Der neue KLEVER: Viel Lesestoff für kalte Tage…

rd | 11. Dezember 2017, 10:34 | 3 Kommentare
Clemens Giesen im Innenhof seines Geschäftes an der Marktstraße: Das neue Cover des Magazins Der KLEVER

Clemens Giesen im Innenhof seines Geschäftes an der Marktstraße: Das neue Cover des Magazins Der KLEVER

Mit drei großen Lesegeschichten und vielen weiteren interessanten Themen wartet die Weihnachtsausgabe des Magazins Der KLEVER auf, die ab sofort zum Preis von 3,50 Euro im Zeitschriftenhandel erhältlich ist. In seiner Titelgeschichte stellt das Heft den Restaurator Clemens Giesen vor, der sich einen Blick für das Besondere in seiner Heimatstadt bewahrt hat. Im Rahmen der neuen Rubrik „Wer wohnt da eigentlich?“ berichtet Autorin Helga Diekhöfer über Hans-Wolf Heyden und Brigitte Weißert, die in der alten Katstelle des Malers Manes Peters zu Hause sind. Rolf Langenhuisen porträtiert die aus Kellen stammende Angelika Pohlert, die seit vielen Jahren bei der Stunksitzung mit die Fäden zieht.

Weitere Themen:

• Rückblick auf die Hochzeit von Barbara Hendricks und Valérie Vauzanges
• Passend zum Wetter: 10 mal Kleve im Winter genießen
• Blick nach Nimwegen: Der Honigcomplex – ein Vorbild für Kleve?
• Weisheit des Alltags: In der Fußgängerzone aufgeschnappt
• Momente des Glücks im Unglück: Die Chirurgische Ambulanz im Klever Krankenhaus ist umgezogen
• Was tat sich in der Klever Gastronomie – der Überblick
• Letzte Messe: Das Ende des Spyckklösterchens, ein sehr persönlicher Rückblick von Wiltrud Schnütgen
• Klever Abschied: Der Schauspieler und Rezitator Wilfried Szubries ist tot



Ahnung eines Wahrzeichens

rd | 10. Dezember 2017, 15:26 | 3 Kommentare
Eine Burg? Ein Schatten? Ein Umriss einer Sache, die längst nicht mehr vorhanden ist? Who knows?

Eine Burg? Ein Schatten? Ein Umriss einer Sache, die längst nicht mehr vorhanden ist? Who knows?



Weißabgleich

rd | 10. Dezember 2017, 14:52 | 3 Kommentare
Dass der Rasen nicht gemäht ist, dürfte erst im Frühjahr wieder auffallen

Dass der Rasen nicht gemäht ist, dürfte erst im Frühjahr wieder auffallen


Frostiger Turmflaum

rd | 08. Dezember 2017, 16:50 | keine Kommentare
Schneeregenschauer bei mäßigem Westwind, sagt Hubert Reyers. Kann auch seinen Reiz haben

Schneeregenschauer bei mäßigem Westwind, sagt Hubert Reyers. Kann auch seinen Reiz haben


OMG

rd | 07. Dezember 2017, 19:19 | 18 Kommentare

Vieles in der Politik ist eher Bühnenfreunde Mehr als House of Cards, um eine bekannte Größe aus Kleve zu zitieren. Damit meiner der Absender aber eben die Niederungen der Lokalpolitik, im Gegensatz zur „großen“ Politik, vor der man dann doch etwas Respekt haben sollte. Aber dann kommt von irgendwoher Andrea Nahles her, fügt dem politisches Vokabular einen neuen Kraftausdruck hinzu und erinnert damit daran, dass vielleicht sogar alles, einfach alles schlicht Kindergarten ist. Zitat des Jahres, mein Vorschlag: „Bätschi ist gut für Deutschland!“ Ich denke, als Redenschreiber steht man kurz vor einem Nervenzusammenbruch, wenn so ein Wort ins Manuskript einfließen soll.


Das Zeitfenster des Todes – ein Wimpernschlag

rd | 07. Dezember 2017, 18:22 | 10 Kommentare
Abbiegevorgang mit tödlichen Folgen: Dechant-Sprünken-/Weseler Straße (Foto: Google Maps)

Abbiegevorgang mit tödlichen Folgen: Dechant-Sprünken-/Weseler Straße (Foto: Google Maps)

Die sicherste Art, einen Radfahrer zu töten, ist ihn mit einem rechts abbiegenden Lastwagen zusammenzubringen.

77 Radfahrer starben im vergangenen Jahr in Deutschland nach Kollisionen mit Lkw. Bei der Hälfte dieser Unfälle war der Lkw-Fahrer im Begriff, nach rechts in eine Straße abzubiegen. Einer dieser Unfälle ereignete sich am 5. August des vergangenen Jahres um 7:35 Uhr an der Kreuzung Dechant-Sprünken-Straße/Weseler Straße in Emmerich, als ein 24 Jahre alter Radler aus Kleve unter einen Sattelzug geriet und wenig später Krankenhaus verstarb.

Am Donnerstag verhandelte nun das Amtsgericht Emmerich die Umstände dieses Unfalls, angeklagt wegen fahrlässiger Tötung war der Fahrer des Lastwagens, ein Mann aus Xanten, der tags zuvor 50 Jahre alt geworden war.

Doch, und das war deutlich anzumerken, die 16 Monate zurückliegenden Geschehnisse lasteten schwer auf der Seele des Mannes, der 25 Jahre Berufskraftfahrer ist, in dieser ganzen Zeit nie in einen Unfall verwickelt war und lediglich einen Eintrag in der Verkehrssünderkartei hat – weil er einmal auf der Autobahn den Abstand nicht eingehalten hatte.

Dann aber kam jener Tag im Sommer des vergangenen Jahres. „Ich stand an der roten Ampel“, berichtete der Angeklagte. „Den Blinker hatte ich gesetzt. Dann kam Grün, da kommt automatisch der Spiegelblick, und da war nichts.“ Er fuhr los. Dann habe er „etwas gemerkt“, sei ausgestiegen und sofort von einem Passanten vom Geschehen weggeführt worden. Der Mann habe in zu einer Tankstelle gebracht und dort beruhigend auf ihn eingeredet.

Denn da war doch etwas: Ein 24 Jahre alter Radfahrer hatte den Lastwagen rechts passiert, prallte erst gegen das Vorderrad der Zugmaschine, dann gegen den Auspuff, kam zu Fall und wurde von den Rädern des Aufliegers überrollt. „Ich musste beobachten“, sagte eine Zeugin, „wie der Radfahrer im Prinzip in den Lkw hineingefahren ist.“

Wie aber konnte das passieren? Gutachter Uwe Roggendorf rekonstruierte das Geschehen. Demnach war der Radfahrer etwa vier Sekunden vor dem Unfall (bei einer angenommenen Geschwindigkeit von 20 km/h) noch nicht im Bereich, der vom Seitenspiegel des Lkw erfasst wird. Aufgrund der besonderen Situation an der Einmündung (die Straße verschwenkt leicht nach links) zog der Fahrer sein Gespann erst gerade vor, um dann das Lenkrad rechts einzuschlagen – da aber war der Radfahrer genau so weit vorgedrungen, dass er wieder aus dem Blickfeld verschwunden war. Der Zusammenstoß war nicht mehr zu verhindern.

Eine Verkettung unglücklicher Umstände. Richterin Hölker betonte wohl auch deshalb mehrfach die Tragik des Geschehens: „Hier ist ein junger Mann gestorben, es gibt kaum etwas Schlimmeres.“ Gleichwohl aber gelangte sie nach der Vernehmung von zwei Zeuginnen und aufgrund der Aufklärungsarbeit des Gutachters zu der Erkenntnis, dass das spätere Opfer das Unglück mitverursacht hat: „Das große Verschulden aber liegt bei dem Radfahrer selber.“

Offen blieb, warum der junge Mann trotz des abbiegenden Lastwagens das Wagnis auf sich nahm, geradeaus zu fahren. Nahm er aufgrund der ersten Meter, die der Lastwagen zurückgelegt hatte, an, dass dieser geradeaus fahren würde? War er unkonzentriert und abgelenkt? Eine Zeugin schilderte, dass der 24-Jährige Kopfhörer getragen habe und in einer geduckten Haltung gefahren sei.

Und in dieser Weise radelte er genau zwischen zwei Kontrollblicken des Lkw-Fahrers in den Kreuzungsbereich ein. „Vier Sekunden, das ist eine sehr kurze Zeit“, so der Gutachter. Vier Sekunden, das war an der Dechant-Sprünken-Straße das Zeitfenster des Todes. „Ein Wimpernschlag, der tragische Folgen hatte“, sagte die Richterin. Sie stellte das Verfahren wegen geringer Schuld ein und folgte damit dem Antrag der Verteidigung, dem sich auch die Staatsanwaltschaft anschloss.


Wenn der Winter kommt: Grünkohl mit Dr. Loosen und Jazz

rd | 06. Dezember 2017, 12:12 | 16 Kommentare
Grüne Küche

Grüne Küche

Überall Grünkohl! Wahrscheinlich lädt demnächst auch wieder die Junge Union zu ihrem traditionellen Grünkohlessen ein, immerhin sechs Restaurants aus dem Stadtgebiet beteiligten sich noch vor dem ersten Frost an der Grünkohlwoche, hinzu kamen zwei Anbieter vom Riswicker Bauernmarkt. Es ist also in diesen Tagen fast unmöglich, am „Superstar vom Niederrhein“ (Rheinische Post) vorbeizukommen, aber manchmal lohnt es sich auch, dem Wintergemüse gezielt nachzujagen – und so landete ich, auf Empfehlung eines Gastes aus der Zentrale, im Hotel Rilano, an Tisch 32 mit Blick auf die Kreisverkehre der Stadt. Also fast ein bisschen metropolig, zumal im Hintergrund angenehm ruhiger Jazz läuft, vermutlich eine schöne Spotify-Playlist.

Die Küche dort offeriert seit Ende November Grünkohl mit Mettwurst und Kasseler für zehn Euro. Das Angebot sollte einem das Wagnis wert sein, in der etwas feineren Umgebung des Restaurants die derb-deftige Küche des Niederrheins auszuwählen. Versuch macht klug: Einmal Grünkohl, bitte!

Es lohnt sich: Der Gast erhält eine üppig dimensionierte Portion des Gemüses, der grüne Tafelberg inkl. Kartoffelstampf dient als kräftiges Fundament für eine Mettwurst und eine Scheibe zart rosa scheinenden Kasslers. Fleisch und Wurst sind perfekt gegart und schön saftig, der Grünkohl selbst schmeckt schön winterherb und hat noch einen angenehmen, feinen Biss (nichts ist schlimmer als bis zur Unkenntlichkeit zerkochtes Gemüse). Der auf dem Tisch bereitstehende Balsamico kann zur Verfeinerung des Geschmacks genutzt werden. Als begleitenden Wein empfiehlt der unaufdringlich aufmerksame Kellner einen Riesling von der Mosel (Dr. Loosen, 6,60 € je Glas), dessen feinfruchtige Note sich hervorragend mit dem herzhaften Gemüse verträgt. Ein Pils wäre aber auch gegangen.

Fazit: Grünkohl im Rilano – eine angenehme Überraschung, zur Nachahmung empfohlen!


Marx und Michels: Heimatkalender 2018 widmet sich einer Zeit, in der Schüler noch protestierten (Spoiler: 1968)

rd | 05. Dezember 2017, 16:35 | 30 Kommentare
„Klever Rudi Dutschke“: Rolf Schönfeldt (Foto: Pegasus)

„Klever Rudi Dutschke“: Rolf Schönfeldt (Foto: Pegasus)

Inszenierte Wirklichkeit: Für die Lokalpresse präsentieren Jutta Nagels (Mercator Verlag), Wilhelm Diedenhofen, Wiltrud Schnütgen (beide Kalender-Redaktion) und Landrat Spreen (durch sein Amt Förderer der Publikation) die neue Ausgabe des Heimatkalenders. Die Fotografen sind Thomas Velten und Markus van Offern

Inszenierte Wirklichkeit: Für die Lokalpresse präsentieren Jutta Nagels (Mercator Verlag), Wilhelm Diedenhofen, Wiltrud Schnütgen (beide Kalender-Redaktion) und Landrat Spreen (durch sein Amt Förderer der Publikation) die neue Ausgabe des Heimatkalenders. Die Fotografen sind Thomas Velten und Markus van Offern

Dass der Kalender für das Klever Land, dessen 68. Ausgabe heute von Landrat Wolfgang Spreen im Beisein von Verlag und Redaktion vorgestellt wurde, eine Zeitreise ist, dürfte erfahrene Lesern nicht vom Hocker hauen. Meistens allerdings enden diese Rückblicke gefühlt in irgendeinem Chorgebälk oder Bombentrichter. Mittlerweile allerdings ist die Zeit so weit vorangeschritten, dass auch ganz andere Ereignisse in die Fänge der Redaktion geraten – und unter diesem Aspekt sei der Kauf des Buches (224 Seiten, 12,90 €, Auflage: 4000) dem heimatinteressierten Leser, der auch zeitgeschichtlichen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen ist, anempfohlen. Ab Seite 110 des Heimatkalenders berichtet der in Graz lebende, aus Kleve stammende Autor Norbert Mappes-Niediek auf satten 15 Seiten, wie die wilden 68-er Jahre in Kleve verliefen, natürlich mit autobiografischen Zügen: „Mit 15 Jahren habe ich in Kleve selbst an ersten Demos und an einem Schulstreik teilgenommen“, schreibt Mappes-Niediek.

Die linke Bewegung nahm in der Kreisstadt ihren Anfang, als die NPD sich organisierte und die junge Generation dagegen rebellierte – was in der niederrheinischer Welt gepflegter Vorgärten gar nicht gut ankam. Nach einer Protestaktion gegen die Rechten vor dem Hotel Verweyen schrieb der frühere Landgerichtsdirektor Karl A. Dinnendahl einen langen Brief an die Schülerzeitung Pegasus, die im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium erschien. Er habe sich an die SA erinnert gefühlt, schrieb der Jurist – wohlgemerkt nicht wegen der NPD, sondern wegen der Demonstranten. „Sind wir schon wieder so weit?“, fragte Dinnendahl spitz.

Einigen Raum nimmt in dem Artikel auch ein, wie die örtliche Presse auf das neue Phänomen reagierte. Insbesondere die Rheinische Post war damit, wohlwollend ausgedrückt, etwas überfordert. Die Mitstreiter der Außerparlamentarischen Opposition (APO) wurden in Artikeln als „Kontingent langmähniger APO-isten“ bezeichnet, und als Aktivist Rolf Schönfeldt – er stammte aus Emmerich und galt als der Klever Rudi Dutschke – einmal bei einem Ladendiebstahl erwischt wurde, hieß es in dem Blatt, bei dem Täter handele es sich um den „in den Kreisen von niederrheinischen langmähnigen Knaben sattsam bekannten“ Rolf Sch. (20). Tauchten die Aktivisten einmal irgendwo nicht wie erwartet auf, war dies auch eine Meldung wert: „Langhaarige junge Männer erschienen gar nicht. Offenbar hatte König Fußball das Interesse auch bei den avantgardistischen Jugendlichen verdrängt.“

Eine überraschende Rolle im Zusammenhang mit der Studentenbewegung – bei der es sich in Kleve genau genommen um eine Oberstufenschülerbewegung handelte – spielt Wilhelm Michels, Studienrat am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium und den Klevern als Autor des Buches „Niederrheinisches Land im Krieg“ bekannt.

Als Lehrer war Michels wegen seiner Strenge, die sich auch in Gewalt den Schülern gegenüber entladen konnte, gefürchtet, sein Auftreten war bürgerlich-konservativ, als als Beispiele dafür seien die getönte Brille und das Tweedjackett genannt. Michels lud ausgewählte Schüler persönlich in seine „Politische Arbeitsgemeinschaft“ ein und diskutierte mit ihnen in einer Klever Gaststätte die frühen Schriften von Karl Marx, das Kommunistische Manifest sowie die Philosophen Hegel und Feuerbach.

Dennoch wandten sich die Mitglieder des Aktionskreises Demokratische Schule (ADS) 1969 gegen den Lehrer, der doch ein Bruder im Geiste zu sein schien. Der ADS publizierte ein „Extrablatt“ mit dem Vorwurf, Michels, den alle Schüler nur „Levi“ nannten, habe einen Schüler geschlagen. Im Gefolge der Aktion berief die Schülervertretung eine Vollversammlung aller Klassen in die Aula ein, an der auch Michels als Beobachter teil. Schönfeldt, kurz vor dem Abitur stehend, bezeichnete Michels als „Sadisten“. Die denkwürdige Entgegnung des Pädagogen, in den Worten von Mappes-Niediek: „Der Angesprochene erhob daraufhin mahnend den Zeigefinger und wies auf die Strafwürdigkeit der Bemerkung hin. In der Sache allerdings stritt er den Vorwurf nicht ab.“

Dann aber bekam Michels unverhofft einen Fürsprecher – in Wolfgang Hagen, der ein Jahr zuvor am Stein-Gymnasium das Abitur gemacht hatte und der in einer denkwürdigen Abiturrede seine Auffassung kundgetan hatte, dass Deutschland kurz vor einer Revolution steht. Nun verfasste er ein Flugblatt, in dem er die Aktion der Schüler als „objektiv konterrevolutionär“ abqualifizierte. Später, in einem in der Schülerzeitung Pegasus veröffentlichen Artikel, kam er zu folgendem Schluss: „Wo wir damals sehr ausgedehnt Marx/Engels und die folgenden Revolutionstheorie betrieben haben, das war die Politische Arbeitsgemeinschaft des Herrn Michels. Drei von den früheren Teilnehmern stehen heute aktiv in der Studentenbewegung.“

Kann so jemand ein schlechter Mensch sein, so die unausgesprochene Frage.


Nebulös

rd | 03. Dezember 2017, 15:42 | 9 Kommentare
Dunst der Stunde: Kopfweiden im Nebel (Foto: Duck Heek)

Dunst der Stunde: Kopfweiden im Nebel (Foto: Duck Heek)

Nebel, Weichzeichner der Natur, wie geschaffen für den Niederrhein im November. Zuschauen, entspannen, nachdenken!


Arno Neukirchen, Leiter der Staatsanwaltschaft, in den Ruhestand verabschiedet

rd | 01. Dezember 2017, 16:16 | 3 Kommentare
Kehrt der Schwanenburg den Rücken: Arno Neukirchen

Kehrt der Schwanenburg den Rücken: Arno Neukirchen

Zum Abschied hatte Arno Neukirchen ins Goli-Theater geladen. In der Nachbarstadt zeigte der Leiter der Staatsanwaltschaft Kleve seinen Gästen den schwedischen Spielfilm „Ein Mann namens Ove“, eine Tragikomödie um einen verbitterten Witwer, der sich umbringen möchte, mit diesem Vorhaben scheitert und so nach und nach wieder in die Gesellschaft zurückfindet. So gesehen, passt der Film zum Wirken der Behörde, die Übeltäter zu überführen versucht und auf diese Weise dazu beizutragen möchte, dass die Welt eine bessere wird. Eine Welt, in der sich weniger Menschen zu Straftaten hinreißen lassen, und in der idealerweise auch die Straftäter am Ende des Tages geläuterte Menschen sind.

Doch für Arno Neukirchen hat diese Tätigkeit seit gestern ein Ende, vom heutigen Tag an ist der Chef der Klever Anklagebehörde im Ruhestand. Vor 30 Jahren, zu Beginn seiner Laufbahn, wurde er in einem Vorstellungsgespräch gefragt, ob er sich vorstellen könne, als Staatsanwalt in Kleve zu arbeiten. Die Nennung des abgelegenen Ortes sollte testen, ob der Kandidat von seinem Berufswunsch wirklich so überzeugt ist. War er.

Neukirchen sagte ja, doch erst Jahrzehnte später, nach Stationen in Duisburg, Düsseldorf und Wuppertal, fand der Jurist tatsächlich den Weg in den Ort, der einst als fiktives Schicksal ausgesprochen worden war. Kleve! Fünf Jahre arbeitete er in im Schatten der Schwanenburg, seinen Lebensmittelpunkt behielt der verheiratete dreifache Vater allerdings in seiner Heimatstadt Dormagen, wovon auch sein sanfter rheinischer Akzent zeugt.

Das halbe Jahrzehnt am unteren Niederrhein erlebte Neukirchen als eine Zeit, die geprägt war durch ein sich hochtourig drehendes Personalkarussell. „Es war nicht immer einfach, das zu steuern“, so Neukirchen. Der aus seiner Sicht spektakulärste Fall im Laufe seiner Amtszeit war der so genannte Baseballschläger-Mord aus Wissel, der mit der Aussage eines Patienten aus den Rheinischen Kliniken in Bedburg-Hau seinen Anfang nahm und bei dem plötzlich größte Eile geboten war, weil ein drohendes Hochwasser sonst möglicherweise alle Beweise (inkl. des vergrabenen Opfers) für immer fort gespült hätte. Die drei Täter erhielten lebenslange Haftstrafen.

Neukirchen war in Kleve an verantwortlicher Stelle für einen Justizbetrieb zuständig, der aufgrund der Grenznähe von der Verfolgung von Drogendelikten geprägt war. Es handele sich, so Neukirchen, um ein „reines Kontrolldelikt“. Das heißt, wenn viel kontrolliert wird, wird auch viel gefunden. Beschäftigt man die Polizisten mit anderen Aufgaben, sinkt auch die (verfolgte) Drogenkriminalität. Als vor zwei Jahren wegen der Flüchtlingskrise viele Beamte der Bundespolizei nach Bayern abgeordnet worden waren, nahm die Zahl der Drogendelikte in der Grenzregion deutlich ab – was aber eben nicht darauf schließen lässt, dass weniger Rauschgift über die Grenze geschafft wurde.

Kleve erlebte Neukirchen als „angenehme Stadt“, in der er gerne durchs Zentrum oder am Kermisdahl entlang spazierte. „Ich werde Kleve vermissen“, sagt er, nun, da es ihn zurück nach Dormagen zieht. Dort, so der aller erste Plan für den Einstieg in die neue Lebensphase, werde er sich zunächst einmal allen Dingen widmen, die in der Vergangenheit liegen geblieben sind – zum Beispiel der Renovierung des Badezimmers. kleveblog wünscht viel Erfolg dabei – und auch bei allen anderen Projekten!


Ausländerbehörde, Fall M. M., Stellungnahme des Kreises

rd | 28. November 2017, 09:42 | 18 Kommentare
Dienstag, 21. November, 7:34 Uhr vor der Ausländerbehörde an der Nassauerallee: Menschen warten darauf, warten zu dürfen

Dienstag, 21. November, 7:34 Uhr vor der Ausländerbehörde an der Nassauerallee: Menschen warten darauf, warten zu dürfen

Zu dem in den Kommentaren zu dem vorigen Beitrag angesprochenen Fall des Arztes M. M. teilt die Sprecherin des Kreises Kleve, Elke Sanders, folgende Erläuterungen mit:

„Zu dem konkreten Fall des M.M. kann ich aus datenschutzrechtlichen Gründen keine detaillierte Stellungnahme abgeben. Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass sich der Kreis Kleve entgegen der Darstellungen auf „kleveblog“ sehr wohl um die Belange gekümmert hat. Folgende allgemeine Informationen halte ich für die korrekte Einschätzung der Situation ebenfalls für wichtig:

In den vergangenen Jahren ist es zu einem erheblich gestiegenen Publikumsaufkommen in der Ausländerbehörde des Kreises Kleve gekommen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ausländerbehörde des Kreises Kleve sind sehr bemüht, durch die steigenden Zahlen jedoch auch über das Maß hinaus belastet und gefordert. Es ist zutreffend, dass in den letzten Wochen regelmäßig bereits im Laufe des frühen Vormittags der Besucherzustrom kontingentiert werden musste, um eine arbeitsrechtlich nicht hinnehmbare Überlastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ausländerbehörde zu vermeiden. Arbeitszeiten bis 21.00 Uhr sind zu verzeichnen. Sobald ersichtlich ist, dass nicht alle wartenden Kund/innen am gleichen Tag bedient werden können, erfolgt zur Kundeninformation eine deutlich hervorgehobene Mitteilung auf der Internetseite des Kreises Kleve, die den üblichen Hinweis auf die Öffnungszeiten der Ausländerbehörde für diesen Tag ergänzt. Außerdem erfolgt ein zusätzlicher großformatiger Aushang am Eingang des Kundenwartebereiches. Die vorgenommenen Kontingentierungen sind zwingend notwendig, um sich der Anliegen des bereits wartenden Publikums annehmen zu können.

Der Kreis Kleve hat in den vergangenen Monaten sieben weitere Mitarbeiter/innen in der Ausländerbehörde eingestellt. Mehr Bewerbungen geeigneter Personen liegen dem Kreis Kleve nicht vor.

Im organisatorischen Bereich wurde ein Terminvergabesystem für bestimmte Fallkonstellationen im Rahmen eines Probebetriebs eingeführt. Es ist davon auszugehen, dass sich die Wartezeiten für Besucher/innen mit Termin drastisch reduzieren werden. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass sich eine verlängerte Wartezeit für Personen ohne Termin daraus ergibt. Eine abschließende Entscheidung über die dauerhafte Einführung eines Terminvergabesystems kann erst nach Auswertung der Probephase getroffen werden.
Eine weitere organisatorische Änderung ist in Planung: Die ausländischen Student/innen sollen künftig direkt in der HSRW beraten werden können. Hier führen der Kreis Kleve und die Hochschule Rhein-Waal konkrete Gespräche zur möglichst kurzfristigen Umsetzung.

Abschließend noch folgender Hinweis zu der offenen Frage bezüglich eines Rückrufs durch die Ausländerbehörde: Wenn jemand auf der Bandansage seine Telefonnummer verständlich für einen Rückruf angibt, ruft die Ausländerbehörde am gleichen Tag zurück, wenn die Anzahl der Anrufer nicht im hohen zweistelligen Bereich liegt. Dann kann es sein, dass auch am nächsten Tag zurückgerufen wird. Allerdings ist es der Ausländerbehörde nicht möglich, mehrfach einen Rückruf zu versuchen, wenn der Anrufer nicht erreichbar ist. Bei der großen Menge an Anrufen ist das nicht leistbar.

Ich hoffe, dass meine Ausführungen dazu beitragen, ein Verständnis für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herbeizuführen und Ihnen die intensiven Bemühungen des Kreises Kleve zur Verbesserung der Situation deutlich werden.“


Stein-Gymnasium: Wichtige Information für Helikoptereltern

rd | 24. November 2017, 16:23 | 19 Kommentare
Bilder wie diese wird es in der kommenden Woche nicht geben

Die Römerstraße an einem normalen Werktag vor Schulbeginn: Helikopterelterninferno

Nein, der Schulbesuch ist in der kommenden Woche noch möglich! Obwohl das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium vom 27. November bis zum 1. Dezember nahezu komplett von der Außenwelt abgeschlossen ist, haben Helikoptereltern auch in dem wahrscheinlichen Fall, dass sie nicht tatsächlich im Besitz eines Hubschraubers sind, die Möglichkeit ihre Kinder behütet zur Schule zu bringen. Zwar ist die Römerstraße in dem Segment zwischen Frankenstraße und Lindenallee in dieser Zeit vollständig gesperrt, weil ein geborstenes Schmutzwasserrohr erneuert werden muss – dies teilte die Stadt heute mit –, allerdings bietet die Stadt für die Schüler auch weiterhin die Möglichkeit sicher und behütet bis ins Klassenzimmer zu gelangen.

  • Für Eltern, die sich der Schule von Süden her annähern, ändert sich nichts. Sie können weiter bis zum Wendehammer der Flandrischen Straße fahren und dort das Kind im Wendehammer vom Beifahrersitz des SUV in die raue Wirklichkeit stoßen.
  • Väter und Mütter, die aus dem Norden und Osten kommen, dürfen in dieser Woche ausnahmsweise die Fußgängerzone befahren und die Kinder bis 7:45 Uhr bei der Bäckerei Heicks am Fischmarkt abgeben. Um 7:45 Uhr erscheinen dann dort die Klassenlehrer und gehen mit ihren jeweiligen Schülern, begleitet von einem Verkehrspolizisten, über die Stechbahn zur Schule.
  • Eltern, die aus Richtung Westen zur Schule fahren möchten, werden gebeten, die Kinder bei den Umweltbetrieben der Stadt Kleve an der Brabantstraße abzugeben. Von dort können Sie mit einem provisorisch eingerichteten Personenbeförderungsband, wie man es von großen Flughäfen kennt, bis direkt zum Eingang der Schule gleiten.

2018 soll dann ein Modellversuch starten, bei dem die Kinder zu Hause bleiben können und stattdessen die Lehrer ihre Schützlinge aufsuchen. Die Schulgebäude sollen vermutlich schon in wenigen Monaten als zusätzliche Wartezonen für Ausländer genutzt werden, die auf die Bearbeitung eines Antrags warten.


Butter 1,59! Tage des Zorns (längst überfällige Systemkritik)

rd | 23. November 2017, 02:12 | 28 Kommentare

(Schluss aktualisiert, mit zusätzlicher Verschwörungstheorie) Nur in die große Verschwörung eingeweihte Menschen wissen um eine Nebenwirkung der Energiewende. Da sich allerorten Hunderte, wenn nicht gar Tausende von Windrädern in die Erdatmosphäre recken und sich den wogenden Lüften entgegenstemmen, wird sich allmählich die Rotation unseres Planeten verlangsamen. Das heißt, die Zeit wird gedehnt. Bauarbeiter kennen das Phänomen längst, bei ihnen dauert eine Stunde ca. 85 Minuten, bezahlt wird natürlich nach Stundenlohn. Auf diese Weise unterminiert Kanzlerin Angela Merkel das sozialdemokratische Projekt des Mindestlohns. Das Prekariat bekommt zwar weiterhin 8,84 €/Stunde, muss dafür aber länger arbeiten.

Warum?, diese Frage stellt sich. Die Antwort ist klar. Die Kanzlerin versuchte auf perfide Weise den Schulterschluss zwischen Großpolitik und Großkapital, im Vertrauen darauf, dass ansonsten keiner das Manöver der promovierten Physikerin durchschaut. Nun aber, da Angela Merkel überraschend die Theresa May („strong and stable“) der deutschen Politik geworden ist, da Martin Schulz ernsthaft erwägt, einen Job als Sozialarbeiter zu suchen und glaubwürdigen Medien zufolge Christian Lindner seine politische Laufbahn einer Modelkarriere zu opfern gedenkt, ist es Zeit, einigen unbequemen Wahrheiten ins Gesicht zu schauen.

Warum nicht morgen 7,59? Butter bei Netto

Warum nicht morgen 7,59? Butter bei Netto

Wie immer bei solchen Abrechnungen empfiehlt es sich, mit den einfachen Dingen anzufangen. Mit dem Butterpreis zum Beispiel. Die Herstellung von Butter ist, das wissen nicht nur Experten, kein Hexenwerk. Man lässt Milch nur lang genug irgendwo rumstehen, und irgendwann hat man Butter. Die Milch kommt von Kühen, die in Ställen stehen, die mittlerweile die Größe von New Yorker Stadtteilen haben. Aus den Zitzen werden, seit vielen Jahren vollautomatisch, Tausende von Litern Milch täglich abgesaugt, Tendenz steigend. Jeder Volkswirt weiß also: Der Butterpreis wird fallen. Die Realität aber lehrt uns, dass der Preis für ein halbes Pfund echte Butter in den vergangenen Jahren konstant bei 0,99 € gelegen hat. Dann schoss der Preis plötzlich auf das Doppelte (1,99 €), um nach wenigen Wochen auf 1,59 € zu fallen. Was immer die Höhe des Butterpreises bestimmt, eine solide betriebswirtschaftliche Kalkulation kann es also nicht sein.

Hochwertige kleveblog-Infografik: Butterpreis-Entwicklung bei Netto

Hochwertige kleveblog-Infografik: Butterpreis-Entwicklung bei Netto

In den Management-Etagen des deutschen Handels regiert offenbar die reine Willkür, oder, auch möglich, der nackte Wahnsinn. Zurück zur Butter. Seit Aldi-Süd Kühltheken eingeführt hat, befand sich die Butter relativ weit rechts. Ganz rechts stand die Milch, dann die Bio-Milch, und dann kam auch schon die Butter. Das alles hat sich seit einigen Wochen geändert, die Befüllung der Kühltheke ist komplett gespiegelt worden. Also: Milch und Butter ganz links.

Wie hat man sich vorzustellen, dass eine solche Entscheidung zu Stande kommt? Sitzt irgendwo in der Aldi-Zentrale in Mühlheim an der Ruhr ein gut bezahlter Manager, der in seinem Tagwerk ausgerechnet hat, dass, wenn in allen Filialen umgeräumt wird, der Umsatz um soundsoviel Prozent steigt, was die Kosten des Umräumens in ca. 17 Jahren amortisiert haben wird, und ab dann werde richtig Geld verdient? Kann ein so gestrickter Mann oder eine so gestrickte Frau dereinst den Kindern oder Enkeln mit stolzgeschwellter Brust berichten: „Ich war es, der bei Aldi die Milch nach links gestellt hat.“?

Fick mich?

Fick mich?

Die Ausschaltung des Gehirns hat offenbar System.

Mitten in der Stadt warb kürzlich die Zigarettenmarke Gauloises für Ihre Glimmstängel mit einem Plakat, das zwei junge Frauen zeigte, die gerade im Begriff zu sein scheinen, ihre Wäsche spontan zu tauschen, wie das offenbar im Leben der Mitarbeiter der verantwortlichen Werbeagentur ganz normal ist. Man solle den Moment leben, lehrt uns das Plakat, und weiter wird ausgeführt: „Überstunden, fliegender Wechsel, perfekter Auftritt.“ Die unteren fünf Prozent der Plakatfläche sind ausgefüllt mit dem vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Satz: „Rauchen ist tödlich.“ Vielleicht sollte man noch hinzufügen: „Und nur die wenigsten Frauen wechseln ihre Wäsche auf der Rückbank eines Autos.“

Im Protokoll des Meetings wird stehen: „Einstimmige Entscheidung für die Namensgebung Karli Kugelblitz“

Im Protokoll des Meetings wird stehen: „Einstimmige Entscheidung für die Namensgebung Karli Kugelblitz“

Bei Mitarbeitern von Werbeagenturen hegt der gemeine Betrachter allerdings gerne das Vorurteil, dass zu viel Koks die Sinne vernebelt hat (siehe: Frédéric Beigbeder, 99 Francs). Wie aber sieht es in den Niederungen des Gewerbes aus, dort wo vermutlich ebenfalls hochgebildete Menschen sich mit der Frage beschäftigen müssen, wie ein Schokocroissant, das am Ende des Tages in den Regalen des Discounters Netto zu finden ist, bezeichnet werden soll? Wie muss man sich ein „Meeting“ vorstellen – Konferenztisch, Produktmanagement, Marketing, Rechtsabteilung, Kekse –, an dessen Ende der Konsens steht, das Produkt „Karli Kugelblitz“ zu nennen? Es geht um eine für Kinder konzipierte, kalorienreiche Süßspeise, und auch wenn angenommen werden darf, dass viele junge Menschen immer fetter werden, könnte man eventuell auf die Idee kommen, dass die potenziellen Kunden nicht gerne den Satz hören: „Kugelblitz – das passt zu dir!“

3 Tabs gratis? Zuschlagen!

3 Tabs gratis? Zuschlagen!

Man hat sich von der völligen Abwesenheit von Intelligenz noch nicht ganz erholt, steht bei Netto in der üblichen Schlange – diesmal mit Julian Barnes‘ „Der Lärm der Zeit“ (20 €, Buchhandlung Hintzen) in der Hand – blickt nach links und schaut auf eine Packung Spülmaschinen-Tabs der Marke „Somat“, die dem Besucher des Discounters mit dem faszinierenden Alleinstellungsmerkmal „Festtagbox“ angeboten werden, offenbar in der Annahme, dass während der Festtage die Spülmaschine öfter läuft und deshalb – gratis! – drei zusätzliche Tabs hinzu gepackt wurden. Das nenne ich Weihnachten! Liebling, ich habe dir die Festtagsbox mitgebracht!

Vor vielen, vielen Jahren kamen meine Geschwister und ich einmal auf die grandiose Idee, unserer Mutter zu Weihnachten eine Fritteuse zu schenken. Wir wollten einfach mehr Pommes. Was soll ich sagen, es kam nicht wirklich gut an und war uns allen eine Lehre fürs Leben. Wie aber können Menschen, die vielleicht sogar Experten in ihrem Fachgebiet sind, allen Ernstes versuchen, Spülmaschinen-Tabs in Form einer „Festtagsbox“ an den Mann zu bringen – eine ziemlich grenzwertige Eingebung.

Trauern muss nicht teuer sein: Grabgestecke bei Aldi

Trauern muss nicht teuer sein: Grabgestecke bei Aldi

Nebenan bot übrigens Aldi zu Beginn des Novembers „Grabgestecke, exklusiv“ für 12,49 € an. Exklusiv? Und, diese Frage sei erlaubt, wie sehr muss der Hinterbliebene den Verblichenen hassen, um ihm noch ein Aldigrabgesteck, exklusiv, hinterherzuwerfen?

Zur Beweisführung, dass in weiten Teilen der freien Wirtschaft die Nutzung des Gehirns offenbar nicht mehr erwünscht ist, gehört zum krönenden Abschluss noch eine Produkt-Neueinführung aus dem Hause Nestlé. Der Konzern wird vielfach kritisiert, angeblich weil er in Entwicklungsländern dringend benötigtes Trinkwasser teuer verkauft, dazu sei auf die entsprechenden Seiten von Umweltorganisationen verwiesen. Nicht mein Thema.

Hier geht es um ein klassisches Wohlstandsprodukt, um den „Nescafé Espresso“ aus dem Hause des Konzerns. Harald Schmidt warb einst dafür, indem er einen Kaffeelöffel als „meine Espressomaschine“ bezeichnete. Und so war es auch – dieses Produkt war ein hochwertiger, wohlschmeckender Instantkaffee, auf den das Unternehmen meiner Ansicht nach stolz sein konnte.

Plötzlich, in den Supermärkten meines Vertrauens, blieben die entsprechenden Segmente in den Regalen unaufgefüllt. Nachfragen beim Personal ergaben, dass „Nescafé Espresso“ nicht mehr angeboten werde. Man denkt, es handele sich um eine verhängnisvolle Fehlentscheidung des Edeka-Managements, vorbei an allen Kundenwünschen. Vergrätzt wendet der langjährige Konsument sich an den WWW-Großhandel, und siehe da, von dort ist noch eine Lieferung von zehn Gläsern zu erhalten.

Natürlich sind auch diese nach wenigen Wochen verbraucht. Erneut wird das Internet zu Rate gezogen, doch diesmal findet sich das Produkt nicht mehr. Relativ enttäuscht fällt der Blick auf einen kleinen Aufkleber auf dem Deckel des letzten verbliebenen Glases. Dort teilt das Unternehmen den bisherigen Nutzern von „Nescafé Espresso“ mit, dass es dieses Produkt auslaufe und künftig ein neues Erzeugnis an seine Stelle treten werde.

Machen wir doch einfach mal eine private Marktforschung: Welches Produkt sieht wertiger aus?

Machen wir doch einfach mal eine private Marktforschung: Welches Produkt sieht wertiger aus?

Dieser Kaffee heißt nicht mehr „Nescafé“, sondern hat das Kunstwort „Azera“ verpasst bekommen, man darf vermuten, dass allein die Agentur, die für die Namensfindung zuständig war, dafür einen sechsstelligen Betrag erhalten hat. Trotzdem klingt es nach Anorexie. Es kommt noch schlimmer: „Azera“ wird nicht in einem wertig anmutenden Glas vertrieben, sondern in einer 08/15-Pappdose mit einem Plastikdeckel. Die Konsistenz des Pulvers ist weit weniger fein als beim Vorgängerprodukt, es löst sich nicht einmal richtig auf, und der Geschmack ist – verglichen damit – unterirdisch. Dafür hat die neue Marke einen Facebook-Auftritt, das ist doch was! Teurer ist das neue Produkt natürlich auch noch.

Wir haben also einen Konzern, der ein funktionierendes, hochwertiges Produkt vertrieben hat – und der trotzdem auf die Idee gekommen ist, dieses durch ein minderwertiges und zugleich teureres Erzeugnis mit einer deutlich schlechteren Anmutung zu ersetzen. Möglicherweise könnte dieser Schritt kurzfristig in einem sehr speziellen Segment ein paar Euro mehr an Gewinn in die Kasse des Konzerns spielen Warum?

Wie konnte es einer Horde von Brand Managern im idyllischen Vevey (CH) gelingen, etwas Gutes durch, sprechen wir’s ruhig offen aus, Schrott zu ersetzen? Eine Theorie: Die treue Kundschaft des verblichenen Produkts soll auf diese Weise dem vollends irrwitzigen, aber aus Konzernsicht deutlich lukrativeren Plastikkapselkaffee Nespresso zugeführt werden. Die Rechnung am Konferenztisch wird so ausgesehen haben: Ein Glas reichte für 80 Tassen, ein Instantespresso kostete uns also rund sieben Cent. Die Plastikdöschen mit dem Pulver werden für rund 40 Cent/Stück vertrieben. Preisanstieg: rund 500%! Da ist die gute Butter ja gleich schon wieder günstig. Und wir lassen es uns gefallen.

Das aber kann nur heißen: Wir sind verdammt.


Ausländerbehörde: Ab morgen schöner warten

rd | 22. November 2017, 09:36 | 34 Kommentare
Dienstag, 7:34 Uhr vor der Ausländerbehörde an der Nassauerallee: Menschen warten darauf, warten zu dürfen

Dienstag, 7:34 Uhr vor der Ausländerbehörde an der Nassauerallee: Menschen warten darauf, warten zu dürfen

Eine unwürdige Situation hat ab morgen ein Ende, die langen Schlangen vor dem Container der Ausländerbehörde sollen laut Kreis dann der Vergangenheit angehören, weil ein neuer zusätzlicher Wartebereich in Betrieb genommen wird. Bisher standen die Menschen, die von der Behörde eine Bescheinigung brauchten oder etwas beantragen wollten, bei Wind und Wetter schon in aller Herrgottsfrühe vor dem Bürocontainer – sie warteten darauf, vom Wachmann in den eigentlichen Wartebereich vorgelassen zu werden. Auf der Facebookseite der Hochschule Rhein-Waal boten sich schon Studenten an, die gegen Bezahlung einen Platz in der Schlange freihalten wollten. Andere kündigten an, sich vor dem Container campieren zu wollen.

Das ist ab morgen nicht mehr nötig, wie Kreis-Sprecherin Elke Sanders mitteilt: „Am 23. November 2017 nimmt die Ausländerbehörde der Kreisverwaltung Kleve einen neuen Wartebereich in Betrieb. Dieser befindet sich fußläufig entfernt stadtauswärts an der Nassauerallee 81. Für die überwiegende Zahl der Besucherinnen und Besucher der Ausländerbehörde ist dieser neue Wartebereich die erste Anlaufstelle. Dort bekommen sie der Reihe nach eine Karte, mit der sie dann Zugang zur Ausländerbehörde an der Nassauerallee 18 erhalten. Kunden, die einen vereinbarten Termin wahrnehmen oder ihren Aufenthaltstitel abholen möchten, können direkt zur Ausländerbehörde, Nassauerallee 18, kommen.“

Hintergrund dieser Neuregelung sei der anhaltend hohe Besucherstrom, dem auch die in diesem Jahr eingerichtete zusätzliche Wartezone vor dem eigentlichen Gebäude der Ausländerbehörde nicht mehr gewachsen sei. Morgens habe sich bereits vor Öffnung der Ausländerbehörde eine lange Schlange wartender Besucher gebildet. Gerade jetzt in der kälteren Jahreszeit sei das nach Auffassung der Kreisverwaltung unzumutbar.

Der neue Wartebereich an der Nassauerallee 81 wird bereits um 6.00 Uhr morgens geöffnet. Dort sind Sitzmöglichkeiten, Sanitäranlagen und ein Wickelraum vorhanden. Die Öffnungszeiten der Ausländerbehörde sind weiterhin montags, dienstags und donnerstags von 08.00 Uhr bis 15.00 Uhr. Mittwochs und freitags bleibt die Ausländerbehörde geschlossen, damit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Zeit bleibt, die vielen Anträge zu bearbeiten.

Die Ausländerbehörde der Kreisverwaltung beabsichtigt, ausländische Studentinnen und Studenten künftig nach Terminvereinbarung direkt in der Hochschule Rhein-Waal zu bedienen. Abstimmungsgespräche zwischen dem Kreis Kleve und der Hochschule Rhein-Waal sind im Gange.


kleveblog-Herbsträtsel: Gesucht wird…

rd | 20. November 2017, 10:30 | 46 Kommentare
Mit Verlaub: Laub

Mit Verlaub: Laub

Schon lange kein richtiges Rätsel mehr gemacht, vermutlich war das Desaster des vorigen zu traumatisch. Aber Traumata sind dazu da, überwunden zu werden, also los:

Dieses Bild verbirgt einen bekannten Filmregisseur, indem er genau nicht vorhanden ist. Aber wen?

Der erste richtige Einsender erhält die neue, in Kürze erscheinende Ausgabe des Magazins Der KLEVER, der zweite vielleicht auch noch.


Tage, die irgendwie dingdung sind

rd | 19. November 2017, 17:58 | 5 Kommentare
Blick nach Süden

Blick nach Süden

Der November ist ein Monat, den nicht viele lieben. Wenn er sich aber in seiner ganzen Pracht zeigt, ist er im Grunde wie Mai. (Für Ortsunkundige: Dingdung ist ein Straßenname in Keeken.)

Noch eins:

Ferner Baumflaum

Ferner Baumflaum


Besser leben mit kleveblog

rd | 18. November 2017, 13:11 | 9 Kommentare
OK, das Leben auf dem Land kann schon sehr hart sein, liebe Kollegen der Bild-Zeitung, aber mit den kleveblog-Lifehacks wird's deutlich einfacher

OK, das Leben auf dem Land kann schon sehr hart sein, liebe Kollegen der Bild-Zeitung, aber mit den kleveblog-Lifehacks wird’s deutlich einfacher

Das Internet ist voll mit Beiträgen, wie man aus alten Plastikflaschen im Handumdrehen einen praktischen Vogelfutterspender baut oder sieben Zutaten so miteinander verrührt, dass am Ende eine „tasty“ Pampe entsteht. Da möchte kleveblog nicht nachstehen und liefert in bester Wochenendlaune Tipps und Tricks, die du garantiert noch nie gelesen hast und die dein Leben einfacher machen. Vong Lifeabiltiy her. Besonders Tipp 3 wird dich erstaunen!

  1. Nie – ich betone: NIE – alleine bei Netto einkaufen gehen! Netto geht nur zu zweit: Einer geht rein und erledigt die Einkäufe, der zweite stellt sich sofort mit einem guten Buch (Thomas Mann, Zauberberg, sicherheitshalber aber auch ein zweites einpacken, Uwe Johnson, Jahrestage) in die Schlange und hält den Platz frei.
  2. Nie – ich betone NIE – zuerst das obere Fach der Spülmaschine ausräumen. Üblicherweise wird man beim Ausräumen unterbrochen. Dann kommt der Sohn nach Hause und stellt die halbvolle Kaffeetasse in die obere Ablage, sodass der Inhalt sich auf das untere Fach ergießt. Das ist schlimm. Um diesen Frust zu vermeiden, immer unten anfangen, am besten mit dem Besteckkasten!
  3. Socken sofort verloren geben. Lieber gleich neue kaufen. Die Lebenszeit, die man mit dem Sortieren von Socken verbringt, lässt sich besser nutzen. Zum Beispiel bei Netto in der Schlange stehen und ein gutes Buch lesen.

War doch gestern noch nicht da!

rd | 16. November 2017, 14:26 | 10 Kommentare
Freie Fahrt für freie Bürger, will uns dieses Schild vermutlich sagen

Freie Fahrt für freie Bürger, will uns dieses Schild vermutlich sagen

Der Klever Autofahrer hat eine große Meisterschaft darin entwickelt, sich nicht an der aktuellen Verkehrssituation zu orientieren, sondern an einer, die gestern noch Bestand hatte.

Schon Mitte der Achtzigerjahre war der Lokalteil der Rheinischen Post angefüllt mit Meldungen, dass nachts Autofahrer in der Fußgängerzone mit Karacho gegen das Blumenrondell vor der Tchibo-Filiale gekracht waren, nachdem die Verwaltung das kleine Bauwerk dorthin gesetzt hatte, um zu verhindern, dass nachts mit Karacho Autofahrer die Fußgängerzone hinaufbrausen. Zwei Jahre und unzählige Totalschäden später war die Botschaft angekommen.

Auch die Veränderung einer Ampelschaltung an der Kreuzung Klever Ring/Landwehr vor nunmehr drei Jahren endete in einer Katastrophe. Nach Dutzenden von Unfällen sah sich die Polizei schließlich gezwungen, ein Schild aufzustellen, dass die Autofahrer freundlich daran erinnerte, doch bitte auf die Ampel zu achten. Der Plan, einige hundert Meter zuvor sicherheitshalber ein zusätzliches Schild aufzustellen, das auf das neue Schild hinweist, wurde zunächst einmal fallen gelassen.

So gesehen, sollten die zukünftigen Nutzer des Radschnellwegs nach Nimwegen zumindest in den nächsten zwei Jahren nicht allzu sehr darauf vertrauen, dass die vom Bauunternehmen Loock in dreiwöchiger Präzisionsarbeit in den Straßenverlauf hineingesetzte Querungshilfe tatsächlich ein Zugewinn an Sicherheit ist. Das eben erst aufgestellte Schild wurde jedenfalls schon jetzt von einem Autofahrer, der mit der neuen Verkehrsführung offenbar noch nicht vertraut war, umgefahren. Nicht nur ein bisschen touchiert, nein, es scheint so, als sei er geradewegs drüber weggefahren. War doch gestern noch nicht da!

kleveblog empfiehlt den Umweltbetrieben der Stadt Kleve, neben der Querungshilfe ein kleines Depot mit dem entsprechenden Hinweisschildern anzulegen. Oder aber das nächste Schild wie die Eckfahnen im Fußballfeld zu befestigen.


Revuelutionäres Kleve: Donnernder Applaus für Geschichtsgala

rd | 16. November 2017, 09:47 | 3 Kommentare
Großes Finale (Foto: B. Pauls)

Großes Finale (Foto: B. Pauls)

Lebendiger Geschichtsunterricht (Foto: B. Pauls)

Lebendiger Geschichtsunterricht (Foto: B. Pauls)

Die Klever Stadtgeschichte als Revue in 35 Nummern: Das – von vielen Seiten verstärkte – Ensemble des „Theaters im Fluss“ unter der Leitung von Harald Kleinecke lieferte gestern Abend einen begeisternden Abschluss des Klever Stadtjubiläums, in satten drei Stunden illustrierten die Schauspieler vor rund 400 Zuschauern „Sternstunden und Schwanengesänge“ aus 775 Jahren Stadtgeschichte, mit reichlich Klamauk, aber auch mit ernsten Momenten. Wer da war, erlebte ein faszinierendes Spektakel. Donnernder Applaus! Allerdings, und dies sei einfach mal gefragt: Warum nur eine einzige Aufführung (deren Vermarktung zudem ausbaufähig gewesen wäre)? Traut Kleve seinen eigenen Bürgern nicht?


Hochschule: Grenzen des Wachstums erreicht, sogar Klausuren im Karnevalszelt wurden bereits erwogen

rd | 15. November 2017, 18:57 | 3 Kommentare
Gute Laune beim Betrachten der aktuellen Zahlen: Dr. Heide Naderer

Gute Laune beim Betrachten der aktuellen Zahlen: Dr. Heide Naderer

Läuft.

Läuft sogar so gut an der Hochschule Rhein-Waal (HSRW), dass Präsidentin Dr. Heide Naderer nach der Bekanntgabe der neuen Rekordzahlen sagte, die Grenzen des Wachstums seien erreicht. Exakt 7222 eingeschriebene Studenten verzeichnete die Hochschule gestern, eine neue Höchstzahl und 45 Prozent mehr als die ursprünglich angepeilten 5000 Studenten. Jeder zweite Student kommt aus dem Ausland – die HSRW ist Deutschlands internationalste Hochschule.

Der Raumbedarf ist immens, viertausend Quadratmeter hat die Hochschule an den Standorten in Kleve und Kamp-Lintfort bereits angemietet, und als Notlösung für die Klausurphase im Februar trugen Professoren bereits die Idee an den kommissarischen Kanzler Dr. Oliver Hermann heran, das Warsteiner-Karnevals-Festzelt anzumieten, damit die Studenten ihre Arbeiten schreiben können. Dazu wird es aber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht kommen, obwohl die Vorstellung, eine wichtige Prüfung in einer von Narretei geprägten Umgebung zu absolvieren, ja durchaus ihren Reiz hätte. Wer aber eine andere Idee für einen geeigneten und zur Verfügung stehenden Saal hat, darf sich gerne an die Hochschule wenden.

Doch zurück zu den Rekordzahlen. „Der Wachstumskurs der Hochschule Rhein-Waal scheint ungebrochen“, schreibt die Hochschule. „Derzeit studieren 7222 junge Menschen in 25 Bachelor- und elf Masterstudiengängen. Im vergangenen Jahr lag im gleichen Zeitraum die Zahl der Studierenden bei 6757. Das entspricht einer Steigerung um von ungefähr sieben Prozent. Ursprünglich war die Hochschule auf 5000 Studierende ausgelegt.“

„Wir stoßen damit an unsere Kapazitätsgrenzen, die wir mittel- und langfristig abfedern müssen. Es gilt, darauf zu achten, dass wir die hohe Qualität der Hochschule auch auf Dauer halten können“, sagte Naderer zu den Zahlen. Herrmann ergänzte: „Aus diesem Grund werden wir uns zukünftig stärker auf die Konsolidierung konzentrieren müssen. Ein derartiges Wachstum wird es in den kommenden Jahren so nicht mehr geben können.“

Weiter heißt es in der Pressemitteilung der Hochschule: „Die Zahlen stellen aber unter Beweis, wie beliebt und anerkannt die Hochschule mittlerweile ist. Gut ausgestattet und finanziell abgesichert kann die Hochschule darüber hinaus mit ihrem internationalen Charakter punkten. Fast 46 Prozent der Studierenden kommen aus dem Ausland. Der Anteil der Studierenden aus dem EU-Ausland beträgt etwas mehr als fünf Prozent. Insgesamt hat die internationale Community um mehr als zwölf Prozent zugelegt. ,Darüber freuen wir uns ganz besonders. Zeigt es uns wieder einmal mehr, dass wir mit unserem Angebot zu Recht in Deutschland als internationalste Hochschule gelten‘, so Dr. Naderer. Diese Internationalität spiegelt sich auch in den Einschreibungen für das Wintersemester 2017/2018 wider. In diesem Jahr schrieben sich 27 Prozent mehr Studierende aus dem Ausland ein als im Wintersemester 2016/2017. Das Wintersemester startete mit insgesamt 1747 Einschreibungen.“


Der letzte Cappuccino

rd | 15. November 2017, 13:32 | 4 Kommentare
Cappuccino, cantuccini, giornale: Ein normaler Morgen im Leben des Ralf D., den nie mehr geben wird (Foto: Matthias Ehring)

Cappuccino, cantuccini, giornale: Ein normaler Morgen im Leben des Ralf D., den es nie mehr geben wird (Foto: Matthias Ehring)

Eben noch plaudert man munter ein paar Sätze zum abgelaufenen Jahr in die Kamera (für einen Rückblick in der Gala „Made in Kleve“) und redet sich wahrscheinlich mal wieder um Kopf und Kragen, und dann wird einem schmerzlich bewusst, dass dies in autobiographischer Hinsicht ein historischer Augenblick war, der – schwacher Trost – von der Kamera festgehalten wurde: mein letzter Cappuccino im Café Lust.

Da war ich noch guter Dinge, und man beachte, wie geschickt ich die überregionale Tageszeitung mit ins Bild gelotst habe, um überzeugend einen Eindruck von Weltläufigkeit zu erwecken. Jule, die Tochter der Chefin, wiederum befüllte den Unterteller mit drei Cantuccini, was dezent mein maßloses Essverhalten unterstreicht.

Nun aber befällt uns Kaffeehausschwadroneure eine mittelschwere Milchschaummelancholie, die Gewissheiten des Lebens zerbröseln wie ebendiese Cantuccini, wenn sie von mächtigen Molaren zermalmt werden. Zu befürchten ist ein Caffelatteralschaden, der nicht wiedergutzumachen ist. Und was fragt der Klever: „Wo löse ich jetzt meinen Gutschein ein?“

(Hoodie: Bi Hip, Hemd: Olymp/Kaufhof, Brille: Trends & Trade, Zeitung: Bossmanns Genuss Company)


Noch 47 Tage, dann ist Schluss: Klever City Netzwerk beschließt Selbstauflösung

rd | 15. November 2017, 10:44 | 4 Kommentare
Der letzte Akt: Mitgliederversammlung des KCN im Kolpinghaus

Der letzte Akt: Mitgliederversammlung des KCN im Kolpinghaus

Auflösungserscheinungen: Klaus Fischer zählt die Stimmen aus der gläsernen Urne, im Hintergrund seine Vorstandskollegen Christoph Dammers, Astrid Vogell und Sven Verfondern. Liquidator Jörg Hopmans steht schon bereit, und Kämmerer Willibrord Haas schaut interessiert zu

Auflösungserscheinungen: Klaus Fischer zählt die Stimmen aus der gläsernen Urne, im Hintergrund seine Vorstandskollegen Christoph Dammers, Astrid Vogell und Sven Verfondern. Liquidator Jörg Hopmans steht schon bereit, und Kämmerer Willibrord Haas schaut interessiert zu

Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet: So lässt sich die Geschichte des Klever City Netzwerks (KCN) in einem Satz beschreiben. Gestern nun beschlossen 27 Mitglieder der Händlergemeinschaft, den Verein zum Jahresende zu Grabe zu tragen. Die Entscheidung im Kolpinghaus fiel eindeutig aus: Es gab gerade einmal drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen, alle anderen stimmten dafür, das Netzwerk aufzulösen. So war das KCN um 20:47 Uhr nach neun Jahren Geschichte.

Der Beschluss zur Selbstauflösung war der Tagesordnungspunkt 4 der Mitgliederversammlung, der fünfköpfige Vorstand hatte die Mitglieder eingeladen, um genau diesen Schlusspunkt zu setzen. So gesehen: Ziel erreicht. „Vielen Dank für das Vertrauen“, sagte Vorstand Christoph Dammers nach der Abstimmung, und fügte angesichts der merkwürdigen Situation, dass das Wunschziel die Liquidation war, den Nachsatz hinzu: „Oder was soll man sagen?“

„Uns tut es in der Seele weh, dass wir heute hier den Verein beerdigen“, so Dammers weiter. „Aber wir müssen Platz schaffen. Das KCN ist nicht in der Lage das zu schaffen, was die Stadt verdient hätte. Wir hoffen sehr, dass ein gemeinsames Interesse besteht, die Dinge nach vorne zu treiben.“

Als das KCN 2008 aus der Taufe gehoben wurde, hatte das Gründungsteam der Idee noch den ehrgeizigen Titel „Projekt 500“ verpasst – so viele Mitglieder wollte man gewinnen. Am Ende waren es gerade einmal rund hundert, und von denen kam auch nur jeder Vierte zur gestrigen Versammlung. Zuvor war bereits beklagt worden, dass die Arbeit im Grunde in den Händen einer Handvoll Leute liegen bleibt.

In den vergangenen Jahren gab es manche Querelen, vor allem aber ein erstaunliches Desinteresse. Christoph Dammers (Intersport) und Astrid Vogell (Kaufhof) wollten im vergangenen Jahr das Ruder noch einmal herumreißen, mussten aber feststellen, dass es dafür bereits zu spät war. So blieb aus Sicht des Vorstandes als einzig mögliche Konsequenz nur die Selbstauflösung. Dieser Ansicht folgten die Mitglieder gestern Abend bereitwillig.

Liquidator des Vereins wird der Modehändler Jörg Hopmans, das übrig bleibende Vermögen des Vereins wird den Mitgliedern anteilig zurückgezahlt. Die KCN-Einkaufsgutscheine werden noch bis Ende des Jahres verkauft, sie behalten drei Jahre lang ihre Gültigkeit. Dafür gibt es ein eigenes Konto; sollte darauf am Ende des Jahres 2020 noch Geld sein, wird dies zu gleichen Teilen dem Kleber Kindernetzwerk und dem Martinsverein gespendet.

Die letzte Aktion des KCN wird die Organisation des verkaufsoffenen Sonntags am 3. Dezember sein, die Veranstaltung steht unter dem Motto „Warten auf den Nikolaus“. Dazu soll ein „Weihnachtsmarkt der Händler“ entstehen, bei dem die Geschäftsleute vor ihren eigenen Läden eine besondere Aktion präsentieren. Möglicherweise wird es im kommenden Jahr auch wieder einen Weihnachtsmarkt mitten in der Stadt geben – in der Versammlung wurde der Plan angesprochen, dafür den Platz vor dem Rathaus zu nutzen.

Was nach dem KCN kommt, ist noch offen. Verschiedene Modelle sind angesprochen worden, von der Wiederbelebung der einstigen Straßengemeinschaften bis hin zur Neugründung einer Gesellschaft, die rechtlich selbstständig die Interessen der Händler vertritt. Der nächste Schritt ist ein Termin bei der Stadt. Kämmerer Willibrord Haas machte den Geschäftsleuten ein Gesprächsangebot: „Die Stadt ist höchst interessiert daran, dass die Einzelhändler sich – in welcher Form auch immer – zusammenfinden. Wir haben verstanden, dass Ihnen das sehr wichtig ist.“

Offenbar erwartet die Stadt großes Interesse – die Veranstaltung soll in der Stadthalle stattfinden.


Dinge, die eintreten können, wenn man auf einen Regenbogen zuradelt:

rd | 13. November 2017, 16:30 | 4 Kommentare
Ortskundige könnten auch zu der Erkenntnis gelangen, bei spectro habe sich ein Betriebsunfall ereignet

Ortskundige könnten auch zu der Erkenntnis gelangen, bei spectro habe sich ein Betriebsunfall ereignet

(Zutreffendes bitte ankreuzen)

❏ Man sieht dort, wo die bunten Streifen auf den Erdboden treffen, liebliche Einhörner tanzen.

❏ Man wird nass.


Nach 14 Jahren das Ende: Café Lust macht dicht, leider

rd | 12. November 2017, 17:05 | 16 Kommentare
Kaffeeesatzlesen entfällt: Das Café Lust hat geschlossen – für immer. Nach 14 Jahren

Kaffeeesatzlesen entfällt: Das Café Lust hat geschlossen – für immer. Nach 14 Jahren

Das ist mir nicht Latte!

Viele kleveblog-Geschichten nahmen im Café Lust bei einem Cappuccino und einem Croissant mit zweimal Butter ihren Anfang, entweder als Anregung eines Gastes, oder als Folge der Lektüre einer Lokalzeitung, oder als spontane Eingebung, beflügelt durch Koffein und Fett. Doch damit ist es nun, und zwar unwiederbringlich, vorbei!

Das Café Lust in der Unterstadt, das schönste Café der Stadt, Mekka der Milchschaumafficionados, hat bereits seit Anfang November geschlossen. Erst hieß es Betriebsferien, dann hing über mehrere Tage ein Schild „Heute leider geschlossen“ in der Eingangstür, und heute teilte Inhaberin Heike Polders auf Facebook mit, dass diese Schließung eine endgültige ist: „Liebe Gäste, hiermit möchten wir uns von euch verabschieden. Das Café Lust schließt. In den 14 Jahren haben uns viele Gäste begleitet und es sind Freundschaften daraus entstanden. Für diese Zeit möchten wir uns besonders bedanken.“

Am vergangenen Montag – eigentlich Ruhetag – hatte das Café noch einmal außerplanmäßig geöffnet. Die Räume dienten der WDR-Journalistin Steffi Neu als Kulisse für Interviews mit Klever Journalisten, die Anfang Dezember in der Gala „Made in Kleve“ eingespielt werden. Als ich nach einem „perfekten Tag“ in Kleve befragt wurde, antwortete ich noch, dass dieser für mich mit einem Cappuccino im Café Lust begänne – nichtsahnend, dass das vor mir stehende Getränk das letzte dieser Art in diesen Räumen sein würde.

Viele Gäste hatten diesen Worst Case in der vergangenen Woche bereits befürchtet. Über die Gründe verlautete bislang nichts, nicht unverborgen blieben den regelmäßigen Besuchers des Cafés allerdings Auseinandersetzungen mit dem Vermieter, bei denen über die tatsächliche Größe der Geschäftsräume gestritten wurde, sowie ein Wasserschaden, der sich von der Theke aus immer weiter ausbreitete und dessen Behebung aus welchen Gründen auch immer über Monate nicht in Angriff genommen wurde.

„Wo werden wir jetzt unseren Kaffee trinken?“, fragt Polders in ihrem Abschiedspost – was für sie selber und ihr Team zutrifft, und natürlich auch für die zahlreichen Gäste, die in der stilvollen Umgebung des Cafés eine der zahlreichen Varianten des anregenden Getränks zu sich nahmen. Insbesondere in den Sommermonaten war der Ort auch der Treffpunkt der Wahl zum Sehen und Gesehenwerden. Kleve ist um ein gastronomisches Kleinod ärmer. Schade!


Notlage Moränenhöhe: Eichen müssen weichen, sagen die Reichen

rd | 12. November 2017, 16:13 | 40 Kommentare
Notlage Moränenhöhe: „Wir bleiben dran“, verspricht der Bürgermonitor. Die Blätter hingegen bleiben nicht dran

Notlage Moränenhöhe: „Wir bleiben dran“, verspricht der Bürgermonitor. Die Blätter hingegen bleiben nicht dran. Frech!

Die Welt hat mit vielen Problemen zu kämpfen, aber wenn die Rheinische Post die Ampel ihres Bürgermonitors auf Rot schaltet, dann brennt der Baum wirklich! Wo aber ist das neue Krisengebiet der Stadt? Wo sind die Zustände so unhaltbar, dass ein menschenwürdiges Leben fast nicht mehr möglich erscheint? Das neue Ghetto, ein trostloser Ort sozialer Verheerung und emotionaler Ödnis, es ist – man staune – die Moränenhöhe.

Dort, wo jedes zweite Haus so aussieht wie in einem alten Derrick-Krimi, regiert seit Wochen die nackte Verzweiflung. Sogar von der Migränenhöhe ist schon die Rede!

Was aber ist geschehen?

In der idyllisch gelegenen Straße, in unmittelbarer Nachbarschaft des Tiergartenwaldes, wachsen – man lese und staune – Eichen! Der deutsche Baum schlechthin, imposante und wunderschöne Gewächse. Allerdings, aus Sicht der Anwohner der Moränenhöhe, mit einem geradezu impertinenten Verhalten: Sie, die Bäume, können ihr Laub nicht an sich halten, man muss wohl von einer – zumindest für die Anwohner der Moränenhöhe – überraschend aufgetretenen botanischen Inkontinenz sprechen. Mit voller Absicht werfen sie ihr Laub auf die Menschen, die in der Straße wohnen. Gute Worte verhallen ungehört, die Bäume scheinen wohl an die Volksweisheit zu denken: „Was kümmert es die stolze Eiche, wenn sich eine Wildsau an ihr reibt?“

Noch unverschämter erscheint den Anwohnern das sehr träge Verhalten der Laubbäume. Sie gehen einfach nicht weg! Können diese Gewächse sich nicht einfach einen SUV kaufen und damit dorthin fahren, wo sie hingehören – in den Wald zum Beispiel?

„Ich bin täglich etwa zwei Stunden draußen und kehre Laub zusammen“, jammert Anwohner Heinz Meurer in der Rheinischen Post. Vor einem Vierteljahrhundert zog er an die Moränenhöhe. Jetzt klagt er: „Damit haben wir nicht gerechnet, dass die [Eichen] heute hier immer noch stehen. Solche riesigen Bäume gehören einfach nicht in eine Wohnsiedlung. Die müssen weg.“

Eichen können übrigens bis zu 1500 Jahre alt werden. Wenn man sie lässt.


kleveblog legt wärmstens ans Herz…

rd | 10. November 2017, 16:03 | 1 Kommentar
Jana im Herbstlicht – aber noch im Frühling ihrer beruflichen Laufbahn (Foto: Jana Kathrin)

Jana im Herbstlicht – aber noch im Frühling ihrer beruflichen Laufbahn (Foto: Jana Kathrin)

Wie sicherlich der ein oder andere Leser schon bemerkt haben wird, begrüßt unser feines Angebot einige neue Anzeigenkunden, deren Produkte oder Dienstleistungen die Redaktion den Konsumenten wärmstens ans Herz legt. Neu (oder wieder) mit dabei sind der Intersport-Markt Dammers, das Friseurgeschäft Haargenau von Christine Stach, das Pavan-Zentrum für Kundalini Yoga von Marina Loewen sowie das Schmuckatelier aura von Atussa Charghi-Janßen. Lange Jahre in der verschworenen Gemeinschaft der kleveblog-Inserenten zu finden ist Jana Kathrin vom Fotostudio Peschges an der Kavarinerstraße. Sie feiert am Samstag, 11. November, von 12 bis 20 Uhr ihr zehnjähriges Bestehen – dazu ein herzlicher Glückwunsch der Redaktion. In ihrem Geschäft gibt es an diesem Tag reichlich Programm, inklusive Punsch, und natürlich einen Jubiläumsrabatt. Ich hätte – passend zum Anlass – auf 10 Prozent getippt, aber es sind sogar 20 Prozent.


Warum Staus auch ihr gutes haben: Bridge under troubled air

rd | 08. November 2017, 00:57 | 3 Kommentare
Das Beste aus einer Störung des Verkehrsflusses machen: Handy rausholen und ein in seiner Aufteilung perfektes Foto der Rheinbrücke im niederrheinischen Herbstnebel schießen (Foto: T. Stojevic)

Das Beste aus einer Störung des Verkehrsflusses machen: Handy rausholen und ein in seiner Aufteilung perfektes Foto der Rheinbrücke im niederrheinischen Herbstnebel schießen (Foto: T. Stojevic)

Strich-8 (09.11. 12:25): KLEVER Rheinbrücke 😁...
Michael Bay (09.11. 08:05):

Ein wirklich wunderschönes Photo, Glückwunsch

...

kleinendonk (08.11. 10:39): sehr schön...

Kleve, undurchdringlich

rd | 07. November 2017, 13:30 | 2 Kommentare
Fällt eigentlich auch ein Wahrzeichen unter das Verschleierungsverbot?

Fällt eigentlich auch ein Wahrzeichen unter das Verschleierungsverbot?

Leicht angeschickert (07.11. 21:16): “The Fog” in Kleve?...
Wolfgang Look (07.11. 13:42): Die “Schwanenburka”...

Sternstunden und Schwanengesänge: Stadtgeschichte als Spektakel – und das für 0,02€/Jahr

rd | 07. November 2017, 13:16 | 5 Kommentare
Historische Kostüme links, gute Laune rechts, ein Medienarbeiter in der Mitte: die Schauspieler  Harald  Kleinecke, Laura van Meurs, Yvonne Campell Körner, Heinz Rogosch, Severin Roth und Marie Richter, die Verwaltungsmitarbeiter Stefan Derks und Anne Wier sowie NRZ-Reporter Andreas Dahms beim Versuch, ein schönes Foto zu schießen

Historische Kostüme links, gute Laune rechts, ein Medienarbeiter in der Mitte: die Schauspieler Harald Kleinecke, Laura van Meurs, Yvonne Campbell Körner, Heinz Rogosch, Severin Roth und Marie Richter, die Verwaltungsmitarbeiter Stefan Derks und Anne Wier sowie NRZ-Reporter Andreas Dahms beim Versuch, ein schönes Foto zu schießen

„Es wird ein Spektakel“, verspricht Theaterchef Harald Kleinecke. Ein Spektakel, dessen Ausmaße sich genau beziffern lassen: 29 Schauspieler übernehmen 95 Rollen, das heißt exakt 3,2758 Rollen pro Darsteller. Sie stellen 775 Jahre Klever Stadtgeschichte in 150 Minuten nach, das heißt 5,17 Jahre pro Minute. Und das ganze kostet die Besucher, die am 15. November in die Stadthalle kommen sollen, exakt 18 Euro, was einem absoluten Schnäppchen gleichkommt, ist doch ein Jahr Stadtgeschichte somit schon für 0,023 Euro zu bekommen!

Was aber genau ist dieses Spektakel? Es ist, zum Abschluss der Feiern zum 775. Jubiläum der Stadtrechte, die Geschichte der Stadt, in derben, lustigen, tragischen und erhabenen Szenen nachgestellt – unter dem passenden Titel „Sternstunden und Schwanengesänge“. Da natürlich nicht alles historisch dokumentiert ist, haben sich die Macher einige Freiheiten genommen (aber ist nicht auch die Historie selbst Fiktion? Siehe dazu auch: Hayden White: The Historical Imagination in Nineteenth-Century Europe (1973/2014)). Harald Kleinecke, vom „Theater im Fluss“ und für die Inszenierung verantwortlich, sagt: „Entstanden ist eine Collage höchst unterschiedlicher Momente: bedeutungsvolle, freudige, humorvolle wie auch betrübliche. Gemäß der jeweiligen Stimmung wechselt das Horror vom frivolen Volkstheater über das Thema auf juristische) Bildungstheater hin zu den tragischen Dramen der Zeitgeschichte.“ Fast alles, was die Stadtgeschichte ausmacht, wird zumindest gestreift. Und am Ende wagen die Macher sogar einen Blick in die Zukunft: „Die Aufführung endet mit einer kleinen positiven und negativen Utopie“, so Kleinecke. Die Schauspieltruppe ist eigenen Angaben zufolge eine „bunt gewürfelte“ mit einem Kern aus der Mannschaft des „Theaters im Fluss“. Dazu gehören Maren Evers, Yvonne Campbell Körner, Marie Richterr, Ella Lichtenberger, Jan Schumacher, Heinz Rogosch, Severin Roth, Andreas Giese, Jan Teunissen, Malcolm Lichtenberger, Birgit van den Boom, Thomas Brokamp, Ron Manheim, Jessica Fischer, Laura van Meurs, Marina Buens, Alina Krebbers, Janis Krebbers, Yannis van der Soenst, Sophie Blasig, Insa Hoeing, Selina Koenen, Lennart Osterkamp, Hendrik Rübo, Claartje van Ginneken, Wolfgang Paterok und Max Frische. Das sind bisher 27 Namen, die anderen beiden werden unter „u. a.“ geführt, was womöglich damit zusammenhängt, dass noch nicht alles so fix ist, wie es sein sollte – und das acht Tage vor der ersten (und einzigen) Aufführung! Jedenfalls sagt Kleinecke: „Wir freuen uns darauf, wie vor jeder Premiere – aber diesmal ist das Chaos doppelt so groß.“

Für die Musik sind Thomas Geisselbrecht, Friedhelm Körner, Cornelia Burgers und Jan Schumacher verantwortlich. Neben einem Bühnenbild wird es auch reichlich Projektionen alter Gemälde und Filme geben, für diesen Teil der Aufführung zeichnet Björn Nienhuys verantwortlich. Die schönen Plakate mit dem Schwan hat Tilman Jäckle gestaltet.

Karten für die Vorstellung am 15.11. um 20 Uhr in der Stadthalle sind zum Preis von 18 Euro (Vollzahler) bzw. 14 Euro (ermäßigt) an der Information des Rathauses erhältlich. Noch sind sie zu haben, von den 422 zur Verfügung stehenden sind bisher erst 150 verkauft.


Dr. Verbeet im Gespräch mit Dr. Hendricks – jetzt in der Gerichtskantine!

rd | 06. November 2017, 09:46 | 24 Kommentare
Markus Verbeet stammt aus Kleve und arbeitet für den Spiegel, für den er jetzt in seiner Heimatstadt mit der geschäftsführenden Bundesumweltministerin Barbara Hendricks spricht – allerdings nicht mehr in der Buchhandlung Hintzen (Foto: Markus Rehders/Der Spiegel)

Markus Verbeet stammt aus Kleve und arbeitet für den Spiegel, für den er jetzt in seiner Heimatstadt mit der geschäftsführenden Bundesumweltministerin Barbara Hendricks spricht – allerdings nicht mehr in der Buchhandlung Hintzen (Foto: Markus Rehders/Der Spiegel)

Die Nachfrage sprengte alle Erwartungen, ein Journalist aus Hamburg spricht mit einer Ministerin. Da beide aus Kleve stammen, sowohl Dr. Markus Verbeet wie auch Dr. Barbara Hendricks, bot sich als Veranstaltungsort die Heimatstadt geradezu an. Doch vom ursprünglichen Plan, das Gespräch in der Buchhandlung Hintzen stattfinden zu lassen, mussten Sigrun und Matthias Hintzen nun Abstand nehmen – das Interesse war zu groß. Deshalb findet das Gespräch im Rahmen der Reihe „DER SPIEGEL live – Lokaltermin“ nun in der Gerichtskantine statt!

„Der politisch-journalistische Talk von SPIEGEL-Redakteur Dr. Markus Verbeet und SPD-Politikerin Dr. Barbara Hendricks stößt auf großes Interesse“, schreibt Sigrun Hintzen. „Aus diesem Grunde verlegt die Buchhandlung Hintzen die Veranstaltung am Freitag, 10. November, 19.30 Uhr, in die nahe gelegene Gerichtskantine in der Schwanenburg. Betreiber Janes Warnke hat dort Platz für die rund 100 Gäste, die sich bislang angemeldet haben. Da jedoch auch die Kapazitäten der Kantine begrenzt sind, können jetzt keine weiteren Reservierungen mehr angenommen werden.“

Bislang reservierte Karten können bis Freitagmittag in der Buchhandlung Hintzen oder ab 19 Uhr am Einlass zur Kantine im Torbogen der Schwanenburg abgeholt werden.


Spyckklösterchen: Die letzte (reguläre) Messe ist gelesen

rd | 03. November 2017, 11:59 | 48 Kommentare
Gut gefüllte Kirchenbänke, als die letzte Messe gelesen wurde (Foto: TT)

Gut gefüllte Kirchenbänke, als die letzte Messe gelesen wurde (Foto: TT)

Blick aufs Spyckklösterchen in Richtung heutiges Industriegebiet (1906)

Blick aufs Spyckklösterchen in Richtung heutiges Industriegebiet (1906)

Gepflegte Beete im Klostergarten

Längst Geschichte: Gepflegte Beete im Klostergarten

Gottes Segen

Gottes Segen aus der Backsteinfassade

Blick aufs Kapuzinerkloster: Glaube so fest wie die Backsteinmauern

145 Jahre eine im Dorf gelassene Kirche: Kapuzinerkloster

Eine Kirche ist ein Ort der Gemeinschaft und der Besinnung. Dort kommen die Menschen zusammen, um daran zu glauben, dass es etwas gibt, das größer und wichtiger ist als man selbst.

So gesehen, ist es auch ein Zeichen für den Zustand des Gemeinwesens, wenn eine Pfarrgemeinde beschließt, eine Kirche aus dem Messebetrieb herauszunehmen und künftig nur noch auf Anfrage für besondere Anlässe zu öffnen.

So gesehen, geht am Rindernschen Deich nach 145 Jahren eine Ära zu Ende: Seit dem 1. November ist das Kapuzinerkloster, von den Anwohnern meistens Spyckklösterchen genannt, kein Ort mehr, an dem sich regelmäßig Menschen versammeln, um zu beten. Es sei kein „einfacher Moment“, sagte Propst Johannes Mecking in seiner Predigt während des letzten regulären Gottesdienstes vor an diesem Tag ausnahmsweise gut gefüllten Kirchenbänken. Der Pfarrer bat die Gemeinde darum, in die Zukunft zu schauen. Doch die Besucher des Gottesdienstes blickten wohl eher zurück, an all die Momente der Freude und des Leids, die sie in den vergangenen Jahrzehnten in diesen Gemäuern mit anderen Menschen teilen durften.

„Die Verantwortlichen wissen darum, dass diese Neuordnung schmerzlicher Einschnitte bedeutet“, heißt es in einem Aushang am Eingang der Kirche. „Zugleich bitten Sie aber eindringlich um Verständnis aufgrund der neuen Situation.“ Künftig soll das Kapuzinerkloster nur noch für Hochzeiten während der Sommermonate zur Verfügung stehen. Als pittorekse Kulisse für einen besonderen Augenblick des Glücks. Als standhaftes Gemäuer, in dem sich alle Wechselfälle des Lebens auffangen lassen, hat das Spyckklösterchen hingegen ausgedient. „Im Zusammenhang mit dem Wegfall der Messe im Kapuzinerkloster wird über einen ehrenamtlichen Fahrdienst nachgedacht, der interessierte Gläubige zu den anderen Gottesdienstorten in unserer Gemeinde bringt“, heißt es in dem Aushang.

Am 23. April 1866 begann die Geschichte des Gotteshauses mit der Grundsteinlegung. Sieben Monate später, am 13. November, wurde der Ostflügel des Klosters fertig gestellt. Der Rohbau der Kirche wurde 1870/71 vollendet, ein Jahr später erfolgte die Fertigstellung des Nordflügels sowie – am 4. Oktober 1872 – die Einweihung der Klosterkirche durch Weihbischof Johannes Bosmann. In den Jahren bis 1874 wurden schließlich die Arbeiten am West- und Südflügel des Komplexes beendet. Seit dem 1. Juli 1980 beherbergen die oberen Räume des Ost- und Südflügels die Büros der Zentralrendantur. Fotos vom Anfang des 20. Jahrhunderts geben einen Eindruck davon, wie ländlich die Region jenseits des Rindernschen Deiches damals noch war – wo heute die Spyckstraße verläuft und Richtung Rhein sich das Industriegebiet Platz verschafft hat, war damals nur weites, plattes Land.

(Wer nach vorne blicken möchte, kann dies am 12. November im Kolpinghaus Kleve tun: an diesem Tag lädt die katholische Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt zu einem Zukunftstag ein, der Gläubigen die Gelegenheit geben soll, sich für konkrete Aufgaben in der Gemeinde zu engagieren. Die Veranstaltung beginnt um 12:30 Uhr.)


Sauerländer wird neuer Kanzler der Hochschule

rd | 26. Oktober 2017, 21:47 | 7 Kommentare
Michael Strotkemper ist der neue Kanzler der Hochschule Rhein-Waal (Foto: HSRW)

Michael Strotkemper ist der neue Kanzler der Hochschule Rhein-Waal (Foto: HSRW)

So viele gab es, die den Posten bekommen wollten, doch nun kommt ein Mann nach Kleve, den keiner auf seiner Rechnung hatte: Michael Strotkemper wird neuer Kanzler an der Hochschule Rhein-Waal und leitet damit zukünftig die Hochschulverwaltung. Der 34-jährige Diplom-Kaufmann tritt das seit dem 1. August 2016 vakante Amt des Kanzlers an.

Am Donnerstag wurde Strotkemper, Diplom-Kaufmann, einstimmig von der Hochschulwahlversammlung der Hochschule Rhein-Waal zum neuen Kanzler gewählt und komplettiert somit das Präsidium der Hochschule. Seine Amtszeit dauert zunächst acht Jahre. Beim letzten Mal, als die Wahl eines anderen Kandidaten anstand, hatten einige Professoren noch das Prozedere mit nur einem Kandidaten kritisiert und damit die Wahl verhindert. Daraufhin trat der brüskierte Prof. Gerardus Meijer als Hochschulratsvorsitzender zurück. Nun war es nicht anders (nachdem ein zweiter Kandidat abgesprungen war), aber die Kritiker hielten sich zurück.

Die Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal, Dr. Heide Naderer, sieht der Zusammenarbeit mit dem neuen Präsidiumsmitglied mit Freude entgegen: „Mit Michael Strotkemper haben wir einen kompetenten Kanzler gefunden. Herr Strotkemper bringt wesentliche Erfahrungen aus dem Hochschulbereich mit, von denen die Hochschule Rhein-Waal in den nächsten Jahren sicherlich profitieren wird.“

Seit 2012 war Strotkemper in verschiedenen Positionen an der Universität Duisburg-Essen tätig, zuletzt als Vertretung des Kanzlers. Zusammen mit der Hochschulpräsidentin, Dr. Heide Naderer, Professor Dr. Jens Gebauer als Vizepräsident für Forschung und Entwicklung, Professorin Dr. Marion Halfmann als Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Weiterbildung und Professor Dr. Georg Hauck als Vizepräsident für Personal- und Organisationsentwicklung, Diversity bildet Strotkemper nun das Präsidium der Hochschule Rhein-Waal.

In Attendorn geboren, studierte der Sauerländer Betriebswirtschaftslehre an der Universität Siegen. Seine berufliche Laufbahn begann er im Jahr 2008 als Consultant bei der PricewaterhouseCoopers AG WPG in Siegen. Als Referent für das kaufmännische Rechnungswesen wechselte Strotkemper im Jahr 2012 zur Universität Duisburg-Essen, wo er verschiedene Funktionen in der Verwaltung wahrnahm – jüngst als Vertretung und Abwesenheitsvertretung des Kanzlers in unterschiedlichen Angelegenheiten.


Entlassen, jetzt nur noch geschäftsführend

rd | 26. Oktober 2017, 17:17 | 34 Kommentare
Die Unterschrift von Angela Merkel sieht komisch aus

Die Unterschrift von Angela Merkel sieht komisch aus (Foto: BMUB/Michael Gottschalk)

Ein paar Wochen wird sie noch geschäftsführend im Amt sein, aber das war’s dann auch. Gestern erhielt Dr. Barbara Hendricks, unsere Kleverin im Zentrum der Macht, nach vier Jahren als Ministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit aus den Händen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ihre Entlassungsurkunde. Auf Facebook zog sie ein kurzes Resümee ihrer Amtszeit: „Vier Jahre als Bundesbau- und Bundesumweltministerin liegen hinter mir. In dieser Zeit haben wir viel erreicht beim Schutz unserer Natur und Artenvielfalt, beim Kampf gegen den Klimawandel oder bei der nachhaltigen Stadtentwicklung. Deshalb blicke ich mit Stolz und Dankbarkeit auf die vergangenen vier Jahre zurück. Gestern hat mir Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier meine Entlassungsurkunde als Bundesministerin überreicht. Bis zur Vereidigung des/der nächsten BundesumweltministerIn werde ich das Amt geschäftsführend innehaben. Jetzt gilt meine ganze Kraft der Weltklimakonferenz COP23 ab Anfang November in Bonn, damit wir dort weitere wichtige Schritte für die erfolgreiche Umsetzung des Pariser Abkommens machen können.“

Kleve wiederum kann stolz auf die Ministerin sein!


Mehrgenerationenplatz Backermatt: Eine Lehrstunde in Sachen Angst

rd | 26. Oktober 2017, 02:14 | 39 Kommentare
Platz für ein Basketballfeld – oder doch lieber seniorengerechtes Boule?

Platz für ein Basketballfeld – oder doch lieber seniorengerechtes Boule?

Engagierte Diskussion: Bürger planen Platz – und in dieser Gruppe weitgehend ohne Angst

Engagierte Diskussion: Bürger planen Platz, in dieser Runde übrigens ohne Angst

Bürgermeisterin Sonja Northing: „Wir wohnen in einer Stadt, das sollten wir nicht vergessen“

Bürgermeisterin Sonja Northing: „Wir wohnen in einer Stadt, das sollten wir nicht vergessen“

Die Stadt hatte eingeladen zur „Informationsveranstaltung Mehrgenerationenplatz Backermatt“, und, das sei vorweg gesagt, es handelte sich um ein gut vorbereitetes Treffen, bei dem Anregungen und Einwände der Bürger offen zur Sprache kamen und alle Teilnehmer, rund 40 Frauen und Männer waren in die Volkshochschule gekommen, das Gefühl hatten, dass ihre Worte auch gehört wurden. „Eine richtige kleine Werkstatt“, freute sich der Technische Beigeordnete Jürgen Rauer.

Allerdings: Wer die Diskussion verfolgte, konnte auch eine Ahnung davon bekommen, was die Probleme sein werden, die Deutschland in den kommenden Jahren plagen werden. Die Menschen werden immer älter, und je älter sie werden, um so mehr Ängste türmen sich auf. Der Klever – zumindest einige Vertreter dieses Stammes – hat Angst vor „zwielichtigen Gestalten“, hat Angst vor Hundekot, hat Angst vor zu viel Lärm vor der eigenen Haustür, womöglich vor dem Schlafzimmer, und er hat ganz viel Angst, keinen Parkplatz zu bekommen. Also keinen Parkplatz genau dort, wo er parken möchte.

Und so war die von der Stadt angeregte Bürgerdiskussion auch ein Lehrstück über den demographischen Wandel. Die Verwaltung hatte einen Plan ausgearbeitet, der für jede Zielgruppe ein Bonbon bereit hielt. Überspitzt gesagt, eine bunte Rutsche für die Kleinen und rollatortaugliche Bänke für die Generation der Großeltern. Es waren Gartenbeete vorgesehen, Spiel- und Fitnessgeräte und Liegebänke sowie zur Arntzstraße hin eine kleine Tribüne. Vielleicht ein bisschen überfrachtet, wie eine der Planerinnen später selbstkritisch anmerkte, aber warum nicht erst einmal groß denken?

Dann kam die erste Wortmeldung eines Bürgers. Er wohnt an der Weberstraße, seine Frau saß neben ihm und soufflierte ein wenig. In seinen Ausführungen fiel dreimal das Wort Hundekot, ansonsten ging es um die Verkehrssituation, deretwegen die Planung rundweg abgelehnt wurde. Souverän wurde der Bogen zu der Situation vor der eigenen Haustür gespannt: Man müsse sich einmal vorstellen, so die Folgerung des Beitrags, an der Weberstraße gebe es keinen richtigen Bürgersteig, sondern nur eine Fahrbahnmarkierung. Lieber solle das Geld für einen ordentlichen Bürgersteig ausgegeben werden.

In der Seniorenwohnanlage der Caritas, die direkt an das 800 Quadratmeter große Areal angrenzt, wohnen 34 Mieterparteien. 17 davon haben ihr Schlafzimmer zum Platz hin. Eine Bewohnerin merkte an, der Platz sei früher ein Sammelbecken für Drogensüchtige und Alkoholiker gewesen. „Ich habe Angst, dass das wieder so wird.“ Die Reaktion der Stadt auf die ersten Beschwerden war übrigens, dass die Bänke auf dem Platz abmontiert wurden. Auch Drogensüchtige und Alkoholiker sitzen lieber, und so zog die Karawane des Zwielichts weiter in andere Gefilde, wo wahrscheinlich schon bald ebenfalls die Bänke abmontiert werden.

Es gab auch andere Stimmen, zum Beispiel die von Detlev Koken: „Ich würde mir mehr soziale Plätze wünschen, wir können nicht immer nur in Parkplätzen denken.“ Und Bürgermeisterin Sonja Northing sagte: „Wir wohnen in einer Stadt, das sollten wir nicht vergessen.“ Dann aber wurde wieder eine Kameraüberwachung angeregt, und es fiel sogar das Wort von der „Bürgerpolizei“ – damit war allerdings keine Bürgerwehr gemeint, sondern das Personal des städtischen Ordnungsamtes.

Als Anwohner (der ich bin) äußerte ich wenig überraschend den Wunsch, dort einen Basketballkorb zu montieren. Da hatte ich aber was gesagt! Denn es gibt eine Generation, in der nicht alle (das sage ich ausdrücklich!), aber doch zahlreiche Vertreter befinden, die der Ansicht sind: Ein Mehrgenerationenplatz ist OK, aber nur nach unseren Spielregeln. Und diese Spielregeln werden bestimmt von:

Angst.

In diesem Fall Angst vor Lärm. Das ewige Titschen der Bälle! Nach der Einführungsrunde gab es drei Workshops, und nach dem zu urteilen, was Dirk Posdena, Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen, aus seiner Gruppe vortrug, führte auch dort die Angst bei einigen Teilnehmern ein eisernes Regiment – Angst um den Verkehr und die Parkplätze. Fast schon triumphierend wurde zudem ins Feld geführt, dass im Umfeld des Platzes kaum noch junge Menschen wohnen. Dass die Anlage womöglich neue anzieht – lieber nicht, wo wir es gerade doch so schön behaglich haben!

Natürlich wurde auch konstruktiv diskutiert, und insbesondere die in den Planungen vorgesehene Tribüne sowie Aspekte des Gartenbaus fanden viel Anklang. Ebenso die Anregung von Jürgen Ramisch vom Verein Essbares Kleverland, dass die Bürger sich selbst um die Anlage kümmern sollten. Viele gute Ideen, viel Engagement. Doch der Eindruck, der sich festsetzte, war der einer diffusen, alle Lebensbereiche erfassenden Angst, die viele Bürger ergriffen zu haben scheint und die sie nicht mehr ruhig schlafen lässt. Das aber macht einem:

Angst.


Hochschule: Studentenzahl erreicht neuen Rekord, erstmals mehr als 7000 eingeschrieben

rd | 23. Oktober 2017, 15:55 | 16 Kommentare
Studenten, soweit das Auge reicht…

Semesterstart: Studenten, soweit das Auge reicht…

Die offiziellen Zahlen werden erst am 15. November bekannt gegeben, doch bei einem Besuch von Lehrern an der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) ließ Präsidentin Dr. Heide Naderer erstmals die Katze aus dem Sack: Im neuen Semester studieren so viele Frauen und Männer wie noch nie an der 2009 gegründeten Fachhochschule mit Standorten in Kleve und Kamp-Lintfort.

In einer Pressemitteilung, die der Förderverein Campus Cleve nach dem Besuch versandte, heißt es unter Berufung auf die HSRW-Präsidentin Dr. Heide Naderer, die Studierendenzahl an der Hochschule werde in diesem Jahr Rekorde brechen. Sie nannte sogar erstmals eine konkrete Zahl: Wie kleveblog von Teilnehmern – rund 20 Pädagogen der Gymnasien, der Gesamtschulen und der Berufskollegs aus dem weiteren Umfeld der Hochschule – erfuhr, überschreitet die Zahl der Studenten erstmals die Schallmauer von 7000!

Danach hatte es noch vor wenigen Wochen überhaupt nicht ausgesehen. Zum Stichtag hatten sich weniger Studenten als im Vorjahr angemeldet, als vorsorgliche Reaktion darauf verhängte der damalige Interimskanzler (und jetzige Chef der Umweltbetriebe der Stadt Kleve) Karsten Koppetsch einen Ausgabenstopp für Mittel aus dem Hochschulpakt – offenbar verfrüht, wie sich nun herausstellte. In der Rheinischen Post, der treuen Anhängerschaft zur ersten Präsidentin nicht ganz unverdächtig, war schon zu lesen, dass im Gegensatz zu Kleve alle anderen Fachhochschulen weiter wachsen würden. „In der Tat haben bisher die Bewerbungen der deutschen Studierenden noch nicht das Niveau des Vorjahres erreicht“, sagte Naderer der Zeitung.

Sie riet jedoch dazu, noch etwas abzuwarten. Viele junge Menschen entscheiden sich erst sehr spät für einen Studiengang, und insbesondere Studenten aus dem Ausland fangen häufig erst einige Wochen nach dem eigentlichen Semesterstart an. Deshalb wird die Hochschule die offiziellen, endgültigen Zahlen auch erst Mitte November bekannt geben. Allerdings steht offenbar schon jetzt fest, dass die Rekorde der vergangenen Jahre erneut gebrochen werden.

In einer Pressekonferenz vor einem Jahr hatte die Hochschule der Öffentlichkeit Wachstumsszenarien für die mittelfristige Zukunft bis zum Jahre 2020 präsentiert. Die mittlere Schätzung von rund 7500 Studenten scheint bereits zwölf Monate später erreicht worden zu sein. Einem optimistischen Szenario zufolge steigt die Zahl in drei Jahren auf 8700 Studenten – was dann um siebzig Prozent über der ursprünglich geplanten Kapazität von 5000 Studenten liegt.

Wie aber kommen all diese jungen Menschen von Aserbaidschan bis Zimbabwe auf die Idee, ihre Heimat zu verlassen und sich aufzumachen zu einer kleinen Stadt in einer ländlich geprägten Region? Die Antwort lässt sich mit einem Wort geben: Google! Wer im Ausland studieren möchte, wählt etwa im Bereich der Ingenieurwissenschaften Deutschland als Traumziel, dann bevorzugt er in der Regel ein Studium in englischer Sprache, und am besten sollte es nichts kosten.

Diese Wünsche führen zu der folgenden Suchanfrage: „engineering bachelor germany english free“.

Als Ergebnis erhält der Interessent einige Überblicksseiten, in denen in der Regel an prominenter Stelle auch die junge, international aufgestellte Hochschule aus Kleve gelistet wird. So lässt sich augenblicklich der Umstand erklären, dass Inder mit rund sieben Prozent aller Studierenden den größten Block unter den ausländischen Studenten darstellen, obwohl die Hochschule selbst in Indien keinerlei Werbeaktivitäten entfaltet hatte.

Vor dem Hintergrund des offenbar ungebremmsten Wachstums dürften auch die Studiengebühren, die in Nordrhein-Westfalen eingeführt werden sollen, erst einmal ihren Schrecken verlieren – zumal, wenn ein Modell ähnlich wie das Baden-Württemberg umgesetzt wird. In dem Bundesland werden Studenten aus Entwicklungs- und Schwellenländern nicht zur Kasse gebeten.


FKK van Goch: Schlägerei mit Folgen

rd | 23. Oktober 2017, 11:23 | 9 Kommentare
Die Tage werden kürzer: Screenshot der Website des Saunaclubs FKK van Goch

Die Tage werden kürzer: Screenshot der Website des Saunaclubs FKK van Goch

Weil sie einen Randalierer verprügelten, verurteilte das Amtsgericht Kleve zwei Angestellte und die Betreiberin des Saunaclubs – muss jetzt die Konzession entzogen werden?

Der Saunaclub FKK van Goch wirbt damit, auf „ca. 3500 qm Entspannung und Erotik pur“ zu bieten. Das weitläufige Areal an der Benzstraße sei „die absolute Top-Adresse für den Herrn mit Stil und Klasse“. Der Club habe „Maßstäbe gesetzt“ und sei sogar mit einem „Qualitätssiegel“ ausgezeichnet worden.

Die Vorgänge, die am Freitag vor dem Klever Amtsgericht verhandelt wurden, passen allerdings so gar nicht in dieses exklusive Bild eines niveauvollen Etablissements, das sich der Triebbefriedigung verschrieben hat.

Angeklagt waren die Betreiberin Ulla O. (56), die sich im Privatfernsehen als „Bordell-Testerin“ einen gewissen Ruf erarbeitet hat, sowie der Koch Klaus K. (61) und das für die Sicherheit zuständige Muskelpaket Marco P. (42). Der Vorwurf: schwere Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

Gleich zwei Staatsanwälte erschienen im Schöffengerichtssaal der Schwanenburg: Neben dem Juristen, der sich mit den Handgreiflichkeiten beschäftigte, auch Hendrik Timmer, der in einem anderen Verfahren wegen Steuervergehen gegen die Betreiber ermittelt und der erst vor vier Wochen bei einer Razzia kistenweise Wertgegenstände aus dem Bordell beschlagnahmen ließ.

Das Geschehen, über das Richter Bernhard Reekers jetzt zu urteilen hatte, war allerdings weit profaner als die üblicherweise langwierigen und diffizilen Steuerermittlungen – gleichwohl kann ausgerechnet diese Schlägerei vom 28. Februar des vergangenen Jahres dazu führen, dass dem Gewerbe in der Benzstraße der Boden unter den Füßen weggezogen wird.

Was aber war geschehen?

An dem fraglichen Sonntagnachmittag erschien Chemiearbeiter Sebastian W., damals 32 Jahre alt, im Eingangsbereich des Clubs und verlangte, seine dort arbeitende Freundin zu sprechen. Vor Gericht sagte er, er habe tags zuvor „Stress“ mit ihr gehabt, den er zu klären gedachte. Also habe er eine Flasche Wodka getrunken und sich per Taxi in das sechzig Kilometer von seinem Wohnort entfernte Bordell chauffieren lassen. Zur Sicherheit steckte er sich noch einen Teleskop-Totschläger in die Hosentasche.

Das klärende Gespräch kam nicht zu Stande, stattdessen sorgten zunächst der herbeigerufene Koch und dann der Türsteher dafür, dass die Situation nicht eskalierte und der Mann mehr oder minder sanft wieder nach draußen befördert wurde.

An der frischen Luft krakeelte der Mann, sicherlich kein Vertreter der Kategorie „mit Stil und Klasse“, weiter. Das führte dazu, dass auch die beiden Mitarbeiter sowie später die Chefin und deren Mann (gegen ihn läuft ein gesondertes Verfahren) vor die Tür traten und für Ruhe sorgten. Wie genau dies geschah, blieb etwas diffus.

Am wahrscheinlichsten erschien es, dass der Mann der Bordellbetreiberin dem Opfer mit einem Baseballschläger auf die Beine schlug, das Muskelpaket und der Koch sich auf ihn warfen und noch ein bisschen hinterher schlugen, und schließlich die Betreiberin Pfefferspray einsetzte und half, den am Boden liegenden Chemiearbeiter mit Kabelbinder zu fixieren, bis die Polizei eintraf.

Der Staatsanwalt wertete das robuste Vorgehen als gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung, die drei Angeklagten hingegen erschienen ob der Vorwürfe geradezu fassungslos. „Ich bin Koch von Beruf – und kein Schläger“, sagte K., der zudem wortreich auf eine schwere Erkrankung hinwies, die seine Lebenserwartung stark einschränke. „Ich finde es eine Dreistigkeit, mir so was vorzuhalten. Ich habe einen Blutdruck von 200.“ Dann musste die Verhandlung unterbrochen werden, damit der Angeklagte seinen Blutzuckerwert messen konnte.

Für Marco P., den Sicherheitsmitarbeiter, stellte sich die Situation als eine „kleine Rangelei“ dar – „er mit dem Totschläger, ich mit der Stabtaschenlampe“. Das Gericht allerdings wertete nach der Vernehmung einiger Zeugen die „kleine Rangelei“ als Körperverletzung und verurteilte alle drei wegen Körperverletzung, blieb bei dem Strafmaß allerdings unter den Anträgen der Ankläger.

Der Türsteher erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, der Koch eine von neun Monaten, die beide zur Bewährung ausgesetzt wurden. Ulla O., die sich selbst vor Gericht nur als „kaufmännische Angestellte“ des Betriebs bezeichnete und ihr Monatsgehalt mit 1235 Euro bezifferte (beides nahm ihr das Gericht allerdings nicht ab), wurde zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 100 Euro verurteilt.

Das könnte die Unternehmerin angesichts ihres über lange Jahre boomenden Betriebs verschmerzen. Erst vor drei Jahren hatte die Unternehmerin die Triebfläche des FKK van Goch mehr als verdoppelt, nachdem sie die angrenzende Immobilie des Gocher CDU-Politikers Josef Thonnet erworben hatte.

Allerdings könnte die Verurteilung das Ende ihrer Karriere als Bordellwirtin bedeuten: Das Prostituiertenschutzgesetz verlangt von Bordellbetreibern „Zuverlässigkeit“ – und die ist laut Gesetz nicht gegeben, wenn eine Verurteilung wegen Körperverletzung vorliegt.


Sparkasse Rhein-Maas stellt Geschäftsbetrieb ein

rd | 19. Oktober 2017, 14:41 | 42 Kommentare
Dominantes Rot, wie die sprichwörtlichen Zahlen: der Neubau der Sparkassen-Hauptstelle inmitten von Caldenhoven (Autoteile) und S-Drive (Autolizenzen)

Das SB-Center der Sparkasse am EOC bleibt – die Automaten in Bedburg-Hau, Nütterden, Wissel und in Kleve an der Lindenallee verschwinden

Historische Unmutsäußerung

Schon als die Sparkasse vor zwei Jahren in Rundern ihre Filiale schloss, erklärte Chef von Zoggel den aufgebrachten Bürgern, künftig könne man auch im Supermarkt Geld abheben

Landrat Wolfgang Spreen: „Ich glaube, dass es sich um ein Missverständnis handelt.“

Historische Fusion, im Spiegelturm der Schwanenburg verkündet. Im Zuge technischer Zusammenlegungen wird der Geschäftsbetrieb vom 20.-22. Oktober eingestellt

Wenn ich bei Netto an der Linde Pudding einkaufe, habe ich aufgrund der langen Schlangen reichlich Zeit zu mikroökonomischen Kontemplationen. Eine Beobachtung, die ich in letzter Zeit immer häufiger mache, ist die, dass die Kunden sich von ihrer Bankkarte direkt an der Ladenkasse Geld auszahlen lassen.

Wenn aber Netto im Grunde bereits die Bank ist, wozu dann noch eine Sparkasse?

Die gleichen Überlegungen macht man sich offenbar in der Führungsetage der Sparkasse Rhein-Maas, die gestern einen bemerkenswerten Rückzug aus der Fläche verkündete. Sieben Geldautomaten – im Jargon der Banker „SB-Stellen“ – werden mit Jahresbeginn 2018 geschlossen, davon vier im linksrheinischen Bereich: die Standorte Bedburg-Hau (Baumannshof), Kalkar (Wissel), Kleve (Lindenallee) und Kranenburg (Nütterden). Grob zugespitzt könnte man sagen: Was die moldawischen Spezialkommandos in nächtlicher Akkordarbeit nicht hinbekommen haben, erledigt die Bank jetzt selbst.

Rudi van Zoggel, Chef der Sparkasse Rhein-Maas, schlug in einem Gespräch mit der Rheinischen Post die bemerkenswerte Volte, die Schließungen als einen Zugewinn an Kundenfreundlichkeit zu verkaufen: „Aus unserer Sicht wird unser Service besser – nur an weniger Standorten.“

Vermutlich ist der Schritt wirtschaftlich zwingend nötig, was aber unter Anwendung von Volkshochschulwissen aus dem Bereich der Betriebswirtschaftslehre zu einer betrüblichen Erkenntnis führt: Früher lernte man, dass man die Menschen am besten rausschmeißt, wenn es Maschinen gibt, die die gleiche Arbeit ausführen können. Maschinen werden nie müde, machen keinen Urlaub und gründen keine Gewerkschaften. Bei der Sparkasse ist es nun aber offenbar soweit, dass selbst die Maschinen zu teuer sind. Das sind keine guten Nachrichten. (Von dem ursprünglichen Geschäftsmodell, das Geld etwas teurer zu verleihen als Guthaben zu verzinsen, redet in der Branche offenbar schon lange keiner mehr.)

Insofern ist es vielleicht auch ein Vorbote einer düsteren Zukunft, das die Sparkasse Rhein-Maas im Zuge der so genannten „technischen Fusion“ vom 20. bis zum 22. Oktober den Geschäftsbetrieb nahezu vollständig einstellt. Die Kunden wurden per Flyer informiert, dass es während dieser Zeit „teilweise zu Einschränkungen aller gewohnten technischen Anwendungen (Geldautomat, SB-Terminal, Bezahlterminal im Handel, etc.)“ kommt. Weiter heißt es: „Insbesondere die Einzahlungsfunktion an den Geldautomaten ist nicht gegeben. Sie müssen in dieser Zeit damit rechnen, dass Sie Ihre Sparkassen-Card im In- und Ausland nicht zum Geld abheben oder Einkaufen verwenden können.“ Auch das Online-Banking stehe nicht zur Verfügung.


Kazmierczak: Zu viel Minoritenplatz, in diesem Jahr kein Rückblick von oben herab!

rd | 19. Oktober 2017, 14:09 | 1 Kommentar
Korrespondent und Kabarettist: L. Kazmierczak, am Turm angelehnt

Mach‘ mal Pause: L. Kazmierczak, in Anlehnung an seine Wirkungsstätte

Sein satirischer Jahresrückblick war eine feste Größe im Klever Kulturleben, und die Stadt, in der er lebt, ein nie versiegender Quell für den Blick in menschliche Abgründe. Ludger Kazmierczak war 2013 mit vier Vorstellungen mit dem Titel „Von oben herab“ gestartet. 2017 war das Programm wegen des großen Erfolges bereits auf 18 Vorstellungen erweitertet worden. Doch in diesem Jahr macht Kazmierczak, hauptberuflich WDR-Korrespondent aus Kleve und für die Niederlande, einmal Pause mit seinem kabarettistischen Lokalprogramm – zum ersten Mal seit nunmehr fünf Jahren heißt es um die Jahreswende am Aussichtsturm nicht mehr „Von oben herab“!

Der Grund: Die immer neuen Kapriolen um die ewig gleichen Themen in der Stadt haben in dem Journalisten das Gefühl aufkeimen lassen, sich womöglich zu wiederholen und das äußerst erfolgreiche Modell Jahresrückblick tot zu reiten. Kazmierczak zu kleveblog: „Jedes Jahr ein satirischer Rückblick auf Rathaus, Minoritenplatz und die üblichen Klever Verdächtigen, kann das Publikum meiner Ansicht nach auch ermüden. Eine Pause kann sicher nicht schaden.“

Was aber nicht heißt, dass man ganz auf Kazmierczak auf der Bühne verzichten muss: Der Klever gastiert mittlerweile auf vielen Bühnen im Rheinland, wobei er, wie man so schön sagt, insbesondere unsere netten Nachbarn „aufs Korn nimmt“. Beispielsweise gastiert er am Freitagabend vor über 500 Zuschauern im Kalkarer Schulzentrum. Außerdem tritt er beim WDR-Kabarettfestival in Bocholt auf, beim Issumer Kleinkunstabend sowie in Goch-Kessel im Rahmen der Reihe „Hart an der Grenze“.

Ob es 2018 wieder im Aussichtsturm zur Sache geht, steht jetzt noch nicht fest. Kazmierczak: „Ich kann mir gut vorstellen, dass es im kommenden Jahr wieder einen Jahresrückblick geben wird. Das werde ich aber erst gegen Ende des Sommers/Anfang Herbst entscheiden. Mal abwarten, was Kleve 2018 so alles bringt.“

So gesehen, stehen die Chancen gut.


Wiesenstraße: Ich spüre schon… es wirkt

rd | 19. Oktober 2017, 13:49 | 6 Kommentare
Deutlich erkennbar: Baufortschritt

Deutlich erkennbar: Baufortschritt

Wenn man trotz 1a-Gute-Laune-Wetters auf dem Weg vom heimischen Schreibtisch zum Eiscafé Cortina an der Hoffmannallee dreimal von Autofahrern beinahe über den Haufen gefahren wird, ist das vielleicht ein Muster. Die Klever Autofahrer sind mit den Nerven am Ende. Aber am Ende dieses neuronalen Tunnels scheint ein kleines Licht: Die Baustelle an der Wiesenstraße macht große Fortschritte, die Verbreiterung der Straße ist schon deutlich erkennbar. Womöglich kann zumindest die prognostizierte Bauzeit (drei Wochen, davon sind knapp zwei um) eingehalten werden. Ein Traum!


Asterix und der Kleefse Jong

rd | 18. Oktober 2017, 10:37 | 2 Kommentare
Klaus Jöken am Computer: „Die Sprache einer Asterix-Geschichte muss zeitlos sein. Ein Leser soll den Text auch in 40 Jahren noch zur Hand nehmen und darüber lachen, ohne dass ihm etwas altertümlich vorkommt“ (Foto: privat)

Klaus Jöken am Computer: „Die Sprache einer Asterix-Geschichte muss zeitlos sein. Ein Leser soll den Text auch in 40 Jahren noch zur Hand nehmen und darüber lachen, ohne dass ihm etwas altertümlich vorkommt“ (Foto: privat)

Selten hat eine Geschichte im Stadtmagazin Der KLEVER so viel Echo in den Medien hervorgerufen wie die von Klaus Jöken, dem aus Kleve stammenden Mann, der seit 13 Jahren für die Übertragung der Asterix-Comics ins Deutsche verantwortlich ist. Selbst die Welt am Sonntag veröffentlichte eine Geschichte, und heute ist Klaus Jöken in Kleve beim WDR an der Hoffmannallee, ein Termin, zu dem sich auch die Rheinische Post angesagt hat. Da sollen die geneigten Leser unseres kleinen Internetangebots natürlich nicht hintanstehen – hier also (in behutsam gekürzter Version) die schöne Geschichte von Rolf Langenhuisen aus dem Magazin:

Asterix und der Kleefse Jong

Morgen erscheint – in mehr als 20 Sprachen gleichzeitig und mit einer Startauflage von vier Millionen Exemplaren – ein neues Abenteuer des gallischen Helden Asterix. Titel: „Asterix in Italien“. Den Text hat ein Übersetzer aus Kleve geschrieben: Klaus Jöken (58) ist seit 2004 für die Übertragung der weltbekannten Bildergeschichten ins Deutsche verantwortlich. Niemand kennt Majestix, Obelix und die anderen unbeugsamen Gallier so gut wie der Kleefse Jong, der 1978 am Konrad-Adenauer-Gymnasium Abitur gemacht hat. Beim Teutates!

Wie ihn die Liebe nach Frankreich lockte

Aufgewachsen ist Klaus Jöken in der Spyckstraße in Kleve, wo sein Vater mit Heizöl und Schmieröl handelte. Nach dem Abi (Leistungsfächer: Biologie und Geschichte) hat er in Köln Geschichte studiert. Dass er einmal als Übersetzer in Frankreich landen würde, hätte er sich nicht träumen lassen. „Ich hatte noch nicht mal Französisch auf dem Gymnasium“, erzählt er.

Aber dann, im Urlaub 1982, traf er in Kopenhagen auf Mademoiselle Annick. Es war Liebe auf den ersten Blick. Annick, anderthalb Jahre älter als er, sprach perfekt Deutsch und arbeitete als junge Lehrerin im Zentralmassiv. „Ich hab sie besucht, immer wieder, und bin 1988 geblieben“, sagt ihr Ehemann. Die französische Sprache hat er sich selbst beigebracht – mit der Unterstützung von Annick und mit Hilfe von Comics.

Klaus Jöken vor dem Maison Thierry de Clèves, einem schmucken Fachwerkhaus in seiner Wahlheimat Moulins (Foto: privat)

Klaus Jöken vor dem Maison Thierry de Clèves, einem schmucken Fachwerkhaus in seiner Wahlheimat Moulins (Foto: privat)

Warum er Übersetzer wurde

„Ich saß in der Abgeschiedenheit des Zentralmassivs und musste mir eine Arbeit suchen“, erzählt der Niederrheiner. Er bot einem Kölner Spezialbuchladen an, französische Comics ins Deutsche zu übersetzen. „Tatsächlich wurde ein Band gedruckt. Mit dem in der Hand habe ich mich dann auf Comic-Messen bei anderen Verlagen beworben“, berichtet Jöken: „Ich bin klein angefangen und habe mich Stück für Stück hochgearbeitet.“

Längst gilt Klaus Jöken, der in der Stadt Moulins in der Auvergne lebt, als Spezialist für franko-belgische Bildergeschichten. Rund 450 Comics hat er übersetzt, darunter die Erlebnisse des Militärpiloten „Buck Danny“, des hinterlistigen Großwesirs „Isnogud“ oder des hilfsbereiten Kobolds „Bizu“. Seit 1995 ist der Mann aus Kleve zudem für die deutsche Version von „Lucky Luke“ zuständig. Der einsame Cowboy, der im Wilden Westen für Recht und Ordnung sorgt, kam 1946 durch den belgischen Zeichner Morris in die Welt – ein Klassiker, von dem allein in Deutschland mehr als 30 Millionen Alben verkauft wurden.

Wie er mit den Sprechblasen kämpft

„Natürlich muss man selbst gerne Comics lesen, um sie gut zu übersetzen“, erzählt Klaus Jöken dem kleveblog. Der Klever liebt die Comic-Kultur in Frankreich, wo die Bildergeschichten als Kunstgattung anerkannt sind: „Ich bin auf französische Comics gepolt. Am liebsten lese ich Fantasy-Geschichten wie ‚Troll von Troy‘ und solche Sachen.“

Die Wechselwirkung von Bild und Sprache fordert einen Autor besonders heraus, weil der Text mit den Zeichnungen eine Einheit bilden muss. „Beim Comic habe ich es vor allem mit Dialogen zu tun“, erklärt Klaus Jöken. Diese dürfe er nicht Wort für Wort übersetzen, sondern er müsse fragen: Was würde ein Deutscher jetzt sagen? Dass deutsche Worte länger sind als französische, kommt erschwerend hinzu. „Eine Übersetzung aus dem Französischen ergibt 20 Prozent mehr Text“, so Jöken. Bei einem Roman kein Problem: „Aber beim Comic muss der Text immer in die gezeichnete Sprechblase passen.“

Worauf es bei Asterix ankommt

Als der Comic-Konzern Egmont Ehapa 2004 einen neuen Übersetzer für die Asterix-Reihe suchte, setzte sich Jöken gegen mehrere Bewerber durch. Mit Band 33 („Gallien in Gefahr“) betrat der Mann aus Germanien 2005 das kleine, von vier römischen Lagern umzingelte Dorf. Der zuletzt erschienene Band Nr. 36 („Der Papyrus des Cäsar“) fand 2015 bei Lesern und Kritikern hohes Lob – besonders auch die Arbeit von Klaus Jöken, seine Ideen und sein Humor.

Asterix darf man nicht übersetzen, man muss ihn adaptieren – so lautet die Philosophie des Klever Comic-Experten. Die Texte des Originals stecken voller Verweise und Wortspiele, die sich nicht direkt übertragen lassen. Denn Personen, Kunstwerke oder Lieder, die in Frankreich jedem Kind ein Begriff sind, kennt in Deutschland mitunter kein Mensch. Hier Entsprechungen zu finden, ist die eigentliche Leistung. „In Asterix wimmelt es von Gags, die aber meistens in einer anderen Sprache nicht lustig sind oder keinen Sinn ergeben“, erläutert Jöken: „Deshalb muss ich sie durch andere Gags ersetzen. Die Autoren vertrauen mir, geben mir alle Freiheiten.“ Als einen spaßigen Job empfindet er das nicht: „Ein Witz kann harte Anstrengung sein. Es kommt vor, dass ich zwei Tage lang über einen Satz grüble.“

Was eine gute Übersetzung ausmacht

„Ich lege die Asterix-Abenteuer so an, dass ein Achtjähriger die Geschichte liest und darüber lacht. Dass er mit 18 das Heft noch einmal in die Hand nimmt, neue Details erkennt und Spaß daran hat“, erklärt der Fachmann, „und dass auch der 60jährige Professor versteckte Anspielungen findet, die ihn amüsieren.“ Der gleiche Text muss unterschiedlichste Zielgruppen gut unterhalten. Für den Übersetzer ein echter Spagat.

Klaus Jöken weiß, was eine gute Geschichte ausmacht. „Natürlich würde es mich reizen, selbst zu schreiben. Aber bislang hatte ich dafür keine Zeit“, überlegt er. Lieber noch als einen Roman würde er ein Sachbuch über Asterix verfassen – über Autoren und Hintergründe, kulturelle Zusammenhänge und die Charaktere des Comics. „Ein solches Buch nehme ich mir für meinen Ruhestand vor.“ Den Barden Troubadix übrigens nennt Jöken als seine Lieblingsfigur. „Er ist ein Intellektueller. Ein Künstler, der stets scheitert, es aber dennoch immer wieder versucht. Diese Einstellung gefällt mir: Man muss an sich glauben – egal, was die anderen sagen.“

Warum ein neuer Band ein „Geheimnis“ ist

„Bei einer 40-Stunden-Woche würde ich für einen neuen Asterix-Band vier Monate brauchen, um ihn stressfrei zu übersetzen“, erzählt Klaus Jöken. Tatsächlich steht ihm nur die Hälfte der Zeit zur Verfügung: zwei Monate, in denen er sich im heimischen Arbeitszimmer abkapselt. Mit Wörterbüchern, lateinischen Zitate-Sammlungen und einem Stapel eigener Unterlagen taucht er in das Asterix-Universum ein. „Manchmal arbeite ich drei Tage durch und schlafe dann 14 Stunden am Stück. Mitunter stellt meine Frau abends um sechs ein Frühstück für mich bereit.“

Selbst seiner Familie – Sohn Adrian ist 19 und Ingenieursstudent – darf der Texter über den Inhalt der Neuerscheinung nichts erzählen. Zeichnungen und Notizen dürfen das Büro nicht verlassen. Und: Der Übersetzer muss an einem Computer ohne Internet-Zugang schreiben („Damit keiner mich anzapfen und ich nichts verschicken kann…“). Die Vorschriften zur Vertraulichkeit sind von Jahr zu Jahr strenger geworden. „Der Verlag will sich so gegen unautorisierte Veröffentlichungen schützen“, erklärt Klaus Jöken. Der wirtschaftliche Schaden nämlich wäre immens. Asterix ist der größte belletristische Exporterfolg der Grande Nation: Weltweit wurden bislang 350 Millionen Bände verkauft, davon 138 Millionen in Frankreich und 126 Millionen in Deutschland. In Deutschland geht „Asterix in Italien“ morgen mit knapp zwei Millionen Exemplaren an den Start.

Wovor sich der Germane fürchtet

Rund um die Frankfurter Buchmesse absolviert Jöken derzeit PR-Termine und Interviews, um die Asterix-Neuerscheinung zu promoten. Er registriert mit Freude, dass die Wertschätzung für die Leistung der Übersetzer gewachsen ist. „Unser Verband setzt sich zu Recht dafür ein, dass auch der Name des Übersetzers auf einem Titel genannt wird“, meint er: „Wer ein Buch kauft, kauft ja nicht nur den Autor, sondern auch den Übersetzer.“ Jöken selbst übersetzt nicht nur Comics, sondern auch Romane, Sachbücher und Biographien ins Deutsche.

Die Abenteuer des pfiffigen Galliers sind bislang in 110 Sprachen und Dialekte übersetzt worden. Es gibt den Comic auf Hessisch („Asterix un de Zottelbock“), Moselfränkisch („Em Cäsar saa Kränzie“) oder Kölsch („Asterix un dat Cleo“), nur nicht auf Kleefs Platt. Klaus Jöken hat bereits einen Vorstoß unternommen, aber der Verlag winkte ab: Die potenzielle Käuferzahl sei zu klein. Aber: Das Projekt eines Klever Mundart-Asterix hat Jöken ebenfalls für die Zeit des Ruhestands auf Wiedervorlage gelegt.

Ideen und Pläne eines Kreativen. Eigentlich fürchtet Klaus Jöken nur eins: Dass ihm der Himmel auf den Kopf fallen könnte! Doch wie er selbst sagt: „Es ist noch nicht aller Tage Abend.“


Manchmal muss süß mit 3 Ü geschrieben werden

rd | 18. Oktober 2017, 10:22 | 1 Kommentar
Ein Kalbtraum, am Drususdeich

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Ganz die Mutter!

Ganz die Mutter!

Niederrheinstier (19.10. 20:38):

Mmuuuuh, mmuuuuuuuh, mmuuuuuhhh!!!

...


Letztes Frühstück

rd | 15. Oktober 2017, 14:51 | keine Kommentare
Honigkomplex

Honigkomplex


Goldener Tagesanbruch

rd | 15. Oktober 2017, 14:35 | 1 Kommentar
Schon heute an morgen denken: Bäume bei Burg Ranzow im Licht der aufgehenden Sonne (Foto: Thorsten Rintelen)

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Runder Tisch des Klever Handels: Eine „Vollkatastrophe“ hinter sich lassen, Liebe und Visionen suchen

rd | 12. Oktober 2017, 16:30 | 70 Kommentare
Blick in Richtung Zukunft: der Klever Einzelhandel

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Sammelte Ideen und Visionen: Kaufhof-Geschäftsführerin Astrid Vogell

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Michael Kotters: „Man sollte auch mal über die Grenze schauen“

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Engagierte Diskussion – von Weihnachtsmarkt bis Parkplatzsituation

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Sigrun Hintzen (Buchhandlung Hintzen): „Zusammen an den Hausaufgaben arbeiten“

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Saturn-Geschäftsführer Max Ingo Festing: „Wir müssen uns committen“

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KCN-Vorstand Christoph Dammers: „Wir sind angetreten, Kleve als Marke zu entwickeln“

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Bäcker Walther Heicks: „Die Stadt muss den Hut aufhaben“

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Wirtschaftsförderer Dr. Joachim Rasch: Welche Rolle spielt die Stadt?

Wirtschaftsförderer Dr. Joachim Rasch: Welche Rolle spielt die Stadt?

Die Atmosphäre mutete ein wenig an wie auf den Fluren des Familiengerichts, wenn Ehepartner auf den Scheidungstermin warten, und, kurz bevor ihre Sache aufgerufen wird, nach langer Zerrüttung feststellen, dass sie eigentlich doch ganz vernünftig miteinander reden können. So war es, als das Klever City Netzwerk (KCN) nach Jahren der Agonie die Händler zu einem Runden Tisch ins Restaurant Schwanenstuben in die Stadthalle geladen hatte. Knapp 50 Geschäftsleute kamen, so viel wie seit Jahren nicht mehr, sie diskutierten so engagiert wie seit Jahren nicht mehr, und sie mussten sich dennoch anhören, dass der aktuelle Vorstand gewillt ist, das KCN zu Grabe zu tragen.

Warum, das erläuterte Intersport-Geschäftsführer Christoph Dammers, Sprecher des fünfköpfigen KCN-Vorstands, zu Beginn und zum Abschluss der Veranstaltung. „Unser Verein ist zu schwach – an Mitgliedern, Beiträgen und Engagement“, sagte er. Derzeit lebe der Verein von den Reserven, und allein für die Veranstaltung der verkaufsoffenen Sonntage seien aufgrund der neuen Rechtslage so viele Mittel nötig, „die der Verein schlichtweg nicht hat“.

Am Ende des Abends fiel die Wortwahl noch etwas drastischer aus. „Wir wollen weitermachen, das steht fest. Wir wollen Kleve als Marke entwickeln, damit sind wir angetreten. Mit dem Klever City Netzwerk geht das nicht. Die Motivation ist, etwas Neues entstehen zu lassen. Der aktuelle Zustand des KCN ist von vorne bis hinten eine Vollkatastrophe.“ 100 Mitglieder hat der Verein, die Arbeit wird im wesentlichen von einer guten Handvoll Frauen und Männern erledigt.

Doch das Verblüffende an diesem Abend war nicht die Rahmenhandlung des offenbar unvermeidlichen Untergangs, sondern die Aufbruchstimmung in den zwei Stunden dazwischen. Behutsam moderiert von Astrid Vogell, Geschäftsführerin des Kaufhofs, und im Beisein von Dr. Joachim Rasch, Geschäftsführer der neuen städtischen Gesellschaft WTM (Wirtschaftsförderung, Tourismus, Marketing), entwickelten die Kaufleute eine Fülle von Ideen, wo der Hebel angesetzt werden muss, um Kleve als Einkaufsstadt attraktiv zu halten.

Den Auftakt machte Sigrun Hintzen (Buchhandlung Hintzen), die aus der Haushaltssatzung der Stadt zitierte. Darin heißt es, dass die Stadt die regionale und überregionale Entwicklung von Kleve als Einkaufsstadt fördere. Hintzen folgerte daraus: „Das [Kleve] Marketing hat den Hut auf, und wir Händler beraten. Das sollte die Grundlage sein.“

Sollte? Das Verhältnis zwischen Handel und Stadt ist schwierig, das wurde schnell klar, insbesondere wenn von Geschäftsleuten wie Lothar Quartier, die in mehreren Städten aktiv sind, der Vergleich mit anderen Kommunen gezogen wurde („In Goch wird nicht lange geredet, da wird einfach gehandelt“ – „In Kevelaer wurde ein Ratsbeschluss innerhalb von zwei Wochen geändert, nachdem Händler eine geplante Pflasterung kritisiert hatten“).

In der Diskussion wurde die unübersichtliche Parkplatzsituation in Kleve bemängelt, dann die späte Ankündigung von Baustellen und natürlich poppte auch der Klassiker vom Weihnachtsmarkt auf. Barbara Pauls (GastHaus) forderte einen Weihnachtsmarkt in der Innenstadt. Ein Händler sagte, er habe den Eindruck gewonnen, dass „die Klever ihre Stadt nicht mögen“. Und Jürgen Vrede (Modehaus Vrede) forderte: „Wir müssen unsere Stadt lieben.“ Max Ingo Festing, Geschäftsführer des Saturn-Marktes in der Neuen Mitte, wollte wissen, wie genau die Stadt sich vermarktet: „Wo promotet das Stadtmarketing die Stadt, was geschieht da konkret?“ Der so angesprochene WTM-Geschäftsführer Rasch sagte erst einmal nichts, verwies aber später auf eine Präsentation, in der Einzelheiten stünden.

Die Stadt lebe nicht vom Handel allein, hieß es. Insbesondere vor dem Hintergrund des digitalen Wandels – in den Niederlanden liege der Anteil des elektronischen Handels bereits bei vierzig Prozent – gehe es darum, eine kontinuierliche Urbanität in Kleve zu erreichen. Sigrun Hintzen: „Wir müssen größer denken als nur an vier Sonntagen im Jahr 10.000 Leute in die Stadt zu holen.“ Auch Hendrik Scholten (Marien-Apotheke) forderte angesichts immer größer werdender Herausforderungen „neue Gedanken“.

Die Frage, die an diesem Abend nicht beantwortet werden konnte, war, inwieweit die Stadt sich da tatsächlich in die Pflicht nehmen lässt. Astrid Vogell hatte beispielsweise aus einigen Gesprächen den Eindruck mitgenommen, dass in der Verwaltung die Ansicht herrsche, Kleve sei nicht so wie die anderen Städte. Kleve, eine Insel der Seligen? Unbehelligt vom digitalen Wandel? Wohl kaum.

Zweites großes Thema des spannenden Abends war die Frage, wie die Geschäftsleute sich zukünftig selbst organisieren möchten, sobald das KCN zu Grabe getragen worden ist. Die Absicht, den Verein zum Jahresende aufzulösen, schien zementiert. Eine Anregung war, die Straßengemeinschaften wiederzubeleben und daraus wie früher eine Art Präsidium („Vereinigte Klever Straßengemeinschaften“) zu bilden. Max Ingo Festing schlug eine grundsätzlich andere Richtung vor: „Ein Verein ist nicht mehr zeitgemäß. Ich sehe eine GmbH oder eine andere Gesellschaftsform, mit der wir der Stadtverwaltung auf Augenhöhe gegenübertreten können.“ Das stieß nicht auf ungeteilte Zustimmung: „Jeder Euro sollte in den Zweck fließen“, so Sigrun Hintzen. Anke Haun, die Vertreterin des City-Managements, brachte noch eine Interessen- und Standort-Gemeinschaft ins Spiel, bei der auch die Immobilienbesitzer einbezogen werden könnten. Eine vierte mögliche Spielart war ein Beirat des Handels, der dem Marketing der Stadt beratend zur Seite steht.

Ein Gremium soll jetzt die Denkanstöße zusammenfassen und sowohl der Politik wie auch der Verwaltung vorstellen. „Wir bestehen darauf, dass wir zusammen an den Hausaufgaben arbeiten“, so Sigrun Hintzen. Joachim Rasch empfahl der Runde, ihre Begehren durchaus offensiv und konkret zu vertreten. „Es ist noch Geld da“, so Rasch – eine Information, die für Verblüffung sorgte.


Landgericht: 10 Einbrüche, 3 Lebensläufe, 7 Alibis

rd | 12. Oktober 2017, 14:51 | keine Kommentare
Wirtschaftsstrafkammer: Interessante Einblicke in ein Geschäftsgeschäftsmodell

Erst Türen hergestellt, dann aufgebohrt – Biographiearbeit im Einbruchsprozess

(Von unserem Gerichtsreporter) Die drei Angeklagten sind 24, 25 und 27 Jahre alt. Zehn Einbrüche sollen sie im Dezember 2016 begangen oder zumindest versucht haben, in Kellen, Bedburg-Hau und Kleve. Mal sollen sie einen Fernseher erbeutet haben, mal Bargeld, mal Schmuck. Die Handschrift der Täter war immer die gleiche: Es wurden Löcher in die Türen gebohrt, dann konnte mit einem Draht der Griff betätigt werden. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Kleve erzählten die drei Männer, wie ihr Leben verlief.

Der Vorsitzende Richter Ruby befragt den Angeklagten Albaner H., wie er aufgewachsen sei. H., gedolmetscht, antwortet: „Ich bin ohne Vater aufgewachsen.“. Der Angeklagte erzählt, dass er acht Jahre zur Schule gegangen sei, und dann fünf Jahre als Wächter in einer Zementfabrik gearbeitet habe. Mit dem Regierungswechsel in seiner Heimat sei er im Juli 2015 nach Deutschland gekommen. Er erzählt weiter, dass er in Deutschland einen Asylantrag gestellt habe, er aber leider nicht arbeiten durfte, was ihn dann dazu bewogen hätte, zurück nach Albanien zu gehen. Der Vorsitzende Richter fragt: „Wo haben Sie zuletzt gewohnt“. Der Angeklagte H. antwortet: „In Wuppertal, nachts habe ich in einem Heim übernachten können.“ Der Vorsitzende Richter fragt: „Haben sie Drogen konsumiert?“ Der Angeklagte H.: „Bis vor einem Monat vor der Haft habe ich Kokain und Haschisch konsumiert, aber nur in kleinen Mengen.“

Anschießend befragt der Vorsitzende Richter den zweiten Angeklagten B. Er erzählt, dass er eine Schwester und einen Bruder habe und dass er schon als Kind habe arbeiten müssen, weil sein Vater Invalide gewesen sei. Was er nach der Schulzeit gemacht habe, will das Gericht wissen. B. sagt: „Ich habe 4 bis 5 Jahre in einer Holzfabrik gearbeitet, die Fenster und Türen hergestellt hat.“ Als die Firma keine Arbeit mehr hatte, wechselte B. ins Baugewerbe. Erste Station von B. in Deutschland war Dortmund, dann ging es weiter nach Kleve, wo er in einem Heim übernachtet habe. Zu seinen finanziellen Verhältnissen befragt, antwortet B.: „Ich habe 5000 Euro Schulden bei verschiedenen Personen. Diese sind entstanden, weil ich für meinen invaliden Vater Medikamente kaufen musste.“ Der Angeklagte weist darauf hin, dass 5000 Euro in Albanien sehr viel Geld sei, weil die Leute ein kleineres Gehalt hätten als hier in Deutschland. Vorbestraft sei er nicht.

Der dritte Angeklagte, D., berichtet von einer achtjährigen Schulzeit sowie Jobs als Kellner, an einer Tankstelle sowie auf dem Bau. Dann sei es Anfang 2016 nach Deutschland gegangen, und zwar nach Hannover. Dort habe er einen Asylantrag gestellt, der jedoch abgelehnt worden wäre. Daraufhin sei er über Dortmund nach Kleve gozogen. D. erzählt: „In Kleve habe ich mich immer auf der Stadionstraße aufgehalten.“

Zur Sache möchte D. sich nicht äußern, B. hingegen gesteht eine Beteiligung an allen zehn Taten – H. wiederum nur die an den ersten beiden Delikten. Seine Rechtsanwältin erläutert, dass Ihr Mandant an den anderen Taten nicht beteiligt sein könne, weil er zu den Tatzeitpunkten bei Schwarzfahren ertappt worden sei – zweimal in Nieukerk und einmal in Düsseldorf. Die Nordwestbahn habe drei Strafanträge gegen ihren Mandanten gestellt.


Radschnellweg vs. Wiesenstraße: Ampel des Grauens

rd | 11. Oktober 2017, 17:50 | 21 Kommentare
Zwei Sorten Feierabend: Firma Loock, Autofahrer im Stau

Zwei Sorten Feierabend: Firma Loock, Autofahrer im Stau

Dieses Angebot steht gemeinhin nicht im Ruf, als Advokat des Autofahrers unterwegs zu sein. Aber: Was zu viel ist, ist zu viel!

Zu viel ist in diesem Fall auch nicht die Baustelle an der Wiesenstraße selbst. Die Idee, für den Radschnellweg Kleve-Nimwegen an der vielbefahrenen Strecke eine Verkehrsinsel einzuplanen, damit es den Radfahrern leichter fällt, die Straße zu queren, ist vernünftig. Man will als Radfahrer ja nicht gleich nach zweihundert Metern tot auf dem Asphalt liegen.

Zu viel ist jedoch die Art und Weise, wie dieses Bauvorhaben umgesetzt wird. Die Firma Loock, die sich dankenswerterweise bereit erklärt hat, die wie so vieles andere in dieser Stadt auch diese Strecke zu bauen, hat die Hauptverkehrsstraße seit Montag in ein Nadelöhr verwandelt – einspurige Verkehrsführung, inklusive einer Behelfsampel.

Wer sich beispielsweise am heutigen Mittwoch um 16:40 Uhr aufmacht, um die Situation zu erkunden, erblickt zwei Sorten von Feierabend – den einen, zu dem sich die Mitarbeiter der Firma Loock bereits rechtzeitig aufgemacht haben, und den anderen, den unzählige Autofahrer aufgrund der dilettantischen Verkehrsführung in einer Schlange verbringen, die gefühlt bis zu Emmericher Rheinbrücke reicht. Chapeau!

Noch verblüffender wird das kleine Projekt – ein paar Quadratmeter Verkehrsinsel und die dafür nötige Straßenverbreiterung –, wenn man sich näher mit der geplanten Dauer beschäftigt. Vor einigen Monaten war auf dieser Seite kurzzeitig das Video einer Autobahnbaustelle aus den Niederlanden zu sehen. Wenn ich mich recht entsinne, wurde eine sechsspurige Autobahn binnen eines Wochenendes komplett untertunnelt, selbst sintflutartige Regenfälle konnten die Arbeiten nicht aufhalten.

Kleve hingegen veranschlagt für den Bau nicht nur 72 Stunden, und auch nicht nur eine Woche. In einer Pressemitteilung spricht die Stadt von „voraussichtlich drei Wochen“. Drei! Wochen! Für eine Querungsinsel. Und auch nur „voraussichtlich“!


Klever Facebook-Gruppen im Überblick

rd | 10. Oktober 2017, 14:37 | 12 Kommentare
Fenster zur Welt: Kleve-Gruppen auf Facebook

Fenster zur Welt: Kleve-Gruppen auf Facebook

Früher gab es zwei Lokalzeitungen, heute tummeln sich die Leser und Schauer in den Kleve-Gruppen auf Facebook. Doch da gibt es mittlerweile so viele, dass man glatt den Überblick verlieren kann. Deshalb hier, als Superservice für die geneigte Leserschaft, eine Auflistung der wichtigsten – inklusive einfühlsamer Bewertung der Redaktion:

Kleve – wie es war und ist

Mitglieder: 2654

Aktuellster Beitrag: Baustellen-Ampel von Loock an der Wiesenstraße

Themenmischung: ein bisschen Krieg, ein bisschen Idyll, ein bisschen Nachkrieg, ein bisschen Baustellenwesen

Typischer Nutzerwunsch: „Moin, kennt jemand den Kunstmaler Jupp van Offern? Hat jemand Gemälde von ihm?“

Empfehlung: auf jeden Fall ab und zu reinschauen, wenn einen die Sehnsucht nach den 70-ern, 60-ern, 50-ern usw. überkommt

*

KLEVE – anno dazumal

Mitglieder: 3896

Aktuellster Beitrag: Reparatur einer Straßenbahn-Oberleitung in Kellen (ca. 1960)

Themenmischung: bloß nichts Aktuelles, je schwarz-weißer, desto besser.

Typischer Nutzerwunsch: „Hat hier irgendjemand noch Bilder aus ca. 1970 von der Kavarinerstr. 42?“

Empfehlung: die goldenen Zeiten der Erinnerung. Für Menschen, die fast komplett weg sind aus dem Hier & Jetzt

*

Du kommst aus Kleve, wenn…

Mitglieder: 11813

Aktuellster Beitrag: „… uns heute endlich mal wieder am Morgen die Sonne lacht.Ich weiß auch warum, denn heute ist Welthundetag und da scheint natürlich die Sonne, denn wer ist der beste Freund des Menschen ,natürlich der Hund und alle andere wundervollen Tiere auf der Welt.Da sie uns jeden Tag versüßen, bekommen sie an ihrem Ehrentag natürlich auch Sonnenschein.Also verwöhnt eure Lieblinge ordentlich und bitte nicht nur heute,sie sind das Beste was uns passieren kann.Also bei bis zu 15 Grad und Sonne können wir mal eine extra große Gassirunde drehen oder andere Dinge im Freien erledigen.Kommt alle zufrieden und halbwegs fit durch den Dienstag.Dies wünscht euch eure Wetterfee“ (SIC!)

Themenmischung: überfahrene Katzen, Herbstidyll, überfahrene Katzen

Typischer Nutzerwunsch: „Wo kann ich günstig hier in Kleve meine Lash Extensions auffüllen lassen ?“ (5 Antworten, davon zweimal Marie Wolters, einmal Beautystudio Divine und einmal Christine Tadaszak, die aber im Moment keine Neukunden aufnehmen kann)

Empfehlung: Die große Mitgliederzahl scheint auf eine große Reichweite hinzudeuten, allerdings scheinen 90 Prozent der User die Seite mittlerweile aus ihrer Tagesdosis Facebook entfernt zu haben

*

Blaulicht-Report KLEVE

Mitglieder: 33844 Abonnenten

Aktuellster Beitrag: „Aufbruch eines Zigarettenautomaten / 34-jähriger Tatverdächtiger vorläufig festgenommen“

Themenmischung: Brände, Morde, Blechschäden – alles, wo irgendwie ein Blaulicht in der Nähe zu sehen sein könnte. Die Redaktion selbst schreibt: „Die Blaulicht-Report Kleve Redaktion nimmt rund um die Uhr, 7 Tage die Woche, Einsatzmeldungen von aufmerksamen Bürgern und Hilfsorganisationen entgegen. Egal, ob Unfall, Feuer, Razzia, SEK-Einsatz, Straßensperrungen oder Kapitalverbrechen. Viel Blaulicht und Beamte verheißt meist nichts gutes. Wir sind Ihnen sehr dankbar, wenn Sie sich schnellstmöglich bei uns melden könnten ! So können wir innerhalb von kurzer Zeit vor Ort sein.“ Und eine Klick-Galerie mit den Fotos ins Netz stellen, sollte man ergänzen.

Typischer Nutzerwunsch: Empathie à la: „die armen Hühner“

Empfehlung: Solange die anderen verunglücken oder erschlagen werden, scheint sich das Angebot großer Beliebtheit zu erfreuen.

*

Neues aus Kleve

Mitglieder: 2228

Aktuellster Beitrag: „Ulrike Folkerts, bekannt als Tatort–Kommissarin Lena Odenthal, kommt am 10.11.2017 mit einer besonderen Veranstaltung nach Kleve!“

Themenmischung: im Wesentlichen Veranstaltungshinweise und Bildergalerien zurückliegender Veranstaltungen (von Charly Stoffels)

Typischer Nutzerwunsch: keine Interaktion erkennbar

Empfehlung: Wenn man sich überlegt: „Eigentlich hätte ich mal wieder Lust, Ulrike Folkerts zu sehen“ – dann ist man dort richtig.


200 Jahre Freiherr-vom-Stein-Gymnasium: Wo ist Waldo?

rd | 08. Oktober 2017, 13:17 | 17 Kommentare
„… und was machst du jetzt so?“

„… und was machst du jetzt so?“

Auf diesem Bild unter anderem zu sehen: ein bekannter CDU-Kommunalpolitiker, ein Staatsanwalt, ein sehr guter Basketballspieler (nein, nicht A. Kacar (Nr. 12)), eine Bankerin, ein Zahnarzt, ein Psychologe – alles ehemalige Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, die den 200. Jahrestag der Gründung ihrer Schule zum Anlass nahmen, die Stätte ihres alten Wirkens und ihrer alten Umtriebe noch einmal aufzusuchen. Von den (ehemaligen) Lehrern unter anderem: Hans Welbers, Wilhelm Diedenhofen, Joachim Marx, Kurt Stynen. Friedhelm Ständer war auch da, Klaus Riße und Walter Froleyks ließen sich den Spaß ebenfalls nicht nehmen, ihre einstigen Schützlinge und Objekte pädagogischer Intensivbetreuung in Augenschein zu nehmen. Die meisten sind ja was geworden! Und viele hatten sich überhaupt nicht verändert! Ein Abend, so schön und trubelig wie eine Regenpause* – nur mit dem Unterschied, dass im Forum Bier ausgeschenkt wurde.

* Regenpause, damit wurde früher eine der beiden großen Pausen bezeichnet, sobald es regnete (oder sonstwie unwirtlich war). Dann durften die Schüler die Pause im Forum verbringen. An allen anderen Tagen mussten sie das Schulgebäude verlassen. An beiden Eingängen musste jeweils ein Lehrer stehen, um zu verhindern, dass Schüler in der Zeit das Schulgebäude betreten. Die Ergänzung habe ich vorgenommen, weil sich heute in einem Gespräch mit Direktor Bleisteiner herausstellte, dass dieser zunächst gar nicht wusste, was gemeint war. The times, they are a-changing.


Prinz-Moritz-Weg: Sollte er nicht längst fertig sein? Und sind umgestürzte Bäume egal?

rd | 06. Oktober 2017, 17:07 | 9 Kommentare
Enger Hals, von der Fa. Siebers neu definiert

Enger Hals, von der Fa. Siebers neu definiert

Wanderer, kommst du nach Kleve!

OK, die Redaktion gesteht, sie hat großzügig aufgestellte Verbotsschilder, so ein Fußgänger mit einem roten Kreis drum, einfach ignoriert und ist losgestapft, aber man kennt das ja von Autobahnen, wo auch immer vergessen wird, die Tempolimitschilder zu demontieren, selbst wenn der Rollsplitt schon drei Monate vorher verteilt worden ist.

Also nichts wie rauf auf eine der schönsten Wanderstrecken unserer Stadt, auf den Prinz-Moritz-Weg am Kermisdahl entlang. Zwei Trillionen pittoreske Fotos wurden bisher vom engen Hals in Richtung Schwanenburg geschossen, doch diese Serie endete Anfang Mai.

Bekanntlich hatte sich nördlich der Regenwasserkaskade ein Erdrutsch ereignet, Hunderte Kubikmeter Sand hatten sich in den Flussarm ergossen und diesen fast zugeschüttet. Mitte Juni besuchte kleveblog die Baustelle und erfuhr, dass die Bauarbeiten in zwei Wochen abgeschlossen sein sollten. Das wäre, grob gerechnet, Ende Juni gewesen.

In der Zwischenzeit: Juli, August, September, sechs Tage Oktober.

Da sollte man doch wieder locker bis zu Uedemer Straße gelangen können. Denkt der Idealist. Die trübe Wirklichkeit sieht anders aus: Die Kaskade ist immer noch eine Baustelle, von einer baldigen Fertigstellung keine Spur! Man gelangt aber auf die andere Seite, dies sei allerdings Menschen mit Sehnenverletzungen und ähnlichen Schädigungen nicht unbedingt empfohlen – zumal einige hundert Meter weiter das nächste Hindernis auf den Spaziergänger wartet, ein umgestürzten Baum, der vermutlich nur deshalb nicht beiseite geräumt wird, weil die Bauarbeiten an der Kaskade ohnehin noch nicht abgeschlossen sind. Allerdings müssen die Bauarbeiten ja auch nicht abgeschlossen werden, weil die Strecke wegen des umgestürzten Baums nicht genutzt werden kann. Dieser muss allerdings nicht entfernt werden, weil die Bauarbeiten an der Kaskade ja noch andauern.

Horizontales Gewerk

Horizontales Gewerk


Bahnhof Kleve: Wunsch, ZDF & Wirklichkeit

rd | 06. Oktober 2017, 16:44 | 35 Kommentare
14 Uhr, Kleve, Gleis 1: Wieder mal zu früh zum Stillstand gekommen

14 Uhr, Kleve, Gleis 1: Wieder mal zu früh zum Stillstand gekommen

Es ist aber auch schwierig! Da hat die Stadt Kleve für 2,4 Millionen Euro den Bahnhofsbereich neu gestaltet, und dann schafft es die Bahn anderthalb Jahre nicht, ein Halteschild zu versetzen, sodass der Transit von Bahn zu Bus oder umgekehrt möglichst nahtlos vollzogen werden kann. Die Züge hielten nach wie vor am Bahnhofsgebäude, knapp hundert Meter zu früh. Dann kam das ZDF und sendete einen Bericht (hier der Link zu dem Beitrag auf Youtube: Der Hammer der Woche). Wir erfuhren, dass Bürgermeisterin Sonja Northing zurecht der Ansicht ist, die Misere liege in der Verantwortung der Bahn: „Das ist Sache der Bahn.“ Und, mehr noch, es seien sogar mehrere Briefe geschrieben worden.

Exkurs: Diese Briefe sind vermutlich die wirkungsvollsten, seit Martin Schulz der Kanzlerin ein zweites Fernsehduell abringen wollte. Oder seit die Stadtverwaltung 2011 einen bekannten Klever Bauunternehmer angeschrieben hatte, an der Hoffmannallee bestimmte – zum Zeitpunkt des Versands — acht Jahre überfällige Bauarbeiten an der Ampelkreuzung am EOC auszuführen, andernfalls müssten evtl. vielleicht Regressforderungen erhoben werden. Geschehen ist natürlich: Nichts.

Sackarbeiten: Bahnmitarbeiter stülpen eine schwarze Hülle über das Haltesignal (Foto: Stephan Haupt)

Sackarbeiten: Bahnmitarbeiter stülpen eine schwarze Hülle über das Haltesignal (Foto: Stephan Haupt)

Da ist die vierte Gewalt, und dann auch noch in Gestalt eines Fernsehsenders von einigem Rang, offenbar wirkmächtiger: Noch während der Dreharbeiten zu dem TV-Bericht regte sich der Moloch Bahn und sicherte Abhilfe zu – was auch in dieser Woche geschah, als zwei Mitarbeiter des Unternehmens einen Plastiksack über das Signal stülpten. Es scheint, als werde die Welt ein Stück weit besser, irgendwie. Und dies dank des beherzten Eingreifens mutiger Journalisten!

Stephan Haupt, Abgeordneter der FDP im Landtag, machte sogar ein Foto, verteilte es in den sozialen Netzwerken und dokumentierte so, dass so etwas wie Veränderung tatsächlich möglich ist. Alles gut, also?

kleveblog machte heute die Probe und fuhr mit der Bahn von Bedburg-Hau nach Kleve. Ergebnis: Alles wie gehabt. Züge halten an der falschen Stelle. Es scheint ein grundsätzliches Problem vorzuliegen.

kleveblog schlägt vor: Einfach die Erde unter der Bahn hundert Meter nach Osten drehen! Dann passt es wieder.


Hochschule präsentiert ersten Fünfjahresplan, kauft ein Stück Technologiezentrum

rd | 05. Oktober 2017, 17:19 | 8 Kommentare
 Im Vordergrund das Werk, im Hintergrund die dafür verantwortliche: Hochschule-Entwicklungsplan, Präsidentin Dr. Heide Naderer. Links neben ihr die neue Leiterin der Stabsstelle Marketing und Kommunikation, Gabriele Stegers, dazwischen die Pressevertreter

Im Vordergrund das Werk, im Hintergrund die dafür Verantwortliche: Hochschulentwicklungsplan, Präsidentin Dr. Heide Naderer. Links neben ihr die neue Leiterin der Stabsstelle Marketing und Kommunikation, Gabriele Stegers, dazwischen die Pressevertreter

Wann immer die Hochschule Rhein-Waal zu einer Pressekonferenz lädt, wollen die Journalisten unabhängig vom eigentlichen Thema schnell wissen, wie viele Studenten in Kleve und Kamp-Lintfort studieren (6287 zu Ende des Sommersemesters), wie viele neu hinzugekommen sind (wird am 15. November mitgeteilt, erst dann ist Einschreibeschluss), wie viele Ausländer an der HSRW immatrikuliert sind (41 % Nicht-EU-Ausländer), ob die drohenden Studiengebühren von 3000 Euro pro Jahr die Hochschule ruinieren werden (nein) und wo die Holländer bleiben (2022 werden „große Gruppen“ erwartet).

Dass aber all diese Fragen nur einen Sinn haben, wenn diese Hochschule selbst einen Sinn hat, geht in diesem Mosaik des Nachrichtenkleinkleins leicht unter. Auch in der hektischen Gründungsphase der Hochschule, als die Zahl der neu eingerichteten Studiengänge sich ein Wettrennen lieferte mit der Zahl der internationalen Kooperationen, konnten kritische Beobachter den Eindruck gewinnen, dass dieser Aktionismus dazu diente, eine gewisse innere Leere zu kaschieren.

„Es geht nicht um Zahlen“, sagt Hochschulpräsidentin Dr. Heide Naderer. „Wenn wir gut sind, kommen die Leute von alleine. Qualität ist entscheidend für den Erfolg der Hochschule.“

Doch bekanntlich fällt das Laufen leichter, wenn man weiß, wohin die Reise geht. So ist der Hochschulentwicklungsplan zu erklären, der, im neunten Jahr des Bestehens der Hochschule Rhein-Waal, nun erstmals erstellt und heute Vormittag stolz der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Von einem „Meilenstein für die weitere Entwicklung der Hochschule“ sprach Naderer, die hervorhob, dass über einen Zeitraum von zwei Jahren mehr als 200 Menschen an dem 40 Seiten starken Dokument, das gleichzeitig in deutscher und englischer Sprache veröffentlicht wurde, mitgewirkt haben. Es handelt sich gewissermaßen um die DNA der Hochschule – nur dass dieses Erbgut der Einrichtung nachträglich verabreicht werden musste.

Der Plan, der für die Jahre 2017-2022 gilt, beginnt mit einer „sehr ehrlichen“ (Naderer) Bestandsaufnahme und beschreibt im folgenden den strategischen Rahmen, in dem die Hochschule sich zukünftig weiterentwickeln möchte. Die beiden Kernelemente sind Internationalisierung und Nachhaltigkeit, beide Themen ziehen sich wie ein roter Faden durch die breite Palette der Aktivitäten, die die Hochschule entfalten will. „Zu den Zielen des Hochschulentwicklungsplans gehört es beispielsweise“, erläuterte der Vizepräsident für Personal- und Organisationsentwicklung und Diversity, Professor Dr. Georg Hauck (er war per Videokonferenz aus Kamp-Lintfort zugeschaltet), „die Hochschule Rhein-Waal in Deutschland führend in Bezug auf Internationalisierung zu positionieren. Wir möchten Kompetenzträger sein und gefragt werden: Wie macht ihr das?“

Im dritten Kapitel werden „konkrete Handlungsfelder“ benannt, beispielsweise wie die Hochschule als Arbeitgeber aufgestellt ist und mit der Region vernetzt ist. „Wir haben eine Größe erreicht, mit der wir auch als Arbeitgeber eine Rolle spielen.“ Im Schlusskapitel werden daraus 36 konkrete Ziele formuliert, sodass in fünf Jahren auch tatsächlich Bilanz gezogen werden kann, ob das, was man sich vorgenommen hat, erreicht wurde.

In Bezug auf das Ziel der regionalen Vernetzung kann die Hochschule womöglich sogar schon jetzt einen Haken an das Ziel Nr. 2.2.4 „Transfer [in die Region] ist gestärkt“ machen. Denn wie Naderer bekannt gab, hat die Hochschule einen rund zehnprozentigen Anteil am Technologiezentrum Kleve erworben. Die Stadt Emmerich hatte diese Anteile abgestoßen.

Es wäre zu hoffen, dass der Einstieg der Hochschule gerade rechtzeitig kam, um einer in die Jahre gekommenen Idee neuen Schwung zu verleihen. Denn wer das Technologiezentrum an der Boschstraße, einen Flachbau aus den 80-er Jahren, betritt, könnte leicht den Eindruck gewinnen, dass die Krönung des Fortschritts aus ISDN-Anschluss und Faxgerät bestehen. Naderer schwebt vor, aus der Einrichtung ein „Innovationszentrum“ zu machen, denn es gehe nicht nur um Technologie, sondern um eine grundsätzliche Haltung gegenüber Problemen und deren Lösung.

Link: Hochschulentwicklungsplan (pdf)


Sichtachse pervers! Stell dir vor, du gehst zum Kupfernen Knopf und siehst… nichts

rd | 04. Oktober 2017, 10:21 | 20 Kommentare
Die aktuelle Aussicht am Kupfernen Knopf – wenn man die Kamera über den Kopf reckt und auf den Auslöser drückt (Foto: Marga Cox)

Die aktuelle Aussicht am Kupfernen Knopf – wenn man die Kamera über den Kopf reckt und auf den Auslöser drückt (Foto: Marga Cox)

Wir wissen nicht, wie Johann Moritz von Nassau-Siegen reagiert hätte, wenn er seine Sichtachse vom Kupfernen Knopf gen Elten in einem derart vernachlässigten Zustand vorgefunden hätte. Vermutlich hätte er einen Kurier nach Berlin geschickt, wo dann der Große Kurfürst Festungshaft für die Verantwortlichen angeordnet hätte. Zu Recht!

Derzeit, wie das Foto zeigt, rauben an einem der markantesten Aussichtspunkte unseres Landstriches üppig wuchernde Sträucher den Besuchern beinahe vollständig die Sicht. Wer am Geländer steht, sieht von den berühmten Parkanlagen am Hang nichts mehr – und selbst der Blick in die Ferne ist nur noch großgewachsenen Menschen möglich. Stattdessen der Blick auf eine grüne Wand mit kleinen, fast fensterartigen Ausschnitt, der ca. 20 Prozent des möglichen Blickfeldes freigibt.

Ein bisschen Parkpflege darf schon sein!


Holzwurm befällt Schwanenburg, Justizbücherei muss geräumt werden

rd | 29. September 2017, 15:21 | 4 Kommentare
Wird bald ultrahocherhitzt: Justizbücherei in der Schwanenburg

Wird bald ultrahocherhitzt: Justizbücherei in der Schwanenburg

Zeuge der Anklage: Holzmehl auf dem Lesetisch

Zeuge der Anklage: Holzmehl auf dem Lesetisch

Zeuge der Anklage war feines Holzmehl, das von den Deckenbalken auf den Lesetisch der Justizbücherei in der Schwanenburg rieselte. Ein hinzugezogener Fachmann erledigte die Beweisaufnahme: Der Holzwurm hat die Justizbücherei befallen, die Deckenbalken aus Eiche sind geschädigt. Doch jetzt wird mit den Holzschädlingen kurzer Prozess gemacht. Sicher ist: Sie werden ihn nicht überleben!

Beim Holzwurm handelt es sich um den Gemeinen Nagekäfer, ein etwa 2,5 bis 5 Millimeter langes Insekt, das seine Eier in Holzritzen ablegt. Daraus schlüpfen Larven – die so genannten Holzwürmer –, die sich unter Umständen bis zu acht Jahre lang durch das Holz fressen können. Eigentlich ist das Tier in zentralbeheizten Räumen nur selten anzutreffen, Risiken bergen allerdings Räume mit einer gewissen Feuchtigkeit. So gesehen, war das alte Gemäuer der Schwanenburg prädestiniert für den Holzwurmbefall.

Klassischerweise wird der Holzwurm bekämpft, indem entweder die Oberfläche des befallenen Holzes chemisch behandelt wird oder aber Injektionen in die Bohrlöcher erfolgen. Beide Methoden kamen jedoch für den Lesesaal in der Schwanenburg nicht infrage, da der Befall zu weit fortgeschritten ist. Deshalb kommt dort das so genannte Heißluftverfahren zum Einsatz. Justizsprecher Alexander Lembke: „Die gesamte Bibliothek wird ausgeräumt und der Raum anschließend mehrere Tage lang auf 70 Grad erhitzt. Dadurch werden die Larven abgetötet.“

Diese Hitze aber kann die Heizungsanlage der Schwanenburg selbst nicht liefern. Die beauftragte Spezialfirma stellt im Hof der Schwanenburg einen Container auf, der eine mobile Heizung enthält. Über Rohre wird von dort aus die heiße Luft in den versiegelten Raum geleitet. Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, dass die enorme Hitze nicht versehentlich ein Feuer auslöst: An der Schwanenburg wird rund um die Uhr eine Brandwache gehalten.

Sobald das Holz länger als eine Stunde auf mehr als 55° erhitzt worden ist, beginnen die Larven und Eier abzusterben. Das ist bei einem gewöhnlichen Dachstuhl in der Regel binnen eines Tages erledigt, für den großen Raum in der Schwanenburg mit seinen schwer befallenen, massiven Holzbohlen in der Decke mussten allerdings mehrere Tage veranschlagt werden.


Asterix, Jöken, Bergmann, Porwol, Beckmann, Scheurle – auf 80 S. vereint

rd | 25. September 2017, 16:09 | 8 Kommentare
Erika Bergmann in ihrer Gaststätte, ein Bild, das es nur noch bis Freitag geben wird

Erika Bergmann in ihrer Gaststätte, ein Bild, das es nur noch bis Freitag geben wird

Nach 50 Jahren schließt am Freitag das Restaurant Bergmann an der Hoffmannallee, ein Lokal mit dem unscheinbarsten Eingang überhaupt und (vielleicht gerade deshalb) ein Ort, in dem sich ganz Kleve traf (und evtl. kegelte). In der neuen Ausgabe des Magazins Der KLEVER zieht Wirtin Erika Bergmann die Bilanz eines halben Jahrhunderts hinterm Tresen und in der Küche.

Das Magazin (Kaufpreis 3,50 Euro) stellt darüber hinaus Klaus Jöken vor; der Klever ist seit Jahren für die deutschen Übersetzungen der weltberühmten Asterix-Comics verantwortlich. Wusste aber keiner – außer Autor Rolf Langenhuisen, der darüber hinaus auch für ein großes Porträt Grafiker Wilfried Porwol verantwortlich ist. Porwols Werk spiegelt die Geschichte von Stadt und Land wider. In der Reihe „10mal…“ widmet sich Helga Diekhöfer überraschenden Aussichtpunkten – es gibt noch weit mehr Möglichkeiten als Schwanenburg, Aussichtsturm und Kupferner Knopf, um am Niederrhein Weitblick zu erhaschen. Breiten Raum nimmt das Jubiläum des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums ein, das im Oktober sein 200-jähriges Bestehen feiert. Zu diesem Anlass schildert drei Abiturienten, die zugleich für drei Generationen stehen, ihre Schulzeit an der „Penne“: der Arzt Jörg Scheurle (Abi 66), Ralf Daute (Abi 84) und Elske Beckmann (Abi 17).

So, und nun als kleine Werbemaßnahme für das Magazin, die Geschichte von Erika Bergmann auch hier auf kleveblog:

Ende Legende

Was aber zeichnet einen guten Gastwirt aus? Fragen wir jemanden, der es wissen muss, fragen wir Erika Bergmann. Die Dame holt kurz Luft, blickt einen mit ihren wachen Augen an und sagt: „Liebe.“

Liebe ist Wärme, ist Energie, ist Nähe. Liebe ist nicht ein elektronisches Kassensystem, ist nicht LED-Beleuchtung, ist nicht Laminatfußboden. Wer je das „Restaurant Bergmann“ eingangs der Hoffmannallee als Gast betreten hat, weiß, was gemeint ist. Das Lokal scheint in den sechziger Jahren stehen geblieben zu sein, aber das spielt keine Rolle, denn das Interieur ist nur die Kulisse für den nicht sichtbaren, aber wichtigsten Einrichtungsgegenstand – Raum für Menschlichkeit.

„Meine Gäste und ich, das war immer wie eine große Familie“, sagt Erika Bergmann. Die männlichen Gäste, Kegelbrüder oder Fußballmannschaften, bezeichnet sie gerne auch als „meine Söhne“. Die wiederum sagen, wenn sie das Zuhause verlassen, um ein Bier zu trinken, sie gehen mal eben „nach Mama“.

Diese Nähe, diese Vertrautheit ist der Lohn einer Lebensleistung, die am 29. September zu ihrem Ende gelangt ist. Erika Bergmann hat die Immobilie verkauft. Der neue Besitzer Mehmet Salih Erdem, ein Unternehmer aus Emmerich, der mehrere Reisebüros betreibt, beabsichtigt zwar, an der Stelle weiterhin Gastronomie zu betreiben, doch „Haus Bergmann“ wird ohne Erika Bergmann natürlich nicht mehr derselbe Ort der Gastlichkeit sein, der er zuvor ein halbes Jahrhundert lang gewesen ist.

Im Ratskeller in Krefeld hatte die Wirtin, aus Straelen stammend, sich zur Restaurantfachfrau ausbilden lassen. Danach wollte sie in die weite Welt, in Orte mit vielen Touristen, die in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen glamourösen Klang hatten, nach Arosa zum Beispiel. Die Mutter sagte Nein. Sie zeigte der Tochter eine Zeitungsanzeige: Das Haus Heek in Kleve suchte eine Mitarbeiterin.

So wurde es nicht Arosa, so wurde es – zum Glück für unsere Stadt – Kleve. Beschäftigt wurde sie, für heutige Zeiten nicht mehr vorstellbar, auf 10-Prozent-Basis. Das heißt, sie durfte zehn Prozent ihres Umsatzes für sich behalten. Nach zehn Jahren in Kleve eröffnete Erika Bergmann dann am 10. März 1967 gemeinsam mit ihrem Mann Helmut († 2007) einige Häuser neben ihrer ersten Arbeitsstätte in Kleve das eigene Restaurant „Haus Bergmann“ – mit eigenen Frikadellen, eigener Kegelbahn und einem eigenen Charme. „Bei mir war immer alles frisch“, sagt sie. „Selbst die Blumen auf dem Tisch.“

Die Gaststätte entwickelte sich zu einem Anziehungspunkt für alle und jeden – vom Fabrikarbeiter bei Hoffmann bis zu den bekannten Klever Unternehmern und Geschäftsleuten, Hans Rexing, Hans Hussmann und Karl Kisters zum Beispiel. „Sie haben sich alle bei mir zuhause gefühlt“, so die Wirtin. Von den älteren Gästen kamen später die Söhne. Die Menschen, die ihr Feierabendbier im „Haus Bergmann“ genossen, wurden allerdings weniger. Bergmann: „Die Zeiten haben sich geändert.“

Erika Bergmann hat zwei Töchter, Tina und Patricia, und einen Sohn, Oliver. Sie entwickelten keine Neigungen, in ihre Fußstapfen zu treten. Die Mutter hat dafür Verständnis, aber sie selbst sei für dieses Gewerbe geboren. „Gastronomie ist Leben“, so fasst sie das nach mehr als einem halben Jahrhundert zusammen. „Jeder Tag ist ein anderer. Mal ist es fröhlich, mal ist es traurig.“ An der Hoffmannallee überwogen die fröhlichen Tage bei weitem. „Ich bereue keinen einzigen Tag“, sagt Erika Bergmann.

Wie stark der Zusammenhalt zwischen der Wirtin und den Gästen geworden ist, zeigten die letzten Wochen. Die Gäste nahmen Abschied, wollten „noch einmal“ die selbst gemachten Reibekuchen, Rouladen oder Frikadellen genießen. Aus den Abenden hinterm Tresen wurden Nächte, weil niemand gehen wollte. Es gab ja kein nächstes Mal mehr.

„Haus Bergmann“, das stand für gelebte Gastfreundschaft. Was Erika Bergmann gab, bekam sich auch zurück: „Ich kann mich gar nicht genug bedanken für all die Liebe, die man mir gegeben hat“, sagt sie.

Nun, da ihre Abende plötzlich frei sind, hätte sie die Möglichkeit, sich lang gehegte Wünsche zu erfüllen. Aber – wie das so sein kann, wenn man im Leben mit sich eins war, wenn der Beruf zugleich Berufung war – ihr fällt nichts ein. Erika Bergmann: „Einen Plan habe ich nicht, ich lasse erst einmal alles sacken, denn ich glaube, ich habe das noch gar nicht verstanden.“

Alles Gute!

Schmiedeeiserne Raumteiler, frische Blumen: Innenansichten einer traditionsreichen Gaststätte

Schmiedeeiserne Raumteiler, frische Blumen: Innenansichten einer traditionsreichen Gaststätte


13%

rd | 24. September 2017, 18:55 | 106 Kommentare

(Aktualisierte Version.)

Glückwünsche per Whatsapp erwidern: Stefan Rouenhoff, vor einem Jahr noch eine unbekannte Größe, nun mit Direktmandat für die CDU im Bundestag

Glückwünsche per Whatsapp erwidern: Stefan Rouenhoff, vor einem Jahr noch eine unbekannte Größe, nun mit Direktmandat für die CDU im Bundestag

Das Gesicht der AfD in Kleve: Gerd Plorin

Das Gesicht der AfD in Kleve: Gerd Plorin

Das Kreishaus um 19:55 Uhr: Die Reihen hatten sich schon merklich gelichtet, nach Feiern war nicht vielen zumute

Das Kreishaus um 19:55 Uhr: Die Reihen hatten sich schon merklich gelichtet, nach Feiern war nicht vielen zumute

Abgang um 19:45 Uhr: Martin-Schulz-Plakate werden demontiert

Abgang um 19:45 Uhr: Martin-Schulz-Plakate werden demontiert (Foto: kbp)

Erste Hochrechnung um 18:12 Uhr: Ausschlag nach rechts

Erste Hochrechnung um 18:12 Uhr: Ausschlag nach rechts

13%. Ein Tag zum Schämen! Mehr muss meiner Meinung nach nicht gesagt werden. Ein paar Sätze dann aber doch:

Die AfD kam in Kleve lediglich auf 7,34 Prozent der Zweitstimmen, immerhin ein tröstlicher Randaspekt. Stefan Rouenhoff (CDU) holt mit 45 Prozent der Erststimmen das Direktmandat. Barbara Hendricks lag bei 30,7 Prozent – mehr, als ihre Partei an Stimmen erhielt, aber vermutlich kein wirklicher Trost.

Immerhin hat der Kreis Kleve fortan zwei Abgeordnete im Bundestag. Rouenhoff zu kleveblog: „Mit dem Ergebnis von rund 45 Prozent auf Kreisebene können wir zufrieden sein, nicht aber mit dem Ergebnis im Bund. Da müssen wir uns fragen, ob wir die richtigen Themen gesetzt haben. Wir haben schwierige Zeiten vor uns.“ Dem ist zuzustimmen.

Barbara Hendricks postete am Abend aus Berlin Glückwünsche und eine erste Einschätzung: „Ich gratuliere Stefan Rouenhoff zu seinem Einzug in den Deutschen Bundestag. Das starke Abschneiden der AfD schockiert mich. Die SPD wird alles dafür tun, dass die Rechtsextremen das Parlament und die Gesellschaft nicht zum Schlechten verändern werden.“

Gerd Plorin (AfD) hatte eine diffenzierte Sicht zu dem Resultat: „Licht und Schatten, wenn Sie mich fragen. Was wollen wir mit 13 Prozent politisch bewirken? Aber wir sind drittstärkste Kraft, die CDU hat ordentlich einen aufn Däz gekriegt, und wir bekommen sehr, sehr viel Geld. Die größte Gefahr sehe ich darin, dass die AfD sich selbst zerlegt.“

Als einzige Kommune im gesamten Kreisgebiet meldete übrigens Kranenburg ein AfD-Ergebnis von unter 5 Prozent (Stand 20:40 Uhr, noch 4 Kommunen offen, mit Dank an Elke Sanders für den freundlichen Hinweis).


Ein wichtiger Tag, …

rd | 24. September 2017, 11:05 | 11 Kommentare
Stunden der Entscheidung

Stunden der Entscheidung

… also das Beste draus machen!


Stell dir vor, du betreibst ein Lokal und dann kommt die Fa. Loock

rd | 22. September 2017, 16:03 | 16 Kommentare
Von der Außenwelt abgeschnitten: das Lokal „Red Wagon“ von Alejandra Manthey (auszumachen in der Bildmitte)

Von der Außenwelt abgeschnitten: das Lokal „Red Wagon“ von Alejandra Manthey (auszumachen in der Bildmitte)

Dreihundert Meter Luftlinie vom Rathaus entfernt sitzt Alejandra Manthey in ihrem Lokal Red Wagon. Das Lokal hat einen kleinen Biergarten, und ist, wie jeder gastronomische Betrieb, darauf angewiesen, dass Gäste kommen. Nur dann fließt Geld, nur dann können die Rechnungen bezahlt werden.

Bei einem Unternehmer ist das anders als bei einem Beamten. Das Gehalt entspringt nicht einem unsichtbaren Füllhorn, es muss täglich neu verdient werden – aber dazu muss man als Gastronom wenigstens die Möglichkeit haben, seine Dienste anzubieten.

Doch genau das ist der Chilenin im Augenblick verwehrt: Eine städtische Baustelle hat ihr die Möglichkeit genommen zu arbeiten – der neue Radschnellweg führt direkt an ihrem Biergarten vorbei (Schlenk rechts), und die Baustellenabsperrungen sind monumental ausgefallen. Der Red Wagon ist seit Anfang der Woche von der Stadt aus praktisch nicht mehr zu erreichen.

Die Bauarbeiten hatten, der Bundestagswahl sei’s geschuldet, Ende August mit einem symbolischen Spatenstich begonnen. Beim Fototermin schwangen Bürgermeisterin Sonja Northing und Umweltministerin Barbara Hendricks die Schaufeln im Gleichtakt. Dann aber begannen die wirklichen Bauarbeiten, statt Muskelkraft regierten Dieselmotoren.

Es gab Tage, da konnten die Gäste im Biergarten ihr eigenes Wort nicht verstehen, weil dröhnende Bagger zentnerschwere Stahlplatten übereinander zogen und ein metallisches Kreischen die Luft erfüllte. Doch an diesen Tagen war der Biergarten immerhin noch zugänglich – anders als in dieser Woche. Die Firma Loock, sonst eigentlich ein Meister der virtuosen Baustellenabsperrung, die üblicherweise nach dem Muster „Weniger ist mehr“ verfährt, hat, als die Pflasterarbeiten begannen, ganze Arbeit geleistet. Der Biergarten ist von der Außenwelt abgeschnitten.

Ursprünglich sollten die Arbeiten nur drei Tage dauern, gestern aber sah es noch nicht einmal danach aus, als ob wenigstens bis zum Wochenende alles fertig ist. Die entgangenen Einnahmen ersetzt niemand.


Momentaufnahme aus der fahrradfreundlichen Stadt

rd | 20. September 2017, 16:51 | 65 Kommentare
Kleve, 7:50 Uhr. Autos stauen sich auf der Römerstraße, motorisierte Menschen auf dem Weg zur Arbeit. In den Autos hört man z. B. Antenne Niederrhein. Vielleicht läuft gerade ein Beitrag über Kleve als fahrradfreundliche Stadt.

Kleve, 7:50 Uhr. Autos stauen sich auf der Römerstraße, motorisierte Menschen auf dem Weg zur Arbeit. In den Autos hört man z. B. Antenne Niederrhein. Vielleicht läuft gerade ein Beitrag über Kleve als fahrradfreundliche Stadt.

Was stört es den Mond, wenn ihn ein Hund anbellt?

Der Mond, das ist in dieser Geschichte das Gesamtgemüt der Autofahrer Kleves, der Hund wiederum wird verkörpert durch den Fahrradstreifen auf der Römerstraße. Dabei handelt es sich um ein Stück Asphalt, stadteinwärts gesehen am rechten Rand der Fahrbahn, der durch eine deutlich sichtbare gestrichelte Linie abgetrennt ist und Radfahrern vorbehalten sein soll. Es gibt diesen Weg, der auch „Schutzstreifen“ genannt wird, seit gut einem Jahr. „Mit dem Stück Römerstraße bekommt die Stadt Kleve ein weiteres Puzzle-Steinchen in ihrem Radwegeplan, das den Radverkehr wieder etwas nach vorne bringt“, jubelte die Rheinische Post. „Für Fahrradfahrer wird die Fahrt über die Römerstraße in die City bald angenehmer.“

Dann aber klingelte frühmorgens in der kleveblog-Redaktion das Telefon. Am Apparat: ein Anwohner der Römerstraße. Mit lebhaften Worten schilderte er, dass der gewöhnliche Klever Autofahrer, der morgens über die Römerstraße in Richtung Unterstadt zur Arbeit fährt, die neue Einrichtung großzügig ignoriere. Der Redakteur möge sich doch bitte selber ein Bild machen. Gesagt, getan.

Also eine Momentaufnahme aus dem Berufsverkehr auf der Römerstraße: Es ist 7:50 Uhr, die Autos, die stadteinwärts unterwegs sind, stehen etwa bis zur Einmündung Frankenstraße. Das sind gut zweihundert Meter Schlange und bedeutet für die Fahrer, die hinten stehen, dass sie es in drei Ampelphasen über die Kreuzung geschafft haben werden. Das wiederum scheint auch die größte Sorge zu sein, denn fast alle Autos im hinteren Bereich der Schlange nehmen den für die Radfahrer gedachten Schutzstreifen mit in Anspruch. In gut zehn Minuten erlebt man Radfahrer, die entweder links an der Schlange vorbei (auf der Gegenfahrbahn) in Richtung Stadt fahren, oder aber solche, die auf den Bürgersteig ausweichen. Auch Rollerfahrer nutzen den Bürgersteig, um schneller voranzukommen. Das aber scheitert manchmal wiederum daran, dass auch Eltern, die ihre Sprösslinge zum Stein-Gymnasium bringen, ihr Auto einfach kurz auf dem Bürgersteig platzieren, bevor sie sich wieder in die Reihe der wartenden Autos einfädeln.

Den Radfahrern wird also nicht nur der Schutzstreifen weggenommen, ihnen wird dazu noch auf dem verbliebenen Terrain eine bunte Mischung aus anderen Bedrohungen zuteil – von sich öffnenden Autotüren bis hin zu Rollern und Autos auf dem Bürgersteig.

Am Freitag, 13. November 2015, hatte Bürgermeisterin Sonja Northing im Kolpinghaus in einer kleinen Feier die Urkunde erhalten, die der Stadt Kleve als insgesamt 76. Kommune die Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Kreise und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen“ (AGFS) bestätigten. Seitdem sind an den Ortseingängen an den Straßenlaternen kleine Schilder befestigt: „Fußgänger- und fahrradfreundliche Stadt in NRW“. Die Etikettierung gilt sieben Jahre, dann wird sie überprüft.

Viel war zuvor in Bewegung gesetzt worden, viel ist seitdem – unter Federführung von Pascal von Koeverden in der Verwaltung – in Angriff genommen worden, unter anderem die für 2018 geplante Umgestaltung der Ringstraße sowie der Bau des Fahrradschnellweges nach Nimwegen. Allerdings erscheint es ratsam, ab und an auch mal zu kontrollieren, wie sich die bisherigen Veränderungen in der Praxis bewährt haben. Die Römerstraße jedenfalls ist durch den Schutzstreifen kein Stück fahrradfreundlicher geworden.

Schönes Schild, schnöde Realität

Schönes Schild, schnöde Realität


Dialektischer Materialismus an der Lindenalleelaterne

rd | 17. September 2017, 23:44 | 2 Kommentare
Könnte eine Revolution auch die Mathematik verändern, oder handelt es sich bei dieser um eine universelle Wahrheit, die auch durch ein noch so konsequentes Parteiprogramm nicht zu beeinflussen ist?

Könnte eine Revolution auch die Mathematik verändern, oder handelt es sich bei dieser um eine universelle Wahrheit, die auch durch ein noch so konsequentes Parteiprogramm nicht zu beeinflussen ist?


… ist es wirklich schon so spät?

rd | 17. September 2017, 23:39 | 1 Kommentar
Herr, es ist Zeit. Das Jahr verging schnell (Foto: Claudia Philipp)

Herr, es ist Zeit. Das Jahr verging schnell (Foto: Claudia Philipp)


Handys sind die neuen Brötchen: Anmerkungen zur Neusortierung der Innenstadt

rd | 15. September 2017, 15:00 | 17 Kommentare
 Viele Medienmacher denken, ohne Photoshop ist heute keine Infografik mehr möglich. Pah!

Viele Medienmacher denken, ohne Photoshop sei heute keine Infografik mehr möglich. Pah!

(Jetzt mit korrigiertem Juwelierumzug) Da schaut unsereins mal eine halbe Stunde nicht genau hin, und schon bleibt kein Stein auf dem anderen. Insbesondere kein Edelstein. Wie zu hören ist, hat der Juwelier neben Reffeling eine Immobilie in der Hagschen Straße gekauft und die beiden Mieter wegen Eigenbedarfs gekündigt – der Beginn einer großen Einzelhandelsrochade.

Änderungsschneider Dennis, seit vielen Jahren in dem Gebäude beheimatet, zog ein paar Häuser stadtabwärts – in einem Teil des leer stehenden Ladenlokals, in dem bis vor wenigen Wochen ein Fahrradhändler ansässig war. Sein Slogan ist geblieben: „Qualität ist meine beste Reklame“. Man muss nicht immer teure Werbeagenturen beschäftigen.

Der daneben wirkende Hundebedarfshändler, gerade erst dem Spoy-Center entronnen, musste ebenfalls seine Sachen packen, worüber er nicht sonderlich erfreut war. Doch es ist ein Glück, dass in Kleve Knochen und Rinderlunge („der leichte Snack für zwischendurch“) besser gehen als Frauenbekleidung. So gab Biggy Cornelissen ihr Modegeschäft Bi hip in der Gasthausstraße, gegenüber der Zentrale, nach nur neun Monaten wieder auf. Die freigewordenen Quadratmeter eroberte Natur und Hund, so dass Hundebesitzer nun auch in der Unterstadt ihren Lieblingen das Beste zukommen lassen können. Die Boutique Loris, ebenfalls in der Gasthausstraße, macht ebenfalls dicht, der finale Sale dauert nun gefühlt schon ein Vierteljahr.

Nach einem Vierteljahrhundert wiederum hat eine treue Seele der Großen Straße, die Boutique Pupille, ihre Geschäftstätigkeit eingestellt. Es wird nicht leichter für die Damenwelt, sich in der Stadt eine ansprechende Fassade zuzulegen. Die Pupille-Schließung allerdings nutzte Optiker Uwe Pohland, um sein durch einen Wasserschaden verheertes Ladenlokal in der Gasthausstraße aufzugeben und eine deutlich bessere Lage in der Großen Straße zu erobern. Die Eröffnung soll laut Schaufenster-Beschriftung „ca. am 15.9.“ sein, was zumindest für den heutigen Tag umgeändert werden könnte in: „ganz sicher nicht am 15.9.“ Aber vielleicht passt ja schon der 16. September.

Doch zurück zu den Juwelen: Der Juwelier Fine Art streicht in der Hagschen Straße die Segel, den Prozentzeichen nach zu urteilen, werden die Edelsteine mittlerweile zu den Konditionen von Kieselsteinen angeboten. Da fügt es, dass in der Großen Straße Kollege Mentze die Tore geschlossen hat Um Platz zu machen für – einen Juwelier. Heimisch wird dort der Inhaber von Fine Art, der in besserer Lage und unter eigenem Namen sein Geschäft fortführt: Knittel. Vorher war übrigens in dem gleichen Ladenlokal ein Juwelier namens Christ, und davor ein Juwelier namens Wempe (wenn ich mich recht entsinne). Deshalb ein Vorschlag zur Güte: Warum nicht einfach den Warenbestand weiterreichen und lediglich die Namensschilder austauschen?

Ausverkaufsstimmung herrscht in der Neuen Mitte: Das Einrichtungshaus, das einem ohnehin schon das Gefühl vermittelt, alles zum halben Preis zu verkaufen, gewährt jetzt auf seinen Bestand im dritten Geschoss weitere Rabatte. Das berühmte „Alles muss raus!“ stimmt in diesem Fall wirklich, weil der Eigentümer plant, die Gewerbefläche in Wohnraum zu verwandeln. Da sind die Einnahmen vermutlich sicherer. Prozente gewährt auch der Kikkonkurrent NKD in der Hagschen Straße, doch bei aller Freude über die nahezu perfekte Beherrschung der Druckfunktion von Microsoft Word sei das Personal darauf hingewiesen, die Grammatik nicht zu vernachlässigen:

Ich kaufe ein N

Ich kaufe ein N

Deutlich dunkler geworden ist es an der Linde: Das Sonnenstudio McInn hat sich mit dem Sommer zusammengetan und Abschied genommen. Nun gibt es in der Stadt nur noch eine Möglichkeit, die Haut künstlich zu rösten – im Holiday Sun am Brücktor.

Zur Abrundung dieses Überblicks sei noch darauf hingewiesen, dass in der immer noch ein bisschen alternativen Herzogstraße – Seifenblase, Antiquar van Bebber – so nach und nach die Moderne Einzug hält. Zunächst eroberte ein Handy-Geschäft die ehemalige Backstube Voss, seit kurzen ist auch unübersehbar, dass in den Eckhaus – ehemals Kleve Marketing – ebenfalls ein Fachgeschäft für Mobiltelefone einzieht. Handys sind die neuen Brötchen.

Terminhinweis: Samstag ab 10 Uhr: Handwerkermarkt in der Kavarinerstraße!


Wiesenstraßenmenetekel, oder: Standhaftigkeit in stürmischen Zeiten

rd | 13. September 2017, 16:12 | 13 Kommentare

Wir leben, aus tausend Kilometern Höhe betrachtet, auf einer Insel der Seligen. Um uns herum ist die Welt in Aufruhr: Die Briten kehren Europa den Rücken, die Türken sagen der Demokratie adieu, die Amerikaner vollführen Kunststücke in intellektueller Regression, die Kriege allerorten gar nicht erst eingerechnet. In solchen Zeiten muss die Politik standhaft sein, Rückgrat zeigen und wie ein Fels der demokratischen Verlässlichkeit in der Brandung des Wahnsinns stehen. So gesehen, hat der aktuellen Bundestagswahlkampf Kleve an der Wiesenstraße ein besonderes Menetekel beschert: Von allen Wesselmann-Plakaten (so heißen die großen) blieb dort nach einigen Windböen nur eines stehen – das der Partei Die Linke. Und auch ein Plakat, das auf die Kirmes in Rindern hinweist, trotzt wacker dem Wind – Vergnügen lässt sich nicht unterkriegen. Dagegen die Werbetafeln sämtlicher großen Parteien – hinweggefegt, flachgelegt:

Die großen Parteien liegen flach, nur Die Linke hält sich. Und der Hinweis auf die Kirmes in Rindern

Die großen Parteien liegen flach, nur Die Linke hält sich. Und der Hinweis auf die Kirmes in Rindern


kleveblog-Gourmettage (2): Wie alt mag das Frittierfett sein?

rd | 12. September 2017, 15:29 | 4 Kommentare
Neonleuchtreklame war mal der letzte Schrei, so ca. 1960

Neonleuchtreklame war mal der letzte Schrei, so ca. 1960

Klappern gehört zum Handwerk. Der Neonleuchtreklamenvertreter, der ca. Anfang 1960 dem Imbissbudenbesitzer dieses Schild empfahl, sagte zur Schriftfarbe sicherlich: „Rot auf Weiß, das knallt! Und in Verbindung mit der pommesfarbenen Verklinkerung stellt sich beim Betrachter sofort die Assoziation Pommes Bahnschranke ein.“ Der Imbissbudenbesitzer glaubte daran, wurde reich und schippert heute mit einer Luxusyacht um die Balearen. Nur manchmal denkt er noch daran, wie alles begann – mit dem Besuch eines verrückten Neonleuchtreklamenvertreters.


kleveblog-Gourmettage (1): Zeitungsanzeigen, bei denen man in Erwägung ziehen sollte, mit dem Rauchen aufzuhören

rd | 12. September 2017, 15:21 | 2 Kommentare
Möchte man das sehen, wenn man morgens die Zeitung aufschlägt?

Möchte man das sehen, wenn man morgens die Zeitung aufschlägt?

Deutschland um halb zehn… Rinderlunge, der beliebte Snack für zwischendurch… Gut, es geht um Tiernahrung, aber das sieht der Zeitungsleser nicht auf den ersten Blick. Da stellt er sich die Frage, ob es tatsächlich Rinder gibt, die Kettenraucher sind. Oder ist das Foto einer zarten Rinderlunge versehentlich gegen eines von Holzkohle ausgetauscht worden?


Wahlergebnis steht bereits fest (zumindest für Kreiswirtschaftsförderung)

rd | 11. September 2017, 19:31 | 6 Kommentare
Seherisches aus der Hoffmannallee

Seherisches aus der Hoffmannallee

Kürzlich hatte die Redaktion an dieser Stelle überzeugend dargelegt, dass nicht die Windkraftwerke den Strom erzeugen, sondern dass sie mit Atomstrom betrieben werden, um uns allen die behagliche Vision einer Energiewende vorzugaukeln. Mit den Wahlen, dafür hat die Redaktion jetzt einen echten Beweis aufgetrieben, verhält es sich ähnlich. Wir, die Bürger des Kreises Kleve, gehen zwar am 24. September zur Wahl, die Stimmen allerdings sind schon jetzt zugeteilt. Dieser Vorgang findet in den Büros der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Kleve statt. Normalerweise wäre diese Form der – nennen wir es einmal – demokratischen Glättung nie aufgeflogen, wenn nicht eine Veranstaltungseinladung aus den Reihen der Kreiswirtschaftsförderung zufällig in die Redaktion geflattert wäre. Darin lädt die Gesellschaft im Oktober zum Agrarforum Niederrhein ins Wunderland Kalkar und kündigt an, es gebe „eine Diskussion mit den zwei Bundestagsabgeordneten des Kreises Kleve Dr. Barbara Hendricks und Stefan Rouenhoff“.

Zwei Bundestagsabgeordnete? Woher wissen die das?

Der Wähler jedenfalls hat noch nicht sein Kreuz gemacht. Da allerdings der Einzug der Bundesumweltministerin dank Platz 2 auf der Landesliste (gleich hinter Martin Schulz) relativ sicher ist, anders als bei Rouenhoff, kann dies nur bedeuten, dass das amtliche Endergebnis der Kreiswirtschaftsförderung für den Wahlkreis 112 lautet: Rouenhoff gewinnt das Direktmandat. Gelebte Demokratie im Turbogang!


Wetterprognose Lichterfest: Trocken!

rd | 09. September 2017, 16:43 | keine Kommentare

So macht Servicejournalismus Spaß: Beim Blick aus dem Fenster erscheint es kaum glaubhaft, doch der äußerst zuverlässige niederländische Wetterdienst meldet, dass es nach der augenblicklichen Schauer trocken bleiben wird. Einem vergnüglichen, wenngleich etwas frischen Lichterfest steht also nichts im Wege, vorausgesetzt Gummistiefel sind verfügbar. Zum Aufwärmen danach sollten allerdings Gaststätten aufgesucht werden, in denen auch Getränke über Zimmertemperatur serviert werden.


Stand nicht auf der Tagesordnung: Der Klever Schrottadler

rd | 08. September 2017, 16:20 | 71 Kommentare
Zweifelsfrei kein Symbol mehr, das irgendeinen Machtanspruch untermauern könnte: Kopetzky-Adler, für kleveblog freundlicherweise aus der Folienverpackung geholt

Zweifelsfrei kein Symbol mehr, das irgendeinen Machtanspruch untermauern könnte: Kopetzky-Adler, für kleveblog freundlicherweise aus der Folienverpackung geholt

Am Donnerstag tagte der Klever Ausschuss für Kultur und Statdplanung, die Mitglieder diskutierten über wichtige Dinge wie das so genannte „Parkpflegewerk“, das vorschlägt, wie die Klever Gartenanlagen erhalten und erweitert werden können, sie sprachen über überraschend niedrige Besucherzahlen des Museums Kurhaus, und sie erörterten, ob in der Nachbarschaft eines wie auch immer zu bebauenden Minoritenplatz die Wallgrabenzone zu einem Grüngürtel ausgebaut werden kann. Ein Thema, das sich der Künstler Max Knipppert, in dem Gremium als sachkundiger Bürger der Offenen Klever aktiv, auf die Tagesordnung gewünscht hatte, fehlte allerdings – die Zukunft des Adlers, der bis vor zwei Jahren die Spitze des kupfernen Knopf zierte. Sicher ist: Der hölzerne, mit Blech verkleidete Greifvogel ist morsch, eine Restaurierung scheint nicht mehr möglich. Das Kunstwerk des Kellner Bildhauers Josef Kopetzky lagert seit Monaten bei der Firma Bau-Art in Bedburg-Hau, sicher verpackt in vielen Lagen Kunststofffolie. Doch wie geht es weiter? Max Knippert, streitbar, wie er ist, hat sich ausführliche Gedanken dazu gemacht, die die Redaktion – obwohl grundsätzlich anderer Meinung – hier dennoch gerne veröffentlicht, um eine Diskussion des Themas anzustoßen.


Groß rausgekommen: Ralf Seeger heute in Bild

rd | 08. September 2017, 13:24 | 5 Kommentare
Gut bebildert: Bild-Aufmacher über Ralf Seeger

Gut bebildert: Bild-Aufmacher über Ralf Seeger

„Besuch bei Deutschland härtesten Tierschützer“, so überschreibt die Bild-Zeitung heute einen Beitrag über Ralf Seeger, den ehemaligen Kampfsportler, der seit einigen Jahren seine neue Berufung im Tierschutz gefunden hat. Groß rausgekommen und gut bebildert, das kann man nicht anders sagen. Die Geschichte selbst ist allerdings weniger die angekündigte Homestory, sondern mehr die tragische Geschichte eines Hundes aus Mazedonien, dessen Beine gebrochen waren und der nun bei Ralf Seeger zu Hause wieder gesund gepflegt wird.


Bürgerversammlung Stadthalle: Die Würde des Baumes ist unantastbar – also fällen!

rd | 06. September 2017, 21:05 | 27 Kommentare
Interessierte Bürger. Im Hintergrund Bäume, die dem Tod geweiht sind

Interessierte Bürger. Im Hintergrund Bäume, die dem Tod geweiht sind

Kürzlich kursierte in sozialen Netzwerken das Selfie eines Schopfmakaken, verbunden mit der schauerlichen Geschichte, dass dieses Foto den Urheber ruiniert habe, weil Tierschutzorganisationen (selbsternannte) den Lichtbildner wegen der Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Menschenaffen vor alle möglichen Gerichte gezerrt hatten. Die Stadt Kleve, das wurde am Mittwochabend auf einer Bürgerversammlung in der Stadthalle deutlich, ist der Zeit weit voraus: Sie achtet sogar schon die Würde der Pflanzen – auch wenn dies im Einzelfall bedeutet, dass zwanzig oder dreißig Bäume gefällt werden müssen.

Tiefbauamtsleiter Bernd Klockhaus wurde nicht müde, dass jämmerliche Dasein einzelner Bäume im Bereich der Stadthalle klangvoll zu beschreiben. Es hörte sich an wie eine botanische Version von „50 Shades of Grey“, natürlich von der Leidensseite. Die knapp hundert interessierten Anwohner, die gekommen waren, um sich über die geplanten Veränderungen der Straßen Lohstätte und Bleichen zu informieren, lernten viel über „abgewürgte Wurzeln“, über Bäume, die sich dem Wind beugen müssen, über zu knapp bemessenen Lebensraum und und und. Manche Bäume besitzen sogar die Unverfrorenheit, den Anwohnern das Licht zu rauben, wissen die denn gar nicht, was gutes Benehmen ist?Bemitleidenswerte Kreaturen allerorten, für die es nach Meinung der Planer nur einen Ausweg geben kann – den Gnadentod durch die Kettensäge.

In den ursprünglichen Planungen sollten von den insgesamt 48 Bäumen im Umfeld der Stadthalle exakt 48 gefällt werden. Dafür sollte die Zahl der Parkplätze von 70 auf 95 steigen, und all diese Parkplätze sollten auch so groß bemessen sein, dass die stolzen Besitzer von SUVs bequem einparken und die Türen öffnen können. (Der Fairness halber sei hinzugefügt, dass auch 44 neue Bäume gepflanzt worden wären.) Dann aber regte sich Mitleid, und die Planungen gerieten etwas weniger radikal. 13 Bäume dürfen stehen bleiben, 35 werden gefällt, dafür 25 neue gepflanzt. Die Zahl der Parkplätze sinkt auf 64, erfreulicherweise kommen sogar Fahrradabstellplätze hinzu!

Für die Anwohner der Straße Lohstätte sei schon einmal festgehalten, dass sie sich neue Briefköpfe, Adressstempel und was weiß ich zulegen können. Die Straße wird verschwinden. Für immer. Aus der Geschichte getilgt. Der ganze Bereich nördlich der Stadthalle ist aus Sicht der Planer „übererschlossen“, die Straße kann also weg. Künftig soll die Straße Bleichen die ganze Last des Verkehrs tragen. Der Bereich zum Wasser soll aufgewertet und als Wanderweg erschlossen werden. Bessere Bedingungen soll es auch für die Stadthallen-Gastronomie geben, ebenso für das Lokal an der Lohstätte, in dem vor langen Jahren der „Franziskaner“ und später das „Flönz & Schmöker“ ansässig war – obwohl die letzten Pächter („Café Live“) schon vor einigen Monaten das Handtuch geworfen haben. Die Baumaßnahmen sollen gut zwei Millionen Euro kosten (wovon die Anwohner einen Teil übernehmen werden müssen). Die Umgestaltung soll ab Anfang 2018 beginnen und in zwei bis drei Jahren abgeschlossen sein.


Der Winter kommt: Tiergartenwald horizontal

rd | 01. September 2017, 12:41 | 19 Kommentare

Leben wir in Westeros? Drohen mehrjährige Winter? Wer aktuell im Tiergartenwald den Hauptweg entlang wandert, könnte fast den Eindruck gewinnen, dass Förster Joachim Böhmer den Ast, auf dem er sitzt, bereits hat absägen lassen (was er natürlich nie tun würde). Allerdings lässt die schiere Masse des bereitstehenden Kaminmaterials der Zukunft an einen gigantischen Kahlschlag, der zuvor dort stattgefunden haben muss, denken. Es sind allerdings noch vereinzelt Bäume zu sehen, soviel zum Trost.


Tiergartenwaldandacht

rd | 31. August 2017, 16:33 | 4 Kommentare
Im Leben geht mancher Schuss daneben… aber dann einen St.-Hubertus-Tropfen

Im Leben geht mancher Schuss daneben… aber dann einen St.-Hubertus-Tropfen


Radschnellweg: Schlenk rechts

rd | 30. August 2017, 10:04 | 39 Kommentare
Wer aber hat sich das ausgedacht? Der Radschnellweg umkurvt ein bewegliches Hindernis

Wer aber hat sich das ausgedacht? Der Radschnellweg umkurvt ein bewegliches Hindernis

Eine der schönsten Straßen im Klever Umland heißt „Schlenk“. Sie beginnt hinter der – mittlerweile geschlossenen – Gaststätte „Haus Erfgen“ und führt von dort angenehm kurvig in Richtung Huisberden.

Es scheint, als hätten sich die Planer des Radschnellwegs Kleve-Nimwegen gleich zu Beginn der Strecke von dieser Straße inspirieren lassen. Denn schon auf dem ersten Kilometer des Millionenprojektes dürften Schnellradfahrer erhebliche Probleme bekommen. Unmittelbar nach der Überquerung des Spoykanals macht die Strecke eine scharfe Rechtskurve und führt dann in einem langen Schlenker wieder zu den Bahngleisen zurück. Grund für den Streckenversatz: das Lokal „Red Wagon“ nebst angegliedertem Biergarten. Bekanntlich aber ist die Gaststätte ein ausrangierter Eisenbahnwaggon, der dort auf ein paar Metern Schienen, die eigens dafür verlegt wurden, platziert wurde. Auf die Idee, den Waggon mit einem Kran einfach drei Meter nach rechts zu verschieben, ist offenbar niemand gekommen. War wohl zu naheliegend.


King Theo

rd | 28. August 2017, 00:40 | 19 Kommentare
Prinz, Bürgermeister – und nun Monarch: Tho Brauer

Prinz, Bürgermeister – und nun Monarch: Tho Brauer (Foto: Tim Tripp/Klever Wochenblatt)

Eine Frau zwischen einem Gewinner und einem Kandidaten: Theo Brauer, Ehefrau Jutta, Stefan Rouenhoff (Foto: Rouenhoff)

Eine Frau zwischen einem Gewinner und einem Kandidaten: Theo Brauer, Ehefrau Jutta, Stefan Rouenhoff (Foto: Rouenhoff)

Er ist ein Machtmensch durch und durch. 1979 Theo der Feurige, Karnevalsprinz, erkennbar zu Höherem berufen. 2004 Bürgermeister, so strahlend, dass selbst am Ende die unabhängige Presse vom „Meisterbürger“ sprach. Und nun, 2017, die Endstufe des gesellschaftlichen Aufstiegs: König Theo! Theo Brauer wurde am Sonntag neuer Schützenkönig des Kellener Schützenvereins 1909! Die Politik der ruhigen Hand zeigt auch nach der Amtszeit als Bürgermeister noch perfekte Ergebnisse. Herzlichen Glückwunsch! Montag soll in Kellen noch gefeiert werden („Spätschoppen“), am Dienstag wird der gelernte Pädagoge, zuletzt als Grüßaugust in Diensten der Volksbank Kleverland, gut unterrichteten Kreisen zufolge, mit seiner Garde zum neuen Rathaus marschieren, um letzte demokratische Hemmnisse zu beseitigen. Bürgermeisterin Sonja Northing soll ein Exil in Goch angeboten werden. Mittwoch wird Emmerich annektiert. Die „Hand“ des neuen Monarchen wird Prof. Dr. Marie-Luise Klotz werden.

Ein sehr emotionaler Bericht in der NRZ: Bum, bum, Brauer (allerdings bezahlpflichtig)


Die wahrscheinlich am besten versteckte Touristen-Information der Welt

rd | 25. August 2017, 16:06 | 24 Kommentare
Abseits aller Laufwege gut versteckt: Kleves neue Touristen-Informationen an der Rückseite des Rathauses

Abseits aller Laufwege gut versteckt: Kleves neue Touristen-Informationen an der Rückseite des Rathauses

Schon gemerkt? Wahrscheinlich nicht, wie denn auch! Mit der Fertigstellung des Rathauses hat auch das Kleve Marketing ein neues Zuhause bekommen – in eben diesem Neubau. Damit kann Kleves sich rühmen, die wahrscheinlich am besten versteckte Touristen-Information der Welt zu betreiben. Obwohl, ich weiß nicht ganz genau, wie es in Pjöngjang aussieht.

Ältere Klever erinnern sich gerne an den Pavillon auf der Herzogbrücke – besser kann eine Touristen-Information nicht platziert sein. Direkt am Eingang der Innenstadt, genau im Laufweg der Besucher, die von den Parkplätzen oder aber vom Bahnhof kommend in die Stadt strömten. Später zog die Einrichtung um in ein Gebäude am Kopfende der heute nicht mehr existierenden Straße, hinter der Herzogbrücke entlang des Spoykanals führte. Heute steht dort die Volksbank. Ebenfalls eine gute Lage, gut sichtbar für alle, die auf der Suche nach Informationen über ihr Reiseziel waren.

Blick auf die Herzogbrücke, oben links der Pavillon (Foto Christoph Hünnkes/Kleve anno dazumal)

Blick auf die Herzogbrücke, oben links der Pavillon (Foto: Christoph Hünnkes/Kleve anno dazumal)

Das vergangene Jahrzehnt schließlich waren die Mitarbeiter des Kleve Marketings auch strategisch günstig untergebracht – in der Eckimmobilie Herzogstraße/Opschlag, wiederum gut sichtbar an den Hauptverkehrswegen gelegen. Für die Besucher erfüllte der Standort seinen Zweck, doch die Immobilie selbst war in einem miserablen Zustand und weckte offenbar Begehrlichkeiten nach einer dem Geschäftsführergehalt angemessenen Unterbringung.

Die fand sich nun im neuen Rathaus. Das aber ist bekanntlich ein ehemaliges Krankenhaus, das, seiner Bestimmung gemäß, sich nicht in den Vordergrund drängte, sondern eher im Verborgenen stand. Das Gebäude liegt in der zweiten Reihe der Kavarinerstraße, oder, aus der Sicht der vom Bahnhof kommenden Besucher der Stadt, hinter der Deutschen Bank. Von dort aus gesehen, dann aber in der hinteren, verdeckten Ecke. Höchstens Abenteuertouristen, die einmal abseits der ausgetretenen Pfade ihr Reiseziel erkunden wollen, haben die Chance, auf das Büro zu stoßen. Wollen sie eintreten, müssen sie noch den Türöffner rechts vom Eingang betätigen (das muss heute wahrscheinlich so sein, wird mich aber nicht von meiner Meinung abbringen, dass Türen einem auch die Gelegenheit geben sollten, sie auf althergebrachte Weise zu öffnen). In Inneren fällt der Blick sofort auf einen hohen Tresen, der den Besucher – wenn er denn überhaupt bis dorthin gekommen ist – psychologisch zu einem Bittsteller degradiert.

Das Ganze ist so vermurkst, dass man sich fragt, wer das abgezeichnet hat. Wollte man den Mitarbeitern von Kleve Marketing etwas Ruhe vom Alltag verschaffen. Abhilfe scheint erst in Sicht, wenn die Volksbank Kleverland infolge von Fusionen ihr Klever Verwaltungsgebäude nicht mehr benötigt und das Rathaus dorthin umzieht. Im Foyer des Gebäudes könnte sich die Stadt den Besuchern angemessen präsentieren. Die Weinhandlung kann vom Kämmerer übernommen werden. Das neue Rathaus verwandelt Christian Nitsch dann in ein Seniorenpflegeheim. Viele Ratsmitglieder müssten sich dann auch nicht mehr groß umgewöhnen.


Klever Wochenblatt entdeckt neue Form der Begeisterung

rd | 24. August 2017, 10:03 | 11 Kommentare
Wissenschaftler untersuchen derzeit, wie diese Form des Enthusiasmus zu bewerten ist

Wissenschaftler untersuchen derzeit, wie diese Form des Enthusiasmus zu bewerten ist

Die Steigerung dürfte etwas so gehen: Ablehnung, Widerwillen, Reserviertheit, Gleichgültigkeit, Wohlwollen, Freude, Begeisterung, Begeisterung beim Zweiradspektakel.

Nicht fürchtet der Journalist mehr, von Leserbriefen von Studienräten einmal abgesehen, als die Text-Bild-Schere. Nur die Kollegen beim Klever Wochenblatt haben keine Angst davor 😉


Blick nach Sachsen

rd | 22. August 2017, 10:40 | 6 Kommentare
Kann auch gut berühmte Skulpturen imitieren: Markus van Appeldorn, Journalist

Kann auch gut berühmte Skulpturen imitieren: Markus van Appeldorn, Journalist

(Tag der Presseschau, Teil 4) Markus van Appeldorn, unser nach Sachsen entsandter Sonderkorrespondent, hat seiner neuen Heimat eine Liebeserklärung gemacht. Kaum zu glauben, aber, lieber Leser, überzeuge dich selbst:

Tief im Westen, tief im Osten

(Die Überschrift hat er netterweise von meinem Artikel zu seinem Abschied aus Kleve übernomme ;-))


Kleve in Farbe: Ist das die Kavarinerstraße?

rd | 22. August 2017, 10:36 | 9 Kommentare
Pittoresk bis abbruchreif: Kleve, vermutlich 1921 (Foto Andries Nielen/NRZ)

Pittoresk bis abbruchreif: Kleve, vermutlich 1921 (Foto Andries Nielen/NRZ)

(Tag der Presseschau, Teil 3) Ein faszinierender Blick auf Kleve, wie es ihn noch nie gegeben hat: Andreas Gebbink präsentierte in der NRZ die Fotos von Andries Nielen, eines Niederländers, der als Unternehmer in den USA ein Vermögen machte und sich deshalb schon früh seinem Hobby widmen konnte – dem Fotografieren. Die – damals aufwändig nachkolorierten – Aufnahmen, entstanden in den Jahren 1912 bis 1921, sind wahrscheinlich die ersten Farbbilder, die es von Kleve gibt. Die Aufnahme oben könnte, dem Blickwinkel zur Schwanenburg nach zu urteilen, in der Kavarinerstraße entstanden sein. Dann wäre die kleine Straße rechts die Hopfensackstege. Das Geschäft am Kopfende heißt „Weinhandlung“ oder „Kornhandlung“, jedenfalls ein kurzes Wort vor „…handlung“, und der Name scheint mit den Buchstaben „Tho…“ zu beginnen, aber richtig genau ist das nicht zu entziffern. Das Geschäft müsste dann in der Großen Straße gelegen haben.

Hier der Link zum Artikel in der NRZ: Ein Niederländer machte die ersten Farbbilder von Kleve (bezahlpflichtig)


Die geteilte Stadt (nein, nicht Berlin)

rd | 22. August 2017, 10:18 | keine Kommentare
Berühmte Fotomontage von Ewald Steiger: Elefanten vor dem Hoffmann-Werksgebäude (Foto: Stadtarchiv Kleve)

Berühmte Fotomontage von Ewald Steiger: Elefanten vor dem Hoffmann-Werksgebäude (Foto: Stadtarchiv Kleve)

(Tag der Presseschau, Teil 2) Die NRZ-Serie zum Klever Stadtjubiläum befasste sich am Wochenende mit den beiden Klever Unternehmen Union und Hoffmannn, auch dies ein Beitrag aus meiner Feder:

Eine revolutionäre Idee und ein bürokratischer Akt sorgten gegen Ende des 19. Jahrhunderts dafür, dass Kleve die Zeit als verarmte ehemalige Residenzstadt, die von ein paar Monaten Kurtourismus im Sommer lebte, hinter sich ließ und in der Moderne ankam. Die Moderne, das hieß: Fabriken, rauchende Schlote, Heerscharen von Arbeitern. Ein gutes Jahrhundert, von den Wirren des Zweiten Weltkriegs einmal abgesehen, blieb dies das Gesicht der Stadt.

1887 erließ Reichskanzler Bismarck ein Zollgesetz, das auf die Einfuhr von Margarine einen Strafzoll von zweihundert Mark je Tonne erhob. Die neue Regelung störte das Geschäft des Fabrikanten Simon van den Bergh erheblich. Der Unternehmer hatte sich im niederländischen Oss, fünfzig Kilometer westlich von Kleve, einem neuen Gewerbe zugewandt, der Produktion von „Kunstbutter“. Das Erzeugnis erhielt wegen seines perlenartigen Glanzes den Namen Margarine.

Das Produkt ließ sich günstiger herstellen als Butter, und es fand schnell reißenden Absatz – auch in Deutschland. Um die heimischen Produzenten zu schützen, erhob das Deutsche Reich deshalb die Strafzahlung auf die Importe. Van den Bergh und andere Unternehmer suchten nach einem Ausweg.

Die Lösung war die Gründung von Zweigniederlassungen jenseits der Grenze. „Grund für die Ausdehnung ihrer Interessen nach Deutschland war der Wunsch, die hohen Schutzzölle zu umgehen“, schreibt Barbara Hendricks, heute Bundesumweltministerin, in ihrer Doktorarbeit. „Mit diesen Gründungen beginnt die eigentliche Geschichte der Margarineindustrie am unteren Niederrhein.“

Das Werk van den Berghs wurde bereits am 20. August 1888 eröffnet; es lag strategisch günstig im Kellen in Nachbarschaft zum Bahnhof sowie unweit des Spoykanals. Schon sechs Jahre später produzierte die Fabrik ausweislich einer Statistik des Regierungsbezirks Düsseldorf 120.000 Zentner Margarine pro Jahr und beschäftigte 200 Arbeiter. Der Konkurrent Jurgens & Prinzen in Goch hatte 160 Menschen in Lohn und Brot und stellte 200.000 Zentner pro Jahr her. Landrat Eich kommentierte die Zahlen: „Sämtliche Etablissements werden unausgesetzt erweitert, die Zahl der Arbeiter vermehrt sich stetig.“

Der Klever arbeitete „op de Butter“, und was in Kleve von den Bändern lief, war schon bald in ganz Deutschland bekannt – weil die Marken wie Blauband, Rama und Clever Stolz aggressiv in den Markt gedrückt wurden. Verantwortlich dafür war unter anderem Johann Manger, ein Mann, von dem sich sagen lässt, dass er – offiziell als Generaldirektor fungierend – der erste Manager in der Stadt war.

Charles Wilson beschreibt den Werkschef in seiner „Geschichte von Unilever“ mit folgenden Sätzen: „Manger war ein stämmiger, kraftstrotzender Kerl. Er besaß einen Stiernacken, war nicht sonderlich feinsinnig und genoss den Ruf, jeden unter den Tisch trinken zu können.“ Rastlosigkeit war sein Markenzeichen: 200 Nächte pro Jahr soll er in Schlafwagen der Eisenbahn verbracht haben.

Parallel dazu entwickelte sich in der Oberstadt ein Musterbeispiel für einen patriarchalischen Familienunternehmer. Im Alter von nur 24 Jahren gründete Gustav Hoffmann, Sohn eines Kleinhändlers aus der Innenstadt, gemeinsam mit dem fünf Jahre älteren Fritz Pannier eine Fabrik, die sich auf die Herstellung von Kinderschuhen spezialisierte – damals eine revolutionäre Idee. Zu der Zeit trugen Kinder Schuhe, die rechts wie links getragen werden konnten. Ein Fußbett, das sich der Form des Fußes anpasst, war nur Erwachsenen vorbehalten.

Auch diese Idee wurde ein Erfolg, der von Kleve aus die Welt eroberte. Hoffmann kam durch seine „Elefanten“-Schuhe zu sagenhaften Reichtum, den er auch entsprechend zelebrierte – er sammelte Häuser wie andere Leute Briefmarken, er fuhr einen Minerva, eine Luxuskarosse, die beispielsweise auch Henry Ford besaß. Die Karosserie seines Wagens hatte er persönlich entworfen, zum Chauffeur hielt er mit einem Sprechrohr Kontakt. Hoffmann hatte in Kleve die Telefonnummer 1 und starb, wie er lebte – während eines Karnevalsballs im Hotel Maywald (das ihm auch einmal gehörte) im Februar 1935 beim Tanzen vom Herzinfarkt gefällt.

In einem gewissen Sinne spalteten die beiden Werke die Stadt: „Op de Botter“ waren die Menschen tendenziell eher rechts und dem VfB Kleve zugetan. Die „Schüsterken“ neigten politisch nach links und schlossen sich mehrheitlich dem Sportclub 1863 Kleve an.

Diese Spaltung aber ist längst Geschichte, so wie es auch die der beiden Industrien selbst ist. Im Unilever-Konzernverbund wurde der Standort Kleve bedeutungslos und weitestgehend abgewickelt, aktuell steht die gesamte Lebensmittel-Sparte zum Verkauf. Die Schuhproduktion in Deutschland wurde zu teuer, der britische Konzern Clarks, seit 2001 Besitzer des Klever Traditionsunternehmens, legte den Standort 2004 komplett still.

Beide Areale gehören nun dem Klever Unternehmer Bernd Zevens. In der Oberstadt entwickelte er ein Einkaufszentrum mit vielen Parkplätzen, nur der alte Schlot erinnert noch an die Vergangenheit des Geländes. In der Unterstadt entsteht ein neuer Stadtteil – lediglich die denkmalgeschützte Produktionshalle soll als Gewerbeimmobilie neu erschlossen werden.


Flugsekunde zur Seligkeit

rd | 22. August 2017, 10:09 | 5 Kommentare
Temps perdu

Temps perdu

(Tag der Presseschau, Teil 1) Für die NRZ durfte ich in der Reihe „Kennste noch“ einen – sentimentalen – Bericht über das alte Klever Freibad, das gerade einem zeitgemäßen Neubau weicht, schreiben. Voilà:

Der Zehner! Sicher, vom Sprungturm im Sternbuschbad konnten Besucher auch aus drei, fünf und siebeneinhalb Metern Höhe ins Wasser springen, doch die eigentliche Grenzerfahrung einer unschuldigen Adoleszenz war die Betonplattform zehn Meter über dem Wasserspiegel.

Der Zehner war ein mystischer Ort, der unbarmherzig die Mutigen von den Zaghaften schied, der Teenagern durch eine Sekunde freien Falls zu Helden erhob oder, wenn oben doch die Angst Oberhand gewinnen sollte und die Metalltreppe für den Rückweg zur Erde gewählt wurde, die schlimmsten Demütigungen für einen bereithielt.

Der Sprungturm war das Wahrzeichen des Sternbuschbades. 1975 wurde es eröffnet, architektonisch eine Perle der – heute leider nicht mehr so geschätzten – Betonarchitektur der Siebzigerjahre, idyllisch mitten im Wald gelegen. Wer nicht im Sommer seiner Jugend nach der Schule dorthin ging, um die sich entwickelnden Neigungen einem durch knappe Badekleidung beförderten Praxistest zu unterziehen, war nicht von dieser Welt. Die Coolsten lagen auf den Betonstufen neben dem 50-Meter-Becken und präsentierten ihre Körper, als hätten sie noch nie von ultravioletten Strahlen gehört. Hatten sie auch nicht.

Das 50-Meter-Becken war neben dem Sprungturm der zweite Fixpunkt der Anlage. Wer häufiger dort zu Gast war, hört heute noch nachts in seinen Träumen, wie es einem aus dem Lautsprecher auf dem Schwimmmeister-Kommandostand entgegenscheppert: „Nicht vom Beckenrand springen!“ In den Siebziger- und Achtzigerjahren mussten die Schwimmer noch Badekappen tragen, aus hygienischen Gründen, bis das Ganze irgendwann als Unsinn entlarvt wurde.

Nirgendwo konnte man seine Bahnen schöner ziehen als in diesem Bassin, das wegen seiner Maße Olympiabecken genannt wurde – bei gutem Wetter, wenn die Besucher zu Tausenden anbrandeten, allerdings nur frühmorgens oder kurz vor der Schließung, wobei der Unterschied in der Wasserqualität im Verlauf eines Tages beeindruckend war. Empfindlichere Naturen kamen also lieber früher.

Ein Besuch des Sternbuschbades war erst perfekt, wenn Fixpunkt Nummer 3 aufgesucht worden war – der Imbiss im Eingangsbereich der Anlage. Die Schlange vor der Fritteuse vermittelte einen Eindruck vom Leben in der DDR, doch sobald der juvenile Besucher eine Schale Pommes in den Händen hielt, war der Gipfel menschenmöglichen Glücks erreicht. Vielleicht waren die Kartoffelstäbchen wirklich so gut, wahrscheinlicher aber sorgte das Gefühl, eine Herkulesaufgabe bewältigt zu haben, für eine besondere Form der Seligkeit – womöglich noch verstärkt durch den vorher absolvierten Sprung vom Zehner.

Konzipiert worden ist das Sternbuschbad als Sportbad; nachdem die Klever Schwimm-Ikonen Klaus und Angela Steinbach bei den Olympischen Spielen in München an den Start gegangen waren (Klaus gewann die Silbermedaille in der 4 200-Meter-Freistilstaffel), schien dem Schwimmsport in Kleve eine große Zukunft bevorzustehen.

Doch ausgerechnet das Olympiabecken war für offizielle Wettkämpfe nicht zu gebrauchen. Das ausführende Bauunternehmen hatte die Beckenlänge exakt mit fünfzig Metern abgemessen – aber leider nicht daran gedacht, dass an den beiden Enden noch jeweils eine Lage Kacheln nötig war. So maß das Becken nach Fertigstellung exakt 49,95 Meter – fünf Zentimeter zu wenig.

Von alldem wird nichts mehr übrig sein, wenn im Sommer nächsten Jahres das neue Sternbuschbad eröffnet wird: Der Sprungturm ist geschleift, das Olympiabecken von acht auf zwei Bahnen geschrumpft. Nur die Schlangen vor der Pommesbude werden vermutlich nicht mehr so lang sein. Aber wollen wir das?


Blick nach Emmerich: Stadtmuseum eröffnet!

rd | 21. August 2017, 10:20 | 1 Kommentar
Museum, das muss nicht immer ein aufwändig restauriertes Kurhaus sein…

Museum, das muss nicht immer ein aufwändig restauriertes Kurhaus sein…

Eigentlich Emmerich! Die für ihre unprätentiöse Art bekannte Stadt (siehe auch hier: Steinstraße und hier: Brückenkopf) setzt nun auch im Kulturbetrieb neue Zeichen: Das neue Stadtmuseum kommt mit einer Vitrine am Bahnhof aus, in der ausgewählte Gemälde aus dem Œuvre des Heimatmalers Hein Driessen ausgestellt werden. Die Telefonnummer des Künstlers ist gut sichtbar an der Frontscheibe angebracht, für den Fall, dass weitere Informationen zum Werk aus erster Hand gewünscht werden. Ist doch besser als diese unleserlichen Schildchen, die sonst immer unten rechts neben den Bildern hängen. Besucher können mit dem Rad bis direkt vor die Gemälde fahren. Das Museumscafé nebenan bietet neben Kaffeevariationen aus Papppechern auch aktuelle Presseerzeugnisse.

Von Herbert (13.09. 18:21):

Wunderschönes Emmerich

...


Neue Erkenntnisse zu alter Menschheitsfrage: Arrividerci, Ciao!

rd | 21. August 2017, 10:10 | keine Kommentare
Komplementärkontrast, aber wie lange noch: Piaggio am Wyler Meer (Foto: Anna Wandowski)

Komplementärkontrast, aber wie lange noch: Piaggio am Wyler Meer (Foto: Anna Wandowski)

Die schon am Beispiel eines Russenmercedes, der sich dann – einem Kommentator zufolge – als niederländischer Überführungsmercedes herausstellte (der übrigens mittlerweile von seinem Parkplatz entfernt wurde), durchexerzierte Frage, ob nicht am Ende doch die Natur alles Menschengemachte wieder überwuchert und annihiliert, darf nach einem weiteren spektakulären Fund getrost mit Ja beantwortet werden. (Langer Satz.) Wacker noch wehrt sich dieses rote Ciao-Mofa des italienischen Herstellers Piaggio gegen die Ranken und Sträucher, die es am Wyler Meer von allen Seiten attackieren. Doch schon im nächsten Jahr dürfte die Natur es verschlungen und Laufe der nächsten Äonen wieder in seine Ursprungsbestandteile zerlegt haben. Arrividerci, Ciao!


An der Klever Abrisskante

rd | 16. August 2017, 16:12 | 26 Kommentare

Seit heute werden die alten Bensdorp-Gebäude abgerissen

Ein Stück Klever Geschichte verschwindet, seit heute morgen machen Bagger einen Großteil des Bensdorp-Geländes dem Erdboden gleich – nur die denkmalgeschützten Bereiche der ehemaligen Kakaofabrik bleiben stehen, z. B. die Turmgarage. Zum Opfer fällt auch jenes Gebäude, das zuletzt mit in hoher Frequenz wechselnden Betreibern der Absturzgastronomie verpflichtet war, der in Kleve wohlbekannte „Tower-Club“, der auch schon mal als „Rampenbrücke“ firmierte, was zu Wortspielen reizte. Vermutlich Anfang der kommenden Woche reißen die Bagger auch die Diskothek ein. Udo Tjaden, der Besitzer des Geländes, möchte in bester Unterstadtlage neue Gewerbeimmobilien errichten. Nebenan nehmen die Bemühungen von Investor Bernd Zevens, einen neuen Stadtteil zu errichten, auch sichtbare Formen an – das geplante Pflegeheim, das dort errichtet wird, wo früher das Verwaltungsgebäude der Union stand, ist bereits auf sechs Stockwerke in die Höhe geschossen.


Poller am Opschlag: Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

rd | 16. August 2017, 15:56 | 12 Kommentare
Photoshop-Profis errichten einen gut sichtbaren Poller in fünf Minuten

Photoshop-Profis errichten einen gut sichtbaren Poller in fünf Minuten

(Auch in der NRZ veröffentlicht) Zugegeben, im privaten Umfeld dürfte eine solche Situation eher selten vorkommen, aber stellen Sie sich einmal vor, Sie benötigten für Ihre Garageneinfahrt einen versenkbaren Poller. Wie würden Sie vorgehen?

Vermutlich so: Sie googeln „versenkbare Poller“, finden in Bruchteilen von Sekunden Unmengen von Treffern, scrollen sich durch die Liste, stoßen auf einen seriös wirkenden Anbieter, der das gewünschte Teil für 1800 Euro anbietet, klicken auf „Jetzt bestellen!“, bekommen es innerhalb von drei Werktagen geliefert und laden fürs Wochenende zwei Freunde, die sich in Sachen Bau auskennen, ein und starten mit einem Kasten Bier das Projekt. Wenige Stunden später findet die Einweihung statt.

Doch der Poller, um den es hier geht, soll nicht auf privatem Grund und Boden stehen, sondern im öffentlichen Raum, eingangs der Straße Opschlag. Und da wird aus einem Poller schnell eine unendliche Geschichte.

Der Opschlag hat sich – für viele überraschend – nach der Umgestaltung zu einem gastronomischen Anziehungspunkt sowie zu einer Flaniermeile entwickelt. Zu verdanken ist dies im Wesentlichen den Lokalen „Tijuana“ und „The Lounge“ sowie dem „Venga“, die allesamt abends reichlich Besucher anlocken.

Das aber macht andere neugierig, und so entwickelte sich schnell eine besondere Art des Verkehrs. Autofahrer drehten Runden, um zu überprüfen, ob in einer der Gaststätten Bekannte sitzen, die es lohnenswert erscheinen ließen, die Tour zu unterbrechen. Leidtragende waren Anwohner, aber auch Kellner, die mit vollen Tabletts über die Straße zu den entfernteren Tischen laufen mussten. Auch Eltern, deren Kinder in der Nähe des Wassers spielten, während sie bei einem Getränk in der Außengastronomie saßen, war das Unbehagen über Situation mitunter anzusehen.

Daraufhin entschied sich die Stadtverwaltung im vergangenen Jahr, die Straße im Sommer abends für den Autoverkehr zu sperren. Ein kleines Schild machte darauf aufmerksam, und ein Pappkamerad in Form eines Ordnungshüters hob mahnend den Zeigefinger. Allein: Der Klever lässt sich nur ungern vorschreiben, wo er lang zu fahren hat und wo nicht.

Selbst überraschende Kontrollen, die nach Ansicht von Augenzeugen binnen weniger Minuten Hunderte von Euro an Bußgeldern eingespielt haben dürften, änderten nichts daran, dass der Opschlag abends von Kraftfahrern benutzt wurde. „Des Aufkommen an Verkehrsverstößen übersteigt bei weitem die Möglichkeiten, diese auch zu ahnden“, so das resignierte Fazit der Polizei.

Schon 2016, als der Opschlag in der Sommersaison erstmals gesperrt wurde, stand für den Fall, dass sich diese Lösung nicht bewähren würde, zur Diskussion,
eingangs der Straße versenkbare Poller einzubauen. Reichlich Zeit, eine entsprechende Lösung vorzubereiten, sollte man meinen.

Im Frühjahr herrschte im Umwelt- und Verkehrsausschuss der Stadt Kleve Einvernehmen darüber, dass die Poller tatsächlich kommen sollten. Am 5. April beschloss der Rat, die Poller „zeitnah“ einzubauen. Allerdings bremste Bernhard Klockhaus, Fachbereichsleiter Tiefbau, die Politik schon damals aus und sprach vage von einer Umsetzung „Ende des Jahres“. Die Kosten der Maßnahme wurden mit 20.000 Euro veranschlagt.

Anders als im Privatleben geht es bei der Stadt Kleve nicht ohne Vergabeverfahren. „Dieses steht kurz vor dem Abschluss“, so Stadtsprecher Jörg Boltersdorf. „Derzeit findet noch die Abstimmung mit der Polizei und der Feuerwehr statt.“ Zu den Verzögerungen sei es gekommen, weil verschiedene Systeme auf dem Markt angeboten werden. Boltersdorf: „Diese mussten im Hinblick auf Verkehrssicherheit und Tauglichkeit geprüft werden.“

Geplant ist, einen versenkbaren Poller in der Mitte zu installieren sowie links und rechts davon zwei Pfosten, die verhindern, dass Autofahrer die Sperre einfach umkurven. Boltersdorf: „Die Installation wird voraussichtlich im Oktober erfolgen.“ Die Chancen stehen also gut, dass in der Sommersaison 2018 der Opschlag diese Form der Verkehrsberuhigung erfahren wird – zweieinhalb Jahre nach der ersten Idee.


Aktuelle Störungen im Raum-Zeit-Kontinuum

rd | 09. August 2017, 16:33 | 31 Kommentare


Rhino’s – zu. Thom’s Lounge – zu. Diverse Fragen – offen

rd | 09. August 2017, 16:07 | 29 Kommentare
Thom's Lounge (Foto: FW)

Halb voll oder halb leer: Das ist in Thom’s Lounge am Kloppberg ncht mehr die Frage (Foto: FW)

Das Rhino’s an der Albersallee, heimisch in Räumen am Tönnissen Center, die auch schon mal unter Namen wie Oberbayern, Café Country, Euforia gastronomisch genutzt wurden, folgt – zumindest kurzzeitig – dem Schicksal der Vorgängerbetriebe und hat erst einmal geschlossen. Das Restaurant, auf die Zubereitung von Fleischklöpsen spezialisiert, klagt über gravierende technische Probleme. Auf seiner Facebook-Seite teilt das „Rhino’s Team“ mit: „Hallo Freunde, es tut uns sehr leid, dass es noch keine Antwort [zur überraschenden Schließung] gab. Wir haben in der Zeit verschiedene Techniker und Handwerker im Haus gehabt, um dies zu beurteilen sowie andere Rückschläge erlebt. Zwar wurde die Ursache gelöst, aber dennoch sind wichtige Teile nicht reparabel, wodurch wir gezwungen sind, den Küchenbetrieb zu minimieren, da zu hohe Investitionen notwendig wären. Wir werden ab September den Barbetrieb und Clubbetrieb wieder aufnehmen, aber mit einer abgeänderten, kleineren Karte als vorher. Die Öffnungstage und -Zeiten werden auch geändert, doch dieses werden wir in der nächsten Woche festlegen. Für uns steht erst einmal der 01.09. fest und werden ab nun wieder fleißig daran arbeiten, dass auch Infos schnellstmöglich weitergeleitet werden. Gutscheine behalten natürlich ihre Gültigkeit und können wieder umgetauscht werden.“ + + + Nur kurz währte die Wiederbelebung der Cocktail-Bar Thom’s Lounge in der Klever Innenstadt. Mehrfach standen Zecher nachts vor verschlossenen Türen. Wer dennoch auf die Cocktails von Andreas Hert nicht verzichten will, wird zumindest laut letztem Facebook-Eintrag auf der Lounge-Seite ins Casa Cleve an der Tichelstraße umdirigiert. + + + Ein bekanntes Gesicht aus der Klever Gastronomie, der Wirt Jos („Kultzapfer“), bekannt aus Biertönnchen und Katzenhof, bringt seit wenigen Wochen neuen Schwung in Ludger Tiggelbecks Klever Keimzelle seines Gastronomie-Imperiums, das Le Journal. Unterdessen schreiten in Tiggelbecks ausgebrannten Düsseldorfer Lokal Kurzen 7 die Renovierungsarbeiten voran. Einen Termin für die Wiedereröffnung gibt es aber noch nicht.


Wer am Ende immer gewinnt

rd | 06. August 2017, 18:02 | 6 Kommentare
Für die Ewigkeit gebaut, aber am Ende nicht mehr als eine Rankhilfe: Altrheinbrücke in Griethausen

Für die Ewigkeit gebaut, aber am Ende nicht mehr als eine Rankhilfe: Altrheinbrücke in Griethausen (Foto: Thomas Arntz)


Die drei ??? und der graue Russenmercedes an der Sternbuschklinik

rd | 04. August 2017, 17:07 | 16 Kommentare
Die Natur erobert das Auto zurück

Die Natur erobert das Auto zurück

Klare Arbeitsanweisung, die aber nicht befolgt wird

Klare Arbeitsanweisungen, die aber nicht befolgt werden

Nun, da mich meine meine Wege vermehrt zum Klever Krankenhaus führen, werden die Sinne geschärft für die Konstanten entlang des Weges. Auf einen dieser Fixpunkte machte mich bereits vor einigen Monaten ein Leser aufmerksam, nun durfte ich mich selbst mit dem durchaus rätselhaften Sachverhalt vertraut machen.

Es geht um die Sternbuschklinik (SBK), genauer gesagt um den ersten Parkplatz links. Dort parkt ein Mercedes C 180 mit (unvollständigem) russischen Kennzeichen JV 03 – und zwar, wie der Leser bereits im Frühjahr anmerkte, seit geraumer Zeit. Der erste Gedanke – Sternbuschklinik, oje, nicht dass da etwas Endgültiges passiert ist! Doch die genauere Inspektion des Wagens bringt hinter der Windschutzscheibe eine interessante Mitteilung des Wagenbesitzers zum Vorschein.

Er schreibt: „Liebe Hausangestellten der SBK: Information: Zu eurem Aufgabengebiet zählt auch der Forstparkplatz an der SBK. Daher bitte ich in regelmäßigen Abständen meinen Dienst-PKW zu waschen, der Reifendruck zu kontrollieren u. gegebenen falls die… Ich bedanke mich im vorraus für Ihr Verständnis Ihr Dr. Schiwoschilzkowitz“

Wie der halb zugewucherte Wagen dokumentiert, halten sich die Angestellten allerdings nicht an diese Anweisung. Das Fahrzeug wird also entweder zurück in die Natur integriert – oder aber Dr. Schiwoschilzkowitz gibt auf und wäscht seinen Wagen wieder selbst.


Der Nächste, bitte!

rd | 03. August 2017, 11:35 | 1 Kommentar

Der unbarmherzige Schnitter! Und immer wieder die Spyckstraße! Aktuelle Mitteilung der Stadt Kleve: „Ein weiterer Baum innerhalb der geschützten Allee an der Spyckstraße muss durch die Umweltbetriebe der Stadt Kleve (USK) kurzfristig gefällt werden. Der Baum ist abgestorben und stellt eine Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer dar.“ Lesen Sie morgen: Schnitthöhe für städtische Rasenmäher um 0,5 mm abgesenkt.


Landgericht oder Drogeriemarkt?

rd | 31. Juli 2017, 15:26 | 2 Kommentare
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft… 1,3 Kilo dieses oder jenes

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft… 1,3 Kilo dieses oder jenes

Medienvertreter erhalten vom Pressesprecher des Landgerichts alle zwei Wochen eine Vorschau über die aus Sicht der Justiz wichtigen Termine. Als ich noch bei der BILD am SONNTAG in Hamburg gearbeitet habe, war der Brief aus Kleve insofern immer ein Quell großen Vergnügens, da alle Klagen von alltours-Kunden, die sich übers Ohr gehauen fühlten, in Kleve verhandelt wurden. Und das waren einige. Nun ist alltours seit einigen Jahren weg, und geblieben sind – die Drogen. Die aktuelle Vorschau der Termine aus Kleve ist in dieser Hinsicht allerdings ein Meilenstein, da sie ausschließlich aus Drogensachen besteht – hier der Überblick:

31.07. Strafverhandlung gegen einen 42-jährigen Polen aus Kleve wegen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in drei Fällen und Handeltreiben mit denselben. *** Strafverfahren gegen einen 50-jährigen Niederländer aus Arnheim we- gen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Handeltreibens mit denselben. *** 02.08. Strafverfahren gegen einen 29-jährigen Italiener aus Leverkusen wegen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Beihilfe zum Handeltreiben mit denselben. *** 07.08. Strafverhandlung gegen einen 52-Jährigen aus Goch wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. *** 09.08. Strafverfahren gegen einen 33-jährigen Albaner aus Italien wegen Ein- fuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Handeltreibens mit denselben. 11.08.
Strafverhandlung gegen einen 48-Jährigen aus Dortmund wegen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Handeltreibens mit denselben.


Schäferhunde! Meteoriteneinschlag! Nacktmodels!

rd | 31. Juli 2017, 15:24 | 19 Kommentare
Wenn du zum Netto humpelst und denkst: O Gott, was ist jetzt schon wieder passiert?

Wenn du zum Netto humpelst und denkst: O Gott, was ist jetzt schon wieder passiert?

Man weiß nicht, wieviel „Diesel“ die Redakteure des Blattes „getankt“ hatten, als sie diese Schlagzeile ins Blatt hoben. Wahrscheinlich waren alle Redakteure, die noch bei Besinnung waren, vor dem Terror aus der Chefredaktion an den Wannsee geflüchtet?!


3 Jahre und 4088,88 Euro Schmerzensgeld

rd | 30. Juli 2017, 20:11 | 41 Kommentare

Zeit zu urteilen

Zeit zu urteilen

Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen: Auf dem Heimweg von einer Klever Disko nach Warbeyen wurde eine junge Frau von einem Mann überfallen, der die vergewaltigen wollte. Die Frau hatte allerdings bemerkt, dass die verfolgt wird und ihren Vater angerufen. Der machte sich sofort auf den Weg, fand seine Tochter und überwältigte den Täter – einen Asylbewerber aus Syrien. In der vergangenen Woche war der Prozess, eigentlich wollte ich auch darüber berichten – aber da kam etwas dazwischen. Deshalb freue ich mich, hier zum wie immer eigenwilligen, aber lesenswerten Text von Heiner Frost verlinken zu können, der eine ausführliche Version seines Textes für die Niederrhein Nachrichten auf seinem Blog Schreibkraft online gestellt hat:

Frühstücksfernsehen


Super-Sonntags-Symbolfotos (2): 100 Jahre De Stijl

rd | 30. Juli 2017, 13:50 | 4 Kommentare
Niederländische Fliesenleger sind bis heute traumatisiert, wenn der Meister sie anherrscht: „Doe maar gewoon de Piet an de muur!“

Niederländische Fliesenleger sind bis heute traumatisiert, wenn der Meister sie anherrscht: „Doe maar gewoon de Piet an de muur!“ (Herrentoilette der Thorenschen Molen, hinter Zyfflich)


Super-Sonntags-Symbolfotos (1): Heuschrecke kontrolliert Lokalzeitung

rd | 30. Juli 2017, 13:41 | 5 Kommentare
Im Presswesen herrschen raue Sitten: Heuschrecken greifen nach Traditionsblättern (Foto: C. Philipp)

Im Presswesen herrschen raue Sitten: Heuschrecken greifen nach Traditionsblättern (Foto: C. Philipp)


Klaus Hommel, 1952-2017

rd | 27. Juli 2017, 21:40 | 3 Kommentare
Klaus Hommel (vor dem Porträt Silvia II von Franz Gertsch) (Foto: A. Gossens/Museum Kurhaus)

Klaus Hommel (vor dem Porträt Silvia II von Franz Gertsch) (Foto: A. Gossens/Museum Kurhaus)

Kleve trauert um Klaus Hommel, die Stadt verliert einen angesehenen Juristen und engagierten Freund der Kultur. Hommel, Direktor des Amtsgerichts Kleve und langjähriger Vorsitzender des Fördervereins Freundeskreis Museum Kurhaus, starb wenige Wochen vor seinem 65. Geburtstag in seinem Haus in Kleve; er war gerade erst von einem längeren Krankenhausaufenthalt zurückgekehrt.

Seit 1995 stand Hommel in Diensten der Justiz, in Kleve wurde er zum Direktor des Amtsgerichts befördert, als sein Vorgänger Dr. Ulf Hientzsch vor einigen Jahren in den Ruhestand ging. In den Gerichtssälen, wo es Kläger und Beklagte gibt, wo Täter und Opfer aufeinandertreffen, war es seine Stärke, einen Ausgleich zu suchen. Hommel sprach nicht nur Recht, er versuchte immer auch der Sache und den Menschen, um die es ging, gerecht zu werden. Und, wenn man ihn bei einem seiner mittäglichen Spaziergänge durch die Fußgängerzone traf, war er immer für einen Plausch zu haben.

Seine Fähigkeit, zu vermitteln und zu verbinden, und seine Leidenschaft für die schönen Künste führten ihn in Kleve auch schnell in den Freundeskreis des Museums Kurhaus, dessen Vorsitzender er von 2007-2013 war. „Ich bin sehr froh, dass er mein Nachfolger geworden ist“, sagt seine Vorgängerin Ulrike Sack. „Er hat den Freundeskreis durch schwierige Zeiten geführt, große Spendenaktionen iniiziert und es verstanden, die Wirtschaft einzubinden. Für den Freundeskreis war er ein wichtiger, unaufgeregter und fairer Berater sowie ein großartiger Unterstützer.“

Anlässlich seines Abschieds vom Amt des Vorsitzenden vor vier Jahren berichtete das Magazin Museumsreporter über seine Zeit als Chef der Museumsfreunde. In dem Text heißt es: Sitzungen habe er „bravourös und fesselnd“ geleitet, und „nicht nur seine gute Vereinsführung zeichnete ihn aus, auch die Fähigkeit auf Menschen zuzugehen und für alle, die ihn ansprachen, ein offenes Ohr zu haben. Darüber hinaus verstand er es im komplizierten Terrain der Interessenvertretung zwischen Museum, Politik, Stadtverwaltung und Bürgerschaft immer ein Auge für das Machbare zu haben, Konfliktsituationen zu entschärfen und für die Museen optimale Ergebnisse zu erzielen.“

Besonders lobend erwähnt wird seine Rolle bei der Restaurierung und beim Umbau des Friedrich-Wilhelm-Bades, ein Projekt, das durch unvorhergesehene Verzögerungen die Nerven aller Beteiligten aufs Äußerste strapazierte. Die feierliche Eröffnung am 9. September 2012 sei auch für Klaus Hommel ein großer Erfolg gewesen. „Mit Klaus Hommel verlässt ein starker Kapitän das Schiff ‚Freundeskreis‘“, so das Magazin.

Als Grund für den Rückzug hatte Hommel angeführt, sich wieder auf seine hauptberufliche Aufgabe als Direktor des Amtsgerichts konzentrieren zu wollen. Das ist ihm in den vergangenen Jahren vergönnt gewesen. Sich auf die nächste Phase des Lebens, den Ruhestand, vorzubereiten und diesen zu genießen, leider nicht mehr. Hommel hinterlässt seine Frau und einen erwachsenen Sohn und eine erwachsene Tochter.


Scharmützel im Hinterhof (an der Thaerstraße)

rd | 26. Juli 2017, 15:17 | 42 Kommentare
Idyllisches Hinterhofszenario an der Thaerstraße – doch die Anwohner der Hoffmannallee fürchten um den Zugang zu ihren Stellplätzen

Idyllisches Hinterhofszenario an der Thaerstraße – doch die Anwohner der Hoffmannallee fürchten um den Zugang zu ihren Stellplätzen

Wahrscheinlich liegen noch Groschen in der Kasse…

Wahrscheinlich liegen noch Groschen in der Kasse…

Werner Drießen betrieb in dem Eckhaus vor langen Jahren ein Lokal für seine Sportlerfreunde vom VfB Kleve, in späteren Jahren buhlten das Café Extrablatt und das Billardcafé um genussfreudige Menschen, letzteres Etablissement auch mit nach den beiden Wirtsleuten benannten Brotspezialitäten („Toast Wolfgang – scharf! Scharf! Scharf!“, „Toast Lothar – zart! Zart! Zart!“).

Dauerhaften Erfolg hatte keiner der Wirte, und so fiel das Gebäude, wie kolportiert wird, „auf spielerischen Wege“ an einem Kaufmann aus München, dessen Interesse an der Instandhaltung der Immobilie am Niederrhein so groß war wie das eines Vegetariers an einem deftigen Schweinebraten. Das Gebäude verfiel, und keine Lokalzeitung, die nicht mindestens einmal den desolaten Zustand an einer für Klever Verhältnisse repräsentativen Straßenecke anprangerte. kleveblog berichtete erstmals 21. Januar 2008 über das Haus, und in einer späteren Veröffentlichung merkte ein Kommentator an, dass er bereits seit 1998 in Kleve lebe und die Immobilie schon damals dem Verfall preisgegeben worden sei.

Im vergangenen Jahr aber, nach mindestens zwei Jahrzehnten Verwahrlosung, kam völlig überraschend Bewegung in die Sache. Auf dem Wege der Zwangsversteigerung wurde das Objekt zum Kauf angeboten. Ein Gutachter veranschlagte den Wert des Gebäudes auf 148.000 Euro, doch nicht wenige rechneten damit, dass nicht einmal dieses Mindestgebot erreicht wird.

Es kam ganz anders: Zum Versteigerungstermin erschienen gleich zwei Unternehmer mit einem Interesse am einstweiligen Billardcafé. Einer davon ein auswärtiger Gastronom gewesen sein, der andere der ebenfalls türkischstämmige Unternehmer T. Beide hegten Pläne, dort erneut Gastronomie zu betreiben – und keiner gönnte den Konkurrenten den Zuschlag. So wie ein Dönerspieß durch immer neue Fleischlappen fetter und fetter wird, wuchs das Gebot. Erst als das höchste Gebot jenseits der 400.000-Euro-Marke lag, knickte der Mitbewerber ein und T. obsiegte.

Mittlerweile ist das Gebäude bereits entkernt, T. plant dort eine Pizzeria. Für deren Betriebsgenehmigung soll jedoch die Bedingung auferlegt werden, die Parkplätze ausschließlich auf demselben Grundstück zu betreiben. Das wäre unter normalen Umständen auch ohne Schwierigkeiten möglich, denn der rückwärtige Bereich ist weiträumig.

Das Problem sind jedoch die Anwohner an der Hoffmannallee, die auf die Eckimmobilie stadtauswärts folgen. Hermann Wiezorek, Friseur („Level Cut“), einer dieser Anwohner, sagt: „20 Nachbarn fahren seit 70 Jahren über das Eckgrundstück, um zu ihren Garagen oder Stellplätzen zu gelangen.“ Dies könnte nun durch einen Parkplatz oder anders geartete bauliche Veränderungen – Zäune, Mauern – unmöglich gemacht werden.

Die Fahrt der Nachbarn über das fremde Grundstück war in den Jahrzehnten zuvor über ein Wegerecht abgedeckt. Doch dieses erlischt, wenn eine Immobilie auf dem Wege der Zwangsversteigerung den Besitzer wechselt. Auch die Versorgungsleitungen zu den nächstgelegenen Häusern führen über das Grundstück von Herrn T., und auch diese dürfte er theoretisch kappen.

Wiezorek hat sich bereits mit einem Schreiben an die Verwaltung und die Parteien im Rat gewandt. „Bestreben sollte sein, dass die Zufahrt zu den vorhandenen Stellplätzen der Nachbarn gewährleistet bleibt sowie die vorhandenen Zuleitungen bestehen bleiben müssen.“ Der Haken: Der neue Besitzer der Immobilie ist genau dazu nicht verpflichtet. Gleichwohl sucht die Verwaltung nach einem Kompromiss. Stadtsprecher Jörg Boltersdorf: „Die Stadt Kleve wird bei der Klärung des Sachverhalts unterstützen und versuchen mit den Beteiligten Lösungen zu finden.“


Wie sicher ist die Hagsche Straße wirklich?

rd | 24. Juli 2017, 18:37 | 18 Kommentare
Ihr Design mag vom Jugendstil inspiriert sein, doch nach 35 Jahren bergen die Straßenlaternen der Hagschen Straße den Keim des Todes in sich

Ihr Design mag vom Jugendstil inspiriert sein, doch nach 35 Jahren bergen die Straßenlaternen der Hagschen Straße den Keim des Todes in sich

Die Hagsche Straße ist so etwas wie das ADHS-Kind unter den Klever Straßen. Menschen laufen durch die Große Straße und die Kavariner Straße, sie halten sich auf in der Gasthausstraße und zumindest auch im oberen Abschnitt der Herzogstraße. Aber am Fischmarktbrunnen (dessen Verkleinerung vor Jahren bereits gefordert wurde) machen fast alle Menschen kehrt und gehen wieder stadtabwärts. Was sehr schade ist, weil es dort immer noch lohnenswerte Geschäfte gibt (Reformhaus, Hintzen, Kürvers, Hofladen Slütter, Mystic Garden, Samocca – nur so als erste Auswahl) und solche Niederlassungen, um deren Besuch man nicht herumkommt (Sparkasse). Doch die Zahl der Läden schrumpft: Unlängst berichtete die Rheinische Post einmal mehr über die Tristesse in der Neuen Mitte, die fast nur noch aus Ausstellungsflächen besteht. Gegenüber strich jetzt auch der niederländische Fahrradhändler die Segel, weiter oben stehen derzeit drei Ladenlokale leer.

Kein Wunder, dass die verbliebenen Geschäftsleute die Initiative ergriffen und die Straße wenigstens optisch aufwerten wollten – mit Blumen, was zurzeit sehr angesagt ist. In der Kavariner Straße schmücken seit langem Blumenarrangements die Laternen, und zuletzt landete die Gasthausstraße mit ihren Pflanzkästen, deren Anschaffung vom städtischen Verfügungsfonds sogar bezuschusst wurde, einen beträchtlichen Erfolg in der Außendarstellung.

Warum nicht auch unsere Laternen etwas aufhübschen, dachte sich Brigitte Kürvers-Will, Inhaberin vom Schuhhaus Kürvers. Flugs trommelte sie binnen drei Tagen alle Anlieger zusammen, es fanden sich 22 Anlieger, die die Begrünung von 20 Laternen an der Hagschen Straße finanzieren wollten.

Drei städtische Ausschüsse prüften das Anliegen, alle waren im Prinzip dafür, aber dann erteilten die Umweltbetriebe der Stadt Kleve dem Projekt den Blattschuss. Einer Belebung der Einkaufszone in Form einer Begrünung stehe man zwar grundsätzlich positiv gegenüber, heißt es in einem Brief der Stadt an die Initiatorin der Aktion, gleichwohl müsse man aus Gründen der Verkehrswegesicherungspflicht von einer „positiven Zusage“ (gibt es auch negative?) „aber leider“ absehen.

Was aber heißt Verkehrswegesicherungspflicht? Wie gefährlich ist die Hagsche Straße wirklich?

In der Begründung wird angeführt, dass die Laternen aus Alumiumguss gefertigt und bereits 35 Jahre alt sind. Die Blumenkästen würden 30 Kilogramm wiegen. Die Stadt schreibt: „Aufgrund des Alters der Laternen kann leider keine belastbare Aussage getroffen werden, ob mit der dargestellten zusätzlichen Gewichtsbelastung und der daraus resultierenden höheren Windlast die Stand-/Bruchfestigkeit noch in ausreichendem Maße gewährleistet ist.“

Es sei sogar ein Gutachter eingeschaltet worden, berichtet Brigitte Kürvers-Will. Der habe dem Projekt eine mehr als 99-prozentige Sicherheit attestiert. Aber eben keine hundertprozentige. „Das ist doch lächerlich, das kann nicht sein“, echauffiert sich die Geschäftsfrau.

Bleibt die Frage, wie sicher die in die Jahre gekommnenen Laternen überhaupt sind. Zu Karneval klettern Menschen daran hoch, die den Rosenmontagszug besser sehen wollen. In Zeiten von Wahlkämpfen dienen sie zur Befestigung großer Plakate, zum Beispiel 2015 von großen Motiven der Bürgermeisterkandidatin Sonja Northing, die wie ein Segel im Wind stehen. Kaum auszudenken, wenn ein Windstoß eine solche Laterne umreißen würde.

Es scheint, als stehe Karsten Koppetsch, der neue Chef der Umweltbetriebe der Stadt Kleve, vor seiner ersten großen Bewährungsprobe!


Zum (baldigen) Abschied von MS Paint

rd | 24. Juli 2017, 17:48 | 1 Kommentar

Zum bevorstehenden Abschied einer Anwendung, die nahezu jeden Computernutzer sein ganzes Leben begleitet (und zur Verzweiflung getrieben) hat, hier ein zehn Jahre altes Video von ein paar Spaßvögeln, die die Entstehung des Programms aus der Sicht der Entwicklung im Dokumentarstil (da gibt es sicher noch ein besseres Wort) nachempfunden haben. MS Paint, wir werden dich vermissen. Wie Karl Klammer. Sehr liebevoll gemacht:

„We’ve got a million ideas. If not two.“

Hintergrund: Microsoft Paint to be killed off after 32 years


Das zum Thema Horoskope 

rd | 22. Juli 2017, 17:05 | 8 Kommentare

Prisma-Leser wussten, was kommt

Stimmt zweifelsohne, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich darauf gewartet habe…


Aktuelle Bäumfällungen

rd | 19. Juli 2017, 22:35 | 2 Kommentare
Abendansicht der Spyckstraße: Ein Baum ist unheilbar krank

Abendansicht der Spyckstraße: Ein Baum ist unheilbar krank

Die Stadt Kleve teilt mit: „Im Zuge der turnusmäßigen Baumkontrollen wurde durch Mitarbeiter der USK festgestellt, dass mehrere kranke oder abgestorbene Bäume kurzfristig gefällt werden müssen. Sie stellen eine Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer dar. Darunter befindet sich auch jeweils ein Baum innerhalb der gesetzlich geschützten Alleen an der Spyckstraße und an der Lindenallee. Die Fällungen in den Alleen sind mit dem Kreis Kleve abgestimmt worden. Das Ziel aller Baumpflegemaßnahmen und Fällungen ist es, den Baumbestand gesund und verkehrssicher zu halten.“

Lesen Sie morgen: Wo und wann werden die Vorratsbehälter für Hundebeutel aufgefüllt?


Hochschule bekommt Zwischenkanzler

rd | 19. Juli 2017, 22:21 | 2 Kommentare
Dr. Oliver Herrmann: Von der Lippe an den Rhein

Dr. Oliver Herrmann: Von der Lippe an den Rhein

Dr. Oliver Herrmann leitet als Interimskanzler die Verwaltung der Hochschule Rhein-Waal: Mit der Besetzung des in der Hochschulleitung erfahrenen Wissenschaftsmanagers als Interimskanzler sichert die Hochschule Rhein-Waal einen nahtlosen Übergang in der Hochschulverwaltung bis zur Neubesetzung der Kanzlerstelle. Als „exzellente Wahl“ in der Besetzung der Interimsfunktion sehen Hochschulpräsidentin Dr. Heide Naderer und Hochschulratsvorsitzender Aloys Krieg den 51-jährigen Diplomverwaltungswirt und Juristen Dr. Oliver Herrmann.

Herrmann ist seit mehr als 25 Jahren im Wissenschaftsmanagement in verschiedenen Hochschulen tätig und verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Hochschulleitung, unter anderem als Kanzler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und zuletzt als Präsident der Fachhochschule Ostwestfalen-Lippe. Gegenwärtig ist er als Berater im Hochschulsektor tätig. Zu seinen Projekten zählen unter anderem die Koordination des Vereins Campus OWL, dem Verbund der fünf staatlichen Hochschulen in Ostwestfalen-Lippe.

Bis zum Amtsantritt der neuen Kanzlerin bzw. des Kanzlers wird Herrmann ab dem 23. August 2017 das Kanzleramt vom scheidenden kommissarischen Kanzler Karsten Koppetsch übernehmen. Die Hochschule griff mit der Besetzung Herrmanns einen Vorschlag von Ministerialrätin Sigrid Rix-Diester aus dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalens auf und freut sich, einen so ausgewiesen qualifizierten Fachmann gefunden zu haben und damit einen nahtlosen Übergang in diesem wichtigen Amt sicherstellen zu können. Für die voraussichtlich im Herbst stattfindende Kanzlerwahl kandidiert Herrmanns nicht.