Hochschule: Ist der Interimspräsident ein Klimatroll?

rd | 16. Dezember 2018, 17:00 | 6 Kommentare
Klima ist offenbar sein Thema, ob betrieblich oder global: Prof. Dr. Eberhard Menzel

Oje, oje, welches Ei hat Prof.Dr. Aloys Krieg der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) denn da ins Nest gelegt? Bekanntlich hatte der Professor aus Aachen die Idee, den – zumindest aus seiner Sicht vakanten – Posten des HSRW-Präsidenten mit einer Interimslösung zu besetzen, und seine Wahl fiel auf einen Ruheständler, der dem achten Lebensjahrzehnt entgegenblickt und der sich eigentlich in eine „Bastelstube“ zurückziehen wollte, allerdings nach eigenem Bekunden schlecht Nein sagen kann: Prof. Dr. Eberhard Menzel.

Schon bei seinem ersten öffentlichen Auftritt sorgte der pensionierte Gründungspräsident der Hochschule Ruhr-West für – gelinde gesagt – Stirnrunzeln, denn zu den ersten Dingen, die der Professor in Kleve ändern wollte, zählte er das Vorhaben, abgekürzte Grußformeln abzuschaffen. Das löste insofern Verwunderung aus, als dass zumindest in den gängigen Büroanwendungen seit mehreren Jahrzehnten das Kürzel mfg automatisch in eine Langfassung umgewandelt wird.

Ist der Mann womöglich aus der Zeit gefallen? Hat ein alter Mann des Wissenschaftsbetriebs einem anderen alten Mann noch mal schnell eben ein Pöstchen verschafft? Zu fragen wäre auch, inwieweit der Senat der Hochschule, der das Wissenschaftsministerium um die Entsendung Menzels bat, sich inhaltlich mit der Personalie des Pensionärs beschäftigt hat, immerhin geht es um das Spitzenamt der Hochschule.

Die Pressekonferenz in Kleve, in der die besagten Äußerungen fielen, stand ganz im Zeichen der Frage, wie Menzel das Klima an der Hochschule verbessern will, nicht zuletzt deshalb wurde auch ausdrücklich auf das Weckmannessen des Fördervereins Campus Cleve e.V. hingewiesen.

Doch Menzel hat offenbar nicht nur das Betriebsklima an der HSRW im Sinn. Der Elektrotechniker interessiert sich auch für das Weltklima – allerdings in einer Art und Weise, die dem Personal der Klever Hochschule so gar nicht behagen dürfte. Die Einrichtung hat sich Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen geschrieben und bietet diverse Studiengänge an, die das Wort Sustainability im Namen tragen. Hingegen gehört Menzel, der Interimschef der Hochschule, zu den Unterstützern einer Organisation, die die menschlichen Ursachen des Klimawandels leugnet.

Weiter entfernt geht nicht. Und man hätte es ahnen können.

Schon seine Abschiedsvorlesung als Rektor der Fachhochschule Dortmund im Jahre 2009 irritierte die Anwesenden. In seinem Vortrag sagte Menzel eine neue Eiszeit voraus und behauptete, erdgeschichtlich betrachtet, gehe der Kohlendioxod-Anteil in der Atmosphäre seit zwei Millionen Jahren zurück. Aktuelle Schwankungen führte er einem Bericht der Westfälischen Rundschau zufolge auf ausbleibende Sonnenflecken, Veränderungen im Kippwinkel der Erde zur Sonne sowie auf Neutronenstrahlung aus dem All zurück. Die Zeitung selbst kommentierte: „Gewagte Thesen.

In dem Artikel heißt es weiter: „Für Menzel ist klar, dass auch der Planeten-Zyklus in unserem Sonnensystem Einfluss auf das Erdklima besitzt. Selbst intergalaktische Phänomene sind bestimmend: eine hohe Neutronenstrahlung aus dem All könne hier Wolken auslösen. ,Die Neutronendichte ist derzeit extrem hoch’, berichtet der Hobby-Klimaforscher.“

Die Klimaforscher, die anderes behaupten, bekamen eine Breitseite des Elektrotechnikers ab. Die Zeitung zitiert ihn mit den Worten: „Da passiert Schmuh. […] Alle Messstationen in Amerika sind fehlerhaft.“ Der Berichterstatter, der offenbar selbst nicht ganz fassen konnte, was er da hörte, fügte diplomatisch begütigend hinzu, dass der Professor da wohl etwas übers Ziel hinausgeschossen sei.

Nun könnte man vermuten, die Anwesenden seien Ohrenzeuge eines erratischen Einzelvortrags geworden. Die Vorgänge liegen nun ja auch schon neun Jahre zurück und womöglich hat Menzel mittlerweile eine etwas differenziertere Sicht der Dinge. Dann aber müsste Prof. Dr. Eberhard Menzel erklären, weshalb sein Name im Fachbeirat des Europäischen Instituts für Klimawandel & Energie (EIKE) gelistet ist. Bei dieser Organisation handelt es sich um eine rechtskonservative Denkfabrik mit einigen Überschneidungen zur AfD, wie das ARD-Magazin Monitor am 6. Dezember berichtete.

Die Positionen des „Instituts“ dürften zumindest für Menschen, die sich einem ordentlichen Wissenschaftsbetrieb verpflichtet sehen, gewöhnungsbedürftig sein. Die Website empfängt Besucher mit dem kämpferischen Banner: „Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit.“

Zum Thema Energie propagiert EIKE: „EIKE sieht keine Gefahren für die künftige Energieversorgung der Menschheit durch einen Mangel an Primärenergieträgern, da die schon heute bekannten fossilen und nuklearen Energieressourcen für überschaubare Zeiträume reichen werden.“ In logischer Konsequenz können alle Anstrengungen, erneuerbare Energien zu fördern, fallen gelassen werden. Das Institut befürchtet eine „De-Industrialisierung“ und wendet sich schlussendlich gegen die „Diskriminierung der Kernenergie“.

Noch sektiererischer ist die EIKE-Haltung in Sachen Klimawandel. In einem Positionspapier des Instituts heißt es dazu: „CO2 ist Grundbaustein der Photosynthese und damit Voraussetzung allen Lebens unserer Erde. Mit zunehmender CO2-Konzentration wachsen Pflanzen besser: Die Getreide-Erträge im Freiland steigen. Gewächshauskulturen werden zur Ertragssteigerung mit CO2 begast.“

Grundsätzlich wird konstatiert: „Ein anthropogener Klimaeinfluss des beschriebenen Ausmaßes kann in Wirklichkeit nirgendwo festgestellt werden.“ Das heißt, die 2007 gegründete Initiative stellt den generellen wissenschaftlichen Konsens, dass der durch die Menschen verursachte Kohlendioxidausstoß zur Erderwärmung beiträgt, infrage. Und mittendrin, als Mitglied des Fachbeirats, der aus dem Ruhestand zurückgeholte Elektrotechniker, der derzeit die Hochschule Rhein-Waal führt.

Aber vielleicht bringt Menzel der Aufenthalt an der Hochschule Rhein-Waal ja auf seine alten Tage noch einen überraschenden Erkenntnisgewinn. Dazu müsste er nur am 24. Januar um 18 Uhr in die Restauration zum Aussichtsturm gehen, wohin die HSRW zu einer so genannten „DenkWerkStatt“ lädt. Vortragender ist Dipl.-Ing. Rolf Rheinschmidt von der Hochschule Rhein-Waal. Sein Thema lautet: „Hitze, Dürre, Starkregen – Was macht das Klima mit unserer Stadt?

(Mit Dank an den Hinweisgeber.)



Klever Künstler Max Knippert findet ältestes Foto der Schwanenburg

rd | 13. Dezember 2018, 18:40 | 23 Kommentare
Max Knippert mit dem Neudruck des vermutlich ältesten Schwanenburg-Fotos überhaupt, Fotograf Markus van Offern hält das Original

Auf den Fund zu stoßen, war relativ einfach. Knapp ein Jahr ist es her, dass der Klever Künstler Max Knippert auf dem Online-Marktplatz Ebay den Suchbegriff Cleve eintippte. Mit C, wohlgemerkt. Eine solche Recherche macht Knippert regelmäßig, meist kommt nichts Brauchbares heraus. Doch an diesem Abend warf die Datenbank des Handelsplatzes  ein Ergebnis aus, das bei Knippert die Neugierde weckte: Zu versteigern war eine Fotografie der Schwanenburg – und zwar eine, die der Künstler vorher noch nirgendwo gesehen hatte.

Einen unbekannten Mitbieter gab es, doch bei 20 Euro hatte Knippert den Zuschlag. Per Post gelangte das Bild zu ihm. Es sollte sich als kleiner Schatz entpuppen: Bei der Aufnahme handelt es sich um die vermutlich älteste Fotografie der Klever Schwanenburg, womöglich sogar die erste überhaupt.

Stadtarchivar Bert Thissen schätzt, dass das Bild irgendwann zwischen den Jahren 1850 und 1875 entstanden sein muss. Genauer lässt sich der Zeitpunkt der Aufnahme nicht datieren, auch kein Fotograf oder eine sonstige Zuschreibung sind ersichtlich.

Dafür wartet das Original mit einer Besonderheit auf: Es ist eine so genannte stereoskopische Aufnahme. Die Schwanenburg wurde aus zwei Perspektiven abgelichtet, sodass sich bei der Betrachtung durch ein Stereoskop ein räumlicher Eindruck einstellt. „Das Verfahren stammt aus den Anfängen der Fotografie“, weiß Knippert.

Zur Datierung können neben der Methode noch die auf dem Bild ersichtlichen Gebäude herangezogen werden, von denen heute (von der Schwanenburg einmal abgesehen) allerdings kein einziges mehr steht. Einer der Herrn, die auf dem Bild im Vordergrund zu sehen sind, trägt einen Zylinder, auch dies könnte nähere Rückschlüsse zulassen. Die beiden Fässer und Kisten rechts auf dem Bild sind vermutlich einkopiert, sie sind mit dem Wort „Cleve“ beschriftet.

Der Fotograf Markus van Offern hat sich der Aufnahme unter restauratorischen Gesichtspunkten angenommen. Zunächst fotografierte er er die beiden Originalbilder, die nicht größer als der Bildschirm eines  Smartphones sind, in hoher Auflösung ab, danach setzte er behutsam ein Bildbearbeitungsprogramm ein, um zerstörte Stellen zu rekonstruieren. „Das war eine Gratwanderung“, so van Offern. Einerseits ging es ihm darum, die Qualität zu verbessern, andererseits bemühte er sich, den Charakter des Originals zu erhalten.

Die rekonstruierte Aufnahme ist als gerahmter Druck in der Buchhandlung Hintzen erhältlich. Die Auflage ist limitiert auf 75 Stück, der Verkaufspreis beträgt 125 Euro. Wer das Bild zu Weihnachten verschenken möchte, sollte allerdings rechtzeitig sein Interesse signalisieren.



Rock in Hasselt – für einen guten Zweck

rd | 13. Dezember 2018, 12:18 | 1 Kommentar

Laut und lässig: Eine besondere Vorweihnachtsparty startet am Samstag, 22. 12., im Teamsports in Hasselt – die „1. Hasselter Rocknight“. Sechs bekannte und aufstrebende Bands aus dem Kreis Kleve spielen ab 17 Uhr bis tief in die Nacht auf, der Eintritt ist frei! Zum Line-up gehören unter anderem „Akustik Disco“ mit Jan Hendricks (Frontmann von „Massive Beat“), „One Trick Pony“, „One Way Street“ und „Ted’s Basement Connection“.

Das Besondere an dieser Idee: Der Veranstalter und die Bands stellen sich in den Dienst der guten Sache und führen eine Spendensammlung zugunsten der Aktion Lichtblicke e.V. (in Zusammenarbeit mit Antenne Niederrhein) durch. Die Spenden sollen möglichst komplett – nach Abzug der Kosten – dem guten Zweck zufließen. Besonders erwähnenswert ist, dass alle Bands ohne Gage an den Start gehen. 


Hochschule streicht „mfg“, Grußformeln müssen künftig ausgeschrieben werden

rd | 11. Dezember 2018, 20:44 | 23 Kommentare
Pläne für die nächsten Monate: Prof. Eberhard Menzel, Michael Strotkemper, Prof. Jens Gebauer, Prof. Marion Halfmann und Prof. Georg Hauck

Kleve hat die beste Hochschule der Welt, zumindest aber die beste zwischen Nimwegen und Krefeld. Das war, grob zusammengefasst, das Ergebnis einer Pressekonferenz, in der Interimspräsident Prof. Eberhard Menzel gemeinsam mit Kanzler Michael Strotkemper und den Vizepräsidenten Prof. habil. Jens Gebauer, Prof. Marion Halfmann und Prof. Georg Hauck präsentierten, was sich unter der neuen Führung ändern soll.

Menzel stellte sich vor als Mann der Tat, der schlecht Nein sagen könne und sich vorgenommen hat, die Umgangsformen zu verbessern. Emails sollen künftig nicht mehr mit „mfg“ berschlossen werden, statt dessen rief der Elektrotechniker ein neues Zeitalter der Freundlichkeit aus: Fortan seien die Grußformeln auszuschreiben, „mit freundlichen Grüßen“ also z.B. Die Zahl der Studenten soll so bei 7000 bleiben (aktuell 7500), eine Konsolidierung, die – soweit ich mich erinnere – auch von der Vorgängerin bereits ausgerufen worden war.

Die anschließenden Vorträge des Kanzlers und der vier Vizepräsidenten zeichneten ein glorioses Bild der Hochschule, was zumindest mit Fortschreiten der nunmehrigen Eigenlobeshymnen den Eindruck entstehen ließ, dass es unter der Vorgängerin vielleicht doch nicht so schlecht und womöglich sogar in die richtige Richtung gelaufen war. „Digitalisierung ist das Thema der heutigen Zeit“, diktierte Kanzler Strotkemper den insgesamt vier Pressevertretern in die Notizblöcke. Oha! Prof. Halfmann erklärte, dass Deutschkurse für die ausländischen Studenten als Wahlpflichtveranstaltungen eingeführt werden sollten – was seit einem Jahr festgeschrieben ist. Alter Wein in neuen Schläuchen, sagt man. Grundsätzlich aber sind Deutschkenntnisse in Deutschland keine so ganz schlechte Idee.

Insgesamt bildeten die Vorträge einen hübschen Klangteppich, der wohl vergessen machen sollte, was in den vergangenen Monaten an der Hochschule gelaufen war. Um 17 Uhr stand ein vom Förderverein ausgerichtetes Weckmannessen auf dem Programm, „eine Möglichkeit, um miteinander zu reden“, so Eberhard Menzel.

Wie schon in der Mail an die Studenten erzählte Menzel, dass er „vor einigen Wochen“ von Prof. Aloys Krieg, dem Vorsitzenden des HSRW-Hochschulrats, gefragt worden sei, ob er die Klever Hochschule vorübergehend leiten wolle. Auf Nachfragen präzisierte er, der erste Kontakt sei bereits „im Sommer“ erfolgt, und „irgendwann im Juli“ habe es dann das erste persönliche Treffen zwischen ihm und Krieg gegeben. Interessant daran ist: Zu einem Zeitpunkt also, als zumindest für Außenstehende und auch für die amtierende Präsidentin noch nicht feststand, wie die Verhandlungen über das zu diesem Zeitpunkt vorliegende Rücktrittsangebot ausgehen, hatte der Vorsitzende des Hochschulrats bereits den Stab über der Präsidentin gebrochen. 

Der RP hat auch schon berichtet, hier der Link zum Artikel: Präsidium stellt Ziele vor