Das Schicksal ist eine Drohne: Himmelhochdröhnend, dann…

rd | 28. Mai 2017, 15:43 | 6 Kommentare

kleveblog setzt sich immer auch gesellschaftskritisch mit aktuellen Strömungen der Gegenwart auseinander. Viele junge Menschen lassen beispielsweise bei gutem Wetter Drohnen aufsteigen, die findigeren von ihnen sogar selbst gebastelte. Aber vielleicht sollte der Drohnenführerschein Pflicht werden – es lässt sich nicht immer alles dem Wind in die Schuhe schieben.



Asphalt, der Touchscreen von früher – heute ist Weltspieltag (vor der Deutschen Bank)!

rd | 28. Mai 2017, 11:58 | 1 Kommentar
Schön, dass es so etwas noch gibt

Volumenberechnung lässt sich auch spielerisch lernen

In Zeiten, in denen Kindergartenkinder schon Integralrechnung beherrschen müssen, erinnert die Redaktion gerne daran, dass heute Weltspieltag ist!

Es gibt Erwachsenenspiele und Kinderspiele. Grundsätzlich schöne Spiele sind zum Beispiel Skat, Schach und Gummitwist. Scrabble ist nicht jedermanns Sache.

Früher sind junge Menschen auch durch mit Kreide aufgemalte Kästchen gehüpft – die Straße, der Flatscreen unserer frühen Jahre. Womit wir beim Thema sind: Die drei Montessori-Klassen des Konrad-Adenauer-Gymnasiums laden heute in die untere Fußgängerzone zur Aktion „Spiel! Platz ist überall“ ein. Sie findet statt zwischen Kodi und Deutscher Bank – was noch den zusätzlichen bewusstseinserweiternden Gedanken mit sich bringt, dass die Investmentbanker streng genommen den lieben langen Tag nichts anderes tun als spielen.

Lehrer Wolfgang Tysssen schreibt:

Bereits zum zehnten Mal ruft das Deutsche Kinderhilfswerk Schulen und Kindergärten, Kinder und ihre Eltern, öffentliche Einrichtungen, Vereine und Nachbarschaftsinitiativen zur Beteiligung am Weltspieltag auf. Mit seinem Motto „Spiel! Platz ist überall“ will das Deutsche Kinderhilfswerk gemeinsam mit seinen Partnern im „Bündnis Recht auf Spiel“ darauf aufmerksam machen, dass Kinder und Jugendliche ein Recht darauf haben, zu spielen und sich möglichst im gesamten Stadtraum frei zu bewegen.

Dazu sollen am 28. Mai in möglichst vielen Kommunen riesige Kreidebilder mitten in den Städten und Gemeinden entstehen. Und die drei Montessori-Klassen des Konrad-Adenauer-Gymnasiums (5, 6 und 7) machen in Kleve mit. Sie haben ihre Malaktion zum Weltspieltag am 28. Mai beim Klever Ordnungsamt beantragt und für ihre Kreidebilder die Fußgängerzone zwischen Kodi und Deutscher Bank zur Verfügung gestellt bekommen.

Ab 13.00 Uhr beginnen die Schüler ihre Wunschvorstellungen von einer bespielbaren Stadt malerisch auf die Straße zu bringen. Alle Kinder jeglichen Alters, die ebenfalls mitmachen wollen, sind dazu herzlich eingeladen. Mit viel Kreativität soll so ein buntes und beeindruckendes Zeichen für das Recht auf Spiel auch in die Klever Innenstadt gebracht werden.

R K H (28.05. 16:54): Hähh?...


Wohin am Wochenende? (23) Woodstock in Zyfflich, kinda green, kinda blue

rd | 26. Mai 2017, 13:07 | 1 Kommentar
Blau war gestern, Grün ist heute: Symbolfoto für das bevorstehende Wochenende

Blau war gestern, Grün ist heute: Symbolfoto für das bevorstehende Wochenende

(In den Kommentaren wird noch auf „Tanzmusik für Jungs“ am Samstag im Radhaus hingewiesen) In Gaias Schoß, oder ins dionysische Wogen entfesselter Kirchweihfeste? Oder irgendwas mit Medien? Du, lieber Leser, hast einmal mehr die Wahl:

Freitag, Samstag: Woodstock in Zyfflich, Blues in Zyfflich, Woodstock in Blues, Zyfflich in Woodstock

Viele Leser erinnern sich gerne daran, wie es damals, 1969, in Woodstock war – und mit verschwörerischer Miene erzählen sie dann, dass sie in Wahrheit in der Kleinstadt Bethel im US-Bundesstaat New York gewesen seien. All die Blumen, all die Drogen, all der Schlamm! Viele Besucher wurden später in der westdeutschen Kleinstadt Moers (Kreis Wesel) heimisch, wo sie das New-Jazz-Festival ins Leben riefen. Gut, im Stadtpark gab es weniger Blumen, aber Schlamm und Drogen waren ebenfalls reichlich vorhanden, anders war die Musik auch nicht zu ertragen. In den weiteren Irrungen und Wirrungen der Lebenswege fiel dann irgendwann die Entscheidung, „aufs Land“ zu ziehen. In den Vorgärten blühten der Hanf und die Rhododendren. Tief im Inneren allerdings glimmte oder glomm (beides scheint möglich) noch der Funke des früheren Rebellentums. So etwa dürfte die Entstehung des zweitägigen Festivals im Grenzörtchen Zyfflich zu erklären sein, wo es am Freitag „Woodstock in Zyfflich“ und am Samstag „Blues in Zyfflich“ heißt. Im Zelt und in der Dorfscheune spielen am Freitag ab 19:30 Uhr bzw. 20:00 Uhr Reservoir Dogs Band, Taste of Woodstock, Woodstock Tribute Band, Kelvin Klaassen, The Feel of Free, Erwin Nyhoff und Ground Control. Tickets kosten 22 Euro.

Freitag, Samstag, Sonntag: Köhlerfest (Reichswalde)

Wie sagt man so schön: „Nichts Schöneres kann ein Dorf erwerben als seiner Ahnen alter Brauch, denn wo des Dorfes Sitten sterben, stirbt seine Blüte auch.“ Nun gibt es Reichswalde zwar erst seit 1950, als dort vertriebene Menschen aus den Ostgebieten angesiedelt wurden, doch die lassen seit einiger Zeit wieder einen Brauch hochheben, den dort schon die alten Bataver betrieben – die Köhlerei. Ein prima Anlass, sich seiner alten germanischen Wurzeln zu besinnen. Darauf einen Met und ein Mettbrötchen! Wenn uns die Römer nicht überrannt hätten, würden wir wahrscheinlich heute noch Holzkohle frühstücken. Genau an der Grenze zwischen dem römischen Imperium und der germanischen Anarchie befand sich übrigens an der Hoffmannallee (die damals natürlich noch nicht so hieß, sondern via gustavo) die Diskothek Limit. Das Köhlerfest es eine schöne Gelegenheit, einmal das Handy beiseite zulegen und darüber nachzudenken, welche geschichtstreibenden Kräfte uns zu dem haben werden lassen, was wir heute sind.

Freitag, Samstag, Sonntag: Kirmes (Donsbrüggen)

Eine wichtige Rolle beim Untergang des römischen Reiches spielten Wanderprediger aus dem vorderarabischen Raum, die die fantastische Geschichte von einem „Jesus“ erzählten, der verschiedene Wunder bewirkt haben soll. Eigentlich hatten die Römer viel mehr Götter, die sie von den Griechen abgekupfert hatten, und die viel mehr konnten als dieser eine, der angeblich seinen Sohn nach Palästina entsandt haben sollte. Die Römer hatten Götter für alles Mögliche, und hätte sich ihr System durchgesetzt, würde es heute womöglich auch einen Gott für Thermomixe geben. Der (oder die) würde sich dann endlose Schlachten mit einem Gott für Induktionskochfelder liefern. Insgesamt eigentlich viel spannender als diese monotheistischen Monologe, die wir heute gewohnt sind. Aber: Ohne die Kirche würde es heute in den Dörfern keine Kirchen geben. Und ohne die Kirchen keine Kirchweihfeste! Beispielsweise haben Menschen aus Kleve an diesem Wochenende die Gelegenheit, in Donsbrüggen darüber zu diskutieren, ob die monotheistischen Religionen wirklich der Weisheit letzter Schluss sind. Wo? Im Festzelt! In den Diskussionspausen spielen die Drei Flamingos. Kein Zutritt für Buddhisten.


Minoritenplatz: Ein bisschen Frieden? Eine überraschende Wende zeichnet sich ab…

rd | 24. Mai 2017, 18:41 | 6 Kommentare

Es mehren sich die Anzeichen, dass in der größten Auseinandersetzung in der jüngeren Klever Stadtgeschichte eine friedliche Einigung kurz bevorsteht. Abermals hat das Oberlandesgericht Düsseldorf mitgeteilt, dass die Verhandlung Stadt Kleve ./. S & P Development verschoben worden ist. Diesmal nicht nur um ein paar Wochen, sondern gleich um ein paar Monate. Hintergrund soll die Erkrankung eines Richters sein. Als neuer Termin wurde der 25. Oktober bestimmt.

Doch womöglich muss sich an diesem Mittwoch in 154 Tagen gar niemand mehr mit der etwas drögen war das Materie beschäftigen, ob dem Unternehmen aus Erlangen im Zuge der europaweiten Ausschreibung des Bauprojekts Minoritenplatz Unrecht widerfahren ist. Bekanntlich sieht dies Klaus-Jürgen Sontowski, Inhaber und Chef des Unternehmens, so und fordert von der Stadt Kleve ein bisschen Geld – von 200.000 Euro war mal die Rede.

Bürgermeisterin Sonja Northing, unbelastet von möglichen Irrungen und Wirrungen vor ihrer Amtszeit, suchte ein bisschen Frieden. Der Stadtrat bremste sie aus. Die Stadtverordneten wollten mehrheitlich, dass ein Gericht darüber entscheide, ob die Verwaltung Sontowski übervorteilt habe oder eben nicht.

Die Vergabekammer der Bezirksregierung, die sich als erstes mit der Angelegenheit befassen durfte, war zu der Ansicht gelangt, dass Sontowski für seine Vorarbeiten an dem letztlich nicht verwirklichten Geschäftshaus-Projekt in der Unterstadt Geld zusteht. Die Begründung las sich zumindest in Teilen so, als sei die Klever Seite nicht unbedingt mit hundertprozentigen Sachverstand an die Sache herangegangen. Das sehen die Verantwortlichen aus der Verwaltung naturgemäß anders. Und im Rat freuten sich auch einige auf den Prozess, um daraus politisches Kapital zu schlagen.

Nun aber sieht es so aus, als sei ein bisschen Vernunft eingekehrt. Eine überraschende Entwicklung! Hinter den Kulissen erfolgte offenbar eine Annäherung, die eine außergerichtliche Einigung wahrscheinlicher hat werden lassen. Denn in nicht-öffentlicher Sitzung des Stadtrats soll eine verblüffende Idee aufgebracht worden sein, die möglicherweise dazu führt, dass Sontowski zu seinem geforderten Geld kommt – aber die Stadt Kleve nichts oder nur einen kleinen Teil davon bezahlen muss. Was sich wie ein Wunder anhört, hat einen Namen: Gemeindeversicherungsverband (GVV). Eine Organisation, die einspringt, wenn eine Kommune „Mist gebaut“ hat – eine Haftpflichtversicherung für Städte und Gemeinde.

„Seit über 100 Jahren bietet GVV-Kommunal maßgeschneiderte Versicherungskonzepte und Serviceleistungen für Kommunen, kommunale Unternehmen und Sparkassen. Wir kennen Ihre besonderen Anforderungen und sichern diese optimal ab – umfassend, leistungsstark und preiswert.“ So das Selbstbeschreibung auf der GVV-Website. Offenbar hat der Gemeindeversicherungsverband wenig Lust aufs Prozessieren und statt dessen eine gewisse Zahlungsbereitschaft signalisiert.

Offiziell äußert sich bei der Stadt Kleve niemand zu dem Sachverhalt. Und auch in Erlangen gibt man sich bedeckt. „Aufgrund des laufenden Verfahrens geben wir kein Statement ab“, so eine Sprecherin von Sontowski. Das aber ist das sicherste Indiz dafür, dass eifrig an einer Einigung bearbeitet wird – zuvor war Klaus-Jürgen Sontowski nämlich alles andere als schweigsam gewesen, als es darum ging, seine Position zu vertreten.


Cinque ja, Schinken nein: Was haben die Grünen gegen Lothar Quartier? Angrillen im Forstgarten soll gestrichen werden

rd | 23. Mai 2017, 00:18 | 62 Kommentare
Es geht um die Wurst: Lothar Quartier

Es geht um die Wurst: Lothar Quartier

Grün zu sein, bedeutet in unseren Zeiten tendenziell eher, einen Tofuburger zu ordern und seltener, einer Bratwurst den Vorzug zu geben. Doch eingefleischte Kenner der Materie fragen sich gerade, ob die Klever Grünen nicht einen Schritt zu weit gegangen sind. Denn der Klever Verwaltung liegt ein von Dr. Hedwig Meyer-Wilmes, der Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/die Grünen im Stadtrat, unterschriebener Antrag vor, der reichlich Explosivstoff birgt. Überschrieben ist das Papier reichlich sperrig mit: „Antrag auf Diskussion im Kulturausschuss am 17.5.17 und Abstimmung in der Ratssitzung am 28.6.17 zu den einzelnen Punkten des Parkpflegewerkes Neuer Tiergarten“. Womöglich ist die Überschrift bewusst so gewählt, dass die Ratsherren bei der Verlesung schon vor dem Ende eingeschlafen sind.

Im Text selbst geht es sehr detailfreudig zur Sache und schließlich um die Wurst – und das ist im Wortsinne zu verstehen.

Unter der Zwischenüberschrift „Parkpflegewerk S. 89, 7.8.4 Veranstaltungen“ wird zunächst aus dem Werk selbst zitiert: „Die im jährlichen Rhythmus stattfindenden weiteren Veranstaltungspunkte in den anderen Parkbereichen sind aus denkmalpflegerischer Sicht vertretbar, sollten jedoch das bisherige Maß nicht überschreiten“. Im Folgenden erläutert der Antrag: „Damit gemeint sind sicher Weihnachtsmarkt, Klevischer Klaviersommer, VHS-Sommernacht und musikalische Veranstaltungen von Tim Verfondern, die 1-2 Mal jährlich über 1-2 Veranstaltungstage gehen. Außerdem die Veranstaltungen Cinque-Sommernacht und Spiegelzelt.“

Dann aber nimmt der Text eine überraschende Wendung: „Public Viewing und Angrillen gehören unseres Erachtens nicht zu den etablierten Veranstaltungen.“

Das Public Viewing lassen wir mal beiseite, zumindest beim ersten Mal lief es eher so, dass zu befürchten war, dass es auch zugleich das letzte Mal war. Zum Finale der Europameisterschaft zwischen Frankreich und Portugal (0:1 n.V.) am 10. Juli hatten sich 36 Besucher im Forstgarten eingefunden.

Ganz anders aber das Angrillen – es gehört schon etwas Chuzpe dazu, ein Event, das es seit fünf Jahren gibt und das seit vier Jahren an zwei Tagen insgesamt 2500 Besucher zum Neuen Tiergarten zieht, als nicht etabliert zu bezeichnen. Man mag zu dem Ereignis selbst stehen, wie man will – aber die als Großveranstaltung zelebrierte feierliche Eröffnung der Grillsaison hat in den beiden Geschmacksrichtungen Schlager und Rock jeweils ihr Publikum gefunden, allesamt Menschen, die sich nicht zu schade sind, auch bei schlechtem Wetter mit Gummistiefeln in den Park zu strömen und das erste Grillgut des neuen Jahres auch unter erschwerten Bedingungen zu genießen.

Insbesondere aber wirft der Kulturbegriff der Grünen Fragen auf: Cinque ja, Schinken nein? Was hat Bruno Schmitz, was Deep Purple nicht hat? Dürfen nur die Zarten in den Forstgarten?

Lothar Quartier, der Veranstalter des Angrillens, ist über das Ansinnen der Grünen verärgert. Der Grillmeister grollt: „Das ist eine Unverschämtheit! Sicher, es handelt sich um eine kommerzielle Veranstaltung, aber auch um eine kulturelle. Wenn sich 2500 Menschen bei bester Laune über den Einzug des Frühlings freuen, ist das auch ein Mehrwert für Kleve.“

24 Euro zahlen die Besucher pro Karte, 50 Mitarbeiter der Metzgerei Quartier und weitere 30 vom Veranstaltungsservice Biermann sind an den beiden Abenden im Einsatz, und am Ende haben rund 18.000 Grillteile auf den Rosten gelegen. Zur alle zwei Jahre stattfindenden cinque-Sommernacht kommen an einem Abend rund 2500 Besucher. Sie zahlten im vergangenen Jahr 34 Euro Eintritt pro Person, der Verzehr muss extra bezahlt werden. Was ist Kultur, was ist Kommerz?

Allerdings hatte Lothar Quartier den Braten des Unheils schon gerochen. „Ich weiß, dass viele Ratsmitglieder meine Veranstaltung kritisch beäugen. Dabei haben wir uns nie etwas zu schulden kommen lassen.“

Damit spielt er auf das Event im vergangenen Jahr an, das bei desaströsen Witterungsverhältnissen weniger ein Angrillen und mehr ein Schlammgrillen war. Die Festwiese sah hinterher so aus, als hätte sie jemand durch den Fleischwolf gedreht. Quartier investierte 7000 Euro, um die Schäden zu beseitigen. Mehr noch, die Festwiese erhielt einen Unterbau, der ähnliche Katastrophen in der Zukunft verhindert. Quartier: „Wir haben sogar die Parkbänke ersetzt, obwohl ich davon überzeugt bin, dass diese niemals durch Besucher unserer Veranstaltung verwüstet worden sind.“

Quartier hofft, dass sich im Rat eine Mehrheit findet, die auch seine Veranstaltung zum bunten Strauß der etablierten Forstgarten-Events hinzufügt. Vielleicht trägt zur Mehrheitsfindung ja auch die Information bei, dass beim Angrillen nicht nur Geflügelspieße, Steaks, Würstchen und Speckläppchen verzehrt werden, sondern seit dem Start der Veranstaltung (die Premiere war noch an der Schwanenburg) auch gegrilltes Gemüse, gefüllte Champignons und, wer weiß, im nächsten Jahr vielleicht auch Tofuburger und Falafelbällchen. Womöglich kann Lothar Quartier noch ein Angrillen mit einer dritten Musikfarbe ins Leben rufen – Protestsongs.


Wohin am Wochenende? (22) So viel Kultur war nie!

rd | 20. Mai 2017, 12:00 | 1 Kommentar
Jaron und Samantha huldigen der Polyrhythmie auf dem Meyerhof

Jaron und Samantha huldigen der Polyrhythmie auf dem Meyerhof (Foto: Fotostuduo Peschges, Kavarinerstr.)

(Mit aktualisiertem Kinohinweis heute ist auch der Regisseur da) Da aus überraschenden Gründen nicht davon auszugehen ist, dass viele Klever am frühen Abend nach Goch fahren, um dort das Basketball-Pokalspiel zwischen dem TV Goch und dem VfL Merkur Kleve zu verfolgen (Spielbeginn 18:00 Uhr, Sporthalle der Gesamtschule Mittelkreis), hier für alle anderen eine handverlesene Auswahl schöner anderer Veranstaltungen, die ebenfalls einen Besuch wert sein könnten:

Samstag, 11-18 Uhr: Studium schnuppern (Hochschule Rhein-Waal)

Was an der Hochschule so alles an netten Sachen gelehrt wird, womit die lieben Professoren und die quirligen Studenten sich den lieben langen Tag so beschäftigen, all das kann am heutigen Samstag besichtigt werden. Sicher wird auch irgendwo Alkohol destilliert, und es würde mich nicht wundern, wenn im Klimahaus frisches Obst zum Verzehr angeboten werden würde.
Samstag, 14-17 Uhr: Reparieren (Radhaus)

Nunmehr zum 25. Male übt sich eine kleine, verschworene Gemeinschaft in der fast schon ausgestorbenen Kulturtechnik des Reparierens. Aber eine neuzeitliche Pest ist ab sofort nicht mehr erwünscht: Kaffeevollautomaten! Bitte werfen Sie kaputte Geräte gleich weg und kaufen Sie FILTERTÜTEN!

Samstag, Sonntag, Montag: Schleusenskirmes (Brienen)

Wie verkraften die Einwohner Brienens die neuen, beunruhigende Nachrichten über das Schicksal der Schleuse, die einst die einzige Existenzberechtigung für den gesamten Ort war? Nichts kann besser darüber Aufschluss geben als der Besuch des jährlichen Kirchweihfestes. Sicher ist: Für viele Briener gilt an diesem Tag: Wir haben den Kanal noch lange nicht voll!

Samstag, 20 Uhr: Musik (Meyerhof)

Das klingt spannend: „Centered around the Hang, we create a unique blend of jazz and world music that varies from acoustic trance to complex polyrhythmic compositions.“ So beschreiben sich Samantha Archer & Jaron Tripp, die heute in den Meyerhof (Uedemer Straße) zur Album-Release-Party eingeladen. Früher sagte man: ein Ohrenschmaus! Schöne Wörter wie „Ohrenschmaus“ sind allerdings vom Aussterben bedroht, vermutlich ist die dieser Wortschöpfung innewohnende Synästhesie zu komplex für heutige Zeiten.

Samstag, 20 Uhr, Sonntag 12 Uhr: Beuys (Tichelpark Kino)

Kleve und Beuys, die Geschichte einer langen Abneigung. Doch die Zeiten haben sich gewandelt, und so ist es nicht verwunderlich, dass im Klever Kino, da wo sonst Filme wie Guardians of the galaxy oder Alien laufen, heute um 20 Uhr der Dokumentarfilm Beuys gezeigt wird – der interessante Einblicke in eine faszinierende Künstlerexistenz zu gewähren verspricht. Der Regisseur Andreas Veiel wird anwesend sein und spitzfindigen Fragen, wie sie z. B. Alfons A. Tönnissen gerne stellt, entgegensehen. Schaun wir mal! (2. Vorstellung am Sonntag, weitere in der kommenden Woche.)

Samstag, Sonntag: Kulturtage

Einige der genannten Veranstaltungen sind im größeren Zusammenhang der Kreis Klever Kulturtage zu sehen. Herauszuheben ist eine Lichtinstallation am Haus Koekkoek. Ansonsten „öffnen wieder zahlreiche Museen, Ausstellungs- und Projekthäuser sowie Theater ihre Pforten und laden die Besucher zu einem ereignisreichen Kulturwochenende bei freiem Eintritt ein“ (Programmtext). Das Programm im B.C. Koekkoek Haus ist: Ausstellung „Weg-Way-Sawarib“ zum Kooperationsprojekt des BBK Niederrhein mit der VHS Kleve, dem Beth HaMifgash e.V. und dem Kollektiv der leere Raum e.V. (ab 14 Uhr). Ab 20 Uhr-spielt das Klever Freundschaftsorchester KLEFOR. Bei Einbruch der Dunkelheit dann die eingangs erwähnte Lichtinstallation am B.C. Koekkoek Haus.


Deichen soll sie weichen: Schleusen-Schluss! Brienen ne va plus…

rd | 19. Mai 2017, 09:05 | 27 Kommentare
Blick von Brienen in Richtung Kleve: Der Kanal ist noch voll, und die Schleuse hält dicht. Aber weitere Öffnungen sind nicht mehr vorgesehen – sondern der Abriss

Blick von Brienen in Richtung Kleve: Der Kanal ist noch voll, und die Schleuse hält dicht. Aber weitere Öffnungen sind nicht mehr vorgesehen – sondern der Abriss (Foto: Torsten Barthel)

Wie konnte es so weit kommen?

Am 11. April 2008 durchschnitt der damalige Bürgermeister Theo Brauer zur Einweihung der 12 Millionen Euro teuren Industriestraße mit einer symbolgeladenen Schere ein schwarz-rot-goldenes Band – es war die Schere, die auch zur Eröffnung der Emmericher Rheinbrücke zum Einsatz kam. Matthias Graß schrieb in der Rheinischen Post: „Da zur neuen Straße die neue Johanna-Sebus-Brücke gehört – ein Akt mit doppelten Symbolwert.“ Die Johanna-Sebus-Brücke führt in Höhe von Brienen über den Spoykanal.

Am 3. Februar 2011 gab die Stadt Kleve eine Presseerklärung heraus, an deren Ende sich – ungewöhnlicherweise – der handschriftliche Namenszug des damaligen Bürgermeisters findet: Theodor Brauer. In dem Text heißt es: „Bei dem Los 4 handelt es sich um ein Nutzungskonzept aus Hotel mit Gastronomie, Einzelhandel und Wohnungen sowie dem Ausbau eines Hafenbecken mit Aufenthaltsflächen.“ Sechs Jahre und vier Monate ist das nun her, damals fiel der Startschuss zur Bebauung der ersten Flächen am Minoritenplatz und beiderseits des Spoykanals. Heute stehen dort bekanntlich der Hauptsitz der Volksbank Kleverland sowie das damals mit Los 4 bezeichnete Hotel Rilano. Wir legen die Betonung mal auf: Hafenbecken.

Frühe Visualisierung des Hotels Rilano, links die Marina – so ähnlich wurde es dann ja auch umgesetzt

Frühe Visualisierung des Hotels Rilano, links die Marina – so ähnlich wurde es dann ja auch umgesetzt

Am 21. September 2012 fand die Einsegnung der neuen Hochschule Rhein-Waal auf dem ehemaligen Hafengelände in Kleve statt. Bürgermeister Theo Brauer, Landrat Wolfgang Spreen und die damalige Hochschulpräsidentin Marie-Louise Klotz standen bei dem Festakt auf einer Klappbrücke, die das beiderseits des Spoykanals gelegene Hochschulgelände miteinander verbindet. Es gibt Leute, die sagen, dass der Mechanismus der Brücke, der Schiffen die Durchfahrt ermöglichen soll, nur ein einziges Mal betätigt wurde – bei der Abnahme durch den TÜV.

Gottes Segen mag der Hochschule geholfen haben, nicht aber dem Wasserweg: Einsegnung der Hochschule Rhein-Waal auf der Klappbrücke

Gottes Segen mag der Hochschule geholfen haben, nicht aber dem Wasserweg: Einsegnung der Hochschule Rhein-Waal auf der Klappbrücke

Drei wegweisende Ereignisse in vier Jahren Stadtgeschichte, und offenbar hat nicht eines davon bei den beteiligten Personen die Frage aufkeimen lassen: „Wie lange kann der Kanal überhaupt noch genutzt werden?“

2007 wurden noch Frachter mit Holz beladen – Hinterlassenschaften des Orkans Kyrill aus dem Reichswald. Spätestens seitdem hat der Hafen keine wirtschaftliche Funktion mehr, aber irgendwie waren wohl alle der Ansicht, dass der Bund sich den Luxus leistet, die rund drei Kilometer lange, schnurgerade Bundeswasserstraße in Schuss zu halten. Wir haben’s ja. Und jetzt hat Kleve eine Spannbetonbrücke, eine Marina und eine Klappbrücke – aber keine Schiffe mehr, die bis in die Innenstadt gelangen können.

Denn die Schleuse war baufällig, eine Reparatur des 108 Jahre alten und zuletzt vor 14 Jahren renovierten Bauwerks würde Unsummen verschlingen. Wer immer eine solche Maßnahme in Auftrag gäbe, er könnte sich einer hohntriefenden Erwähnung im Schwarzbuch des „Bundes der Steuerzahler“ sicher sein, in der Art: „Millionen für eine Schleuse, die keiner braucht“. Zuletzt ruhten die Hoffnungen auf Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks, die sich tatsächlich hinter den Kulissen bemühte und an Vermittlungsgesprächen teilnahm. Doch jetzt wird sie in der NRZ mit dem folgenden Satz zitiert: „Auf dieser Basis kann ich nicht tätig werden.“

Zwei Entwicklungen haben die Träume platzen lassen, die Innenstadt von Kleve könnte im Sommer so aussehen wie die pittoresken Hafenstädte am Ijsselmeer, in denen die Yachten sanft in den Wellen schaukeln und die klackernden Takelagen zur Abendstunde musizieren: Zum einen liegt der Stadt Kleve mittlerweile ein Gutachten vor, das besagt, dass die Schleuse, die den Kanal vom Rhein trennt, zu marode für eine Instandsetzung ist. Zum anderen plant der Deichverband den Deich so zu verbessern, wie er auch schon von den Niederlanden bis Brienen gestaltet wurde. Im neuen Bauabschnitt steht allerdings die baufällige Schleuse im Weg.

Unter dem unauffälligen Punkt „Mitteilungen der Verwaltung“ teilte die Stadt den Mitgliedern des Umwelt- und Verkehrsausschusses in der Sitzung am 11. Mai den neuen Sachverhalt mit. Stadtsprecher Jörg Boltersdorf: „Das Gutachten über die Bewertung der Standsicherheit der Schleuse liegt der Stadt Kleve vor. Der aktuelle bauliche Zustand des ca. 110 Jahre alten Schleusenbauwerks wird als an der Grenze ihrer Lebenszeit bzw. möglichen Nutzungsdauer eingestuft. Eine Schleusennutzung wird nicht mehr möglich sein; der Einbau einer Sportbootschleuse in die bestehende Konstruktion wird als fraglich angesehen. Das Gutachten wird derzeit unter Beteiligung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung geprüft. Hierbei wird unter Einbeziehung des Deichverbandes zu klären sein, unter welchen Voraussetzungen eine Sportbootschleuse realisierbar wäre.“

An der Grenze ihrer Lebenszeit. Schleusennutzung nicht mehr möglich. Einbau einer Sportschleuse fraglich. Mehr Katastrophe geht nicht.

Immerhin lässt die Stadt Kleve das Gutachten prüfen. Und auch Ministerin Hendricks, die die Situation in Kleve bestens kennt, sagte der NRZ: „Ich persönlich bin der Auffassung, dass es gelingen muss, den Bau einer Sportbootschleuse zu erreichen.“

Doch wir befinden uns bereits im politischen Genre des Forderungswesens, und wenn eine dieser Forderungen je in Angriff genommen werden sollte, dürften noch Jahre bis zur Realisierung vergehen – bitter für Wassersportvereine, bitter für Freizeitkapitäne und für alle anderen, die das Konzept von der „Stadt am Wasser“ charmant fanden.

Kleve ist abgeschnitten. Morgen, am 20. Mai, lädt die Hochschule im ehemaligen Hafenbecken erneut zum Schwanenritter-Race. Eine Gaudi, die uns daran erinnern sollte, dass dem Schwanenritter aus der Sage nur die Flucht gelang, weil Kleve einen Zugang zum Rhein hatte. Heute würde seine Flucht an den geschlossenen Schleusentoren enden.


Niet prackesiere – koope! Der neue KLEVER ist da

rd | 17. Mai 2017, 16:13 | 13 Kommentare
Sieht aus wie gemalt – und ist es auch: Cover der neuen Ausgabe des KLEVER

Sieht aus wie gemalt – und ist es auch: Cover der neuen Ausgabe des KLEVER

Für Freunde der gedruckten Worte und Bilder hält der örtliche Zeitschriftenhandel ab sofort wieder eine kleine Wundertüte bereit – die neue Ausgabe des Stadtmagazins Der KLEVER, herausgegeben von der Grafikerin Christina Ehme und von mir. Was steht diesmal drin?

  • Patient Platt: Unsere Mundart liegt auf der Intensivstation
  • Der Antiquar: Zeitzeichen, wie Helmut van Bebber sie setzt
  • Der Exot: Wir haben einen der wenigen HRSW-Studenten aus den Niederlanden gefunden
  • Wertstoff Lächeln: Ralf Sauret ist das freundliche Gesicht vom Wertstoffhof
  • Draußen: 10mal schön draußen sitzen – abseits ausgetretener Pfade
  • Ulrich Bongertmann, 59, Vorsitzender des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands… ein Klever
  • Erdrutsch an der Endmoräne – mit der Drohne fotografiert
  • Die allmähliche Versteinerung der Klever Vorgärten
  • Gerichts-Bericht: Vor 200 Jahren wurde Kleve OLG-Standort – für 3 Jahre
  • Kehraus im Kneipenwesen: Wer geht, wer kommt
  • Romantischer Blick: Andreas Bruchhäuser malt den Niederrhein

… und einiges mehr. Für 3,50 Euro. Was sagen die Experten? „Kleve sollte sich glücklich schätzen, ein solches Magazin zu haben!“ (Henri Nannen) „Wie der Spiegel – nur mit besseren Texten und größeren Fotos!“ (Rudolf Augstein) „Wenn man ganz schnell blättert, wird einem sogar kalte Luft zugefächert.“ (Ute Marks) „Der Regenwald, der für das Papier geopfert wurde, kann ja durch den Konsum von Krombacher wieder aufgeforstet werden.“ (Trinkkontor Rhein-Ruhr) „Mehr E’s als U’s.“ (Alfred Mosher Butts)


Herzensangelegenheit: Neuer Chef der Kardiologie in Kleve

rd | 17. Mai 2017, 17:02 | 1 Kommentar
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Professor Stefan Schuster (2.v.r.) übergibt an Dr. Norbert Bayer. Bernd Ebbers, Bernd Jakobs (Geschäftsführer Katholisches Karl-Leisner-Klinikum) und Professor Volker Runde (Ärztlicher Direktor Katholisches Karl-Leisner-Klinikum, v.l.) flankieren die Zeremonie (Foto: Katholisches Karl Leisner Klinikum)

Mit einem Gottesdienst und einer Feierstunde hat das Katholische Karl-Leisner-Klinikum den neuen Chefarzt der Klinik für Kardiologie vorgestellt und begrüßt, den alten Chefarzt gleichzeitig herzlich verabschiedet: Dr. Norbert Bayer (49) ist bereits seit 1. Januar 2017 neuer Chefarzt der Klinik für Kardiologie am Katholischen Karl-Leisner-Klinikum. Er ist seit 1998 am Klever St.-Antonius-Hospital tätig, seit 2001 als Oberarzt. Als Leiter des Herzkatheterlabors hat er seit 2005 das Herzinfarkt-Netzwerk-Niederrhein maßgeblich aufgebaut und organisiert. Mit dem Netzwerk ermöglichen das Katholische Karl-Leisner-Klinikum und der Rettungsdienst des Kreises Kleve die bestmögliche Versorgung von kardiologischen Notfall-Patienten.

Professor Dr. Stefan Schuster (65) ist zum 1. Mai 2017 in den Ruhestand gegangen. Der verdienstvolle Chefarzt – 1997 von den städtischen Kliniken in Ludwigshafen an den Niederrhein gewechselt – hat die Klinik für Kardiologie am St.-Antonius-Hospital aufgebaut und zu einem der Aushängeschilder des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums gemacht.

„Ich freue mich, dass wir mit Dr. Bayer als Chefarzt auf Kontinuität setzen und die ausgezeichnete Versorgung unserer Patienten weiterhin garantieren können“, so Bernd Ebbers, Geschäftsführer der Katholischen Karl-Leisner-Trägergesellschaft. „Dr. Bayer ist ein ausgewiesener Fachmann und ein engagierter Mediziner. Professor Schuster kann man für sein Engagement in den vergangenen zwei Jahrzehnten kaum genug danken – die Menschen im Kreis Kleve haben von seiner kardiologischen Pionierarbeit sehr profitiert.“

Die Qualität der kardiologischen Versorgung im Katholischen Karl-Leisner-Klinikum ist exzellent: Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) bestätigt per Zertifizierung höchste Qualitätsstandards bei der Versorgung von Herzinfarkten. Zur Verbesserung der kardiologischen Versorgung im südlichen Kreis Kleve hat das Katholische Karl-Leisner-Klinikum im Kevelaerer Marienhospital zum 15. Februar 2017 eine kardiologische Abteilung etabliert.


Kleve, 0:04 Uhr. Ab-so-lu-te Stille

rd | 17. Mai 2017, 01:50 | 5 Kommentare

Hören Sie’s? Sie hören nichts! Kurz nach Mitternacht an einem lauen Frühlingsabend, mitten in der Stadt – und absolute Ruhe. 30 Sekunden lang – zuschauen, entspannen, nachdenken. Nein, der Ton ist nicht abgedreht. Ein Gefühl, das ich zuletzt 1990 auf Rügen hatte, als – ebenfalls zu nächtlicher Stunde – eine Zeitlang noch ein Trabi zu hören (und zu riechen) war, und dann war es in dieser Ferienwohnung in Sehlen (zwischen Güstelitz und Dreschwitz) einfach nur mucksmäuschenstill. Und jetzt, Kleve! 50.000 Einwohner, und alle huldigen der absoluten Lautlosigkeit. Keine knisternde Grillkohle. Keine weggetretene Bierdose. Zwei Stunden vorher hat Domian noch in der Stadthalle gesprochen. Nun ist er weg. Autos, deren Motorgeräusche vom Klever Ring herüberwehen zum Grünen Heideberg? Nada. Nachtigallen? Schlafen schon. Welt der Wunder. Über uns leuchten die Sterne. Stille Stars (F. Elstner). Wir sind allein. Schweigend.


Was vom Tage blieb

rd | 16. Mai 2017, 18:05 | keine Kommentare
Nur ein Rechteck noch, dann ist Hannelore Kraft Geschichte (Foto: FW)

Nur ein Rechteck noch, dann ist Hannelore Kraft Geschichte (Foto: FW)

Eben noch beschwor die SPD die (klein-)bürgerliche Zivilgesellschaft, in der alle Landesbürger zu einem schwurbeligen NRWir verschmelzen sollten, und zwei Tage später regiert bereits die Civic-Gesellschaft, in der „the power of dreams“ in Blechgestalt für neuen gesellschaftlichen Antrieb sorgen. Jetzt Probefahrt vereinbaren!


So wählte Kleve

rd | 14. Mai 2017, 20:02 | 24 Kommentare
Mit dieser Grafik stellt kleveblog unter Beweis, dass die Redaktion auf der Höhe des zeitgenössischen Artdirektorentums ist. Sie enthält ziemlich viele Stimmen, aber noch nicht alle.

Mit dieser Grafik stellt kleveblog unter Beweis, dass die Redaktion auf der Höhe des zeitgenössischen Artdirektorentums ist. Sie enthält ziemlich viele Stimmen, aber noch nicht alle.

Kleve ist wie NRW, nur in einer verschärften Version. NRWir – nicht! So war es ja immer. Lediglich um 18:24 Uhr, als dem Kommunalen Rechenzentrum Niederrhein nur die Ergebnisse aus Bimmen und Schenkenschenz (33 Stimmen insgesamt) gemeldet worden waren, lag die SPD in einer völligen Umkehrung des Landestrends vorn. Danach nahm die Auszählung den Lauf, die Dr. Günther Bergmann (CDU) geradewegs in den Landtag befördern dürfte. Glückwunsch!

Die Stimmung schwankte, je nach befragtem Lager. Manche Politiker und deren Anhänger freuten sich sehr, andere waren sehr niedergeschlagen. Empathie war gefragt. Vielleicht ist es in ein paar Jahren wieder genau andersrum. Im Kreishaus wurde viel geredet. Manche Schultern schienen unter der Last des Klopfens zusammenzubrechen. In den Zentralen der Parteien wurden Sektflaschen geöffnet, um entweder die Euphorie zu befördern oder den Frust zu dämpfen.

Zwischendurch erklärte der Schönenborn, dass wieder 13 Wähler in Rheda-Wiedenbrück von rechts nach links gewandert sind und schon vorher klar war, das 71 Prozent unzufrieden mit irgendwas waren. Hat der Plasberg das Wort „Ausschlierßeritis“ erfunden? Es gehört jedenfalls verboten, weil es zu sehr nach intestinalen Problemen klingt. Und: Könnte jemand den Parteistrategen, die schon um Punkt 18:01 Uhr, also nur auf der Basis irgendwelcher Prophezeiungen, schon alles erklären können (und meinen Journalistenkollegen, die offenbar auch keine Sekunde mehr warten können), mitteilen, dass dieses Instant-Frage-Antwort-Ritual schon sehr – wohlwollend ausgedrückt – schräg rüberkommt?


Wohin am Wochenende? (19) Sie haben die Wahl!

rd | 12. Mai 2017, 14:07 | 19 Kommentare
Vorsicht vor gefälschten Wahlzetteln! Sie weisen gefährliche Demokratiedefizite auf

Vorsicht vor gefälschten Wahlzetteln! Sie weisen gefährliche Demokratiedefizite auf

(AKTUALISIERT, jetzt auch mit 60 Jahre Kanu-Club) Der 14. Mai ist bekanntlich ein wichtiges Datum, das in diesem Jahr noch besonders hervorsticht, weil die Bürger Nordrhein-Westfalens dazu aufgerufen sind, einen neuen Landtag zu wählen. In der Fußgängerzone hängt ein Plakat vom FDP-Lindner, auf dem er irgendwie von unten fotografiert wurde und ein bisschen irre in die Ferne blickt. Wenn so einer dann „mehr Polizisten“ und nicht mehr Gesetze fordert, muss man sich möglicherweise Sorgen machen. Ansonsten fällt auf, dass die CDU die Landesregierung ein wenig vor sich her treibt, und das mit diesen Themen, die vielleicht gar nicht so bedrohlich sind, wie sie zu sein scheinen (Staus, innere Sicherheit). Mitte der Woche war eine Politikerin der Grünen, ich glaube es handelt sich um Sylvia Löhrmann (Bildungsministerin), auf Wahlkampftour in der Stadt. Sie sprach mit vereinzelt auftretenden Bürgern. Die CDU hielt Wache an der Ecke Mensing, mit den Protagonisten, die schon seit Jahren an dieser Ecke anzutreffen sind. Schön, wenn Kontinuität in der Politik auf diese Weise sichtbar wird. Hoffentlich kommt die SPD am Samstag noch mit einem Feuerwehrwagen zum Fischmarkt, die Fahrzeuge bringen gleich Dynamik ins Spiel. Was aber heißt all dies für die Planung am Wochenende?

Samstag, ganztägig: Kugelschreibersammlung (Innenstadt)

Wer nach diesem Tag kein Schreibgerät hat, dem ist nicht mehr zu helfen. In der ganzen Innenstadt verteilt sind Stände, an denen freundliche Menschen Kugelschreiber verteilen. Die meisten schreiben blau. Das ist Demokratie, dafür erhalten die Parteien Gelder aus Steuermitteln. Mit diesen Kugelschreibern kann man am Sonntag in eine Wahlkabine gehen und eines oder mehrere Kreuze machen (wichtig: nur ein Kreuz pro Spalte!). Nicht vergessen, it’s Verhältniswahlrecht, Baby! Ausgezählt wird nach d’Hondt. Neckisch ist, mit dem Kugelschreiber der einen Partei das Kreuz bei einer ganz anderen zu machen („Guerilla-Voting“). Die Tatsache, dass niemand diesen Streich mitbekommt, nennt man: Wahlgeheimnis. In der Magna Charta hieß es noch Whale Secret – und bedeutete etwas völlig anderes.

Sonntag, 18 Uhr: Kugelschreiberrückgabe (Kreishaus)

Wenn Sie als Wähler enttäuscht sind über das Abschneiden ihres Kandidaten, haben sie am Sonntag ab 18 Uhr im Kreishaus (Nassauerallee) die Möglichkeit, als Zeichen der Unzufriedenheit den am Samstag erlangten Kugelschreiber zurückzugeben. Werfen Sie das Schreibgerät als Zeichen der Demütigung einfach vor die Füße des Kandidaten! Dieser Brauch hat seit vielen Jahren Tradition. Die Kulis werden am Ende der Veranstaltung vom Landrat persönlich eingesammelt und verdienstvollen Mitarbeitern des Kreises zu Dienstjubiläen ausgehändigt. Die Besucher der Democracy-Charity-Veranstaltung erhalten Kaltgetränke und Bockwürstchen auf Kosten des Gemeinwesens. Aber: TANSTAAFL!

Sonntag, 11 bis 17 Uhr: Kinderfest (Moritzpark)

Das aber hat mit der Wahl nun rein gar nichts zu tun. Einmal im Jahr lädt die Stadt Kleve zum Kinderfest in den Moritzpark, bevor die Veranstaltung üblicherweise wegen schlechten Wetters in die Mehrzweckhalle nach Materborn verlegt wird. Am Ende sieht man geschminkte Kinder und solche, die ihr Glück kaum fassen können, nachdem sie einen echten Feuerwehrwagen besteigen durften. Einfach nur schön (bis 16 Jahre)!

Samstag und Sonntag: Paddeln

Das Wasser und Kleve. Boote haben die Vergangenheit bestimmt. 60 Jahre Kanu-Club Kleverland – Tag der offenen Tür: 13. und 14. Mai 2017 am Vereinsgelände an der Stadtbadstraße. Der Unterschied zur Wahl: Hier geht keiner unter!

Sonntag, 18 Uhr: Protestsongs (Alte Kirche Böllenstege)

Ja, aber nicht, was Sie jetzt denken – es geht um Musik aus der Reformationszeit (500 Jahre!): Die Evangelische Kirchengemeinde Kleve lädt zum Konzert mit Stefanie Brijoux (Sopran), Katrin Krauß (Blockflöte), Ute Faust (Renaissancegambe), Holger Faust-Peters (Renaissancegambe), Mitglieder des Vokalensembles der Ev. Kirchengemeinde Kleve unter der Leitung von Thomas Tesche ein.

Feine Perlage zum Frühstück: Aimery Grande Cuvée 1531 Brut AOC

Feine Perlage zur Hochrechnung: Aimery Grande Cuvée 1531 Brut AOC

Sonntag, später: Mit den Siegern feiern!

Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter, die nicht unbedingt alle auf die Rechnung schauen. Also einfach das Wahlergebnis abwarten und dann zielstrebig einen der Versammlungsorte der Parteien ansteuern, die gerade mal Oberwasser haben. Und dann: Champagner bestellen! Klopfen Sie dem Gewinner kräftig auf die Schulter und stoßen mit ihm an!


Geoffrey Bayldon, 1924-2017

rd | 11. Mai 2017, 18:11 | 5 Kommentare

Der Held unserer frühen Jahre: Catweazle (Foto: BBC)

Der Sonntag Nachmittag begann mit ihm, den es als gescheiterten Magier aus dem elften Jahrhundert in die Neuzeit katapultiert hatte, die für ihn eine Welt der Wunder war („Elektrik-Trick“): Catweazle! ZDF, ca. 14 Uhr. Wieviel verstörter wäre er wohl heute im Gegensatz zu den Jahren 70/71, in denen die Serie spielte. Catweazles Zauberformel „Salmei, Dalmei, Adomei“, mit der er viel Schlamassel anrichtet, ist genauso berühmt wie seine treue Begleiterin, die Kröte Kühlwalda (im Original: Touchwood; eigentlich: Fühlwalda), sein Dolch Adamcos und seine Bezeichnungen für alltägliche Gegenstände wie z. B. den „Zauberknochen“ (‚Telefonhörer‘, im Original: telling bone). Der Darsteller des Helden, Geoffrey Bayldon, ist gestern im Alter von 93 Jahren gestorben. Vielleicht hat er sich aber auch nur in eine andere Welt katapultiert.


Als wäre es ein Werk von Christo: Hang jetzt mit Folie gesichert

rd | 11. Mai 2017, 12:14 | 10 Kommentare

Folie von oben bis unten (Foto: THW)

Nachtarbeit für die freiwilligen Helfer des THW an der Endmoräne – mit Hilfe schwarzer Folie wurde der Hang dort, wo sich der Erdrutsch ereignete, gesichert. So hatte es der Gutachter empfohlen, nachdem für das Wochenende ein Wetterumschwung mit Regenfällen und Gewitter gemeldet wurde. „Vielen Dank! Tolle Arbeit!“, lobte die Stadt den Einsatz.


Verehrte Kunden, wir hatten gerundet

rd | 11. Mai 2017, 09:45 | 5 Kommentare

Die FAZ beschreibt das Ende des Experiments: 

„Wir werden uns jetzt noch einmal mit den Händlern zusammensetzen, vor allem mit Bäckern und Lebensmitteleinzelhändlern“, sagt Klaus Fischer vom Vorstand des City Netzwerks in Kleve, das für das Projekt verantwortlich ist. „Es ist noch keine Entscheidung gefallen“, sagt er, „aber wir werden mit den Händlern besprechen, ob wir dem Ganzen noch irgendwie neuen Schwung verleihen können – sonst werden wir es schweigend auslaufen lassen.“ 

Der Link zum gesamten Artikel: http://m.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/geld-ausgeben/abschaffung-des-kleingelds-setzt-sich-nicht-durch-15009452.html


Jubiläumsticker: 775, 600, 200, 175, 60, 50, 40, 25, 20, 10…

rd | 08. Mai 2017, 13:17 | 13 Kommentare
Fähnlein im Wind: Schwanenturm (Foto: Wiltrud Schnütgen)

Fähnlein im Wind: Schwanenturm (Foto: Wiltrud Schnütgen)

Mit druckfrischem Heft und vor historischer Kulisse: Werner van Ackeren, Dr. Manuel Hagemann, Alwine Strohmenger-Pickmann, Rainer Hoymann, Dr. Hiram Kümper

Mit druckfrischem Heft und vor historischer Kulisse: Werner van Ackeren, Dr. Manuel Hagemann, Alwine Strohmenger-Pickmann, Rainer Hoymann, Dr. Hiram Kümper

(Aktualisiert) Dieses Jahr scheint eine große Jubiläumssause zu werden! Damit du, lieber Leser, im Dickicht des Feierdschungels den Überblick nicht verlierst, hier – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – die Liste der Jahrestage 2017:

  • 775 Jahre: Verleihung der Stadtrechte
  • 600 Jahre: Erhebung zum Herzogtum (Pressemitteilung des Klevischen Vereins nach dem Weiterlesen-Button)
  • 200 Jahre: Kleve wird Standort des Oberlandesgerichtes (für drei Jahre)
  • 200 Jahre: Gründung des staatlichen Gymnasiums (heute: Freiherr-vom-Stein-Gymnasium)
  • 175 Jahre: Kindergarten Böllenstege
  • 60 Jahre: Kanu-Club-Kleverland
  • 50 Jahre: Versöhnungskirche
  • 40 Jahre: Eröffnung des Jugendzentrums Radhaus
  • 25 Jahre: 1992 geht Antenne Niederrhein auf Sendung
  • 20 Jahre: Eröffnung des Museums Kurhaus (Feiern im Oktober)
  • 20 Jahre: XOX-Theater (1. Vorstellung am 7.6.1997, kommt einem aber so vor, als sei es immer schon dagewesen
  • 20 Jahre: Bauernmarkt Riswick (RP online: 20 Jahre Riswicker Bauernmarkt)
  • 10 Jahre: Inbetriebnahme des Wertstoffhofs
  • 10 Jahre: Gründung kleveblog
  • 10 Jahre: „Kopfkino“ – für Kinder mit Hans-Peter Bause (Jubiläumslesung am 20.5. ab 10 Uhr (Eintreffen) in der Stadtbücherei)

Es kommen sicherlich noch mehr Jahrestage hinzu, aber schon so eine beeindruckende Liste!


20-Jährige in Uedem vergewaltigt, Polizei fahndet nach zwei Tätern

rd | 08. Mai 2017, 13:05 | 29 Kommentare

(Aktualisiert, da Tatvorwurf offenbar erfunden) Urpsprünglich hatte es geheißen: Nachdem in der Nacht zu Sonntag eine 20 Jahre alte Frau in Uedem vergewaltigt worden ist, fahndet die Polizei mit einer genauen Beschreibung nach einem Täterduo. Einer der beiden Männer soll ca. 30 Jahre alt sein, der andere ca. 50 Jahre. Die beiden Männer unterhielten sich während der Tat in einer Sprache, die das Opfer weder verstand noch erkannte. 

Doch dieser Bericht, der sicher in einschlägigen Kreisen für einiges an Munition gesorgt haben dürfte, stellte sich nach neuesten Erkenntnissen der Polizei als frei erfunden heraus – Hintergrund der Geschehnisse waren offenbar Beziehungsprobleme. Die Mitteilung der Polizei ist in den Kommentaren verlinkt.

Hier die Pressemitteilung der Polizei im Original:

Am Sonntag (7. Mai 2017) gegen 1.15 Uhr lief eine 20-jährige Frau nach einer Feier auf dem Radweg der Straße Boxteler Bahn (Landstraße 77) von Uedem nach Goch. Etwa 500 Meter hinter einer Firma, die sich am Ortsrand von Uedem befindet, näherten sich ihr plötzlich zwei Männer und zogen die 20-Jährige auf den Grünstreifen. Anschließend wurde sie von einem der beiden Männer zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Nach der Tat liefen die beiden Männer in Richtung Uedem weg. Die 20-Jährige hielt ein vorbeifahrendes Auto an, in dem ein etwa 40 Jahre altes Pärchen saß. Das Pärchen brachte die 20-Jährige nach Hause. Später begab sich das Opfer zur Untersuchung ins Krankenhaus und alarmierte von dort die Polizei.

Ein Täter war etwa 30 Jahre alt, etwa 1,75m groß und hatte ein südländisches Aussehen. Er hatte kurze dunkle Haare und eine schlanke Figur. Der Mann trug eine schwarze Kapuzenjacke.

Der zweite Täter war etwa 50 Jahre alt, etwa 1,70m groß und hatte eine kräftige Figur. Er hatte dunkle, längere, nach hinten gegelte Haare und einen Dreitagebart.

Beide unterhielten sich in einer für das Opfer unbekannten Sprache.

Die Polizei sucht Zeugen, insbesondere das Pärchen, welches das Opfer nach Hause gefahren hat. Hinweise bitte an die Kripo Kalkar unter Telefon 02824-880.


Wohin am Wochenende (18): Projekträume und Gartenträume

rd | 06. Mai 2017, 15:40 | 1 Kommentar

Dieses Wochenende lassen wir ausnahmsweise mal bis Mittwoch gehen – wegen zweier interessanter Vorträge in der Volkshochschule, der eine eher für private Problemfälle, der andere fürs Politische. Davor aber reichlich (Horti-)Kultur:

Samstag, 15 Uhr, Sonntag, 13 Uhr: Bahnhof 25 (Bahnhof 25)

Der Projektraum Bahnhof 25 e.V. lädt zum 43. Ausstellungsprojekt ein: Vom 6.5. bis zum 28.5. sind die Werke der Künstler Evangelos Papadoopoulos, Lucy Puls und Ulrike E.W. Scholder zu sehen. Zur Eröffnung spricht Valentina Vlasic (Museum Kurhaus Kleve). Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Projektraum Bahnhof samstags und sonntags von 13 Uhr bis 17 Uhr besichtigt werden. Weitere Infos zu den Künstlern auf www.bh25.de

Samstag, 20 Uhr, Sonntag, 18 Uhr: Pantomime (XOX-Theater)

Früher war Panomime, wenn Samy Molcho oder der andere gegen eine imaginäre Gasscheibe lief. Heute ist es so viel mehr! Zu sehen im XOX-Theater beim Gastspiel der Compagnie Bodecker & Neander (Berlin). Wolfram von Bodecker und Alexander Neander, die beiden weltweit gefragten Künstler und Meisterschüler der Pantomimen-Legende Marcel Marceau, präsentieren stimmungsvolle Szenen zum Lachen, Staunen und Träumen.

Sonntag, ganztägig: Offene Gärten (im gesamten Kleverland)

Da blüht dir was: Die Reihe Offene Gärten präsentiert an diesem Wochenende gleich sechs hortikulturelle Gesamtkunstwerke: gARTen Atelier Peters, Asperden, Bruchergarten, Uedemerbruch, Deckers, Kleve, Lichtenberger, Nierswalde, Plaza Alfonto, Reidelhof-Garten, Goch. Einziger Wermutstropfen sind die bescheidenen Wetteraussichten. Weitere Infos: www.gaerten-kleverland.de

Dienstag, 19:30: Trennung, Scheidung und die Folgen (VHS)

Man steht vor einem Scherbenhaufen, und dann noch diese ganzen Fragen: Wann kann eine Ehe geschieden werden? Was ist während der Trennungszeit zu beachten? Wie werden der gemeinsame Hausrat und das Vermögen aufgeteilt? Was kostet eine Scheidung? Wie kann ich eine Scheidung bezahlen, wenn ich kein oder nur geringes Einkommen habe? Was bedeutet gemeinsame elterliche Sorge? Wer entscheidet über das Sorgerecht? Wie war das Besuchsrecht für Kinder geregelt? Welche Unterhaltsansprüche habe ich bzw. haben die Kinder zu erwarten? Der Vortrag einer Fachanwältin für Familienrecht in der VHS, Hagsche Poort, gibt erste Hilfestellung. Zerstrittene Paare sollten sich vorher darauf einigen, wer hingeht und wer nicht. Wer noch nicht getrennt lebt und seinem Partner Separationsabsichten auch noch nicht mitgeteilt hat, sollte mit Sonnenbrille und hochgestelltem Kragen kommen.

Mittwoch, 18:45: Populisums, Brexit und die Zukunft Europas (VHS)

Zweifelsohne auch ein interessanter Vortrag am Mittwoch in der VHS (Hagsche Poort). Es geht, nach der Wahl in Frankreich, um die Zukunft Europas, die zumindest Skeptikern mittlerweile sehr unsicher erscheint. Wenn der Vortrag Lösungen bereithält, wäre Angela Merkel gut beraten, auch zu kommen. Das ist alternativlos.


Hang over: Der Erdrutsch im Überblick

rd | 06. Mai 2017, 15:09 | 6 Kommentare
Nur gut zwanzig Meter trennen den Garten des Hauses am Eisernen Mann von der Abrisskante des Erdrutsches (Foto: Torsten Barthel)

Nur gut zwanzig Meter trennen den Garten des Hauses am Eisernen Mann von der Abrisskante des Erdrutsches (Foto: Torsten Barthel)

Geschätzt 30 Lastwagenladungen Erdreich rutschten in Richtung Kermisdahl – glücklicherweise war zu dem Zeitpunkt kein Spaziergänger am Ufer unterwegs (Foto: Torsten Barthel)

Geschätzt 30 Lastwagenladungen Erdreich rutschten in Richtung Kermisdahl – glücklicherweise war zu dem Zeitpunkt kein Spaziergänger am Ufer unterwegs (Foto: Torsten Barthel)

Aus der Luft erschließt sich erst so richtig das ganze Ausmaß des Erdrutsches, der am Donnerstag an der Kaskade Teil der Endmoräne weggrissen hat. Nach Schätzungen bewegten sich rund 500 Kubikmeter Erdreich, umgerechnet rund 30 Lastwagenladungen, in Richtung Kermisdahl und schütteten den alten Rheinarm zu einem guten Teil zu.

Die Aufnahmen, die Torsten Barthel mit seiner Drohne geschossen hat, dokumentieren den Schaden und zeigen insbesondere, dass wie nah der Abstand zwischen dem abgerutschten Terrain und der Wohnbebauung am Eisernen Mann ist. Die Bewohner des ersten Hauses sind wirklich um Haaresbreite der Katastrophe entkommen. Und auch Spaziergänger auf der beliebten Wanderstrecke entlang des Gewässers hätten wohl keine Chance gehabt zu entkommen.

Die Arbeiten zur Sicherung des unterspülten Hanges werden sich nach ersten Schätzungen noch wochenlang hinziehen. Für Spaziergänger ist das Gelände vorerst gesperrt.


Erdrutsch am Kermisdahl: Häuser sicher, Hang in Gefahr, Damm geplant, langwierige Arbeiten erforderlich

rd | 05. Mai 2017, 16:51 | keine Kommentare
Große Gefahr an der Kaskade (Foto: Stadt Kleve)

Große Gefahr an der Kaskade (Foto: Stadt Kleve)

Der Erdrutsch und seine Folgen: Die Häuser am Eisernen Mann und die Kaskade sind gesichert, doch die größten Herausforderungen stehen noch vor den Arbeitern, die damit beschäftigt sind, die Schäden zu beseitigen. Gestern Nachmittag kamen Gutachter zu dem Schluss, dass der Hang immer noch Gefahr läuft abzurutschen und deshalb weitreichende und langwieirige Sicherungsarbeiten vonnöten sind. Um diese überhaupt durchführen zu können, muss der Kermisdahl in Höhe der Kaskade zugeschüttet werden. Die mit der Hangsicherung beauftragte Firma Siebers plant, eine provisorische Zugangsstraße zu errichten, die über den Altrheinarm führen wird, um schweres Gerät und möglicherweise Erdreich zur die Baustelle bringen zu können.

Hier die Pressemitteilung der Stadt Kleve im Wortlaut:

Umfangreiche Sicherungsmaßnahmen am Kermisdahl erforderlich!

Am Freitagnachmittag, 05.05.2017, wurde der abgerutschte Hang an der Regenwasserkaskade am Kermisdahl von einem Baugrundgutachter und einem Statiker begutachtet. Hierbei wurde festgestellt, dass die Regenwasserkaskade trotz des Erdrutsches keine Schäden aufweist. Die Standsicherheit ist laut der Einschätzung des Statikers gewährleistet. Es wurden keinerlei Risse oder Verschiebungen gesichtet. Als temporäre Maßnahme wurde aufgrund der Unterspülung eine zusätzliche Sicherungsmaßnahme durch eine Kies-Sandaufschüttung im unteren Bereich der Kaskade empfohlen.

Am abgerutschten Hang sind jedoch umfangreiche Sicherungsmaßnahmen erforderlich. Um den Hang zunächst temporär zu schützen, muss von der Kermisdahlseite aus von unten nach oben eine Verfüllung vorgenommen werden. Die erforderlichen Arbeiten können zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen. Nach Durchführung der Sicherungsmaßnahmen muss ein Konzept entwickelt werden, welches eine nachhaltige Sicherung des Hanges gewährleistet.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt und während der Durchführung der Sicherungsmaßnahmen muss der Gehweg am Kermisdahl weiträumig gesperrt werden.

Aufgrund der derzeitigen Gefahrenlage am Hang können dort Abgänge aktuell nicht ausgeschlossen werden. Die Stadt Kleve bittet daher um erhöhte Vorsicht und macht hiermit auf die Gefahr der verbotenen Gehwegnutzung nochmals aufmerksam.

Entwarnung kann für das angrenzende Haus gegeben werden, da die Kanzel der Kaskade die Böschung in diesem Bereich hält.

Die ersten Sicherungsmaßnahmen werden von der Fa. Siebers Tiefbau GmbH durchgeführt. Die benötigten Baufahrzeuge sollen über die Wiese neben der Birnenallee an die Kaskade herangeführt werden. Hierzu werden auf der Wiese Platten verlegt. Über den Kermisdahl wird eine provisorische Straße gebaut. Hierzu wird ein Damm aufgeschüttet. Der Wasserdurchfluss wird durch Rohre gewährleistet.


Bewaffneter Rauschgifthandel! Klever Tätowierer (und Reichsbürger) muss vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis

rd | 05. Mai 2017, 16:23 | 37 Kommentare
Verbirgt sein Gesicht hinter Prozessakten: Guido D., Tätowierer

Verbirgt sein Gesicht hinter Prozessakten: Guido D., Tätowierer

(Altersangabe korrigiert) Als Gerhard van Gemmeren, Vorsitzender Richter der 2. großen Strafkammer des Landgerichts Kleve, am frühen Nachmittag die Sitzung für beendet erklärte, wandte sich Guido D. (45) zu den Zuschauern im Saal A 105, dorthin, wo seine Verlobte, seine beiden Kinder und seine Eltern saßen. „Alles wird gut“, versicherte er ihnen, während die Justizbediensteten damit beschäftigt waren, ihm Handfesseln anzulegen.

Alles wird gut?

Wenige Minuten zuvor hatte das Gericht sein Urteil in der Sache verkündet. Der Tätowierer, der in Kleve auch als so genannter „Reichsbürger“ in Erscheinung getreten war, muss für vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis! Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er sich des bewaffneten Handelns mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und eines Verstoßes gegen das Waffengesetz schuldig gemacht hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte eine siebenjährige Haftstrafe gefordert, die Verteidigung eine bewährungsfähige Haftstrafe.

Verhandelt wurden die Geschehnisse, die sich am 2. Februar vor der Wohnung des Tätowierers in Materborn abgespielt hatten. Als ein Sondereinsatzkommando Guido D. auf dem Weg zur Arbeit überwältigte, fanden die Beamten zunächst eine Pistole der Marke Heckler & Koch sowie ein Springmesser bei ihm „am Mann“, wie es im Polizeijargon heißt. Im Mercedes des Tätowierers entdeckten sie dann noch ein Butterflymesser.

Bei einer Durchsuchung des Mannes auf der Polizeiwache wurden die Beamten nochmals fündig: Sie förderten aus einer Jackentasche eine Tüte mit fünfzig Gramm eines weißen Pulvers zu Tage. Die Substanz roch nach Lösungsmittel, deshalb hielt ein Ermittler sie für Amphetamin. Guido D. bekannte, er benötige die Droge für den Eigenverbrauch und komme nicht davon los. Auch bei der Vernehmung vor dem Haftrichter blieb er bei dieser Version.

Eine Wendung nahm die Dinge, als die Laboranalyse ergab, dass es sich bei dem Pulver um hochreines Kokain handelte. Die Staatsanwaltschaft errechnete 1450 Konsumeinheiten, die Drogen hatten also bei einem unterstellten Straßenpreis von 70 Euro pro Portion einen Wert von rund 100.000 Euro. Bei der Durchsuchung der Geschäftsräume fanden die Polizisten zudem in einem Tresor eine Feinwaage sowie kleine Druckverschlussbeutel, in denen Drogen abgepackt werden können.

Ermittelt wurde nun also in Sachen Drogenhandel, und da gibt es im Strafgesetzbuch den erschwerenden Zusatz des „bewaffneten Handeltreibens“, der einen Strafrahmen von fünf bis zu 15 Jahren Haft vorsieht. Im schlimmsten Fall hätte Guido D. also sein Leben fast bis ins Rentenalter hinter Gittern verbracht.

Mit dieser Perspektive vor Augen präsentierte Verteidiger Dr. Rüdiger Böhm, der den Angeklagten gemeinsam mit Dr. Karl Haas vertrat, gleich zu Beginn der Verhandlung eine völlig überraschende neue Version der Ereignisse. Sehr wortreich schilderte er im Auftrag seines Mandanten, dass dieser am Vorabend der Festnahme beim Aufräumen in seinem Geschäft unter einem Stapel Zeitungen die Tüte mit dem Pulver gefunden habe.

In dem Glauben, dass es sich um Amphetamin handele, habe er den Beutel „mit gemischten Gefühlen“ an sich genommen. Bei D. sei gewissermaßen Kopfkino abgelaufen, und aus Sicherheitsgründen habe er sich entschieden, die Drogen mit nach Hause zu nehmen, um sie am nächsten Tag dem Besitzer zurückzugeben. Irgendwie habe er die Geschichte „halbwegs mit Anstand“ zu Ende bringen wollen. Doch am nächsten Morgen wartete das SEK auf Guido D.

Den Verstoß gegen das Waffengesetz ließ Guido D. von seinem Anwalt einräumen. Die Waffe habe er vor einem Jahr illegal von einem „Bruder“ bei den Hell’s Angels erworben, weil er sich von dem Mitglied einer türkischstämmigen Sippe in Kleve bedroht gefühlt habe. Dieser sei vor seinem Geschäft erschienen und habe mit der flachen Hand eine waagerechte Bewegung in Höhe des Halses vollzogen. Warum es diese – diplomatisch ausgedrückt – Spannungen gebe, dafür hatte der Angeklagte allerdings keine Erklärung.

„Ich habe mich strafbar gemacht. Das ist dumm gelaufen.“ Soweit die Verlautbarung, die der Tätowierer über seinen Anwalt mitteilte. Zu seinem Lebenslauf ließ er ausrichten, dass er die Hauptschule nach dem neunten Schuljahr ohne Abschluss verlassen habe und danach eine Ausbildung zum Maler und Lackierer absolviert habe. Bis 1997 arbeitete er in dem Beruf, danach machte er sich als Tätowierer selbständig, zunächst in Emmerich und dann in Kleve. 1998 heiratete er, im gleichen Jahr und im Jahr danach wurden ein Sohn und eine Tochter geboren. 2000 trennte sich das Paar. Seine aktuelle Lebensgefährtin hilft auf 400-Euro-Basis in seinem Tattoostudio aus.

Nur am Rande gestreift wurde während der Verhandlung die politische Gesinnung des Angeklagten. Auf die Frage des Richters, ob er deutscher Nationalität sei, antwortete er forsch: „Natürlich!“ Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden zwei Macheten sichergestellt, die er zu Dekorationszwecken verwahrt haben will. Und es fanden sich allerlei Gegenstände mit, wie Gerhard van Gemmeren es behutsam ausdrückte, „historischen Abzeichen“. Nazikrempel also.

Als Zeichen des guten Willens überantwortete Guido D. diese NS-Devotionalien und die Waffen der Obhut des Staates – „waren eh alles Geschenke“. Der Haftrichter, der als Zeuge geladen war, berichtete, dass er sich zu Beginn seiner Vernehmung mit der etwas merkwürdigen Frage von D. konfrontiert sah, ob dies ein staatliches Gericht sei. Der Richter bejahte, eine weitere Rolle spielte der Vorgang nicht.

Die Vernehmung der an der Polizeiaktion Anfang Februar beteiligten Beamten ergab, dass die Polizei im Vorfeld von einer ungenannten Quelle den Hinweis erhalten hatte, dass der Tätowierer im Besitz einer Schusswaffe sei. Daraufhin entschied sich die Polizei zum Einschreiten, wobei der vorliegende Haftbefehl einer Gerichtsvollzieherin dazu gerade recht kam.

Die Staatsanwältin hielt in ihrem Plädoyer die neue Version des Angeklagten für nicht glaubhaft. Es gebe Widersprüche, man müsse von zu vielen Zufällen ausgehen, weshalb sie auch in Anbetracht mehrerer Vorstrafen eine sieben Jahre lange Haftstrafe forderte.

Philosophischen Unterhaltungswert mussten die Prozessbeobachter im anschließenden Plädoyer von Rechtsanwalt Dr. Rüdiger Böhm zugestehen. „Wir können die Vielgestalt des Lebens nicht der Staatsanwaltschaft überlassen“, hob er an, um der Behörde dann zahlreiche Denkfehler vorzuwerfen. Er erkannte „faustische Widersprüchlichkeiten“.

Über seinen Mandanten sagte er: „Er ist Tätowierer, und er ist tätowiert, und hat gewisse Vorstellungen, die man möglicherweise nicht teilen kann, aber das tut hier nichts zur Sache.“ Guido D. sei ein Eigenbrötler mit dem Talent, sich unbeliebt zu machen.

Den Umstand, dass D. bei der Festnahme mit einer Hand nach hinten gegriffen habe, wo im Hosenbund die Schusswaffe verborgen war, kommentierte der Jurist auf eine nicht eben schmeichelhafte Art und Weise: „So bekloppt ist selbst der nicht, dass er sich mit SEK-Beamten, die mit gezückten Waffen vor ihm stehen, ein Feuergefecht liefert.“

Anwalt Haas sah in seinem Plädoyer „null Anknüpfungspunkte für ein Handeltreiben“ und sprach sich deshalb für eine Bewährungsstrafe aus, also höchstens zwei Jahre Haft. Damit befand er sich im Einklang mit seinem Kollegen.

Mit seinem Urteil blieb das Gericht in der Mitte zwischen den Anträgen. Van Gemmeren sagte: „Das Rauschgift ist nicht zum Eigenverbrauch bestimmt gewesen.“ Die neuen Schilderungen des Angeklagten ergäben „hinten und vorne keinen Sinn“. Es ging allerdings zu Gunsten des Angeklagten von einem minderschweren Fall aus. Letztlich hielt die Kammer das Geschehen für eine „relativ normale Rauschgiftstraftat“ und entschied sich nach eigenem Bekunden bei der Strafzumessung deshalb dafür, „die Kirche im Dorf zu lassen“.


19:44 Uhr: Bombe entschärft!

rd | 04. Mai 2017, 19:56 | 2 Kommentare

5 Zentner aus britischer Produktion, 72 Jahre alt.


Endmoräne am Ende? Erdrutsch am Eisernen Mann, THW und Feuerwehr sichern Hang

rd | 04. Mai 2017, 17:30 | 2 Kommentare
Große Gefahr an der Kaskade (Foto: Stadt Kleve)

Große Gefahr an der Kaskade (Foto: Stadt Kleve)

Wie knapp ist Kleve – unmittelbar nach den Feierlichkeiten zum 775. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte – an einer Katastrophe vorbei geschrammt? Gleich hinter der Straße Eiserner Mann, dort wo die Regenwasserkaskade die Niederschläge aus der Oberstadt in den Kermisdahl ableitet, kam es gestern Nachmittag zu einem massiven Erdrutsch. Personen kamen zum Glück nicht zu Schaden.

Ersten Erkenntnissen zufolge war nördlich der Steinkonstruktion ein Kanal defekt, so dass unbemerkt riesige Mengen Regenwasser in den Böschungshang sickerten. Das Wasser weichte das Erdreich so auf, dass es schließlich abrutschte. Über eine Länge von rund fünfzig Metern wurden Bäume und Sträucher in die Tiefe gerissen, das Bauwerk selbst ist bis zu den Fundamenten freigelegt. „Die komplette Böschung linksseitig der Kaskade ist in den Kermisdahl gerutscht“, so Stadtsprecher Jörg Boltersdorf.

Der Fußweg entlang des Altrheinarms ist gesperrt, derzeit versuchen Feuerwehr und THW mit allen ihnen zur Verfügung stehenden technischen Mitteln ein weiteres Abrutschen von Erdreich zu verhindern und den Hang zu sichern. Die Befürchtung, dass durch den Erdrutsch auch alte Weltkriegs-Blindgänger zum Vorschein kamen, konnte am späten Nachmittag ausgeräumt werden. Boltersdorf: „Durch den Abgang wurden ebenfalls zwei Holzstumpfe freigelegt, die zunächst wie Granaten aussahen. Der Kampfmittelräumdienst, der bereits zur Bombenentschärfung an der Ackerstraße angefordert wurde, war kurzfristig vor Ort und konnte nach eingehender Kontrolle Entwarnung geben.“


Bombenfund an der Ackerstraße, halbe Oberstadt wird evakuiert

rd | 04. Mai 2017, 15:01 | 2 Kommentare

Einige tausend Bomben dürften im Oktober 44 und Februar 45 auf Kleve niedergeregnet sein, von denen die meisten explodierten – aber nicht alle. Die Blindgänger lauern im Erdreich auf eine Baggerschaufel, oder sie warten, bis sich einer hinsetzt und alte Luftaufnahmen unter der Lupe betrachtet – wie jetzt geschehen. Das Resultat: An der Ackerstraße ist ein Blindgänger entdeckt worden, der heute um 19 Uhr entschärft werden soll. Aus Sicherheitsgründen muss die halbe Oberstadt evakuiert werden. Wer rausmuss, wer nicht rausdarf, was Hilfsbedürftige zu tun haben – hier die Pressemitteilung der Stadt Kleve:


Ludger Tiggelbeck geschockt: Kurze 7, sein Düsseldorfer Altstadtlokal, ausgebrannt

rd | 03. Mai 2017, 15:49 | 2 Kommentare
Totalschaden: Keller der Gaststätte „Kurze 7“ (Foto: Tiggelbeck)

Totalschaden: Keller der Gaststätte „Kurze 7“ (Foto: Tiggelbeck)

Die Düsseldorfer Altstadt war zeitweise komplett gesperrt, überall Blaulicht und Feuerwehr. Und mittendrin rang Ludger Tiggelbeck, der bekannte Gastronom aus Kleve („Le Journal“), der seit einigen Jahren in Düsseldorf reüssiert, um Fassung. „Ich war geschockt“, so Tiggelbeck. Denn nach zwei rätselhaften Bränden in kurzer Zeit in der Düsseldorfer Amüsiermeile wurde auch sein Lokal im Herzen der Altstadt, die „Kurze 7“, ein Raub der Flammen.

Das Feuer brach vormittags im Keller aus und fraß sich in Windeseile durch das Mobiliar im Untergeschoss. Rauch und Russ zogen nach oben und sorgten auch im Erdgeschoss für schwere Schäden. Ein Brandsachverständiger schloss nach einer ersten Besichtigung des verheerten Gebäudes einen technischen Defekt aus. Ludger Tiggelbeck selbst vermutete, dass möglicherweise eine liegen gelassene Zigarette eines Mitarbeiters, der vormittags in dem Lokal zu tun hatte, den Brand auslöste. Wegen der beiden anderen Brände sperrte die Polizei den Ort zunächst ab, um Spuren zu sichern.

Der Geschäftsbetrieb in der „Kurzen 7“ ruht bis auf weiteres – Tiggelbeck musste schon mehreren Tänzerinnen, die üblicherweise leicht bis gar nicht bekleidet die Stimmung anheizen, absagen, und auch das gesamte Personal hat bis auf weiteres Zwangsurlaub. Der aus Kleve stammende Wirt hofft, dass bis zum Düsseldorfer Japan-Tag am 20. Mai zumindest das Erdgeschoss wieder benutzbar ist. Die Renovierung des Kellers wird hingegen vermutlich einige Monate in Anspruch nehmen. Das Lokal lief in den vergangenen Jahren äußerst erfolgreich.

Das Düsseldorfer Polizeireporter-Urgestein Günther Claassen berichtete über den Brand, der die Altstadt am 30. April für einige Stunden lahmlegte

Das Düsseldorfer Polizeireporter-Urgestein Günther Classen berichtete im Express über den Brand, der die Altstadt am 30. April für einige Stunden lahmlegte


Lesefrüchte (2): Superfrugales aus der Hauptstadt

rd | 01. Mai 2017, 15:28 | keine Kommentare
Lange Zeit war Berlin kulinarisch bekannt vor allem wegen seiner Bratwurstmänner, die durch die Straßen zogen und wie eine Art Bauchladen einen Grill vor sich hertrugen. Diese Zeiten sind vorbei – jetzt gibt es Salatbanken

Lange Zeit war Berlin kulinarisch bekannt vor allem wegen seiner Bratwurstmänner, die durch die Straßen zogen und wie eine Art Bauchladen einen Grill vor sich hertrugen. Diese Zeiten sind vorbei – jetzt gibt es Salatbanken

Darauf einen Chai Latte! Oder einen Macha Pichu! Oder doch Pommes rot-weiß? Qui know, ya? Der taz verdanken wir einen Beitrag, der der aufgeklärten Leserschaft des Blattes vermutlich runtergeht wie Olivenöl extra virgine – über das grassierende Superfoodwesen in unserer liebsten Hauptstadt, dem hippen Berlin. Genug der Vorrede, hier also einfach, zu deiner Erbauung, lieber Leser, ca. 200 sarkasmusgetränkte Zeilen Text. Mein Lieblingssatz: „Noch deprimierender als alte Spießer sind wohl nur junge Spießer.“
Die Schaufel im Arsch des Todes


Wohin am Jubiläumswochenende?

rd | 28. April 2017, 08:34 | 23 Kommentare

Festlich geschmückt: The Swan’s Castle (Foto: W. Schnütgen)

Jung und gutaussehend? Die Paradisos spielen am Red Wagon und beim Stadtfest

Als Graf Dietrich VI. an einem nasskalten Vormittag und einer durchwachten Nacht am 25. April 1242 seine legendären Worte herauspresste („Dann sollen sie halt ihre verdammten Stadtrechte bekommen!!!), verließ das endlich zu ein paar Rechten gelangte Bürgertum der Stadt seine Lehmhütten und verlieh seiner Freude in für die damalige Zeit typischer Manier Ausdruck: Die Menschen reinigten mit Reisigbesen die Große Straße, die damals noch Kleine Straße hieß, von Schweinekot und warfen Rübenschnitze in die Luft. Man hatte nicht mehr, damals.

Wie anders heute – die 775-Jahr-Feier der Stadt Kleve wird das größte und schönste Fest, das die Stadt je erlebt hat. Viele Gaststätten locken die Menschen mit Sonderangeboten, beispielsweise verkauft die Zentrale – Motto: Schon satte 0,04 Promille Teil der Klever Stadtgeschichte – drei Klever Jubiläumspils („Pilsner Urquell“) datumsgerecht zu exakt 775 Cent (zzgl. 5 Cent Jubiläumszuschlag). Darauf muss man erst mal kommen!

Die Ideen der Klever Bürger gibt es am Samstag und Sonntag auf dem Koekkoeksplatz zu bestaunen: „Von Klever für alle Gäste“, unter diesem Motto präsentieren sich Vereine und Künstler mit Comedy, Musik und Tanz. Das Programm am Samstag beginnt um 10 Uhr mit einer Festrede der Bürgermeisterin Sonja Northing. Zweiter Veranstaltungsort ist der Parkplatz am EOC.

Aber es gibt noch mehr Jubel und Trubel: Die Klever Händler feiern das Jubiläum mit einem verkaufsoffenen Sonntag (alle 775 Geschäfte in der Innenstadt haben von 12 bis 17 Uhr geöffnet). In der unteren Herzogstraße leben unter dem Motto „Bikini, Beat & Bobbycar“ die 50-er, 60-er und 70-er Jahre wieder auf. Dazu spielen auch die Paradisos aus Bremen, die unter dem Motto auftreten: Für die einen sind sie jung, für die anderen gutaussehend. Sie konzertieren übrigens am Samstag Abend auch im Biergarten des Red Wagon an der Hochschule.

Wasserlastig wird es am Opschlag: Der Kanuverleih startet am 30.04. in die Saison, erstmals in seiner steinernen Behausung und nicht mehr im Provisorium untergebracht. Unter anderem im Angebot: Zu jeder vollen Stunde eine Drachenboot-Schnuppertour.

Die Hochschule Rhein-Waal beteiligt sich am Jubiläumsreigen mit einem Street-Food-Festival auf dem Campus-Gelände: Samstag und Sonntag kommen Genießer ab 12 Uhr zum Zuge – kulinarisch werden ca. 100 Länder abgedeckt. Viel mehr gibt es auch nicht.

Die Klever Jazzfreunde machen den Auftakt der Feiern mit dem Konzert von Salomea Project. Rebekka Salomea tritt mit dem Anspruch auf, Bilder im Kopf zu malen. Das Konzert beginnt am Freitag um 20:30 Uhr im Casa Cleve. Und auch das XOX-Theater, das übrigens in diesem Jahr 20 Jahre alt wird, beteiligt sich mit zwei Aufführungen (Freitag, 20 Uhr, Samstag, 18 Uhr) am Stadtjubiläum: Theaterchef Wolfgang Paterok präsentiert das Figurentheater Cartouche,  das die „Sonate à quatre mains“ aufführt. Es handelt sich um ein hochkonzentriertes Spiel mit Marionetten, das literarisch von Franz Kafka, musikalisch von Eric Satie und visuell von dem niederländischen Maler Carel Willink inspiriert ist.


52 % aller heterosexuellen Männer Kleves, die 1932 fürs Zentrum gestimmt haben, sprechen sich für eine Bebauung des Minoritenplatzes mit Parkplätzen aus

rd | 25. April 2017, 17:33 | 89 Kommentare
Gut gekleidet, Analyse so klar wie Mineralwasser: Dr. Peter Matuschek (Forsa) schlug der Wahrheit über den Minoritenplatz eine Schneise

Gut gekleidet, Analyse so klar wie Mineralwasser: Dr. Peter Matuschek (Forsa) schlug der Wahrheit über den Minoritenplatz eine Schneise

Endlich Klarheit!

802 Klever, die in ihrem jeweiligen Haushalt zum Zeitpunkt des Anrufs als letztes Geburtstag hatten, durften sich gegenüber Telefonfachkräften des angesehenen Meinungsforschungsinstituts Forsa zu den Plänen der Stadt für den Minoritenplatz äußern. Heraus kam ein interessantes Stimmungsbild, dass so in dieser Deutlichkeit nicht zu erwarten war: Offenbar sind manche Klever für eine Bebauung des Areals, während andere dagegen sind. kleveblog meint: Die Bürgermeisterin ist gut beraten, dieses Stimmungsbild in die Planungen mit einzubeziehen und den Minoritenplatz entweder zu bebauen oder nicht zu bebauen. Das aber ist alternativlos!

Die Offenen Klever hatten die Umfrage in Auftrag gegeben, um angesichts der neuen Pläne einmal das „repräsentative Stimmungsbild“ der Klever Bevölkerung zu ergründen. Die Teilnehmer der Umfrage wurden zufällig ausgewählt, indem ein Computerprogramm Telefonnummern zusammenbastelte, die dann angerufen wurden. Die Stichprobe, das versicherte der Mitarbeiter von Forsa, der die Ergebnisse vorstellte, sei groß genug gewesen, um ein gutes Bild zu erhalten, das zudem eine weitere Aufschlüsselung ermöglicht – so in der Art, wie sie in der Überschrift scherzhaft vorgestellt wird. Präsentiert wurden die Ergebnisse passenderweise im Saal „Inspiration“ im Hotel Rilano. 50 Klever waren zugegen, eine mahnte am Ende der Vorstellung, man dürfe sich nicht zu „Handlangern der Zementindustrie“ machen lassen.

Was aber kann nun wirklich heraus, was sagen die Zahlen?

  • Die Hälfte der Klever interessiert sich stark oder sogar sehr stark für die Diskussion um die geplante Bebauung des Minoritenplatzes (51 %), die andere Hälfte steht diesen Vorgängen eher desinteressiert gegenüber (49 %).
  • Auf die Frage: „Was glauben Sie: ist die Mehrheit der Bürger in Kleve grundsätzlich eher für oder gegen eine Bebauung des Minoritenplatzes?“ Antworteten 59 % der Befragten, dass sie davon ausgehen, dass es allgemeine Stimmungsbild sich eher gegen eine Bebauung richtet. Nur 25 % der Befragten waren der Ansicht, eine Mehrheit der Bevölkerung sei für eine Bebauung.
  • Frage Nummer acht beschäftigte sich dann mit der persönlichen Einstellung der Klever. „Sind Sie grundsätzlich eher für oder eher gegen eine Bebauung des Minoritenplatzes?“ Die Hälfte der Befragten war dagegen (50 %), ein gutes Drittel dafür (38 %). 12 % der Befragten hatten keine Meinung. Interessant aus Sicht der Meinungsforscher war, dass Männer tendenziell eher für eine Bebauung waren (42 %) als Frauen (33 %). Das könnte daran liegen, dass Männer aufgrund ihrer Sozialisation dem Baugewerbe eher zugeneigt sind. Sie spielen in ihrer Kindheit mit Baggern und nicht mit Puppen.
  • Je weniger CDU die Befragten waren, umso stärker fiel die Ablehnung aus – 86 % der Klever, die angaben, bei der nächsten Wahl für die Offenen Klever zu stimmen, sprachen sich gegen eine Bebauung aus. Dagegen nur 44 % der CDU-Anhänger.
  • Am Ende durften die Teilnehmer der Umfrage aus einer Liste von Vorschlägen zu einer möglichen Zukunft des Areals ihre Favoriten auswählen. 52 % votierten für einen begrünten Parkplatz, also für etwas, was es im Grunde heute schon gibt, vielleicht mit etwas wenig Grün. 49 % konnten sich dort Gastronomie vorstellen (das wurde nicht konkretisiert). An dritter Stelle rangierte die Vorstellung eines Gebäudes im Hundertwasser-Stil (44 %, Mehrfachnennungen waren möglich).

Für diejenigen, die in der Stadt politisch arbeiten oder deren Geschicke in der Verwaltung steuern, dürften allerdings die Antworten auf zwei ganz andere Fragen aus dem bunten Strauß der Erkenntnisse, didene die Offenen Klever der Stadt bescherten, von größerem Wert sein. Befragt, welches Ihrer Meinung nach die größten Probleme in der Stadt Kleve seien, nannten 24 % Verkehrsprobleme (alles von Radwegen über Öffentlichen Nahverkehr bis Straßenverkehr), 17 % die Schulpolitik und immerhin 13 % die Bebauung des Minoritenplatz. Das Thema „Ausländer, Flüchtlinge, Integration“ hielten gerade einmal 4 % der Befragten für relevant.

Wie zufrieden die Bürger mit der Stadtverwaltung in Kleve sind, wurde ebenfalls erkundet. Das Ergebnis deutet darauf hin, dass das Team um Sonja Northing sensationelle Arbeit abliefert. Die Verwaltung kommt auf Zufriedenheitswerte von 73 %, nur jeder Fünfte war mit der Arbeit der Verwaltung weniger zufrieden oder sogar unzufrieden.

Dr. Peter Matuschek, der Mann von Forsa, wies übrigens mit einer kleinen Bemerkung am Rande darauf hin, dass wir in Kleve auf einer Insel der Seligen leben. Auf die Frage nach den großen Problemen der Stadt antwortete jeder dritte Klever: „Weiß nicht“ (31 %). Wenn man eine solche Umfrage in Berlin mache, liege dieser Wert bei gerade mal 2-3 %.


Derbystar (Goch) liefert künftig den Bundesliga-Ball, Adidas raus

rd | 24. April 2017, 23:56 | keine Kommentare
Ist der Ball wirklich rund? Oder doch nur eine „originale 32 Panel Ball Konstruktion“? Das müssen die Spieler der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2018/19 ergründen

Ist der Ball wirklich rund? Oder doch nur eine „originale 32 Panel Ball Konstruktion“? Das müssen die Spieler der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2018/19 ergründen

Herzogen–Au!-r-Ach!

Das neue Spielgerät der Fußball-Bundesliga kommt ab der übernächsten Saison aus ––– Goch! Und nicht mehr aus Herzogenaurauch, dort, wo die Adidas-Dynastie beheimatet ist, die der Deutschen liebstem Sport seit Jahrzehnten ihren dreistreifigen Stempel aufdrückt. Ab der übernächsten Saison stellt die Gocher Firma Derbystar den offiziellen Spielball der ersten und zweiten Bundesliga – und dann gleich für vier Jahre. Das gab die DFL Sports Enterprises (DFL SE) am Montag in Frankfurt am Main bekannt. Zahlen wurden erwartungsgemäß nicht bekannt gegeben, aber man darf von einem Millionengeschäft für das am Niederrhein ansässige (und zu einem dänischen Konzern gehörende) Unternehmen ausgehen.

Rein rechnerisch kommt man zwar nicht so weit – pro Bundesligaspiel liegen rund 30 Bälle bereit. Da die Bälle meines Wissens nicht von einem Ort zum anderen transportiert werden, also 18 x 30 Bälle. Ergebnis: 540. Rechnen wir großzügig 100,– € pro Ball, landen wir für die erste Bundesliga bei 54.000 Euro. Dann kommt die zweite Bundesliga hinzu, sodass das bloße Ballverkaufsvolumen bei rund 100.000 Euro liegen dürfte. Aber bei dem Deal geht es um ganz andere Dimensionen!

„Mit Derbystar haben wir einen Partner gewonnen, der seit langer Zeit für höchste, von den Clubs und Spielern anerkannte Produktqualität steht. Darüber hinaus schätzen wir das internationale Vertriebsnetz, über das das Unternehmen zusammen mit der Mutterfirma Select Sport verfügt“, sagt Jörg Daubitzer, Geschäftsführer der DFL SE. Bereits ab 1970/71 war Derbystar durch zahlreiche Club-Kooperationen in der Bundesliga vertreten. In der Saison 1979/80 wurden sogar alle 306 Bundesliga-Begegnungen mit den Bällen aus dem Hause Derbystar ausgetragen. Die Firma behauptet, dass sich deren Bälle durch „exzellentes Sprung- und Flugverhalten“ auszeichnen, sodass die Spieler „niemals die Kontrolle über den Ball verlieren“. Das ist meiner Meinung nach etwas dick aufgetragen, aber so spricht halt das Marketing.

„Mit der Rückkehr in die Bundesliga und 2. Bundesliga unterstreichen wir unsere starke Position im Markt und die sehr positive Unternehmensentwicklung der letzten Jahre“, sagt Andreas Filipovic, Geschäftsleitung Verkauf & Sponsoring von Derbystar. „Wir haben unseren Umsatz seit 2010 verdoppelt. Die Präsenz in der Bundesliga und 2. Bundesliga wird unsere Marke weiter stärken“, sagt Joachim Böhmer, der in der Geschäftsleitung Marketing und Einkauf verantwortet. Klever Unternehmerpreis, ick hör dir trapsen!

Derbystar ist seit der Unternehmensgründung im Jahr 1968 auf die Produktion von handgenähten Bällen spezialisiert und gehörte zur den ersten Produzenten, die synthetische Materialien für die Herstellung der Bälle einsetzten. Diese Entscheidung galt Mitte der 1970er Jahre als richtungsweisend und setzt bis heute Standards in punkto Innovation. Seit 1991 gehört die DERBYSTAR Sportartikel GmbH zu SELECT Sport A/S (Select), einem dänischen Unternehmen, das bereits seit 1947 als reiner Ballspezialist Maßstäbe setzt. So entwickelte Select unter anderem 1962 den ersten 32-teiligen Fußball und 1974 den ersten handgenähten Polyurethan-Fußball. 1996 beriet Select die FIFA bei der Festlegung universeller und moderner Fußballstandards. Die Fußball-Ligen in den Niederlanden, Finnland, Schweden, Island, Dänemark und Belgien setzen auf offizielle Spielbälle von Derbystar/Select.

Das Unternehmen DERBYSTAR/SELECT nimmt seine soziale Verantwortung ernst und setzt bei der Produktion der Bälle in Pakistan nicht nur auf höchste Qualitätsansprüche, sondern auch auf faire Bedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Die jährlich rund drei Millionen Bälle werden exklusiv bei Anwar Khawaja Industries (AKI) in Pakistan hergestellt, einem von Fairtrade zertifizierten Unternehmen. Die rund 7.500 Näher und ihre Familien profitieren seit 1996 auch von einem umfassenden Gesundheits- und Bildungsprogramm.

Einer der bekanntesten Werbeträger der Marke Derbystar war Fleming Lund, ein früherer Außenstürmer von Fortuna Düsseldorf. In meiner Fotokiste liegt noch eine Autogrammkarte von ihm. Lund, 1,70 m groß, erzielte in 96 Bundesligaspielen für Rot-Weiß Essen und dann für Düsseldorf sieben Tore. Sieben! Aber er war ein sympathischer Däne, der heute vermutlich in seiner üppig bemessenen Tagesfreizeit Scandi-Noir-Krimis schaut und seine beiden Töchter, beide Springreiterinnen, zu ihren Turnieren begleitet. Es kann aber sein, dass meine Erinnerung mich täuscht und Lund in Wahrheit für die Sportschuhmarke Hummel geworben hat.


Sonja Northing bewirbt sich für das Amt des UN-Generalsekretärs!

rd | 24. April 2017, 13:35 | 7 Kommentare
Eine Interviewantwort wie eine Bewerbungsmappe

Eine Interviewantwort wie eine Bewerbungsmappe

Kleve hat eindeutig das Glück, mit Stadtoberhäuptern gesegnet zu sein, die für das Amt derart überqualifiziert sind, dass man eigentlich nur die Wahl hat, demutsvoll in Richtung Landwehr zu blicken. Schon Theo Brauer vereinte in seiner kleinen Gestalt eine solche Fülle von Kompetenzen, dass nicht wenige sagten, er habe dank seines visionären Wesens nicht nur das Zeug zu einem Bürgermeister gehabt, sondern hätte nahezu genauso gut den Posten eines Lehrers an einer von der Schule für Menschen mit Lernbehinderung ausfüllen können. Schade, dass er einen anderen Weg eingeschlagen hat!

Nun aber Sonja Northing, seit gut anderthalb Jahren im Amt und viel beschäftigt mit profanen Dingen wie Minoritenplatz und Spoykanal. Die Antwort der Bürgermeisterin auf die letzte Frage des Interviews in der Rheinischen Post von heute aber zeigt, dass die Erste Frau der Stadt sich eindeutig zu höheren Aufgaben bewegt. Wahrscheinlich saß sie vor einigen Monaten, anlässlich der Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit Tag des Grundgesetzes am 23. Mai, schon deshalb neben Joachim Gauck. Doch selbst Deutschland scheint zu klein! „Eigenverantwortung, Frieden und Liebe für alle Menschen“, so die Antwort auf die Frage, was Sie sich wünschen würde, wenn sie drei Wünsche frei hätte. Das aber gehört eigentlich zum Aufgabenfeld von Päpsten (da aber scheidet eine Frau aus) und UN-Generalsekretären. Die Welt darf gespannt sein.

Kollegialer Hinweis an die RP: Bei der epochalen Antwort hätte man der Frage in grammatikalischer Hinsicht etwas mehr Liebe angedeihen lassen sollen. Besser nicht in einem Satz zwischen Konjunktiv und Indikativ springen.


Fliederliche Montagsgedanken

rd | 24. April 2017, 10:48 | 2 Kommentare

Blütenorgie aus Nachbars Garten: Erster Versuch

Blütenorgie aus Nachbars Garten: Erster Versuch


Wer, lang, lang ist’s her, als Frau im reiferen Alter das Signal aussenden wollte, noch auf der Suche nach einem Partner zu sein, trug Kleidung in einem zarten Fliederton. Daher haben die Blüten und der Duft des Flieders immer noch eine altjüngferliche Konnotation. Es wird Zeit, mit dieser historischen Fehleinschätzung aufzuräumen! Die Blüten dieses Strauchs, die übrigens aus dem Garten meiner geschätzten Nachbarn herüberwachsen und mich jedes Frühjahr aufs Neue erfreuen, mögen an Vieles erinnern, nicht aber an den sprichwörtlichen „letzten Versuch“! Eher schon an überbordende Jugendlichkeit und deren verschwenderisches Maß an Reizen. Ludwig Hölty dichtete einst: „Der Flieder und die Linde wehn mir bange Seelenschauer“ – und auch dies erscheint mir eine völlige Fehlwahrnehmung der Natur, abgesehen natürlich davon, wenn man seinen Wagen im Sommer nachts unter einer Linde abstellt. Eher hält es die Redaktion mit Salis: „Da lässt man sich nieder, von Haseln und Flieder mit Laubduft erfrischt.“ So mögen wir es halten (auch bei 7 °C).

Zecke (27.04. 17:18):

Namen kommen nicht von ungefähr……

laut Wikipedia: <...
kleinendonk (27.04. 16:43):

VHS Kurs

...

Wohin am Wochenende (16)

rd | 21. April 2017, 17:42 | keine Kommentare

Zweimal Musik, zweimal Kunst, das ergibt vier Tipps für den kulturbeflissenen Mitbürger zum ersten Wochenende nach Ostern. Bittesehr!

Samstag, 10 Uhr: Reinhard Strähnz und Bert Keim (Café Samocca)

Viele Menschen nutzen den Samstagvormittag, um einkaufen zu gehen. Aber warum nicht einfach mal nicht einkaufen? Stattdessen empfiehlt sich beispielsweise ein Gang ins Café Samocca, wo Reinhard Strähnz und Bert Keim „Jazz zum Frühstück“ servieren.

Samstag, 15 Uhr: Willy Richrath et al. (Kolpinghaus)

Wer kann heute noch Klefse Platt sprechen? „Wor Klefse sin, da werd gesonge“, unter dem Motto lädt der Kolpingchor ins Kolpinghaus ein und singt „von den Schüsterkes, de alde Mööle, de Schwanentorm und vielem anderen“.Der Kolpingchor nimmt das Jubiläusmjahr der Stadt Kleve zum Anlass und lädt zu einem offenen Singen alter Klever Lieder, vor allem von Willy Richrath, ein. Es werden auch Textbeiträge vorgetragen. Kaffee und Kuchen werden angeboten.

Sonntag, 11 Uhr: Brigitte Dams (Telpost, Millingen)

Die aus Kleve stammende und in Düsseldorf lebende Künstlerin Brigitte Dams zeigt ihre Arbeiten nicht nur derzeit im Salon der Künstler im Museum Kurhaus, sondern am Sonntag auch im Telpost-Gebäude auf dem Rheindeich in Millingen. Matthias Graß schreibt: „Schon früh begann Dams, mit Transparentpapier den Strich, die Linie von der Fläche zu lösen, den Strich wenigsten optisch greifbar zu machen. Später arbeitet sie mit Flechtwerken aus Fahrradschläuchen, aus Feuerwehrschläuchen, teils temporäre Arbeiten. Denn die Fahrradschläuche verlieren mit der Zeit an Spannkraft.“ Das mit den Fahrradschläuchen kann ich bestätigen.

Sonntag, 12 Uhr: Neo Rauch (Tichelpark Kinos)

Neben Gerhard Richter ist er wohl der angesagteste Deutsche Künstler überhaupt: Neorauch. Die Tichelpark Kinos zeigen in ihrer Sonntagsmatinee eine Dokumentation über das Leben und Arbeiten des Mannes. „Wer bin ich denn, wenn ich nicht male?“, sagt er einmal im Verlaufe des Films. Gute Frage. Der Trailer zum Film – siehe oben.


Lokalberichterstattung

rd | 21. April 2017, 10:30 | 1 Kommentar
 Erst schillern die Getränke zwar farbenfroh, am Ende dürfte aber, wie so oft, dass metaphorische Blau vorherrschen: Stimmungsvolle Aufnahme aus Thom's Lounge (Foto: FW)

Erst schillern die Getränke zwar farbenfroh, am Ende dürfte aber, wie so oft, das metaphorische Blau vorherrschen: Stimmungsvolle Aufnahme aus Thom’s Lounge (Foto: FW)

Es fährt ein Zug nach Südamerika: Franz Vierboom, Alejandra Manthey

Es fährt ein Zug nach Südamerika: Franz Vierboom, Alejandra Manthey

(Nochmals aktualisiert, jetzt auch mit renoviertem Culucu und der neuen Pizzeria am Elsabrunnen) Der eigene Laden, gerade mal 129 Tage alt, erscheint einem fast schon wie der Fels in der Brandung angesichts des rasenden Wandels um einen herum. So gibt es mitten in der Stadt ein ebenso erfreuliches wie überraschendes Comeback: Thom’s Lounge, ein Lokal, das sich der buntschillernden Welt der Cocktails verschrieben hat, empfängt nach über einem Jahr Pause wieder Gäste. Betreiber Andreas Hert hatte sich ursprünglich dem Kolpinghaus in Goch zugewandt und den Klever Betrieb verwaisen lassen, doch das Gastspiel in der Nachbarschaft endete vor der Zeit, und nun schüttelt der Barmann wieder in seiner angestammten Heimat. Cocktails kosten fünf Euro. + + + Für die chilenischen Momente im Leben ist ab sofort Alejandra Manthey zuständig – und zwar im – Überraschung! – Red Wagon an der Hochschule. In dem Waggon mit angrenzendem Biergarten von Franz Vierboom gibt es künftig unter ihrer charmanten Führung nicht nur die klassische Auswahl an Getränken, sondern auch köstliche Empanadas (gefüllte Teigtaschen). Und die kleine Ansammlung von Pisco-Flaschen auf der Theke lässt hoffen, dass von Zeit zu Zeit auch ein Pisco Sour fabriziert wird. Viel Erfolg, Alejandra! + + + Frisch renoviert präsentiert sich das Culucu in Rindern seinen Besuchern. Die Mitglieder des Vereins, der das Lokal betreibt, nutzten die Osterpause, um die Gaststätte wieder auf Vordermann zu bringen. Wie das gelungen ist, davon können sich Gäste beispielsweise am Samstag ab 21 Uhr beim Globusdance überzeugen + + + Unter neuer Führung und unter neuem Namen bietet das Restaurant Nassauer Stuben ab sofort italienische Küche, und die soll ausgezeichnet sein, wie erste Berichte besagen. Im Le Due Terre bietet Pächter Francesco Giorgi dienstags bis sonntags mittags (12:00 Uhr bis 14:30 Uhr) und abends ab 17:00 Uhr Köstlichkeiten aus dem Mittelmeerraum. + + + Noch mehr italienische Momente beschert uns die neu eröffnete Pizzeria am Elsabrunnen, hinter das für Qualität bürgende Team des Eiscafés Riva steht. Ein erster Test konnte noch nicht stattfinden, aber was der Zaungast bei der Gruppe um den ehemaligen Vereinsvorsitzenden des VfL Merkur Kleve, Wolfgang Graß, links am Fenster auf den Tellern sah, ließ einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. + + + Ein Abgang ist leider auch zu verzeichnen: Das iMixit an der Schlossstraße, wie der Name schon andeutet, ein Hort der Mischgetränke, hatte zunächst einige Zeit „aus privaten Gründen“ geschlossen und dann wohl auch aus geschäftlichen. + + + Und in einer der bekanntesten Adressen in Kellen soll Ende des Jahres ebenfalls der finale Zapfenstreich erfolgen: Wie zu hören ist, fand der Betreiber des Kellener Krugs für sein Lokal keinen Nachfolger und stellt deshalb zum Jahresende den Geschäftsbetrieb ein.


Klever Reichsbürger vor Gericht

rd | 19. April 2017, 12:56 | 24 Kommentare
„Aufgeklärt im Sinne des Völkerrechts“: Hohle Rhetorik hinter der Windschutzscheibe

„Aufgeklärt im Sinne des Völkerrechts“: Hohle Rhetorik hinter der Windschutzscheibe

An seinem schwarzen Mercedes hatte der 45 Jahre alte Klever deutlich sichtbar den Hinweis angebracht, dass er sich den so genannten „Reichsbürgern“ zugehörig fühlt, einer obskuren Gruppe von Menschen, die allesamt der Ansicht sind, dass die Bundesrepublik Deutschland eine illegale Rechtskonstruktion ist und in Wahrheit das Deutsche Reich fortbesteht.

In der kruden Logik dieser Menschen haben die Institutionen unseres Staates keine Autorität. Für den Klever, der ein Tätowierstudio betrieb, dürfte deshalb der Termin am 5. Mai um 9:00 Uhr die größtmögliche Herausforderung seines Weltbildes darstellen: Um diese Uhrzeit beginnt vor der 2. großen Strafkammer des Landgerichts Kleve im Saal A 103 in der Schwanenburg der Prozess gegen ihn – allerdings nicht wegen seines aus dem Lot geratenen Weltbildes, sondern wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Zudem soll der Angeklagte das Waffengesetz missachtet haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, in nicht geringer Menge mit Betäubungsmitteln gehandelt zu haben. Hinzu kommt der erschwerende Umstand, dass der 45-Jährige bei seiner Festnahme nicht nur fünfzig Gramm hochkonzentriertes Kokain mit sich führte, sondern auch eine im Hosenbund versteckte Schusswaffe der Marke Heckler & Koch sowie ein Spring- und Butterflymesser.

Diese Kombination wird im Betäubungsmittelgesetz ausdrücklich erwähnt: Demnach ist mit Haft nicht unter fünf Jahren zu bestrafen, wer „mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge unerlaubt Handel treibt oder sie, ohne Handel zu treiben, einführt, ausführt oder sich verschafft und dabei eine Schusswaffe oder sonstige Gegenstände mit sich führt, die ihrer Art nach zur Verletzung von Personen geeignet und bestimmt sind“. Wenn sich die 2. große Strafkammer der Auffassung der Ankläger anschließt, droht dem Reichsbürger also eine langjährige Freiheitsstrafe.

Der 45 Jahre alte Klever war Anfang Februar verhaftet worden. Eigentlich sollte er nur ergänzende Informationen zur „Vermögensauskunft“ geben (früher Offenbarungseid genannt), doch die zuständige Gerichtsvollzieherin befürchtete bei diesem Verwaltungsakt Komplikationen und beantragte deshalb einen Haftbefehl, den das Amtsgericht auch beschloss. Da der Tätowierer polizeibekannt war und in Polizeikreisen als „sehr gefährlich“ eingestuft wurde, fällte die Polizei die Entscheidung, bei der Verhaftung ein Sondereinsatzkommando einzusetzen.

Als die Elitepolizisten die Wohnung des Mannes in Materborn stürmten und ihn überwältigten, fanden sie in seiner Weste das Rauschgift. In ersten Presseberichten hieß es, es seien Amphetamine (Aufputschmittel) gefunden worden; offenbar ergab die spätere Analyse der Substanzen, dass es sich um Kokain handelte. Bei der anschließenden Durchsuchung der Geschäftsräume entdecken die Fahnder im Tresor eine Feinwaage sowie 20 Druckverschlussbeutel, die in entsprechenden Kreisen in der Regel dazu benutzt werden, Drogen zu portionieren.

Ein Sprecher des Landgerichts teilte mit, dass der Angeklagte im Ermittlungsverfahren den Tatvorwurf teilweise einräumte. Zur Hauptverhandlung sind vier Zeugen geladen.


Ein Brief der Klasse 9a: Dionis ist weg

rd | 11. April 2017, 16:17 | 56 Kommentare

„Trauriges Ende einer Integration: Seit zwölf Monaten bei der fünfzehnjährige Dionis aus Albanien in unserer Klasse, mittlerweile 9. Schuljahr an der Sekundarschule in Bedburg-Hau. Niemand hat uns gefragt, auf einmal war Dionis da und wir mussten miteinander auskommen, mussten uns verständigen trotz Sprachproblemen, zusammen leben und lernen. Doch schnell entstanden neue Freundschaften, Dionis fand Anschluss im Unterricht, strengte sich an. Am 21. März fehlte Dionis in der Schule. Er war nicht krank, er wurde in der Nacht mit seiner Mutter nach Albanien abgeschoben. Niemand hat uns gefragt, auf einmal war Dionis nicht mehr da. Wir konnten uns nicht verabschieden, ihm keine guten Wünsche mit auf den Weg geben. Wir sind sehr traurig. Solche „Nacht-und-Nebel-Aktionen“ führen dazu, dass wir beim nächsten Asylbewerber lieber auf Distanz bleiben. Einen mutmaßlichen Terroristen konnte/wollte man nicht abschieben, aber unser Freund ist jetzt weg. Zum Glück gibt es noch Handy-Kontakte, Dionis hat ein Dach über dem Kopf und lebt, doch auch er ist traurig. Ist das das Richtige?“

Für die Klasse 9a der Sekundarschule Bedburg-Hau: Simon Tillemann, Klassensprecher und Standortsprecher


„Wie Brustimplantate für Barbiepuppen“

rd | 10. April 2017, 12:55 | 1 Kommentar

Wenn ein britischer Restaurantkritiker mit seiner Begleitung in einem der angesagtesten Restaurants von Paris essen geht, am Ende eine Rechnung in Höhe von rund sechshundert Euro bezahlt und das Fazit zieht, es sei die mit Abstand schlechteste Erfahrung gewesen, die er in seinen 18 Berufsjahren habe ertragen müssen, möchte man schon wissen, was passiert ist. Nachzulesen ist dies – in englischer Sprache – in einer der schönsten Restaurantkritiken, die ich in den vergangenen Jahren gelesen habe. Da ich schöne Dinge gerne Teile, hier der Link zu einem fantastischen Text:

Le Cinq Paris Restaurant Review Jay Rayner


„Der Toilettendeckel sagt: Es geht dir gut“

rd | 09. April 2017, 14:52 | 24 Kommentare
Für viele Menschen, insbesondere aus der Stadtverwaltung, noch eine ferne Zukunftsvision, in anderen Haushalten schon längst Realität: Sprechende Toilettendeckel

Für viele Menschen, insbesondere aus der Stadtverwaltung, noch eine ferne Zukunftsvision, in anderen Haushalten schon längst Realität: Sprechende Toilettendeckel

Wie Kleve 2050 aussehen könnte – ein Gastbeitrag von Dirk Posdena (Fachbereich Planen & Bauen bei der Stadt Kleve), zu finden auch auf der Website der Stadt Kleve: Schauen wir mal: Einblicke und Einsichten zur zukünftigen Entwicklung der Stadt Kleve. Es handelt sich um eine Vision mit sprechenden Sanitäranlagen, mit einem bebauten Minoritenplatz, ohne einen der beiden „Kaufland“-Märkte – und mit einem Dirk Posdena, der in 33 Jahren immer noch arbeiten muss. Spannend – aber lesen Sie selbst!

2017 feiert die Stadt Kleve ihren 775sten Geburtstag. Grund genug, nicht nur einen Blick zurück zu werfen sondern auch diesen vorsichtigen Blick in die Zukunft zu wagen.

775 Jahre, ein stolzes Alter. Da stellt sich die Frage, wie alt können Städte eigentlich werden? Und können Städte sterben? Die Geschichte hat gezeigt, ja, Städte können sterben, oder, um es nicht zu sehr zu vermenschlichen, Städte können aus unterschiedlichen Gründen tatsächlich von den Landkarten verschwinden. Ursachen können Kriege und Naturkatastrophen sein oder aber der Entzug der Lebensgrundlage. Seien es erschöpfte Rohstoffvorkommen oder auch Klimaveränderungen, ganze Regionen können so unbewohnbar oder uninteressant für eine weitere Besiedlung werden. Hinzu kommt die religiös oder kulturell bedingte Aufgabe von Städten und Siedlungen.

Und wenn sie jetzt glauben, dass dies ein Phänomen längst vergangener Zeiten ist, dann erlauben sie einen Blick in die jüngste Vergangenheit. Denken wir nur an die Reaktorkatastrophen von Tschernobyl oder Fukushima, die ganze Landstriche unbewohnbar gemacht haben. Aber auch gewollte menschliche Eingriffe können als Grund ausgemacht werden. Das Verschwinden von mehr als 200 Dörfern und Ortschaften in Deutschland im Zuge des Braunkohletagebaus sind ein Beispiel.

Müssen wir uns also Sorgen machen um die Zukunft der Stadt Kleve?

Ohne Zuviel zu verraten, wohl eher nein. Kleine Dörfer trifft es da weit häufiger. Aber schauen wir uns z.B. Metropolen wie Detroit an, dann sehen wir, dass es Städten auch in der Neuzeit so schlecht gehen kann, dass man in der Stadtentwicklung von einem langsamen Sterben spricht. Und kränkelnde Städte sind auch hierzulande ein Thema. Sinkende Einwohnerzahlen durch Abwanderung als Folge des Strukturwandels insbesondere in den neuen Bundesländern aber auch im Ruhrgebiet, eine große Schuldenlast oder auch der Verlust von Arbeitsplätzen sind nur einige Ursachen für den Niedergang einst blühender Landschaften und pulsierender Agglomerationen. Und die aktuelle Diskussion um eine MAUT für deutsche Autobahnen wirft schon die Frage auf, wie sich dies auf das Einkaufsverhalten unserer niederländischen Nachbarn, und damit auf die Stadt Kleve, auswirken wird.

Es verwundert also nicht, dass die Begriffe der Generationengerechtigkeit und der nachhaltigen Stadtentwicklung seit geraumer Zeit an Bedeutung gewonnen haben und zum zentralen Leitbild geworden sind. Die Konflikte zwischen verschiedenen Interessen und divergierenden Ansprüchen werden zahlreicher. Die Notwendigkeit zur Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit ist eine zentrale Herausforderung, auf die Stadtplanung mit einem Paradigmenwechsel reagiert hat, der neue städtebauliche Leitbilder und Inhalte, neue Methoden und neue Verfahren umfasst.

Funktionstrennung, räumliche Expansion, ausufernde Mobilität und der sorglose Umgang mit den natürlichen Ressourcen, wie es in den Nachkriegsjahrzehnten propagiert worden ist, gehören der Vergangenheit an. Die Prinzipien der vorindustriellen Stadt erleben eine Renaissance auf fortschrittlichem Niveau, kompakt, dicht, gemischt, vielfältig, kurze Wege, dezentral und kleinteilig sind die neuen Schlagworte auch für Kleve. Hier ist auch in der Klever Bürgerschaft eine große Sehnsucht nach diesen Idealen entstanden. Um leben, arbeiten und Freizeit genießen zu können, brauchen wir ein lebendiges und lebenswertes Kleve.

Dabei kommt es vor allem darauf an, perspektivisch und fachübergreifend zu denken und zu handeln und Fachbelange in einen räumlichen und zeitlichen Gesamtkontext zu bringen. Vor allem bedeutet nachhaltige Stadtentwicklung aber, dass bei allen Entscheidungen über Veränderungen die Stadt als Ganzes betrachtet werden muss. Entscheidungen müssen zukunftsfähig sein. Hierauf müssen alle Akteure, ob Planer, Bürger oder die Vertreter der Politik, das Hauptaugenmerk legen. Alle Aspekte der Nachhaltigkeit sollten berücksichtigt werden. Diese umfassen neben den Grundbedürfnissen der Menschen nach Wohnen, Arbeit und Freizeit auch die Umwelt, die Wirtschaft, Soziales und, nicht zu vergessen, die Teilhabe an Entscheidungsprozessen.

Somit hat nachhaltige Stadtentwicklung eine Vielzahl von Facetten und Handlungsfeldern. Neben dem Bau neuer Straßen und Gebäude oder der Gestaltung von Wirtschaftsstandorten oder Freizeiteinrichtungen gehören dazu zum Beispiel auch das Sparen von Ressourcen, der Klimaschutz oder Fortbewegungsangebote, die stadt- und umweltverträglich, aber auch sozialgerecht sind. Neuerdings erfahren auch Begriffe wie Fair Trade oder Regionalität zunehmend an Bedeutung.

Was sind aber nun konkret die „neuen“ Anforderungen an eine nachhaltige Stadtentwicklung?

Welchen Herausforderungen muss sich auch Kleve stellen und in welcher Intensität? Wie stellt sich Kleve hier auf? Und wie könnte ein ganz normaler Tag im Jahre 2050 in Kleve aussehen? Habe ich Ihr Interesse geweckt? Möchten Sie wissen, wie ein ganz normaler Tag in 33 Jahren in Kleve aussehen könnte?

Es wird anders sein. Ohne aus der jetzigen Perspektive sagen zu können, ob es besser oder schlechter sein wird. Die Welt wird sich verändern, wie sie sich in der Vergangenheit auch stets gewandelt hat. Und mit ihr wird sich auch Kleve unausweichlich und notwendigerweise wandeln. Denn es zeigt sich immer deutlicher, dass sich die weltweiten Herausforderungen im Mikrokosmos der Städte, und damit mehr oder minder auch in Kleve, widerspiegeln und bündeln.

Ein ganz normaler Tag….

Kleve, 11. Juli 2050, 6.05 Uhr. Ich schlage die Augen auf. Die Sonne scheint, doch Rollladen vor den Fenstern gibt es schon lange nicht mehr, das Fensterglas ist mit Nanopartikeln beschichtet. Der Raum erhellt sich, den individuellen Bedürfnissen angepasst, zum Wachwerden nur langsam. Während der Haushaltsroboter in der Küche für meine Familie und mich bereits das Frühstück zubereitet, gehe ich ins Badezimmer. Beim Zähneputzen werde ich von optischen Sensoren im Hightech-Badezimmerspiegel gescannt.

Die Zahnbürste analysiert selbständig den Speichel, und die Morgenurinanalyse wird von einer intelligenten und sprechenden Toilette durchgeführt. Nach der Morgentoilette erhalte ich direkt detaillierte Informationen über meinen Gesundheits- und Fitnesszustand. Der Toilettendeckel sagt, mir geht es gut heute. Und mit dieser Diagnose fühle mich gleich tatsächlich besser. Sollte der Gesundheitscheck allerdings von der Norm abweichende Messdaten ermitteln, so steht rund um die Uhr ein Arzt zur Verfügung.

Der Mediziner ist allerdings ein intelligentes Computerprogramm. Ich kann jederzeit direkt mit ihm sprechen. Er wird einfach als Hologramm in meine Wohnung projiziert. Nur bei unerklärlichen Phänomenen muss ich noch den direkten Kontakt zu einem „echten“ Arzt aufnehmen. „Direkt“ heißt in diesem Fall per Videotelefon. Notfalls wird gleich eine Krankmeldung zu meinem Arbeitgeber geschickt und notwendige medizinische Hilfsmittel in der Online-Apotheke geordert. Meine Kleidung für die Arbeit hat der Haushaltsroboter, wir nennen ihn James, in der Nacht herausgesucht und bereit gelegt, dem Wetter und den Terminen angepasst.

Mein „SmartHome“ kümmert sich automatisch um die alltäglichen Pflichten eines Hausbesitzers, sei es die Versorgung mit Wasser und Energie, sei es, dass der Kühlschrank nicht leer oder der Rasen gemäht und der Garten gewässert wird. Ich brauche mich morgens um nichts zu kümmern. Einen PC braucht es dafür schon lange nicht mehr. Das ganze Haus ist ein Computer. In jedem Gegenstand, jeder Wand, jeder Tapete, in allem, was uns umgibt, befinden sich Mikrochips, die sowohl miteinander als auch mit der Außenwelt kommunizieren.

Meine Umgebung ist intelligenter und entschieden aufmerksamer als ich selbst. Der Raum bemerkt, wenn ich ihn betrete, und er sorgt dafür, dass an den richtigen Stellen das Licht angeht und eine vernünftige Temperatur herrscht. Und das Beste ist, meine Wohnung lernt wie ich lebe. Sie erfasst meine Live-Daten, kann Vorhersagen treffen und Informationen weitergeben, z.B. an Stromversorger, die in Echtzeit ihre Netze steuern, oder an den Pflegedienst, wenn der Senior, der mit im Haus lebt, verdächtig ruhig ist und auch die Kaffeemaschine gar nicht mehr anschaltet. Wobei der Pflegedienst wahrscheinlich schon längst alarmiert sein wird aufgrund der schlechten Vitaldaten, übertragen von den immer am oder im Körper getragenen Sensoren.

Auf den Küchentisch wird derweil ein Rezeptvorschlag für das Abendessen mit entsprechender Einkaufsliste projiziert verbunden mit der Frage, ob die entsprechenden Lebensmittel bestellt werden sollen, da einiges im Kühlschrank fehlt. Ich schaue mir den Wetterbericht an, der auf die Kleiderschranktür projiziert wird, und wenn ich auf die Wand über dem Küchentisch schaue, dann sehe ich die aktuellen Nachrichten des jungen Tages. Ein Smartphone habe ich schon lange nicht mehr, stattdessen lege ich das Datenarmband an, packe die Datenbrille ein und setze den Knopf ins Ohr. Ich bin im Internet. Alles in allem bin ich somit um ein Vielfaches leistungsstärker und schneller als die NASA im Jahr der Mondlandung 1969.

Nach einem kurzen Frühstück, zubereitet von zahllosen kleinen Helferrobotern, die wiederum James zur Hand gehen, ausgerichtet nach meinem Terminkalender, meinen Vorlieben, dem Inhalt des Kühlschranks und dem Ergebnis des Gesundheitschecks im Badezimmer, steige ich in mein Auto. Ich werfe einen Blick zurück, ich sehe die Hausfassade, die die Sonnenenergie in Strom umwandeln kann, und so den Energiebedarf meines SmartHome vollständig deckt. Meine Frau winkt zum Abschied. Sie muss nicht aus dem Haus, sie arbeitet im Internet von zuhause aus. Später will sie mit der Light Rail noch nach Nimwegen ins Museum fahren. Gestern war sie mit einer Freundin in Kleve Shoppen. Neben den üblichen aber notwendigen Filialisten ist sie immer wieder begeistert, mit welcher Kreativität die Einzelhändler sich gegen den Internethandel durchzusetzen versuchen. Shoppen ist mittlerweile eine Freizeitbeschäftigung und ein Event geworden, viele neue Geschäftsideen haben in der Einkaufszone ihre Nischen gefunden.

Im Nachbarhaus schaut Herr Janßen aus dem Fenster. Im letzten Jahr ist er zusammen mit einigen anderen befreundeten Senioren hier eingezogen, nachdem sie als Gemeinschaft das alte Einfamilienhaus zu einem seniorengerechten Mehrfamilienhaus haben erweitern und umbauen lassen. Vor einigen Jahren haben sie ihre Einfamilienhäuser am Rande von Reichswalde verkauft, um zentraler zu wohnen. Diese monotonen Einfamilienhausgebiete der Vergangenheit haben den Senioren keine Perspektiven mehr bieten können. Im aufgestockten Dachgeschoss ist eine studentische Wohngemeinschaft eingezogen. Mehrere Generationen unter einem Dach, und alle profitieren von der Situation. Insbesondere das Gemeinschaftsauto, das sich auch andere Nachbarn im Car-Sharing-Prinzip ausleihen können, wird begeistert angenommen.

Neulich hat mir mein Vater kopfschüttelnd erzählt, wie sehr sich doch die Nachbarschaft in den letzten Jahren verändert hat. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit sei die Straße, in der wir nun wohnen, eine sehr verrufene Gegend gewesen, aber immer mehr Menschen aus anderen Stadtteilen seien hinzugezogen, so dass immer hochwertigerer Wohnraum entstanden sei, der die alten Nachbarn über kurz oder lang verdrängt hätte.

Die intelligente Steuerung meines Autos begrüßt mich währenddessen und fragt mich nach der Zieladresse. „Dass du das immer noch fragen musst…“ antworte ich eher schlecht gelaunt. „Ziel unbekannt“ ist die wenig humorvolle Antwort, das könnte man doch auch mal anders programmieren. Doch kaum habe ich die Adresse genannt, fährt mich mein fahrender und elektrisch betriebener Untersatz selbstständig zu meinem Arbeitsplatz. Während der Fahrt informiert mich der intelligente digitale Assistent auf meinem mobilen Gerät über meine Aufgaben für den heutigen Tag und empfiehlt mir nebenbei, wo es günstige Angebote für die Einnahme des Mittagessens gibt.

Ich schließe die Augen und versuche noch ein bisschen zu schlafen, ich muss ja nicht auf den Verkehr achten. Ich schaue aus dem Fenster. Die Emmericher Straße ist mittlerweile, nachdem in den 2020ern endlich die Umgehungsstraße realisiert werden konnte, stark zurückgebaut worden und dient auch als Grünzug mit Aufenthaltsqualität. Es herrscht Ruhe, man sieht geöffnete Fenster, hinter denen die Menschen noch schlafen, dank Elektromobilität und Home-Office. Wo einst noch Ein- oder Zweifamilienhäuser gestanden haben, prägen nun Mehrfamilienhäuser das Straßenbild. In den Erdgeschosslagen finden sich kleine Läden, die sich aufgrund der stärkeren Bevölkerungsdichte hier etablieren konnten und Dinge des täglichen Bedarfs anbieten.

Eine Drohne fliegt über mich hinweg. Die Brief- und Paketzustellung findet schon seit einigen Jahren nachts und vor allem in weiten Teilen nicht mehr auf der Straße statt. 20 Minuten später, mein Auto parkt sich selbst in der Tiefgarage unter dem mittlerweile bebauten Minoritenplatz ein, während der digitale Assistent mir die aktuellen Sportnachrichten vorliest und einige Bankgeschäfte für mich erledigt. Beim Eingang ins Rathaus wird meine Zugangsberechtigung von mobilen Robotern kontrolliert, die optisch nur noch schwerlich von menschlichen Mitarbeitern zu unterscheiden sind.

Was ist wohl aus dem Kollegen von der Info geworden? Alle Daten zu meiner Person sind in einem Chip gespeichert, der sich in meinem Armband befindet. Ohne Kontrolle und Registrierung kommt schon seit vielen Jahren niemand mehr ins Rathaus. Ein Aufzug fährt mich automatisch zum Stockwerk meines Büros und wünscht mir einen erfolgreichen Arbeitstag. Ein Fahrstuhl, der meinen Namen kennt. Was weiß er wohl noch über mich? Ich gehöre zu denen, die noch ganztägig eine Arbeit verrichten dürfen, denn die Arbeitswelt zeigt sich stark verändert. Es gibt kaum noch jemand der nur „einen“ Job hat. Man muss flexibel sein. Vor allem wird viel Arbeit mittlerweile von zuhause aus erledigt. Videokonferenzen haben den direkten Kontakt abgelöst.

Kurz vor zehn Uhr kontaktiert mich meine Frau und informiert mich darüber, dass mein Vater seinen Pflegeroboter austauschen möchte. Der Pflegeroboter hilft meinem betagten, alleinstehenden Vater im Alltag, kauft für ihn ein, macht den Haushalt, fordert ihn mit intelligenten Diskussionen geistig heraus und führt ihn auf Spaziergängen. Aber es gab wohl eine Meinungsverschiedenheit in Bezug auf das Mittagessen. Meinem Vater geht es im Moment nicht so gut. Bald wird ihm ein elektronisch gesteuertes, aus Stammzellen gezüchtetes, Herz transplantiert. Zur raschen Genesung werden dann winzige Nano-Roboter in seinem Körper gezielt Medikamente abgeben oder selbstständig kleinere Eingriffe durchführen.

Sehr gut für meinen Vater, er hat dank der modernen Medizin noch viele Jahre vor sich. Die medizinischen Voraussetzungen sind erreicht, Menschen 150 Jahre alt werden zu lassen. Wissenschaftler sagen, wir sind möglicherweise eine der letzten Generationen, die überhaupt sterben muss. Unsere Enkelkinder könnten ewig leben. Zukunftsmusik…

Nach der Arbeit hole ich meine Tochter von der Schule ab. Montags und mittwochs ist Anwesenheitspflicht. Ansonsten können die Kinder auch zuhause oder privat in Kleingruppen lernen. Bei Bedarf wird ein Lehrer online hinzugezogen. Normalerweise fährt sie mit dem Segway zur Schule, aber heute wollte sie lieber von ihrem Vater abgeholt werden. Auf dem Weg dorthin komme ich an einer kleinen Grünanlage vorbei, die in grauer Vorzeit als Bahnfläche genutzt worden ist. Gedankenverloren schaue ich einer Gruppe von Gleichgesinnten zu, die dort gerade Tai Chi praktizieren.

Das Schulgebäude, dass vor einigen Jahrzehnten gebaut wurde, ist nun auch schon in die Jahre gekommen und durch die geringen Anwesenheitszeiten für die Schüler deutlich zu groß und deshalb bereits in Teilen anderweitig genutzt. Ein Plakat im Eingangsbereich weist auf eine Bürgerversammlung hin, die hier in der nächsten Woche stattfinden soll. Es geht um die Neugestaltung des Umfelds der Schule. Solche oder ähnliche Veranstaltungen kann man mittlerweile fast wöchentlich besuchen, um sich aktiv in die Entwicklung der Stadt Kleve einzubringen.

Meine Tochter fragt mich, ob wir nicht am Abend ins Kino wollen. Es sei Oldieabend, „Zurück in die Zukunft“ wäre eine Option. Ein analoger Film mit echten Schauspielern? Ich zögere, habe ich mich doch schon sehr stark an diese am Computer generierten Bilder (CGI) gewöhnt. An diese Filme mit animierten Charakteren, die sich nicht mehr von echten Schauspielern unterscheiden lassen. Daran, diese Filme im heimischen Wohnzimmer mit meiner Datenbrille, oder gleich als holographische Projektion in 360 Grad und 4D, anzuschauen. Und James serviert das kühle, selbstgebraute Bier. Da gehen wir doch lieber zu den Nachbarn, die haben mit Ihrer Wohngemeinschaft jetzt auf ihrem Hausdach einen Garten angelegt mit herrlichem Blick über die Stadt. Eine Künstlerin hat dort am Abend eine Kunstausstellung organisiert. Die ganze Nachbarschaft ist eingeladen.

Auf dem Weg nach Hause kaufe ich noch Lebensmittel ein. Einfach mal spontan sein und analog einkaufen, noch dazu direkt beim Erzeuger. Die bodenbasierte Landwirtschaft ist auf dem Rückzug. Ich fahre also an den Stadtrand, zu dem neuen 5-stöckigen Gewächshaus mit Selbstvermarktung in Kellen, wo einst der „Kaufland“ stand. Eine gute Idee, mehr Nahrungsmittel für weniger Geld gesünder und regional produziert und mit weniger Flächenverbrauch. Landwirtschaftliche Flächen können wieder der Natur überlassen werden. Analog einkaufen kann auch schön sein…

Zu Hause angekommen fällt es mir wieder ein, was habe ich gestern in den Nachrichten gehört? Die „Gegenbewegung“ hat zu einer Demonstration aufgerufen, so richtig analog auf der Straße. Nicht nur bei Facebook. Ja, das gibt es immer noch. Scheinbar ist nicht jeder von der neuen, digitalen Welt begeistert. Die „Gegenbewegung“ der Digitalkritiker, formiert sich. Sie wollen der weiteren Entwicklung von Robotern, smarten Geräten und digitalen Identitäten ein Gegenmodell zur Seite stellen. Nein, sie wollen die Entwicklung nicht aufhalten, dafür profitieren sie selbst zu sehr von der modernen Entwicklung, aber sie suchen nach gleichberechtigten Alternativen, diese verrückten Analogos…


Wohin am Wochenende? (14) Warum nicht mal in die Sporthalle und den VfL Merkur Kleve anfeuern?

rd | 07. April 2017, 16:19 | keine Kommentare
So sahen die Basketballer des VfL Merkur Kleve zu Saisonbeginn aus. Doch 17 Niederlagen haben ihre Spuren hinterlassen. Vor allem in der Seele. Ein Sieg am Samstagabend würde all diese Narben vergessen machen

So sahen die Basketballer des VfL Merkur Kleve zu Saisonbeginn aus. Doch 17 Niederlagen haben ihre Spuren hinterlassen. Vor allem in der Seele. Ein Sieg am Samstagabend würde all diese Narben vergessen machen

Wer immer sich den Terminplan der Basketball-Landesliga ausgedacht hat, hat damit ein Händchen fürs perfekte Drama bewiesen. Am letzten Spieltag der Saison treffen in der Sporthalle des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums der VfL Merkur Kleve und der TV Osterath aufeinander. Die Gastgeber stehen auf dem drittletzten Tabellenplatz, die Gäste auf dem vorletzten. Beide Mannschaften haben von den vorangegangenen 21 Spielen jeweils vier gewonnen und 17 verloren. Gewinnt Merkur, bleibt das Team auf dem drittletzten Tabellenplatz – und sichert sich damit den Klassenerhalt. Verliert Merkur, rutscht die Mannschaft auf den vorletzten Platz und steigt ab. Bessere Grundvoraussetzungen kann ein Drama nicht haben!

Für das Spiel, für das noch einige wenige Restkarten erhältlich sind, gelten erhöhte Sicherheitsbestimmungen. Zuschauer müssen Baseballschläger und Pfefferspraydosen am Eingang abgeben. Das gilt nicht für die Inhaber von Dauerkarten. Vor Spielbeginn stellt der Abiturjahrgang 2017 des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums die wichtigsten Basketballregeln pantomimisch dar. In der Halbzeitpause sorgen chilenische Panflötenspieler für authentisches Fußgängerzonenflair. Es werden Getränke ausgeschenkt (Glas Champagner: 18 €), zusätzlich verteilen Kommunionkinder während der Spielunterbrechungen kleine Bambusschalen voller Erdnussflips.

„Es ist das wichtigste Spiel meines… äh… Lebens“, sagt Trainer Ralf Daute. „Wir müssen 100 % Leistung zeigen, vielleicht sogar noch 10 oder 20 % mehr, oder heißt das dann Prozentpunkte?“ Glücklich ist er, dass fast alle Spieler „an Bord“ sind, obwohl gar keine Schiffsreise ansteht. „Das ist nur so eine Redewendung“, erklärt der wortgewandte Motivator.

Gerne gewährt der Coach auch einen Einblick in seine Taktik: Viel hänge im Spielverlauf davon ab, ob seine Spieler „den Korb treffen“. Der Korb, so nennen die Basketballer einen in 3,05 m Höhe montierten Metallring mit einem Durchmesser von 45 cm. Ziel des Spiels ist es, den Ball, der einen Durchmesser von rund 24,5 cm hat, mithilfe verschiedener Wurftechniken durch diesen Ring zu befördern (von oben nach unten). Wenn der Ball zentral trifft, sind bis zum Metallring zu allen Seiten hin gut 10 cm Abstand. „Das ist mehr als ich gedacht habe“, so Trainer Ralf Daute erstaunt.

Das Hinspiel gewann der VfL Merkur Kleve 105:77. Allerdings hat sich das Team aus Osterath danach noch verstärken können. Spielbeginn: Samstag, 18:15 Uhr.


Neues aus Rotterdam: Unilever will Lebensmittel loswerden – und damit auch das Werk Kleve

rd | 07. April 2017, 13:49 | 10 Kommentare
Werk zu verkaufen: Unilever-Standort in Kleve

Werk zu verkaufen: Unilever-Standort in Kleve

Mit einer großen Werbekampagne wurde 1924 Rama auf den Markt gebracht

Mit einer großen Werbekampagne wurde 1924 Rama auf den Markt gebracht

Als die Welt noch in Butter war

Als die Welt noch in Butter war: Büroarbeit in weißen Kitteln

Die charakteristische hellblaue Fassadenverkleidung ist  bereits abgerissen

Abriss: Das Verwaltungsgebäude wurde im vergangenen Jahr dem Erdboden gleichgemacht – auf dem Gelände plant Investor Bernd Zevens eine Siedlung, in der ehemaligen Produktionshalle plant ein Unternehmer aus Mülheim Handel und Gastronomie

Ohne Worte

„Clever Stolz“ blieb nur eine Randepisode in der Geschichte der Margarine-Union

So berichtet die SZ

So berichtet die SZ

Als Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks im Sommer 2015 das Unilever-Werk in Kleve besuchte, war die Welt noch in Ordnung. Eine Sprecherin des britisch-niederländischen Milliarden-Konzerns lobte die Produktionsstätte über den grünen Klee: „Kleve ist Vorbild für das gesamte Unternehmen.“ Nun aber sieht es danach aus, als ob sich Unilever ein neues Vorbild suchen muss.

Gestern gab das Unternehmen bekannt, dass es seine so genannte BCS-Sparte komplett zum Verkauf stellt. Die drei Buchstaben stehen für die englischen Wörter Baking, Cooking und Spreads und bezeichnen die Produkte zum Backen und Kochen sowie die Streichfette. Unter die Rubrik der Koch-Produkte fällt auch die in Kleve hergestellte „Rama Cremefine“. Sollte der Verkauf tatsächlich Wirklichkeit werden, fände damit die Geschichte des Konzerns in Kleve nach 129 Jahren ein Ende. Ein Konzern kappt seine Wurzeln.

Ursprünglich hatte der Unternehmer Simon van den Bergh Ende des 19. Jahrhunderts in seiner Heimatstadt Oss im Norden Brabants damit begonnen, Margarine zu produzieren. Damals ein neues Produkt, das erste industriell hergestellte Lebensmittel überhaupt – benannt nach dem griechischen Wort „margaritari“ (μαργαριτάρι), weil der matte Glanz des Streichfetts dem einer Perle ähnelte.

Als das Deutsche Reich zum Schutze der heimischen „guten Butter“ Zölle auf die eingeführten Fette erhob, suchte sich der Niederländer einen Standort gleich hinter der Grenze – in Kellen. Das Werk war die Keimzelle des Konzerns und auch des industriellen Aufschwungs in Kleve. Die Margarine-Produktion sorgte für erheblichen Wohlstand (und für erhebliche Steuereinnahmen in Kellen, was erklärt, warum sich der Ort lange gegen die Eingemeindung sträubte).

Ende der Zwanzigerjahre fusionierte van den Bergh sein Unternehmen mit der Firma des in Goch ansässigen Landsmanns Anton Jurgens, und es entstand die Margarine-Union. Nach einem weiteren Zusammenschluss, diesmal mit dem Seifenfabrikanten Lever Brothers, formte sich 1929 der Unilever-Konzern, damals das größte Unternehmen der Welt.

Anfang des 20. Jahrhunderts war van den Bergh führend in der Vermarktung seiner Produkte. 1924 brachte der Holländer seine Margarine mit dem Namen „Rama“ auf den Markt. Das Produkt wurde mit den Worten „butterfein“ und „buttergleich“ beworben – und mit dem legendären „Rama-Mädchen“, die Auftragsarbeit des Düsseldorfer Künstlers Carl Mummert. Blumenverzierte, blaue Lieferwagen sorgten dafür, dass das Produkt im ganzen Land bekannt wurde. Weitere Unilever-Marken waren in späteren Jahren Becel und Flora soft.

Hergestellt wurde in Kleve, und zwar in immer größerem Maßstab. Erst der Zweite Weltkrieg sorgte für eine Unterbrechung der Produktion. 1954 wurde Rama neu eingeführt, mit dem heute noch bekannten Slogan: „Rama macht das Frühstück gut.“ Ab 1968 wurde das Produkt im Rundbecher verkauft, und der rote Stempel „KLE“ auf dem Boden zeigte Klevern in aller Welt, dass sie ein Produkt aus ihrer Heimatstadt vor sich hatten.

In den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sank die Bedeutung des Standortes, und unmittelbar nach der Jahrtausendwende beschloss der Konzern, das Werk in Kleve aufzugeben. Der Klever Unternehmer Bernd Zevens kaufte das Gelände und Produktionsanlagen und startete den Versuch, selbst Margarine zu produzieren, wobei Unilever Abnahmegarantien bot. Der Name des Unternehmens lautete „Clever Stolz“ (nach einem alten Markennamen) und deutete einen ambitionierten Anspruch an, doch das Experiment endete nach wenigen Jahren in der Insolvenz. Im vergangenen Jahr wurde das in den sechziger Jahren errichtete Verwaltungsgebäude geschleift, auch symbolisch ein Abschluss der einst stolzen Margarine-Zeit, als die Werktätigen in Kleve „op de Botter“ gingen.

Dafür baute Unilever am alten Standort ein neues Werk für ein neues Produkt: „Rama Cremefine“, ein Fetterzeugnis, dass beim Kochen anstelle von Sahne verwendet werden kann. Dieses Produkt wurde ein großer Erfolg, so dass der Standort Kleve einen neuen Aufschwung nahm. Mehr als 20 Millionen Euro investierte der Konzern in den vergangenen Jahren in das Werk, das 82 Mitarbeiter beschäftigt und 55.000 Tonnen pro Jahr produziert. Noch Anfang des Jahres freuten sich die Mitarbeiter in Kleve über die Nachricht, dass eine komplette Produktionslinie von England an den Niederrhein verlagert werden sollte. Dafür wird zurzeit ein bisher als Lagerhalle genutztes Gebäude umgebaut.

Nötig wurde der nun angekündigte Verkauf aus Sicht der Unternehmensführung infolge einer gescheiterten Übernahme. Kurz zuvor hatte der amerikanische Lebensmittelkonzernen Kraft versucht, Unilever zu schlucken. Unilever wehrte sich erfolgreich, doch die Offerte machte darauf aufmerksam, dass es um den niederländischen-britischen Konzern nicht zum Besten stand. Die Führungsriege sei durch den Versuch „offenbar wachgerüttelt“ worden, schreibt die Neue Zürcher Zeitung. Vorstandschef Paul Polman entschied sich, die Wurzeln seines Unternehmens zu kappen und sich auf die gewinnträchtigere Reinigungssparte zu konzentrieren. Der britische Guardian überschrieb seinen Bericht mit den Worten: „Unilever bins Flora, butters Shareholder“, was sich etwa so übersetzen lässt: „Unilever wirft Flora weg, buttert Aktionäre“.


Bringt die kleine Stadt Kleve den großen Volkswagen-Konzern in die Bredouille?

rd | 01. April 2017, 14:24 | 10 Kommentare
1 Weiterfahrt dank 3 Kabelbinder von 1 Gelben Engel

Ein fachmännisch reparierter Dieselmotor aus dem Hause Volkswagen – aber helfen Kabelbinder gegen Feinstaub?

Es ist nicht davon auszugehen, dass die Manager des Volkswagen-Konzerns in Wolfsburg die Stadt Kleve überhaupt kennen. Das aber dürfte sich nunmehr rasch ändern, denn ein Urteil des Landgerichts Kleve hat das Zeug, das größte deutsche Industrie-Unternehmen in die Bredouille zu bringen.

Es geht, man ahnt es, immer noch um den Skandal mit dem manipulierten Dieselmotoren, denen eine Software untergejubelt wurde, so dass bei Tests die Abgaswerte weitaus besser ausfielen als im realen Betrieb auf der Straße. Das ganze verletzte strenge Umweltvorschriften im weit entfernten Kalifornien, aber es täuschte auch die Autofahrer in Deutschland.

Einer von ihnen klagte jetzt vor dem Landgericht Kleve und bekam, wie die Kanzlei des Klägers nun mitteilte, recht. Der Konzern wurde zu einem Schadenersatz verurteilt, weil er nach Auffassung des Gerichts ein Produkt in den Verkehr gebracht hat, ohne die gültige Bescheinigung dafür zu besitzen.

Hier die Pressemitteilung der klagenden Anwaltskanzlei Stoll & Sauer, die sich auf derartige Verfahren spezialisiert hat, im Wortlaut:

n einem von der Dr. Stoll & Sauer Rechtsanwaltsgesellschaft mbH im VW Abgasskandal geführten Klageverfahren hat erstmals ein Landgericht die Volkswagen AG zum Schadensersatz auf der Grundlage von europarechtlichen Normen verurteilt. VW hat gegen das Verbot von „Inverkehrgabe und Handel ohne gültige Bescheinigung verstoßen“.

In dem Fall des Landgerichts Kleve hat der Kläger einen VW Golf Variant 1,6l TDI mit dem Motor EA189 gekauft. Als er feststellte, dass das Fahrzeug manipuliert ist, wandte er sich an seine Rechtsanwälte der Kanzlei Dr. Stoll & Sauer Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, die für ihn den Rücktritt vom Kaufvertrag erklärten und Schadenersatz geltend machten. Verklagt wurden der Händler und die Volkswagen AG in einem Verfahren.

Das Landgericht Kleve hat mit Urteil vom 31.03.2017, 3 O 252/16 die Volkswagen AG zum Schadensersatz verurteilt, weil die Volkswagen AG gegen die europarechtlichen Verpflichtungen aus der Verordnung über die EG-Genehmigung für Kraftfahrzeuge und ihre Anhänger sowie für Systeme, Bauteile und selbstständige technische Einheiten für diese Fahrzeuge (EG-FGV) verstoßen habe. Die EG-FGV ist die deutsche Umsetzung der Typengenehmigungsrichtlinie 2007/46/EG der Europäischen Union. Damit hat erstmals ein deutsches Gericht die von der Dr. Stoll & Sauer Rechtsanwaltsgesellschaft mbH seit langem vertretene Auffassung bestätigt, dass die ausgestellte EG-Übereinstimmungsbescheinigung falsch ist und VW das Fahrzeug überhaupt nicht erst in den Handel bringen und verkaufen durfte. Das Landgericht Kleve führt in seinem Urteil aus (Anm.: die Beklagte zu 2) ist VW):

„Der Kläger hat gegen die Beklagte zu 2) einen Anspruch auf Schadloshaltung gemäß §§ 826, 249 ff. BGB und § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. §§ 6 Abs. 1, 27 Abs. 1 EG-FGV.

Entgegen der Ansicht der Beklagten liegt in der Manipulation bei der Beklagten zu 2) ein Verstoß gegen das Verbot von Inverkehrgabe und Handel ohne gültige Bescheinigung in § 27 Abs. 1 EG-FGV und zum anderen gegen die Pflicht zur Erteilung einer gültigen Bescheinigung gemäß § 6 Abs. 1 EG-FGV und hierbei handelt es sich jeweils um Verbotsgesetze iSd § 823 Abs. 2 BGB. Hierzu wird auf die insoweit überzeugenden Ausführungen -in dem Aufsatz „Herstellerhaftung im Abgasskandal“ von Harke in VuR 2017, 83 ff. verwiesen.“

Das Landgericht Kleve führt auch aus:

„Deshalb muss in der hier zur Entscheidung stehenden prozessualen Lage mangels substantiierter gegenteiliger Darlegung durch die Beklagte davon ausgegangen werden, dass diese Entscheidung vom Vorstand angeordnet oder doch jedenfalls „abgesegnet“ worden ist (ebenso: LG Hildesheim DAR 2017, 83).“

Rechtsanwalt Dr. Ralf Stoll, der das Verfahren federführend geführt hat, teilt mit: „Es handelt sich um ein wegweisendes Urteil im VW Abgasskandal. Damit ist der Weg frei für Schadensersatzansprüche in Bezug auf alle Fahrzeuge. Wir führen ca. 2000 Gerichtsverfahren bundesweit, in denen wir diesen europarechtlichen Verstoß geltend machen. Mit dem Urteil des Landgerichts Kleve ist der Weg frei für alle Geschädigten, Schadensersatz zu erhalten.“

Das Landgericht Kleve hat nicht nur die Volkswagen AG zum Schadensersatz verurteilt, sondern auch den Händler verurteilt, den Kaufpreis abzüglich einer Nutzungsentschädigung zurückzubezahlen.


Wohin am Wochenende? (13) Jetzt noch fetter!

rd | 01. April 2017, 14:03 | keine Kommentare
Eintritt frei

Kein Scherz:
Ab 1. April ist der Eintritt in den Schwanenturm frei

(Noch mehr Tipps!) Frühlingsgefühle können ausgelebt werden! Das Angebot ist so schillernd wie ein bunter Strauß Frühlingsblumen:

Freitag, 20:30 Uhr: Jazz (Casa Cleve)

Wenn ich nicht selbst arbeiten müsste, würde man mich heute Abend mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Casa Cleve (Tichelstr.) finden. Dorthin haben die Jazzfreunde das Raphael Klemm Sextet geholt, welches dem Verein zufolge „swingenden, frischen und unverstaubten Combo-Jazz, inspiriert vom Sound der Hardbop-Ära und dem swingin‘ Mainstream der 50-er und 60-erJahre“ aufführt. Ein Genuss, so darf vermutet werden.

Samstag, Sonntag, ganztägig: Schwanenburg (Schwanenburg)

Der Klever an sich sieht jeden Tag die Schwanenburg, aber wann genau war er zuletzt drin? Und gerade die Juristen, die in dem Gebäude zu Hause sind, wissen aufgrund einer alten Regel der Rechtsprechung: Dran ist nicht drin. Also, warum nicht reingehen in den Schwanenturm? Zumal es in der kompletten Saison (ab heute, 1. April) kostenlos möglich ist. In Anerkennung des großen ehrenamtlichen Einsatzes des Klevischen Vereins erstattet die Sparkasse Rhein-Maas dem Verein den Ausfall der entgangenen Eintrittsgelder. Schöne Geste! (Bis 31. Oktober)

Samstag, 20 Uhr: Spaß (Stadthalle)

Die rührigen Cinque-Kleinkünstler haben Christian Ehring in die Stadt und da in die Stadthalle geholt. Der Unterhaltungskünstler bringt in seinem Programm „Keine weiteren Fragen“ laut Cinque einen „aktuellen Lagebericht aus dem Komfortzonenrandgebiet“. Aus der Ankündigung: Reicht der Einkauf im Bioladen noch aus als moralischer Ablassbrief? Ist der Satz: „Ja, schlimm“ wirklich eine adäquate Reaktion auf die Katastrophen unserer Zeit? Und sollte man derartige Fragen überhaupt stellen, wo doch das Haus noch nicht abbezahlt und die Yogalehrer-Ausbildung noch nicht ganz abgeschlossen ist? Besser nicht. Sonst steht plötzlich der Zweifel da. Steht in der frisch renovierten Wohnküche, mixt sich einen Smoothie und will einfach nicht mehr gehen. (Tickets: 20 Euro)

Samstag, 21 Uhr: Schöne Linie (Culucu)

Nein, nicht das, was Graf Koks jetzt denkt, sondern… Jazz im Culucu: Pretty Line aus Mülheim gastieren in der Rinderner Gaststätte. Aus der Ankündigung: „In der Besetzung Bernhard Fuchs, Gitarre, Frauke Heitmann, Gesang, Dirk Sprotte, Bass und Rüdiger Stritzke, Schlagzeug, spielen sie, woran sie Freude haben. Und das merkt auch der Zuhörer. Der Spaß an der musikalischen Vergangenheit trieb sie zu den berühmten Swing-Klassikern von Ellington und Co. Die alten Songs spielen sie immer noch, aber auch Songs von den Red Hot Chili Peppers oder Little Feat sind in Repertoire von Pretty Line, die an diesem Abend von Thomas K. am Saxophon unterstützt werden. Das Besondere: Die Klassiker von Duke Ellington oder George Gershwin werden als Shuffle oder Funk- Version präsentiert und machen der Band und dem Publikum Spaß und Lust auf weitere Experimente. Und es besteht die Hoffnung, dass sie sich ein bisschen „gehen lassen“! (Das gilt für die Musiker und das Publikum.) Der Eintritt ist frei, wie immer geht der Hut rum.

Sonntag, ganztägig: Beuys (Moyland)

Gerade eben wurde der große Schamane als Werbeikone für Whisky in Japan wieder entdeckt, schon widmet sich auch das den Künstler verpflichtete Museum Schloss Moyland Joseph Beuys: „Beuys neu entdecken“ heißt eine neue Dauerpräsentation im Schlossgebäude. Darin lässt das Museum Beuys als Mensch, Künstler, Politiker und Visionär lebendig werden. Besucher können den Künstler aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln kennenlernen. Darüber hinaus zeigt eine thematische Sonderpräsentation Werke zum 1-Sekunden-Stück von Joseph Beuys.

Wochenendverlängerung: Dienstag, 20 Uhr: Bach & more (Stadthalle)

Fred Astaire und Ginger Rogers seien vom Tanzparkett an die Tasten gewechselt, schrieb die amerikanische Presse über einen Auftritt des Klavierduos Anderson & Roe. Und in der Tat tanzen die vier Hände von Elizabeth Joy Roe und Greg Anderson über die Klaviertastaturen, als wäre der Konzert- ein Ballsaal, und verpassen Repertoire von Bach bis Coldplay eine ungeahnte Tiefe und Leichtigkeit zugleich. Wie die beiden Pianisten gerade das traditionelle Klavierduo des 21. Jahrhunderts revolutionieren, davon kann man sich beim WDR-Kammerkonzert am 4. April, 20 Uhr, in der Klever Stadthalle überzeugen.


Der Nächste, bitte!

rd | 01. April 2017, 13:32 | 22 Kommentare
Dr. Ernst: Schluss nach 33 Jahren

Dr. Ernst: Schluss nach 33 Jahren

Der nächste Mediziner, der seine Praxis schließt: Dr. Fritz Ernst, An den Kastanien in Bedburg-Hau, weist in seiner Anzeige schon gleich vorsorglich darauf hin, dass sein Nachfolger die Behandlungen weiterführen wird – „so weit es seine Möglichkeiten zulassen“. Hier zum Thema noch einmal der Artikel, der in der jüngsten Ausgabe des Magazins Der KLEVER
(Dezember 2016) erschienen ist:

Stadt ohne Ärzte

„Wir schließen unsere Praxis.“ Diese Anzeigen stehen immer häufiger in den Zeitungen. Nachfolger sind nicht zu finden. Warum eigentlich?

Vier Wochen in Kleve arbeiten und dann mit achttausend Euro nach Hause gehen, wer könnte dazu schon Nein sagen? Unter den Ärzten in Deutschland offenbar nahezu jeder.

Im vergangenen Jahr ersann der Kreis Kleve eine einzigartige Aktion, um gegen den Ärztemangel auf dem Land anzukämpfen. Junge Ärzte sollten vier Wochen bei einem alteingesessenen Kollegen im Kreis hospitieren, dafür mit zweitausend Euro pro Woche entlohnt werden – und idealerweise am Ende auf den Geschmack gekommen sein, sich für immer in Kleve und Umgebung niederzulassen.

Die Aktion, eine Idee des Kinderarztes Dr. Wolfgang Brüninghaus, war gut gemeint und gut. Das ist nicht immer dasselbe, in diesem Fall aber schon. Irgendetwas muss man ja versuchen. Allerdings eines war sie nicht: erfolgreich. Mit gerade einmal vier Medizinern konnte im Laufe eines Jahres eine „Hospitationsvereinbarung“ abgeschlossen werden, berichtet der Kreis Kleve. Neue Kollegen zogen nicht aufs Land.

Zum Jahresende werden in den Zeitungen wieder Anzeigen stehen, in denen Ärzte sich bei ihren Patienten für das langjährige entgegengebrachte Vertrauen bedanken und darauf hinweisen, dass die Praxis im kommenden Jahr geschlossen sein wird. Früher wurde in der Regel ein Nachfolger empfohlen, heute wird freundlich auf die verbliebenen Kollegen in der Stadt verwiesen.

In der Gasthausstraße gab Dr. Dagmar Wiegmann ihre gynäkologische Praxis auf; sie arbeitet schon seit Anfang November als angestellte Ärztin in einer Rehabilitationseinrichtung auf Borkum. An der Materborner Allee hörte Ende Oktober Dr. Andrea Littauer auf. Sie betrieb ihre Praxis für Allgemeinmedizin gemeinsam mit Anne Tang-Bayock.

Monatelang suchte Tang-Bayock mit Anzeigen in den Ärzteblättern nach einem Nachfolger für ihre Kollegin. „Es kamen überhaupt keine Rückmeldungen“, so Tang-Bayock. Nun ist die Praxis dicht, das Wartezimmer verwaist, und auf der Untersuchungliege stapeln sich die Krankenakten – bereit zur Abholung für die Patienten, die sich auf die Suche nach einem neuen Arzt begeben.

Ob sie einen finden, ist ein Glücksspiel geworden. Immer häufiger hören Patienten die Antwort: „Wir nehmen keine neuen Patienten mehr auf.“

Ein Zahnarzt berichtet, schon seit eineinhalb Jahren einen Aufnahmestopp verhängt zu haben – und er stehe bereits jetzt täglich zehn Stunden und länger in der Praxis. In den Großstädten hingegen kämpften seine Kollegen regelrecht um einzelne Straßenzüge. Auf die Idee, aufs Land zu ziehen, kommen sie nicht.

Besonders dramatisch stellt sich die Situation bei den Kinderärzten dar. Und dies, obwohl in der Bedarfsplanung des Gemeinsamen Bundesausschusses, die die Ärzteversorgung regelt, Kleve ebenso wie Düsseldorf sogar als „überversorgt“ gelten.

Doch die neuformierte „Elterninitiative Kleve – Mehr Kinderärzte für den Kreis“ bezweifelt diese Statistik. Katharina Schmink, Sprecherin der Initiative, hält mit eigenen Zahlen dagegen: „Während 70 Prozent der Kinderarztpraxen im Kreis Kleve überhaupt keine Termine für neue Patienten vergeben, müssen Kinder in Düsseldorf bei 95 Prozent der Kinderarztpraxen nicht länger als drei Wochen auf einen Termin warten.“

Bei den Augenärzten sieht es zappenduster aus. Patienten berichten, dass sie zu Quartalsbeginn vor Praxen Schlange stehen, um überhaupt einen Termin zu ergattern. Die telefonische Vergabe von Terminen sei eingestellt worden. Anderswo sei sogar eine Termingebühr verlangt worden. Dazu hat die Initiative ebenfalls Zahlen. Schmink: „Von den Augenärzten im Kreis Kleve bekamen wir bei 50 Prozent überhaupt keine Termine, den ersten Termin überhaupt erhielten wir kreisweit nach 15 Wochen. In Düsseldorf konnten wir dagegen bei fast 80 Prozent der Augenärzte innerhalb von einer Woche einen Termin bekommen.“

Soweit die Symptome. Die Diagnose: Fehler im System. Das benachteiligt die ländlichen Regionen bewusst. Ein Beispiel nennt Kinderarzt Brüninghaus, der die Initiative berät: „Während in Düsseldorf ein Kinderarzt für etwa 2400 Kinder und Jugendliche eingeplant wird, sollen die Klever die Versorgung von 3800 Kindern gewährleisten. Das sind 40 Prozent mehr. Und damit soll Kleve dann angeblich genauso gut versorgt sein wie Düsseldorf.“

Die Kassenärztliche Vereinigung argumentiert mit sogenannten Versorgungsgraden und kommt für die meisten Fachrichtungen für den gesamten Kreis gerechnet auf Werte über hundert Prozent. Aufgrund dieser Berechnungen sieht die Einrichtung „eine angemessene fachärztliche Versorgung“ gewährleistet. Landrat Wolfgang Spreen, der sich an die kassenärztliche Vereinigung gewandt hatte, nannte das Schreiben „inhaltlich eine Zumutung“. Spreen: „Es geht völlig an den Realitäten vorbei.“

350 niedergelassene Mediziner gibt es im gesamten Kreisgebiet. Laut Ärztereport der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein aus dem Jahr 2013 fehlen bis zum Jahr 2030 knapp hundert Hausärzte, acht Augenärzte, elf Internisten, neun Nervenärzte, neun Orthopäden und vier Urologen im Kreis Kleve.

Bis zu diesem Jahr hören 130 Mediziner aus Altersgründen auf. Die Chancen, dass sie einen Nachfolger finden, stehen schlecht. „Einzelpraxen lassen sich eigentlich gar nicht mehr verkaufen“, so Dr. Wolfgang Althoff, Vorsitzender der Kreisstelle der Ärztekammer Nordrhein. Der Grund: Einzelpraxen lassen sich kaum noch wirtschaftlich betreiben.

Ihre Patienten, sagt Anne Tang-Bayock von der Materborner Allee, hätten durchweg Verständnis für ihren Schritt gezeigt. Sie selbst suche jetzt eine neue Stelle in einer anderen Praxis. Tang-Bayock: „Besonders schwierig ist das ja nicht.“


Aus der Geschäftswelt (Nachtrag): Suri-um

rd | 01. April 2017, 13:23 | keine Kommentare
Macht nach zweieinhalb Jahren leider wieder Schluss: Heike Schirmer in ihrem (Sammel-)Surium

Macht nach zweieinhalb Jahren leider wieder Schluss: Heike Schirmer in ihrem (Sammel-)Surium

Auch wenn die auf Facebook verbreitete Nachricht zur Hälfte mit fröhlichen Smileys garniert war, so lässt sich dennoch nicht verbergen, dass ihr Kern ein trauriger ist: Heike Schirmer schließt zum 1. Juli ihr Geschäft Surium – Suri-um, sozusagen.

Der liebenswerte Laden in der Herzogstraße versorgte seine Kunden mit angejahrten Kleinigkeiten von der Filterkaffeekanne bis zum Eisdielenplastikstuhl. In der Meldung heißt es: „Kurz und (relativ) schmerzlos: Nach reiflicher Überlegung haben wir uns entschieden unseren Laden zum 01.07.2017 zu schließen! Es war eine wunderschöne Zeit mit unglaublich netten Begegnungen, Gesprächen, Märkten und An-und Verkäufen in der Herzogstraße 10! Trotz ‚besonderer Öffnungszeiten‘ des Ladens kam unser Familienleben jedoch oft zu kurz! Wir freuen uns jetzt auf vollständige Wochenenden zu viert, an denen wir einfach mal die Seele baumeln lassen können.“


Wohin am Wochenende? (13) Jazz, Spazz & Beuyzz (akt.)

rd | 31. März 2017, 16:10 | keine Kommentare
Eintritt frei

Kein Scherz:
Ab 1. April ist der Eintritt in den Schwanenturm frei

(Noch mehr Tipps!) Frühlingsgefühle können ausgelebt werden! Das Angebot ist so schillernd wie ein bunter Strauß Frühlingsblumen:

Freitag, 20:30 Uhr: Jazz (Casa Cleve)

Wenn ich nicht selbst arbeiten müsste, würde man mich heute Abend mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Casa Cleve (Tichelstr.) finden. Dorthin haben die Jazzfreunde das Raphael Klemm Sextet geholt, welches dem Verein zufolge „swingenden, frischen und unverstaubten Combo-Jazz, inspiriert vom Sound der Hardbop-Ära und dem swingin‘ Mainstream der 50-er und 60-erJahre“ aufführt. Ein Genuss, so darf vermutet werden.

Samstag, Sonntag, ganztägig: Schwanenburg (Schwanenburg)

Der Klever an sich sieht jeden Tag die Schwanenburg, aber wann genau war er zuletzt drin? Und gerade die Juristen, die in dem Gebäude zu Hause sind, wissen aufgrund einer alten Regel der Rechtsprechung: Dran ist nicht drin. Also, warum nicht reingehen in den Schwanenturm? Zumal es in der kompletten Saison (ab heute, 1. April) kostenlos möglich ist. In Anerkennung des großen ehrenamtlichen Einsatzes des Klevischen Vereins erstattet die Sparkasse Rhein-Maas dem Verein den Ausfall der entgangenen Eintrittsgelder. Schöne Geste! (Bis 31. Oktober)

Samstag, 20 Uhr: Spaß (Stadthalle)

Die rührigen Cinque-Kleinkünstler haben Christian Ehring in die Stadt und da in die Stadthalle geholt. Der Unterhaltungskünstler bringt in seinem Programm „Keine weiteren Fragen“ laut Cinque einen „aktuellen Lagebericht aus dem Komfortzonenrandgebiet“. Aus der Ankündigung: Reicht der Einkauf im Bioladen noch aus als moralischer Ablassbrief? Ist der Satz: „Ja, schlimm“ wirklich eine adäquate Reaktion auf die Katastrophen unserer Zeit? Und sollte man derartige Fragen überhaupt stellen, wo doch das Haus noch nicht abbezahlt und die Yogalehrer-Ausbildung noch nicht ganz abgeschlossen ist? Besser nicht. Sonst steht plötzlich der Zweifel da. Steht in der frisch renovierten Wohnküche, mixt sich einen Smoothie und will einfach nicht mehr gehen. (Tickets: 20 Euro)

Samstag, 21 Uhr: Schöne Linie (Culucu)

Nein, nicht das, was Graf Koks jetzt denkt, sondern… Jazz im Culucu: Pretty Line aus Mülheim gastieren in der Rinderner Gaststätte. Aus der Ankündigung: „In der Besetzung Bernhard Fuchs, Gitarre, Frauke Heitmann, Gesang, Dirk Sprotte, Bass und Rüdiger Stritzke, Schlagzeug, spielen sie, woran sie Freude haben. Und das merkt auch der Zuhörer. Der Spaß an der musikalischen Vergangenheit trieb sie zu den berühmten Swing-Klassikern von Ellington und Co. Die alten Songs spielen sie immer noch, aber auch Songs von den Red Hot Chili Peppers oder Little Feat sind in Repertoire von Pretty Line, die an diesem Abend von Thomas K. am Saxophon unterstützt werden. Das Besondere: Die Klassiker von Duke Ellington oder George Gershwin werden als Shuffle oder Funk- Version präsentiert und machen der Band und dem Publikum Spaß und Lust auf weitere Experimente. Und es besteht die Hoffnung, dass sie sich ein bisschen „gehen lassen“! (Das gilt für die Musiker und das Publikum.) Der Eintritt ist frei, wie immer geht der Hut rum.

Sonntag, ganztägig: Beuys (Moyland)

Gerade eben wurde der große Schamane als Werbeikone für Whisky in Japan wieder entdeckt, schon widmet sich auch das den Künstler verpflichtete Museum Schloss Moyland Joseph Beuys: „Beuys neu entdecken“ heißt eine neue Dauerpräsentation im Schlossgebäude. Darin lässt das Museum Beuys als Mensch, Künstler, Politiker und Visionär lebendig werden. Besucher können den Künstler aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln kennenlernen. Darüber hinaus zeigt eine thematische Sonderpräsentation Werke zum 1-Sekunden-Stück von Joseph Beuys.

Wochenendverlängerung: Dienstag, 20 Uhr: Bach & more (Stadthalle)

Fred Astaire und Ginger Rogers seien vom Tanzparkett an die Tasten gewechselt, schrieb die amerikanische Presse über einen Auftritt des Klavierduos Anderson & Roe. Und in der Tat tanzen die vier Hände von Elizabeth Joy Roe und Greg Anderson über die Klaviertastaturen, als wäre der Konzert- ein Ballsaal, und verpassen Repertoire von Bach bis Coldplay eine ungeahnte Tiefe und Leichtigkeit zugleich. Wie die beiden Pianisten gerade das traditionelle Klavierduo des 21. Jahrhunderts revolutionieren, davon kann man sich beim WDR-Kammerkonzert am 4. April, 20 Uhr, in der Klever Stadthalle überzeugen.


Erlkönig (Version Loock Erd- und Tiefbau)

rd | 30. März 2017, 16:39 | 6 Kommentare
Wunderbar: Abriss in der ersten Frühlingssone

Wunderbar: Abriss in der ersten Frühlingssone

Aus der unendlichen Serie „Ein Bild und seine Geschichte“ diesmal die Folge: Der Abriss der Wunderbar – und wie die Nachbarn ihn erleben:

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Mutter, du den Loock-Bagger nicht?
Den Bagger von Loock in Rot und Weiß? –
Mein Sohn, es ist der Zeiten Preis.


Aus der Geschäftswelt: Erst Weltbild, dann Wegbild, Intersport mit Würfel – und Heino erfährt eine Aufladung

rd | 30. März 2017, 12:33 | 2 Kommentare
Ich bin dann mal Wegbild

Ich bin dann mal Wegbild

Auch an Heino nagt der Zahn der Zeit, aber Sebastian und Wolfgang Scheerer konnten helfen

Auch an Heino nagt der Zahn der Zeit, aber Sebastian und Wolfgang Scheerer konnten helfen

Arena-Atmosphäre im neuen Intersport-Markt

Arena-Atmosphäre im neuen Intersport-Markt

Hatte die Weltbild-Filiale in der Großen Straße nicht gerade erst eröffnet? Nun denn, die Eröffnungsangebote (eine Mischung aus herabgepreisten Büchern und praktischen Aufbewahrungsboxen im Sonderangebot) waren noch nicht ganz weggeräumt, da war auch schon das restliche Sortiment verschwunden. Dann die Regale. Dann das Ladenschild. Wegbild! Und das, um Platz zu schaffen für das Höllensegment des Einzelhandels, den Ein-Euro-Laden. Manche Artikel kosten allerdings sechs Euro + + + Anders als der nach dem Umbau exakt wiederzuerkennende dm-Markt am EOC präsentiert sich ab heute der Intersport-Markt Dammers auf dem gleichen Gelände komplett auf links gedreht. Blickfang ist ein zweihundert Kilogramm schwerer Videowürfel, der von der Decke hängt und der dem Sportausrüster die Aura einer großen Arena verleiht. Der fühlt sich der Freizeitsportler doch gleich wie Christiano Ronaldo, unter Marketingsgesichtspunkten also sicherlich eine gute Investition. Da zugleich auch eine kleine Kaffeebar mit einem Angebot von Sportzeitschriften eingerichtet wurde, wäre es nicht verwunderlich, wenn die altbekannte „Loge“ um Werner Drießen sich künftig dort niederließe + + + Die schönsten PR-Geschichten schreibt manchmal das Leben selbst: Da sind Wolfgang und Sebastian Scheerer vom gleichnamigen Hörakustik-Geschäft (Hagschen Straße, Kavarinerstraße) im Hotel Adlon in Berlin, um die Auszeichnung „Top 100 Akustiker“ aus den Händen von Heino entgegenzunehmen, und was passiert? Dem Schlagerkünstler geht doch glatt während der Zeremonie der Saft aus seiner Hörgerätebatterie zur Neige! Quel Malheur! Und wer aus der Riege der Besten des Faches hatte natürlich sofort eine Ersatzbatterie parat? Du, lieber Leser, ahnst es: Wolfgang Scheerer. Nun bin ich ja seit einigen Jahren nicht mehr auf dem großstädtischen Boulevard unterwegs, sondern (nur noch) in der Klever Fußgängerzone, aber die bessere Überschrift zu diesem Artikel wäre zweifelsohne:

Klever Hörgeräteakustiker rettet Heinos Gehör!

Eine interessante Form des Auf-sich-aufmerksam-Machens hat auch der Wettbewerber Pohland entwickelt: Frei nach dem IT-Motto „It’s not a bug, it’s a feature“ macht er aus einem Schadensfall eine Werbung. Auf Seite 1 der aktuellen Ausgabe des Klever Wochenblattes wird über den versuchten nächtlichen Einbruch in ein Geschäft an der Hagschen Straße berichtet. Auf der letzten Seite der gleichen Ausgabe findet sich dazu in einer großformatigen Anzeige das Foto einer eingeschlagenen Ladentür – in einer Anzeige von Pohland unter der Überschrift: „Rund um die Uhr attraktive Angebote“. Sachen gibt’s!


Was Sie sicher noch nicht über Beuys wussten…

rd | 29. März 2017, 15:48 | 3 Kommentare

Um seine Aktion „7000 Eichen“ auf der Kasseler documenta 1982 finanzieren zu können, machte Joseph Beuys in Japan Werbung für Whisky. Hoher Glaubwürdigkeitsfaktor! プロスト!


Interessantes aus der Gerichtsrolle: Kein Termin am OLG Stadt Kleve gegen Sontowski

rd | 28. März 2017, 12:30 | 41 Kommentare
Der neue Entwurf für den Minoritenplatz, der dann nur noch ein kleiner Platz wäre… und der alte macht immer noch Ärger (Visualisierung: HTM Architekten)

Der neue Entwurf für den Minoritenplatz, der dann nur noch ein kleiner Platz wäre… und der alte macht immer noch Ärger (Visualisierung: HTM Architekten)

(Mit Dank an den „Düsseldorfer“ Kollegen) Viele Reporter aus Kleve und Erlangen hatten sich schon darauf gefreut, am Mittwoch nach Düsseldorf zu fahren, um Zeuge des größten Showdowns in der Geschichte der europäischen Vergabeverfahren zu werden: Stadt Kleve ./. S & P Retail Development GmbH. Doch diese Reise muss erneut verschoben werden! Wegen Überlastung durch andere Verfahren blieb dem zuständigen Senat nichts anderes übrig, als den Termin morgen abermals abzusagen und einen neuen anzusetzen.

Schon der erste vorgesehene Termin am 1. Februar hatte aus „senatsinternen“ Gründen nicht stattfinden können. Gut für die Stadt Kleve an dem neuen Termin ist, dass dadurch die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 775-jährigen Bestehen der Stadt Ende April nicht beeinträchtigt werden. Es kann unbeschwert die Größe der Stadt gefeiert werden, denn die neue Ladung der beiden Parteien erfolgte erst zum 24. Mai, also mit einer weiteren Verzögerung von zwei Monaten.

In dem Prozess geht es darum, ob nicht Sontowski den Zuschlag für seine Pläne zur Bebauung des Minoritenplatzes hätte erhalten müssen und dem Unternehmen aus Erlangen deshalb nicht ein Schadenersatz für seine geleistete Arbeit zuzusprechen ist. Dieser Auffassung war die Vergabekammer. Bürgermeisterin Sonja Northing hatte daraufhin das persönliche Gespräch mit dem Unternehmer Klaus-Jürgen Sontowski gesucht und mit ihm in einer sehr menschelnden Atmosphäre eine mögliche außergerichtliche Einigung ausgehandelt, die der Stadt allerdings einen sechsstelligen Betrag gekostet hätte.

Der Rat wollte allerdings diesem Weg nicht folgen und entschied aus verschiedenen Gründen dafür, sein Heil vor Gericht zu suchen – womöglich auch, um im Nachgriff weitere Schuldige präsentieren zu können. Gerne verweisen an den Verfahren Beteiligte in diesem Zusammenhang darauf, dass der von der Stadt Kleve beauftragte Rechtsanwalt Dr. Kamphausen aus Düsseldorf stets versichert habe, dass die Stadt keinerlei finanzielles Risiko trage.

Bekanntlich waren die Verhandlungen zwischen den Stadtoberen und den Projektentwicklern weit gediehen, als der Rat der Stadt Kleve Ende 2014 das Projekt beerdigte. Zentrales Argument war der nicht ausreichende Kaufpreis, doch davon war in den Verhandlungen, die bis dato in einer sehr kooperativen Atmosphäre verlaufen waren, nie die Rede gewesen. Auch hatte die Stadt selbst ein Gutachten einholen lassen, dass an der Angebotssumme für die Grundfläche nichts zu beanstanden hatte.

Sontowski & Partner wollten auf dem Minoritenplatz zwischen Rathaus und Volksbank ein üppig dimensioniert es Geschäftshaus mit einer Gewerbefläche von insgesamt 11.474 m² errichten. Der aktuell in der Diskussion stehende Entwurf der Architekten HTM (Hülsmann, Thieme, Minor) sieht eine Bruttogeschossfläche von insgesamt 11.415 m² vor, davon allerdings nur 3415 m² für Gewerbe.

Weitere Berichte zum Thema:

Sontowski & Partner ./. Stadt Kleve: 57 Tage Verzögerung

Der Rat hat rumms gemacht

Das Gespräch

„… und es hat zooom gemacht“

Kleve möchte reden


Interessantes aus dem Polizeibericht: Keine Massenschlägerei am Flughafen

rd | 28. März 2017, 11:38 | keine Kommentare
Weniger Flüge, weniger Passagiere: Blick ins Terminal des Flughafens Weeze (Fotos © Udo Kleinendonk)

Die Vorstellung, dass der Terminal der Austragungsort einer Massenschlägerei geworden wäre – gruselig (Foto: Udo Kleinendonk)

Üblicherweise ist der Polizeibericht eine Ansammlung von Vorfällen, die vorgefallen sind, denn sonst wären es ja gar keine Vorfälle. Ein Einbruch, ein abgetretener Außenspiegel eines geparkten Autos, ein Totschlag. Unter diesen erkenntnistheoretischen Auspizien ist eine aktuelle Meldung des Klever Polizeiberichts eine durchaus merkwürdige – denn glücklicherweise passierte nichts. Man mag sich allerdings gar nicht vorstellen, wenn etwas passiert wäre. Soviel zur Einleitung, nun also zu dem, was die Polizei zu einem bemerkenswerten Montagabend am Flughafen Weeze mitzuteilen hat:

Am Montag (27. März 2017) bekam die Polizei Kleve einen Hinweis, dass am Airport Weeze eine Schlägerei zwischen zwei Ultra-Fangruppen bevorstehen würde. In einem Flugzeug aus Bari, welches um 18.25 Uhr in Weeze landete, befanden sich Fans des 1. FC Köln und des FC Schalke 04, die der Ultra-Fußballszene zuzuordnen sind. Offensichtlich hatten sie ihr jeweiliges Fanlager informiert und sich zu einer Schlägerei verabredet. Ein großes Polizeiaufgebot führte aufgrund des Hinweises an der Zufahrt zum Airport Fahrzeugkontrollen durch. Die Beamten stellten zwischen 18 und 19 Uhr etwa 20 Fahrzeuge der Schalker Fanszene und etwa 15 Fahrzeuge der Kölner bzw. Dortmunder Fanszene fest. Die Fahrzeuge waren jeweils voll besetzt. Bei Kontrollen fanden die Beamten Vermummungsmaterial wie Sturmhauben und Röhrenschals sowie Zahnschutz und Handschuhe. Die Polizei stellte diese Gegenstände sicher und erteilte den Fans Platzverweise. Diese befolgten die ausgesprochenen Platzverweise.

***

Nur nebenbei bemerkt: Wir haben es hier mit einer Szene zu tun, deren Entstehen von Fußballvereinen, die Millionen scheffeln, zumindest recht lange nicht entschieden genug verfolgt worden ist. Die Kosten für diesen Einsatz – „ein großes Polizeiaufgebot“, das am späten Abend seinen Dienst verrichtetFür – tragen aber nicht die Vereine, sondern der Steuerzahler. Eigentlich ein Unding.


Von der Haltung des Huhnes, oder: 10000 Liter Einsamkeit

rd | 26. März 2017, 14:32 | 3 Kommentare
Fotografie ist Malen mit Licht, sagen die Fachleute. Der Maler hier: Klaus Oberschilp

Fotografie ist Malen mit Licht, sagen die Fachleute. Der Maler hier: Klaus Oberschilp

Beim Schwimmen erkennt man die Blässhühner, die manchmal auch Blässrallen oder – in neuerer Rechtschreibung – Blesshühner bzw. Blessrallen genannt werden, daran, dass sie relativ hoch im Wasser liegen, ohne umzukippen. Praktisch also wie ein Post-Panamax-Containerschiff mit 15.000 und mehr TEUs an Bord, nur in Natur. Doch dieser Vogel ist nicht auf den wüsten Wassern eines Ozeans unterwegs, sondern auf irgendeinem niederrheinischen Kolk, vom Fotografen allerdings so in Szene gesetzt, als wäre er in den einsamen Weiten des Wassers verlassen und verloren, wobei in der Haltung des Huhns allerdings weder Hadern noch Zagen, sondern Hoffnung und Zuversicht mitschwingen, oder besser gesagt: mitschwimmen  – als wäre das rettende Ufer in Sicht. Also in aller Vielschichtigkeit mal wieder ein perfektes Sonntagsbild für kleveblog, und dann noch der Goldene Schnitt!


Wohin am Wochenende (12): Ganz unten & ganz oben

rd | 25. März 2017, 10:39 | 1 Kommentar

Wenn Sie am Sonntag Nachmittag auf der Schwanenburg diese Zeit erblicken, sollten Sie sich sputen – denn die Führung von Wiltrud Schnütgen hat vor 13 Minuten begonnen

Wenn Sie am Sonntag Nachmittag auf der Schwanenburg diese Zeit erblicken, sollten Sie sich sputen – denn die Führung von Wiltrud Schnütgen hat vor 13 Minuten begonnen


(Um zwei Events ergänzt…) Folgende Vorschläge:

Samstag und Sonntag: 32. Ostermarkt (Haus Riswick)

Dieser Klassiker unter den Veranstaltungen sollte natürlich auch Erwähnung finden: Unter dem bewährten Motto „Kunst und Genuss rund ums Ei“ findet auf Haus Riswick auch in diesem Jahr der Ostermarkt statt, wie gewohnt eine schillernde Mischung aus Brauchtumspflege und Kunsthandwerk. Zu den bekannten Ausstellern konnten auch wieder neue Anbieter gewonnen werden, die den Besuchern die neuesten Deko-Trends dieses Frühjahrs für Haus und Garten zeigen. So ist erstmals die Floristin Christine Wiegelmann, bekannt aus dem „ARD-Buffet“, dabei. Der Eintritt beträgt zwei Euro für Erwachsene; Kinder bis zu 14 Jahren haben in Begleitung Erwachsener freien Eintritt. Aus hygienischen Gründen dürfen keine Hunde mit auf das Veranstaltungsgelände gebracht werden. Der Erlös, den die LandFrauen an diesen Tagen erzielen, wird an ausgesuchte soziale Einrichtungen gespendet. Veranstalter des Ostermarktes ist der Rheinische LandFrauenverband Bezirksverband Kleve. Zum diesjährigen Ostermarkt-Team gehören Hildegard Geurtz, Maria Baumann, Andrea Schura, Birgit Vingerhoet und Marlies Wollschläger.

Samstag, 15 Uhr: „Op Kur in Bad Cleve“ (Schule Ackerstraße)

Zur 775-Jahr-Feier der Stadt Kleve leistet auch die Materborner Volksbühne ihren Beitrag – mit dem Stück „Op Kur in Bad Cleve“. Es imaginiert, wie der Kurbetrieb in Kleve so ausgesehen haben könnte. Mit den für den Kurbetrieb üblichen amourösen Verwicklungen natürlich. Wer wissen möchte, was Landwirt Jan Meier aus Niel während seiner Kur in Bad Cleve passiert, möge am Samstag Nachmittag die Aula der Sekundarschule an der Ackerstraße aufsuchen.

Samstag, 16 Uhr & 18:15 Uhr: Aufstieg und (hoffentlich kein) Abstieg im Basketball (Halle Stein-Gymnasium)

In der Mitte zwischen den beiden Herrenmannschaften des VfL Merkur Kleve befindet sich die Bezirksliga: Die erste Mannschaft steht mit dem Rücken zur Wand und möchte nicht dahin zurück, die zweite Mannschaft ist unangefochtener Tabellenführer und möchte sich den Aufstieg heute im Heimspiel gegen die BG Duisburg-West 3 sichern (Tip-off 16 Uhr), die erste Mannschaft empfängt um 18:15 Uhr die Alten Freunde Düsseldorf und könnte mit einem Sieg einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt schaffen.

Samstag, 20 Uhr: Green Carpet (Heisterfeldshof)

Benefizkonzert auf dem Heisterfeldshof: Zum Eintritt von drei Euro spielt die Band Green Carpet Rockklassiker. Der Erlös geht komplett an die Elterninitiative der Kinderkrebsklinik Düsseldorf. (Heisterfeldshof, Waldstr. 36, Bedburg-Hau)

Sonntag, 14:30 Uhr: Kleve von oben (Schwanenburg)

Herrliche Aussichten verspricht bei diesem Wetter die Führung durch die Schwanenburg am Sonntag, 26. März. Der Rundgang beginnt um 14.30 Uhr am Portal zum Innenhof der Burg. Die Teilnahme kostet sechs Euro pro Person oder 14 Euro für Familien. In rund 90 Minuten wird Klever Stadtführerin Wiltrud Schnütgen durch das Bauwerk führen und aus der Geschichte der Burg sowie ihrer Bewohner berichten. Dabei werden das Gewölbe im Spiegelturm als auch der Speicher hoch im Schwanenturm zu sehen sein.


In der Fußgängerzone aufgeschnappt (Edition Frühlingsgefühle)

rd | 22. März 2017, 12:16 | 13 Kommentare
Quell zeitloser Erkenntnisse: die Klever Fußgängerzone (inkl. angrenzender Seitenstraßen)

Quell zeitloser Erkenntnisse: die Klever Fußgängerzone (inkl. angrenzender Seitenstraßen)

„Ich habe einmal in Amsterdam eine richtig schöne Hose gekauft, aber die war so eng, da sind mir beim Sitzen die Beine eingeschlafen. Ich habe die jetzt auf einer Kleiderbörse verkauft. Aber die war so schön!“

„Wie alt ist sie so?“ – „10 Jahre.“ – „O, dann hat sie sicher nicht mehr lange!“

„Erst verkuppelt die mich mit dem, dann will se selbst wat von dem!“

„Wenn ich Bier draußen trinken möchte, kann ich auch in den Forstgarten gehen.“

„Sofort zum Arzt gehen damit!“

„Ich habe keinen [unverständlich].“ – „Du hast kein Internet?“ – „… keinen Lebensinhalt!!!“

„Ich möchte Medienkommunikation studieren, meinst du, das passt zu mir?“

„Ich habe mein ganzes Leben in Goch gelebt, aber ich kenne da keinen, ich weiß nicht mal, wie der Bürgermeister heißt, ich habe überhaupt keine Freunde da.“


Günniales Kleve!

rd | 20. März 2017, 12:22 | 3 Kommentare
G. Hendricks ((© R. Dehnen)

G. Hendricks ((© R. Dehnen)

Stadt-Land-Fluss: Logo mit Ewigkeitswert

Stadt-Land-Fluss: Logo mit Ewigkeitswert

Am 13. Januar 2012 verstarb der Klever Grafiker und Künstler Günni Hendricks im Alter von 60 Jahren (hier der Nachruf aus kleveblog: Günni Hendricks, 1951-2012. Sein bekanntestes Werk ist zweifellos das Kleve-Logo, das zeigt, wie sehr er der Stadt, in der lebte, verbunden war. Aber sein Werk und insbesondere sein Faible für seine Heimat sind weit umfangreicher. Wie umfangreich, das zeigt in Kürze – passend zu den 775-Jahr-Feierlichkeiten der Stadt Kleve und zum 5. Todestag des Künstlers – eine Ausstellung in der Schwanenburg. Der Werkschau mit dem wortspielerischen Titel „Günniales Kleve“ dauert vom 1. April bis zum 31. Oktober.

Günni Hendricks, geboren am 19. September 1951 in Kellen, war Grafiker, Künstler und Fotograf zugleich und warf oft und gerne einen liebevoll, kritischen Blick auf seine Heimatstadt Kleve. Grund genug, für den Verein ARTlass e.V. eine Ausstellung zu organisieren. Gezeigt werden Bilder, Fotos und Objekte – versammelt unter dem Titel „Günniales Keve“.

Kurz nach seinem Tod und einer berührenden Abschiedsfeier hatten einige Klever den Verein ARTlass e.V. gegründet, um den künstlerischen Nachlass von Günni zu wahren und nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Den aktiven Kern des Vereins bilden Birgit Janhsen (1. Vorsitzende), Siegbert Garisch (2. Vorsitzender), Wiltrud Schnütgen, Ute Evers-Garisch, Petra Bay und Frank Wöbbeking. Die Gruppe traf sich in den vergangenen fünf Jahren immer wieder, plante „Projekte“ und verwarf auch einige Ideen – bis die Sache mit der Ausstellung Form gewann. In unzähligen Stunden und Zusammenkünften wurde das Schaffenswerk von Günni Hendricks, bestehend aus Bildern, Fotos, Zeichnungen und Collagen gesichtet, sortiert und geordnet (und wer Günni gekannt hat, weiß, dass das nicht einfach war).

Sein besonderer Blick auf Kleve wurde bei der Arbeit für uns nachvollziehbar und so heißt die Ausstellung passend zum Klever Stadtjubiläum „Günniales Kleve“. Die Liebe zum Detail, Momentaufnahmen zu jeder Jahreszeit und der immer wiederkehrende „irreale“ Schwan werden den Besucher inspirieren und verzaubern, sind die Organisatoren überzeugt. Die Ausstellung wird unterstützt (u.a.) vom Bundesverband Credit Management e.V. und der Sparkasse Kleve.


Wohin am Wochenende? (11) FKK mit SN?

rd | 17. März 2017, 17:45 | 12 Kommentare
Die Kulturschaffenden laden ins Radhaus, mit Bürgermeisterin Sonja Northing am Tresen. Wenn Sie sich bewährt, kann sie demnächst auch in anderen Lokalen aushelfen…

Die Kulturschaffenden laden ins Radhaus, mit Bürgermeisterin Sonja Northing am Tresen. Wenn Sie sich bewährt, kann sie demnächst auch in anderen Lokalen aushelfen…

Samstag, 20 Uhr: FKK-Party (Radhaus)

Die Freie Kultursszene des Kleverlandes (FKK) laden zu einer Benefizparty ins Radhaus (Sommerdeich). Die Zuschauer erwartet ein abwechslungsreiches Programm mit Duo Vollrausch, Steph Rausch & Thomas Geisselbrecht, DJ Mike, Sitzbänkelsänger Jan Schumacher, Rezitator Thomas Brokamp (Theater-im-Fluss-Akteur), Der Leere Raum, VHS Blue-Band – alles von 20 Uhr bis 24 Uhr auf zwei offenen Bühnen. Danach kann dann so richtig abgerockt werden, im großen Saal legt DJ Mike auf, im Café wirdverschiedenste Musik von HipHop über Reggae bis hin zu Techno gespielt. Getränke serviert keine Geringere als Kleves Bürgermeisterin Sonja Northing. Der Erlös aus den Getränkeverkäufen und die eingenommen Spenden dienen der Finanzierung der Veranstaltung des Kultur-Raum Kleverland zum Stadtjubiläum. die am Sonntag, 2. Juli, rund um das Spiegelzelt und entlang der cinque-Allee ausgerichtet wird. Der Eintritt ist frei. Spenden sind erwünscht.

Samstag, 23 Uhr: Vunzige Deuntjes (Café van Buren, Molenstraat, Nimwegen)

Lange wurde das Event erwartet, und nun endlich kommt es nach Nimwegen, ins Café van Buren: Vunzige Deuntjes. Hier für Fachleute das Line-up: HATO, Raynor Bruges, Danjah, Lee Millah, Kevsko b2b Cartez, Cathy. Ich habe keinen blassen Schimmer, worum es sich handelt (so’n DJ-Krempel, glaube ich), aber laut Facebook nehmen 678 schon teil und weitere 1757 sind interessiert. Es soll bis 5 Uhr morgens gehen. Nur Erwachsene kommen rein (Personalausweis erforderlich).

Sonntag, 18 Uhr: Aller guten Dinge (Aussichtsturm)

Und also haben sich drei gefunden und beschlossen, einfach einmal gemeinsame Sache zu machen. Wilfried Schmickler liest gute Texte (Beltz, Hüsch, Hildebrandt, Pachl, Huber, Neuss, Heissenbüttel, Grosche, Malmsheimer, Heidenreich u.a.); Tom Words und Celine machen gute Musik (Songs in der Tradition der amerikanischen Songwriter von Tom Words, Jonny Cash, Bob Dylan, Neil Young u.a.). Das Programm nennt sich „Aller guten Dinge“, weil es sich um drei Künstler handelt. Eine Veranstaltung des Kulturbüros Niederrhein, zu sehen in der Restauration am Aussichtsturm. Tickets zum Preis von 12 Euro zuzüglich Gebühren sind in der Buchhandlung Hintzen erhältlich.


Tragende Wände werden überbewertet, oder: Die Anmut des Totalschadens

rd | 16. März 2017, 13:22 | 9 Kommentare
Scheune sind Träume (Foto: K. Brückenbauer)

Scheune sind Träume (Foto: K. Brückenbauer)

Wir leben in Zeiten, in denen Mauern wieder hoch im Kurs stehen. Sie schützen, sie grenzen ab, sie verhüllen. Und sie verstellen den Blick dafür, wie fragil es dahinter zugeht. Was aber wäre wenn, wie hier bei dieser Scheune im Hauer Hinterland, einmal alle Giebelwände dieser Welt einfach nach vorne weggeklappt würden und den Blick freigäben auf das, was sonst verborgen bleiben soll? Würden wir uns dann nicht alle dem Eigentlichen annähern, das hinter so vielen Fassaden versteckt wird? Es wäre eine Welt, die ehrlicher ist, aber könnten wir diese Ehrlichkeit überhaupt noch aushalten? Immerhin, das freigelegte Innenleben dieser Scheune zeigt uns, dass auch die Verwundbarkeit ihren Reiz haben kann. Die Anmut des Totalschadens. Vollkasko ist nicht alles.


Leinen los! Bye, bye, Martin Schenk

rd | 14. März 2017, 11:06 | 26 Kommentare

Die Reise hat begonnen. Rheinaufwärts! Aber was dann? Der Wesel-Datteln-Kanal? Dortmund-Ems-Kanal?

Zu dieser Reise offenbar nicht aus eigener Kraft fähig: MS Martin Schenk im Schlepptau

Zu dieser Reise offenbar nicht aus eigener Kraft fähig: MS Martin Schenk im Schlepptau

Dieses Foto zeigt, dass die Fahrt, anders als von kleveblog empfohlen, offenbar zunächst rheinaufwärts geht. Vielleicht bemerkt die Crew ihren Fehler ja noch…

Dieses Foto zeigt, dass die Fahrt, anders als von kleveblog empfohlen, offenbar zunächst rheinaufwärts geht. Vielleicht bemerkt die Crew ihren Fehler ja noch…

Kurs 11 Uhr! (Alle fantastischen Fotos von: Torsten Barthel)

Kurs 11 Uhr! (Alle fantastischen Fotos von: Torsten Barthel)


Schiff ahoi! Der Weg der Martin Schenk nach Usedom

rd | 14. März 2017, 10:32 | 27 Kommentare
Im Wohnmobil ist das Überführungsteam angereist: Die Martin Schenk in den letzten Stunden auf dem Altrhein (Foto: Dr. Klaus Plein)

Im Wohnmobil ist das Überführungsteam angereist: Die Martin Schenk in den letzten Stunden auf dem Altrhein (Foto: Dr. Klaus Plein)

Heute geht sie auf die größte Fahrt ihres Lebens – und damit endet ein kleines, großes Stück der Klever Stadtgeschichte. Die Martin Schenk, die städtische Fähre über den Altrhein zwischen Düffelward und Schenkenschanz, verlässt ihren angestammten Anlegeplatz am Deich und schippert Richtung Usedom, wo sie ein neues Zuhause finden wird. Gut 100 Jahre gab es die Fährverbindung zwischen den beiden Ortsteilen, in den meisten davon funktionierte die Überfahrt reibungslos. Dann aber kam die Martin Schenk, die auf Wunsch von Landwirten, die Felder auf beiden Seiten des Altrheins besaßen, so groß dimensioniert wurde, dass sie auch Traktoren transportieren konnte. Die riesigen Motoren saugten sich regelmäßig mit Altrheinschlamm zu, so dass Ausfälle an der Tagesordnung waren. Erst eine aufwändige Reparatur behob den Konstruktionsfehler. Stand das Wasser zu niedrig, war die Martin Schenk ebenfalls nicht einsatzfähig, stattdessen mussten Radfahrer mit einer Behelfsfähre des Technischen Hilfswerks übersetzen. Insbesondere Radtouristen wünschen sich, dass zumindest ein solches Wasserfahrzeug auch weiterhin die Überfahrt ermöglicht. In Millingen überqueren Wasserfahrzeuge des Typs Seelenverkäufer sogar den Rhein. In Deutschland scheint der Einsatz schwieriger zu sein, bekanntlich wird hier alles ganz genau geregelt. Der Martin Schenk aber sei auf diesem Wege alles Gute an ihrem neuen Einsatzort gewünscht – sie war ja auch ursprünglich für die hohe See konstruiert worden.

Wie aber gelangt das Schiff an seinen neuen Einsatzort?

Eine kurze Einschätzung mit Hilfe von Google Maps liefert folgende Strecke, die erfahrene Seeleute sicherlich gerne korrigieren und/oder ergänzen dürfen: Auf den Rhein. Vor Arnheim Ruder hart backbord (dann fährt man nach steuerbord) in die Ijssel, die gemütlich Richtung Norden schippern, bis die Nije Wijttering in Sicht kommt. Auf der dampfen wir gen Osten, nördlich an Groningen vorbei. Dann Wechsel in den Eemskanaal, der, man ahnt es schon, zur Ems führt. Die spült uns in die Nordsee, an deren Küste (Vorsicht, Watt!) wir uns bis Brunsbüttel vorarbeiten. Dort Einfahrt in den Nord-Ostsee-Kanal. Es folgt nach Kiel ein bisschen Ostsee, vorbei an Fehmarn und Rügen – und dann lockt auch schon Usedom, die Perle Ostvorpommerns!


Zum Frühlingsende: Krokuss (2)

rd | 13. März 2017, 14:44 | 1 Kommentar
Auf Pollarexpedition (Foto: Klaus Oberschilp)

Auf Pollarexpedition (Foto: Klaus Oberschilp)


Kreisliga B, Gruppe 1

rd | 12. März 2017, 22:57 | keine Kommentare
Eine Glanzparade des Klever Torhüters verhindert ein Tor der Gastgeber – insgesamt aber war es nicht der Tag der DJK Rhenania. Die SG Keeken/Schenkenschanz behielt mit 5:1 die Oberhand

Eine reaktionsschnelle Fußabwehr des Klever Torhüters verhindert ein Tor der Gastgeber – insgesamt aber war es nicht der Tag der DJK Rhenania. Die SG Keeken/Schenkenschanz behielt mit 5:1 die Oberhand


Tort zum Sonntag: Himbeerfrischkäse

rd | 12. März 2017, 22:48 | 6 Kommentare
Sonnendurchflutetes Himbeerglibber: Die Torte zum Sonntag stammt vom Café Schmidthausen, Keeken

Sonnendurchflutetes Himbeerglibber: Die Torte zum Sonntag stammt vom Café Schmidthausen, Keeken


Krokuss

rd | 12. März 2017, 13:01 | 2 Kommentare
Da denkt man, ah, ein Krokusfoto, wird wohl wieder der übliche Frühlingskrokulores sein, und dann: NIMM DAS! (Foto: Klaus Oberschilp)

Da denkt man, ah, ein Krokusfoto, wird wohl wieder der übliche Frühlingskrokulores sein, und dann: NIMM DAS! (Foto: Klaus Oberschilp)

Wenn jüngere Menschen dieses fast schon psychedelisch wirkende Foto beschreiben müssten, würden sie vermutlich sagen: Der Farbklecks in der Mitte sieht so knallorange aus wie der aus der Werbung für die Fernseher der Bravia-Serie von Sony.

Dann aber sollten wir, die älteren Menschen, sanft darauf hinweisen: Hey du, der du noch grün hinter den Ohren bist: Die Natur, in diesem Fall das Innenleben einer Krokusblüte, war Millionen Jahre früher da! Und sie macht es besser. Jahr für Jahr.


Wichtige Information für die Stadt Kleve und Plan International

rd | 10. März 2017, 15:08 | 40 Kommentare

Stoppt! Diesen! Wahnsinn! Sofort!

Wer immer genehmigt hat, dass diese in leuchtend blauen Jacken gekleideten Spendenkoberer die Fußgängerzone blockieren und sehr, sehr penetrant jeden anquatschen, der nicht schnell genug vorbeirennt, sollte sie auch persönlich wieder verscheuchen müssen! Und der Organisation, die sich ja wohl dem Kindeswohl verschrieben hat, sei angeraten, dass sie keinen Kindesmissbrauch betreiben und stattdessen dafür sorgen sollte, dass dieses beklagenswerte Fußgängerzonenpersonal einem vernünftigen Beruf (Bäcker, Tischler, Automechaniker, um nur einige Beispiele zu nennen) nachgehen kann. Damit wäre der Menschheit vermutlich ein größerer Gefallen getan. Bis dahin kann die kleveblog-Redaktion von Plan International, Spendensiegel hin oder her, nur abraten – die haben nicht alle Tassen im Schrank!


Wohin am Wochenende? (10)

rd | 10. März 2017, 14:55 | 1 Kommentar
So sah Berlin vermutlich in den 20-er Jahren aus: Überall Frauen mit Zylindern, Kontrabassisten und mechanische Schreibmaschinen, an  denen Billy Wilder und Kollegen Kriminalberichte verfassten (Foto: Stadt Kleve)

So sah Berlin vermutlich in den 20-er Jahren aus: Überall marlenedietrichartige Frauen mit Zylindern, Kontrabassisten und mechanische Schreibmaschinen, an denen Billy Wilder und Kollegen Kriminalberichte verfassten (Foto: Stadt Kleve)

Wer sich nicht für Basketball interessiert, kommt an diesem Wochenende auf seine Kosten. Wer wohl, erst recht.

Freitag, 20 Uhr: Blues (Culucu)

Dass England dem Blues eine neue Chance gibt, ist verständlich (Stichwort Brexit). Wie sich das anfühlt und anhört, können Besucher des Culucu (Rindern) heute Abend beim Konzert von Howling Mat (zu Deutsch: heulende Matte) erleben. Sicher nicht lustig.

Samstag, 9 Uhr: Bücherflohmarkt (Stadtbücherei)

Wer immer schon auf der Suche nach einem Windows-95-Handbuch und vergleichbaren Kostbarkeiten war, wird am Samstag von 9 bis 14 Uhr in der Stadtbücherei fündig – beim großen Bücherflohmarkt, mit dem schon traditionsgemäß große Teile des Bestandes veräußert werden, damit Platz für Neues geschaffen wird – zum Beispiel für Windows-98-Handbücher.

Samstag, 18:15 Uhr: (Hoffentlich:) Kein Blues (Sporthalle Stein-Gymnasium)

Blues ganz anderer Art erleben zurzeit die Basketballer des VfL Merkur Kleve. Sie spielen ganz gut, verlieren aber immer. Am vergangenen Wochenenende sogar völlig überraschend in Goch. Doch am Samstag Abend wollen die verbliebenen Merkur-Riesen (Pitzner immer noch verletzt, Willemsen immer noch auf Bildungsreise) den Blues hinter sich lassen und einen der direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt, ART Düsseldorf, schlagen. Das Spiel ist ausverkauft. Allerdings hat der Hauptsponsor der Klever, die Müllverwertungsfirma de Loreyn, in der Golden-Recycling-Lounge noch einige Plätze freigeräumt. Dort servieren leicht bekleidete Damen schwere Getränke. Oder umgekehrt. Spielbeginn: 18:15 Uhr. Danach spielt die zweite Mannschaft gegen die Walsum Beavers. Die Bieber sind das Schlusslicht der Tabelle.

Samstag, 20 Uhr: Früher war auch Scheiße (Theater im Fluss)

Ein bewusst provokanter Titel! Früher war alles besser? „Nein“, sagt die Jugendtheatergruppe Melange. Deshalb heißt ihr Stück „Früher war auch scheiße“. Die Theatercollage gibt Einblicke in die Gedanken- und Lebenswelt der Teilnehmer. Waren Beziehungen nicht immer schon schwierig? Gab es nicht schon immer Gründe sich sein Leben zu nehmen? Hat man nicht allen Grund, sein Leben jetzt in die Hand zu nehmen? Tiefgründig, konfrontierend, aber auch mit Humor und mit viel Enthusiasmus spielen 9 junge Frauen und ein junger Mann Minidramen, die nicht frei sind von Generationenkonflikten. Ausgehend von Inszenierungsideen des biographischen Theaters liefert der Theaterpädagoge Severin Roth seine zweite Regie in diesem Jahr bei Theater im Fluss ab.

Samstag, 20 Uhr: Ein rätselhafter Schimmer (Stadthalle)

Robert Nippoldt und das Trio Größenwahn nehmen die Zuschauer mit Live-Zeichnungen, Gassenhauern und Chansons von Marlene Dietrich, Friedrich Hollaender, der Dreigroschenoper bis hin zu den Comedian Harmonists mit auf eine bild- und tongewaltige Zeitreise. Präsentiert wird das Berlin der 20-er Jahre in einer poetischen Amüsierschau. Eintritt: 12 Euro.

Husky (10.03. 19:17): Hey, nichts gegen Windows 95....

Früher Hase fängt die Möhre: Architekten Hülsmann & Thieme preschen mit Minoritenplatz-Planung vor!

rd | 10. März 2017, 12:54 | 38 Kommentare
Blick aus der so genannten „Wallgrabenzone“ (Visualisierung Hülsmann & Thieme)

Blick aus der so genannten „Wallgrabenzone“ (Visualisierung Hülsmann & Thieme)

Viel Bau, wenig Platz: Blick von oben auf den Minoritenplatz (Visualisierung: Hülsmann & Thieme)

Viel Bau, wenig Platz: Blick von oben auf den Minoritenplatz (Visualisierung: Hülsmann & Thieme)

Früher Hase fängt die Möhre: Zwar läuft gerade erst die Bürgerbeteiligung für die Planung des Minoritenplatzes, aber manche haben schon fertige Konzepte in der Schublade! Die Klever Architekten Hülsmann, Thieme & Minor (HTM-Architekten) stellten heute ihre Pläne für die Bebauung der großen Lücke im Herzen der Stadt vor. Zusammengefasst: Viel Bebauung (3415 Quadratmeter Gewerbefläche, Architekten wollen halt bauen) und wenig Platz (1000 Quadratmeter) – orientiert an der städtischen Variante C. Keine Autos mehr im Blick (185 Tiefgaragenstellplätze).

Hier im Originaltext, was die Architekten ausgeheckt haben:

Die Bebauungs- und Nutzungsstruktur des Quartiers und die Struktur seiner neuen Wege, Sichtachsen und öffentlichen Räume, soll sich in die vorhandene Nachbarschaft einfügen. Eine optimale Ausrichtung der Baukörper ist zwingend notwendig. Die damit verbundene beste Belichtungssituation für jede einzelne Wohnung, in Verbindung mit unserem Standort, wurde umgesetzt. Bei der Suche nach der Typologie der Gebäude stand die Gliederung der Gebäude und Gebäudevolumen im Vordergrund. Sämtliche Fassadenmerkmale thematisieren die konstituierenden, architektonischen Elemente, wie Sockel, Fassade und Satteldach. Die Struktur des Tragenden im Erdgeschoss. Die unterschiedlichen Fassaden als ästhetische Dimension, als Zeichen des Gestaltungswillens. Das Dachgeschoss, inklusive Satteldach ist leicht aufgebaut, und bildet einen deutlichen Abschluss.

  • 2 Gebäudekomplexe mit insgesamt 8 Giebeln. Jeweils in Nordausrichtung 4 Giebel zur Wallgrabenzone und 4 zur Minoritenstraße in Südausrichtung. Überbaubare Fläche orientiert sich an der Bebauungsvariante C. Die jeweiligen Baufenster werden erdgeschossig überbaut.
  • Ab der Obergeschossebene organisieren sich 2 Gartenhöfe. In Nord-Süd Richtung optimal belichtet. Zugänglich ausschließlich für Bewohner der Wohnhäuser von der Minoritenstraße.
  • 75 % öffentlich geförderter Wohnraum (ca. 60 Wohnungen). 25 % frei finanzierter Wohnraum (ca. 20 Wohnungen).
  • In der Längsausrichtung der Gebäude drücken sich die Balkone Wohnungen (dieser Satz bedarf einer Übersetzung, die gerne nachgereicht wird, sobald sie vorliegt).
  • Maximale Aufweitung der Gartenhöfe bis auf ca. 23 Meter.
  • Grünachse und Wasserlauf verlaufen in Ost-West Richtung.
  • Erschließung der Gewerbeflächen im EG durch Toröffnungen

Halbe Million in bar erbeutet! Dreistester Betrug seit langem, Polizei fahndet

rd | 09. März 2017, 17:56 | 26 Kommentare
So sehen zwei der (vermutlich) vier Täter aus, die den älteren Mann um ein Vermögen erleichterten

So sehen zwei der (vermutlich) vier Täter aus, die eine älteren Person um ein Vermögen erleichterten

Es ist der wohl dreisteste Betrugsfall in der Klever Kriminalgeschichte: Eine Gruppe von (vermutlich) vier Tätern brachte eine ältere Person mit einer perfiden Masche dazu, eine halbe Million Euro von seinem Konto abzuheben und den Tätern, die sich als kriminalbeamte ausgaben, in zwei Übergaben in der Gasthausstraße in bar auszuhändigen. Selbst ein misstrauisch gewordener Mitarbeiter der Sparkasse konnte nicht verhindern, dass das Opfer das Geld von seinem – angeblich nicht mehr sicheren – Konto abhob und mit nach Hause nahm. Jetzt fahndet die Polizeio mit zwei Phantombildern nach den Betrügern (denen die Redaktion alles Schlechte dieser Welt wünscht). Hier die Pressemitteilung der Polizei zu dem Fall:

Am Sonntag (5. Februar 2017) gegen 19 Uhr erhielt eine ältere Person aus Kleve einen Anruf von einem unbekannten Mann. Der Anrufer gab sich als Kriminalbeamter aus und fragte nach persönlichen Bankdaten. [Es gehe um einen Abgleich, da diese in Zusammenhang mit einem anderen Delikt aufgetaucht seien. Der Anruf eines „Kollegen“ wurde angekündigt.] Kurz darauf meldete sich ein anderer Anrufer, der sich ebenfalls als angeblicher Kriminalbeamter ausgab. Der Anrufer forderte die geschädigte Person dazu auf, eine größere Summe Bargeld abzuheben, um es später der Polizei zu übergeben. Die Übergabe an den vermeintlichen Kriminalbeamten erfolgte nach mehreren Telefonaten am Samstag (11. Februar 2017) gegen 13.30 Uhr sowie bei einer zweiten Übergabe an einen anderen Täter am Dienstag (21. Februar 2017) gegen 19.00 Uhr. In beiden Fällen fand die Übergabe auf der Gasthausstraße statt.

Der Täter der ersten Übergabe war etwa 30 Jahre alt, ca. 1,72 m groß und schlank. Bekleidet war er mit einem weiß-blauen Anzug, ähnlich einem Jogginganzug. Nach Einschätzung des Opfers handelte es sich um einen Deutschen mit dunklen Haaren. Der Täter der zweiten Übergabe war etwa 28 Jahre alt, 1,60 bis 1,65 m groß und schlank. Er hatte dunkle nackenlange Haare und war dunkel gekleidet.

Wem sind zu den genannten Tatzeiten auf der Gasthausstraße verdächtige Personen oder Fahrzeuge aufgefallen? Hinweise bitte an die Kripo Kalkar unter Telefon 02824-880.


Aus der Geschäftswelt: Vielen Dank für die Blumen, und Pupille bald zu

rd | 09. März 2017, 12:43 | 9 Kommentare
Trauerfloristik in eigener Sache: Blumenstiel, Hagsche Straße, schließt

Trauerfloristik in eigener Sache: Blumenstiel, Hagsche Straße, schließt

Da schaut man einmal zwei Wochen nicht hin, und schon erscheint die Klever Geschäftswelt reichlich verändert. Was uns am besten dort beginnen lässt, wo sich nichts verändert hat – im dm-Markt am EOC. Die Drogeriefiliale wurde wochenlang umgebaut, hat nun wieder eröffnet – und Stammkunden suchen verzweifelt nach etwas, das sich geändert hat. Allein, es scheint, die Drogeriekette, die so nett menschelnd daherkommt, hat alles einmal auseinandergenommen und hinterher genauso wieder aufgebaut. + + + Mal sehen, ob Intersport in der Nachbarschaft ähnlich verfährt. Wahrscheinlich aber nicht, denn im Zuge des Umbaus sind die Leuchten der alten Ladenfiliale schon im Internet angeboten worden. + + + Vielen Dank für die Blumen! Doch nicht einmal der Valentinstag konnte den Floristen Blumenstiel in der oberen Hagschen Straße retten. Am 14. März ist Schluss, damit steht eine 50.000-Einwohner-Stadt mal wieder ohne Blumengeschäft in der City da, keine guten Voraussetzungen für spontanromantische Anfälle. + + + Vielleicht setzt der Mann von heute ohnehin nicht mehr so auf Blumen, sondern er bringt seiner Auserwählten besondere Sportwetten mit („Liebling, hier hast du einen Tippzettel mit einem 6:1-Sieg von Barcelona gegen PSG“ – den eine sportverständige Angebetete natürlich sofort in den Müll geworfen hätte), für diese Form der Romantik gibt es jedenfalls eine neue Möglichkeit: In der Kavarinerstraße – dort, wo ehemals die Textilpflege Tip-top beheimatet war, hat der Sportwetten Anbieter Tipico eine Filiale eröffnet. + + + Gerne erinnere ich mich meines alten Jahrgangsstufen Kameraden Ulrich Timmer, der einmal ein ganzes Jahr lang barfuß lief. Das ging ja bekanntlich bereits in der Steinzeit, warum nicht also auch in der Neuzeit? In der neuesten Neuzeit, in der alles bequemer wird, ist das barfuß laufen wieder groß in Mode, in Form von Schuhen, die dem Träger des Gefühl vermitteln, tatsächlich ohne Schuhwerk unterwegs zu sein. Kann man glauben, oder auch nicht, jedenfalls gibt es nun auch dafür in Kleve ein Geschäft, es heißt Leguano und hat gerade an der Großen Straße eröffnet. + + + Abschiednehmen heißt es von einer Institution im Klever Bekleidungshandel: Das Modegeschäft Pupille in der Unterstadt schließt im August, der Inhaber hat das Rentenalter erreicht und fand keinen Nachfolger. Für die gut gelegene Immobilie am Klosterplatz (heißt der so?) wird bereits ein Nachmieter gesucht.


Wohin am Wochenende? (9)

rd | 03. März 2017, 16:42 | 5 Kommentare
Ein Huhndertwasserhaus? Nein, ein Screenshot aus dem sehenswerten Film Tomorrow…

Ein Huhndertwasserhaus? Nein, ein Screenshot aus dem sehenswerten Film Tomorrow…

Freitag, 20:30 Uhr: Don’t let the bugs bite (Tichelhaus)

Im Café de Kroon in Nimwegen 2011 gegründet, seitdem eine Vielzahl mitreißender Konzerte in den Niederlanden – und nun erstmals in einem richtigen Land unterwegs (kleiner Scherz): the don‘t let the bed bugs bite band „brengen graag een aanstekelijke, jeukende, kriebelende mix van jazzy en funky liedjes ten gehore.“ Dazu gehören Interpretationen von Jazzikonen wie Roy Hargrove, Joshua Redman und Tom Harrell, also ganz am Puls der Zeit. Für das Konzert im Casa Cleve nimmt das Septett zusätzlich Stücke von Musikern wie Mark Guiliana, Kamasi Washington und Omer Avital ins Programm auf, also Musiker, die sich ernsthaft vorgenommen haben, den Jazz wieder hip zu machen. (Eintritt: 12 Euro)

Samstag, 18 Uhr: TV Goch – VfL Merkur Kleve (Sporthalle Gesamtschule)

Allenfalls Außenseiterchancen hat der TV Goch im Heimspiel in der Basketball-Landesliga gegen den VfL Merkur Kleve. Beide Mannschaften haben jeweils eines der letzen beiden Spiele gewonnen. Der Aufsteiger leistet sich sogar den Luxus, auf einen seiner Leistungsträger zu verzichten – Martin Willemsen absolviert auf Geheiß seines Trainers eine Fortbildungsreise ins Mutterland des Basketballs, um mit den dort gewonnenen Eindrücken den Klever Basketball noch überlegener zu machen. „Für Goch sollte unser System Jazmati reichen“, zeigt sich Coach Ralf Daute, ein gewiefter Taktiker, entspannt. Jazmati selbst wiederum hat die Freiheit, die Systeme „Orlando“ und „Miami“ aufzurufen. Der Vorteil: Da nicht einmal die Klever Mitspieler wissen, worum es sich dabei genau handelt, können auch die Gegner nichts vorhersehen – und am Ende schlägt es wieder einmal ein.

Samstag, 20 Uhr: 100 Meter Luftpolsterfolie (Radhaus)

„Ich habe meinen Lieblingspyjama an, den gelben mit den Fotos von mir drauf, damit potentielle Einbrecher denken, ich wäre viele und dann Angst bekommen.“ Es geht bei Sandra Da Vina um den Zustand der Welt, der Liebe und um H&M-Umkleidekabinen. Der Name des Programms ist Programm: Hundert Meter Luftpolsterfolie, diese kindliche Freude am Kaputtmachen, aber auch diese innere Leere, wenn die Luft raus ist – aus der Beziehung, aus der Freundschaft, aus dem Leben. Da Vinas Worte knistern und knallen, ihre Geschichten machen Lärm und sind dann wieder ganz leise. (Eintritt Abendkasse: 6 Euro, Vorverkauf (Buchhandlung Hintzen) 5 Euro)

Sonntag, 11 Uhr: Tomorrow (Tichelpark Kinos)

Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen. Und wenn ich wüsste, dass heute die Welt untergeht, so würde ich doch morgen ein Apfelbäumelein pflanzen, sinnierte einst der Große Reformator Martin Luther King. Man sieht, das Morgen hat Konjunktur! Aus heutiger Sicht aber erst ÜBER-morgen, also am Sonntag zeigen die Tichelpark Kino in der Sonntagsmatinee den Film „Tomorrow“, wie in der englischsprachigen Welt das Morgen allgemein bezeichnet wird, wenn vom folgenden Tag die Rede ist (das andere, (Sonnenaufgangs-)Morgen heißt morning, nicht zu verwechseln mit mourning, was trauernd heißt). Der Morgen Land wiederum würde bei den Engländern und Amerikanern Acre heißen und entspricht einer Fläche von 4047 Quadratmetern, wohingegen der klassische Morgen bei uns meist mit einem halben Hektar gleich gesetzt wird (also lieber nachfragen, bevor ein Grundstück gekauft wird, sonst erlebt man womöglich eine böse Überraschung)

… aber halt, wo war ich eigentlich?, ach ja,…

Tomorrow Die Vereine Oregional Rhein-Waal e.V. und Bio-Region-Niederrhein e.V. laden gemeinsam und mit Unterstützung durch den KV Bündnis 90/Die Grünen erneut zu einer Filmmatinee ein! Tomorrow ist ein mitreißender Dokumentarfilm aus Frankreich, der beweist, dass aus einem Traum Realität werden kann, sobald Menschen aktiv werden.

Frage: Müsste der Streifen nicht eigentlich Demain heißen?

(Eintritt: 5 Euro)

kleveblog-Info: Berühmte Kultursachen mit „Morgen“

Tomorrow never dies – MI5 live
Morning has broken – schönste Langnese-Werbung ever


Minoritenplatz: Ist der Klevische Knoten durch?

rd | 03. März 2017, 15:32 | 55 Kommentare
Bald wird der Minoritenplatz auch in Düsseldorf ein Begriff sein – zumindest vor Gericht

Zeit lassen – sagt Max Knippert. Warum?

(Ein Gastbeitrag von Max Knippert, Künstler, zur Offenlage der neuen Pläne für den Minoritenplatz.)

Ist der Klevische Knoten durch? Noch nicht, würde ich sagen, aber das Schwert hängt bereits in der Luft.

Der Minoritenplatz befindet sich vermutlich nach ca. 65 Jahren auf der planerischen Zielgraden.

Die gutachterliche Stellungnahme zur städtebaulichen Entwicklung des Minoritenplatzes in Kleve durch Kunibert Wachten, ist den nicht müde gewordenen Klevern bekannt, und der Prüfantrag zum Hundertwasserhaus liegt auch auf dem Tisch. Jetzt hat das zweiwöchige, beschleunigte Verfahren zur Offenlage begonnen.

Warum diese allerdings „beschleunigt“ sein musste, erschließt sich mir nach den Jahrzehnten der bisherigen Planung nicht. Vermutlich also haben jetzt alle Klever ein letztes Mal die Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern. Dieser Gastbeitrag soll dazu ermuntern. Am 18.3.2017 ist es vorbei! (Der Link zur Offenlage findet sich am Ende des Textes.)

Auf Basis der vom Rat beschlossenen Eckpunkte, sowie aus der Kritik und den Anregungen aus der Bürgerschaft hat Kunibert Wachten seine Argumente formuliert, kommt gleich zu Beginn zur Sache und betont, dass der Minoritenplatz bebaut werden sollte. Ich ergänze hier das Argument von Arnold Voss, einem weiteren Städteplaner, der der Einladung ins Haus Koekkoek nachgekommen ist. Arnold Voss hob seinerzeit hervor, das eine Bebauung eine zentrale Aufgabe erfüllen muss – nämlich den Rathausplatz wie einen Diamanten zu fassen. Wenn denn überhaupt gebaut werden sollte.

Kunibert Wachten hat seine Argumente für eine Bebauung unter anderem so zusammen gefasst:

  • Die Waalgrabenzone sollte eine Fassung erhalten und als grünes Band die Altstadt umschließen.
  • Die Innenstadt soll im Norden einen Abschluss, ein Gesicht zeigen aber gleichzeitig soll das Quartier die Funktion eines Gelenk zur Hochschule erhalten.
  • Eine funktionale Nutzung mit entsprechenden Angeboten soll erfolgen.
  • Durch das Privileg, das sich die Fläche in eigener/unserer Hand befindet, sollen Impulse für die Stadtentwicklung realisiert werden.
  • Innerstädtisches Wohnen und Nutzungen sollen möglich sei, am besten in Verbindung mit der Hochschule.
  • Öffentliche Räume, attraktive Gassen- und Straßenräume und ein repräsentativer und offener Platz vor dem Rathaus soll entstehen.
  • Eine hohe Gestaltqualität wird eingefordert, um der besonderen Lage gerecht zu werden.

Weitere Gesichtspunkte im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens:

  • Minoritenplatz ist die wichtigste Potenzialfläche für die Stadtentwicklung
  • Verflechtungen mit den angrenzenden Stadträumen von der Waalgrabenzone bis zur Große Straße und von der Kavarinerstraße bis zum Spoykanal = Rahmenplan
  • Zwei Baufelder (ca. 2000 Quadratmeter), ein Platz auf der Ostseite des Rathauses, der den Trakt des Ratssaals mit der Wallgrabenzone in Verbindung bringt
  • Eine gestaltete Fläche auf der Westseite des Rathauses, die nicht (nur) dem Parken dient
  • Ein gestalteter Freiraum am „Netelenhorst“
  • Mischnutzungen und funktionale Vielfalt (diese Multifunktion wurde bereits durch Astoc herausgestellt)
  • Zur Wallgrabenzone sollten die Baufelder eine parallel verlaufende, klare Kontur zeigen, Rücksprünge in der Kontur zum Rathausplatz wie auch zum „Netelenhorst“ sollten gestalterisch geprüft werden
  • Die Verbindung mit dem Spoykanal ist eine der wenigen Stellen im Stadtgefüge gegeben, an denen die „Innenstadtgrenze“ markant in Erscheinung tritt
  • geneigte Dächer, vorrangig drei- bis viergeschossige Bebauung; es sollten aus stadträumlichen Gründen an ausgewählten Stellen auch gestalterische Akzentuierungen mit höhergeschossigen Bauteilen möglich sein, was aber ebenfalls einer sorgfältigen Prüfung bedarf
  • Nneue Bebauung vermittelt zwischen den beiden Polen Rathaus und Volksbank
  • Innenhöfe der Baufelder sollten Begrünungsöglichkeiten aufweisen; Erdgeschosszonen können (könnten?) bei einer entsprechenden Begrünung ihrer Dachflächen im Inneren der Baufelder ganz bebaut werden.
  • gestalterischen Vielfalt & gemischte Nutzungen kleine Wohnungen, die auch mit Service-Angeboten kombiniert werden können
  • Wichtig: Ein kleines Netz öffentlicher Räume, das die Durchlässigkeit des Areals garantiert, damit es seine Funktion als Gelenk innerhalb des Stadtgefüges wahrnehmen kann
  • Der Rathausplatz rund 1.500 qm und die Freifläche am „Netelenhorst“ rund 800 qm. Wichtiger als die Größe ist jedoch die Nutzbarkeit und Ausstrahlung des Rathausplatzes. Er sollte repräsentativen Charakter haben, kleinere Veranstaltungen möglich machen und auch zum Aufenthalt einladen.

Der Rathausplatz sollte ein befestigter Platz mit nur wenigen Bäumen werden, während die Fläche am „Netelenhorst“ einen grünen Charakter aufweisen sollte. Denn am „Netelenhorst“ sind die kleinen Höhenunterschiede des Terrains und die Zufahrt zur Volksbank über einen Platz nicht so gut gestalterisch zu bewältigen wie über eine Grünflüche, die Geländemodellierungen zulässt. Für die Festlegung des Gefüges der öffentlichen Räume, ihrer Gestaltung und Konturierung der Baufelder sollten unabhängig vom Bebauungsplan verschiedene Entwürfe erarbeitet werden.

In diesem neuen Areal sollten keine oberirdischen Stellplätze liegen. Seine Lage ist zu bedeutsam und die Flächen sind zu knapp, um sie dem „Parken“ zuzuordnen. Hans Hoorn ha dies in der Stadthalle ebenso ausdrücklich und wiederholt angemahnt. Deshalb muss der Stellplatzbedarf, der aus den neuen Nutzungen resultiert, und der öffentliche Stellplatzbedarf in einer oder zwei Tiefgaragen abgedeckt werden, die bei zwei aber eine gemeinsame Zufahrt haben sollten. Dabei ist auch die Anschlussmöglichkeit der bereits vorhandenen Garagen zu prüfen. Dies ist eine deutliche Erschwernis für Bauinvestitionen, die Bedeutung des Standortes rechtfertigt aber diesen Aufwand.

Für den Bebauungsplan bedeutet dies: Die Umrisse der Baublöcke sind gestalterisch sorgfältig zu entwickeln und dann über Baulinien definitiv festzulegen. Ebenso sollte die Anzahl der Vollgeschosse eindeutig definiert werden und auch ein Ausschluss von Zufahrtsmöglichkeiten in die Tiefgarage an den „prominenten“ Lagen innerhalb des Areals. Vom Charakter her weist das Areal Kerngebietsfunktionen auf. In diesem Rahmen ist der hohe Wohnanteil zu begründen. Es wird erforderlich sein, in den textlichen Festsetzungen und in begleitenden Festsetzungen über Ortssatzungen die Baugestalt, die Dachformen und den Grad der Begrünung zusätzlich zu regeln.

Alle Klevern haben diese Argumente irgendwie von irgendwem, irgendwann sicher schon mal gehört, aber in dieser Zusammenfassung dürfte es wohl einmalig sein?

In dem Wachten-Gutachten ist meiner Meinung nach eines von zentraler Bedeutung: Die durchweg notwendige hohe Gestaltungskompetenz für einen Gesamtentwurf, sowie Mehrfachbeauftragung und/oder (Studenten)Wettbewerbe. Was auch zentral ist, das gebaut werden soll. Aber Bauen Müssen ist nun mal kein Naturgesetz. Man kann in Urlaub fahren, muss es aber nicht.

Ich möchte nochmals Arnold Voss wiedergeben. Kleve habe das unglaubliche Glück gehabt, zum Standort einer Hochschule zu werden und diese gilt es proaktiv am Minoritenplatz zu berücksichtigen, ebenso wie sowie der Umstand, überhaupt über eine Freifläche zu verfügen, die als Gelenk gestaltet werden kann. Darüber hinaus gilt es, meiner Meinung nach unsere Stadt weiter Richtung Niederlande auszurichten. Das ist pures Entwicklungspotenzial. Was hochwertige Stadtplanung angeht, sind unsere niederländischen Nachbarn Weltspitze. Hans Hoorn hat es in der Stadthalle anklingen lassen. Das sollte bei der Planung, auf Grundlage unserer Niederrheinländischen Vergangenheit und Zukunft unbedingt Berücksichtigung finden.

Was fehlt bisher bzw. nach wie vor?

  • die klare Definition, WARUM überhaupt gebaut werden soll
  • Gutachten zur Parkraumsituation in der Gesamtunterstadt/Tiefgarage
  • Gutachten zum zusätzlichen Verkehrsaufkommen in der Hafenstraße und Unterstadt
  • Prüfantrag der Zusammenlegung von VHS und Stadtbücherei
  • Auskunft der Verwaltung zur Zukunft des Edeka-Gebäudes (es gibt bereits konkrete Planungen!)
  • Größe und Form des Rathausplatzes
  • Berücksichtigung der Interessen von Kinder & Jugendlichen und Studenten sowie Senioren
  • Einbindung der Hochschule
  • Einbindung der Kirche bezüglich Rundgangs (Kavarinerstraße zum Klosterplatz)
  • Außenkonzept inklusive der landschaftsarchitektonischen Planung am Minoritenplatz als Gelenk zwischen Tier- und Forstgarten zu den Galleien/Kermisdahl
  • (Gestern wurde allerdings dem Kulturausschuss eine Skulptuurenachse für die Wallgrabenzone vorgestellt, die mir persönlich ausgesprochen gut gefällt.)

  • die erforderlichen textlichen Festsetzungen und begleitende Festsetzungen zu Baugestalt, zu Dachformen und zum Grad der Begrünung
  • Sachverständige, die mögliche Vorschläge professionell analysieren und bewerten (Hans Hoorn? Gestaltungsbeirat?)

Dass in Kleve das Wort Gestaltungsbeirat immer noch ein No-Go darstellt ist von Vorgestern. Im neuen Baukulturbericht, für Mittelstädte wie Kleve, steht explizit diese Empfehlung. Im April wird das Rathausumfeld Richtung Kavarinerstraße gebaut. Warum warten wir nicht erst einmal ab, bis dieses und die Megabaustellen (Union, Bensdorp, Stadthallenumfeld, Zwanzigergelände und Bahnhofsumfeld u.a.) abgeschlossen sind?


Eine Orgie des Wohlgefallens

rd | 02. März 2017, 20:12 | 10 Kommentare
Großes Theater. Unter den 200 Zuschauern auch Ex-Bürgermeister Theo Brauer, der sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollte

Großes Theater. Unter den 200 Zuschauern auch Ex-Bürgermeister Theo Brauer, der sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollte

Es war eine dieser Ratssitzungen, die eine dampfig-wohlige Wärme ausstrahlten. Der WDR war vor Ort, geschätzte 200 Zuschauer, und unter der Decke hing noch Karnevalsdekoration. Am Ende, nach nicht einmal einer Stunde, fällten die Stadtverordneten einstimmig den Beschluss, dem Konrad-Adenauer-Gymnasium zu Beginn des neuen Schuljahres ausnahmsweise einen vierten Klassenzug zu ermöglichen, so dass jedes Kind aus Kleve, Kranenburg und Bedburg-Hau, dass im Sommer auf eine weiterführende Schule wechselt, exakt jene Schulform besuchen kann, die seine Eltern für richtig erachten. Im Großen und Ganzen also eine Orgie des Wohlgefallens, an deren Ende sich alle, die daran beteiligt waren, zufrieden auf die Schulter klopfen konnten.

Wolfgang Gebing, Fraktionsvorsitzender der CDU, sagte zu Beginn der Sondersitzung in der Mehrzweckhalle Materborn: „Wir wollen mit dieser Ratssitzung versuchen, eine Lösung zu finden, mit der der Elternwille umgesetzt werden kann.“ Petra Tekath (SPD) krittelte ein wenig an den Eltern herum, die ihren Kindern zu ehrgeizige Bildungsgänge verordneten, was aber nicht hundertprozentig verständlich war. Hedwig Meyer-Wilmes (Grüne) bemängelte, dass aufgrund einer städtischen Pressemitteilung der Eindruck erweckt wurde, dass das Anmeldeverfahren ein Lotteriespiel sei. Es gab noch drei, vier weitere Wortmeldungen, wobei Daniel Rütter (FDP) die Lacher auf seiner Seite hatte: „Schulwechsel hat es immer gegeben, das ist mir auch passiert, und aus mir ist auch etwas geworden, ich bin in der FDP gelandet.“


kleveblog-history: Wir haben den Kanal noch lange nicht voll

rd | 01. März 2017, 16:44 | 10 Kommentare
Als Jan de Beyer über die Spoy Richtung Burg blickte, war der Kanal schon ein halbes Jahrtausend alt

Als Jan de Beyer über die Spoy Richtung Burg blickte, war der Kanal vermutlich schon ein halbes Jahrtausend alt (Bild: Stadtarchiv Kleve)

(Als einer der Autoren der großen NRZ-Serie zum Stadtjubiläum hatte ich das Vergnügen, mich mit der Geschichte des Spoykanals beschäftigen zu dürfen. Der Beitrag ist am Samstag in der Zeitung erschienen (hier der Link: Kleves teurer Weg zum Rhein), hier gibt es ihn jetzt auch:)

Die strategisch günstige Lage am Kliff brachte der Stadt einen schweren Nachteil ein – die Anbindung ans Wasser war mit hohem Aufwand verbunden. Der Spoykanal war die Lösung

Als Kleve in den Jahren 1427/28 Holz für den Bau des Glockenstuhls der Stiftskirche benötigte, wurde dies über den Rhein angeliefert – bis zur Spoy (das Wort bedeutet Schleuse), also bis zum heutigen Brienen. Dort musste das Baumaterial auf Karren verladen und zur Baustelle transportiert werden. Es gab zwar einen Wasserweg bis in die Stadt, doch der „Spoygraben“, wie er damals noch hieß, konnte nicht benutzt werden. „Want men doir die Spoy niet en mocht, want to droigh was“, so ist es in einem Dokument verzeichnet. Die Schifffahrt auf dem Wasserweg, der den Kermisdahl mit dem Rhein verband und somit die Stadt an den wichtigsten Transportweg überhaupt anschloss, war also wegen Niedrigwassers unmöglich. Und man sieht, die heutigen Probleme der Stadt mit Schleuse und Kanal hatten schon vor Jahrhunderten vergleichbare Vorläufer.

Kleve im Mittelalter war zwar in erster Linie eine Residenzstadt, doch nach und nach entwickelte sich auch die Kaufmannschaft. Friedrich Gorissen schreibt in seiner Dissertation: „Im Stadtrechtsprivileg von 1242 und in den späteren Bestätigungen dieses ältesten Stadtrechtsurkunde ist ausdrücklich die Rede von Kaufleuten und deren Recht auf freie Durchfahrt an den großen klevischen Flusszöllen. Das Stadttor am Ende der Kavarinerstraße hieß 1361 ‚Lombardentor‘ (porta Lombardorum), offensichtlich weil in dieser Straße Geldhändler (‚Lombarden‘) lebten; tatsächlich wird hier bereits 1342 ein offensichtlich aus Cahors in Südfrankreich stammender Hermann Kauwersin, der ein solcher Geldhändler gewesen sein dürfte erwähnt. Nach ihm, bzw. seiner Herkunftsstadt ist die Kavarinerstraße benannt worden.“

Das Handwerk in der Stadt war im 14./15. Jahrhundert in elf Gilden organisiert. In der ersten Gilde waren beispielsweise Bäcker, Brauer, Fettwarenhändler, Müller und Müllerknechte vertreten, in der sechsten die Gerber, Lederarbeiter und Schumacher, in der elften die Ackerleute und ihre Knechte. Die Gilden jeweils setzten Regelwerke auf, die es zu befolgen galt. So verpflichteten sich die Schuster, für einen Zeitraum von 101 Jahren weder vor dem Aufgang der Sonne noch nach deren Untergang bei Kerzenlicht Schuhe zu nähen. Verstöße wurden mit einem Bußgeld geahndet, das zu einem Drittel für den Bau der Stadtmauer verwendet wurde, zu einem Drittel den Richtern und Schöffen zufloss und zu einem Drittel der Gilde selbst.

Reichtümer konnten die Werktätigen nicht anhäufen, die meisten lebten am Rande des Existenzminimums. Wem selbst das nicht gelang, für den blieb das Gemeine Gasthaus am Brücktor, das sich der Armenfürsorge verschrieben hatte. (Daher rührt übrigens der heutige Straßenname Gasthausstraße – mit Gastronomie hat er nichts zu tun.)

Die Wirtschaft litt darunter, dass Kleve vom Hauptverkehrsweg der damaligen Zeit, dem Wasser, abgeschnitten war. Die Stadt hatte, so würde man es heute ausdrücken, ein Infrastrukturproblem. So günstig wie Lage am Hang für die Burg war, so ungünstig war die Entfernung vom Rhein für das Gewerbe. Im 14. Jahrhundert war Griethausen der Hafen von Kleve. Aber das Dorf war eine halbe Tagesreise entfernt.

Im ausgehenden Mittelalter wird in den Quellen dann erstmals der Spoykanal erwähnt – eben auch, weil in den Dokumenten aus der damaligen Zeit verzeichnet ist, dass er zeitweise nicht befahrbar war. Klar ist, dass die Wasserstraße, die Kleve auch einige Kilometer vom Rhein entfernt zu einer Hafenstadt werden ließ, ein Bauprojekt der städtischen Bürgerschaft war. Friedrich Gorissen berichtet, dass die Stadt 1432 den Antonitern in Hau eine jährliche Erbrente von zehn Gulden zusicherte – und dafür im Gegenzug sofort 200 Gulden erhielt, die zur Abtragung von Bauschulden benötigt wurden.

Die Verbindung war bis ins 17. Jahrhundert allerdings nur für kleine Kähne nutzbar, wenn überhaupt. Dann gab es eine erste Phase der Bautätigkeit in dessen Folge im Dezember 1658 „der Klevische Statthalter Johann Moritz von Nassau zu Schiffe nach s’Hage [fuhr] und bei dieser Gelegenheit der Erste die neu angelegte Spoyschleuse [passierte], wie ein Biograf des Fürsten berichtet.

Richtig voran ging es gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als der Spoygraben nochmals vergrößert und auch die Schleuse neu errichtet wurde. Der Bau kostete 72.000 Klever Taler, mit der Errichtung wurde der aus Amersfoort stammende Werkmeister Franz van der Leen beauftragt. Die Entlohnung war relativ einfach. Für jeweils 1000 gelegte Steine bekam er einen Dukaten. Am Ende waren es 350.000 Steine. Die Stadt übernahm auch die Verpflegung der Bauarbeiter, für sie gab es unter anderem insgesamt 25 Tonnen Bier. Die Frau des Baumeisters erhielt zudem einen silbernen Becher mit dem Klever Stadtwappen.

Die Schleuse in Brienen, um deren Erhalt sich jetzt auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bemüht, ist noch jüngeren Datums. Sie stammt aus dem 19. Jahrhundert – und ist die älteste erhaltene Schleuse in Deutschland. Zu Hochzeiten regelte sie den Durchlass für mehr als 600 Schiffe pro Jahr. Zurzeit ist das marode Bauwerk geschlossen. Selbst wenn die Schleuse saniert und wieder geöffnet werden sollte, hat sie für die Frachtschifffahrt keinen Nutzen mehr. Der Klever Hafen ist der Hochschule gewichen, die Wasserstraße bietet allenfalls noch Freizeitkapitänen die Möglichkeit, bis Kleve zu schippern.

Die Spoyschleuse im Jahre 1757. Ausschnitt einer Karte der Deichschau Kleverhamm des Landmessers Johann Heinrich Merner (Bild: Stadtarchiv Kleve)

Die Spoyschleuse im Jahre 1757. Ausschnitt einer Karte der Deichschau Kleverhamm des Landmessers Johann Heinrich Merner (Bild: Stadtarchiv Kleve)


Wohin am Wochenende (8)?

rd | 25. Februar 2017, 11:43 | 1 Kommentar
Dieses Gemälde von Jongsuk Yoon heißt Insomnia, und m.E. ist der Zustand der Schlaflosigkeit sehr gut getroffen

Dieses Gemälde von Jongsuk Yoon heißt Insomnia, und m.E. ist der Zustand der Schlaflosigkeit sehr gut getroffen (Foto: Museum Kurhaus)

Können wir heute ganz schnell machen. Für den einen Teil der Bevölkerung gibt es Züge (sonntags in Kranenburg und Schneppenbaum/Hasselt), montags in Kleve. Für den anderen Teil der Bevölkerung ebenfalls (stündlich um 12:21 Uhr, 13:21 Uhr; 14:21 Uhr etc.) ab Bahnhof (NordWestBahn, Preisauskunft nicht möglich). Und sonst? Wie wäre es mit:

Samstag, 20:30 Uhr: Globusdance (Culucu)

Die Musik der Welt gibt sich am Samstag, 20:30 Uhr, im Culucu (Rindern) die Ehre. Es darf getanzt werden!

Sonntag, 11:30 Uhr: Öffentliche Führung (Museum Kurhaus)

Das Museum Kurhaus zeigt zurzeit im Salon der Künstler ausgewählte Meister ihres Fachs aus der Region. Und dazu eine Werkschau der koreanischen Künstlerin Jongsuk Yoon (*1965, Onyang). Unter dem Titel „Mind Landscapes“ (Pfefferminzlandschaften) werden farbintensive Malereien und poetische Zeichnungen einen eigenständigen Kosmos ausbilden, in dem sich fernöstliche und europäische Einflüsse unlösbar vermischen. Das Museum schreibt: „Durch ihr Studium an den Kunstakademien Münster und Düsseldorf eng mit den Paradigmen der Moderne vertraut und gleichzeitig tief geprägt von den Traditionen ihres Herkunftslandes, insbesondere hinsichtlich der Landschaftsdarstellungen, verschmilzt die Künstlerin die disparaten Welten zu eindringlichen Bildmetaphern zwischen Traum und Realität.“ Die Führung durch all das, von Brigitte Alex angeboten, ist kostenlos und dauert ca. eine Stunde.

(Das mit den Pfefferminzlandschaften ist ein Karnevalsscherz der Redaktion.)


Hendricks und der Veggie-Zwang

rd | 24. Februar 2017, 17:36 | 33 Kommentare
Barbara Hendricks

Medienumtost: Barbara Hendricks

Dann ist ja alles wieder gut

Dann ist ja alles wieder gut

Sie rettet (vielleicht) das Weltklima, sie kämpft für bezahlbaren Wohnraum, sie bringt die Bauern mit ein paar flapsigen Sprüchen auf die Palme und holt sie wieder runter – und nebenbei füllt unsere Umweltministerin Dr. Barbara Hendricks auch noch die Schlagzeilen des Boulevards, allerdings mit einem reichlich absurden Thema: Wie die Bild-Zeitung zunächst exklusiv berichtete und seitdem mit einigen Übertreibungen und Verdrehungen fortführte, herrscht im Bundesumweltministerium der Zwang, sich vegetarisch zu ernähren.

Naja, fast.

Streng genommen handelte es sich nur um einen Hinweis an die Caterer, die das Haus zu Veranstaltungen heranzieht, nur vegetarische Kost zu liefern. So ein bisschen Symbolpolitik für die Gäste des Haus also (mit gutem Beispiel vorangehen, Umweltministerium = Fleischverzicht).

Was die Ministerin auch brav erläuterte: „Das BMUB schreibt niemandem vor, was er oder sie essen soll. Das ist jedermanns und jederfraus private Entscheidung. Deshalb bietet die öffentliche Kantine des BMUB Menüs mit und ohne Fleisch an. So soll es auch bleiben. Bei Veranstaltungen des BMUB im eigenen Haus, zu denen wir selber Gäste einladen wollen wir jedoch in Zukunft ein klares Zeichen in Richtung Klimaschutz setzen. Wir bevorzugen deshalb bei der Bewirtung unserer Gäste saisonale und regionale Lebensmittel mit kurzen Transportwegen, die aus ökologischem Landbau stammen, und verzichten auf Fisch- und Fleischprodukte. Damit verbieten wir niemandem, Fleisch oder Fisch zu essen, auch unseren Gästen nicht. Aber als Gastgeber bei Veranstaltungen unseres Hauses entscheiden wir selbstverständlich, was auf den Tisch kommt – so wie jeder Gastgeber das tut. Niemand wird bevormundet, wenn er als Gast mit Speisen bewirtet wird, die der Gastgeber für ihn ausgewählt hat – egal, ob mit Fleisch oder ohne.“

Mitarbeiter des Hauses können also auch weiterhin der Fleischeslust frönen, die Kantine bietet jedenfalls nicht nur Vegetarisches. Doch aktuell schaffte es die Ministerin trotz gegenteiliger Faktenlage sogar bis in die Rubrik „Verlierer des Tages“ – weil die Kantine des Ministeriums freitags keinen Fisch im Angebot habe (was aber weder für den Ministeriumsstandort Bonn noch für den in Berlin stimmte).

Eine gute Zusammenfassung liefert Bildblog: Nicht Fisch, nicht Fleisch

Der Ministerin hingegen sei eine alte Presseweisheit ans Herz gelegt: Nächste Woche wird eine andere Sau durchs Dorf gejagt.


Mögen die Spiele beginnen!

rd | 23. Februar 2017, 13:15 | 2 Kommentare
Heidewitzka, Herr Kapitän!

Heidewitzka, Herr Kapitän!


Speichen sollst du weichen!

rd | 21. Februar 2017, 14:54 | 10 Kommentare

Die Ringstraße auf dem Weg zur radfahrerfreundlichen Verkehrsader, Etappe 1: Fort mit den Bäumen!

USK-Sägen auf all deinen Wegen: Radfahrers Freud, Laubbaums Leid (Foto: B. Pauls)

USK-Sägen auf all deinen Wegen: Radfahrers Freud, Laubbaums Leid (Foto: B. Pauls)


So viel passiert meistens doch nicht

rd | 21. Februar 2017, 10:09 | 5 Kommentare

Every NYT front page since 1852 from Josh Begley on Vimeo.

Alle Titelseiten der New York Times seit 1852 im 52-sekündigen Schnelldurchlauf…


Schulentwicklung: 4 Kisters-Züge, und alles wird gut?

rd | 20. Februar 2017, 18:30 | 23 Kommentare

Die aktuelle Pressemitteilung der Stadt Kleve – vier Züge an der Karl Kisters Realschule als Happy End?

Auf der Grundlage der derzeitigen Diskussionen in der Elternschaft, Politik und Verwaltung, angesichts der nun aktuellen zu verteilenden  537 Schülerinnen und Schülern wird die Bürgermeisterin Sonja Northing von der ihr eingeräumten Befugnis, im Schuljahr 2017/2018 an der Karl Kisters Realschule vier Eingangsklassen festzusetzen, Gebrauch machen. Die Bürgermeisterin möchte die in ihrer Entscheidungsbefugnis bestehenden Möglichkeiten ausschöpfen und dem Elternwillen Rechnung tragen.
Der Rat der Stadt Kleve hatte am 09.11.2016 und 28.11.2016 folgende Zügigkeiten festgelegt
Die Karl Kisters Realschule wird dreizügig

Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium bleibt dreizügig

Das Konrad-Adenauer-Gymnasium bleibt dreizügig

Die Gesamtschule Rindern wird fünfzügig

Die Sekundarschule wird zum 01.08.2017 in eine fünfzügige Gesamtschule umgewandelt
Für die zu verteilenden 537 Schülerinnen und Schüler ist eine Klassenfrequenzstärke von 27 zugrunde zu legen und ermöglicht bei einem errechneten Wert von 19,88 die Bildung von mehr als die festgelegten 19 Eingangsklassen. Daher ist eine Vierzügigkeit der Karl Kisters Realschule möglich 
Für weitere Eingangsklassen ist ein entsprechender Ratsbeschluss erforderlich, welcher der Rat der Stadt Kleve in einer Sondersitzung am 02.03.2017 herbeiführen könnte. Die Bürgermeisterin hat in diesem Fall keine eigene Entscheidungsbefugnis und ist somit an den Beschluss des Rates der Stadt Kleve vom 09.11.2016 gebunden. Eine andere Zügigkeit ist daher nur im Wege eines neuen Ratsbeschlusses möglich.
Die im Ratsbeschluss vom 28.11.2016 festgelegte Voraussetzung, dass 21 Züge für die weiterführenden Schulen notwendig sind, könnte dadurch erreicht werden.


Schul-Lotto stoppen! Eltern schreiben offenen Brief, planen Demo vor Rathaus

rd | 20. Februar 2017, 12:42 | 26 Kommentare
Vieles hat sich geändert, seit die Niederrheinische Schulbankfabrik Heinrich Hübecker Anfang des 20. Jahrhunderts ihre „schwellenlose Schulbank“ auf den Markt brachte. Schwellen und Hemmschwellen, so scheint es, gibt es trotz weiter veränderten Mobiliars immer noch

Vieles hat sich geändert, seit die Niederrheinische Schulbankfabrik Heinrich Hübecker Anfang des 20. Jahrhunderts ihre „schwellenlose Schulbank“ auf den Markt brachte. Schwellen und Hemmschwellen, so scheint es, gibt es trotz weiter veränderten Mobiliars immer noch

52 Kinder aus Kleve, Kranenburg und Bedburg-Hau werden im Sommer nicht auf die Schule gehen können, die die Eltern für sie wünschen. Das ist knapp jeder zehnte Schüler, eine ganze Menge also. Statt dessen, so die Stadt Kleve in einer Pressemitteilung von vergangener Woche, „haben [die Eltern] die Möglichkeit, ihr Kind bis zum 03.03.2017 an der Gesamtschule in Kleve-Rindern oder der Gesamtschule Oberstadt anzumelden“.

Dieser Hinweis aber löste ein Beben aus – vielleicht am besten zu ersehen an einem offenen Brief, den Eltern versandten und der deshalb hier in voller Länge nachzulesen ist:

Willkommen bei der Schullotterie – Klever Stadtrat spielt das „Spiel des Lebens“ mit 300 Grundschülern!!!

Wer in Kleve schulpflichtige Kinder hat, benötigt schon eine hohe Frusttoleranz und eine große Leidensfähigkeit. Die Schulpolitik in Kleve erscheint doch vielen mehr wie eine Achterbahnfahrt als ein durchdachtes Konzept von schulischen Möglichkeiten. Von hü nach hott, von links nach rechts und dann wieder eine Kehrtwende. Und wir Eltern sollen treu und möglichst still allen Wendungen folgen!

Erst werden gut funktionierende Schulen abgeschafft, dann eine neue Sekundarschule eröffnet und bevor sich diese etablieren kann, wird sie wieder abgeschafft, oder nein, erweitert und umbenannt in Gesamtschule, die aber von Eltern gar nicht gewünscht wurde. Planungssicherheit für die Schülerinnen und Schüler, für Eltern, für Lehrer und Schule: Fehlanzeige! Der Elternwille zählt – nur in Kleve nicht?! Das Affentheater im November in der Diskussion um die Sekundarschule ist uns allen noch sehr präsent.

Der Eindruck eines schlechten Treppenwitzes verstärkt sich jetzt wieder. Da wird der Realschule zugesichert, bei entsprechender Anmeldezahl vierzügig zu laufen, dem Freiherr- vom-Stein-Gymnasium wird es – wie in den letzten Jahren – ebenfalls in Aussicht gestellt und auch  die Gesamtschule in Rindern konnte von einer 6-Zügigkeit ausgehen. So ein entsprechender Ratsbeschluss mit einer beiläufigen Ausstiegsklausel. Und jetzt – die Anmeldezahlen sprechen eine mehr als deutliche Sprache, gelten Zusagen von jetzt auf gleich nicht mehr. – Dass es für etwa 50 Kinder am Ende heißen wird: „Schade, leider verloren, aber auf diese Schule kannst Du jetzt nicht gehen!“

Und dass bis dahin etwa 300 Familien in völliger Unsicherheit darüber gelassen werden, ob ihr Kind nicht eines von 50 ist. Das Losverfahren entscheidet dann, welche Schule es wird? Aber in der Lostrommel befinden sich keine Zettel, sondern junge, „echte“ Menschen, mit deren Biographien bereits jetzt „Das Spiel des Lebens“ gespielt wird: „Gehen Sie nicht über Los, ziehen Sie nicht…“

Monatelang haben sich Kinder, Eltern und Lehrer Gedanken über die richtige Schule gemacht. Grundschullehrer haben die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Gutachten dokumentiert und in Gesprächen zur richtigen Schulform beraten. Die weiterführenden Schulen haben beim Tag der offenen Tür ihre Profile und Angebote dargelegt. Die Individualität der Schulen hat bei den Eltern und ihren Kindern zu der Entscheidung geführt, sich an „ihrer“ Wunschschule anzumelden.

All das spielt nun keine Rolle mehr. Das Los entscheidet.

Damit nicht genug: Diese Entscheidung wird „Schule machen“, sich etablieren und auch 2018, 2019 und alle folgenden Jahrgänge betreffen. Die Konsequenz daraus: Achtjährige oder neunjährige Schulzeit? – Das Los entscheidet! Ganztag oder Halbtag? – Das Los entscheidet! Geschwisterkinder auf zwei oder mehr Schulen? – Das Los entscheidet! Wir fordern: Kein Lotteriespiel mit unseren Kindern! Machen Sie Ihre Entscheidungen rückgängig!

Für besorgte Eltern: Familie Bleckmann, Chris Feige, Familie Spicker, Familie Lachmann, Familie Lange, Bettina Gerlach, Familie Heyne uvm

Die Demonstration der Eltern soll am Dienstag um 15 Uhr vor dem Interimsrathaus stattfinden.

Hier zur Dokumentation die Pressemitteilung der Stadt Kleve:

Schulentwicklung – Zügigkeiten der weiterführenden Schulen für das Schuljahr 2017/2018

Am 10.02.2017 endete das Anmeldeverfahren der weiterführenden Schulen in Kleve. Nach Auswertung der Zahlen mit den Schulleitungen der weiterführenden Schulen unter dem Vorsitz der Bürgermeisterin Sonja Northing wurden die vom Rat der Stadt Kleve am 09.11.2016 und 28.11.2016 festgelegten Zügigkeiten der weiterführenden Schulen wie beschlossen umgesetzt.

  • Die Karl Kisters Realschule wird dreizügig
  • Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium bleibt dreizügig
  • Das Konrad-Adenauer-Gymnasium bleibt dreizügig
  • Die Gesamtschule Rindern wird fünfzügig
  • Die Sekundarschule wird zum 01.08.2017 in eine fünfzügige Gesamtschule umgewandelt

565 Schülerinnen und Schüler aus Kleve, Kranenburg und Bedburg Hau sind an den weiterführenden Schulen aufzunehmen. 34 Schülerinnen und Schüler haben sich an Schulen außerhalb von Kleve angemeldet bzw. sind aus Kleve verzogen. 15 Schülerinnen und Schüler sind aus anderen Gemeinden in Kleve angemeldet worden. Somit sind insgesamt 546 Schülerinnen und Schüler zu verteilen.

Für diese zu verteilenden 546 Schülerinnen und Schüler ist eine Klassenfrequenzstärke von 27 zugrunde zu legen und ermöglicht bei einem errechneten Wert von 20,22 die Bildung von lediglich 20 Zügen. Die Aufnahme eines vierten Zuges durch die Karl Kisters Realschule wäre nur bei der erforderlichen Bildung von 21 Zügen möglich gewesen.

Die Anmeldezahlen für das Freiherr-vom-Stein Gymnasium (103), das Konrad-Adenauer-Gymnasium (100) und die Karl Kisters Realschule (110) sind mehr als ausreichend, so dass der Ratsbeschluss vom 09.11.2016 hinsichtlich einer Dreizügigkeit umgesetzt werden kann. Die Schulleitungen werden nun die jeweiligen Anmeldungen sichten und die Zusagen in der kommenden Woche verschicken. Aufgrund der Begrenzung auf die Dreizügigkeit können, obwohl die Schulen bis zur Kapazitätsgrenze in Höhe von 29 Schülerinnen und Schüler je Eingangsklasse aufnehmen werden, nicht alle Anmeldungen (52) eine Zusage erhalten.

Die Eltern, die darüber informiert werden, dass ihr Kind nicht an der gewünschten Schule angenommen werden kann, haben die Möglichkeit, ihr Kind bis zum 03.03.2017 an der Gesamtschule in Kleve-Rindern oder an der Gesamtschule Oberstadt anzumelden.

Die beiden Gesamtschulen können gemäß Ratsbeschluss vom 09.11.2016 jeweils fünf Eingangsklassen bilden. An der Gesamtschule Kleve-Rindern haben sich 114 und an der Gesamtschule Oberstadt 92 Schülerinnen und Schüler angemeldet.


Dr. Heinrich Martens, 1932-2017

rd | 18. Februar 2017, 13:13 | 15 Kommentare
Dr. Heinrich Martens (Foto: Familie)

Dr. Heinrich Martens (Foto: Familie)

Dr. med. Heinrich Martens kannte mich lange Jahre besser als ich mich selbst, davon gehe ich zumindest aus. Für mich, als Kind, gab es Gott – der wusste alles –, dann kam lange nichts, und dann kam Dr. Martens. Meine Eltern wandten sich frühmorgens oder spätabends an ihn, wenn ich fieberte oder hüstelte. Selbstverständlich war er auch nach Praxisschluss zu Hause privat erreichbar, wenn die Eltern im Angesicht eines wimmernden Kindes nicht mehr weiter wussten. Es konnte gut sein, dass er sich dann noch eben in seinen silbernen Mercedes setzte und das Haus des Patienten ansteuerte, um persönlich den Genesungsprozess in Gang zu setzen.

Meiner Erinnerung nach, die an dieser Stelle zugegebenermaßen anekdotisch ausfällt, ließen sich die meisten Leiden meiner Kindheit mit drei Varianten von Säften behandeln: Melrosun, Gelonida und Ferro infant. Die Wahl zwischen den ersten Säften wurde getroffen, je nachdem, ob meine Mutter „etwas Natürliches“ einforderte oder die scheinbare Schwere der Erkrankung den Einsatz von „Chemie“ nötig machte. Manchmal wurde mir im Labor per Piekser in den Zeigefinger Blut entnommen. Wenn die Probe mal wieder zu wenig Eisen enthielt, erhielt ich „Ferro infant“.

Dr. Martens arbeitete und arbeitete und arbeitete.

Eine Serie von Hausbesuchen absolvierte er vor der morgendlichen Sprechstunde, eine weitere vor der nachmittäglichen. Das Wartezimmer war immer voll, meine Mutter gab mir den Tipp, so lange wie möglich die Kindersprechstunde am Dienstag zu nutzen – „da kommst du schneller dran“. Irgendwann wurde das natürlich peinlich, und ich wechselte in die Welt der Großen, inklusive der großen Welt, die sich mir darbot in den Zeitschriften des Lesezirkels. Ich bevorzugte die Illustrierte „Quick“ und war immer etwas vergrätzt, wenn ein anderer Patient sie mir weggeschnappt hatte.

Die Wartezeiten erschienen mir jungem Mann schier unendlich. Termine wurde nicht vergeben, es ging stur der Reihe nach, was dazu führte, dass es frühmorgens regelrecht einen Wettlauf zum Wartezimmer gab, das geraume Zeit vor Beginn des eigentlichen Praxisbetriebs geöffnet wurde.

Der Heilungsprozess setzte ein, sobald die Sprechstundenhilfe den Namen ins Wartezimmer rief. Auch im Vorzimmer herrschte ein lebhafter Betrieb. Zwei rote Stühle vor den Behandlungszimmern waren die nächste Etappe, die es zu erobern galt. Sie waren die Vorstufe zu dem Eintritt in eines der beiden Sprechzimmer, die durch eine Verbindungstür getrennt waren, sodass Dr. Martens hin- und herwirbeln konnte.

Saß man – endlich – in einem der beiden Behandlungszimmer, schweifte der Blick über dicht gefüllte Bücherregale mit medizinischer Fachliteratur. Man wusste sofort: Hier kann mir nichts Schlimmes passieren! Dann rauschte auch schon die Verbindungstür auf. Und rumms!, schloss sie sich hinter Dr. Martens, der unter seinem weißen Kittel gerne einen gelben Pullunder mit V-Ausschnitt trug.

Ein fester Händedruck, ein freundlicher Blick, Oberkörper freimachen, kurz abhorchen oder abtasten – all dies in dem sicheren Gefühl, das vor einem der versierte Körperfachmann stand, der das schwächelnde Gewebe zu reparieren verstand. Dr. Martens nahezu unveränderlicher Gemütszustand war unverwüstliche Zuversicht. In Windeseile stand die Diagnose – natürlich nichts Ernstes, kein Krebs, Gott sei Dank! –, ein Rezept wurde ausgestellt und man war wieder auf dem Rückweg in die glückliche Gemeinschaft der Gesunden.

In meinen Jungmannjahren gab es bei meinen Besuchen in der Praxis stets noch ein, zwei freundliche Sätze für den weiteren Lebensweg. Beispielsweise erinnere ich mich, wie Dr. Martens, frisch zurückgekehrt von einer Reise nach China, mir berichtete, dass dort der Kommunismus die einzig mögliche Herrschaftsform sei. Oder, dass er abends vor dem Schlafengehen noch stets eine Stunde lese, was er auch mir empfahl – und was mir angesichts seines Arbeitspensums geradezu phänomenal erschien.

Nur wenig war bekannt über den privaten Menschen Dr. Martens. Er sammelte Oldtimer, jede Form von Luxus aber blieb ihm zeitlebens fremd. In den Pausen des Praxisbetriebs konnte man ihm schon mal eine Zigarette rauchen sehen. Manchmal fuhr er mit Klever Freunden auf die Lofoten, um dort auf hoher See zu angeln. Als es ihm noch besser ging, spazierte er auch gerne sonntags durch den Klever Forstgarten, in Begleitung seiner Frau Adelheid, ebenfalls Ärztin und auch in der Praxis aktiv.

Vor vielen Jahren erlitt Dr. Martens einen schweren Herzinfarkt und musste wochenlang in Aachen im Uniklinikum behandelt werden. Aber er erholte sich davon und arbeitete einige Zeit später wieder wie gewohnt.

Heinrich Martens stammte aus einfachen Verhältnissen, Kinderfreunde aus Kleve nannten ihn wegen seiner roten Haare und nach der Familie seiner Mutter „de rooie Does“. Er studierte nach dem Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Köln und Freiburg Medizin und arbeitete zunächst in Krankenhäusern in Freiburg, Heinsberg und Paderborn, bevor er 1963 seine Praxis an der Hoffmannallee eröffnete. Vor einigen Jahren übergab er sie an seinen Sohn Christian.

Zehn Tage vor seinem 85. Geburtstag ist Heinrich Martens in der vergangenen Woche nach einem erfüllten Leben friedlich entschlafen. Er hinterlässt Frau und drei Kinder. Über seine Todesanzeige stellte die Familie den lateinischen Sinnspruch „Aliis inserviendo cresco, floreo“. Übersetzt heißt das: Indem ich anderen diene, wachse und blühe ich.

Dr. Martens war nicht ein Hausarzt, er war der Hausarzt schlechthin.


Wohin am Wochenende? (7)

rd | 17. Februar 2017, 14:46 | 1 Kommentar
Fehlt wegen einer Muskelverletzung, hätte also Zeit, ins Museum zu gehen: Merkur-Point-Guard Artur Kerenker (Foto: Klaus-Dieter Stade/Rheinische Post)

Fehlt wegen einer Muskelverletzung, hätte also Zeit, ins Museum zu gehen: Merkur-Point-Guard Artur Kerenker (Foto: Klaus-Dieter Stade/Rheinische Post)

(Achtung, Termin Puppa korrigiert, ist bereits heute) Freunde der schönen Künste, die sich zudem an athletischen Männerkörpern delektieren, gerne mal ein bisschen Blues hören – und im Akkordeon das „männliche Prinzip“ erkennen, werden an diesem Wochenende schier verrückt! (Wenn sie es nicht schon sind.)

Der Reihe nach:

Freitag, 19:30 Uhr: Salon der Künstler (Museum Kurhaus)

Alle fünf Jahre präsentiert das Museum Kurhaus einen Querschnitt durchs hiesige Kreativpotenzial, wobei „hiesig“ mit künstlerischer Leichtigkeit definiert wird – beispielsweise hat die Barbara Schroeder, eine der ausgewählten Künstlerinnen, zwar Klever Wurzeln, lebt aber seit vielen Jahren in der Nähe von Bordeaux. Ausgewählt wurden die Künstler von einer vierköpfigen Jury (Bettina Paust (Museum Schloss Moyland), Stephan Mann (Museum Goch), Harald Kunde (Museum Kurhaus Kleve) und Susanne Figner (Museum Kurhaus Kleve)), zu sehen sind neben der bereits erwähnten Barbara Schroeder Rita Beckmann, Jacintha Bierens, Britta Bogers, Monika Buchen, Zhenia Couso Martell, Brigitte Dams, Eun Young Lee, Caroline Koenders, Malte Lambert, Anke Land, Pier Pennings, Miranda Rikken, Lique Schoot, Elly Sloep, Barbara Schroeder und Dini Thompsen. Die Eröffnung ist am Freitagabend um 19:30 Uhr, die Ausstellung selbst wird bis zum 1. Mai zu sehen sein. Einen guten Überblick liefert der Artikel von Claudia Groenewald in der NRZ: Museum Kurhaus macht die Poesie des Alltags sichtbar.

Freitag, 21 Uhr: Harp Mitch (Tanzpalast Bresserberg)

Der Niederländer zelebriert seit vielen Jahren als Harpplayer mit exzellenter Band den Blues aus den letzten 50 Jahren. Von den Blueslegenden Little Walter, George „Harmonica“ Smith bis hin zu der neuen Generation wie Rod Piazza und Rick Estrin sowie eigenen Kompositionen weiß er sein Publikum zu begeistern. Der Einlass ist bereits um 20 Uhr. Die Eintrittskarten sind unter anderem bei der Tourist Info erhältlich. (Eine Veranstaltung der Klangfarbe, Eintritt 10 Euro (Vorverkauf), 12 Euro (Abendkasse))
Samstag, 18:15 Uhr: VfL Merkur Kleve – TG Düsseldorf II (Stein-Gymnasium)

Gerne erinnert sich die Mannschaft des VfL Merkur Kleve noch an ihren ersten von insgesamt (bisher) drei Saisonsiegen: Zu fünft, in kleinstmöglicher Besetzung also, war man nach Düsseldorf gefahren, und einer der fünf Spieler war noch eine Ergänzung aus der zweiten Mannschaft, der dort kaum eingesetzt worden war. Das Ziel war: irgendwie die 40 Minuten herumkriegen, Hauptsache, den Punktabzug fürs Nichtantreten vermeiden! Stattdessen besiegte die Klever Rumpftruppe die TG Düsseldorf II. Jetzt steht das Rückspiel in heimischer Halle an. Es dürfte genauso spannend werden, denn sowohl die Klever wie auch die Düsseldorfer zeigten sich in den letzten Begegnungen deutlich verbessert. Das Spiel beginnt um 18:15 Uhr, wer nicht live in der Halle sein kann, kann das Spiel auch mit dem WBV-League-Pass online schauen.
Sonntag, 18:00 Uhr: Schöne Müllerin (Kirche Böllenstege)

Traditionell entwerfen die versierten Instrumentalisten des „Ensemble Musikfabrik“ eigene Kammermusikprojekte. „In die Tiefe der Zeit“ tauchen vier Musiker und ein Sprecher beim Konzert der „Besonderen Reihe“ am Sonntag, 19. Februar, 18 Uhr, in der Kleinen Kirche an der Böllenstege. Dabei steht Schuberts „Schöne Müllerin“ in einer Version für Viola und Akkordeon mit Gedichtrezitationen aus dem Liederzyklus in einem neuen Kontext mit zeitgenössischen Werken. Auch die Kompositionen von Klaus Huber, Georges Aphergis und Toshio Hosokawa setzen sich mit der Natur und dem Menschen auf Wanderschaft auseinander.
Der Bratscher Axel Porath hat das Programm konzipiert. Zusammen mit der Akkordeonistin Margit Kern, die Schuberts Lieder für Viola und Akkordeon bearbeitet hat, zieht er Schuberts Musik als romantisch-visionären Faden durch das intensive Konzertprogramm. Müllers Gedichte, die Schubert in seinem berühmten Liedzyklus vertonte, werden vom Schauspieler und Sprecher Bernt Hahn verlesen. Zeitgenössische Reflexionen zur Natur als Sinnbild für Seelenzustände bieten im Wechsel damit „Winter Seeds“ („Wintersamen“) von Klaus Huber für Streichtrio und Akkordeon, Georges Aperghis‘ „Faux Mouvement“ für Streichtrio und schließlich die titelgebende Komposition „In die Tiefe der Zeit“ von Toshio Hosokawa. Der Japaner komponiert nach eigenen Worten wie ein Gärtner und in Korrespondenz mit der Natur, stellt hier in der Viola und dem Akkordeon das männliche und das weibliche Prinzip gegeneinander – wie auch Schubert von unglücklicher Liebe erzählt, vom Werden und Vergehen von Mensch und Natur. Hosokawa sieht – wie die Romantiker auch – jeden Klang als Landschaft mit Farben und Schattierungen. Seine Einladung an den Hörer lautet: „Nehmen Sie sich Zeit, die Kraft von Stille und Energie in dieser Musik auf sich wirken zu lassen!“ Mit von der Partie im Konzert sind die Geigerin Hannah Weirich und der Cellist Dirk Wietheger mit seinem kostbaren Testore-Violoncello (Mailand, Anfang 18. Jahrhundert).


Hochschule Rhein-Waal: Prof. Meijer tritt als Hochschulratsvorsitzender zurück!

rd | 17. Februar 2017, 03:37 | 10 Kommentare
Anfang des Jahres erhielt Prof. Gerardus Meijer den höchsten zivilen Verdienstorden der Niederlande: „Ritter im Orden des niederländischen Löwen“. Jetzt trat er als vorsitzender des Klever Hochschulrats zurück (Foto: HSRW)

Anfang des Jahres erhielt Prof. Gerardus Meijer den höchsten zivilen Verdienstorden der Niederlande: „Ritter im Orden des niederländischen Löwen“. Jetzt trat er als vorsitzender des Klever Hochschulrats zurück (Foto: HSRW)

(Aktualisiert, jetzt mit der Pressemitteilung am Ende des Textes) Diese Brüskierung konnte und wollte sich Prof. Gerardus Meijer nicht gefallen lassen: Eine Woche, nachdem aus fadenscheinigen Gründen die Besetzung der Kanzler-Stelle ab der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) torpediert wurde, legte der renommierte Wissenschaftler nach kleveblog-Informationen sein Amt als Vorsitzender des Hochschulrats nieder und trat zurück! Eine Stellungnahme der Hochschule soll in Kürze dazu veröffentlicht werden.

Der niederländische Wissenschaftler, seit 2014 Vorsitzender des Hochschulrats, durfte in der hektischen und überbordenden Gründungsphase der HSRW als der weltläufige Gegenpol zur Gründungspräsidentin mit ihrer mediokren Klüngelpolitik gelten. Prof. Meijer mühte sich nach Kräften, mit seinem Gremium (das gewissermaßen als Aufsichtsrat der Hochschule zu verstehen ist) das Profil der Hochschule zu schärfen – in Richtung Hochschule, und vielleicht ein bisschen weniger in Richtung Selbstbedienungsladen.

Das Standing dazu hatte der Mann zweifelsohne: Er kam von der Max-Planck-Gesellschaft, war bis Ende vergangenen Jahres Präsident der Radboud-Universität in Nimwegen und leitet seit Anfang 2017 das Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin. Um es einmal mit einem Vergleich auszudrücken: Dass der Molekularphysiker sich für die junge Hochschule in Kleve engagierte, war etwa so, als wenn Pep Guardiola beim 1. FC Kleve die Nachwuchsarbeit koordinieren würde.

Was allerdings – vorsichtig ausgedrückt – nicht jeder so zu schätzen wusste.

Meijer hatte bereits die Weichen gestellt, als es um die Nachfolge der Gründungspräsidentin Marie-Luise Klotz ging. Die Frau, die in den ersten Jahren das Gesicht der Hochschule war, hatte ein System etabliert, in dem es reichlich Gelegenheit gab, sich etwas dazuzuverdienen. Das bekannteste Beispiel – auf dieser Website mehrfach vorgestellt – war das Unternehmen Scientific Freshers der Professoren Thorsten Brandt und Dirk Untiedt.

Die Scientific Freshers GmbH erfüllt keine Hochschulaufgaben, sondern verhilft (vor allem) Chinesen gegen Geld zu einer Art Express-Abitur. Dennoch erhielt das Unternehmen von Klotz den privilegierten Status eines AN-Instituts der HSRW. Juristen staunten. Das Geschäft florierte. Die geschäftstüchtigen Professoren gründeten schon bald eine eigene Verwaltungsgesellschaft für die frisch erworbenen Immobilien (Scientific Freshers Real Estate GmbH) und haben mittlerweile als neues Geschäftsfeld die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge entdeckt. Es gibt Gerüchten zufolge Pläne, große Teile des Landesklinik-Geländes in Bedburg-Hau zu kaufen.

Die Günstlingswirtschaft der Gründungspräsidentin fand allerdings ein abruptes Ende, als 2015 bei der anstehenden Wahl nicht sie, sondern die bis dato in Kleve gänzlich unbekannte Wissenschaftlerin Dr. Heide Naderer in einem umtosten Verfahren zur neuen Chefin der Hochschule gewählt worden war. In der fraglichen Versammlung waren die Klever Verwaltungsspitze (der damalige Bürgermeister Theo Brauer, Kämmerer Willibrord Haus und Beigeordneter Jürgen Rauer) wie die Führung des Kreises (Wilfried Suerick, Wolfgang Spreen), um Stimmung für Klotz zu machen. Allein, es half nicht.

Mit dem Amtsantritt von Naderer ist es an der Hochschule merklich ruhiger geworden – es passiert zwar immer noch sehr viel, aber der kinderkarnevaleske Einschlag der frühen Jahren ist sehr zurückgedrängt. Doch unter der Oberfläche wirken noch die alten Netzwerke, die die Hochschule als „ihr Ding“ betrachten. Und diese Kräfte ließen vor einer Woche bei der Kanzlerwahl überraschenderweise die Muskeln spielen. Die Wahl sollte eigentlich nur eine Formsache sein, da das Vorgehen der Findungskommission unter Vorsitz von Prof. Meijer mit allen Beteiligten abgestimmt war.

Als dann die Wahl anstand, kam es zum Eklat: Ein Mitglied des Wahlgremiums bemängelte urplötzlich, dass nur ein Kandidat zur Abstimmung vorgelegt worden sei. Andere Mitglieder folgten überraschenderweise dieser Ansicht, sodass in der Abstimmung nicht die erforderliche Stimmenzahl erreicht wurde.

Unter den Sechsunddreißig Strategemen (三十六計), die dem chinesischen General Tan Daoji († 436) zugeschrieben werden, lautet das mit der Nummer 26: Die Akazie schelten, dabei aber auf den Maulbeerbaum zeigen. Die Mehrheit in einer der beiden „Kammern“, die den neuen Kanzler hätte wählen sollen, zeigte auf den Kandidaten. Aber der Angriff richtete sich gegen Prof. Meijer.

Der Niederländer zog jetzt die Konsequenz aus dieser Brüskierung und verlässt erhobenen Hauptes den Hochschulrat und kommt so einem möglicherweise zermürbenden Kleinkrieg in den akademischen Niederungen des Niederrheins zuvor. Dann lieber an der Spree Moleküle erforschen. Die Hochschule jedoch verliert einen klugen Kopf.

Hier die Pressemitteilung der Hochschule im Wortlaut:

Prof. Dr. Gerard Meijer tritt als Mitglied und Vorsitzender des Hochschulrates zurück

Kleve/Kamp-Lintfort, 16. Februar 2017: Prof. Dr. Gerard Meijer hat mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt als Mitglied des Hochschulrates der Hochschule Rhein-Waal sowie als dessen Vorsitzender erklärt. Professor Meijer teilte dies dem Staatssekretär im Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen Dr. Thomas Grünewald mit und setzte Präsidium und Hochschulrat darüber in Kenntnis.

Die Hochschulpräsidentin Dr. Heide Naderer und der Senatsvorsitzende Prof. Dr. Achim Kehrein nahmen die Entscheidung Professor Meijers zur Niederlegung seines Amtes mit großem Bedauern zur Kenntnis und danken ihm für seine umfangreiche und sehr engagierte Arbeit für die Hochschule. Professor Meijer leitete den Hochschulrat der Hochschule Rhein-Waal seit Mai 2014.

Laut § 5 Abs. 1 der Grundordnung der Hochschule Rhein-Waal besteht der Hochschulrat aus sechs externen und vier internen Mitgliedern. Nach § 22 Abs. 4 HG NRW wird nun ein Auswahlgremium, bestehend aus zwei Mitgliedern des Hochschulrates, zwei Mitgliedern des Senats und einer/einem Vertreter/in des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, gebildet. Dieses Gremium sucht dann eine/n Nachfolger/in, die/der für die Dauer der noch verbleibenden Amtszeit von Professor Meijer in den Hochschulrat rückt. Der Vorschlag wird dann zur Bestätigung in den Senat und anschließend zur Zustimmung an das Ministerium gegeben. Im Anschluss erfolgt die Bestellung durch das Ministerium.

Zusätzlich zu der Wahl eines neuen Hochschulratsmitglieds muss ein neuer Vorsitzender des Hochschulrates gewählt werden. Bis zur Wahl des neuen Vorsitzenden übernimmt Hochschulratsmitglied Prof. Dr. Robert Renner, Professor für Gesundheitsförderung und Ernährung an der Hochschule Rhein-Waal, stellvertretend den Vorsitz im Hochschulrat. Der Hochschulrat hat seine nächste Sitzung in der kommenden Woche.


10 Jahre kleveblog! 8. Diese verdammten Rätsel

rd | 16. Februar 2017, 14:10 | 3 Kommentare

Relativ früh kam die Redaktion auf die Idee, die versammelte Leserschaft mit hirnrissigen, abstrusen, unlösbaren und dadaesken Rätseln zu quälen. Das Kreuzworträtsel im SZ-Magazin ist Kindergarten im Vergleich zu den labyrinthischen Hirnwindungen, die beschritten werden mussten, um die Gedankenverirrungen hinter den Aufgaben zumindest ansatzweise nachvollziehen zu können. Hier ein Überblick aus den vergangenen zehn Jahren – ohne Frage, aber dafür mit Lösung, was natürlich schon wieder neue Rätsel aufwirft:

Dali? Oder doch nur Daute?

Lösung: cinque-Sommernacht

Holzbank, Plastiktasse, Butterkeks…

Lösung: Einschulung

Nie gesehen

Lösung: Whisky-Saloon

Rätselhafte Realität, manchmal

Lösung: Karl Malone

In the year 67? Or 69? Or 65?

Lösung: wahrscheinlich 1967

Lösung: Dreimaster (drei Master) (Foto: J. Schäfer)

Lösung: Dreimaster (drei Master) (Foto: J. Schäfer)

Adria. Eiger. Impresa. Ici. Excalibur. Onderneming. Gemini. Vilgir.
(Lösung: Am Rhein)


Gute Nachrichten zur Wochenmitte (2): Volksbank erhält höchste Fördersumme

rd | 15. Februar 2017, 11:02 | 1 Kommentar
Stürzende Linien, große Fenster: Umgestaltung einer ehemaligen Bankfiliale (Foto: mediamixx)

Stürzende Linien, große Fenster: Umgestaltung einer ehemaligen Bankfiliale (Foto: mediamixx)

Erfolgsbeispiel aus dem Fassaden- und Hofflächenprogramm: Die ehemalige Volksbank am Fischmarkt in der Klever Innenstadt hat ein komplettes Facelifting vollzogen. Ziel war es, das Gebäude langfristig für den Einzelhandel attraktiv zu gestalten. Dazu zählte auch eine aufwendige Fassadenrenovierung, die im Rahmen des Fassaden- und Hofflächenprogramms gefördert wurde. Das Förderprogramm kann im Rahmen des Integrierten Handlungskonzepts Innenstadt Kleve (IHK) in Anspruch genommen werden. Ansprechpartner für Interessenten ist das Citymanagement Innenstadt Kleve.

Nachdem die Volksbank die Immobilie am Fischmarkt 20 Jahre lang als Geschäftsgebäude genutzt hatte, zog sie 2015 in die neu gebaute Zentrale am Minoritenplatz um. „Uns war es wichtig, dass in der Innenstadt kein Leerstand entsteht, sondern neue und attraktive Möglichkeiten für den Einzelhandel geschaffen werden“, erläutert Frank Ruffing, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Kleverland. In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Ader und Kleemann aus Kalkar wurde ein entsprechendes Konzept entwickelt. Hierbei wurde auch der neue Mieter, die Unternehmensgruppe „Bestseller“, miteinbezogen.

Die Fassade besteht nun aus großen Fensterflächen, die das gesamte Gebäude offen, hell und einladend wirken lassen. Optisch bilden das Erdgeschoss und die erste Etage hierbei eine Einheit, da die Fenster ohne Unterbrechung von unten nach oben reichen. „Wir sind mit dem Ergebnis dieser besonderen Fassadengestaltung sehr zufrieden. Die beiden Komponenten ,funktionale Nutzung‘ und ,ansprechende Optik‘ wurden optimal vereint“, erklärt Ruffing. „An diese Stelle gehört Einzelhandel, und das haben wir im positiven Sinne realisiert“, so der Vorstandsvorsitzende weiter.

Joachim Beisel, Generalbevollmächtigter der Volksbank Kleverland, ergänzt: „Um unseren Kunden weiterhin den Service zur Bargeldversorgung anbieten zu können, wurde auch ein Geldautomat der Volksbank in die Fassadengestaltung integriert.“

Von der Antragsstellung der Förderung bis zur Vollendung der Maßnahme verging nur ein gutes halbes Jahr. „Der gesamte Prozess ist sehr reibungslos und zügig vonstattengegangen“, bestätigt Beisel. Mit 12.500 Euro hat die Volksbank die höchstmögliche Fördersumme in Anspruch nehmen können. Insgesamt seien etwa 110.000 Euro in die Renovierung der Fassade geflossen.

Das Citymanagement Innenstadt Kleve ist mit dem Ergebnis ebenfalls sehr zufrieden. „Alle Beteiligten haben an einem Strang gezogen, so dass die Umgestaltung in kurzer Zeit über die Bühne gehen konnte. Bei Interesse und für generelle Fragen zum Fassaden- und Hofflächenprogramm stehen wir jederzeit zur Verfügung“, betont Citymanagerin Anke Haun.


Gute Nachrichten zur Wochenmitte: Volksbank wieder telefonisch erreichbar

rd | 15. Februar 2017, 10:52 | keine Kommentare

Zwei Tage lange war die Volksbank Kleverland telefonisch nicht mehr zu erreichen, womöglich befürchtete der eine oder andere Kunde schon das Schlimmste. Es handelte sich jedoch lediglich um eine Störung der Telefonanlage, die mittlerweile behoben werden konnte. Die Bankgeschäfte können nun auch wieder fernmündlich erledigt werden.


Du merkst, es geht zu Ende, wenn…

rd | 12. Februar 2017, 15:10 | 3 Kommentare
Steht traditionell – allerdings nicht im gefriergetrockneten Zustand – für Reichtum: Fette Henne

Steht traditionell – allerdings nicht im gefriergetrockneten Zustand – für Reichtum: Fette Henne

… es dir nie gelingt, eine Packung Frischkäse ein zweites Mal zu benutzen.

… die Besteckfächer in der Spülmaschine leer bleiben, während Tassen und Gläser kaum noch reinpassen.

… du denkst: „2014… mh… müsste aber eigentlich noch gut sein“.

… du früher donnerstags „Die Zeit“ gekauft hast, heute aber der Ansicht bist: „Aldi – meine Woche“ ist auch recht interessant.

… du die Wochenprospekte von Aldi, Kodi und Lidl zu Vergleichszwecken nebeneinanderlegst.

… die Fette Henne nicht mehr so richtig auf die Beine zu kommen scheint (obwohl sie jetzt schon zwei Monate wieder drinnen steht).


Wohin am Wochenende? (6)

rd | 11. Februar 2017, 10:40 | keine Kommentare

Vielleicht einfach nur:

Raus!

Schneell noch raus, bevor der Frühling kommt!

Schneell noch raus, bevor der Frühling kommt!

Alternativ die folgenden drei vier Vorschläge:

Samstag, 18 Uhr: „Wohin?“ (Versöhnungskirche)

Auf Wegen und Abwegen, über Umwege und Sackgassen, Traumpfade und Hoffnungsbrücken umkreist der Chor „Die Untertanen“ mit seinem neuen Programm „Wohin?“ das Thema Flucht. Ist ja gerade recht aktuell. Wohin geht es mit uns und anderen zwischen Grenzsetzungen und Verletzungen? Wiegt der Verlust der alten Heimat schwerer als die Unmöglichkeit, eine neue zu finden? Wie groß ist die Angst? In wem? Wovor? Bin ich ein besserer Mensch, wenn ich einen Flüchtling aufnehme – weil mein Großvater ja auch mal auf der Flucht war? Und was ist der Unterschied zwischen Utopie und Naivität? Sie wissen nicht genau, wo wir stehen? Wissen Sie denn, wo Sie stehen? Und wohin Sie gehen wollen? Leise und nachdenklich, verzweifelt und fordernd, zwischen hoffnungs- und liebevoll, abgründig, poetisch, mal wütend, mal sehnsüchtig gehen die Untertanen unter die Haut. Mit Musik von Ungarn bis Israel, von Deutschland bis Südafrika, von Wecker über Brecht bis Kodály. Eintritt ist frei.

Samstag, 20 Uhr: Smettys Vinyl Party (Tanzpalast Bresserberg)

Wer kennt das nicht noch! LPs 33, Singles 45… „Die Party, die nicht perfekt sein möchte. Es darf ruhig knistern und knacken. Für Jung und Alt.“ So die Ankündigung. Es dürfen eigene Platten mitgebracht werden, die DJ Smetty mit Angabe des Grundes (erster Kuss oder so romantisches Zeugs) spielt. Weitere Infos: www.smettysvinylparty.de. Eintritt: 4 Euro.

Samstag, 20 Uhr: ForQ (Radhaus)

Vier junge, aus Kleve stammende Musiker (Jonas, Andreas, Mikula, Santa) spielen instrumentalen progressive Rock, angelehnt unter anderem an Pink Floyd, aber auch an weniger bekannte Ensembles wie Frumpy. Frumpy? Auch The Doors gehören zu den Vorbildern. Der Eintritt ist frei.

Samstag, 20 Uhr: Rio Reiser (Culucu)

Er war einer der Besten, ist aber leider schon lange tot. Rio Reiser. Wer seine Musik mag, sollte sich heute Abend ins Culucu begeben. In der theater-musikalischen Biografie „Zwischen den Welten“ schlüpft der Schauspieler und Sänger Rudi Rhode in Rio Reisers Rolle und zeichnet ihn als ruhelosen Visionär einer freien Gesellschaft. Auf der Wanderschaft durch sein Leben begegnet er den unterschiedlichsten Weggefährten, Freunden und Widersachern – alle verkörpert durch den einen Rudi Rhode… und natürlich werden auch zahlreiche Live-Songs aus der Feder Rios gespielt – von „Keine Macht für Niemand“ bis zum „Junimond“. Zum Anfüttern das hier:


Hochschule Rhein-Waal: Tektonische Verwerfungen brechen bei Kanzlerwahl auf

rd | 10. Februar 2017, 13:21 | 7 Kommentare
Von oben sind selbst die USA schön anzusehen (Foto: NASA/Apollo 17)

Von oben sind selbst die USA schön anzusehen (Foto: NASA/Apollo 17)

Die Hochschule Rhein-Waal präsentiert sich von außen betrachtet ein wenig so wie die Erde auf Satellitenaufnahmen – schillernd, bunt, vielfältig. Aber wie auf der Erde ist auch in der Hochschule die Oberfläche nur eine dünne Kruste. Darunter walten tektonische Kräfte, die Kontinentalplatten aneinander reiben lassen und sie unter Spannung setzen, bis die aufgestaute Energie sich in furchtbaren Beben entlädt.

Wer gestern Abend in der Hochschule war, wurde Zeuge einer solchen Erschütterung des akademischen Betriebs: Die geplante Kanzlerwahl, eigentlich eine Formsache, endete im einem Eklat und ließ den Hochschulratsvorsitzenden Prof. Dr. Gerard J.M. Meijer brüskiert zurück – was dem Ruf der Hochschule in der akademischen Welt, wenn man einmal über den Klever Tellerrand blickt, einmal mehr schweren Schaden zufügt.

Was aber ist geschehen?

Im vergangenen Jahr verließ die Kanzlerin der Hochschule, Bibiana Kemner, Kleve, um einen neuen Posten an der Hochschule Niederrhein in Krefeld anzutreten. Der Kanzler hat in einer Hochschule ein wichtiges Amt inne, weil er über die Finanzen wacht. Nach einem kurzen Interregnum bestimmte das Präsidium übergangsweise Karsten Koppetsch zum neuen Kanzler.

Koppetsch, Diplom-Verwaltungswirt, kann eine gewisse Nähe zu den Scientific-Freshers-Professoren Torsten Brandt und Dirk Untiedt nicht abgesprochen werden, denn er agierte eine Zeitlang zusätzlich zu seinen Aufgaben an der Hochschule als Geschäftsführer der Scientific Freshers Real Estate GmbH. Die Gesellschaft kümmert sich um die Verwaltung die von dem Institut angehäuften Immobilien (mehr zu den Scientific Freshers hier: Was erlauben Klotz und hier: Waffeln backen.

Doch diesen Posten, das sei der Fairness halber hinzugefügt, hat Koppetsch mittlerweile drangegeben; bei näherer Betrachtung hätte er womöglich auch zu einer Interessenkollision mit seinen Aufgaben als kommissarischer Kanzler geführt.

Mit der Suche eines endgültigen Nachfolgers wurde eine Findungskommission unter Vorsitz von Professor Meijer beauftragt. Meijer fungiert als Vorsitzender des Klever Hochschulrats und ist eine Koryphäe im Wissenschaftsbetrieb, was aber in Kleve nur wenige wissen (wollen).

Als der Professor aus Nimwegen mit der Suche beauftragt wurde, war er noch Präsident der renommierten Radboud-Universität. Mittlerweile arbeitet der 55-jährige Wissenschaftler als Direktor des Fritz-Haber-Instituts der Max Planck-Gesellschaft in Berlin, was in der Welt der Gelehrten einem Ritterschlag gleichkommt. Meijer ist also ganz oben unterwegs, was ihm vielleicht auch einen unbestechlichen Blick auf die Ränkespiele im Inneren einer kleinen, jungen Fachhochschule in der Provinz bewahrt hat.

Wie die Findungskommission zusammengesetzt war und wie sie arbeitete, lässt sich der Pressemitteilung entnehmen, die von der Hochschule unter der Überschrift „Hochschule Rhein-Waal sucht weiterhin neuen Kanzler“ noch gestern Abend versandt wurde.

Darin heißt es:

„Die Vorbereitung der Wahl lag demnach in den Händen einer vom Senat und Hochschulrat gemeinsam eingesetzten Findungskommission, die aus je drei Mitgliedern der beiden Gremien bestand. In einem zeitlich abgestimmten Verfahren hat die Findungskommission aus den eingegangenen Bewerbungen eine Liste mit sieben in Frage kommenden Kandidaten erarbeitet. Sie wurden zu Gesprächen mit der Findungskommission eingeladen, die sich danach und nach intensiven Gesprächen auf einen Wahlvorschlag als Empfehlung an die Hochschulwahlversammlung verständigte, der einen Kandidaten enthielt.“

Die Hochschulwahlversammlung wiederum ist ein Gremium, das zur Hälfte aus sämtlichen Mitgliedern des Senats und zur anderen Hälfte aus sämtlichen Mitgliedern des Hochschulrats besteht. Da die Personen aus Findungskommission und Hochschulwahlversammlung also teilweise identisch ist, sollte man davon ausgehen können, dass das Vorgehen abgestimmt ist.

Doch es kam ganz anders.

Mitglieder aus dem Wahlgremium beschwerten sich in der Sitzung scheinbar aus heiterem Himmel darüber, dass nur ein Kandidat und nicht eine Liste mit Kandidaten präsentiert wurde. In der Pressemitteilung heißt es dazu etwas verkomplizierend: „In der Erwartung einer Vorschlagsliste mit mehreren Kandidaten ist eine Mehrheit der Senatsmitglieder in der Hochschulwahlversammlung der Empfehlung der Findungskommission nicht gefolgt, während sich die Mitglieder des Hochschulrats einstimmig für den Wahlvorschlag ausgesprochen haben.“ Eine Mehrheit in beiden Teilen des Gremiums wäre aber nötig gewesen – der Vorschlag wurde also abgeschmettert. Hochschulpräsidentin Dr. Heide Naderer kommentierte den Vorgang lediglich mit zwei Sätzen: „Das ist Demokratie. Es ist, wie es ist.“

Aber was ist es?

Möglicherweise ein Eklat mit einem Bumerang-Effekt für die Hochschule. Wie ist es zu werten, wenn eine monatelange gemeinschaftliche Arbeit urplötzlich mit einem Hinweis auf Verfahrensfragen zunichte gemacht wird? Ein Beobachter führte das Wort „Intrige“ ins Feld – gegen einen der renommiertesten Wissenschaftler Europas? Warum? Meijer selbst soll vor der Abstimmung der Wahlversammlung den Mitgliedern des Gremiums geraten haben, eine Entscheidung zu fällen, die gut für die Hochschule ist.

Eine solche Entscheidung zu fällen, das ist offenbar in Kleve nicht so einfach – oder aber die Meinungen darüber, was gut für Hochschule ist, gehen auseinander. Das Verfahren muss jedenfalls mit einer Neuausschreibung der Kanzlerposition fortgesetzt werden.


Korrektur

rd | 09. Februar 2017, 15:42 | 7 Kommentare

Im kleveblog-Beitrag „Stille Flughafengesellschaftsnacht, heilige Flughafengesellschaftsnacht“, Ende des vergangenen Jahres erschienen, hieß es:

Das Erfolgreichste, was auf dem weiträumigen Gelände, auf dem auch Flugzeuge starten und landen, stattfindet, dürfte vermutlich das Parookaville-Festival sein, dicht gefolgt von der Unterbringung von Flüchtlingen.

Das ist falsch. Richtig muss es heißen:

… dicht gefolgt von der potenziellen Unterbringung von Flüchtlingen.

Der Rheinischen Post vom Tage ist zu entnehmen (Neue Flüchtlingsunterkunft steht leer), dass die provisorisch untergebrachten Flüchtlinge mittlerweile alle weg sind. Die neue „Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE)“ für 750 Flüchtlinge hingegen steht kurz vor der Fertigstellung, wird aber mangels Andrang nicht genutzt, sondern nur als Reserve bereitgehalten. Mietzahlungen fließen gleichwohl, das Land hat mit dem Airport einen Vertrag über zehn Jahre abgeschlossen. Gutes Geschäft!


Bier-Akademie, Wunderbar, Küchenkraut, Finy’s – – – Abriss!

rd | 09. Februar 2017, 15:11 | 6 Kommentare
Fin-de-siecle-Stimmung

Fin(y)-de-siecle-Stimmung

Kein Herd, nirgends

Kein Herd, nirgends

(Jetzt auch mit Hinweis auf „Bier-Akademie“) Das Gebäude ist bereits entkernt, die Abrissbagger sind bestellt: Eine der gastronomischen Adressen in der Stadt mit einer großen Tradition, das Gebäude an der Ecke Stechbahn/Backermatt, wird in wenigen Tagen Geschichte sein. „Wir bauen dort ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohneinheiten“, so Jochen Koenen von Zevens Grundbesitz.

Das Gebäude gehört zum reichhaltigen Portfolio des Unternehmens von Bernd Zevens. „Wir haben am Mittwoch die Baugenehmigung erhalten“, berichtet Koenen. In vier bis sechs Wochen sollen die Arbeiten an dem neuen Haus beginnen.

Lange Jahre war das Erdgeschoss der Immobilie an der strategisch günstig gelegenen Ecke in Innenstadtnähe gastronomisch genutzt worden. Die Geschichte begann mit der „Bier-Akademie“ von Willi Lünendonk, der zuvor das „Downtown“ (am Opschlag) und das „PX“ (im XOX-Gelände) betrieben hatte.

Viele Klever werden sich noch gerne an den Nachfolgebetrieb der „Bier-Akademie“ erinnern, die „Wunderbar“. Matthias Braun führte das Lokal in einer formvollendeten Mischung aus Genie und Wahnsinn. Unvergessen, wie er Gästen einmal eine besondere Delikatesse anbot: „Ich habe noch Austern. Gestern war Dr. XY da, die sind übrig geblieben.“

Später betrieb der sehr selbstbewusste Koch Ralf Horst Tronnier an gleicher Stelle sein ambitioniertes Restaurant „Küchenkraut“, das den Klevern gehobene Küche zu ebensolchen Preisen bot, allerdings waren die als Zutat mitgelieferten Launen des Inhabers dem Geschäft nicht immer zuträglich.

Es folgten einige Jahre, in denen Josephine Heselmann (ehemals „Schwarzer Ritter“) in der Immobilie ihr Restaurant „Finy’s“ erfolgreich leitete. Nachdem sie den Betrieb Ende 2014 aufgab, fand sich kein neuer Mieter mehr. Daraufhin fiel die Entscheidung zum Abriss.


Steh’n die Trecker in der Stadt, haben Bauern Barbara satt!

rd | 09. Februar 2017, 13:57 | 49 Kommentare
Trecker-Protest gegen Ministeriums-Kampagne: die Wiesenstraße heute vormittag (Foto: Thomas Tewoort)

Trecker-Protest gegen Ministeriums-Kampagne: die Wiesenstraße heute vormittag (Foto: Thomas Tewoort)

„Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“: Mit flapsigen Sprüchen dieser Art, stilistisch an die volkstümlichen Bauernregeln angelehnt, möchte die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit auf ökologische Problemfelder in der Landwirtschaft hinweisen. Die Landwirtschaft habe nur eine Zukunft, so die Auffassung von Barbara Hendricks, „wenn sie naturverträglich ist und Artenvielfalt, Klimaschutz und die Gesundheit der Menschen mit berücksichtigt“. Nun aber sehen sich die Landwirte in Deutschland durch die gerade erst gestartete Plakat-Kampagne pauschal diffamiert, und, wenig überraschend, Unionspolitiker polterten gleich mit, allen voran Horst Seehofer, der die Sprüche als „nicht nur eine Verunglimpfung, sondern eine Beleidigung“ bezeichnete. In der Heimatstadt von Hendricks, hier bei uns in Kleve, brachten die Landwirte ihre Verärgerung mit einem spektakulären Protest zum Ausdruck: mit ihren Treckern zogen sie vor die Wiesenstraße, wo sich das Wahlkreisbüro von Hendricks befindet, und legten bis zum Mittag den Verkehr weit gehend lahm. Merke: Steh’n die Trecker in der Stadt, haben Bauern Barbara satt!


Aus der Geschäftswelt: Neue Messer, Adressen, Namen

rd | 08. Februar 2017, 20:48 | 2 Kommentare
America first, Kleve second: Sascha Piron

Apple war stärker: Sascha Piron

Jeder Reisende weiß: Das wichtigste der neun Werkzeuge ist der Korkenzieher (Foto: Kotters)

Jeder Reisende weiß: Das wichtigste der neun Werkzeuge ist der Korkenzieher (Foto: Kotters)

Elektro Rock, 01.03.2015, Fiasko des Halbausräumens

Elektro Rock, 01.03.2015, Fiasko des Halbausräumens

Fangen wir mit der schlechten Nachricht an: Letzter Verkaufstag bei Strauss Innovation am Fischmarkt ist der 22. Februar, danach ist vermutlich erst einmal einige Zeit mitten in der Stadt, in bester Lage, ein ärgerlicher Leerstand zu verzeichnen. Jetzt gekaufte Ware kann nicht mehr umgetauscht werden, was irgendwie einleuchtend erscheint. + + + Etwas weiter oberhalb, wo uns jahrelang Elektrik Rick mit seinen Schaufensterrätseln erfreute, ist ebenfalls eine große Fläche neu zu vermieten: Der Händler für alle eckigen Küchengeräte ist an die Kalkarer Straße verzogen, das Ladenlokal kurz vor dem Markt Linde wird derzeit nicht mehr genutzt. + + + Dass Kleve eine scharfe Sache ist, weiß jeder, der in dieser Stadt lebt und sie liebt. Und das seit bald 775 Jahren! Was liegt da näher als – – – ein Klever Messer! Und siehe da, hier ist es. Die Firma Kotters teilt mit: „Die Stadt Kleve feiert dieses Jahr den 775. Geburtstag. Wir haben dies zum Anlass genommen, ein schickes KLEVE-Messer fertigen zu lassen. Das neunteilige Schweizer Taschenmesser zeigt auf der schwarzen Griffschale eine silberfarbene Silhouette von Kleve. Ab ca. 6. März 2017 ist das besondere Taschenmesser nur bei uns für 26,50 € erhältlich.“ + + + Was hat Apple, das milliardenschwere Unternehmen aus Kalifornien, mit einem Metallbauunternehmen aus Kleve gemeinsam? Nur drei Buchstaben, aber damit fingen die Probleme an. Als Sascha Piron vor gut zehn Jahren in Kleve sein Metallbauunternehmen gründete, standen bei der Namensgebung die Hauptkunden Pate. Sie entstammten den Branchen Belüftung, Erdöl und Energie, im Englischen: Air, Petrol, Power. Aus den Anfangsbuchstaben dieser Wörter formte Piron die APP Components GmbH. Ein Jahr später kam das erste iPhone auf den Markt – und mit ihm bekamen die drei Buchstaben APP als Kurzbezeichnung für die Programme auf den Smartphones eine ganz neue Bedeutung. Jetzt hat Geschäftsführer Sascha Piron aus der Namensgleichheit die Konsequenzen gezogen: Seit Januar heißt sein Unternehmen Piron Metallbau GmbH. Der Grund ist einleuchtend: „Wer im Internet nach meinem Unternehmen gesucht hat und beispielsweise bei Google die Begriffe ,App‘ und ,Kleve‘ eingegeben hat, bekam immer Ergebnisse mit Programmanbietern für Kleve, fand aber nicht mein Unternehmen“, berichtet Piron. Damit ist jetzt Schluss! America first, Deutschland second. True.


Einem vom Pferd erzählen

rd | 07. Februar 2017, 15:51 | 24 Kommentare

Das Paar wollte sich nicht fotografieren lassen, deshalb gibt es keine Bilder zu dieser Geschichte, die aber nichtsdestotrotz eine Erwähnung verdient hat. Gestern um die Mittagszeit, während ich mein Fahrrad die Hagsche Straße hochschob, erblickte ich zwischen Sparkasse und Pohland Optik eine klapprige Kutsche und zwei Pferde. Dann sah ich eine Frau, die einem auf der Kutsche liegenden Sack Stroh Heu entnahm und damit ein Pferd fütterte.

Was aber ist das, fragte ich mich und ging auf die wetterfest gekleidete Frau zu. Sie klärte mich auf und sagte, sie und ihr Freund stammten aus Bulgarien und sie seien auf der Durchreise. Mit den Pferden und der Kutsche. Sie seien in ihrer Heimat aufgebrochen, dann durch Tschechien gereist und hatten zunächst die Schweiz als Ziel. Die Alpen hatten sie bereits überquert und waren im italienischen Teil der Alpenrepublik, als sie ihre Pläne änderten und sich die Niederlande als neues Ziel ausguckten. Mehr als tausend Kilometer hätten sei bereits zurückgelegt.

Sie seien Künstler, was aber keinesfalls in einem professionellen Sinne zu verstehen sei, vielleicht eher so in Richtung Lebenskünstler. Ärger hätten sie noch nirgendwo bekommen, diverse Male seien allerdings schon Ordnungshüter gerufen worden, die sich dann allerdings jedes Mal davon überzeugen konnten, dass alles seine Richtigkeit hat und die beiden, die neben der Kutsche herradeln, tatsächlich einfach mit zwei Pferden unterwegs sind. Ihr Nachtlager schlagen sie in einem Zelt auf, meistens am Rande von Städten, da, wo es Bauernhöfe gibt, damit sie die beiden Pferde mit Stroh versorgen können.

Die beiden Reisenden betteln nicht, aber in den wenigen Minuten des Gesprächs gab es gleich zwei Passanten, die Geld für die Pferde spendeten – und die offenbar auch einfach nur dankbar waren, für kurze Zeit etwas so ganz Normales und zugleich Verrücktes wie zwei Pferde mitten in der Stadt zu sehen.


Herzlichen Glückwunsch, Puppa!

rd | 06. Februar 2017, 14:55 | 2 Kommentare
Noch ein Piccolöchen?Das Glas Sekt darf nicht fehlen

Noch ein Piccolöchen? Das Glas Sekt darf nicht fehlen

Haus Bresserberg: Marie-Luise Klar in ihrem Reich

Haus Bresserberg: Marie-Luise Klar in ihrem Reich

Heute wird die Grande Dame der Klever Gastronomie 80 Jahre alt – herzlichen Glückwunsch, Marie-Luise Klar, oder, wie die halbe Welt sie kennt, Puppa Schmitz!

kleveblog gratuliert mit der Geschichte ihres Lebens (ursprünglich erschienen im Magazin Der KLEVER):

„Ich hab‘ sie alle überlebt“

Noch kein Beerdigungskaffee in dieser Woche, „ist das nicht komisch?“ Aber gestorben wird immer, also kein Grund, nervös zu werden, und so umsäuselt den Gast auch an einem regnerischen Nachmittag in einer menschenleeren Kneipe eine charmante Fürsorglichkeit, die in der Frage gipfelt: „Jung, willste ‘n Rosinenbrot mit Butter? Ein Kaffee ohne wat, dat is‘ doch nix.“

Bei Kaffee und Rosinenbrot entspinnt sich ein Gespräch über das Leben und die Liebe im Besonderen, über Krieg und Kriminalität – und über Tennisspiele im Sonnenaufgang. Aber wo anfangen?

Am besten vielleicht dort, wo eine junge Frau, die damals noch Schmitz mit Nachnamen hieß, jene Abzweigung nahm, die in späteren Jahren aus einem leidlich erfolgreichen Etablissement eine gastronomische Instanz der Stadt machte und aus Marie-Luise jene Puppa, die heute von den Schwanenfunkern auf die Bühne geholt wird und die bei der Jahresrückblicksgala „Made in Kleve“ vor hunderten Zuschauern in der Stadthalle erzählen darf, wie das so war, als sie von Einbrechern überfallen, gefesselt und sieben Stunden im Badezimmer ihrer Wohnung eingesperrt worden war.

Diese Abzweigung, die nicht hätte beschritten werden müssen und die alles änderte, liegt mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. Das Kleve der beginnenden fünfziger Jahre, eine Zeit, in der es noch ein Gymnasium gab, das allein Mädchen vorbehalten war, das „Lyzeum“. Die Schuljahre wurden noch lateinisch bezeichnet. Marie-Luise ging in der „Studienanstalt für Mädchen“ in die Obertertia, also in die neunte Klasse, und nichts hätte dagegen gesprochen, dass sie weiter zur Schule ging.

Außer Marie-Luise Klar selbst. „Ich hatte einfach keine Lust mehr“, sagt sie. Diesen Entschluss teilte sie auch ihrer Mutter mit. Nun sind viele Reaktionen von Eltern denkbar, insbesondere wenn diese viel Ehrgeiz darin legen, dass aus der eigenen Tochter ein „gutes Mädchen“ wird. Die unwahrscheinlichste aller denkbaren Entgegnungen erscheint aber der folgende Satz einer Mutter: „Gott sei Dank! Dann bleib mal hier.“

Paula Schmitz sagte genau diesen Satz.

Hier, das war in diesem Fall bereits das Ausflugslokal „Haus Bresserberg“. Die Gaststätte wurde ihre Welt. Puppa hat die Schule abgebrochen, sie hat nicht mal die mittlere Reife, sie hat keine Ausbildung, und sie ist immer in Kleve geblieben – aber nichts von alledem bereut sie, wenn sie heute, 79 Jahre alt, auf ein reiches Leben zurückschaut. „Für mich gibt es nichts Besseres“ sagt Puppa. „Käme ich noch einmal auf die Welt, ich würde wieder Wirtin werden wollen. Ich kann es nicht anders sagen, das ist mein Traumberuf.“

Kein Wunder, dass das Wochenende stets mit einem freudvollen Ritual eingeleitet wird. Hermann Hendriksen, der Tennislehrer und auch der Trainer von Puppa, setzt sich freitags abends gegen acht Uhr in die noch menschenleere Gaststätte und trinkt ein Fläschchen Piccolo, gemeinsam mit Puppa, die eigens dafür aus ihrer Wohnung herunterkommt und noch mit Lockenwicklern in den Haaren. Hendriksen feiert nach getaner Arbeit das Wochenende, Puppa die Vorfreude darauf, dass die Kasse wieder klingeln wird.

An den Wochenenden arbeitet sie mit, natürlich nicht mehr so viel wie früher. Puppa: „Aber wenn es voll ist, packe ich mit an, und dann ist es nicht so, dass ich gegen die Arbeit anschaue wie nichts Gutes, sondern ich freue mich darauf!“ Genau betrachtet, bilden die Geschichte der Gaststätte und die ihres Lebens eine Einheit. Der Bresserberg ist Puppa, Puppa ist der Bresserberg.

1934 übernahmen die Eheleute Paula und Gottfried Schmitz den Betrieb an der Königsallee, 1937 wurde Tochter Marie-Luise geboren, ein Einzelkind. „Und dabei sagen die Leute immer, dass aus Einzelkindern nichts wird“, so Puppa heute.

Es war Puppas Mutter, die im Kranenburger Jägerhof gastronomische Erfahrungen gesammelt hatte, die voller Energie steckte und den Betrieb auf Vordermann brachte – alle vorherigen Pächter waren daran gescheitert, dass das „Haus Bresserberg“ im Sommer die Gäste in Scharen anlockte und im Winter leer blieb. Paula Schmitz sorgte mit großen Festen dafür, dass durchgängig Geld in der Kasse war.

Der Betrieb lief so gut, dass Ende der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Mutter auf die Idee kam, die Immobilie zu kaufen. Sie gehörte einst Gustav Hoffmann, dem legendären Schuhfabrikanten, doch der hatte sie im Zuge einer finanziellen Schieflage an den Kreis Kleve verkaufen müssen. Die Beamten waren froh über einen Interessenten, doch sie wollten noch mehr losschlagen – sämtliche Tennisplätze, die um die Gaststätte herum angelegt worden waren. Dafür allerdings besaß Paula Schmitz nicht genug Geld.

„Aber das war ihr egal“, berichtet die Tochter. Für 13.000 Reichsmark gingen die Gaststätte und die Sportanlagen in den Besitz der Familie Schmitz über. Den Kaufvertrag unterschrieb die entschlossene Gastwirtin zunächst alleine, die Rolle des Vaters war darauf beschränkt, dass sein Sold – den er als Major bezog – komplett in die Tilgung des Darlehens floss.

Damit die Familie überleben konnte, musste das Geschäft laufen. Auch während des Krieges, als Soldaten in dem Lokal einquartiert waren, auch in Zeiten, in denen es nicht einmal Strom gab. „Auf allen Tischen standen Milchdosen mit Öl und einem Docht darin“, erinnert sich Puppa. „Auch auf dem Klavier. Da der Pianist die Noten in der Nähe des schummrigen Lichts ablesen musste, hatte er am Ende des Abends immer einen dicken Russstreifen im Gesicht.“

Als sich der Zweite Weltkrieg dem Ende zuneigte, wurden Mutter und Tochter ins Münsterland evakuiert, wo sie bei einem Landwirt unterkamen. Dann kehrten sie heim – zu dem, was der Krieg von ihrem Besitz übrig gelassen hatte. „Es war alles kaputt“, so Puppa. „Zwei Zimmer und ein Ofenrohr nach draußen, mehr hatten wir nicht.“

Einmal mehr war es die unbändige Energie der Mutter, die den Betrieb wieder erblühen ließ. Sie maggelte mit allem und mit jedem und sorgte unter anderem dafür, dass Mitarbeiter der Firma Gustav Hoffmann die Schützengräben zuschütteten, die quer durch die Tennisplätze gezogen worden waren.

Die Mutter, das personifizierte Wirtschaftswunder, und der Vater als eher zaghafter Gegenpart, der auch erbaulichen Momenten gegenüber aufgeschlossen war – so hat Puppa die ersten Jahre nach dem Krieg in der Gaststätte wahrgenommen. Von ihrer Mutter hat sie auch den Spitznamen erhalten, so nannte Paula Schmitz ihre Tochter, wenn sie in der Kneipe aushalf und am Zapfhahn stand: „Puppa, machste noch drei Pils!“

Zwei Szenen sind ihr aus den frühen Nachkriegsjahren besonders in Erinnerung geblieben. Die eine betrifft das Vorhaben, einen der zahlreichen Mottoabende in der Zeitung zu bewerben: „Samstags: Moulin Rouge“, so der Textvorschlag der Mutter, der der durchaus frivole Hintergrund der Formulierung wohl bewusst war. Vater war besorgt: „Das kannst du doch so nicht schreiben, nimm doch stattdessen: ‚Sehenswerte Dekoration‘.“ Mutter: „Dann kommt doch keiner!“ Klar, welche Formulierung am Ende obsiegte.

„Meine Mutter hat das alles wieder in Gang gebracht“, sagt Puppa heute. War der Laden leer, schlich sie missgelaunt umher. In der zweiten Erinnerung saß sie an einem solchen schlechten Tag in dem kleinen Raum mit Ölofen, mehr war „Haus Bresserberg“ damals noch nicht, und hörte gemeinsam mit ihrem Vater „Das ideale Brautpaar“, die von Jacques Königstein moderierte erfolgreichste Radioshow der fünfziger Jahre. So viel Muße während der Arbeitszeit konnte die Mutter nicht ertragen, so dass sie einen Streit vom Zaun brach. Mehr Gäste kamen dadurch natürlich auch nicht, aber, so Puppa, „sie hat uns den ganzen Abend versaut“.

Doch die Abende ohne Umsätze wurden seltener, die, an denen das Geschehen sich bis in die frühen Morgenstunden verlängerte, mehr und mehr. Zugleich entdeckte Puppa ihre Leidenschaft fürs Tennisspiel. Einmal stürzte sie nach einer ausschweifenden Nacht mit ihrem Tanzpartner ins Schlagzeug der Musikband. Am nächsten Morgen, auf der Autofahrt zum sonntäglichen Tennisturnier, berichtete sie ihren Mitspielern von dem Vorfall: „Ich bin gestern doch glatt in die Kapelle gefallen.“ Ungläubiges Staunen bei einer Sportskameradin: „Seit wann gehst du denn in die Kirche?“

1954 nahm sich Gottfried Schmitz, der an Depressionen litt, das Leben. „Ich hatte immer einen sehr guten Draht zu meinem Vater, aber die Erinnerungen an den Krieg, die Misere der Nachkriegsjahre und dann noch die Tatsache, dass wir immer noch Schulden hatten – all das war zu viel für ihn“, glaubt seine Tochter heute. Verwandte liehen Geld, damit der Betrieb weitergehen konnte.

Und wie es weiterging! Die Klever Jazzfreunde entdeckten das Lokal für sich, sogar Klaus Doldinger spielte dort, und zum Glück verfügte die Betriebsleitung mittlerweile über ausgezeichnete Kontakte zu den Behörden, sodass die Sperrstunde um ein Uhr morgens mehr und mehr empfehlenden Charakter bekam. Es gab viele gute Jahre und dann wieder schlechtere, aber Puppa hielt sich immer über Wasser, auch wenn die Gäste mal eher eine Ansammlung von 200 Jahren Gefängniserfahrung waren. Lang, lang ist’s her, und auch in dieser Phase hat sie nie einen Türsteher gebraucht: „Das habe ich alles selbst erledigt.“

Die langen Nächte wurden der Normalfall, bisweilen war erst um sechs Uhr morgens oder noch später Schluss. Meist endeten solche Abende dann mit einer Art vorweggenommenem Katerfrühstück – Bratkartoffeln mit Spiegelei, 7,50 Mark zusätzlich auf den Deckeln, die meist schon das Aussehen eines Jägerzauns hatten.

Wegen der engen Verbindung zum Tennisclub Rot-Weiß Kleve (der Verein hat die Plätze gepachtet) waren immer wieder auch Tennisspieler unter den Gästen, die glaubten Puppa herausfordern zu können, und es kam im Sonnenaufgang des Öfteren zu denkwürdigen Begegnungen. Meistens gewann Puppa, der Einsatz war in der Regel eine Flasche Sekt. Nur einmal musste sie sich einem höherklassigen Spieler aus den Niederlanden geschlagen geben, doch der spendierte trotzdem eine Flasche Sekt. Dafür musste Puppa allerdings im Gegenzug ein Frühstück zubereiten.

Seit 1979, als ihre Mutter starb, führt Puppa Schmitz das „Haus Bresserberg“ allein. Schon in den Jahren zuvor war sie allerdings die Frau, die für den Laden stand, ihre Mutter hatte sich bevorzugt im Hintergrund aufgehalten.

Wenn das Lokal die Bezugsgröße für das ganze Leben wird, ist es vielleicht normal, dass eine Beziehung fürs Leben sich auch von dort aus entwickelt. Da war dieser Mann mit durchaus feinen Umgangsformen, der öfter am Sonntag zu den Tanznachmittagen erschien. Paul Klar, Maschinenbauingenieur aus Oberhausen. Als er wieder einmal am Bresserberg war, Zeitung las und an seiner Tasse Kaffee nippte, dachte Puppa sich: „Wenn du jetzt nicht zu ihm gehst und ihn ansprichst, siehst du ihn nie wieder.“

Sie verabredeten sich zu einem Kaffee in Plasmolen (auf neutralem Terrain sozusagen). Beim Aufbruch machte der Galan die Dame darauf aufmerksam, dass sie die Handschuhe vergessen habe. „Da dachte ich mir: So ein Glück!“, so Puppa, die sich selbst in solchen Dingen für etwas schlampig hält. Allerdings sei es, bis sie ihn für sich eingenommen habe, noch „ein harter Kampf“ gewesen. „Der war elf Jahre älter als ich, der hat sich das lange überlegt.“ Als Puppa einmal krank darniederlag, wich er nicht von ihrer Seite, bis sie genesen war – „danach waren wir zusammen“.

Die beiden heirateten, aus der Ehe ging Sohn Sven hervor (der heute als Lehrer und Künstler arbeitet und keinerlei Ambitionen hegt, die Gaststätte irgendwann zu übernehmen). Und das junge Paar schmiedete Pläne. Er sagte: „Wir ziehen nach Essen.“ Sie sagte: „Mit dir ziehe ich überall hin.“ Puppa heute: „Stell dir mal vor – ich in einer Großstadt.“ Gleichwohl wurden damals am Baldeneysee Grundstücke besichtigt – allerdings waren die Preise so hoch, dass der Plan, Kleve zu verlassen, sofort beerdigt wurde.

Neue Pläne wurden geschmiedet. Warum nicht direkt neben dem Lokal ein schönes, neues, großes Haus bauen? Dieses Vorhaben wurde auch verwirklicht, und Paul klar war voller Begeisterung im Rohbau zugange und fragte seine Puppa detailversessen, wo diese oder jene Steckdose angebracht werden solle. Ein großes Missverständnis! „Das interessierte mich doch gar nicht, ich wollte doch viel lieber mit dem Kerl im Bett liegen!“

So kam es, dass das Haus zwar fertiggestellt, aber nie bezogen wurde. Puppa blieb dort wohnen, wo sie ihr ganzes Leben verbracht hatte – im Obergeschoss des Lokals. Puppa: „Unser Wohnzimmer liegt genau über der Kapelle, und wenn unten laute Musik gespielt wird, klappert bei uns oben das Porzellan. Bei den Rockkonzerten kann selbst ich das nicht aushalten, dann stecke ich mir Stöpsel ins Ohr. Im Schlafzimmer ist es auch etwas ruhiger.“

Der gut verdienende Mann, der ursprünglich mit seiner neuen Frau nach Essen ziehen wollte und dann in Kleve ein neues Haus baute, das nie bezogen wurde, führte seine Ehe also in der ersten Etage über einer Gaststätte, in der regelmäßig die Nacht zum Tage wurde. „Wir haben uns gut verstanden“, sagt Puppa. „Er hat mich gelassen, ich habe ihn gelassen. Und dann war er plötzlich tot.“ Herzinfarkt am Arbeitsplatz, ein paar Stunden später verstarb er im Krankenhaus. 13 Jahre ist das nun her.

Seitdem ist sie allein, aber nicht einsam. Die längste Beziehung ihres Lebens hat sie zu ihrem Laden, der an jedem Abend ein Brennglas ist, der das echte Leben verdichtet und natürlich auch verklärt und verleugnet. Sie hat Beziehungen entstehen und vergehen sehen, sie sagt, sie sei auch „ein bisschen Beichtmutter“, und sie habe ein schwaches Namensgedächtnis, was in ihrem Gewerbe auch ein Vorteil sein kann. „In der Liebe ist schon was los auf der Welt, aber das ist ja nicht nur bei uns, sondern überall so. Die Moral hat schon sehr gelitten.“ Sagt Puppa.

Dreimal wurde bei ihr eingebrochen, der erste Einbruch machte sie zur Heldin. Der Täter fesselte sie und sperrte sie ins Badezimmer. Die Fesseln konnte sie lösen, doch es gelang nicht, die Tür zu öffnen. Puppa: „Da habe ich mir erst die Fingernägel gemacht, dann die Fußnägel, dann die Haare gewaschen. Ich musste was machen, ich hätte natürlich auch schreien können, aber niemand hätte mich gehört.“ Erst der Zeitungsbote befreite Puppa aus ihrer misslichen Lage. Der Täter wurde gefasst und verurteilt.

Nach dem zweiten Einbruch saß Puppa Schmitz zitternd in der Wohnung, und ein junger Polizist sprach beruhigend auf sie ein: „Frau Klar, wahrscheinlich wäre es am besten, wenn sie sich eine andere Wohnung suchen würden.“ Puppa schwieg, nicht ausgesprochen blieb also der folgende Gedanke: „Männeken, wenn du wüsstest – in einer anderen Wohnung wäre ich auch tot.“ Auch dieser Täter wurde gefasst und verurteilt.

Der dritte Einbruch war der schlimmste, weil der Täter mit einem Elektroschocker kam. Das Gerät funktionierte zum Glück nicht. Und zum Glück hatte sie gerade ihren Steuerberater in der Leitung, der sofort die Polizei rief. Der Täter wurde gefasst und ebenfalls verurteilt.

So hat Puppa Schmitz Krisen und Kriminelle überstanden, sie hat gelebt, geliebt, und sie ist stolz und kann auch lachen, wenn sie auf all das zurückblickt, was ihr Leben ausmacht. Vor einigen Jahren, als das Schweizerhaus abgerissen wurde, dachte sie: „Jetzt habe ich alle überlebt.“ Alles, was an Gastronomie zumindest in einer ähnlichen Liga spielte, ist vergangen – Schweizerhaus, Eddie’s Club, Hotel Bollinger, Old Grany, Herta Cattle und ihr Hotel Robbers, alles im Staub der Geschichte.

Das „Haus Bresserberg“ hat alle überdauert, und die Wirtin ebenfalls. Nur der Herrgott bestimme, wie lange sie noch hinterm Tresen stehe. Puppa: „Wenn ich hier raus muss, wo sollte ich dann hingehen? Ich könnte natürlich in mein Haus ziehen, aber ich bin sicher, dass ich da kaputtgehen würde. Wenn hier andere Leute herumspringen – das geht ja wohl gar nicht!“


Karrieresprung für Klever Journalisten: Peter Huth wird WamS-Chef

rd | 06. Februar 2017, 11:33 | 12 Kommentare
Peter Huth, Chefredakteur BZ, Ex-Mitarbeiter Grenzland Post

Peter Huth, Ex-Mitarbeiter Grenzland Post

Peter Huth, jetzt selbst Teil der Chefredakteurs-Ahnengalerie (Foto: Peter Huth)
Herzlichen Glückwunsch! Der aus Kleve stammende Journalist Peter Huth übernimmt eine neue Aufgabe bei Axel Springer – er führt ab sofort die Redaktion der renommierten Welt am Sonntag. Der Medienkonzern (Bild u.a.) teilte mit: „Peter Huth, 47, seit 2008 Chefredakteur der B.Z. und seit 2013 zusätzlich Stellvertreter des Chefredakteurs von BILD, wird ebenfalls mit sofortiger Wirkung Chefredakteur der Welt am Sonntag. Nachfolger von Peter Huth als Chefredakteur der B.Z. wird Miriam Krekel, 39, derzeit Stellvertreterin des Chefredakteurs.“ Vorstandsvorsitzender Matthias Döpfner kommentierte: „Peter Huth hat die B.Z. als Magnet der Kreativen und als Beispiel für modernen Hauptstadt-Boulevardjournalismus positioniert. Dafür danke ich ihm und wünsche ihm für seine neuen Aufgaben bei der Welt am Sonntag ebenso viel Erfolg.“


10 Jahre kleveblog! 7. Wie war das, als Angela Merkel die Redaktion besuchte?

rd | 05. Februar 2017, 17:32 | keine Kommentare
Ein Besuch in der hippen kleveblog-Redaktion? Warum nicht, Frau Bundeskanzlerin? (Foto © Bundespresseamt/Denzel)

Ein Besuch in der hippen kleveblog-Redaktion? Warum nicht, Frau Bundeskanzlerin? (Foto © Bundespresseamt/Denzel)

Als Angela Merkel vor vier Jahren Theo Brauer besuchte, um sich von ihm die Welt erklären zu lassen, machte die Kanzlerin auch einen kleinen Abstecher zum Grünen Heideberg, zur hippen kleveblog-Redaktion. Neuland für die Regierungschefin, die damals noch mit einem Nokia 7210 telefonierte und dem Herausgeber bei einem Chai Latte im grünen Regierungskostüm erläuterte, warum Fake News für Sie ein rotes Tuch sind. Die Redaktion zeigte sich einsichtig und nahm daraufhin die folgenden Geschichten sofort vom Netz:

Pleustophytenkreuzer MS Theo d’oro: Möge die Schlacht beginnen!

Sparkasse nimmt neue Hauptstelle in Betrieb: Nach der Volksbank Kleverland hat nun auch die Sparkasse Kleve eine neue Hauptstelle in Betrieb genommen. Der Neubau war nötig geworden, nachdem der moldawische Zentralbankrat überraschend die Sprengung des bisherigen…

(19/24) 1000 Meisterwerke: Elektrik-Rick: Das Leben ist eine Spülmaschine. Es ist eine der klassischen fiaskösen Situationen aus der Echtküche im Echtleben: Man will benutztes Geschirr in die Spülmaschine einräumen und entdeckt, dass der Partner oder Spross den bereits seit…

Fragen und Antworten zum Einsatz des Pleustophytenkreuzers HMS Theo d’Oro: Vor zwei Monaten ließen die Umweltbetriebe der Stadt Kleve den Pleustophytenkreuzer der T-Klasse HMS Theo d’Oro vom Stapel, ein Doppelrumpfschiff mit einer unzerstörbaren Außenhaut aus eloxiertem, hochangereicherten Aluminium, dessen vier…

Landgericht: Neue, fluchtsichere Toiletten installiert! So schnell können Behörden reagieren: Nach der Flucht eines Häftlings während der Urteilsbegründung installierte die Justiz jetzt neue – garantiert fluchtsichere – Toiletten…

Die Akte Schürmanns: Nie ausgeführte Korrekturen: Im Klever Wochenblatt erschien gestern ein Artikel mit der Überschrift »Die „drei ???“« – ein Dokument der nackten Angst, wie eine kleveblog zugespielte Manuskriptfahne mit nie ausgeführten Korrekturen von Redaktionsleiter…

VEB FN: Spreen verspricht 15 Freiflüge für jeden Bürger! Es ist eine gute Nachricht für alle Bürger: Im Zuge der Umwandlung des Flughafens Niederrhein (FN) in einen Volkseigenen Betrieb (VEB), die bis 2016 abgeschlossen sein soll, verspricht Landrat Wolfgang…

1000 Meisterwerke: „Teures ‚Licht-Bild’“: Der ganz der regimekritischen Dichtung der Spätrenaissance verhaftete Lyriker Walther Flinterhoff, ein Mitglied der Gruppe 1848, hat mit seiner neuen Text-Bild-Collage „Teures ‚Licht-Bild’“ ein Werk geschaffen, dessen Platzierung unten links auf der Seite B6 Lokale Kultur mit spielerischem Undersstatement vergessen macht

And the winner is… Camping Freizeit Sport


Von oben herab: Baustelle Sternbuschbad

rd | 05. Februar 2017, 16:18 | 4 Kommentare

Doh-So-Philie, diesmal der Blick auf Kleves größte Baustelle. Es wird, wenngleich zukünftig ohne wettkampfuntaugliches Olympiabecken (bei den Beckenmaßen war die Verkachelung nicht mitberechnet worden)…

Waldarbeiten (Foto: Torsten Barthel)

Waldarbeiten (Foto: Torsten Barthel)


Wohin am Wochenende? (5)

rd | 03. Februar 2017, 17:40 | keine Kommentare

Noch nichts vor? Na warte!

Samstag, 16:00 Uhr: Knackiger Po (Volkshochschule)

Ist das noch die Volkshochschule, wie wir sie kennen? Die Volkshochschule, die Dienstag abends Stenografiekurse anbietet, damit man besser durchs Leben kommt? Vermutlich nicht, aber egal – die Teilnehmer dieses VHS-Kurses lernen „effektive Übungen, […] um den Unterkörper wieder in TOP-Form zu bringen“. Und Massagetechniken. Und Tipps und Tricks, das Hautbild zu verschönern. (Voranmeldung war erforderlich.)

Samstag, 18:15 Uhr: VfL Merkur Kleve – FSV Jüchen (Stein-Gymnasium)

Nach dem Überraschungssieg in Emmerich am vergangenen Sonntag empfangen die Basketballer des VfL Merkur Kleve nun den Tabellenführer FSV Jüchen. Allerdings erhielt der frisch erweckte Optimismus im Abstiegskampf im Laufe der Woche erhebliche Dämpfer – Aufbauspieler Artur Kerenker konnte die ganze Woche nicht trainieren, Center Kevin Pitzner zog sich im Training einen Bänderriss zu und fällt vermutlich für den Rest der Saison aus, und Leistungsträger Alex Kacar musste aus Gründen, die der Trainer noch einer strengen Prüfung unterziehen wird, absagen. Also eine schwere Prüfung, die zu sehen nicht ganz einfach sein wird. Das Spiel ist seit Wochen ausverkauft, möglicherweise lungern vor der Schule aber noch Schwarzkartenverkäufer herum. Mehr als siebzig Cent sollte man aber auf keinen Fall für ein Ticket ausgeben!

Sonntag, 11:30 Uhr: Schule Kunst Museum (Museum Kurhaus)

An diesem Wochenende präsentieren weiterführende Klever Schulen samstags und sonntags ab 11 Uhr die Kunstwerke von Schülerinnen und Schülern, die das gesamte letzte Schuljahr aus Anlass der Ausstellungen im Museum Kurhaus Kleve entstanden sind. Bei „Schule Kunst Museum“ handelt es sich um das größte Klever Bildungsnetzwerk, das seit dem Jahr 2000 existiert und kontinuierlich zwischen dem Klever Museum und den Schülern betrieben wird. Es kulminiert im gemeinsamen Ausstellungswochenende, an dem das gesamte Erdgeschoss des Museums mit Werken von Kindern und Jugendlichen eingerichtet wird. Im Rahmen des Projekts gibt es am Samstag von 15:30 Uhr bis 16:30 Uhr eine Führung sowie den Festakt „Mittendrin“ am Sonntag von 11:30 Uhr bis ca. 13 Uhr.
Der Eintritt ist frei.

Sonntag, 17:00 Uhr: Karneval an der Orgel (Willibrord-Kirche)

Die katholische Kirchengemeinde St. Willibrord, Kleve lädt am Sonntag um 17 Uhr in ihre Pfarrkirche an der Overbergstraße im Ortsteil Kellen zu einem besonderem Konzert ein. Zur Aufführung kommt der „Karneval der Tiere“ des französischen Komponisten Camille Saint-Saens in einer Fassung für Orgel zu 4 Händen und Füßen, ergänzt durch Texte von Albrecht Gralle. Die 14 meist recht kurzen Sätze von Saint-Saens widmen sich lautmalerisch meist einer Tierart und zitieren und parodieren gleichzeitig Melodien bekannter Komponisten, etwa von Mozart, Rossini oder Offenbach, wobei es der Komponist den Zuhörern überlässt, etwaige Beziehungen zwischen den Tieren und den zitierten Komponisten herzustellen – gewissermaßen eine „musikalische Bütt“. Die ursprünglich sehr abwechslungsreiche kammermusikalische Instrumentierung kommt einer Wiedergabe auf der Orgel mit ihren vielfältigen Klangfarben sehr entgegen. Ausführende sind Helmut Lisken als Sprecher, Christian Kammans und Michael Behrendt an der Orgel. Der Eintritt ist frei – es wird am Ende um eine Spende zur Deckung der Kosten gebeten.


10 Jahre kleveblog! 6. Fantastische Fotos aus 7 Erdzeitaltern

rd | 02. Februar 2017, 14:50 | 1 Kommentar

Auch wenn die Veranstaltung hier grundsätzlich im Zeichen des Wortes steht, so war kleveblog in den vergangenen zehn Jahren auch immer ein Hort der hochwertigen Lichtbildnerei. Hier zur allgemeinen Erbauung eine kleine, bescheidene und sicherlich unvollständige Auswahl, bevor in den kommenden Tagen weitere Details zur Festgala in der Klever Stadthalle, zu der sich jetzt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel angesagt hat, veröffentlicht werden. kleveblog stand übrigens auch schon mal auf der Liste möglicher Grimme-Preisträger, allerdings sind die Siege dort für Stefan Niggemeier reserviert.

Weiteres Umfeld (Foto: Torsten Barthel)

Weiteres Umfeld (Foto: Torsten Barthel)

Gelebte Vielfalt aus dem Klever Bäckereiwesen: Weckmänner auf Kegeltour (Fotorecherche: H. Marquardt)

Gelebte Vielfalt aus dem Klever Bäckereiwesen: Weckmänner auf Kegeltour (Fotorecherche: H. Marquardt)

Dieses Bild scheint zu schreien: Nimm mich!

Dieses Bild scheint zu schreien: Nimm mich! (Aus dem Bistro Mystic Garden)

Summer jam

Summer jam (am Drususdeich)

Schiffsbau für den Bahnhof: Eleganter Schwung im Arnheimer Terminal (Foto © Ronald Tillemann)

Schiffsbau für den Bahnhof: Eleganter Schwung im Arnheimer Terminal (Foto © Ronald Tillemann)

Frugaler Charme

Frugaler Charme

Bürgermeister und Gefolge (Foto: B. Pauls)

Bürgermeister und Gefolge (Foto: B. Pauls)

Die Natur erobert zurück

Die Natur erobert zurück (Union-Gelände)

Nahm sich 30 Sekunden Zeit für die Belichtung: Klaus Oberschilp

Nahm sich 30 Sekunden Zeit für die Belichtung: Klaus Oberschilp

Blaupause

Blaupause im Strnbuschfreibad

Don't look back in anger

Don’t look back in anger

Die Hochschule Rhein-Waal präsentiert sich derzeit zerrissen, was die Nachfolge der Gründungspräsidentin angeht (Foto: Klaus Oberschilp)

Die Hochschule Rhein-Waal präsentiert sich derzeit zerrissen, was die Nachfolge der Gründungspräsidentin angeht (klassisches Symbolfoto, geschossen von: Klaus Oberschilp)

Greenback (Foto © Claudia Philipp

Greenback (Foto © Claudia Philipp

Mögen diese beiden die Herzen derjenigen wärmen, die bisher leer ausgegangen sind

Mögen diese beiden die Herzen derjenigen wärmen, die bisher leer ausgegangen sind (Stilleben aus dem Café T42)

Illustration sponsored by Kochlöffel Media Services

Das Knochenmodell stand mal hoch im Kurs, um Kleve zu erklären – kleveblog lieferte die passende Illustration, sponsored by Kochlöffel Media Services

Meingott, denmusserdochmachn!

Meingott, denmusserdochmachn! (Aus dem Buch „Kleve 1977“ von Peter Janssen)

Man könnte glauben, diese Stadt würde 20 nach 9 nicht mehr erleben. Tat sie dann aber doch, wie eigentlich immer

Man könnte glauben, diese Stadt würde 20 nach 9 nicht mehr erleben. Tat sie dann aber doch, wie eigentlich immer

Ich war's nicht schuld: Autor und Ford Escort in Bayonne (wo der Wagen dann auch blieb – nach Motorschaden für 900 Francs verkauft)

Ich war’s nicht schuld: Autor und Ford Escort in Bayonne (wo der Wagen dann auch blieb – nach Motorschaden für 900 Francs verkauft)

Blick Richtung Westen (Klick aufs Bild für bildschirmsprengende Darstellung)

Grüne Hölle Reichswald, Blick Richtung Westen (Klick aufs Bild für bildschirmsprengende Darstellung)

Wer das anklickt, sprengt seinen Bildschirm (© Kleinendonk)

Nobler Nebel an der Hochschule (Foto: Kleinendonk)

© Christian Flock

Ökologische Fußabdrücke im Himmel (Foto: Christian Flock)


10 Jahre kleveblog: 5. Glanz und Elend 54.080 genehmigter Kommentare

rd | 31. Januar 2017, 20:49 | 8 Kommentare

Wenn mich mein verbliebenes Lateinwissen nicht täuscht, hat das Wort Kommentar die lateinischen Wurzeln „cum“ und „mens“, man bringt also seinen Verstand („mens“) mit („cum“) ein, mithin steht dem Kommentar diametral entgegen die Demenz, bei der der Verstand sich langsam verabschiedet.

So gesehen, ist kleveblog seit seiner Gründung im Januar 2007, reichlich Verstand in Form von 54.080 genehmigten Kommentaren entgegen gebrandet, hinzu darf noch eine beträchtliche Zahl gelöschter Kommentare gerechnet werden, die möglicherweise auch Formen von Intelligenz enthielten, die jedoch entweder aus juristischen Gründen oder aus solchen des Anstands nicht die redaktionelle Kontrolle, von erzürnten Lesern mitunter gerne auch fälschlicherweise „Zensur“ genannt, passieren konnten.

Seit Bestehen der Seite sorgen die Kommentare für Verdruss, womit kleveblog freilich nicht allein auf dieser Welt ist, sondern nur eine von ca. zehn Millionen Seiten. Kürzlich ging mein ehemaliger Chef, Michael Spreng (sprengsatz.de), sogar so weit, aus seinem Blog sämtliche Kommentare zu verbannen. Zu viel Hass, zu viel Blödsinn, zu viel Unverstand, so etwa war die Argumentationslinie.

kleveblog wird seine Kommentare behalten, auch wenn der Schriftleitung klar ist, dass nicht jeder Wortbeitrag mit der Brillanz der redaktionellen Inhalte (???) mithalten kann. Demgegenüber steht aber in vielen Fällen eine lebhafte Diskussion, die sonst in Kleve nirgendwo zu finden ist.

Klar, den einen stört die mögliche Anonymität, den anderen die Handvoll der Kommentatoren, die im Zweifel die virtuelle Stammtischhoheit immer wieder an sich reißen. Doch die Redaktion weiß erstens zu schätzen, dass die Leser sich tatsächlich beteiligen – und dies auf einem Niveau, das auf jeden Fall deutlich oberhalb von Facebook angesiedelt ist –, dass sie in ihren Beiträgen mitunter auf Fehler in der redaktionellen Darstellung hinweisen, dass sie diese um wertvolle Aspekte bereichern, oder dass sie auch schon mal noch verquerer denken als die Redaktion selbst. Also: Auch nach zehn Jahren bleibt alles, wie es ist, wer keine Lust auf dieses „Mit-Denken“ hat, muss es sich ja nicht antun.

Was Sie sonst noch über die Kommentare auf kleveblog wissen wollten, bisher aber nicht zu fragen wagten:

Die meisten Kommentare bisher geschrieben hat der Mann oder die Frau namens „Messerjocke“. Mit seinen 3015 Kommentaren ist „Messerjocke“ für beachtliche 5,5 Prozent des gesamten Meinungsaufkommens verantwortlich. Der Name des Pseudonyms stammt übrigens aus dem Kinderbuch „Pippi Langstrumpf“, in dem ein Pirat so heißt.

Früher lieferte sich Messerjocke ein kopf-an-Kopf-Rennen mit Killerplautze, doch mittlerweile liegt Messerjocke uneinholbar vorne – Killerplautze ist nämlich tot (Ludwig Seerden, 1960-2013).

Die beiden zweifelsohne umstrittensten Kommentatoren waren Willi Heuvens, der in Bezug auf den früheren Bürgermeister Theo Brauer hagiographische Tendenzen an den Tag legte, und Martin Fingerhut, der einfach alles wusste (und weiß), und das auch noch besser – und zudem in einer eigenTümlichen RechtSchreibung, von deren besserer LesBarKeit er als einziger Mensch im UniVersum überZeugt war (und ist).

Die liebsten Kommentatoren sind mir die, die aus der Tiefe des Raumes mit profunden Wissen über bestimmte Vorgänge glänzen, da gab es beispielsweise einmal einen Konfuzius a.D., oder aktuell meldet sich von Zeit zu Zeit der rätselhafte Niederrheinstier.

Tendenziell bevorzuge ich kurze und pointierte Äußerungen, und was überraschende Perspektiven angeht, ist beispielsweise ein „R K H“ ein verlässlicher Lieferant für mitunter strenge, aber immer diskussionswürdige Ansichten.

Das Bewertungssystem für die Kommentare, vor gut einem Jahr eingeführt und irgendwie ein bisschen Facebook-artig, bringt meines Erachtens nicht so viel. Ich denke, es wird wieder abgeschafft.

Was Sie, lieber Leser, nicht zu Gesicht bekommen, sind die zahllosen Spam-Kommentare, mit denen auch diese Seite geflutet wird. Das Abwehrsystem, das sehr verlässlich arbeitet, meldet aktuell seit seiner Installation im Mai 2012 337.616 Kommentare, die Werbebotschaften für Potenzmittel oder Billigkredite waren. Mithin kommen auf einen normalen Kommentar zehn Spam-Kommentare, und in der ganzen Zeit sind nur sieben echte Kommentare fälschlicherweise der Spam-Kategorie zugeordnet worden, die Genauigkeit liegt also bei fast hundert Prozent. Das System (Akismet) rechnet vor, dass mir durch die automatische Erkennung 60 Tage Arbeit erspart worden sind – das ist doch mal nett!


10 Jahre kleveblog… Schätze aus dem Wörtersee (Edition 2011)

rd | 31. Januar 2017, 19:57 | keine Kommentare

Blick zurück zum Jubiläum: Das Jahr 2011… die ersten Lose für den Minoritenplatz werden vergeben… die Hochschule läuft zu großer Form auf… und die halbe NATO diskutiert in Kleve die Zukunft des Krieges… hier alles im Spiegel einiger paranoider Überschriften:

Wohlfühlfaktor 560: Die (wahrscheinlich) gemütlichste Baustelle der Welt

07b 2 MOES D R225: CANC. – THÖM: Sachen gibt’s

Geistige Schlagsahne, so what? 8219 Tagestouristen, so what?

4 Lose – 1,5 Gewinner – 2,5 Nieten (vorerst)

Eine fliese Geschichte

Easy Rider (Swiss version)

Flughafen Niederrhein: Eine »steuerlich sinnvolle« Verlustkonservendose?

Fähr Play

Einen haben wir noch: Prof. Ranga (»Dschörnalism & Bionics«)

Tagebuch eines Geräderten (3): Ich fühle mich so bedarfsgeampelt

Die Stunde des Käseigels: Time to say good Bay

Bachelorstudiengang Riesenradiologie (International Wonderwheelistics)

Kirchstraße 19: Lt. Aktenlage Heiratsantrag

Schwere Koriander-Krise/Heavy coriander crisis/भारी धनिया संकट

Dschäppssissi (JAPCC)

Hausaufgabe: Schreibe einen Aufsatz »Prinz Thommy entspannt sich«, und…