, „Siegbert der Sagenhafte“.

An der Tiergartenstraße betrieb Nöldner lange Jahre das so genannte „Reichswald-Institut“, in dem Nöldner gemeinsam mit seinem Sohn Reiki-Behandlungen anbot und auch andere Therapien duchführen wollte, allerdings blieb die Resonanz auf diese Angebote sehr zurückhaltend.

Siegbert Nöldner ist, wie die Redaktion erst jetzt erfahren hat, bereits im Oktober des vergangenen Jahres verstorben. Er starb nach einem langen Kampf gegen alles und jeden, aber der Tod selbst war gnädig zu ihm und ließ ihn zu Hause neben seiner Frau auf dem Sofa sterben, plötzlich und unerwartet.


Zukunft der Wochenmärkte: Gipfeltreffen bei Northing

rd | 23. Januar 2017, 16:53 | 28 Kommentare
Zukunftsmodell Wochenmarkt: Marktbeschicker Jürgen Holtmans

Zukunftsmodell Wochenmarkt: Marktbeschicker Jürgen Holtmans

Ausbaufähig – aber wie? Markt Linde

Ausbaufähig – aber wie? Markt Linde

Temperaturen um den Gefrierpunkt und eisiger Ostwind sind nicht die besten Rahmenbedingungen, um am Samstagmorgen in aller Frühe draußen zu stehen und frisches Gemüse zu verkaufen bzw. zu kaufen, und so bietet der Wochenmarkt Linde derzeit von außen betrachtet eher den Eindruck eines unwirtlichen Areals.

Doch hinter den Kulissen wird nicht allein darauf gewartet, dass die nächste Jahreszeit das Ambiente wieder etwas freundlicher gestaltet, sondern intensiv diskutiert, welche Zukunft die Märkte in der Stadt haben. Am vergangenen Dienstag trafen sich sämtliche Marktbeschicker, die in Kleve aktiv sind (bis auf einen Händler, der im Stau stecken geblieben war), im Rathaus und diskutierten mit Bürgermeisterin Sonja Northing darüber, was noch getan werden kann, um die Attraktivität der Märkte in der Stadt zu steigern. „Es war ein fruchtbares Gespräch“, so Northing nach dem Treffen.

Was aber kann getan werden?

Im vergangenen Jahr fällten die Marktbeschicker gemeinsam mit der Stadt die Entscheidung, die Fläche des Marktes an der Linde zu halbieren. Auf diese Weise sollte das Ensemble der Stände etwas „kuscheliger“ wirken und mehr Marktatmosphäre entstehen. Da aber im Winter einige Händler fehlen, sind derzeit dennoch große Lücken zu sehen. Die Stände, die da sind, wirken ein wenig verloren. Auf der anderen Seite aber sind alle Händler mit ihrem derzeitigen Standort zufrieden, und alle wollen den Wochenmarkt am Samstagmorgen an der Linde auf jeden Fall beibehalten. Es geht nur darum, ihn attraktiver zu gestalten.

Als einzige konkrete Maßnahme aus diesem Treffen ging allerdings nur hervor, dass künftig an der Linde auch ein Toilettenwagen stehen wird. Vermutlich wäre es eine vernünftige Lösung, die öffentliche Toilette am Westende des Platzes einfach mit Beton aufzufüllen, dann ist sie für alle Zeiten verschwunden.

Weiterhin soll versucht werden, neue Händler für den Markt zu gewinnen, unter anderem regte Kaffeebudenbetreiber Nils Roth an, eventuell auch solche Leute für den Markt zu begeistern, die beispielsweise hobbymäßig Lebensmittel herstellen. Außerdem bilden Roth und der Inhaber des Bio-Gemüsestandes eine zweiköpfige Arbeitsgemeinschaft, die überlegt, welche öffentlichkeitswirksamen Schritte möglich sind – vor der Kaffeebude von Roth gab es im Sommer vergangenen Jahres beispielsweise Live-Musik.

Grundsätzlich sollte auch die Frage der Marktzeiten diskutiert werden: Die Zahl der Klever Bürger, die schon um sechs Uhr morgens das Gemüse fürs Wochenende einkauft, hält sich mittlerweile in engen Grenzen. Dafür ließe sich mit etwas mehr Geschäftszeiten zum Nachmittag hin eventuell eine zusätzliche Klientel von Menschen erschließen, für die der Gang zum Markt nicht allein zweckdienlichen Erwägungen folgt, sondern auch der Geselligkeit dient und zur Lebensfreude beiträgt. Allerdings wollen die Händler auch mal Feierabend haben.

Problematischer als der Markt an der Linde wird die Zukunft der Märkte mittwochs und freitags in der Kavarinerstraße und auf dem Koekkoek-Platz gesehen. Eine Überlegung in diesem Zusammenhang ist, den Standort auf den Platz vor Kodi/Deutscher Bank/Volksbank zu verlagern, eine andere, darauf zu warten, dass mit der Fertigstellung des Rathauses vor dem Gebäude auch ein attraktiver Platz für einem Markt entsteht. Das aber könnte noch lange dauern…


Sontowski & Partner ./. Stadt Kleve: 57 Tage Verzögerung

rd | 23. Januar 2017, 15:30 | 17 Kommentare
Bald wird der Minoritenplatz auch in Düsseldorf ein Begriff sein – zumindest vor Gericht

Bald wird der Minoritenplatz auch in Düsseldorf ein Begriff sein – zumindest vor Gericht

Die Aussichten, dass der Minoritenplatz bebaut ist, bevor das juristische Verfahren um die Ausschreibung abgeschlossen ist, steigen: Das Oberlandesgericht Düsseldorf teilte mit, dass der ursprünglich vorgesehene Verhandlungstermin in der Sache Sontowski & Partner gegen die Stadt Kleve am 1. Februar nicht stattfinden wird. Verantwortlich dafür seien „senatsinterne Gründe“, wie eine Sprecherin des Gerichts erläuterte. Derlei komme häufiger vor.

Der Prozess ist nötig geworden, weil die Stadt Kleve Rechtsmittel gegen die Entscheidung der Vergabekammer zur Ausschreibung der Minoritenplatz-Bebauung eingelegt hat. Die Kammer war nach Durchsicht von Dokumenten zu der Erkenntnis gelangt, dass das Verfahren gegenüber dem Unternehmen Sontowski & Partner intransparent und unfair gewesen sei. Zwar sei die Ablehnung des Gebots berechtigt gewesen, allerdings stünde der Projektentwicklungsgesellschaft aus Erlangen dafür ein Schadenersatz zu.

Bürgermeisterin Sonja Northing hatte Ende vergangenen Jahres versucht, diese unerquickliche Hinterlassenschaft des früheren Regimes unter Ausschaltung juristischer Fachkräfte zu regeln und sah sich auf einem guten Weg, insbesondere, da die Begründung des Vergabeausschusses wenig Raum für Interpretationen lässt.

Die Kammer hatte sich unter anderem daran gestört, dass die Ablehnung damit begründet wurde, dass der angebotene Kaufpreis für das Grundstück am Minoritenplatz zu niedrig gewesen sei. Das Problem daran war, dass in den Wochen und Monaten zuvor, in denen intensiv über Kleinigkeiten der Fassadengestaltung diskutiert wurde, dieser gebotene Betrag niemals beanstandet wurde. Außerdem hatte die Stadt Kleve selbst den Angebotspreis prüfen lassen und als Rückmeldung erhalten, dass dieser sich in einem vertretbaren Rahmen bewege. Insgesamt also, so hat es zumindest den Anschein, schlechte Karten für einen Prozess.

Allerdings wurde die Erste Bürgerin auf ihrem Weg zu einer außergerichtlichen Verständigung in der letzten Ratssitzung des vergangenen Jahres jäh gestoppt: Mit den Stimmen von CDU, Grünen und FDP entschied der Rat in nichtöffentlicher Sitzung, den Streit vor dem Oberlandesgericht zu suchen – wobei über die Motive durchaus gerätselt werden darf. Vermutlich sind einige Ratsmitglieder bestrebt, das Desaster der damals agierenden Verwaltung anzuhängen (inklusive der neuen Bürgermeisterin), andere möchten offenbar alle Rechtsmittel ausschöpfen, um hinterher die Kanzlei einzutunken, die die Stadt Kleve beraten hat und stets versichert haben soll, dass keine Forderungen von Seiten Sontowkis drohten.

Doch welches Motiv auch immer zum Zuge kommt – das dauert. Die Mühlen der Justiz mahlen bekanntlich langsam, und so werden nun bis zum neuen Termin weitere 57 Tage ins Land ziehen. Am 29. März werden sich die Parteien vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf erstmals zusammensetzen.


Kaffeehausphilosophische Gedanken

rd | 23. Januar 2017, 14:16 | 1 Kommentar
 Trägt

Trägt

Bewegen wir uns nicht alle immer und überall auf dünnem Eis? Wenn du alles unter Kontrolle hast, kann es sein, dass du dich zu langsam bewegst (nach Mario Andretti)? Ist das Eis zu schwach, oder bist du zu stark (nach Fisherman’s Friend)? Wegen der Klimakatastrophe haben wir hier keine echten Winter mehr (typischer Satz vor ca. einem Jahr). Zitate sind Eis für jede Stimmung (Christian Morgenstern).


In der Tiefe des Raumes

rd | 23. Januar 2017, 13:36 | 3 Kommentare

Starten wir eine fröhliche Woche mit einem kleinen Bildbeitrag für Heimatfreunde:

Über allem wacht…

Über allem wacht…


Überhitzte Weltwirtschaft – ganz sicher nicht in der Kavarinerstraße

rd | 20. Januar 2017, 15:16 | 11 Kommentare
„Aufgrund der fehlenden Heizung…"

„Aufgrund der fehlenden Heizung…“

Schnäppchen-D-d-d-d-d-d-d-d-onnerstag…

(Schaufenster von Denaro-Moden in der Kavarinerstraße)


Pfusch am Bau entdeckt! Opschlag wird später fertig als geplant

rd | 20. Januar 2017, 14:47 | 11 Kommentare
Baustelle Opschlag: Etwas Stahlbeton hätte dem Bau gut getan (Foto: Thomas Velten)

Baustelle Opschlag: Etwas Stahlbeton hätte dem Bau gut getan (Foto: Thomas Velten)

Eigentlich hätte da Stahlbeton sein sollen…

Derzeit ruhen wegen des Winterwetters die Bauarbeiten am Opschlag, wo der in das Klinkerensemble eingebettete Pavillon um gut einen Meter erhöht werden soll, um dem ab der nächsten Saison dort wieder tätigen Kanuverleih eine dauerhafte Bleibe zu verschaffen.

Doch zuvor trat bei den Bauarbeiten eine unliebsame Überraschung zu Tage – und die führt, in Kleve nicht ungewöhnlich, zu einer Verzögerung der Fertigstellung.

Laut Planungsunterlagen erwarteten die derzeit dort tätigen Bauarbeitern im Bereich der Brüstung Stahlbeton, sodass sie die Erhöhung sofort in Angriff hätten nehmen können. Als sie jedoch das Geländer demontierten und das Mauerwerk zurück bauten, machten sie eine überraschende Entdeckung: Das Fundament der Brüstung bestand nicht aus Stahlbeton, sondern aus einfachen Beton.

Möglicherweise ein Flüchtigkeitsfehler, vielleicht aber auch der Versuch, ein bisschen an der Qualität zu sparen. Allerdings zeigte sich das zuvor mit der Bauausführung beschäftigte Unternehmen – Loock Erd- und Tiefbau – sofort einsichtig, als es auf den Fehler aufmerksam gemacht wurde. Stadtsprecher Jörg Boltersdorf: „Der Mangel wurde im Rahmen einer Vereinbarung mit der damaligen bauausführenden Firma beseitigt.“

Die zusätzlichen Arbeiten verursachten an der Baustelle einen Zeitverzug von etwa zwei Wochen. Allerdings sollte, wenn nicht noch ein Jahrhundertwinter ins Haus steht, die Bauaßnahme trotz der Verzögerung rechtzeitig zu Beginn der neuen Paddelsaison abgeschlossen sein.


Wohin am Wochenende? (3)

rd | 20. Januar 2017, 13:43 | 1 Kommentar
Das gut sichtbare X signalisiert, wo im Neuen Tiergarten der Schatz vergraben ist

Das gut sichtbare X signalisiert, wo im Neuen Tiergarten der Schatz vergraben ist

Die Fülle möglicher Zeitvertreibe macht es für viele Klever schwer, das Wochenende zu händeln, weshalb viele händeringend nach einer kompakten Übersichtsdarstellung suchen – für sie hier, händisch zusammengestellt, eine handhabbare Handreichung mit einer Handvoll Termine für die kommenden 72 Stunden:

Freitag, 21:00 Uhr: „White Hot & Blue“ (Konzert, Begegnungsstätte Rindern)

Die Klangfabrik beginnt ihr Programm 2017 mit einem Konzert der Gelsenkirchener Musikgruppe „White Hot & Blue“.Seit 1982 steht die Band für handgemachten Rhythm’n’Blues und kraftvollen Bluesrock. Die Gitarrenduelle sind legendär, die Schlagzeug-Beats lassen die Bude wackeln – und die Grooves kommen daher wie geschnitten Brot. Weitere Infos zur Band finden Sie auf www.white-hot-and-blue.de (Eintritt: 12 €)

Samstag, 18:15 Uhr: VfL Merkur Kleve – Grafenberger TV (Basketball, Sporthalle Stein-Gymnasium)

Zwar müssen die Klever auf Center Martin Willemsen verzichten, doch mit dem Rückenwind eines haushohen Sieges gegen den Abstiegskonkurrenten Osterather TV und erneut mit dem zurückgekehrten Danny Jazmati trauen sich die Gastgeber auch gegen den Tabellenvierten aus dem Düsseldorfer Galopprennbahn Stadtteil eine Überraschung zu. Um 16:15 Uhr empfängt die zweite Mannschaft des VfL Merkur Kleve die BG Lintfort 4. Wie zu hören ist, sollen die Besucher erneut in den Genuss zarter Versuche eines Caterings kommen. (Tickets zwischen 80 und 120 €, nur noch wenige Restkarten erhältlich)

Samstag, 20:00 Uhr: Özcan Cosar (Stadthalle)

„Du hast dich voll verändert“, so heißt der Titel des zweiten Programms des Komödianten Özcan Cosar, präsentiert vom Kleinkunstverein Cinque e.V. die Waiblinger Kreiszeitung schreibt: „Das Besondere an Özcans Inszenierung ist, dass sie nicht wie eine wirkt. Sein Hin und Her scheint wie gerade erst im Hirn entstanden und so eben mal lässig-cool aus dem Ärmel geschüttelt.“ (Eintritt: 17 €)

Sonntag, 11:30 Uhr: Spurensuche im Park (Vortrag, B.C. Koekkoek Haus)

A walk in the park, a step in the dark – das muss nicht sein: Für eine weitere Reise in die Welt der Gärten und Parks ist am Sonntag, 22. Januar Gelegenheit: Der Klevische Verein bietet einen Vortrag der Denkmalpflegerin und Architektin aus Aachen Heike Kussinger-Stankovic im B.C. Koekkoek Haus an. „Spurensuche in einem Park von Maximilian Friedrich Weyhe“ lautet der Titel. Der Vortrag stellt den auch für die Klever Parkanlagen des 19. Jahrhunderts so wichtigen Maximilian Friedrich Weyhe vor. Er zeigt am Beispiel des Lousbergs in Aachen die historische Entwicklung und Bedeutung der Parkanlage für dei Kur- und Bäderstadt. Durch einen vertiefenden Blick auf viele Details werden die Gestaltungsabsichten und die Qualitäten von Weyhes Planung aufgezeigt. Bezüge zu Kleve werden hergestellt. (Eintritt für Nicht-Mitglieder des Klevischen Vereins: 5 €)


Achtung! Dieses Bild enthält 4 mg Nitrat

rd | 19. Januar 2017, 12:34 | 26 Kommentare
…, unterstellt den Fall, dass ein Zehntelliter Wasser zu sehen ist

…, unterstellt den Fall, dass ein Zehntelliter Wasser zu sehen ist

Das Weltklima retten, Atommüll für alle Ewigkeit sicher lagern, in den Großstädten bezahlbaren Wohnraum schaffen – irgendwie gewinnt man den Eindruck, im Bundeskabinett ist es allein Barbara Hendricks, die Ministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, die sich mit allen harten Nüssen beschäftigen muss. Zur Jahreswende ist die nächste Baustelle eröffnet worden: Ein Bericht der Bundesregierung beschäftigt sich mit dem Nitratgehalt im Trinkwasser.

In dem Bericht, der alle vier Jahre der EU-Kommission vorgelegt werden muss, heißt es, dass fast ein Drittel der Messstellen für die Grundwasserqualität zwischen 2012 bis 2014 zu hohe Nitratwerte aufwiesen. Hendricks: „Die intensivierte Landwirtschaft kommt uns immer wieder teuer zu stehen. Das zeigt sich gerade beim Grundwasser. Wenn es zu stark mit Nitrat belastetet ist, muss es für unsere Trinkwasserversorgung verdünnt oder das Nitrat muss technisch beseitigt werden. Das treibt die Wasserkosten für alle in die Höhe. Im Sinne des Gemeinwohls müssen wir hier stärker als bisher gegensteuern. Dafür brauchen wir jetzt verschärfte Düngeregeln. Diese haben wir 2016 auf den Weg gebracht, jetzt müssen sie zügig in Kraft treten.“

Da liegt die Frage nahe, wie es in der Heimat der Ministerin, in Kleve, mit dem Nitrat im Trinkwasser aussieht.

Die Antwort: Der Grenzwert für Nitrat liegt bei fünfzig Milligramm pro Liter Trinkwasser – und der wird auch in Kleve an einigen Trinkwasserbrunnen überschritten! Allerdings enthält das Wasser, das in Kleve aus den Wasserhähnen fließt, im Höchstfall vierzig Milligramm Nitrat pro Liter, bleibt also 20 Prozent unter dem Grenzwert. „Wir mischen das Wasser so, dass vierzig Milligramm dabei herauskommen“, so Rolf Hoffmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Kleve im Gespräch mit kleveblog.

Rund 200.000 Euro geben die Stadtwerke jährlich für Maßnahmen zur Verbesserung der Trinkwasser-Qualität aus. Das heißt konkret beispielsweise, dass Landwirte Geld dafür erhalten, ihre Gülle anderswo auf die Felder auszubringen. Es soll nur soviel Stickstoff auf die Felder gelangen, wie auch direkt von den Pflanzen wieder aufgenommen werden kann. Deshalb werden im Raum Kleve 5000 Tonnen Gülle pro Jahr „exportiert“ und fernab von Trinkwasserbrunnen verklappt.

Das Problem: Wenn die Maßnahmen, die heute ergriffen werden, Wirkung zeigen, werden zwei oder drei Jahrzehnte ins Land gestrichen sein. „Die Nitratbelastungen, mit denen wir heute zu kämpfen haben, stammen aus den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts“, berichtet Hoffmann. Solange dauere es, bis die gefährliche Stickstoff-Verbindung bis ins Grundwasser durchgesickert sei.

Hoffmann ist dennoch von der Qualität des Klever Trinkwassers „absolut überzeugt“. Der Nitratgehalt sei nur ein Wert von vielen, die überprüft werden – und der einzige überhaupt, der in Kleve gemessen werde. Alles andere, was sonst noch im Trinkwasser sein könne, bleibe unter der Nachweisgrenze.

In deutlich höheren Mengen als im Trinkwasser findet sich Nitrat übrigens in Blattsalaten (zum Beispiel Rucola), Spinat, Kohlrabi und roter Bete. Warum Nitrat als gefährlich gilt – siehe hier: Fragen und Antworten zu Nitrat und Nitrit in Lebensmitteln


Service für Eltern von Viertklässlern

rd | 19. Januar 2017, 11:38 | 5 Kommentare

Alle Schülerinnen und Schüler der 4. Grundschulklassen, die ab Beginn des Schuljahres 2017/18 eine weiterführende Schule besuchen werden, sind durch die Erziehungsberechtigten in der Zeit vom 03.02. bis 09.02.2017 an den unten aufgeführten Schulen anzumelden. Es wird gebeten, dazu die Geburtsurkunde des Kindes oder das Familienstammbuch, das Halbjahreszeugnis 2016/2017 mit der Grundschulempfehlung und den von der Grundschule ausgehändigten Anmeldeschein vorzulegen.

Die Schulen nehmen die Anmeldungen an folgenden Terminen entgegen:

  • Gymnasien
    • Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Römerstraße 9, 47533 Kleve, Tel. 72950
      • 06.02.2017 von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr
      • 07.02.2017 von 7.15 Uhr bis 18.00 Uhr
      • 08.02.2017 von 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr
    • Konrad-Adenauer-Gymnasium, Köstersweg 41, 47533 Kleve-Kellen, Tel. 976010
      • 06.02. bis 09.02.2017 von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr
      • 10.02.2017 von 08.00 Uhr bis 13.00 Uhr
  • Realschule
    • Karl Kisters Realschule Kellen, Lindenstraße 3a, 47533 Kleve, Tel. 78123
      • 06.02. bis 08.02.2017 von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr
  • Gesamtschulen
    • Gesamtschule Oberstadt: Ackerstraße 80, 47533 Kleve, Tel.9977690
      • 03.02.2017 von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr
      • 04.02.2017 von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr
      • 06.02. bis 09.02.2017 von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr
    • Gesamtschule Kleve-Rindern: Eichenallee 1, 47533 Kleve, Tel. 7139612
      • 06.02. bis 08.02.2017 von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr

Der Schulträger ist laut Rechtsverordnung des Landes NRW verpflichtet, für einen Ausgleich der Schulen seines Bereichs untereinander zu sorgen. Daher ist grundsätzlich mit der Anmeldung keine Aufnahmeverpflichtung verbunden. Nach Abschluss der Anmeldephase wird im Einvernehmen mit dem Schulträger über den Anmeldewunsch endgültig entschieden.


Nicht nur verrückt, sondern fast schon krass!

rd | 18. Januar 2017, 19:10 | keine Kommentare

Warenwirtschaftskunde:

Verrücktheit ist heute schon für 9,99 Euro zu haben

Verrücktheit ist heute schon für 9,99 Euro zu haben


Ära der Weißkittel

rd | 18. Januar 2017, 15:10 | 9 Kommentare
Als die Welt noch in Butter war

Als die Welt noch in Butter war (Foto: unbekannt)

Fundstück auf der Facebook-Seite „Kleve anno dazumal“, das die Arbeitswirklichkeit in den 50-er Jahren bei der Margarine Union zeigt. Eine Schreibstube kann es wegen des hohen Mänenranteils kaum sein, aber wer sitzt mit einem weißen Kittel am Schreibtisch.


Winterfrost (W. Look)

rd | 18. Januar 2017, 15:05 | 1 Kommentar
Unbekannter Künstler

Unbekannter Künstler

Winterfrost

Traurig träumet Raureif auf den alten Ästen,
Die aus weißer Welt bis in den Himmel reichen;
Und müde Vögel sitzen still in brachen Nestern,
Bis Schatten froh dem frischen Strahl der Sonne weichen.

Zarte Seelen lauschen andachtsvoll dem Lied der Sterne,
Wenn traurig Äste purzeln auf den kahlen, festen Grund,
Entfremdet von des Frühlings grünem Lebensborne
Und streunend wie ein herrenloser Hund.

Die Eisesschönheit atmet in der starren Winterzeit
Und tränet in dem grauen Glanze von Gesichtern,
Dass still es steht die Welt… und Ewigkeit

Wie Diamanten funkelt in Pupillenlichtern,
Die Feuerwärme in dem Winterfroste schenken
Das Löwenwillen nun die kalten Wangen lenken.

***

Löwenwillen?


kleveblog-Service: Fake News kurz berichtigt

rd | 17. Januar 2017, 15:30 | 11 Kommentare
Fliegst du noch, oder vermietest du schon?

Fliegst du noch, oder vermietest du schon?

Alle Welt redet nur noch von Fake News und Hasskommentaren. Es ist so schlimm! Nichts und niemandem kann man mehr trauen, und das Genre der zarten, poetischen Meinungsäußerungen („Und meine Seele spannte / Weit ihre Flügel aus, / Flog durch die stillen Lande, / Als flöge sie nach Haus.“), für das Deutschland seit der Romantik weltweit führend ist, stirbt aus.

kleveblog, seit zehn Jahren minus acht Tagen führend auf diesem Gebiet der Herzblutpoesie unterwegs, hilft ab sofort mit einem kostenlosen Korrekturservice den etablierten Medien, den lästigen „Lügenpresse“-Vorwurf abzuschütteln. Heute wird nur ein Substantiv ausgetauscht, und schon erhält eine leicht verdrehte Überschrift wieder Sinn! Es steht zu vermuten, dass Landrat Wolfgang Spreen vor so viel staatsbürgerlicher Gesinnung die Tränen in die Augen schießen. De rien!

Im Text in der NRZ heißt es dazu: „1.854.108 Passagiere haben sich im abgelaufenen Jahr für den Airport Weeze als Start- oder Zielflughafen entschieden. Mit diesem Resultat liegt der niederrheinischen Airport nur knapp (-2,9 Prozent) unter dem Vorjahresergebnis von 1,91 Millionen Passagieren… Das gute Ergebnis erklärt sich durch die Immobilienvermarktung. Wie berichtet, vermietet der Flughafen große Teile der Immobilie an das Land Nordrhein-Westfalen zur Unterbringung von Flüchtlingen.“


Winterchen

rd | 16. Januar 2017, 12:24 | keine Kommentare
Wenn ein Bild auszudrücken vermag, dass der niederrheinische Winter den größtmöglichen Gegensatz zum sibirischen bildet, dann diese Aufnahme zweier Kopfweiden von Thomas Velten

Wenn ein Bild auszudrücken vermag, dass der niederrheinische Winter den größtmöglichen Gegensatz zum sibirischen bildet, dann diese Aufnahme zweier Kopfweiden von Thomas Velten


Dro-So-Philie: Altrheinwinterüberblicksaufnahme

rd | 15. Januar 2017, 13:00 | 14 Kommentare

Kann ein Sonntag Morgen schöner beginnen als mit einem Blick ins E-Mail-Postfasch und der erfreulichen Entdeckung, dass Fotograf Torsten Barthel seine Drohne wieder hat aufsteigen lassen? Voilà, zur Erbauung des Publikums eine Aufnahme, die eine fast sinnliche Ruhe ausstrahlt:

Kein Schiff wird kommen (Foto: Torsten Barthel)

Kein Schiff wird kommen (Foto: Torsten Barthel)


Wohin am Wochenende? (2)

rd | 14. Januar 2017, 14:28 | 1 Kommentar
Gustav und Rose Wörner: Rindernsche Kolke

Gustav und Rose Wörner: Rindernsche Kolke (Foto: Museum Kurhaus)

Da nicht davon auszugehen ist, dass allzu viele Klever heute auf die Idee kommen werden, die Basketballer des VfL Merkur Kleve beim Osterather TV im Abstiegskampf zu unterstützen (Spielbeginn 20 Uhr, Realschule Osterath, Görrestraße 6, Abfahrt Fanbus 18 Uhr ab Stein-Gymnasium), hier eine Handvoll sorgfältig kuratierter Tipps der Redaktion für einen erquicklichen Zeitvertreib am Wochenende:

Samstag, 19 Uhr: „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ (Museum Kurhaus)
Auch wenn der Titel der Veranstaltung nicht gerade nach Lebensfreude pur klingt, dürfte damit sehr, sehr feiner Musikgenuss verbunden sein, der aus dem intonierten Wehklagen noch Genuss zu schöpfen vermag. Aufgeführt werden schaurig-schwermütige Werke von Charles Lefèbvre, Camille Saint-Saëns, Edvard Grieg, Franz Liszt und Felix Mendelssohn Bartholdy, Interpreten sind „Rising Stars“ aus der Stipendiatenauswahl des Deutschen Musikrates, und zwar Jonian Ilias Kadesha (Violine), Theo Plath (Fagott), Fabian Müller (Klavier), die vermutlich nur Eingeweihten ein Begriff sind, aber wer kannte vor 20 Jahren schon Gerhard Richter?, um mal ein Beispiel aus einem anderen Genre zu wählen. Die Aufführung im Museum Kurhaus gehört zur städtischen Reihe der „besonderen Konzerte“, Eintritt 12 Euro.

Samstag, 20 Uhr: Frohes Fest (Theater im Fluss, Ackerstraße)
Zwei Polizisten stehen vor der schweren Aufgabe, an Weihnachten einem Ehepaar die Botschaft überbringen zu müssen, dass ihre Tochter bei einem Unfall ums Leben gekommen ist – ein klassischer Stoff für eine Komödie. Wenn man Brite ist. Das Stück vom Autor Anthony Neilson wird vom Theater im Fluss aufgeführt und ist bei den bisherigen Aufführungen hervorragend angekommen. Für die Aufführung am heutigen Samstag sind noch wenige Restkarten erhältlich. Eintritt 12 Euro.

Sonntag, 10:30 Uhr: Vogelexkursion (St. Willibrord, Rindern)
Die Exkursion wird in Zusammenarbeit zwischen dem B.C. Koekkoek Haus und dem NABU anlässlich der aktuellen Ausstellung „Die Sammlung Wörner“ im Museum Koekkoek Haus angeboten. Sie soll das Vogelleben am Niederrhein vor Ort veranschaulichen. Anschließend kann die Ausstellung der Sammlung Wörner im Museum B.C. Koekkoek Haus besucht werden, die eine prächtige Sammlung von Vogelstichen beinhaltet. Treffpunkt: St. Willibrord Kirche Rindern, Hohe Straße 109.

Sonntag, 14 Uhr: Historische Gartenstiche (Museum Haus Koekkoek)
Historische Gartenstiche, dabei denkt jeder vermutlich zuerst an die Stichverletzungen, die einem panische Wespen und Bienen im Kindesalter zugefügt haben. Doch darum geht es bei dieser Führung im Museum Haus Koekkoek nicht, vielmehr werden unter der fachkundigen Leitung von Gartenhistorikerin Marlene Zedelius Gartenansichten aus der Sammlung Werner besprochen. Die Führung ist für Mitglieder des Freundeskreises kostenlos, Nicht-Mitglieder zahlen lediglich den normalen Museumseintritt.


Prostitution in Zeiten der Globalisierung, ein Geständnis in Kleve

rd | 13. Januar 2017, 20:31 | 8 Kommentare
Für diesen Blick aus dem Fenster der Schwanenburg auf das verschneite Kleve hatten die Angeklagten gestern nichts übrig

Für diesen Blick aus dem Fenster der Schwanenburg auf das verschneite Kleve hatten die Angeklagten gestern nichts übrig

Die Wahrheit ist ein Biber (kleveblog)

(Von unserem Gerichtskorrepondenten – überarbeitete Version) Man kann nicht sagen, dass er es nicht versucht hätte. Versucht, in einem anderen Leben Fuß zu fassen. Im Prozess um die so genannten „China-Bordelle“, von denen sich eines in einem Reihenhaus im Kranenburger Gewerbegebiet Hammereisen befand, ließ der Hauptangeklagte Zhiyuan Z. gestern von seiner Anwältin Sonka Meurs-Heurs eine Erklärung verlesen, in der er seinen Lebensweg schilderte – und letztlich die Verantwortung für den Betrieb von vier Bordellen gestand. Ein Durchbruch in dem Mammut-Prozess vor Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Christian Henckel, der schon seit Wochen dauert und dessen Ende nicht ansatzweise in Sicht ist.

Acht Verhandlungstage hatte Zhiyuan Z. geschwiegen und erleben müssen, was die Staatsanwaltschaft so alles an Belastungsmaterial zusammengetragen hatte. Sie wirft ihm in der vor dem Landgericht Kleve schon mehrfach durchverhandelten Kombination Steuerhinterziehung, Vorenthalten von Sozialversicherungsentgelten und Menschenhandel vor. Nun reagierte der 53 Jahre alte Rotlichtunternehmer. In der verlesenen Einlassung hieß es, seine Eltern, Lehrer, seien politisch verfolgt worden und bei einer Demonstration ums Leben gekommen. Er sei daraufhin bei einer Bauernfamilie unter einfachen Bedingungen aufgewachsen und habe als Kuh- und Schafhirte gearbeitet. Sein letzter Job in China habe ihm zehn Euro eingebracht – monatlich.

1992 gelangte er nach Deutschland, bis 2001 habe er als Koch in einem China-Restaurant gearbeitet. Das habe 2003 schließen müssen. 2004, nunmehr in Nürnberg, habe er erneut in einem China-Restaurant eine Stelle gefunden, doch dies sei ebenfalls geschlossen worden. In dieser Zeit habe er Kontakte zum Rotlichtmilieu geknüpft, zunächst als Kunde in einem „China-Bordell“, was ihm offenbar die Verdienstmöglichkeiten vor Augen führte. Dann kam die Wende vom Kunden zum Unternehmer, deren genaues Zustandekommen allerdings im Vagen blieb. Jedenfalls fuhr der Angeklagte nach Italien, um bei einem „Geschäftspartner“ 200.000 Euro in bar abzuholen – fürs neue Business.

2011 habe er in Essen selbst Räume für einen Club angemietet, in dem ein oder zwei „Mädchen“ für ihn tätig gewesen seien. Die Frauen waren aber laut der verlesenen Erklärung alle „schon älter“ gewesen, was dazu führte, dass das Sex-Geschäft nur schleppend anlief. 2013 und 2014 versuchte er sein Glück mit der Eröffnung weiterer Läden, die allerdings erst 2014 begannen, Gewinne abzuwerfen. 2014 habe er den Club in Kranenburg von holländischen Betreibern übernommen. Der Club in Hamm sei von seiner Frau betreut worden. Teils hätten die Mädchen wechselweise in verschiedenen Clubs gearbeitet. Seine bemerkenswerte Begründung: „Bei den Mädchen habe ich den Eindruck machen wollen, dass ich der große Mann bin“.

Nicht so groß allerdings, wie die Anklage unterstellt. Den Ausführungen von Z. zufolge war er nicht für die 24 in der Anklage genannten Betriebe verantwortlich, sondern „nur“ für vier. Zu den Geldtransfers ins Reich der Mitte – die für die Anklage ein Indiz dafür sind, wie erfolgreich das Geschäft in Deutschland tatsächlich lief, sagte Zhiyuan Z., dass er einmalig 60.000 Euro nach China auf das Konto seiner Mutter überwiesen habe. Mit den anderen Überweisungen, die Bestandteil der Anklage sind, habe er nichts zu tun. Diese seien nur für andere Chinesen gemacht worden, die selbst über kein Konto verfügten.

Rückblickend gab er an, dass er 2011, als er mit seinem ersten Geschäft begann, keinerlei Kenntnisse gehabt hätte, wie solch ein Geschäft geführt werde und welche steuerlichen Verpflichtungen damit verbunden seien. Er sei davon ausgegangen, dass die Frauen für ihre Steuern selbst verantwortlich seien. Man könnte es umschreiben mit: Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.

Als das Geschäft ab 2015 wirklich lukrativ wurde, habe er Geld für den Kauf des Hauses in Essen, in dem das dortige Etablissement ansässig war, zurückgelegt. In diesem Jahr habe auch Kontakt zu einem Steuerberater aufgenommen. Doch ausgerechnet an dem Tag, als der Kauf des Hauses in Essen getätigt werden sollte, wurde er von der Polizei festgenommen. Die Logik der Erklärung an diesem Punkt: Wäre ich nicht verhaftet worden, hätte ich die Sache mit den Steuern in Angriff nehmen können. Und alles wäre gut geworden.

Nun aber ist es ein Fall fürs Gericht.


Grenzüberschreitender Ausstellungshinweis

rd | 09. Januar 2017, 15:50 | 14 Kommentare
Plastic fantastique? (Foto: Sigrun Hintzen)

Plastic fantastique? (Foto: Sigrun Hintzen)

Zuletzt habe ich über Plastik nachgedacht, als die Nachrichten über die Mikrokügelchen in Kosmetika anbrandeten, Zusätze, die kein Mensch wirklich braucht und die vermutlich noch über Jahrtausende die Meere verschmutzen werden. Wie kann man auf die Idee kommen, so was zu machen?

Wer noch etwas mehr über die Plastifizierung unseres Lebens nachdenken möchte, dem sei dieser grenzüberschreitende Ausstellungshinweis ans Herz gelegt: Das Museum „Het Valkhof“ in Nimwegen zeigt noch bis zum 19. Februar die Ausstellung „Dossier Plastic“, die sich mit der gebotenen Distanz damit auseinandersetzt, wie ein Werkstoff unser Leben durchdrungen hat. Weitere Infos hier:

Museum „Het Valkof“: Dossier Plastic


Sparkasse Rhein-Maas erweitert Angebot

rd | 07. Januar 2017, 19:00 | 6 Kommentare
Geht auf den Strich: SEPA-Zahlungsauftrag

Geht auf den (Schräg-)Strich: SEPA-Zahlungsauftrag

Dieser Schritt ist mutig, dieser Schritt verdient großen, großen Respekt. In Zeiten, in denen die Banken ihre Leistungen für den Kunden zusammenstreichen, Öffnungszeiten reduzieren und Zinsen für Erspartes annihilieren, hat sich die Sparkasse Rhein-Maas entschlossen, ihr Angebot für die Kunden auszubauen!

Im neuen Jahr wurden die Kunden des Geldhauses darüber informiert, dass ab sofort bei SEPA-Zahlungsaufträgen der Schrägstrich („/“) eingesetzt werden darf. Eine Revolution, wenngleich eine behutsam umgesetzte. Denn: Das bekannte Trennungszeichen, ein von links unten nach rechts oben verlaufender gerader Strich, darf nur in den Feldern „Kunden-Referenznummer“ und „Mandats-Referenznummer“ eingesetzt und auf keinen Fall mehrmals hintereinander verwendet werden!

Besonders stolz ist die Sparkasse Rhein-Maas darauf, dass diese Neuerung für den Kunden kostenneutral umgesetzt werden kann.

Und damit nicht genug: Ein Entwicklungsteam der Sparkasse arbeitet bereits daran, dass vielleicht schon in der dritten Dekade des neuen Jahrtausends Größer-, Kleiner- und sogar Gleichheitszeichen („>“, „<“, „=“) in den SEPA-Zahlungsaufträgen verwendet werden dürfen.

Kleiner Wermutstropfen: Gleichzeitig wird schon an einer Preisstaffelung gearbeitet. Denkbar ist beispielsweise, dass jeder Schrägstrich mit 0,30 € berechnet wird. Mathematische Operatoren könnten pauschal mit 0,20 €/St. tarifiert werden. Konsonanten schlügen mit 0,05 € pro Stück zu Buche, die etwas wertvolleren Vokale mit 0,08 €, wobei bei Diphthongen (zum Beispiel „au“, „ei“) ein Mengenrabatt gewährt werden könnte (0,12 € je Diphthong). Smileys kosteten 2,00 €/Stück.

Eine simple Überweisung wie beispielsweise:

500 € OLGA/TATJANA/IRINA/JEKATERINA = SERVICELEISTUNGEN 😉

… würde also in Zukunft nicht nur 0,30 € für die Transaktion selbst kosten, sondern darüber hinaus noch 1,15 € für die Konsonanten, 1,33 € für die Vokale, 0,14 € für den Diphthong, 0,90 € für die Schrägstriche, 0,20 € für das Gleichheitszeichen sowie zwei Euro für den Smiley. Die Summe von 6,02 € mag einem im ersten Augenblick unverschämt hoch erscheinen, aber sie ist immer noch verdammt preisgünstig gegenüber der Kohle, die die Nacht ohnehin schon gekostet hat.

Weitere Finanz-News:

Deutsche Bank stellt Geldautomaten mit „Doppelt-oder-nichts“-Funktion auf


Wohin am Wochenende? (1)

rd | 07. Januar 2017, 14:46 | keine Kommentare
Gut zu Händel: Collegium Musicum und Städtische Singgemeinde in der Christus-König-Kirche

Gut zu Händel: Collegium Musicum und Städtische Singgemeinde in der Christus-König-Kirche

Schade, dass die Concorde nicht mehr fliegt! Um diese Trauer zu verstehen, musst du, lieber Leser, wissen, dass du, wenn du an diesem Wochenende in Kleve ein Basketballspiel sehen möchtest, leider scheitern wirst. Die ersten Spiele des neuen Jahres finden erst am kommenden Wochenende statt. Früher, in den glorreichen Zeiten des Jetsets, hätte man sich einfach in den Überschallflieger gesetzt, wäre huschhusch über den Atlantik geschossen, hätte einen Inlandsflug von JFK nach DFW genommen und, mit einem Becher Budweiser in der Hand, um 19:30 Uhr Ortszeit in der American Airlines Arena Platz genommen und einfach zugeschaut, wie der Nowitzki mit seinen Dallas Mavericks gegen die Atlanta Hawks mit Dennis Schröder, dem zweiten Deutschen in der Liga, gespielt hätte. Nun, die Zeiten haben sich geändert, aber sie sind nicht unbedingt schlechter geworden, wie ein Blick in die Möglichkeiten des Zeitvertreibs zeigt, die sich einem am ersten Wochenende des neuen Jahres ganz ohne Concorde bieten.

  • Samstag, 20:30 Uhr: „Noch amol“ – Klezmore im Café Schmidthausen Keeken

    „Noch amol“ – wieder einmal wollen sie zu Jahresbeginn in ihrem Lieblingswohnzimmer spielen: Am Samstag, 7. Januar, ab 20.30 Uhr präsentieren die Fünf vom niederländisch-deutschen Ensemble Klezmore im Café Schmidthausen in Keeken ihr neues Programm. Sängerin Carina Majkowski und Klarinettist Ben Immens sind nach längeren Auszeiten wieder mit dabei. Klezmore spielt in der Tradition der Klezmorim, der fahrenden jüdischen Musikanten im Osteuropa von einst: Festmusik mit viel Swing und einem kräftigen Schuss Melancholie, mit der Freiheit des Jazz und überraschenden Improvisationen, Musik zum Tanzen und zum Träumen. Und wie bei den Kollegen von damals gibt es mehr: Musik der Zigeuner und der osteuropäischen Nachbarn und so manches, das die Band einfach zu verführerisch schön findet, um es nicht zu spielen. Klezmore sind: Carina Majkowski (Gesang), Ben Immens (Klarinette), Thomas Ruffmann (Fidl), Karin Peters (Akkordeon) und Nikolaj FrankJensen (Kontrabass und Percussion). Der Eintritt zu dem Konzert ist frei, mit einem freiwilligen Beitrag am Ausgang. Infos zur Band unter www.klezmore.com

  • Samstag, 20 Uhr: Tanzfest in Kekerdom

    Auf der Waard van Kekerdom, Weverstraat 94, 6579 AG Kekerdom, Gelderland, findet ab 20 Uhr ein Tanzfest mit Lagerfeuer statt. Ab 20 Uhr treten Samantha Archer und Jaron Tripp (archerandtripp.com) auf, ab 21:30 Uhr darf getanzt werden unter der professionellen Anleitung von DJ Arkasan. Eintritt: 6 Euro.

  • Sonntag, 19:00 Uhr: Poetry Slam im Radhaus

    Einmal mehr ist das Jugendzentrum Radhaus am Sommerdeich Sammelstätte der Stegreifdichter, die sich dem Publikum stellen. Der Eintritt beträgt an der Abendkasse fünf Euro.

  • Sonntag, 20:00 Uhr: Messias in der Christus-König-Kirche

    Das Collegium Musicum Kleve e.V. und die Städtische Singgemeinde laden zum Dreikönigskonzert unter der Leitung von Stefan Burs ein. Zum 775-jährigen Stadtjubiläum haben sich die beiden großen und traditionsreichen Klever Klangkörper zu einem Gemeinschaftsprojekt zusammengetan: Die Städtische Singgemeinde und das Collegium Musicum musizieren zusammen das berühmte Oratorium „Messiah“ von Georg Friedrich Händel. Die Leitung hat Stefan Burs. Das opulente englischsprachige Werk gehört zu Händels bekanntesten Werken, in England genießt es geradezu Kultstatus. Der Komponist vollendete seinen „Messias“ in extrem kurzen Zeitraum von 24 Tagen. Die von Charles Jennens zusammengestellte Bibeltexte zeichnen die christliche Heilsgeschichte nach, stammen jedoch überwiegend aus dem Alten Testament. Das glanzvolle Oratorium hat noch weit mehr zu bieten als den weltbekannten „Hallelujah“-Chor: dramatische und gefühlvolle Arien, mitreißende Chöre und kunstvoll gestaltete Instrumentalsätze. Ein Barockmusik-Erlebnis der besonderen Art zum Jahresbeginn. Eintritt: 14 Euro.


Ein Terrorist im Kreis Kleve

rd | 07. Januar 2017, 13:53 | 15 Kommentare
Zwei Gesichter eines Attentäters mit noch mehr Identitäten

Zwei Gesichter eines Attentäters mit noch mehr Identitäten

Alle machen alles richtig, und am Ende sind zwölf Menschen tot. Lesenswerter Beitrag von Andreas Gebbink heute in der NRZ zu den Spuren, die der Weihnachtsmarkt-Attentäter von Berlin bei den Behörden im Kreis Kleve hinterlassen hat. Hier der Link:

Anis Amri – ein Terrorist im Kreis Kleve


Kleve entdeckt sein Herz für Radler: Ringstraße wird kopenhagenisiert

rd | 06. Januar 2017, 11:45 | 25 Kommentare
Einsame Radlerin auf Hauptverkehrsader: Ringstraße im Winter

Einsame Radlerin auf Hauptverkehrsader: Ringstraße im Winter

In der englischen Sprache gibt es das Wort „copenhagenize“, zu deutsch etwa „kopenhagenisieren“, welches das Unterfangen beschreibt, Städte fahrradgerecht auszubauen. Der Gedanke ist mittlerweile auch in Kleve angekommen, zunächst nur zu sehen bei kleineren Veränderungen wie beispielsweise an den verschiedenen Genehmigungen für Radfahrer, Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung befahren zu dürfen. Mittlerweile wurden am Industriegebiet auch einige der tückischen Bordsteinkanten abgesenkt – Millionen von Felgen werden es danken.

Die größte Errungenschaft aber, auch wenn dies vermutlich noch nicht jeder Radfahrer sofort zu schätzen weiß, sind deutlich abgegrenzte Spuren für Radfahrer nicht neben, sondern auf der Fahrbahn – erstmals verwirklicht an der Römerstraße, dann umgesetzt im vergangenen Jahr an der Tiergartenstraße (Kreuzung Gruftstraße) und nun endlich auch an der meist befahrenen Straße in der Innenstadt, der Ringstraße.

Wenn der Radler die Kreuzung Römerstraße in Richtung Linde überquert hat, wird er dort bisher nach einem etwa fünf Meter langen, abgegrenzten Streifen auf die Straße entlassen, in aller Regel erst einmal begrüßt von einem unmittelbar nach dem Ende der Spur dort abgestellten Auto. Geparkte Autos zwingen den Radfahrer im weiteren Streckenverlauf zu einer Art Slalom, die insbesondere dann, wenn von hinten Schwerlastverkehr naht, ein robustes Nervenkostüm erfordert.

Aus persönlicher Erfahrung sei hinzugefügt, dass 99 von hundert Autofahrern sich äußerst rücksichtsvoll verhalten und lieber mit einen Meter Abstand zu viel als einen zu wenig um den Pedaleur kurven. Lediglich zu den Hauptverkehrszeiten meint man bisweilen eine gewisse Nickeligkeit wahrzunehmen, die sich darin äußert, dass – vom Gruftstau genervte – Kraftfahrer ihren Wagen so weit rechts an den Straßenrand ziehen, dass ein Überholen auf dieser Seite nicht möglich ist. Der Ausweg, während der Rotphasen links vorbeizuziehen, ist wiederum nichts für vorsichtige Gemüter.

Das alles soll nun aber ein Ende haben!

Wenn alles nach Plan läuft, lässt die Stadt dort in der zweiten Jahreshälfte beiderseits Radfahrspuren errichten. Die Baumaßnahme kostet rund eine Viertelmillion Euro (knapp die Hälfte des Betrags zahlt das Land NRW) – und sie wird die Zahl der Parkplätze entlang der Straße halbieren (von 30 auf 16). Zudem sollen Querungshilfen errichtet werden, und auch die Bushaltestellen werden teils verlegt und allesamt barrierefrei ausgebaut. Weil die Baumaßnahme der sogenannten „Schulwegsicherung“ dient (Radverkehr vom und zum Stein-Gymnasium), genießt sie bei der Planung Priorität.

*

Am kommenden Mittwoch, 11. Januar, 18 Uhr, wird die Planung im Forum des Stein-Gymnasiums, Römerstraße 9, der Bürgerschaft vorgestellt. Pascale van Koeverden, Kleves Fahrradbeauftragte, hofft, zusammen mit den Bürgern, Politik und Verwaltung zu einer konsensfähigen Planung zu kommen.


Herzlichen Glückwunsch, Cäcilia – 60 Jahre Ordensschwester

rd | 05. Januar 2017, 15:49 | 5 Kommentare
Ein Leben für Gott: Schwester Cäcilia (Foto: KKLK)

Ein Leben für Gott: Schwester Cäcilia (Foto: KKLK)

Am 15. Januar darf sich Schwester Cäcilia vermutlich über Hunderte von Glückwünschen freuen, denn vor 60 Jahren wurde die damals knapp zwanzigjährige Frau zur Franziskusschwester geweiht. Damals, 1957, eine nicht ungewöhnliche Entscheidung, heute hingegen ein Lebensweg, der nur noch selten beschritten wird. Das zeigt sich auch am Spyckklösterchen, wo Cäcilia lebt – mit nur noch einer weiteren Nonne. Es ist absehbar, dass die Tradition der Franziskusschwestern in der Klever Unterstadt ein Ende finden wird.

Ihr diamantenes Ordensjubiläum feiert Cäcilia am Sonntag, 15. Januar. Das Pontifikalamt mit Weihbischof Wilfried Theising beginnt um 10 Uhr in der Kapelle des Mutterhauses der Franziskusschwestern auf der Spyckstraße. Nach der Messe besteht die Möglichkeit, Schwester Cäcilia persönlich zu gratulieren.

Nach ihrem Eintritt in die Ordensgemeinschaft der Franziskusschwestern in Kleve war Schwester Cäcilia gut zweieinhalb Jahre im Säuglingsheim auf der Spyckstraße, anschließend 23 Jahre im Kinderdorf St. Josef in Schneppenbaum tätig. Danach verbrachte sie 13 Jahre in der Seniorenpflegeeinrichtung St. Elisabeth-Haus in Xanten. Seither lebt Schwester Cäcilia im Klever Mutterhaus der Franziskusschwestern auf der Spyckstraße. Bis heute versorgt die bald 80-Jährige mit großer Freude die Kapelle des Mutterhauses mit Blumenschmuck und pflegt die sakralen Gegenstände und Messgewänder.


Selten gehörte Neujahrsvorsätze: Mehr Schiefer!

rd | 03. Januar 2017, 17:19 | keine Kommentare
Schaufenster des sehr empfehlenswerten Fotostudios Peschges (Jana Kathrin) in der Kavarinerstraße: Mehr Schiefer als man denkt

Schaufenster des sehr empfehlenswerten Fotostudios Peschges (Jana Kathrin) in der Kavarinerstraße: Mehr Schiefer als man denkt


Tchibostudien: Wann kommt der Funktionskaffee?

rd | 03. Januar 2017, 16:28 | 1 Kommentar
Der Funktionsblick zeigt: Kompositumskapitalismus

Der Funktionsblick zeigt: Kompositumskapitalismus

Strauss in Kleve hat noch bis zum 28. Februar geöffnet, allerdings befürchten die Verkäuferinnen, dass die Ware bis dahin nicht reicht. Schon jetzt klaffen bedenklich große Lücken in den Regalen der Filiale am Fischmarkt. Zeit also, sich nach einem neuen Universalausstatter umzusehen, also zum Beispiel – – – Tchibo!

Eine kurze Besichtigung zeigt: Der Kaffeeröster kann nicht nur Bohnen schonend behandeln, er müht sich auch mit viel Feingefühl an der deutschen Sprache ab. Bei Tchibo wird es niemals einen einfachen Pullover geben, es ist mindestens ein „Funktionspullover“, häufiger aber noch irgendwas, dem ein drittes Wort zur Veredelung hinzu gegeben wird. Komisch nur, dass es noch keinen Funktionskaffee gibt ((f)Kaffee:= wach machen). Hier zur Förderung des postfaktischen Sprachgefühls eine Auswahl aktueller Tchibo-Produkte:

  • Handtrainingsringe
  • Fitness-Elastikband
  • Elektronisches Springseil
  • Multifunktionsschal (F1: Wärmen; F2: Strangulieren?)
  • Fußmassageroller
  • Schulterwärmekissen
  • Teleskoprückenkratzer
  • Bein-Tubes

… um nur einige Produkte zu nennen, die aktuell die Filiale an der Großen Straße besiedeln. Insgesamt eine Aufstellung, die die Mangelwirtschaft des Sozialismus wie ein Paradies erscheinen lässt.


Landlust: Was Kleve Peking voraushat!

rd | 03. Januar 2017, 14:23 | 10 Kommentare

Gut, manchmal steht unsereins abends auf der Gruftstraße in so einer Art Stau, und manchmal, wenn wieder Gülle ausgebracht wurde, hat man das Gefühl, eine Dunstglocke des Mistgeruchs liegt über der Stadt. Aber, verglichen mit der Staubwolke, die innerhalb von zwanzig Minuten über Peking hereingebrochen ist, geht’s uns doch Gold, oder?

Hier das elf Sekunden lange Zeitraffervideo eines britischen Ingenieurs:


Wie die Maas aussah, bevor sie leer lief (und danach)

rd | 02. Januar 2017, 15:38 | 16 Kommentare
In voller Pracht: Maas im Winter vor dem Unfall

In voller Pracht: Maas im Winter vor dem Unfall

Es schien zunächst nur ein harmloser Schiffsunfall mit etwas Metallschaden zu sein, doch die Kollision wirkte, als ob jemand in der Badewanne den Stöpsel gezogen hätte. Als der slowakische Kapitän eines deutschen Tankers zwischen den Jahren versehentlich bei Grave einen Stauwehr der Maas rammte, ergossen sich große Teile des Flusses in Richtung Rotterdam, die Maas lief auf einer Strecke von 28 Kilometern regelrecht leer. Binnen weniger Stunden fiel der Pegel um zwei Meter.

Mit freundlicher Genehmigung der Facebook-Seite „Cuijk verrassend“ hier ein Foto von unmittelbar vor dem Desaster sowie mehrere Aufnahmen, die danach entstanden…

Fernes Ufer

Fernes Ufer

Kein Wasser im Bett

Kein Wasser im Bett

Schlick im Blick: Maas bei Cuijk

Schlick im Blick: Maas bei Cuijk

Kein Pegel, nirgends: Uferböschung ohne Wasser

Kein Pegel, nirgends: Uferböschung ohne Wasser

(Fotos: Lex Schulte, Hiltrud dohmen, René Hermens, Adri-Jan Putmans, Mieke Giesbers)


Prosit Neujahr! Unser Vorsatz-Vorschlag: Warum sich nicht mal aus dem Alltag herauskatapultieren?

rd | 01. Januar 2017, 00:03 | 13 Kommentare

… und es kostet auch nur 299 Euro!

Der Name ist Programm – bei der Sitzstellung links@

Der Name ist Programm – bei der Sitzstellung links


(-1) In der Fußgängerzone aufgeschnappt (Edition Silvester)

rd | 31. Dezember 2016, 23:33 | 1 Kommentar

„Jede Kneipe ist eine kleine Psychiatrie, hör ma, 50 Jahre Wirtschaftswissenschaften!“

„Ich lade nur Granaten ein, wer keine Granate ist, braucht bei mir gar nicht erst zu kommen!“

[Im Zeitschriften- und Zigarettenhandel:] „Haben Sie nicht eine andere Schachtel, die darf meine Tochter nicht sehen!“

„Er hat eine Müller 2 kriegt, die habe ich auch, das ist das Beste, was es gibt. Müller 2 ist der Hammer.“ [Es handelt sich offenbar um eine Prothese.]

„WDR und N24 gucken, das reicht. Man muss sich weiterbilden.“

„Dreizehnjährige sind – glaube ich – auf der Höhe ihres passiven Wortschatzes.“

„Die Frau ist ein fleischgewordenes Possesivpronomen.“

Frau: „Wir hätten auch fast mal geheiratet – wegen der Abwrackprämie.“

„Solange du das noch alleine schaffst, hast du alles richtig gemacht.“

„… die ist in Rindern heute?“ – „Nein, ob du schon online warst heute?“

„Freude ist Mangel an Information.“

„Jetzt weiß ich immer noch nicht, was ich meinem Kind mitbringen soll! Wodka ist klar – aber dazu?“

kleinendonk (31.12. 23:40): und wenn Ralf tanzt ist er woanders...

(-2) Restauration Koenen

rd | 31. Dezember 2016, 22:30 | keine Kommentare

Wie in Frasselt (b. Kleve) in der Restauration Koenen vor hundert Jahren Pils getrunken wurde:

Gepflegt, sagte man damals noch zum Bier Pilsener Brauart…

Gepflegt, sagte man damals noch zum Bier Pilsener Brauart…


(-3) Kleve, vom Hafen von Lamers aus gesehen

rd | 31. Dezember 2016, 21:47 | 1 Kommentar

Passend zu unserer kleinen Reihe „Kleve, vom Hafen aus gesehen“ überraschte mich der Schriftsteller Dieter Borrmann mit einer Weihnachtskarte, einer Zeichnung von Heinz Lamers, die die Stadt nahezu aus derselben Perspektive zeigt wie die beiden zuvor veröffentlichten Fotografien:

Schilf links, Kran rechts: Lamers, wie er Kleve sah. (Das Bild stammt aus einer Broschüre HEINZ LAMERS JUNIOR, 1984 herausgebracht  vom damaligen Städtischen Museum Haus Koekkoek Kleve (Boss-Druck). In dem 60-seitigen Heft gibt es noch drei weitere Zeichnungen mit dem Motiv Kleve und Hafen.)

Schilf links, Kran rechts: Lamers, wie er Kleve sah. (Das Bild stammt aus einer Broschüre HEINZ LAMERS JUNIOR, 1984 herausgebracht vom damaligen Städtischen Museum Haus Koekkoek Kleve (Boss-Druck). In dem 60-seitigen Heft gibt es noch drei weitere Zeichnungen mit dem Motiv Kleve und Hafen.)


(-4) Kupferner Kopf

rd | 31. Dezember 2016, 21:04 | keine Kommentare

Der martialische Adler fehlt (zweihundert Meter weiter südlich am Kupfernen Knopf, nach Verrottung demontiert), aber es ist nicht ein Zeichen unserer demokratischen Toleranz, wenn wir uns – wie diese Balkenhol-Skulptur im Tiergarten zeigt – von anderen Vögeln auf dem Kopf herum tanzen lassen? So gesehen, ist dieses Foto von Thomas Arntz vielleicht wegweisend für unsere Zukunft:

Der Schnabel ist das Schwert der Demokratie (Foto: T. Arntz)

Der Schnabel ist das Schwert der Demokratie (Foto: T. Arntz)


(-6) Das schreiben die Anderen (über kleveblog)

rd | 31. Dezember 2016, 20:31 | 2 Kommentare

Weichgespült, regierungstreu, fortan aber – womöglich – alternativlos. kleveblog feiert im kommenden Jahr zehn Jahre engagierten Lokaljournalismus, musste aber zur Kenntnis nehmen, dass nicht jeder das noch so sieht. Das ist traurig, aber kleveblog wäre nicht kleveblog, wenn die Stimmen der Enttäuschten nicht auch hier zu Wort kämen. Heute, in den letzten Stunden des Jahres, also Peter W. aus K.:

„Wirklich schade, aber leider bezeichnend für diese Zeit. Der Familie Kerkrath [deren Kurier am Sonntag zum Jahresende aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt wurde] Dank für ihr Engagement! Den Betreibern des Forums ebenfalls ein Dankeschön für das Zulassen von Meinungsfreiheit. Während hier [im Forum des KaS] meine Kommentare zu 100 Prozent veröffentlicht werden, schaffte es der Macher eines anderen Klever Forums ab seinem Bruch mit der Denkpause mehr als 50 Prozent meiner Kommentare mit Kritik an der Verwaltung der Zensur zu opfern. Schade für die Diskussion in Kleve, wenn harte Kritik unterdrückt und weichgespült wird. Seitdem ist selbst die RP kritischer als dieser Blog… Danke an Olaf [Plotke] und Michael [Terhoeven] für ihre klare Toleranz! Möge uns dieses Forum des KaS noch lange erhalten bleiben!“


(-5) Verwunschene Stiftskirche

rd | 31. Dezember 2016, 20:19 | keine Kommentare

Da zeigt man einmal eine Schwanenburg im Nebel, und schon gibt es Nachahmungstäter! Jörg H. aus Kleve entdeckte im aerosolen Winterdunst die benachbarte Stiftskirche und schoss mit seinem Handy ein Bild, das sowohl zur Kulisse eines Edgar-Wallace-Films getaugt hätte als auch als expressionistisches Gemälde. Danke für die Einsendung!

Strenge Formensprache im Aerosol: Stiftskriche (Foto JH)

Strenge Formensprache im Aerosol: Stiftskriche (Foto JH)


(-7) Schlagender Beweis für Menschlichkeit

rd | 31. Dezember 2016, 19:03 | keine Kommentare
Ludger Wulle, Michael Rübo, Willi Quartier,  Jörg Streuff

Ludger Wulle, Michael Rübo, Willi Quartier, Jörg Streuff

Tennis für einen guten Zweck: Ludger Wulle und Jörg Streuff initiierten nun bereits zum dritten Mal das Heribert Akkerman Gedächtnis-Turnier. Auf der Tennisanlage der Klever Tennisvereinigung Rot-Weiss e.V. am Bresserberg wurde der Schläger geschwungen, der Reinerlös war der Klever Tafel und dem Klever Kinder Netzwerk (KKN) zugedacht. Dankbar nahmen jetzt Michael Rübo für die Klever Tafel und Willi Quartier für das KKN e.V. jeweils einen Betrag von 500 Euro entgegen.

Der Veranstaltungserlös kommt jährlich karitativen Einrichtungen in Kleve zu Gute. Die diesjährige Wahl der Klever Tafel soll dazu beitragen, dass den einkommensarmen Klever Bürgern ausreichend Lebensmittel für den täglichen Bedarf zur Verfügung stehen. Gleiches gilt für die Wahl des Klever Kindernetzwerkes e.V. Jedes sechste Kind – auch in Kleve – lebt in Armut, direkt vor unserer Haustür. Das KKN bemüht sich mit gezielten Sachzuwendungen, eine dauerhafte Ausgrenzung von Familien zu verhindern und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

Heribert Akkermann

Heribert Akkermann


kleveblog: Fröhlicher Silvester-Countdown!

rd | 31. Dezember 2016, 18:49 | keine Kommentare

Bloß nichts Anstrengendes mehr! Noch 5 Stunden bis zum Jahreswechsel, und für diese Zeit hat unsere kleine Unternehmung ein fröhliches Angebot aus Bildern und Kurztexten vorbereitet, die diese Zeit ähnlich versüßen mögen wie weiland Peter Frankenfeld unseren Eltern die letzten Stunden des Jahres. Es fängt gleich an mit einer einfach nur netten Geschichte, es folgen im 43-Minuten-Rhythmus einige Bilder sowie Kommentare zum kleveblog in anderen Publikationen und, kurz vor Mitternacht, die ultimative Edition von „In der Fußgängerzone aufgeschnappt“, und, kurz nach Mitternacht, ein Vorsatz-Vorschlag für 2017, der sich schon zum Preis von 299 Euro verwirklichen lässt. Viel Spaß, und meinen Lesern die besten Wünsche für das kommende Jahr, in der Hoffnung auf viele weitere gute Geschichten!


Einmal um die ganze Welt, und die Taschen voller Geld: Staunen über Zahlen

rd | 29. Dezember 2016, 19:46 | 32 Kommentare
Vermutlich nicht aus Gold, aber trotzdem kostspielig: Baumroste

Vermutlich nicht aus Gold, aber trotzdem kostspielig: Baumroste

Rückbau etwa so teuer wie Neubau: Bahnhofsvordach

Rückbau etwa so teuer wie Neubau: Bahnhofsvordach

Eine kontrollierte thermische Verwertung ist als Problemlösung ungeeignet

Eine kontrollierte thermische Verwertung ist als Problemlösung ungeeignet

Auch wenn hier kürzlich im Eifer des Gefechts unsere alte Währung einmal fröhliche Urständ feierte (was von aufmerksamen Lesern zum Glück schnell bemerkt wurde), weiß die Redaktion, dass wir nicht mehr in Zeiten leben, in denen eine Flasche Limonade fünfzehn Pfennige kostet. Aber, so das Ergebnis einer kleinen Presseschau am Mittag im Café Lust, irgend einen Rechnungsquantensprung haben wir wohl verpasst.

Zuerst informiert uns Matthias Grass in der Rheinischen Post, dass die Stadtverwaltung für den Rückbau des Vordaches am Klever Bahnhof 250.000 Euro veranschlagt hat. Wohlgemerkt, es handelt sich nicht um den Rückbau eines kaputten Kernreaktors, sondern um eine baufällige Holzständer-Konstruktion überschaubarer Größe. Nur so eine Vermutung, deren Realisierung hier ausdrücklich nicht angeregt werden soll: Im privaten Kreise hätte man sich vermutlich nach der Telefonnummer eines findigen Handwerkers osteuropäischer Herkunft erkundigt, der dies mit ein paar Freunden am Samstag Nachmittag erledigt und dazu aus dem Verkauf des Holzes noch zusätzlich Geld erlöst hätte.

Kaum hat man seine Nerven mit ein wenig Milchschaum wieder beruhigt, springt einen die NRZ an! Da berichtet Andreas Gebbink über die geplante Sanierung der Spyckstraße. Irgendwo im Text heißt es, dass – sofern die Anwohner dies wünschen – so genannte Baumroste verlegt werden könnten. Aber das koste, so Kleves Kämmerer Willibrord Haas. Und zwar: 100.000 Euro! Da dazu gleich die Zahl der zu pflanzenden Bäume genannt wird, führt eine simple Division (100.000 geteilt durch 34) zu dem staunenswerten Ergebnis, dass je Baum 2914 Euro für Baumroste zu Buche schlagen. Zur Information: Es handelt sich um diese schlichten Metallplatten, die um den Baum herum auf die Erde gelegt werden und nicht um patentgeschützte Produkte aus der Raketenforschung.

Wie gesagt, ich gehe davon aus, dass ich irgendetwas verpasst habe. Aber was?


Berlin ärgert sich – über Kleve!

rd | 29. Dezember 2016, 17:35 | 12 Kommentare
Neidisch blickt die Hauptstadt nach Kleve

Neidisch blickt die Hauptstadt nach Kleve

Zu Zeiten der Preußen hieß es, dass unfähige Beamte so weit wie möglich entfernt von der Zentrale eingesetzt werden sollten: „… ab zur Akquise nach Kleve!“ war das geflügelte Wort.

Möglicherweise wäre die Millionen-Metropole mittlerweile ganz froh, in ihren Reihen ein paar so findige Beamte wie in Kleve zu haben. Denn wie der Berliner Tagesspiegel mit einem leichten Anflug von Missbilligung ausgerechnet hat, erhält die Kreisstadt Kleve für ihren Radschnellweg, der über Kranenburg nach Nimwegen führen soll, Fördergelder in Höhe von 4,3 Millionen Euro, während die Hauptstadt für die Umgestaltung eines Radweges gerade mal 385.000 Euro zu erlangen im Stande war. Ein bisschen Rechnerei führt zu dem bemerkenswerten Ergebnis, dass somit das Klever Projekt mit satten 86 Euro je Einwohner gefördert wird, während Berlin je Einwohner umgerechnet elf Cent erhält.

„Arm, aber sexy“, so lobten sich die Berliner mal selbst. Wie wäre es für die nächsten Jahre mit: „Arm – und ein bisschen blöd“?

Hier der Link zum Tagesspiegel-Artikel: Zu wenig abgestrampelt


Verwunschene Schwanenburg

rd | 29. Dezember 2016, 15:33 | 2 Kommentare

(Aus der Reihe kontemplativer Jahresendbetrachtungen:) Nicht immer ist die Scheibe beschlagen: Was so ein bisschen Nebel doch ausmachen kann!

Tempus fugit: Ein Foto, wie es nur gestern gegen 21 Uhr möglich war.

Tempus fugit: Ein Foto, wie es nur gestern gegen 21 Uhr möglich war.


Parkraumbewirtschaftungslehre

rd | 28. Dezember 2016, 15:30 | 1 Kommentar

News to use, live from the townhall: Ab dem 02.01.2017 wird der Parkbereich an der Ludwig-Jahn-Straße mit Parkscheinautomaten werktags von 09.00 Uhr bis 18.00 Uhr bewirtschaftet. Die höchstzulässigParkzeit auf dem Parkbereich beträgt 9 Stunden. Tagestickets im Wert von 5,00 € sind somit möglich. Als Ersatzparkraum wurden auf der van-den-Bergh-Straße zusätzliche Parkmöglichkeiten für Dauerparker/ Beschäftigte geschaffen, die kostenlos sind. Auf der van-den-Bergh-Straße selbst wurden die bislang bestehenden Halt- und eingeschränkten Haltverbote weitgehend aufgehoben. Der bestehende Parkplatz an der van-den-Bergh-Straße entlang der Bahngleise wurde erweitert. Dieser steht ab Mitte Januar 2017 zur Verfügung. Insgesamt wurden somit im Bereich der van-den-Bergh-Straße rund 185 kostenlose Dauerparkplätze als Ausgleich für den nunmehr bewirtschafteten Parkbereich an der Ludwig-Jahn-Straße (181 Stellplätze) geschaffen.


Wohin heute Abend? Zu Brenda? Ins Coffeehouse?

rd | 27. Dezember 2016, 16:17 | keine Kommentare
Call her Brenda. Brenda Boykin

Call her Brenda. Brenda Boykin

Zum letzten Male veranstalten die Jazzfreunde Kleve ein Konzert im Coffeehouse an der Hoffmannallee – auf jeden Fall, wie eigentlich immer, ein sehr hörenswertes. Es ist das 400. Konzert in 35 Jahren Vereinsgeschichte. Zu Gast sind das Brenda Boykin & Jan Luley Trio, welches aber der Besetzungsliste zufolge aus vier (!) Leuten besteht, also wäre Quartett auf jeden Fall die angemessenere Bezeichnung. Wie dem auch sei: Die Sängerin aus Oakland, Kalifornien (wo übrigens auch die Golden State Warriors beheimatet sind, aber das ist eine andere Geschichte), gehört zu den bemerkenswertesten Jazz-Sängerinnen unserer Zeit. Ihr Stimmumfang ist außergewöhnlich, ihre Spontaneität und Bühnenpräsenz von der ersten Minute an fesselnd. Brenda Boykin entführt ihre Zuhörer auf eine leichtfüßig groovende Zeitreise mit feistem akustischen Jazz zwischen New Orleans, Memphis und New York. Auf dem Montreux Jazzfestival wurde sie 2005 als beste Vokalistin ausgezeichnet. Sie spielte Konzerte und tourte in Mittel- und Südamerika, Neuseeland, Japan und natürlich unzählige Male in den USA und in Europa, insbesondere in Deutschland, wo sie seit 2004 lebt.

Beginn: 20:30 Uhr. Eintritt (Vollzahler): 12 Euro.

Ab Januar 2017 finden die monatlichen Konzerte der Jazzfreunde im Casa Cleve statt. Christof Berens: „Auch wenn diese Location auf den ersten Blick keine traditionelle Bühne bietet, haben wir uns etwas einfallen lassen. Wir sind froh mit Rainer Vogt als Betreiber des Casa Cleve einen offenen und kompetenten Partner gefunden zu haben. Auch unser Klavier zieht um. Im Casa neben dem Kino an der Tichelstraße 12 wird aus diesem Anlass am 13. Januar 2017 ein Pianoabend mit Mikula Schulz veranstaltet – direkt nach der Mitgliederversammlung.“

Das 400. Konzert der Klever Jazzfreunde in 35 Jahren Vereinsgeschichte ist unser letztes im Klever Coffeehouse. Brenda Boykin und das Jan Luley Trio sind dort die Stars am 27. Dezember 2016.


Kleve, vom Hafen aus (Edition 2016)

rd | 27. Dezember 2016, 14:11 | 4 Kommentare
Du hast dich kaum verändert – kann man hier sicher nicht sagen!

Du hast dich kaum verändert – kann man hier sicher nicht sagen!

Hundert Jahre später… Schiffe weg, dafür Parkplätze und Autos. Sicht auf die Stiftskirche weg, dafür Blockbebauung. Mühle weg, Studentenwohnheim rein. Was zwei Kriege und ein Jahrhundert Fortschritt so alles verändern können…


Cleve, Stadt vom Hafen aus

rd | 26. Dezember 2016, 19:55 | 2 Kommentare

Kontemplative Zwischendenjahren-Berichterstattung: Internet-Fundstück, eine alte Postkarte: „Cleve, Stadt vom Hafen aus“. Mal sehen, wie der aktuelle Gegenschuss dazu aussieht (morgen mal erkunden):

Cleve, das einstige Hamburg der Binnenschifffahrt

Cleve, das einstige Hamburg der Binnenschifffahrt


George Michael, 1963-2016

rd | 26. Dezember 2016, 03:17 | 3 Kommentare

„But if you kissed me now, I know you’d fool me again“

Das Lied gehört – neben dem von mir leicht bevorzugten Driving home for Christmas von Chris Rea – zu den unverwüstlichen Weihnachtsklassikern, und gerne schaut man sich auch immer wieder dieses popkryptische Video an, welches in einem Chalet in Saas Fee aufgenommen wurde, und gerade gestern war in der FAZ noch im Stile einer Literaturkritik zu lesen, was es mit diesem scheinbar locker-flockigen, aber eben doch rätselhaften Text (insbesondere in Verbindung mit den Bildern auf sich haben könnte (hier der Link: Worum geht es in Last Christmas, nicht uninteressant, der Text) – und nun isser tot, der Mann hinter dem Lied Last Christmas, Herzversagen in Oxfordshire: George Michael. In memoriam:

Und hier ein schöner, tiefgründiger Nachruf aus dem Guardian: Why Wham! were positively the most misunderstood group of the 1980s


(24/24) Größere Zusammenhänge: Frohe Weihnachten!

rd | 25. Dezember 2016, 13:48 | 6 Kommentare
Als Graf Balderich von Drenthe und Düffelgau, auch von Upladen genannt, zwischen 1014 und 1016 in Zyfflich eine Kirche stiftete, gab es noch kein Internet (Foto: Brigit Merfeld)

Als Graf Balderich von Drenthe und Düffelgau, auch von Upladen genannt, zwischen 1014 und 1016 in Zyfflich eine Kirche stiftete, gab es noch kein Internet (Foto: Brigit Merfeld)

So weit die Geschichtschreibung zuverlässig ist, waren Graf Balderich von Drenthe und Düffelgau, auch von Upladen genannt, und seine Frau Adela von Hamaland habgierige Zeitgenossen, die bereit waren, alles aus dem Weg zu räumen, wenn es möglich erschien, ihren Landbesitz zu erweitern – sogar die eigene Verwandtschaft. Allerdings nutzten sie ihr auf diese Weise angehäuftes Vermögen (aus schlechtem Gewissen?) vor recht genau tausend Jahren für eine Tat, die unbedingt zu loben ist: Sie stifteten ein Kloster und eine Kirche, die auf einer Flugsanddüne im Dorf Zyflich errichtet wurde. Das 1000-jährige Bestehen dieses Gotteshauses, der St.-Martins-Kirche, wird seit dem 11. Dezember und noch bis zum 17. Dezember 2017 ein Jahr lang gefeiert.

Die Kirche überdauerte die Wechselfälle der Geschichte, sie überstand Umbauten, Erweiterungen, Brände und Bombenangriffe. Die in die Mittelschiffarkaden eingebauten Kapitelle, insbesondere das sogenannte „Atlantenkapitell“, zählen zu den bedeutendsten ottonischen Großplastiken des Rheinlandes. Beim Wiederaufbau nach den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs wurde versucht, der Kirche ihr ursprüngliches Aussehen zurückzugeben. Die Glasbilder der Fenster wurden 1960 von Ludwig Baur entworfen. 1961 wurde die Kirche neu geweiht.

Auferstanden aus Ruinen: Zyfflicher Kirche 1948

Auferstanden aus Ruinen: Zyfflicher Kirche 1948


(23/24) Zum Abschied von Getränke Merges: Eine kurze Geschichte der (Klever) Limonade

rd | 24. Dezember 2016, 14:16 | 8 Kommentare
Ein Leben für die Liquidität: André Merges (68)

Ein Leben für die Liquidität: André Merges (68)

„Zucker war ein Qualitätsmerkmal“: Merges-Limonade, bis 1989 in Kleve produziert

„Zucker war ein Qualitätsmerkmal“: Merges-Limonade, bis 1989 in Kleve produziert

(Weiter im Geschichtenkalender:)

Das Leben gibt keinen Pfand, und André Merges geht in dem Gefühl, mit sich selbst im Reinen zu sein. Nur an dem Tag, als der Dreiachser, auf dem unzählige Getränkekisten ausgeliefert wurden, vom Hof rollte, übermannte den Unternehmer Wehmut. „Das ist mir schon schwer gefallen“, sagt Merges.

Mit dem Verkauf des Lastwagens, mit der Demontage des Kühlhauses und mit dem Ausräumen des Ladens an der Lindenallee endete, von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, ein Stück Klever Geschichte. Ein gutes Jahrhundert lang verkauften André Merges, sein gleichnamiger Vater und sein Großvater A. Jos. Merges in Kleve Getränke, die meiste Zeit davon sogar aus eigener Herstellung.

Die Geschichte begann Ende des vorvergangenen Jahrhunderts, als A. Jos. Merges vermutlich etwas desillusioniert aus Amerika zurückkam. Der Auswanderer, der Übersee den Rücken gekehrt hatte, ließ sich in Goch nieder. Dort war er der dritte Besitzer eines Autos (nach dem Margarinefabrikanten Jurgens und einem Herrn Baumann). Das knatternde Kraftfahrzeug wiederum benötigte er, um tagtäglich nach Kleve an die Straße Prinzenhof zu fahren, wo er sein Getränkeunternehmen Klevinaris betrieb. Die Wahl auf Kleve als Standort gefallen, weil dort Gas bezogen werden konnte, und das wiederum wurde zur Herstellung der sprudelnden Getränke benötigt. Kleve war ein Kurort, und das Wasser aus Bad Cleve fand reißenden Absatz – insbesondere in den Niederlanden. Von einem Bahnhof am Stillen Winkel gingen die Getränkekisten aus der Produktion von Merges ins Nachbarland.

Der Erste Weltkrieg beendete die Expansion, doch Merges schlug sich irgendwie durch und verlagerte in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Firmensitz an die Lindenallee, wo er fast ein Jahrhundert lang bleiben sollte. Wohl jeder Autofahrer in Kleve hat die Stelle an der Ecke Ringstraße schon einmal passiert, und in den vergangenen Jahren dürften viele von ihnen angesichts der Größe des Geschäfts und der leicht antiquierten Außenwerbung vermutlich den Eindruck gewonnen haben, als sei die Zeit dort stehen geblieben. Das Altbier aus der Diebels-Brauerei wird in der verblichenen Leuchtreklame noch als „freundlich“ bezeichnet. Das war noch vor „Ein schöner Tag“, und selbst das ist schon lange her.

Seit 1968 führt André Merges in dritter Generation die Geschäfte. Von den 68 Jahren seines Lebens hat er 48 die Geschäfte von einem kleinen Schreibtisch aus geführt, der so aussieht, als er hätte er ihn sein ganzes Berufsleben begleitet. Ein PC ist nicht zu sehen.

Merges erlebte, wie die Welt sich wandelte. Auch die Welt der Getränkehandlungen. „Um heute erfolgreich am Markt zu bestehen, muss man mindestens achthundert Quadratmeter groß sein und vierzig Parkplätze haben“ sagt Merges. Sein Ladenlokal misst geschätzt achtzig Quadratmeter, davon allerdings ca. zwei abgerechnet für das Büro mit seinem überladenen Schreibtisch. Ein paar Parkplätze gibt es auch. Aber eben alles nicht in den Dimensionen, die heute zum Überleben erforderlich sind.

Mit den Getränken ist es ähnlich. Heute entdecken Hersteller wie Granini oder Gerolsteiner wieder den Reiz hochwertiger Limonaden (die sich auch teurer verkaufen lassen). Allerdings haben die Großabfüller zuvor den Markt jahrzehntelang mit Massenware überschwemmt und damit auch alles weggespült, was den Charme des Einzigartigen und Besonderen hatte.

Bis 1989 verkaufte Merges seine eigene Limonade, die „Andree Merges Limonade mit Zucker“. Merges: „Zucker war damals noch ein Qualitätsmerkmal.“ Damals, in den Jahren nach dem Krieg, als es an allem mangelte. Vor der Währungsreform kostete die Flasche 15 Reichspfennig. Merges-Limonade wurde in grünen Bügelflaschen verkauft, die streng genommen Pfandflaschen waren. „Sie sind aber nie zurückgekommen“, sagt Merges. „Die Klever haben die Flaschen genutzt, um darin eigene Getränke aufzusetzen.“

Zwei der Limonadenflaschen hat Merges noch gefunden, als er sein Geschäft ausräumte. Zwei Limonadenflaschen sind das, was bleibt von einer mehr als 100 Jahre währenden Unternehmensgeschichte.

kleveblog wünscht der Familie Merges alles Gute für den neuen Lebensabschnitt – ohne Dreiachser, aber mit mehr Zeit.


Annette Henseler, 1953-2016

rd | 24. Dezember 2016, 11:57 | keine Kommentare

Annette Henseler (Foto: Klever Wochenblatt)

Annette Henseler (Foto: Klever Wochenblatt)



(Datum korrigiert)
Sie war eine Kollegin, bei der man sich freute, wenn sie bei einer Pressekonferenz neben einem saß. Sie war erfahren und hatte schon viel gesehen, aber ihr Blick auf die Welt erfolgte mit Augen, die wach und jung geblieben waren. Sie ruhte in sich selbst, und vielleicht gerade deshalb hörte man ihr gerne zu, wenn sie sich über ein Thema ereiferte, und das konnte sie!

Annette Henseler, seit vielen Jahren Mitarbeiterin des Klever Wochenblatts, konnte für sich in Anspruch nehmen, ihren eigenen Kopf behalten zu haben, und so blickte sie bei ihren Themen stets auch über den Tellerrand. Man traut es sich heute ja kaum noch auszusprechen, aber bei Annette Henseler hatte man stets das Gefühl, dass sie Journalismus betrieb, um die Welt ein bisschen besser zu machen. (Und so litt sie natürlich auch unter den immer neuen Sparzwängen, mit denen die Mediengruppe Funke die Arbeit erschwerte.) Wovon sie überzeugt war, dafür engagierte sie sich gerne – beispielsweise für die Gemeinschaftsgärten in Kleve und Bedburg-Hau, die vom Verein „Essbares Kleverland“ unterhalten werden.

„Oft hielt sie weiterhin Kontakt zu Menschen, denen sie begegnete, als sie Hilfe oder Zuspruch brauchten“, schreibt Astrid Hoyer-Holderberg. „Bei Annette Henseler, Mutter von vier gerade erwachsenen Kindern, schien der Tag mehr als 24 Stunden zu haben.“ Auch den Weg von Sonja Northing von der Kandidatin zur Bürgermeisterin begleitete sie mit viel Sympathie. „Sie war immer fragend“, so die Bürgermeisterin Sonja Northing. Ein größeres Lob kann man einer Journalistin kaum machen.

Es ist bestürzend, diese liebenswerte Kollegin aus dem Leben gerissen zu wissen. Annette Henseler starb im Alter von 63 Jahren bei einem Verkehrsunfall in Hasselt, nachdem ein Lkw-Fahrer aus noch ungeklärter Ursache auf die Gegenfahrbahn geraten war und der Lastwagen frontal mit ihrem Auto kollidierte.

Die Beisetzung von Annette Henseler findet am 3. Januar auf dem Friedhof in Kalkar statt. Im Anschluss erfolgt ein Gedenkgottesdienst in der Nicolaikirche.


(22/24) Telekom sorgt für nicht-digitale Weihnachten

rd | 23. Dezember 2016, 19:38 | 6 Kommentare

(In seiner Schlussphase ist der kleveblog-Adventskalender etwas ins Stocken geraten. Das hat Gründe.)

Heute, am dritten Tag der Krise, schickte die Telekom mir eine SMS.

Der Inhalt: „Sehr geehrter Herr Daute, aufgrund einer Netzstörung kann die Nutzung Ihres Festnetz-Anschlusses beeinträchtigt sein. Wir arbeiten intensiv an der Fehlerbehebung. Sie brauchen sich dazu nicht bei uns zu melden. Ihre Telekom Deutschland GmbH“.

Man versteht den Subtext („nerv‘ uns bitte nicht weiter  mit deinen Anrufen“),  doch hängen bleibt man beim Wort „beeinträchtigt“,  noch leicht abgeschwächt durch das Hilfsverb „kann“, insgesamt also eine reichlich verniedlichende Umschreibung für das, was ich seit nunmehr 64 Stunden als Totalausfall von Telefon und Internetzugang erlebe.

Jeder Düsenjet ist heutzutage in der Lage, den Ausfall eines Triebwerks zu kompensieren, und ich erinnere mich, wie ich in der Mittelstufe in Erdkunde beim guten Herrn Gowitzke meinen Mitschülern anhand von Overhead-Projektor-Folien, die das RWE dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hatte, erläuterte, dass Kernkraftwerke so sicher sind, weil es für jeden Ausfall ein Backup gibt, aber bis zur Technik der Telekom scheint diese Erkenntnis noch nicht durchgedrungen zu sein. Natürlich kann mal ein Bagger eine Leitung durchtrennen, alles passiert, aber drei Tage vor einem Problem zu stehen und es nicht in den Griff zu bekommen, das hat schon eine besondere Güteklasse. Einer der zwei Anrufe bei der Störungsstelle ergab die kuriose Rückmeldung, eine Lösung sei für 14 Uhr avisiert, wenn das aber nicht klappe, sei die nächste Lösung für den Folgetag um 11 Uhr angekündigt. 14 Uhr war natürlich nichts behoben, und schon jetzt freue ich mich auf die Ankündigung der übernächsten Lösung.

Immerhin beschert einem dieses Totalversagen vermutlich ein Weihnachten, von dem ich hinterher sagen kann, es wird das analogste Fest meines Lebens gewesen sein – ohne TV,  ohne Telefon, ohne Internet. Der Dank aber hält sich in engen Grenzen.

Update: Heiligabend, 3:50 Uhr: Internet geht wieder. Telekombescherung.


(21/24) Northing/Sontowski: Der Rat hat rumms gemacht!

rd | 22. Dezember 2016, 13:42 | 10 Kommentare

Später gab es Rehrücken im Restaurant der Stadthalle, davor wurde ein zartes Pflänzlein gekillt….
Höhere Schicksalsmächte wie das  europäische Vergabeverfahren und das nordrhein-westfälische  Kommunalwahlrecht hatten sie zusammengeführt, und wie so häufig,  wenn solche Kräfte walten, war das Ergebnis formidabel: „…  und hat zoooom  gemacht“,  titelte in  Anlehnung an Klaus Lage kleveblog  nach dem ersten Treffen zwischen Kleves Bürgermeisterin Sonja Northing und Investor Klaus-Jürgen Sontowski. Es  keimte das zarte Pflänzlein Hoffnung,  dass der Streit um das geplatzte Minoritenplatz-Projekt außergerichtlich beigelegt werden könnte. „Wir fanden uns auf Anhieb sympathisch“, sagte Northing nach der Begegnung in einem  Düsseldorfer Hotel. Gerne hätte die erste Bürgerin dem Auftakt noch weitere  Unterredungen unter vier Augen folgen lassen,  doch dafür erbat sie sich gestern im nichtöffentlichen  Teil der Ratssitzung ein Mandat der Stadtverordneten. Doch die machten Northing einen Strich durch die Rechnung! Mit den Stimmen von CDU, Grünen und FDP  lehnten sie das Ansinnen ab. Sie möchten den Streit mit dem Investor lieber vor Gericht ausfechten, wohl getrieben von der vagen Hoffnung,  am Ende den Klever Rechtsbeistand Dr. Kamphausen für die Malaise zur Kasse bitten zu können. In der letzten Ratssitzung des Jahres – danach speisten die Stadtverordneten einträchtig Rehrücken im Restaurant der Stadthalle – hatte Hedwig Meyer-Wilmes zuvor in einem anderen Zusammenhang darauf hingewiesen, dass die Stadt 800.000 Euro pro Jahr an Honoraren für Berater ausgibt. Es sieht so aus, als ob diese Summe noch steigen wird und das Wort Sontowski in der Berichterstattung  der Lokalpresse  noch lange eine Rolle spielen wird.


Weihnachtsmarkt-Attentat: Spur führt nach Kleve

rd | 21. Dezember 2016, 12:33 | 37 Kommentare

(Wird laufend aktualisiert) Mit  diesem Foto fahndet die Berliner Polizei nach Anis A., der dringend verdächtigt  wird,  das Lkw-Attentat an der Berliner Gedächtniskirche verübt zu haben. Ein Ausweisdokunent – eine Duldungsbescheinigung – des 23 Jahre alten Tunesiers fand sich in der Führerkabine des Tatfahrzeugs unter dem Fahrersitz. Diese Spur führt nach Kleve! Die Allgemeine  Zeitung (Mainz)  berichtet, dass die Duldungsdokumente im Kreis Kleve ausgestellt worden seien. A. soll im April 2016 in Deutschland Asyl beantragt haben. Er erhielt zunächst eine Duldung und lebte in einer Asylunterkunft an der Tackenweide in Emmerich, deren Räumlichkeiten am Mittwoch Nachmittag von der Polizei nach Spuren durchsucht wurden. Alfons Allerdings soll sich A. dort schon seit längerem nicht mehr ausgehalten haben.

Spiegel online berichtet: „Vertraulichen Unterlagen zufolge sollte Anis A. im Sommer abgeschoben werden. Er soll am 30. Juli in Ravensburg in Abschiebehaft gekommen sein. Ob er Deutschland überhaupt verlassen hat oder womöglich erneut einreiste, ist unklar.“

Medienberichten zufolge wurde A. 1992 in der tunesischen Stadt Tataouine geboren. Er soll allerdings mehrere Nanen und Geburtsdaten genutzt haben. 2012 reiste er offenbar in Italien, 2015 kam er nach Deutschland. Bei der Polizei war er wegen Körperverletzung bekannt. Die Behörden führten ihn offenbar als so genannten „Gefährder“, weil er Kontakt zum Netzwerk eines Predigers unterhielt. Vor vier Wochen soll der Verdächtige untergetaucht sein.  


(20/24) Mensch, Mensch, Mensch: Gesamtkunstwerk Kleve

rd | 20. Dezember 2016, 10:18 | 9 Kommentare
Verständlicherweise gute Laune: Sonja Northing (Foto © Torsten Barthel)

Menschelnder Blick zurück: Sonja Northing (Foto © Torsten Barthel)

Das Grußwort der Bürgermeisterin Sonja Northing zum Jahreswechsel rückt die Menschen in den Mittelpunkt, die aus ihrer Sicht das „Gesamtkunstwerk Kleve“ bilden. Hier also der Rückblick von Nr. 1 auf 2016:

„Mein persönliches Fazit: Kleve ist eine schöne Stadt und steht gut da. Besonders liebenswert wird Kleve durch seine Menschen.

  • Menschen, denen ein Karnevalsprinz weit über Aschermittwoch hinaus zum Vorbild wurde, feierten am 13. März bei strahlendem Sonnenschein mit viel Pläsier den Rosenmontagszug 2.0.
  • Menschen begeisterten sich für den modernen, barrierefreien Zentralen Omnibusbahnhof, bezeichneten diesen Ort als neue Visitenkarte von Kleve.
  • Menschen, die der am 11. April 2016 verstorbenen Ehrenbürgerin Maria Kisters gedachten. Eine große, weise und bescheidene Persönlichkeit, die sich in hohem Maße und über einen langen Zeitraum für unsere Stadt und deren Bürgerinnen und Bürger engagiert hat. Wie so viele Menschen hier, die sich um Mitmenschen kümmern, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.
  • Menschen, die Leben retteten, weil sie bei der Freiwilligen Feuerwehr sind.
  • Menschen, die sich um das historische Kleve kümmerten, damit dieser wertvolle Teil unserer Geschichte bewahrt bleibt.
  • Menschen, die Kleve eine gute Zukunft voraussagten, weil sie als Hellseherin auf der Kirmes arbeiten.
  • Menschen, die das Schützenwesen lieben und leben und Kleves Kirmesauftakt mit einem großartigen Schützenumzug mit niederländischer Beteiligung adelten.
  • Menschen, die gemeinsam den ökumenischen Gottesdienst unter dem Zeltdach im Forstgarten feierten.
  • Menschen, die sich für die Verlegung von Stolpersteinen als Ergänzung zur bestehenden Gedächtniskultur eingesetzt haben und sich vor den NS-Opfern verbeugten.
  • Menschen, die mutig neue Geschäfte, Betriebe und Gaststätten eröffneten, damit in Kleve viel los ist.
  • Menschen, die sich für Kinder, Jugendliche und Bildung einsetzten. Und Jugendliche, die sich für den Erhalt ihrer Schule stark machten, die Bundesschülerprinzessin wurden, die Preise für ihre Schülerzeitung gewannen, die Zeitzeugen durch Frau Weil wurden und die sich um ihre Stadt kümmerten beim Thema „Junge Mitte“.
  • Menschen, die Bürgerbeteiligung am Beispiel „Minoritenplatz“ engagiert ausübten. Wo ein „letzter Wille“ wieder Menschen verband und Kleve von einem Hundertwasserhaus träumt.
  • Menschen, die sich vereinigen ließen, sei es im Sport, in der Musik, in der Kunst oder beim Altenehrentag.
  • Menschen, die schon älter sind und uns ihre Erfahrungen, ihre Gelassenheit und Güte mit auf unseren Weg mitgaben.
  • Menschen, denen wir die positive Finanzlage von Kleve verdankten und deswegen ohne Steueranhebungen mit einem Überschuss von 500.000 € den Haushalt 2017 planen können.
  • Viele Menschen und doch nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Gesamtkunstwerk Kleve. Alle, die zusammen das Bild bunt machen hier zu benennen, ist unmöglich.“

    Hier der vollständige Text:


    (19/24) 11.583 Euro für Manfred Palmen, aber…

    rd | 19. Dezember 2016, 17:56 | 2 Kommentare
    Chique der Neunziger: Journalist Michael Kerst, Bürgermeister Karl Thelosen (†), Stadtdirektor Manfred Palmen am Denkmal „Toter Krieger“ von Ewald Mataré (Screenshot aus dem Film „Einmal Kleve 1. Klasse“)

    Chique der Neunziger: Journalist Michael Kerst, Bürgermeister Karl Thelosen (†), Stadtdirektor Manfded Palmen am Denkmal „Toter Krieger“ von Ewald Mataré (Screenshot aus dem Film „Einmal Kleve 1. Klasse“)

    (Korrigiert, u.a. neue Höhe der Pension) Viele Menschen sagen, Manfred Palmen sei der beste Stadtdirektor gewesen, den diese Stadt je besessen habe. In den neunziger Jahren stand er an der Spitze der Verwaltung, und er errang sich in dieser Zeit einen Ruf als streitbarer Verfechter von Recht und Ordnung – bis hin zu der Tatsache, dass er eigenhändig Knöllchen für Falschparker verteilte. Doch diese Qualität hat ihren Preis, wie die Stadtverwaltung nun ausgerechnet hat – rund siebzigtausend Euro bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung.

    Richtig, es geht um die Pension des ehemaligen Fallschirmjägers (Bataillon 261), Beamten im NRW-Innenministerium, Stadtdirektors, Landtagsabgeordneten, Parlamentarischen Staatssekretärs. Die wechselnden Ämter im öffentlichen Dienst und in der Politik führten zu einer komplizierten Berechnung der Pension des heute 71 Jahre alten Juristen. Wer zahlt welchen Anteil, welche Ansprüche werden miteinander verrechnet und welche nicht?

    9800 Euro flossen Palmen vor fünf Jahren laut Wikipedia monatlich zu, für viele Leute eine ganze Menge Geld. Eigenen Angaben zufolge erhält Palmen für seine 45-jährigen Dienste in Behörden und Parlamenten insgesamt eine Pension von rund 4600 Euro.

    Allerdings hatte das Innenministerium bei der Festsetzung der Pension die beamtenrechtlichen Versorgungsbezüge aus der Stadtdirektor-Zeit auf die der Staatssekretär- und Abgeordneten-Zeit angerechnet. So nicht!, zürnte Palmen. Er war der Ansicht, dass das halbe Jahrzehnt seines Staatssekretär-Daseins als ruhegehaltsfähige Dienstzeit seines Stadtdirektor-Lebens mit zu berücksichtigen sei. Dem aber mochte das Verwaltungsgericht Düsseldorf nicht folgen (Urteil vom 9. November 2011, Aktenzeichen 10 K 4963/10).

    Palmen, kampfeslustig wie er ist, ging gegen diese Entscheidung an und legte Berufung ein. Am 9. Mai dieses Jahres gelangte das Oberverwaltungsgericht Münster zu der Erkenntnis, dass der Staatssekretär a.D. keine weiteren Ansprüche gegen das Land NRW hat. In der Entscheidung findet sich jedoch ein weiterer Satz: „Für die Zeit ab dem 1.8.2012 ist die Amtszeit des Klägers als parlamentarischer Staatssekretär als ruhegehaltsfähige Dienstzeit in seiner Beamtenversorgung zu berücksichtigen.“

    Das ist natürlich Juristendeutsch, einfach ausgedrückt bedeutet dieser Satz: Nicht das Land NRW, sondern die Stadt Kleve darf die Pension ihres ehemaligen Stadtdirektors ein bisschen aufstocken. Nach Informationen von kleveblog geht es um monatlich rund 300 Euro, die der ehemalige erste Angestellte der Kreisstadt fortan mehr erhalten werde. Für die Zeit vom August 2012 bis Dezember 2012 stehen Palmen zudem 11.583 Euro zu, wie die Verwaltung errechnete.

    Dieser Betrag wird im kommenden Jahr an den ehemaligen Stadtdirektor ausgezahlt. Manfred Palmen legt allerdings Wert auf die Feststellung, dass dieser Brutto-Betrag noch versteuert und zudem in vollem Umfang auf sein Altersruhegeld, das ihm für seine Zeit im Landtag zusteht, angerechnet werde. Unterm Strich bleibe ihm nur ein geringer Mehrbetrag. „Ich habe nichts davon, das Land wälzt die Kosten auf die Kommunen ab“, so Palmen.

    Gegen die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster anzugehen, erachtet die Verwaltung für wenig erfolgversprechend. Palmen bekam von der Verwaltung bereits signalisiert, dass die Angelegenheit einer Entscheidung zugeführt werde.


    (18/24) Drosophilie: Die Rheinbrücke, wie sie (vermutlich) noch nie zu sehen war

    rd | 18. Dezember 2016, 14:58 | 2 Kommentare

    Dro|so|phi|lie, die (Subst., feminin), Neologismus aus den Anfangssilben der Wörter Drohne und Sonntag sowie aus dem Suffix „philie“ (aus dem Griechischen φιλία philía „Freundschaft“), bezeichnet die Liebe zu Drohnenfotos von Torsten Barthel, die sonntags auf der Website kleveblog.de veröffentlicht werden. Soll bei manchen Lesern aber auch eine Drosophobie hervorrufen.

    Wir alle kennen Fotos der Emmericher (Klever) Rheinbrücke. Von links oder von rechts, von oben oder von unten. Aber alle haben sie – zumindest meiner Erinnerung nach – eine Gemeinsamkeit: Mal ist der Emmericher Pylon groß und der Klever klein, oder aber der Klever Pylon ist groß und der Emmericher klein. kleveblog-Drohnenpilot Torsten Barthel ist nun am Sonntagmorgen ein Bruch mit dieser ikonographischen Tradition gelungen: Er hat das weltweit erste Foto geschossen, dass beide 76,7 Meter hohen Pylone in exakt gleicher Größe (21 mm auf meinem Bildschirm) abbildet. Die Linien der Binnenschiffe auf dem Strom verleihen der Aufnahme eine fast gemäldehafte Dimension. Danke für dieses fantastische Bild!

    Rheiny day (Foto: Torsten Barthel)

    Rheiny day (Foto: Torsten Barthel)

    Abbildung der Pylone im Maßstab 1:3652

    Beweis per Zollstock: Abbildung der Pylone im Maßstab 1:3652


    (17/24) Schandfleck zu verkaufen!

    rd | 18. Dezember 2016, 12:41 | 25 Kommentare
    Ärgernis seit Jahrzehnten: Eckimmobilie Thaerstraße

    Ärgernis seit Jahrzehnten: Eckimmobilie Thaerstraße

    Kürzlich war hier das Foto der Bürgermeisterin mit ihrem zurückgewonnenen Mantel zu sehen, und ein Kommentator merkte zurecht an, dass dieses Foto vor der wenig ansehnlichen Kulisse der Thaerstraße entstanden sei. Das aber war geschehen, weil der Autor einmal wieder den Schreibtisch des Reporters genutzt und zufällig die Bürgermeisterin getroffen hatte. Sie hatte mittags mit ihrem Mann im Restaurant Cömce gespeist.

    Das eigentliche Ziel der Recherche war aber die Immobilie an der Straßenecke, die einst das Café Extrablatt und danach noch einige andere gastronomische Versuche beherbergte, und in deren Keller (Eingang um die Ecke), wenn ich mich recht entsinne, die Diskothek Atlantis (Danke, Michael Schneider – etwa der Michael Schneider aus der 5d??) betrieben wurde, in der schon früh „schwarze“ Musik gespielt wurde.

    Diese Immobilie steht seit gefühlt zwanzig Jahren leer, und einer der ersten Berichte, die je auf dieser Seite veröffentlicht wurden, beschäftigte sich mit diesem Schandfleck in wenn nicht bester, so doch recht guter Innenstadtlage (Schandfleck in Kleve).

    Acht Jahre später kommt nun unglaublicherweise Bewegung in die Sache: Die Postbank-Immobilien bieten das Gebäude zum Kauf an. Im Exposé heißt es: „Das Gebäude steht seit etwa 10 Jahren leer und weist erhebliche Sanierungsrückstände auf. Das Objekt ist Gegenstand eines laufenden Zwangsversteigerungsverfahrens und kann somit provisionsfrei erworben werden; die bestrangig betreibende Gläubigerin hat unsere Gesellschaft mit der Vermarktung der Immobilie beauftragt. Ein Erwerb ist gegebenenfalls ab Euro 148.000,00 möglich.“

    Dazu werden in einer Bildergalerie Fotos des Objekts gezeigt. Ein Motiv davon hat den Charme des Bildes aus dem Kontrollraum des Reaktors in Tschernobyl, nur auf die Gastronomie übertragen:

    Wahrscheinlich liegen noch Groschen in der Kasse…

    Wahrscheinlich liegen noch Groschen in der Kasse…

    Was den Erwerb angeht: Mom? Mom!


    (16/24) Gert Schumacher: „Jeder Tag ist wertvoll“

    rd | 16. Dezember 2016, 14:28 | keine Kommentare
    Tödliche Diagnose, acht Jahre Ringen um Leben: Dr. Gert Schumacher

    Tödliche Diagnose, acht Jahre Ringen um Leben: Dr. Gert Schumacher

    „Als der Tod ihn holte, ging Gert Schumacher als Gewinner. Sein Krebs – das war ihm immer bewusst – war nicht zu besiegen. Doch er konnte dem Leben Zeit abtrotzen. Ein halbes Jahr, das hatten ihm die Ärzte noch gegeben. Gerd Schumacher aber lebte, gegen jede Wahrscheinlichkeit. Acht Jahre lang. Acht Jahre, voller Chemo-Infusionen, Operationen, Bestrahlungen. Aber auch acht Jahre, in denen zwei seiner Kinder heirateten und ihm fünf Enkel schenken. Acht, sagte er, „gute Jahre“.

    Dr. Gert Schumacher

    Dr. Gert Schumacher

    So beginnt in der neuen Ausgabe des Magazins „Der Stern“ ein sehr lesenswerter Artikel über den Klever Arzt Dr. Gert Schumacher, der kurz vor seinem Tod mit seiner Idee eines „Hundertwasserhauses“ für den Minoritenplatz der schier endlosen Diskussion um die Bebauung des Areals eine neue, überraschende Richtung gab, eine Idee, die für seine Heimat sein Vermächtnis sein wird. Immerhin prüft die Verwaltung derzeit auf Antrag der CDU den Vorschlag.

    Der Artikel im Stern beschäftigt sich mit der Leidensgeschichte des Mediziners, mit dem Kampf gegen den Krebs, einem von Anfang an übermächtigen Gegner, dessen Sieg von der von Schumacher selbst gestellten Diagnose an feststeht.

    Doch gerade im Fall von Tumorerkrankungen geht es der Medizin oftmals darum, den Patienten mehr qualitätsvolle Lebenszeit zu verschaffen. Im Fall von Gert Schumacher wurden es acht Jahre, es waren viele schwere Zeiten dabei, aber auch gute, in denen das Ehepaar Urlaube machte und viel wanderte.

    Acht Jahre wurden es auch deshalb, weil nach einer vierjährigen konventionellen Therapie eine neuartige Behandlungsmethode zum Einsatz kam – die so genannte Protonentherapie.

    Auch deshalb ist der Artikel lesenswert, weil er das Dilemma der modernen Medizin auf den Punkt bringt. Für die Protonentherapie ist ein Gerät nötig, dass 120 Tonnen wiegt und positiv geladene Elementarteilchen, die Protonen, auf 60 Protonen der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und dann zielgenau auf die Tumore jagt. Dort verrichten sie ihr zerstörerisches Werk.

    Eine Anlage mit vier Behandlungsplätzen kostet, so das Magazin, 120 Millionen Euro. Doch die Protonentherapie ist kein medizinischer Standard, weil wissenschaftlich nicht sicher geklärt ist, ob diese Behandlungsmethode besser wirkt als andere Verfahren. So ist auch unklar, ob die Krankenkassen die Behandlung bezahlen.

    Schumacher selbst erlebte das Dilemma am eigenen Leib: Drei Behandlungen wurden von der Kasse übernommen, die vierte hingegen abgelehnt, weil die Lebenserwartung des Patienten zu gering sei. Mit Hilfe von Freunden sammelte die Familie 40.000 Euro und hatte sie bereits beisammen, als nach einem zähen Gutachterstreit doch noch die Zusage der Kasse kam. Das war Ende des vergangenen Jahres. Schumacher bekam zehn weitere Monate Leben, in denen er unter anderem seine Kinder in England und Luxemburg besuchte.

    „Jeder Tag ist wertvoll“, sagte Gert Schumacher.

    Jeder Tag ist wertvoll.


    EZB-Zinspolitik beflügelt Klever Schulpläne! CDU plädiert für zügigen Neubau des Konrad-Adenauer-Gymnasiums an der Riswicker Straße

    rd | 16. Dezember 2016, 13:37 | 5 Kommentare
    Kann sich noch jemand daran erinnern? Die Anfänge des Konrad-Adenauer-Gymnasiums ca. 1969/70 in Pavillons (Foto: Website KAG/Frau Klett)

    Kann sich noch jemand daran erinnern? Die Anfänge des Konrad-Adenauer-Gymnasiums ca. 1969/70 in Pavillons (Foto: Website KAG/Frau Klett)

    Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank wirkt sich bis in die bildungsnahen Landschaften des Niederrheins aus: Die CDU-Ratsfraktion im Klever Stadtrat hat jetzt den Antrag gestellt, das Konrad-Adenauer-Gymnasium „wegen der augenblicklich günstigen Zinsen“ an der Riswicker Straße neuzubauen. Und zwar, für Klever Verhältnisse, ruckzuck! In vier Jahren soll die Fertigstellung erfolgt sein. Gut möglich also, dass der Direktor eher sein Amtszimmer bezieht als die Bürgermeisterin – Zwinkersmiley! Der bsiherige Standort des Adenauer-Gymnasiums am Köstersweg soll aufgegeben werden, die Idee des Kämmerers Willibrord Haas, die neue Schule in verkehrsgünstiger Lage am Bahnhof zu errichten, ist damit ebenfalls vom Tisch (allerdings weit entfernt davon ist der Standort nicht, er liegt dort, wo bisher das Oktoberfest stattfand. Das wird sich dann eine neue Heimat suchen müssen). Für den Vorschlag zeichnet sich eine breite Mehrheit ab.

    Hier der Antrag der CDU im Wortlaut:


    (15/24) Der Mantel ist wieder da!

    rd | 15. Dezember 2016, 18:21 | 15 Kommentare
    Schönstel Mantelgeschichte seit St. Martin: Sonja Northing

    Schönstel Mantelgeschichte seit St. Martin: Sonja Northing

    Das ist zweifellos die schönste aller Adventsgeschichten, denn in ihr durchleben wir die Tiefen und Höhen unserer eigenen Existenz. Sie handelt von einem schmerzlichen Verlust, von Zweifeln, und sie handelt davon, dass unerschütterlicher Glaube am Ende gegen alle Widrigkeiten obsiegt.

    Richtig, es geht um den Mantel unserer Bürgermeisterin Sonja Northing.

    Sie war im Kolpinghaus auf einer Veranstaltung zum Gedenken an Adolph Kolping zu Gast gewesen und musste am Ende betrübt feststellen, dass in der Garderobe nur noch ein Mantel hing – und das war nicht der ihre. Es gab nur eine einzige Spur, einen Hinweis auf einen Gottesdienst. Die Rheinische Post veröffentlichte einen Suchhinweis: „Wer hat den Mantel der Klever Bürgermeisterin?“ Niemand meldete sich.

    Im Umfeld der ersten Bürgerin gab es in den folgenden Tagen bereits Stimmen, die ihr zuredeten, doch einfach einen neuen Mantel zu kaufen. Doch Sonja Northing glaubte unbeirrt an die Rückkehr ihres geliebten, schwarzen Kleidungsstücks (inklusive Lammfellschal). Ihr Kalkül: Der Fehler werde erst sonntags auffallen, wenn die vorübergehende Besitzerin des Bürgermeistermantels erneut zum Kirchgang aufbreche. Und so geschah es!

    Kurz darauf meldete sich die Finderin bei der Bürgermeisterin und berichtete das Versehen, das nicht früher aufgefallen war, weil ihr Mann seinen Mantel und den vermeintlichen seiner Frau nur über den Arm gelegt hatte, als das Ehepaar das Kolpinghaus verlassen hatte. „Ich habe immer daran geglaubt, dass der Mantel zu mir zurückfindet“, so Sonja Northing.


    (14/24) Na denn prost! Kleve hat jetzt eine Zentrale

    rd | 14. Dezember 2016, 15:49 | 25 Kommentare
    Rustikaler Charme in der Gasthausstraße

    Rustikaler Charme in der Gasthausstraße

    (Ein weiterer Beitrag in eigener Sache) Wie das im Leben eben so ist, manchmal lachen einen die Gelegenheiten an, und dann sollte man beherzt zugreifen. Groß war das Wehklagen, als Wohnzimmer-Wirt Deniz Bakker im Sommer verkündete, sein Lokal zu schließen. Der Kölner und seine Lebensgefährtin Lara hatten mit dem Wohnzimmer eine neue Farbe in die Klever Gastronomie gebracht, und ein neues Publikum erschlossen. Doch ihre Lebenspläne änderten sich, so dass sie nach nur einem guten Jahr das Lokal aufgaben. Aber sollte das Fundament, das die beiden gelegt hatten, verfallen?

    Ein zufälliges Gespräch mit dem freundlichen Vermieter, vor der Bäckerei Reffeling, eine Kurzmitteilung an einen guten Freund – und eine zunächst noch sehr vage Idee war geboren: das Lokal zu übernehmen, aber das Konzept behutsam zu ändern, was in diesem Fall für Felix Walraven, meinen Mitstreiter, und mich bedeutete, sich von der Café-Gastronomie zu verabschieden (wenn wir ehrlich sind, würde uns dies überfordern), dafür aber konsequent den Abend zu nutzen. Es folgten viele Gespräche, verschiedene Unterschriften sowie das gesamte Kompendium an Behördenkram, Lehrgängen und Überprüfungen, das – rückblickend betrachtet – weitestgehend reibungslos ablief. Die Anregungen, die wir bekamen, hätten ausgereicht, drei Gaststätten zu eröffnen. (Wir hoffen, wir haben die richtigen ausgewählt.) Dass nur sechs Wochen Umbau nötig waren, um unsere Ideen Wirklichkeit werden zu lassen, liegt auch an zahlreichen Helfern und Unterstützern – dafür an dieser Stelle noch einmal ein herzlicher Dank an alle fleißigen Hände, ohne die uns der Start noch in diesem Jahr sicherlich nicht gelungen wäre.

    Schnell gefunden war der neue Name des Etablissements: Zentrale. Schlicht und einfach Zentrale. Weil wir im Herzen der Stadt liegen, und weil das Lokal ein Mittelpunkt werden soll für einen geselligen Austausch und gute Gespräche unter Zuhilfenahme wohlschmeckender Getränke. Aus Fässern fließt übrigens Pilsner Urquell und Bolten Alt…

    Öffnungszeiten: heute, Donnerstag und Freitag ab 17 Uhr, Samstag ab 14 Uhr. Sonntag und Montag Ruhetag.


    (13/24) Gerichtsbericht: Die Wahrheit ist ein Biber

    rd | 13. Dezember 2016, 17:33 | 16 Kommentare
    Wirtschaftsstrafkammer: Interessante Einblicke in ein Geschäftsgeschäftsmodell

    Wirtschaftsstrafkammer: Die Wahrheit ist ein Biber

    (Unser Berichterstatter – nicht der Betreiber dieses Blogs! – hat gerade ein Jurastudium aufgenommen. Deshalb ist der Besuch eines Prozesses in der Schwanenburg für gewissermaßen eine praktische Übung. Hier sein Erlebnisbericht:) Schlange stehen kennt man in Kleve nur sonntags auf der Tiergartenstraße, vor der Bäckerei Heicks. Und am Monatsanfang in der Sparkasse. Aber das geht auch durch die Woche und zwar vor dem Landgericht auf der Schwanenburg, so wie heute Vormittag, am Dienstag, 13.12.2016.

    Was auffällt, ist, dass die Schlange aus Chinesen besteht. Vor mir und hinter mir Chinesen, bevor es dann in die Schleuse der Sicherheitskontrolle geht. Alle wollen in den Raum 105, in dem es im so genannten „Chinesen-Prozess“ weiter geht.

    Nachdem der Vorsitzende Richter Henckel eröffnet hat, beginnt der Verteidiger des Angeklagten damit, dass er eine Stellungnahme verliest, in der er eigentlich kurzum das Vorgehen der Polizei bei der Hausdurchsuchung in Essen für nicht richtig erachtet. Die Polizei hätte nicht einfach die Räume „ohne“ richterliche Anordnung betreten dürfen. Die Reaktion vom Staatsanwalt auf die Stellungnahme ist eine Stellungnahme seinerseits, die er nachzureichen gedenkt.

    Begleitet wird jedes gesprochene Wort im Saal von einen „chinesischem Getuschel“, mehrere Dolmetscher übersetzen, im laufenden Betrieb jedes Wort an die verschiedenen Chinesen.

    Dann kommt der erste Zeuge. Herr Y. hat, wie er sagt, Spielautomaten für den Angeklagten Herrn Z. aufgestellt. Auch in „Kranenburg“, wie er sagt. Kranenburg sei „so mittel“ gelaufen, etwa 300 bis 400 Euro habe das im Monat erbracht, sagt er. Der Staatsanwalt fragt nach einer Erklärung des Begriffs „Totengeld“ an den Zeugen Y.
    Zeuge Y. redet jetzt ein wenig langsamer und druckst herum, sagt dann: „Dass dies Glücksgeld ist.“

    Nachdem der Zeuge entlassen ist, erklärt der Vorsitzende, dass es ein Missverständnis bei der Einladung einer Zeugin gegeben hat. Diese habe nur eine Einladung an ihre „Privatadresse“ bekommen. Da sie jedoch gerade in der JVA einsitze, und man versäumt habe, das Schreiben auch dorthin zu senden, könne sie jetzt natürlich nicht hier sein.

    Weiter geht es mit Zeugin Frau H. aus Essen. Sie erklärt, dass sie 79 Jahre alt sei, und dass sie das Haus, in dem der Beklagte Z. seinen Club betrieben habe, mittlerweile verkauft habe. Der Vorsitzendende Richter projiziert ein Bild des Hauses mit einem Beamer an die Wand des Gerichtssaals. Ja, das ist es. Es ist die Rede von 160 Quadratmetern im Parterre und im ersten Obergeschoss, in dem der Club betrieben wurde. Auch die vom Richter gezeigten Bilder des Mietvertrags über 1.200 Euro im Monat bestätigt sie.

    Der Vorsitzende Richter fragt die Zeugin Frau H., ob sie davon gewusst habe, welcher Art die Nutzung des Hauses gewesen sei.

    Die Zeugin antwortet ohne zu zögern: „Als Massage-Salon.“

    Der Vorsitzender fragt: „Was meinen Sie mit Massage-Salon?“

    Zeugin H.: „Massage-Salons, die gibt es doch überall.“

    Vorsitzender: „Aha.“

    Zeugin H.: „Halt Massage-Salon“.

    Die Verteidigerin des Angeklagten fragt die Zeugin ebenfalls, was die Zeugin erneut mit „Massage-Salon“ bestätigt.

    Jetzt fragt auch der Staatsanwalt nach: „Massage-Salon?“

    Nun schreitet der Vorsitzende Richter ein und fragt die Zeugin Frau H.: Hatten sie damals gewusst, dass Herr Z. das Haus als ,Puff‘ benutzt?“

    Zeugin H. antwortet: „Ja, als Puff.“

    (Gelächter im Gerichtssaal.)

    Die Wahrheit ist wie ein Biber. Irgendwann ist der Stamm der Lügen durchgenagt. Aber das dauert.


    (12/24) Begeisterung wie 1742 in Dublin erhofft: Dreikönigskonzert von Collegium Musicum und Städtischer Singgemeinde

    rd | 12. Dezember 2016, 13:52 | keine Kommentare

    Das Dreikönigskonzert des Collegium Musicum gibt es 2017 im Doppelpack und in Kooperation mit der Städtischen Singgemeinde Kleve: Am Samstag, 7. Januar 2017 findet die erste Aufführung in Kranenburg in der Sankt Peter und Paul Kirche um 20 Uhr statt, am Sonntag, 8. Januar 20107, ebenfalls um 20 Uhr das zweite Konzert in der Christus-König- Kirche in Kleve. Die künstlerische Leitung liegt bei Stefan Burs, der nach den intensiven Proben mit dem Orchester und dem Chor feststellen kann. „Uns haben die musikalisch zündendende Ideen verbunden mit einfachen kompositorischen Mitteln schon bei den Proben begeistert. Jetzt hoffen wir, dass die Zuhörer so begeistert sind wie bei Uraufführung 1742 in Dublin.“

    Worauf können sich die Zuhörer der Aufführungen in Kranenburg und in Kleve freuen?

    Zunächst hat das Orchester das Wort, die einleitende Symphonie bietet reiche musikalische Überraschungen und führt den Zuhörer noch einmal zur vertrauten Weihnachtsgesichte, wenn der Chor übernimmt mit dem heiter gestimmten: „For unto us a Child is born, a son is given“ (Uns ist zum Heil ein Kind geboren), um weiterzuführen zu der tröstlichen Zusicherung am Ende des ersten Teil des Oratoriums, wenn sich bereits Passionsgeschehen andeutet: „His yoke ist easy, His burthen is light“ (Sein Joch ist leicht, leicht seine Last).

    Am Ende der Weihnachtszeit bekommt die Heilsgeschichte die dunkle Farben und Ereignisse der Passion. Die Altistin singt dies den Zuhörern tief berührend mit ihrer Arie zu: „He was despised“ (er ward verschmähet“). Collegium Musicum und Singgemeinde freut sich auf Lina Hofmann, die die Altpartie bei beiden Konzerten übernommen hat. Chor und Orchester interpretieren danach die tiefe Überzeugung der Gläubigen auf Rettung und Erlösung: „Surely, he hath borne our griefs und carried our sorrows“ (Wahrlich, er litt unsere Qualen und trag unsere Schmerzen). Der Tenor – Hennig Jendritza – verstärkt mit seiner Arie „He was cut off out of the land of the living“ (Er ist dahin aus dem Land der Lebenden) die Stimmung des zweiten Teils als Abschieds- und Klagegesang; doch schon die anschließende Sopranarie – Karin Schulte wird singen – führt den Zuhörer über weitere Arien und Rezitative der Zuversicht zum wohl bekanntesten Stück dieses Oratoriums, dem „Hallelujah-Chor“.

    Fast so berühmt und sicherlich innig berührend beginnt der dritte Teil des Werkes mit der Arie: „I know that my Redeemer liveth“ (Doch ich, ich weiß, dass mein Erlöser lebet). Charles Jennens als Textautor und Georg-Friedrich Händel knüpften damit wieder an die Alltagserfahrung der Zuhörer an; waren sie doch Texte der Zuversicht mit getragenen, zu Herzen gehenden Melodien aus den Trauergottesdiensten ihrer Zeit gewohnt. Kraftvoll, energisch in Wort und Klang präsentiert der Bass mit seiner berühmten Trompetenarie die Zuversicht an die unverwesliche Auferstehung der Toten.

    Der Schlusschor kommt zunächst viel bescheidener daher als der triumphale Abschluss des Hallelujah-Chores im Teil II des Oratoriums: „Worthy is the lamb that was slain“ (Würdig ist das Lamm, das geopfert wurde); hier verneigt sich der Chor stellvertretend für alle Gläubigen in großer Zuversicht auf die eigene Erlösung vor dem Opfer des Messias für die ganze Welt. Die Amen-Fuge führt eher nicht den lauten Jubel vor, sondern in einer kunstvollen Komposition das Ideal der Erhabenheit vor Augen und Ohren.

    Karten zum Preis von 14 Euro (ermäßigt 10 Euro) sind ab sofort erhältlich bei den Mitgliedern des Collegium Musicum und der Städtischen Singgemeinde Kleve, sowie an den Vorverkaufsstellen bei Löwen-Apotheke, Emmericher Straße 228, Buchladen Leselust, Kapellenstraße 15, Buchhandlung Hintzen, Hagsche Straße 46, Optik Verbeet, Kavarinerstraße 5 und Bossmans Genuss Company, An der Münze 18 sowie an der Abendkasse.


    (11/24) Drohnensonntag: Wenn der Aussichtsturm ein kleines bisschen höher wäre…

    rd | 11. Dezember 2016, 16:43 | keine Kommentare

    … böte sich dem Besucher dieser faszinierende Blick auf die Stadt, das Land und den Fluss, den wir nun aber trotzdem haben, weil Torsten Barthel seine Drohne hat aufsteigen lassen und uns damit auch ein Bild des Aussichtsturms „von oben herab“ beschert.

    Weiteres Umfeld (Foto: Torsten Barthel)

    Weiteres Umfeld (Foto: Torsten Barthel)


    (10/24) Lob des Kabelbinders bei der Reparatur von Turbosaugrohren

    rd | 10. Dezember 2016, 23:42 | 20 Kommentare
    1 Weiterfahrt dank 3 Kabelbinder von 1 Gelben Engel

    1 Weiterfahrt dank 3 Kabelbinder von 1 Gelben Engel

    Es kommt der Zeitpunkt, an dem man sich trennen muss. An dem eine langjährige Beziehung endet, obwohl man doch so viel lieber hätte, dass alles so bleibt, wie es war.

    Dieser Zeitpunkt, dachte ich, war auf der A57 Richtung Kleve kurz vor der Abfahrt Krefeld-Oppum gekommen. Ich trat das Gaspedal meines 14 Jahre alten VW Golf Diesel, spürte einen kleinen Ruck, gefolgt von düsteren Geräuschen aus dem Motorraum. Der Wagen wurde langsamer, gemeinsam schleppten wir uns von der Autobahn.

    Kaputt? Motor vermutlich explodiert, so meine fachmännische Einschätzung.

    Mein umsichtiger Beifahrer kam auf die Idee, die Motorhaube zu öffnen, was auch die meisten Experten machen. Schon fünf Minuten später hatte ich herausgefunden, wie die Motorhaube geöffnet werden kann. Die visuelle Inspektion ergab, dass die Maschine noch vorhanden war und relativ unzerstört aussah, von 228349 Kilometer Abnutzungsspuren mal abgesehen. (Wie wir später erfahren sollten, wäre es hilfreich gewesen, die Plastikabdeckung des Motorblocks zu entfernen.)

    Wir standen also vor einem Rätsel. Da müssen Experten ran, und so wählte ich mit dahinsiechendem Akku sechsmal die 2, um einen Gelben Engel herbeizuordern.

    Der Engel, so meine düstere Befürchtung, würde aber nur noch als Pathologe wirken können, so wie damals, als ich meinen bockigen Ford Escort in der Nähe von Bayonne einem französischen Automechaniker überantwortete, der sich über den Motor beugte und dann mit Leichenbittermiene, so als hätte jemand in seinen Pastis gepinkelt, auf einen Zettel kritzelte: „Le pistons ne marchent pas.“ Das konnten wir im Wörterbuch nachschlagen. Er hat uns den Wagen für 500 Francs abgekauft.

    Dann aber, nach einer erträglichen Wartezeit, in der ich einiges über unkonventionelle Keilriemenreparaturen in Tansania erfahren habe, kam der Gelbe Engel in Gestalt eines gutgelaunten Herrn T., dessen Auftritt ähnlich souverän war wie der von Winston Wolf in Pulp Fiction („Ich löse Probleme.“).

    Schon der erste Satz ein Treffer: „Na, wer hat denn da kein Warndreieck!?“

    Souverän leitete ich zu unserem größeren Problem über – und es stellte sich heraus, dass der Mann über geradezu magische Fähigkeiten verfügte. Er setzte sich ans Steuer, gab zwei–, dreimal kräftig Gas und erzeugte damit Geräusche, die mir durch Mark und Bein gingen. Er aber: „Entweder ist der Auspuff ab oder der Turbosauger losgerissen. Schaun wir mal!“ Jetzt kommt die Stelle mit der Abdeckung des Motorblocks. Nachdem Herr T. diese entfernt hatte, trat der Defekt fast aufdringlich offen zutage: Das Saugrohr hatte sich vom Motor gelöst. Einfach ab!

    Dieser erhabene Moment, selbst einen Fehler im Motor erkennen zu können, ließ in meiner russgeschwärzten Seele den Partikelfilter Hoffnung wirken: Das aber, sagte ich betont entspannt, sehe ja fast danach aus, als ob sich das Problem vor Ort beheben lasse und wir unsere Fahrt fortsetzen könnten. Und ich mich doch noch nicht von meinem Golf verabschieden muss, ergänzte ich innerlich.

    Eine Klammer wie die gebrochene habe er nicht dabei, versetzte der Engel meiner Hoffnung einen Dämpfer. Doch ich hatte noch einen Pfeil im Köcher: „Vielleicht mit Panzerband… oder so.“

    Ratschläge wie diese hören Fachleute vermutlich nicht mit ungebrochener Begeisterung, doch der Ehrgeiz des Mannes, uns die Weiterfahrt zu ermöglichen, war da vermutlich schon längst geweckt. Er ging kurz zu seinem mit allerlei Zaubermitteln ausgestatteten Wagen und kam zurück mit – drei Kabelbindern. Daraus fertigte er im Handumdrehen voller Raffinesse eine kleine, filigrane Konstruktion, die die gebrochene Klammer perfekt ersetzte. Nur bitte nicht mehr so viel Gas geben, mit diesem Hinweis schickte uns Herr T. zurück auf die Autobahn.

    57 Minuten später kamen wir wohlbehalten in Kleve an.

    @Burke & Willimzik: Ich komme dann Montag. Gleich auch Winterreifen bereitlegen.

    @Friends & Family: Nein, ich werde mich über Warndreiecke als Weihnachtsgeschenk definitiv NICHT freuen!


    (9/24) Heute drei Könige!

    rd | 09. Dezember 2016, 22:54 | 7 Kommentare
    Darauf einen Dujardin!

    Darauf einen Dujardin!

    Kunst ist, woran man hängenbleibt. (Ich weiß, dass Artikel, die mit dem Wort Kunst beginnen, die Lesequote drastisch nach unten drücken. Aber egal, das ist ein für Kleve wichtiges Thema.) Im Fall der drei oben abgebildeten Holzskulpturen waren es nicht die faktischen Informationen, beispielsweise der Umstand, dass eine Expertin den 500 Jahre alten Figuren einen Erhaltungsgrad von 95 Prozent bescheinigte, oder die Tatsache, dass das Museum hofft, mit tatkräftiger Unterstützung von Stiftungen und auch von den Klever Bürgern insgesamt eine Summe im oberen sechsstelligen Bereich versucht aufzubringen.

    Diese Summe wird aller Voraussicht nach (das letzte Wort haben da Gutachter) nötig sein, um das Kunstwerk für immer in den Besitz der Stadt überzuführen. Noch ist es eine, wie das im Museumsdeutsch heißt, „Dauerleihgabe aus Privatbesitz“. Das, salopp ausgedrückt, Blöde fürs Museum war die Tatsache, dass der große Schnitter Veränderungen in der Besitzstruktur nach sich zog. Heißt: Der Privatbesitzer ist verstorben, die Erben des verstorbenen Besitzers wollten die „Heiligen Drei Könige“ des Kalkarer Bildhauers Henrik Douverman (ca. 1480-1543/44) auf dem internationalen Kunstmarkt zu Geld machen. Das ist ihr gutes Recht.

    Nun sind die Erben allerdings dem Klever Museum sehr gewogen und haben Professor Harald Kunde und seinem Team ein Vorkaufsrecht eingeräumt. Aber, es handelt sich um Kunst von anerkannt historischer Bedeutung, und die kostet. Deshalb setzt das Museum alle Hebel in Bewegung, um das Werk in der Stadt zu halten. Valentina Vlasic: „Wenn uns das gelingt, knallen hier die Champagnerkorken!“

    Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg. Vorbehaltlich der gutachterlichen Einschätzung ist davon auszugehen, dass nahezu perfekt erhaltene, ein halbes Jahrtausend alte Holzskulpturen dieser Güteklasse wirklich Geld kosten. Weder die Stadt noch der Freundeskreis des Museums alleine können die Summen, um die es geht, aufbringen. Deshalb versucht Vlasic, hochkarätige Stiftungen wie beispielsweise die Ernst von Siemens Stiftung und die Kulturstiftung NRW mit ins Boot zu holen. Erste Rückmeldungen, auf die natürlich kein hundertprozentiger Verlass ist, fielen positiv aus.

    Doch all das führt weg von dem, was womöglich dem einen oder anderen Museumsbesucher auch schon aufgefallen sein mag, und worum es bei der lieben Kunst wirklich geht – warum stelle ich es auf und werfe es nicht weg?

    Und da sind die rund achtzig Zentimeter großen Eichenholzkönige wirklich formidable Beispiele, weil sie den Betrachter anschauen, als wären sie nicht schon vor 500 Jahren erdacht und erschaffen worden, sondern reale Zeitgenossen. Das wiederum fällt besonders auf beim König Balthasar, der so aussieht, als trage er ein relativ neuzeitliches Käppi, was ihn in Vereinigung mit seinem energischen Gesichtsausdruck ein wenig so wirken lässt wie Lenin auf kommunistischen Plakaten aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

    Dafür, dass das Museum einem solche Momente beschert, sollte man es lieben. Und, wer immer die Möglichkeit hat, sollte sich daran beteiligen, dass die Heiligen Drei Könige Kleve erhalten bleiben.

    Beängstigend modern: Balthasar

    Beängstigend modern: Balthasar

    Vom niederrheinischen Altarschnitzer zum russischen Revolutionär – das schafft nur Kunst

    Vom niederrheinischen Altarschnitzer zum russischen Revolutionär – das schafft nur Kunst


    (8/24) Stille Flughafengesellschaftsnacht, heilige Flughafengesellschaftsnacht

    rd | 08. Dezember 2016, 23:31 | 18 Kommentare

    „Think out of the box, das ist seine Vision.“ –– „Er kann gut mit jeder durch die Tür.“ (H. Buurman)

    Unternehmerpreis 2016 Kleve: Laudator Michael Kerkloh, Preisträger Ludger van Bebber, Wirtschaftsforums-Vizevorsitzender Walter Heicks (Foto: Frank Wiedemeier/Wirtschaftsforum Niederrhein)

    Unternehmerpreis 2016 Kleve: Laudator Michael Kerkloh, Preisträger Ludger van Bebber, Wirtschaftsforums-Vizevorsitzender Walter Heicks (Foto: Frank Wiedemeier/Wirtschaftsforum Niederrhein)

    Für Ludger van Bebber, den Geschäftsführer des Flughafens Niederrhein, war es vermutlich das schönste Jahr seit langem. Erst erhielt er einen Preis, und dann noch ein Geschenk – von uns allen!

    Im November bekam van Bebber den Managerpreis des Wirtschaftsforums Niederrhein. In der Laudatio lobte Michael Kerkloh, Präsident des deutschen Flughafenverbandes, die „unkonventionelle und erfolgreiche Entwicklung“ des Airports unter der Ägide van Bebbers. Unkonventionell, das trifft es.

    Das Erfolgreichste, was auf dem weiträumigen Gelände, auf dem auch Flugzeuge starten und landen, stattfindet, dürfte vermutlich das Parookaville-Festival sein, dicht gefolgt von der Unterbringung von Flüchtlingen. Aus dem Rennen hingegen ist die Stromerzeugung, die Anlage wurde aus Geldmangel dem Kreis übereignet.

    Was das schöne Bild des unkonventionellen Unternehmertums jedoch ein wenig trübt, ist die Tatsache, dass der Flughafen beim Kreis Kleve mit rund 30 Millionen Euro in der Kreide steht. Die genaue Zahl der Schulden kann vermutlich schon nur noch ein Wirtschaftshistoriker rekonstruieren, so verworren sind die Konstrukte mittlerweile.

    Weil der erfolgreiche Flughafen das geliehene Geld nicht zurückzahlen konnte, stimmte der Kreis Kleve einer Umwandlung von fälligen Zahlungen in Anteile zu. Im Dezember 2015 tauschte der Kreis beispielsweise eine Zinsforderung in Höhe von 1,393 Millionen Euro gegen einen 1,73-prozentigen Anteil am Flughafen aus. Mit einer solchen Information lässt sich bei korrekter Anwendung des Dreisatzes der Wert des gesamten Flughafens errechnen: 80,52 Millionen Euro.

    Am heutigen Donnerstag hat sich der Kreistag in nicht-öffentlicher Sitzung erneut mit dem Flughafen Niederrhein beschäftigt und mit „großer Mehrheit“, wie es in der Pressemitteilung heißt, beschlossen, offene Posten in Höhe von 26,835 Millionen Euro in eine stille Gesellschaft zu überführen. Das ist ein teures Geschenk!

    Gemessen an dem Kurs von 2015 sollten daraus mehr als 33 Prozent der Flughafenanteile herausspringen. Es sind aber nach Informationen von kleveblog nur 24,8 Prozent, was ein nicht unerheblicher Nachteil für den Steuerzahler, aber ein Vorteil für Ludger van Bebber ist. Angeblich hat sich der Kreis bei der Wertermittlung an ein Gutachten von Price Waterhouse Cooper gehalten (siehe Pressemitteilung am Ende des Textes).

    Wie dem auch sei, das Weihnachtliche für den Flughafen ist der Umstand, dass die Öffentlichkeit nun nicht mehr einmal jährlich darüber unterrichtet werden muss, wie es um den Flughafen tatsächlich steht, wenn die Kredite mal wieder nicht hätten zurückgezahlt werden können. All diese Informationen werden nun zur Freude aller Flughafenfreunde in einer stillen Gesellschaft versenkt. Die kritische Öffentlichkeit ist raus.

    Bei den Buurmans (Besitzer des Flughafens) und van Bebbers dürfte also zum Fest der Klassiker leicht abgewandelt angestimmt werden: „Stille Flughafengesellschaftsnacht, heilige Flughafengesellschaftsnacht…“

    Hier die aktuelle Pressemitteilung des Kreises Kleve im Wortlaut: