Sparkasse Rhein-Maas: Klever Stadtrat billigt Fusion, aber wie flott ist dieser Dreier wirklich?

rd | 30. Juni 2016, 15:25 | keine Kommentare
Dominantes Rot, wie die sprichwörtlichen Zahlen: der Neubau der Sparkassen-Hauptstelle inmitten von Caldenhoven (Autoteile) und S-Drive (Autolizenzen)

Sparkasse Rhein-Maas: Hauptsitz bleibt Kleve, Hauptträger wird der Kreis

Nicht nur wegen des einstimmigen Beschlusses zum Minoritenplatz war die Klever Ratssitzung gestern in der Stadthalle nach Meinung der Bürgermeisterin und einiger Stadtverordneter von „historischer“ Bedeutung, sondern auch wegen einer Abstimmung im nicht-öffentlichen Teil: Dieser Beschluss ebnete den Weg für die Fusion der Sparkasse Kleve mit der Stadtsparkasse Emmerich-Rees und der Sparkasse Straelen. Wie kleveblog schon vor einigen Wochen berichtete, soll das neue Institut den geographisch zwar wenig sauberen, aber weit in die Zukunft weisenden Namen erhalten: (Sparkasse Rhein Maas).

Wie flott ist dieser Dreier wirklich?

Die Bankiers aus den drei Städten verkauften das Zusammengehen in bester neuer politischer Tradition als „alternativlos“. Obwohl selbst an der Finanzkrise weitestgehend unbeteiligt, hängen die Sparkassen aufgrund der immer strengeren Regulierung (Basel III) und der Niedrigzinspolitik im Fliegenfänger.

Einst liefen die Vorstände der Institute, dank sechsstelliger Jahresgehälter dauernd lächelnd, mit Egos so groß wie eine Mercedes S-Klasse durch die Stadt, heute kommen sie im Bettlergewand. Plötzlich werden einst so nachrangige Dinge wie Kontoführungsgebühren wieder bedeutsam, das Geld muss halt irgendwie zusammengekratzt werden. In der Dörfern werden die Filialen geschlossen, wer Geld braucht, kann es sich wie bei einem Pizzalieferdienst bestellen.

Bei der Stadtsparkasse Emmerich-Rees allerdings reichten nicht einmal diese klassischen Schritte zur Aufhübschung der Lage. 2012 erhöhte der Kreis Kleve als Anteilseigner seine Einlage um zehn Millionen Euro, um das Institut in die Lage zu versetzen, „noch mehr Kredite für zukunftsträchtige Investitionen zu gewähren“, wie es damals hieß. Es war natürlich eine Rettungsaktion.

Für die nun anstehende Fusion, die Verträge sollen am Montag unterzeichnet werden, war die Braut von der anderen Rheinseite allerdings immer noch nicht schön genug. Wer die im Internet zugänglichen Bilanzen des Geldinstituts aufmerksam liest, findet einerseits Hinweise auf Steuererstattungen (dann wurde ein überraschenderweise schlechtes Jahr mit einem vorangegangenen besseren verrechnet) und andererseits Belege für Steuerzahlungen im Zwei-Millionen-Bereich, die wiederum ein Indiz für massive Veräußerungen sein können. 2014 machte das Haus gerade mal einen Gewinn von 400.000 Euro nach Steuern. Im Geschäftsbericht heißt es unverblümt: „Die geschäftliche Entwicklung der Stadtsparkasse Emmerich-Rees verlief in Teilbereichen nicht nach unseren Planungen.“

Folge: Die Stadt Emmerich schießt der Stadtsparkasse 12,8 Millionen Euro zu, um die Eigenkapitalquote auf das Niveau der beiden anderen Fusionspartner zu heben, wie die NRZ Emmerich heute berichtet.

Die Eigentumsverhältnisse in der neuen Sparkasse Rhein-Maas weisen einen beträchtlichen Einflussgewinn des Kreises Kleve aus, der künftig über 50,3 % der Besitzanteile verfügen wird. So verwundert es auch nicht, dass Wilfried Suerick, der rastlose Pensionär in Diensten des Kreises, einen Platz im neuen Verwaltungsrat erhalten soll, wie kleveblog erfuhr. Die Stadt Kleve kommt auf 21,1 Prozent, soll aber eine Sperrminorität erhalten. Die Anteile der Gemeinden Straelen und Emmerich betragen 13,8 bzw. 13,3 Prozent. Die Stadt Rees fällt mit einem Anteil von 1,5 Prozent stark ab, sie hatten bei der Eigenkapitalaufstockung mangels Geld nicht mitgemacht, wie die NRZ schreibt.

Zukünftige Anteilseigner der Sparkasse Rhein-Maas (Angaben in %)

Zukünftige Anteilseigner der Sparkasse Rhein-Maas (Angaben in %)



Schmuck-Design Schmidthausen: Nachfolger gefunden, Neustart im September!

rd | 30. Juni 2016, 13:17 | keine Kommentare
Elsa und Josef Schmidthausen

Glücklich darüber, einen Nachfolger für das Geschäft gefunden zu haben: Elsa und Josef Schmidthausen

Das ist eine gute Nachricht für die Kavarinerstraße! Die Eheleute Elsa und Josef Schmidthausen, die ihr Juweliergeschäft aus Altersgründen heute schließen, haben einen Nachfolger für ihr Schmuck-Design-Geschäft gefunden – somit bleibt dem Straßenzug eine repräsentative Adresse erhalten, ein Leerstand wird vermieden! „Die Verträge sind schon unterzeichnet“, so Elsa Schmidthausen zu kleveblog.

Neuer Mieter des Ladenlokals wird ein Juwelier aus Essen sein, der das ländliche Umfeld seiner aktuellen großstädtischen Bleibe vorzieht. Schon im September soll der Verkauf weitergehen. Das Ehepaar hatte seit Monaten nach einem Nachfolger gesucht, und lange Zeit hatte es nicht so ausgesehen, als ob es für das traditionsreiche Ladenlokal in der Innenstadt eine Fortsetzung mit einem neuen Betreiber geben würde. Erst unmittelbar vor dem Ende des Ausverkaufs kam der Kontakt zu Stande, und die Parteien wurden sich glücklicherweise schnell handelseinig.

Hier der ursprüngliche Bericht vom 18. März: Schmuck-Design Schmidthausen: Nach 38 Jahren ist am 30. Juni Schluss



Aus genossenschaftlichen Finanzkreisen: Nüchternheit entschieden bekämpfen

rd | 30. Juni 2016, 13:03 | 1 Kommentar
 Dagegen gibt es ein Mittel

Dagegen gibt es ein Mittel

„Nüchterne Bilanz“, so reißt die Rheinische Post heute ihren Bericht über die Bilanzpressekonferenz der Volksbank Kleverland an. Neben zwei interessanten Personalien (Flughafen-Chef Ludger van Bebber und Bedachungsunternehmer Eric Jansen rücken in den Aufsichtsrat ein) taten die Bankchefs die betrübliche Mitteilung kund, dass die Dividende auf nur noch zwei Prozent gesenkt wird.

In der Tat ernüchternd!

Doch damit das nicht lange so bleibt, beschreitet das Klever Geldinstitut neue Wege: Am Freitag, 1. Juli, lädt die Volksbank Kleverland eG auf der Terrasse des Kundenzentrums zu ihrem ersten Weinfest ein! Der Einladung zufolge werden „Weine aus verschiedenen Weingebieten“ verkostet. Da gibt es dann für die Geldeinlage mal ganz locker zehn bis zwölf Prozent – und niemand muss nüchtern bleiben. Räumen Sie mit den Bankchefs gemeinsam den „Weintresor“ (so der Name des bankeigenen Getränkehandels) aus! Die Party beginnt um 16 Uhr.


Erfolgreich angebaggert: Kuypers landet in Loocks Armen

rd | 29. Juni 2016, 18:50 | 2 Kommentare
 Experimenteller Blick auf das Werksgelände der Kiesbaggerei Kuypers an der Spyckstraße

Experimenteller Blick auf das Werksgelände der Kiesbaggerei Kuypers an der Spyckstraße

He’s got the Loock!

Beobachter des Klever Baugewerbes und vorgelagerter Gewerke vermelden die heimliche Hochzeit zweier bekannter Unternehmen: Die Loock Erd- und Tiefbau GmbH, die mit den roten Baggern, hat die Kiesbaggerei Theo Kuypers („Sand – Kies – Transportbeton – Mehrkammersilomörtel“) aus Rindern übernommen.

„Wir haben uns mit Loock zusammengetan“, bestätigt Geschäftsführer Erwin Kuypers. Ziel sei es, die Firma weiter auszubauen und nach vorn zu bringen. Zuvor hatte Kuypers nach einem Nachfolger für das 1949 gegründete Unternehmen, das am Tweestrom mit der Kiesbaggerei begann, gesucht, allerdings ohne Erfolg. Kuypers beschäftigt am Unternehmenssitz an der Spyckstraße sieben Mitarbeiter, Erwin Kuypers bleibt auch unter den neuen Gesellschaftern Geschäftsführer des Unternehmens.

Die Wahl des neuen Mehrheitsgesellschafters fiel Erwin Kuypers nach eigenem Bekunden leicht: „Wir blicken auf eine langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit zurück.“ Die Loock Erd- und Tiefbau GmbH gehört zum Unternehmensportfolio des Klever Großinvestors Bernd Zevens.


Minoritenplatz: „Historischer Moment“, sagt Northing

rd | 29. Juni 2016, 18:06 | 13 Kommentare

Nach dem Westfälischen Frieden (1648) nun auch der Niederrheinische Frieden (2016)? Auf der Ratssitzung in der Stadthalle stellte die Verwaltung das Eckpunktepapier zur Bebauung des Minoritenplatzes vor, auf das sich alle Fraktionen geeinigt haben – inklusive Bürgerbeteiligung (nimm das, Denkpause!), deren Termin sogar schon feststeht (Dienstag, 20. September, 19:30 Uhr) und einem klaren Bekenntnis, dass der Platz nicht komplett zugebaut werden soll („kein geschlossener Baukörper“). Bürgermeisterin Sonja Northing sprach von einem „historischen Moment“ und zitierte ein afrikanisches Sprichwort, das sie in der NRZ gefunden hatte: „Wenn du schnell gehen willst, gehe alleine. Wenn du weit kommen willst, gehe gemeinsam.“ Hier ein Blick auf das Dokument, das in der Ratssitzung präsentiert wurde:

Abgestimmte Eckpunkte: Erste Spalte, vierter Punkt sagt: „kein geschlossener Baukörper“. Achte Spalte, erster Punkt: „frühzeitige Beteiligung [der Öffentlichkeit]… Begleitung durch externes Planungsbüro“

„Kein Bürger muss mehr Angst haben, dass ein Schreckgespenst wie Sontowski aus der Kiste gesprungen kommt“, so Daniel Rütter (FDP). Der Ratsbeschluss erfolgte einstimmig, die Planung wie vorgestellt fortzusetzen.

Hier zur weiteren Information die vollständige Pressemitteilung der Stadt Kleve:

Eckpunkte zum Bebauungsplan Nr. 1-279-2 für den Bereich Minoritenplatz

 
Die von den Fraktionen erarbeiteten Eckpunkte für die Entwicklung des Minoritenplatzes stellen den ersten Schritt für die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens dar.

 

Die Fraktionen haben sich unter Leitung von Bürgermeisterin Sonja Northing mit Vertretern der Verwaltung zusammengesetzt und folgende Eckpunkte und Vorgaben gemeinsam erstellt. 
Die Eckpunkte sind in 8 Themen und zusätzlich in Aspekte unterteilt, welche durch Festsetzungen im Bebauungsplan oder im weiteren Verfahren durch Verträge oder Vergaben verbindlich festzulegen sind. 
Die verkehrliche Verknüpfung und damit auch die Anbindung an die Stadt bestimmen im Wesentlichen den Charakter und die Nutzbarkeit einer Fläche. Für den Minoritenplatz ist insbesondere die Verbindung zum Einkaufsbereich Große Straße / Herzogstraße ein wichtiger Bestandteil. Diese Verbindung soll aufrechterhalten und durch eine offene, durchgängige Bebauung unterstützt werden. Ebenso sind die Wegeverbindungen zur Hochschule, zum Bahnhof sowie zum Kurhaus neu zu schaffen oder aufrechtzuerhalten. Hier sollen insbesondere städtebaulich sinnvolle Wegeverbindungen neu geschaffen werden. Diese Verbindungen sollen durch Beikarten (Pläne, die bestimmte Bereiche verdeutlichen) erläutert und definiert werden. Die Anbindung an die Stadt ist nicht nur durch Wegeverbindungen zu unterstützen und zu sichern, ähnlich wichtig sind auch die Sichtbeziehungen. Hier sollen zum einen die historisch wichtigen zum anderen aber auch die städtebaulich sinnvollen und der Orientierung dienenden Blickbeziehungen aufrecht erhalten bzw. durch die Anordnung und Ausrichtung der neuen Gebäude neu geschaffen werden. Auch diese Beziehungen sollen in einer Beikarte verständlich dargestellt werden.

 

Bei ausreichend öffentlichen Räumen, können auch private Höfe entstehen. 
Solange es Städte gibt, gibt es auch Plätze, an denen man sich versammeln und handeln konnte. Da der Minoritenplatz zu den zentralsten Bereichen von Kleve gehört, sollen in diesem Bereich auch neue, attraktive Plätze entstehen. Auf der einen Seite soll ein repräsentativer „Platz am Rathaus“ und auf der anderen Seite in Richtung Volksbank der Platz „Am Netelenhorst“ entstehen. Die neu zu planende Bebauung soll diese Plätze durch die Ausbildung von klaren Raumkanten räumlich fassen. Beide Plätze sollen die Stadt Kleve repräsentieren und der Innenstadt ein Gesicht verleihen. Dazu soll bei der Ausgestaltung der Plätze – abhängig von den geplanten Funktionen der Plätze – ein aufeinander abgestimmtes Gestaltungskonzept entwickelt werden. Um verschiedene räumliche Ausprägungen der Plätze und damit auch verschiedene Nutzungsmöglichkeiten darzustellen, sollen im September zwei verschiedene Varianten für einen Bebauungsplanentwurf vorgestellt werden. Insbesondere soll hier die Größe des „Platzes am Rathaus“ variieren. Bei den Bebauungsplanentwürfen sollen die Bereiche vor dem Rathaus und vor dem Haus Koekkoek von Bebauung freigehalten werden. Zusätzlich sollte auch die Verkehrsführung durch die Lenkung der Fuß- und Radfahrer optimiert werden. 
Das städtische Ziel die Wallgrabenzone als durchgängigen Grünbereich  zu vergrößern und zu gestalten soll konsequent weiter verfolgt werden. Die Wallgrabenzone soll durch die schon vorhandene Topographie sichtbar abgrenzt werden. Ebenso sind die vorhandenen Sichtbeziehungen zu erhalten und neu zu schaffen. 
Die vorhandenen Denkmäler auf dem Minoritenplatz sollen für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden, so dass sie oberirdisch erlebbar sind. 

Auf dem Minoritenplatz sollen neue Gebäude entstehen. Diese Bebauung soll mehrteilig sein, so dass sie die neuen und vorhandenen Wegebeziehungen aufnehmen und unterstützen kann. Die Bauflächen sollen durch das Baurecht klar definiert werden. Entsprechend den Varianten zum „Platz am Rathaus“ werden auch hier Varianten entwickelt, mit größeren und mit kleineren Baufenstern. Die Höhe der Neubauten soll sich an den vorhandenen Gebäuden orientieren, diese aber nicht überschreiten. Entstehen soll eine hochwertige Bebauung mit einer gegliederten und nicht durchgängigen Fassade (z.B. durch Materialwechsel oder Gliederung der Fassade), so dass eine optische Kleinteiligkeit des Gebäudes entsteht. 

Um neue Stellplätze zu schaffen, soll eine Tiefgarage (Bauverpflichtung) entstehen. Neben der neuen Tiefgarage sollen die vorhandenen Tiefgaragen der Volksbank und der Deutschen Bank sowie des neuen Rathauses angebunden werden. Um eine städtebaulich ansehnliche Anlieferung zu sichern, ist frühzeitig über die Anlieferung und deren Gestaltung zu diskutieren und zu beraten. Die vorhandenen Stellplätze an der Hafenstraße sollen durch die neuen Planungen nicht berührt und somit in der jetzigen Form erhalten bleiben. 
Eine gesunde Mischung aus Nutzungen entsprechend seiner Lage und Bedeutung innerhalb der Stadt soll auf dem Minoritenplatz entwickelt werden. Daher können neben Büros, Praxen und anderen Dienstleistungsangeboten auch Wohnungen entstehen. Ebenso kann sich im Erdgeschoss Einzelhandel ansiedeln. Im öffentlichen Raum sollen an geeigneter Stelle Fahrradabstellplätze angeboten werden. 
Die Öffentlichkeit soll am 20.09.2016 nach Beratung im Bau- und Planungsausschuss im Rahmen einer Bürgerbeteiligung in das Verfahren einbezogen werden. Die Fraktionen haben die genannten Eckpunkte zusammengestellt. Daraus wird die Verwaltung verschiedene Bebauungsplanvarianten für den Einstieg in das förmliche Verfahren erstellen. Diese Varianten sollen mit der Öffentlichkeit ausführlich diskutiert und erörtert werden. Für diese Beteiligungsphase soll ein externes Planungsbüro als Moderator beauftragt werden. Dies ist nur der erste Beteiligungsschritt, darauf folgt eine weitere Beteiligungsphase.


Stadtradeln vielleicht etwas zu wörtlich genommen

rd | 29. Juni 2016, 11:09 | 8 Kommentare

Zur Ehrenrettung des Mannes am Lenker sei gesagt, dass die Aufnahmen an einem Sonntagmorgen um halb acht im Winter gemacht wurden. Kein Mensch sonst unterwegs. (Insofern ist das Ganze vielleicht auch eine kleinstädtische und kohlendioxidneutrale Reminiszenz an das berühmte Paris-Video C’était un rendez-vous von Claude Lelouch aus dem Jahre 1976.) Quizfrage: Wieviele Verkehrsverstöße sind auf diesem Video zu sehen? Kleiner Hinweis: Es ist nicht grundsätzlich verboten, Treppen hinunterzuradeln.


Von oben herab: Baustelle Sternbuschbad, aktueller Stand

rd | 29. Juni 2016, 10:48 | keine Kommentare

Schön was zum Schauen! Das Video stammt von Dirk Verweyen, auf seiner Facebook-Seite dirk.verweyen.lichtbilder gibt es weitere sehenswerte Videos.


Stadtradeln: Wie ich einmal 60 Autos überholte

rd | 28. Juni 2016, 01:39 | 34 Kommentare

Feierabendverkehr in Kleve… wie gut, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist:

Überschlagsweise (15.000 Euro je Auto gerechnet) bin ich an einer Million Euro vorbeigeradelt. Allerdings: Der Regenguss auf der Rückfahrt wird viele Autofahrer lächelnd zu mich blicken gelassen haben. Insofern also 1:1 (ich schneller, die Autofahrer trockener).


Stadtradeln: Autoschlüssel weg, 6 atü im Schlauch

rd | 27. Juni 2016, 14:57 | 10 Kommentare
Vertauschte Rollen: Bürgermeisterin Sonja Northing interviewt Wiltrud Schnütgen und Ralf Daute

Vertauschte Rollen: Bürgermeisterin Sonja Northing interviewt Wiltrud Schnütgen und Ralf Daute (Foto: Kleve fährt Rad)

Ein talentierter Mitarbeiter des Fahrradhauses Daute (welches die Aktion Stadtradeln unter anderem durch Herausgabe von Tachos großzügig unterstützt) macht das Fahrrad der Bürgermeisterin noch verkehrssicherer

Ein talentierter Mitarbeiter des Fahrradhauses Daute (welches die Aktion Stadtradeln unter anderem durch Herausgabe von Tachos großzügig unterstützt) macht das Fahrrad der Bürgermeisterin noch verkehrssicherer

Weg damit! Pascale van Koeverden (Stadt Kleve), Wiltrud Schnütgen und Ralf Daute verhüllen das Auto von Schnütgen

Weg damit! Pascale van Koeverden (Stadt Kleve), Wiltrud Schnütgen und Ralf Daute verhüllen das Auto von Schnütgen (Foto: Kleve fährt Rad)

Seit gestern nun bin ich also ein Star, ein „Stadtradel-Star“, um genau zu sein, oder, um mit den Worten von Bürgermeisterin Sonja Northing zu sprechen, ein „VIP-Fietser“, und diese gloriose Aufwertung meiner Existenz lässt mich an die Anfänge meiner beruflichen Laufbahn beim „Express“ denken, wo es in der Lokalredaktion die Redewendung „in Köln weltberühmt“ gab, die die leichte Diskrepanz zwischen der an Größenwahnsinn grenzenden Selbstwahrnehmung Kölner Prominenter und deren tatsächlicher Bedeutung, zum Beispiel in Pulheim, auf treffende Weise zum Ausdruck brachte.

Soll mich aber alles nicht stören, denn die Aktion „Stadtradeln“ ist eine gute, für deren Ziele ich mich gerne habe einspannen lassen. Als vorbildlicher Mensch habe ich am Sonntag auf der Herzogbrücke meinen Autoschlüssel samt Führerschein der Bürgermeisterin anvertraut und versuche nun drei Wochen lang, kein Auto von innen zu sehen – sechs atü im Schlauch sollten reichen. Das dient der Umwelt (die gefahrenen Fahrradkilometer aller Teilnehmer werden umgerechnet in Kohlendioxid, dessen Ausstoß vermieden wurde), der eigenen Gesundheit und ist im Kleve des Sommers 2016 vielleicht auch ein Ausdruck des gesunden Menschenverstandes, denn die zahlreichen Baustellen im Stadtgebiet tun ein Übriges, den Bürgern der Stadt den Verzicht aufs Auto schmackhaft zu machen.

Für einen möglichst realistischen Test werde ich zusätzlich zum Verzicht, der mir keine große Umstellung abverlangt, da ich ohnehin die meisten Strecken mit dem Rad zurücklege, zusätzlich auch geloben, die Verkehrsregeln komplett einzuhalten, also weder in der Fußgängerzone zu radeln (mache ich ohnehin nicht mehr) noch Straßenführungen, die nur erfunden wurden, um Radfahrer zu quälen, großzügig zu ignorieren.

Über meine Fortschritte und Erfahrungen werde ich sowohl hier auf kleveblog wie auch auf der Seite stadtradeln.de von Zeit zu Zeit berichten, ebenso wie meine Mitstreiterin Wiltrud Schnütgen, die zweifelsohne eine noch bessere Wahl als „Stadtradel-Star“ ist als ich, weil ich sie wirklich noch nie mit einem Auto gesehen habe. Gestern wurde ihr Wagen symbolträchtig auf der Herzogbrücke eingemottet, was ihr allerdings gleich einen Strafzettel über 20 Euro wegen Falschparkens einbrachte!

Meine ersten sechs Kilometer führt mich heute nach Rindern und zurück. Einmal zehn Minuten bis zum Drususdeich und neun Minuten zurück bis zum Café Lust. Dort habe ich dann flugs einmal Google befragt, wie lange ich für beide Strecken mit dem Auto unterwegs gewesen wäre. Ergebnis: Für die Strecke hin hätte ich elf Minuten benötigt, für die Strecke zurück zehn Minuten.

Da hoffe ich jetzt einmal für mich, dass ich die zwei Minuten gewonnener Lebenszeit bestmöglich genutzt habe, erfreue mich der Tatsache, dass ich lediglich leichtem Nieselregen trotzen musste und finde, dass viele Menschen in ihren Autos immer so traurig gucken.

*

Weitere Infos zu der dreiwöchigen Aktion gibt es auf der Website www.stadtradeln.de. Jeder kann sich daran beteiligen, Teams gründen und seine Strecken aufzeichnen. Dafür gibt es auch eine App.


Erstmals im Bild: die Faust Gottes

rd | 24. Juni 2016, 12:33 | 10 Kommentare
… während des Unwetters gestern Abend von einem furchtlosen Udo Kleinendonk für immer festgehalten

… während des Unwetters gestern Abend von einem furchtlosen Udo Kleinendonk für immer festgehalten