Lässt der Kreis Kleve das Taxigewerbe gegen die Wand fahren?

rd | 20. August 2018, 09:26 | keine Kommentare

Das Verhältnis der Klever Bürger zum Taxigewerbe ist schwierig. Wenn man um drei Uhr morgens einen Chauffeur wünscht, soll dieser gefälligst sofort vor der Tür stehen. Ist das Fahrtziel erreicht, schaut man etwas missmutig auf den Taxameter, weil die Fahrt einem doch etwas teuer erschien.

Ganz anders sieht das Bild jedoch aus, wenn man sich einmal in die Position der Taxiunternehmer versetzt. Acht Anbieter aus dem Kreis Kleve haben sich zur „Interessengemeinschaft Kreis Klever Texiunternehmer“ zusammengetan, und sie wagen jetzt den offenen Protest – und zwar gegen die Aufsichtsbehörde, den Kreis Kleve.

Der Grund: Die Tarife sind zu niedrig, um – unter Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften, z. B. Mindestlohn – den Betrieb überhaupt noch ordnungsgemäß durchführen zu können. Deshalb stellten die Unternehmer am 9. März beim Kreis den Antrag, die Tarife erhöhen zu dürfen, und zwar sowohl den Kilometerpreis wie auch den Grundpreis.

Das Begehren vom 9. März endete im bürokratischen Nirwana. Am 20. März erbat der Kreis die dem Wunsch zugrundeliegende Berechnugnsgrundlage, die er wiederum am 12. April erhielt. Auf diese Aufstellung hin erhielt die Interessengemeinschaft per Telefon die Antwort, dass der Kreis sich nicht in der Lage sehe, den Berechnungen zu folgen. Am 17. Juli kam schließlich noch die Information, dass gegenwärtig geprüft werde, einen Gutachter hinzuziehen, von weiteren Nachfragen sei bitte abzusehen. Seitdem gar nichts mehr.

„Es geht nicht darum, dass wir uns die Taschen vollmachen wollen“, so Vollert. „Es geht um unsere Existenz.“ Belege erwünscht? In der Zeit vom März 2017 bis heute stellten drei Unternehmen im Kreis Kleve den Betrieb ein, mehr als 90 Taxen und Mietwagen sind von den Straßen verschwunden.

Der Wunsch nach dem neuen Tarif deckt sich mit den Preisen, die in vergleichbaren Landkreisen und zum Beispiel auch im Kreis Wesel längst genehmigt sind. Die letzte Tariferhöhung fand im Jahre 2015 statt. Und ein Gutachten „zur Funktionsfähigkeit des Taxigewerbes im Kreis Kleve“, vom Kreis selbst in Auftrag gegeben, kam Ende 2017 zu dem Ergebnis, dass die Einnahmesituation so schlecht ist, dass 40 Prozent der Taxiunternehmer nichts mehr für die Altersvorsorge beiseite legen können.

Die Kostenrechnung der Taxunternehmer besagt, dass für ein Taxi 91 Cent für jeden gefahrenen Kilometer aufgewendet werden müssen. Dabei sind Kosten, die durch die neuen Datenschutzregelungen und für die verpflichtende Neuanschaffung von steuersicheren Taxametern anfallen, noch nicht einmal eingerechnet. Der aktuelle Standardtarif für Taxikunden liegt bei 1,70 Euro pro Besetztkilometer.

Da nun aber die Fahrer im Schnitt nur die Hälfte der zurückgelegten Kilometer mit Fahrgästen absolvieren (die andere Hälfte sind Leerfahrten zu den Kunden oder aber nach Erreichung des Zielorts), stehen also den Einnahmen rechnerisch Kosten von 1,82 Euro gegenüber. Verlust also. Daraus folgt: „Zu den gegenwärtigen Tarifen kann man das Geschäft nicht mehr ordentlich führen“, sagt Rolf Peters aus Kleve, Delegierter der Fachvereinigung Taxi und Mietwagen Nordrhein e.V.

Das Vorgehen des Kreises halten die Unternehmer für eine „Verzögerungstaktik“, auf die sie jetzt mit einem drastischen Schritt reagiert haben: Sie erstellten bei der Bezirksregierung eine Untätigkeitsanzeige. „Ohne diese dringend notwendige Erhöhung werden weitere Unternehmen in die Insolvenz gehen“, sagt Stefan Vollert, Geschäftsführer von Taxi Niederrhein, dem größten Unternehmen im Kreis.



Rock over Kiebitzsee

rd | 19. August 2018, 12:36 | 2 Kommentare
Idyllisch klingt abgenutzt, manchmal passt es aber: Abendstimmung am Kiebitzsee

Jeder kennt Haldern, aber Kiebitzsee? Auch auf der anderen Rheinseite, also für viele Klever terra incognita, gibt es im Emmericher Ortsteil Elten am Kiebitzsee ein Musikfestival, das noch nicht von den Schleifspuren des Kommerzes gezeichnet ist. Erstmals 1988 gestartet, danach einige Kunstpausen und Ortswechsel, seit 2017 jedoch wieder am angestammten Ort und mit dem entspannten Charakter eines Familienfestes, allerdings ohne den peinlichen Onkel, der die Veranstaltung sprengt.

Die zweite Runde nach dem Neustart im vergangenen Jahr findet statt am Freitag/Samstag, 24./25. August. Wer kommen will, muss kein Ticket kaufen – der Eintritt ist frei. Dank der Unterstützung des Taxiunternehmens Vels können die Organisatoren, die rund 40 Mitglieder und Freunde des Vereins Rock over, an beiden Tagen für fünf Euro einen Shuttle-Service ab Emmerich anbieten. Wer direkt dorthin will, darf seinem Navi einfach die Ortsangabe Kiebitzsee anvertrauen. 

Wer aber spielt dort überhaupt? Am Freitag die Bands Die Kleins, Lärmeffekt und Four Dudes, am Samstag Gin For A Done, Da Humpf, Mokes Trio, Belly to Belly und Keegan. Schön die liebevolle Selbstbeschreibung der Band Lärmeffekt im Programmheft: „Das sind drei erfahrene Männer, die sich mit dem Kletterhaken vor dem Zenit ihres Schaffens festklammern, anstatt diesen würdevoll zu überschreiten.“

Also: Wer am Wochenende nichts zu tun hat und sich traut, den Rhein zu überschreiten – warum nicht mal zum Kiebitzsee?



TOP 5

rd | 17. August 2018, 12:32 | keine Kommentare
Unter „Verschiedenes“ dürfte dann noch Einiges zur Sprache kommen

<em>(Diskussion bitte unter „Krieg-Erklärung“ fortführen) </em>Die vom Hochschulrat unter Vorsitz von Prof. Aloys Krieg initiierten Vorgänge an der Hochschule Rhein-Waal, die in der akademischen Welt des Landes nur Reaktionen zwischen Kopfschütteln und Fassungslosigkeit hervorrufen, sollen am 29. August zu einem Abschluss gebracht werden. Mitten in den Semesterferien, sodass die Studenten von dem Treiben nur wenig mitbekommen, wurde sehr kurzfristig zur dritten Hochschulwahlversammlung einberufen, und der Tagesordnungspunkt (TOP) 5 lautet unmissverständlich: „Abwahl der Präsidentin der Hochschul Rhein-Waal“.

Die Sitzung soll am Mittwoch, 29. August, auf dem Campus der Hochschule in Kamp-Lintfort stattfinden – ein besonders schlechter Treppenwitz, die in Kamp-Lintfort aufgewachsene Präsidentin Dr. Heide Naderer, die sich zudem immer auch um die Aufwertung des zweiten Hochschulstandorts der HSRW bemüht hatte, ausgerechnet an ihrem Heimatort abzuschießen. Die Wahl, das steht zu vermuten, bildet den Schlussakt einer akademischen Variante von „Game of Thrones“, allerdings aufgeführt mit dem erratisch agierenden Personal einer Laienspielschar.

Über die Gründe, die dazu geführt haben, dass die Wissenschaftsmanagerin knapp drei Jahre vor Ablauf ihrer sechsjährigen Amtszeit ihren Posten räumen soll, kann nach wie vor nur spekuliert werden – zumal der Aloys Krieg, der das Abwahlverfahren in Gang hat setzen lassen, sich öffentlich lobend über die Arbeit der Präsidentin geäußert hat. Doch irgendwann muss er entschieden haben, den Stab über Naderer zu brechen.

Offensichtlich hatte der Versuch von Naderer, einige Leitplanken der Professionalität in die Welt der HSRW einzuziehen, bei zart besaiteten Professoren und anderen Hochschulmitarbeitern von Anfang an schwere Befindlichkeitsstörungen ausgelöst. Das nur unter Wahrung der Anonymität vorgetragene und mit einigen dürftigen Belegen versehene Wehklagen stieß fatalerweise bei Aloys Krieg, einem 62 Jahre alten Mathematiker aus Aachen, auf offene Ohren.

Diese Beschwerden lösten wie bei einer aus den Fugen geratenen Funktion jene Eskalation aus, deren Ende nun – so vermutlich die Kalkulation des Zahlenmenschen – die Personalie der Präsidentin sein möge. Krieg und übrigen Mitglieder des Hochschulrats werden also hoffen, dass sich mit einem erzwungen Wechsel an der Spitze wieder alles auf die Nulllinie zubewegt. Ruhe im Karton, alles wird gut. Man muss nur fest genug daran glauben.

Wäre die Situation an der HSRW ein Erdbeben, dürfte Prof. Krieg der Ansicht sein, dass am 29. August ca. 75 Minuten seit dem Ausbruch vergangen sind. Doch wie viele Minuten sind es wirklich?

Marketing 5.0 in der Fußgängerzone

rd | 16. August 2018, 16:38 | 5 Kommentare
Digital wird überschätzt