Hochschule streicht „mfg“, Grußformeln müssen künftig ausgeschrieben werden

rd | 11. Dezember 2018, 20:44 | 10 Kommentare
Pläne für die nächsten Monate: Prof. Eberhard Menzel, Michael Strotkemper, Prof. Jens Gebauer, Prof. Marion Halfmann und Prof. Georg Hauck

Kleve hat die beste Hochschule der Welt, zumindest aber die beste zwischen Nimwegen und Krefeld. Das war, grob zusammengefasst, das Ergebnis einer Pressekonferenz, in der Interimspräsident Prof. Eberhard Menzel gemeinsam mit Kanzler Michael Strotkemper und den Vizepräsidenten Prof. habil. Jens Gebauer, Prof. Marion Halfmann und Prof. Georg Hauck präsentierten, was sich unter der neuen Führung ändern soll.

Menzel stellte sich vor als Mann der Tat, der schlecht Nein sagen könne und sich vorgenommen hat, die Umgangsformen zu verbessern. Emails sollen künftig nicht mehr mit „mfg“ berschlossen werden, statt dessen rief der Elektrotechniker ein neues Zeitalter der Freundlichkeit aus: Fortan seien die Grußformeln auszuschreiben, „mit freundlichen Grüßen“ also z.B. Die Zahl der Studenten soll so bei 7000 bleiben (aktuell 7500), eine Konsolidierung, die – soweit ich mich erinnere – auch von der Vorgängerin bereits ausgerufen worden war.

Die anschließenden Vorträge des Kanzlers und der vier Vizepräsidenten zeichneten ein glorioses Bild der Hochschule, was zumindest mit Fortschreiten der nunmehrigen Eigenlobeshymnen den Eindruck entstehen ließ, dass es unter der Vorgängerin vielleicht doch nicht so schlecht und womöglich sogar in die richtige Richtung gelaufen war. „Digitalisierung ist das Thema der heutigen Zeit“, diktierte Kanzler Strotkemper den insgesamt vier Pressevertretern in die Notizblöcke. Oha! Prof. Halfmann erklärte, dass Deutschkurse für die ausländischen Studenten als Wahlpflichtveranstaltungen eingeführt werden sollten – was seit einem Jahr festgeschrieben ist. Alter Wein in neuen Schläuchen, sagt man. Grundsätzlich aber sind Deutschkenntnisse in Deutschland keine so ganz schlechte Idee.

Insgesamt bildeten die Vorträge einen hübschen Klangteppich, der wohl vergessen machen sollte, was in den vergangenen Monaten an der Hochschule gelaufen war. Um 17 Uhr stand ein vom Förderverein ausgerichtetes Weckmannessen auf dem Programm, „eine Möglichkeit, um miteinander zu reden“, so Eberhard Menzel.

Wie schon in der Mail an die Studenten erzählte Menzel, dass er „vor einigen Wochen“ von Prof. Aloys Krieg, dem Vorsitzenden des HSRW-Hochschulrats, gefragt worden sei, ob er die Klever Hochschule vorübergehend leiten wolle. Auf Nachfragen präzisierte er, der erste Kontakt sei bereits „im Sommer“ erfolgt, und „irgendwann im Juli“ habe es dann das erste persönliche Treffen zwischen ihm und Krieg gegeben. Interessant daran ist: Zu einem Zeitpunkt also, als zumindest für Außenstehende und auch für die amtierende Präsidentin noch nicht feststand, wie die Verhandlungen über das zu diesem Zeitpunkt vorliegende Rücktrittsangebot ausgehen, hatte der Vorsitzende des Hochschulrats bereits den Stab über der Präsidentin gebrochen. 

Der RP hat auch schon berichtet, hier der Link zum Artikel: Präsidium stellt Ziele vor



Applaus für Klever Jazzfreunde

rd | 10. Dezember 2018, 14:27 | 4 Kommentare
Günter Winands, Kulturbeauftragter der Bundesregierung, Elena Kreßin und Christoph
Berens bei der Preisverleihung in Mannheim

Schöne Ehrung für ein beständiges Highlight des Klever Kulturlebens: Die Klever Jazzfreunde erhielten für ihre Konzertreihe den Preis APPLAUS 2018, mit dem das nach Ansicht der Jury „herausragende
Livemusikprogramm“ des Vereins gewürdigt wurde. Der Preis, dem 1,8 Millionen Euro Fördergelder zufließen, ist der höchstdotierte Musikpreis des Bundes für unabhängige Musikclubs und Veranstaltungsreihen. Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters: „Der APPLAUS ist vor allem den vielen kleinen Musikclubs gewidmet, die mit ihren ambitionierten und innovativen Rock-, Pop- oder Jazz-Angeboten für eine lebendige und vielseitige Musiklandschaft im ganzen Land sorgen.“


Die Vereinsvorsitzenden Elena Kreßin und Christoph Berens nahmen bei der Preisverleihung in Mannheim die Urkunde entgegen. Begleitet wurden sie von Joachim Marx, der als Mitglied der Klever Jazzfreunde an der Programmgestaltung beteiligt war. „Dass wir den Preis gewonnen haben, ist für uns ein Ansporn. Auch in Zukunft möchten wir mit einem mutigen und leidenschaftlichen Programmangebot die städtische Kultur bereichern“, sagt Elena Kreßin, Vorsitzende der Klever Jazzfreunde. „Das Preisgeld investieren wir vor allem in die Gagen für die Musiker“, sagt Christoph Berens, der sich vor allem beim treuen Publikum bedankt: „Wir haben einen guten Schnitt von 130 Zuschauern pro Konzert. Ein tolles Publikum, vielseitig interessiert, das sich vom Liveerlebnis begeistern lässt und für eine gute Atmosphäre sorgt.“ Und Elena Kreßin ergänzt: „Ohne die 145 Mitglieder des Clubs wären unsere Konzerte gar nicht möglich.“


Mit dem sehr gut besetzten und abwechslungsreichen Programm des Jahres 2017 konnten die Jazzfreunde die Jury überzeugen: Es spielten unter anderem das Johan Leenders Trio, das Ka MA Quartett mit Katharina Maschmeyer, Choo Choo Panini, Tape Five oder Stephan Max Wirth. In insgesamt elf Abendkonzerten konnte die ganze Bandbreite des Jazz abgebildet werden.

kleveblog gratuliert und sagt: Weiter so!



Der schmale Grat zwischen Wein Peters und Kein Peters

rd | 06. Dezember 2018, 16:13 | 9 Kommentare
Fast kein Durchkommen mehr

Für routinierte Zecher und solche Menschen, die routinierten Zechern eine Freude bereiten wollen, ist die Zeit vor Weihnachten die wichtigste des Jahres – hier mal schnell eine Flasche Wein als Zeichen der Dankbarkeit übergeben, dort mit einer Bouteille Cognac einen Friedenssschluss besiegeln.

Erste Adresse zur Befriedigung dieser Spezialflüssigkeitsbedarfe ist in Kleve natürlich die Schlosssbergkellerei Peters an der Wasserstraße. Nicht zuletzt deshalb hatte Geschäftsführer Franz Peters darauf gedrungen, dass sein Geschäft in der Weihnachtszeit nicht völlig von der Außenwelt abgeschnitten ist, und von Seiten der Stadt Kleve war auch Verständnis für diesen Wunsch signalisiert worden.

Doch die Bauarbeiten zur Umgestaltung des Stadthallenumfelds sind so schnell vorangeschritten, dass die Firma Loock sich nun bereits die Wasserstraße hat vorknöpfen können. Das Ergebnis: Für Passanten aus der Innenstadt sieht es so aus, als wenn das Geschäft nicht mehr erreichbar ist – kein Peters sozusagen. Nur einen schmalen Fußgängerpfad gibt es derzeit noch. Über den rückwärtigen Zugang (Königsgarten) ist das Geschäft zwar noch für Autofahrer zu erreichen, allerdings (siehe Foto) müssen sie mit der Gegenwart schwerer Baufahrzeuge rechnen. Nicht gerade verkaufsfördernd!

Der einzige Quell der Linderung für Franz Peters dürfte der Umstand sein, dass er genug Trostspendendes auf Lager hat, z. B. einen formidablen 2014er Domino de Valdepusa Cabernet Sauvignon Vino de Pago des Weinguts Marqués de Griñón Family Estates, mit einem würzigen, aromatischen Bukett roter Früchte (Brombeere, Cassis), konzentriert und vielschichtig (29,95 €/Flasche), falls die Kunden dem Weg zu seinem Geschäft zu beschwerlich finden.


Symbolfoto Politik vs. Bürgerwille

rd | 04. Dezember 2018, 13:14 | 21 Kommentare
Wer, vom Minoritenplatz kommend, das Rathaus an der Nordseite passieren möchte, steht vor einer Entscheidung

Die Daseinsvorsorge ist die vornehmste Aufgabe der Verwaltung unseres Gemeinwesens. Dazu gehört, die Bürger mit Gelben Säcken zu versorgen, in  denen sie Verpackungsmüll sammeln können, und dazu gehört auch Wege zu ebnen, denen man folgen kann, wenn sich nicht die Knochen brechen möchte.

Doch bei all diesen Dingen gibt es widerstreitende Meinungen, aber nicht immer werden die auseinanderdriftenden Ansichten so offenbar wie kurioserweise genau vor dem Rathaus unserer Stadt: Wer vom Minoritenplatz kommt und das Rathaus an der Nordseite passieren möchte, kann dem Verwaltungsvorschlag folgen, erst auf das Rathaus zulaufen und dann scharf rechts abbiegen. Ein kleiner Umweg, dafür aber fester, asphaltierter Untergrund.

Manchmal scheint es der Bürger der Stadt offenbar wild, frei, ungezwungen zu mögen – born to be wild. Ergebnis: Vor dem Rathaus entfaltet sich ein Schisma, wie es schöner nicht zutage treten kann. Dort gehen offenbar so viele Klever abseits des Asphalts geradewegs über den Rasen, dass sich schon ein Weg abzeichnet, der deutlich von dem abweicht, was ursprünglich an dieser Stelle an den Schreibtischen der Planer ersonnen worden war. Es begann als Widerstand, als Akt des zivilen Ungehorsams. Man kann sich den ersten Bürger geradezu vorstellen, wie er, zunächst noch zögerlich, seinen ersten Fuß auf das Grün setzt und dann schnell über den Rasen huscht. Seinem Beispiel folgten weitere mutige Frauen und Männer, und , siehe da!, nun wirkt die Ausweichstrecke schon wie ein ausgetretener Pfad. Eine Abstimmung mit den Füßen.

Damit hat uns die Stadt Kleve ein nahezu perfektes Symbolfoto für die Diskrepanz zwischen Verwaltungshandeln (Politik) und Bürgerwillen beschert. Danke dafür!

(Mit Dank an den Leser, der das schöne Motiv zuerst entdeckte.)