Ministerin besucht Klever Museen (und macht einen Bogen um…)

rd | 18. Januar 2019, 11:39 | 1 Kommentar
Skulpturen und Menschen: Isabel Pfeifer-Poensgen mit Harald Kunde, im Hintergrund Mitglieder der Klever Kulturdelegation

Was eine Ministerin halt so macht: Zeichen setzen.

Gestern besuchte die Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Isabel Pfeifer-Poensgen, die Stadt Kleve. Genauer gesagt, die beiden Museen, die eine Zierde unserer Stadt sind – das B. C. Koekkoek Haus sowie das Museum Kurhaus Kleve. Im Kurhaus wurde sie von Harald Kunde empfangen, einem Bekannten aus gemeinsamen Aachener Tagen. „Liebe Isabel“, so begrüßte der Museumschef die Ministerin, bevor sich die beiden eine gute Stunde Zeit nahmen, die aktuelle Ausstellung „Every Single Day“ des Künstlers Haim Steinbach zu besichtigen, die eindrucksvolle Skulpturensammlung zu begutachten und auch durch das Beuys-Atelier zu schlendern. Ministerin Pfeifer-Poensgen zeigte sich gut gelaunt und sehr interessiert, und am Ende gab es im Café des Museums für sie und die Kulturdelegation der Stadt (Joachim Schmidt vertrat Bürgermeisterin Sonja Northing) sowie für den hiesigen Landtagsabgeordneten Dr. Günther Bergmann noch einen Imbiss, bevor es zurück in die Landeshauptstadt ging.

Interessant an diesem Ausflug an den Niederrhein ist allerdings auch, wohin die Ministerin nicht ging. Als Wissenschaftsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen ist Isabel Pfeifer-Poensgen auch zuständig für die Hochschule Rhein-Waal, die im vergangenen Jahr reichlich turbulente Zeiten erlebte und die unter der aktuellen Interimspräsidentschaft in der Fachwelt für verstörende Blicke sorgt (Stichwort: Klima). Was hätte da näher gelegen, als dort einmal nach dem Rechten zu sehen, wenn man denn schon einmal in Kleve ist? Doch die Ministerin, die im Laufe ihrer Amtszeit schon viele Hochschulen besucht hat, machte einen Bogen um die HSRW. „Ein Besuch der Hochschule war nicht geplant“, teilte die HSRW mit.

Was eine Ministerin halt so macht: Zeichen setzen.



Diebstähle im Dutzend, aber was ist eine gerechte Strafe?

rd | 16. Januar 2019, 14:00 | 15 Kommentare
Tabakbörse, 11.10.18: Hamde K. stiehlt Zigarettenblättchen im Wert von 3,99 Euro, wird ertappt und zertrümmert aus Wut zwei Wasserpfeifen (Wert: jeweils 49 Euro)

Das Gefängnis, so bekannte es der Angeklagte, tue ihm nicht gut. „Meine Situation ist sehr schlecht“, sagte er. Seine Mitgefangenen könne er nicht ertragen, das Essen sei bitter, es schmecke nicht. Vom Gericht erbat er eine wie auch immer geartete Lösung, „aber nur kein Gefängnis“.

Allerdings hatte Hamde K., ein 26 Jahre alter Mann aus Ägypten, im Herbst vergangenen Jahres in Kleve und Emmerich ein Verhalten an den Tag gelegt, dass es selbst wohlwollenden Strafverfolgern unmöglich erscheinen ließ, ihm weiterhin Freiheit zu gewähren. Binnen weniger Tage legte er eine Serie von Diebstählen hin, die selbst für einiges an Eskapaden gewohnte Polizisten gewöhnungsbedürftig waren. „Er war über das normale Maß hinaus auffällig“, so die Beobachtung einer Kriminalbeamtin, die mit dem Fall befasst war.

Mit einem mit Alufolie präparierten Rucksack, der in Ermittlerkreisen als „Klaurucksack“ bezeichnet wird, betrat Hamde K. Geschäfte in der Klever Innenstadt und griff nach Dingen, die ihm gerade nötig erschienen oder sonstwie ins Auge fielen. Bei Brüggemeier waren es Nescafé, Zahnpasta, Imprägnierspray und Tee (32 Euro Warenwert), bei Aldi zwölf Dosen Red Bull und 20 Dosen Cola (34,48 Euro inkl. Pfand), bei Thissen drei Paar Schuhe (200 Euro), bei Kiesow ein hochwertiger Rucksack (270 Euro). Der Diebstahl des Behältnisses war aus Sicht des Angeklagten erforderlich geworden, weil der zuvor genutzte Rucksack bei der Flucht von einem anderen Tatort zurückgelassen werden musste. Zwischen dem 9. und 11. Oktober wurde der Mann gleich siebenmal wegen verschiedener Delikte aufgegriffen, insgesamt waren ein Dutzend Fälle angeklagt.

„Er wollte seinen Lebensunterhalt durch die Diebstähle sichern“, so die Einschätzung des Staatsanwalts. Der Angeklagte räumte die Taten ein und bestritt lediglich, was die mögliche Nutzung eines in seinem Rucksack sichergestellten Cuttermessers anging, etwaige Gewaltabsichten: „Das habe ich zum Obstschälen benutzt.“

Vor vier Jahren war Hamde K. nach Deutschland gekommen, mit einem Flug aus Ägypten, in welcher Stadt er ankam, wusste er nicht mehr. Danach geriet sein Leben schnell auf die schiefe Bahn. Jeweils schon nach wenigen Tagen, am dritten oder vierten eines Monats, sei das Geld, welches er als Asylbewerber erhalten habe, aufgebraucht gewesen. Alkohol war auch im Spiel.

Dann ging er auf Diebestour. Das führte schon 2015 zu insgesamt acht Verurteilungen, die am Ende zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe zusammengefasst wurden, die er auch verbüßte. Am 21.12.2017 kam er frei und kehrte zurück ins Kalkarer Asylbewerberheim. Am 22. September 2018 wurde er dann erstmals wieder aktenkundig.

Die Staatsanwaltschaft forderte wegen der zahlreichen Delikte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Rechtsanwalt Dr. Karl Haas, der Verteidiger des Ägypters, bat die Kammer, auf die schwierige Situation seines Mandanten Rücksicht zu nehmen: „Die finanzielle Situation ist angespannt, die Integration ist schwierig.“ Haas hielt eine Strafe im Zwei-Jahres-Bereich für angemessen.

Dieser Ansicht folgte die 2. große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Gerhard van Gemmeren. „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen“, bemühte der Jurist eine Redewendung zur Begründung des von der Kammer verhängten Strafmaßes. Das Gericht hielt ein Jahr und neun Monate für angemessen.

Man habe es zwar mit einer Kette von Straftaten in unheimlich schneller Folge zu tun, doch insgesamt habe der Wert der Beute lediglich rund 1000 Euro betragen. In der mündlichen Begründung des Urteils verglich van Gemmeren die Delikte mit der Straftat eines Menschen, der 10.000 Euro Steuern hinterzogen habe: „Soll die Staatsanwaltschaft da auch vier Jahre [Haft] beantragen?“

Nach Einschätzung von Juristen wird Hamde K. voraussichtlich die Hälfte seiner Strafe in Deutschland verbüßen und dann abgeschoben werden.



Gelber Sackasmus

rd | 14. Januar 2019, 18:19 | 36 Kommentare
Rollkommando: „Das dürfen wir nicht!“ Wo kämen wir da auch hin?

Rathaus, Informationsschalter, eine ältere Dame erkundigt sich beim städtischen Mitarbeiter nach Plätzen für ein Konzert. Sie möchte eine Karte für die „Sinfonischen Tänze“ erstehen, in Reihe 14 soll es sein, welche Plätze denn da noch erhältlich seien. Es wird ein wenig hin und her überlegt, bis schließlich der beste Platz gefunden ist. Ach ja, und dann werden am 9. April in der Stadthalle die „Zigeunerweisen“ gegeben, ob denn für dieses Konzert auch noch ein Platz in Reihe 14 erhältlich sei. Der freundliche Mitarbeiter schaut im System nach, oh, das tue ihm aber leid, da seien in Reihe 14 alle Plätze belegt, ob nicht auch ein Platz in Reihe 13 möglich sei. Die Dame erwidert, dies würde sie nur sehr ungern machen, weil von Reihe 14 zu Reihe 13 eine Stufe sei, die sie zu überwinden sich nicht imstande sehe. Es wird angesichts dieser verzwickten Lage ein wenig hin und her überlegt, bis schließlich eine Lösung gefunden, der Kaufvorgang abgeschlossen und sodann der elektronische Bezahlvorgang mithilfe einer Bankkarte eingeleitet wird.

Zufrieden verlässt die Dame das Rathaus und blickt hinter sich auf eine Schlange, die mittlerweile auf sieben Personen angewachsen ist. Beschreiben kann ich das so genau, weil ich in der Reihe der wartenden Menschen der Zweite war und aus den grummelnden Gesprächen der Frauen und Männer hinter mir mitbekommen habe, dass die meisten von ihnen – wie ich auch – keine ausführliche kulturgeographische Beratung wünschten, sondern einfach nur eine Rolle der gelben Säcke abholen wollen.

Immer auf der Suche nach Lösungen, die das Leben der Menschen ein wenig erträglicher machen, wies ich, als ich nach einer gefühlten Ewigkeit an der Reihe war, den Mann am Informationsschalter darauf hin und machte den Vorschlag, den Karton mit den Gelben Säcken doch einfach vor den Schalter zu stellen. Dann könnte sich jeder eine Rolle oder auch zwei, oder meinethalben sogar drei nehmen (die Welt würde davon nicht untergehen, nicht einmal wenn der dritte Sack dann nicht bestimmungsgemäß verwendet werden würde), und die alte Dame müsste beim Anblick der durch ihre Beratung ausgelösten Schlange kein schlechtes Gewissen bekommen.

Doch eine solche Idee ist in Kleve schon der Beginn einer Revolution, die offenbar im Keim erstickt werden muss. „Das dürfen wir nicht“, sagt der Mann am Schalter im Rathaus, für dessen Errichtung die Bürger der Stadt einen zweistelligen Millionenbetrag gezahlt haben, damit sie für einen Gegenstand im Wert von wenigen Cent wie Deppen in der Schlange warten.


… and the winner is: Martin Fingerhut

rd | 10. Januar 2019, 12:23 | 12 Kommentare
Beckloppt!

Die Rätsel auf dieser Seite enden immer anders als gedacht, wahrscheinlich weil die Leser dieses kleinen Angebots noch mehr um die Ecke denken als der Herausgeber selbst.

Der jedenfalls war angesichts des Fotos oben auf die Idee gekommen, dass die Fotografin nicht mitten im Becken, sondern an dessen Ende stand. Die Position wäre mithin als Beckenendlage zu beschreiben, was laut dem medizinischen Wörterbuch Pschyrembel die intrauterine Lage des Kindes bezeichnet, bei welcher das Becken des Kindes führt. Zwischen drei und vier Prozent aller Geburten am Termin weisen eine solche Lage auf, teilweise gelingt eine Wendung des Kindes durch äußere Manipulation, häufig wird aber auch per Kaiserschnitt entbunden.

Dieser deutsche medizinische Fachbegriff (ICD 10: O 64.1) schwebte dem Verfasser als Lösung vor, doch die geneigte Leserschaft wartete mit zwei weiteren Antwortvarianten auf, die mindestens genauso passend sind, nämlich die synonym verwendeten Begriffe Beckentiefstand bzw. Beckenschiefstand, da die Fotografin sich  im 3,50 Meter tiefen Teil des abfallenden Beckens befand.

Alle Lösungen, auch die nicht weniger beeindruckenden falschen, sind in den Kommentaren nunmehr freigeschaltet. Die Anhänger der Becken-Fraktion (seien es nun Martin Fingerhut, der als einziger zu meiner Lösung fand, oder die tiefen und schiefen Antwortgeber) gelten als Gewinner. Die Magazine werden gerne überreicht, was bei den Pseudonymen nur möglich ist, sofern Namen und/oder Adressen nachgeliefert werden (werden nicht veröffentlicht). Wichtig ist der Redaktion außerdem noch der Hinweis, dass Messerjocke entgegen seiner Selbsteinschätzung nicht zu den Gewinnern zählt.