Wohin am Jubiläumswochenende?

rd | 28. April 2017, 08:34 | 4 Kommentare

Festlich geschmückt: The Swan’s Castle (Foto: W. Schnütgen)

Jung und gutaussehend? Die Paradisos spielen am Red Wagon und beim Stadtfest

Als Graf Dietrich VI. an einem nasskalten Vormittag und einer durchwachten Nacht am 25. April 1242 seine legendären Worte herauspresste („Dann sollen sie halt ihre verdammten Stadtrechte bekommen!!!), verließ das endlich zu ein paar Rechten gelangte Bürgertum der Stadt seine Lehmhütten und verlieh seiner Freude in für die damalige Zeit typischer Manier Ausdruck: Die Menschen reinigten mit Reisigbesen die Große Straße, die damals noch Kleine Straße hieß, von Schweinekot und warfen Rübenschnitze in die Luft. Man hatte nicht mehr, damals.

Wie anders heute – die 775-Jahr-Feier der Stadt Kleve wird das größte und schönste Fest, das die Stadt je erlebt hat. Viele Gaststätten locken die Menschen mit Sonderangeboten, beispielsweise verkauft die Zentrale – Motto: Schon satte 0,04 Promille Teil der Klever Stadtgeschichte – drei Klever Jubiläumspils („Pilsner Urquell“) datumsgerecht zu exakt 775 Cent (zzgl. 5 Cent Jubiläumszuschlag). Darauf muss man erst mal kommen!

Die Ideen der Klever Bürger gibt es am Samstag und Sonntag auf dem Koekkoeksplatz zu bestaunen: „Von Klever für alle Gäste“, unter diesem Motto präsentieren sich Vereine und Künstler mit Comedy, Musik und Tanz. Das Programm am Samstag beginnt um 10 Uhr mit einer Festrede der Bürgermeisterin Sonja Northing. Zweiter Veranstaltungsort ist der Parkplatz am EOC.

Aber es gibt noch mehr Jubel und Trubel: Die Klever Händler feiern das Jubiläum mit einem verkaufsoffenen Sonntag (alle 775 Geschäfte in der Innenstadt haben von 12 bis 17 Uhr geöffnet). In der unteren Herzogstraße leben unter dem Motto „Bikini, Beat & Bobbycar“ die 50-er, 60-er und 70-er Jahre wieder auf. Dazu spielen auch die Paradisos aus Bremen, die unter dem Motto auftreten: Für die einen sind sie jung, für die anderen gutaussehend. Sie konzertieren übrigens am Samstag Abend auch im Biergarten des Red Wagon an der Hochschule.

Wasserlastig wird es am Opschlag: Der Kanuverleih startet am 30.04. in die Saison, erstmals in seiner steinernen Behausung und nicht mehr im Provisorium untergebracht. Unter anderem im Angebot: Zu jeder vollen Stunde eine Drachenboot-Schnuppertour.

Die Hochschule Rhein-Waal beteiligt sich am Jubiläumsreigen mit einem Street-Food-Festival auf dem Campus-Gelände: Samstag und Sonntag kommen Genießer ab 12 Uhr zum Zuge – kulinarisch werden ca. 100 Länder abgedeckt. Viel mehr gibt es auch nicht.

Die Klever Jazzfreunde machen den Auftakt der Feiern mit dem Konzert von Salomea Project. Rebekka Salomea tritt mit dem Anspruch auf, Bilder im Kopf zu malen. Das Konzert beginnt am Freitag um 20:30 Uhr im Casa Cleve. Und auch das XOX-Theater, das übrigens in diesem Jahr 20 Jahre alt wird, beteiligt sich mit zwei Aufführungen (Freitag, 20 Uhr, Samstag, 18 Uhr) am Stadtjubiläum: Theaterchef Wolfgang Paterok präsentiert das Figurentheater Cartouche,  das die „Sonate à quatre mains“ aufführt. Es handelt sich um ein hochkonzentriertes Spiel mit Marionetten, das literarisch von Franz Kafka, musikalisch von Eric Satie und visuell von dem niederländischen Maler Carel Willink inspiriert ist.



52 % aller heterosexuellen Männer Kleves, die 1932 fürs Zentrum gestimmt haben, sprechen sich für eine Bebauung des Minoritenplatzes mit Parkplätzen aus

rd | 25. April 2017, 17:33 | 35 Kommentare
Gut gekleidet, Analyse so klar wie Mineralwasser: Dr. Peter Matuschek (Forsa) schlug der Wahrheit über den Minoritenplatz eine Schneise

Gut gekleidet, Analyse so klar wie Mineralwasser: Dr. Peter Matuschek (Forsa) schlug der Wahrheit über den Minoritenplatz eine Schneise

Endlich Klarheit!

802 Klever, die in ihrem jeweiligen Haushalt zum Zeitpunkt des Anrufs als letztes Geburtstag hatten, durften sich gegenüber Telefonfachkräften des angesehenen Meinungsforschungsinstituts Forsa zu den Plänen der Stadt für den Minoritenplatz äußern. Heraus kam ein interessantes Stimmungsbild, dass so in dieser Deutlichkeit nicht zu erwarten war: Offenbar sind manche Klever für eine Bebauung des Areals, während andere dagegen sind. kleveblog meint: Die Bürgermeisterin ist gut beraten, dieses Stimmungsbild in die Planungen mit einzubeziehen und den Minoritenplatz entweder zu bebauen oder nicht zu bebauen. Das aber ist alternativlos!

Die Offenen Klever hatten die Umfrage in Auftrag gegeben, um angesichts der neuen Pläne einmal das „repräsentative Stimmungsbild“ der Klever Bevölkerung zu ergründen. Die Teilnehmer der Umfrage wurden zufällig ausgewählt, indem ein Computerprogramm Telefonnummern zusammenbastelte, die dann angerufen wurden. Die Stichprobe, das versicherte der Mitarbeiter von Forsa, der die Ergebnisse vorstellte, sei groß genug gewesen, um ein gutes Bild zu erhalten, das zudem eine weitere Aufschlüsselung ermöglicht – so in der Art, wie sie in der Überschrift scherzhaft vorgestellt wird. Präsentiert wurden die Ergebnisse passenderweise im Saal „Inspiration“ im Hotel Rilano. 50 Klever waren zugegen, eine mahnte am Ende der Vorstellung, man dürfe sich nicht zu „Handlangern der Zementindustrie“ machen lassen.

Was aber kann nun wirklich heraus, was sagen die Zahlen?

  • Die Hälfte der Klever interessiert sich stark oder sogar sehr stark für die Diskussion um die geplante Bebauung des Minoritenplatzes (51 %), die andere Hälfte steht diesen Vorgängen eher desinteressiert gegenüber (49 %).
  • Auf die Frage: „Was glauben Sie: ist die Mehrheit der Bürger in Kleve grundsätzlich eher für oder gegen eine Bebauung des Minoritenplatzes?“ Antworteten 59 % der Befragten, dass sie davon ausgehen, dass es allgemeine Stimmungsbild sich eher gegen eine Bebauung richtet. Nur 25 % der Befragten waren der Ansicht, eine Mehrheit der Bevölkerung sei für eine Bebauung.
  • Frage Nummer acht beschäftigte sich dann mit der persönlichen Einstellung der Klever. „Sind Sie grundsätzlich eher für oder eher gegen eine Bebauung des Minoritenplatzes?“ Die Hälfte der Befragten war dagegen (50 %), ein gutes Drittel dafür (38 %). 12 % der Befragten hatten keine Meinung. Interessant aus Sicht der Meinungsforscher war, dass Männer tendenziell eher für eine Bebauung waren (42 %) als Frauen (33 %). Das könnte daran liegen, dass Männer aufgrund ihrer Sozialisation dem Baugewerbe eher zugeneigt sind. Sie spielen in ihrer Kindheit mit Baggern und nicht mit Puppen.
  • Je weniger CDU die Befragten waren, umso stärker fiel die Ablehnung aus – 86 % der Klever, die angaben, bei der nächsten Wahl für die Offenen Klever zu stimmen, sprachen sich gegen eine Bebauung aus. Dagegen nur 44 % der CDU-Anhänger.
  • Am Ende durften die Teilnehmer der Umfrage aus einer Liste von Vorschlägen zu einer möglichen Zukunft des Areals ihre Favoriten auswählen. 52 % votierten für einen begrünten Parkplatz, also für etwas, was es im Grunde heute schon gibt, vielleicht mit etwas wenig Grün. 49 % konnten sich dort Gastronomie vorstellen (das wurde nicht konkretisiert). An dritter Stelle rangierte die Vorstellung eines Gebäudes im Hundertwasser-Stil (44 %, Mehrfachnennungen waren möglich).

Für diejenigen, die in der Stadt politisch arbeiten oder deren Geschicke in der Verwaltung steuern, dürften allerdings die Antworten auf zwei ganz andere Fragen aus dem bunten Strauß der Erkenntnisse, didene die Offenen Klever der Stadt bescherten, von größerem Wert sein. Befragt, welches Ihrer Meinung nach die größten Probleme in der Stadt Kleve seien, nannten 24 % Verkehrsprobleme (alles von Radwegen über Öffentlichen Nahverkehr bis Straßenverkehr), 17 % die Schulpolitik und immerhin 13 % die Bebauung des Minoritenplatz. Das Thema „Ausländer, Flüchtlinge, Integration“ hielten gerade einmal 4 % der Befragten für relevant.

Wie zufrieden die Bürger mit der Stadtverwaltung in Kleve sind, wurde ebenfalls erkundet. Das Ergebnis deutet darauf hin, dass das Team um Sonja Northing sensationelle Arbeit abliefert. Die Verwaltung kommt auf Zufriedenheitswerte von 73 %, nur jeder Fünfte war mit der Arbeit der Verwaltung weniger zufrieden oder sogar unzufrieden.

Dr. Peter Matuschek, der Mann von Forsa, wies übrigens mit einer kleinen Bemerkung am Rande darauf hin, dass wir in Kleve auf einer Insel der Seligen leben. Auf die Frage nach den großen Problemen der Stadt antwortete jeder dritte Klever: „Weiß nicht“ (31 %). Wenn man eine solche Umfrage in Berlin mache, liege dieser Wert bei gerade mal 2-3 %.



Derbystar (Goch) liefert künftig den Bundesliga-Ball, Adidas raus

rd | 24. April 2017, 23:56 | keine Kommentare
Ist der Ball wirklich rund? Oder doch nur eine „originale 32 Panel Ball Konstruktion“? Das müssen die Spieler der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2018/19 ergründen

Ist der Ball wirklich rund? Oder doch nur eine „originale 32 Panel Ball Konstruktion“? Das müssen die Spieler der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2018/19 ergründen

Herzogen–Au!-r-Ach!

Das neue Spielgerät der Fußball-Bundesliga kommt ab der übernächsten Saison aus ––– Goch! Und nicht mehr aus Herzogenaurauch, dort, wo die Adidas-Dynastie beheimatet ist, die der Deutschen liebstem Sport seit Jahrzehnten ihren dreistreifigen Stempel aufdrückt. Ab der übernächsten Saison stellt die Gocher Firma Derbystar den offiziellen Spielball der ersten und zweiten Bundesliga – und dann gleich für vier Jahre. Das gab die DFL Sports Enterprises (DFL SE) am Montag in Frankfurt am Main bekannt. Zahlen wurden erwartungsgemäß nicht bekannt gegeben, aber man darf von einem Millionengeschäft für das am Niederrhein ansässige (und zu einem dänischen Konzern gehörende) Unternehmen ausgehen.

Rein rechnerisch kommt man zwar nicht so weit – pro Bundesligaspiel liegen rund 30 Bälle bereit. Da die Bälle meines Wissens nicht von einem Ort zum anderen transportiert werden, also 18 x 30 Bälle. Ergebnis: 540. Rechnen wir großzügig 100,– € pro Ball, landen wir für die erste Bundesliga bei 54.000 Euro. Dann kommt die zweite Bundesliga hinzu, sodass das bloße Ballverkaufsvolumen bei rund 100.000 Euro liegen dürfte. Aber bei dem Deal geht es um ganz andere Dimensionen!

„Mit Derbystar haben wir einen Partner gewonnen, der seit langer Zeit für höchste, von den Clubs und Spielern anerkannte Produktqualität steht. Darüber hinaus schätzen wir das internationale Vertriebsnetz, über das das Unternehmen zusammen mit der Mutterfirma Select Sport verfügt“, sagt Jörg Daubitzer, Geschäftsführer der DFL SE. Bereits ab 1970/71 war Derbystar durch zahlreiche Club-Kooperationen in der Bundesliga vertreten. In der Saison 1979/80 wurden sogar alle 306 Bundesliga-Begegnungen mit den Bällen aus dem Hause Derbystar ausgetragen. Die Firma behauptet, dass sich deren Bälle durch „exzellentes Sprung- und Flugverhalten“ auszeichnen, sodass die Spieler „niemals die Kontrolle über den Ball verlieren“. Das ist meiner Meinung nach etwas dick aufgetragen, aber so spricht halt das Marketing.

„Mit der Rückkehr in die Bundesliga und 2. Bundesliga unterstreichen wir unsere starke Position im Markt und die sehr positive Unternehmensentwicklung der letzten Jahre“, sagt Andreas Filipovic, Geschäftsleitung Verkauf & Sponsoring von Derbystar. „Wir haben unseren Umsatz seit 2010 verdoppelt. Die Präsenz in der Bundesliga und 2. Bundesliga wird unsere Marke weiter stärken“, sagt Joachim Böhmer, der in der Geschäftsleitung Marketing und Einkauf verantwortet. Klever Unternehmerpreis, ick hör dir trapsen!

Derbystar ist seit der Unternehmensgründung im Jahr 1968 auf die Produktion von handgenähten Bällen spezialisiert und gehörte zur den ersten Produzenten, die synthetische Materialien für die Herstellung der Bälle einsetzten. Diese Entscheidung galt Mitte der 1970er Jahre als richtungsweisend und setzt bis heute Standards in punkto Innovation. Seit 1991 gehört die DERBYSTAR Sportartikel GmbH zu SELECT Sport A/S (Select), einem dänischen Unternehmen, das bereits seit 1947 als reiner Ballspezialist Maßstäbe setzt. So entwickelte Select unter anderem 1962 den ersten 32-teiligen Fußball und 1974 den ersten handgenähten Polyurethan-Fußball. 1996 beriet Select die FIFA bei der Festlegung universeller und moderner Fußballstandards. Die Fußball-Ligen in den Niederlanden, Finnland, Schweden, Island, Dänemark und Belgien setzen auf offizielle Spielbälle von Derbystar/Select.

Das Unternehmen DERBYSTAR/SELECT nimmt seine soziale Verantwortung ernst und setzt bei der Produktion der Bälle in Pakistan nicht nur auf höchste Qualitätsansprüche, sondern auch auf faire Bedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Die jährlich rund drei Millionen Bälle werden exklusiv bei Anwar Khawaja Industries (AKI) in Pakistan hergestellt, einem von Fairtrade zertifizierten Unternehmen. Die rund 7.500 Näher und ihre Familien profitieren seit 1996 auch von einem umfassenden Gesundheits- und Bildungsprogramm.

Einer der bekanntesten Werbeträger der Marke Derbystar war Fleming Lund, ein früherer Außenstürmer von Fortuna Düsseldorf. In meiner Fotokiste liegt noch eine Autogrammkarte von ihm. Lund, 1,70 m groß, erzielte in 96 Bundesligaspielen für Rot-Weiß Essen und dann für Düsseldorf sieben Tore. Sieben! Aber er war ein sympathischer Däne, der heute vermutlich in seiner üppig bemessenen Tagesfreizeit Scandi-Noir-Krimis schaut und seine beiden Töchter, beide Springreiterinnen, zu ihren Turnieren begleitet. Es kann aber sein, dass meine Erinnerung mich täuscht und Lund in Wahrheit für die Sportschuhmarke Hummel geworben hat.


Sonja Northing bewirbt sich für das Amt des UN-Generalsekretärs!

rd | 24. April 2017, 13:35 | 7 Kommentare
Eine Interviewantwort wie eine Bewerbungsmappe

Eine Interviewantwort wie eine Bewerbungsmappe

Kleve hat eindeutig das Glück, mit Stadtoberhäuptern gesegnet zu sein, die für das Amt derart überqualifiziert sind, dass man eigentlich nur die Wahl hat, demutsvoll in Richtung Landwehr zu blicken. Schon Theo Brauer vereinte in seiner kleinen Gestalt eine solche Fülle von Kompetenzen, dass nicht wenige sagten, er habe dank seines visionären Wesens nicht nur das Zeug zu einem Bürgermeister gehabt, sondern hätte nahezu genauso gut den Posten eines Lehrers an einer von der Schule für Menschen mit Lernbehinderung ausfüllen können. Schade, dass er einen anderen Weg eingeschlagen hat!

Nun aber Sonja Northing, seit gut anderthalb Jahren im Amt und viel beschäftigt mit profanen Dingen wie Minoritenplatz und Spoykanal. Die Antwort der Bürgermeisterin auf die letzte Frage des Interviews in der Rheinischen Post von heute aber zeigt, dass die Erste Frau der Stadt sich eindeutig zu höheren Aufgaben bewegt. Wahrscheinlich saß sie vor einigen Monaten, anlässlich der Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit Tag des Grundgesetzes am 23. Mai, schon deshalb neben Joachim Gauck. Doch selbst Deutschland scheint zu klein! „Eigenverantwortung, Frieden und Liebe für alle Menschen“, so die Antwort auf die Frage, was Sie sich wünschen würde, wenn sie drei Wünsche frei hätte. Das aber gehört eigentlich zum Aufgabenfeld von Päpsten (da aber scheidet eine Frau aus) und UN-Generalsekretären. Die Welt darf gespannt sein.

Kollegialer Hinweis an die RP: Bei der epochalen Antwort hätte man der Frage in grammatikalischer Hinsicht etwas mehr Liebe angedeihen lassen sollen. Besser nicht in einem Satz zwischen Konjunktiv und Indikativ springen.


Fliederliche Montagsgedanken

rd | 24. April 2017, 10:48 | 2 Kommentare

Blütenorgie aus Nachbars Garten: Erster Versuch

Blütenorgie aus Nachbars Garten: Erster Versuch


Wer, lang, lang ist’s her, als Frau im reiferen Alter das Signal aussenden wollte, noch auf der Suche nach einem Partner zu sein, trug Kleidung in einem zarten Fliederton. Daher haben die Blüten und der Duft des Flieders immer noch eine altjüngferliche Konnotation. Es wird Zeit, mit dieser historischen Fehleinschätzung aufzuräumen! Die Blüten dieses Strauchs, die übrigens aus dem Garten meiner geschätzten Nachbarn herüberwachsen und mich jedes Frühjahr aufs Neue erfreuen, mögen an Vieles erinnern, nicht aber an den sprichwörtlichen „letzten Versuch“! Eher schon an überbordende Jugendlichkeit und deren verschwenderisches Maß an Reizen. Ludwig Hölty dichtete einst: „Der Flieder und die Linde wehn mir bange Seelenschauer“ – und auch dies erscheint mir eine völlige Fehlwahrnehmung der Natur, abgesehen natürlich davon, wenn man seinen Wagen im Sommer nachts unter einer Linde abstellt. Eher hält es die Redaktion mit Salis: „Da lässt man sich nieder, von Haseln und Flieder mit Laubduft erfrischt.“ So mögen wir es halten (auch bei 7 °C).

Zecke (27.04. 17:18):

Namen kommen nicht von ungefähr……

laut Wikipedia: <...
kleinendonk (27.04. 16:43):

VHS Kurs

...

Wohin am Wochenende (16)

rd | 21. April 2017, 17:42 | keine Kommentare

Zweimal Musik, zweimal Kunst, das ergibt vier Tipps für den kulturbeflissenen Mitbürger zum ersten Wochenende nach Ostern. Bittesehr!

Samstag, 10 Uhr: Reinhard Strähnz und Bert Keim (Café Samocca)

Viele Menschen nutzen den Samstagvormittag, um einkaufen zu gehen. Aber warum nicht einfach mal nicht einkaufen? Stattdessen empfiehlt sich beispielsweise ein Gang ins Café Samocca, wo Reinhard Strähnz und Bert Keim „Jazz zum Frühstück“ servieren.

Samstag, 15 Uhr: Willy Richrath et al. (Kolpinghaus)

Wer kann heute noch Klefse Platt sprechen? „Wor Klefse sin, da werd gesonge“, unter dem Motto lädt der Kolpingchor ins Kolpinghaus ein und singt „von den Schüsterkes, de alde Mööle, de Schwanentorm und vielem anderen“.Der Kolpingchor nimmt das Jubiläusmjahr der Stadt Kleve zum Anlass und lädt zu einem offenen Singen alter Klever Lieder, vor allem von Willy Richrath, ein. Es werden auch Textbeiträge vorgetragen. Kaffee und Kuchen werden angeboten.

Sonntag, 11 Uhr: Brigitte Dams (Telpost, Millingen)

Die aus Kleve stammende und in Düsseldorf lebende Künstlerin Brigitte Dams zeigt ihre Arbeiten nicht nur derzeit im Salon der Künstler im Museum Kurhaus, sondern am Sonntag auch im Telpost-Gebäude auf dem Rheindeich in Millingen. Matthias Graß schreibt: „Schon früh begann Dams, mit Transparentpapier den Strich, die Linie von der Fläche zu lösen, den Strich wenigsten optisch greifbar zu machen. Später arbeitet sie mit Flechtwerken aus Fahrradschläuchen, aus Feuerwehrschläuchen, teils temporäre Arbeiten. Denn die Fahrradschläuche verlieren mit der Zeit an Spannkraft.“ Das mit den Fahrradschläuchen kann ich bestätigen.

Sonntag, 12 Uhr: Neo Rauch (Tichelpark Kinos)

Neben Gerhard Richter ist er wohl der angesagteste Deutsche Künstler überhaupt: Neorauch. Die Tichelpark Kinos zeigen in ihrer Sonntagsmatinee eine Dokumentation über das Leben und Arbeiten des Mannes. „Wer bin ich denn, wenn ich nicht male?“, sagt er einmal im Verlaufe des Films. Gute Frage. Der Trailer zum Film – siehe oben.


Lokalberichterstattung

rd | 21. April 2017, 10:30 | 1 Kommentar
 Erst schillern die Getränke zwar farbenfroh, am Ende dürfte aber, wie so oft, dass metaphorische Blau vorherrschen: Stimmungsvolle Aufnahme aus Thom's Lounge (Foto: FW)

Erst schillern die Getränke zwar farbenfroh, am Ende dürfte aber, wie so oft, das metaphorische Blau vorherrschen: Stimmungsvolle Aufnahme aus Thom’s Lounge (Foto: FW)

Es fährt ein Zug nach Südamerika: Franz Vierboom, Alejandra Manthey

Es fährt ein Zug nach Südamerika: Franz Vierboom, Alejandra Manthey

(Nochmals aktualisiert, jetzt auch mit renoviertem Culucu und der neuen Pizzeria am Elsabrunnen) Der eigene Laden, gerade mal 129 Tage alt, erscheint einem fast schon wie der Fels in der Brandung angesichts des rasenden Wandels um einen herum. So gibt es mitten in der Stadt ein ebenso erfreuliches wie überraschendes Comeback: Thom’s Lounge, ein Lokal, das sich der buntschillernden Welt der Cocktails verschrieben hat, empfängt nach über einem Jahr Pause wieder Gäste. Betreiber Andreas Hert hatte sich ursprünglich dem Kolpinghaus in Goch zugewandt und den Klever Betrieb verwaisen lassen, doch das Gastspiel in der Nachbarschaft endete vor der Zeit, und nun schüttelt der Barmann wieder in seiner angestammten Heimat. Cocktails kosten fünf Euro. + + + Für die chilenischen Momente im Leben ist ab sofort Alejandra Manthey zuständig – und zwar im – Überraschung! – Red Wagon an der Hochschule. In dem Waggon mit angrenzendem Biergarten von Franz Vierboom gibt es künftig unter ihrer charmanten Führung nicht nur die klassische Auswahl an Getränken, sondern auch köstliche Empanadas (gefüllte Teigtaschen). Und die kleine Ansammlung von Pisco-Flaschen auf der Theke lässt hoffen, dass von Zeit zu Zeit auch ein Pisco Sour fabriziert wird. Viel Erfolg, Alejandra! + + + Frisch renoviert präsentiert sich das Culucu in Rindern seinen Besuchern. Die Mitglieder des Vereins, der das Lokal betreibt, nutzten die Osterpause, um die Gaststätte wieder auf Vordermann zu bringen. Wie das gelungen ist, davon können sich Gäste beispielsweise am Samstag ab 21 Uhr beim Globusdance überzeugen + + + Unter neuer Führung und unter neuem Namen bietet das Restaurant Nassauer Stuben ab sofort italienische Küche, und die soll ausgezeichnet sein, wie erste Berichte besagen. Im Le Due Terre bietet Pächter Francesco Giorgi dienstags bis sonntags mittags (12:00 Uhr bis 14:30 Uhr) und abends ab 17:00 Uhr Köstlichkeiten aus dem Mittelmeerraum. + + + Noch mehr italienische Momente beschert uns die neu eröffnete Pizzeria am Elsabrunnen, hinter das für Qualität bürgende Team des Eiscafés Riva steht. Ein erster Test konnte noch nicht stattfinden, aber was der Zaungast bei der Gruppe um den ehemaligen Vereinsvorsitzenden des VfL Merkur Kleve, Wolfgang Graß, links am Fenster auf den Tellern sah, ließ einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. + + + Ein Abgang ist leider auch zu verzeichnen: Das iMixit an der Schlossstraße, wie der Name schon andeutet, ein Hort der Mischgetränke, hatte zunächst einige Zeit „aus privaten Gründen“ geschlossen und dann wohl auch aus geschäftlichen. + + + Und in einer der bekanntesten Adressen in Kellen soll Ende des Jahres ebenfalls der finale Zapfenstreich erfolgen: Wie zu hören ist, fand der Betreiber des Kellener Krugs für sein Lokal keinen Nachfolger und stellt deshalb zum Jahresende den Geschäftsbetrieb ein.


Klever Reichsbürger vor Gericht

rd | 19. April 2017, 12:56 | 24 Kommentare
„Aufgeklärt im Sinne des Völkerrechts“: Hohle Rhetorik hinter der Windschutzscheibe

„Aufgeklärt im Sinne des Völkerrechts“: Hohle Rhetorik hinter der Windschutzscheibe

An seinem schwarzen Mercedes hatte der 45 Jahre alte Klever deutlich sichtbar den Hinweis angebracht, dass er sich den so genannten „Reichsbürgern“ zugehörig fühlt, einer obskuren Gruppe von Menschen, die allesamt der Ansicht sind, dass die Bundesrepublik Deutschland eine illegale Rechtskonstruktion ist und in Wahrheit das Deutsche Reich fortbesteht.

In der kruden Logik dieser Menschen haben die Institutionen unseres Staates keine Autorität. Für den Klever, der ein Tätowierstudio betrieb, dürfte deshalb der Termin am 5. Mai um 9:00 Uhr die größtmögliche Herausforderung seines Weltbildes darstellen: Um diese Uhrzeit beginnt vor der 2. großen Strafkammer des Landgerichts Kleve im Saal A 103 in der Schwanenburg der Prozess gegen ihn – allerdings nicht wegen seines aus dem Lot geratenen Weltbildes, sondern wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Zudem soll der Angeklagte das Waffengesetz missachtet haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, in nicht geringer Menge mit Betäubungsmitteln gehandelt zu haben. Hinzu kommt der erschwerende Umstand, dass der 45-Jährige bei seiner Festnahme nicht nur fünfzig Gramm hochkonzentriertes Kokain mit sich führte, sondern auch eine im Hosenbund versteckte Schusswaffe der Marke Heckler & Koch sowie ein Spring- und Butterflymesser.

Diese Kombination wird im Betäubungsmittelgesetz ausdrücklich erwähnt: Demnach ist mit Haft nicht unter fünf Jahren zu bestrafen, wer „mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge unerlaubt Handel treibt oder sie, ohne Handel zu treiben, einführt, ausführt oder sich verschafft und dabei eine Schusswaffe oder sonstige Gegenstände mit sich führt, die ihrer Art nach zur Verletzung von Personen geeignet und bestimmt sind“. Wenn sich die 2. große Strafkammer der Auffassung der Ankläger anschließt, droht dem Reichsbürger also eine langjährige Freiheitsstrafe.

Der 45 Jahre alte Klever war Anfang Februar verhaftet worden. Eigentlich sollte er nur ergänzende Informationen zur „Vermögensauskunft“ geben (früher Offenbarungseid genannt), doch die zuständige Gerichtsvollzieherin befürchtete bei diesem Verwaltungsakt Komplikationen und beantragte deshalb einen Haftbefehl, den das Amtsgericht auch beschloss. Da der Tätowierer polizeibekannt war und in Polizeikreisen als „sehr gefährlich“ eingestuft wurde, fällte die Polizei die Entscheidung, bei der Verhaftung ein Sondereinsatzkommando einzusetzen.

Als die Elitepolizisten die Wohnung des Mannes in Materborn stürmten und ihn überwältigten, fanden sie in seiner Weste das Rauschgift. In ersten Presseberichten hieß es, es seien Amphetamine (Aufputschmittel) gefunden worden; offenbar ergab die spätere Analyse der Substanzen, dass es sich um Kokain handelte. Bei der anschließenden Durchsuchung der Geschäftsräume entdecken die Fahnder im Tresor eine Feinwaage sowie 20 Druckverschlussbeutel, die in entsprechenden Kreisen in der Regel dazu benutzt werden, Drogen zu portionieren.

Ein Sprecher des Landgerichts teilte mit, dass der Angeklagte im Ermittlungsverfahren den Tatvorwurf teilweise einräumte. Zur Hauptverhandlung sind vier Zeugen geladen.


Ein Brief der Klasse 9a: Dionis ist weg

rd | 11. April 2017, 16:17 | 56 Kommentare

„Trauriges Ende einer Integration: Seit zwölf Monaten bei der fünfzehnjährige Dionis aus Albanien in unserer Klasse, mittlerweile 9. Schuljahr an der Sekundarschule in Bedburg-Hau. Niemand hat uns gefragt, auf einmal war Dionis da und wir mussten miteinander auskommen, mussten uns verständigen trotz Sprachproblemen, zusammen leben und lernen. Doch schnell entstanden neue Freundschaften, Dionis fand Anschluss im Unterricht, strengte sich an. Am 21. März fehlte Dionis in der Schule. Er war nicht krank, er wurde in der Nacht mit seiner Mutter nach Albanien abgeschoben. Niemand hat uns gefragt, auf einmal war Dionis nicht mehr da. Wir konnten uns nicht verabschieden, ihm keine guten Wünsche mit auf den Weg geben. Wir sind sehr traurig. Solche „Nacht-und-Nebel-Aktionen“ führen dazu, dass wir beim nächsten Asylbewerber lieber auf Distanz bleiben. Einen mutmaßlichen Terroristen konnte/wollte man nicht abschieben, aber unser Freund ist jetzt weg. Zum Glück gibt es noch Handy-Kontakte, Dionis hat ein Dach über dem Kopf und lebt, doch auch er ist traurig. Ist das das Richtige?“

Für die Klasse 9a der Sekundarschule Bedburg-Hau: Simon Tillemann, Klassensprecher und Standortsprecher


„Wie Brustimplantate für Barbiepuppen“

rd | 10. April 2017, 12:55 | 1 Kommentar

Wenn ein britischer Restaurantkritiker mit seiner Begleitung in einem der angesagtesten Restaurants von Paris essen geht, am Ende eine Rechnung in Höhe von rund sechshundert Euro bezahlt und das Fazit zieht, es sei die mit Abstand schlechteste Erfahrung gewesen, die er in seinen 18 Berufsjahren habe ertragen müssen, möchte man schon wissen, was passiert ist. Nachzulesen ist dies – in englischer Sprache – in einer der schönsten Restaurantkritiken, die ich in den vergangenen Jahren gelesen habe. Da ich schöne Dinge gerne Teile, hier der Link zu einem fantastischen Text:

Le Cinq Paris Restaurant Review Jay Rayner


„Der Toilettendeckel sagt: Es geht dir gut“

rd | 09. April 2017, 14:52 | 24 Kommentare
Für viele Menschen, insbesondere aus der Stadtverwaltung, noch eine ferne Zukunftsvision, in anderen Haushalten schon längst Realität: Sprechende Toilettendeckel

Für viele Menschen, insbesondere aus der Stadtverwaltung, noch eine ferne Zukunftsvision, in anderen Haushalten schon längst Realität: Sprechende Toilettendeckel

Wie Kleve 2050 aussehen könnte – ein Gastbeitrag von Dirk Posdena (Fachbereich Planen & Bauen bei der Stadt Kleve), zu finden auch auf der Website der Stadt Kleve: Schauen wir mal: Einblicke und Einsichten zur zukünftigen Entwicklung der Stadt Kleve. Es handelt sich um eine Vision mit sprechenden Sanitäranlagen, mit einem bebauten Minoritenplatz, ohne einen der beiden „Kaufland“-Märkte – und mit einem Dirk Posdena, der in 33 Jahren immer noch arbeiten muss. Spannend – aber lesen Sie selbst!

2017 feiert die Stadt Kleve ihren 775sten Geburtstag. Grund genug, nicht nur einen Blick zurück zu werfen sondern auch diesen vorsichtigen Blick in die Zukunft zu wagen.

775 Jahre, ein stolzes Alter. Da stellt sich die Frage, wie alt können Städte eigentlich werden? Und können Städte sterben? Die Geschichte hat gezeigt, ja, Städte können sterben, oder, um es nicht zu sehr zu vermenschlichen, Städte können aus unterschiedlichen Gründen tatsächlich von den Landkarten verschwinden. Ursachen können Kriege und Naturkatastrophen sein oder aber der Entzug der Lebensgrundlage. Seien es erschöpfte Rohstoffvorkommen oder auch Klimaveränderungen, ganze Regionen können so unbewohnbar oder uninteressant für eine weitere Besiedlung werden. Hinzu kommt die religiös oder kulturell bedingte Aufgabe von Städten und Siedlungen.

Und wenn sie jetzt glauben, dass dies ein Phänomen längst vergangener Zeiten ist, dann erlauben sie einen Blick in die jüngste Vergangenheit. Denken wir nur an die Reaktorkatastrophen von Tschernobyl oder Fukushima, die ganze Landstriche unbewohnbar gemacht haben. Aber auch gewollte menschliche Eingriffe können als Grund ausgemacht werden. Das Verschwinden von mehr als 200 Dörfern und Ortschaften in Deutschland im Zuge des Braunkohletagebaus sind ein Beispiel.

Müssen wir uns also Sorgen machen um die Zukunft der Stadt Kleve?

Ohne Zuviel zu verraten, wohl eher nein. Kleine Dörfer trifft es da weit häufiger. Aber schauen wir uns z.B. Metropolen wie Detroit an, dann sehen wir, dass es Städten auch in der Neuzeit so schlecht gehen kann, dass man in der Stadtentwicklung von einem langsamen Sterben spricht. Und kränkelnde Städte sind auch hierzulande ein Thema. Sinkende Einwohnerzahlen durch Abwanderung als Folge des Strukturwandels insbesondere in den neuen Bundesländern aber auch im Ruhrgebiet, eine große Schuldenlast oder auch der Verlust von Arbeitsplätzen sind nur einige Ursachen für den Niedergang einst blühender Landschaften und pulsierender Agglomerationen. Und die aktuelle Diskussion um eine MAUT für deutsche Autobahnen wirft schon die Frage auf, wie sich dies auf das Einkaufsverhalten unserer niederländischen Nachbarn, und damit auf die Stadt Kleve, auswirken wird.

Es verwundert also nicht, dass die Begriffe der Generationengerechtigkeit und der nachhaltigen Stadtentwicklung seit geraumer Zeit an Bedeutung gewonnen haben und zum zentralen Leitbild geworden sind. Die Konflikte zwischen verschiedenen Interessen und divergierenden Ansprüchen werden zahlreicher. Die Notwendigkeit zur Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit ist eine zentrale Herausforderung, auf die Stadtplanung mit einem Paradigmenwechsel reagiert hat, der neue städtebauliche Leitbilder und Inhalte, neue Methoden und neue Verfahren umfasst.

Funktionstrennung, räumliche Expansion, ausufernde Mobilität und der sorglose Umgang mit den natürlichen Ressourcen, wie es in den Nachkriegsjahrzehnten propagiert worden ist, gehören der Vergangenheit an. Die Prinzipien der vorindustriellen Stadt erleben eine Renaissance auf fortschrittlichem Niveau, kompakt, dicht, gemischt, vielfältig, kurze Wege, dezentral und kleinteilig sind die neuen Schlagworte auch für Kleve. Hier ist auch in der Klever Bürgerschaft eine große Sehnsucht nach diesen Idealen entstanden. Um leben, arbeiten und Freizeit genießen zu können, brauchen wir ein lebendiges und lebenswertes Kleve.

Dabei kommt es vor allem darauf an, perspektivisch und fachübergreifend zu denken und zu handeln und Fachbelange in einen räumlichen und zeitlichen Gesamtkontext zu bringen. Vor allem bedeutet nachhaltige Stadtentwicklung aber, dass bei allen Entscheidungen über Veränderungen die Stadt als Ganzes betrachtet werden muss. Entscheidungen müssen zukunftsfähig sein. Hierauf müssen alle Akteure, ob Planer, Bürger oder die Vertreter der Politik, das Hauptaugenmerk legen. Alle Aspekte der Nachhaltigkeit sollten berücksichtigt werden. Diese umfassen neben den Grundbedürfnissen der Menschen nach Wohnen, Arbeit und Freizeit auch die Umwelt, die Wirtschaft, Soziales und, nicht zu vergessen, die Teilhabe an Entscheidungsprozessen.

Somit hat nachhaltige Stadtentwicklung eine Vielzahl von Facetten und Handlungsfeldern. Neben dem Bau neuer Straßen und Gebäude oder der Gestaltung von Wirtschaftsstandorten oder Freizeiteinrichtungen gehören dazu zum Beispiel auch das Sparen von Ressourcen, der Klimaschutz oder Fortbewegungsangebote, die stadt- und umweltverträglich, aber auch sozialgerecht sind. Neuerdings erfahren auch Begriffe wie Fair Trade oder Regionalität zunehmend an Bedeutung.

Was sind aber nun konkret die „neuen“ Anforderungen an eine nachhaltige Stadtentwicklung?

Welchen Herausforderungen muss sich auch Kleve stellen und in welcher Intensität? Wie stellt sich Kleve hier auf? Und wie könnte ein ganz normaler Tag im Jahre 2050 in Kleve aussehen? Habe ich Ihr Interesse geweckt? Möchten Sie wissen, wie ein ganz normaler Tag in 33 Jahren in Kleve aussehen könnte?

Es wird anders sein. Ohne aus der jetzigen Perspektive sagen zu können, ob es besser oder schlechter sein wird. Die Welt wird sich verändern, wie sie sich in der Vergangenheit auch stets gewandelt hat. Und mit ihr wird sich auch Kleve unausweichlich und notwendigerweise wandeln. Denn es zeigt sich immer deutlicher, dass sich die weltweiten Herausforderungen im Mikrokosmos der Städte, und damit mehr oder minder auch in Kleve, widerspiegeln und bündeln.

Ein ganz normaler Tag….

Kleve, 11. Juli 2050, 6.05 Uhr. Ich schlage die Augen auf. Die Sonne scheint, doch Rollladen vor den Fenstern gibt es schon lange nicht mehr, das Fensterglas ist mit Nanopartikeln beschichtet. Der Raum erhellt sich, den individuellen Bedürfnissen angepasst, zum Wachwerden nur langsam. Während der Haushaltsroboter in der Küche für meine Familie und mich bereits das Frühstück zubereitet, gehe ich ins Badezimmer. Beim Zähneputzen werde ich von optischen Sensoren im Hightech-Badezimmerspiegel gescannt.

Die Zahnbürste analysiert selbständig den Speichel, und die Morgenurinanalyse wird von einer intelligenten und sprechenden Toilette durchgeführt. Nach der Morgentoilette erhalte ich direkt detaillierte Informationen über meinen Gesundheits- und Fitnesszustand. Der Toilettendeckel sagt, mir geht es gut heute. Und mit dieser Diagnose fühle mich gleich tatsächlich besser. Sollte der Gesundheitscheck allerdings von der Norm abweichende Messdaten ermitteln, so steht rund um die Uhr ein Arzt zur Verfügung.

Der Mediziner ist allerdings ein intelligentes Computerprogramm. Ich kann jederzeit direkt mit ihm sprechen. Er wird einfach als Hologramm in meine Wohnung projiziert. Nur bei unerklärlichen Phänomenen muss ich noch den direkten Kontakt zu einem „echten“ Arzt aufnehmen. „Direkt“ heißt in diesem Fall per Videotelefon. Notfalls wird gleich eine Krankmeldung zu meinem Arbeitgeber geschickt und notwendige medizinische Hilfsmittel in der Online-Apotheke geordert. Meine Kleidung für die Arbeit hat der Haushaltsroboter, wir nennen ihn James, in der Nacht herausgesucht und bereit gelegt, dem Wetter und den Terminen angepasst.

Mein „SmartHome“ kümmert sich automatisch um die alltäglichen Pflichten eines Hausbesitzers, sei es die Versorgung mit Wasser und Energie, sei es, dass der Kühlschrank nicht leer oder der Rasen gemäht und der Garten gewässert wird. Ich brauche mich morgens um nichts zu kümmern. Einen PC braucht es dafür schon lange nicht mehr. Das ganze Haus ist ein Computer. In jedem Gegenstand, jeder Wand, jeder Tapete, in allem, was uns umgibt, befinden sich Mikrochips, die sowohl miteinander als auch mit der Außenwelt kommunizieren.

Meine Umgebung ist intelligenter und entschieden aufmerksamer als ich selbst. Der Raum bemerkt, wenn ich ihn betrete, und er sorgt dafür, dass an den richtigen Stellen das Licht angeht und eine vernünftige Temperatur herrscht. Und das Beste ist, meine Wohnung lernt wie ich lebe. Sie erfasst meine Live-Daten, kann Vorhersagen treffen und Informationen weitergeben, z.B. an Stromversorger, die in Echtzeit ihre Netze steuern, oder an den Pflegedienst, wenn der Senior, der mit im Haus lebt, verdächtig ruhig ist und auch die Kaffeemaschine gar nicht mehr anschaltet. Wobei der Pflegedienst wahrscheinlich schon längst alarmiert sein wird aufgrund der schlechten Vitaldaten, übertragen von den immer am oder im Körper getragenen Sensoren.

Auf den Küchentisch wird derweil ein Rezeptvorschlag für das Abendessen mit entsprechender Einkaufsliste projiziert verbunden mit der Frage, ob die entsprechenden Lebensmittel bestellt werden sollen, da einiges im Kühlschrank fehlt. Ich schaue mir den Wetterbericht an, der auf die Kleiderschranktür projiziert wird, und wenn ich auf die Wand über dem Küchentisch schaue, dann sehe ich die aktuellen Nachrichten des jungen Tages. Ein Smartphone habe ich schon lange nicht mehr, stattdessen lege ich das Datenarmband an, packe die Datenbrille ein und setze den Knopf ins Ohr. Ich bin im Internet. Alles in allem bin ich somit um ein Vielfaches leistungsstärker und schneller als die NASA im Jahr der Mondlandung 1969.

Nach einem kurzen Frühstück, zubereitet von zahllosen kleinen Helferrobotern, die wiederum James zur Hand gehen, ausgerichtet nach meinem Terminkalender, meinen Vorlieben, dem Inhalt des Kühlschranks und dem Ergebnis des Gesundheitschecks im Badezimmer, steige ich in mein Auto. Ich werfe einen Blick zurück, ich sehe die Hausfassade, die die Sonnenenergie in Strom umwandeln kann, und so den Energiebedarf meines SmartHome vollständig deckt. Meine Frau winkt zum Abschied. Sie muss nicht aus dem Haus, sie arbeitet im Internet von zuhause aus. Später will sie mit der Light Rail noch nach Nimwegen ins Museum fahren. Gestern war sie mit einer Freundin in Kleve Shoppen. Neben den üblichen aber notwendigen Filialisten ist sie immer wieder begeistert, mit welcher Kreativität die Einzelhändler sich gegen den Internethandel durchzusetzen versuchen. Shoppen ist mittlerweile eine Freizeitbeschäftigung und ein Event geworden, viele neue Geschäftsideen haben in der Einkaufszone ihre Nischen gefunden.

Im Nachbarhaus schaut Herr Janßen aus dem Fenster. Im letzten Jahr ist er zusammen mit einigen anderen befreundeten Senioren hier eingezogen, nachdem sie als Gemeinschaft das alte Einfamilienhaus zu einem seniorengerechten Mehrfamilienhaus haben erweitern und umbauen lassen. Vor einigen Jahren haben sie ihre Einfamilienhäuser am Rande von Reichswalde verkauft, um zentraler zu wohnen. Diese monotonen Einfamilienhausgebiete der Vergangenheit haben den Senioren keine Perspektiven mehr bieten können. Im aufgestockten Dachgeschoss ist eine studentische Wohngemeinschaft eingezogen. Mehrere Generationen unter einem Dach, und alle profitieren von der Situation. Insbesondere das Gemeinschaftsauto, das sich auch andere Nachbarn im Car-Sharing-Prinzip ausleihen können, wird begeistert angenommen.

Neulich hat mir mein Vater kopfschüttelnd erzählt, wie sehr sich doch die Nachbarschaft in den letzten Jahren verändert hat. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit sei die Straße, in der wir nun wohnen, eine sehr verrufene Gegend gewesen, aber immer mehr Menschen aus anderen Stadtteilen seien hinzugezogen, so dass immer hochwertigerer Wohnraum entstanden sei, der die alten Nachbarn über kurz oder lang verdrängt hätte.

Die intelligente Steuerung meines Autos begrüßt mich währenddessen und fragt mich nach der Zieladresse. „Dass du das immer noch fragen musst…“ antworte ich eher schlecht gelaunt. „Ziel unbekannt“ ist die wenig humorvolle Antwort, das könnte man doch auch mal anders programmieren. Doch kaum habe ich die Adresse genannt, fährt mich mein fahrender und elektrisch betriebener Untersatz selbstständig zu meinem Arbeitsplatz. Während der Fahrt informiert mich der intelligente digitale Assistent auf meinem mobilen Gerät über meine Aufgaben für den heutigen Tag und empfiehlt mir nebenbei, wo es günstige Angebote für die Einnahme des Mittagessens gibt.

Ich schließe die Augen und versuche noch ein bisschen zu schlafen, ich muss ja nicht auf den Verkehr achten. Ich schaue aus dem Fenster. Die Emmericher Straße ist mittlerweile, nachdem in den 2020ern endlich die Umgehungsstraße realisiert werden konnte, stark zurückgebaut worden und dient auch als Grünzug mit Aufenthaltsqualität. Es herrscht Ruhe, man sieht geöffnete Fenster, hinter denen die Menschen noch schlafen, dank Elektromobilität und Home-Office. Wo einst noch Ein- oder Zweifamilienhäuser gestanden haben, prägen nun Mehrfamilienhäuser das Straßenbild. In den Erdgeschosslagen finden sich kleine Läden, die sich aufgrund der stärkeren Bevölkerungsdichte hier etablieren konnten und Dinge des täglichen Bedarfs anbieten.

Eine Drohne fliegt über mich hinweg. Die Brief- und Paketzustellung findet schon seit einigen Jahren nachts und vor allem in weiten Teilen nicht mehr auf der Straße statt. 20 Minuten später, mein Auto parkt sich selbst in der Tiefgarage unter dem mittlerweile bebauten Minoritenplatz ein, während der digitale Assistent mir die aktuellen Sportnachrichten vorliest und einige Bankgeschäfte für mich erledigt. Beim Eingang ins Rathaus wird meine Zugangsberechtigung von mobilen Robotern kontrolliert, die optisch nur noch schwerlich von menschlichen Mitarbeitern zu unterscheiden sind.

Was ist wohl aus dem Kollegen von der Info geworden? Alle Daten zu meiner Person sind in einem Chip gespeichert, der sich in meinem Armband befindet. Ohne Kontrolle und Registrierung kommt schon seit vielen Jahren niemand mehr ins Rathaus. Ein Aufzug fährt mich automatisch zum Stockwerk meines Büros und wünscht mir einen erfolgreichen Arbeitstag. Ein Fahrstuhl, der meinen Namen kennt. Was weiß er wohl noch über mich? Ich gehöre zu denen, die noch ganztägig eine Arbeit verrichten dürfen, denn die Arbeitswelt zeigt sich stark verändert. Es gibt kaum noch jemand der nur „einen“ Job hat. Man muss flexibel sein. Vor allem wird viel Arbeit mittlerweile von zuhause aus erledigt. Videokonferenzen haben den direkten Kontakt abgelöst.

Kurz vor zehn Uhr kontaktiert mich meine Frau und informiert mich darüber, dass mein Vater seinen Pflegeroboter austauschen möchte. Der Pflegeroboter hilft meinem betagten, alleinstehenden Vater im Alltag, kauft für ihn ein, macht den Haushalt, fordert ihn mit intelligenten Diskussionen geistig heraus und führt ihn auf Spaziergängen. Aber es gab wohl eine Meinungsverschiedenheit in Bezug auf das Mittagessen. Meinem Vater geht es im Moment nicht so gut. Bald wird ihm ein elektronisch gesteuertes, aus Stammzellen gezüchtetes, Herz transplantiert. Zur raschen Genesung werden dann winzige Nano-Roboter in seinem Körper gezielt Medikamente abgeben oder selbstständig kleinere Eingriffe durchführen.

Sehr gut für meinen Vater, er hat dank der modernen Medizin noch viele Jahre vor sich. Die medizinischen Voraussetzungen sind erreicht, Menschen 150 Jahre alt werden zu lassen. Wissenschaftler sagen, wir sind möglicherweise eine der letzten Generationen, die überhaupt sterben muss. Unsere Enkelkinder könnten ewig leben. Zukunftsmusik…

Nach der Arbeit hole ich meine Tochter von der Schule ab. Montags und mittwochs ist Anwesenheitspflicht. Ansonsten können die Kinder auch zuhause oder privat in Kleingruppen lernen. Bei Bedarf wird ein Lehrer online hinzugezogen. Normalerweise fährt sie mit dem Segway zur Schule, aber heute wollte sie lieber von ihrem Vater abgeholt werden. Auf dem Weg dorthin komme ich an einer kleinen Grünanlage vorbei, die in grauer Vorzeit als Bahnfläche genutzt worden ist. Gedankenverloren schaue ich einer Gruppe von Gleichgesinnten zu, die dort gerade Tai Chi praktizieren.

Das Schulgebäude, dass vor einigen Jahrzehnten gebaut wurde, ist nun auch schon in die Jahre gekommen und durch die geringen Anwesenheitszeiten für die Schüler deutlich zu groß und deshalb bereits in Teilen anderweitig genutzt. Ein Plakat im Eingangsbereich weist auf eine Bürgerversammlung hin, die hier in der nächsten Woche stattfinden soll. Es geht um die Neugestaltung des Umfelds der Schule. Solche oder ähnliche Veranstaltungen kann man mittlerweile fast wöchentlich besuchen, um sich aktiv in die Entwicklung der Stadt Kleve einzubringen.

Meine Tochter fragt mich, ob wir nicht am Abend ins Kino wollen. Es sei Oldieabend, „Zurück in die Zukunft“ wäre eine Option. Ein analoger Film mit echten Schauspielern? Ich zögere, habe ich mich doch schon sehr stark an diese am Computer generierten Bilder (CGI) gewöhnt. An diese Filme mit animierten Charakteren, die sich nicht mehr von echten Schauspielern unterscheiden lassen. Daran, diese Filme im heimischen Wohnzimmer mit meiner Datenbrille, oder gleich als holographische Projektion in 360 Grad und 4D, anzuschauen. Und James serviert das kühle, selbstgebraute Bier. Da gehen wir doch lieber zu den Nachbarn, die haben mit Ihrer Wohngemeinschaft jetzt auf ihrem Hausdach einen Garten angelegt mit herrlichem Blick über die Stadt. Eine Künstlerin hat dort am Abend eine Kunstausstellung organisiert. Die ganze Nachbarschaft ist eingeladen.

Auf dem Weg nach Hause kaufe ich noch Lebensmittel ein. Einfach mal spontan sein und analog einkaufen, noch dazu direkt beim Erzeuger. Die bodenbasierte Landwirtschaft ist auf dem Rückzug. Ich fahre also an den Stadtrand, zu dem neuen 5-stöckigen Gewächshaus mit Selbstvermarktung in Kellen, wo einst der „Kaufland“ stand. Eine gute Idee, mehr Nahrungsmittel für weniger Geld gesünder und regional produziert und mit weniger Flächenverbrauch. Landwirtschaftliche Flächen können wieder der Natur überlassen werden. Analog einkaufen kann auch schön sein…

Zu Hause angekommen fällt es mir wieder ein, was habe ich gestern in den Nachrichten gehört? Die „Gegenbewegung“ hat zu einer Demonstration aufgerufen, so richtig analog auf der Straße. Nicht nur bei Facebook. Ja, das gibt es immer noch. Scheinbar ist nicht jeder von der neuen, digitalen Welt begeistert. Die „Gegenbewegung“ der Digitalkritiker, formiert sich. Sie wollen der weiteren Entwicklung von Robotern, smarten Geräten und digitalen Identitäten ein Gegenmodell zur Seite stellen. Nein, sie wollen die Entwicklung nicht aufhalten, dafür profitieren sie selbst zu sehr von der modernen Entwicklung, aber sie suchen nach gleichberechtigten Alternativen, diese verrückten Analogos…


Wohin am Wochenende? (14) Warum nicht mal in die Sporthalle und den VfL Merkur Kleve anfeuern?

rd | 07. April 2017, 16:19 | keine Kommentare
So sahen die Basketballer des VfL Merkur Kleve zu Saisonbeginn aus. Doch 17 Niederlagen haben ihre Spuren hinterlassen. Vor allem in der Seele. Ein Sieg am Samstagabend würde all diese Narben vergessen machen

So sahen die Basketballer des VfL Merkur Kleve zu Saisonbeginn aus. Doch 17 Niederlagen haben ihre Spuren hinterlassen. Vor allem in der Seele. Ein Sieg am Samstagabend würde all diese Narben vergessen machen

Wer immer sich den Terminplan der Basketball-Landesliga ausgedacht hat, hat damit ein Händchen fürs perfekte Drama bewiesen. Am letzten Spieltag der Saison treffen in der Sporthalle des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums der VfL Merkur Kleve und der TV Osterath aufeinander. Die Gastgeber stehen auf dem drittletzten Tabellenplatz, die Gäste auf dem vorletzten. Beide Mannschaften haben von den vorangegangenen 21 Spielen jeweils vier gewonnen und 17 verloren. Gewinnt Merkur, bleibt das Team auf dem drittletzten Tabellenplatz – und sichert sich damit den Klassenerhalt. Verliert Merkur, rutscht die Mannschaft auf den vorletzten Platz und steigt ab. Bessere Grundvoraussetzungen kann ein Drama nicht haben!

Für das Spiel, für das noch einige wenige Restkarten erhältlich sind, gelten erhöhte Sicherheitsbestimmungen. Zuschauer müssen Baseballschläger und Pfefferspraydosen am Eingang abgeben. Das gilt nicht für die Inhaber von Dauerkarten. Vor Spielbeginn stellt der Abiturjahrgang 2017 des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums die wichtigsten Basketballregeln pantomimisch dar. In der Halbzeitpause sorgen chilenische Panflötenspieler für authentisches Fußgängerzonenflair. Es werden Getränke ausgeschenkt (Glas Champagner: 18 €), zusätzlich verteilen Kommunionkinder während der Spielunterbrechungen kleine Bambusschalen voller Erdnussflips.

„Es ist das wichtigste Spiel meines… äh… Lebens“, sagt Trainer Ralf Daute. „Wir müssen 100 % Leistung zeigen, vielleicht sogar noch 10 oder 20 % mehr, oder heißt das dann Prozentpunkte?“ Glücklich ist er, dass fast alle Spieler „an Bord“ sind, obwohl gar keine Schiffsreise ansteht. „Das ist nur so eine Redewendung“, erklärt der wortgewandte Motivator.

Gerne gewährt der Coach auch einen Einblick in seine Taktik: Viel hänge im Spielverlauf davon ab, ob seine Spieler „den Korb treffen“. Der Korb, so nennen die Basketballer einen in 3,05 m Höhe montierten Metallring mit einem Durchmesser von 45 cm. Ziel des Spiels ist es, den Ball, der einen Durchmesser von rund 24,5 cm hat, mithilfe verschiedener Wurftechniken durch diesen Ring zu befördern (von oben nach unten). Wenn der Ball zentral trifft, sind bis zum Metallring zu allen Seiten hin gut 10 cm Abstand. „Das ist mehr als ich gedacht habe“, so Trainer Ralf Daute erstaunt.

Das Hinspiel gewann der VfL Merkur Kleve 105:77. Allerdings hat sich das Team aus Osterath danach noch verstärken können. Spielbeginn: Samstag, 18:15 Uhr.


Neues aus Rotterdam: Unilever will Lebensmittel loswerden – und damit auch das Werk Kleve

rd | 07. April 2017, 13:49 | 10 Kommentare
Werk zu verkaufen: Unilever-Standort in Kleve

Werk zu verkaufen: Unilever-Standort in Kleve

Mit einer großen Werbekampagne wurde 1924 Rama auf den Markt gebracht

Mit einer großen Werbekampagne wurde 1924 Rama auf den Markt gebracht

Als die Welt noch in Butter war

Als die Welt noch in Butter war: Büroarbeit in weißen Kitteln

Die charakteristische hellblaue Fassadenverkleidung ist  bereits abgerissen

Abriss: Das Verwaltungsgebäude wurde im vergangenen Jahr dem Erdboden gleichgemacht – auf dem Gelände plant Investor Bernd Zevens eine Siedlung, in der ehemaligen Produktionshalle plant ein Unternehmer aus Mülheim Handel und Gastronomie

Ohne Worte

„Clever Stolz“ blieb nur eine Randepisode in der Geschichte der Margarine-Union

So berichtet die SZ

So berichtet die SZ

Als Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks im Sommer 2015 das Unilever-Werk in Kleve besuchte, war die Welt noch in Ordnung. Eine Sprecherin des britisch-niederländischen Milliarden-Konzerns lobte die Produktionsstätte über den grünen Klee: „Kleve ist Vorbild für das gesamte Unternehmen.“ Nun aber sieht es danach aus, als ob sich Unilever ein neues Vorbild suchen muss.

Gestern gab das Unternehmen bekannt, dass es seine so genannte BCS-Sparte komplett zum Verkauf stellt. Die drei Buchstaben stehen für die englischen Wörter Baking, Cooking und Spreads und bezeichnen die Produkte zum Backen und Kochen sowie die Streichfette. Unter die Rubrik der Koch-Produkte fällt auch die in Kleve hergestellte „Rama Cremefine“. Sollte der Verkauf tatsächlich Wirklichkeit werden, fände damit die Geschichte des Konzerns in Kleve nach 129 Jahren ein Ende. Ein Konzern kappt seine Wurzeln.

Ursprünglich hatte der Unternehmer Simon van den Bergh Ende des 19. Jahrhunderts in seiner Heimatstadt Oss im Norden Brabants damit begonnen, Margarine zu produzieren. Damals ein neues Produkt, das erste industriell hergestellte Lebensmittel überhaupt – benannt nach dem griechischen Wort „margaritari“ (μαργαριτάρι), weil der matte Glanz des Streichfetts dem einer Perle ähnelte.

Als das Deutsche Reich zum Schutze der heimischen „guten Butter“ Zölle auf die eingeführten Fette erhob, suchte sich der Niederländer einen Standort gleich hinter der Grenze – in Kellen. Das Werk war die Keimzelle des Konzerns und auch des industriellen Aufschwungs in Kleve. Die Margarine-Produktion sorgte für erheblichen Wohlstand (und für erhebliche Steuereinnahmen in Kellen, was erklärt, warum sich der Ort lange gegen die Eingemeindung sträubte).

Ende der Zwanzigerjahre fusionierte van den Bergh sein Unternehmen mit der Firma des in Goch ansässigen Landsmanns Anton Jurgens, und es entstand die Margarine-Union. Nach einem weiteren Zusammenschluss, diesmal mit dem Seifenfabrikanten Lever Brothers, formte sich 1929 der Unilever-Konzern, damals das größte Unternehmen der Welt.

Anfang des 20. Jahrhunderts war van den Bergh führend in der Vermarktung seiner Produkte. 1924 brachte der Holländer seine Margarine mit dem Namen „Rama“ auf den Markt. Das Produkt wurde mit den Worten „butterfein“ und „buttergleich“ beworben – und mit dem legendären „Rama-Mädchen“, die Auftragsarbeit des Düsseldorfer Künstlers Carl Mummert. Blumenverzierte, blaue Lieferwagen sorgten dafür, dass das Produkt im ganzen Land bekannt wurde. Weitere Unilever-Marken waren in späteren Jahren Becel und Flora soft.

Hergestellt wurde in Kleve, und zwar in immer größerem Maßstab. Erst der Zweite Weltkrieg sorgte für eine Unterbrechung der Produktion. 1954 wurde Rama neu eingeführt, mit dem heute noch bekannten Slogan: „Rama macht das Frühstück gut.“ Ab 1968 wurde das Produkt im Rundbecher verkauft, und der rote Stempel „KLE“ auf dem Boden zeigte Klevern in aller Welt, dass sie ein Produkt aus ihrer Heimatstadt vor sich hatten.

In den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sank die Bedeutung des Standortes, und unmittelbar nach der Jahrtausendwende beschloss der Konzern, das Werk in Kleve aufzugeben. Der Klever Unternehmer Bernd Zevens kaufte das Gelände und Produktionsanlagen und startete den Versuch, selbst Margarine zu produzieren, wobei Unilever Abnahmegarantien bot. Der Name des Unternehmens lautete „Clever Stolz“ (nach einem alten Markennamen) und deutete einen ambitionierten Anspruch an, doch das Experiment endete nach wenigen Jahren in der Insolvenz. Im vergangenen Jahr wurde das in den sechziger Jahren errichtete Verwaltungsgebäude geschleift, auch symbolisch ein Abschluss der einst stolzen Margarine-Zeit, als die Werktätigen in Kleve „op de Botter“ gingen.

Dafür baute Unilever am alten Standort ein neues Werk für ein neues Produkt: „Rama Cremefine“, ein Fetterzeugnis, dass beim Kochen anstelle von Sahne verwendet werden kann. Dieses Produkt wurde ein großer Erfolg, so dass der Standort Kleve einen neuen Aufschwung nahm. Mehr als 20 Millionen Euro investierte der Konzern in den vergangenen Jahren in das Werk, das 82 Mitarbeiter beschäftigt und 55.000 Tonnen pro Jahr produziert. Noch Anfang des Jahres freuten sich die Mitarbeiter in Kleve über die Nachricht, dass eine komplette Produktionslinie von England an den Niederrhein verlagert werden sollte. Dafür wird zurzeit ein bisher als Lagerhalle genutztes Gebäude umgebaut.

Nötig wurde der nun angekündigte Verkauf aus Sicht der Unternehmensführung infolge einer gescheiterten Übernahme. Kurz zuvor hatte der amerikanische Lebensmittelkonzernen Kraft versucht, Unilever zu schlucken. Unilever wehrte sich erfolgreich, doch die Offerte machte darauf aufmerksam, dass es um den niederländischen-britischen Konzern nicht zum Besten stand. Die Führungsriege sei durch den Versuch „offenbar wachgerüttelt“ worden, schreibt die Neue Zürcher Zeitung. Vorstandschef Paul Polman entschied sich, die Wurzeln seines Unternehmens zu kappen und sich auf die gewinnträchtigere Reinigungssparte zu konzentrieren. Der britische Guardian überschrieb seinen Bericht mit den Worten: „Unilever bins Flora, butters Shareholder“, was sich etwa so übersetzen lässt: „Unilever wirft Flora weg, buttert Aktionäre“.


Bringt die kleine Stadt Kleve den großen Volkswagen-Konzern in die Bredouille?

rd | 01. April 2017, 14:24 | 10 Kommentare
1 Weiterfahrt dank 3 Kabelbinder von 1 Gelben Engel

Ein fachmännisch reparierter Dieselmotor aus dem Hause Volkswagen – aber helfen Kabelbinder gegen Feinstaub?

Es ist nicht davon auszugehen, dass die Manager des Volkswagen-Konzerns in Wolfsburg die Stadt Kleve überhaupt kennen. Das aber dürfte sich nunmehr rasch ändern, denn ein Urteil des Landgerichts Kleve hat das Zeug, das größte deutsche Industrie-Unternehmen in die Bredouille zu bringen.

Es geht, man ahnt es, immer noch um den Skandal mit dem manipulierten Dieselmotoren, denen eine Software untergejubelt wurde, so dass bei Tests die Abgaswerte weitaus besser ausfielen als im realen Betrieb auf der Straße. Das ganze verletzte strenge Umweltvorschriften im weit entfernten Kalifornien, aber es täuschte auch die Autofahrer in Deutschland.

Einer von ihnen klagte jetzt vor dem Landgericht Kleve und bekam, wie die Kanzlei des Klägers nun mitteilte, recht. Der Konzern wurde zu einem Schadenersatz verurteilt, weil er nach Auffassung des Gerichts ein Produkt in den Verkehr gebracht hat, ohne die gültige Bescheinigung dafür zu besitzen.

Hier die Pressemitteilung der klagenden Anwaltskanzlei Stoll & Sauer, die sich auf derartige Verfahren spezialisiert hat, im Wortlaut:

n einem von der Dr. Stoll & Sauer Rechtsanwaltsgesellschaft mbH im VW Abgasskandal geführten Klageverfahren hat erstmals ein Landgericht die Volkswagen AG zum Schadensersatz auf der Grundlage von europarechtlichen Normen verurteilt. VW hat gegen das Verbot von „Inverkehrgabe und Handel ohne gültige Bescheinigung verstoßen“.

In dem Fall des Landgerichts Kleve hat der Kläger einen VW Golf Variant 1,6l TDI mit dem Motor EA189 gekauft. Als er feststellte, dass das Fahrzeug manipuliert ist, wandte er sich an seine Rechtsanwälte der Kanzlei Dr. Stoll & Sauer Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, die für ihn den Rücktritt vom Kaufvertrag erklärten und Schadenersatz geltend machten. Verklagt wurden der Händler und die Volkswagen AG in einem Verfahren.

Das Landgericht Kleve hat mit Urteil vom 31.03.2017, 3 O 252/16 die Volkswagen AG zum Schadensersatz verurteilt, weil die Volkswagen AG gegen die europarechtlichen Verpflichtungen aus der Verordnung über die EG-Genehmigung für Kraftfahrzeuge und ihre Anhänger sowie für Systeme, Bauteile und selbstständige technische Einheiten für diese Fahrzeuge (EG-FGV) verstoßen habe. Die EG-FGV ist die deutsche Umsetzung der Typengenehmigungsrichtlinie 2007/46/EG der Europäischen Union. Damit hat erstmals ein deutsches Gericht die von der Dr. Stoll & Sauer Rechtsanwaltsgesellschaft mbH seit langem vertretene Auffassung bestätigt, dass die ausgestellte EG-Übereinstimmungsbescheinigung falsch ist und VW das Fahrzeug überhaupt nicht erst in den Handel bringen und verkaufen durfte. Das Landgericht Kleve führt in seinem Urteil aus (Anm.: die Beklagte zu 2) ist VW):

„Der Kläger hat gegen die Beklagte zu 2) einen Anspruch auf Schadloshaltung gemäß §§ 826, 249 ff. BGB und § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. §§ 6 Abs. 1, 27 Abs. 1 EG-FGV.

Entgegen der Ansicht der Beklagten liegt in der Manipulation bei der Beklagten zu 2) ein Verstoß gegen das Verbot von Inverkehrgabe und Handel ohne gültige Bescheinigung in § 27 Abs. 1 EG-FGV und zum anderen gegen die Pflicht zur Erteilung einer gültigen Bescheinigung gemäß § 6 Abs. 1 EG-FGV und hierbei handelt es sich jeweils um Verbotsgesetze iSd § 823 Abs. 2 BGB. Hierzu wird auf die insoweit überzeugenden Ausführungen -in dem Aufsatz „Herstellerhaftung im Abgasskandal“ von Harke in VuR 2017, 83 ff. verwiesen.“

Das Landgericht Kleve führt auch aus:

„Deshalb muss in der hier zur Entscheidung stehenden prozessualen Lage mangels substantiierter gegenteiliger Darlegung durch die Beklagte davon ausgegangen werden, dass diese Entscheidung vom Vorstand angeordnet oder doch jedenfalls „abgesegnet“ worden ist (ebenso: LG Hildesheim DAR 2017, 83).“

Rechtsanwalt Dr. Ralf Stoll, der das Verfahren federführend geführt hat, teilt mit: „Es handelt sich um ein wegweisendes Urteil im VW Abgasskandal. Damit ist der Weg frei für Schadensersatzansprüche in Bezug auf alle Fahrzeuge. Wir führen ca. 2000 Gerichtsverfahren bundesweit, in denen wir diesen europarechtlichen Verstoß geltend machen. Mit dem Urteil des Landgerichts Kleve ist der Weg frei für alle Geschädigten, Schadensersatz zu erhalten.“

Das Landgericht Kleve hat nicht nur die Volkswagen AG zum Schadensersatz verurteilt, sondern auch den Händler verurteilt, den Kaufpreis abzüglich einer Nutzungsentschädigung zurückzubezahlen.


Wohin am Wochenende? (13) Jetzt noch fetter!

rd | 01. April 2017, 14:03 | keine Kommentare
Eintritt frei

Kein Scherz:
Ab 1. April ist der Eintritt in den Schwanenturm frei

(Noch mehr Tipps!) Frühlingsgefühle können ausgelebt werden! Das Angebot ist so schillernd wie ein bunter Strauß Frühlingsblumen:

Freitag, 20:30 Uhr: Jazz (Casa Cleve)

Wenn ich nicht selbst arbeiten müsste, würde man mich heute Abend mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Casa Cleve (Tichelstr.) finden. Dorthin haben die Jazzfreunde das Raphael Klemm Sextet geholt, welches dem Verein zufolge „swingenden, frischen und unverstaubten Combo-Jazz, inspiriert vom Sound der Hardbop-Ära und dem swingin‘ Mainstream der 50-er und 60-erJahre“ aufführt. Ein Genuss, so darf vermutet werden.

Samstag, Sonntag, ganztägig: Schwanenburg (Schwanenburg)

Der Klever an sich sieht jeden Tag die Schwanenburg, aber wann genau war er zuletzt drin? Und gerade die Juristen, die in dem Gebäude zu Hause sind, wissen aufgrund einer alten Regel der Rechtsprechung: Dran ist nicht drin. Also, warum nicht reingehen in den Schwanenturm? Zumal es in der kompletten Saison (ab heute, 1. April) kostenlos möglich ist. In Anerkennung des großen ehrenamtlichen Einsatzes des Klevischen Vereins erstattet die Sparkasse Rhein-Maas dem Verein den Ausfall der entgangenen Eintrittsgelder. Schöne Geste! (Bis 31. Oktober)

Samstag, 20 Uhr: Spaß (Stadthalle)

Die rührigen Cinque-Kleinkünstler haben Christian Ehring in die Stadt und da in die Stadthalle geholt. Der Unterhaltungskünstler bringt in seinem Programm „Keine weiteren Fragen“ laut Cinque einen „aktuellen Lagebericht aus dem Komfortzonenrandgebiet“. Aus der Ankündigung: Reicht der Einkauf im Bioladen noch aus als moralischer Ablassbrief? Ist der Satz: „Ja, schlimm“ wirklich eine adäquate Reaktion auf die Katastrophen unserer Zeit? Und sollte man derartige Fragen überhaupt stellen, wo doch das Haus noch nicht abbezahlt und die Yogalehrer-Ausbildung noch nicht ganz abgeschlossen ist? Besser nicht. Sonst steht plötzlich der Zweifel da. Steht in der frisch renovierten Wohnküche, mixt sich einen Smoothie und will einfach nicht mehr gehen. (Tickets: 20 Euro)

Samstag, 21 Uhr: Schöne Linie (Culucu)

Nein, nicht das, was Graf Koks jetzt denkt, sondern… Jazz im Culucu: Pretty Line aus Mülheim gastieren in der Rinderner Gaststätte. Aus der Ankündigung: „In der Besetzung Bernhard Fuchs, Gitarre, Frauke Heitmann, Gesang, Dirk Sprotte, Bass und Rüdiger Stritzke, Schlagzeug, spielen sie, woran sie Freude haben. Und das merkt auch der Zuhörer. Der Spaß an der musikalischen Vergangenheit trieb sie zu den berühmten Swing-Klassikern von Ellington und Co. Die alten Songs spielen sie immer noch, aber auch Songs von den Red Hot Chili Peppers oder Little Feat sind in Repertoire von Pretty Line, die an diesem Abend von Thomas K. am Saxophon unterstützt werden. Das Besondere: Die Klassiker von Duke Ellington oder George Gershwin werden als Shuffle oder Funk- Version präsentiert und machen der Band und dem Publikum Spaß und Lust auf weitere Experimente. Und es besteht die Hoffnung, dass sie sich ein bisschen „gehen lassen“! (Das gilt für die Musiker und das Publikum.) Der Eintritt ist frei, wie immer geht der Hut rum.

Sonntag, ganztägig: Beuys (Moyland)

Gerade eben wurde der große Schamane als Werbeikone für Whisky in Japan wieder entdeckt, schon widmet sich auch das den Künstler verpflichtete Museum Schloss Moyland Joseph Beuys: „Beuys neu entdecken“ heißt eine neue Dauerpräsentation im Schlossgebäude. Darin lässt das Museum Beuys als Mensch, Künstler, Politiker und Visionär lebendig werden. Besucher können den Künstler aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln kennenlernen. Darüber hinaus zeigt eine thematische Sonderpräsentation Werke zum 1-Sekunden-Stück von Joseph Beuys.

Wochenendverlängerung: Dienstag, 20 Uhr: Bach & more (Stadthalle)

Fred Astaire und Ginger Rogers seien vom Tanzparkett an die Tasten gewechselt, schrieb die amerikanische Presse über einen Auftritt des Klavierduos Anderson & Roe. Und in der Tat tanzen die vier Hände von Elizabeth Joy Roe und Greg Anderson über die Klaviertastaturen, als wäre der Konzert- ein Ballsaal, und verpassen Repertoire von Bach bis Coldplay eine ungeahnte Tiefe und Leichtigkeit zugleich. Wie die beiden Pianisten gerade das traditionelle Klavierduo des 21. Jahrhunderts revolutionieren, davon kann man sich beim WDR-Kammerkonzert am 4. April, 20 Uhr, in der Klever Stadthalle überzeugen.


Der Nächste, bitte!

rd | 01. April 2017, 13:32 | 22 Kommentare
Dr. Ernst: Schluss nach 33 Jahren

Dr. Ernst: Schluss nach 33 Jahren

Der nächste Mediziner, der seine Praxis schließt: Dr. Fritz Ernst, An den Kastanien in Bedburg-Hau, weist in seiner Anzeige schon gleich vorsorglich darauf hin, dass sein Nachfolger die Behandlungen weiterführen wird – „so weit es seine Möglichkeiten zulassen“. Hier zum Thema noch einmal der Artikel, der in der jüngsten Ausgabe des Magazins Der KLEVER
(Dezember 2016) erschienen ist:

Stadt ohne Ärzte

„Wir schließen unsere Praxis.“ Diese Anzeigen stehen immer häufiger in den Zeitungen. Nachfolger sind nicht zu finden. Warum eigentlich?

Vier Wochen in Kleve arbeiten und dann mit achttausend Euro nach Hause gehen, wer könnte dazu schon Nein sagen? Unter den Ärzten in Deutschland offenbar nahezu jeder.

Im vergangenen Jahr ersann der Kreis Kleve eine einzigartige Aktion, um gegen den Ärztemangel auf dem Land anzukämpfen. Junge Ärzte sollten vier Wochen bei einem alteingesessenen Kollegen im Kreis hospitieren, dafür mit zweitausend Euro pro Woche entlohnt werden – und idealerweise am Ende auf den Geschmack gekommen sein, sich für immer in Kleve und Umgebung niederzulassen.

Die Aktion, eine Idee des Kinderarztes Dr. Wolfgang Brüninghaus, war gut gemeint und gut. Das ist nicht immer dasselbe, in diesem Fall aber schon. Irgendetwas muss man ja versuchen. Allerdings eines war sie nicht: erfolgreich. Mit gerade einmal vier Medizinern konnte im Laufe eines Jahres eine „Hospitationsvereinbarung“ abgeschlossen werden, berichtet der Kreis Kleve. Neue Kollegen zogen nicht aufs Land.

Zum Jahresende werden in den Zeitungen wieder Anzeigen stehen, in denen Ärzte sich bei ihren Patienten für das langjährige entgegengebrachte Vertrauen bedanken und darauf hinweisen, dass die Praxis im kommenden Jahr geschlossen sein wird. Früher wurde in der Regel ein Nachfolger empfohlen, heute wird freundlich auf die verbliebenen Kollegen in der Stadt verwiesen.

In der Gasthausstraße gab Dr. Dagmar Wiegmann ihre gynäkologische Praxis auf; sie arbeitet schon seit Anfang November als angestellte Ärztin in einer Rehabilitationseinrichtung auf Borkum. An der Materborner Allee hörte Ende Oktober Dr. Andrea Littauer auf. Sie betrieb ihre Praxis für Allgemeinmedizin gemeinsam mit Anne Tang-Bayock.

Monatelang suchte Tang-Bayock mit Anzeigen in den Ärzteblättern nach einem Nachfolger für ihre Kollegin. „Es kamen überhaupt keine Rückmeldungen“, so Tang-Bayock. Nun ist die Praxis dicht, das Wartezimmer verwaist, und auf der Untersuchungliege stapeln sich die Krankenakten – bereit zur Abholung für die Patienten, die sich auf die Suche nach einem neuen Arzt begeben.

Ob sie einen finden, ist ein Glücksspiel geworden. Immer häufiger hören Patienten die Antwort: „Wir nehmen keine neuen Patienten mehr auf.“

Ein Zahnarzt berichtet, schon seit eineinhalb Jahren einen Aufnahmestopp verhängt zu haben – und er stehe bereits jetzt täglich zehn Stunden und länger in der Praxis. In den Großstädten hingegen kämpften seine Kollegen regelrecht um einzelne Straßenzüge. Auf die Idee, aufs Land zu ziehen, kommen sie nicht.

Besonders dramatisch stellt sich die Situation bei den Kinderärzten dar. Und dies, obwohl in der Bedarfsplanung des Gemeinsamen Bundesausschusses, die die Ärzteversorgung regelt, Kleve ebenso wie Düsseldorf sogar als „überversorgt“ gelten.

Doch die neuformierte „Elterninitiative Kleve – Mehr Kinderärzte für den Kreis“ bezweifelt diese Statistik. Katharina Schmink, Sprecherin der Initiative, hält mit eigenen Zahlen dagegen: „Während 70 Prozent der Kinderarztpraxen im Kreis Kleve überhaupt keine Termine für neue Patienten vergeben, müssen Kinder in Düsseldorf bei 95 Prozent der Kinderarztpraxen nicht länger als drei Wochen auf einen Termin warten.“

Bei den Augenärzten sieht es zappenduster aus. Patienten berichten, dass sie zu Quartalsbeginn vor Praxen Schlange stehen, um überhaupt einen Termin zu ergattern. Die telefonische Vergabe von Terminen sei eingestellt worden. Anderswo sei sogar eine Termingebühr verlangt worden. Dazu hat die Initiative ebenfalls Zahlen. Schmink: „Von den Augenärzten im Kreis Kleve bekamen wir bei 50 Prozent überhaupt keine Termine, den ersten Termin überhaupt erhielten wir kreisweit nach 15 Wochen. In Düsseldorf konnten wir dagegen bei fast 80 Prozent der Augenärzte innerhalb von einer Woche einen Termin bekommen.“

Soweit die Symptome. Die Diagnose: Fehler im System. Das benachteiligt die ländlichen Regionen bewusst. Ein Beispiel nennt Kinderarzt Brüninghaus, der die Initiative berät: „Während in Düsseldorf ein Kinderarzt für etwa 2400 Kinder und Jugendliche eingeplant wird, sollen die Klever die Versorgung von 3800 Kindern gewährleisten. Das sind 40 Prozent mehr. Und damit soll Kleve dann angeblich genauso gut versorgt sein wie Düsseldorf.“

Die Kassenärztliche Vereinigung argumentiert mit sogenannten Versorgungsgraden und kommt für die meisten Fachrichtungen für den gesamten Kreis gerechnet auf Werte über hundert Prozent. Aufgrund dieser Berechnungen sieht die Einrichtung „eine angemessene fachärztliche Versorgung“ gewährleistet. Landrat Wolfgang Spreen, der sich an die kassenärztliche Vereinigung gewandt hatte, nannte das Schreiben „inhaltlich eine Zumutung“. Spreen: „Es geht völlig an den Realitäten vorbei.“

350 niedergelassene Mediziner gibt es im gesamten Kreisgebiet. Laut Ärztereport der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein aus dem Jahr 2013 fehlen bis zum Jahr 2030 knapp hundert Hausärzte, acht Augenärzte, elf Internisten, neun Nervenärzte, neun Orthopäden und vier Urologen im Kreis Kleve.

Bis zu diesem Jahr hören 130 Mediziner aus Altersgründen auf. Die Chancen, dass sie einen Nachfolger finden, stehen schlecht. „Einzelpraxen lassen sich eigentlich gar nicht mehr verkaufen“, so Dr. Wolfgang Althoff, Vorsitzender der Kreisstelle der Ärztekammer Nordrhein. Der Grund: Einzelpraxen lassen sich kaum noch wirtschaftlich betreiben.

Ihre Patienten, sagt Anne Tang-Bayock von der Materborner Allee, hätten durchweg Verständnis für ihren Schritt gezeigt. Sie selbst suche jetzt eine neue Stelle in einer anderen Praxis. Tang-Bayock: „Besonders schwierig ist das ja nicht.“


Aus der Geschäftswelt (Nachtrag): Suri-um

rd | 01. April 2017, 13:23 | keine Kommentare
Macht nach zweieinhalb Jahren leider wieder Schluss: Heike Schirmer in ihrem (Sammel-)Surium

Macht nach zweieinhalb Jahren leider wieder Schluss: Heike Schirmer in ihrem (Sammel-)Surium

Auch wenn die auf Facebook verbreitete Nachricht zur Hälfte mit fröhlichen Smileys garniert war, so lässt sich dennoch nicht verbergen, dass ihr Kern ein trauriger ist: Heike Schirmer schließt zum 1. Juli ihr Geschäft Surium – Suri-um, sozusagen.

Der liebenswerte Laden in der Herzogstraße versorgte seine Kunden mit angejahrten Kleinigkeiten von der Filterkaffeekanne bis zum Eisdielenplastikstuhl. In der Meldung heißt es: „Kurz und (relativ) schmerzlos: Nach reiflicher Überlegung haben wir uns entschieden unseren Laden zum 01.07.2017 zu schließen! Es war eine wunderschöne Zeit mit unglaublich netten Begegnungen, Gesprächen, Märkten und An-und Verkäufen in der Herzogstraße 10! Trotz ‚besonderer Öffnungszeiten‘ des Ladens kam unser Familienleben jedoch oft zu kurz! Wir freuen uns jetzt auf vollständige Wochenenden zu viert, an denen wir einfach mal die Seele baumeln lassen können.“


Wohin am Wochenende? (13) Jazz, Spazz & Beuyzz (akt.)

rd | 31. März 2017, 16:10 | keine Kommentare
Eintritt frei

Kein Scherz:
Ab 1. April ist der Eintritt in den Schwanenturm frei

(Noch mehr Tipps!) Frühlingsgefühle können ausgelebt werden! Das Angebot ist so schillernd wie ein bunter Strauß Frühlingsblumen:

Freitag, 20:30 Uhr: Jazz (Casa Cleve)

Wenn ich nicht selbst arbeiten müsste, würde man mich heute Abend mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Casa Cleve (Tichelstr.) finden. Dorthin haben die Jazzfreunde das Raphael Klemm Sextet geholt, welches dem Verein zufolge „swingenden, frischen und unverstaubten Combo-Jazz, inspiriert vom Sound der Hardbop-Ära und dem swingin‘ Mainstream der 50-er und 60-erJahre“ aufführt. Ein Genuss, so darf vermutet werden.

Samstag, Sonntag, ganztägig: Schwanenburg (Schwanenburg)

Der Klever an sich sieht jeden Tag die Schwanenburg, aber wann genau war er zuletzt drin? Und gerade die Juristen, die in dem Gebäude zu Hause sind, wissen aufgrund einer alten Regel der Rechtsprechung: Dran ist nicht drin. Also, warum nicht reingehen in den Schwanenturm? Zumal es in der kompletten Saison (ab heute, 1. April) kostenlos möglich ist. In Anerkennung des großen ehrenamtlichen Einsatzes des Klevischen Vereins erstattet die Sparkasse Rhein-Maas dem Verein den Ausfall der entgangenen Eintrittsgelder. Schöne Geste! (Bis 31. Oktober)

Samstag, 20 Uhr: Spaß (Stadthalle)

Die rührigen Cinque-Kleinkünstler haben Christian Ehring in die Stadt und da in die Stadthalle geholt. Der Unterhaltungskünstler bringt in seinem Programm „Keine weiteren Fragen“ laut Cinque einen „aktuellen Lagebericht aus dem Komfortzonenrandgebiet“. Aus der Ankündigung: Reicht der Einkauf im Bioladen noch aus als moralischer Ablassbrief? Ist der Satz: „Ja, schlimm“ wirklich eine adäquate Reaktion auf die Katastrophen unserer Zeit? Und sollte man derartige Fragen überhaupt stellen, wo doch das Haus noch nicht abbezahlt und die Yogalehrer-Ausbildung noch nicht ganz abgeschlossen ist? Besser nicht. Sonst steht plötzlich der Zweifel da. Steht in der frisch renovierten Wohnküche, mixt sich einen Smoothie und will einfach nicht mehr gehen. (Tickets: 20 Euro)

Samstag, 21 Uhr: Schöne Linie (Culucu)

Nein, nicht das, was Graf Koks jetzt denkt, sondern… Jazz im Culucu: Pretty Line aus Mülheim gastieren in der Rinderner Gaststätte. Aus der Ankündigung: „In der Besetzung Bernhard Fuchs, Gitarre, Frauke Heitmann, Gesang, Dirk Sprotte, Bass und Rüdiger Stritzke, Schlagzeug, spielen sie, woran sie Freude haben. Und das merkt auch der Zuhörer. Der Spaß an der musikalischen Vergangenheit trieb sie zu den berühmten Swing-Klassikern von Ellington und Co. Die alten Songs spielen sie immer noch, aber auch Songs von den Red Hot Chili Peppers oder Little Feat sind in Repertoire von Pretty Line, die an diesem Abend von Thomas K. am Saxophon unterstützt werden. Das Besondere: Die Klassiker von Duke Ellington oder George Gershwin werden als Shuffle oder Funk- Version präsentiert und machen der Band und dem Publikum Spaß und Lust auf weitere Experimente. Und es besteht die Hoffnung, dass sie sich ein bisschen „gehen lassen“! (Das gilt für die Musiker und das Publikum.) Der Eintritt ist frei, wie immer geht der Hut rum.

Sonntag, ganztägig: Beuys (Moyland)

Gerade eben wurde der große Schamane als Werbeikone für Whisky in Japan wieder entdeckt, schon widmet sich auch das den Künstler verpflichtete Museum Schloss Moyland Joseph Beuys: „Beuys neu entdecken“ heißt eine neue Dauerpräsentation im Schlossgebäude. Darin lässt das Museum Beuys als Mensch, Künstler, Politiker und Visionär lebendig werden. Besucher können den Künstler aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln kennenlernen. Darüber hinaus zeigt eine thematische Sonderpräsentation Werke zum 1-Sekunden-Stück von Joseph Beuys.

Wochenendverlängerung: Dienstag, 20 Uhr: Bach & more (Stadthalle)

Fred Astaire und Ginger Rogers seien vom Tanzparkett an die Tasten gewechselt, schrieb die amerikanische Presse über einen Auftritt des Klavierduos Anderson & Roe. Und in der Tat tanzen die vier Hände von Elizabeth Joy Roe und Greg Anderson über die Klaviertastaturen, als wäre der Konzert- ein Ballsaal, und verpassen Repertoire von Bach bis Coldplay eine ungeahnte Tiefe und Leichtigkeit zugleich. Wie die beiden Pianisten gerade das traditionelle Klavierduo des 21. Jahrhunderts revolutionieren, davon kann man sich beim WDR-Kammerkonzert am 4. April, 20 Uhr, in der Klever Stadthalle überzeugen.


Erlkönig (Version Loock Erd- und Tiefbau)

rd | 30. März 2017, 16:39 | 6 Kommentare
Wunderbar: Abriss in der ersten Frühlingssone

Wunderbar: Abriss in der ersten Frühlingssone

Aus der unendlichen Serie „Ein Bild und seine Geschichte“ diesmal die Folge: Der Abriss der Wunderbar – und wie die Nachbarn ihn erleben:

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Mutter, du den Loock-Bagger nicht?
Den Bagger von Loock in Rot und Weiß? –
Mein Sohn, es ist der Zeiten Preis.


Aus der Geschäftswelt: Erst Weltbild, dann Wegbild, Intersport mit Würfel – und Heino erfährt eine Aufladung

rd | 30. März 2017, 12:33 | 2 Kommentare
Ich bin dann mal Wegbild

Ich bin dann mal Wegbild

Auch an Heino nagt der Zahn der Zeit, aber Sebastian und Wolfgang Scheerer konnten helfen

Auch an Heino nagt der Zahn der Zeit, aber Sebastian und Wolfgang Scheerer konnten helfen

Arena-Atmosphäre im neuen Intersport-Markt

Arena-Atmosphäre im neuen Intersport-Markt

Hatte die Weltbild-Filiale in der Großen Straße nicht gerade erst eröffnet? Nun denn, die Eröffnungsangebote (eine Mischung aus herabgepreisten Büchern und praktischen Aufbewahrungsboxen im Sonderangebot) waren noch nicht ganz weggeräumt, da war auch schon das restliche Sortiment verschwunden. Dann die Regale. Dann das Ladenschild. Wegbild! Und das, um Platz zu schaffen für das Höllensegment des Einzelhandels, den Ein-Euro-Laden. Manche Artikel kosten allerdings sechs Euro + + + Anders als der nach dem Umbau exakt wiederzuerkennende dm-Markt am EOC präsentiert sich ab heute der Intersport-Markt Dammers auf dem gleichen Gelände komplett auf links gedreht. Blickfang ist ein zweihundert Kilogramm schwerer Videowürfel, der von der Decke hängt und der dem Sportausrüster die Aura einer großen Arena verleiht. Der fühlt sich der Freizeitsportler doch gleich wie Christiano Ronaldo, unter Marketingsgesichtspunkten also sicherlich eine gute Investition. Da zugleich auch eine kleine Kaffeebar mit einem Angebot von Sportzeitschriften eingerichtet wurde, wäre es nicht verwunderlich, wenn die altbekannte „Loge“ um Werner Drießen sich künftig dort niederließe + + + Die schönsten PR-Geschichten schreibt manchmal das Leben selbst: Da sind Wolfgang und Sebastian Scheerer vom gleichnamigen Hörakustik-Geschäft (Hagschen Straße, Kavarinerstraße) im Hotel Adlon in Berlin, um die Auszeichnung „Top 100 Akustiker“ aus den Händen von Heino entgegenzunehmen, und was passiert? Dem Schlagerkünstler geht doch glatt während der Zeremonie der Saft aus seiner Hörgerätebatterie zur Neige! Quel Malheur! Und wer aus der Riege der Besten des Faches hatte natürlich sofort eine Ersatzbatterie parat? Du, lieber Leser, ahnst es: Wolfgang Scheerer. Nun bin ich ja seit einigen Jahren nicht mehr auf dem großstädtischen Boulevard unterwegs, sondern (nur noch) in der Klever Fußgängerzone, aber die bessere Überschrift zu diesem Artikel wäre zweifelsohne:

Klever Hörgeräteakustiker rettet Heinos Gehör!

Eine interessante Form des Auf-sich-aufmerksam-Machens hat auch der Wettbewerber Pohland entwickelt: Frei nach dem IT-Motto „It’s not a bug, it’s a feature“ macht er aus einem Schadensfall eine Werbung. Auf Seite 1 der aktuellen Ausgabe des Klever Wochenblattes wird über den versuchten nächtlichen Einbruch in ein Geschäft an der Hagschen Straße berichtet. Auf der letzten Seite der gleichen Ausgabe findet sich dazu in einer großformatigen Anzeige das Foto einer eingeschlagenen Ladentür – in einer Anzeige von Pohland unter der Überschrift: „Rund um die Uhr attraktive Angebote“. Sachen gibt’s!


Was Sie sicher noch nicht über Beuys wussten…

rd | 29. März 2017, 15:48 | 3 Kommentare

Um seine Aktion „7000 Eichen“ auf der Kasseler documenta 1982 finanzieren zu können, machte Joseph Beuys in Japan Werbung für Whisky. Hoher Glaubwürdigkeitsfaktor! プロスト!


Interessantes aus der Gerichtsrolle: Kein Termin am OLG Stadt Kleve gegen Sontowski

rd | 28. März 2017, 12:30 | 41 Kommentare
Der neue Entwurf für den Minoritenplatz, der dann nur noch ein kleiner Platz wäre… und der alte macht immer noch Ärger (Visualisierung: HTM Architekten)

Der neue Entwurf für den Minoritenplatz, der dann nur noch ein kleiner Platz wäre… und der alte macht immer noch Ärger (Visualisierung: HTM Architekten)

(Mit Dank an den „Düsseldorfer“ Kollegen) Viele Reporter aus Kleve und Erlangen hatten sich schon darauf gefreut, am Mittwoch nach Düsseldorf zu fahren, um Zeuge des größten Showdowns in der Geschichte der europäischen Vergabeverfahren zu werden: Stadt Kleve ./. S & P Retail Development GmbH. Doch diese Reise muss erneut verschoben werden! Wegen Überlastung durch andere Verfahren blieb dem zuständigen Senat nichts anderes übrig, als den Termin morgen abermals abzusagen und einen neuen anzusetzen.

Schon der erste vorgesehene Termin am 1. Februar hatte aus „senatsinternen“ Gründen nicht stattfinden können. Gut für die Stadt Kleve an dem neuen Termin ist, dass dadurch die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 775-jährigen Bestehen der Stadt Ende April nicht beeinträchtigt werden. Es kann unbeschwert die Größe der Stadt gefeiert werden, denn die neue Ladung der beiden Parteien erfolgte erst zum 24. Mai, also mit einer weiteren Verzögerung von zwei Monaten.

In dem Prozess geht es darum, ob nicht Sontowski den Zuschlag für seine Pläne zur Bebauung des Minoritenplatzes hätte erhalten müssen und dem Unternehmen aus Erlangen deshalb nicht ein Schadenersatz für seine geleistete Arbeit zuzusprechen ist. Dieser Auffassung war die Vergabekammer. Bürgermeisterin Sonja Northing hatte daraufhin das persönliche Gespräch mit dem Unternehmer Klaus-Jürgen Sontowski gesucht und mit ihm in einer sehr menschelnden Atmosphäre eine mögliche außergerichtliche Einigung ausgehandelt, die der Stadt allerdings einen sechsstelligen Betrag gekostet hätte.

Der Rat wollte allerdings diesem Weg nicht folgen und entschied aus verschiedenen Gründen dafür, sein Heil vor Gericht zu suchen – womöglich auch, um im Nachgriff weitere Schuldige präsentieren zu können. Gerne verweisen an den Verfahren Beteiligte in diesem Zusammenhang darauf, dass der von der Stadt Kleve beauftragte Rechtsanwalt Dr. Kamphausen aus Düsseldorf stets versichert habe, dass die Stadt keinerlei finanzielles Risiko trage.

Bekanntlich waren die Verhandlungen zwischen den Stadtoberen und den Projektentwicklern weit gediehen, als der Rat der Stadt Kleve Ende 2014 das Projekt beerdigte. Zentrales Argument war der nicht ausreichende Kaufpreis, doch davon war in den Verhandlungen, die bis dato in einer sehr kooperativen Atmosphäre verlaufen waren, nie die Rede gewesen. Auch hatte die Stadt selbst ein Gutachten einholen lassen, dass an der Angebotssumme für die Grundfläche nichts zu beanstanden hatte.

Sontowski & Partner wollten auf dem Minoritenplatz zwischen Rathaus und Volksbank ein üppig dimensioniert es Geschäftshaus mit einer Gewerbefläche von insgesamt 11.474 m² errichten. Der aktuell in der Diskussion stehende Entwurf der Architekten HTM (Hülsmann, Thieme, Minor) sieht eine Bruttogeschossfläche von insgesamt 11.415 m² vor, davon allerdings nur 3415 m² für Gewerbe.

Weitere Berichte zum Thema:

Sontowski & Partner ./. Stadt Kleve: 57 Tage Verzögerung

Der Rat hat rumms gemacht

Das Gespräch

„… und es hat zooom gemacht“

Kleve möchte reden


Interessantes aus dem Polizeibericht: Keine Massenschlägerei am Flughafen

rd | 28. März 2017, 11:38 | keine Kommentare
Weniger Flüge, weniger Passagiere: Blick ins Terminal des Flughafens Weeze (Fotos © Udo Kleinendonk)

Die Vorstellung, dass der Terminal der Austragungsort einer Massenschlägerei geworden wäre – gruselig (Foto: Udo Kleinendonk)

Üblicherweise ist der Polizeibericht eine Ansammlung von Vorfällen, die vorgefallen sind, denn sonst wären es ja gar keine Vorfälle. Ein Einbruch, ein abgetretener Außenspiegel eines geparkten Autos, ein Totschlag. Unter diesen erkenntnistheoretischen Auspizien ist eine aktuelle Meldung des Klever Polizeiberichts eine durchaus merkwürdige – denn glücklicherweise passierte nichts. Man mag sich allerdings gar nicht vorstellen, wenn etwas passiert wäre. Soviel zur Einleitung, nun also zu dem, was die Polizei zu einem bemerkenswerten Montagabend am Flughafen Weeze mitzuteilen hat:

Am Montag (27. März 2017) bekam die Polizei Kleve einen Hinweis, dass am Airport Weeze eine Schlägerei zwischen zwei Ultra-Fangruppen bevorstehen würde. In einem Flugzeug aus Bari, welches um 18.25 Uhr in Weeze landete, befanden sich Fans des 1. FC Köln und des FC Schalke 04, die der Ultra-Fußballszene zuzuordnen sind. Offensichtlich hatten sie ihr jeweiliges Fanlager informiert und sich zu einer Schlägerei verabredet. Ein großes Polizeiaufgebot führte aufgrund des Hinweises an der Zufahrt zum Airport Fahrzeugkontrollen durch. Die Beamten stellten zwischen 18 und 19 Uhr etwa 20 Fahrzeuge der Schalker Fanszene und etwa 15 Fahrzeuge der Kölner bzw. Dortmunder Fanszene fest. Die Fahrzeuge waren jeweils voll besetzt. Bei Kontrollen fanden die Beamten Vermummungsmaterial wie Sturmhauben und Röhrenschals sowie Zahnschutz und Handschuhe. Die Polizei stellte diese Gegenstände sicher und erteilte den Fans Platzverweise. Diese befolgten die ausgesprochenen Platzverweise.

***

Nur nebenbei bemerkt: Wir haben es hier mit einer Szene zu tun, deren Entstehen von Fußballvereinen, die Millionen scheffeln, zumindest recht lange nicht entschieden genug verfolgt worden ist. Die Kosten für diesen Einsatz – „ein großes Polizeiaufgebot“, das am späten Abend seinen Dienst verrichtetFür – tragen aber nicht die Vereine, sondern der Steuerzahler. Eigentlich ein Unding.


Von der Haltung des Huhnes, oder: 10000 Liter Einsamkeit

rd | 26. März 2017, 14:32 | 3 Kommentare
Fotografie ist Malen mit Licht, sagen die Fachleute. Der Maler hier: Klaus Oberschilp

Fotografie ist Malen mit Licht, sagen die Fachleute. Der Maler hier: Klaus Oberschilp

Beim Schwimmen erkennt man die Blässhühner, die manchmal auch Blässrallen oder – in neuerer Rechtschreibung – Blesshühner bzw. Blessrallen genannt werden, daran, dass sie relativ hoch im Wasser liegen, ohne umzukippen. Praktisch also wie ein Post-Panamax-Containerschiff mit 15.000 und mehr TEUs an Bord, nur in Natur. Doch dieser Vogel ist nicht auf den wüsten Wassern eines Ozeans unterwegs, sondern auf irgendeinem niederrheinischen Kolk, vom Fotografen allerdings so in Szene gesetzt, als wäre er in den einsamen Weiten des Wassers verlassen und verloren, wobei in der Haltung des Huhns allerdings weder Hadern noch Zagen, sondern Hoffnung und Zuversicht mitschwingen, oder besser gesagt: mitschwimmen  – als wäre das rettende Ufer in Sicht. Also in aller Vielschichtigkeit mal wieder ein perfektes Sonntagsbild für kleveblog, und dann noch der Goldene Schnitt!


Wohin am Wochenende (12): Ganz unten & ganz oben

rd | 25. März 2017, 10:39 | 1 Kommentar

Wenn Sie am Sonntag Nachmittag auf der Schwanenburg diese Zeit erblicken, sollten Sie sich sputen – denn die Führung von Wiltrud Schnütgen hat vor 13 Minuten begonnen

Wenn Sie am Sonntag Nachmittag auf der Schwanenburg diese Zeit erblicken, sollten Sie sich sputen – denn die Führung von Wiltrud Schnütgen hat vor 13 Minuten begonnen


(Um zwei Events ergänzt…) Folgende Vorschläge:

Samstag und Sonntag: 32. Ostermarkt (Haus Riswick)

Dieser Klassiker unter den Veranstaltungen sollte natürlich auch Erwähnung finden: Unter dem bewährten Motto „Kunst und Genuss rund ums Ei“ findet auf Haus Riswick auch in diesem Jahr der Ostermarkt statt, wie gewohnt eine schillernde Mischung aus Brauchtumspflege und Kunsthandwerk. Zu den bekannten Ausstellern konnten auch wieder neue Anbieter gewonnen werden, die den Besuchern die neuesten Deko-Trends dieses Frühjahrs für Haus und Garten zeigen. So ist erstmals die Floristin Christine Wiegelmann, bekannt aus dem „ARD-Buffet“, dabei. Der Eintritt beträgt zwei Euro für Erwachsene; Kinder bis zu 14 Jahren haben in Begleitung Erwachsener freien Eintritt. Aus hygienischen Gründen dürfen keine Hunde mit auf das Veranstaltungsgelände gebracht werden. Der Erlös, den die LandFrauen an diesen Tagen erzielen, wird an ausgesuchte soziale Einrichtungen gespendet. Veranstalter des Ostermarktes ist der Rheinische LandFrauenverband Bezirksverband Kleve. Zum diesjährigen Ostermarkt-Team gehören Hildegard Geurtz, Maria Baumann, Andrea Schura, Birgit Vingerhoet und Marlies Wollschläger.

Samstag, 15 Uhr: „Op Kur in Bad Cleve“ (Schule Ackerstraße)

Zur 775-Jahr-Feier der Stadt Kleve leistet auch die Materborner Volksbühne ihren Beitrag – mit dem Stück „Op Kur in Bad Cleve“. Es imaginiert, wie der Kurbetrieb in Kleve so ausgesehen haben könnte. Mit den für den Kurbetrieb üblichen amourösen Verwicklungen natürlich. Wer wissen möchte, was Landwirt Jan Meier aus Niel während seiner Kur in Bad Cleve passiert, möge am Samstag Nachmittag die Aula der Sekundarschule an der Ackerstraße aufsuchen.

Samstag, 16 Uhr & 18:15 Uhr: Aufstieg und (hoffentlich kein) Abstieg im Basketball (Halle Stein-Gymnasium)

In der Mitte zwischen den beiden Herrenmannschaften des VfL Merkur Kleve befindet sich die Bezirksliga: Die erste Mannschaft steht mit dem Rücken zur Wand und möchte nicht dahin zurück, die zweite Mannschaft ist unangefochtener Tabellenführer und möchte sich den Aufstieg heute im Heimspiel gegen die BG Duisburg-West 3 sichern (Tip-off 16 Uhr), die erste Mannschaft empfängt um 18:15 Uhr die Alten Freunde Düsseldorf und könnte mit einem Sieg einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt schaffen.

Samstag, 20 Uhr: Green Carpet (Heisterfeldshof)

Benefizkonzert auf dem Heisterfeldshof: Zum Eintritt von drei Euro spielt die Band Green Carpet Rockklassiker. Der Erlös geht komplett an die Elterninitiative der Kinderkrebsklinik Düsseldorf. (Heisterfeldshof, Waldstr. 36, Bedburg-Hau)

Sonntag, 14:30 Uhr: Kleve von oben (Schwanenburg)

Herrliche Aussichten verspricht bei diesem Wetter die Führung durch die Schwanenburg am Sonntag, 26. März. Der Rundgang beginnt um 14.30 Uhr am Portal zum Innenhof der Burg. Die Teilnahme kostet sechs Euro pro Person oder 14 Euro für Familien. In rund 90 Minuten wird Klever Stadtführerin Wiltrud Schnütgen durch das Bauwerk führen und aus der Geschichte der Burg sowie ihrer Bewohner berichten. Dabei werden das Gewölbe im Spiegelturm als auch der Speicher hoch im Schwanenturm zu sehen sein.


In der Fußgängerzone aufgeschnappt (Edition Frühlingsgefühle)

rd | 22. März 2017, 12:16 | 13 Kommentare
Quell zeitloser Erkenntnisse: die Klever Fußgängerzone (inkl. angrenzender Seitenstraßen)

Quell zeitloser Erkenntnisse: die Klever Fußgängerzone (inkl. angrenzender Seitenstraßen)

„Ich habe einmal in Amsterdam eine richtig schöne Hose gekauft, aber die war so eng, da sind mir beim Sitzen die Beine eingeschlafen. Ich habe die jetzt auf einer Kleiderbörse verkauft. Aber die war so schön!“

„Wie alt ist sie so?“ – „10 Jahre.“ – „O, dann hat sie sicher nicht mehr lange!“

„Erst verkuppelt die mich mit dem, dann will se selbst wat von dem!“

„Wenn ich Bier draußen trinken möchte, kann ich auch in den Forstgarten gehen.“

„Sofort zum Arzt gehen damit!“

„Ich habe keinen [unverständlich].“ – „Du hast kein Internet?“ – „… keinen Lebensinhalt!!!“

„Ich möchte Medienkommunikation studieren, meinst du, das passt zu mir?“

„Ich habe mein ganzes Leben in Goch gelebt, aber ich kenne da keinen, ich weiß nicht mal, wie der Bürgermeister heißt, ich habe überhaupt keine Freunde da.“


Günniales Kleve!

rd | 20. März 2017, 12:22 | 3 Kommentare
G. Hendricks ((© R. Dehnen)

G. Hendricks ((© R. Dehnen)

Stadt-Land-Fluss: Logo mit Ewigkeitswert

Stadt-Land-Fluss: Logo mit Ewigkeitswert

Am 13. Januar 2012 verstarb der Klever Grafiker und Künstler Günni Hendricks im Alter von 60 Jahren (hier der Nachruf aus kleveblog: Günni Hendricks, 1951-2012. Sein bekanntestes Werk ist zweifellos das Kleve-Logo, das zeigt, wie sehr er der Stadt, in der lebte, verbunden war. Aber sein Werk und insbesondere sein Faible für seine Heimat sind weit umfangreicher. Wie umfangreich, das zeigt in Kürze – passend zu den 775-Jahr-Feierlichkeiten der Stadt Kleve und zum 5. Todestag des Künstlers – eine Ausstellung in der Schwanenburg. Der Werkschau mit dem wortspielerischen Titel „Günniales Kleve“ dauert vom 1. April bis zum 31. Oktober.

Günni Hendricks, geboren am 19. September 1951 in Kellen, war Grafiker, Künstler und Fotograf zugleich und warf oft und gerne einen liebevoll, kritischen Blick auf seine Heimatstadt Kleve. Grund genug, für den Verein ARTlass e.V. eine Ausstellung zu organisieren. Gezeigt werden Bilder, Fotos und Objekte – versammelt unter dem Titel „Günniales Keve“.

Kurz nach seinem Tod und einer berührenden Abschiedsfeier hatten einige Klever den Verein ARTlass e.V. gegründet, um den künstlerischen Nachlass von Günni zu wahren und nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Den aktiven Kern des Vereins bilden Birgit Janhsen (1. Vorsitzende), Siegbert Garisch (2. Vorsitzender), Wiltrud Schnütgen, Ute Evers-Garisch, Petra Bay und Frank Wöbbeking. Die Gruppe traf sich in den vergangenen fünf Jahren immer wieder, plante „Projekte“ und verwarf auch einige Ideen – bis die Sache mit der Ausstellung Form gewann. In unzähligen Stunden und Zusammenkünften wurde das Schaffenswerk von Günni Hendricks, bestehend aus Bildern, Fotos, Zeichnungen und Collagen gesichtet, sortiert und geordnet (und wer Günni gekannt hat, weiß, dass das nicht einfach war).

Sein besonderer Blick auf Kleve wurde bei der Arbeit für uns nachvollziehbar und so heißt die Ausstellung passend zum Klever Stadtjubiläum „Günniales Kleve“. Die Liebe zum Detail, Momentaufnahmen zu jeder Jahreszeit und der immer wiederkehrende „irreale“ Schwan werden den Besucher inspirieren und verzaubern, sind die Organisatoren überzeugt. Die Ausstellung wird unterstützt (u.a.) vom Bundesverband Credit Management e.V. und der Sparkasse Kleve.


Wohin am Wochenende? (11) FKK mit SN?

rd | 17. März 2017, 17:45 | 12 Kommentare
Die Kulturschaffenden laden ins Radhaus, mit Bürgermeisterin Sonja Northing am Tresen. Wenn Sie sich bewährt, kann sie demnächst auch in anderen Lokalen aushelfen…

Die Kulturschaffenden laden ins Radhaus, mit Bürgermeisterin Sonja Northing am Tresen. Wenn Sie sich bewährt, kann sie demnächst auch in anderen Lokalen aushelfen…

Samstag, 20 Uhr: FKK-Party (Radhaus)

Die Freie Kultursszene des Kleverlandes (FKK) laden zu einer Benefizparty ins Radhaus (Sommerdeich). Die Zuschauer erwartet ein abwechslungsreiches Programm mit Duo Vollrausch, Steph Rausch & Thomas Geisselbrecht, DJ Mike, Sitzbänkelsänger Jan Schumacher, Rezitator Thomas Brokamp (Theater-im-Fluss-Akteur), Der Leere Raum, VHS Blue-Band – alles von 20 Uhr bis 24 Uhr auf zwei offenen Bühnen. Danach kann dann so richtig abgerockt werden, im großen Saal legt DJ Mike auf, im Café wirdverschiedenste Musik von HipHop über Reggae bis hin zu Techno gespielt. Getränke serviert keine Geringere als Kleves Bürgermeisterin Sonja Northing. Der Erlös aus den Getränkeverkäufen und die eingenommen Spenden dienen der Finanzierung der Veranstaltung des Kultur-Raum Kleverland zum Stadtjubiläum. die am Sonntag, 2. Juli, rund um das Spiegelzelt und entlang der cinque-Allee ausgerichtet wird. Der Eintritt ist frei. Spenden sind erwünscht.

Samstag, 23 Uhr: Vunzige Deuntjes (Café van Buren, Molenstraat, Nimwegen)

Lange wurde das Event erwartet, und nun endlich kommt es nach Nimwegen, ins Café van Buren: Vunzige Deuntjes. Hier für Fachleute das Line-up: HATO, Raynor Bruges, Danjah, Lee Millah, Kevsko b2b Cartez, Cathy. Ich habe keinen blassen Schimmer, worum es sich handelt (so’n DJ-Krempel, glaube ich), aber laut Facebook nehmen 678 schon teil und weitere 1757 sind interessiert. Es soll bis 5 Uhr morgens gehen. Nur Erwachsene kommen rein (Personalausweis erforderlich).

Sonntag, 18 Uhr: Aller guten Dinge (Aussichtsturm)

Und also haben sich drei gefunden und beschlossen, einfach einmal gemeinsame Sache zu machen. Wilfried Schmickler liest gute Texte (Beltz, Hüsch, Hildebrandt, Pachl, Huber, Neuss, Heissenbüttel, Grosche, Malmsheimer, Heidenreich u.a.); Tom Words und Celine machen gute Musik (Songs in der Tradition der amerikanischen Songwriter von Tom Words, Jonny Cash, Bob Dylan, Neil Young u.a.). Das Programm nennt sich „Aller guten Dinge“, weil es sich um drei Künstler handelt. Eine Veranstaltung des Kulturbüros Niederrhein, zu sehen in der Restauration am Aussichtsturm. Tickets zum Preis von 12 Euro zuzüglich Gebühren sind in der Buchhandlung Hintzen erhältlich.


Tragende Wände werden überbewertet, oder: Die Anmut des Totalschadens

rd | 16. März 2017, 13:22 | 9 Kommentare
Scheune sind Träume (Foto: K. Brückenbauer)

Scheune sind Träume (Foto: K. Brückenbauer)

Wir leben in Zeiten, in denen Mauern wieder hoch im Kurs stehen. Sie schützen, sie grenzen ab, sie verhüllen. Und sie verstellen den Blick dafür, wie fragil es dahinter zugeht. Was aber wäre wenn, wie hier bei dieser Scheune im Hauer Hinterland, einmal alle Giebelwände dieser Welt einfach nach vorne weggeklappt würden und den Blick freigäben auf das, was sonst verborgen bleiben soll? Würden wir uns dann nicht alle dem Eigentlichen annähern, das hinter so vielen Fassaden versteckt wird? Es wäre eine Welt, die ehrlicher ist, aber könnten wir diese Ehrlichkeit überhaupt noch aushalten? Immerhin, das freigelegte Innenleben dieser Scheune zeigt uns, dass auch die Verwundbarkeit ihren Reiz haben kann. Die Anmut des Totalschadens. Vollkasko ist nicht alles.


Leinen los! Bye, bye, Martin Schenk

rd | 14. März 2017, 11:06 | 22 Kommentare

Die Reise hat begonnen. Rheinaufwärts! Aber was dann? Der Wesel-Datteln-Kanal? Dortmund-Ems-Kanal?

Zu dieser Reise offenbar nicht aus eigener Kraft fähig: MS Martin Schenk im Schlepptau

Zu dieser Reise offenbar nicht aus eigener Kraft fähig: MS Martin Schenk im Schlepptau

Dieses Foto zeigt, dass die Fahrt, anders als von kleveblog empfohlen, offenbar zunächst rheinaufwärts geht. Vielleicht bemerkt die Crew ihren Fehler ja noch…

Dieses Foto zeigt, dass die Fahrt, anders als von kleveblog empfohlen, offenbar zunächst rheinaufwärts geht. Vielleicht bemerkt die Crew ihren Fehler ja noch…

Kurs 11 Uhr! (Alle fantastischen Fotos von: Torsten Barthel)

Kurs 11 Uhr! (Alle fantastischen Fotos von: Torsten Barthel)


Schiff ahoi! Der Weg der Martin Schenk nach Usedom

rd | 14. März 2017, 10:32 | 27 Kommentare
Im Wohnmobil ist das Überführungsteam angereist: Die Martin Schenk in den letzten Stunden auf dem Altrhein (Foto: Dr. Klaus Plein)

Im Wohnmobil ist das Überführungsteam angereist: Die Martin Schenk in den letzten Stunden auf dem Altrhein (Foto: Dr. Klaus Plein)

Heute geht sie auf die größte Fahrt ihres Lebens – und damit endet ein kleines, großes Stück der Klever Stadtgeschichte. Die Martin Schenk, die städtische Fähre über den Altrhein zwischen Düffelward und Schenkenschanz, verlässt ihren angestammten Anlegeplatz am Deich und schippert Richtung Usedom, wo sie ein neues Zuhause finden wird. Gut 100 Jahre gab es die Fährverbindung zwischen den beiden Ortsteilen, in den meisten davon funktionierte die Überfahrt reibungslos. Dann aber kam die Martin Schenk, die auf Wunsch von Landwirten, die Felder auf beiden Seiten des Altrheins besaßen, so groß dimensioniert wurde, dass sie auch Traktoren transportieren konnte. Die riesigen Motoren saugten sich regelmäßig mit Altrheinschlamm zu, so dass Ausfälle an der Tagesordnung waren. Erst eine aufwändige Reparatur behob den Konstruktionsfehler. Stand das Wasser zu niedrig, war die Martin Schenk ebenfalls nicht einsatzfähig, stattdessen mussten Radfahrer mit einer Behelfsfähre des Technischen Hilfswerks übersetzen. Insbesondere Radtouristen wünschen sich, dass zumindest ein solches Wasserfahrzeug auch weiterhin die Überfahrt ermöglicht. In Millingen überqueren Wasserfahrzeuge des Typs Seelenverkäufer sogar den Rhein. In Deutschland scheint der Einsatz schwieriger zu sein, bekanntlich wird hier alles ganz genau geregelt. Der Martin Schenk aber sei auf diesem Wege alles Gute an ihrem neuen Einsatzort gewünscht – sie war ja auch ursprünglich für die hohe See konstruiert worden.

Wie aber gelangt das Schiff an seinen neuen Einsatzort?

Eine kurze Einschätzung mit Hilfe von Google Maps liefert folgende Strecke, die erfahrene Seeleute sicherlich gerne korrigieren und/oder ergänzen dürfen: Auf den Rhein. Vor Arnheim Ruder hart backbord (dann fährt man nach steuerbord) in die Ijssel, die gemütlich Richtung Norden schippern, bis die Nije Wijttering in Sicht kommt. Auf der dampfen wir gen Osten, nördlich an Groningen vorbei. Dann Wechsel in den Eemskanaal, der, man ahnt es schon, zur Ems führt. Die spült uns in die Nordsee, an deren Küste (Vorsicht, Watt!) wir uns bis Brunsbüttel vorarbeiten. Dort Einfahrt in den Nord-Ostsee-Kanal. Es folgt nach Kiel ein bisschen Ostsee, vorbei an Fehmarn und Rügen – und dann lockt auch schon Usedom, die Perle Ostvorpommerns!


Zum Frühlingsende: Krokuss (2)

rd | 13. März 2017, 14:44 | 1 Kommentar
Auf Pollarexpedition (Foto: Klaus Oberschilp)

Auf Pollarexpedition (Foto: Klaus Oberschilp)


Kreisliga B, Gruppe 1

rd | 12. März 2017, 22:57 | keine Kommentare
Eine Glanzparade des Klever Torhüters verhindert ein Tor der Gastgeber – insgesamt aber war es nicht der Tag der DJK Rhenania. Die SG Keeken/Schenkenschanz behielt mit 5:1 die Oberhand

Eine reaktionsschnelle Fußabwehr des Klever Torhüters verhindert ein Tor der Gastgeber – insgesamt aber war es nicht der Tag der DJK Rhenania. Die SG Keeken/Schenkenschanz behielt mit 5:1 die Oberhand


Tort zum Sonntag: Himbeerfrischkäse

rd | 12. März 2017, 22:48 | 6 Kommentare
Sonnendurchflutetes Himbeerglibber: Die Torte zum Sonntag stammt vom Café Schmidthausen, Keeken

Sonnendurchflutetes Himbeerglibber: Die Torte zum Sonntag stammt vom Café Schmidthausen, Keeken


Krokuss

rd | 12. März 2017, 13:01 | 2 Kommentare
Da denkt man, ah, ein Krokusfoto, wird wohl wieder der übliche Frühlingskrokulores sein, und dann: NIMM DAS! (Foto: Klaus Oberschilp)

Da denkt man, ah, ein Krokusfoto, wird wohl wieder der übliche Frühlingskrokulores sein, und dann: NIMM DAS! (Foto: Klaus Oberschilp)

Wenn jüngere Menschen dieses fast schon psychedelisch wirkende Foto beschreiben müssten, würden sie vermutlich sagen: Der Farbklecks in der Mitte sieht so knallorange aus wie der aus der Werbung für die Fernseher der Bravia-Serie von Sony.

Dann aber sollten wir, die älteren Menschen, sanft darauf hinweisen: Hey du, der du noch grün hinter den Ohren bist: Die Natur, in diesem Fall das Innenleben einer Krokusblüte, war Millionen Jahre früher da! Und sie macht es besser. Jahr für Jahr.


Wichtige Information für die Stadt Kleve und Plan International

rd | 10. März 2017, 15:08 | 40 Kommentare

Stoppt! Diesen! Wahnsinn! Sofort!

Wer immer genehmigt hat, dass diese in leuchtend blauen Jacken gekleideten Spendenkoberer die Fußgängerzone blockieren und sehr, sehr penetrant jeden anquatschen, der nicht schnell genug vorbeirennt, sollte sie auch persönlich wieder verscheuchen müssen! Und der Organisation, die sich ja wohl dem Kindeswohl verschrieben hat, sei angeraten, dass sie keinen Kindesmissbrauch betreiben und stattdessen dafür sorgen sollte, dass dieses beklagenswerte Fußgängerzonenpersonal einem vernünftigen Beruf (Bäcker, Tischler, Automechaniker, um nur einige Beispiele zu nennen) nachgehen kann. Damit wäre der Menschheit vermutlich ein größerer Gefallen getan. Bis dahin kann die kleveblog-Redaktion von Plan International, Spendensiegel hin oder her, nur abraten – die haben nicht alle Tassen im Schrank!


Wohin am Wochenende? (10)

rd | 10. März 2017, 14:55 | 1 Kommentar
So sah Berlin vermutlich in den 20-er Jahren aus: Überall Frauen mit Zylindern, Kontrabassisten und mechanische Schreibmaschinen, an  denen Billy Wilder und Kollegen Kriminalberichte verfassten (Foto: Stadt Kleve)

So sah Berlin vermutlich in den 20-er Jahren aus: Überall marlenedietrichartige Frauen mit Zylindern, Kontrabassisten und mechanische Schreibmaschinen, an denen Billy Wilder und Kollegen Kriminalberichte verfassten (Foto: Stadt Kleve)

Wer sich nicht für Basketball interessiert, kommt an diesem Wochenende auf seine Kosten. Wer wohl, erst recht.

Freitag, 20 Uhr: Blues (Culucu)

Dass England dem Blues eine neue Chance gibt, ist verständlich (Stichwort Brexit). Wie sich das anfühlt und anhört, können Besucher des Culucu (Rindern) heute Abend beim Konzert von Howling Mat (zu Deutsch: heulende Matte) erleben. Sicher nicht lustig.

Samstag, 9 Uhr: Bücherflohmarkt (Stadtbücherei)

Wer immer schon auf der Suche nach einem Windows-95-Handbuch und vergleichbaren Kostbarkeiten war, wird am Samstag von 9 bis 14 Uhr in der Stadtbücherei fündig – beim großen Bücherflohmarkt, mit dem schon traditionsgemäß große Teile des Bestandes veräußert werden, damit Platz für Neues geschaffen wird – zum Beispiel für Windows-98-Handbücher.

Samstag, 18:15 Uhr: (Hoffentlich:) Kein Blues (Sporthalle Stein-Gymnasium)

Blues ganz anderer Art erleben zurzeit die Basketballer des VfL Merkur Kleve. Sie spielen ganz gut, verlieren aber immer. Am vergangenen Wochenenende sogar völlig überraschend in Goch. Doch am Samstag Abend wollen die verbliebenen Merkur-Riesen (Pitzner immer noch verletzt, Willemsen immer noch auf Bildungsreise) den Blues hinter sich lassen und einen der direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt, ART Düsseldorf, schlagen. Das Spiel ist ausverkauft. Allerdings hat der Hauptsponsor der Klever, die Müllverwertungsfirma de Loreyn, in der Golden-Recycling-Lounge noch einige Plätze freigeräumt. Dort servieren leicht bekleidete Damen schwere Getränke. Oder umgekehrt. Spielbeginn: 18:15 Uhr. Danach spielt die zweite Mannschaft gegen die Walsum Beavers. Die Bieber sind das Schlusslicht der Tabelle.

Samstag, 20 Uhr: Früher war auch Scheiße (Theater im Fluss)

Ein bewusst provokanter Titel! Früher war alles besser? „Nein“, sagt die Jugendtheatergruppe Melange. Deshalb heißt ihr Stück „Früher war auch scheiße“. Die Theatercollage gibt Einblicke in die Gedanken- und Lebenswelt der Teilnehmer. Waren Beziehungen nicht immer schon schwierig? Gab es nicht schon immer Gründe sich sein Leben zu nehmen? Hat man nicht allen Grund, sein Leben jetzt in die Hand zu nehmen? Tiefgründig, konfrontierend, aber auch mit Humor und mit viel Enthusiasmus spielen 9 junge Frauen und ein junger Mann Minidramen, die nicht frei sind von Generationenkonflikten. Ausgehend von Inszenierungsideen des biographischen Theaters liefert der Theaterpädagoge Severin Roth seine zweite Regie in diesem Jahr bei Theater im Fluss ab.

Samstag, 20 Uhr: Ein rätselhafter Schimmer (Stadthalle)

Robert Nippoldt und das Trio Größenwahn nehmen die Zuschauer mit Live-Zeichnungen, Gassenhauern und Chansons von Marlene Dietrich, Friedrich Hollaender, der Dreigroschenoper bis hin zu den Comedian Harmonists mit auf eine bild- und tongewaltige Zeitreise. Präsentiert wird das Berlin der 20-er Jahre in einer poetischen Amüsierschau. Eintritt: 12 Euro.

Husky (10.03. 19:17): Hey, nichts gegen Windows 95....

Früher Hase fängt die Möhre: Architekten Hülsmann & Thieme preschen mit Minoritenplatz-Planung vor!

rd | 10. März 2017, 12:54 | 38 Kommentare
Blick aus der so genannten „Wallgrabenzone“ (Visualisierung Hülsmann & Thieme)

Blick aus der so genannten „Wallgrabenzone“ (Visualisierung Hülsmann & Thieme)

Viel Bau, wenig Platz: Blick von oben auf den Minoritenplatz (Visualisierung: Hülsmann & Thieme)

Viel Bau, wenig Platz: Blick von oben auf den Minoritenplatz (Visualisierung: Hülsmann & Thieme)

Früher Hase fängt die Möhre: Zwar läuft gerade erst die Bürgerbeteiligung für die Planung des Minoritenplatzes, aber manche haben schon fertige Konzepte in der Schublade! Die Klever Architekten Hülsmann, Thieme & Minor (HTM-Architekten) stellten heute ihre Pläne für die Bebauung der großen Lücke im Herzen der Stadt vor. Zusammengefasst: Viel Bebauung (3415 Quadratmeter Gewerbefläche, Architekten wollen halt bauen) und wenig Platz (1000 Quadratmeter) – orientiert an der städtischen Variante C. Keine Autos mehr im Blick (185 Tiefgaragenstellplätze).

Hier im Originaltext, was die Architekten ausgeheckt haben:

Die Bebauungs- und Nutzungsstruktur des Quartiers und die Struktur seiner neuen Wege, Sichtachsen und öffentlichen Räume, soll sich in die vorhandene Nachbarschaft einfügen. Eine optimale Ausrichtung der Baukörper ist zwingend notwendig. Die damit verbundene beste Belichtungssituation für jede einzelne Wohnung, in Verbindung mit unserem Standort, wurde umgesetzt. Bei der Suche nach der Typologie der Gebäude stand die Gliederung der Gebäude und Gebäudevolumen im Vordergrund. Sämtliche Fassadenmerkmale thematisieren die konstituierenden, architektonischen Elemente, wie Sockel, Fassade und Satteldach. Die Struktur des Tragenden im Erdgeschoss. Die unterschiedlichen Fassaden als ästhetische Dimension, als Zeichen des Gestaltungswillens. Das Dachgeschoss, inklusive Satteldach ist leicht aufgebaut, und bildet einen deutlichen Abschluss.

  • 2 Gebäudekomplexe mit insgesamt 8 Giebeln. Jeweils in Nordausrichtung 4 Giebel zur Wallgrabenzone und 4 zur Minoritenstraße in Südausrichtung. Überbaubare Fläche orientiert sich an der Bebauungsvariante C. Die jeweiligen Baufenster werden erdgeschossig überbaut.
  • Ab der Obergeschossebene organisieren sich 2 Gartenhöfe. In Nord-Süd Richtung optimal belichtet. Zugänglich ausschließlich für Bewohner der Wohnhäuser von der Minoritenstraße.
  • 75 % öffentlich geförderter Wohnraum (ca. 60 Wohnungen). 25 % frei finanzierter Wohnraum (ca. 20 Wohnungen).
  • In der Längsausrichtung der Gebäude drücken sich die Balkone Wohnungen (dieser Satz bedarf einer Übersetzung, die gerne nachgereicht wird, sobald sie vorliegt).
  • Maximale Aufweitung der Gartenhöfe bis auf ca. 23 Meter.
  • Grünachse und Wasserlauf verlaufen in Ost-West Richtung.
  • Erschließung der Gewerbeflächen im EG durch Toröffnungen

Halbe Million in bar erbeutet! Dreistester Betrug seit langem, Polizei fahndet

rd | 09. März 2017, 17:56 | 26 Kommentare
So sehen zwei der (vermutlich) vier Täter aus, die den älteren Mann um ein Vermögen erleichterten

So sehen zwei der (vermutlich) vier Täter aus, die eine älteren Person um ein Vermögen erleichterten

Es ist der wohl dreisteste Betrugsfall in der Klever Kriminalgeschichte: Eine Gruppe von (vermutlich) vier Tätern brachte eine ältere Person mit einer perfiden Masche dazu, eine halbe Million Euro von seinem Konto abzuheben und den Tätern, die sich als kriminalbeamte ausgaben, in zwei Übergaben in der Gasthausstraße in bar auszuhändigen. Selbst ein misstrauisch gewordener Mitarbeiter der Sparkasse konnte nicht verhindern, dass das Opfer das Geld von seinem – angeblich nicht mehr sicheren – Konto abhob und mit nach Hause nahm. Jetzt fahndet die Polizeio mit zwei Phantombildern nach den Betrügern (denen die Redaktion alles Schlechte dieser Welt wünscht). Hier die Pressemitteilung der Polizei zu dem Fall:

Am Sonntag (5. Februar 2017) gegen 19 Uhr erhielt eine ältere Person aus Kleve einen Anruf von einem unbekannten Mann. Der Anrufer gab sich als Kriminalbeamter aus und fragte nach persönlichen Bankdaten. [Es gehe um einen Abgleich, da diese in Zusammenhang mit einem anderen Delikt aufgetaucht seien. Der Anruf eines „Kollegen“ wurde angekündigt.] Kurz darauf meldete sich ein anderer Anrufer, der sich ebenfalls als angeblicher Kriminalbeamter ausgab. Der Anrufer forderte die geschädigte Person dazu auf, eine größere Summe Bargeld abzuheben, um es später der Polizei zu übergeben. Die Übergabe an den vermeintlichen Kriminalbeamten erfolgte nach mehreren Telefonaten am Samstag (11. Februar 2017) gegen 13.30 Uhr sowie bei einer zweiten Übergabe an einen anderen Täter am Dienstag (21. Februar 2017) gegen 19.00 Uhr. In beiden Fällen fand die Übergabe auf der Gasthausstraße statt.

Der Täter der ersten Übergabe war etwa 30 Jahre alt, ca. 1,72 m groß und schlank. Bekleidet war er mit einem weiß-blauen Anzug, ähnlich einem Jogginganzug. Nach Einschätzung des Opfers handelte es sich um einen Deutschen mit dunklen Haaren. Der Täter der zweiten Übergabe war etwa 28 Jahre alt, 1,60 bis 1,65 m groß und schlank. Er hatte dunkle nackenlange Haare und war dunkel gekleidet.

Wem sind zu den genannten Tatzeiten auf der Gasthausstraße verdächtige Personen oder Fahrzeuge aufgefallen? Hinweise bitte an die Kripo Kalkar unter Telefon 02824-880.


Aus der Geschäftswelt: Vielen Dank für die Blumen, und Pupille bald zu

rd | 09. März 2017, 12:43 | 9 Kommentare
Trauerfloristik in eigener Sache: Blumenstiel, Hagsche Straße, schließt

Trauerfloristik in eigener Sache: Blumenstiel, Hagsche Straße, schließt

Da schaut man einmal zwei Wochen nicht hin, und schon erscheint die Klever Geschäftswelt reichlich verändert. Was uns am besten dort beginnen lässt, wo sich nichts verändert hat – im dm-Markt am EOC. Die Drogeriefiliale wurde wochenlang umgebaut, hat nun wieder eröffnet – und Stammkunden suchen verzweifelt nach etwas, das sich geändert hat. Allein, es scheint, die Drogeriekette, die so nett menschelnd daherkommt, hat alles einmal auseinandergenommen und hinterher genauso wieder aufgebaut. + + + Mal sehen, ob Intersport in der Nachbarschaft ähnlich verfährt. Wahrscheinlich aber nicht, denn im Zuge des Umbaus sind die Leuchten der alten Ladenfiliale schon im Internet angeboten worden. + + + Vielen Dank für die Blumen! Doch nicht einmal der Valentinstag konnte den Floristen Blumenstiel in der oberen Hagschen Straße retten. Am 14. März ist Schluss, damit steht eine 50.000-Einwohner-Stadt mal wieder ohne Blumengeschäft in der City da, keine guten Voraussetzungen für spontanromantische Anfälle. + + + Vielleicht setzt der Mann von heute ohnehin nicht mehr so auf Blumen, sondern er bringt seiner Auserwählten besondere Sportwetten mit („Liebling, hier hast du einen Tippzettel mit einem 6:1-Sieg von Barcelona gegen PSG“ – den eine sportverständige Angebetete natürlich sofort in den Müll geworfen hätte), für diese Form der Romantik gibt es jedenfalls eine neue Möglichkeit: In der Kavarinerstraße – dort, wo ehemals die Textilpflege Tip-top beheimatet war, hat der Sportwetten Anbieter Tipico eine Filiale eröffnet. + + + Gerne erinnere ich mich meines alten Jahrgangsstufen Kameraden Ulrich Timmer, der einmal ein ganzes Jahr lang barfuß lief. Das ging ja bekanntlich bereits in der Steinzeit, warum nicht also auch in der Neuzeit? In der neuesten Neuzeit, in der alles bequemer wird, ist das barfuß laufen wieder groß in Mode, in Form von Schuhen, die dem Träger des Gefühl vermitteln, tatsächlich ohne Schuhwerk unterwegs zu sein. Kann man glauben, oder auch nicht, jedenfalls gibt es nun auch dafür in Kleve ein Geschäft, es heißt Leguano und hat gerade an der Großen Straße eröffnet. + + + Abschiednehmen heißt es von einer Institution im Klever Bekleidungshandel: Das Modegeschäft Pupille in der Unterstadt schließt im August, der Inhaber hat das Rentenalter erreicht und fand keinen Nachfolger. Für die gut gelegene Immobilie am Klosterplatz (heißt der so?) wird bereits ein Nachmieter gesucht.


Wohin am Wochenende? (9)

rd | 03. März 2017, 16:42 | 5 Kommentare
Ein Huhndertwasserhaus? Nein, ein Screenshot aus dem sehenswerten Film Tomorrow…

Ein Huhndertwasserhaus? Nein, ein Screenshot aus dem sehenswerten Film Tomorrow…

Freitag, 20:30 Uhr: Don’t let the bugs bite (Tichelhaus)

Im Café de Kroon in Nimwegen 2011 gegründet, seitdem eine Vielzahl mitreißender Konzerte in den Niederlanden – und nun erstmals in einem richtigen Land unterwegs (kleiner Scherz): the don‘t let the bed bugs bite band „brengen graag een aanstekelijke, jeukende, kriebelende mix van jazzy en funky liedjes ten gehore.“ Dazu gehören Interpretationen von Jazzikonen wie Roy Hargrove, Joshua Redman und Tom Harrell, also ganz am Puls der Zeit. Für das Konzert im Casa Cleve nimmt das Septett zusätzlich Stücke von Musikern wie Mark Guiliana, Kamasi Washington und Omer Avital ins Programm auf, also Musiker, die sich ernsthaft vorgenommen haben, den Jazz wieder hip zu machen. (Eintritt: 12 Euro)

Samstag, 18 Uhr: TV Goch – VfL Merkur Kleve (Sporthalle Gesamtschule)

Allenfalls Außenseiterchancen hat der TV Goch im Heimspiel in der Basketball-Landesliga gegen den VfL Merkur Kleve. Beide Mannschaften haben jeweils eines der letzen beiden Spiele gewonnen. Der Aufsteiger leistet sich sogar den Luxus, auf einen seiner Leistungsträger zu verzichten – Martin Willemsen absolviert auf Geheiß seines Trainers eine Fortbildungsreise ins Mutterland des Basketballs, um mit den dort gewonnenen Eindrücken den Klever Basketball noch überlegener zu machen. „Für Goch sollte unser System Jazmati reichen“, zeigt sich Coach Ralf Daute, ein gewiefter Taktiker, entspannt. Jazmati selbst wiederum hat die Freiheit, die Systeme „Orlando“ und „Miami“ aufzurufen. Der Vorteil: Da nicht einmal die Klever Mitspieler wissen, worum es sich dabei genau handelt, können auch die Gegner nichts vorhersehen – und am Ende schlägt es wieder einmal ein.

Samstag, 20 Uhr: 100 Meter Luftpolsterfolie (Radhaus)

„Ich habe meinen Lieblingspyjama an, den gelben mit den Fotos von mir drauf, damit potentielle Einbrecher denken, ich wäre viele und dann Angst bekommen.“ Es geht bei Sandra Da Vina um den Zustand der Welt, der Liebe und um H&M-Umkleidekabinen. Der Name des Programms ist Programm: Hundert Meter Luftpolsterfolie, diese kindliche Freude am Kaputtmachen, aber auch diese innere Leere, wenn die Luft raus ist – aus der Beziehung, aus der Freundschaft, aus dem Leben. Da Vinas Worte knistern und knallen, ihre Geschichten machen Lärm und sind dann wieder ganz leise. (Eintritt Abendkasse: 6 Euro, Vorverkauf (Buchhandlung Hintzen) 5 Euro)

Sonntag, 11 Uhr: Tomorrow (Tichelpark Kinos)

Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen. Und wenn ich wüsste, dass heute die Welt untergeht, so würde ich doch morgen ein Apfelbäumelein pflanzen, sinnierte einst der Große Reformator Martin Luther King. Man sieht, das Morgen hat Konjunktur! Aus heutiger Sicht aber erst ÜBER-morgen, also am Sonntag zeigen die Tichelpark Kino in der Sonntagsmatinee den Film „Tomorrow“, wie in der englischsprachigen Welt das Morgen allgemein bezeichnet wird, wenn vom folgenden Tag die Rede ist (das andere, (Sonnenaufgangs-)Morgen heißt morning, nicht zu verwechseln mit mourning, was trauernd heißt). Der Morgen Land wiederum würde bei den Engländern und Amerikanern Acre heißen und entspricht einer Fläche von 4047 Quadratmetern, wohingegen der klassische Morgen bei uns meist mit einem halben Hektar gleich gesetzt wird (also lieber nachfragen, bevor ein Grundstück gekauft wird, sonst erlebt man womöglich eine böse Überraschung)

… aber halt, wo war ich eigentlich?, ach ja,…

Tomorrow Die Vereine Oregional Rhein-Waal e.V. und Bio-Region-Niederrhein e.V. laden gemeinsam und mit Unterstützung durch den KV Bündnis 90/Die Grünen erneut zu einer Filmmatinee ein! Tomorrow ist ein mitreißender Dokumentarfilm aus Frankreich, der beweist, dass aus einem Traum Realität werden kann, sobald Menschen aktiv werden.

Frage: Müsste der Streifen nicht eigentlich Demain heißen?

(Eintritt: 5 Euro)

kleveblog-Info: Berühmte Kultursachen mit „Morgen“

Tomorrow never dies – MI5 live
Morning has broken – schönste Langnese-Werbung ever


Minoritenplatz: Ist der Klevische Knoten durch?

rd | 03. März 2017, 15:32 | 55 Kommentare
Bald wird der Minoritenplatz auch in Düsseldorf ein Begriff sein – zumindest vor Gericht

Zeit lassen – sagt Max Knippert. Warum?

(Ein Gastbeitrag von Max Knippert, Künstler, zur Offenlage der neuen Pläne für den Minoritenplatz.)

Ist der Klevische Knoten durch? Noch nicht, würde ich sagen, aber das Schwert hängt bereits in der Luft.

Der Minoritenplatz befindet sich vermutlich nach ca. 65 Jahren auf der planerischen Zielgraden.

Die gutachterliche Stellungnahme zur städtebaulichen Entwicklung des Minoritenplatzes in Kleve durch Kunibert Wachten, ist den nicht müde gewordenen Klevern bekannt, und der Prüfantrag zum Hundertwasserhaus liegt auch auf dem Tisch. Jetzt hat das zweiwöchige, beschleunigte Verfahren zur Offenlage begonnen.

Warum diese allerdings „beschleunigt“ sein musste, erschließt sich mir nach den Jahrzehnten der bisherigen Planung nicht. Vermutlich also haben jetzt alle Klever ein letztes Mal die Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern. Dieser Gastbeitrag soll dazu ermuntern. Am 18.3.2017 ist es vorbei! (Der Link zur Offenlage findet sich am Ende des Textes.)

Auf Basis der vom Rat beschlossenen Eckpunkte, sowie aus der Kritik und den Anregungen aus der Bürgerschaft hat Kunibert Wachten seine Argumente formuliert, kommt gleich zu Beginn zur Sache und betont, dass der Minoritenplatz bebaut werden sollte. Ich ergänze hier das Argument von Arnold Voss, einem weiteren Städteplaner, der der Einladung ins Haus Koekkoek nachgekommen ist. Arnold Voss hob seinerzeit hervor, das eine Bebauung eine zentrale Aufgabe erfüllen muss – nämlich den Rathausplatz wie einen Diamanten zu fassen. Wenn denn überhaupt gebaut werden sollte.

Kunibert Wachten hat seine Argumente für eine Bebauung unter anderem so zusammen gefasst:

  • Die Waalgrabenzone sollte eine Fassung erhalten und als grünes Band die Altstadt umschließen.
  • Die Innenstadt soll im Norden einen Abschluss, ein Gesicht zeigen aber gleichzeitig soll das Quartier die Funktion eines Gelenk zur Hochschule erhalten.
  • Eine funktionale Nutzung mit entsprechenden Angeboten soll erfolgen.
  • Durch das Privileg, das sich die Fläche in eigener/unserer Hand befindet, sollen Impulse für die Stadtentwicklung realisiert werden.
  • Innerstädtisches Wohnen und Nutzungen sollen möglich sei, am besten in Verbindung mit der Hochschule.
  • Öffentliche Räume, attraktive Gassen- und Straßenräume und ein repräsentativer und offener Platz vor dem Rathaus soll entstehen.
  • Eine hohe Gestaltqualität wird eingefordert, um der besonderen Lage gerecht zu werden.

Weitere Gesichtspunkte im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens:

  • Minoritenplatz ist die wichtigste Potenzialfläche für die Stadtentwicklung
  • Verflechtungen mit den angrenzenden Stadträumen von der Waalgrabenzone bis zur Große Straße und von der Kavarinerstraße bis zum Spoykanal = Rahmenplan
  • Zwei Baufelder (ca. 2000 Quadratmeter), ein Platz auf der Ostseite des Rathauses, der den Trakt des Ratssaals mit der Wallgrabenzone in Verbindung bringt
  • Eine gestaltete Fläche auf der Westseite des Rathauses, die nicht (nur) dem Parken dient
  • Ein gestalteter Freiraum am „Netelenhorst“
  • Mischnutzungen und funktionale Vielfalt (diese Multifunktion wurde bereits durch Astoc herausgestellt)
  • Zur Wallgrabenzone sollten die Baufelder eine parallel verlaufende, klare Kontur zeigen, Rücksprünge in der Kontur zum Rathausplatz wie auch zum „Netelenhorst“ sollten gestalterisch geprüft werden
  • Die Verbindung mit dem Spoykanal ist eine der wenigen Stellen im Stadtgefüge gegeben, an denen die „Innenstadtgrenze“ markant in Erscheinung tritt
  • geneigte Dächer, vorrangig drei- bis viergeschossige Bebauung; es sollten aus stadträumlichen Gründen an ausgewählten Stellen auch gestalterische Akzentuierungen mit höhergeschossigen Bauteilen möglich sein, was aber ebenfalls einer sorgfältigen Prüfung bedarf
  • Nneue Bebauung vermittelt zwischen den beiden Polen Rathaus und Volksbank
  • Innenhöfe der Baufelder sollten Begrünungsöglichkeiten aufweisen; Erdgeschosszonen können (könnten?) bei einer entsprechenden Begrünung ihrer Dachflächen im Inneren der Baufelder ganz bebaut werden.
  • gestalterischen Vielfalt & gemischte Nutzungen kleine Wohnungen, die auch mit Service-Angeboten kombiniert werden können
  • Wichtig: Ein kleines Netz öffentlicher Räume, das die Durchlässigkeit des Areals garantiert, damit es seine Funktion als Gelenk innerhalb des Stadtgefüges wahrnehmen kann
  • Der Rathausplatz rund 1.500 qm und die Freifläche am „Netelenhorst“ rund 800 qm. Wichtiger als die Größe ist jedoch die Nutzbarkeit und Ausstrahlung des Rathausplatzes. Er sollte repräsentativen Charakter haben, kleinere Veranstaltungen möglich machen und auch zum Aufenthalt einladen.

Der Rathausplatz sollte ein befestigter Platz mit nur wenigen Bäumen werden, während die Fläche am „Netelenhorst“ einen grünen Charakter aufweisen sollte. Denn am „Netelenhorst“ sind die kleinen Höhenunterschiede des Terrains und die Zufahrt zur Volksbank über einen Platz nicht so gut gestalterisch zu bewältigen wie über eine Grünflüche, die Geländemodellierungen zulässt. Für die Festlegung des Gefüges der öffentlichen Räume, ihrer Gestaltung und Konturierung der Baufelder sollten unabhängig vom Bebauungsplan verschiedene Entwürfe erarbeitet werden.

In diesem neuen Areal sollten keine oberirdischen Stellplätze liegen. Seine Lage ist zu bedeutsam und die Flächen sind zu knapp, um sie dem „Parken“ zuzuordnen. Hans Hoorn ha dies in der Stadthalle ebenso ausdrücklich und wiederholt angemahnt. Deshalb muss der Stellplatzbedarf, der aus den neuen Nutzungen resultiert, und der öffentliche Stellplatzbedarf in einer oder zwei Tiefgaragen abgedeckt werden, die bei zwei aber eine gemeinsame Zufahrt haben sollten. Dabei ist auch die Anschlussmöglichkeit der bereits vorhandenen Garagen zu prüfen. Dies ist eine deutliche Erschwernis für Bauinvestitionen, die Bedeutung des Standortes rechtfertigt aber diesen Aufwand.

Für den Bebauungsplan bedeutet dies: Die Umrisse der Baublöcke sind gestalterisch sorgfältig zu entwickeln und dann über Baulinien definitiv festzulegen. Ebenso sollte die Anzahl der Vollgeschosse eindeutig definiert werden und auch ein Ausschluss von Zufahrtsmöglichkeiten in die Tiefgarage an den „prominenten“ Lagen innerhalb des Areals. Vom Charakter her weist das Areal Kerngebietsfunktionen auf. In diesem Rahmen ist der hohe Wohnanteil zu begründen. Es wird erforderlich sein, in den textlichen Festsetzungen und in begleitenden Festsetzungen über Ortssatzungen die Baugestalt, die Dachformen und den Grad der Begrünung zusätzlich zu regeln.

Alle Klevern haben diese Argumente irgendwie von irgendwem, irgendwann sicher schon mal gehört, aber in dieser Zusammenfassung dürfte es wohl einmalig sein?

In dem Wachten-Gutachten ist meiner Meinung nach eines von zentraler Bedeutung: Die durchweg notwendige hohe Gestaltungskompetenz für einen Gesamtentwurf, sowie Mehrfachbeauftragung und/oder (Studenten)Wettbewerbe. Was auch zentral ist, das gebaut werden soll. Aber Bauen Müssen ist nun mal kein Naturgesetz. Man kann in Urlaub fahren, muss es aber nicht.

Ich möchte nochmals Arnold Voss wiedergeben. Kleve habe das unglaubliche Glück gehabt, zum Standort einer Hochschule zu werden und diese gilt es proaktiv am Minoritenplatz zu berücksichtigen, ebenso wie sowie der Umstand, überhaupt über eine Freifläche zu verfügen, die als Gelenk gestaltet werden kann. Darüber hinaus gilt es, meiner Meinung nach unsere Stadt weiter Richtung Niederlande auszurichten. Das ist pures Entwicklungspotenzial. Was hochwertige Stadtplanung angeht, sind unsere niederländischen Nachbarn Weltspitze. Hans Hoorn hat es in der Stadthalle anklingen lassen. Das sollte bei der Planung, auf Grundlage unserer Niederrheinländischen Vergangenheit und Zukunft unbedingt Berücksichtigung finden.

Was fehlt bisher bzw. nach wie vor?

  • die klare Definition, WARUM überhaupt gebaut werden soll
  • Gutachten zur Parkraumsituation in der Gesamtunterstadt/Tiefgarage
  • Gutachten zum zusätzlichen Verkehrsaufkommen in der Hafenstraße und Unterstadt
  • Prüfantrag der Zusammenlegung von VHS und Stadtbücherei
  • Auskunft der Verwaltung zur Zukunft des Edeka-Gebäudes (es gibt bereits konkrete Planungen!)
  • Größe und Form des Rathausplatzes
  • Berücksichtigung der Interessen von Kinder & Jugendlichen und Studenten sowie Senioren
  • Einbindung der Hochschule
  • Einbindung der Kirche bezüglich Rundgangs (Kavarinerstraße zum Klosterplatz)
  • Außenkonzept inklusive der landschaftsarchitektonischen Planung am Minoritenplatz als Gelenk zwischen Tier- und Forstgarten zu den Galleien/Kermisdahl
  • (Gestern wurde allerdings dem Kulturausschuss eine Skulptuurenachse für die Wallgrabenzone vorgestellt, die mir persönlich ausgesprochen gut gefällt.)

  • die erforderlichen textlichen Festsetzungen und begleitende Festsetzungen zu Baugestalt, zu Dachformen und zum Grad der Begrünung
  • Sachverständige, die mögliche Vorschläge professionell analysieren und bewerten (Hans Hoorn? Gestaltungsbeirat?)

Dass in Kleve das Wort Gestaltungsbeirat immer noch ein No-Go darstellt ist von Vorgestern. Im neuen Baukulturbericht, für Mittelstädte wie Kleve, steht explizit diese Empfehlung. Im April wird das Rathausumfeld Richtung Kavarinerstraße gebaut. Warum warten wir nicht erst einmal ab, bis dieses und die Megabaustellen (Union, Bensdorp, Stadthallenumfeld, Zwanzigergelände und Bahnhofsumfeld u.a.) abgeschlossen sind?


Eine Orgie des Wohlgefallens

rd | 02. März 2017, 20:12 | 10 Kommentare
Großes Theater. Unter den 200 Zuschauern auch Ex-Bürgermeister Theo Brauer, der sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollte

Großes Theater. Unter den 200 Zuschauern auch Ex-Bürgermeister Theo Brauer, der sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollte

Es war eine dieser Ratssitzungen, die eine dampfig-wohlige Wärme ausstrahlten. Der WDR war vor Ort, geschätzte 200 Zuschauer, und unter der Decke hing noch Karnevalsdekoration. Am Ende, nach nicht einmal einer Stunde, fällten die Stadtverordneten einstimmig den Beschluss, dem Konrad-Adenauer-Gymnasium zu Beginn des neuen Schuljahres ausnahmsweise einen vierten Klassenzug zu ermöglichen, so dass jedes Kind aus Kleve, Kranenburg und Bedburg-Hau, dass im Sommer auf eine weiterführende Schule wechselt, exakt jene Schulform besuchen kann, die seine Eltern für richtig erachten. Im Großen und Ganzen also eine Orgie des Wohlgefallens, an deren Ende sich alle, die daran beteiligt waren, zufrieden auf die Schulter klopfen konnten.

Wolfgang Gebing, Fraktionsvorsitzender der CDU, sagte zu Beginn der Sondersitzung in der Mehrzweckhalle Materborn: „Wir wollen mit dieser Ratssitzung versuchen, eine Lösung zu finden, mit der der Elternwille umgesetzt werden kann.“ Petra Tekath (SPD) krittelte ein wenig an den Eltern herum, die ihren Kindern zu ehrgeizige Bildungsgänge verordneten, was aber nicht hundertprozentig verständlich war. Hedwig Meyer-Wilmes (Grüne) bemängelte, dass aufgrund einer städtischen Pressemitteilung der Eindruck erweckt wurde, dass das Anmeldeverfahren ein Lotteriespiel sei. Es gab noch drei, vier weitere Wortmeldungen, wobei Daniel Rütter (FDP) die Lacher auf seiner Seite hatte: „Schulwechsel hat es immer gegeben, das ist mir auch passiert, und aus mir ist auch etwas geworden, ich bin in der FDP gelandet.“


kleveblog-history: Wir haben den Kanal noch lange nicht voll

rd | 01. März 2017, 16:44 | 10 Kommentare
Als Jan de Beyer über die Spoy Richtung Burg blickte, war der Kanal schon ein halbes Jahrtausend alt

Als Jan de Beyer über die Spoy Richtung Burg blickte, war der Kanal vermutlich schon ein halbes Jahrtausend alt (Bild: Stadtarchiv Kleve)

(Als einer der Autoren der großen NRZ-Serie zum Stadtjubiläum hatte ich das Vergnügen, mich mit der Geschichte des Spoykanals beschäftigen zu dürfen. Der Beitrag ist am Samstag in der Zeitung erschienen (hier der Link: Kleves teurer Weg zum Rhein), hier gibt es ihn jetzt auch:)

Die strategisch günstige Lage am Kliff brachte der Stadt einen schweren Nachteil ein – die Anbindung ans Wasser war mit hohem Aufwand verbunden. Der Spoykanal war die Lösung

Als Kleve in den Jahren 1427/28 Holz für den Bau des Glockenstuhls der Stiftskirche benötigte, wurde dies über den Rhein angeliefert – bis zur Spoy (das Wort bedeutet Schleuse), also bis zum heutigen Brienen. Dort musste das Baumaterial auf Karren verladen und zur Baustelle transportiert werden. Es gab zwar einen Wasserweg bis in die Stadt, doch der „Spoygraben“, wie er damals noch hieß, konnte nicht benutzt werden. „Want men doir die Spoy niet en mocht, want to droigh was“, so ist es in einem Dokument verzeichnet. Die Schifffahrt auf dem Wasserweg, der den Kermisdahl mit dem Rhein verband und somit die Stadt an den wichtigsten Transportweg überhaupt anschloss, war also wegen Niedrigwassers unmöglich. Und man sieht, die heutigen Probleme der Stadt mit Schleuse und Kanal hatten schon vor Jahrhunderten vergleichbare Vorläufer.

Kleve im Mittelalter war zwar in erster Linie eine Residenzstadt, doch nach und nach entwickelte sich auch die Kaufmannschaft. Friedrich Gorissen schreibt in seiner Dissertation: „Im Stadtrechtsprivileg von 1242 und in den späteren Bestätigungen dieses ältesten Stadtrechtsurkunde ist ausdrücklich die Rede von Kaufleuten und deren Recht auf freie Durchfahrt an den großen klevischen Flusszöllen. Das Stadttor am Ende der Kavarinerstraße hieß 1361 ‚Lombardentor‘ (porta Lombardorum), offensichtlich weil in dieser Straße Geldhändler (‚Lombarden‘) lebten; tatsächlich wird hier bereits 1342 ein offensichtlich aus Cahors in Südfrankreich stammender Hermann Kauwersin, der ein solcher Geldhändler gewesen sein dürfte erwähnt. Nach ihm, bzw. seiner Herkunftsstadt ist die Kavarinerstraße benannt worden.“

Das Handwerk in der Stadt war im 14./15. Jahrhundert in elf Gilden organisiert. In der ersten Gilde waren beispielsweise Bäcker, Brauer, Fettwarenhändler, Müller und Müllerknechte vertreten, in der sechsten die Gerber, Lederarbeiter und Schumacher, in der elften die Ackerleute und ihre Knechte. Die Gilden jeweils setzten Regelwerke auf, die es zu befolgen galt. So verpflichteten sich die Schuster, für einen Zeitraum von 101 Jahren weder vor dem Aufgang der Sonne noch nach deren Untergang bei Kerzenlicht Schuhe zu nähen. Verstöße wurden mit einem Bußgeld geahndet, das zu einem Drittel für den Bau der Stadtmauer verwendet wurde, zu einem Drittel den Richtern und Schöffen zufloss und zu einem Drittel der Gilde selbst.

Reichtümer konnten die Werktätigen nicht anhäufen, die meisten lebten am Rande des Existenzminimums. Wem selbst das nicht gelang, für den blieb das Gemeine Gasthaus am Brücktor, das sich der Armenfürsorge verschrieben hatte. (Daher rührt übrigens der heutige Straßenname Gasthausstraße – mit Gastronomie hat er nichts zu tun.)

Die Wirtschaft litt darunter, dass Kleve vom Hauptverkehrsweg der damaligen Zeit, dem Wasser, abgeschnitten war. Die Stadt hatte, so würde man es heute ausdrücken, ein Infrastrukturproblem. So günstig wie Lage am Hang für die Burg war, so ungünstig war die Entfernung vom Rhein für das Gewerbe. Im 14. Jahrhundert war Griethausen der Hafen von Kleve. Aber das Dorf war eine halbe Tagesreise entfernt.

Im ausgehenden Mittelalter wird in den Quellen dann erstmals der Spoykanal erwähnt – eben auch, weil in den Dokumenten aus der damaligen Zeit verzeichnet ist, dass er zeitweise nicht befahrbar war. Klar ist, dass die Wasserstraße, die Kleve auch einige Kilometer vom Rhein entfernt zu einer Hafenstadt werden ließ, ein Bauprojekt der städtischen Bürgerschaft war. Friedrich Gorissen berichtet, dass die Stadt 1432 den Antonitern in Hau eine jährliche Erbrente von zehn Gulden zusicherte – und dafür im Gegenzug sofort 200 Gulden erhielt, die zur Abtragung von Bauschulden benötigt wurden.

Die Verbindung war bis ins 17. Jahrhundert allerdings nur für kleine Kähne nutzbar, wenn überhaupt. Dann gab es eine erste Phase der Bautätigkeit in dessen Folge im Dezember 1658 „der Klevische Statthalter Johann Moritz von Nassau zu Schiffe nach s’Hage [fuhr] und bei dieser Gelegenheit der Erste die neu angelegte Spoyschleuse [passierte], wie ein Biograf des Fürsten berichtet.

Richtig voran ging es gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als der Spoygraben nochmals vergrößert und auch die Schleuse neu errichtet wurde. Der Bau kostete 72.000 Klever Taler, mit der Errichtung wurde der aus Amersfoort stammende Werkmeister Franz van der Leen beauftragt. Die Entlohnung war relativ einfach. Für jeweils 1000 gelegte Steine bekam er einen Dukaten. Am Ende waren es 350.000 Steine. Die Stadt übernahm auch die Verpflegung der Bauarbeiter, für sie gab es unter anderem insgesamt 25 Tonnen Bier. Die Frau des Baumeisters erhielt zudem einen silbernen Becher mit dem Klever Stadtwappen.

Die Schleuse in Brienen, um deren Erhalt sich jetzt auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bemüht, ist noch jüngeren Datums. Sie stammt aus dem 19. Jahrhundert – und ist die älteste erhaltene Schleuse in Deutschland. Zu Hochzeiten regelte sie den Durchlass für mehr als 600 Schiffe pro Jahr. Zurzeit ist das marode Bauwerk geschlossen. Selbst wenn die Schleuse saniert und wieder geöffnet werden sollte, hat sie für die Frachtschifffahrt keinen Nutzen mehr. Der Klever Hafen ist der Hochschule gewichen, die Wasserstraße bietet allenfalls noch Freizeitkapitänen die Möglichkeit, bis Kleve zu schippern.

Die Spoyschleuse im Jahre 1757. Ausschnitt einer Karte der Deichschau Kleverhamm des Landmessers Johann Heinrich Merner (Bild: Stadtarchiv Kleve)

Die Spoyschleuse im Jahre 1757. Ausschnitt einer Karte der Deichschau Kleverhamm des Landmessers Johann Heinrich Merner (Bild: Stadtarchiv Kleve)


Wohin am Wochenende (8)?

rd | 25. Februar 2017, 11:43 | 1 Kommentar
Dieses Gemälde von Jongsuk Yoon heißt Insomnia, und m.E. ist der Zustand der Schlaflosigkeit sehr gut getroffen

Dieses Gemälde von Jongsuk Yoon heißt Insomnia, und m.E. ist der Zustand der Schlaflosigkeit sehr gut getroffen (Foto: Museum Kurhaus)

Können wir heute ganz schnell machen. Für den einen Teil der Bevölkerung gibt es Züge (sonntags in Kranenburg und Schneppenbaum/Hasselt), montags in Kleve. Für den anderen Teil der Bevölkerung ebenfalls (stündlich um 12:21 Uhr, 13:21 Uhr; 14:21 Uhr etc.) ab Bahnhof (NordWestBahn, Preisauskunft nicht möglich). Und sonst? Wie wäre es mit:

Samstag, 20:30 Uhr: Globusdance (Culucu)

Die Musik der Welt gibt sich am Samstag, 20:30 Uhr, im Culucu (Rindern) die Ehre. Es darf getanzt werden!

Sonntag, 11:30 Uhr: Öffentliche Führung (Museum Kurhaus)

Das Museum Kurhaus zeigt zurzeit im Salon der Künstler ausgewählte Meister ihres Fachs aus der Region. Und dazu eine Werkschau der koreanischen Künstlerin Jongsuk Yoon (*1965, Onyang). Unter dem Titel „Mind Landscapes“ (Pfefferminzlandschaften) werden farbintensive Malereien und poetische Zeichnungen einen eigenständigen Kosmos ausbilden, in dem sich fernöstliche und europäische Einflüsse unlösbar vermischen. Das Museum schreibt: „Durch ihr Studium an den Kunstakademien Münster und Düsseldorf eng mit den Paradigmen der Moderne vertraut und gleichzeitig tief geprägt von den Traditionen ihres Herkunftslandes, insbesondere hinsichtlich der Landschaftsdarstellungen, verschmilzt die Künstlerin die disparaten Welten zu eindringlichen Bildmetaphern zwischen Traum und Realität.“ Die Führung durch all das, von Brigitte Alex angeboten, ist kostenlos und dauert ca. eine Stunde.

(Das mit den Pfefferminzlandschaften ist ein Karnevalsscherz der Redaktion.)


Hendricks und der Veggie-Zwang

rd | 24. Februar 2017, 17:36 | 33 Kommentare
Barbara Hendricks

Medienumtost: Barbara Hendricks

Dann ist ja alles wieder gut

Dann ist ja alles wieder gut

Sie rettet (vielleicht) das Weltklima, sie kämpft für bezahlbaren Wohnraum, sie bringt die Bauern mit ein paar flapsigen Sprüchen auf die Palme und holt sie wieder runter – und nebenbei füllt unsere Umweltministerin Dr. Barbara Hendricks auch noch die Schlagzeilen des Boulevards, allerdings mit einem reichlich absurden Thema: Wie die Bild-Zeitung zunächst exklusiv berichtete und seitdem mit einigen Übertreibungen und Verdrehungen fortführte, herrscht im Bundesumweltministerium der Zwang, sich vegetarisch zu ernähren.

Naja, fast.

Streng genommen handelte es sich nur um einen Hinweis an die Caterer, die das Haus zu Veranstaltungen heranzieht, nur vegetarische Kost zu liefern. So ein bisschen Symbolpolitik für die Gäste des Haus also (mit gutem Beispiel vorangehen, Umweltministerium = Fleischverzicht).

Was die Ministerin auch brav erläuterte: „Das BMUB schreibt niemandem vor, was er oder sie essen soll. Das ist jedermanns und jederfraus private Entscheidung. Deshalb bietet die öffentliche Kantine des BMUB Menüs mit und ohne Fleisch an. So soll es auch bleiben. Bei Veranstaltungen des BMUB im eigenen Haus, zu denen wir selber Gäste einladen wollen wir jedoch in Zukunft ein klares Zeichen in Richtung Klimaschutz setzen. Wir bevorzugen deshalb bei der Bewirtung unserer Gäste saisonale und regionale Lebensmittel mit kurzen Transportwegen, die aus ökologischem Landbau stammen, und verzichten auf Fisch- und Fleischprodukte. Damit verbieten wir niemandem, Fleisch oder Fisch zu essen, auch unseren Gästen nicht. Aber als Gastgeber bei Veranstaltungen unseres Hauses entscheiden wir selbstverständlich, was auf den Tisch kommt – so wie jeder Gastgeber das tut. Niemand wird bevormundet, wenn er als Gast mit Speisen bewirtet wird, die der Gastgeber für ihn ausgewählt hat – egal, ob mit Fleisch oder ohne.“

Mitarbeiter des Hauses können also auch weiterhin der Fleischeslust frönen, die Kantine bietet jedenfalls nicht nur Vegetarisches. Doch aktuell schaffte es die Ministerin trotz gegenteiliger Faktenlage sogar bis in die Rubrik „Verlierer des Tages“ – weil die Kantine des Ministeriums freitags keinen Fisch im Angebot habe (was aber weder für den Ministeriumsstandort Bonn noch für den in Berlin stimmte).

Eine gute Zusammenfassung liefert Bildblog: Nicht Fisch, nicht Fleisch

Der Ministerin hingegen sei eine alte Presseweisheit ans Herz gelegt: Nächste Woche wird eine andere Sau durchs Dorf gejagt.


Mögen die Spiele beginnen!

rd | 23. Februar 2017, 13:15 | 2 Kommentare
Heidewitzka, Herr Kapitän!

Heidewitzka, Herr Kapitän!


Speichen sollst du weichen!

rd | 21. Februar 2017, 14:54 | 10 Kommentare

Die Ringstraße auf dem Weg zur radfahrerfreundlichen Verkehrsader, Etappe 1: Fort mit den Bäumen!

USK-Sägen auf all deinen Wegen: Radfahrers Freud, Laubbaums Leid (Foto: B. Pauls)

USK-Sägen auf all deinen Wegen: Radfahrers Freud, Laubbaums Leid (Foto: B. Pauls)


So viel passiert meistens doch nicht

rd | 21. Februar 2017, 10:09 | 5 Kommentare

Every NYT front page since 1852 from Josh Begley on Vimeo.

Alle Titelseiten der New York Times seit 1852 im 52-sekündigen Schnelldurchlauf…


Schulentwicklung: 4 Kisters-Züge, und alles wird gut?

rd | 20. Februar 2017, 18:30 | 22 Kommentare

Die aktuelle Pressemitteilung der Stadt Kleve – vier Züge an der Karl Kisters Realschule als Happy End?

Auf der Grundlage der derzeitigen Diskussionen in der Elternschaft, Politik und Verwaltung, angesichts der nun aktuellen zu verteilenden  537 Schülerinnen und Schülern wird die Bürgermeisterin Sonja Northing von der ihr eingeräumten Befugnis, im Schuljahr 2017/2018 an der Karl Kisters Realschule vier Eingangsklassen festzusetzen, Gebrauch machen. Die Bürgermeisterin möchte die in ihrer Entscheidungsbefugnis bestehenden Möglichkeiten ausschöpfen und dem Elternwillen Rechnung tragen.
Der Rat der Stadt Kleve hatte am 09.11.2016 und 28.11.2016 folgende Zügigkeiten festgelegt
Die Karl Kisters Realschule wird dreizügig

Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium bleibt dreizügig

Das Konrad-Adenauer-Gymnasium bleibt dreizügig

Die Gesamtschule Rindern wird fünfzügig

Die Sekundarschule wird zum 01.08.2017 in eine fünfzügige Gesamtschule umgewandelt
Für die zu verteilenden 537 Schülerinnen und Schüler ist eine Klassenfrequenzstärke von 27 zugrunde zu legen und ermöglicht bei einem errechneten Wert von 19,88 die Bildung von mehr als die festgelegten 19 Eingangsklassen. Daher ist eine Vierzügigkeit der Karl Kisters Realschule möglich 
Für weitere Eingangsklassen ist ein entsprechender Ratsbeschluss erforderlich, welcher der Rat der Stadt Kleve in einer Sondersitzung am 02.03.2017 herbeiführen könnte. Die Bürgermeisterin hat in diesem Fall keine eigene Entscheidungsbefugnis und ist somit an den Beschluss des Rates der Stadt Kleve vom 09.11.2016 gebunden. Eine andere Zügigkeit ist daher nur im Wege eines neuen Ratsbeschlusses möglich.
Die im Ratsbeschluss vom 28.11.2016 festgelegte Voraussetzung, dass 21 Züge für die weiterführenden Schulen notwendig sind, könnte dadurch erreicht werden.


Schul-Lotto stoppen! Eltern schreiben offenen Brief, planen Demo vor Rathaus

rd | 20. Februar 2017, 12:42 | 26 Kommentare
Vieles hat sich geändert, seit die Niederrheinische Schulbankfabrik Heinrich Hübecker Anfang des 20. Jahrhunderts ihre „schwellenlose Schulbank“ auf den Markt brachte. Schwellen und Hemmschwellen, so scheint es, gibt es trotz weiter veränderten Mobiliars immer noch

Vieles hat sich geändert, seit die Niederrheinische Schulbankfabrik Heinrich Hübecker Anfang des 20. Jahrhunderts ihre „schwellenlose Schulbank“ auf den Markt brachte. Schwellen und Hemmschwellen, so scheint es, gibt es trotz weiter veränderten Mobiliars immer noch

52 Kinder aus Kleve, Kranenburg und Bedburg-Hau werden im Sommer nicht auf die Schule gehen können, die die Eltern für sie wünschen. Das ist knapp jeder zehnte Schüler, eine ganze Menge also. Statt dessen, so die Stadt Kleve in einer Pressemitteilung von vergangener Woche, „haben [die Eltern] die Möglichkeit, ihr Kind bis zum 03.03.2017 an der Gesamtschule in Kleve-Rindern oder der Gesamtschule Oberstadt anzumelden“.

Dieser Hinweis aber löste ein Beben aus – vielleicht am besten zu ersehen an einem offenen Brief, den Eltern versandten und der deshalb hier in voller Länge nachzulesen ist:

Willkommen bei der Schullotterie – Klever Stadtrat spielt das „Spiel des Lebens“ mit 300 Grundschülern!!!

Wer in Kleve schulpflichtige Kinder hat, benötigt schon eine hohe Frusttoleranz und eine große Leidensfähigkeit. Die Schulpolitik in Kleve erscheint doch vielen mehr wie eine Achterbahnfahrt als ein durchdachtes Konzept von schulischen Möglichkeiten. Von hü nach hott, von links nach rechts und dann wieder eine Kehrtwende. Und wir Eltern sollen treu und möglichst still allen Wendungen folgen!

Erst werden gut funktionierende Schulen abgeschafft, dann eine neue Sekundarschule eröffnet und bevor sich diese etablieren kann, wird sie wieder abgeschafft, oder nein, erweitert und umbenannt in Gesamtschule, die aber von Eltern gar nicht gewünscht wurde. Planungssicherheit für die Schülerinnen und Schüler, für Eltern, für Lehrer und Schule: Fehlanzeige! Der Elternwille zählt – nur in Kleve nicht?! Das Affentheater im November in der Diskussion um die Sekundarschule ist uns allen noch sehr präsent.

Der Eindruck eines schlechten Treppenwitzes verstärkt sich jetzt wieder. Da wird der Realschule zugesichert, bei entsprechender Anmeldezahl vierzügig zu laufen, dem Freiherr- vom-Stein-Gymnasium wird es – wie in den letzten Jahren – ebenfalls in Aussicht gestellt und auch  die Gesamtschule in Rindern konnte von einer 6-Zügigkeit ausgehen. So ein entsprechender Ratsbeschluss mit einer beiläufigen Ausstiegsklausel. Und jetzt – die Anmeldezahlen sprechen eine mehr als deutliche Sprache, gelten Zusagen von jetzt auf gleich nicht mehr. – Dass es für etwa 50 Kinder am Ende heißen wird: „Schade, leider verloren, aber auf diese Schule kannst Du jetzt nicht gehen!“

Und dass bis dahin etwa 300 Familien in völliger Unsicherheit darüber gelassen werden, ob ihr Kind nicht eines von 50 ist. Das Losverfahren entscheidet dann, welche Schule es wird? Aber in der Lostrommel befinden sich keine Zettel, sondern junge, „echte“ Menschen, mit deren Biographien bereits jetzt „Das Spiel des Lebens“ gespielt wird: „Gehen Sie nicht über Los, ziehen Sie nicht…“

Monatelang haben sich Kinder, Eltern und Lehrer Gedanken über die richtige Schule gemacht. Grundschullehrer haben die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Gutachten dokumentiert und in Gesprächen zur richtigen Schulform beraten. Die weiterführenden Schulen haben beim Tag der offenen Tür ihre Profile und Angebote dargelegt. Die Individualität der Schulen hat bei den Eltern und ihren Kindern zu der Entscheidung geführt, sich an „ihrer“ Wunschschule anzumelden.

All das spielt nun keine Rolle mehr. Das Los entscheidet.

Damit nicht genug: Diese Entscheidung wird „Schule machen“, sich etablieren und auch 2018, 2019 und alle folgenden Jahrgänge betreffen. Die Konsequenz daraus: Achtjährige oder neunjährige Schulzeit? – Das Los entscheidet! Ganztag oder Halbtag? – Das Los entscheidet! Geschwisterkinder auf zwei oder mehr Schulen? – Das Los entscheidet! Wir fordern: Kein Lotteriespiel mit unseren Kindern! Machen Sie Ihre Entscheidungen rückgängig!

Für besorgte Eltern: Familie Bleckmann, Chris Feige, Familie Spicker, Familie Lachmann, Familie Lange, Bettina Gerlach, Familie Heyne uvm

Die Demonstration der Eltern soll am Dienstag um 15 Uhr vor dem Interimsrathaus stattfinden.

Hier zur Dokumentation die Pressemitteilung der Stadt Kleve:

Schulentwicklung – Zügigkeiten der weiterführenden Schulen für das Schuljahr 2017/2018

Am 10.02.2017 endete das Anmeldeverfahren der weiterführenden Schulen in Kleve. Nach Auswertung der Zahlen mit den Schulleitungen der weiterführenden Schulen unter dem Vorsitz der Bürgermeisterin Sonja Northing wurden die vom Rat der Stadt Kleve am 09.11.2016 und 28.11.2016 festgelegten Zügigkeiten der weiterführenden Schulen wie beschlossen umgesetzt.

  • Die Karl Kisters Realschule wird dreizügig
  • Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium bleibt dreizügig
  • Das Konrad-Adenauer-Gymnasium bleibt dreizügig
  • Die Gesamtschule Rindern wird fünfzügig
  • Die Sekundarschule wird zum 01.08.2017 in eine fünfzügige Gesamtschule umgewandelt

565 Schülerinnen und Schüler aus Kleve, Kranenburg und Bedburg Hau sind an den weiterführenden Schulen aufzunehmen. 34 Schülerinnen und Schüler haben sich an Schulen außerhalb von Kleve angemeldet bzw. sind aus Kleve verzogen. 15 Schülerinnen und Schüler sind aus anderen Gemeinden in Kleve angemeldet worden. Somit sind insgesamt 546 Schülerinnen und Schüler zu verteilen.

Für diese zu verteilenden 546 Schülerinnen und Schüler ist eine Klassenfrequenzstärke von 27 zugrunde zu legen und ermöglicht bei einem errechneten Wert von 20,22 die Bildung von lediglich 20 Zügen. Die Aufnahme eines vierten Zuges durch die Karl Kisters Realschule wäre nur bei der erforderlichen Bildung von 21 Zügen möglich gewesen.

Die Anmeldezahlen für das Freiherr-vom-Stein Gymnasium (103), das Konrad-Adenauer-Gymnasium (100) und die Karl Kisters Realschule (110) sind mehr als ausreichend, so dass der Ratsbeschluss vom 09.11.2016 hinsichtlich einer Dreizügigkeit umgesetzt werden kann. Die Schulleitungen werden nun die jeweiligen Anmeldungen sichten und die Zusagen in der kommenden Woche verschicken. Aufgrund der Begrenzung auf die Dreizügigkeit können, obwohl die Schulen bis zur Kapazitätsgrenze in Höhe von 29 Schülerinnen und Schüler je Eingangsklasse aufnehmen werden, nicht alle Anmeldungen (52) eine Zusage erhalten.

Die Eltern, die darüber informiert werden, dass ihr Kind nicht an der gewünschten Schule angenommen werden kann, haben die Möglichkeit, ihr Kind bis zum 03.03.2017 an der Gesamtschule in Kleve-Rindern oder an der Gesamtschule Oberstadt anzumelden.

Die beiden Gesamtschulen können gemäß Ratsbeschluss vom 09.11.2016 jeweils fünf Eingangsklassen bilden. An der Gesamtschule Kleve-Rindern haben sich 114 und an der Gesamtschule Oberstadt 92 Schülerinnen und Schüler angemeldet.


Dr. Heinrich Martens, 1932-2017

rd | 18. Februar 2017, 13:13 | 15 Kommentare
Dr. Heinrich Martens (Foto: Familie)

Dr. Heinrich Martens (Foto: Familie)

Dr. med. Heinrich Martens kannte mich lange Jahre besser als ich mich selbst, davon gehe ich zumindest aus. Für mich, als Kind, gab es Gott – der wusste alles –, dann kam lange nichts, und dann kam Dr. Martens. Meine Eltern wandten sich frühmorgens oder spätabends an ihn, wenn ich fieberte oder hüstelte. Selbstverständlich war er auch nach Praxisschluss zu Hause privat erreichbar, wenn die Eltern im Angesicht eines wimmernden Kindes nicht mehr weiter wussten. Es konnte gut sein, dass er sich dann noch eben in seinen silbernen Mercedes setzte und das Haus des Patienten ansteuerte, um persönlich den Genesungsprozess in Gang zu setzen.

Meiner Erinnerung nach, die an dieser Stelle zugegebenermaßen anekdotisch ausfällt, ließen sich die meisten Leiden meiner Kindheit mit drei Varianten von Säften behandeln: Melrosun, Gelonida und Ferro infant. Die Wahl zwischen den ersten Säften wurde getroffen, je nachdem, ob meine Mutter „etwas Natürliches“ einforderte oder die scheinbare Schwere der Erkrankung den Einsatz von „Chemie“ nötig machte. Manchmal wurde mir im Labor per Piekser in den Zeigefinger Blut entnommen. Wenn die Probe mal wieder zu wenig Eisen enthielt, erhielt ich „Ferro infant“.

Dr. Martens arbeitete und arbeitete und arbeitete.

Eine Serie von Hausbesuchen absolvierte er vor der morgendlichen Sprechstunde, eine weitere vor der nachmittäglichen. Das Wartezimmer war immer voll, meine Mutter gab mir den Tipp, so lange wie möglich die Kindersprechstunde am Dienstag zu nutzen – „da kommst du schneller dran“. Irgendwann wurde das natürlich peinlich, und ich wechselte in die Welt der Großen, inklusive der großen Welt, die sich mir darbot in den Zeitschriften des Lesezirkels. Ich bevorzugte die Illustrierte „Quick“ und war immer etwas vergrätzt, wenn ein anderer Patient sie mir weggeschnappt hatte.

Die Wartezeiten erschienen mir jungem Mann schier unendlich. Termine wurde nicht vergeben, es ging stur der Reihe nach, was dazu führte, dass es frühmorgens regelrecht einen Wettlauf zum Wartezimmer gab, das geraume Zeit vor Beginn des eigentlichen Praxisbetriebs geöffnet wurde.

Der Heilungsprozess setzte ein, sobald die Sprechstundenhilfe den Namen ins Wartezimmer rief. Auch im Vorzimmer herrschte ein lebhafter Betrieb. Zwei rote Stühle vor den Behandlungszimmern waren die nächste Etappe, die es zu erobern galt. Sie waren die Vorstufe zu dem Eintritt in eines der beiden Sprechzimmer, die durch eine Verbindungstür getrennt waren, sodass Dr. Martens hin- und herwirbeln konnte.

Saß man – endlich – in einem der beiden Behandlungszimmer, schweifte der Blick über dicht gefüllte Bücherregale mit medizinischer Fachliteratur. Man wusste sofort: Hier kann mir nichts Schlimmes passieren! Dann rauschte auch schon die Verbindungstür auf. Und rumms!, schloss sie sich hinter Dr. Martens, der unter seinem weißen Kittel gerne einen gelben Pullunder mit V-Ausschnitt trug.

Ein fester Händedruck, ein freundlicher Blick, Oberkörper freimachen, kurz abhorchen oder abtasten – all dies in dem sicheren Gefühl, das vor einem der versierte Körperfachmann stand, der das schwächelnde Gewebe zu reparieren verstand. Dr. Martens nahezu unveränderlicher Gemütszustand war unverwüstliche Zuversicht. In Windeseile stand die Diagnose – natürlich nichts Ernstes, kein Krebs, Gott sei Dank! –, ein Rezept wurde ausgestellt und man war wieder auf dem Rückweg in die glückliche Gemeinschaft der Gesunden.

In meinen Jungmannjahren gab es bei meinen Besuchen in der Praxis stets noch ein, zwei freundliche Sätze für den weiteren Lebensweg. Beispielsweise erinnere ich mich, wie Dr. Martens, frisch zurückgekehrt von einer Reise nach China, mir berichtete, dass dort der Kommunismus die einzig mögliche Herrschaftsform sei. Oder, dass er abends vor dem Schlafengehen noch stets eine Stunde lese, was er auch mir empfahl – und was mir angesichts seines Arbeitspensums geradezu phänomenal erschien.

Nur wenig war bekannt über den privaten Menschen Dr. Martens. Er sammelte Oldtimer, jede Form von Luxus aber blieb ihm zeitlebens fremd. In den Pausen des Praxisbetriebs konnte man ihm schon mal eine Zigarette rauchen sehen. Manchmal fuhr er mit Klever Freunden auf die Lofoten, um dort auf hoher See zu angeln. Als es ihm noch besser ging, spazierte er auch gerne sonntags durch den Klever Forstgarten, in Begleitung seiner Frau Adelheid, ebenfalls Ärztin und auch in der Praxis aktiv.

Vor vielen Jahren erlitt Dr. Martens einen schweren Herzinfarkt und musste wochenlang in Aachen im Uniklinikum behandelt werden. Aber er erholte sich davon und arbeitete einige Zeit später wieder wie gewohnt.

Heinrich Martens stammte aus einfachen Verhältnissen, Kinderfreunde aus Kleve nannten ihn wegen seiner roten Haare und nach der Familie seiner Mutter „de rooie Does“. Er studierte nach dem Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Köln und Freiburg Medizin und arbeitete zunächst in Krankenhäusern in Freiburg, Heinsberg und Paderborn, bevor er 1963 seine Praxis an der Hoffmannallee eröffnete. Vor einigen Jahren übergab er sie an seinen Sohn Christian.

Zehn Tage vor seinem 85. Geburtstag ist Heinrich Martens in der vergangenen Woche nach einem erfüllten Leben friedlich entschlafen. Er hinterlässt Frau und drei Kinder. Über seine Todesanzeige stellte die Familie den lateinischen Sinnspruch „Aliis inserviendo cresco, floreo“. Übersetzt heißt das: Indem ich anderen diene, wachse und blühe ich.

Dr. Martens war nicht ein Hausarzt, er war der Hausarzt schlechthin.


Wohin am Wochenende? (7)

rd | 17. Februar 2017, 14:46 | 1 Kommentar
Fehlt wegen einer Muskelverletzung, hätte also Zeit, ins Museum zu gehen: Merkur-Point-Guard Artur Kerenker (Foto: Klaus-Dieter Stade/Rheinische Post)

Fehlt wegen einer Muskelverletzung, hätte also Zeit, ins Museum zu gehen: Merkur-Point-Guard Artur Kerenker (Foto: Klaus-Dieter Stade/Rheinische Post)

(Achtung, Termin Puppa korrigiert, ist bereits heute) Freunde der schönen Künste, die sich zudem an athletischen Männerkörpern delektieren, gerne mal ein bisschen Blues hören – und im Akkordeon das „männliche Prinzip“ erkennen, werden an diesem Wochenende schier verrückt! (Wenn sie es nicht schon sind.)

Der Reihe nach:

Freitag, 19:30 Uhr: Salon der Künstler (Museum Kurhaus)

Alle fünf Jahre präsentiert das Museum Kurhaus einen Querschnitt durchs hiesige Kreativpotenzial, wobei „hiesig“ mit künstlerischer Leichtigkeit definiert wird – beispielsweise hat die Barbara Schroeder, eine der ausgewählten Künstlerinnen, zwar Klever Wurzeln, lebt aber seit vielen Jahren in der Nähe von Bordeaux. Ausgewählt wurden die Künstler von einer vierköpfigen Jury (Bettina Paust (Museum Schloss Moyland), Stephan Mann (Museum Goch), Harald Kunde (Museum Kurhaus Kleve) und Susanne Figner (Museum Kurhaus Kleve)), zu sehen sind neben der bereits erwähnten Barbara Schroeder Rita Beckmann, Jacintha Bierens, Britta Bogers, Monika Buchen, Zhenia Couso Martell, Brigitte Dams, Eun Young Lee, Caroline Koenders, Malte Lambert, Anke Land, Pier Pennings, Miranda Rikken, Lique Schoot, Elly Sloep, Barbara Schroeder und Dini Thompsen. Die Eröffnung ist am Freitagabend um 19:30 Uhr, die Ausstellung selbst wird bis zum 1. Mai zu sehen sein. Einen guten Überblick liefert der Artikel von Claudia Groenewald in der NRZ: Museum Kurhaus macht die Poesie des Alltags sichtbar.

Freitag, 21 Uhr: Harp Mitch (Tanzpalast Bresserberg)

Der Niederländer zelebriert seit vielen Jahren als Harpplayer mit exzellenter Band den Blues aus den letzten 50 Jahren. Von den Blueslegenden Little Walter, George „Harmonica“ Smith bis hin zu der neuen Generation wie Rod Piazza und Rick Estrin sowie eigenen Kompositionen weiß er sein Publikum zu begeistern. Der Einlass ist bereits um 20 Uhr. Die Eintrittskarten sind unter anderem bei der Tourist Info erhältlich. (Eine Veranstaltung der Klangfarbe, Eintritt 10 Euro (Vorverkauf), 12 Euro (Abendkasse))
Samstag, 18:15 Uhr: VfL Merkur Kleve – TG Düsseldorf II (Stein-Gymnasium)

Gerne erinnert sich die Mannschaft des VfL Merkur Kleve noch an ihren ersten von insgesamt (bisher) drei Saisonsiegen: Zu fünft, in kleinstmöglicher Besetzung also, war man nach Düsseldorf gefahren, und einer der fünf Spieler war noch eine Ergänzung aus der zweiten Mannschaft, der dort kaum eingesetzt worden war. Das Ziel war: irgendwie die 40 Minuten herumkriegen, Hauptsache, den Punktabzug fürs Nichtantreten vermeiden! Stattdessen besiegte die Klever Rumpftruppe die TG Düsseldorf II. Jetzt steht das Rückspiel in heimischer Halle an. Es dürfte genauso spannend werden, denn sowohl die Klever wie auch die Düsseldorfer zeigten sich in den letzten Begegnungen deutlich verbessert. Das Spiel beginnt um 18:15 Uhr, wer nicht live in der Halle sein kann, kann das Spiel auch mit dem WBV-League-Pass online schauen.
Sonntag, 18:00 Uhr: Schöne Müllerin (Kirche Böllenstege)

Traditionell entwerfen die versierten Instrumentalisten des „Ensemble Musikfabrik“ eigene Kammermusikprojekte. „In die Tiefe der Zeit“ tauchen vier Musiker und ein Sprecher beim Konzert der „Besonderen Reihe“ am Sonntag, 19. Februar, 18 Uhr, in der Kleinen Kirche an der Böllenstege. Dabei steht Schuberts „Schöne Müllerin“ in einer Version für Viola und Akkordeon mit Gedichtrezitationen aus dem Liederzyklus in einem neuen Kontext mit zeitgenössischen Werken. Auch die Kompositionen von Klaus Huber, Georges Aphergis und Toshio Hosokawa setzen sich mit der Natur und dem Menschen auf Wanderschaft auseinander.
Der Bratscher Axel Porath hat das Programm konzipiert. Zusammen mit der Akkordeonistin Margit Kern, die Schuberts Lieder für Viola und Akkordeon bearbeitet hat, zieht er Schuberts Musik als romantisch-visionären Faden durch das intensive Konzertprogramm. Müllers Gedichte, die Schubert in seinem berühmten Liedzyklus vertonte, werden vom Schauspieler und Sprecher Bernt Hahn verlesen. Zeitgenössische Reflexionen zur Natur als Sinnbild für Seelenzustände bieten im Wechsel damit „Winter Seeds“ („Wintersamen“) von Klaus Huber für Streichtrio und Akkordeon, Georges Aperghis‘ „Faux Mouvement“ für Streichtrio und schließlich die titelgebende Komposition „In die Tiefe der Zeit“ von Toshio Hosokawa. Der Japaner komponiert nach eigenen Worten wie ein Gärtner und in Korrespondenz mit der Natur, stellt hier in der Viola und dem Akkordeon das männliche und das weibliche Prinzip gegeneinander – wie auch Schubert von unglücklicher Liebe erzählt, vom Werden und Vergehen von Mensch und Natur. Hosokawa sieht – wie die Romantiker auch – jeden Klang als Landschaft mit Farben und Schattierungen. Seine Einladung an den Hörer lautet: „Nehmen Sie sich Zeit, die Kraft von Stille und Energie in dieser Musik auf sich wirken zu lassen!“ Mit von der Partie im Konzert sind die Geigerin Hannah Weirich und der Cellist Dirk Wietheger mit seinem kostbaren Testore-Violoncello (Mailand, Anfang 18. Jahrhundert).


Hochschule Rhein-Waal: Prof. Meijer tritt als Hochschulratsvorsitzender zurück!

rd | 17. Februar 2017, 03:37 | 10 Kommentare
Anfang des Jahres erhielt Prof. Gerardus Meijer den höchsten zivilen Verdienstorden der Niederlande: „Ritter im Orden des niederländischen Löwen“. Jetzt trat er als vorsitzender des Klever Hochschulrats zurück (Foto: HSRW)

Anfang des Jahres erhielt Prof. Gerardus Meijer den höchsten zivilen Verdienstorden der Niederlande: „Ritter im Orden des niederländischen Löwen“. Jetzt trat er als vorsitzender des Klever Hochschulrats zurück (Foto: HSRW)

(Aktualisiert, jetzt mit der Pressemitteilung am Ende des Textes) Diese Brüskierung konnte und wollte sich Prof. Gerardus Meijer nicht gefallen lassen: Eine Woche, nachdem aus fadenscheinigen Gründen die Besetzung der Kanzler-Stelle ab der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) torpediert wurde, legte der renommierte Wissenschaftler nach kleveblog-Informationen sein Amt als Vorsitzender des Hochschulrats nieder und trat zurück! Eine Stellungnahme der Hochschule soll in Kürze dazu veröffentlicht werden.

Der niederländische Wissenschaftler, seit 2014 Vorsitzender des Hochschulrats, durfte in der hektischen und überbordenden Gründungsphase der HSRW als der weltläufige Gegenpol zur Gründungspräsidentin mit ihrer mediokren Klüngelpolitik gelten. Prof. Meijer mühte sich nach Kräften, mit seinem Gremium (das gewissermaßen als Aufsichtsrat der Hochschule zu verstehen ist) das Profil der Hochschule zu schärfen – in Richtung Hochschule, und vielleicht ein bisschen weniger in Richtung Selbstbedienungsladen.

Das Standing dazu hatte der Mann zweifelsohne: Er kam von der Max-Planck-Gesellschaft, war bis Ende vergangenen Jahres Präsident der Radboud-Universität in Nimwegen und leitet seit Anfang 2017 das Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin. Um es einmal mit einem Vergleich auszudrücken: Dass der Molekularphysiker sich für die junge Hochschule in Kleve engagierte, war etwa so, als wenn Pep Guardiola beim 1. FC Kleve die Nachwuchsarbeit koordinieren würde.

Was allerdings – vorsichtig ausgedrückt – nicht jeder so zu schätzen wusste.

Meijer hatte bereits die Weichen gestellt, als es um die Nachfolge der Gründungspräsidentin Marie-Luise Klotz ging. Die Frau, die in den ersten Jahren das Gesicht der Hochschule war, hatte ein System etabliert, in dem es reichlich Gelegenheit gab, sich etwas dazuzuverdienen. Das bekannteste Beispiel – auf dieser Website mehrfach vorgestellt – war das Unternehmen Scientific Freshers der Professoren Thorsten Brandt und Dirk Untiedt.

Die Scientific Freshers GmbH erfüllt keine Hochschulaufgaben, sondern verhilft (vor allem) Chinesen gegen Geld zu einer Art Express-Abitur. Dennoch erhielt das Unternehmen von Klotz den privilegierten Status eines AN-Instituts der HSRW. Juristen staunten. Das Geschäft florierte. Die geschäftstüchtigen Professoren gründeten schon bald eine eigene Verwaltungsgesellschaft für die frisch erworbenen Immobilien (Scientific Freshers Real Estate GmbH) und haben mittlerweile als neues Geschäftsfeld die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge entdeckt. Es gibt Gerüchten zufolge Pläne, große Teile des Landesklinik-Geländes in Bedburg-Hau zu kaufen.

Die Günstlingswirtschaft der Gründungspräsidentin fand allerdings ein abruptes Ende, als 2015 bei der anstehenden Wahl nicht sie, sondern die bis dato in Kleve gänzlich unbekannte Wissenschaftlerin Dr. Heide Naderer in einem umtosten Verfahren zur neuen Chefin der Hochschule gewählt worden war. In der fraglichen Versammlung waren die Klever Verwaltungsspitze (der damalige Bürgermeister Theo Brauer, Kämmerer Willibrord Haus und Beigeordneter Jürgen Rauer) wie die Führung des Kreises (Wilfried Suerick, Wolfgang Spreen), um Stimmung für Klotz zu machen. Allein, es half nicht.

Mit dem Amtsantritt von Naderer ist es an der Hochschule merklich ruhiger geworden – es passiert zwar immer noch sehr viel, aber der kinderkarnevaleske Einschlag der frühen Jahren ist sehr zurückgedrängt. Doch unter der Oberfläche wirken noch die alten Netzwerke, die die Hochschule als „ihr Ding“ betrachten. Und diese Kräfte ließen vor einer Woche bei der Kanzlerwahl überraschenderweise die Muskeln spielen. Die Wahl sollte eigentlich nur eine Formsache sein, da das Vorgehen der Findungskommission unter Vorsitz von Prof. Meijer mit allen Beteiligten abgestimmt war.

Als dann die Wahl anstand, kam es zum Eklat: Ein Mitglied des Wahlgremiums bemängelte urplötzlich, dass nur ein Kandidat zur Abstimmung vorgelegt worden sei. Andere Mitglieder folgten überraschenderweise dieser Ansicht, sodass in der Abstimmung nicht die erforderliche Stimmenzahl erreicht wurde.

Unter den Sechsunddreißig Strategemen (三十六計), die dem chinesischen General Tan Daoji († 436) zugeschrieben werden, lautet das mit der Nummer 26: Die Akazie schelten, dabei aber auf den Maulbeerbaum zeigen. Die Mehrheit in einer der beiden „Kammern“, die den neuen Kanzler hätte wählen sollen, zeigte auf den Kandidaten. Aber der Angriff richtete sich gegen Prof. Meijer.

Der Niederländer zog jetzt die Konsequenz aus dieser Brüskierung und verlässt erhobenen Hauptes den Hochschulrat und kommt so einem möglicherweise zermürbenden Kleinkrieg in den akademischen Niederungen des Niederrheins zuvor. Dann lieber an der Spree Moleküle erforschen. Die Hochschule jedoch verliert einen klugen Kopf.

Hier die Pressemitteilung der Hochschule im Wortlaut:

Prof. Dr. Gerard Meijer tritt als Mitglied und Vorsitzender des Hochschulrates zurück

Kleve/Kamp-Lintfort, 16. Februar 2017: Prof. Dr. Gerard Meijer hat mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt als Mitglied des Hochschulrates der Hochschule Rhein-Waal sowie als dessen Vorsitzender erklärt. Professor Meijer teilte dies dem Staatssekretär im Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen Dr. Thomas Grünewald mit und setzte Präsidium und Hochschulrat darüber in Kenntnis.

Die Hochschulpräsidentin Dr. Heide Naderer und der Senatsvorsitzende Prof. Dr. Achim Kehrein nahmen die Entscheidung Professor Meijers zur Niederlegung seines Amtes mit großem Bedauern zur Kenntnis und danken ihm für seine umfangreiche und sehr engagierte Arbeit für die Hochschule. Professor Meijer leitete den Hochschulrat der Hochschule Rhein-Waal seit Mai 2014.

Laut § 5 Abs. 1 der Grundordnung der Hochschule Rhein-Waal besteht der Hochschulrat aus sechs externen und vier internen Mitgliedern. Nach § 22 Abs. 4 HG NRW wird nun ein Auswahlgremium, bestehend aus zwei Mitgliedern des Hochschulrates, zwei Mitgliedern des Senats und einer/einem Vertreter/in des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, gebildet. Dieses Gremium sucht dann eine/n Nachfolger/in, die/der für die Dauer der noch verbleibenden Amtszeit von Professor Meijer in den Hochschulrat rückt. Der Vorschlag wird dann zur Bestätigung in den Senat und anschließend zur Zustimmung an das Ministerium gegeben. Im Anschluss erfolgt die Bestellung durch das Ministerium.

Zusätzlich zu der Wahl eines neuen Hochschulratsmitglieds muss ein neuer Vorsitzender des Hochschulrates gewählt werden. Bis zur Wahl des neuen Vorsitzenden übernimmt Hochschulratsmitglied Prof. Dr. Robert Renner, Professor für Gesundheitsförderung und Ernährung an der Hochschule Rhein-Waal, stellvertretend den Vorsitz im Hochschulrat. Der Hochschulrat hat seine nächste Sitzung in der kommenden Woche.


10 Jahre kleveblog! 8. Diese verdammten Rätsel

rd | 16. Februar 2017, 14:10 | 3 Kommentare

Relativ früh kam die Redaktion auf die Idee, die versammelte Leserschaft mit hirnrissigen, abstrusen, unlösbaren und dadaesken Rätseln zu quälen. Das Kreuzworträtsel im SZ-Magazin ist Kindergarten im Vergleich zu den labyrinthischen Hirnwindungen, die beschritten werden mussten, um die Gedankenverirrungen hinter den Aufgaben zumindest ansatzweise nachvollziehen zu können. Hier ein Überblick aus den vergangenen zehn Jahren – ohne Frage, aber dafür mit Lösung, was natürlich schon wieder neue Rätsel aufwirft:

Dali? Oder doch nur Daute?

Lösung: cinque-Sommernacht

Holzbank, Plastiktasse, Butterkeks…

Lösung: Einschulung

Nie gesehen

Lösung: Whisky-Saloon

Rätselhafte Realität, manchmal

Lösung: Karl Malone

In the year 67? Or 69? Or 65?

Lösung: wahrscheinlich 1967

Lösung: Dreimaster (drei Master) (Foto: J. Schäfer)

Lösung: Dreimaster (drei Master) (Foto: J. Schäfer)

Adria. Eiger. Impresa. Ici. Excalibur. Onderneming. Gemini. Vilgir.
(Lösung: Am Rhein)


Gute Nachrichten zur Wochenmitte (2): Volksbank erhält höchste Fördersumme

rd | 15. Februar 2017, 11:02 | 1 Kommentar
Stürzende Linien, große Fenster: Umgestaltung einer ehemaligen Bankfiliale (Foto: mediamixx)

Stürzende Linien, große Fenster: Umgestaltung einer ehemaligen Bankfiliale (Foto: mediamixx)

Erfolgsbeispiel aus dem Fassaden- und Hofflächenprogramm: Die ehemalige Volksbank am Fischmarkt in der Klever Innenstadt hat ein komplettes Facelifting vollzogen. Ziel war es, das Gebäude langfristig für den Einzelhandel attraktiv zu gestalten. Dazu zählte auch eine aufwendige Fassadenrenovierung, die im Rahmen des Fassaden- und Hofflächenprogramms gefördert wurde. Das Förderprogramm kann im Rahmen des Integrierten Handlungskonzepts Innenstadt Kleve (IHK) in Anspruch genommen werden. Ansprechpartner für Interessenten ist das Citymanagement Innenstadt Kleve.

Nachdem die Volksbank die Immobilie am Fischmarkt 20 Jahre lang als Geschäftsgebäude genutzt hatte, zog sie 2015 in die neu gebaute Zentrale am Minoritenplatz um. „Uns war es wichtig, dass in der Innenstadt kein Leerstand entsteht, sondern neue und attraktive Möglichkeiten für den Einzelhandel geschaffen werden“, erläutert Frank Ruffing, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Kleverland. In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Ader und Kleemann aus Kalkar wurde ein entsprechendes Konzept entwickelt. Hierbei wurde auch der neue Mieter, die Unternehmensgruppe „Bestseller“, miteinbezogen.

Die Fassade besteht nun aus großen Fensterflächen, die das gesamte Gebäude offen, hell und einladend wirken lassen. Optisch bilden das Erdgeschoss und die erste Etage hierbei eine Einheit, da die Fenster ohne Unterbrechung von unten nach oben reichen. „Wir sind mit dem Ergebnis dieser besonderen Fassadengestaltung sehr zufrieden. Die beiden Komponenten ,funktionale Nutzung‘ und ,ansprechende Optik‘ wurden optimal vereint“, erklärt Ruffing. „An diese Stelle gehört Einzelhandel, und das haben wir im positiven Sinne realisiert“, so der Vorstandsvorsitzende weiter.

Joachim Beisel, Generalbevollmächtigter der Volksbank Kleverland, ergänzt: „Um unseren Kunden weiterhin den Service zur Bargeldversorgung anbieten zu können, wurde auch ein Geldautomat der Volksbank in die Fassadengestaltung integriert.“

Von der Antragsstellung der Förderung bis zur Vollendung der Maßnahme verging nur ein gutes halbes Jahr. „Der gesamte Prozess ist sehr reibungslos und zügig vonstattengegangen“, bestätigt Beisel. Mit 12.500 Euro hat die Volksbank die höchstmögliche Fördersumme in Anspruch nehmen können. Insgesamt seien etwa 110.000 Euro in die Renovierung der Fassade geflossen.

Das Citymanagement Innenstadt Kleve ist mit dem Ergebnis ebenfalls sehr zufrieden. „Alle Beteiligten haben an einem Strang gezogen, so dass die Umgestaltung in kurzer Zeit über die Bühne gehen konnte. Bei Interesse und für generelle Fragen zum Fassaden- und Hofflächenprogramm stehen wir jederzeit zur Verfügung“, betont Citymanagerin Anke Haun.


Gute Nachrichten zur Wochenmitte: Volksbank wieder telefonisch erreichbar

rd | 15. Februar 2017, 10:52 | keine Kommentare

Zwei Tage lange war die Volksbank Kleverland telefonisch nicht mehr zu erreichen, womöglich befürchtete der eine oder andere Kunde schon das Schlimmste. Es handelte sich jedoch lediglich um eine Störung der Telefonanlage, die mittlerweile behoben werden konnte. Die Bankgeschäfte können nun auch wieder fernmündlich erledigt werden.


Du merkst, es geht zu Ende, wenn…

rd | 12. Februar 2017, 15:10 | 3 Kommentare
Steht traditionell – allerdings nicht im gefriergetrockneten Zustand – für Reichtum: Fette Henne

Steht traditionell – allerdings nicht im gefriergetrockneten Zustand – für Reichtum: Fette Henne

… es dir nie gelingt, eine Packung Frischkäse ein zweites Mal zu benutzen.

… die Besteckfächer in der Spülmaschine leer bleiben, während Tassen und Gläser kaum noch reinpassen.

… du denkst: „2014… mh… müsste aber eigentlich noch gut sein“.

… du früher donnerstags „Die Zeit“ gekauft hast, heute aber der Ansicht bist: „Aldi – meine Woche“ ist auch recht interessant.

… du die Wochenprospekte von Aldi, Kodi und Lidl zu Vergleichszwecken nebeneinanderlegst.

… die Fette Henne nicht mehr so richtig auf die Beine zu kommen scheint (obwohl sie jetzt schon zwei Monate wieder drinnen steht).


Wohin am Wochenende? (6)

rd | 11. Februar 2017, 10:40 | keine Kommentare

Vielleicht einfach nur:

Raus!

Schneell noch raus, bevor der Frühling kommt!

Schneell noch raus, bevor der Frühling kommt!

Alternativ die folgenden drei vier Vorschläge:

Samstag, 18 Uhr: „Wohin?“ (Versöhnungskirche)

Auf Wegen und Abwegen, über Umwege und Sackgassen, Traumpfade und Hoffnungsbrücken umkreist der Chor „Die Untertanen“ mit seinem neuen Programm „Wohin?“ das Thema Flucht. Ist ja gerade recht aktuell. Wohin geht es mit uns und anderen zwischen Grenzsetzungen und Verletzungen? Wiegt der Verlust der alten Heimat schwerer als die Unmöglichkeit, eine neue zu finden? Wie groß ist die Angst? In wem? Wovor? Bin ich ein besserer Mensch, wenn ich einen Flüchtling aufnehme – weil mein Großvater ja auch mal auf der Flucht war? Und was ist der Unterschied zwischen Utopie und Naivität? Sie wissen nicht genau, wo wir stehen? Wissen Sie denn, wo Sie stehen? Und wohin Sie gehen wollen? Leise und nachdenklich, verzweifelt und fordernd, zwischen hoffnungs- und liebevoll, abgründig, poetisch, mal wütend, mal sehnsüchtig gehen die Untertanen unter die Haut. Mit Musik von Ungarn bis Israel, von Deutschland bis Südafrika, von Wecker über Brecht bis Kodály. Eintritt ist frei.

Samstag, 20 Uhr: Smettys Vinyl Party (Tanzpalast Bresserberg)

Wer kennt das nicht noch! LPs 33, Singles 45… „Die Party, die nicht perfekt sein möchte. Es darf ruhig knistern und knacken. Für Jung und Alt.“ So die Ankündigung. Es dürfen eigene Platten mitgebracht werden, die DJ Smetty mit Angabe des Grundes (erster Kuss oder so romantisches Zeugs) spielt. Weitere Infos: www.smettysvinylparty.de. Eintritt: 4 Euro.

Samstag, 20 Uhr: ForQ (Radhaus)

Vier junge, aus Kleve stammende Musiker (Jonas, Andreas, Mikula, Santa) spielen instrumentalen progressive Rock, angelehnt unter anderem an Pink Floyd, aber auch an weniger bekannte Ensembles wie Frumpy. Frumpy? Auch The Doors gehören zu den Vorbildern. Der Eintritt ist frei.

Samstag, 20 Uhr: Rio Reiser (Culucu)

Er war einer der Besten, ist aber leider schon lange tot. Rio Reiser. Wer seine Musik mag, sollte sich heute Abend ins Culucu begeben. In der theater-musikalischen Biografie „Zwischen den Welten“ schlüpft der Schauspieler und Sänger Rudi Rhode in Rio Reisers Rolle und zeichnet ihn als ruhelosen Visionär einer freien Gesellschaft. Auf der Wanderschaft durch sein Leben begegnet er den unterschiedlichsten Weggefährten, Freunden und Widersachern – alle verkörpert durch den einen Rudi Rhode… und natürlich werden auch zahlreiche Live-Songs aus der Feder Rios gespielt – von „Keine Macht für Niemand“ bis zum „Junimond“. Zum Anfüttern das hier:


Hochschule Rhein-Waal: Tektonische Verwerfungen brechen bei Kanzlerwahl auf

rd | 10. Februar 2017, 13:21 | 7 Kommentare
Von oben sind selbst die USA schön anzusehen (Foto: NASA/Apollo 17)

Von oben sind selbst die USA schön anzusehen (Foto: NASA/Apollo 17)

Die Hochschule Rhein-Waal präsentiert sich von außen betrachtet ein wenig so wie die Erde auf Satellitenaufnahmen – schillernd, bunt, vielfältig. Aber wie auf der Erde ist auch in der Hochschule die Oberfläche nur eine dünne Kruste. Darunter walten tektonische Kräfte, die Kontinentalplatten aneinander reiben lassen und sie unter Spannung setzen, bis die aufgestaute Energie sich in furchtbaren Beben entlädt.

Wer gestern Abend in der Hochschule war, wurde Zeuge einer solchen Erschütterung des akademischen Betriebs: Die geplante Kanzlerwahl, eigentlich eine Formsache, endete im einem Eklat und ließ den Hochschulratsvorsitzenden Prof. Dr. Gerard J.M. Meijer brüskiert zurück – was dem Ruf der Hochschule in der akademischen Welt, wenn man einmal über den Klever Tellerrand blickt, einmal mehr schweren Schaden zufügt.

Was aber ist geschehen?

Im vergangenen Jahr verließ die Kanzlerin der Hochschule, Bibiana Kemner, Kleve, um einen neuen Posten an der Hochschule Niederrhein in Krefeld anzutreten. Der Kanzler hat in einer Hochschule ein wichtiges Amt inne, weil er über die Finanzen wacht. Nach einem kurzen Interregnum bestimmte das Präsidium übergangsweise Karsten Koppetsch zum neuen Kanzler.

Koppetsch, Diplom-Verwaltungswirt, kann eine gewisse Nähe zu den Scientific-Freshers-Professoren Torsten Brandt und Dirk Untiedt nicht abgesprochen werden, denn er agierte eine Zeitlang zusätzlich zu seinen Aufgaben an der Hochschule als Geschäftsführer der Scientific Freshers Real Estate GmbH. Die Gesellschaft kümmert sich um die Verwaltung die von dem Institut angehäuften Immobilien (mehr zu den Scientific Freshers hier: Was erlauben Klotz und hier: Waffeln backen.

Doch diesen Posten, das sei der Fairness halber hinzugefügt, hat Koppetsch mittlerweile drangegeben; bei näherer Betrachtung hätte er womöglich auch zu einer Interessenkollision mit seinen Aufgaben als kommissarischer Kanzler geführt.

Mit der Suche eines endgültigen Nachfolgers wurde eine Findungskommission unter Vorsitz von Professor Meijer beauftragt. Meijer fungiert als Vorsitzender des Klever Hochschulrats und ist eine Koryphäe im Wissenschaftsbetrieb, was aber in Kleve nur wenige wissen (wollen).

Als der Professor aus Nimwegen mit der Suche beauftragt wurde, war er noch Präsident der renommierten Radboud-Universität. Mittlerweile arbeitet der 55-jährige Wissenschaftler als Direktor des Fritz-Haber-Instituts der Max Planck-Gesellschaft in Berlin, was in der Welt der Gelehrten einem Ritterschlag gleichkommt. Meijer ist also ganz oben unterwegs, was ihm vielleicht auch einen unbestechlichen Blick auf die Ränkespiele im Inneren einer kleinen, jungen Fachhochschule in der Provinz bewahrt hat.

Wie die Findungskommission zusammengesetzt war und wie sie arbeitete, lässt sich der Pressemitteilung entnehmen, die von der Hochschule unter der Überschrift „Hochschule Rhein-Waal sucht weiterhin neuen Kanzler“ noch gestern Abend versandt wurde.

Darin heißt es:

„Die Vorbereitung der Wahl lag demnach in den Händen einer vom Senat und Hochschulrat gemeinsam eingesetzten Findungskommission, die aus je drei Mitgliedern der beiden Gremien bestand. In einem zeitlich abgestimmten Verfahren hat die Findungskommission aus den eingegangenen Bewerbungen eine Liste mit sieben in Frage kommenden Kandidaten erarbeitet. Sie wurden zu Gesprächen mit der Findungskommission eingeladen, die sich danach und nach intensiven Gesprächen auf einen Wahlvorschlag als Empfehlung an die Hochschulwahlversammlung verständigte, der einen Kandidaten enthielt.“

Die Hochschulwahlversammlung wiederum ist ein Gremium, das zur Hälfte aus sämtlichen Mitgliedern des Senats und zur anderen Hälfte aus sämtlichen Mitgliedern des Hochschulrats besteht. Da die Personen aus Findungskommission und Hochschulwahlversammlung also teilweise identisch ist, sollte man davon ausgehen können, dass das Vorgehen abgestimmt ist.

Doch es kam ganz anders.

Mitglieder aus dem Wahlgremium beschwerten sich in der Sitzung scheinbar aus heiterem Himmel darüber, dass nur ein Kandidat und nicht eine Liste mit Kandidaten präsentiert wurde. In der Pressemitteilung heißt es dazu etwas verkomplizierend: „In der Erwartung einer Vorschlagsliste mit mehreren Kandidaten ist eine Mehrheit der Senatsmitglieder in der Hochschulwahlversammlung der Empfehlung der Findungskommission nicht gefolgt, während sich die Mitglieder des Hochschulrats einstimmig für den Wahlvorschlag ausgesprochen haben.“ Eine Mehrheit in beiden Teilen des Gremiums wäre aber nötig gewesen – der Vorschlag wurde also abgeschmettert. Hochschulpräsidentin Dr. Heide Naderer kommentierte den Vorgang lediglich mit zwei Sätzen: „Das ist Demokratie. Es ist, wie es ist.“

Aber was ist es?

Möglicherweise ein Eklat mit einem Bumerang-Effekt für die Hochschule. Wie ist es zu werten, wenn eine monatelange gemeinschaftliche Arbeit urplötzlich mit einem Hinweis auf Verfahrensfragen zunichte gemacht wird? Ein Beobachter führte das Wort „Intrige“ ins Feld – gegen einen der renommiertesten Wissenschaftler Europas? Warum? Meijer selbst soll vor der Abstimmung der Wahlversammlung den Mitgliedern des Gremiums geraten haben, eine Entscheidung zu fällen, die gut für die Hochschule ist.

Eine solche Entscheidung zu fällen, das ist offenbar in Kleve nicht so einfach – oder aber die Meinungen darüber, was gut für Hochschule ist, gehen auseinander. Das Verfahren muss jedenfalls mit einer Neuausschreibung der Kanzlerposition fortgesetzt werden.


Korrektur

rd | 09. Februar 2017, 15:42 | 7 Kommentare

Im kleveblog-Beitrag „Stille Flughafengesellschaftsnacht, heilige Flughafengesellschaftsnacht“, Ende des vergangenen Jahres erschienen, hieß es:

Das Erfolgreichste, was auf dem weiträumigen Gelände, auf dem auch Flugzeuge starten und landen, stattfindet, dürfte vermutlich das Parookaville-Festival sein, dicht gefolgt von der Unterbringung von Flüchtlingen.

Das ist falsch. Richtig muss es heißen:

… dicht gefolgt von der potenziellen Unterbringung von Flüchtlingen.

Der Rheinischen Post vom Tage ist zu entnehmen (Neue Flüchtlingsunterkunft steht leer), dass die provisorisch untergebrachten Flüchtlinge mittlerweile alle weg sind. Die neue „Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE)“ für 750 Flüchtlinge hingegen steht kurz vor der Fertigstellung, wird aber mangels Andrang nicht genutzt, sondern nur als Reserve bereitgehalten. Mietzahlungen fließen gleichwohl, das Land hat mit dem Airport einen Vertrag über zehn Jahre abgeschlossen. Gutes Geschäft!


Bier-Akademie, Wunderbar, Küchenkraut, Finy’s – – – Abriss!

rd | 09. Februar 2017, 15:11 | 6 Kommentare
Fin-de-siecle-Stimmung

Fin(y)-de-siecle-Stimmung

Kein Herd, nirgends

Kein Herd, nirgends

(Jetzt auch mit Hinweis auf „Bier-Akademie“) Das Gebäude ist bereits entkernt, die Abrissbagger sind bestellt: Eine der gastronomischen Adressen in der Stadt mit einer großen Tradition, das Gebäude an der Ecke Stechbahn/Backermatt, wird in wenigen Tagen Geschichte sein. „Wir bauen dort ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohneinheiten“, so Jochen Koenen von Zevens Grundbesitz.

Das Gebäude gehört zum reichhaltigen Portfolio des Unternehmens von Bernd Zevens. „Wir haben am Mittwoch die Baugenehmigung erhalten“, berichtet Koenen. In vier bis sechs Wochen sollen die Arbeiten an dem neuen Haus beginnen.

Lange Jahre war das Erdgeschoss der Immobilie an der strategisch günstig gelegenen Ecke in Innenstadtnähe gastronomisch genutzt worden. Die Geschichte begann mit der „Bier-Akademie“ von Willi Lünendonk, der zuvor das „Downtown“ (am Opschlag) und das „PX“ (im XOX-Gelände) betrieben hatte.

Viele Klever werden sich noch gerne an den Nachfolgebetrieb der „Bier-Akademie“ erinnern, die „Wunderbar“. Matthias Braun führte das Lokal in einer formvollendeten Mischung aus Genie und Wahnsinn. Unvergessen, wie er Gästen einmal eine besondere Delikatesse anbot: „Ich habe noch Austern. Gestern war Dr. XY da, die sind übrig geblieben.“

Später betrieb der sehr selbstbewusste Koch Ralf Horst Tronnier an gleicher Stelle sein ambitioniertes Restaurant „Küchenkraut“, das den Klevern gehobene Küche zu ebensolchen Preisen bot, allerdings waren die als Zutat mitgelieferten Launen des Inhabers dem Geschäft nicht immer zuträglich.

Es folgten einige Jahre, in denen Josephine Heselmann (ehemals „Schwarzer Ritter“) in der Immobilie ihr Restaurant „Finy’s“ erfolgreich leitete. Nachdem sie den Betrieb Ende 2014 aufgab, fand sich kein neuer Mieter mehr. Daraufhin fiel die Entscheidung zum Abriss.


Steh’n die Trecker in der Stadt, haben Bauern Barbara satt!

rd | 09. Februar 2017, 13:57 | 49 Kommentare
Trecker-Protest gegen Ministeriums-Kampagne: die Wiesenstraße heute vormittag (Foto: Thomas Tewoort)

Trecker-Protest gegen Ministeriums-Kampagne: die Wiesenstraße heute vormittag (Foto: Thomas Tewoort)

„Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“: Mit flapsigen Sprüchen dieser Art, stilistisch an die volkstümlichen Bauernregeln angelehnt, möchte die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit auf ökologische Problemfelder in der Landwirtschaft hinweisen. Die Landwirtschaft habe nur eine Zukunft, so die Auffassung von Barbara Hendricks, „wenn sie naturverträglich ist und Artenvielfalt, Klimaschutz und die Gesundheit der Menschen mit berücksichtigt“. Nun aber sehen sich die Landwirte in Deutschland durch die gerade erst gestartete Plakat-Kampagne pauschal diffamiert, und, wenig überraschend, Unionspolitiker polterten gleich mit, allen voran Horst Seehofer, der die Sprüche als „nicht nur eine Verunglimpfung, sondern eine Beleidigung“ bezeichnete. In der Heimatstadt von Hendricks, hier bei uns in Kleve, brachten die Landwirte ihre Verärgerung mit einem spektakulären Protest zum Ausdruck: mit ihren Treckern zogen sie vor die Wiesenstraße, wo sich das Wahlkreisbüro von Hendricks befindet, und legten bis zum Mittag den Verkehr weit gehend lahm. Merke: Steh’n die Trecker in der Stadt, haben Bauern Barbara satt!


Aus der Geschäftswelt: Neue Messer, Adressen, Namen

rd | 08. Februar 2017, 20:48 | 2 Kommentare
America first, Kleve second: Sascha Piron

Apple war stärker: Sascha Piron

Jeder Reisende weiß: Das wichtigste der neun Werkzeuge ist der Korkenzieher (Foto: Kotters)

Jeder Reisende weiß: Das wichtigste der neun Werkzeuge ist der Korkenzieher (Foto: Kotters)

Elektro Rock, 01.03.2015, Fiasko des Halbausräumens

Elektro Rock, 01.03.2015, Fiasko des Halbausräumens

Fangen wir mit der schlechten Nachricht an: Letzter Verkaufstag bei Strauss Innovation am Fischmarkt ist der 22. Februar, danach ist vermutlich erst einmal einige Zeit mitten in der Stadt, in bester Lage, ein ärgerlicher Leerstand zu verzeichnen. Jetzt gekaufte Ware kann nicht mehr umgetauscht werden, was irgendwie einleuchtend erscheint. + + + Etwas weiter oberhalb, wo uns jahrelang Elektrik Rick mit seinen Schaufensterrätseln erfreute, ist ebenfalls eine große Fläche neu zu vermieten: Der Händler für alle eckigen Küchengeräte ist an die Kalkarer Straße verzogen, das Ladenlokal kurz vor dem Markt Linde wird derzeit nicht mehr genutzt. + + + Dass Kleve eine scharfe Sache ist, weiß jeder, der in dieser Stadt lebt und sie liebt. Und das seit bald 775 Jahren! Was liegt da näher als – – – ein Klever Messer! Und siehe da, hier ist es. Die Firma Kotters teilt mit: „Die Stadt Kleve feiert dieses Jahr den 775. Geburtstag. Wir haben dies zum Anlass genommen, ein schickes KLEVE-Messer fertigen zu lassen. Das neunteilige Schweizer Taschenmesser zeigt auf der schwarzen Griffschale eine silberfarbene Silhouette von Kleve. Ab ca. 6. März 2017 ist das besondere Taschenmesser nur bei uns für 26,50 € erhältlich.“ + + + Was hat Apple, das milliardenschwere Unternehmen aus Kalifornien, mit einem Metallbauunternehmen aus Kleve gemeinsam? Nur drei Buchstaben, aber damit fingen die Probleme an. Als Sascha Piron vor gut zehn Jahren in Kleve sein Metallbauunternehmen gründete, standen bei der Namensgebung die Hauptkunden Pate. Sie entstammten den Branchen Belüftung, Erdöl und Energie, im Englischen: Air, Petrol, Power. Aus den Anfangsbuchstaben dieser Wörter formte Piron die APP Components GmbH. Ein Jahr später kam das erste iPhone auf den Markt – und mit ihm bekamen die drei Buchstaben APP als Kurzbezeichnung für die Programme auf den Smartphones eine ganz neue Bedeutung. Jetzt hat Geschäftsführer Sascha Piron aus der Namensgleichheit die Konsequenzen gezogen: Seit Januar heißt sein Unternehmen Piron Metallbau GmbH. Der Grund ist einleuchtend: „Wer im Internet nach meinem Unternehmen gesucht hat und beispielsweise bei Google die Begriffe ,App‘ und ,Kleve‘ eingegeben hat, bekam immer Ergebnisse mit Programmanbietern für Kleve, fand aber nicht mein Unternehmen“, berichtet Piron. Damit ist jetzt Schluss! America first, Deutschland second. True.


Einem vom Pferd erzählen

rd | 07. Februar 2017, 15:51 | 24 Kommentare

Das Paar wollte sich nicht fotografieren lassen, deshalb gibt es keine Bilder zu dieser Geschichte, die aber nichtsdestotrotz eine Erwähnung verdient hat. Gestern um die Mittagszeit, während ich mein Fahrrad die Hagsche Straße hochschob, erblickte ich zwischen Sparkasse und Pohland Optik eine klapprige Kutsche und zwei Pferde. Dann sah ich eine Frau, die einem auf der Kutsche liegenden Sack Stroh Heu entnahm und damit ein Pferd fütterte.

Was aber ist das, fragte ich mich und ging auf die wetterfest gekleidete Frau zu. Sie klärte mich auf und sagte, sie und ihr Freund stammten aus Bulgarien und sie seien auf der Durchreise. Mit den Pferden und der Kutsche. Sie seien in ihrer Heimat aufgebrochen, dann durch Tschechien gereist und hatten zunächst die Schweiz als Ziel. Die Alpen hatten sie bereits überquert und waren im italienischen Teil der Alpenrepublik, als sie ihre Pläne änderten und sich die Niederlande als neues Ziel ausguckten. Mehr als tausend Kilometer hätten sei bereits zurückgelegt.

Sie seien Künstler, was aber keinesfalls in einem professionellen Sinne zu verstehen sei, vielleicht eher so in Richtung Lebenskünstler. Ärger hätten sie noch nirgendwo bekommen, diverse Male seien allerdings schon Ordnungshüter gerufen worden, die sich dann allerdings jedes Mal davon überzeugen konnten, dass alles seine Richtigkeit hat und die beiden, die neben der Kutsche herradeln, tatsächlich einfach mit zwei Pferden unterwegs sind. Ihr Nachtlager schlagen sie in einem Zelt auf, meistens am Rande von Städten, da, wo es Bauernhöfe gibt, damit sie die beiden Pferde mit Stroh versorgen können.

Die beiden Reisenden betteln nicht, aber in den wenigen Minuten des Gesprächs gab es gleich zwei Passanten, die Geld für die Pferde spendeten – und die offenbar auch einfach nur dankbar waren, für kurze Zeit etwas so ganz Normales und zugleich Verrücktes wie zwei Pferde mitten in der Stadt zu sehen.


Herzlichen Glückwunsch, Puppa!

rd | 06. Februar 2017, 14:55 | 2 Kommentare
Noch ein Piccolöchen?Das Glas Sekt darf nicht fehlen

Noch ein Piccolöchen? Das Glas Sekt darf nicht fehlen

Haus Bresserberg: Marie-Luise Klar in ihrem Reich

Haus Bresserberg: Marie-Luise Klar in ihrem Reich

Heute wird die Grande Dame der Klever Gastronomie 80 Jahre alt – herzlichen Glückwunsch, Marie-Luise Klar, oder, wie die halbe Welt sie kennt, Puppa Schmitz!

kleveblog gratuliert mit der Geschichte ihres Lebens (ursprünglich erschienen im Magazin Der KLEVER):

„Ich hab‘ sie alle überlebt“

Noch kein Beerdigungskaffee in dieser Woche, „ist das nicht komisch?“ Aber gestorben wird immer, also kein Grund, nervös zu werden, und so umsäuselt den Gast auch an einem regnerischen Nachmittag in einer menschenleeren Kneipe eine charmante Fürsorglichkeit, die in der Frage gipfelt: „Jung, willste ‘n Rosinenbrot mit Butter? Ein Kaffee ohne wat, dat is‘ doch nix.“

Bei Kaffee und Rosinenbrot entspinnt sich ein Gespräch über das Leben und die Liebe im Besonderen, über Krieg und Kriminalität – und über Tennisspiele im Sonnenaufgang. Aber wo anfangen?

Am besten vielleicht dort, wo eine junge Frau, die damals noch Schmitz mit Nachnamen hieß, jene Abzweigung nahm, die in späteren Jahren aus einem leidlich erfolgreichen Etablissement eine gastronomische Instanz der Stadt machte und aus Marie-Luise jene Puppa, die heute von den Schwanenfunkern auf die Bühne geholt wird und die bei der Jahresrückblicksgala „Made in Kleve“ vor hunderten Zuschauern in der Stadthalle erzählen darf, wie das so war, als sie von Einbrechern überfallen, gefesselt und sieben Stunden im Badezimmer ihrer Wohnung eingesperrt worden war.

Diese Abzweigung, die nicht hätte beschritten werden müssen und die alles änderte, liegt mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. Das Kleve der beginnenden fünfziger Jahre, eine Zeit, in der es noch ein Gymnasium gab, das allein Mädchen vorbehalten war, das „Lyzeum“. Die Schuljahre wurden noch lateinisch bezeichnet. Marie-Luise ging in der „Studienanstalt für Mädchen“ in die Obertertia, also in die neunte Klasse, und nichts hätte dagegen gesprochen, dass sie weiter zur Schule ging.

Außer Marie-Luise Klar selbst. „Ich hatte einfach keine Lust mehr“, sagt sie. Diesen Entschluss teilte sie auch ihrer Mutter mit. Nun sind viele Reaktionen von Eltern denkbar, insbesondere wenn diese viel Ehrgeiz darin legen, dass aus der eigenen Tochter ein „gutes Mädchen“ wird. Die unwahrscheinlichste aller denkbaren Entgegnungen erscheint aber der folgende Satz einer Mutter: „Gott sei Dank! Dann bleib mal hier.“

Paula Schmitz sagte genau diesen Satz.

Hier, das war in diesem Fall bereits das Ausflugslokal „Haus Bresserberg“. Die Gaststätte wurde ihre Welt. Puppa hat die Schule abgebrochen, sie hat nicht mal die mittlere Reife, sie hat keine Ausbildung, und sie ist immer in Kleve geblieben – aber nichts von alledem bereut sie, wenn sie heute, 79 Jahre alt, auf ein reiches Leben zurückschaut. „Für mich gibt es nichts Besseres“ sagt Puppa. „Käme ich noch einmal auf die Welt, ich würde wieder Wirtin werden wollen. Ich kann es nicht anders sagen, das ist mein Traumberuf.“

Kein Wunder, dass das Wochenende stets mit einem freudvollen Ritual eingeleitet wird. Hermann Hendriksen, der Tennislehrer und auch der Trainer von Puppa, setzt sich freitags abends gegen acht Uhr in die noch menschenleere Gaststätte und trinkt ein Fläschchen Piccolo, gemeinsam mit Puppa, die eigens dafür aus ihrer Wohnung herunterkommt und noch mit Lockenwicklern in den Haaren. Hendriksen feiert nach getaner Arbeit das Wochenende, Puppa die Vorfreude darauf, dass die Kasse wieder klingeln wird.

An den Wochenenden arbeitet sie mit, natürlich nicht mehr so viel wie früher. Puppa: „Aber wenn es voll ist, packe ich mit an, und dann ist es nicht so, dass ich gegen die Arbeit anschaue wie nichts Gutes, sondern ich freue mich darauf!“ Genau betrachtet, bilden die Geschichte der Gaststätte und die ihres Lebens eine Einheit. Der Bresserberg ist Puppa, Puppa ist der Bresserberg.

1934 übernahmen die Eheleute Paula und Gottfried Schmitz den Betrieb an der Königsallee, 1937 wurde Tochter Marie-Luise geboren, ein Einzelkind. „Und dabei sagen die Leute immer, dass aus Einzelkindern nichts wird“, so Puppa heute.

Es war Puppas Mutter, die im Kranenburger Jägerhof gastronomische Erfahrungen gesammelt hatte, die voller Energie steckte und den Betrieb auf Vordermann brachte – alle vorherigen Pächter waren daran gescheitert, dass das „Haus Bresserberg“ im Sommer die Gäste in Scharen anlockte und im Winter leer blieb. Paula Schmitz sorgte mit großen Festen dafür, dass durchgängig Geld in der Kasse war.

Der Betrieb lief so gut, dass Ende der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Mutter auf die Idee kam, die Immobilie zu kaufen. Sie gehörte einst Gustav Hoffmann, dem legendären Schuhfabrikanten, doch der hatte sie im Zuge einer finanziellen Schieflage an den Kreis Kleve verkaufen müssen. Die Beamten waren froh über einen Interessenten, doch sie wollten noch mehr losschlagen – sämtliche Tennisplätze, die um die Gaststätte herum angelegt worden waren. Dafür allerdings besaß Paula Schmitz nicht genug Geld.

„Aber das war ihr egal“, berichtet die Tochter. Für 13.000 Reichsmark gingen die Gaststätte und die Sportanlagen in den Besitz der Familie Schmitz über. Den Kaufvertrag unterschrieb die entschlossene Gastwirtin zunächst alleine, die Rolle des Vaters war darauf beschränkt, dass sein Sold – den er als Major bezog – komplett in die Tilgung des Darlehens floss.

Damit die Familie überleben konnte, musste das Geschäft laufen. Auch während des Krieges, als Soldaten in dem Lokal einquartiert waren, auch in Zeiten, in denen es nicht einmal Strom gab. „Auf allen Tischen standen Milchdosen mit Öl und einem Docht darin“, erinnert sich Puppa. „Auch auf dem Klavier. Da der Pianist die Noten in der Nähe des schummrigen Lichts ablesen musste, hatte er am Ende des Abends immer einen dicken Russstreifen im Gesicht.“

Als sich der Zweite Weltkrieg dem Ende zuneigte, wurden Mutter und Tochter ins Münsterland evakuiert, wo sie bei einem Landwirt unterkamen. Dann kehrten sie heim – zu dem, was der Krieg von ihrem Besitz übrig gelassen hatte. „Es war alles kaputt“, so Puppa. „Zwei Zimmer und ein Ofenrohr nach draußen, mehr hatten wir nicht.“

Einmal mehr war es die unbändige Energie der Mutter, die den Betrieb wieder erblühen ließ. Sie maggelte mit allem und mit jedem und sorgte unter anderem dafür, dass Mitarbeiter der Firma Gustav Hoffmann die Schützengräben zuschütteten, die quer durch die Tennisplätze gezogen worden waren.

Die Mutter, das personifizierte Wirtschaftswunder, und der Vater als eher zaghafter Gegenpart, der auch erbaulichen Momenten gegenüber aufgeschlossen war – so hat Puppa die ersten Jahre nach dem Krieg in der Gaststätte wahrgenommen. Von ihrer Mutter hat sie auch den Spitznamen erhalten, so nannte Paula Schmitz ihre Tochter, wenn sie in der Kneipe aushalf und am Zapfhahn stand: „Puppa, machste noch drei Pils!“

Zwei Szenen sind ihr aus den frühen Nachkriegsjahren besonders in Erinnerung geblieben. Die eine betrifft das Vorhaben, einen der zahlreichen Mottoabende in der Zeitung zu bewerben: „Samstags: Moulin Rouge“, so der Textvorschlag der Mutter, der der durchaus frivole Hintergrund der Formulierung wohl bewusst war. Vater war besorgt: „Das kannst du doch so nicht schreiben, nimm doch stattdessen: ‚Sehenswerte Dekoration‘.“ Mutter: „Dann kommt doch keiner!“ Klar, welche Formulierung am Ende obsiegte.

„Meine Mutter hat das alles wieder in Gang gebracht“, sagt Puppa heute. War der Laden leer, schlich sie missgelaunt umher. In der zweiten Erinnerung saß sie an einem solchen schlechten Tag in dem kleinen Raum mit Ölofen, mehr war „Haus Bresserberg“ damals noch nicht, und hörte gemeinsam mit ihrem Vater „Das ideale Brautpaar“, die von Jacques Königstein moderierte erfolgreichste Radioshow der fünfziger Jahre. So viel Muße während der Arbeitszeit konnte die Mutter nicht ertragen, so dass sie einen Streit vom Zaun brach. Mehr Gäste kamen dadurch natürlich auch nicht, aber, so Puppa, „sie hat uns den ganzen Abend versaut“.

Doch die Abende ohne Umsätze wurden seltener, die, an denen das Geschehen sich bis in die frühen Morgenstunden verlängerte, mehr und mehr. Zugleich entdeckte Puppa ihre Leidenschaft fürs Tennisspiel. Einmal stürzte sie nach einer ausschweifenden Nacht mit ihrem Tanzpartner ins Schlagzeug der Musikband. Am nächsten Morgen, auf der Autofahrt zum sonntäglichen Tennisturnier, berichtete sie ihren Mitspielern von dem Vorfall: „Ich bin gestern doch glatt in die Kapelle gefallen.“ Ungläubiges Staunen bei einer Sportskameradin: „Seit wann gehst du denn in die Kirche?“

1954 nahm sich Gottfried Schmitz, der an Depressionen litt, das Leben. „Ich hatte immer einen sehr guten Draht zu meinem Vater, aber die Erinnerungen an den Krieg, die Misere der Nachkriegsjahre und dann noch die Tatsache, dass wir immer noch Schulden hatten – all das war zu viel für ihn“, glaubt seine Tochter heute. Verwandte liehen Geld, damit der Betrieb weitergehen konnte.

Und wie es weiterging! Die Klever Jazzfreunde entdeckten das Lokal für sich, sogar Klaus Doldinger spielte dort, und zum Glück verfügte die Betriebsleitung mittlerweile über ausgezeichnete Kontakte zu den Behörden, sodass die Sperrstunde um ein Uhr morgens mehr und mehr empfehlenden Charakter bekam. Es gab viele gute Jahre und dann wieder schlechtere, aber Puppa hielt sich immer über Wasser, auch wenn die Gäste mal eher eine Ansammlung von 200 Jahren Gefängniserfahrung waren. Lang, lang ist’s her, und auch in dieser Phase hat sie nie einen Türsteher gebraucht: „Das habe ich alles selbst erledigt.“

Die langen Nächte wurden der Normalfall, bisweilen war erst um sechs Uhr morgens oder noch später Schluss. Meist endeten solche Abende dann mit einer Art vorweggenommenem Katerfrühstück – Bratkartoffeln mit Spiegelei, 7,50 Mark zusätzlich auf den Deckeln, die meist schon das Aussehen eines Jägerzauns hatten.

Wegen der engen Verbindung zum Tennisclub Rot-Weiß Kleve (der Verein hat die Plätze gepachtet) waren immer wieder auch Tennisspieler unter den Gästen, die glaubten Puppa herausfordern zu können, und es kam im Sonnenaufgang des Öfteren zu denkwürdigen Begegnungen. Meistens gewann Puppa, der Einsatz war in der Regel eine Flasche Sekt. Nur einmal musste sie sich einem höherklassigen Spieler aus den Niederlanden geschlagen geben, doch der spendierte trotzdem eine Flasche Sekt. Dafür musste Puppa allerdings im Gegenzug ein Frühstück zubereiten.

Seit 1979, als ihre Mutter starb, führt Puppa Schmitz das „Haus Bresserberg“ allein. Schon in den Jahren zuvor war sie allerdings die Frau, die für den Laden stand, ihre Mutter hatte sich bevorzugt im Hintergrund aufgehalten.

Wenn das Lokal die Bezugsgröße für das ganze Leben wird, ist es vielleicht normal, dass eine Beziehung fürs Leben sich auch von dort aus entwickelt. Da war dieser Mann mit durchaus feinen Umgangsformen, der öfter am Sonntag zu den Tanznachmittagen erschien. Paul Klar, Maschinenbauingenieur aus Oberhausen. Als er wieder einmal am Bresserberg war, Zeitung las und an seiner Tasse Kaffee nippte, dachte Puppa sich: „Wenn du jetzt nicht zu ihm gehst und ihn ansprichst, siehst du ihn nie wieder.“

Sie verabredeten sich zu einem Kaffee in Plasmolen (auf neutralem Terrain sozusagen). Beim Aufbruch machte der Galan die Dame darauf aufmerksam, dass sie die Handschuhe vergessen habe. „Da dachte ich mir: So ein Glück!“, so Puppa, die sich selbst in solchen Dingen für etwas schlampig hält. Allerdings sei es, bis sie ihn für sich eingenommen habe, noch „ein harter Kampf“ gewesen. „Der war elf Jahre älter als ich, der hat sich das lange überlegt.“ Als Puppa einmal krank darniederlag, wich er nicht von ihrer Seite, bis sie genesen war – „danach waren wir zusammen“.

Die beiden heirateten, aus der Ehe ging Sohn Sven hervor (der heute als Lehrer und Künstler arbeitet und keinerlei Ambitionen hegt, die Gaststätte irgendwann zu übernehmen). Und das junge Paar schmiedete Pläne. Er sagte: „Wir ziehen nach Essen.“ Sie sagte: „Mit dir ziehe ich überall hin.“ Puppa heute: „Stell dir mal vor – ich in einer Großstadt.“ Gleichwohl wurden damals am Baldeneysee Grundstücke besichtigt – allerdings waren die Preise so hoch, dass der Plan, Kleve zu verlassen, sofort beerdigt wurde.

Neue Pläne wurden geschmiedet. Warum nicht direkt neben dem Lokal ein schönes, neues, großes Haus bauen? Dieses Vorhaben wurde auch verwirklicht, und Paul klar war voller Begeisterung im Rohbau zugange und fragte seine Puppa detailversessen, wo diese oder jene Steckdose angebracht werden solle. Ein großes Missverständnis! „Das interessierte mich doch gar nicht, ich wollte doch viel lieber mit dem Kerl im Bett liegen!“

So kam es, dass das Haus zwar fertiggestellt, aber nie bezogen wurde. Puppa blieb dort wohnen, wo sie ihr ganzes Leben verbracht hatte – im Obergeschoss des Lokals. Puppa: „Unser Wohnzimmer liegt genau über der Kapelle, und wenn unten laute Musik gespielt wird, klappert bei uns oben das Porzellan. Bei den Rockkonzerten kann selbst ich das nicht aushalten, dann stecke ich mir Stöpsel ins Ohr. Im Schlafzimmer ist es auch etwas ruhiger.“

Der gut verdienende Mann, der ursprünglich mit seiner neuen Frau nach Essen ziehen wollte und dann in Kleve ein neues Haus baute, das nie bezogen wurde, führte seine Ehe also in der ersten Etage über einer Gaststätte, in der regelmäßig die Nacht zum Tage wurde. „Wir haben uns gut verstanden“, sagt Puppa. „Er hat mich gelassen, ich habe ihn gelassen. Und dann war er plötzlich tot.“ Herzinfarkt am Arbeitsplatz, ein paar Stunden später verstarb er im Krankenhaus. 13 Jahre ist das nun her.

Seitdem ist sie allein, aber nicht einsam. Die längste Beziehung ihres Lebens hat sie zu ihrem Laden, der an jedem Abend ein Brennglas ist, der das echte Leben verdichtet und natürlich auch verklärt und verleugnet. Sie hat Beziehungen entstehen und vergehen sehen, sie sagt, sie sei auch „ein bisschen Beichtmutter“, und sie habe ein schwaches Namensgedächtnis, was in ihrem Gewerbe auch ein Vorteil sein kann. „In der Liebe ist schon was los auf der Welt, aber das ist ja nicht nur bei uns, sondern überall so. Die Moral hat schon sehr gelitten.“ Sagt Puppa.

Dreimal wurde bei ihr eingebrochen, der erste Einbruch machte sie zur Heldin. Der Täter fesselte sie und sperrte sie ins Badezimmer. Die Fesseln konnte sie lösen, doch es gelang nicht, die Tür zu öffnen. Puppa: „Da habe ich mir erst die Fingernägel gemacht, dann die Fußnägel, dann die Haare gewaschen. Ich musste was machen, ich hätte natürlich auch schreien können, aber niemand hätte mich gehört.“ Erst der Zeitungsbote befreite Puppa aus ihrer misslichen Lage. Der Täter wurde gefasst und verurteilt.

Nach dem zweiten Einbruch saß Puppa Schmitz zitternd in der Wohnung, und ein junger Polizist sprach beruhigend auf sie ein: „Frau Klar, wahrscheinlich wäre es am besten, wenn sie sich eine andere Wohnung suchen würden.“ Puppa schwieg, nicht ausgesprochen blieb also der folgende Gedanke: „Männeken, wenn du wüsstest – in einer anderen Wohnung wäre ich auch tot.“ Auch dieser Täter wurde gefasst und verurteilt.

Der dritte Einbruch war der schlimmste, weil der Täter mit einem Elektroschocker kam. Das Gerät funktionierte zum Glück nicht. Und zum Glück hatte sie gerade ihren Steuerberater in der Leitung, der sofort die Polizei rief. Der Täter wurde gefasst und ebenfalls verurteilt.

So hat Puppa Schmitz Krisen und Kriminelle überstanden, sie hat gelebt, geliebt, und sie ist stolz und kann auch lachen, wenn sie auf all das zurückblickt, was ihr Leben ausmacht. Vor einigen Jahren, als das Schweizerhaus abgerissen wurde, dachte sie: „Jetzt habe ich alle überlebt.“ Alles, was an Gastronomie zumindest in einer ähnlichen Liga spielte, ist vergangen – Schweizerhaus, Eddie’s Club, Hotel Bollinger, Old Grany, Herta Cattle und ihr Hotel Robbers, alles im Staub der Geschichte.

Das „Haus Bresserberg“ hat alle überdauert, und die Wirtin ebenfalls. Nur der Herrgott bestimme, wie lange sie noch hinterm Tresen stehe. Puppa: „Wenn ich hier raus muss, wo sollte ich dann hingehen? Ich könnte natürlich in mein Haus ziehen, aber ich bin sicher, dass ich da kaputtgehen würde. Wenn hier andere Leute herumspringen – das geht ja wohl gar nicht!“


Karrieresprung für Klever Journalisten: Peter Huth wird WamS-Chef

rd | 06. Februar 2017, 11:33 | 12 Kommentare
Peter Huth, Chefredakteur BZ, Ex-Mitarbeiter Grenzland Post

Peter Huth, Ex-Mitarbeiter Grenzland Post

Peter Huth, jetzt selbst Teil der Chefredakteurs-Ahnengalerie (Foto: Peter Huth)
Herzlichen Glückwunsch! Der aus Kleve stammende Journalist Peter Huth übernimmt eine neue Aufgabe bei Axel Springer – er führt ab sofort die Redaktion der renommierten Welt am Sonntag. Der Medienkonzern (Bild u.a.) teilte mit: „Peter Huth, 47, seit 2008 Chefredakteur der B.Z. und seit 2013 zusätzlich Stellvertreter des Chefredakteurs von BILD, wird ebenfalls mit sofortiger Wirkung Chefredakteur der Welt am Sonntag. Nachfolger von Peter Huth als Chefredakteur der B.Z. wird Miriam Krekel, 39, derzeit Stellvertreterin des Chefredakteurs.“ Vorstandsvorsitzender Matthias Döpfner kommentierte: „Peter Huth hat die B.Z. als Magnet der Kreativen und als Beispiel für modernen Hauptstadt-Boulevardjournalismus positioniert. Dafür danke ich ihm und wünsche ihm für seine neuen Aufgaben bei der Welt am Sonntag ebenso viel Erfolg.“


10 Jahre kleveblog! 7. Wie war das, als Angela Merkel die Redaktion besuchte?

rd | 05. Februar 2017, 17:32 | keine Kommentare
Ein Besuch in der hippen kleveblog-Redaktion? Warum nicht, Frau Bundeskanzlerin? (Foto © Bundespresseamt/Denzel)

Ein Besuch in der hippen kleveblog-Redaktion? Warum nicht, Frau Bundeskanzlerin? (Foto © Bundespresseamt/Denzel)

Als Angela Merkel vor vier Jahren Theo Brauer besuchte, um sich von ihm die Welt erklären zu lassen, machte die Kanzlerin auch einen kleinen Abstecher zum Grünen Heideberg, zur hippen kleveblog-Redaktion. Neuland für die Regierungschefin, die damals noch mit einem Nokia 7210 telefonierte und dem Herausgeber bei einem Chai Latte im grünen Regierungskostüm erläuterte, warum Fake News für Sie ein rotes Tuch sind. Die Redaktion zeigte sich einsichtig und nahm daraufhin die folgenden Geschichten sofort vom Netz:

Pleustophytenkreuzer MS Theo d’oro: Möge die Schlacht beginnen!

Sparkasse nimmt neue Hauptstelle in Betrieb: Nach der Volksbank Kleverland hat nun auch die Sparkasse Kleve eine neue Hauptstelle in Betrieb genommen. Der Neubau war nötig geworden, nachdem der moldawische Zentralbankrat überraschend die Sprengung des bisherigen…

(19/24) 1000 Meisterwerke: Elektrik-Rick: Das Leben ist eine Spülmaschine. Es ist eine der klassischen fiaskösen Situationen aus der Echtküche im Echtleben: Man will benutztes Geschirr in die Spülmaschine einräumen und entdeckt, dass der Partner oder Spross den bereits seit…

Fragen und Antworten zum Einsatz des Pleustophytenkreuzers HMS Theo d’Oro: Vor zwei Monaten ließen die Umweltbetriebe der Stadt Kleve den Pleustophytenkreuzer der T-Klasse HMS Theo d’Oro vom Stapel, ein Doppelrumpfschiff mit einer unzerstörbaren Außenhaut aus eloxiertem, hochangereicherten Aluminium, dessen vier…

Landgericht: Neue, fluchtsichere Toiletten installiert! So schnell können Behörden reagieren: Nach der Flucht eines Häftlings während der Urteilsbegründung installierte die Justiz jetzt neue – garantiert fluchtsichere – Toiletten…

Die Akte Schürmanns: Nie ausgeführte Korrekturen: Im Klever Wochenblatt erschien gestern ein Artikel mit der Überschrift »Die „drei ???“« – ein Dokument der nackten Angst, wie eine kleveblog zugespielte Manuskriptfahne mit nie ausgeführten Korrekturen von Redaktionsleiter…

VEB FN: Spreen verspricht 15 Freiflüge für jeden Bürger! Es ist eine gute Nachricht für alle Bürger: Im Zuge der Umwandlung des Flughafens Niederrhein (FN) in einen Volkseigenen Betrieb (VEB), die bis 2016 abgeschlossen sein soll, verspricht Landrat Wolfgang…

1000 Meisterwerke: „Teures ‚Licht-Bild’“: Der ganz der regimekritischen Dichtung der Spätrenaissance verhaftete Lyriker Walther Flinterhoff, ein Mitglied der Gruppe 1848, hat mit seiner neuen Text-Bild-Collage „Teures ‚Licht-Bild’“ ein Werk geschaffen, dessen Platzierung unten links auf der Seite B6 Lokale Kultur mit spielerischem Undersstatement vergessen macht

And the winner is… Camping Freizeit Sport


Von oben herab: Baustelle Sternbuschbad

rd | 05. Februar 2017, 16:18 | 4 Kommentare

Doh-So-Philie, diesmal der Blick auf Kleves größte Baustelle. Es wird, wenngleich zukünftig ohne wettkampfuntaugliches Olympiabecken (bei den Beckenmaßen war die Verkachelung nicht mitberechnet worden)…

Waldarbeiten (Foto: Torsten Barthel)

Waldarbeiten (Foto: Torsten Barthel)


Wohin am Wochenende? (5)

rd | 03. Februar 2017, 17:40 | keine Kommentare

Noch nichts vor? Na warte!

Samstag, 16:00 Uhr: Knackiger Po (Volkshochschule)

Ist das noch die Volkshochschule, wie wir sie kennen? Die Volkshochschule, die Dienstag abends Stenografiekurse anbietet, damit man besser durchs Leben kommt? Vermutlich nicht, aber egal – die Teilnehmer dieses VHS-Kurses lernen „effektive Übungen, […] um den Unterkörper wieder in TOP-Form zu bringen“. Und Massagetechniken. Und Tipps und Tricks, das Hautbild zu verschönern. (Voranmeldung war erforderlich.)

Samstag, 18:15 Uhr: VfL Merkur Kleve – FSV Jüchen (Stein-Gymnasium)

Nach dem Überraschungssieg in Emmerich am vergangenen Sonntag empfangen die Basketballer des VfL Merkur Kleve nun den Tabellenführer FSV Jüchen. Allerdings erhielt der frisch erweckte Optimismus im Abstiegskampf im Laufe der Woche erhebliche Dämpfer – Aufbauspieler Artur Kerenker konnte die ganze Woche nicht trainieren, Center Kevin Pitzner zog sich im Training einen Bänderriss zu und fällt vermutlich für den Rest der Saison aus, und Leistungsträger Alex Kacar musste aus Gründen, die der Trainer noch einer strengen Prüfung unterziehen wird, absagen. Also eine schwere Prüfung, die zu sehen nicht ganz einfach sein wird. Das Spiel ist seit Wochen ausverkauft, möglicherweise lungern vor der Schule aber noch Schwarzkartenverkäufer herum. Mehr als siebzig Cent sollte man aber auf keinen Fall für ein Ticket ausgeben!

Sonntag, 11:30 Uhr: Schule Kunst Museum (Museum Kurhaus)

An diesem Wochenende präsentieren weiterführende Klever Schulen samstags und sonntags ab 11 Uhr die Kunstwerke von Schülerinnen und Schülern, die das gesamte letzte Schuljahr aus Anlass der Ausstellungen im Museum Kurhaus Kleve entstanden sind. Bei „Schule Kunst Museum“ handelt es sich um das größte Klever Bildungsnetzwerk, das seit dem Jahr 2000 existiert und kontinuierlich zwischen dem Klever Museum und den Schülern betrieben wird. Es kulminiert im gemeinsamen Ausstellungswochenende, an dem das gesamte Erdgeschoss des Museums mit Werken von Kindern und Jugendlichen eingerichtet wird. Im Rahmen des Projekts gibt es am Samstag von 15:30 Uhr bis 16:30 Uhr eine Führung sowie den Festakt „Mittendrin“ am Sonntag von 11:30 Uhr bis ca. 13 Uhr.
Der Eintritt ist frei.

Sonntag, 17:00 Uhr: Karneval an der Orgel (Willibrord-Kirche)

Die katholische Kirchengemeinde St. Willibrord, Kleve lädt am Sonntag um 17 Uhr in ihre Pfarrkirche an der Overbergstraße im Ortsteil Kellen zu einem besonderem Konzert ein. Zur Aufführung kommt der „Karneval der Tiere“ des französischen Komponisten Camille Saint-Saens in einer Fassung für Orgel zu 4 Händen und Füßen, ergänzt durch Texte von Albrecht Gralle. Die 14 meist recht kurzen Sätze von Saint-Saens widmen sich lautmalerisch meist einer Tierart und zitieren und parodieren gleichzeitig Melodien bekannter Komponisten, etwa von Mozart, Rossini oder Offenbach, wobei es der Komponist den Zuhörern überlässt, etwaige Beziehungen zwischen den Tieren und den zitierten Komponisten herzustellen – gewissermaßen eine „musikalische Bütt“. Die ursprünglich sehr abwechslungsreiche kammermusikalische Instrumentierung kommt einer Wiedergabe auf der Orgel mit ihren vielfältigen Klangfarben sehr entgegen. Ausführende sind Helmut Lisken als Sprecher, Christian Kammans und Michael Behrendt an der Orgel. Der Eintritt ist frei – es wird am Ende um eine Spende zur Deckung der Kosten gebeten.


10 Jahre kleveblog! 6. Fantastische Fotos aus 7 Erdzeitaltern

rd | 02. Februar 2017, 14:50 | 1 Kommentar

Auch wenn die Veranstaltung hier grundsätzlich im Zeichen des Wortes steht, so war kleveblog in den vergangenen zehn Jahren auch immer ein Hort der hochwertigen Lichtbildnerei. Hier zur allgemeinen Erbauung eine kleine, bescheidene und sicherlich unvollständige Auswahl, bevor in den kommenden Tagen weitere Details zur Festgala in der Klever Stadthalle, zu der sich jetzt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel angesagt hat, veröffentlicht werden. kleveblog stand übrigens auch schon mal auf der Liste möglicher Grimme-Preisträger, allerdings sind die Siege dort für Stefan Niggemeier reserviert.

Weiteres Umfeld (Foto: Torsten Barthel)

Weiteres Umfeld (Foto: Torsten Barthel)

Gelebte Vielfalt aus dem Klever Bäckereiwesen: Weckmänner auf Kegeltour (Fotorecherche: H. Marquardt)

Gelebte Vielfalt aus dem Klever Bäckereiwesen: Weckmänner auf Kegeltour (Fotorecherche: H. Marquardt)

Dieses Bild scheint zu schreien: Nimm mich!

Dieses Bild scheint zu schreien: Nimm mich! (Aus dem Bistro Mystic Garden)

Summer jam

Summer jam (am Drususdeich)

Schiffsbau für den Bahnhof: Eleganter Schwung im Arnheimer Terminal (Foto © Ronald Tillemann)

Schiffsbau für den Bahnhof: Eleganter Schwung im Arnheimer Terminal (Foto © Ronald Tillemann)

Frugaler Charme

Frugaler Charme

Bürgermeister und Gefolge (Foto: B. Pauls)

Bürgermeister und Gefolge (Foto: B. Pauls)

Die Natur erobert zurück

Die Natur erobert zurück (Union-Gelände)

Nahm sich 30 Sekunden Zeit für die Belichtung: Klaus Oberschilp

Nahm sich 30 Sekunden Zeit für die Belichtung: Klaus Oberschilp

Blaupause

Blaupause im Strnbuschfreibad

Don't look back in anger

Don’t look back in anger

Die Hochschule Rhein-Waal präsentiert sich derzeit zerrissen, was die Nachfolge der Gründungspräsidentin angeht (Foto: Klaus Oberschilp)

Die Hochschule Rhein-Waal präsentiert sich derzeit zerrissen, was die Nachfolge der Gründungspräsidentin angeht (klassisches Symbolfoto, geschossen von: Klaus Oberschilp)

Greenback (Foto © Claudia Philipp

Greenback (Foto © Claudia Philipp

Mögen diese beiden die Herzen derjenigen wärmen, die bisher leer ausgegangen sind

Mögen diese beiden die Herzen derjenigen wärmen, die bisher leer ausgegangen sind (Stilleben aus dem Café T42)

Illustration sponsored by Kochlöffel Media Services

Das Knochenmodell stand mal hoch im Kurs, um Kleve zu erklären – kleveblog lieferte die passende Illustration, sponsored by Kochlöffel Media Services

Meingott, denmusserdochmachn!

Meingott, denmusserdochmachn! (Aus dem Buch „Kleve 1977“ von Peter Janssen)

Man könnte glauben, diese Stadt würde 20 nach 9 nicht mehr erleben. Tat sie dann aber doch, wie eigentlich immer

Man könnte glauben, diese Stadt würde 20 nach 9 nicht mehr erleben. Tat sie dann aber doch, wie eigentlich immer

Ich war's nicht schuld: Autor und Ford Escort in Bayonne (wo der Wagen dann auch blieb – nach Motorschaden für 900 Francs verkauft)

Ich war’s nicht schuld: Autor und Ford Escort in Bayonne (wo der Wagen dann auch blieb – nach Motorschaden für 900 Francs verkauft)

Blick Richtung Westen (Klick aufs Bild für bildschirmsprengende Darstellung)

Grüne Hölle Reichswald, Blick Richtung Westen (Klick aufs Bild für bildschirmsprengende Darstellung)

Wer das anklickt, sprengt seinen Bildschirm (© Kleinendonk)

Nobler Nebel an der Hochschule (Foto: Kleinendonk)

© Christian Flock

Ökologische Fußabdrücke im Himmel (Foto: Christian Flock)


10 Jahre kleveblog: 5. Glanz und Elend 54.080 genehmigter Kommentare

rd | 31. Januar 2017, 20:49 | 8 Kommentare

Wenn mich mein verbliebenes Lateinwissen nicht täuscht, hat das Wort Kommentar die lateinischen Wurzeln „cum“ und „mens“, man bringt also seinen Verstand („mens“) mit („cum“) ein, mithin steht dem Kommentar diametral entgegen die Demenz, bei der der Verstand sich langsam verabschiedet.

So gesehen, ist kleveblog seit seiner Gründung im Januar 2007, reichlich Verstand in Form von 54.080 genehmigten Kommentaren entgegen gebrandet, hinzu darf noch eine beträchtliche Zahl gelöschter Kommentare gerechnet werden, die möglicherweise auch Formen von Intelligenz enthielten, die jedoch entweder aus juristischen Gründen oder aus solchen des Anstands nicht die redaktionelle Kontrolle, von erzürnten Lesern mitunter gerne auch fälschlicherweise „Zensur“ genannt, passieren konnten.

Seit Bestehen der Seite sorgen die Kommentare für Verdruss, womit kleveblog freilich nicht allein auf dieser Welt ist, sondern nur eine von ca. zehn Millionen Seiten. Kürzlich ging mein ehemaliger Chef, Michael Spreng (sprengsatz.de), sogar so weit, aus seinem Blog sämtliche Kommentare zu verbannen. Zu viel Hass, zu viel Blödsinn, zu viel Unverstand, so etwa war die Argumentationslinie.

kleveblog wird seine Kommentare behalten, auch wenn der Schriftleitung klar ist, dass nicht jeder Wortbeitrag mit der Brillanz der redaktionellen Inhalte (???) mithalten kann. Demgegenüber steht aber in vielen Fällen eine lebhafte Diskussion, die sonst in Kleve nirgendwo zu finden ist.

Klar, den einen stört die mögliche Anonymität, den anderen die Handvoll der Kommentatoren, die im Zweifel die virtuelle Stammtischhoheit immer wieder an sich reißen. Doch die Redaktion weiß erstens zu schätzen, dass die Leser sich tatsächlich beteiligen – und dies auf einem Niveau, das auf jeden Fall deutlich oberhalb von Facebook angesiedelt ist –, dass sie in ihren Beiträgen mitunter auf Fehler in der redaktionellen Darstellung hinweisen, dass sie diese um wertvolle Aspekte bereichern, oder dass sie auch schon mal noch verquerer denken als die Redaktion selbst. Also: Auch nach zehn Jahren bleibt alles, wie es ist, wer keine Lust auf dieses „Mit-Denken“ hat, muss es sich ja nicht antun.

Was Sie sonst noch über die Kommentare auf kleveblog wissen wollten, bisher aber nicht zu fragen wagten:

Die meisten Kommentare bisher geschrieben hat der Mann oder die Frau namens „Messerjocke“. Mit seinen 3015 Kommentaren ist „Messerjocke“ für beachtliche 5,5 Prozent des gesamten Meinungsaufkommens verantwortlich. Der Name des Pseudonyms stammt übrigens aus dem Kinderbuch „Pippi Langstrumpf“, in dem ein Pirat so heißt.

Früher lieferte sich Messerjocke ein kopf-an-Kopf-Rennen mit Killerplautze, doch mittlerweile liegt Messerjocke uneinholbar vorne – Killerplautze ist nämlich tot (Ludwig Seerden, 1960-2013).

Die beiden zweifelsohne umstrittensten Kommentatoren waren Willi Heuvens, der in Bezug auf den früheren Bürgermeister Theo Brauer hagiographische Tendenzen an den Tag legte, und Martin Fingerhut, der einfach alles wusste (und weiß), und das auch noch besser – und zudem in einer eigenTümlichen RechtSchreibung, von deren besserer LesBarKeit er als einziger Mensch im UniVersum überZeugt war (und ist).

Die liebsten Kommentatoren sind mir die, die aus der Tiefe des Raumes mit profunden Wissen über bestimmte Vorgänge glänzen, da gab es beispielsweise einmal einen Konfuzius a.D., oder aktuell meldet sich von Zeit zu Zeit der rätselhafte Niederrheinstier.

Tendenziell bevorzuge ich kurze und pointierte Äußerungen, und was überraschende Perspektiven angeht, ist beispielsweise ein „R K H“ ein verlässlicher Lieferant für mitunter strenge, aber immer diskussionswürdige Ansichten.

Das Bewertungssystem für die Kommentare, vor gut einem Jahr eingeführt und irgendwie ein bisschen Facebook-artig, bringt meines Erachtens nicht so viel. Ich denke, es wird wieder abgeschafft.

Was Sie, lieber Leser, nicht zu Gesicht bekommen, sind die zahllosen Spam-Kommentare, mit denen auch diese Seite geflutet wird. Das Abwehrsystem, das sehr verlässlich arbeitet, meldet aktuell seit seiner Installation im Mai 2012 337.616 Kommentare, die Werbebotschaften für Potenzmittel oder Billigkredite waren. Mithin kommen auf einen normalen Kommentar zehn Spam-Kommentare, und in der ganzen Zeit sind nur sieben echte Kommentare fälschlicherweise der Spam-Kategorie zugeordnet worden, die Genauigkeit liegt also bei fast hundert Prozent. Das System (Akismet) rechnet vor, dass mir durch die automatische Erkennung 60 Tage Arbeit erspart worden sind – das ist doch mal nett!


10 Jahre kleveblog… Schätze aus dem Wörtersee (Edition 2011)

rd | 31. Januar 2017, 19:57 | keine Kommentare

Blick zurück zum Jubiläum: Das Jahr 2011… die ersten Lose für den Minoritenplatz werden vergeben… die Hochschule läuft zu großer Form auf… und die halbe NATO diskutiert in Kleve die Zukunft des Krieges… hier alles im Spiegel einiger paranoider Überschriften:

Wohlfühlfaktor 560: Die (wahrscheinlich) gemütlichste Baustelle der Welt

07b 2 MOES D R225: CANC. – THÖM: Sachen gibt’s

Geistige Schlagsahne, so what? 8219 Tagestouristen, so what?

4 Lose – 1,5 Gewinner – 2,5 Nieten (vorerst)

Eine fliese Geschichte

Easy Rider (Swiss version)

Flughafen Niederrhein: Eine »steuerlich sinnvolle« Verlustkonservendose?

Fähr Play

Einen haben wir noch: Prof. Ranga (»Dschörnalism & Bionics«)

Tagebuch eines Geräderten (3): Ich fühle mich so bedarfsgeampelt

Die Stunde des Käseigels: Time to say good Bay

Bachelorstudiengang Riesenradiologie (International Wonderwheelistics)

Kirchstraße 19: Lt. Aktenlage Heiratsantrag

Schwere Koriander-Krise/Heavy coriander crisis/भारी धनिया संकट

Dschäppssissi (JAPCC)

Hausaufgabe: Schreibe einen Aufsatz »Prinz Thommy entspannt sich«, und…


Der rasende Ronald: Bahn frei für Pofalla!

rd | 30. Januar 2017, 16:37 | 33 Kommentare
Über die Bedeutung des Wortes gemeinsam darf spekuliert werden, die Chancen stehen allerdings gut, dass Ronald Pofalla weiter in die Mitte rücken wird

Über die Bedeutung des Wortes »gemeinsam« darf spekuliert werden, die Chancen stehen allerdings gut, dass Ronald Pofalla weiter in die Mitte rücken wird (Foto: DB)

An dem Tag, an dem sein Vertrag eigentlich um drei Jahre hätte verlängert werden sollen, trat er ab: Rüdiger Grube, Chef der Bahn, des mit 300.000 Mitarbeitern und rund 40 Milliarden Euro Jahresumsatz größten deutschen Unternehmens, räumt mit sofortiger Wirkung seinen Posten! Grund dafür soll ein Streit mit dem Aufsichtsrat gewesen sein, der dem 65 Jahre alten Vorstandschef nur eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre genehmigen wollte.

Man könnte sich vorstellen, dass dieser Vorschlag einer um ein Drittel gekürzten Amtszeit vor dem Hintergrund gemacht wurde, dass ein anderer Kandidat bereits mit den Hufen scharrte – und für den ist der Weg nun mit sofortiger Wirkung komplett frei! Ronald Pofalla, langjähriger Kanzleramtsminister und enger vertrauter von Angela Merkel, seit 2015 im Vorstand der Bahn, gilt als Favorit für die Nachfolge – und wäre damit ein weiterer Klever (in diesem Fall etwas genauer: Weezer), der in Berlin an entscheidender Stelle mitmischt (neben z.B. Dr. Barbara Hendricks und Peter Huth).

Der überraschende Wechsel aus der Politik in die deutlich lukrativere freie Wirtschaft hatte vor einigen Jahren für böse Schlagzeilen und auch für viel Bitternis in der regionalen CDU gesorgt. Die Christdemokraten waren noch fröhlich für ihren langjährigen Spitzenkandidaten in den Wahlkampf gezogen und mussten wenige Wochen nach der Wahl erfahren, dass Pofalla mit der Politik gar nicht mehr so viel im Sinn hatte. Pofalla ertrug den Sturm der Entrüstung, indem er sich einfach wochenlang weg duckte und überdies sein Privatleben neu sortierte (Hochzeit mit der 22 Jahre jüngeren Anwältin Nina Hebisch am 8. August vergangenen Jahres).


10 Jahre kleveblog! 4. Der Mensch im Fokus

rd | 28. Januar 2017, 13:31 | 3 Kommentare

Natürlich steht auf dieser Seite der Mensch im Fokus, der Mensch mit all seinen Stärken und, vielleicht etwas mehr noch, mit seinen Schwächen. Aber vom Anbeginn der klevebloggerei an war es auch stets von Bedeutung, dem Gegenüber tief ins Auge zu blicken – was eine Fülle wunderschöner Porträtaufnahmen nahezu zwangsläufig mit sich brachte. Hier, nach zehn Jahren scharfer Tiefe und tiefer Schärfe, eine kleine Auswahl:

Zukunftsmodell Wochenmarkt: Marktbeschicker Jürgen Holtmans

Zukunftsmodell Wochenmarkt: Marktbeschicker Jürgen Holtmans

Ein Leben für Gott: Schwester Cäcilia (Foto: KKLK)

Ein Leben für Gott: Schwester Cäcilia (Foto: KKLK)

Marianne und Wilhelm Bucksteeg: Am 23.12. ist Schluss

Marianne und Wilhelm Bucksteeg: Die letzten Tage „Zu den Kastanien“

 Alfons A. Tönnissen (hier 2014 bei der Nachmittagslektüre im Pias) musste erleben, dass Einbrecher sein Haus durchwühlten

Kluger Kopf mit NZZ: Alfons A. Tönnissen

Sicherer Blick für die modischen Bedürfnisse des Mannes: Ulrich Schulte zur Wißen

Sicherer Blick für die modischen Bedürfnisse des Mannes: Ulrich Schulte zur Wißen

Rüdiger Hendricks mit einem Klassiker aus der Gerichtskantine, der Tasse Filterkaffee für 60 Cent

Rüdiger Hendricks mit einem Klassiker aus der Gerichtskantine, der Tasse Filterkaffee für 60 Cent

Barbara Jacobs bei der Eröffnung des BioMarkts in der Hoffmannallee

Barbara Jacobs bei der Eröffnung des BioMarkts in der Hoffmannallee

Das neue Führungsquartett der Klever Jazzfreunde, ansprechend in Szene gesetzt

Das neue Führungsquartett der Klever Jazzfreunde, ansprechend in Szene gesetzt

Apo in seiner Welt. Am 24.12. wird ein neues Kapitel aufgeschlagen

Apo in seiner Welt

Blumen auch von der CDU, überreicht vom Fraktionschef Wolfgang Gebing (Foto © Thorsten Barthel)

Blumen für Sonja Northing auch von der CDU, überreicht vom Fraktionschef Wolfgang Gebing (Foto © Thorsten Barthel)

Neu im Mai: Dr. Heide Naderer

Neu im Mai: Dr. Heide Naderer

Ihm ist das Lachen vergangen: Udo Tjaden

Ihm ist das Lachen vergangen: Udo Tjaden

Nix wie weg? Investor Thomas Riek (Foto: © Kleinendonk

Nix wie weg? Investor Thomas Riek (Foto: Kleinendonk)

Wenn Sie den kleveblog-Redakteur einmal zu fassen kriegten…

Der Redakteur hat’s schwer – im Dialog mit Theo Brauer (Foto: Kleinendonk)


10 Jahre kleveblog – noch mehr aus dem Sprachlabor…

rd | 28. Januar 2017, 13:17 | keine Kommentare

10 Jahre kleveblog, 10 Jahre Sprachlabor! Für viele diese Überschriften wird der Autor vermutlich in der Wortspielhölle frittiert, aber sei’s drum – schöne Überschriften aus dem Jahr 2010:

Das Private ist das Politische am Beispiel Putenbraten
Bürgerversammlung Rindern: Schaulaufen der Silbenschleppzüge

Böse Köttböllarüberraschung auf dem Köntöauszug
Abenteuer Jobbörse: Bachelor of Love bei der LVA

Triester Trestertristesse
T42: Alles ganz (s)anders

Kirmesanekdote (mit 100 Toten)
Irreal. Wolkenkuckucksheim. Protest. Utopie. Hinrissig. Unverschämtheit

Belle Block
Krume Gedanken
12 Zeilen Haas


„Diagnose: Jugendschizophrenie“

rd | 28. Januar 2017, 12:59 | 5 Kommentare

Beim Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gestern im Bundestag standen zwei Menschen im Mittelpunkt, die sterben mussten, weil sie psychisch krank waren. Sie waren zunächst Patienten der Landesklinik Bedburg-Hau, bevor sie nach Hadamar verlegt wurden. Dort wurden sie ermordet und verbrannt, wie Tausende andere psychisch kranke Menschen auch. Wer mehr zu den beiden Schicksalen erfahren will – die Gedenkreden sind auf YouTube verfügbar:

Benjamin Traub:

Anna Lehnkering:

… und vielleicht ist es die beste Medizin gegen alle derzeit so langsam wieder salonfähig werdenden Ansichten, sich diese beiden Reden anzuhören.


Wohin am Wochenende? (4)

rd | 27. Januar 2017, 15:55 | keine Kommentare
Variationsreiche Arranschemenz, wie der Kölner sagt

Variationsreiche Arranschemenz, wie der Kölner sagt

Unsere handverlesene Auswahl fürs letzte Januarwochenende:

Freitag, 20 Uhr: Wilfried Schmickler (Stadthalle)

Der bekannte Kabarettist präsentiert „Das Letzte“. Eintritt: 21 Euro.

Freitag, 20:30 Uhr: Tamoko (Casa Cleve)

Ob man „Roxy“ von den Bläck Fööss, „Heimweh nach Köln“ oder „Ich bin ene Kölsche Jung“ in der Jazz-Version wiedererkennen wird? Ob das mit „Superjeilezick“ von Brings überhaupt funktioniert? Seit zwei Jahren tingelt die Band um den Pianisten Simon Seeberger mit dem ungewöhnlichen Songmaterial durch die Bundesrepublik und stößt jedes Mal auf große Begeisterung. Die kölsche Lebensart schätzend, doch gleichzeitig von einem beständigen Fernweh begleitet, lässt uns Seeberger die melancholische Zerrissenheit zwischen den Vorzügen der Heimat und dem abenteuerlichen Kitzel des Fremden und Ungewohnten spüren. Konzert der Klever Jazzfreunde.

Sonntag, 13:30 Uhr: Antiquarischer Büchermarkt (Kolpinghaus)

Für Freunde alten, bedruckten Papiers fast schon ein Muss: der antiquarische Büchermarkt des Klevischen Vereins zu Jahresbeginn im Kolpinghaus.

Sonntag, 18 Uhr: FKB Emmerich – VfL Merkur Kleve (Hansa-Sporthalle)

Zweiter Spieltag der Rückrunde, die Klever Basketballer immer noch mit dem Rücken zur Wand. Das Lokalderby in Emmerich kommt da gerade recht. Abfahrt Fanbus: 17 Uhr ab Stein-Gymnasium.


10 Jahre kleveblog! 3. Die besten Überschriften

rd | 27. Januar 2017, 15:32 | keine Kommentare

klblg_10j-klblg_kuchen

Lokale Zeitgeschichte im Schnelldurchlauf, gesehen in Form von Überschriften, bei denen jedem Google-fixierten Suchmaschinenoptimierer die Haare zu Berge stehen dürften. kleveblog war und ist Anbiederung an lesende Maschinen völlig fremd, für die Redaktion ist Sprache eine fantastische Möglichkeit, dem Treiben der Welt einen Sinn abzuringen, der überraschend und verblüffend sein kann und auf jeden Fall Zusammenhänge herstellt, wo es gut tut, auch einmal über den Tellerrand zu blicken.

Hier also die besten Überschriften, jeweils verlinkt mit den dazugehörigen Artikel, damit man weiß, worum es geht (Teil 1: die frühen Jahre (2007-2009).

Geranienoffensive bringt Demokratie in Gefahr

1000 Meisterwerke: Die Geranienpyramide

Buchladé

HeiPo, oder: Glanz & Elend der Polsterdemokratie

Rollator köj vergätte

Margarine, Gleichmut, Fruchtbarkeit

Ein Ambiente zum Schießen

Mommographie-Screening

Agrobusiness Sprachschaum

Der gespielte Witz: „Ryanair-Garantie“

Möhrenmikado mit Kabelbinder

Haiku des Monats (Zoggel modified)

Theokratie vs Momarchie

Auch Ihnen ein schönes Knochenende!

1. FC Schockstarre (Stand 14:59 Uhr)

Innenstadthaarakiri

Chateau und Rosenkohl

Bistrostuhl ./. Udo Kempkens – Anklage!

1. FC Fassohneboden spielt Ratspressing

Kleve sagt der Glühbirne adé

Die Gedeutmeyerte

Die Poesie des Schuhverkaufens

Echte Pfründe stonn zesamme

Supernova, mit Mamma’s Pizza Place nachempfunden

48 Sekunden Ludger J.

Wenig praktikable Tipps zur Erlangung und Nutzung von Rinderhälften

Bio-Wellness-Engineering

Eine kurze Geschichte über Massageschildkröten

Noch ein Handy, ’ne Fiets, ein Laptop und ein bisschen Konfitüre

Verschiebung der Erdachse inkl.?

Das letzte Mannifest

Bizeps gegen Barbara

Frau Hammer, Ihr Haus ist dann mal weg

Requiem auf 7 Klever Bäcker

Von dieser Geschichte sollten Sie nie, nie, nie erfahren

Ich, Sven Rickes

Om halv twee sin ik weg, meer hem ik ni noedig

Ein Bild von Traurigkeit (wenn der Gouda nicht wäre)

Woolworth: Verkauf von Antimaterie hat begonnen

Die 9 Stufen tantrischen Glücks

Warum muss Rindern zerstört werden?

Die 75 Tage des Thunfischs


10 Jahre kleveblog! 2. Die nackten Fakten, oder: Das weiß Google über dich, lieber Leser

rd | 26. Januar 2017, 15:30 | 10 Kommentare
Pulsschlag des Lebens: Die deutlich sichtbaren Ausreißer sind das kleine Erdbeben (2011), Udo Janssens Kandidaten-Coup (2014) sowie die Nominierung und Wahl von Sonja Northing (2015) – und da sage noch einer, Politik gehe nicht

Pulsschlag des Lebens: Die deutlich sichtbaren Ausreißer sind das kleine Erdbeben (2011), Udo Janssens Kandidaten-Coup (2014) sowie die Nominierung und Wahl von Sonja Northing (2015) – und da sage noch einer, Politik gehe nicht

10 Jahre kleveblog, 10 Jahre Fake-News, Hasskommentare und alternative Fakten – wer tut sich so etwas an?

klblg_10j-klblg_kuchenDu bist männlich, 40 Jahre alt, hast Abitur und eine schwere Kindheit hinter dir, verdienst 4500 € brutto monatlich, bist bei noch keiner Straftat erwischt worden und leicht unzufrieden mit dem politischen Establishment – vielleicht sieht so der typische kleveblog-Leser aus, vielleicht auch nicht. Ich weiß es nicht, Google wahrscheinlich schon. Was Google wiederum mir durch den Einbau des kleinen Tools Google Analytics mitteilt, sind die folgenden Fakten (seit 01.01.2008)

  • Sitzungen: 2.990.864
  • Nutzer: 934.739 (davon Wiederholungstäter: 68,7 %)
  • Unterschiedliche Nutzer in den vergangenen 30 Tagen: 11.990
  • Seitenaufrufe: 6.522.180
  • Seiten/Sitzung: 2,18
  • Durchschnittliches Nutzungsdauer: 2 Minuten und 48 Sekunden
  • Betriebssystem: Windows (69,38 %)
  • Betriebssystem (mobil): iOS (60,19 %)
  • Geschlecht: 54,15 % männlich
  • Alter: 27,5 % 18-24; 5,5 % über 65
  • Weltkarte der Nutzer: alle Länder außer Grönland, Spitzbergen, einige zentralafrikanische Staaten, Nordkorea und Papua-Neuguinea
könnte mal bitte jemand in Papua-Neuguinea auf kleveblog klicken

Könnte mal bitte jemand in Papua-Neuguinea auf kleveblog klicken

Meistgelesene Einzelartikel:

  1. Offizielle Liste der Wiewörter (8954; da hat Google Sprachschüler hingeführt ;-))
  2. Udo! Udo! Udo 78:76 (8305)
  3. Dorfstraße: Ein Leserbrief, der in der NRZ stand (8016)
  4. Ausgzapft is: Gordion Management stellt Insolvenzantrag, Oktoberfest in Gefahr (7499)
  5. Verwirrung um Party am 1. Weihnachtstag im Schweizerhaus (7283)

(Zur Erläuterung: Diese Tabelle gibt vermutlich nicht das korrekte Bild wieder, da auf kleveblog bekanntlich die meisten Artikel durch einen Klick auf die Startseite aufgerufen werden können.)

Was sie über die große Jubiläumsgala in neun Tagen in der Stadthalle wissen müssen: Kleidungsstil: festlich-sexy; Tanzkenntnisse: alle lateinamerikanischen Gesellschaftstänze; Trinkfestigkeit: ausgeprägt; Ehrengäste: Dr. Barbara Hendricks, Sonja Northing, Theo Brauer, Messerjocke, Gerd Zuckerberg


Wenn Emmerich (im Nebel) verschwunden ist, sieht die Rheinbrücke noch schöner aus

rd | 26. Januar 2017, 13:29 | 5 Kommentare

Unlängst dachte die Redaktion, mit der Veröffentlichung eines Bildes, dass die Emmericher Rheinbrücke mit zwei exakt gleich großen Pylonen zeigt, sei endgültig alles Optische zu diesem Thema publiziert worden. Und dann sendet ein Leser diese am Oraniendeich entstandene Aufnahme:

Emmerich kann, muss aber nicht unbedingt sein (Foto: Jörg Streuff)

Emmerich kann, muss aber nicht unbedingt sein (Foto: Jörg Streuff)


10 Jahre kleveblog! 1. Die entbehrungsreichen Anfänge nach dem Krieg, als alles in Trümmern lag

rd | 25. Januar 2017, 16:58 | 10 Kommentare

klblg_10j-klblg_kuchenKaum zu glauben, aber auf die Minute genau vor zehn Jahren, am 25. Januar 2007 um 16:58 Uhr, erschien der erste kleveblog-Artikel überhaupt. In den folgenden Jahren erschienen 3209 weitere Beiträge, also durchschnittlich 0,88 Berichte pro Tag.

Bevor dieses Jubiläum in zehn Tagen mit einer großen Gala in der Klever Stadthalle gefeiert wird, wird die Zeit genutzt, um die Entwicklung unseres kleinen Angebots, das im frühen Stadium von mir gerne als „Privatkirmes“ bezeichnet wurde, vorzustellen – anhand vieler fantastischer Zahlen, mit Screenshots früherer Erscheinungsformen, mit Listen der erfolgreichsten Berichte (als Kriterium gilt allein die Zahl der Seitenaufrufe) und der fleißigsten Kommentatoren, mit den besten Bildern und den schönsten vernichtenden Urteilen langjähriger Nichtleser. Also viel spannender, sich selbst bespiegelnder Lesestoff für ganz wenig Geld.

Die erste Geschichte, die unten zu lesen ist, dokumentiert die zaghaften Anfänge. Damals musste der Programmcode noch mit 32-er-Schraubschlüsseln in jedes einzelne Empfangsgerät eingebaut werden, nach vier Wochen waren die Besitzer der Internet-Zugangseinrichtungen dazu angehalten, die HTML-Muttern nachzuziehen, damit sie den digitalen Erschütterungen, die dieser ungewohnt freche Lokalcontent in den Arbeitsspeichern auslöste, standhalten konnten. Die Zugriffszahlen damals lagen bei rund zwanzig Seitenaufrufen pro Tag. Heute sind es an normalen Tagen rund tausend, an außergewöhnlichen – Schweizerhaus schließt, Erdbeben, Northing wird Bürgermeisterin – auch schon mal fünftausend bis siebentausend.

Genug der Vorrede, hier nun der Artikel inkl. der beiden (erst zwei Jahre später abgegebenen) Kommentare dazu, deren Pseudonyme langjährigen Lesern wohlvertraut sind:

4 Regale sind genug

rd | 25. Januar 2007, 16:58 | 2 Kommentare
Nachdem in beautiful Kleve unlängst schon ein Geschäft für polnische Feinkost eröffnet hat, steht nun offenbar der nächste konsequente Schritt in Richtung internationaler Metropole bevor. Der holländische Käsemann aus der Fußgängerzone plant, wie zu hören war, die Eröffnung eines holländischen Spezialitätengeschäfts. M. E. dürften für die Einrichtung zwei Kühlregale und zwei normale Regale genügen:

Matjes
Industriepudding („Vla“)
Labberbrot
Genever
Oder habe ich etwas vergessen? (Käse zählt nicht, den verkauft er ja ohnehin schon.)(Drogen natürlich erst recht nicht, das ist ja hier so was von verboten…)

1. Messerjocke
Am 13. Februar 2009 um 18:59 Uhr |Bearbeiten
In Kleve läuft’s doch ! Friteuse neben den Tresen, Bitterballen, Kipkorn u. Frikandeln zusätzlich ins Angebot und fertig ist das unvergleichliche Sortiment.

2. Jean Dampff , i.V.Killerplautze
Am 14. Februar 2009 um 03:38 Uhr |Bearbeiten
@Messerjocke

Das Kamps, ja der Bäcker, nicht der unsägliche Sohn, betreibt im Nachbarland Bakerstreet, die all das Fertigfutter, wie von Dir beschrieben, an den Tankstellen anbieten.

(wieso hupt hier mitten in der Nacht die Deutsche Bahn? – schon wieder)

Für unser Kirchspiel ist das schon eine gute Idee, denn dann muss der Frietjes-Grins wieder mal seine Preise senken.


Siegbert Nöldner, 1939-2016

rd | 24. Januar 2017, 12:09 | 6 Kommentare
Ewiger Kampf gegen den Verfall seiner eigenen Immobilien: Siegbert Nöldner

Ewiger Kampf gegen den Verfall seiner eigenen Immobilien: Siegbert Nöldner

Siegbert Nöldner war ein Ritter der traurigen Gestalt. Wie Don Quichotte, der erste seiner Art, führte er lange Jahre seines Lebens einen Kampf gegen alle möglichen Feinde, den er nie gewinnen konnte. Nöldner legte sich an mit Behörden und mit Banken, und den wohl größten und aussichtslosesten Kampf überhaupt führte er gegen den Verfall der Immobilien, die er an der Frankenstraße und an der Hagschen Straße besaß.

Don Quichotte hatte seinen Sancho Pansa, und in Begleitung von Siegbert Nöldner ebenfalls immer ein treuer Knappe anzutreffen, der für die Verrichtung von Handlangerarbeiten zuständig war, beispielsweise dafür, Baumaterial aus dem klapprigen Kleinwagen asiatischer Provenienz auszulagern und zu den Ewigkeitsbaustellen zu transportieren. Wie der rote, rostige Nissan zeigte, sparte Nöldner auch an sich selbst, was aber noch übertroffen wurde durch die Knauserigkeit, die er seinen Immobilien gegenüber an den Tag legte.

Das Schlägerputztuch mit Stickerei „Evelyn N.“ ist im Preis enthalten

Auf Luxus legte Siegbert Nöldner keinen Wert: Privatverkauf eines Golfwagens, das Schlägerputztuch mit Stickerei „Evelyn N.“ war im Preis von 60 Euro enthalten

Einmal konnte man ihn dabei beobachten, wie er in dem Ladenlokal an der Hagschen Straße neue Fenster einsetzte – selbst gefertigt aus Holzleisten und einer Einfachscheibe, und dementsprechend solide aussehend. Schon vor dem Einbau der „Fenster“ wurden die 52 Quadratmeter für 420 Euro angeboten, „geeignet auch für Existenzgründer, Subventionen durchs Arbeitsamt“.

Seien Sie mutig!

Immobilie ohne Fenster, auch für Existenzgründer

Die Wohnungen in seinen Häusern waren, diplomatisch ausgedrückt, unter Standard und wurden von ihm an die Randexistenzen unserer Gesellschaft vermietet, was durchaus honorig ist („Verdienstbescheinigungen der letzten zwei Monate“, wie andere Vermieter sie gerne einfordern, hat Nöldner vermutlich nie zu Gesicht bekommen), zumal einige der Mieter dort auch kostenlos wohnen durften – wenn das Sozialamt die Zahlung der Miete verweigerte.

Nöldners Immobilien waren aber nicht nur der Gegenstand beständiger Kampfhandlungen gegen den Zahn der Zeit, der Besitzer zögerte auch nicht, sie als Waffe einzusetzen. Mehrfach beschriftete Siegbert Nöldner die Fassade des Hauses an der Hagschen Straße mit Losungen gegen die Menschen, gegen die er gerade zu Felde zog. Es konnte den Sparkassendirektor treffen, oder einen Klever Staatsanwalt, oder auch einen Motorradfahrer mit Migrationshintergrund, der aus der Sicht des Einzelkämpfers gegen Verkehrsregeln verstoßen hatte.

Noch sind die Inhalte etwas statisch

Parolen auf dem „Haus der Kunst“, wie Nöldner seine Immobilie 2015 taufte

Wenn Nöldner dann per behördlicher Anordnung dazu verdonnert wurde, seine Parolen zu entfernen, wurden die Gäste im gegenüberliegenden Café Samocca Zeuge des bemerkenswerten Schauspiels, wie der alte Mann auf eine klapprige Leiter stieg und höchstpersönlich in aller Seelenruhe alles überpinselte.

Siegbert der Sagenhafte hatte – wie Theo Brauer – als Karnevalsprinz einen Bart.

Siegbert der Sagenhafte


Es ist nicht zu ergründen, wann und warum Siegbert Nöldner den grotesken Kampf gegen die Welt eröffnete. Er war einmal Berufsschullehrer, und Weggefährten aus dieser Zeit erzählen, dass er schon dort nach seinen eigenen Regeln lebte und arbeitete. Und er war tatsächlich einmal, 1981, Karnevalsprinz in Kleve, „Siegbert der Sagenhafte“.

An der Tiergartenstraße betrieb Nöldner lange Jahre das so genannte „Reichswald-Institut“, in dem Nöldner gemeinsam mit seinem Sohn Reiki-Behandlungen anbot und auch andere Therapien duchführen wollte, allerdings blieb die Resonanz auf diese Angebote sehr zurückhaltend.

Siegbert Nöldner ist, wie die Redaktion erst jetzt erfahren hat, bereits im Oktober des vergangenen Jahres verstorben. Er starb nach einem langen Kampf gegen alles und jeden, aber der Tod selbst war gnädig zu ihm und ließ ihn zu Hause neben seiner Frau auf dem Sofa sterben, plötzlich und unerwartet.


Zukunft der Wochenmärkte: Gipfeltreffen bei Northing

rd | 23. Januar 2017, 16:53 | 28 Kommentare
Zukunftsmodell Wochenmarkt: Marktbeschicker Jürgen Holtmans

Zukunftsmodell Wochenmarkt: Marktbeschicker Jürgen Holtmans

Ausbaufähig – aber wie? Markt Linde

Ausbaufähig – aber wie? Markt Linde

Temperaturen um den Gefrierpunkt und eisiger Ostwind sind nicht die besten Rahmenbedingungen, um am Samstagmorgen in aller Frühe draußen zu stehen und frisches Gemüse zu verkaufen bzw. zu kaufen, und so bietet der Wochenmarkt Linde derzeit von außen betrachtet eher den Eindruck eines unwirtlichen Areals.

Doch hinter den Kulissen wird nicht allein darauf gewartet, dass die nächste Jahreszeit das Ambiente wieder etwas freundlicher gestaltet, sondern intensiv diskutiert, welche Zukunft die Märkte in der Stadt haben. Am vergangenen Dienstag trafen sich sämtliche Marktbeschicker, die in Kleve aktiv sind (bis auf einen Händler, der im Stau stecken geblieben war), im Rathaus und diskutierten mit Bürgermeisterin Sonja Northing darüber, was noch getan werden kann, um die Attraktivität der Märkte in der Stadt zu steigern. „Es war ein fruchtbares Gespräch“, so Northing nach dem Treffen.

Was aber kann getan werden?

Im vergangenen Jahr fällten die Marktbeschicker gemeinsam mit der Stadt die Entscheidung, die Fläche des Marktes an der Linde zu halbieren. Auf diese Weise sollte das Ensemble der Stände etwas „kuscheliger“ wirken und mehr Marktatmosphäre entstehen. Da aber im Winter einige Händler fehlen, sind derzeit dennoch große Lücken zu sehen. Die Stände, die da sind, wirken ein wenig verloren. Auf der anderen Seite aber sind alle Händler mit ihrem derzeitigen Standort zufrieden, und alle wollen den Wochenmarkt am Samstagmorgen an der Linde auf jeden Fall beibehalten. Es geht nur darum, ihn attraktiver zu gestalten.

Als einzige konkrete Maßnahme aus diesem Treffen ging allerdings nur hervor, dass künftig an der Linde auch ein Toilettenwagen stehen wird. Vermutlich wäre es eine vernünftige Lösung, die öffentliche Toilette am Westende des Platzes einfach mit Beton aufzufüllen, dann ist sie für alle Zeiten verschwunden.

Weiterhin soll versucht werden, neue Händler für den Markt zu gewinnen, unter anderem regte Kaffeebudenbetreiber Nils Roth an, eventuell auch solche Leute für den Markt zu begeistern, die beispielsweise hobbymäßig Lebensmittel herstellen. Außerdem bilden Roth und der Inhaber des Bio-Gemüsestandes eine zweiköpfige Arbeitsgemeinschaft, die überlegt, welche öffentlichkeitswirksamen Schritte möglich sind – vor der Kaffeebude von Roth gab es im Sommer vergangenen Jahres beispielsweise Live-Musik.

Grundsätzlich sollte auch die Frage der Marktzeiten diskutiert werden: Die Zahl der Klever Bürger, die schon um sechs Uhr morgens das Gemüse fürs Wochenende einkauft, hält sich mittlerweile in engen Grenzen. Dafür ließe sich mit etwas mehr Geschäftszeiten zum Nachmittag hin eventuell eine zusätzliche Klientel von Menschen erschließen, für die der Gang zum Markt nicht allein zweckdienlichen Erwägungen folgt, sondern auch der Geselligkeit dient und zur Lebensfreude beiträgt. Allerdings wollen die Händler auch mal Feierabend haben.

Problematischer als der Markt an der Linde wird die Zukunft der Märkte mittwochs und freitags in der Kavarinerstraße und auf dem Koekkoek-Platz gesehen. Eine Überlegung in diesem Zusammenhang ist, den Standort auf den Platz vor Kodi/Deutscher Bank/Volksbank zu verlagern, eine andere, darauf zu warten, dass mit der Fertigstellung des Rathauses vor dem Gebäude auch ein attraktiver Platz für einem Markt entsteht. Das aber könnte noch lange dauern…


Sontowski & Partner ./. Stadt Kleve: 57 Tage Verzögerung

rd | 23. Januar 2017, 15:30 | 17 Kommentare
Bald wird der Minoritenplatz auch in Düsseldorf ein Begriff sein – zumindest vor Gericht

Bald wird der Minoritenplatz auch in Düsseldorf ein Begriff sein – zumindest vor Gericht

Die Aussichten, dass der Minoritenplatz bebaut ist, bevor das juristische Verfahren um die Ausschreibung abgeschlossen ist, steigen: Das Oberlandesgericht Düsseldorf teilte mit, dass der ursprünglich vorgesehene Verhandlungstermin in der Sache Sontowski & Partner gegen die Stadt Kleve am 1. Februar nicht stattfinden wird. Verantwortlich dafür seien „senatsinterne Gründe“, wie eine Sprecherin des Gerichts erläuterte. Derlei komme häufiger vor.

Der Prozess ist nötig geworden, weil die Stadt Kleve Rechtsmittel gegen die Entscheidung der Vergabekammer zur Ausschreibung der Minoritenplatz-Bebauung eingelegt hat. Die Kammer war nach Durchsicht von Dokumenten zu der Erkenntnis gelangt, dass das Verfahren gegenüber dem Unternehmen Sontowski & Partner intransparent und unfair gewesen sei. Zwar sei die Ablehnung des Gebots berechtigt gewesen, allerdings stünde der Projektentwicklungsgesellschaft aus Erlangen dafür ein Schadenersatz zu.

Bürgermeisterin Sonja Northing hatte Ende vergangenen Jahres versucht, diese unerquickliche Hinterlassenschaft des früheren Regimes unter Ausschaltung juristischer Fachkräfte zu regeln und sah sich auf einem guten Weg, insbesondere, da die Begründung des Vergabeausschusses wenig Raum für Interpretationen lässt.

Die Kammer hatte sich unter anderem daran gestört, dass die Ablehnung damit begründet wurde, dass der angebotene Kaufpreis für das Grundstück am Minoritenplatz zu niedrig gewesen sei. Das Problem daran war, dass in den Wochen und Monaten zuvor, in denen intensiv über Kleinigkeiten der Fassadengestaltung diskutiert wurde, dieser gebotene Betrag niemals beanstandet wurde. Außerdem hatte die Stadt Kleve selbst den Angebotspreis prüfen lassen und als Rückmeldung erhalten, dass dieser sich in einem vertretbaren Rahmen bewege. Insgesamt also, so hat es zumindest den Anschein, schlechte Karten für einen Prozess.

Allerdings wurde die Erste Bürgerin auf ihrem Weg zu einer außergerichtlichen Verständigung in der letzten Ratssitzung des vergangenen Jahres jäh gestoppt: Mit den Stimmen von CDU, Grünen und FDP entschied der Rat in nichtöffentlicher Sitzung, den Streit vor dem Oberlandesgericht zu suchen – wobei über die Motive durchaus gerätselt werden darf. Vermutlich sind einige Ratsmitglieder bestrebt, das Desaster der damals agierenden Verwaltung anzuhängen (inklusive der neuen Bürgermeisterin), andere möchten offenbar alle Rechtsmittel ausschöpfen, um hinterher die Kanzlei einzutunken, die die Stadt Kleve beraten hat und stets versichert haben soll, dass keine Forderungen von Seiten Sontowkis drohten.

Doch welches Motiv auch immer zum Zuge kommt – das dauert. Die Mühlen der Justiz mahlen bekanntlich langsam, und so werden nun bis zum neuen Termin weitere 57 Tage ins Land ziehen. Am 29. März werden sich die Parteien vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf erstmals zusammensetzen.


Kaffeehausphilosophische Gedanken

rd | 23. Januar 2017, 14:16 | 1 Kommentar
 Trägt

Trägt

Bewegen wir uns nicht alle immer und überall auf dünnem Eis? Wenn du alles unter Kontrolle hast, kann es sein, dass du dich zu langsam bewegst (nach Mario Andretti)? Ist das Eis zu schwach, oder bist du zu stark (nach Fisherman’s Friend)? Wegen der Klimakatastrophe haben wir hier keine echten Winter mehr (typischer Satz vor ca. einem Jahr). Zitate sind Eis für jede Stimmung (Christian Morgenstern).


In der Tiefe des Raumes

rd | 23. Januar 2017, 13:36 | 3 Kommentare

Starten wir eine fröhliche Woche mit einem kleinen Bildbeitrag für Heimatfreunde:

Über allem wacht…

Über allem wacht…


Überhitzte Weltwirtschaft – ganz sicher nicht in der Kavarinerstraße

rd | 20. Januar 2017, 15:16 | 11 Kommentare
„Aufgrund der fehlenden Heizung…"

„Aufgrund der fehlenden Heizung…“

Schnäppchen-D-d-d-d-d-d-d-d-onnerstag…

(Schaufenster von Denaro-Moden in der Kavarinerstraße)


Pfusch am Bau entdeckt! Opschlag wird später fertig als geplant

rd | 20. Januar 2017, 14:47 | 11 Kommentare
Baustelle Opschlag: Etwas Stahlbeton hätte dem Bau gut getan (Foto: Thomas Velten)

Baustelle Opschlag: Etwas Stahlbeton hätte dem Bau gut getan (Foto: Thomas Velten)

Eigentlich hätte da Stahlbeton sein sollen…

Derzeit ruhen wegen des Winterwetters die Bauarbeiten am Opschlag, wo der in das Klinkerensemble eingebettete Pavillon um gut einen Meter erhöht werden soll, um dem ab der nächsten Saison dort wieder tätigen Kanuverleih eine dauerhafte Bleibe zu verschaffen.

Doch zuvor trat bei den Bauarbeiten eine unliebsame Überraschung zu Tage – und die führt, in Kleve nicht ungewöhnlich, zu einer Verzögerung der Fertigstellung.

Laut Planungsunterlagen erwarteten die derzeit dort tätigen Bauarbeitern im Bereich der Brüstung Stahlbeton, sodass sie die Erhöhung sofort in Angriff hätten nehmen können. Als sie jedoch das Geländer demontierten und das Mauerwerk zurück bauten, machten sie eine überraschende Entdeckung: Das Fundament der Brüstung bestand nicht aus Stahlbeton, sondern aus einfachen Beton.

Möglicherweise ein Flüchtigkeitsfehler, vielleicht aber auch der Versuch, ein bisschen an der Qualität zu sparen. Allerdings zeigte sich das zuvor mit der Bauausführung beschäftigte Unternehmen – Loock Erd- und Tiefbau – sofort einsichtig, als es auf den Fehler aufmerksam gemacht wurde. Stadtsprecher Jörg Boltersdorf: „Der Mangel wurde im Rahmen einer Vereinbarung mit der damaligen bauausführenden Firma beseitigt.“

Die zusätzlichen Arbeiten verursachten an der Baustelle einen Zeitverzug von etwa zwei Wochen. Allerdings sollte, wenn nicht noch ein Jahrhundertwinter ins Haus steht, die Bauaßnahme trotz der Verzögerung rechtzeitig zu Beginn der neuen Paddelsaison abgeschlossen sein.


Wohin am Wochenende? (3)

rd | 20. Januar 2017, 13:43 | 1 Kommentar
Das gut sichtbare X signalisiert, wo im Neuen Tiergarten der Schatz vergraben ist

Das gut sichtbare X signalisiert, wo im Neuen Tiergarten der Schatz vergraben ist

Die Fülle möglicher Zeitvertreibe macht es für viele Klever schwer, das Wochenende zu händeln, weshalb viele händeringend nach einer kompakten Übersichtsdarstellung suchen – für sie hier, händisch zusammengestellt, eine handhabbare Handreichung mit einer Handvoll Termine für die kommenden 72 Stunden:

Freitag, 21:00 Uhr: „White Hot & Blue“ (Konzert, Begegnungsstätte Rindern)

Die Klangfabrik beginnt ihr Programm 2017 mit einem Konzert der Gelsenkirchener Musikgruppe „White Hot & Blue“.Seit 1982 steht die Band für handgemachten Rhythm’n’Blues und kraftvollen Bluesrock. Die Gitarrenduelle sind legendär, die Schlagzeug-Beats lassen die Bude wackeln – und die Grooves kommen daher wie geschnitten Brot. Weitere Infos zur Band finden Sie auf www.white-hot-and-blue.de (Eintritt: 12 €)

Samstag, 18:15 Uhr: VfL Merkur Kleve – Grafenberger TV (Basketball, Sporthalle Stein-Gymnasium)

Zwar müssen die Klever auf Center Martin Willemsen verzichten, doch mit dem Rückenwind eines haushohen Sieges gegen den Abstiegskonkurrenten Osterather TV und erneut mit dem zurückgekehrten Danny Jazmati trauen sich die Gastgeber auch gegen den Tabellenvierten aus dem Düsseldorfer Galopprennbahn Stadtteil eine Überraschung zu. Um 16:15 Uhr empfängt die zweite Mannschaft des VfL Merkur Kleve die BG Lintfort 4. Wie zu hören ist, sollen die Besucher erneut in den Genuss zarter Versuche eines Caterings kommen. (Tickets zwischen 80 und 120 €, nur noch wenige Restkarten erhältlich)

Samstag, 20:00 Uhr: Özcan Cosar (Stadthalle)

„Du hast dich voll verändert“, so heißt der Titel des zweiten Programms des Komödianten Özcan Cosar, präsentiert vom Kleinkunstverein Cinque e.V. die Waiblinger Kreiszeitung schreibt: „Das Besondere an Özcans Inszenierung ist, dass sie nicht wie eine wirkt. Sein Hin und Her scheint wie gerade erst im Hirn entstanden und so eben mal lässig-cool aus dem Ärmel geschüttelt.“ (Eintritt: 17 €)

Sonntag, 11:30 Uhr: Spurensuche im Park (Vortrag, B.C. Koekkoek Haus)

A walk in the park, a step in the dark – das muss nicht sein: Für eine weitere Reise in die Welt der Gärten und Parks ist am Sonntag, 22. Januar Gelegenheit: Der Klevische Verein bietet einen Vortrag der Denkmalpflegerin und Architektin aus Aachen Heike Kussinger-Stankovic im B.C. Koekkoek Haus an. „Spurensuche in einem Park von Maximilian Friedrich Weyhe“ lautet der Titel. Der Vortrag stellt den auch für die Klever Parkanlagen des 19. Jahrhunderts so wichtigen Maximilian Friedrich Weyhe vor. Er zeigt am Beispiel des Lousbergs in Aachen die historische Entwicklung und Bedeutung der Parkanlage für dei Kur- und Bäderstadt. Durch einen vertiefenden Blick auf viele Details werden die Gestaltungsabsichten und die Qualitäten von Weyhes Planung aufgezeigt. Bezüge zu Kleve werden hergestellt. (Eintritt für Nicht-Mitglieder des Klevischen Vereins: 5 €)


Achtung! Dieses Bild enthält 4 mg Nitrat

rd | 19. Januar 2017, 12:34 | 26 Kommentare
…, unterstellt den Fall, dass ein Zehntelliter Wasser zu sehen ist

…, unterstellt den Fall, dass ein Zehntelliter Wasser zu sehen ist

Das Weltklima retten, Atommüll für alle Ewigkeit sicher lagern, in den Großstädten bezahlbaren Wohnraum schaffen – irgendwie gewinnt man den Eindruck, im Bundeskabinett ist es allein Barbara Hendricks, die Ministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, die sich mit allen harten Nüssen beschäftigen muss. Zur Jahreswende ist die nächste Baustelle eröffnet worden: Ein Bericht der Bundesregierung beschäftigt sich mit dem Nitratgehalt im Trinkwasser.

In dem Bericht, der alle vier Jahre der EU-Kommission vorgelegt werden muss, heißt es, dass fast ein Drittel der Messstellen für die Grundwasserqualität zwischen 2012 bis 2014 zu hohe Nitratwerte aufwiesen. Hendricks: „Die intensivierte Landwirtschaft kommt uns immer wieder teuer zu stehen. Das zeigt sich gerade beim Grundwasser. Wenn es zu stark mit Nitrat belastetet ist, muss es für unsere Trinkwasserversorgung verdünnt oder das Nitrat muss technisch beseitigt werden. Das treibt die Wasserkosten für alle in die Höhe. Im Sinne des Gemeinwohls müssen wir hier stärker als bisher gegensteuern. Dafür brauchen wir jetzt verschärfte Düngeregeln. Diese haben wir 2016 auf den Weg gebracht, jetzt müssen sie zügig in Kraft treten.“

Da liegt die Frage nahe, wie es in der Heimat der Ministerin, in Kleve, mit dem Nitrat im Trinkwasser aussieht.

Die Antwort: Der Grenzwert für Nitrat liegt bei fünfzig Milligramm pro Liter Trinkwasser – und der wird auch in Kleve an einigen Trinkwasserbrunnen überschritten! Allerdings enthält das Wasser, das in Kleve aus den Wasserhähnen fließt, im Höchstfall vierzig Milligramm Nitrat pro Liter, bleibt also 20 Prozent unter dem Grenzwert. „Wir mischen das Wasser so, dass vierzig Milligramm dabei herauskommen“, so Rolf Hoffmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Kleve im Gespräch mit kleveblog.

Rund 200.000 Euro geben die Stadtwerke jährlich für Maßnahmen zur Verbesserung der Trinkwasser-Qualität aus. Das heißt konkret beispielsweise, dass Landwirte Geld dafür erhalten, ihre Gülle anderswo auf die Felder auszubringen. Es soll nur soviel Stickstoff auf die Felder gelangen, wie auch direkt von den Pflanzen wieder aufgenommen werden kann. Deshalb werden im Raum Kleve 5000 Tonnen Gülle pro Jahr „exportiert“ und fernab von Trinkwasserbrunnen verklappt.

Das Problem: Wenn die Maßnahmen, die heute ergriffen werden, Wirkung zeigen, werden zwei oder drei Jahrzehnte ins Land gestrichen sein. „Die Nitratbelastungen, mit denen wir heute zu kämpfen haben, stammen aus den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts“, berichtet Hoffmann. Solange dauere es, bis die gefährliche Stickstoff-Verbindung bis ins Grundwasser durchgesickert sei.

Hoffmann ist dennoch von der Qualität des Klever Trinkwassers „absolut überzeugt“. Der Nitratgehalt sei nur ein Wert von vielen, die überprüft werden – und der einzige überhaupt, der in Kleve gemessen werde. Alles andere, was sonst noch im Trinkwasser sein könne, bleibe unter der Nachweisgrenze.

In deutlich höheren Mengen als im Trinkwasser findet sich Nitrat übrigens in Blattsalaten (zum Beispiel Rucola), Spinat, Kohlrabi und roter Bete. Warum Nitrat als gefährlich gilt – siehe hier: Fragen und Antworten zu Nitrat und Nitrit in Lebensmitteln


Service für Eltern von Viertklässlern

rd | 19. Januar 2017, 11:38 | 5 Kommentare

Alle Schülerinnen und Schüler der 4. Grundschulklassen, die ab Beginn des Schuljahres 2017/18 eine weiterführende Schule besuchen werden, sind durch die Erziehungsberechtigten in der Zeit vom 03.02. bis 09.02.2017 an den unten aufgeführten Schulen anzumelden. Es wird gebeten, dazu die Geburtsurkunde des Kindes oder das Familienstammbuch, das Halbjahreszeugnis 2016/2017 mit der Grundschulempfehlung und den von der Grundschule ausgehändigten Anmeldeschein vorzulegen.

Die Schulen nehmen die Anmeldungen an folgenden Terminen entgegen:

  • Gymnasien
    • Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Römerstraße 9, 47533 Kleve, Tel. 72950
      • 06.02.2017 von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr
      • 07.02.2017 von 7.15 Uhr bis 18.00 Uhr
      • 08.02.2017 von 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr
    • Konrad-Adenauer-Gymnasium, Köstersweg 41, 47533 Kleve-Kellen, Tel. 976010
      • 06.02. bis 09.02.2017 von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr
      • 10.02.2017 von 08.00 Uhr bis 13.00 Uhr
  • Realschule
    • Karl Kisters Realschule Kellen, Lindenstraße 3a, 47533 Kleve, Tel. 78123
      • 06.02. bis 08.02.2017 von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr
  • Gesamtschulen
    • Gesamtschule Oberstadt: Ackerstraße 80, 47533 Kleve, Tel.9977690
      • 03.02.2017 von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr
      • 04.02.2017 von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr
      • 06.02. bis 09.02.2017 von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr
    • Gesamtschule Kleve-Rindern: Eichenallee 1, 47533 Kleve, Tel. 7139612
      • 06.02. bis 08.02.2017 von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr

Der Schulträger ist laut Rechtsverordnung des Landes NRW verpflichtet, für einen Ausgleich der Schulen seines Bereichs untereinander zu sorgen. Daher ist grundsätzlich mit der Anmeldung keine Aufnahmeverpflichtung verbunden. Nach Abschluss der Anmeldephase wird im Einvernehmen mit dem Schulträger über den Anmeldewunsch endgültig entschieden.


Nicht nur verrückt, sondern fast schon krass!

rd | 18. Januar 2017, 19:10 | keine Kommentare

Warenwirtschaftskunde:

Verrücktheit ist heute schon für 9,99 Euro zu haben

Verrücktheit ist heute schon für 9,99 Euro zu haben


Ära der Weißkittel

rd | 18. Januar 2017, 15:10 | 9 Kommentare
Als die Welt noch in Butter war

Als die Welt noch in Butter war (Foto: unbekannt)

Fundstück auf der Facebook-Seite „Kleve anno dazumal“, das die Arbeitswirklichkeit in den 50-er Jahren bei der Margarine Union zeigt. Eine Schreibstube kann es wegen des hohen Mänenranteils kaum sein, aber wer sitzt mit einem weißen Kittel am Schreibtisch.


Winterfrost (W. Look)

rd | 18. Januar 2017, 15:05 | 1 Kommentar
Unbekannter Künstler

Unbekannter Künstler

Winterfrost

Traurig träumet Raureif auf den alten Ästen,
Die aus weißer Welt bis in den Himmel reichen;
Und müde Vögel sitzen still in brachen Nestern,
Bis Schatten froh dem frischen Strahl der Sonne weichen.

Zarte Seelen lauschen andachtsvoll dem Lied der Sterne,
Wenn traurig Äste purzeln auf den kahlen, festen Grund,
Entfremdet von des Frühlings grünem Lebensborne
Und streunend wie ein herrenloser Hund.

Die Eisesschönheit atmet in der starren Winterzeit
Und tränet in dem grauen Glanze von Gesichtern,
Dass still es steht die Welt… und Ewigkeit

Wie Diamanten funkelt in Pupillenlichtern,
Die Feuerwärme in dem Winterfroste schenken
Das Löwenwillen nun die kalten Wangen lenken.

***

Löwenwillen?


kleveblog-Service: Fake News kurz berichtigt

rd | 17. Januar 2017, 15:30 | 11 Kommentare
Fliegst du noch, oder vermietest du schon?

Fliegst du noch, oder vermietest du schon?

Alle Welt redet nur noch von Fake News und Hasskommentaren. Es ist so schlimm! Nichts und niemandem kann man mehr trauen, und das Genre der zarten, poetischen Meinungsäußerungen („Und meine Seele spannte / Weit ihre Flügel aus, / Flog durch die stillen Lande, / Als flöge sie nach Haus.“), für das Deutschland seit der Romantik weltweit führend ist, stirbt aus.

kleveblog, seit zehn Jahren minus acht Tagen führend auf diesem Gebiet der Herzblutpoesie unterwegs, hilft ab sofort mit einem kostenlosen Korrekturservice den etablierten Medien, den lästigen „Lügenpresse“-Vorwurf abzuschütteln. Heute wird nur ein Substantiv ausgetauscht, und schon erhält eine leicht verdrehte Überschrift wieder Sinn! Es steht zu vermuten, dass Landrat Wolfgang Spreen vor so viel staatsbürgerlicher Gesinnung die Tränen in die Augen schießen. De rien!

Im Text in der NRZ heißt es dazu: „1.854.108 Passagiere haben sich im abgelaufenen Jahr für den Airport Weeze als Start- oder Zielflughafen entschieden. Mit diesem Resultat liegt der niederrheinischen Airport nur knapp (-2,9 Prozent) unter dem Vorjahresergebnis von 1,91 Millionen Passagieren… Das gute Ergebnis erklärt sich durch die Immobilienvermarktung. Wie berichtet, vermietet der Flughafen große Teile der Immobilie an das Land Nordrhein-Westfalen zur Unterbringung von Flüchtlingen.“


Winterchen

rd | 16. Januar 2017, 12:24 | keine Kommentare
Wenn ein Bild auszudrücken vermag, dass der niederrheinische Winter den größtmöglichen Gegensatz zum sibirischen bildet, dann diese Aufnahme zweier Kopfweiden von Thomas Velten

Wenn ein Bild auszudrücken vermag, dass der niederrheinische Winter den größtmöglichen Gegensatz zum sibirischen bildet, dann diese Aufnahme zweier Kopfweiden von Thomas Velten


Dro-So-Philie: Altrheinwinterüberblicksaufnahme

rd | 15. Januar 2017, 13:00 | 14 Kommentare

Kann ein Sonntag Morgen schöner beginnen als mit einem Blick ins E-Mail-Postfasch und der erfreulichen Entdeckung, dass Fotograf Torsten Barthel seine Drohne wieder hat aufsteigen lassen? Voilà, zur Erbauung des Publikums eine Aufnahme, die eine fast sinnliche Ruhe ausstrahlt:

Kein Schiff wird kommen (Foto: Torsten Barthel)

Kein Schiff wird kommen (Foto: Torsten Barthel)


Wohin am Wochenende? (2)

rd | 14. Januar 2017, 14:28 | 1 Kommentar
Gustav und Rose Wörner: Rindernsche Kolke

Gustav und Rose Wörner: Rindernsche Kolke (Foto: Museum Kurhaus)

Da nicht davon auszugehen ist, dass allzu viele Klever heute auf die Idee kommen werden, die Basketballer des VfL Merkur Kleve beim Osterather TV im Abstiegskampf zu unterstützen (Spielbeginn 20 Uhr, Realschule Osterath, Görrestraße 6, Abfahrt Fanbus 18 Uhr ab Stein-Gymnasium), hier eine Handvoll sorgfältig kuratierter Tipps der Redaktion für einen erquicklichen Zeitvertreib am Wochenende:

Samstag, 19 Uhr: „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ (Museum Kurhaus)
Auch wenn der Titel der Veranstaltung nicht gerade nach Lebensfreude pur klingt, dürfte damit sehr, sehr feiner Musikgenuss verbunden sein, der aus dem intonierten Wehklagen noch Genuss zu schöpfen vermag. Aufgeführt werden schaurig-schwermütige Werke von Charles Lefèbvre, Camille Saint-Saëns, Edvard Grieg, Franz Liszt und Felix Mendelssohn Bartholdy, Interpreten sind „Rising Stars“ aus der Stipendiatenauswahl des Deutschen Musikrates, und zwar Jonian Ilias Kadesha (Violine), Theo Plath (Fagott), Fabian Müller (Klavier), die vermutlich nur Eingeweihten ein Begriff sind, aber wer kannte vor 20 Jahren schon Gerhard Richter?, um mal ein Beispiel aus einem anderen Genre zu wählen. Die Aufführung im Museum Kurhaus gehört zur städtischen Reihe der „besonderen Konzerte“, Eintritt 12 Euro.

Samstag, 20 Uhr: Frohes Fest (Theater im Fluss, Ackerstraße)
Zwei Polizisten stehen vor der schweren Aufgabe, an Weihnachten einem Ehepaar die Botschaft überbringen zu müssen, dass ihre Tochter bei einem Unfall ums Leben gekommen ist – ein klassischer Stoff für eine Komödie. Wenn man Brite ist. Das Stück vom Autor Anthony Neilson wird vom Theater im Fluss aufgeführt und ist bei den bisherigen Aufführungen hervorragend angekommen. Für die Aufführung am heutigen Samstag sind noch wenige Restkarten erhältlich. Eintritt 12 Euro.

Sonntag, 10:30 Uhr: Vogelexkursion (St. Willibrord, Rindern)
Die Exkursion wird in Zusammenarbeit zwischen dem B.C. Koekkoek Haus und dem NABU anlässlich der aktuellen Ausstellung „Die Sammlung Wörner“ im Museum Koekkoek Haus angeboten. Sie soll das Vogelleben am Niederrhein vor Ort veranschaulichen. Anschließend kann die Ausstellung der Sammlung Wörner im Museum B.C. Koekkoek Haus besucht werden, die eine prächtige Sammlung von Vogelstichen beinhaltet. Treffpunkt: St. Willibrord Kirche Rindern, Hohe Straße 109.

Sonntag, 14 Uhr: Historische Gartenstiche (Museum Haus Koekkoek)
Historische Gartenstiche, dabei denkt jeder vermutlich zuerst an die Stichverletzungen, die einem panische Wespen und Bienen im Kindesalter zugefügt haben. Doch darum geht es bei dieser Führung im Museum Haus Koekkoek nicht, vielmehr werden unter der fachkundigen Leitung von Gartenhistorikerin Marlene Zedelius Gartenansichten aus der Sammlung Werner besprochen. Die Führung ist für Mitglieder des Freundeskreises kostenlos, Nicht-Mitglieder zahlen lediglich den normalen Museumseintritt.


Prostitution in Zeiten der Globalisierung, ein Geständnis in Kleve

rd | 13. Januar 2017, 20:31 | 8 Kommentare
Für diesen Blick aus dem Fenster der Schwanenburg auf das verschneite Kleve hatten die Angeklagten gestern nichts übrig

Für diesen Blick aus dem Fenster der Schwanenburg auf das verschneite Kleve hatten die Angeklagten gestern nichts übrig

Die Wahrheit ist ein Biber (kleveblog)

(Von unserem Gerichtskorrepondenten – überarbeitete Version) Man kann nicht sagen, dass er es nicht versucht hätte. Versucht, in einem anderen Leben Fuß zu fassen. Im Prozess um die so genannten „China-Bordelle“, von denen sich eines in einem Reihenhaus im Kranenburger Gewerbegebiet Hammereisen befand, ließ der Hauptangeklagte Zhiyuan Z. gestern von seiner Anwältin Sonka Meurs-Heurs eine Erklärung verlesen, in der er seinen Lebensweg schilderte – und letztlich die Verantwortung für den Betrieb von vier Bordellen gestand. Ein Durchbruch in dem Mammut-Prozess vor Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Christian Henckel, der schon seit Wochen dauert und dessen Ende nicht ansatzweise in Sicht ist.

Acht Verhandlungstage hatte Zhiyuan Z. geschwiegen und erleben müssen, was die Staatsanwaltschaft so alles an Belastungsmaterial zusammengetragen hatte. Sie wirft ihm in der vor dem Landgericht Kleve schon mehrfach durchverhandelten Kombination Steuerhinterziehung, Vorenthalten von Sozialversicherungsentgelten und Menschenhandel vor. Nun reagierte der 53 Jahre alte Rotlichtunternehmer. In der verlesenen Einlassung hieß es, seine Eltern, Lehrer, seien politisch verfolgt worden und bei einer Demonstration ums Leben gekommen. Er sei daraufhin bei einer Bauernfamilie unter einfachen Bedingungen aufgewachsen und habe als Kuh- und Schafhirte gearbeitet. Sein letzter Job in China habe ihm zehn Euro eingebracht – monatlich.

1992 gelangte er nach Deutschland, bis 2001 habe er als Koch in einem China-Restaurant gearbeitet. Das habe 2003 schließen müssen. 2004, nunmehr in Nürnberg, habe er erneut in einem China-Restaurant eine Stelle gefunden, doch dies sei ebenfalls geschlossen worden. In dieser Zeit habe er Kontakte zum Rotlichtmilieu geknüpft, zunächst als Kunde in einem „China-Bordell“, was ihm offenbar die Verdienstmöglichkeiten vor Augen führte. Dann kam die Wende vom Kunden zum Unternehmer, deren genaues Zustandekommen allerdings im Vagen blieb. Jedenfalls fuhr der Angeklagte nach Italien, um bei einem „Geschäftspartner“ 200.000 Euro in bar abzuholen – fürs neue Business.

2011 habe er in Essen selbst Räume für einen Club angemietet, in dem ein oder zwei „Mädchen“ für ihn tätig gewesen seien. Die Frauen waren aber laut der verlesenen Erklärung alle „schon älter“ gewesen, was dazu führte, dass das Sex-Geschäft nur schleppend anlief. 2013 und 2014 versuchte er sein Glück mit der Eröffnung weiterer Läden, die allerdings erst 2014 begannen, Gewinne abzuwerfen. 2014 habe er den Club in Kranenburg von holländischen Betreibern übernommen. Der Club in Hamm sei von seiner Frau betreut worden. Teils hätten die Mädchen wechselweise in verschiedenen Clubs gearbeitet. Seine bemerkenswerte Begründung: „Bei den Mädchen habe ich den Eindruck machen wollen, dass ich der große Mann bin“.

Nicht so groß allerdings, wie die Anklage unterstellt. Den Ausführungen von Z. zufolge war er nicht für die 24 in der Anklage genannten Betriebe verantwortlich, sondern „nur“ für vier. Zu den Geldtransfers ins Reich der Mitte – die für die Anklage ein Indiz dafür sind, wie erfolgreich das Geschäft in Deutschland tatsächlich lief, sagte Zhiyuan Z., dass er einmalig 60.000 Euro nach China auf das Konto seiner Mutter überwiesen habe. Mit den anderen Überweisungen, die Bestandteil der Anklage sind, habe er nichts zu tun. Diese seien nur für andere Chinesen gemacht worden, die selbst über kein Konto verfügten.

Rückblickend gab er an, dass er 2011, als er mit seinem ersten Geschäft begann, keinerlei Kenntnisse gehabt hätte, wie solch ein Geschäft geführt werde und welche steuerlichen Verpflichtungen damit verbunden seien. Er sei davon ausgegangen, dass die Frauen für ihre Steuern selbst verantwortlich seien. Man könnte es umschreiben mit: Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.

Als das Geschäft ab 2015 wirklich lukrativ wurde, habe er Geld für den Kauf des Hauses in Essen, in dem das dortige Etablissement ansässig war, zurückgelegt. In diesem Jahr habe auch Kontakt zu einem Steuerberater aufgenommen. Doch ausgerechnet an dem Tag, als der Kauf des Hauses in Essen getätigt werden sollte, wurde er von der Polizei festgenommen. Die Logik der Erklärung an diesem Punkt: Wäre ich nicht verhaftet worden, hätte ich die Sache mit den Steuern in Angriff nehmen können. Und alles wäre gut geworden.

Nun aber ist es ein Fall fürs Gericht.