Aktuelle Bäumfällungen

rd | 19. Juli 2017, 22:35 | 1 Kommentar
Abendansicht der Spyckstraße: Ein Baum ist unheilbar krank

Abendansicht der Spyckstraße: Ein Baum ist unheilbar krank

Die Stadt Kleve teilt mit: „Im Zuge der turnusmäßigen Baumkontrollen wurde durch Mitarbeiter der USK festgestellt, dass mehrere kranke oder abgestorbene Bäume kurzfristig gefällt werden müssen. Sie stellen eine Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer dar. Darunter befindet sich auch jeweils ein Baum innerhalb der gesetzlich geschützten Alleen an der Spyckstraße und an der Lindenallee. Die Fällungen in den Alleen sind mit dem Kreis Kleve abgestimmt worden. Das Ziel aller Baumpflegemaßnahmen und Fällungen ist es, den Baumbestand gesund und verkehrssicher zu halten.“

Lesen Sie morgen: Wo und wann werden die Vorratsbehälter für Hundebeutel aufgefüllt?



Hochschule bekommt Zwischenkanzler

rd | 19. Juli 2017, 22:21 | keine Kommentare
Dr. Oliver Herrmann: Von der Lippe an den Rhein

Dr. Oliver Herrmann: Von der Lippe an den Rhein

Dr. Oliver Herrmann leitet als Interimskanzler die Verwaltung der Hochschule Rhein-Waal: Mit der Besetzung des in der Hochschulleitung erfahrenen Wissenschaftsmanagers als Interimskanzler sichert die Hochschule Rhein-Waal einen nahtlosen Übergang in der Hochschulverwaltung bis zur Neubesetzung der Kanzlerstelle. Als „exzellente Wahl“ in der Besetzung der Interimsfunktion sehen Hochschulpräsidentin Dr. Heide Naderer und Hochschulratsvorsitzender Aloys Krieg den 51-jährigen Diplomverwaltungswirt und Juristen Dr. Oliver Herrmann.

Herrmann ist seit mehr als 25 Jahren im Wissenschaftsmanagement in verschiedenen Hochschulen tätig und verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Hochschulleitung, unter anderem als Kanzler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und zuletzt als Präsident der Fachhochschule Ostwestfalen-Lippe. Gegenwärtig ist er als Berater im Hochschulsektor tätig. Zu seinen Projekten zählen unter anderem die Koordination des Vereins Campus OWL, dem Verbund der fünf staatlichen Hochschulen in Ostwestfalen-Lippe.

Bis zum Amtsantritt der neuen Kanzlerin bzw. des Kanzlers wird Herrmann ab dem 23. August 2017 das Kanzleramt vom scheidenden kommissarischen Kanzler Karsten Koppetsch übernehmen. Die Hochschule griff mit der Besetzung Herrmanns einen Vorschlag von Ministerialrätin Sigrid Rix-Diester aus dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalens auf und freut sich, einen so ausgewiesen qualifizierten Fachmann gefunden zu haben und damit einen nahtlosen Übergang in diesem wichtigen Amt sicherstellen zu können. Für die voraussichtlich im Herbst stattfindende Kanzlerwahl kandidiert Herrmanns nicht.



Rheinische Post jetzt da, wo die Volksbank früher war

rd | 17. Juli 2017, 12:26 | 16 Kommentare
Mitte der 80-er Jahre verschwanden plötzlich die Schreibmaschinen: Der Autor zeigt Besuchern der Bundeswehr, wie am Computer Artikel geschrieben werden (Foto: G. Evers)

Mitte der 80-er Jahre verschwanden plötzlich die Schreibmaschinen: Der Autor zeigt Besuchern der Bundeswehr, wie am Computer Artikel geschrieben werden (Foto: G. Evers)

Die Lokalredaktion der Rheinischen Post ist umgezogen, aus dem Herzen der Stadt, dort, wo eine Lokalredaktion meines Erachtens hingehört, zur Goldstraße, in das Bürogebäude aus dem Immobilienportfolio von Erich Tönnissen, das zuvor die Verwaltung der Volksbank Kleverland beherbergt hatte. Der neue Standort liegt zwar streng genommen immer noch im Herzen der Stadt, aber er befindet sich doch etwas ab vom Schuss. Dafür blicken die Redakteure von ihren Büros direkt zur Stiftskirche, so dass stets unkompliziert göttlicher Beistand für die richtigen Formulierungen erbeten werden kann.

Ich hatte das außerordentliche Glück, am alten Standort am Hasenberg einige prägende Jahre erleben zu dürfen. Im folgenden meine sentimentalen Erinnerungen daran (ursprünglich erschienen im Magazin Der KLEVER, Ausgabe 3/2016):

Von Kaffeebechern und Sektflaschen

Merkwürdigerweise beginnen meine Erinnerungen an die Redaktionsräume der Rheinischen Post am Hasenberg mit meinem beigefarbenen Kaffeebecher, auf dem in einer femininen Schrifttype das Wort „Chocolate“ prangte. Zuhause, am Kieferneck in Bedburg-Hau, hatte ich daraus mit Vorliebe Kakao getrunken, doch nun, nach der Reifeprüfung, war ich als „freier Mitarbeiter“ der RP in der Welt der Männer angelangt, in der aus Bechern Kaffee getrunken wurde, so schwarz wie Teer und am Ende eines Arbeitstages auch von ähnlicher Konsistenz. Um dazuzugehören, brachte ich meinen Kaffeebecher von zu Hause mit.

Die Kaffeemaschine, ein röhrendes Billiggerät, stand auf einem betagten Bosch-Kühlschrank, und dieses Gerät bildete gewissermaßen das Gravitationszentrum der Redaktion. Zur Grundausstattung gehörte Diebels Alt, die Brauerei aus Issum spendierte der Redaktion jeden Monat einen Kasten.

Wichtiger aber waren die Besorgungen der Mitarbeiter selbst. Allein mit den Einnahmen aus dem Verkauf des Sekts der Marke „Splendid halbtrocken“ hatte Walter Oslislo, Leiter der Schätzlein-Filiale im Erdgeschoss, vermutlich ein Ferienhaus auf Mallorca finanzieren können. Dann war da noch der Praktikant von der Bundeswehr, der die militärischen Trinksitten mit in die Redaktion brachte. Er kam jeden Morgen mit einer Flasche Cognac, und so begann ein normaler Arbeitstag für einige Wochen damit, dass gegen zehn Uhr morgens erst einmal ein feiner Cognac genossen wurde – nicht ganz stilecht allerdings aus Kaffeebechern. Aber ich lernte, wofür die Buchstaben VSOP stehen.

Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass die Räume der Rheinischen Post am Hasenberg von Mitte der Achtzigerjahre an mein wahres Zuhause waren. Es war eine Welt der Männer, in der die Frauen zuarbeiteten. Die Männer schmiedeten an ihren Triumph-Adler-Schreibmaschinen auf den vorgedruckten Manuskriptbögen der Reinisch-Bergischen Druckerei- und Verlagsgesellschaft Weltgeschichte (wenn auch nur im Lokalteil), die Frauen, in unserem Fall Redaktionssekretärin Maggy Arping, kochten den Kaffee dazu.

Emanzipation war trotzdem gegeben, denn Spülen mussten die Frauen nicht mehr, was allerdings dazu führte, dass in der kleinen Küche in einem Vorraum der Redaktion in halbleeren Kaffeebechern übers Wochenende neue Lebensformen entstanden. Ich lernte, dass Männer erst dann anfangen zu spülen, wenn sie etwas erneut benötigen – vorher ist es ein Zeichen von weiblicher Schwäche.

Die Jahre in der Lokalredaktion erscheinen aus heutiger Sicht wie ein Paradies des Journalismus. Man trank, man rauchte, man schwadronierte, und irgendwann schrieb man ein paar Meldungen und/oder Geschichten, und wie durch ein Wunder entstand daraus ein Produkt, das der Leser am nächsten Morgen in den Händen hielt. Er war sogar bereit, dafür zu bezahlen.

Die Themen waren schnell gefunden, und zwar durch einen Blick in den Terminkalender. Routiniert verteilte Jürgen Loosen, heute Redaktionsleiter, und schon damals der Blattmacher, die Termine, und die Mitarbeiter schwärmten aus. Sie erledigten ihre Arbeit mit einer gewissen Begeisterung, denn für jeden Außentermin gab es fünfzig Mark, eine Menge Geld damals. (Vielleicht verdeutlicht nichts mehr die Misere des Journalismus als die Tatsache, dass heute, gut 30 Jahre später, Mitarbeiter für einen Artikel rund sechsundzwanzig Euro erhalten.)

Begehrt war es auch, mit der Polizei telefonieren zu dürfen, weil der Polizeibericht immer für einige Geschichten gut war, die sich zudem schnell schreiben ließen: „Unbekannte Täter erbeuteten bei einem Einbruch in ein Einfamilienhaus in Kellen blabla blabla blabla. Hinweise, die auf Wunsch auch vertraulich behandelt werden, an die Polizei Kleve.“

Es folgte eine Telefonnummer, meiner Erinnerung nach 9010, jedenfalls nicht die heutige, ohnehin kannten die Redakteure und Mitarbeiter alle wichtigen Rufnummern im Schlaf und konnten sie auf Telefonen mit Wählscheiben selbst dann noch ansteuern, wenn der Morgen mit Cognac und Splendid halbtrocken begonnen hatte. Nachmittags wurde es allerdings zunehmend schwieriger.

Der ganz spezielle, aus heutiger Sicht vielleicht etwas aufgeblasen wirkende Schreibstil der Lokalredaktion rührte daher, dass die Mitarbeiter ihre Geschichten gerne länger machten, in der Hoffnung dass diese dann auch größer präsentiert und womöglich besser bezahlt wurden.

Was geschrieben wurde, war eigentlich egal. Das führte bei mir in präpotentem Übermut dazu, dass ich gerne in meinen Artikeln tolle Fremdwörter unterbrachte, die kaum noch ein Leser verstand: „Die Führung von Rheinwacht Erfgen war nur ephemerer Natur.“ Ich hätte auch schreiben können „… hielt nicht lange an“, aber das wäre ja uncool gewesen.

So aber zog ich mir ein einziges Mal den Zorn des sanftmütigsten aller Redaktionsleiter, Aloys Puyn, zu. Vor ihm, auf seinem Schreibtisch, lag der Sportteil, und in dem Kreisliga-Bericht war mit Textmarker das Wort „ephemerer“ markiert. Ein kritischer Leser hatte angerufen, was selten genug vorkam, und Puyn hatte selbst das Wort nachschlagen müssen. Seine Botschaft aber, mit gutväterlicher Strenge vorgetragen, behielt ich mein Leben lang. Ich lernte: Der Text dient dem Leser, nicht dem Schreiber.

Aloys Puyn hatte sein Chefbüro am Ende der oberen Etage des Boss-Gebäudes (irgendwann später zog die Redaktion eine Etage tiefer, da waren die goldenen Jahre aber schon vorbei). Es war in einem gewissen Sinne repräsentativ – wenn man nach einer Illustration für die Chaostheorie gesucht hätte, man wäre dort fündig geworden. Das Büro ähnelte einer Bücherei, nur dass jemand die Regale weggenommen hätte und anschließend noch mit einem Bulldozer herumgefahren wäre.

Aber Puyn behielt den Überblick und bewahrte die Ruhe, auch wenn am Freitag Nachmittag noch fünf Artikel zu schreiben waren und der Notizblock gerade nicht aufzufinden war. Übrigens hatte der Lokalchef die Eigenart, fehlerhafte oder überarbeitete Textpassagen nicht mit dem Buchstaben X zu überschreiben, sondern mit der Ziffer 9.

Das Zimmer neben Puyn war das Reich von Maggy Arping, der Sekretärin. Es folgte das Büro von Hanns Evers, dem stellvertretenden Redaktionsleiter (und Vater des Fotografen), der aber nur selten anwesend war, weil er als Gerichtsreporter lange Arbeitsstunden in der Schwanenburg verbrachte. Seine Stärke war ein sehr direkter, fast boulevardesker Stil, der aber von allen anderen in der Redaktion wenig geschätzt wurde, weil er ihnen nicht seriös genug erschien. Außerdem mokierten sich die Kollegen, dass er beim „dass“, das damals noch „daß“ geschrieben wurde, Fehler machte. Aus heutiger Sicht muss ich sagen: Nichts geht über eine lebendige Sprache, und nichts ist tödlicher als eine pseudoabgeklärte Schreibweise, zu der vermutlich auch schon bald jeder Computer automatisch in der Lage sein wird.

Bevor wir zurückkehren in das Zimmer von Hanns Evers, werfen wir noch kurz einen Blick in die eigentliche Redaktion, in der Ludger Distelkamp saß, der damals einen roten BMW fuhr, für Klever Verhältnisse also gewissermaßen einen Ferrari, und von dem auch eine Sentenz für die Ewigkeit stammt: „Der Leser hat kein Archiv.“

(Ewigkeit ist natürlich übertrieben, aber damals gab es noch kein Internet. Der erste technische Quantensprung in der Redaktion war die Einführung eines Faxgerätes, das mit einem Spezialpapier gefüttert werden musste und etwa vier Minuten wie ein durchgedrehtes Küchengerät rotierte, bevor eine einzelne Seite übermittelt war. Wenig später kamen die Computer. Puyn schrieb weiterhin auf seiner Schreibmaschine, und Maggy Arping musste dann die Texte in das „System“, wie es hieß, übertragen.)

Distelkamp ist heute bereits im Ruhestand. Ihm gegenüber saß Helmut Vehreschild, der Sportreporter. Außerdem war er für die Gemeinde Uedem zuständig. Da Helmut Vehreschild große Stücke auf mich hielt und Uedem vielleicht nicht gerade im Zentrum seines Interesses stand, hatte ich das Vergnügen, die Stadt näher kennenzulernen – und die Welt der absurden Journalistenumschreibungen.

Statt zweimal hintereinander „Uedem“ zu schreiben, wählte der geübte Redakteur bei der zweiten Erwähnung „Schüsterkesgemeinde“. Goch, wo der letzte Weber vermutlich 1492 verstorben ist, war die „Weberstadt“. Kalkar die „Nicolaistadt“, Kranenburg die „Grenzfeste“.

Am Seitenende der beiden Schreibtische von Vehreschild und Distelkamp stand der in der Regel verwaiste Schreibtisch von Jürgen Loosen, der stattdessen an seinem Produktionstisch über großen Layoutbögen brütete und mit Filzstift und Typometer, einer Art Lineal, Ein-, Zwei- und Dreispalter die Zeitung von Morgen malte.

Die Fotos waren aus Papier und schwarzweiß; sie wurden mit Zetteln beklebt, die ihnen Ausgabe, Seite und Größe zuwiesen, abends in einen Umschlag gesteckt und dann mit einem Taxi nach Geldern zur Druckerei gebracht.

Die freien Mitarbeiter eroberten die Schreibtische, die wegen Urlaub, Krankheit oder Außenterminen nicht besetzt waren. Das waren neben mir in diesen Jahren Robert Peters, gerade Doktor der Philosophie geworden und nun auf einen Platz für ein Volontariat wartend, heute Sportchef der Rheinischen Post, Dieter Dormann, der eigentlich Lehrer werden wollte, dann aber keine Stelle fand (er ist nach langen Jahren in Düsseldorf wieder Redakteur in Kleve), sowie Frank Hoiboom, ein für meinen Geschmack etwas zu windschnittiger junger Mann aus Goch, den ich aus den Augen verloren habe.

Mit Peters und Dormann habe ich viele Stunden im Büro von Hanns Evers verbracht, unter Zuhilfenahme eines Blatts Spielkarten. Stundenlang spielten wir Skat, natürlich um Kleinbeträge, die sich aber im Verlustfalle schmerzhaft summierten konnten. Jürgen Loosen spielte auch mit, aber der musste zwischendurch auch schon mal arbeiten.

Wir freien Mitarbeiter philosophierten über Gott und die Welt, absolvierten zwischendurch Termine und schrieben Berichte, bevor wir wieder in den Bann der Spielkarten gezogen wurden. Da unser Spielzimmer auf dem Weg von Aloys Puyns Büro in die Redaktion lag, passierte der Lokalchef die Spielrunde viele Male täglich. Störte es ihn? Vielleicht. Ließ er sich anmerken? Nein.

Für Puyn zählte, dass am Ende des Tages die Arbeit gemacht war. Und das war sie, erledigt von einer verschworenen Gemeinschaft junger und nicht mehr ganz so junger Männer, deren Welt zu schildern heute anmutet wie eine Erzählung aus einer fernen Vergangenheit. Und das ist sie ja auch. Vielleicht nicht nach Jahren gerechnet, aber bestimmt nach einem Lebensgefühl.

*
Die Überschrift ist eine Reminiszenz an Jürgen Loosen, der weniger nachrichtliche Geschichten gerne mit Überschriften des Typs „Von X und Y“ versah, wobei der Abstand zwischen X und Y möglichst groß sein musste.


Fa. Loock präsentiert: Kleves 1. Nachtbaustelle

rd | 17. Juli 2017, 09:16 | 1 Kommentar
Nein, kein Tatort: Männer der Tat verlegen Rohre

Nein, kein Tatort: Frauen und Männer der Tat verlegen Rohre

Wenn nachts ein Straßenzug hell erleuchtet ist, denkt der Klever Autofahrer reflexartig an einen Tatort oder eine Unglücksstelle – nicht aber an Frauen und Männer eines bekannten Klever Bauunternehmens, die beispielsweise auf die Teilnahme am Feuerwehrbiwak in Rindern verzichten, sich stattdessen in ihre Arbeitskluft werfen und am Freitag gegen Mitternacht im gleißenden Licht eines Scheinwerfers die Ringstraße aufreißen, um dort Leitungen zu verlegen. Willkommen auf Kleves erster Nachtbaustelle! Um die Autofahrer der Stadt im Berufsverkehr nicht komplett um ihren Verstand zu bringen, verlegte das Klever Bauunternehmen Loock die Erdarbeiten zur Querung der Ringstraße in die Nachtstunden des Wochenendes, so, wie unsereins das sonst aus den Niederlanden oder Japan kennt, nicht aber von zu Hause. Nette Geste!


Love hurts, oder…

rd | 16. Juli 2017, 13:07 | keine Kommentare
Verdrahtet: Libelle (Foto: Claudia Philipp)

Verdrahtet: Libelle (Foto: Claudia Philipp)

Zum Sonntag für dich, lieber Leser, ein einfach strukturiertes, gleichwohl vielschichtiges Bild, das uns über die Verbindung von Schönheit, Schmerz und Verletzlichkeit nachdenken lässt. Man kann aber auch einfach zur Kirmes gehen und fünf Lose kaufen.


WoW? Populärkultur? Hochkultur? Populäre Hochkultur?

rd | 15. Juli 2017, 17:18 | 16 Kommentare
Fesch wie immer: Schützenumzug zur Eröffnung der Klever Kirmes

Fesch wie immer: Schützenumzug zur Eröffnung der Klever Kirmes

Wer an diesem Wochenende nicht zur Klever Kirmes geht, ist ein schlechter Mensch. Oder auch nicht. Das Volksfest wurde am Samstag Nachmittag mit einem Kanonenschuss beträchtlicher Lautstärke eröffnet, Schadensmeldungen blieben bis her aus. Wem der Sinn nicht so nach Rummel steht, dem sei statt dessen empfohlen: Ab ins XOX-Theater! Dort geben Ernst Hanßen und Wolfgang Paterok zum Abschluss der Spielzeit die hochkomische Leseinszenierung „Marlowe und Spade“, zwei Romandetektive also, die im Zwiegespräch über ihre schlechte Auftragslage räsonieren. Das Stück beginnt um 20 Uhr, Einlass ab 19:30 Uhr, Karten gibt es an der Abendkasse für 12 Euro (Vollzahler).


Into the wild, Version Uedemer Str.

rd | 15. Juli 2017, 14:05 | keine Kommentare

Ein faszinierender Aussteiger- und Naturerlebensfilm ist Into the wild von Sean Penn (Ex von Madonna), der auf der (wahren) Lebensgeschichte von Christopher McCandless basiert. Der Held schlägt nach seinem Studium eine Karriere aus und sich bis nach Alaska durch, wo er in einem in der Wildnis herumstehenden Bus lebt und sich von dem ernährt, was die Natur so hergibt. Der Film endet tragisch, weil der Held die essbare Wildkartoffel mit einer Giftpflanze verwechselt und, völlig ausgezehrt, stirbt. Nun, wer das Vorhaben am Niederrhein verwirklichen will, findet in der Nähe der Uedemer Straße immerhin schon mal einen Bus in der Wildnis – und die Gefahr, an Wildpflanzen zu sterben, ist deutlich geringer:

Into the Uedemer Wild

Into the Uedemer Wild (Foto: K. Brückenbauer)


Nur die Harten kommen…

rd | 14. Juli 2017, 17:59 | 12 Kommentare

… nach Kamp-Lintfort

Stadtradeln extrem, Kilometerfressen im fremden Team: Von der Hochschule Rhein-Waal in Kleve radelte eine Gruppe verwegener Menschen (William Megill, Johannes Intveen, Heide Naderer, Heinz Lippe, Gerd Heusipp, Irmi Norman, Thomas Grunenberg und Sandra Blechschmidt) zur Hochschule Rhein-Waal, allerdings am zweiten Standort der Einrichtung — in Kamp-Lintfort. Zwischen Start und Ziel lagen 57 Kilometer, 222 Minuten und drei Regenschauern. Wichtige Erkenntnis: Hinter Xanten hört die Welt nicht auf, auch die restlichen ca. zwanzig Kilometer bis Ka-Li führen durch landschaftlich reizvollen Niederrhein. Der Autor, dessen Team If in doubt, pedal it out ein bisschen schwächelt, in Begleitung des Hochschulteams Kilometerkosmetik zu betreiben… Danke für einen spannenden Tag!


Klever Kirmes: Wer hat den größten Vogel – und 7 andere Dinge, die ab Samstag überlebenswichtig sind

rd | 12. Juli 2017, 12:55 | 12 Kommentare
Bürgermeisterin Northing bei der Vorstellung des prächtigen Jubiläumsvogels (3.v.l.)

Bürgermeisterin Northing bei der Vorstellung des prächtigen Jubiläumsvogels (3.v.l.)

Schützentechnik d'avantgarde: Laserpointer und elektronisch gesteuerte Vogelzerlegung

Schützentechnik d’avantgarde: Laserpointer und elektronisch gesteuerte Vogelzerlegung

  1. Erstmalig wird die Klever Kirmes in diesem Jahr nicht mit einer Schützensalve eröffnet, sondern mit einem Schuss aus einer Kanone, die den Klevern freundlicherweise von der Emmericher Stadtgarde zur Verfügung gestellt wird. Wohin das Kanonenrohr genau zielt, steht noch nicht fest, entweder in Richtung Volksbank oder neues Rathaus.
  2. Erstmalig seit einem Vierteljahrhundert wird auch wieder unter den städtischen Schützenregenten eine Stadtkönigin oder ein Stadtkönig ausgeschossen – ein Beitrag zum Stadtjubiläum. Den prächtigen Vogel konstruierte Rolf Winkels vom Schützenverein Kellen.
  3. Damit aber nicht genug: Es wird auch ein Jubiläumsprinz (oder eine Prinzessin?) ausgeschossen. Da aber das Waffengesetz es verbietet, Kindern unter zwölf Jahren Schusswaffen in die Hand zu drücken, musste eine besondere Lösung gefunden werden. Rolf Winkels tüftelte und ersann eine Konstruktion, die erstens der Lebenswirklichkeit ohnehin näher kommt und zweitens das Potenzial hat, Schützenfeste in ganz Deutschland zu revolutionieren – eine lasergestützte Apparatur, bei der sich die bestrahlten Teile auf Knopfdruck lösen lassen. Die Vorrichtung ist bereits zum Patent angemeldet!
  4. Die Zahl der Fahrgeschäfte beträgt wie im vergangenen Jahr exakt zehn. Aber alle zehn sind neu, keines war im vergangenen Jahr in Kleve. Dieser Komplettaustausch erweckte sogar die Aufmerksamkeit der Branchenzeitschrift Komet, allerdings konnte Ralph van Hoof, Leiter des Amts für öffentliche Ordnung und damit Chef der Kirmes, dem Redaktor des Fachblattes auch nur sagen: „Das hat sich einfach so ergeben.“ Unter den Fahrgeschäften befindet sich auch eines, das im Fachausdruck „Überkopfgeschäft“ heißt. Und auch ein sehr schnell drehendes Karussell lässt sich für neun Tage in Kleve nieder.
  5. 567 Schausteller haben sich für die Kirmes in Kleve beworben – 75 Betreiber des fahrenden Gewerbes erhielten den Zuschlag.
  6. Der Schützenumzug, mit Bürgermeisterin Sonja Northing an der Spitze, setzt sich am Samstag wie gewohnt vom Marktplatz Linde aus in Bewegung. Der Zugweg führt stadtabwärts zum Kirmesplatz, aus Jubiläumsgründen sind die Emmericher Stadtgarde sowie zwei Schützengilden und eine Musikgruppe aus dem niederländischen Huisssen mit von der Partie, letztere teilweise in historischen Kostümen. Die gute Nachricht: Die Niederschlagswahrscheinlichkeit am Samstag beträgt 10 %. Sie ist in Kellen ungleich höher, wenn dort Kirmes gefeiert wird.
  7. Auch wenn Ihnen etwas anderes versprochen wird: Kaufen Sie nicht eine ganze Schale mit verbliebenen Losen leer! Es ist keinesfalls sicher, dass sich darin ein Hauptgewinn befindet, und der Losverkäufer kann dies auch gar nicht wissen, weil er weder zugegen ist, wenn die Lose gerollt und verschlossen werden, noch mitbekommen kann, ob die Käufer ihre Lose auch tatsächlich öffnen und ordnungsgemäß auswerten. Erfahrungsgemäß haben Beschwerden bei der Verbraucherzentrale über ausgebliebene Hauptgewinne wenig Aussichten auf Erfolg.
  8. Junger Mann zum Mitreisen gesucht – bei diesen Aushängen geht es nicht um Urlaubsreisen!


Pleustophytenkreuzer stößt an Kapazitätsgrenzen, Haas erwägt Einsatz von Killerkarpfen

rd | 11. Juli 2017, 13:48 | 14 Kommentare
Drei Mann, verloren in der grünen Hölle: MS Theo d'oro im Kampfeinsatz

Drei Mann, verloren in der grünen Hölle: MS Theo d’oro im Kampfeinsatz

Es ist ein Kampf gegen Windmühlenflügel. Eine Sisyphusaufgabe. Es geht zu wie im Rennen zwischen dem Hasen und dem Igel. Wenn das dreiköpfige Einsatzteam der MS Theo d’oro, des ersten und bisher einzigen Pleustophytenkreuzers in Diensten der Stadt Kleve, seinen hochmodernen Kampf gegen die Wasserpflanzen in Spoykanal und Kermisdahl an der einen Stelle erfolgreich abgeschlossen hat, sind woanders schon wieder neue Wucherungen herangewachsen.

Der Einsatz in der grünen Hölle ist aussichtslos!

Ulrich Sander, der Mann vom Kanuverleih am Opschlag, ist bereits verzweifelt (siehe: Frohe Pfingsten – nicht für jeden), ebenso der Chef des Kanuclubs Kleverland.

Sogar der WDR machte sich ein Bild von der verheerenden Lage des Gewässers, das eigentlich ein Aushängeschild für die Stadt Kleve sein sollte. Sogar Unterwasserkameras kamen zum Einsatz. Weit sehen konnten sie nicht – alles zugewuchert.

Vor den Kameras des Senders kündigte deshalb Kämmerer Willibrord Haas in seiner Funktion als Algenadmiral eine beträchtliche Ausweitung des Einsatzes an. Man denke daran, so der Feldherr, an den Wochenenden zusätzliche Einsätze gegen den Feind zu fahren. Damit nicht genug – es sollen auch biologische Waffen getestet kommen, natürlich unter Einhaltung der Genfer Konvention.

Exklusiv erfuhr der WDR, dass die Stadt Kleve den Einsatz von Killerkarpfen erwägt. Die gefräßigen Tiere sollen das Grünzeug einfach wegfressen. Kurz vor Silvester könnte die Stadt Kleve die auf diese Weise gemästeten Viecher dann auf dem Weihnachtsmarkt verkaufen, um zusätzliche Mittel in die Stadtkasse zu spülen. Es ist eine klassische Win-Win-Lose–Lose-Situation. (Verlierer sind, hoffentlich, die Wasserpflanzen. Und die Karpfen am Ende auch.)


Ka-Li lockt: Hochschule radelt zum anderen Standort

rd | 10. Juli 2017, 18:39 | keine Kommentare
28 Pedale, 1 Ziel: Kamp-Lintfort

28 Pedale, 1 Ziel: Kamp-Lintfort

Bekanntlich, aber in Kleve eine Information, die bisweilen etwas vernachlässigt wird, hat die Hochschule Rhein-Waal zwei Standorte. Einen in Kleve, und dann gibt es noch einen weiteren in… äh… war da was?

Um den Klevern den Standort Kamp-Lintfort etwas näher zu bringen, und dazu noch etwas für die eigene Gesundheit zu tun, für die Umwelt und fürs Naturerleben, hat das Stadtradel-Hochschulteam ein ambitioniertes Unternehmen angesetzt – eine Radtour nach Kamp-Lintfort!

Hier die Pressemitteilung im Wortlaut:


Lauf, Bambi, lauf!

rd | 10. Juli 2017, 12:30 | 5 Kommentare
Der ewige Kampf Tier gegen Maschine

Der ewige Kampf Tier gegen Maschine

Nicht, dass hinterher auf der Weizenmehlpackung stehen muss: Kann Spuren von Reh enthalten.

Geschafft! Das Reh wechselt auf das Feld links der Straße…

Geschafft! Das Reh wechselt auf das Feld links der Straße…

Dort wächst Mais. Der Maishäcksler wartet schon…


kleveblog gratuliert!

rd | 10. Juli 2017, 12:24 | keine Kommentare
Mussten unter freiem Himmel feiern: Abiturienten des Konrad-Adenauer-Gymnasiums

Mussten unter freiem Himmel feiern: Abiturienten des Konrad-Adenauer-Gymnasiums

Hatten ein Dach über dem Kopf: Abiturienten des Stein-Gymnasiums

Hatten ein Dach über dem Kopf: Abiturienten des Stein-Gymnasiums

Ach, wie sag ich’s nur? Sie haben – Abitur! 8 Jahre Wissen pur, nun reif für eine Kur – die sich Leben nennt!


WoW? 775? Ach, was 35!

rd | 07. Juli 2017, 17:38 | 1 Kommentar
Nespresso war gestern: Coffee Tasting im Culucu

Nespresso war gestern: Coffee Tasting im Culucu

(Aktualisiert,jetzt auch inkl. Poetry-Slam) 775 Jahre Stadt Kleve? 200 Jahre Freiherr-vom-Stein-Gymnasium? 50 Jahre Versöhnungskirche? Ach was, das Jubiläum aller Jubiläen wird heute gleich an vier Stellen im Stadtgebiet gefeiert? 35 Jahre dm! „Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein!“, so warb die Drogeriekette einst für sich, und diese Abwandlung des Faustschen „Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein“, sagt auch einiges über den Zustand unserer Gesellschaft aus. Doch konsumkritische Erwägungen schicken wir heute nach Hamburg, hier freuen wir uns über Glücksräder und Probierfläschchen.

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Tendenziell sei dem Leser jedoch anempfohlen, das gute Wetter zu nutzen, um die Natur und Gartenkultur, z. B. in Form offener Gärten, zu genießen. Darüber hinaus könnte es in doppelter Hinsicht lohnenswert sein, das Culucu in Rindern anzusteuern – heute um 20:30 Uhr wird dort ein Film gezeigt (welcher, darf aus irgendwelchen Gründen nicht verraten werden), und am Samstag um 17 Uhr lädt Joascha Gartz zum Coffee Tasting. Kaffee ist ja zurzeit in aller Munde, insbesondere die leicht säuerlich schmeckenden Filterkaffees der neuesten Generation, die sicherlich durch den Breaking-Bad-Freak inspiriert worden sind.

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Der Red  Wagon  von Alejandra Manthey am Draisinenbahnhof scheint die neue Lieblings-Location von DJ Mike (Dickhoff) zu werden. Er legte am heutigen Freitag Abend in dem Biergarten mal wieder auf, getreu seinem zeitlosen Motto „Von Abba bis Zappa“. Ich wünsche mir Bobby Brown, ein, wie ich finde, sehr schönes Lied von Zappa, das aber Puristen schon „zu kommerziell“ geraten ist. Dabei sind die anderen Lieder einfach nur schräg.

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Am Samstag könnte ein Ausflug nach Donsbrüggen zu einer Win-Win-Situation führen: Das ganze Dorf ist ab 10 Uhr ein Trödelmarkt, die Donsbrügger haben die Chance, unerwünschten Hausrat loszuwerden, die Besucher wiederum die Aussicht auf die berühmten Schnäppchen („Schazti, schau, das Laminierniergerät – nur 25 Euro“ –– es wird dann beim nächsten Trödelmarkt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiterverkauft. Überhaupt: Ist nicht alles, was bei Tchibo außer Kaffee verkauft wird, in Wahrheit Verfügungsmasse für Flohmärkte? Schon mal drüber nachgedacht?).

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Das Radhaus weist auf folgende Veranstaltung hin: „Radhaus-Slam! Im Juli!! OPEN AIR!!! Es ist soweit! Die Sommer-Ausgabe des Radhaus-Slams erwartet euch! Für diesen Poetry-Slam nutzen wir das (hoffentlich) gute Juli-Wetter und gehen mit euch in den Radhaus-Biergarten (Sollte das Wetter nicht mitspielen, gehen wir einfach in den Saal zurück). Im Gepäck haben wir wieder einige Sahnestückchen der deutschsprachigen Poetry Slam-Szene: Sandra da Vina aus Essen; Danny Grimpe aus Hamburg; Sven Hensel aus Bochum; Florian Wintels aus Paderborn; Adina Wilcke aus Wien; Michael Goehre aus Essen; Christian Gottschalk aus Köln und Jonas Scheiner aus Wien. Ihr seht also es wird Groß!! Also so richtig Groß!!! Also streicht euch das dick im Kalender an und seid dabei!! Durch den Abend führen euch auch diesmal Matthias Marschalt und Luigi Aiello; Einlass: 18:30 Uhr, Beginn: 19 Uhr; Eintritt: 4 € (Vorverkauf) ● 5 € (Abendkasse). Die Tickets sind zum Vorverkaufspreis von mikroskopisch kleinen 4 € bei der Buchhandlung Hintzen und an der Radhaus-Theke zu den jeweiligen Öffnungszeiten zu haben.

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Tim Verfonderns Soundbox Entertainment hat mal wieder den Innenhof der Schwaneburg besetzt – diesmal mit dem Rock-statt-Hose-Festival (Samstag, Einlass ab 18 Uhr). Es treten auf: Theresa Cherchi & Band, Straight28 und Massive Beat.

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965 heißt es am Sonntag ab 15 Uhr am Aussichtsturm, wo mit einigem Frohsinn zusammengetackert wird, was nicht unbedingt zusammengehört – aber, wenn’s dem guten Zwecke dient: Die Zahl setzt sich zusammen aus dem Stadtjubiläum (775 Jahre), dem Aussichtsturmjubiläum (125 Jahre) und 65 Klever Turmschätzchen (mehr dazu hier: Turmschätzchen (Lokalkompass). Es treten unter anderem auf: Elli und Tina. „Ihr kennt die beiden nicht?“, fragen die Veranstalter. Und antworten: Die Eine hat vor einigen Jahren den bundesweiten Songcontest gewonnen, die andere kommt aus Materborn – geht aber mit ihrer Stimme und Performance echt steil.“ Steil!


„Das ist ein wichtiger Tag für die Wasserschutzpolizei“

rd | 07. Juli 2017, 17:10 | 23 Kommentare

Live-Reporter genießen seit jeher meine uneingeschränkte Bewunderung. Da ist man „auf Sendung“ und steht vor der Herausforderung, die nächsten Minuten mit irgendetwas zu füllen, auch wenn man gar nichts hat und weiß (beides ist, soweit ich das beurteilen kann, der Normalfall). Wenn man dann heute, am Tag des G20-Gipfels, in Hamburg am Hafen steht und hinten im Bild ein paar Boote der Wasserschutzpolizei gezeigt werden, dann führt dies geradezu zwangsläufig zu solch schönen Erkenntnissen wie:

„Das ist ein wichtiger Tag für die Wasserschutzpolizei.“ (Unbekannte ntv-Reporterin)


Nettosprech, für Sie aufgezeichnet und erklärt

rd | 07. Juli 2017, 15:58 | 3 Kommentare
Vorgang Nr. 5097 am 07.07.2017 um 15:38 Uhr erforderte eine Leergutautorisierung

Vorgang Nr. 5097 am 07.07.2017 um 15:38 Uhr erforderte eine Leergutautorisierung

„Einmal Leergutautorisierung, bitte!“

Dieser Vorgang wird ausgelöst, wenn man z. B. für 4,23 Euro einkauft, aber zugleich einen Pfandbon über 9,50 Euro einlöst. Da der Kassierer soviel Geld nicht herausgeben darf, muss er sich die Transaktion genehmigen lassen. Dazu muss er seine Vorgesetzte anrufen, die dann erst einmal nicht erreichbar ist, dann aber doch und sofort herangerauscht kommt und ihren Zeigefinger auf den Fingerabdruckscanner neben dem Kartenlesengerät hält. Dann öffnet sich die Kasse, und der Kunde erhält 5,27 Euro. Plus ca. 10.000 vernichtende Blicke von Kunden in der Schlange hinter einem.

Rein semantisch übrigens: Wenn das Leergut autorisiert wird, was darf es dann? Nähern wir uns einer Leergutdiktatur?


Komisches Wetter heute

rd | 07. Juli 2017, 15:48 | keine Kommentare

„Komisches Wetter heute.“


Wichtige Verbraucherinformation

rd | 07. Juli 2017, 11:24 | 5 Kommentare
Käsekuchen im Glas, Mystic Garden, 3 Euro

Käsekuchen im Glas, Mystic Garden, 3 Euro


Tief im Westen, tief im Osten: Mach’s gut, Markus!

rd | 06. Juli 2017, 17:45 | 8 Kommentare
Kann auch gut berühmte Skulpturen imitieren: Markus van Appeldorn, Journalist

Kann auch gut berühmte Skulpturen imitieren: Markus van Appeldorn, Journalist

Niemals geht man so ganz, sang einst Trude Herr, und im Falle von Markus van Appeldorn hat sich die Wahrhaftigkeit dieser Zeile bereits herausgestellt, denn in den Kommentarspalten unseres kleinen Angebots ist er auch weiterhin aktiv, dem Internet sei Dank, jener großartigen Erfindung, die es erlaubt, ein hyperlokales Angebot wie kleveblog.de auch 650 km weiter östlich, im Freistaat Sachsen aufzurufen und zu verfolgen. Dort sitzt Markus van Appeldorn jetzt nämlich, in der Redaktion der Sächsischen Zeitung in Löbau, tief im Osten und fernab seiner Heimat Kleve, und auch fernab von München, jener Stadt, der er lange Jahre als Gesellschaftsreporter der Bild-Zeitung verbunden war.

Hier fehlt er.

Im Klever Mikrokosmos und seinem spirituellen Zentrum in der Unterstadt, in einem Umfeld, das zwischen kleinen Gläsern und großen Gesten oszilliert, hatte Markus van Appeldorn die Rolle eines Higgs-Bosons inne. So, wie dieses Elementarteilchen andere Partikel auf magische Weise anzieht, gewann Markus die Menschen in seiner Nähe für sich – ganz einfach, weil er ein geistreicher und humorvoller Zeitgenosse ist.

Noch dazu einer, der sich stilvoll zu kleiden weiß. Menschen mit einem Clubjacket samt korrekt sitzendem Einsteckttuch sind eher selten in Klever Lokalen anzutreffen, ebenso solche in Krachledernen. Markus van Appeldorn verstand und versteht es, in beiden Welten würdig aufzutreten.

Mit Freunden am Tresen waren in Markus‘ Gegenwart lehrreiche und unterhaltsame Dialoge garantiert: Wie aus heiterem Himmel legt er plötzlich dar, warum im „Kapital“ von Karl Marx ein grundlegender Denkfehler enthalten ist. Oder er beschäftigt eine Runde damit, darüber zu sinnieren, wer denn damals, am 8. Mai 1945, die Kapitulationserklärung unterschrieben hat. Hitler war’s nicht, klar. Dönitz? Als dann die richtige Antwort – Keitel – in die Runde geworfen wird, ist es nicht weit, bis der erste ungläubig ruft: „Was?! Harvey Keitel hat die Kapitulationserklärung unterschrieben??“ Man muss sich, in geringen Dosen, Alkohol hinzudenken, um eine Ahnung dessen zu erhaschen, was an weiteren Kalauern folgt.

Ein Quell vielfacher Erheiterung ist auch die lange Leidensgeschichte der Beziehung von Markus zu seinem 28 Jahre altren Mercedes 420 SE, die von seinen Freunden stets voller Empathie mitverfolgt wurde. Es reichten die Erwähnung einzelner Bauteile (Kraftstoffpumpen-Relais, man hätte es überbrücken können, sagt Gerri) oder Orte (Karlsruhe), die sich vor dem geistigen Auge zu automobilen Dramen nie gekannten Ausmaßes auswuchsen. Im Freundeskreis ist das Fahrzeug als „der Raumgleiter“ bekannt. 

Auch für kleveblog schrieb Markus van Appeldorn mitunter, nicht nur in den Kommentaren. Diese Beiträge werden fehlen, aber bei alldem überwiegt die Freude für Markus – die Sachsen können sich glücklich schätzen, einen Mann wie ihn in ihren Reihen zu haben: Mach’s gut, Junge!


Polizei sucht dreiarmigen Banditen

rd | 06. Juli 2017, 12:33 | 2 Kommentare
Anatomisch auffällig

Anatomisch auffällig

(Mit Dank an KO) Ein Klassiker… kleveblog ist zuversichtlich, dass dieser Bandit aufgrund seiner anatomischen Auffälligkeit schnell gefasst wird.


Glaubwürdigkeit nur in Spurenelementen

rd | 06. Juli 2017, 09:22 | 1 Kommentar

Ein Dialog brachte das Dilemma in Saal A 105 in der Klever Schwanenburg auf den Punkt: „Was hätte ich von dem Zeug kaufen können, das Sie in der Wohnung hatten“, möchte Christian Henckel, Vorsitzender Richter der 7. großen Strafkammer (Jugendkammer) wissen. „Nix, das war alles für mich“, antwortet der Angeklagte Florian K., in der Szene offenbar besser bekannt als „Flo“.

Was sich an diesem 23. März 2017 in der Wohnung in Emmerich befand, hatte die Staatsanwaltschaft zuvor genau, wie sie in solchen Fällen arbeitet, bei der Verlesung der Anklage aufgelistet: Heroin (25 g), Haschisch (47 g), dazu Amphetamin und Ecstasy-Tabletten, plus ein kleines Waffenarsenal: zwei Baseballschläger, eine Schreckschusspistole, ein Elektroschocker sowie diverse Messer. Alles Eigenbedarf?

Richter Henckel zeigt dem Angeklagten die Fotografie eines der sichergestellten Messer. Die Klinge reicht offenbar aus, um ein Schwein abzustechen. Damit habe er Butterbrote geschmiert, entgegnet der Angeklagte ungerührt.

Florian K. muss sich wegen Drogenhandels vor Gericht verantworten. Zur Last wird ihm unter anderem gelegt, in mehreren Fällen Marihuana an Minderjährige verkauft zu haben. Da er zudem bei seinen Geschäften zur Drogenbeschaffung einen Elektroschocker mit sich geführt haben soll, unterstellen die Ankläger auch „bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln“ – Mindeststrafe fünf Jahre.


So was so nah! 65.000 feiern in Nimwegen Robbie Williams

rd | 05. Juli 2017, 15:00 | 7 Kommentare
Klein in der Mitte, überlebensgroß auf Bildschirmen: R. Williams, Unterhaltungskünstler, bei seinem Auftritt im Goffert-Park

Klein in der Mitte, überlebensgroß auf Bildschirmen: R. Williams, Unterhaltungskünstler, bei seinem Auftritt im Goffert-Park (Foto: BD)

So was so nah! Und die, die da waren, sagen: Super!


„Mit einer Wahrscheinlichkeit von 81,5 % mindestens 25,9 Jahre alt“

rd | 04. Juli 2017, 15:06 | 7 Kommentare
Wenn Sie am Sonntag Nachmittag auf der Schwanenburg diese Zeit erblicken, sollten Sie sich sputen – denn die Führung von Wiltrud Schnütgen hat vor 13 Minuten begonnen

Der Alltag der Justiz – am Beispiel eines Falls, der in Kreisen von Asylbewerbern spielt

So, wie ein Staubsaugerroboter scheinbar ziellos durch ein Zimmer kreist, titschen die Fragen von Gerhard van Gemmeren, dem Vorsitzenden Richter der 2. großen Strafkammer des Landgerichts Kleve, um die Geschehnisse am 13. Februar dieses Jahres vor einem Aldi-Markt in Emmerich. Wem gehörte das weiße HTC-Handy? Woher stammen die roten Striemen am Hals? War das der Stein, mit dem Sie gedroht haben? Wer hat das geschrieben?

Der Mann, der diese Fragen beantworten soll, sitzt auf der Anklagebank. Schwere räuberische Erpressung und einige Diebstähle wirft die Staatsanwaltschaft ihm vor. Aber wem genau eigentlich? Adil B. oder Ibrahim C.?


Ein Paparazzi-Blick bei Pias

rd | 04. Juli 2017, 12:48 | 3 Kommentare

Was einem so passieren kann, wenn man mittags in der Kavarinerstraße einen Kaffee trinkt:

Blick durch den Gummibaum auf die Ministerin

Blick durch den Gummibaum auf die Ministerin

Es handelte sich bei diesen Gruppentreffen allerdings um keine geheimnisvolle Versammlung, sondern um einen Austausch unter Amerika-Stipendiaten des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP), bei dem Schüler, die bereits einmal in den Vereinigten Staaten waren, solchen, den die Reise noch bevorsteht, über ihre Erfahrungen berichten konnten. Die Presse war eingeladen, trotzdem hat die Begegnung im Bistro Pias von Pia Wucherpfennig immer noch diesen merkwürdigen Moment des Erstaunens: „Da sitzt doch nicht etwa…“

Barbara Hendricks freut sich darüber, auch im Kreis Kleve amerikanische Gastschüler willkommen zu heißen. Sie lädt Familien, Paare und auch alleinlebende Menschen aus der Region dazu ein, sich als Gastfamilie zu melden. Mehr Informationen erhalten Interessierte beim Verein Partnership International e.V., der deutsche Schüler in den USA und die amerikanischen Stipendiaten während ihrer Zeit in Deutschland betreut (E-Mail: office@partnership.de, Telefon: 0221 – 913 97 33).


Peter Huth schreibt über seinen Großvater (in der WamS)

rd | 03. Juli 2017, 12:19 | 30 Kommentare
Peter Huth, Chefredakteur BZ, Ex-Mitarbeiter Grenzland Post

Peter Huth, Chefredakteur der Welt am Sonntag, Ex-Mitarbeiter der Grenzland Post

„Mein Großvater war homosexuell. Und er war seiner Frau ein guter Ehemann und seinen Kindern ein guter Vater.“

Mit diesen beiden Sätzen, eigentlich ein perfekter Einstieg für einen Roman, beginnt ein Kommentar von Peter Huth, aus Kleve stammend und mittlerweile Chefredakteur der Welt am Sonntag, den er gestern in seiner Zeitung veröffentlichte. Es geht, natürlich, um das Thema Ehe für alle und die Kapriolen, die dieses Thema in den Kommentarspalten (insbesondere in der FAZ) schlug. Was Huth schreibt, sind ein paar einfach Sätze. Ein bisschen Familiengeschichte, 70-er Jahre, Niederrhein. Was darin zum Ausdruck kommt, sagt eigentlich alles. Deshalb hier: der Link zum Kommentar: Es geht um das Ende der Diskriminierung Homosexueller

… und vielleicht schreibt Peter Huth über seine Familiengeschichte ja tatsächlich noch ein Buch. Er könnte es.


Zwischen Donsbrüggen und Düffelward: Landlust

rd | 03. Juli 2017, 12:08 | 3 Kommentare

Ein wenig Anschauungsmaterial zum Wochenauftakt! Easy Listening fürs Auge…

Ganstga-Raps

Ganstga-Raps

Matareske Gemeinschaft

Matareske Gemeinschaft

100 Jahre De Stijl

100 Jahre De Stijl

Ährenwerte Gesellschaft

Ährenwerte Gesellschaft


Überlebensgroß an der Emmericher Straße und in ganz NRW: Klever Finanzbeamter als Plakatstar

rd | 30. Juni 2017, 17:09 | 9 Kommentare
Ralf Gorissen als Blickfang an einer Hausfassade an der Emmericher Straße

Ralf Gorißen als Blickfang an einer Hausfassade an der Emmericher Straße

Wenn es darum geht, Menschen auf Plakatwänden abzubilden, greifen die Werber gerne zu Prominenten. So kommt es, dass die Menschen auf überlebensgroße Abbildungen von George Clooney oder Heidi Klum blicken. Wer aber auf der Emmericher Straße stadteinwärts fährt, erblickt in Höhe von Hausnummer 270 in der gleichen monumentalen Größe wie die Stars einen Menschen, der außerhalb seines Bekannten- und Kollegenkreises kaum bekannt sein dürfte.

Diplom-Finanzwirt Ralf Gorißen allerdings, wenn er mit seinem Auto von seinem Arbeitsplatz im Finanzamt in Richtung Innenstadt fährt, blickt auf ein ihm wohlbekanntes Gesicht – sein eigenes! Der Betriebsprüfer ist einer von 16 Finanzbeamten, die für eine Kampagne ausgewählt wurden, mit der die Finanzverwaltung NRW dringend benötigten Nachwuchs sucht. Die Plakate sind in ganz Nordrhein-Westfalen zu sehen, Näheres zu der Kampagne erfahren Interessierte auf zur Kampagne gehörenden Internetseite der Finanzverwaltung NRW (so-sind-wir) – und auf Facebook, wo es sich Finanzbeamten bereits zum Spaß gemacht haben, sich vor den Plakaten ihrer Kollegen abzulichten. „Wir sind richtig stolz auf dich“, postete eine Kollegin. Gorißen selbst war einfach nur verblüfft, was die Werber aus dem Shooting gezaubert hatten: „Irre, was ihr daraus gemacht habt! Respekt!!!“, postete er.

Um neue Leute zu finden, so offenbar die Überlegung der verantwortlichen Werbeagentur, müssen die Klischees, die Menschen normalerweise mit dem Beruf des Finanzbeamten verbinden, attackiert werden, also völlig irrige Vorstellungen wie die, dass Finanzbeamte den lieben langen Tag bierernst über sterbenslangweilige Steuererklärungen brüten, dass sie mit pedantischer Inbrunst Fehler in Nachkommastellen suchen und dass sie mit diabolischer Freude Anträge auf Zahlungserleichterungen ablehnen.

Stattdessen präsentieren sich die Beamten in der Kampagne als lässige Typen, die sogar selbstironisch sein können. Im Fall von Ralf Gorißen wird sogar ein alter Beamtenwitz herangezogen und als „Hymne der Finanzbeamten“ präsentiert: „Wake me up, before you go go“. Im erklärenden Text rückt der Inhalt dann schon etwas näher an den Arbeitsalltag des Betriebsprüfers: „Unsere Steuerfahnder freuen sich auch schon morgen über jeden, der singen möchte“, heißt es da offenbar leicht doppeldeutig.


Stadtradeln: Klägliche 2400 Meter!

rd | 30. Juni 2017, 16:33 | 4 Kommentare
Während andere Teilnehmer sich durch den Regen stoppen ließen, fühlte sich Janusz Grünspek im Matschwetter erst so richtig wohl

Während andere Teilnehmer sich durch den Regen stoppen ließen, fühlte sich Janusz Grünspek im Matschwetter erst so richtig wohl

Die neue Runde des Stadtradelns verlangt den Teilnehmern eine gewisse Härte ab – wer wird durchhalten?

Die neue Runde des Stadtradelns verlangt den Teilnehmern eine gewisse Härte ab – wer wird durchhalten?

Dass kleveblog seine Leser seit Jahren mit dieser außerordentlichen Qualität in der Berichterstattung verblüfft, liegt sicherlich auch daran, dass der Autor weite Strecken seines Daseins radfahrend verbringt. Der Kopf wird frei, und man sieht einfach mehr, und, wenn man etwas gesehen hat, hält man einfach an, fotografiert oder fragt. If you’re in doubt, pedal it out, sagen die jungen Leute. In der Sprache ihrer Eltern: Wenn du dir nicht ganz sicher bist, fahre einfach eine Runde mit dem Rad.

Am Mittwoch um sechzehn Uhr fiel in Kleve auf dem Koekkoekplatz der Startschuss zur zweiten Runde der Aktion Stadtradeln, die, wie die jungen Leute sagen, etwas Awareness dafür schaffen soll, dass Radfahren eigentlich eine ganz tolle Sache ist. Jeder Teilnehmer zählt seine auf dem Fahrrad zurückgelegten Kilometer, das wird netterweise auch noch umgerechnet in vermiedene CO2-Emissionen, und am Ende, nach drei Wochen, werden in verschiedenen Kategorien die fleißigsten Radfahrer ausgezeichnet.

Doch zumindest in der Anfangsphase geriet dieser volkspädagogische Wettkampf für ein mit großen Ambitionen gestartetes Team mit dem Namen If you’re in doubt, pedal it out zu einem Fiasko! Der Fahrer mit dem geheimnisvollen Pseudonym Whiteknight hat es bisher gerade mal auf 2400 m geschafft, der Mitstreiter hat noch keinen einzigen Meter eingetragen. Dagegen hat das Team des diesjährigen „Stars“, Janusz Grünspek, schon 271 Kilometer gesammelt.

Nun, das sind Künstler, die können so eine Runde zur Not als Performance in Ihrem Lebenslauf abspeichern. Aber so leicht geben wir uns nicht geschlagen – warte ab, Janusz!


WoW: Ein schöner Dreiklang aus Tanz, Trödel und Traußen (Kulturmeile)

rd | 30. Juni 2017, 15:42 | keine Kommentare
Spielen zum Tanz: Choochoopanini

Spielen zum Tanz: Choochoopanini

Heute Blister, früher Tinkturen: Apothekerflaschen sind etwas aus der Mode gekommen, aber immer noch sehr dekorativ

Heute Blister, früher Tinkturen: Apothekerflaschen sind etwas aus der Mode gekommen, aber immer noch sehr dekorativ

Man muss nicht auf jeder Hochzeit tanzen. Aber wer an diesem Wochenende einen Fuß vor die Tür setzen möchte, hat zumindest zweimal die Gelegenheit zu tanzen, er kann in alten Schätzen stöbern und am Sonntag auf der Festwiese am Spiegelzelt des Kleinkunstvereins cinque unter freiem Himmel erleben, was der freien Klever Kulturszene zum Thema Stadtjubiläum so alles eingefallen ist. Es gibt noch vieles mehr, aber dieser Dreiklang spiegelt etwa wider, welche Vorlieben der Autor hat – von einer nicht ganz einfachen Schiedsrichterprüfung in Xanten am Sonntag einmal abgesehen. Der Reihe nach:

Freitag, 20:30 Uhr: Tanzen mit den Jazzfreunden (Casa Kleve)

In vielen deutschen Großstädten sorgen die „Roaring Twenties“ wieder für Furore. Damals war Jazz genau die passende Musik für die angesagten rauchigen und verruchten Bars. Damals entwickelte sich der Swing-Tanzstil „Lindy Hop“, ein Vorläufer des Jive und des Boogie-Woogie. Tanzveranstaltungen im Stil der wilden exzessiven Zeit, die bis heute als legendär gelten, erleben heute eine Renaissance.

Auch die Klever Jazzfreunde möchten den tanzbaren Jazz nach Kleve holen und verlegen ihr nächstes Konzert dazu ausnahmsweise ins Tanzhaus Kleve, das die gleiche Adresse hat wie das Casa Cleve. Hier kann das Publikum beides: zuhören und/oder dazu tanzen.

Und auch für die richtige Musik ist gesorgt. Choo Choo Panini ist eine Tanzband der goldenen Ära des Swing, in der sich Entertainment und Kunst am meisten einander annäherten. Die Sängerin Nelly Köster und der polnische Gitarrist und Trompeter Radek Fedyk und Band graben nach alten und neuen Schätzen aus dem Swing, in jedem Fall extrem tanzbarem Jazz.

Nach ihrem Debütalbum „Moonray“, welches 2011 in Österreich, der Schweiz und Japan erschienen ist, folgte im Frühjahr 2017 ihr zweites Album, „Hotel Mirage“. Die Suche geht weiter und endet in neuen Klängen und Genres, ohne ihren wiedererkennbaren, warmen Sound zu verlieren. Feine Eigenkompositionen erzählen verträumte Geschichten vom Leben mit „einer Träne im Knopfloch“.

Bei Titeln wie Ella Fitzgeralds Ohrwurm „A Tisket A Tasket“ oder Nat King Coles „Straighten Up and Fly Right“ stellt sich rasch eine beschwingte Leichtigkeit ein. Munter und locker swingt diese erfreulich frisch klingende Nostalgie, die von Nelly Köster mit viel Nonchalance gesungen wird. Musikalisch virtuos begleitet wird sie dabei neben Gitarrist Radek Fedyk von Bassist Benjamin Garcia und Mickey Neher am Schlagzeug.

(Eintrittspreise: 12 Euro Abendkasse; 10 Euro Vorverkauf; 6 Euro Schüler ab 13 J., Studenten; 0 Euro Mitglieder inkl. einer Begleitperson, Einlass ab 19:30 Uhr)

Samstag, Sonntag: Trödelmarkt (Herzogstraße)

Wer trödelt, gewährt der Zeit Raum. Wer trödelt, dessen Herz schlägt nicht im Takt der modernen Welt. Dafür erfreut sich die Seele an Dingen, die der Verstand in ihrem besonderen Wert nicht zu erfassen vermag. So gesehen, ist der Trödelmarkt am Samstag und Sonntag in der Herzogstraße mehr als nur der Verkauf gebrauchter und abgenutzter Gegenstände. Die Veranstaltung ist, philosophisch betrachtet, eine Huldigung an das Leben, das bei uns allen ebenfalls Gebrauchsspuren hinterlässt. Insbesondere am Samstagvormittag trifft sich dort halb Kleve, und, wer ausnahmsweise nichts kaufen sollte, wird zumindest einen Gesprächspartner finden. Und das ist unbezahlbar. Da dieser Trödelmarkt mit der Schließung des Geschäfts Surium zusammenfällt, das überdies mit einem erhöhten Angebot an pittoresken Kleinteilen gerechnet werden.

Sonntag: Kulturmeile (Festwiese am Forstgarten)

Hoffentlich spielt das Wetter mit! Die Klever Kulturmeile ist deutlich kürzer als die Seemeile (1852,216 m), die angloamerikanische Meile (1609,344 m) und auch als die heute nur noch selten verwendete deutsche Landmeile (7532,5 m, was exakt 2000 preußischen Ruten entspricht). Die Klever Kulturmeile, noch nicht in der Wikipedia-Meilenrubrik verewigt, misst 775 Meter, ein Meter entspricht also exakt einem Jahr Stadtgeschichte. Darin haben die Veranstalter, die Mitglieder der freien Kulturszene Kleverland, ein Programm untergebracht, das meiner Einschätzung nach auch den Raum einer deutschen Landmeile hätte für sich beanspruchen können. Hier der Überblick, von Bruno Schmitz zusammengefasst:

  • 12.00 Begrüßung Freie Kulturszene und Bügermeisterin Sonja Northing, Konga Quings
  • 12.30 Führung durch das Freiluftmuseum – Portraits von Klever Persönlichkeiten, gemalt von Schülern der Gesamtschule Unterstadt u. der Gesamtschule Oberstadt
  • Lamatrip – Tierische Spaziergänge
  • 13.00 Theater im Fluss – Melange
  • 13.30 Poetry Slam
  • 14.00 Theater im Fluss – Alice Teegesellschaft
  • 14.30 Artoll Klanglabor Ensemble – Performance 775 Klatscher für Kleve
  • 14.30 Performance „Weg“ aus dem Projekt Weg – Way – Zwarib
  • 15.00 ELLE – Tanz
  • 15.30 VHS Blue Band – Jazz
  • 16.00 Theater im Fluss – „Stern­stunden und Schwanengesänge“ Ausschnitte
  • 16.30 Jazzyness – Jazz-Chor
  • 17.15 Jan Schumacher – Sitzbänkelsänger
  • 17.30 Lizzy’s Cocktail – Irisch-Klevische Musik
  • 18.00 KLEFOR – Klever Freundschaftsorchester
  • 18.30 Tangomusik – Tanzen
  • 19.00 Duo Domenico – Gitarrenkonzert
  • 19.30 Stefan Quinkertz & Marc v. Bebber
  • 20.00 Klangfabrik Allstars & Friends
  • Ganztägiges Begleitprogramm: Nicole Peters & Daniel M. Ziegler – Doku MKK Live-Malerei & Improvisierte Musik
    Musiker wandern – Theater – Walk Acts
  • Bewirtung: Nils Roth Kaffee und Kuchen, Getränketheken, verschiedene Imbißstände

Stadtverordnete beziehen neuen Ratssaal: Fröhlich soll mein Herze springen!

rd | 28. Juni 2017, 19:08 | 13 Kommentare

Wer nicht glaubt, dass – nach Max Weber – Politik das langsame Bohren dicker Bretter ist – im Klever Ratssaal steht nun der Beweis

Wer nicht glaubt, dass – nach Max Weber – Politik das langsame Bohren dicker Bretter ist – im Klever Ratssaal steht nun der Beweis

„Richtig schön geworden“ sei der neue Ratssaal, sagte Bürgermeisterin Sonja Northing, und es folgte eine Litanei des Dankes, die selbst vor verschiedenen Handwerksbetrieben nicht halt machte. Dass nicht immer eitel Sonnenschein herrschte, daran erinnerte sogleich Petra Tekath, die Vorsitzende der SPD-Fraktion: „Zwischendurch hat jeder gedacht: Ob wir das hier noch erleben?“ Noch mehr Dank, und schließlich am Ende ein humorvoll gemeinter, fast schon ekstatischer Ausruf von Hedwig Meyer-Wilmes (Grüne): „Hurra! Juhu!“

In diesem Saal werde Demokratie gelebt, so die Bürgermeisterin. Und das begann nach der viertelstündigen Freudenzeremonie mit einer Ratssitzung, deren öffentlicher Teil aus 38 Tagesordnungspunkten und deren nicht-öffentlicher Teil aus weiteren 15 bestand, darunter Punkt 11: „Vergabeverfahren zur Entwicklung des Minoritenplatz ist/Vergabe Nachprüfungsverfahren OLG Düsseldorf“, worüber vermutlich morgen zu berichten sein wird (für neugierige: Minoritenplatz: Ein bisschen Frieden?).

Was aber musst du, lieber Leser, über diese Keimzelle der Demokratie wissen?

Die Fraktion der Grünen sitzt zwar neben der CDU, aber hinter der FDP, die Teile der inneren der beiden hufeisenförmigen Tischreihen besetzt hat.

Die Ratsdamen und -herren sitzen auf eleganten und gut gepolsterten Sitzungsstühlen mit einem grauen Lederbezug. Die Rückenlehnen dieser Stühle sind allerdings so hoch, dass die hinten sitzenden Ratsmitglieder bei Abstimmungen ihren Arm so weit in die Höhe recken müssen wie früher die Streber in der Schule, um beim Zählen von der Bürgermeisterin wahrgenommen zu werden.

Absoluter Blickfang ist die Klever Stadtsilhouette an der Ostwand des Sitzungssaales. Sie wurde mit unzähligen kleinen Löchern in eine Schallschutzplatte gebohrt, und man kann nur hoffen, dass diese Bohrungen von einem Roboter ausgeführt worden sind, denn sonst wäre die Arbeit an dieser Wand eine unmenschliche Strafe gewesen.

Kleiner Schwachpunkt: der Laminatboden in grauer Holzoptik. Er wirkt billig, und wenn die Ratsmitglieder mit ihren Stühlen unruhig hin und her rutschen, zeichnen sich schon deutlich Streifen ab.

Pluspunkt: deutlich mehr Plätze für Zuschauer. Ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Menschen mehr Anteil an dem nehmen, was um sie herum geschieht. So soll es sein!


WoW: EntWDR, oder…

rd | 23. Juni 2017, 17:49 | 4 Kommentare
„Wie? Herzogstrasse? .....welche Strasse???....“

WDR-Bühne vor dem Venga:
„Wie? Herzogstrasse? …..welche Strasse???….“

Meiner Erinnerung nach gab es in den siebziger Jahren mal Aufkleber, mit denen der WDR auf neckische Weise für sein Angebot warb: EntWDR, oder… Vor dieser Wahl stehen die Menschen in Kleve an diesem Wochenende voller fantastischer Veranstaltungen, von denen die größte und imposanteste zweifelsohne die WDR-Sendung „Ein Tag in Kleve“ ist. Der Sender hat sich auf der Herzogbrücke so prominent platziert, dass die Geschäftsleute im dem Bahnhof zugewandten Bereich der Straße leicht frustriert sind: „Wie? Herzogstrasse? …..welche Strasse???….“, postete Jo Mies auf Facebook. Man kann ihn verstehen. Das Programm des Senders beginnt um zehn Uhr, sogar die berühmte Maus ist vor Ort.

Da ist der Aufkleber — mit Dank an Leser Klaus R.

Hier dann noch eine kleine Auswahl der Oders:

Samstag, ganztägig: Tag der Architektur

Zwei Häuser sind am Tag der Architektur in Kleve zu besichtigen: die Tagespflegeeinrichtung des DRK an der Lindenallee 113 (Wrede Architekten, 14:00 Uhr-17:00 Uhr) und ein Einfamilienhaus am Maselberg 11 (Architekturbüro van der Louw, 11.00-18:00 Uhr).

Samstag, ab 14:00 Uhr: Villa kunterbunt invites (Festival, In den Galleien)

Die Nachbarn seien drei Wochen vorher ausgezogen, und die Veranstaltung selbst sei ordnungsgemäß bei der Stadt Kleve angemeldet – na dann kann ja nichts mehr schief gehen beim Festival „Villa Kunterbunt invites“im Garten des Hauses mit der Nummer 58 in der Straße In den Galleien. Das Festival soll 24 Stunden dauern, also bis Sonntagnachmittag. Hier das bemerkenswerte Line-up, so, wie es auf Facebook gepostet wurde:

Imaginary machete swinger………Japanese pop rock
Biscuit club………Indie rock group from Indonesia
Velvet state…………Blues rock band coming all the way from Nijmegen
Malt dizney…………German rapper from cologne
Diego Barra Ureta…………Chilenian singer song writer
Brudertaktiker…………German hip hopper – really crazy stuff-
Eins…………Funk meets pop, reggae and electro, rap vs rock- This is Eins
Ayvalaostia…………Unpronounceable name, unforgettable south American music
Arschvoll…………Punk rock new comers who will give you an ass full
Cerulean river…………Klever legends, wonderful rock music from kleve

Samstag, abends: Abifete (Radhaus)

Der Klassiker für Menschen, die noch jung sind, die jung geblieben sind, oder die in Gesellschaft junger Menschen dem Wahn erliegen, selbst noch jung zu sein. Man muss warmes Bier aus Plastikbechern mögen, in der Regel nur jedes dritte davon bezahlen und auch ein gewisses Verständnis dafür mitbringen, dass nur wenige französische Chansons ausgespielt werden – dann ist man bei der Abifete im Radhaus genau richtig.

Samstag, 19:00 Uhr: Diner en blanc (Kirmesplatz)

Wer mit der Farbe weiß mehr in Verbindung bringt als nur Mayonnaise, ist beim Diner en blanc (Abendessen in weiß) genau richtig. Es handelt sich um ein spontanes Happening, bei dem sich in weiß gekleidete Menschen mit der nötigen lebensmitteltechnischen Ausrüstung treffen, um unter freiem Himmel ein Festessen zu zelebrieren. Die Gruppe trifft sich am Kirmesplatz und setzt sich dann in Bewegung zum eigentlichen Ort der Speisung.

Samstag, ganztägig: Schnäppchenmarkt

Für die Einkaufsfüchse unter meinen Lesern: am Samstag bieten die Klever Einzelhändler ausgewählte Kostbarkeiten zu Spezialpreisen an.

Sonntag: frei


20 Jahre XOX-Theater: Herzlichen Glückwunsch, Wolfgang Paterok!

rd | 23. Juni 2017, 11:32 | 4 Kommentare
Zu Risiken und Nebenwirkungen des Theaterspielens fragen Sie bitte den Intendanten: Wolfgang Paterok

Zu Risiken und Nebenwirkungen des Theaterspielens fragen Sie bitte den Intendanten: Wolfgang Paterok

Das Schöne an Wolfgang Paterok ist, dass er sich auch in der vorgerückten Lebensphase, in der sich nunmehr befindet, immer noch herrlich aufregen kann – als furchtloser Streiter gegen kleingeistige städtische Bauprojekte im Besonderen und gegen jede Form der Mittelmäßigkeit im Allgemeinen.

Dann bricht es mit barocker Sprachgewalt über einen herein, und, wer Zeuge einer solchen Auseinandersetzung wird, könnte den Eindruck gewinnen, dass bald zu den Waffen gegriffen wird. In Wahrheit ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit aber so, dass die Kontrahenten schon wenig später bei einem Glas Wein oder Bier beieinandersitzen und herzhaft lachen.

Das heißt nicht, dass die Auseinandersetzung es nicht wert war, die Fetzen fliegen zu lassen. Das heißt vielmehr, dass der gute Mann weiß, die Form zu wahren – wenn schon streiten, dann wenigstens so, dass es auch jeder versteht. Und diese Form, das ist das Theater.

Wolfgang Paterok ist eins geworden mit der Schauspielkunst, und das liegt natürlich auch daran, dass er nun schon seit 20 Jahren in Kleve sein eigenes Theater unterhält – das XOX-Theater, beheimatet im Dachgeschoss des einstigen Fabrikgebäudes. Am Wochenende wurde dort nun das Jubiläum gefeiert, im Kreise von hundert Freunden und Weggefährten, bei Sekt und Gulaschsuppe.

Das XOX-Theater sei ein „Glanzpunkt im Kulturleben der Stadt Kleve“, sagte Bürgermeisterin Sonja Northing, die dem Gründer und Chef des kleinen Schauspielhauses attestierte, „ein lustvoller Streiter [zu sein], mit dem es nicht immer ganz leicht ist“.

Das Theater sei ein „gelebter Traum, von dem ganz Kleve profitiert“. Northings Fazit: „Kleine Bühne, aber großes Theater!“

Vergessen waren da die bangen Monate, als die Verwaltung das Theater stillgelegt hatte und eine endgültige Schließung drohte, weil es den immer strenger gewordenen Brandschutzvorschriften nicht mehr genügte. Doch auch diese Klippe konnte umschifft werden, wie so viele andere, an die die drei Schauspieler des ersten überhaupt aufgeführten Stückes, York Dehnen, Michael Freiss und Manfred Küper, vor dem Publikum in launigen Sätzen erinnerten. Nachdem im Königsgarten der Plan geboren wurde, ein Theaterstück aufzuführen, zeigte Paterok den Schauspielern die Spielstätte – den leeren Saal in dem Fabrikgebäude.

Um die Nervenstärke und die dem Theaterchef innewohnende Energie zu begreifen, muss man wissen, wann Paterok seine Schauspieler zu dieser Besichtigung führte – exakt einen Monat vor der Premiere. Der – übrigens feuerfeste – Bühnenvorhang, der heute noch seinen Dienst versieht, sei wenige Tage vor der Premiere in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in Oldenburg gekauft worden. „Wir haben viel mitbekommen und viel mitgenommen“, so die prägnante Zusammenfassung von Michael Freiss.

Naturgemäß stand das Lebenswerk von Wolfgang Paterok im Mittelpunkt des Abends. Doch Paterok selbst nutzte die Begrüßung zum Gedenken an einen Schauspieler des Ensembles, der das Jubiläum noch mit plante, dann aber am 26. März im Alter von nur 57 Jahren überraschend verstarb: Michael Schläger. Ihm wurde mit einer Schweigeminute gedacht. Schläger war der designierte Nachfolger von Wolfgang Paterok, der künftig kürzer treten möchte. Nun wird nach einem neuen Mann oder einer neuen Frau gesucht, die das Theater in die nächsten Dekaden führt. Eine große Aufgabe.

Hier als lokalhistorisches Schmankerl noch der Bericht zur Eröffnung und die Theaterkritik von Matthias Graß in der Rheinischen Post zum ersten Stück aus dem Jahre 1997:

Gefeierte Premiere-Aufführung im Klever XOX-Theater

Bürgermeister Karl Thelosen: „Ein Traum ist in Erfüllung gegangen“

Rauschender Applaus für eine gelungene Premiere, rauschender Applaus auch für ein Wagnis, das einzugehen sich gelohnt hat: Rund 100 Premieren-Gäste feierten die Eröffnung des von Wolfgang Paterok initiierten XOX-Theaters in den ehemaligen Hallen der Biskuitfabrik. Paterok bewies, daß mit viel Enthusiasmus, mit privater Initiative und der kräftigen Unterstützung von Freunden das scheinbar Unmögliche möglich wurde: Kleve hat wieder eine ernstzunehmende, eigene Bühne. In einem professionellen Theater auf einer alle Möglichkeiten offen lassenden Bühne gelang dem Klever Studiendirektor mit Laien eine Aufführung, an die professionelle Maßstäbe angelegt werden können und die so manche Aufführung diverser Tourneetheater in den Schatten stellte. „Ein Traum ist in Erfüllung gegangen“, resümierte Kleves Bürgermeister Karl Thelosen den gelungenen Abend und lobte nochmals den Mut, dieses Unterfangen zu starten… Jetzt gehen hier die hoffnungsvollen Lichter eines Theaters an, das seine Gäste „auf bequemen Sesseln empfängt“, so der Bürgermeister und künftig mit Recht den Titel „Klever Kammerspiele“ tragen dürfte, so Thelosen.

*

„Kunst“ heißt das Stück von Yasmina Reza: Doch die Kunst, ein 1,2 mal 1,6 Meter großes, monochromweißes Bild, im Stück sinn- wie abfällig als weiße Scheiße abqualifiziert, steht so eigentlich gar nicht im Mittelpunkt. Auch wenn sich alles um diese „Weiße Scheiße“, um dieses „Flimmern und Vibrieren“, um die „ganze Farbpalette in der weißen Monochromie“ dreht. Serge, ein gutverdienender Dermatologe aus der Pariser Schickeria stellt voller Stolz und nicht ohne Arroganz seinem Freund Marc, einem Ingenieur, das Bild vor. Doch als Serge ihm den Preis nennt – 200.000 französische Franc – flippt Marc aus, fällt laut lachend und ohne Rücksicht über seinen Freund her, wie man soviel Geld für eben diese „weiße Scheiße“ ausgeben kann. Serge ist erwartungsgemäß empört.

„Kunst“ von Yasmina Reza ist ein Stück über eine Männerfreundschaft, vielleicht über Freundschaft schlechthin -und trotzdem wird die französische Autorin mit ihrem Text nie schwermütig, bleibt leicht, locker, fast oberflächlich aber immer treffend. Ein Text, der Boulevard-Theater sein könnte, ein Stück, das mit seinen möglichen Slapstick-Einlagen zur Commedia dell’arte werden kann, ein Stück aber auch, bei dem sich die Regie auf den Text und auf die zwischenmenschlichen Beziehungen, auf die psychologisierenden Elemente konzentrieren kann.

Wolfgang Paterok wählte eben diesen Weg. Nur drei Zweiersofas und ein kleiner Couchtisch bevölkerten die in ihrer Kargheit überzeugende Bühne: Hier stand das Wort im Vordergrund. Und damit hatte sich Paterok nicht gerade die einfachste Arbeit gesucht – denn gerade ein guter Text will auch gut gespielt werden. York Dehnen als Marc, Michael Freiss als Serge und Manfred Küper als Yvan leisteten als Laienschauspieler Beachtliches.

Köstlich Yvans Familienszenario seiner hysterischen Frauen (Braut, Stiefmutter, Schwiegermutter), nur scheinbar in sich ruhend Marc, ständig irgendwelche Pillchen schluckend, und schließlich der betont distinguierte, alle greifbaren, leeren Kunstphrasen dreschende Serge, ganz betont Bildungsbürger… Kunst bleibt unter Pateroks Regie ein ausgesprochen kurzweiliges Stück mit lustvoll aufspielenden Protagonisten… Ein Stück, das in Kleve ebenso die lauten Lacher provozierte, wie es nachdenkliche, fast traurige Seiten auslotet und in seinem wortreichen Dreikampf niemals ermüdet.


Grüne Hölle oder Schachbrettwald?

rd | 23. Juni 2017, 10:37 | 10 Kommentare
Blick nach Westen: Sattes Grün

Blick nach Westen: Sattes Grün (Foto: Bernd Janssen)

Mit seiner Drohne machte Bernd Janssen gestern am Ehrenfriedhof mit Blickrichtung Westen diese beeindruckende Aufnahme, die den Reichswald in seiner ganzen Pracht zeigt. Gut zu erkennen ist das rechtwinklig angelegte Wegenetz, und zumindest für Naturliebhaber ist nachvollziehbar, dass in dieser grünen Pracht Windenergieanlagen nur wenig verloren haben. Herzlichen Dank an den Drohnenpiloten!


Gunter Gabriel, 1942-2017

rd | 22. Juni 2017, 19:28 | keine Kommentare

„Sein größtes Glück: Im Bademantel und Schlappen zum nächsten Kiosk radeln und ein paar Bier holen.“ Passt, was die FAZ zum Tode des Sängers schreibt, dessen Lieder zum Kanon der deutschen Populärkultur gehören. Was nicht jeder weiß: Auch das legendäre Lied „Wenn du denkst du denkst, dann denkst du nur denkst“ von Juliane Werding stammt aus seiner Feder. Das Video aus der ZDF-Sendung Disco (mit dem berühmten Ilja Richter) ist ein schönes Zeitdokument – achten Sie auf die drei Skatspieler, die zu der Inszenierung gehören! Hier der Link zum Nachruf aus der FAZ: Der Stehaufmann


Wohin heute Abend? (Falls es einem noch nicht heiß genug ist…)

rd | 22. Juni 2017, 18:03 | keine Kommentare
Julia Kadel, Anil Eraslan

Julia Kadel, Anil Eraslan

Im Rahmen der Reihe „Jazz im XOX-Theater“ gastieren am heutigen Donnerstag, 20 Uhr, die Pianistin Julia Kadel aus Berlin und der türkisch­-französische Cellist Anil Eraslan im XOX-Theater. Julia Kadel, ein Shooting-Star der deutschen Jazzszene ist als Komponistin und Pianistin aktiv und war 2015 in zwei Kategorien für den deutschen Echo Jazz als Instrumentalistin des Jahres national und mit ihrem Klaviertrio „Julia Kadel Trio“ als nationaler Newcomer nominiert. Anil Eraslan spielt derzeit in zahlreichen Projekten wie der „Auditive Connection“ (Gewinner der „Jazz Migration Tour 2015“) und dem Streichtrio „Kemik“. Sicher ein Genuss!


Achten Sie auf den Erdbeergletscher!

rd | 22. Juni 2017, 14:19 | keine Kommentare

Kürzlich las ich in der britischen Tageszeitung The Guardian, eine der besten Publikationen auf diesem Planeten, eine Rezension über die Fernsehserie Better call Saul, die der sensationellen Serie Breaking Bad vorausgeht und in vielerlei Hinsicht übertrifft (The perfect prequel). Sie schildert, wie aus dem Anwalt James McGill der Winkeladvokat Saul Goodman wurde, und wie der heimliche Held der Serie, der supercoole Ex-Polizist Mike Ehrmanntraut an die Dealer geriet. Besonders erwähnt wurde unter anderem eine Szene, in der Mike Ehrmantraut auf der Suche nach einem Peilsender sein Auto auf einem Schrottplatz komplett auseinanderschraubt – eine Szene, die mit viel Liebe zum handwerklichen Detail gefilmt wurde und in der die Handlung mit nahezu unendlicher Langsamkeit voranschreitet. Spannend ist’s trotzdem. Für das Tempo der Handlung prägte der Autor den Begriff „glacial pace“, sie schreitet also mit gletscherartiger Geschwindigkeit voran. Eis aber ist das Thema dieser Stunden, und verbunden mit der Erkenntnis, dass der Takt des Nachrichtenwesens ohnehin so schnell schlägt, hier also eine nicht minder spannende kleveblog-Glazialkonstruktion. Achten Sie auf den Erdbeergletscher!


Nennen wir es mal: ein Statement

rd | 22. Juni 2017, 11:14 | 4 Kommentare
Clealry the EU inspires some in the UK, kommentierte Guy Verhofstad das genähte Bekenntnis zu Europa, das die Queen bei ihrer Rede trug

Clealry the EU inspires some in the UK, kommentierte Guy Verhofstad das genähte Bekenntnis zu Europa, das die Queen bei ihrer Rede trug

Cool Britannia: Sie darf nichts Politisches sagen, aber keiner kann der Queen vorschreiben, was sie anzieht – und so kamen wir Europäer in diesen turbulenten Zeiten in den Genuss eines bemerkenswerten nonverbalen Statements…


Fritz Getlinger: Heute wäre er 106 geworden!

rd | 21. Juni 2017, 11:10 | 2 Kommentare
Fritz Getlinger, wie Stefan Möller ihn sah

Fritz Getlinger, wie Stefan Möller ihn sah

Seine Fotos sind Ikonen des Niederrheins geworden: Heute wäre Fritz Getlinger, der große Fotograf, 106 Jahre alt geworden. Hier ein Porträt, erschienen in der NRZ-Serie „Klever Köpfe“:


Die allmähliche Steinigung unserer Vorgärten (aber: man muss nicht mehr gießen)

rd | 20. Juni 2017, 16:23 | 51 Kommentare
Stongehenge?

Stongehenge?

(Mit neuem, beeindruckenden Fotobeispiel.)

Heute hat die NRZ ein Thema aus der jüngsten Ausgabe des Magazins Der KLEVER aufgegriffen – die allmähliche Steinigung der Vorgärten im Kleverland (hier der Link zum Artikel: Heimatpfleger ärgern sich über Trend zu Steingärten).

Was früher grünte und blühte, sieht heute immer öfter aus wieder Randbereich einer Bahnstrecke. In dem NRZ-Artikel bezeichnet Josef Jörissen, der stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes für Heimatspflege, die Steingärten als „Ausgeburt von Tristesse und Lebensfeindlichkeit“.

Grund genug für kleveblog, den Artikel aus dem Magazin noch einmal hervorzuholen und der geneigten Leserschaft zu präsentieren (die aktuelle Ausgabe des Magazins Der KLEVER ist vor kurzem erschienen und im örtlichen Zeitschriftenhandel zum Preis von 3,50 € erhältlich).

Das Fiasko vor unserer Haustüre: Früher Blumenbeete, heute Schotterbetten – wie konnte es so weit kommen?

Der Vorgarten spiegelt die Seele des Hausbewohners, heißt es. Wenn das stimmt, müssen wir uns Sorgen machen. Denn wo früher in Kleve Blumenbeete das Auge des Besuchers erfreuten, setzen sich heute mehr und mehr Schotterbetten durch. Statt durch eine blühende Landschaft verläuft der Weg zur Haustür heute immer häufiger durch eine pflegeleichte Einöde aus Steinbrocken. Lebensfreude findet ihren Ausdruck allenfalls durch fünf Schattierungen von Grau.

Gäbe es in diesen deprimierenden Arealen zwischen Haustür und Jägerzaun noch Lebensformen, sie wären wahrscheinlich schnell ein begehrtes Forschungsobjekt – weil sie ganz ohne Tageslicht und Sauerstoff auskämen. Denn unter dem lebensfeindlichen Steinteppich hat der Besitzer in aller Regel noch eine hermetische Kunststofffolie ausbreiten lassen. Pflanzen, die für ihren Stoffwechsel auf Chlorophyll zurückgreifen, dürften sich fühlen wie auf dem Mars – nur dass der Postbote häufiger kommt.

Eine Aufrüstung, wie sie einst an Staatsgrenzen betrieben wurde, scheidet nun die Immobilie von dem Grund, auf dem sie steht. Psychologisch betrachtet, dürfte es sich bei dieser Art der Gestaltung um eine Form der Steinigung handeln, bei der soviel Felsmaterial auf den Nährboden des Lebens gekippt wird, bis dieser keinen Mucks mehr von sich gibt.

Das aber lässt tief blicken – in die Seele des Vorgartenbesitzers. Sie ist die Seele in uns allen, die wir bescheidene Arbeiter im Weinberg sind. Vordergründig sagen wir: Die Gartenarbeit ist uns zu beschwerlich geworden, nicht einmal mehr mit den akkubetriebenen Helfern aus dem Discountmarkt haben wir sie noch bewältigen können. Und: Die Steine sind doch auch ganz hübsch anzusehen.

Doch Granit und Gneis kommunizieren nicht wie Büsche und Blumen. Was auch immer zwischen – fein gestutzten – Hecken und Hausfassade wächst, es sendet eine Botschaft der Selbstgewissheit an den Besucher. Der Vorgarten blüht akkurat und spricht in seiner ganzen Pracht: „Seht her, so aufgeräumt wie dieser Garten ist auch das Gemüt des Bewohners!“

Karl Lagerfeld sagte einst, dass, wer eine Jogginghose trage, die Kontrolle über sein Leben verloren habe. Das Gegenteil ist richtig. Wer samstagmorgens in exakt dieses Kleidungsstück schlüpfte, um das Grün vor seinem Haus zu trimmen, bewies, dass er mit seinem feinen Arsenal aus Scheren und Sensen zumindest im Kleinen bereit war, gestaltend in den Lauf der Welt einzugreifen, den – wie die Fernsehnachrichten jeden Abend zeigen – eigentlich unkontrollierbaren Lauf der Welt.

Der Vorgarten war das Zivilisationsprojekt des kleinen Mannes. Wer seine Hortensie hegte, wusste, es gab die Wildnis, auch (und vor allem) die des Herzens, aber sie war überwunden. Es herrschten Anmut und Erbauung, wo sonst das unbarmherzige Gesetz des Stärkeren regiert hätte. Der klassische Vorgarten, es war der gezähmte Tiger in uns.

Nun aber ist der Tiger tot. Zurück bleibt Leere. Über diese Leere breiten wir eine Lage Steine aus. Steine verschaffen uns ein Gefühl der Sicherheit. Auf diese Steine können sie bauen. Häuser und Denkmäler aus Stein überdauern uns, und auch die Vorgärten aus Stein.

Vorgärten aus Stein sagen womöglich allerdings auch aus, dass wir in unseren Herzen verzagt sind. Dass unsere Vision der Welt des nächsten Frühlings genauso aussieht wie die des jetzigen. Und dass wir nicht mehr wagen, die Welt zu gestalten.

Möchten wir aber, dass andere sie gestalten?


Stadtfliegen aktuell: Mit dem Mofa über Donsbrüggen

rd | 20. Juni 2017, 16:08 | 5 Kommentare
Sonntag Abend über Donsbrüggen: Hört sich an wie ein Mofa, nutzt aber keine Radwege

Sonntag Abend über Donsbrüggen: Hört sich an wie ein Mofa, nutzt aber keine Radwege

Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Wir alle?

In einem spektakulären Pilotprojekt testet die Stadt Kleve aktuell neue Methoden, wie der Feierabendstau auf der Gruftstraße umgangen werden kann. Unter anderem überlegt eine Task Force unter Leitung von Cpt. Willibrord Haas, große Teile des Berufsverkehrs einfach in die Luft zu verlegen. kleveblog wurde zufällig Augenzeuge eines ersten Testflugs über Donsbrüggen.

Und wie immer versprechen wir unseren Lesern: Wir bleiben dran!


Reichen Speichen? Stadtradeln, Runde 2 in Kleve

rd | 20. Juni 2017, 13:47 | 8 Kommentare
In vielen Städten wie zum Beispiel in Groningen ist das Radfahren deutlich verbreiteter als in Kleve – die Neuauflage der Aktion Stadtradeln könnte dies zumindest ein wenig ändern

In vielen Städten wie zum Beispiel in Groningen ist das Radfahren deutlich verbreiteter als in Kleve – die Neuauflage der Aktion Stadtradeln könnte dies zumindest ein wenig ändern

Für viele Klever ist die tägliche Nutzung des Autos eine Selbstverständlichkeit, genutzt wird es, um die Kinder zur Schule zu bringen oder zur Arbeit zu fahren oder Einkäufe zu erledigen. Vergleicht man die Zahl der Fahrradständer an öffentlichen Gebäuden und Firmensitzen mit der der Parkplätze, kommt man zu dem Schluss, dass Radfahrer eigentlich gar nicht mehr vorgesehen sind. Die Hochschule Rhein-Waal verfügt bekanntlich über ein eigenes Parkhaus, das in der Regel komplett leer steht. Dass Studenten mit dem Fahrrad zur Hochschule kommen könnten, war bei den Planungen nur von untergeordneter Bedeutung. Immerhin tut sich seit einiger Zeit recht viel, darunter eher Symbolisches (z.B. der verbreiterte Haltestreifen vor der Ampel Römerstraße/Lindenallee), aber auch Veränderungen, die das Leben der Fahrradfahrer wirklich vereinfachen und auch sicherer machen. Zu nennen sind die Radfahrer-Spur an der Kreuzung Gruftstraße/Tiergartenstraße stadteinwärts oder der in Kürze beginnende Ausbau der Ringstraße. Damit der Klever sich über all dies noch mehr Gedanken machen und eigene Eindrücke sammeln kann, gibt es jetzt in der Stadt die zweite Auflage der Aktion Stadtradeln – die Teilnahme sei ausdrücklich empfohlen. Es sei auch schon angekündigt, dass die Berichterstattung hier in den nächsten Wochen fahrradlastiger wird.

Hier die vollständige Pressemitteilung der Stadt Kleve mit weiteren Informationen zu der Aktion Stadtradeln:

Klima-Bündnis-Kampagne STADTRADELN geht in die 10. Runde


WoW (25): Dreimal Musik, Hopfen & Hygiene

rd | 17. Juni 2017, 10:48 | 4 Kommentare
Eine der wichtigsten Kulturpflanzen der Menschheit: Hopfen

Eine der wichtigsten Kulturpflanzen der Menschheit: Hopfen

Es sind eh alle weg (Malle, Zee), aber für die, die noch da sind, hält die heutige Ausgabe von WoW („Wohin am Wochenende“) eine Fülle von Zerstreuungsmöglichkeiten bereit, die sogar – wenn man das akademische Wochenende, das bekanntlich von Donnerstag bis Dienstag dauert, zugrunde legt, sogar mit botanischen Informationen zu einer der wichtigsten Kulturpflanzen überhaupt abgerundet werden kann – zum Hopfen. Englisch heißt der Hopfen bekanntlich „hop“, und ich vermute, dass das englische Wort für Hoffnung („hope“) daraus abgeleitet ist. Aber zuerst mal ein bisschen Musike, zum Beispiel am Samstag am Red Wagon, am Sonntag in der Schwanenburg und im Forstgarten. Hier der Überblick:

Samstag, 20 Uhr: Von Abba bis Zappa (Red Wagon, Draisinenbahnhof)

Der Musikfundus von DJ Mike (Michael Dickhoff) ist schier unerschöpflich. Schon zu Zeiten des Whisky-Saloons ludt er zu seinen legendären „Von Abba bis Zappa“-Nächten. Seitdem sind noch einige Interpreten hinzugekommen. Andere sind gestorben, aber die Musik blieb. Musik, Äther der Ewigkeit. Wo alle nur noch von Spotify reden, langt DJ Mike immer noch in riesige Koffer voller Silberscheiben. Nostalgia, a pain from an old wound. Aus seinem Repertoire spielt er am Samstag Abend im Biergarten am Red Wagon.

Sonntag, 15 Uhr: Back on Friday (Forstgarten)

Die Beschreibung macht deutlich, das Musik sich mitunter der sprachlichen Beschreibung entzieht – weshalb empfohlen wird, sich selbst ein Bild (Achtung, Synästhesie!) zu machen vom Auftritt der Band „Back on Friday“, deren Auftritt wie folgt angekündigt wird: „Die Jazzgruppe Back on Friday, gestandene Musiker aus Emmerich am Rhein, die bereits seit 15 Jahren zusammenspielt, ist es, die das nächste Forstgartenkonzert am Sonntag, dem 18. Juni, von 15 Uhr bis 16.30 Uhr im Blumenhof der Klever Parkanlage gestaltet. Zentrales Element dieser Musikrichtung ist eine besondere, auf Bewegungsgefühl bezogene Rhythmik, sowie eine intensive, improvisatorische und spontane Interaktion, in dem die Akteure auf der Bühnewechselseitig aufeinander einwirken. Der Eintritt zu diesem Konzert ist frei.

Sonntag, 17 Uhr: Oben Oboen (Schwanenburg)

Das Collegium Musicum Kleve gibt sein traditionelles Sommerkonzert im Innenhof der Schwanenburg. Es erklingen u. a. das Oboenkonzert C-Dur von W. A. Mozart (Solist: Keita Yamamoto) und Franz Schuberts „Unvollendete“. Die Leitung hat Johannes Feldmann. 

Dienstag: Hopfen (Klimahaus der HSRW)

Selbsterstellte Hopfenprodukte, tsss, was mag das wohl sein? Am 20. Juni 2017 lädt die Hochschule Rhein-Waal alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sowie alle Hochschulangehörigen zum 10. Tag des Klimahauses auf den Campus Kleve ein. Diesmal steht der Hopfen im Mittelpunkt des Tages. Studierende aus den Studiengängen „Sustainable Agriculture“ und „Agribusiness“ der Fakultät Life Sciences informieren über die Geschichte und die Botanik des Hopfens und dessen Nutzung in der Bierbrauerei. Selbsterstellte Hopfenprodukte stehen zur Verkostung für die Besucherinnen und Besucher bereit.

Zusatzinfo: Wussten Sie, dass Hopfen schon seit etwa 4000 Jahren zur Herstellung von Getränken verwendet wird? Oder dass diese uralte Kulturpflanze neben der Bierbrauerei zum Beispiel auch Verwendung in verschiedenen Lebensmitteln und in Produkten zur Körperpflege und Gesunderhaltung findet und im Jahr 2007 sogar Arzneipflanze des Jahres war? Diese Details und noch mehr Wissenswertes können alle Interessierten am „Hopfentag“ des Klimahauses in der Hochschule Rhein-Waal erfahren.

In den Schaugärten der Hochschule werden aktuell fünf Sorten des Echten Hopfens Humulus lupulus angebaut und stehen jetzt im zweiten Kulturjahr. Am Tag des Klimahauses können sich die Besucherinnen und Besucher auf Vorträge zum Thema Hopfen und Bierbrauern freuen. Um 18 Uhr begrüßt Prof. Dr. habil. Jens Gebauer, Leiter des Klimahauses und Professor für nachhaltige Agrarproduktionssysteme insbesondere im Gartenbau an der Hochschule Rhein-Waal, alle Interessierten im Seminarraum des Klimahauses. Im Anschluss finden die Vorträge und ein Gartenrundgang statt. Zu Gast ist auch der Braumeister und Hopfenbauer Johannes Lehmbrock aus Kamp-Lintfort.

Auch das erste Bier der Hochschule Rhein-Waal, gebraut mit eigenem Hopfen der Vorjahresernte, steht für die Besucherinnen und Besucher zum Probieren bereit. Mit einem Versuchsbraukessel brauten Studierende der Fakultäten Life Sciences und Technologie und Bionik Bier in verschiedenen Rezepturen. Dieses Brauverfahren stellen die Studierenden ebenfalls dem interessierten Publikum vor. Die Teilnahme ist kostenfrei und eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Nähere Informationen erteilt Franz-Josef Kuhnigk per E-Mail unter franz-josef.kuhnigk@hochschule-rhein-waal.de.

Dienstag: „Hygieneolympiade“ an der Hochschule Rhein-Waal

Ein Muss für jeden männlichen Studenten, der nicht in einer festen Bindung ist: Am Dienstag, den 20. Juni 2017 findet auf dem Campus Kleve ein Aktionstag zum Thema Haushaltshygiene statt. Alle Interessierten sind eingeladen, sich zwischen 10.00 Uhr und 16.00 Uhr über Kühlschrank, Waschmaschine und Co. zu informieren und das eigene Wissen zu testen. Unter dem Motto „Hygieneolympiade – Mit Denksport durch den Haushalt“ erfahren die Besucherinnen und Besucher Tipps und Tricks, um in der eigenen „Arena“ gegen Schmutz, Bakterien und Schimmel optimal gewappnet zu sein.
Die Veranstaltung ist offen für alle Bürgerinnen und Bürger und findet auf dem Campus Kleve vor den Gebäuden 11, 12 und 13 statt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.


Hoch die Tassen!

rd | 16. Juni 2017, 16:33 | 11 Kommentare
Neue Akademiker, diesmal am HRSW-Standort Kamp-Lintfort

Neue Akademiker, diesmal am HRSW-Standort Kamp-Lintfort

Die Hochschule Rhein-Waal freut sich über ihre diesjährigen Bachelor- und Masterabsolventinnen und -absolventen. Im Rahmen einer feierlichen Verabschiedung mit anschließendem Sektempfang wurden 615 Studierende am 9. Juni 2017 in der Stadthalle Kleve und im Audimax des Campus Kamp-Lintfort mit den besten Wünschen für die Zukunft in das Berufsleben entlassen.


Karsten Koppetsch wird neuer Vorstand der USK

rd | 13. Juni 2017, 18:53 | 4 Kommentare

Das ist, zumindest für Wissende, ein überraschender Karriereschritt: Karsten Koppetsch, Diplom-Verwaltungswirt und an der Hochschule Rhein-Waal Leiter des Dezernats Ressourcen, wird ab September neuer Vorstand der Umweltbetriebe der Stadt Kleve (USK). Koppetsch waren Ambitionen nachgesagt worden, an der HSRW die vakante Stelle des Kanzlers bekleiden zu wollen, ein Amt, das der 48 Jahre alte Klever bereits seit einigen Monaten kommissarisch ausfüllt. Zum neuen Aufgabengebiet des Mannes gehören nun, wie die Pressemitteilung der Stadt Kleve auflistet, „die Unterhaltung der Spiel- und Sportplätze, die Grün-/Parkpflege, die Straßenunterhaltung, die Unterhaltung der Straßenbeleuchtung, die Straßenreinigung mit Winterdienst, die Stadtentwässerung mit Kanal und Klärwerk, die Abfall- und Wertstoffentsorgung sowie die Unterhaltung der kommunalen Friedhöfe“.

Hier die Mitteilung der Stadt Kleve im Wortlaut:

Karsten Koppetsch wird neuer Vorstand der Umweltbetriebe der Stadt Kleve

Verwaltungsrat bestellt neuen Vorstand in nichtöffentlicher Sitzung

Karsten Koppetsch wird neuer Vorstand der Umweltbetriebe der Stadt Kleve AöR (USK). Sowohl der Verwaltungsrat als auch der Haupt- und Finanzausschuss sprachen sich in nichtöffentlicher Sitzung für den 48-jährigen Diplom-Verwaltungswirt aus Kleve als künftigen Vorstand aus. Er ist für fünf Jahre bestellt und wird seinen Dienst voraussichtlich im September diesen Jahres aufnehmen. Koppetsch ist aktuell seit September 2016 kommissarischer Kanzler an der Hochschule Rhein-Waal und besitzt langjährige Erfahrungen in Führungspositionen.

Die USK sind als kommunaler Dienstleister bekannt. Sie beschäftigen rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zum Aufgabengebiet im Stadtgebiet gehören in kommunaler Zuständigkeit u.a. die Unterhaltung der Spiel- und Sportplätze, die Grün-/Parkpflege, die Straßenunterhaltung, die Unterhaltung der Straßenbeleuchtung, die Straßenreinigung mit Winterdienst, die Stadtentwässerung mit Kanal und Klärwerk, die Abfall- und Wertstoffentsorgung sowie die Unterhaltung der kommunalen Friedhöfe.


1500 Euro pro Semester pro Nicht-EU-Student: Will die neue Landesregierung der HSRW den Saft abdrehen?

rd | 13. Juni 2017, 00:38 | 22 Kommentare
Positive Bilanz: Heide Naderer, seit einem Jahr Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal

41 % der HSRW-Studenten kommen aus Nicht-EU-Ländern –
dieser Andrang dürfte nachlassen, wenn in NRW tatsächlich Studiengebühren erhoben werden. Für Hochschulpräsidentin Dr. Heide Naderer wäre das eine neue Herausforderung

Am 24. Mai feierte die Hochschule Rhein-Waal den Africa Day, bei dem Studenten aus dem Kontinent ihre Heimat in vielfältiger Weise darstellen konnten. Eine Bereicherung für die Stadt – aber wie viele Africa Days wird es noch geben? Ende vergangener Woche machte Christian Lindner (FDP) ein Reformvorhaben der neuen schwarz-gelben Landesregierung bekannt, dessen Auswirkungen in Kleve gut spürbar werden dürften: Ausländische Studenten (aus Nicht-EU-Ländern) sollen künftig 1500 Euro an Studiengebühren zahlen – pro Semester. (Prognostizierte) 30.000 Studenten landesweit mal 3000 Euro mal fünf Jahre Studium, da kommt ganz schön was zusammen. Das Geld soll direkt an die Hochschulen verteilt werden, allerdings nicht nur an die, die für die Einnahmen sorgen. Und das könnte die Hochschule Rhein-Waal sehr unerfreulich werden – weshalb sich die Hochschulpräsidentin Dr. Heide Naderer gestern das Vorhaben per Pressemitteilung kommentieren ließ. Hier der Text im Wortlaut:

Geplante Einführung von Studiengebühren für Nicht-EU-Studierende durch die NRW-Landesregierung darf nicht zu finanziellen Kürzungen führen

Kleve/Kamp-Lintfort, 12. Juni 2017: Die geplante Einführung von Studiengebühren für internationale Studierende aus Nicht-EU-Ländern wird sicherlich Auswirkungen auf die Hochschule Rhein-Waal haben – ob dies eher positiv oder negativ sein wird, hängt von vielen noch zu klärenden Faktoren in der Umsetzung dieses Vorhabens durch die neue Landesregierung ab.

Ungeklärt ist, ob die neue Regierung plant, gegegebenfalls Haushaltskürzungen im Wissenschaftsbereich mit der geplanten Einführung der Studiengebühren aufzufangen – so wie dies in Baden-Württemberg der Fall ist. Hier sollen die Mehreinnahmen allen Hochschulen zugutekommen, um die Haushalte aller Hochschulen stabil zu halten. Falls in NRW keine Kürzungen im Wissenschaftsetat beabsichtigt sind, die alle Hochschulen treffen würden, dann muss es selbstverständlich sein, dass die Einnahmen der Studiengebühren der internationalen Studierenden auch den Hochschulen direkt zukommen, die durch eine bessere Betreuung und einem umfangreichen englischsprachigen Angebot – an der Hochschule Rhein-Waal werden 75% der Lehre in Englisch angeboten – quantitativ und qualitativ anders belastet sind als eine Hochschule ohne internationale Ausrichtung und mit nur einer geringen Anzahl an Nicht-EU-Studierenden. Aktuell kommen 41 % der an der Hochschule Rhein-Waal eingeschriebenen Studierenden aus Nicht-EU-Ländern.
Wenn die deutschen Hochschulen sich weiter internationalisieren wollen – und Wissenschaft ist und bleibt nur international denkbar und erfolgreich – dann müssen die Hochschulen auch weltweit alle Talente einladen können, in Deutschland zu studieren – unabhängig von den Einkommen der Eltern. Es muss also selbstverständlich sein, dass bedürftige, aber begabte Studierende auch weiterhin für ein Studium an die Hochschule Rhein-Waal oder andere Hochschulen in NRW kommen können. Es fehlt derzeit jedoch in NRW

a.) an einem funktionierenden Stipendiensystem, das soziale Kriterien vorrangig berücksichtigt (das ist bei dem (bundesweiten) Deutschlandstipendium nicht der Fall) und
b.) an einer systematischen Möglichkeit in Deutschland, die soziale Bedürftigkeit der Studierenden aus dem Nicht-EU-Ausland belastbar und schnell zu prüfen. Ob die generelle Kategorie „Herkunft aus einem Entwicklungsland“ ausreicht, hier entsprechend zu differenzieren, ist nicht zu erwarten.

Mit dem Aufwand der Information, Prüfung, Auswahl und Begleitung dieser noch zu etablierenden neuen Verfahren – die Hochschule Rhein-Waal hatte zum Wintersemester 2016/17 über 5.700 Bewerbungen aus dem Nicht-EU-Ausland – dürfen nicht die Hochschulen belastet werden, die sich um Weltoffenheit und eine internationale Wissenschaft bemühen und nunmehr durch einen neuen, enormen Verwaltungsaufwand in ihrem Handeln beschränkt werden.
Zudem bleibt Grundlage für ein lebendiges Wissenschaftssystem, dass Austausch und Kooperation über alle Grenzen möglich bleiben, so dass natürlich weder Austausch-, noch Kooperationsabkommen mit ausländischen Hochschulen noch Doppel-, Duale- Abschlüsse betroffen sein können und dürfen. Der „Bestandsschutz“ für die derzeit eingeschriebenen Nicht-EU-Studierenden muss ebenfalls selbstverständlich sein.


Fredensvertrag! Es bleibt bei „Gesamtschule am Forstgarten“ (vorerst)

rd | 12. Juni 2017, 14:42 | 7 Kommentare
 von oben betrachtet, könnte man auf die Idee kommen, dass der Name „Gesamtschule Forstgarten“ nicht ganz verkehrt gewählt ist (für auswärtige Leser: Es handelt sich um das Gebäude links im Bild)

  Von oben betrachtet, könnte man auf die Idee kommen, dass der Name „Gesamtschule am Forstgarten“ nicht ganz verkehrt gewählt ist (für auswärtige Leser: Es handelt sich um das Gebäude links im Bild)

Wilhelm Frede ist eine bedeutende Persönlichkeit für Kleve, aber nicht so wichtig für die Gesamtschule „am Forstgarten“, die deshalb auf den Namenszusatz der (2016 aufgelösten) Hauptschule zunächst einmal verzichten will und lieber das geographische Alleinstellungsmerkmal für die Namensgebung nutzen möchte. Das ist der Tenor einer Presseerklärung, mit der der Direktor der Gesamtschule, Jürgen Schmitz, und Probst Johannes Mecking den Inhalt ihres Gesprächs zur Namensgebung der Schule wiedergeben.

Überraschenderweise konnte sich also der Kompromiss „Wilhelm-Frede-Gesamtschule am Forstgarten“ nicht durchsetzen. Vielleicht erhält ja der Physikraum oder das Lehrerzimmer der Gesamtschule den Namen des niederländischen Vizekonsuls, der an den Folgen von Misshandlungen im Konzentrationslager Sachsenhausen starb. In Kleve erinnert überdies der Wilhelm-Frede-Sportplatz der DJK Rhenania Kleve an den Widerstandskämpfer. Im folgenden zunächst die Presseerklärung von Jürgen Schmitz und Johannes Mecking sowie ein Porträt von Wilhelm Frede, das im Rahmen der NRZ-Serie „Klever Köpfe“ erschienen ist.

Presseerklärung, Statement der Bürgermeisterin und Frede-Porträt:


Hang-Time: In zwei Wochen ist die Endmoräne wieder im Lot

rd | 12. Juni 2017, 14:08 | 47 Kommentare
Bagger-Ballett im größten Sandkasten der Stadt

Bagger-Ballett im größten Sandkasten der Stadt

 Uferlinie verlegt, Spundwand eingesetzt

Uferlinie verlegt, Spundwand eingesetzt

Gefällte Bäume – aber das Erdreich hält

Gefällte Bäume – aber das Erdreich hält

Rohrbruch als Ursache: Das Ablaufrohr links oben im Bild war geborsten, das Wasser sickerte in den Hang und unterspülte ihn

Rohrbruch als Ursache: Das Ablaufrohr links oben im Bild war geborsten, das Wasser sickerte in den Hang und unterspülte ihn

Zunächst baute die Firma Siebers mit mehreren mehr als tausend Tonnen Sand einen künstlichen Damm in den Kermisdahl, seitdem kann mit schwerem Gerät an Kleves heikelster Baustelle gearbeitet werden – am Abhang der Endmoräne, der Anfang Mai an der Kaskade abrutschte. Ursache des Desasters, das Kleves romantischste Wanderstrecke verschüttete, war ein geborstenes Ablaufrohr. Das Regenwasser, das standardmäßig aus der Oberstadt über dieses Rohr in den Kermisdahl abgeleitet wird, unterspülte den Hang der Endmoräne und ließ Bäume, Sträucher, die Humusschicht und tonnenweise Sand abrutschen. (Die Kaskade, in der bei Starkregen das Wasser spektakulär hinabrauscht, dient eigentlich nur als Überlauf.)

Dass an der Unglückstelle auch Bäume gefällt wurden, ließ sofort auch den Verdacht aufkommen, dass ein Zusammenhang mit dem Erdrutsch besteht. Stadtsprecher Jörg Boltersdorf: „Die Baumfällungen erfolgten im Jahr 2009. Sie wurden erforderlich, weil die Bäume teilweise in den Kaskadenbereich wuchsen und daher Beschädigungen drohten. Im Jahr 2016 wurden die sogenannten Auftriebe wieder zurückgeschnitten. Wurzelrodungen sind nicht erfolgt.“

Nebenbei trugen die Fällungen auch dazu bei, dass die Sichtachsen, die Prinz Johann Moritz von Nassau-Siegen einst anlegen ließ, wieder hergestellt wurden. Es wäre zweifelsohne eine ironische Wendung sondergleichen gewesen, wenn die Fällungen tatsächlich für den Erdrutsch verantwortlich gewesen wären. Die Besichtigung der Baustelle zeigt beim Blick hangaufwärts links von der Kaskade einige Baumstümpfe – dort allerdings hält das Erdreich.

Allerdings sollte der Erdrutsch uns in Erinnerung rufen, dass Kleve weitestgehend auf Sand gebaut ist – nur knapp überdeckt von einer fünfzig Zentimeter dicken Humusschicht der Zivilisation. Boltersorf: „Der Böschungsbruch resultiert daraus, dass das Wasser aus dem Trockenüberlauf wahrscheinlich über Wochen ins Erdreich gesickert ist. Da die Endmoräne nicht aus einem korngestuften Bodenmaterial, sondern überwiegend aus Sand besteht haben sich im Laufe der Zeit im Böschungsbereich Setzungen eingestellt, welche das Rohr von der Statik her nicht ausgleichen konnte.“

Damit dergleichen nicht noch einmal passiert, hat die Firma Siebers im Auftrag der Stadt Kleve drei Sicherungen zusätzlich eingezogen. Zum einen wurde das Ufer um einige Meter zurückverlegt, so dass unmittelbar vor dem Ende der Kaskade noch eine Drainageschicht aus grobem Gestein eingefügt werden konnte. Ebenfalls zur Sicherung des Geländes trägt ein Spunddielenverbau bei, der neun Meter tief ins Erdreich ragt. Maßnahme Nummer drei ist ein zweiter Spunddielenverbau, der in den Hang selbst gesetzt wurde. Die Metallwand ragt dreizehn Meter tief in die Erde. Das sollte für einige tausend Jahre Sicherheit geben.

Derzeit sind Bagger damit beschäftigt, die Erde wieder den Hang hinauf zu befördern. Nach gegenwärtigen Stand ist schon in zwei Wochen damit zu rechnen, dass die Bauarbeiten abgeschlossen sind und die Klever Spaziergänger die erbauliche Strecke wieder nutzen können.


Pustekuchen!

rd | 10. Juni 2017, 14:32 | 8 Kommentare
Entweder fehlt ein „e“, oder aber…

Entweder fehlt ein „e“, oder aber…


Wohin am Wochenende? (25) Zum Markt, zur Burg und zur Stadthalle! Und in die Stadtbücherei…

rd | 09. Juni 2017, 15:29 | 2 Kommentare
In der 60-er Jahren, als diese Aufnahme entstand, war noch jeder Samstag „Tag des Marktes“

In der 60-er Jahren, als diese Aufnahme entstand, war noch jeder Samstag „Tag des Marktes“

(In den Kommentaren nun noch ein Hinweis auf der Pumpenfest der Freiwilligen Feuerwehr Kellen heute (Freitag) Abend) Aus der handverlesenen Auswahl unserer Rekreationspossibiliitäten ragt natürlich heraus: der „Tag des Marktes“! Die Händler halten wie üblich ihre Körnerbrötchen, Gänseeier und Rosensträuße bereit, doch zusätzlich haben sie, fast wie im Mittelalter, Gaukler und andere Unterhaltungskünstler einbestellt sowie weitere Gewerbetreibende, die beispielsweise Honig schleudern, Marmelade kochen oder Postkarten vergolden. Nur medizinische Versorgung, früher auch auf Märkten üblich, wird nicht angeboten.

Nils Roth, der gemeinsam mit Werner Wittenhorst diesen besonderen Markt-Tag organisierte, sagt: „Jeder Markthändler wird an diesem Tag seinen Stand mit einer besonderen zusätzlichen Aktion präsentieren. Weiter haben wir an diesem Tag verschiedene Vereine eingeladen, um ihre wunderbare ehrenamtliche Arbeit vorstellen zu können. Auch anderen Händlern und Kunsthandwerkern möchten wir an diesem Samstag die Gelegenheit geben sich auf dem Klever Wochenmarkt auszuprobieren – vielleicht mit dem Ziel, ein fester Bestandteil und eine Erweiterung für den Klever Wochenmarkt zu werden. Dieser ,Tag des Marktes‘ wird von Klever Künstlern begleitet und gerahmt! Wir wollen zeigen das der Wochenmarkt mehr ist als nur eine weitere Einkaufsmöglichkeit – sondern ein Platz des persönlichen Kontaktes, des Austausches, neueste Nachrichten werden mitgebracht und diskutiert, Kontakte und Pläne werden geschmiedet zwischen Brot, Käse und Erdbeeren. Auf dem Markt tobt einfach das wahre Leben!“

Tag des Marktes – am Samstag an der Linde!

Samstag, 19:30 Uhr: Summer Open Air (Innenhof der Schwanenburg)

Freunde der Unterhaltungsmusik sollten am Samstag zur Schwanenburg ziehen: Dort veranstaltet Tim Verfonderns Soundbox Entertainment das diesjährige Summer Open Air. Es treten auf: Phonic, One Trick Pony, 2nd Edition. Einlass ist ab 19:00 Uhr, Karten an der Abendkasse sind für 18 Euro zu haben.

Samstag, 20 Uhr: Chor der Klever Stimmen: Carmina Burana (Stadthalle)

Unter Federführung der Städtischen Singgemeinde wird aus Anlass des Stadtjubiläums am Samstag in der Stadthalle Carl Orffs Carmina Burana vom Chor der Klever Stimmen aufgeführt. Wie schon berichtet, darf auch ein gebratener Schwan über sein Schicksal berichten – als wenn der Komponist das Jubiläum der Stadt Kleve vorhergesehen hätte! Die Aufführung soll schon sehr ausverkauft sein, allerdings könnte an der Abendkasse vielleicht noch das eine oder andere Kärtchen liegen, wer weiß, vielleicht verträgt der eine oder andere Musenfreund diese grausigen Erzählungen nicht.

Samstag, 10 Uhr: Schätze im Regal (Stadtbücherei)

Jeder kennt das Gefühl, falls er mehr als nur Telefonbücher im Regal hat: Da ist doch dieses tolle Buch, vor x Jahren gekauft und nie gelesen, aber es müsste doch eigentlich ein Vermögen wert sein! Diese Schrifttype, irgendwas mit Antiqua vermutlich, von einem Schweizer Schriftsetzer im Ruhestand geschnitzt. Diese schönen Seitenzahlen, in fortlaufender Reihenfolge, auf jeder Seite – nur nicht bei Kapitelanfängen! Diese Bindung, dieser Rücken! Außerdem, dieser Autor hat nur ein einziges Buch veröffentlicht, und davon sind vielleicht 300, kann auch sein 400 verkauft worden. Der Rest – modernes Antiquariat! Kaputt gestempelt, „Mängelexemplar“. Nun gut, ein Eselsohr ist drin, auf Seite 20, weiter hat man’s nicht geschafft. Und auf der Rückseite diese Umrisse einer übergeschwappten Kaffeetasse. Aber sonst tadellos erhalten! Was könnte es wert sein? Könnte man, wenn man seine ganze Bibliothek verkauft, davon einen Unterschrank für den Flachbildschirm kaufen? Auf all diese Fragen gibt es eine Antwort – und zwar am Samstag Vormittag ab 10 Uhr in den Räumen der Stadtbücherei (Wasserstraße). Dort können die Menschen, die noch Bücher in nicht-elektronischer Form besitzen, deren Wert von Fachleuten schätzen lassen, bevor sie einen schweren Fehler bei eBay-Kleinanzeigen begehen. Der Termin – ein Muss für Bibliophile, die keinen Trennungsschmerz kennen.


Lasst Blumen sprechen! Flower Power in der Gasthausstraße

rd | 09. Juni 2017, 15:21 | 1 Kommentar
Floraler Touch: Die Gasthausstraße wird noch schöner

Floraler Touch: Die Gasthausstraße wird noch schöner

(Pressemitteilung des Intergrierten Handlungskonzepts Innenstadt Kleve) Neun Geschäftsleute und zwei Hauseigentümer haben dem oberen Teil der Gasthausstraße kräftige Farbtupfer verpasst. Insgesamt zehn eigens angefertigte 60x80x30cm große Pflanzbehälter aus angerostetem Eisen verschönern nun die Klever Geschäftswelt der Unterstadt und laden zum Bummeln ein. Finanziell gefördert wurde die Aktion über den Verfügungsfonds, der im Rahmen des Integrierten Handlungskonzepts Innenstadt Kleve aufgelegt wurde.


Wenn die Überschrift vom Beckenrand gesprungen ist…

rd | 09. Juni 2017, 14:24 | keine Kommentare
… Hinterlässt sie auf der Titelseite einen Weißraum, der vermutlich so nicht geplant war, oder?

… hinterlässt sie auf der Titelseite einen Weißraum, der vermutlich so nicht geplant war, oder?

Beginnen wir die Berichterstattung zum Wochenende mit einem kleinen Kalauer. Aber wie sagte schon die Grafikerin Christina E.: „Weißraum erzeugt Spannung.“


Energiewende, Energieende: Innenstadt ohne Strom!

rd | 07. Juni 2017, 16:41 | 6 Kommentare
Wo liegt der Fehler? Jedenfalls nicht an diesem Strommast in Bulahdelah, auf halbem Wege zwischen Brisbane und Sidney

Wo liegt der Fehler? Jedenfalls nicht an diesem Strommast in Bulahdelah, auf halbem Wege zwischen Brisbane und Sidney

Seit langem schon halten sich Gerüchte, dass die so genannte Energiewende nichts anderes als eine gigantische Fake News ist. In Wahrheit, so heißt es, werden die Rotoren der Windkraftanlagen mit Atomenergie angetrieben, um uns Bürgern den beruhigenden Eindruck einer sauberen Energiegewinnung vorzugaukeln.

Die Anhänger dieser These führen als gewichtiges Argument ins Feld, dass schon ein einzelnes Rotorblatt rund acht Tonnen wiegt, viel zu viel also, als das es durch den zarten Wind überhaupt in Bewegung gesetzt werden könnte. Außerdem drehten sich die Räder manchmal nicht, obwohl es wehe – weil der diensthabende Kraftwerksleiter vergessen habe, die Räder einzuschalten.

Heute Nachmittag um 13:18 Uhr dann der Beweis! Bei Windstärken um 27 km/h mussten hohe Drehzahlen erreicht werden, um „authentisch“ zu wirken. Dabei zogen die Windräder so viel Atomstrom, dass in Kellen und in der Innenstadt kurzfristig der Strom abgestellt werden musste!

Danke, Dr. Angela Merkel, danke Dr. Barbara Hendricks!

Eilends versicherte ein Sprecher der Stadtwerke zwar, es habe sich um „einen Fehler im Mittelspannungsnetz“ gehandelt, dessen genaue Ursache noch erkundet werde. Typischerweise verursachen Bagger solche Fehler, doch die Firma Loock konnte lückenlos dokumentieren, dass alle ihre Baufahrzeuge entweder auswärts im Einsatz oder aber deren Führer noch in der Mittagspause waren.

Infolge des Fehlers kam es zu zwei „Erdpunkten“, einer in Kellen und einer in Kleve. Kurzschluss, sagt der Laie. In Kellen und im Bereich der Großen Straße fiel die Versorgung mit dem hochwertigen 220-er Strom komplett aus. Lediglich einige Kriechsttröme schleppten sich ächzend die Fußgängerzone hoch, doch sie waren zu schwach, um auch nur eine Glühbirne zu entzücken.

In der Innenstadt kam es zu dramatischen Szenen. Geldautomaten stockten während der Ausgabe und verschluckten die Scheine vor den Augen der entsetzen Kunden wieder (abgebucht wird natürlich trotzdem, es zählt wenn mehr als 50 % des Geldscheins sichtbar waren). Bei Hennes & Mauritz kamen Kunden weder raus noch rein, Teenager weinten. Niederländische Austauschschüler bekamen einen ganz schlechten Eindruck von Deutschland („niets werkt“). Im Café Lust stockte die Kaffeezubereitung, Gäste grollten. Ob die Rheinische Post morgen (Donnerstag) erscheinen kann, ist noch fraglich, Jürgen Loosen hatte die gesamte Ausgabe praktisch schon fertig, als die Bildschirme dunkel wurden. Tiefkühltruhen piepten. Viele Menschen hatten Angst.

Die gute Nachricht: Um 13:33 Uhr konnte die Stromversorgung in der Innenstadt wiederhergestellt werden. Um 13:41 Uhr war auch Kellen wieder voller Amperesaft. Oberflächlich ist also alles wieder in Ordnung, die Windräder wurden einfach etwas heruntergeregelt.

Aber tief in uns allen grummelt nun die Angst. Was ist, wenn der Schnelle Brüter doch kein Freizeitpark ist, sondern in Wahrheit die Windräder in der Umgebung antreibt? Was brutzelt wirklich in den Friteusen, die im Kernie Tag und Nacht (!) bei über 500 Grad (!) laufen? Der Bürger sollte mündig werden und Aufklärung verlangen!


0,28 m² Zeichen des Anstoßes

rd | 06. Juni 2017, 15:57 | 29 Kommentare
Früher 100, dann 70, jetzt 50 – aber warum?

Früher 100, dann 70, jetzt 50 – aber warum?

Seit zwei Monaten gilt auf einem kurzen Teilstück der Römerstraße (Alte Bahn) zwischen Kleve und Kranenburg, in Höhe der Sieben Quellen, eine neue Höchstgeschwindigkeit. Es ist nicht ersichtlich, warum dort die zulässige Geschwindigkeit von 70 km/h auf 50 km/h gedrosselt wurde, denn als Unfallschwerpunkt war die Strecke an dieser Stelle bislang nicht bekannt.

Da Autofahrer zudem Gewohnheitsstiere sind, fiel die Neuerung zunächst nicht großartig auf. Man fuhr weiter wie gewohnt, und es darf vermutet werden, dass in der jahrelangen Übung, dort 70 km/h fahren zu dürfen, der Blick auf die Schilder nebensächlich geworden war. Dann aber beschwerte sich eine Anwohnerin, dass das neue Limit missachtet werde, die Polizei rückte mit einem Radargerät an – und langte zu. Binnen drei Stunden wurden 155 Autofahrer geblitzt, also vermutlich nahezu jeder, der an diesem Freitag dort die Römerstraße befuhr.

Aber sollten wir anlässlich der Strafzettelinflation von einem Erfolg oder einem Lehrstück sprechen?

Die Aktion wirkt wie ein Akt aus der Kinderpädagogik vergangener Jahrhunderte: Wer nicht hören will, muss fühlen! Oder eben zahlen. Ganz schlechter Stil. Ein etwas auffälligerer Hinweis, dass dort eine neue Höchstgeschwindigkeit gilt, wäre ein Akt der Fairness gewesen. Und eine Mitteilung, warum an dieser Stelle die geringere Höchstgeschwindigkeit für mehr Sicherheit sorgen soll, ebenfalls. An einer vergleichbaren Straße (am Ehrenfriedhof) darf jedenfalls immer noch Tempo 70 gefahren werden. Passiert ist auch noch nie etwas.

(Hinweis: Ich bin nicht betroffen.)


5 Bäume, 3 Sträucher – und eine ganz schlechte Idee

rd | 06. Juni 2017, 15:38 | 11 Kommentare
Dann gleich Kies!

Dann gleich Kies!

Kreisverkehr im Blütenmantel – geht doch!

Kreisverkehr im Blütenmantel – geht doch!

Sei es auf der Wiese an der Kreuzung Stechbahn/Ringstraße oder am Kreisverkehr Hafenstraße – eigentlich hat die Stadt in den vergangenen Jahren bei der Begrünung des öffentlichen Raumes ein glückliches Händchen bewiesen. Es wurden weniger Stiefmütterchen in Reih und Glied gepflanzt, stattdessen bekamen üppig wuchernde Blumenbeete eine Chance.

Wer sich beispielsweise den Kreisverkehr an der Hafenstraße von der Stadt aus nähert, sieht die Straße vor lauter Blumen kaum noch. Eine ähnlich schöne Ecke bot sich dem Autor, wenn er sein Haus westwärts verließ an der Kreuzung Arntzstraße/Weberstraße.

Vor Jahren noch bedeckte dort eine schäbige Rasenfläche das Erdreich, deren einziger Zweck es war, Hundeentleerungen zu ermöglichen. Dann aber entfernten die Umweltbetriebe der Stadt Kleve die Grasdecke und überließen das Gelände, vermutlich von einer Erstbepflanzung abgesehen, dem freien Spiel der Natur. Mit dem Ergebnis, dass sich den Anwohnern dort ein Blütenmeer bot.

Doch mit dieser Anmut ist es in dieser Saison vorbei – in der vergangenen Woche rupften städtische Bedienstete alles an Wildwuchs aus. Übrig blieben fünf Bäume, drei Sträucher. Und eine ganz schlechte Idee: Es wurde wieder Gras gepflanzt. Sehr, sehr schade!


kleveblog wünscht frohe Pfingsten, kann aber verstehen, dass nicht jeder gute Laune hat – z.B. am Opschlag

rd | 05. Juni 2017, 15:32 | 40 Kommentare
Wachstum und Verfall in einer eigentümlichen Melange an der Oberfläche des Spoykanals

Wachstum und Verfall in einer eigentümlichen Melange an der Oberfläche des Spoykanals

Das Schild drückt Unmut aus, und zwar nicht zu knapp

Das Schild drückt Unmut aus, und zwar nicht zu knapp

Baustelle, Flaniermeile

Die Gastronomen und sonstigen Unternehmer am Opschlag dürften sich mittlerweile vorkommen wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Es ist Hauptsaison, und das Fleckchen Erde, das eigentlich ein Vorzeigestück der neuen Unterstadtgestaltung werden sollte, präsentiert sich Tag für Tag als wenig attraktive Baustelle – und der Kanal wie üblich in dieser Jahreszeit weniger als Gewässer, sondern als üppig wucherndes Algenbiotop. Jetzt platzte dem ersten Anlieger der Kragen.

Vor den Lokalen Tijuana und The Lounge befindet sich die Baustelle, in der später einmal ein weiterer Gastronom – ein Düsseldorfer mit Klever Wurzeln – seinen Betrieb aufnehmen soll. Aber wann? In dieser Saison dürfte es einmal mehr nichts werden. Baufortschritte sind nur in homöopathischen Dosen erkennbar.

Auch der Kanal selbst präsentiert sich verdreckt wie immer. Von einer Überraschung kann nun wirklich nicht mehr gesprochen werden. Bei Ulrich Sander, Betreiber des Kanuverleihs, verursachte dies vor den Feiertagen einen Wutausbruch, an dem er seine möglichen Kunden via Aushang teilhaben lässt.

„Wegen GEWÄSSERVERUNREINIGUNG bis auf weiteres geschlossen!!!“, ist der Zettel überschrieben, danach heißt es: „Leider können wir über das Pfingstwochenende unseren Kanubetrieb nicht aufrechterhalten. Die Stadt hat mal wieder versäumt vor dem langen Wochenende die zugesagte Reinigung des Spoykanals von Algen und Unrat durchzuführen. Der Algenteppich ist teilweise so dicht, dass er nicht zu durchpaddeln ist.“

Der Text endet hohntriefend: „Danke liebe Stadt Kleve, dass ihr uns eines der umsatzstärksten Wochenenden versaut hat. Eure Unterstützung ist echt sagenhaft!“ Eine Foto auf dem Zettel zeigt die Anlegestelle, ein weiteres das Becken vor der Hochschule. Beide Aufnahmen sehen wenig appetitlich aus.


Wohin am Wochenende? Raus! Raus! Raus!

rd | 03. Juni 2017, 11:00 | 2 Kommentare

So schön die Stadt auch ist, inkl. der Schlote (mittlerweile weg oder nicht mehr in Betrieb), die Redaktion empfiehlt an diesem Wochenende, das Weite zu suchen.

Der berühmteste Aschenbecher der Stadtgeschichte


An die Euter, ihr Milchgesichter! Heute ist Welt-Milch-Tag

rd | 01. Juni 2017, 16:22 | 12 Kommentare
Milch auf einer Küchenarbeitsplatte in Kleve. Dazu gibt es die Redewendung: „Das ist vergossene Milch". Soll sagen: Ist ohnehin nicht wieder hinzukriegen, richte den Blick lieber nach vorne.

Milch auf einer Küchenarbeitsplatte in Kleve. Dazu gibt es die Redewendung: „Das ist vergossene Milch“. Soll sagen: Ist ohnehin nicht wieder hinzukriegen, richte den Blick lieber nach vorne.

Die Milch ist ein Wunder der Natur, das schon für einen Euro pro Liter in seiner ursprünglichsten Form zu haben ist (Rohmilch, Milchtankstelle Düffelward). Säugetiere lernen sie als erstes an der Brust der Mutter kennen, doch wir Menschen haben vor ca. 11.000 Jahren gelernt, dass auch die weiße Emulsion aus den Eutern der Kühe schmack- und nahrhaft sondergleichen ist. Milch enthält Calcium, Jod, Eiweiß und alle anderen Nährstoffe, die Menschen zugute kommen. Milch ist der Energiedrink der Natur, den Sportler anstelle der üblichen Zuckerwässer zu sich nehmen sollten, da sie die Regeneration der Muskeln fördert.

Viele Menschen mögen Milch nicht, andere vertragen sie nicht. Sie sind zu bedauern. Rein optisch kommt ein Pisco Sour einem Glas Milch recht nahe, doch das Getränk hat leider keine gesundheitsfördernden Effekte. Auch die Verzehrmethode meiner Kindheit, einen halben Liter Milch mit drei Esslöffeln Kakao und drei Esslöffeln Zucker zu sich zu nehmen, ist dumm, wenn man nicht gerade einen Zahnarzt in seiner Verwandtschaft hat, dem man ein paar Einnahmen bescheren möchte. Grundsätzlich abzuraten ist vom Verzehr von Magermilch. Man muss sich schon entscheiden. Entweder Fett (Gehalt in Kuhmilch 3,5-5 %) oder Wasser trinken.

Die größte Angst vieler Menschen ist es, dass die Milch abgelaufen ist. Sklavisch beugt man sich der suggestiven Kraft eines Datumsaufdrucks. Meine Erfahrung ist, dass diese Angst völlig unbegründet ist. Natürlich kann man auch Kinderschokolade essen, von der der Hersteller lange Jahre unwidersprochen behaupten durfte, sie enthalte das Beste aus ca. drei Millilitern Milch. Dann schon lieber einen Milchshake (frisch zubereitet zum Beispiel im Bistro Mystic Garden, Hagsche Straße, ca. vier Euro). In guten Gaststätten sollte ebenfalls Milch ausgeschenkt werden. Man kann ja nicht schon vormittags zum Beispiel Pilsener Urquell zu sich nehmen.

Interessant bis erschreckend ist die Entwicklung der Milchleistung von Kühen. Für die Ernährung der Kälber genügen Kühen eigentlich acht Kilogramm Milch pro Tag. Wikipedia zufolge schaffen moderne Kühe allerdings bis zu fünfzig Kilogramm pro Tag, also die sechsfache Menge. Eine Jahresleistung von siebentausend Litern zugrundegelegt, würden 350 Kühe innerhalb eines Jahres ein Olympiabecken (50 x 25 x 2 m) füllen. Beachtlich!

Relativ unerforscht ist heute noch die Milchstraße.


Aus der Geschäftswelt: Wundern über Rindern

rd | 31. Mai 2017, 15:09 | 13 Kommentare
Freut sich mit seinem Team und den Partnern: Devran Eroglu (4.v.l.) eröffnet den Frischemarkt Rindern wieder. Am heutigen Mittwoch ab 16 Uhr Tag der offenen Tür mit Hüpfburg

Freut sich mit seinem Team und den Partnern: Devran Eroglu (4.v.l.) eröffnet den Frisch-Markt Rindern wieder. Am heutigen Mittwoch ab 16 Uhr Tag der offenen Tür mit Hüpfburg

Kreativ-Kommode: Melanie Liewes zog es nach Rindern

Kreativ-Kommode: Melanie Liewes zog es nach Rindern

Trödel an der Keekener Straße: Schreiben ohne Cursor

Trödel an der Keekener Straße: Schreiben ohne Cursor

Minus „1 Euro Plus“, so heißt die Bilanz für den Ladenbestand in der Großen Straße

Minus „1 Euro Plus“, so heißt die Bilanz für den Ladenbestand in der Großen Straße

Als vor 89 Tagen der Edeka-Frisch-Markt an der Keekener Straße in Rindern durch einen Schwelbrand zerstört wurde, dachten viele Bewohner des Dorfes: Das war es dann mit der Nahversorgung. Doch sie hatten zwei Faktoren nicht auf ihrer Rechnung: die Energie der Pächter Devran und Alev Eroglu sowie die Umsicht des Immobilienbesitzers Alfons A. Tönnissen (bzw. die seiner Vorfahren). Denn schon vor 140 Jahren schlossen sie für das Gebäude (oder eine Vorgängerversion des Gebäudes) eine Versicherung ab. So geschah es, dass die Provinzial für den Schaden (rund 200.000 €) aufkam und die türkischstämmigen Unternehmer die Chance erhielten, mit dem Laden einen Neustart zu wagen.

„Die letzten Monate waren die Hölle“, berichtet Devran Eroglu, „aber wir haben alle zusammengehalten, wir als Familie, aber auch Andre Derks von der Bäckerei sowie Daniel und Lothar Quartier von unserer Metzgerei, wir alle haben für die Wiedereröffnung gekämpft!“

Ab morgen ist es so weit, und schon heute sind die Bewohner des Dorfes ab 16 Uhr zu einem Tag der offenen Tür eingeladen, wobei die demographische Struktur der Bevölkerung die Hüpfburg, die als Attraktion locken soll, irgendwie deplatziert erscheinen lässt.

Die Wiedereröffnung des Supermarktes an sich ist schon eine gute Nachricht. Wer allerdings offenen Auges durch den Ort fährt, bemerkt, dass links und rechts der Keekener Straße einiges an Neuem entstanden ist. Wundern über Rindern ist also angesagt:

Gleich am Ortseingang hat Melanie Liewes in den Räumen der ehemaligen Gärtnerei Selders ihre Kreativ-Kommode neu eröffnet – zuvor war ihr Geschäft für Handgemachtes und Ambientebedarf am Tichelpark. Melanie Liewes plant zudem ein gastronomisches Angebot, die Theke steht bereits. Auf der gegenüberliegenden Seite hat der Friseur Brendgen einen Salon gestartet, ein paar Häuser weiter findet sich schon seit einigen Monaten das Trödelgeschäft Muziek, und neu im Rennen ist eine Pizzeria/Eisdiele, die in Kürze ihren Betrieb aufnimmt. Dazu kommt im Ortszentrum noch das Culucu, die von einem Verein geführte Kneipe, die mit vielen Veranstaltungen das kulturelle Leben beflügelt und die Menschen „aus der Stadt“ aufs Land lockt. Wundern über Rindern ist also angesagt.

Vielleicht war es doch keine so gute Idee von der Sparkasse, die Geschäftsstelle in Rindern aufzugeben.

+ + +

Was sonst noch geschieht: Einiges an tektonischen Verschiebungen steht der Innenstadt bevor, wenn die Drogeriemarktkette DM ihre Filiale am Fischmarkt aufgibt und Anfang September (so die Planung) dort neu eröffnet, wo vorher Strauss Innovation beheimatet war. Die deutlich größere Fläche ermöglicht auch eine Ausweitung des Angebots. Wer DM nachfolgt, steht noch nicht fest. + + + Etwas weiter unterhalb meldet der Juwelier Menze Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe. + + + Nur eine kurze Existenz von etwa vier Wochen war dem 1-Euro-Laden in der Großen Straße beschieden – diese Geschäftsräume stehen nun bereits seit drei Wochen wieder leer. + + + Brötchen raus, Handys rein: In der Herzogstraße gibt es nun keine Bäckerei mehr, aber schon bald ein weiteres Handy-Geschäft: In die Räume der ehemaligen Bäckerei Oster zieht ein Laden, der zuvor eine Emmericher Straße ansässig war.


Gebratener Schwan in der Stadthalle! Klever Stimmen feiern Stadtjubiläum

rd | 31. Mai 2017, 12:50 | 1 Kommentar
Wenn der gebratene Schwan Sopran singt, könnte Anna Pehlken die Aufgabe zufallen, die Gefühle des Verbratenwerdens zu intonieren (Foto: Singgemeinde Kleve)

Wenn der gebratene Schwan Sopran singt, könnte Anna Pehlken die Aufgabe zufallen, die Gefühle des Verbratenwerdens zu intonieren (Foto: Singgemeinde Kleve)

Von den 775 Jahren der Klever Stadtgeschichte hat die Städtische Singgemeinde 208 begleitet – 27 Prozent der Zeit – und sicherlich genug, um einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Der Chor der Klever Stimmen, organisiert von der Singgemeinde, nimmt das Jubiläum nun zum Anlass, am Samstag, 10. Juni, um 20 Uhr in der Stadthalle ein außergewöhnliches Konzert zu geben – als Geburtstagsgeschenk an die Stadt.

Was hat das Unternehmen Nestlé mit dem Herrn der Ringe, mit Harry Potter und Henry Maske gemein? Das verbindende Element ist die Musik von Carl Orffs Carmina Burana, die als Soundtrack zur Intensivierung von Werbebotschaften, zur Dramatik in Filmen und zur Spannungssteigerung bei Sportereignissen beitrugen.

Wer dann der Musik Carl Orffs weiter aufmerksam folgt, wird erfahren, dass es in dem Werk nicht um eine schöne heile Welt im Mittelalter geht, sondern um Brüche, Risiken und Tod – es gibt immerhin einen singenden, gebratenen Schwan – der aber in den höchsten Tönen sein Schicksal besingt.

In den Texten geht es – natürlich – um die immerwährende Liebe im Gewand des Frühlings mit Erwartung und Hingabe, aber auch um derbe Scherze, wüstes Treiben, schnell gefolgt von Verehrung der holden Weiblichkeit. In der unendlichen Geschichte der Aufführungen der Carmina Burana seit der Uraufführung im Jahre 1937 gab es oft die Verbindung des Werkes mit anderen Künsten. In Kleve war die „Hochzeit des Jedermann mit der Carmina Burana“ zu sehen.

Bei der Aufführung am 10. Juni in der Klever Stadthalle wird die Videokunstgruppe der Hochschule Rhein-Waal eine neue Sichtweise auf die mittelhochdeutschen, lateinischen und altfranzösischen Texte mit der rhythmisch-liedhaften Musik eröffnen. Dies ist wohl ganz im Sinne von Carl Orff (1895-1982), der mit seinem Werk für die Suche nach der idealen Verbindung zwischen Text, Musik und Bewegung und vor allem auch für eine Musikpädagogik steht, in der Kinder und Jugendliche Musik mit allen Sinnen erfahren sollen.

Es wird ein einmaliges musikalisches Erlebnis mit fast 200 Sängern und einem 55-köpfigen Orchester in der Stadthalle. Für die Aufführung der Carmina Burana arbeitet die Städtische Singgemeinde Kleve mit dem Chor der Eltener Stiftskirchenkonzerte, der Chorgemeinschaft St. Christophorus aus Emmerich und einem großen Chor von Kindern und Jugendlichen aus dem gesamten Kreis Kleve zusammen, begleitet vom Orchester Camerata Louis Spohr aus Düsseldorf. Außerdem wurden drei internationale Topsolisten engagiert: die Sopranistin Anna Pehlken aus Polen, der spanische Tenor Joaquín Asiáin und der deut-schen Bass Jens Hammann.

Karten sind verfügbar bei den bekannten Vorverkaufsadressen, auf www.singgemeinde-kleve.de und an der Abendkasse.

Das Konzert wird gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport und unterstützt von der Stadt Kleve, vom Landesmusikrat, der Sparkassen-Stiftung und der Kisters-Stiftung.


Ausbrecher aus der Landesklinik, Einbrecher im Finanzamt: kleveblog beantwortet die wichtigsten Fragen

rd | 30. Mai 2017, 13:59 | 1 Kommentar
Redakteure stellen Fragen – Leser antworten

Redakteure stellen Fragen – Leser antworten

Staunenswerte Vorfälle ereigneten sich in den vergangenen Tagen in Kleve und Bedburg-Hau:

  • In das Finanzamt an der Emmericher Straße brach ein Mann ein, der von der Polizei festgenommen werden konnte, weil Zeugen ihn zuvor auf dem Dach des Gebäudes beobachtet hatten.
  • Aus der forensischen Abteilung der Landesklinik brach ein Mann aus, der zum Glück schon zwei Tage später in Bonn wieder dingfest gemacht werden konnte.

Zu Recht schreibt die Rheinische Post zum Fall des Ausbrechers: „Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht derzeit, wie der Drogenabhängige über die vier Meter hohe und messerscharfen Klingendraht versehene Mauer gelangte.“

Um die Ermittlungen um diesen Mittelpunkt abzukürzen: Krischan F. war, bevor sein Leben aus der Bahn geriet, Kunstturner.

Ganz Kleve fragt sich zudem, was der Einbrecher im Finanzamt suchte. Etwa die Anlage N (Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit) zur Steuererklärung?

Tatsache ist: Der Mann hatte in der Behörde zielstrebig die Kantine aufgesucht, wo er mit einem Bier den Abend so ausklingen lassen wollte, wie er angefangen hatte (mit ca. 20 Bier). Dort ließ er sich widerstandslos festnehmen, vielleicht auch, weil sein Wille gebrochen war: In der Kantine des Finanzamtes wird nur alkoholfreies Bier ausgeschenkt. So gesehen, keine gute Idee. Aber eine verminderte Steuerungsfähigkeit darf unterstellt werden, und in Zukunft womöglich auch noch eine verminderte Besteuerungsfähigkeit.

Noch weitere Fragen?


Herr Unterholz: „Politik ist ein Spielplatz. Und selbst als das schwächste Kind kann man immer noch mit Sand werfen!“

rd | 30. Mai 2017, 13:49 | 1 Kommentar

„Damit ist beschlossen: Auf das Rasen-nicht-betreten-Schild wird noch ein Ausrufezeichen hinzugefügt“: Wie ist das, wenn House of Cards in die Kommunalpolitik übertragen wird? Allein der Vorspann ist schon sensationell, selbst Memmelsdorf kann aussehen wie Washington. Aber wie sagte schon ein Amtsträger vor gar nicht allzu langer Zeit: „Kommunalpolitik – das ist nicht House of Cards, das ist Bühnenfreunde Mehr.“ Das Zitat des kommunalen Underwoods trifft es präzise: „Politik ist ein Spielplatz. Und selbst als das schwächste Kind kann man immer noch mit Sand werfen!“


Das Schicksal ist eine Drohne: Himmelhochdröhnend, dann…

rd | 28. Mai 2017, 15:43 | 6 Kommentare

kleveblog setzt sich immer auch gesellschaftskritisch mit aktuellen Strömungen der Gegenwart auseinander. Viele junge Menschen lassen beispielsweise bei gutem Wetter Drohnen aufsteigen, die findigeren von ihnen sogar selbst gebastelte. Aber vielleicht sollte der Drohnenführerschein Pflicht werden – es lässt sich nicht immer alles dem Wind in die Schuhe schieben.


Asphalt, der Touchscreen von früher – heute ist Weltspieltag (vor der Deutschen Bank)!

rd | 28. Mai 2017, 11:58 | 2 Kommentare
Schön, dass es so etwas noch gibt

Volumenberechnung lässt sich auch spielerisch lernen

In Zeiten, in denen Kindergartenkinder schon Integralrechnung beherrschen müssen, erinnert die Redaktion gerne daran, dass heute Weltspieltag ist!

Es gibt Erwachsenenspiele und Kinderspiele. Grundsätzlich schöne Spiele sind zum Beispiel Skat, Schach und Gummitwist. Scrabble ist nicht jedermanns Sache.

Früher sind junge Menschen auch durch mit Kreide aufgemalte Kästchen gehüpft – die Straße, der Flatscreen unserer frühen Jahre. Womit wir beim Thema sind: Die drei Montessori-Klassen des Konrad-Adenauer-Gymnasiums laden heute in die untere Fußgängerzone zur Aktion „Spiel! Platz ist überall“ ein. Sie findet statt zwischen Kodi und Deutscher Bank – was noch den zusätzlichen bewusstseinserweiternden Gedanken mit sich bringt, dass die Investmentbanker streng genommen den lieben langen Tag nichts anderes tun als spielen.

Lehrer Wolfgang Tysssen schreibt:

Bereits zum zehnten Mal ruft das Deutsche Kinderhilfswerk Schulen und Kindergärten, Kinder und ihre Eltern, öffentliche Einrichtungen, Vereine und Nachbarschaftsinitiativen zur Beteiligung am Weltspieltag auf. Mit seinem Motto „Spiel! Platz ist überall“ will das Deutsche Kinderhilfswerk gemeinsam mit seinen Partnern im „Bündnis Recht auf Spiel“ darauf aufmerksam machen, dass Kinder und Jugendliche ein Recht darauf haben, zu spielen und sich möglichst im gesamten Stadtraum frei zu bewegen.

Dazu sollen am 28. Mai in möglichst vielen Kommunen riesige Kreidebilder mitten in den Städten und Gemeinden entstehen. Und die drei Montessori-Klassen des Konrad-Adenauer-Gymnasiums (5, 6 und 7) machen in Kleve mit. Sie haben ihre Malaktion zum Weltspieltag am 28. Mai beim Klever Ordnungsamt beantragt und für ihre Kreidebilder die Fußgängerzone zwischen Kodi und Deutscher Bank zur Verfügung gestellt bekommen.

Ab 13.00 Uhr beginnen die Schüler ihre Wunschvorstellungen von einer bespielbaren Stadt malerisch auf die Straße zu bringen. Alle Kinder jeglichen Alters, die ebenfalls mitmachen wollen, sind dazu herzlich eingeladen. Mit viel Kreativität soll so ein buntes und beeindruckendes Zeichen für das Recht auf Spiel auch in die Klever Innenstadt gebracht werden.


Wohin am Wochenende? (23) Woodstock in Zyfflich, kinda green, kinda blue

rd | 26. Mai 2017, 13:07 | 1 Kommentar
Blau war gestern, Grün ist heute: Symbolfoto für das bevorstehende Wochenende

Blau war gestern, Grün ist heute: Symbolfoto für das bevorstehende Wochenende

(In den Kommentaren wird noch auf „Tanzmusik für Jungs“ am Samstag im Radhaus hingewiesen) In Gaias Schoß, oder ins dionysische Wogen entfesselter Kirchweihfeste? Oder irgendwas mit Medien? Du, lieber Leser, hast einmal mehr die Wahl:

Freitag, Samstag: Woodstock in Zyfflich, Blues in Zyfflich, Woodstock in Blues, Zyfflich in Woodstock

Viele Leser erinnern sich gerne daran, wie es damals, 1969, in Woodstock war – und mit verschwörerischer Miene erzählen sie dann, dass sie in Wahrheit in der Kleinstadt Bethel im US-Bundesstaat New York gewesen seien. All die Blumen, all die Drogen, all der Schlamm! Viele Besucher wurden später in der westdeutschen Kleinstadt Moers (Kreis Wesel) heimisch, wo sie das New-Jazz-Festival ins Leben riefen. Gut, im Stadtpark gab es weniger Blumen, aber Schlamm und Drogen waren ebenfalls reichlich vorhanden, anders war die Musik auch nicht zu ertragen. In den weiteren Irrungen und Wirrungen der Lebenswege fiel dann irgendwann die Entscheidung, „aufs Land“ zu ziehen. In den Vorgärten blühten der Hanf und die Rhododendren. Tief im Inneren allerdings glimmte oder glomm (beides scheint möglich) noch der Funke des früheren Rebellentums. So etwa dürfte die Entstehung des zweitägigen Festivals im Grenzörtchen Zyfflich zu erklären sein, wo es am Freitag „Woodstock in Zyfflich“ und am Samstag „Blues in Zyfflich“ heißt. Im Zelt und in der Dorfscheune spielen am Freitag ab 19:30 Uhr bzw. 20:00 Uhr Reservoir Dogs Band, Taste of Woodstock, Woodstock Tribute Band, Kelvin Klaassen, The Feel of Free, Erwin Nyhoff und Ground Control. Tickets kosten 22 Euro.

Freitag, Samstag, Sonntag: Köhlerfest (Reichswalde)

Wie sagt man so schön: „Nichts Schöneres kann ein Dorf erwerben als seiner Ahnen alter Brauch, denn wo des Dorfes Sitten sterben, stirbt seine Blüte auch.“ Nun gibt es Reichswalde zwar erst seit 1950, als dort vertriebene Menschen aus den Ostgebieten angesiedelt wurden, doch die lassen seit einiger Zeit wieder einen Brauch hochheben, den dort schon die alten Bataver betrieben – die Köhlerei. Ein prima Anlass, sich seiner alten germanischen Wurzeln zu besinnen. Darauf einen Met und ein Mettbrötchen! Wenn uns die Römer nicht überrannt hätten, würden wir wahrscheinlich heute noch Holzkohle frühstücken. Genau an der Grenze zwischen dem römischen Imperium und der germanischen Anarchie befand sich übrigens an der Hoffmannallee (die damals natürlich noch nicht so hieß, sondern via gustavo) die Diskothek Limit. Das Köhlerfest es eine schöne Gelegenheit, einmal das Handy beiseite zulegen und darüber nachzudenken, welche geschichtstreibenden Kräfte uns zu dem haben werden lassen, was wir heute sind.

Freitag, Samstag, Sonntag: Kirmes (Donsbrüggen)

Eine wichtige Rolle beim Untergang des römischen Reiches spielten Wanderprediger aus dem vorderarabischen Raum, die die fantastische Geschichte von einem „Jesus“ erzählten, der verschiedene Wunder bewirkt haben soll. Eigentlich hatten die Römer viel mehr Götter, die sie von den Griechen abgekupfert hatten, und die viel mehr konnten als dieser eine, der angeblich seinen Sohn nach Palästina entsandt haben sollte. Die Römer hatten Götter für alles Mögliche, und hätte sich ihr System durchgesetzt, würde es heute womöglich auch einen Gott für Thermomixe geben. Der (oder die) würde sich dann endlose Schlachten mit einem Gott für Induktionskochfelder liefern. Insgesamt eigentlich viel spannender als diese monotheistischen Monologe, die wir heute gewohnt sind. Aber: Ohne die Kirche würde es heute in den Dörfern keine Kirchen geben. Und ohne die Kirchen keine Kirchweihfeste! Beispielsweise haben Menschen aus Kleve an diesem Wochenende die Gelegenheit, in Donsbrüggen darüber zu diskutieren, ob die monotheistischen Religionen wirklich der Weisheit letzter Schluss sind. Wo? Im Festzelt! In den Diskussionspausen spielen die Drei Flamingos. Kein Zutritt für Buddhisten.


Minoritenplatz: Ein bisschen Frieden? Eine überraschende Wende zeichnet sich ab…

rd | 24. Mai 2017, 18:41 | 16 Kommentare

Es mehren sich die Anzeichen, dass in der größten Auseinandersetzung in der jüngeren Klever Stadtgeschichte eine friedliche Einigung kurz bevorsteht. Abermals hat das Oberlandesgericht Düsseldorf mitgeteilt, dass die Verhandlung Stadt Kleve ./. S & P Development verschoben worden ist. Diesmal nicht nur um ein paar Wochen, sondern gleich um ein paar Monate. Hintergrund soll die Erkrankung eines Richters sein. Als neuer Termin wurde der 25. Oktober bestimmt.

Doch womöglich muss sich an diesem Mittwoch in 154 Tagen gar niemand mehr mit der etwas drögen war das Materie beschäftigen, ob dem Unternehmen aus Erlangen im Zuge der europaweiten Ausschreibung des Bauprojekts Minoritenplatz Unrecht widerfahren ist. Bekanntlich sieht dies Klaus-Jürgen Sontowski, Inhaber und Chef des Unternehmens, so und fordert von der Stadt Kleve ein bisschen Geld – von 200.000 Euro war mal die Rede.

Bürgermeisterin Sonja Northing, unbelastet von möglichen Irrungen und Wirrungen vor ihrer Amtszeit, suchte ein bisschen Frieden. Der Stadtrat bremste sie aus. Die Stadtverordneten wollten mehrheitlich, dass ein Gericht darüber entscheide, ob die Verwaltung Sontowski übervorteilt habe oder eben nicht.

Die Vergabekammer der Bezirksregierung, die sich als erstes mit der Angelegenheit befassen durfte, war zu der Ansicht gelangt, dass Sontowski für seine Vorarbeiten an dem letztlich nicht verwirklichten Geschäftshaus-Projekt in der Unterstadt Geld zusteht. Die Begründung las sich zumindest in Teilen so, als sei die Klever Seite nicht unbedingt mit hundertprozentigen Sachverstand an die Sache herangegangen. Das sehen die Verantwortlichen aus der Verwaltung naturgemäß anders. Und im Rat freuten sich auch einige auf den Prozess, um daraus politisches Kapital zu schlagen.

Nun aber sieht es so aus, als sei ein bisschen Vernunft eingekehrt. Eine überraschende Entwicklung! Hinter den Kulissen erfolgte offenbar eine Annäherung, die eine außergerichtliche Einigung wahrscheinlicher hat werden lassen. Denn in nicht-öffentlicher Sitzung des Stadtrats soll eine verblüffende Idee aufgebracht worden sein, die möglicherweise dazu führt, dass Sontowski zu seinem geforderten Geld kommt – aber die Stadt Kleve nichts oder nur einen kleinen Teil davon bezahlen muss. Was sich wie ein Wunder anhört, hat einen Namen: Gemeindeversicherungsverband (GVV). Eine Organisation, die einspringt, wenn eine Kommune „Mist gebaut“ hat – eine Haftpflichtversicherung für Städte und Gemeinde.

„Seit über 100 Jahren bietet GVV-Kommunal maßgeschneiderte Versicherungskonzepte und Serviceleistungen für Kommunen, kommunale Unternehmen und Sparkassen. Wir kennen Ihre besonderen Anforderungen und sichern diese optimal ab – umfassend, leistungsstark und preiswert.“ So das Selbstbeschreibung auf der GVV-Website. Offenbar hat der Gemeindeversicherungsverband wenig Lust aufs Prozessieren und statt dessen eine gewisse Zahlungsbereitschaft signalisiert.

Offiziell äußert sich bei der Stadt Kleve niemand zu dem Sachverhalt. Und auch in Erlangen gibt man sich bedeckt. „Aufgrund des laufenden Verfahrens geben wir kein Statement ab“, so eine Sprecherin von Sontowski. Das aber ist das sicherste Indiz dafür, dass eifrig an einer Einigung bearbeitet wird – zuvor war Klaus-Jürgen Sontowski nämlich alles andere als schweigsam gewesen, als es darum ging, seine Position zu vertreten.


Cinque ja, Schinken nein: Was haben die Grünen gegen Lothar Quartier? Angrillen im Forstgarten soll gestrichen werden

rd | 23. Mai 2017, 00:18 | 70 Kommentare
Es geht um die Wurst: Lothar Quartier

Es geht um die Wurst: Lothar Quartier

Grün zu sein, bedeutet in unseren Zeiten tendenziell eher, einen Tofuburger zu ordern und seltener, einer Bratwurst den Vorzug zu geben. Doch eingefleischte Kenner der Materie fragen sich gerade, ob die Klever Grünen nicht einen Schritt zu weit gegangen sind. Denn der Klever Verwaltung liegt ein von Dr. Hedwig Meyer-Wilmes, der Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/die Grünen im Stadtrat, unterschriebener Antrag vor, der reichlich Explosivstoff birgt. Überschrieben ist das Papier reichlich sperrig mit: „Antrag auf Diskussion im Kulturausschuss am 17.5.17 und Abstimmung in der Ratssitzung am 28.6.17 zu den einzelnen Punkten des Parkpflegewerkes Neuer Tiergarten“. Womöglich ist die Überschrift bewusst so gewählt, dass die Ratsherren bei der Verlesung schon vor dem Ende eingeschlafen sind.

Im Text selbst geht es sehr detailfreudig zur Sache und schließlich um die Wurst – und das ist im Wortsinne zu verstehen.

Unter der Zwischenüberschrift „Parkpflegewerk S. 89, 7.8.4 Veranstaltungen“ wird zunächst aus dem Werk selbst zitiert: „Die im jährlichen Rhythmus stattfindenden weiteren Veranstaltungspunkte in den anderen Parkbereichen sind aus denkmalpflegerischer Sicht vertretbar, sollten jedoch das bisherige Maß nicht überschreiten“. Im Folgenden erläutert der Antrag: „Damit gemeint sind sicher Weihnachtsmarkt, Klevischer Klaviersommer, VHS-Sommernacht und musikalische Veranstaltungen von Tim Verfondern, die 1-2 Mal jährlich über 1-2 Veranstaltungstage gehen. Außerdem die Veranstaltungen Cinque-Sommernacht und Spiegelzelt.“

Dann aber nimmt der Text eine überraschende Wendung: „Public Viewing und Angrillen gehören unseres Erachtens nicht zu den etablierten Veranstaltungen.“

Das Public Viewing lassen wir mal beiseite, zumindest beim ersten Mal lief es eher so, dass zu befürchten war, dass es auch zugleich das letzte Mal war. Zum Finale der Europameisterschaft zwischen Frankreich und Portugal (0:1 n.V.) am 10. Juli hatten sich 36 Besucher im Forstgarten eingefunden.

Ganz anders aber das Angrillen – es gehört schon etwas Chuzpe dazu, ein Event, das es seit fünf Jahren gibt und das seit vier Jahren an zwei Tagen insgesamt 2500 Besucher zum Neuen Tiergarten zieht, als nicht etabliert zu bezeichnen. Man mag zu dem Ereignis selbst stehen, wie man will – aber die als Großveranstaltung zelebrierte feierliche Eröffnung der Grillsaison hat in den beiden Geschmacksrichtungen Schlager und Rock jeweils ihr Publikum gefunden, allesamt Menschen, die sich nicht zu schade sind, auch bei schlechtem Wetter mit Gummistiefeln in den Park zu strömen und das erste Grillgut des neuen Jahres auch unter erschwerten Bedingungen zu genießen.

Insbesondere aber wirft der Kulturbegriff der Grünen Fragen auf: Cinque ja, Schinken nein? Was hat Bruno Schmitz, was Deep Purple nicht hat? Dürfen nur die Zarten in den Forstgarten?

Lothar Quartier, der Veranstalter des Angrillens, ist über das Ansinnen der Grünen verärgert. Der Grillmeister grollt: „Das ist eine Unverschämtheit! Sicher, es handelt sich um eine kommerzielle Veranstaltung, aber auch um eine kulturelle. Wenn sich 2500 Menschen bei bester Laune über den Einzug des Frühlings freuen, ist das auch ein Mehrwert für Kleve.“

24 Euro zahlen die Besucher pro Karte, 50 Mitarbeiter der Metzgerei Quartier und weitere 30 vom Veranstaltungsservice Biermann sind an den beiden Abenden im Einsatz, und am Ende haben rund 18.000 Grillteile auf den Rosten gelegen. Zur alle zwei Jahre stattfindenden cinque-Sommernacht kommen an einem Abend rund 2500 Besucher. Sie zahlten im vergangenen Jahr 34 Euro Eintritt pro Person, der Verzehr muss extra bezahlt werden. Was ist Kultur, was ist Kommerz?

Allerdings hatte Lothar Quartier den Braten des Unheils schon gerochen. „Ich weiß, dass viele Ratsmitglieder meine Veranstaltung kritisch beäugen. Dabei haben wir uns nie etwas zu schulden kommen lassen.“

Damit spielt er auf das Event im vergangenen Jahr an, das bei desaströsen Witterungsverhältnissen weniger ein Angrillen und mehr ein Schlammgrillen war. Die Festwiese sah hinterher so aus, als hätte sie jemand durch den Fleischwolf gedreht. Quartier investierte 7000 Euro, um die Schäden zu beseitigen. Mehr noch, die Festwiese erhielt einen Unterbau, der ähnliche Katastrophen in der Zukunft verhindert. Quartier: „Wir haben sogar die Parkbänke ersetzt, obwohl ich davon überzeugt bin, dass diese niemals durch Besucher unserer Veranstaltung verwüstet worden sind.“

Quartier hofft, dass sich im Rat eine Mehrheit findet, die auch seine Veranstaltung zum bunten Strauß der etablierten Forstgarten-Events hinzufügt. Vielleicht trägt zur Mehrheitsfindung ja auch die Information bei, dass beim Angrillen nicht nur Geflügelspieße, Steaks, Würstchen und Speckläppchen verzehrt werden, sondern seit dem Start der Veranstaltung (die Premiere war noch an der Schwanenburg) auch gegrilltes Gemüse, gefüllte Champignons und, wer weiß, im nächsten Jahr vielleicht auch Tofuburger und Falafelbällchen. Womöglich kann Lothar Quartier noch ein Angrillen mit einer dritten Musikfarbe ins Leben rufen – Protestsongs.


Wohin am Wochenende? (22) So viel Kultur war nie!

rd | 20. Mai 2017, 12:00 | 1 Kommentar
Jaron und Samantha huldigen der Polyrhythmie auf dem Meyerhof

Jaron und Samantha huldigen der Polyrhythmie auf dem Meyerhof (Foto: Fotostuduo Peschges, Kavarinerstr.)

(Mit aktualisiertem Kinohinweis heute ist auch der Regisseur da) Da aus überraschenden Gründen nicht davon auszugehen ist, dass viele Klever am frühen Abend nach Goch fahren, um dort das Basketball-Pokalspiel zwischen dem TV Goch und dem VfL Merkur Kleve zu verfolgen (Spielbeginn 18:00 Uhr, Sporthalle der Gesamtschule Mittelkreis), hier für alle anderen eine handverlesene Auswahl schöner anderer Veranstaltungen, die ebenfalls einen Besuch wert sein könnten:

Samstag, 11-18 Uhr: Studium schnuppern (Hochschule Rhein-Waal)

Was an der Hochschule so alles an netten Sachen gelehrt wird, womit die lieben Professoren und die quirligen Studenten sich den lieben langen Tag so beschäftigen, all das kann am heutigen Samstag besichtigt werden. Sicher wird auch irgendwo Alkohol destilliert, und es würde mich nicht wundern, wenn im Klimahaus frisches Obst zum Verzehr angeboten werden würde.
Samstag, 14-17 Uhr: Reparieren (Radhaus)

Nunmehr zum 25. Male übt sich eine kleine, verschworene Gemeinschaft in der fast schon ausgestorbenen Kulturtechnik des Reparierens. Aber eine neuzeitliche Pest ist ab sofort nicht mehr erwünscht: Kaffeevollautomaten! Bitte werfen Sie kaputte Geräte gleich weg und kaufen Sie FILTERTÜTEN!

Samstag, Sonntag, Montag: Schleusenskirmes (Brienen)

Wie verkraften die Einwohner Brienens die neuen, beunruhigende Nachrichten über das Schicksal der Schleuse, die einst die einzige Existenzberechtigung für den gesamten Ort war? Nichts kann besser darüber Aufschluss geben als der Besuch des jährlichen Kirchweihfestes. Sicher ist: Für viele Briener gilt an diesem Tag: Wir haben den Kanal noch lange nicht voll!

Samstag, 20 Uhr: Musik (Meyerhof)

Das klingt spannend: „Centered around the Hang, we create a unique blend of jazz and world music that varies from acoustic trance to complex polyrhythmic compositions.“ So beschreiben sich Samantha Archer & Jaron Tripp, die heute in den Meyerhof (Uedemer Straße) zur Album-Release-Party eingeladen. Früher sagte man: ein Ohrenschmaus! Schöne Wörter wie „Ohrenschmaus“ sind allerdings vom Aussterben bedroht, vermutlich ist die dieser Wortschöpfung innewohnende Synästhesie zu komplex für heutige Zeiten.

Samstag, 20 Uhr, Sonntag 12 Uhr: Beuys (Tichelpark Kino)

Kleve und Beuys, die Geschichte einer langen Abneigung. Doch die Zeiten haben sich gewandelt, und so ist es nicht verwunderlich, dass im Klever Kino, da wo sonst Filme wie Guardians of the galaxy oder Alien laufen, heute um 20 Uhr der Dokumentarfilm Beuys gezeigt wird – der interessante Einblicke in eine faszinierende Künstlerexistenz zu gewähren verspricht. Der Regisseur Andreas Veiel wird anwesend sein und spitzfindigen Fragen, wie sie z. B. Alfons A. Tönnissen gerne stellt, entgegensehen. Schaun wir mal! (2. Vorstellung am Sonntag, weitere in der kommenden Woche.)

Samstag, Sonntag: Kulturtage

Einige der genannten Veranstaltungen sind im größeren Zusammenhang der Kreis Klever Kulturtage zu sehen. Herauszuheben ist eine Lichtinstallation am Haus Koekkoek. Ansonsten „öffnen wieder zahlreiche Museen, Ausstellungs- und Projekthäuser sowie Theater ihre Pforten und laden die Besucher zu einem ereignisreichen Kulturwochenende bei freiem Eintritt ein“ (Programmtext). Das Programm im B.C. Koekkoek Haus ist: Ausstellung „Weg-Way-Sawarib“ zum Kooperationsprojekt des BBK Niederrhein mit der VHS Kleve, dem Beth HaMifgash e.V. und dem Kollektiv der leere Raum e.V. (ab 14 Uhr). Ab 20 Uhr-spielt das Klever Freundschaftsorchester KLEFOR. Bei Einbruch der Dunkelheit dann die eingangs erwähnte Lichtinstallation am B.C. Koekkoek Haus.


Deichen soll sie weichen: Schleusen-Schluss! Brienen ne va plus…

rd | 19. Mai 2017, 09:05 | 31 Kommentare
Blick von Brienen in Richtung Kleve: Der Kanal ist noch voll, und die Schleuse hält dicht. Aber weitere Öffnungen sind nicht mehr vorgesehen – sondern der Abriss

Blick von Brienen in Richtung Kleve: Der Kanal ist noch voll, und die Schleuse hält dicht. Aber weitere Öffnungen sind nicht mehr vorgesehen – sondern der Abriss (Foto: Torsten Barthel)

Wie konnte es so weit kommen?

Am 11. April 2008 durchschnitt der damalige Bürgermeister Theo Brauer zur Einweihung der 12 Millionen Euro teuren Industriestraße mit einer symbolgeladenen Schere ein schwarz-rot-goldenes Band – es war die Schere, die auch zur Eröffnung der Emmericher Rheinbrücke zum Einsatz kam. Matthias Graß schrieb in der Rheinischen Post: „Da zur neuen Straße die neue Johanna-Sebus-Brücke gehört – ein Akt mit doppelten Symbolwert.“ Die Johanna-Sebus-Brücke führt in Höhe von Brienen über den Spoykanal.

Am 3. Februar 2011 gab die Stadt Kleve eine Presseerklärung heraus, an deren Ende sich – ungewöhnlicherweise – der handschriftliche Namenszug des damaligen Bürgermeisters findet: Theodor Brauer. In dem Text heißt es: „Bei dem Los 4 handelt es sich um ein Nutzungskonzept aus Hotel mit Gastronomie, Einzelhandel und Wohnungen sowie dem Ausbau eines Hafenbecken mit Aufenthaltsflächen.“ Sechs Jahre und vier Monate ist das nun her, damals fiel der Startschuss zur Bebauung der ersten Flächen am Minoritenplatz und beiderseits des Spoykanals. Heute stehen dort bekanntlich der Hauptsitz der Volksbank Kleverland sowie das damals mit Los 4 bezeichnete Hotel Rilano. Wir legen die Betonung mal auf: Hafenbecken.

Frühe Visualisierung des Hotels Rilano, links die Marina – so ähnlich wurde es dann ja auch umgesetzt

Frühe Visualisierung des Hotels Rilano, links die Marina – so ähnlich wurde es dann ja auch umgesetzt

Am 21. September 2012 fand die Einsegnung der neuen Hochschule Rhein-Waal auf dem ehemaligen Hafengelände in Kleve statt. Bürgermeister Theo Brauer, Landrat Wolfgang Spreen und die damalige Hochschulpräsidentin Marie-Louise Klotz standen bei dem Festakt auf einer Klappbrücke, die das beiderseits des Spoykanals gelegene Hochschulgelände miteinander verbindet. Es gibt Leute, die sagen, dass der Mechanismus der Brücke, der Schiffen die Durchfahrt ermöglichen soll, nur ein einziges Mal betätigt wurde – bei der Abnahme durch den TÜV.

Gottes Segen mag der Hochschule geholfen haben, nicht aber dem Wasserweg: Einsegnung der Hochschule Rhein-Waal auf der Klappbrücke

Gottes Segen mag der Hochschule geholfen haben, nicht aber dem Wasserweg: Einsegnung der Hochschule Rhein-Waal auf der Klappbrücke

Drei wegweisende Ereignisse in vier Jahren Stadtgeschichte, und offenbar hat nicht eines davon bei den beteiligten Personen die Frage aufkeimen lassen: „Wie lange kann der Kanal überhaupt noch genutzt werden?“

2007 wurden noch Frachter mit Holz beladen – Hinterlassenschaften des Orkans Kyrill aus dem Reichswald. Spätestens seitdem hat der Hafen keine wirtschaftliche Funktion mehr, aber irgendwie waren wohl alle der Ansicht, dass der Bund sich den Luxus leistet, die rund drei Kilometer lange, schnurgerade Bundeswasserstraße in Schuss zu halten. Wir haben’s ja. Und jetzt hat Kleve eine Spannbetonbrücke, eine Marina und eine Klappbrücke – aber keine Schiffe mehr, die bis in die Innenstadt gelangen können.

Denn die Schleuse war baufällig, eine Reparatur des 108 Jahre alten und zuletzt vor 14 Jahren renovierten Bauwerks würde Unsummen verschlingen. Wer immer eine solche Maßnahme in Auftrag gäbe, er könnte sich einer hohntriefenden Erwähnung im Schwarzbuch des „Bundes der Steuerzahler“ sicher sein, in der Art: „Millionen für eine Schleuse, die keiner braucht“. Zuletzt ruhten die Hoffnungen auf Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks, die sich tatsächlich hinter den Kulissen bemühte und an Vermittlungsgesprächen teilnahm. Doch jetzt wird sie in der NRZ mit dem folgenden Satz zitiert: „Auf dieser Basis kann ich nicht tätig werden.“

Zwei Entwicklungen haben die Träume platzen lassen, die Innenstadt von Kleve könnte im Sommer so aussehen wie die pittoresken Hafenstädte am Ijsselmeer, in denen die Yachten sanft in den Wellen schaukeln und die klackernden Takelagen zur Abendstunde musizieren: Zum einen liegt der Stadt Kleve mittlerweile ein Gutachten vor, das besagt, dass die Schleuse, die den Kanal vom Rhein trennt, zu marode für eine Instandsetzung ist. Zum anderen plant der Deichverband den Deich so zu verbessern, wie er auch schon von den Niederlanden bis Brienen gestaltet wurde. Im neuen Bauabschnitt steht allerdings die baufällige Schleuse im Weg.

Unter dem unauffälligen Punkt „Mitteilungen der Verwaltung“ teilte die Stadt den Mitgliedern des Umwelt- und Verkehrsausschusses in der Sitzung am 11. Mai den neuen Sachverhalt mit. Stadtsprecher Jörg Boltersdorf: „Das Gutachten über die Bewertung der Standsicherheit der Schleuse liegt der Stadt Kleve vor. Der aktuelle bauliche Zustand des ca. 110 Jahre alten Schleusenbauwerks wird als an der Grenze ihrer Lebenszeit bzw. möglichen Nutzungsdauer eingestuft. Eine Schleusennutzung wird nicht mehr möglich sein; der Einbau einer Sportbootschleuse in die bestehende Konstruktion wird als fraglich angesehen. Das Gutachten wird derzeit unter Beteiligung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung geprüft. Hierbei wird unter Einbeziehung des Deichverbandes zu klären sein, unter welchen Voraussetzungen eine Sportbootschleuse realisierbar wäre.“

An der Grenze ihrer Lebenszeit. Schleusennutzung nicht mehr möglich. Einbau einer Sportschleuse fraglich. Mehr Katastrophe geht nicht.

Immerhin lässt die Stadt Kleve das Gutachten prüfen. Und auch Ministerin Hendricks, die die Situation in Kleve bestens kennt, sagte der NRZ: „Ich persönlich bin der Auffassung, dass es gelingen muss, den Bau einer Sportbootschleuse zu erreichen.“

Doch wir befinden uns bereits im politischen Genre des Forderungswesens, und wenn eine dieser Forderungen je in Angriff genommen werden sollte, dürften noch Jahre bis zur Realisierung vergehen – bitter für Wassersportvereine, bitter für Freizeitkapitäne und für alle anderen, die das Konzept von der „Stadt am Wasser“ charmant fanden.

Kleve ist abgeschnitten. Morgen, am 20. Mai, lädt die Hochschule im ehemaligen Hafenbecken erneut zum Schwanenritter-Race. Eine Gaudi, die uns daran erinnern sollte, dass dem Schwanenritter aus der Sage nur die Flucht gelang, weil Kleve einen Zugang zum Rhein hatte. Heute würde seine Flucht an den geschlossenen Schleusentoren enden.


Herzensangelegenheit: Neuer Chef der Kardiologie in Kleve

rd | 17. Mai 2017, 17:02 | 1 Kommentar
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Professor Stefan Schuster (2.v.r.) übergibt an Dr. Norbert Bayer. Bernd Ebbers, Bernd Jakobs (Geschäftsführer Katholisches Karl-Leisner-Klinikum) und Professor Volker Runde (Ärztlicher Direktor Katholisches Karl-Leisner-Klinikum, v.l.) flankieren die Zeremonie (Foto: Katholisches Karl Leisner Klinikum)

Mit einem Gottesdienst und einer Feierstunde hat das Katholische Karl-Leisner-Klinikum den neuen Chefarzt der Klinik für Kardiologie vorgestellt und begrüßt, den alten Chefarzt gleichzeitig herzlich verabschiedet: Dr. Norbert Bayer (49) ist bereits seit 1. Januar 2017 neuer Chefarzt der Klinik für Kardiologie am Katholischen Karl-Leisner-Klinikum. Er ist seit 1998 am Klever St.-Antonius-Hospital tätig, seit 2001 als Oberarzt. Als Leiter des Herzkatheterlabors hat er seit 2005 das Herzinfarkt-Netzwerk-Niederrhein maßgeblich aufgebaut und organisiert. Mit dem Netzwerk ermöglichen das Katholische Karl-Leisner-Klinikum und der Rettungsdienst des Kreises Kleve die bestmögliche Versorgung von kardiologischen Notfall-Patienten.

Professor Dr. Stefan Schuster (65) ist zum 1. Mai 2017 in den Ruhestand gegangen. Der verdienstvolle Chefarzt – 1997 von den städtischen Kliniken in Ludwigshafen an den Niederrhein gewechselt – hat die Klinik für Kardiologie am St.-Antonius-Hospital aufgebaut und zu einem der Aushängeschilder des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums gemacht.

„Ich freue mich, dass wir mit Dr. Bayer als Chefarzt auf Kontinuität setzen und die ausgezeichnete Versorgung unserer Patienten weiterhin garantieren können“, so Bernd Ebbers, Geschäftsführer der Katholischen Karl-Leisner-Trägergesellschaft. „Dr. Bayer ist ein ausgewiesener Fachmann und ein engagierter Mediziner. Professor Schuster kann man für sein Engagement in den vergangenen zwei Jahrzehnten kaum genug danken – die Menschen im Kreis Kleve haben von seiner kardiologischen Pionierarbeit sehr profitiert.“

Die Qualität der kardiologischen Versorgung im Katholischen Karl-Leisner-Klinikum ist exzellent: Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) bestätigt per Zertifizierung höchste Qualitätsstandards bei der Versorgung von Herzinfarkten. Zur Verbesserung der kardiologischen Versorgung im südlichen Kreis Kleve hat das Katholische Karl-Leisner-Klinikum im Kevelaerer Marienhospital zum 15. Februar 2017 eine kardiologische Abteilung etabliert.


Niet prackesiere – koope! Der neue KLEVER ist da

rd | 17. Mai 2017, 16:13 | 13 Kommentare
Sieht aus wie gemalt – und ist es auch: Cover der neuen Ausgabe des KLEVER

Sieht aus wie gemalt – und ist es auch: Cover der neuen Ausgabe des KLEVER

Für Freunde der gedruckten Worte und Bilder hält der örtliche Zeitschriftenhandel ab sofort wieder eine kleine Wundertüte bereit – die neue Ausgabe des Stadtmagazins Der KLEVER, herausgegeben von der Grafikerin Christina Ehme und von mir. Was steht diesmal drin?

  • Patient Platt: Unsere Mundart liegt auf der Intensivstation
  • Der Antiquar: Zeitzeichen, wie Helmut van Bebber sie setzt
  • Der Exot: Wir haben einen der wenigen HRSW-Studenten aus den Niederlanden gefunden
  • Wertstoff Lächeln: Ralf Sauret ist das freundliche Gesicht vom Wertstoffhof
  • Draußen: 10mal schön draußen sitzen – abseits ausgetretener Pfade
  • Ulrich Bongertmann, 59, Vorsitzender des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands… ein Klever
  • Erdrutsch an der Endmoräne – mit der Drohne fotografiert
  • Die allmähliche Versteinerung der Klever Vorgärten
  • Gerichts-Bericht: Vor 200 Jahren wurde Kleve OLG-Standort – für 3 Jahre
  • Kehraus im Kneipenwesen: Wer geht, wer kommt
  • Romantischer Blick: Andreas Bruchhäuser malt den Niederrhein

… und einiges mehr. Für 3,50 Euro. Was sagen die Experten? „Kleve sollte sich glücklich schätzen, ein solches Magazin zu haben!“ (Henri Nannen) „Wie der Spiegel – nur mit besseren Texten und größeren Fotos!“ (Rudolf Augstein) „Wenn man ganz schnell blättert, wird einem sogar kalte Luft zugefächert.“ (Ute Marks) „Der Regenwald, der für das Papier geopfert wurde, kann ja durch den Konsum von Krombacher wieder aufgeforstet werden.“ (Trinkkontor Rhein-Ruhr) „Mehr E’s als U’s.“ (Alfred Mosher Butts)


Kleve, 0:04 Uhr. Ab-so-lu-te Stille

rd | 17. Mai 2017, 01:50 | 5 Kommentare

Hören Sie’s? Sie hören nichts! Kurz nach Mitternacht an einem lauen Frühlingsabend, mitten in der Stadt – und absolute Ruhe. 30 Sekunden lang – zuschauen, entspannen, nachdenken. Nein, der Ton ist nicht abgedreht. Ein Gefühl, das ich zuletzt 1990 auf Rügen hatte, als – ebenfalls zu nächtlicher Stunde – eine Zeitlang noch ein Trabi zu hören (und zu riechen) war, und dann war es in dieser Ferienwohnung in Sehlen (zwischen Güstelitz und Dreschwitz) einfach nur mucksmäuschenstill. Und jetzt, Kleve! 50.000 Einwohner, und alle huldigen der absoluten Lautlosigkeit. Keine knisternde Grillkohle. Keine weggetretene Bierdose. Zwei Stunden vorher hat Domian noch in der Stadthalle gesprochen. Nun ist er weg. Autos, deren Motorgeräusche vom Klever Ring herüberwehen zum Grünen Heideberg? Nada. Nachtigallen? Schlafen schon. Welt der Wunder. Über uns leuchten die Sterne. Stille Stars (F. Elstner). Wir sind allein. Schweigend.


Was vom Tage blieb

rd | 16. Mai 2017, 18:05 | keine Kommentare
Nur ein Rechteck noch, dann ist Hannelore Kraft Geschichte (Foto: FW)

Nur ein Rechteck noch, dann ist Hannelore Kraft Geschichte (Foto: FW)

Eben noch beschwor die SPD die (klein-)bürgerliche Zivilgesellschaft, in der alle Landesbürger zu einem schwurbeligen NRWir verschmelzen sollten, und zwei Tage später regiert bereits die Civic-Gesellschaft, in der „the power of dreams“ in Blechgestalt für neuen gesellschaftlichen Antrieb sorgen. Jetzt Probefahrt vereinbaren!


So wählte Kleve

rd | 14. Mai 2017, 20:02 | 24 Kommentare
Mit dieser Grafik stellt kleveblog unter Beweis, dass die Redaktion auf der Höhe des zeitgenössischen Artdirektorentums ist. Sie enthält ziemlich viele Stimmen, aber noch nicht alle.

Mit dieser Grafik stellt kleveblog unter Beweis, dass die Redaktion auf der Höhe des zeitgenössischen Artdirektorentums ist. Sie enthält ziemlich viele Stimmen, aber noch nicht alle.

Kleve ist wie NRW, nur in einer verschärften Version. NRWir – nicht! So war es ja immer. Lediglich um 18:24 Uhr, als dem Kommunalen Rechenzentrum Niederrhein nur die Ergebnisse aus Bimmen und Schenkenschenz (33 Stimmen insgesamt) gemeldet worden waren, lag die SPD in einer völligen Umkehrung des Landestrends vorn. Danach nahm die Auszählung den Lauf, die Dr. Günther Bergmann (CDU) geradewegs in den Landtag befördern dürfte. Glückwunsch!

Die Stimmung schwankte, je nach befragtem Lager. Manche Politiker und deren Anhänger freuten sich sehr, andere waren sehr niedergeschlagen. Empathie war gefragt. Vielleicht ist es in ein paar Jahren wieder genau andersrum. Im Kreishaus wurde viel geredet. Manche Schultern schienen unter der Last des Klopfens zusammenzubrechen. In den Zentralen der Parteien wurden Sektflaschen geöffnet, um entweder die Euphorie zu befördern oder den Frust zu dämpfen.

Zwischendurch erklärte der Schönenborn, dass wieder 13 Wähler in Rheda-Wiedenbrück von rechts nach links gewandert sind und schon vorher klar war, das 71 Prozent unzufrieden mit irgendwas waren. Hat der Plasberg das Wort „Ausschlierßeritis“ erfunden? Es gehört jedenfalls verboten, weil es zu sehr nach intestinalen Problemen klingt. Und: Könnte jemand den Parteistrategen, die schon um Punkt 18:01 Uhr, also nur auf der Basis irgendwelcher Prophezeiungen, schon alles erklären können (und meinen Journalistenkollegen, die offenbar auch keine Sekunde mehr warten können), mitteilen, dass dieses Instant-Frage-Antwort-Ritual schon sehr – wohlwollend ausgedrückt – schräg rüberkommt?


Wohin am Wochenende? (19) Sie haben die Wahl!

rd | 12. Mai 2017, 14:07 | 19 Kommentare
Vorsicht vor gefälschten Wahlzetteln! Sie weisen gefährliche Demokratiedefizite auf

Vorsicht vor gefälschten Wahlzetteln! Sie weisen gefährliche Demokratiedefizite auf

(AKTUALISIERT, jetzt auch mit 60 Jahre Kanu-Club) Der 14. Mai ist bekanntlich ein wichtiges Datum, das in diesem Jahr noch besonders hervorsticht, weil die Bürger Nordrhein-Westfalens dazu aufgerufen sind, einen neuen Landtag zu wählen. In der Fußgängerzone hängt ein Plakat vom FDP-Lindner, auf dem er irgendwie von unten fotografiert wurde und ein bisschen irre in die Ferne blickt. Wenn so einer dann „mehr Polizisten“ und nicht mehr Gesetze fordert, muss man sich möglicherweise Sorgen machen. Ansonsten fällt auf, dass die CDU die Landesregierung ein wenig vor sich her treibt, und das mit diesen Themen, die vielleicht gar nicht so bedrohlich sind, wie sie zu sein scheinen (Staus, innere Sicherheit). Mitte der Woche war eine Politikerin der Grünen, ich glaube es handelt sich um Sylvia Löhrmann (Bildungsministerin), auf Wahlkampftour in der Stadt. Sie sprach mit vereinzelt auftretenden Bürgern. Die CDU hielt Wache an der Ecke Mensing, mit den Protagonisten, die schon seit Jahren an dieser Ecke anzutreffen sind. Schön, wenn Kontinuität in der Politik auf diese Weise sichtbar wird. Hoffentlich kommt die SPD am Samstag noch mit einem Feuerwehrwagen zum Fischmarkt, die Fahrzeuge bringen gleich Dynamik ins Spiel. Was aber heißt all dies für die Planung am Wochenende?

Samstag, ganztägig: Kugelschreibersammlung (Innenstadt)

Wer nach diesem Tag kein Schreibgerät hat, dem ist nicht mehr zu helfen. In der ganzen Innenstadt verteilt sind Stände, an denen freundliche Menschen Kugelschreiber verteilen. Die meisten schreiben blau. Das ist Demokratie, dafür erhalten die Parteien Gelder aus Steuermitteln. Mit diesen Kugelschreibern kann man am Sonntag in eine Wahlkabine gehen und eines oder mehrere Kreuze machen (wichtig: nur ein Kreuz pro Spalte!). Nicht vergessen, it’s Verhältniswahlrecht, Baby! Ausgezählt wird nach d’Hondt. Neckisch ist, mit dem Kugelschreiber der einen Partei das Kreuz bei einer ganz anderen zu machen („Guerilla-Voting“). Die Tatsache, dass niemand diesen Streich mitbekommt, nennt man: Wahlgeheimnis. In der Magna Charta hieß es noch Whale Secret – und bedeutete etwas völlig anderes.

Sonntag, 18 Uhr: Kugelschreiberrückgabe (Kreishaus)

Wenn Sie als Wähler enttäuscht sind über das Abschneiden ihres Kandidaten, haben sie am Sonntag ab 18 Uhr im Kreishaus (Nassauerallee) die Möglichkeit, als Zeichen der Unzufriedenheit den am Samstag erlangten Kugelschreiber zurückzugeben. Werfen Sie das Schreibgerät als Zeichen der Demütigung einfach vor die Füße des Kandidaten! Dieser Brauch hat seit vielen Jahren Tradition. Die Kulis werden am Ende der Veranstaltung vom Landrat persönlich eingesammelt und verdienstvollen Mitarbeitern des Kreises zu Dienstjubiläen ausgehändigt. Die Besucher der Democracy-Charity-Veranstaltung erhalten Kaltgetränke und Bockwürstchen auf Kosten des Gemeinwesens. Aber: TANSTAAFL!

Sonntag, 11 bis 17 Uhr: Kinderfest (Moritzpark)

Das aber hat mit der Wahl nun rein gar nichts zu tun. Einmal im Jahr lädt die Stadt Kleve zum Kinderfest in den Moritzpark, bevor die Veranstaltung üblicherweise wegen schlechten Wetters in die Mehrzweckhalle nach Materborn verlegt wird. Am Ende sieht man geschminkte Kinder und solche, die ihr Glück kaum fassen können, nachdem sie einen echten Feuerwehrwagen besteigen durften. Einfach nur schön (bis 16 Jahre)!

Samstag und Sonntag: Paddeln

Das Wasser und Kleve. Boote haben die Vergangenheit bestimmt. 60 Jahre Kanu-Club Kleverland – Tag der offenen Tür: 13. und 14. Mai 2017 am Vereinsgelände an der Stadtbadstraße. Der Unterschied zur Wahl: Hier geht keiner unter!

Sonntag, 18 Uhr: Protestsongs (Alte Kirche Böllenstege)

Ja, aber nicht, was Sie jetzt denken – es geht um Musik aus der Reformationszeit (500 Jahre!): Die Evangelische Kirchengemeinde Kleve lädt zum Konzert mit Stefanie Brijoux (Sopran), Katrin Krauß (Blockflöte), Ute Faust (Renaissancegambe), Holger Faust-Peters (Renaissancegambe), Mitglieder des Vokalensembles der Ev. Kirchengemeinde Kleve unter der Leitung von Thomas Tesche ein.

Feine Perlage zum Frühstück: Aimery Grande Cuvée 1531 Brut AOC

Feine Perlage zur Hochrechnung: Aimery Grande Cuvée 1531 Brut AOC

Sonntag, später: Mit den Siegern feiern!

Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter, die nicht unbedingt alle auf die Rechnung schauen. Also einfach das Wahlergebnis abwarten und dann zielstrebig einen der Versammlungsorte der Parteien ansteuern, die gerade mal Oberwasser haben. Und dann: Champagner bestellen! Klopfen Sie dem Gewinner kräftig auf die Schulter und stoßen mit ihm an!


Geoffrey Bayldon, 1924-2017

rd | 11. Mai 2017, 18:11 | 5 Kommentare

Der Held unserer frühen Jahre: Catweazle (Foto: BBC)

Der Sonntag Nachmittag begann mit ihm, den es als gescheiterten Magier aus dem elften Jahrhundert in die Neuzeit katapultiert hatte, die für ihn eine Welt der Wunder war („Elektrik-Trick“): Catweazle! ZDF, ca. 14 Uhr. Wieviel verstörter wäre er wohl heute im Gegensatz zu den Jahren 70/71, in denen die Serie spielte. Catweazles Zauberformel „Salmei, Dalmei, Adomei“, mit der er viel Schlamassel anrichtet, ist genauso berühmt wie seine treue Begleiterin, die Kröte Kühlwalda (im Original: Touchwood; eigentlich: Fühlwalda), sein Dolch Adamcos und seine Bezeichnungen für alltägliche Gegenstände wie z. B. den „Zauberknochen“ (‚Telefonhörer‘, im Original: telling bone). Der Darsteller des Helden, Geoffrey Bayldon, ist gestern im Alter von 93 Jahren gestorben. Vielleicht hat er sich aber auch nur in eine andere Welt katapultiert.


Als wäre es ein Werk von Christo: Hang jetzt mit Folie gesichert

rd | 11. Mai 2017, 12:14 | 10 Kommentare

Folie von oben bis unten (Foto: THW)

Nachtarbeit für die freiwilligen Helfer des THW an der Endmoräne – mit Hilfe schwarzer Folie wurde der Hang dort, wo sich der Erdrutsch ereignete, gesichert. So hatte es der Gutachter empfohlen, nachdem für das Wochenende ein Wetterumschwung mit Regenfällen und Gewitter gemeldet wurde. „Vielen Dank! Tolle Arbeit!“, lobte die Stadt den Einsatz.


Verehrte Kunden, wir hatten gerundet

rd | 11. Mai 2017, 09:45 | 16 Kommentare

Die FAZ beschreibt das Ende des Experiments: 

„Wir werden uns jetzt noch einmal mit den Händlern zusammensetzen, vor allem mit Bäckern und Lebensmitteleinzelhändlern“, sagt Klaus Fischer vom Vorstand des City Netzwerks in Kleve, das für das Projekt verantwortlich ist. „Es ist noch keine Entscheidung gefallen“, sagt er, „aber wir werden mit den Händlern besprechen, ob wir dem Ganzen noch irgendwie neuen Schwung verleihen können – sonst werden wir es schweigend auslaufen lassen.“ 

Der Link zum gesamten Artikel: http://m.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/geld-ausgeben/abschaffung-des-kleingelds-setzt-sich-nicht-durch-15009452.html


Jubiläumsticker: 775, 600, 200, 175, 60, 50, 40, 25, 20, 10…

rd | 08. Mai 2017, 13:17 | 13 Kommentare
Fähnlein im Wind: Schwanenturm (Foto: Wiltrud Schnütgen)

Fähnlein im Wind: Schwanenturm (Foto: Wiltrud Schnütgen)

Mit druckfrischem Heft und vor historischer Kulisse: Werner van Ackeren, Dr. Manuel Hagemann, Alwine Strohmenger-Pickmann, Rainer Hoymann, Dr. Hiram Kümper

Mit druckfrischem Heft und vor historischer Kulisse: Werner van Ackeren, Dr. Manuel Hagemann, Alwine Strohmenger-Pickmann, Rainer Hoymann, Dr. Hiram Kümper

(Aktualisiert) Dieses Jahr scheint eine große Jubiläumssause zu werden! Damit du, lieber Leser, im Dickicht des Feierdschungels den Überblick nicht verlierst, hier – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – die Liste der Jahrestage 2017:

  • 775 Jahre: Verleihung der Stadtrechte
  • 600 Jahre: Erhebung zum Herzogtum (Pressemitteilung des Klevischen Vereins nach dem Weiterlesen-Button)
  • 200 Jahre: Kleve wird Standort des Oberlandesgerichtes (für drei Jahre)
  • 200 Jahre: Gründung des staatlichen Gymnasiums (heute: Freiherr-vom-Stein-Gymnasium)
  • 175 Jahre: Kindergarten Böllenstege
  • 60 Jahre: Kanu-Club-Kleverland
  • 50 Jahre: Versöhnungskirche
  • 40 Jahre: Eröffnung des Jugendzentrums Radhaus
  • 25 Jahre: 1992 geht Antenne Niederrhein auf Sendung
  • 20 Jahre: Eröffnung des Museums Kurhaus (Feiern im Oktober)
  • 20 Jahre: XOX-Theater (1. Vorstellung am 7.6.1997, kommt einem aber so vor, als sei es immer schon dagewesen
  • 20 Jahre: Bauernmarkt Riswick (RP online: 20 Jahre Riswicker Bauernmarkt)
  • 10 Jahre: Inbetriebnahme des Wertstoffhofs
  • 10 Jahre: Gründung kleveblog
  • 10 Jahre: „Kopfkino“ – für Kinder mit Hans-Peter Bause (Jubiläumslesung am 20.5. ab 10 Uhr (Eintreffen) in der Stadtbücherei)

Es kommen sicherlich noch mehr Jahrestage hinzu, aber schon so eine beeindruckende Liste!


20-Jährige in Uedem vergewaltigt, Polizei fahndet nach zwei Tätern

rd | 08. Mai 2017, 13:05 | 29 Kommentare

(Aktualisiert, da Tatvorwurf offenbar erfunden) Urpsprünglich hatte es geheißen: Nachdem in der Nacht zu Sonntag eine 20 Jahre alte Frau in Uedem vergewaltigt worden ist, fahndet die Polizei mit einer genauen Beschreibung nach einem Täterduo. Einer der beiden Männer soll ca. 30 Jahre alt sein, der andere ca. 50 Jahre. Die beiden Männer unterhielten sich während der Tat in einer Sprache, die das Opfer weder verstand noch erkannte. 

Doch dieser Bericht, der sicher in einschlägigen Kreisen für einiges an Munition gesorgt haben dürfte, stellte sich nach neuesten Erkenntnissen der Polizei als frei erfunden heraus – Hintergrund der Geschehnisse waren offenbar Beziehungsprobleme. Die Mitteilung der Polizei ist in den Kommentaren verlinkt.

Hier die Pressemitteilung der Polizei im Original:

Am Sonntag (7. Mai 2017) gegen 1.15 Uhr lief eine 20-jährige Frau nach einer Feier auf dem Radweg der Straße Boxteler Bahn (Landstraße 77) von Uedem nach Goch. Etwa 500 Meter hinter einer Firma, die sich am Ortsrand von Uedem befindet, näherten sich ihr plötzlich zwei Männer und zogen die 20-Jährige auf den Grünstreifen. Anschließend wurde sie von einem der beiden Männer zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Nach der Tat liefen die beiden Männer in Richtung Uedem weg. Die 20-Jährige hielt ein vorbeifahrendes Auto an, in dem ein etwa 40 Jahre altes Pärchen saß. Das Pärchen brachte die 20-Jährige nach Hause. Später begab sich das Opfer zur Untersuchung ins Krankenhaus und alarmierte von dort die Polizei.

Ein Täter war etwa 30 Jahre alt, etwa 1,75m groß und hatte ein südländisches Aussehen. Er hatte kurze dunkle Haare und eine schlanke Figur. Der Mann trug eine schwarze Kapuzenjacke.

Der zweite Täter war etwa 50 Jahre alt, etwa 1,70m groß und hatte eine kräftige Figur. Er hatte dunkle, längere, nach hinten gegelte Haare und einen Dreitagebart.

Beide unterhielten sich in einer für das Opfer unbekannten Sprache.

Die Polizei sucht Zeugen, insbesondere das Pärchen, welches das Opfer nach Hause gefahren hat. Hinweise bitte an die Kripo Kalkar unter Telefon 02824-880.


Wohin am Wochenende (18): Projekträume und Gartenträume

rd | 06. Mai 2017, 15:40 | 1 Kommentar

Dieses Wochenende lassen wir ausnahmsweise mal bis Mittwoch gehen – wegen zweier interessanter Vorträge in der Volkshochschule, der eine eher für private Problemfälle, der andere fürs Politische. Davor aber reichlich (Horti-)Kultur:

Samstag, 15 Uhr, Sonntag, 13 Uhr: Bahnhof 25 (Bahnhof 25)

Der Projektraum Bahnhof 25 e.V. lädt zum 43. Ausstellungsprojekt ein: Vom 6.5. bis zum 28.5. sind die Werke der Künstler Evangelos Papadoopoulos, Lucy Puls und Ulrike E.W. Scholder zu sehen. Zur Eröffnung spricht Valentina Vlasic (Museum Kurhaus Kleve). Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Projektraum Bahnhof samstags und sonntags von 13 Uhr bis 17 Uhr besichtigt werden. Weitere Infos zu den Künstlern auf www.bh25.de

Samstag, 20 Uhr, Sonntag, 18 Uhr: Pantomime (XOX-Theater)

Früher war Panomime, wenn Samy Molcho oder der andere gegen eine imaginäre Gasscheibe lief. Heute ist es so viel mehr! Zu sehen im XOX-Theater beim Gastspiel der Compagnie Bodecker & Neander (Berlin). Wolfram von Bodecker und Alexander Neander, die beiden weltweit gefragten Künstler und Meisterschüler der Pantomimen-Legende Marcel Marceau, präsentieren stimmungsvolle Szenen zum Lachen, Staunen und Träumen.

Sonntag, ganztägig: Offene Gärten (im gesamten Kleverland)

Da blüht dir was: Die Reihe Offene Gärten präsentiert an diesem Wochenende gleich sechs hortikulturelle Gesamtkunstwerke: gARTen Atelier Peters, Asperden, Bruchergarten, Uedemerbruch, Deckers, Kleve, Lichtenberger, Nierswalde, Plaza Alfonto, Reidelhof-Garten, Goch. Einziger Wermutstropfen sind die bescheidenen Wetteraussichten. Weitere Infos: www.gaerten-kleverland.de

Dienstag, 19:30: Trennung, Scheidung und die Folgen (VHS)

Man steht vor einem Scherbenhaufen, und dann noch diese ganzen Fragen: Wann kann eine Ehe geschieden werden? Was ist während der Trennungszeit zu beachten? Wie werden der gemeinsame Hausrat und das Vermögen aufgeteilt? Was kostet eine Scheidung? Wie kann ich eine Scheidung bezahlen, wenn ich kein oder nur geringes Einkommen habe? Was bedeutet gemeinsame elterliche Sorge? Wer entscheidet über das Sorgerecht? Wie war das Besuchsrecht für Kinder geregelt? Welche Unterhaltsansprüche habe ich bzw. haben die Kinder zu erwarten? Der Vortrag einer Fachanwältin für Familienrecht in der VHS, Hagsche Poort, gibt erste Hilfestellung. Zerstrittene Paare sollten sich vorher darauf einigen, wer hingeht und wer nicht. Wer noch nicht getrennt lebt und seinem Partner Separationsabsichten auch noch nicht mitgeteilt hat, sollte mit Sonnenbrille und hochgestelltem Kragen kommen.

Mittwoch, 18:45: Populisums, Brexit und die Zukunft Europas (VHS)

Zweifelsohne auch ein interessanter Vortrag am Mittwoch in der VHS (Hagsche Poort). Es geht, nach der Wahl in Frankreich, um die Zukunft Europas, die zumindest Skeptikern mittlerweile sehr unsicher erscheint. Wenn der Vortrag Lösungen bereithält, wäre Angela Merkel gut beraten, auch zu kommen. Das ist alternativlos.


Hang over: Der Erdrutsch im Überblick

rd | 06. Mai 2017, 15:09 | 6 Kommentare
Nur gut zwanzig Meter trennen den Garten des Hauses am Eisernen Mann von der Abrisskante des Erdrutsches (Foto: Torsten Barthel)

Nur gut zwanzig Meter trennen den Garten des Hauses am Eisernen Mann von der Abrisskante des Erdrutsches (Foto: Torsten Barthel)

Geschätzt 30 Lastwagenladungen Erdreich rutschten in Richtung Kermisdahl – glücklicherweise war zu dem Zeitpunkt kein Spaziergänger am Ufer unterwegs (Foto: Torsten Barthel)

Geschätzt 30 Lastwagenladungen Erdreich rutschten in Richtung Kermisdahl – glücklicherweise war zu dem Zeitpunkt kein Spaziergänger am Ufer unterwegs (Foto: Torsten Barthel)

Aus der Luft erschließt sich erst so richtig das ganze Ausmaß des Erdrutsches, der am Donnerstag an der Kaskade Teil der Endmoräne weggrissen hat. Nach Schätzungen bewegten sich rund 500 Kubikmeter Erdreich, umgerechnet rund 30 Lastwagenladungen, in Richtung Kermisdahl und schütteten den alten Rheinarm zu einem guten Teil zu.

Die Aufnahmen, die Torsten Barthel mit seiner Drohne geschossen hat, dokumentieren den Schaden und zeigen insbesondere, dass wie nah der Abstand zwischen dem abgerutschten Terrain und der Wohnbebauung am Eisernen Mann ist. Die Bewohner des ersten Hauses sind wirklich um Haaresbreite der Katastrophe entkommen. Und auch Spaziergänger auf der beliebten Wanderstrecke entlang des Gewässers hätten wohl keine Chance gehabt zu entkommen.

Die Arbeiten zur Sicherung des unterspülten Hanges werden sich nach ersten Schätzungen noch wochenlang hinziehen. Für Spaziergänger ist das Gelände vorerst gesperrt.


Erdrutsch am Kermisdahl: Häuser sicher, Hang in Gefahr, Damm geplant, langwierige Arbeiten erforderlich

rd | 05. Mai 2017, 16:51 | keine Kommentare
Große Gefahr an der Kaskade (Foto: Stadt Kleve)

Große Gefahr an der Kaskade (Foto: Stadt Kleve)

Der Erdrutsch und seine Folgen: Die Häuser am Eisernen Mann und die Kaskade sind gesichert, doch die größten Herausforderungen stehen noch vor den Arbeitern, die damit beschäftigt sind, die Schäden zu beseitigen. Gestern Nachmittag kamen Gutachter zu dem Schluss, dass der Hang immer noch Gefahr läuft abzurutschen und deshalb weitreichende und langwieirige Sicherungsarbeiten vonnöten sind. Um diese überhaupt durchführen zu können, muss der Kermisdahl in Höhe der Kaskade zugeschüttet werden. Die mit der Hangsicherung beauftragte Firma Siebers plant, eine provisorische Zugangsstraße zu errichten, die über den Altrheinarm führen wird, um schweres Gerät und möglicherweise Erdreich zur die Baustelle bringen zu können.

Hier die Pressemitteilung der Stadt Kleve im Wortlaut:

Umfangreiche Sicherungsmaßnahmen am Kermisdahl erforderlich!

Am Freitagnachmittag, 05.05.2017, wurde der abgerutschte Hang an der Regenwasserkaskade am Kermisdahl von einem Baugrundgutachter und einem Statiker begutachtet. Hierbei wurde festgestellt, dass die Regenwasserkaskade trotz des Erdrutsches keine Schäden aufweist. Die Standsicherheit ist laut der Einschätzung des Statikers gewährleistet. Es wurden keinerlei Risse oder Verschiebungen gesichtet. Als temporäre Maßnahme wurde aufgrund der Unterspülung eine zusätzliche Sicherungsmaßnahme durch eine Kies-Sandaufschüttung im unteren Bereich der Kaskade empfohlen.

Am abgerutschten Hang sind jedoch umfangreiche Sicherungsmaßnahmen erforderlich. Um den Hang zunächst temporär zu schützen, muss von der Kermisdahlseite aus von unten nach oben eine Verfüllung vorgenommen werden. Die erforderlichen Arbeiten können zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen. Nach Durchführung der Sicherungsmaßnahmen muss ein Konzept entwickelt werden, welches eine nachhaltige Sicherung des Hanges gewährleistet.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt und während der Durchführung der Sicherungsmaßnahmen muss der Gehweg am Kermisdahl weiträumig gesperrt werden.

Aufgrund der derzeitigen Gefahrenlage am Hang können dort Abgänge aktuell nicht ausgeschlossen werden. Die Stadt Kleve bittet daher um erhöhte Vorsicht und macht hiermit auf die Gefahr der verbotenen Gehwegnutzung nochmals aufmerksam.

Entwarnung kann für das angrenzende Haus gegeben werden, da die Kanzel der Kaskade die Böschung in diesem Bereich hält.

Die ersten Sicherungsmaßnahmen werden von der Fa. Siebers Tiefbau GmbH durchgeführt. Die benötigten Baufahrzeuge sollen über die Wiese neben der Birnenallee an die Kaskade herangeführt werden. Hierzu werden auf der Wiese Platten verlegt. Über den Kermisdahl wird eine provisorische Straße gebaut. Hierzu wird ein Damm aufgeschüttet. Der Wasserdurchfluss wird durch Rohre gewährleistet.


Bewaffneter Rauschgifthandel! Klever Tätowierer (und Reichsbürger) muss vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis

rd | 05. Mai 2017, 16:23 | 37 Kommentare
Verbirgt sein Gesicht hinter Prozessakten: Guido D., Tätowierer

Verbirgt sein Gesicht hinter Prozessakten: Guido D., Tätowierer

(Altersangabe korrigiert) Als Gerhard van Gemmeren, Vorsitzender Richter der 2. großen Strafkammer des Landgerichts Kleve, am frühen Nachmittag die Sitzung für beendet erklärte, wandte sich Guido D. (45) zu den Zuschauern im Saal A 105, dorthin, wo seine Verlobte, seine beiden Kinder und seine Eltern saßen. „Alles wird gut“, versicherte er ihnen, während die Justizbediensteten damit beschäftigt waren, ihm Handfesseln anzulegen.

Alles wird gut?

Wenige Minuten zuvor hatte das Gericht sein Urteil in der Sache verkündet. Der Tätowierer, der in Kleve auch als so genannter „Reichsbürger“ in Erscheinung getreten war, muss für vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis! Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er sich des bewaffneten Handelns mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und eines Verstoßes gegen das Waffengesetz schuldig gemacht hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte eine siebenjährige Haftstrafe gefordert, die Verteidigung eine bewährungsfähige Haftstrafe.

Verhandelt wurden die Geschehnisse, die sich am 2. Februar vor der Wohnung des Tätowierers in Materborn abgespielt hatten. Als ein Sondereinsatzkommando Guido D. auf dem Weg zur Arbeit überwältigte, fanden die Beamten zunächst eine Pistole der Marke Heckler & Koch sowie ein Springmesser bei ihm „am Mann“, wie es im Polizeijargon heißt. Im Mercedes des Tätowierers entdeckten sie dann noch ein Butterflymesser.

Bei einer Durchsuchung des Mannes auf der Polizeiwache wurden die Beamten nochmals fündig: Sie förderten aus einer Jackentasche eine Tüte mit fünfzig Gramm eines weißen Pulvers zu Tage. Die Substanz roch nach Lösungsmittel, deshalb hielt ein Ermittler sie für Amphetamin. Guido D. bekannte, er benötige die Droge für den Eigenverbrauch und komme nicht davon los. Auch bei der Vernehmung vor dem Haftrichter blieb er bei dieser Version.

Eine Wendung nahm die Dinge, als die Laboranalyse ergab, dass es sich bei dem Pulver um hochreines Kokain handelte. Die Staatsanwaltschaft errechnete 1450 Konsumeinheiten, die Drogen hatten also bei einem unterstellten Straßenpreis von 70 Euro pro Portion einen Wert von rund 100.000 Euro. Bei der Durchsuchung der Geschäftsräume fanden die Polizisten zudem in einem Tresor eine Feinwaage sowie kleine Druckverschlussbeutel, in denen Drogen abgepackt werden können.

Ermittelt wurde nun also in Sachen Drogenhandel, und da gibt es im Strafgesetzbuch den erschwerenden Zusatz des „bewaffneten Handeltreibens“, der einen Strafrahmen von fünf bis zu 15 Jahren Haft vorsieht. Im schlimmsten Fall hätte Guido D. also sein Leben fast bis ins Rentenalter hinter Gittern verbracht.

Mit dieser Perspektive vor Augen präsentierte Verteidiger Dr. Rüdiger Böhm, der den Angeklagten gemeinsam mit Dr. Karl Haas vertrat, gleich zu Beginn der Verhandlung eine völlig überraschende neue Version der Ereignisse. Sehr wortreich schilderte er im Auftrag seines Mandanten, dass dieser am Vorabend der Festnahme beim Aufräumen in seinem Geschäft unter einem Stapel Zeitungen die Tüte mit dem Pulver gefunden habe.

In dem Glauben, dass es sich um Amphetamin handele, habe er den Beutel „mit gemischten Gefühlen“ an sich genommen. Bei D. sei gewissermaßen Kopfkino abgelaufen, und aus Sicherheitsgründen habe er sich entschieden, die Drogen mit nach Hause zu nehmen, um sie am nächsten Tag dem Besitzer zurückzugeben. Irgendwie habe er die Geschichte „halbwegs mit Anstand“ zu Ende bringen wollen. Doch am nächsten Morgen wartete das SEK auf Guido D.

Den Verstoß gegen das Waffengesetz ließ Guido D. von seinem Anwalt einräumen. Die Waffe habe er vor einem Jahr illegal von einem „Bruder“ bei den Hell’s Angels erworben, weil er sich von dem Mitglied einer türkischstämmigen Sippe in Kleve bedroht gefühlt habe. Dieser sei vor seinem Geschäft erschienen und habe mit der flachen Hand eine waagerechte Bewegung in Höhe des Halses vollzogen. Warum es diese – diplomatisch ausgedrückt – Spannungen gebe, dafür hatte der Angeklagte allerdings keine Erklärung.

„Ich habe mich strafbar gemacht. Das ist dumm gelaufen.“ Soweit die Verlautbarung, die der Tätowierer über seinen Anwalt mitteilte. Zu seinem Lebenslauf ließ er ausrichten, dass er die Hauptschule nach dem neunten Schuljahr ohne Abschluss verlassen habe und danach eine Ausbildung zum Maler und Lackierer absolviert habe. Bis 1997 arbeitete er in dem Beruf, danach machte er sich als Tätowierer selbständig, zunächst in Emmerich und dann in Kleve. 1998 heiratete er, im gleichen Jahr und im Jahr danach wurden ein Sohn und eine Tochter geboren. 2000 trennte sich das Paar. Seine aktuelle Lebensgefährtin hilft auf 400-Euro-Basis in seinem Tattoostudio aus.

Nur am Rande gestreift wurde während der Verhandlung die politische Gesinnung des Angeklagten. Auf die Frage des Richters, ob er deutscher Nationalität sei, antwortete er forsch: „Natürlich!“ Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden zwei Macheten sichergestellt, die er zu Dekorationszwecken verwahrt haben will. Und es fanden sich allerlei Gegenstände mit, wie Gerhard van Gemmeren es behutsam ausdrückte, „historischen Abzeichen“. Nazikrempel also.

Als Zeichen des guten Willens überantwortete Guido D. diese NS-Devotionalien und die Waffen der Obhut des Staates – „waren eh alles Geschenke“. Der Haftrichter, der als Zeuge geladen war, berichtete, dass er sich zu Beginn seiner Vernehmung mit der etwas merkwürdigen Frage von D. konfrontiert sah, ob dies ein staatliches Gericht sei. Der Richter bejahte, eine weitere Rolle spielte der Vorgang nicht.

Die Vernehmung der an der Polizeiaktion Anfang Februar beteiligten Beamten ergab, dass die Polizei im Vorfeld von einer ungenannten Quelle den Hinweis erhalten hatte, dass der Tätowierer im Besitz einer Schusswaffe sei. Daraufhin entschied sich die Polizei zum Einschreiten, wobei der vorliegende Haftbefehl einer Gerichtsvollzieherin dazu gerade recht kam.

Die Staatsanwältin hielt in ihrem Plädoyer die neue Version des Angeklagten für nicht glaubhaft. Es gebe Widersprüche, man müsse von zu vielen Zufällen ausgehen, weshalb sie auch in Anbetracht mehrerer Vorstrafen eine sieben Jahre lange Haftstrafe forderte.

Philosophischen Unterhaltungswert mussten die Prozessbeobachter im anschließenden Plädoyer von Rechtsanwalt Dr. Rüdiger Böhm zugestehen. „Wir können die Vielgestalt des Lebens nicht der Staatsanwaltschaft überlassen“, hob er an, um der Behörde dann zahlreiche Denkfehler vorzuwerfen. Er erkannte „faustische Widersprüchlichkeiten“.

Über seinen Mandanten sagte er: „Er ist Tätowierer, und er ist tätowiert, und hat gewisse Vorstellungen, die man möglicherweise nicht teilen kann, aber das tut hier nichts zur Sache.“ Guido D. sei ein Eigenbrötler mit dem Talent, sich unbeliebt zu machen.

Den Umstand, dass D. bei der Festnahme mit einer Hand nach hinten gegriffen habe, wo im Hosenbund die Schusswaffe verborgen war, kommentierte der Jurist auf eine nicht eben schmeichelhafte Art und Weise: „So bekloppt ist selbst der nicht, dass er sich mit SEK-Beamten, die mit gezückten Waffen vor ihm stehen, ein Feuergefecht liefert.“

Anwalt Haas sah in seinem Plädoyer „null Anknüpfungspunkte für ein Handeltreiben“ und sprach sich deshalb für eine Bewährungsstrafe aus, also höchstens zwei Jahre Haft. Damit befand er sich im Einklang mit seinem Kollegen.

Mit seinem Urteil blieb das Gericht in der Mitte zwischen den Anträgen. Van Gemmeren sagte: „Das Rauschgift ist nicht zum Eigenverbrauch bestimmt gewesen.“ Die neuen Schilderungen des Angeklagten ergäben „hinten und vorne keinen Sinn“. Es ging allerdings zu Gunsten des Angeklagten von einem minderschweren Fall aus. Letztlich hielt die Kammer das Geschehen für eine „relativ normale Rauschgiftstraftat“ und entschied sich nach eigenem Bekunden bei der Strafzumessung deshalb dafür, „die Kirche im Dorf zu lassen“.


19:44 Uhr: Bombe entschärft!

rd | 04. Mai 2017, 19:56 | 2 Kommentare

5 Zentner aus britischer Produktion, 72 Jahre alt.


Endmoräne am Ende? Erdrutsch am Eisernen Mann, THW und Feuerwehr sichern Hang

rd | 04. Mai 2017, 17:30 | 2 Kommentare
Große Gefahr an der Kaskade (Foto: Stadt Kleve)

Große Gefahr an der Kaskade (Foto: Stadt Kleve)

Wie knapp ist Kleve – unmittelbar nach den Feierlichkeiten zum 775. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte – an einer Katastrophe vorbei geschrammt? Gleich hinter der Straße Eiserner Mann, dort wo die Regenwasserkaskade die Niederschläge aus der Oberstadt in den Kermisdahl ableitet, kam es gestern Nachmittag zu einem massiven Erdrutsch. Personen kamen zum Glück nicht zu Schaden.

Ersten Erkenntnissen zufolge war nördlich der Steinkonstruktion ein Kanal defekt, so dass unbemerkt riesige Mengen Regenwasser in den Böschungshang sickerten. Das Wasser weichte das Erdreich so auf, dass es schließlich abrutschte. Über eine Länge von rund fünfzig Metern wurden Bäume und Sträucher in die Tiefe gerissen, das Bauwerk selbst ist bis zu den Fundamenten freigelegt. „Die komplette Böschung linksseitig der Kaskade ist in den Kermisdahl gerutscht“, so Stadtsprecher Jörg Boltersdorf.

Der Fußweg entlang des Altrheinarms ist gesperrt, derzeit versuchen Feuerwehr und THW mit allen ihnen zur Verfügung stehenden technischen Mitteln ein weiteres Abrutschen von Erdreich zu verhindern und den Hang zu sichern. Die Befürchtung, dass durch den Erdrutsch auch alte Weltkriegs-Blindgänger zum Vorschein kamen, konnte am späten Nachmittag ausgeräumt werden. Boltersdorf: „Durch den Abgang wurden ebenfalls zwei Holzstumpfe freigelegt, die zunächst wie Granaten aussahen. Der Kampfmittelräumdienst, der bereits zur Bombenentschärfung an der Ackerstraße angefordert wurde, war kurzfristig vor Ort und konnte nach eingehender Kontrolle Entwarnung geben.“


Bombenfund an der Ackerstraße, halbe Oberstadt wird evakuiert

rd | 04. Mai 2017, 15:01 | 2 Kommentare

Einige tausend Bomben dürften im Oktober 44 und Februar 45 auf Kleve niedergeregnet sein, von denen die meisten explodierten – aber nicht alle. Die Blindgänger lauern im Erdreich auf eine Baggerschaufel, oder sie warten, bis sich einer hinsetzt und alte Luftaufnahmen unter der Lupe betrachtet – wie jetzt geschehen. Das Resultat: An der Ackerstraße ist ein Blindgänger entdeckt worden, der heute um 19 Uhr entschärft werden soll. Aus Sicherheitsgründen muss die halbe Oberstadt evakuiert werden. Wer rausmuss, wer nicht rausdarf, was Hilfsbedürftige zu tun haben – hier die Pressemitteilung der Stadt Kleve:


Ludger Tiggelbeck geschockt: Kurze 7, sein Düsseldorfer Altstadtlokal, ausgebrannt

rd | 03. Mai 2017, 15:49 | 2 Kommentare
Totalschaden: Keller der Gaststätte „Kurze 7“ (Foto: Tiggelbeck)

Totalschaden: Keller der Gaststätte „Kurze 7“ (Foto: Tiggelbeck)

Die Düsseldorfer Altstadt war zeitweise komplett gesperrt, überall Blaulicht und Feuerwehr. Und mittendrin rang Ludger Tiggelbeck, der bekannte Gastronom aus Kleve („Le Journal“), der seit einigen Jahren in Düsseldorf reüssiert, um Fassung. „Ich war geschockt“, so Tiggelbeck. Denn nach zwei rätselhaften Bränden in kurzer Zeit in der Düsseldorfer Amüsiermeile wurde auch sein Lokal im Herzen der Altstadt, die „Kurze 7“, ein Raub der Flammen.

Das Feuer brach vormittags im Keller aus und fraß sich in Windeseile durch das Mobiliar im Untergeschoss. Rauch und Russ zogen nach oben und sorgten auch im Erdgeschoss für schwere Schäden. Ein Brandsachverständiger schloss nach einer ersten Besichtigung des verheerten Gebäudes einen technischen Defekt aus. Ludger Tiggelbeck selbst vermutete, dass möglicherweise eine liegen gelassene Zigarette eines Mitarbeiters, der vormittags in dem Lokal zu tun hatte, den Brand auslöste. Wegen der beiden anderen Brände sperrte die Polizei den Ort zunächst ab, um Spuren zu sichern.

Der Geschäftsbetrieb in der „Kurzen 7“ ruht bis auf weiteres – Tiggelbeck musste schon mehreren Tänzerinnen, die üblicherweise leicht bis gar nicht bekleidet die Stimmung anheizen, absagen, und auch das gesamte Personal hat bis auf weiteres Zwangsurlaub. Der aus Kleve stammende Wirt hofft, dass bis zum Düsseldorfer Japan-Tag am 20. Mai zumindest das Erdgeschoss wieder benutzbar ist. Die Renovierung des Kellers wird hingegen vermutlich einige Monate in Anspruch nehmen. Das Lokal lief in den vergangenen Jahren äußerst erfolgreich.

Das Düsseldorfer Polizeireporter-Urgestein Günther Claassen berichtete über den Brand, der die Altstadt am 30. April für einige Stunden lahmlegte

Das Düsseldorfer Polizeireporter-Urgestein Günther Classen berichtete im Express über den Brand, der die Altstadt am 30. April für einige Stunden lahmlegte


Lesefrüchte (2): Superfrugales aus der Hauptstadt

rd | 01. Mai 2017, 15:28 | keine Kommentare
Lange Zeit war Berlin kulinarisch bekannt vor allem wegen seiner Bratwurstmänner, die durch die Straßen zogen und wie eine Art Bauchladen einen Grill vor sich hertrugen. Diese Zeiten sind vorbei – jetzt gibt es Salatbanken

Lange Zeit war Berlin kulinarisch bekannt vor allem wegen seiner Bratwurstmänner, die durch die Straßen zogen und wie eine Art Bauchladen einen Grill vor sich hertrugen. Diese Zeiten sind vorbei – jetzt gibt es Salatbanken

Darauf einen Chai Latte! Oder einen Macha Pichu! Oder doch Pommes rot-weiß? Qui know, ya? Der taz verdanken wir einen Beitrag, der der aufgeklärten Leserschaft des Blattes vermutlich runtergeht wie Olivenöl extra virgine – über das grassierende Superfoodwesen in unserer liebsten Hauptstadt, dem hippen Berlin. Genug der Vorrede, hier also einfach, zu deiner Erbauung, lieber Leser, ca. 200 sarkasmusgetränkte Zeilen Text. Mein Lieblingssatz: „Noch deprimierender als alte Spießer sind wohl nur junge Spießer.“
Die Schaufel im Arsch des Todes


Wohin am Jubiläumswochenende?

rd | 28. April 2017, 08:34 | 23 Kommentare

Festlich geschmückt: The Swan’s Castle (Foto: W. Schnütgen)

Jung und gutaussehend? Die Paradisos spielen am Red Wagon und beim Stadtfest

Als Graf Dietrich VI. an einem nasskalten Vormittag und einer durchwachten Nacht am 25. April 1242 seine legendären Worte herauspresste („Dann sollen sie halt ihre verdammten Stadtrechte bekommen!!!), verließ das endlich zu ein paar Rechten gelangte Bürgertum der Stadt seine Lehmhütten und verlieh seiner Freude in für die damalige Zeit typischer Manier Ausdruck: Die Menschen reinigten mit Reisigbesen die Große Straße, die damals noch Kleine Straße hieß, von Schweinekot und warfen Rübenschnitze in die Luft. Man hatte nicht mehr, damals.

Wie anders heute – die 775-Jahr-Feier der Stadt Kleve wird das größte und schönste Fest, das die Stadt je erlebt hat. Viele Gaststätten locken die Menschen mit Sonderangeboten, beispielsweise verkauft die Zentrale – Motto: Schon satte 0,04 Promille Teil der Klever Stadtgeschichte – drei Klever Jubiläumspils („Pilsner Urquell“) datumsgerecht zu exakt 775 Cent (zzgl. 5 Cent Jubiläumszuschlag). Darauf muss man erst mal kommen!

Die Ideen der Klever Bürger gibt es am Samstag und Sonntag auf dem Koekkoeksplatz zu bestaunen: „Von Klever für alle Gäste“, unter diesem Motto präsentieren sich Vereine und Künstler mit Comedy, Musik und Tanz. Das Programm am Samstag beginnt um 10 Uhr mit einer Festrede der Bürgermeisterin Sonja Northing. Zweiter Veranstaltungsort ist der Parkplatz am EOC.

Aber es gibt noch mehr Jubel und Trubel: Die Klever Händler feiern das Jubiläum mit einem verkaufsoffenen Sonntag (alle 775 Geschäfte in der Innenstadt haben von 12 bis 17 Uhr geöffnet). In der unteren Herzogstraße leben unter dem Motto „Bikini, Beat & Bobbycar“ die 50-er, 60-er und 70-er Jahre wieder auf. Dazu spielen auch die Paradisos aus Bremen, die unter dem Motto auftreten: Für die einen sind sie jung, für die anderen gutaussehend. Sie konzertieren übrigens am Samstag Abend auch im Biergarten des Red Wagon an der Hochschule.

Wasserlastig wird es am Opschlag: Der Kanuverleih startet am 30.04. in die Saison, erstmals in seiner steinernen Behausung und nicht mehr im Provisorium untergebracht. Unter anderem im Angebot: Zu jeder vollen Stunde eine Drachenboot-Schnuppertour.

Die Hochschule Rhein-Waal beteiligt sich am Jubiläumsreigen mit einem Street-Food-Festival auf dem Campus-Gelände: Samstag und Sonntag kommen Genießer ab 12 Uhr zum Zuge – kulinarisch werden ca. 100 Länder abgedeckt. Viel mehr gibt es auch nicht.

Die Klever Jazzfreunde machen den Auftakt der Feiern mit dem Konzert von Salomea Project. Rebekka Salomea tritt mit dem Anspruch auf, Bilder im Kopf zu malen. Das Konzert beginnt am Freitag um 20:30 Uhr im Casa Cleve. Und auch das XOX-Theater, das übrigens in diesem Jahr 20 Jahre alt wird, beteiligt sich mit zwei Aufführungen (Freitag, 20 Uhr, Samstag, 18 Uhr) am Stadtjubiläum: Theaterchef Wolfgang Paterok präsentiert das Figurentheater Cartouche,  das die „Sonate à quatre mains“ aufführt. Es handelt sich um ein hochkonzentriertes Spiel mit Marionetten, das literarisch von Franz Kafka, musikalisch von Eric Satie und visuell von dem niederländischen Maler Carel Willink inspiriert ist.


52 % aller heterosexuellen Männer Kleves, die 1932 fürs Zentrum gestimmt haben, sprechen sich für eine Bebauung des Minoritenplatzes mit Parkplätzen aus

rd | 25. April 2017, 17:33 | 89 Kommentare
Gut gekleidet, Analyse so klar wie Mineralwasser: Dr. Peter Matuschek (Forsa) schlug der Wahrheit über den Minoritenplatz eine Schneise

Gut gekleidet, Analyse so klar wie Mineralwasser: Dr. Peter Matuschek (Forsa) schlug der Wahrheit über den Minoritenplatz eine Schneise

Endlich Klarheit!

802 Klever, die in ihrem jeweiligen Haushalt zum Zeitpunkt des Anrufs als letztes Geburtstag hatten, durften sich gegenüber Telefonfachkräften des angesehenen Meinungsforschungsinstituts Forsa zu den Plänen der Stadt für den Minoritenplatz äußern. Heraus kam ein interessantes Stimmungsbild, dass so in dieser Deutlichkeit nicht zu erwarten war: Offenbar sind manche Klever für eine Bebauung des Areals, während andere dagegen sind. kleveblog meint: Die Bürgermeisterin ist gut beraten, dieses Stimmungsbild in die Planungen mit einzubeziehen und den Minoritenplatz entweder zu bebauen oder nicht zu bebauen. Das aber ist alternativlos!

Die Offenen Klever hatten die Umfrage in Auftrag gegeben, um angesichts der neuen Pläne einmal das „repräsentative Stimmungsbild“ der Klever Bevölkerung zu ergründen. Die Teilnehmer der Umfrage wurden zufällig ausgewählt, indem ein Computerprogramm Telefonnummern zusammenbastelte, die dann angerufen wurden. Die Stichprobe, das versicherte der Mitarbeiter von Forsa, der die Ergebnisse vorstellte, sei groß genug gewesen, um ein gutes Bild zu erhalten, das zudem eine weitere Aufschlüsselung ermöglicht – so in der Art, wie sie in der Überschrift scherzhaft vorgestellt wird. Präsentiert wurden die Ergebnisse passenderweise im Saal „Inspiration“ im Hotel Rilano. 50 Klever waren zugegen, eine mahnte am Ende der Vorstellung, man dürfe sich nicht zu „Handlangern der Zementindustrie“ machen lassen.

Was aber kann nun wirklich heraus, was sagen die Zahlen?

  • Die Hälfte der Klever interessiert sich stark oder sogar sehr stark für die Diskussion um die geplante Bebauung des Minoritenplatzes (51 %), die andere Hälfte steht diesen Vorgängen eher desinteressiert gegenüber (49 %).
  • Auf die Frage: „Was glauben Sie: ist die Mehrheit der Bürger in Kleve grundsätzlich eher für oder gegen eine Bebauung des Minoritenplatzes?“ Antworteten 59 % der Befragten, dass sie davon ausgehen, dass es allgemeine Stimmungsbild sich eher gegen eine Bebauung richtet. Nur 25 % der Befragten waren der Ansicht, eine Mehrheit der Bevölkerung sei für eine Bebauung.
  • Frage Nummer acht beschäftigte sich dann mit der persönlichen Einstellung der Klever. „Sind Sie grundsätzlich eher für oder eher gegen eine Bebauung des Minoritenplatzes?“ Die Hälfte der Befragten war dagegen (50 %), ein gutes Drittel dafür (38 %). 12 % der Befragten hatten keine Meinung. Interessant aus Sicht der Meinungsforscher war, dass Männer tendenziell eher für eine Bebauung waren (42 %) als Frauen (33 %). Das könnte daran liegen, dass Männer aufgrund ihrer Sozialisation dem Baugewerbe eher zugeneigt sind. Sie spielen in ihrer Kindheit mit Baggern und nicht mit Puppen.
  • Je weniger CDU die Befragten waren, umso stärker fiel die Ablehnung aus – 86 % der Klever, die angaben, bei der nächsten Wahl für die Offenen Klever zu stimmen, sprachen sich gegen eine Bebauung aus. Dagegen nur 44 % der CDU-Anhänger.
  • Am Ende durften die Teilnehmer der Umfrage aus einer Liste von Vorschlägen zu einer möglichen Zukunft des Areals ihre Favoriten auswählen. 52 % votierten für einen begrünten Parkplatz, also für etwas, was es im Grunde heute schon gibt, vielleicht mit etwas wenig Grün. 49 % konnten sich dort Gastronomie vorstellen (das wurde nicht konkretisiert). An dritter Stelle rangierte die Vorstellung eines Gebäudes im Hundertwasser-Stil (44 %, Mehrfachnennungen waren möglich).

Für diejenigen, die in der Stadt politisch arbeiten oder deren Geschicke in der Verwaltung steuern, dürften allerdings die Antworten auf zwei ganz andere Fragen aus dem bunten Strauß der Erkenntnisse, didene die Offenen Klever der Stadt bescherten, von größerem Wert sein. Befragt, welches Ihrer Meinung nach die größten Probleme in der Stadt Kleve seien, nannten 24 % Verkehrsprobleme (alles von Radwegen über Öffentlichen Nahverkehr bis Straßenverkehr), 17 % die Schulpolitik und immerhin 13 % die Bebauung des Minoritenplatz. Das Thema „Ausländer, Flüchtlinge, Integration“ hielten gerade einmal 4 % der Befragten für relevant.

Wie zufrieden die Bürger mit der Stadtverwaltung in Kleve sind, wurde ebenfalls erkundet. Das Ergebnis deutet darauf hin, dass das Team um Sonja Northing sensationelle Arbeit abliefert. Die Verwaltung kommt auf Zufriedenheitswerte von 73 %, nur jeder Fünfte war mit der Arbeit der Verwaltung weniger zufrieden oder sogar unzufrieden.

Dr. Peter Matuschek, der Mann von Forsa, wies übrigens mit einer kleinen Bemerkung am Rande darauf hin, dass wir in Kleve auf einer Insel der Seligen leben. Auf die Frage nach den großen Problemen der Stadt antwortete jeder dritte Klever: „Weiß nicht“ (31 %). Wenn man eine solche Umfrage in Berlin mache, liege dieser Wert bei gerade mal 2-3 %.


Derbystar (Goch) liefert künftig den Bundesliga-Ball, Adidas raus

rd | 24. April 2017, 23:56 | keine Kommentare
Ist der Ball wirklich rund? Oder doch nur eine „originale 32 Panel Ball Konstruktion“? Das müssen die Spieler der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2018/19 ergründen

Ist der Ball wirklich rund? Oder doch nur eine „originale 32 Panel Ball Konstruktion“? Das müssen die Spieler der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2018/19 ergründen

Herzogen–Au!-r-Ach!

Das neue Spielgerät der Fußball-Bundesliga kommt ab der übernächsten Saison aus ––– Goch! Und nicht mehr aus Herzogenaurauch, dort, wo die Adidas-Dynastie beheimatet ist, die der Deutschen liebstem Sport seit Jahrzehnten ihren dreistreifigen Stempel aufdrückt. Ab der übernächsten Saison stellt die Gocher Firma Derbystar den offiziellen Spielball der ersten und zweiten Bundesliga – und dann gleich für vier Jahre. Das gab die DFL Sports Enterprises (DFL SE) am Montag in Frankfurt am Main bekannt. Zahlen wurden erwartungsgemäß nicht bekannt gegeben, aber man darf von einem Millionengeschäft für das am Niederrhein ansässige (und zu einem dänischen Konzern gehörende) Unternehmen ausgehen.

Rein rechnerisch kommt man zwar nicht so weit – pro Bundesligaspiel liegen rund 30 Bälle bereit. Da die Bälle meines Wissens nicht von einem Ort zum anderen transportiert werden, also 18 x 30 Bälle. Ergebnis: 540. Rechnen wir großzügig 100,– € pro Ball, landen wir für die erste Bundesliga bei 54.000 Euro. Dann kommt die zweite Bundesliga hinzu, sodass das bloße Ballverkaufsvolumen bei rund 100.000 Euro liegen dürfte. Aber bei dem Deal geht es um ganz andere Dimensionen!

„Mit Derbystar haben wir einen Partner gewonnen, der seit langer Zeit für höchste, von den Clubs und Spielern anerkannte Produktqualität steht. Darüber hinaus schätzen wir das internationale Vertriebsnetz, über das das Unternehmen zusammen mit der Mutterfirma Select Sport verfügt“, sagt Jörg Daubitzer, Geschäftsführer der DFL SE. Bereits ab 1970/71 war Derbystar durch zahlreiche Club-Kooperationen in der Bundesliga vertreten. In der Saison 1979/80 wurden sogar alle 306 Bundesliga-Begegnungen mit den Bällen aus dem Hause Derbystar ausgetragen. Die Firma behauptet, dass sich deren Bälle durch „exzellentes Sprung- und Flugverhalten“ auszeichnen, sodass die Spieler „niemals die Kontrolle über den Ball verlieren“. Das ist meiner Meinung nach etwas dick aufgetragen, aber so spricht halt das Marketing.

„Mit der Rückkehr in die Bundesliga und 2. Bundesliga unterstreichen wir unsere starke Position im Markt und die sehr positive Unternehmensentwicklung der letzten Jahre“, sagt Andreas Filipovic, Geschäftsleitung Verkauf & Sponsoring von Derbystar. „Wir haben unseren Umsatz seit 2010 verdoppelt. Die Präsenz in der Bundesliga und 2. Bundesliga wird unsere Marke weiter stärken“, sagt Joachim Böhmer, der in der Geschäftsleitung Marketing und Einkauf verantwortet. Klever Unternehmerpreis, ick hör dir trapsen!

Derbystar ist seit der Unternehmensgründung im Jahr 1968 auf die Produktion von handgenähten Bällen spezialisiert und gehörte zur den ersten Produzenten, die synthetische Materialien für die Herstellung der Bälle einsetzten. Diese Entscheidung galt Mitte der 1970er Jahre als richtungsweisend und setzt bis heute Standards in punkto Innovation. Seit 1991 gehört die DERBYSTAR Sportartikel GmbH zu SELECT Sport A/S (Select), einem dänischen Unternehmen, das bereits seit 1947 als reiner Ballspezialist Maßstäbe setzt. So entwickelte Select unter anderem 1962 den ersten 32-teiligen Fußball und 1974 den ersten handgenähten Polyurethan-Fußball. 1996 beriet Select die FIFA bei der Festlegung universeller und moderner Fußballstandards. Die Fußball-Ligen in den Niederlanden, Finnland, Schweden, Island, Dänemark und Belgien setzen auf offizielle Spielbälle von Derbystar/Select.

Das Unternehmen DERBYSTAR/SELECT nimmt seine soziale Verantwortung ernst und setzt bei der Produktion der Bälle in Pakistan nicht nur auf höchste Qualitätsansprüche, sondern auch auf faire Bedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Die jährlich rund drei Millionen Bälle werden exklusiv bei Anwar Khawaja Industries (AKI) in Pakistan hergestellt, einem von Fairtrade zertifizierten Unternehmen. Die rund 7.500 Näher und ihre Familien profitieren seit 1996 auch von einem umfassenden Gesundheits- und Bildungsprogramm.

Einer der bekanntesten Werbeträger der Marke Derbystar war Fleming Lund, ein früherer Außenstürmer von Fortuna Düsseldorf. In meiner Fotokiste liegt noch eine Autogrammkarte von ihm. Lund, 1,70 m groß, erzielte in 96 Bundesligaspielen für Rot-Weiß Essen und dann für Düsseldorf sieben Tore. Sieben! Aber er war ein sympathischer Däne, der heute vermutlich in seiner üppig bemessenen Tagesfreizeit Scandi-Noir-Krimis schaut und seine beiden Töchter, beide Springreiterinnen, zu ihren Turnieren begleitet. Es kann aber sein, dass meine Erinnerung mich täuscht und Lund in Wahrheit für die Sportschuhmarke Hummel geworben hat.


Sonja Northing bewirbt sich für das Amt des UN-Generalsekretärs!

rd | 24. April 2017, 13:35 | 7 Kommentare
Eine Interviewantwort wie eine Bewerbungsmappe

Eine Interviewantwort wie eine Bewerbungsmappe

Kleve hat eindeutig das Glück, mit Stadtoberhäuptern gesegnet zu sein, die für das Amt derart überqualifiziert sind, dass man eigentlich nur die Wahl hat, demutsvoll in Richtung Landwehr zu blicken. Schon Theo Brauer vereinte in seiner kleinen Gestalt eine solche Fülle von Kompetenzen, dass nicht wenige sagten, er habe dank seines visionären Wesens nicht nur das Zeug zu einem Bürgermeister gehabt, sondern hätte nahezu genauso gut den Posten eines Lehrers an einer von der Schule für Menschen mit Lernbehinderung ausfüllen können. Schade, dass er einen anderen Weg eingeschlagen hat!

Nun aber Sonja Northing, seit gut anderthalb Jahren im Amt und viel beschäftigt mit profanen Dingen wie Minoritenplatz und Spoykanal. Die Antwort der Bürgermeisterin auf die letzte Frage des Interviews in der Rheinischen Post von heute aber zeigt, dass die Erste Frau der Stadt sich eindeutig zu höheren Aufgaben bewegt. Wahrscheinlich saß sie vor einigen Monaten, anlässlich der Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit Tag des Grundgesetzes am 23. Mai, schon deshalb neben Joachim Gauck. Doch selbst Deutschland scheint zu klein! „Eigenverantwortung, Frieden und Liebe für alle Menschen“, so die Antwort auf die Frage, was Sie sich wünschen würde, wenn sie drei Wünsche frei hätte. Das aber gehört eigentlich zum Aufgabenfeld von Päpsten (da aber scheidet eine Frau aus) und UN-Generalsekretären. Die Welt darf gespannt sein.

Kollegialer Hinweis an die RP: Bei der epochalen Antwort hätte man der Frage in grammatikalischer Hinsicht etwas mehr Liebe angedeihen lassen sollen. Besser nicht in einem Satz zwischen Konjunktiv und Indikativ springen.


Fliederliche Montagsgedanken

rd | 24. April 2017, 10:48 | 2 Kommentare

Blütenorgie aus Nachbars Garten: Erster Versuch

Blütenorgie aus Nachbars Garten: Erster Versuch


Wer, lang, lang ist’s her, als Frau im reiferen Alter das Signal aussenden wollte, noch auf der Suche nach einem Partner zu sein, trug Kleidung in einem zarten Fliederton. Daher haben die Blüten und der Duft des Flieders immer noch eine altjüngferliche Konnotation. Es wird Zeit, mit dieser historischen Fehleinschätzung aufzuräumen! Die Blüten dieses Strauchs, die übrigens aus dem Garten meiner geschätzten Nachbarn herüberwachsen und mich jedes Frühjahr aufs Neue erfreuen, mögen an Vieles erinnern, nicht aber an den sprichwörtlichen „letzten Versuch“! Eher schon an überbordende Jugendlichkeit und deren verschwenderisches Maß an Reizen. Ludwig Hölty dichtete einst: „Der Flieder und die Linde wehn mir bange Seelenschauer“ – und auch dies erscheint mir eine völlige Fehlwahrnehmung der Natur, abgesehen natürlich davon, wenn man seinen Wagen im Sommer nachts unter einer Linde abstellt. Eher hält es die Redaktion mit Salis: „Da lässt man sich nieder, von Haseln und Flieder mit Laubduft erfrischt.“ So mögen wir es halten (auch bei 7 °C).

Zecke (27.04. 17:18):

Namen kommen nicht von ungefähr……

laut Wikipedia: <...
kleinendonk (27.04. 16:43):

VHS Kurs

...

Wohin am Wochenende (16)

rd | 21. April 2017, 17:42 | keine Kommentare

Zweimal Musik, zweimal Kunst, das ergibt vier Tipps für den kulturbeflissenen Mitbürger zum ersten Wochenende nach Ostern. Bittesehr!

Samstag, 10 Uhr: Reinhard Strähnz und Bert Keim (Café Samocca)

Viele Menschen nutzen den Samstagvormittag, um einkaufen zu gehen. Aber warum nicht einfach mal nicht einkaufen? Stattdessen empfiehlt sich beispielsweise ein Gang ins Café Samocca, wo Reinhard Strähnz und Bert Keim „Jazz zum Frühstück“ servieren.

Samstag, 15 Uhr: Willy Richrath et al. (Kolpinghaus)

Wer kann heute noch Klefse Platt sprechen? „Wor Klefse sin, da werd gesonge“, unter dem Motto lädt der Kolpingchor ins Kolpinghaus ein und singt „von den Schüsterkes, de alde Mööle, de Schwanentorm und vielem anderen“.Der Kolpingchor nimmt das Jubiläusmjahr der Stadt Kleve zum Anlass und lädt zu einem offenen Singen alter Klever Lieder, vor allem von Willy Richrath, ein. Es werden auch Textbeiträge vorgetragen. Kaffee und Kuchen werden angeboten.

Sonntag, 11 Uhr: Brigitte Dams (Telpost, Millingen)

Die aus Kleve stammende und in Düsseldorf lebende Künstlerin Brigitte Dams zeigt ihre Arbeiten nicht nur derzeit im Salon der Künstler im Museum Kurhaus, sondern am Sonntag auch im Telpost-Gebäude auf dem Rheindeich in Millingen. Matthias Graß schreibt: „Schon früh begann Dams, mit Transparentpapier den Strich, die Linie von der Fläche zu lösen, den Strich wenigsten optisch greifbar zu machen. Später arbeitet sie mit Flechtwerken aus Fahrradschläuchen, aus Feuerwehrschläuchen, teils temporäre Arbeiten. Denn die Fahrradschläuche verlieren mit der Zeit an Spannkraft.“ Das mit den Fahrradschläuchen kann ich bestätigen.

Sonntag, 12 Uhr: Neo Rauch (Tichelpark Kinos)

Neben Gerhard Richter ist er wohl der angesagteste Deutsche Künstler überhaupt: Neorauch. Die Tichelpark Kinos zeigen in ihrer Sonntagsmatinee eine Dokumentation über das Leben und Arbeiten des Mannes. „Wer bin ich denn, wenn ich nicht male?“, sagt er einmal im Verlaufe des Films. Gute Frage. Der Trailer zum Film – siehe oben.


Lokalberichterstattung

rd | 21. April 2017, 10:30 | 1 Kommentar
 Erst schillern die Getränke zwar farbenfroh, am Ende dürfte aber, wie so oft, dass metaphorische Blau vorherrschen: Stimmungsvolle Aufnahme aus Thom's Lounge (Foto: FW)

Erst schillern die Getränke zwar farbenfroh, am Ende dürfte aber, wie so oft, das metaphorische Blau vorherrschen: Stimmungsvolle Aufnahme aus Thom’s Lounge (Foto: FW)

Es fährt ein Zug nach Südamerika: Franz Vierboom, Alejandra Manthey

Es fährt ein Zug nach Südamerika: Franz Vierboom, Alejandra Manthey

(Nochmals aktualisiert, jetzt auch mit renoviertem Culucu und der neuen Pizzeria am Elsabrunnen) Der eigene Laden, gerade mal 129 Tage alt, erscheint einem fast schon wie der Fels in der Brandung angesichts des rasenden Wandels um einen herum. So gibt es mitten in der Stadt ein ebenso erfreuliches wie überraschendes Comeback: Thom’s Lounge, ein Lokal, das sich der buntschillernden Welt der Cocktails verschrieben hat, empfängt nach über einem Jahr Pause wieder Gäste. Betreiber Andreas Hert hatte sich ursprünglich dem Kolpinghaus in Goch zugewandt und den Klever Betrieb verwaisen lassen, doch das Gastspiel in der Nachbarschaft endete vor der Zeit, und nun schüttelt der Barmann wieder in seiner angestammten Heimat. Cocktails kosten fünf Euro. + + + Für die chilenischen Momente im Leben ist ab sofort Alejandra Manthey zuständig – und zwar im – Überraschung! – Red Wagon an der Hochschule. In dem Waggon mit angrenzendem Biergarten von Franz Vierboom gibt es künftig unter ihrer charmanten Führung nicht nur die klassische Auswahl an Getränken, sondern auch köstliche Empanadas (gefüllte Teigtaschen). Und die kleine Ansammlung von Pisco-Flaschen auf der Theke lässt hoffen, dass von Zeit zu Zeit auch ein Pisco Sour fabriziert wird. Viel Erfolg, Alejandra! + + + Frisch renoviert präsentiert sich das Culucu in Rindern seinen Besuchern. Die Mitglieder des Vereins, der das Lokal betreibt, nutzten die Osterpause, um die Gaststätte wieder auf Vordermann zu bringen. Wie das gelungen ist, davon können sich Gäste beispielsweise am Samstag ab 21 Uhr beim Globusdance überzeugen + + + Unter neuer Führung und unter neuem Namen bietet das Restaurant Nassauer Stuben ab sofort italienische Küche, und die soll ausgezeichnet sein, wie erste Berichte besagen. Im Le Due Terre bietet Pächter Francesco Giorgi dienstags bis sonntags mittags (12:00 Uhr bis 14:30 Uhr) und abends ab 17:00 Uhr Köstlichkeiten aus dem Mittelmeerraum. + + + Noch mehr italienische Momente beschert uns die neu eröffnete Pizzeria am Elsabrunnen, hinter das für Qualität bürgende Team des Eiscafés Riva steht. Ein erster Test konnte noch nicht stattfinden, aber was der Zaungast bei der Gruppe um den ehemaligen Vereinsvorsitzenden des VfL Merkur Kleve, Wolfgang Graß, links am Fenster auf den Tellern sah, ließ einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. + + + Ein Abgang ist leider auch zu verzeichnen: Das iMixit an der Schlossstraße, wie der Name schon andeutet, ein Hort der Mischgetränke, hatte zunächst einige Zeit „aus privaten Gründen“ geschlossen und dann wohl auch aus geschäftlichen. + + + Und in einer der bekanntesten Adressen in Kellen soll Ende des Jahres ebenfalls der finale Zapfenstreich erfolgen: Wie zu hören ist, fand der Betreiber des Kellener Krugs für sein Lokal keinen Nachfolger und stellt deshalb zum Jahresende den Geschäftsbetrieb ein.


Klever Reichsbürger vor Gericht

rd | 19. April 2017, 12:56 | 24 Kommentare
„Aufgeklärt im Sinne des Völkerrechts“: Hohle Rhetorik hinter der Windschutzscheibe

„Aufgeklärt im Sinne des Völkerrechts“: Hohle Rhetorik hinter der Windschutzscheibe

An seinem schwarzen Mercedes hatte der 45 Jahre alte Klever deutlich sichtbar den Hinweis angebracht, dass er sich den so genannten „Reichsbürgern“ zugehörig fühlt, einer obskuren Gruppe von Menschen, die allesamt der Ansicht sind, dass die Bundesrepublik Deutschland eine illegale Rechtskonstruktion ist und in Wahrheit das Deutsche Reich fortbesteht.

In der kruden Logik dieser Menschen haben die Institutionen unseres Staates keine Autorität. Für den Klever, der ein Tätowierstudio betrieb, dürfte deshalb der Termin am 5. Mai um 9:00 Uhr die größtmögliche Herausforderung seines Weltbildes darstellen: Um diese Uhrzeit beginnt vor der 2. großen Strafkammer des Landgerichts Kleve im Saal A 103 in der Schwanenburg der Prozess gegen ihn – allerdings nicht wegen seines aus dem Lot geratenen Weltbildes, sondern wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Zudem soll der Angeklagte das Waffengesetz missachtet haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, in nicht geringer Menge mit Betäubungsmitteln gehandelt zu haben. Hinzu kommt der erschwerende Umstand, dass der 45-Jährige bei seiner Festnahme nicht nur fünfzig Gramm hochkonzentriertes Kokain mit sich führte, sondern auch eine im Hosenbund versteckte Schusswaffe der Marke Heckler & Koch sowie ein Spring- und Butterflymesser.

Diese Kombination wird im Betäubungsmittelgesetz ausdrücklich erwähnt: Demnach ist mit Haft nicht unter fünf Jahren zu bestrafen, wer „mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge unerlaubt Handel treibt oder sie, ohne Handel zu treiben, einführt, ausführt oder sich verschafft und dabei eine Schusswaffe oder sonstige Gegenstände mit sich führt, die ihrer Art nach zur Verletzung von Personen geeignet und bestimmt sind“. Wenn sich die 2. große Strafkammer der Auffassung der Ankläger anschließt, droht dem Reichsbürger also eine langjährige Freiheitsstrafe.

Der 45 Jahre alte Klever war Anfang Februar verhaftet worden. Eigentlich sollte er nur ergänzende Informationen zur „Vermögensauskunft“ geben (früher Offenbarungseid genannt), doch die zuständige Gerichtsvollzieherin befürchtete bei diesem Verwaltungsakt Komplikationen und beantragte deshalb einen Haftbefehl, den das Amtsgericht auch beschloss. Da der Tätowierer polizeibekannt war und in Polizeikreisen als „sehr gefährlich“ eingestuft wurde, fällte die Polizei die Entscheidung, bei der Verhaftung ein Sondereinsatzkommando einzusetzen.

Als die Elitepolizisten die Wohnung des Mannes in Materborn stürmten und ihn überwältigten, fanden sie in seiner Weste das Rauschgift. In ersten Presseberichten hieß es, es seien Amphetamine (Aufputschmittel) gefunden worden; offenbar ergab die spätere Analyse der Substanzen, dass es sich um Kokain handelte. Bei der anschließenden Durchsuchung der Geschäftsräume entdecken die Fahnder im Tresor eine Feinwaage sowie 20 Druckverschlussbeutel, die in entsprechenden Kreisen in der Regel dazu benutzt werden, Drogen zu portionieren.

Ein Sprecher des Landgerichts teilte mit, dass der Angeklagte im Ermittlungsverfahren den Tatvorwurf teilweise einräumte. Zur Hauptverhandlung sind vier Zeugen geladen.


Ein Brief der Klasse 9a: Dionis ist weg

rd | 11. April 2017, 16:17 | 57 Kommentare

„Trauriges Ende einer Integration: Seit zwölf Monaten bei der fünfzehnjährige Dionis aus Albanien in unserer Klasse, mittlerweile 9. Schuljahr an der Sekundarschule in Bedburg-Hau. Niemand hat uns gefragt, auf einmal war Dionis da und wir mussten miteinander auskommen, mussten uns verständigen trotz Sprachproblemen, zusammen leben und lernen. Doch schnell entstanden neue Freundschaften, Dionis fand Anschluss im Unterricht, strengte sich an. Am 21. März fehlte Dionis in der Schule. Er war nicht krank, er wurde in der Nacht mit seiner Mutter nach Albanien abgeschoben. Niemand hat uns gefragt, auf einmal war Dionis nicht mehr da. Wir konnten uns nicht verabschieden, ihm keine guten Wünsche mit auf den Weg geben. Wir sind sehr traurig. Solche „Nacht-und-Nebel-Aktionen“ führen dazu, dass wir beim nächsten Asylbewerber lieber auf Distanz bleiben. Einen mutmaßlichen Terroristen konnte/wollte man nicht abschieben, aber unser Freund ist jetzt weg. Zum Glück gibt es noch Handy-Kontakte, Dionis hat ein Dach über dem Kopf und lebt, doch auch er ist traurig. Ist das das Richtige?“

Für die Klasse 9a der Sekundarschule Bedburg-Hau: Simon Tillemann, Klassensprecher und Standortsprecher


„Wie Brustimplantate für Barbiepuppen“

rd | 10. April 2017, 12:55 | 1 Kommentar

Wenn ein britischer Restaurantkritiker mit seiner Begleitung in einem der angesagtesten Restaurants von Paris essen geht, am Ende eine Rechnung in Höhe von rund sechshundert Euro bezahlt und das Fazit zieht, es sei die mit Abstand schlechteste Erfahrung gewesen, die er in seinen 18 Berufsjahren habe ertragen müssen, möchte man schon wissen, was passiert ist. Nachzulesen ist dies – in englischer Sprache – in einer der schönsten Restaurantkritiken, die ich in den vergangenen Jahren gelesen habe. Da ich schöne Dinge gerne Teile, hier der Link zu einem fantastischen Text:

Le Cinq Paris Restaurant Review Jay Rayner


„Der Toilettendeckel sagt: Es geht dir gut“

rd | 09. April 2017, 14:52 | 24 Kommentare
Für viele Menschen, insbesondere aus der Stadtverwaltung, noch eine ferne Zukunftsvision, in anderen Haushalten schon längst Realität: Sprechende Toilettendeckel

Für viele Menschen, insbesondere aus der Stadtverwaltung, noch eine ferne Zukunftsvision, in anderen Haushalten schon längst Realität: Sprechende Toilettendeckel

Wie Kleve 2050 aussehen könnte – ein Gastbeitrag von Dirk Posdena (Fachbereich Planen & Bauen bei der Stadt Kleve), zu finden auch auf der Website der Stadt Kleve: Schauen wir mal: Einblicke und Einsichten zur zukünftigen Entwicklung der Stadt Kleve. Es handelt sich um eine Vision mit sprechenden Sanitäranlagen, mit einem bebauten Minoritenplatz, ohne einen der beiden „Kaufland“-Märkte – und mit einem Dirk Posdena, der in 33 Jahren immer noch arbeiten muss. Spannend – aber lesen Sie selbst!

2017 feiert die Stadt Kleve ihren 775sten Geburtstag. Grund genug, nicht nur einen Blick zurück zu werfen sondern auch diesen vorsichtigen Blick in die Zukunft zu wagen.

775 Jahre, ein stolzes Alter. Da stellt sich die Frage, wie alt können Städte eigentlich werden? Und können Städte sterben? Die Geschichte hat gezeigt, ja, Städte können sterben, oder, um es nicht zu sehr zu vermenschlichen, Städte können aus unterschiedlichen Gründen tatsächlich von den Landkarten verschwinden. Ursachen können Kriege und Naturkatastrophen sein oder aber der Entzug der Lebensgrundlage. Seien es erschöpfte Rohstoffvorkommen oder auch Klimaveränderungen, ganze Regionen können so unbewohnbar oder uninteressant für eine weitere Besiedlung werden. Hinzu kommt die religiös oder kulturell bedingte Aufgabe von Städten und Siedlungen.

Und wenn sie jetzt glauben, dass dies ein Phänomen längst vergangener Zeiten ist, dann erlauben sie einen Blick in die jüngste Vergangenheit. Denken wir nur an die Reaktorkatastrophen von Tschernobyl oder Fukushima, die ganze Landstriche unbewohnbar gemacht haben. Aber auch gewollte menschliche Eingriffe können als Grund ausgemacht werden. Das Verschwinden von mehr als 200 Dörfern und Ortschaften in Deutschland im Zuge des Braunkohletagebaus sind ein Beispiel.

Müssen wir uns also Sorgen machen um die Zukunft der Stadt Kleve?

Ohne Zuviel zu verraten, wohl eher nein. Kleine Dörfer trifft es da weit häufiger. Aber schauen wir uns z.B. Metropolen wie Detroit an, dann sehen wir, dass es Städten auch in der Neuzeit so schlecht gehen kann, dass man in der Stadtentwicklung von einem langsamen Sterben spricht. Und kränkelnde Städte sind auch hierzulande ein Thema. Sinkende Einwohnerzahlen durch Abwanderung als Folge des Strukturwandels insbesondere in den neuen Bundesländern aber auch im Ruhrgebiet, eine große Schuldenlast oder auch der Verlust von Arbeitsplätzen sind nur einige Ursachen für den Niedergang einst blühender Landschaften und pulsierender Agglomerationen. Und die aktuelle Diskussion um eine MAUT für deutsche Autobahnen wirft schon die Frage auf, wie sich dies auf das Einkaufsverhalten unserer niederländischen Nachbarn, und damit auf die Stadt Kleve, auswirken wird.

Es verwundert also nicht, dass die Begriffe der Generationengerechtigkeit und der nachhaltigen Stadtentwicklung seit geraumer Zeit an Bedeutung gewonnen haben und zum zentralen Leitbild geworden sind. Die Konflikte zwischen verschiedenen Interessen und divergierenden Ansprüchen werden zahlreicher. Die Notwendigkeit zur Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit ist eine zentrale Herausforderung, auf die Stadtplanung mit einem Paradigmenwechsel reagiert hat, der neue städtebauliche Leitbilder und Inhalte, neue Methoden und neue Verfahren umfasst.

Funktionstrennung, räumliche Expansion, ausufernde Mobilität und der sorglose Umgang mit den natürlichen Ressourcen, wie es in den Nachkriegsjahrzehnten propagiert worden ist, gehören der Vergangenheit an. Die Prinzipien der vorindustriellen Stadt erleben eine Renaissance auf fortschrittlichem Niveau, kompakt, dicht, gemischt, vielfältig, kurze Wege, dezentral und kleinteilig sind die neuen Schlagworte auch für Kleve. Hier ist auch in der Klever Bürgerschaft eine große Sehnsucht nach diesen Idealen entstanden. Um leben, arbeiten und Freizeit genießen zu können, brauchen wir ein lebendiges und lebenswertes Kleve.

Dabei kommt es vor allem darauf an, perspektivisch und fachübergreifend zu denken und zu handeln und Fachbelange in einen räumlichen und zeitlichen Gesamtkontext zu bringen. Vor allem bedeutet nachhaltige Stadtentwicklung aber, dass bei allen Entscheidungen über Veränderungen die Stadt als Ganzes betrachtet werden muss. Entscheidungen müssen zukunftsfähig sein. Hierauf müssen alle Akteure, ob Planer, Bürger oder die Vertreter der Politik, das Hauptaugenmerk legen. Alle Aspekte der Nachhaltigkeit sollten berücksichtigt werden. Diese umfassen neben den Grundbedürfnissen der Menschen nach Wohnen, Arbeit und Freizeit auch die Umwelt, die Wirtschaft, Soziales und, nicht zu vergessen, die Teilhabe an Entscheidungsprozessen.

Somit hat nachhaltige Stadtentwicklung eine Vielzahl von Facetten und Handlungsfeldern. Neben dem Bau neuer Straßen und Gebäude oder der Gestaltung von Wirtschaftsstandorten oder Freizeiteinrichtungen gehören dazu zum Beispiel auch das Sparen von Ressourcen, der Klimaschutz oder Fortbewegungsangebote, die stadt- und umweltverträglich, aber auch sozialgerecht sind. Neuerdings erfahren auch Begriffe wie Fair Trade oder Regionalität zunehmend an Bedeutung.

Was sind aber nun konkret die „neuen“ Anforderungen an eine nachhaltige Stadtentwicklung?

Welchen Herausforderungen muss sich auch Kleve stellen und in welcher Intensität? Wie stellt sich Kleve hier auf? Und wie könnte ein ganz normaler Tag im Jahre 2050 in Kleve aussehen? Habe ich Ihr Interesse geweckt? Möchten Sie wissen, wie ein ganz normaler Tag in 33 Jahren in Kleve aussehen könnte?

Es wird anders sein. Ohne aus der jetzigen Perspektive sagen zu können, ob es besser oder schlechter sein wird. Die Welt wird sich verändern, wie sie sich in der Vergangenheit auch stets gewandelt hat. Und mit ihr wird sich auch Kleve unausweichlich und notwendigerweise wandeln. Denn es zeigt sich immer deutlicher, dass sich die weltweiten Herausforderungen im Mikrokosmos der Städte, und damit mehr oder minder auch in Kleve, widerspiegeln und bündeln.

Ein ganz normaler Tag….

Kleve, 11. Juli 2050, 6.05 Uhr. Ich schlage die Augen auf. Die Sonne scheint, doch Rollladen vor den Fenstern gibt es schon lange nicht mehr, das Fensterglas ist mit Nanopartikeln beschichtet. Der Raum erhellt sich, den individuellen Bedürfnissen angepasst, zum Wachwerden nur langsam. Während der Haushaltsroboter in der Küche für meine Familie und mich bereits das Frühstück zubereitet, gehe ich ins Badezimmer. Beim Zähneputzen werde ich von optischen Sensoren im Hightech-Badezimmerspiegel gescannt.

Die Zahnbürste analysiert selbständig den Speichel, und die Morgenurinanalyse wird von einer intelligenten und sprechenden Toilette durchgeführt. Nach der Morgentoilette erhalte ich direkt detaillierte Informationen über meinen Gesundheits- und Fitnesszustand. Der Toilettendeckel sagt, mir geht es gut heute. Und mit dieser Diagnose fühle mich gleich tatsächlich besser. Sollte der Gesundheitscheck allerdings von der Norm abweichende Messdaten ermitteln, so steht rund um die Uhr ein Arzt zur Verfügung.

Der Mediziner ist allerdings ein intelligentes Computerprogramm. Ich kann jederzeit direkt mit ihm sprechen. Er wird einfach als Hologramm in meine Wohnung projiziert. Nur bei unerklärlichen Phänomenen muss ich noch den direkten Kontakt zu einem „echten“ Arzt aufnehmen. „Direkt“ heißt in diesem Fall per Videotelefon. Notfalls wird gleich eine Krankmeldung zu meinem Arbeitgeber geschickt und notwendige medizinische Hilfsmittel in der Online-Apotheke geordert. Meine Kleidung für die Arbeit hat der Haushaltsroboter, wir nennen ihn James, in der Nacht herausgesucht und bereit gelegt, dem Wetter und den Terminen angepasst.

Mein „SmartHome“ kümmert sich automatisch um die alltäglichen Pflichten eines Hausbesitzers, sei es die Versorgung mit Wasser und Energie, sei es, dass der Kühlschrank nicht leer oder der Rasen gemäht und der Garten gewässert wird. Ich brauche mich morgens um nichts zu kümmern. Einen PC braucht es dafür schon lange nicht mehr. Das ganze Haus ist ein Computer. In jedem Gegenstand, jeder Wand, jeder Tapete, in allem, was uns umgibt, befinden sich Mikrochips, die sowohl miteinander als auch mit der Außenwelt kommunizieren.

Meine Umgebung ist intelligenter und entschieden aufmerksamer als ich selbst. Der Raum bemerkt, wenn ich ihn betrete, und er sorgt dafür, dass an den richtigen Stellen das Licht angeht und eine vernünftige Temperatur herrscht. Und das Beste ist, meine Wohnung lernt wie ich lebe. Sie erfasst meine Live-Daten, kann Vorhersagen treffen und Informationen weitergeben, z.B. an Stromversorger, die in Echtzeit ihre Netze steuern, oder an den Pflegedienst, wenn der Senior, der mit im Haus lebt, verdächtig ruhig ist und auch die Kaffeemaschine gar nicht mehr anschaltet. Wobei der Pflegedienst wahrscheinlich schon längst alarmiert sein wird aufgrund der schlechten Vitaldaten, übertragen von den immer am oder im Körper getragenen Sensoren.

Auf den Küchentisch wird derweil ein Rezeptvorschlag für das Abendessen mit entsprechender Einkaufsliste projiziert verbunden mit der Frage, ob die entsprechenden Lebensmittel bestellt werden sollen, da einiges im Kühlschrank fehlt. Ich schaue mir den Wetterbericht an, der auf die Kleiderschranktür projiziert wird, und wenn ich auf die Wand über dem Küchentisch schaue, dann sehe ich die aktuellen Nachrichten des jungen Tages. Ein Smartphone habe ich schon lange nicht mehr, stattdessen lege ich das Datenarmband an, packe die Datenbrille ein und setze den Knopf ins Ohr. Ich bin im Internet. Alles in allem bin ich somit um ein Vielfaches leistungsstärker und schneller als die NASA im Jahr der Mondlandung 1969.

Nach einem kurzen Frühstück, zubereitet von zahllosen kleinen Helferrobotern, die wiederum James zur Hand gehen, ausgerichtet nach meinem Terminkalender, meinen Vorlieben, dem Inhalt des Kühlschranks und dem Ergebnis des Gesundheitschecks im Badezimmer, steige ich in mein Auto. Ich werfe einen Blick zurück, ich sehe die Hausfassade, die die Sonnenenergie in Strom umwandeln kann, und so den Energiebedarf meines SmartHome vollständig deckt. Meine Frau winkt zum Abschied. Sie muss nicht aus dem Haus, sie arbeitet im Internet von zuhause aus. Später will sie mit der Light Rail noch nach Nimwegen ins Museum fahren. Gestern war sie mit einer Freundin in Kleve Shoppen. Neben den üblichen aber notwendigen Filialisten ist sie immer wieder begeistert, mit welcher Kreativität die Einzelhändler sich gegen den Internethandel durchzusetzen versuchen. Shoppen ist mittlerweile eine Freizeitbeschäftigung und ein Event geworden, viele neue Geschäftsideen haben in der Einkaufszone ihre Nischen gefunden.

Im Nachbarhaus schaut Herr Janßen aus dem Fenster. Im letzten Jahr ist er zusammen mit einigen anderen befreundeten Senioren hier eingezogen, nachdem sie als Gemeinschaft das alte Einfamilienhaus zu einem seniorengerechten Mehrfamilienhaus haben erweitern und umbauen lassen. Vor einigen Jahren haben sie ihre Einfamilienhäuser am Rande von Reichswalde verkauft, um zentraler zu wohnen. Diese monotonen Einfamilienhausgebiete der Vergangenheit haben den Senioren keine Perspektiven mehr bieten können. Im aufgestockten Dachgeschoss ist eine studentische Wohngemeinschaft eingezogen. Mehrere Generationen unter einem Dach, und alle profitieren von der Situation. Insbesondere das Gemeinschaftsauto, das sich auch andere Nachbarn im Car-Sharing-Prinzip ausleihen können, wird begeistert angenommen.

Neulich hat mir mein Vater kopfschüttelnd erzählt, wie sehr sich doch die Nachbarschaft in den letzten Jahren verändert hat. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit sei die Straße, in der wir nun wohnen, eine sehr verrufene Gegend gewesen, aber immer mehr Menschen aus anderen Stadtteilen seien hinzugezogen, so dass immer hochwertigerer Wohnraum entstanden sei, der die alten Nachbarn über kurz oder lang verdrängt hätte.

Die intelligente Steuerung meines Autos begrüßt mich währenddessen und fragt mich nach der Zieladresse. „Dass du das immer noch fragen musst…“ antworte ich eher schlecht gelaunt. „Ziel unbekannt“ ist die wenig humorvolle Antwort, das könnte man doch auch mal anders programmieren. Doch kaum habe ich die Adresse genannt, fährt mich mein fahrender und elektrisch betriebener Untersatz selbstständig zu meinem Arbeitsplatz. Während der Fahrt informiert mich der intelligente digitale Assistent auf meinem mobilen Gerät über meine Aufgaben für den heutigen Tag und empfiehlt mir nebenbei, wo es günstige Angebote für die Einnahme des Mittagessens gibt.

Ich schließe die Augen und versuche noch ein bisschen zu schlafen, ich muss ja nicht auf den Verkehr achten. Ich schaue aus dem Fenster. Die Emmericher Straße ist mittlerweile, nachdem in den 2020ern endlich die Umgehungsstraße realisiert werden konnte, stark zurückgebaut worden und dient auch als Grünzug mit Aufenthaltsqualität. Es herrscht Ruhe, man sieht geöffnete Fenster, hinter denen die Menschen noch schlafen, dank Elektromobilität und Home-Office. Wo einst noch Ein- oder Zweifamilienhäuser gestanden haben, prägen nun Mehrfamilienhäuser das Straßenbild. In den Erdgeschosslagen finden sich kleine Läden, die sich aufgrund der stärkeren Bevölkerungsdichte hier etablieren konnten und Dinge des täglichen Bedarfs anbieten.

Eine Drohne fliegt über mich hinweg. Die Brief- und Paketzustellung findet schon seit einigen Jahren nachts und vor allem in weiten Teilen nicht mehr auf der Straße statt. 20 Minuten später, mein Auto parkt sich selbst in der Tiefgarage unter dem mittlerweile bebauten Minoritenplatz ein, während der digitale Assistent mir die aktuellen Sportnachrichten vorliest und einige Bankgeschäfte für mich erledigt. Beim Eingang ins Rathaus wird meine Zugangsberechtigung von mobilen Robotern kontrolliert, die optisch nur noch schwerlich von menschlichen Mitarbeitern zu unterscheiden sind.

Was ist wohl aus dem Kollegen von der Info geworden? Alle Daten zu meiner Person sind in einem Chip gespeichert, der sich in meinem Armband befindet. Ohne Kontrolle und Registrierung kommt schon seit vielen Jahren niemand mehr ins Rathaus. Ein Aufzug fährt mich automatisch zum Stockwerk meines Büros und wünscht mir einen erfolgreichen Arbeitstag. Ein Fahrstuhl, der meinen Namen kennt. Was weiß er wohl noch über mich? Ich gehöre zu denen, die noch ganztägig eine Arbeit verrichten dürfen, denn die Arbeitswelt zeigt sich stark verändert. Es gibt kaum noch jemand der nur „einen“ Job hat. Man muss flexibel sein. Vor allem wird viel Arbeit mittlerweile von zuhause aus erledigt. Videokonferenzen haben den direkten Kontakt abgelöst.

Kurz vor zehn Uhr kontaktiert mich meine Frau und informiert mich darüber, dass mein Vater seinen Pflegeroboter austauschen möchte. Der Pflegeroboter hilft meinem betagten, alleinstehenden Vater im Alltag, kauft für ihn ein, macht den Haushalt, fordert ihn mit intelligenten Diskussionen geistig heraus und führt ihn auf Spaziergängen. Aber es gab wohl eine Meinungsverschiedenheit in Bezug auf das Mittagessen. Meinem Vater geht es im Moment nicht so gut. Bald wird ihm ein elektronisch gesteuertes, aus Stammzellen gezüchtetes, Herz transplantiert. Zur raschen Genesung werden dann winzige Nano-Roboter in seinem Körper gezielt Medikamente abgeben oder selbstständig kleinere Eingriffe durchführen.

Sehr gut für meinen Vater, er hat dank der modernen Medizin noch viele Jahre vor sich. Die medizinischen Voraussetzungen sind erreicht, Menschen 150 Jahre alt werden zu lassen. Wissenschaftler sagen, wir sind möglicherweise eine der letzten Generationen, die überhaupt sterben muss. Unsere Enkelkinder könnten ewig leben. Zukunftsmusik…

Nach der Arbeit hole ich meine Tochter von der Schule ab. Montags und mittwochs ist Anwesenheitspflicht. Ansonsten können die Kinder auch zuhause oder privat in Kleingruppen lernen. Bei Bedarf wird ein Lehrer online hinzugezogen. Normalerweise fährt sie mit dem Segway zur Schule, aber heute wollte sie lieber von ihrem Vater abgeholt werden. Auf dem Weg dorthin komme ich an einer kleinen Grünanlage vorbei, die in grauer Vorzeit als Bahnfläche genutzt worden ist. Gedankenverloren schaue ich einer Gruppe von Gleichgesinnten zu, die dort gerade Tai Chi praktizieren.

Das Schulgebäude, dass vor einigen Jahrzehnten gebaut wurde, ist nun auch schon in die Jahre gekommen und durch die geringen Anwesenheitszeiten für die Schüler deutlich zu groß und deshalb bereits in Teilen anderweitig genutzt. Ein Plakat im Eingangsbereich weist auf eine Bürgerversammlung hin, die hier in der nächsten Woche stattfinden soll. Es geht um die Neugestaltung des Umfelds der Schule. Solche oder ähnliche Veranstaltungen kann man mittlerweile fast wöchentlich besuchen, um sich aktiv in die Entwicklung der Stadt Kleve einzubringen.

Meine Tochter fragt mich, ob wir nicht am Abend ins Kino wollen. Es sei Oldieabend, „Zurück in die Zukunft“ wäre eine Option. Ein analoger Film mit echten Schauspielern? Ich zögere, habe ich mich doch schon sehr stark an diese am Computer generierten Bilder (CGI) gewöhnt. An diese Filme mit animierten Charakteren, die sich nicht mehr von echten Schauspielern unterscheiden lassen. Daran, diese Filme im heimischen Wohnzimmer mit meiner Datenbrille, oder gleich als holographische Projektion in 360 Grad und 4D, anzuschauen. Und James serviert das kühle, selbstgebraute Bier. Da gehen wir doch lieber zu den Nachbarn, die haben mit Ihrer Wohngemeinschaft jetzt auf ihrem Hausdach einen Garten angelegt mit herrlichem Blick über die Stadt. Eine Künstlerin hat dort am Abend eine Kunstausstellung organisiert. Die ganze Nachbarschaft ist eingeladen.

Auf dem Weg nach Hause kaufe ich noch Lebensmittel ein. Einfach mal spontan sein und analog einkaufen, noch dazu direkt beim Erzeuger. Die bodenbasierte Landwirtschaft ist auf dem Rückzug. Ich fahre also an den Stadtrand, zu dem neuen 5-stöckigen Gewächshaus mit Selbstvermarktung in Kellen, wo einst der „Kaufland“ stand. Eine gute Idee, mehr Nahrungsmittel für weniger Geld gesünder und regional produziert und mit weniger Flächenverbrauch. Landwirtschaftliche Flächen können wieder der Natur überlassen werden. Analog einkaufen kann auch schön sein…

Zu Hause angekommen fällt es mir wieder ein, was habe ich gestern in den Nachrichten gehört? Die „Gegenbewegung“ hat zu einer Demonstration aufgerufen, so richtig analog auf der Straße. Nicht nur bei Facebook. Ja, das gibt es immer noch. Scheinbar ist nicht jeder von der neuen, digitalen Welt begeistert. Die „Gegenbewegung“ der Digitalkritiker, formiert sich. Sie wollen der weiteren Entwicklung von Robotern, smarten Geräten und digitalen Identitäten ein Gegenmodell zur Seite stellen. Nein, sie wollen die Entwicklung nicht aufhalten, dafür profitieren sie selbst zu sehr von der modernen Entwicklung, aber sie suchen nach gleichberechtigten Alternativen, diese verrückten Analogos…


Wohin am Wochenende? (14) Warum nicht mal in die Sporthalle und den VfL Merkur Kleve anfeuern?

rd | 07. April 2017, 16:19 | keine Kommentare
So sahen die Basketballer des VfL Merkur Kleve zu Saisonbeginn aus. Doch 17 Niederlagen haben ihre Spuren hinterlassen. Vor allem in der Seele. Ein Sieg am Samstagabend würde all diese Narben vergessen machen

So sahen die Basketballer des VfL Merkur Kleve zu Saisonbeginn aus. Doch 17 Niederlagen haben ihre Spuren hinterlassen. Vor allem in der Seele. Ein Sieg am Samstagabend würde all diese Narben vergessen machen

Wer immer sich den Terminplan der Basketball-Landesliga ausgedacht hat, hat damit ein Händchen fürs perfekte Drama bewiesen. Am letzten Spieltag der Saison treffen in der Sporthalle des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums der VfL Merkur Kleve und der TV Osterath aufeinander. Die Gastgeber stehen auf dem drittletzten Tabellenplatz, die Gäste auf dem vorletzten. Beide Mannschaften haben von den vorangegangenen 21 Spielen jeweils vier gewonnen und 17 verloren. Gewinnt Merkur, bleibt das Team auf dem drittletzten Tabellenplatz – und sichert sich damit den Klassenerhalt. Verliert Merkur, rutscht die Mannschaft auf den vorletzten Platz und steigt ab. Bessere Grundvoraussetzungen kann ein Drama nicht haben!

Für das Spiel, für das noch einige wenige Restkarten erhältlich sind, gelten erhöhte Sicherheitsbestimmungen. Zuschauer müssen Baseballschläger und Pfefferspraydosen am Eingang abgeben. Das gilt nicht für die Inhaber von Dauerkarten. Vor Spielbeginn stellt der Abiturjahrgang 2017 des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums die wichtigsten Basketballregeln pantomimisch dar. In der Halbzeitpause sorgen chilenische Panflötenspieler für authentisches Fußgängerzonenflair. Es werden Getränke ausgeschenkt (Glas Champagner: 18 €), zusätzlich verteilen Kommunionkinder während der Spielunterbrechungen kleine Bambusschalen voller Erdnussflips.

„Es ist das wichtigste Spiel meines… äh… Lebens“, sagt Trainer Ralf Daute. „Wir müssen 100 % Leistung zeigen, vielleicht sogar noch 10 oder 20 % mehr, oder heißt das dann Prozentpunkte?“ Glücklich ist er, dass fast alle Spieler „an Bord“ sind, obwohl gar keine Schiffsreise ansteht. „Das ist nur so eine Redewendung“, erklärt der wortgewandte Motivator.

Gerne gewährt der Coach auch einen Einblick in seine Taktik: Viel hänge im Spielverlauf davon ab, ob seine Spieler „den Korb treffen“. Der Korb, so nennen die Basketballer einen in 3,05 m Höhe montierten Metallring mit einem Durchmesser von 45 cm. Ziel des Spiels ist es, den Ball, der einen Durchmesser von rund 24,5 cm hat, mithilfe verschiedener Wurftechniken durch diesen Ring zu befördern (von oben nach unten). Wenn der Ball zentral trifft, sind bis zum Metallring zu allen Seiten hin gut 10 cm Abstand. „Das ist mehr als ich gedacht habe“, so Trainer Ralf Daute erstaunt.

Das Hinspiel gewann der VfL Merkur Kleve 105:77. Allerdings hat sich das Team aus Osterath danach noch verstärken können. Spielbeginn: Samstag, 18:15 Uhr.