Kaskadenfiasko: Ein Pflaster aus Beton, das keine Wunden heilt

rd | 24. April 2019, 14:31 | 2 Kommentare
Spundwände mit zusätzlicher Betonsicherung: Kaskade am Kermisdahl (Tolles Drohnenfoto: Torsten Barthel)

(Gastbeitrag von Wiltrud Schnütgen, erschienen in der aktuellen Ausgabe des Magazins Der KLEVER)

Was für ein trostloser Anblick in der idyllischen Kermisdahllandschaft! Wo einst das Regenwasser der Oberstadt mal mehr oder weniger brausend die Kaskade runterrauschte und sich von dort unter dem Weg, bei Starkregen auch mal darüber, in den Kermisdahl ergoss, brach sich im Mai 2017 das Wasser rechts und links vom Kaskadenbauwerk Bahn und ließ den Hang abrutschen. Die Ursache ist nicht ganz klar. Die Stadtverwaltung spricht von zunehmenden Regenfällen aufgrund der Klimaveränderung und von der eiszeitlichen Endmoräne als „einkörnigem“ und damit rutschigem, instabilen Untergrund. Hört sich an, als müsse man sich auch Sorgen um die Burg machen! Andere meinen, dass man die Regenabwasserkanäle vielleicht länger nicht gründlich überprüft habe. Allerdings prüft die Stadt regelmäßig ihren Kanalbestand und lässt sich das mehrere Millionen Euro im Jahr kosten.

Im Jahre 1900 begann man in Kleve mit dem Bau einer Kanalisation, damit stinkende Abwässer nicht mehr offen abgeleitet werden mussten. Seitdem werden Regenwässer und Abwässer der Oberstadt Richtung Kermisdahl abgeführt, letztere landen natürlich nicht im Fluss, sondern werden darunter her Richtung Salmorther Klärwerk geleitet. Zwischen 1911 und 1913 erhielt die Nassauer Allee zwischen Krohnestraße und Kolpingstraße ihren Kanal, außerdem wurden ein „Absturzbauwerk“ und Kanaltunnel bis zum Kermisdahl gebaut. Im Krieg haben zwischen Maywald und Bellevue zehn Jugendliche in solchen Schächten den Angriff am 7.2.1945 überstanden. 1952 war die 20 Meter Höhenunterschied überwindende Kaskade fertig sowie ein 76 Meter langer unterirdischer Gang Richtung Nassauer Allee, in den so mancher Klever in jugendlichem Leichtsinn reingeklettert ist.

Der Erdrutsch 2017 war nicht der erste, schon 1763 rutschte nach starken Regenfällen der Hang ab und verschmälerte den Kermisdahl um die Hälfte. Der „enge Hals“ entstand, heute führt hier die Luisenbrücke auf die andere Uferseite. So idyllisch wie hier sieht es an der Kaskade leider nicht aus. Im Januar gab es eine Begehung des Klevischen Vereins mit der Stadtverwaltung und interessierten Lokalpolitikern. Der Klevische Verein setzt sich mit seinem Arbeitskreis Kermisdahl-Wetering seit langem dafür ein, soweit wie möglich wieder Elemente des Alten Parks wiederherzustellen, immerhin von Johann Moritz von Nassau im 17. Jahrhundert angelegt. Dazu passt die brachiale Vorgehensweise, die vormals idyllische Kaskadenumgebung mit Betonmassen und offen sichtbaren Spundwänden zu verunzieren, natürlich überhaupt nicht. Dazu kommt eine quietschgelbe Treppe, die aus „Sicherheitsgründen unumgänglich“ sei, aber wohl manche Jugendliche eher dazu verleiten wird, ins Auslaufbecken einzusteigen statt sich daraus zu retten. Riesige Schilder mit Warnhinweisen vor gelegentlich überquellenden Wassermassen passen natürlich auch nicht in einen Park, der kurz vor der Eintragung als Denkmal steht. Der technische Beigeordnete Rauer sowie der Leiter des Tiefbauamtes Klockhaus standen vor geschockten Klever Bürgern und fragten: „Hätten Sie die Verantwortung übernommen?“ Vorsichtige Fragen, ob das denn nun Endzustand sein solle, wurden beantwortet: „Das rutscht hier ja so runter, da bildet sich bald wieder eine Humusschicht, dann sieht man das gar nicht mehr so.“ Verein und Politik wollten sich damit aber nicht zufrieden geben und so soll in einem ersten Schritt der Beton dort, wo man geht, geglättet werden und dort, wo er an die Spundwände geworfen wurde, mit einer Humusspritzschicht versehen werden. Das reicht natürlich auch nicht, die Politik muss nun Dampf machen, dass das Betonmassaker – übrigens ein städtischer Auftrag, den die ausführende Baufirma nur mit Bauchschmerzen ausgeführt haben soll – geheilt wird. Ideen gibt es schon: Überpflasterung der Betonteile (wobei man sich besser nicht am neuen Bahnhofspflaster orientieren sollte), Verdeckung der Spundwände mit organischem Material, z.B. Rietmatten. Ohne Begleitung durch den LVR – Amt für Denkmalpflege im Rheinland wird es nicht gehen.



Hochschule Rhein-Walnuss

rd | 24. April 2019, 14:25 | 2 Kommentare
Frucht der Erkenntnis, von der in Kirgisien genascht wurde

Wissenschaft am Limit:

Forschungsprojekt SUSWALFOOD erfolgreich abgeschlossen… Studie zum Marktpotenzial kirgisischer Walnusswälder vorgestellt… Seit 2017 beschäftigte sich eine internationale Forschungsgruppe von elf Institutionen aus Deutschland, Kirgisistan und der Tschechoslowakei mit der Nutzung von Walnusswäldern in Südkirgisistan. Kürzlich wurde das sogenannte SUSWALFOOD Projekt („Analysis and Sustainable Use of the Food Potential of Undertilized Plant Species of Nut and Fruit Forests in Kyrgyzstan“) erfolgreich zum Abschluss gebracht und die Ergebnisse im Rahmen einer Konferenz im kirgisischen Bischkek präsentiert… Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Walnusswälder in Südkirgisistan großes Potenzial für die Lösung ökologischer sowie sozioökonomischer Probleme des Landes bieten. Nichtsdestotrotz fehlen der lokalen Bevölkerung aktuell Anreize, über die reine Sammlung und den Verkauf der Nüsse hinaus zu agieren und den Bestand der Walnussbäume durch Reproduktion nachhaltig aufzubauen. Ein Ziel des Forschungskonsortiums war es daher, aufzuzeigen, dass nicht nur die Nüsse, sondern auch Waldbeeren, Früchte und Kräuter, die in diesen Wäldern wachsen, wirtschaftlichen Nutzen bringen können. Da das Potenzial dieser Arten auch aufgrund fehlender Weiterverarbeitungs- und Vermarktungsmöglichkeiten aktuell nicht voll ausgeschöpft wird, enthalten die Forschungsergebnisse auch Vorschläge für Maßnahmen, die als Maßstab für die Entwicklung verschiedener Initiativen und Geschäftsprojekte dienen können… Konkret hat die Hochschule Rhein-Waal zusammen mit der Kirgisisch-Kasachischen Universität im Rahmen des Forschungsprojekts eine Technologie zur Herstellung von acht Produkten aus sieben Wildpflanzen und Früchten aus den kirgisischen Nusswäldern entwickelt, darunter Wild-Alycha-Ketchup und eine Beerenschokolade. Mithilfe dieser Waldprodukte soll das Vermarktungspotenzial im Inland sowie für den Export gesteigert werden und die Biodiversität erhalten bleiben. Die Entwicklung solcher Wirtschaftstätigkeiten werde auch die Belastung der Nussbäume und die Umweltrisiken verringern, sind sich die Forscherinnen und Forscher sicher.

(Text: Pressemitteilung der HSRW, Link: Kirgisien-Walnuss-Projekt)

Internationale Walnusskonferenz in Bischkek (Foto: Alma Karsymbek)



Die 5-Meter-Tempo-20-Zone in der Wasserstraße

rd | 23. April 2019, 15:00 | 7 Kommentare
Wer hat sich was dabei gedacht, und, wenn ja, wie viel?

Man hat so das vage Gefühl, irgendeine Vorschrift in einem Hinterzimmer der Straßenverkehrsordnung könnte es tatsächlich erforderlich machen, an der (ehemaligen) Einmündung der Lohstätte in die Wasserstraße, die nun in ein sanft geschwungenes Gesamtkonzept aufgegangen ist, mit insgesamt drei Verkehrszeichen erst eine Tempo-20-Zone („mit Parkschein“, „Parken in gekennzeichneten Flächen erlaubt“) einzurichten, um diese dann ca. fünf Meter weiter des Weges bereits zu einer Tempo-30-Zone hochzustufen, und man ist versucht, mal zu recherchieren, welche Paragrafenreiter da nun wieder ganze Arbeit im Sinne einer perfekt strukturierten und durchregulierten Außenwelt geleistet haben, aber dann sinken die Finger doch nur resigniert in die Tastatur, weil der Autor auch nach längerem angestrengten Nachdenken keine Lösung für die Frage findet, ob der Fahrer eines größeren Lastwagens oder Wohnwagengespanns, der am Steuer von 20 km/h auf 30 km/h beschleunigt, hinten noch wegen einer Geschwindigkeitsübertretung zur Rechenschaft gezogen werden kann. 


Pleustophytenmassaker: HMS Truxor betreibt Schöpfungscontainment

rd | 23. April 2019, 13:28 | 11 Kommentare
Ruder hart steuerbord, Pleustophytengreifer in Beuteposition: MS Truxor im Spoykanal

Bekanntlich besteht der Grund des Spoykanals aus mehreren tausend Fahrrädern und Einkaufswagen, doch das wusste bisher nur das U-Boot-Team der Hochschule – die Schiffe verfingen sich immer wieder in Lenkern und Drahtkörben, weshalb die Tauchtiefe auf 17 Zentimeter begrenzt wurde. Bald aber darf vermutlich jeder Ufergänger sich dieses Anblicks erfreuen, denn gestern konnte erstmals in dem fahrradgesättigten Streckenabschnitt der städtische Pleustophytenkreuzer HMS Truxor beim Schöpfungscontainment beobachtet werden.

Angetrieben von der Kraft eines mächtigen Dieselaggregats zog das Schiff unter sicherer Führung des gut behüteten Kapitäns seine Bahnen, während die schwedenstählernen Zinken unbarmherzig durch das trübe Wasser pflügten. Viele der zwar heimtückischen, aber insgesamt auch sehr phlegmatischen und motorisch unmotivierten Bewohner des Kanals waren – zack! – aufgespießt und wurden mit einer Geste der Demütigung aus ihrem angestammten Lebensraum entfernt. An der Uferböschung dörrten die Schlingel in der gleißenden Frühlingssonne ihrem verdienten Ende entgegen. Ein Triumph der Technik über eine aus dem Ruder gelaufene Natur, die einfach macht was sie will. Aber nicht mehr in Kleve, wo das Wasser bald so klar sein wird wie in der Adria!

Mehr zur HMS Truxor: Neue Allzweckwaffe der USK im Kampf gegen den Vegetationsterror