FKK van Goch: Schlägerei mit Folgen

rd | 23. Oktober 2017, 11:23 | keine Kommentare
Die Tage werden kürzer: Screenshot der Website des Saunaclubs FKK van Goch

Die Tage werden kürzer: Screenshot der Website des Saunaclubs FKK van Goch

Weil sie einen Randalierer verprügelten, verurteilte das Amtsgericht Kleve zwei Angestellte und die Betreiberin des Saunaclubs – muss jetzt die Konzession entzogen werden?

Der Saunaclub FKK van Goch wirbt damit, auf „ca. 3500 qm Entspannung und Erotik pur“ zu bieten. Das weitläufige Areal an der Benzstraße sei „die absolute Top-Adresse für den Herrn mit Stil und Klasse“. Der Club habe „Maßstäbe gesetzt“ und sei sogar mit einem „Qualitätssiegel“ ausgezeichnet worden.

Die Vorgänge, die am Freitag vor dem Klever Amtsgericht verhandelt wurden, passen allerdings so gar nicht in dieses exklusive Bild eines niveauvollen Etablissements, das sich der Triebbefriedigung verschrieben hat.

Angeklagt waren die Betreiberin Ulla O. (56), die sich im Privatfernsehen als „Bordell-Testerin“ einen gewissen Ruf erarbeitet hat, sowie der Koch Klaus K. (61) und das für die Sicherheit zuständige Muskelpaket Marco P. (42). Der Vorwurf: schwere Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

Gleich zwei Staatsanwälte erschienen im Schöffengerichtssaal der Schwanenburg: Neben dem Juristen, der sich mit den Handgreiflichkeiten beschäftigte, auch Hendrik Timmer, der in einem anderen Verfahren wegen Steuervergehen gegen die Betreiber ermittelt und der erst vor vier Wochen bei einer Razzia kistenweise Wertgegenstände aus dem Bordell beschlagnahmen ließ.

Das Geschehen, über das Richter Bernhard Reekers jetzt zu urteilen hatte, war allerdings weit profaner als die üblicherweise langwierigen und diffizilen Steuerermittlungen – gleichwohl kann ausgerechnet diese Schlägerei vom 28. Februar des vergangenen Jahres dazu führen, dass dem Gewerbe in der Benzstraße der Boden unter den Füßen weggezogen wird.

Was aber war geschehen?

An dem fraglichen Sonntagnachmittag erschien Chemiearbeiter Sebastian W., damals 32 Jahre alt, im Eingangsbereich des Clubs und verlangte, seine dort arbeitende Freundin zu sprechen. Vor Gericht sagte er, er habe tags zuvor „Stress“ mit ihr gehabt, den er zu klären gedachte. Also habe er eine Flasche Wodka getrunken und sich per Taxi in das sechzig Kilometer von seinem Wohnort entfernte Bordell chauffieren lassen. Zur Sicherheit steckte er sich noch einen Teleskop-Totschläger in die Hosentasche.

Das klärende Gespräch kam nicht zu Stande, stattdessen sorgten zunächst der herbeigerufene Koch und dann der Türsteher dafür, dass die Situation nicht eskalierte und der Mann mehr oder minder sanft wieder nach draußen befördert wurde.

An der frischen Luft krakeelte der Mann, sicherlich kein Vertreter der Kategorie „mit Stil und Klasse“, weiter. Das führte dazu, dass auch die beiden Mitarbeiter sowie später die Chefin und deren Mann (gegen ihn läuft ein gesondertes Verfahren) vor die Tür traten und für Ruhe sorgten. Wie genau dies geschah, blieb etwas diffus.

Am wahrscheinlichsten erschien es, dass der Mann der Bordellbetreiberin dem Opfer mit einem Baseballschläger auf die Beine schlug, das Muskelpaket und der Koch sich auf ihn warfen und noch ein bisschen hinterher schlugen, und schließlich die Betreiberin Pfefferspray einsetzte und half, den am Boden liegenden Chemiearbeiter mit Kabelbinder zu fixieren, bis die Polizei eintraf.

Der Staatsanwalt wertete das robuste Vorgehen als gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung, die drei Angeklagten hingegen erschienen ob der Vorwürfe geradezu fassungslos. „Ich bin Koch von Beruf – und kein Schläger“, sagte K., der zudem wortreich auf eine schwere Erkrankung hinwies, die seine Lebenserwartung stark einschränke. „Ich finde es eine Dreistigkeit, mir so was vorzuhalten. Ich habe einen Blutdruck von 200.“ Dann musste die Verhandlung unterbrochen werden, damit der Angeklagte seinen Blutzuckerwert messen konnte.

Für Marco P., den Sicherheitsmitarbeiter, stellte sich die Situation als eine „kleine Rangelei“ dar – „er mit dem Totschläger, ich mit der Stabtaschenlampe“. Das Gericht allerdings wertete nach der Vernehmung einiger Zeugen die „kleine Rangelei“ als Körperverletzung und verurteilte alle drei wegen Körperverletzung, blieb bei dem Strafmaß allerdings unter den Anträgen der Ankläger.

Der Türsteher erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, der Koch eine von neun Monaten, die beide zur Bewährung ausgesetzt wurden. Ulla O., die sich selbst vor Gericht nur als „kaufmännische Angestellte“ des Betriebs bezeichnete und ihr Monatsgehalt mit 1235 Euro bezifferte (beides nahm ihr das Gericht allerdings nicht ab), wurde zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 100 Euro verurteilt.

Das könnte die Unternehmerin angesichts ihres über lange Jahre boomenden Betriebs verschmerzen. Erst vor drei Jahren hatte die Unternehmerin die Triebfläche des FKK van Goch mehr als verdoppelt, nachdem sie die angrenzende Immobilie des Gocher CDU-Politikers Josef Thonnet erworben hatte.

Allerdings könnte die Verurteilung das Ende ihrer Karriere als Bordellwirtin bedeuten: Das Prostituiertenschutzgesetz verlangt von Bordellbetreibern „Zuverlässigkeit“ – und die ist laut Gesetz nicht gegeben, wenn eine Verurteilung wegen Körperverletzung vorliegt.



Sparkasse Rhein-Maas stellt Geschäftsbetrieb ein

rd | 19. Oktober 2017, 14:41 | 37 Kommentare
Dominantes Rot, wie die sprichwörtlichen Zahlen: der Neubau der Sparkassen-Hauptstelle inmitten von Caldenhoven (Autoteile) und S-Drive (Autolizenzen)

Das SB-Center der Sparkasse am EOC bleibt – die Automaten in Bedburg-Hau, Nütterden, Wissel und in Kleve an der Lindenallee verschwinden

Historische Unmutsäußerung

Schon als die Sparkasse vor zwei Jahren in Rundern ihre Filiale schloss, erklärte Chef von Zoggel den aufgebrachten Bürgern, künftig könne man auch im Supermarkt Geld abheben

Landrat Wolfgang Spreen: „Ich glaube, dass es sich um ein Missverständnis handelt.“

Historische Fusion, im Spiegelturm der Schwanenburg verkündet. Im Zuge technischer Zusammenlegungen wird der Geschäftsbetrieb vom 20.-22. Oktober eingestellt

Wenn ich bei Netto an der Linde Pudding einkaufe, habe ich aufgrund der langen Schlangen reichlich Zeit zu mikroökonomischen Kontemplationen. Eine Beobachtung, die ich in letzter Zeit immer häufiger mache, ist die, dass die Kunden sich von ihrer Bankkarte direkt an der Ladenkasse Geld auszahlen lassen.

Wenn aber Netto im Grunde bereits die Bank ist, wozu dann noch eine Sparkasse?

Die gleichen Überlegungen macht man sich offenbar in der Führungsetage der Sparkasse Rhein-Maas, die gestern einen bemerkenswerten Rückzug aus der Fläche verkündete. Sieben Geldautomaten – im Jargon der Banker „SB-Stellen“ – werden mit Jahresbeginn 2018 geschlossen, davon vier im linksrheinischen Bereich: die Standorte Bedburg-Hau (Baumannshof), Kalkar (Wissel), Kleve (Lindenallee) und Kranenburg (Nütterden). Grob zugespitzt könnte man sagen: Was die moldawischen Spezialkommandos in nächtlicher Akkordarbeit nicht hinbekommen haben, erledigt die Bank jetzt selbst.

Rudi van Zoggel, Chef der Sparkasse Rhein-Maas, schlug in einem Gespräch mit der Rheinischen Post die bemerkenswerte Volte, die Schließungen als einen Zugewinn an Kundenfreundlichkeit zu verkaufen: „Aus unserer Sicht wird unser Service besser – nur an weniger Standorten.“

Vermutlich ist der Schritt wirtschaftlich zwingend nötig, was aber unter Anwendung von Volkshochschulwissen aus dem Bereich der Betriebswirtschaftslehre zu einer betrüblichen Erkenntnis führt: Früher lernte man, dass man die Menschen am besten rausschmeißt, wenn es Maschinen gibt, die die gleiche Arbeit ausführen können. Maschinen werden nie müde, machen keinen Urlaub und gründen keine Gewerkschaften. Bei der Sparkasse ist es nun aber offenbar soweit, dass selbst die Maschinen zu teuer sind. Das sind keine guten Nachrichten. (Von dem ursprünglichen Geschäftsmodell, das Geld etwas teurer zu verleihen als Guthaben zu verzinsen, redet in der Branche offenbar schon lange keiner mehr.)

Insofern ist es vielleicht auch ein Vorbote einer düsteren Zukunft, das die Sparkasse Rhein-Maas im Zuge der so genannten „technischen Fusion“ vom 20. bis zum 22. Oktober den Geschäftsbetrieb nahezu vollständig einstellt. Die Kunden wurden per Flyer informiert, dass es während dieser Zeit „teilweise zu Einschränkungen aller gewohnten technischen Anwendungen (Geldautomat, SB-Terminal, Bezahlterminal im Handel, etc.)“ kommt. Weiter heißt es: „Insbesondere die Einzahlungsfunktion an den Geldautomaten ist nicht gegeben. Sie müssen in dieser Zeit damit rechnen, dass Sie Ihre Sparkassen-Card im In- und Ausland nicht zum Geld abheben oder Einkaufen verwenden können.“ Auch das Online-Banking stehe nicht zur Verfügung.



Kazmierczak: Zu viel Minoritenplatz, in diesem Jahr kein Rückblick von oben herab!

rd | 19. Oktober 2017, 14:09 | 1 Kommentar
Korrespondent und Kabarettist: L. Kazmierczak, am Turm angelehnt

Mach‘ mal Pause: L. Kazmierczak, in Anlehnung an seine Wirkungsstätte

Sein satirischer Jahresrückblick war eine feste Größe im Klever Kulturleben, und die Stadt, in der er lebt, ein nie versiegender Quell für den Blick in menschliche Abgründe. Ludger Kazmierczak war 2013 mit vier Vorstellungen mit dem Titel „Von oben herab“ gestartet. 2017 war das Programm wegen des großen Erfolges bereits auf 18 Vorstellungen erweitertet worden. Doch in diesem Jahr macht Kazmierczak, hauptberuflich WDR-Korrespondent aus Kleve und für die Niederlande, einmal Pause mit seinem kabarettistischen Lokalprogramm – zum ersten Mal seit nunmehr fünf Jahren heißt es um die Jahreswende am Aussichtsturm nicht mehr „Von oben herab“!

Der Grund: Die immer neuen Kapriolen um die ewig gleichen Themen in der Stadt haben in dem Journalisten das Gefühl aufkeimen lassen, sich womöglich zu wiederholen und das äußerst erfolgreiche Modell Jahresrückblick tot zu reiten. Kazmierczak zu kleveblog: „Jedes Jahr ein satirischer Rückblick auf Rathaus, Minoritenplatz und die üblichen Klever Verdächtigen, kann das Publikum meiner Ansicht nach auch ermüden. Eine Pause kann sicher nicht schaden.“

Was aber nicht heißt, dass man ganz auf Kazmierczak auf der Bühne verzichten muss: Der Klever gastiert mittlerweile auf vielen Bühnen im Rheinland, wobei er, wie man so schön sagt, insbesondere unsere netten Nachbarn „aufs Korn nimmt“. Beispielsweise gastiert er am Freitagabend vor über 500 Zuschauern im Kalkarer Schulzentrum. Außerdem tritt er beim WDR-Kabarettfestival in Bocholt auf, beim Issumer Kleinkunstabend sowie in Goch-Kessel im Rahmen der Reihe „Hart an der Grenze“.

Ob es 2018 wieder im Aussichtsturm zur Sache geht, steht jetzt noch nicht fest. Kazmierczak: „Ich kann mir gut vorstellen, dass es im kommenden Jahr wieder einen Jahresrückblick geben wird. Das werde ich aber erst gegen Ende des Sommers/Anfang Herbst entscheiden. Mal abwarten, was Kleve 2018 so alles bringt.“

So gesehen, stehen die Chancen gut.


Wiesenstraße: Ich spüre schon… es wirkt

rd | 19. Oktober 2017, 13:49 | 3 Kommentare
Deutlich erkennbar: Baufortschritt

Deutlich erkennbar: Baufortschritt

Wenn man trotz 1a-Gute-Laune-Wetters auf dem Weg vom heimischen Schreibtisch zum Eiscafé Cortina an der Hoffmannallee dreimal von Autofahrern beinahe über den Haufen gefahren wird, ist das vielleicht ein Muster. Die Klever Autofahrer sind mit den Nerven am Ende. Aber am Ende dieses neuronalen Tunnels scheint ein kleines Licht: Die Baustelle an der Wiesenstraße macht große Fortschritte, die Verbreiterung der Straße ist schon deutlich erkennbar. Womöglich kann zumindest die prognostizierte Bauzeit (drei Wochen, davon sind knapp zwei um) eingehalten werden. Ein Traum!


Asterix und der Kleefse Jong

rd | 18. Oktober 2017, 10:37 | 2 Kommentare
Klaus Jöken am Computer: „Die Sprache einer Asterix-Geschichte muss zeitlos sein. Ein Leser soll den Text auch in 40 Jahren noch zur Hand nehmen und darüber lachen, ohne dass ihm etwas altertümlich vorkommt“ (Foto: privat)

Klaus Jöken am Computer: „Die Sprache einer Asterix-Geschichte muss zeitlos sein. Ein Leser soll den Text auch in 40 Jahren noch zur Hand nehmen und darüber lachen, ohne dass ihm etwas altertümlich vorkommt“ (Foto: privat)

Selten hat eine Geschichte im Stadtmagazin Der KLEVER so viel Echo in den Medien hervorgerufen wie die von Klaus Jöken, dem aus Kleve stammenden Mann, der seit 13 Jahren für die Übertragung der Asterix-Comics ins Deutsche verantwortlich ist. Selbst die Welt am Sonntag veröffentlichte eine Geschichte, und heute ist Klaus Jöken in Kleve beim WDR an der Hoffmannallee, ein Termin, zu dem sich auch die Rheinische Post angesagt hat. Da sollen die geneigten Leser unseres kleinen Internetangebots natürlich nicht hintanstehen – hier also (in behutsam gekürzter Version) die schöne Geschichte von Rolf Langenhuisen aus dem Magazin:

Asterix und der Kleefse Jong

Morgen erscheint – in mehr als 20 Sprachen gleichzeitig und mit einer Startauflage von vier Millionen Exemplaren – ein neues Abenteuer des gallischen Helden Asterix. Titel: „Asterix in Italien“. Den Text hat ein Übersetzer aus Kleve geschrieben: Klaus Jöken (58) ist seit 2004 für die Übertragung der weltbekannten Bildergeschichten ins Deutsche verantwortlich. Niemand kennt Majestix, Obelix und die anderen unbeugsamen Gallier so gut wie der Kleefse Jong, der 1978 am Konrad-Adenauer-Gymnasium Abitur gemacht hat. Beim Teutates!

Wie ihn die Liebe nach Frankreich lockte

Aufgewachsen ist Klaus Jöken in der Spyckstraße in Kleve, wo sein Vater mit Heizöl und Schmieröl handelte. Nach dem Abi (Leistungsfächer: Biologie und Geschichte) hat er in Köln Geschichte studiert. Dass er einmal als Übersetzer in Frankreich landen würde, hätte er sich nicht träumen lassen. „Ich hatte noch nicht mal Französisch auf dem Gymnasium“, erzählt er.

Aber dann, im Urlaub 1982, traf er in Kopenhagen auf Mademoiselle Annick. Es war Liebe auf den ersten Blick. Annick, anderthalb Jahre älter als er, sprach perfekt Deutsch und arbeitete als junge Lehrerin im Zentralmassiv. „Ich hab sie besucht, immer wieder, und bin 1988 geblieben“, sagt ihr Ehemann. Die französische Sprache hat er sich selbst beigebracht – mit der Unterstützung von Annick und mit Hilfe von Comics.

Klaus Jöken vor dem Maison Thierry de Clèves, einem schmucken Fachwerkhaus in seiner Wahlheimat Moulins (Foto: privat)

Klaus Jöken vor dem Maison Thierry de Clèves, einem schmucken Fachwerkhaus in seiner Wahlheimat Moulins (Foto: privat)

Warum er Übersetzer wurde

„Ich saß in der Abgeschiedenheit des Zentralmassivs und musste mir eine Arbeit suchen“, erzählt der Niederrheiner. Er bot einem Kölner Spezialbuchladen an, französische Comics ins Deutsche zu übersetzen. „Tatsächlich wurde ein Band gedruckt. Mit dem in der Hand habe ich mich dann auf Comic-Messen bei anderen Verlagen beworben“, berichtet Jöken: „Ich bin klein angefangen und habe mich Stück für Stück hochgearbeitet.“

Längst gilt Klaus Jöken, der in der Stadt Moulins in der Auvergne lebt, als Spezialist für franko-belgische Bildergeschichten. Rund 450 Comics hat er übersetzt, darunter die Erlebnisse des Militärpiloten „Buck Danny“, des hinterlistigen Großwesirs „Isnogud“ oder des hilfsbereiten Kobolds „Bizu“. Seit 1995 ist der Mann aus Kleve zudem für die deutsche Version von „Lucky Luke“ zuständig. Der einsame Cowboy, der im Wilden Westen für Recht und Ordnung sorgt, kam 1946 durch den belgischen Zeichner Morris in die Welt – ein Klassiker, von dem allein in Deutschland mehr als 30 Millionen Alben verkauft wurden.

Wie er mit den Sprechblasen kämpft

„Natürlich muss man selbst gerne Comics lesen, um sie gut zu übersetzen“, erzählt Klaus Jöken dem kleveblog. Der Klever liebt die Comic-Kultur in Frankreich, wo die Bildergeschichten als Kunstgattung anerkannt sind: „Ich bin auf französische Comics gepolt. Am liebsten lese ich Fantasy-Geschichten wie ‚Troll von Troy‘ und solche Sachen.“

Die Wechselwirkung von Bild und Sprache fordert einen Autor besonders heraus, weil der Text mit den Zeichnungen eine Einheit bilden muss. „Beim Comic habe ich es vor allem mit Dialogen zu tun“, erklärt Klaus Jöken. Diese dürfe er nicht Wort für Wort übersetzen, sondern er müsse fragen: Was würde ein Deutscher jetzt sagen? Dass deutsche Worte länger sind als französische, kommt erschwerend hinzu. „Eine Übersetzung aus dem Französischen ergibt 20 Prozent mehr Text“, so Jöken. Bei einem Roman kein Problem: „Aber beim Comic muss der Text immer in die gezeichnete Sprechblase passen.“

Worauf es bei Asterix ankommt

Als der Comic-Konzern Egmont Ehapa 2004 einen neuen Übersetzer für die Asterix-Reihe suchte, setzte sich Jöken gegen mehrere Bewerber durch. Mit Band 33 („Gallien in Gefahr“) betrat der Mann aus Germanien 2005 das kleine, von vier römischen Lagern umzingelte Dorf. Der zuletzt erschienene Band Nr. 36 („Der Papyrus des Cäsar“) fand 2015 bei Lesern und Kritikern hohes Lob – besonders auch die Arbeit von Klaus Jöken, seine Ideen und sein Humor.

Asterix darf man nicht übersetzen, man muss ihn adaptieren – so lautet die Philosophie des Klever Comic-Experten. Die Texte des Originals stecken voller Verweise und Wortspiele, die sich nicht direkt übertragen lassen. Denn Personen, Kunstwerke oder Lieder, die in Frankreich jedem Kind ein Begriff sind, kennt in Deutschland mitunter kein Mensch. Hier Entsprechungen zu finden, ist die eigentliche Leistung. „In Asterix wimmelt es von Gags, die aber meistens in einer anderen Sprache nicht lustig sind oder keinen Sinn ergeben“, erläutert Jöken: „Deshalb muss ich sie durch andere Gags ersetzen. Die Autoren vertrauen mir, geben mir alle Freiheiten.“ Als einen spaßigen Job empfindet er das nicht: „Ein Witz kann harte Anstrengung sein. Es kommt vor, dass ich zwei Tage lang über einen Satz grüble.“

Was eine gute Übersetzung ausmacht

„Ich lege die Asterix-Abenteuer so an, dass ein Achtjähriger die Geschichte liest und darüber lacht. Dass er mit 18 das Heft noch einmal in die Hand nimmt, neue Details erkennt und Spaß daran hat“, erklärt der Fachmann, „und dass auch der 60jährige Professor versteckte Anspielungen findet, die ihn amüsieren.“ Der gleiche Text muss unterschiedlichste Zielgruppen gut unterhalten. Für den Übersetzer ein echter Spagat.

Klaus Jöken weiß, was eine gute Geschichte ausmacht. „Natürlich würde es mich reizen, selbst zu schreiben. Aber bislang hatte ich dafür keine Zeit“, überlegt er. Lieber noch als einen Roman würde er ein Sachbuch über Asterix verfassen – über Autoren und Hintergründe, kulturelle Zusammenhänge und die Charaktere des Comics. „Ein solches Buch nehme ich mir für meinen Ruhestand vor.“ Den Barden Troubadix übrigens nennt Jöken als seine Lieblingsfigur. „Er ist ein Intellektueller. Ein Künstler, der stets scheitert, es aber dennoch immer wieder versucht. Diese Einstellung gefällt mir: Man muss an sich glauben – egal, was die anderen sagen.“

Warum ein neuer Band ein „Geheimnis“ ist

„Bei einer 40-Stunden-Woche würde ich für einen neuen Asterix-Band vier Monate brauchen, um ihn stressfrei zu übersetzen“, erzählt Klaus Jöken. Tatsächlich steht ihm nur die Hälfte der Zeit zur Verfügung: zwei Monate, in denen er sich im heimischen Arbeitszimmer abkapselt. Mit Wörterbüchern, lateinischen Zitate-Sammlungen und einem Stapel eigener Unterlagen taucht er in das Asterix-Universum ein. „Manchmal arbeite ich drei Tage durch und schlafe dann 14 Stunden am Stück. Mitunter stellt meine Frau abends um sechs ein Frühstück für mich bereit.“

Selbst seiner Familie – Sohn Adrian ist 19 und Ingenieursstudent – darf der Texter über den Inhalt der Neuerscheinung nichts erzählen. Zeichnungen und Notizen dürfen das Büro nicht verlassen. Und: Der Übersetzer muss an einem Computer ohne Internet-Zugang schreiben („Damit keiner mich anzapfen und ich nichts verschicken kann…“). Die Vorschriften zur Vertraulichkeit sind von Jahr zu Jahr strenger geworden. „Der Verlag will sich so gegen unautorisierte Veröffentlichungen schützen“, erklärt Klaus Jöken. Der wirtschaftliche Schaden nämlich wäre immens. Asterix ist der größte belletristische Exporterfolg der Grande Nation: Weltweit wurden bislang 350 Millionen Bände verkauft, davon 138 Millionen in Frankreich und 126 Millionen in Deutschland. In Deutschland geht „Asterix in Italien“ morgen mit knapp zwei Millionen Exemplaren an den Start.

Wovor sich der Germane fürchtet

Rund um die Frankfurter Buchmesse absolviert Jöken derzeit PR-Termine und Interviews, um die Asterix-Neuerscheinung zu promoten. Er registriert mit Freude, dass die Wertschätzung für die Leistung der Übersetzer gewachsen ist. „Unser Verband setzt sich zu Recht dafür ein, dass auch der Name des Übersetzers auf einem Titel genannt wird“, meint er: „Wer ein Buch kauft, kauft ja nicht nur den Autor, sondern auch den Übersetzer.“ Jöken selbst übersetzt nicht nur Comics, sondern auch Romane, Sachbücher und Biographien ins Deutsche.

Die Abenteuer des pfiffigen Galliers sind bislang in 110 Sprachen und Dialekte übersetzt worden. Es gibt den Comic auf Hessisch („Asterix un de Zottelbock“), Moselfränkisch („Em Cäsar saa Kränzie“) oder Kölsch („Asterix un dat Cleo“), nur nicht auf Kleefs Platt. Klaus Jöken hat bereits einen Vorstoß unternommen, aber der Verlag winkte ab: Die potenzielle Käuferzahl sei zu klein. Aber: Das Projekt eines Klever Mundart-Asterix hat Jöken ebenfalls für die Zeit des Ruhestands auf Wiedervorlage gelegt.

Ideen und Pläne eines Kreativen. Eigentlich fürchtet Klaus Jöken nur eins: Dass ihm der Himmel auf den Kopf fallen könnte! Doch wie er selbst sagt: „Es ist noch nicht aller Tage Abend.“


Manchmal muss süß mit 3 Ü geschrieben werden

rd | 18. Oktober 2017, 10:22 | 1 Kommentar
Ein Kalbtraum, am Drususdeich

Ein Kalbtraum, am Drususdeich

Ganz die Mutter!

Ganz die Mutter!

Niederrheinstier (19.10. 20:38):

Mmuuuuh, mmuuuuuuuh, mmuuuuuhhh!!!

...


Letztes Frühstück

rd | 15. Oktober 2017, 14:51 | keine Kommentare
Honigkomplex

Honigkomplex


Goldener Tagesanbruch

rd | 15. Oktober 2017, 14:35 | 1 Kommentar
Schon heute an morgen denken: Bäume bei Burg Ranzow im Licht der aufgehenden Sonne (Foto: Thorsten Rintelen)

Schon heute an morgen denken: Bäume bei Burg Ranzow im Licht der aufgehenden Sonne (Foto: Thorsten Rintelen)


Runder Tisch des Klever Handels: Eine „Vollkatastrophe“ hinter sich lassen, Liebe und Visionen suchen

rd | 12. Oktober 2017, 16:30 | 68 Kommentare
Blick in Richtung Zukunft: der Klever Einzelhandel

Blick in Richtung Zukunft: der Klever Einzelhandel

Sammelte Ideen und Visionen: Kaufhof-Geschäftsführerin Astrid Vogell

Sammelte Ideen und Visionen: Kaufhof-Geschäftsführerin Astrid Vogell

Michael Kotters: „Man sollte auch mal über die Grenze schauen“

Michael Kotters: „Man sollte auch mal über die Grenze schauen“

Engagierte Diskussion – von Weihnachtsmarkt bis Parkplatzsituation

Engagierte Diskussion – von Weihnachtsmarkt bis Parkplatzsituation

Sigrun Hintzen (Buchhandlung Hintzen): „Zusammen an den Hausaufgaben arbeiten“

Sigrun Hintzen (Buchhandlung Hintzen): „Zusammen an den Hausaufgaben arbeiten“

Saturn-Geschäftsführer Max Ingo Festing: „Wir müssen uns committen“

Saturn-Geschäftsführer Max Ingo Festing: „Wir müssen uns committen“

KCN-Vorstand Christoph Dammers: „Wir sind angetreten, Kleve als Marke zu entwickeln“

KCN-Vorstand Christoph Dammers: „Wir sind angetreten, Kleve als Marke zu entwickeln“

Bäcker Walther Heicks: „Die Stadt muss den Hut aufhaben“

Bäcker Walther Heicks: „Die Stadt muss den Hut aufhaben“

Wirtschaftsförderer Dr. Joachim Rasch: Welche Rolle spielt die Stadt?

Wirtschaftsförderer Dr. Joachim Rasch: Welche Rolle spielt die Stadt?

Die Atmosphäre mutete ein wenig an wie auf den Fluren des Familiengerichts, wenn Ehepartner auf den Scheidungstermin warten, und, kurz bevor ihre Sache aufgerufen wird, nach langer Zerrüttung feststellen, dass sie eigentlich doch ganz vernünftig miteinander reden können. So war es, als das Klever City Netzwerk (KCN) nach Jahren der Agonie die Händler zu einem Runden Tisch ins Restaurant Schwanenstuben in die Stadthalle geladen hatte. Knapp 50 Geschäftsleute kamen, so viel wie seit Jahren nicht mehr, sie diskutierten so engagiert wie seit Jahren nicht mehr, und sie mussten sich dennoch anhören, dass der aktuelle Vorstand gewillt ist, das KCN zu Grabe zu tragen.

Warum, das erläuterte Intersport-Geschäftsführer Christoph Dammers, Sprecher des fünfköpfigen KCN-Vorstands, zu Beginn und zum Abschluss der Veranstaltung. „Unser Verein ist zu schwach – an Mitgliedern, Beiträgen und Engagement“, sagte er. Derzeit lebe der Verein von den Reserven, und allein für die Veranstaltung der verkaufsoffenen Sonntage seien aufgrund der neuen Rechtslage so viele Mittel nötig, „die der Verein schlichtweg nicht hat“.

Am Ende des Abends fiel die Wortwahl noch etwas drastischer aus. „Wir wollen weitermachen, das steht fest. Wir wollen Kleve als Marke entwickeln, damit sind wir angetreten. Mit dem Klever City Netzwerk geht das nicht. Die Motivation ist, etwas Neues entstehen zu lassen. Der aktuelle Zustand des KCN ist von vorne bis hinten eine Vollkatastrophe.“ 100 Mitglieder hat der Verein, die Arbeit wird im wesentlichen von einer guten Handvoll Frauen und Männern erledigt.

Doch das Verblüffende an diesem Abend war nicht die Rahmenhandlung des offenbar unvermeidlichen Untergangs, sondern die Aufbruchstimmung in den zwei Stunden dazwischen. Behutsam moderiert von Astrid Vogell, Geschäftsführerin des Kaufhofs, und im Beisein von Dr. Joachim Rasch, Geschäftsführer der neuen städtischen Gesellschaft WTM (Wirtschaftsförderung, Tourismus, Marketing), entwickelten die Kaufleute eine Fülle von Ideen, wo der Hebel angesetzt werden muss, um Kleve als Einkaufsstadt attraktiv zu halten.

Den Auftakt machte Sigrun Hintzen (Buchhandlung Hintzen), die aus der Haushaltssatzung der Stadt zitierte. Darin heißt es, dass die Stadt die regionale und überregionale Entwicklung von Kleve als Einkaufsstadt fördere. Hintzen folgerte daraus: „Das [Kleve] Marketing hat den Hut auf, und wir Händler beraten. Das sollte die Grundlage sein.“

Sollte? Das Verhältnis zwischen Handel und Stadt ist schwierig, das wurde schnell klar, insbesondere wenn von Geschäftsleuten wie Lothar Quartier, die in mehreren Städten aktiv sind, der Vergleich mit anderen Kommunen gezogen wurde („In Goch wird nicht lange geredet, da wird einfach gehandelt“ – „In Kevelaer wurde ein Ratsbeschluss innerhalb von zwei Wochen geändert, nachdem Händler eine geplante Pflasterung kritisiert hatten“).

In der Diskussion wurde die unübersichtliche Parkplatzsituation in Kleve bemängelt, dann die späte Ankündigung von Baustellen und natürlich poppte auch der Klassiker vom Weihnachtsmarkt auf. Barbara Pauls (GastHaus) forderte einen Weihnachtsmarkt in der Innenstadt. Ein Händler sagte, er habe den Eindruck gewonnen, dass „die Klever ihre Stadt nicht mögen“. Und Jürgen Vrede (Modehaus Vrede) forderte: „Wir müssen unsere Stadt lieben.“ Max Ingo Festing, Geschäftsführer des Saturn-Marktes in der Neuen Mitte, wollte wissen, wie genau die Stadt sich vermarktet: „Wo promotet das Stadtmarketing die Stadt, was geschieht da konkret?“ Der so angesprochene WTM-Geschäftsführer Rasch sagte erst einmal nichts, verwies aber später auf eine Präsentation, in der Einzelheiten stünden.

Die Stadt lebe nicht vom Handel allein, hieß es. Insbesondere vor dem Hintergrund des digitalen Wandels – in den Niederlanden liege der Anteil des elektronischen Handels bereits bei vierzig Prozent – gehe es darum, eine kontinuierliche Urbanität in Kleve zu erreichen. Sigrun Hintzen: „Wir müssen größer denken als nur an vier Sonntagen im Jahr 10.000 Leute in die Stadt zu holen.“ Auch Hendrik Scholten (Marien-Apotheke) forderte angesichts immer größer werdender Herausforderungen „neue Gedanken“.

Die Frage, die an diesem Abend nicht beantwortet werden konnte, war, inwieweit die Stadt sich da tatsächlich in die Pflicht nehmen lässt. Astrid Vogell hatte beispielsweise aus einigen Gesprächen den Eindruck mitgenommen, dass in der Verwaltung die Ansicht herrsche, Kleve sei nicht so wie die anderen Städte. Kleve, eine Insel der Seligen? Unbehelligt vom digitalen Wandel? Wohl kaum.

Zweites großes Thema des spannenden Abends war die Frage, wie die Geschäftsleute sich zukünftig selbst organisieren möchten, sobald das KCN zu Grabe getragen worden ist. Die Absicht, den Verein zum Jahresende aufzulösen, schien zementiert. Eine Anregung war, die Straßengemeinschaften wiederzubeleben und daraus wie früher eine Art Präsidium („Vereinigte Klever Straßengemeinschaften“) zu bilden. Max Ingo Festing schlug eine grundsätzlich andere Richtung vor: „Ein Verein ist nicht mehr zeitgemäß. Ich sehe eine GmbH oder eine andere Gesellschaftsform, mit der wir der Stadtverwaltung auf Augenhöhe gegenübertreten können.“ Das stieß nicht auf ungeteilte Zustimmung: „Jeder Euro sollte in den Zweck fließen“, so Sigrun Hintzen. Anke Haun, die Vertreterin des City-Managements, brachte noch eine Interessen- und Standort-Gemeinschaft ins Spiel, bei der auch die Immobilienbesitzer einbezogen werden könnten. Eine vierte mögliche Spielart war ein Beirat des Handels, der dem Marketing der Stadt beratend zur Seite steht.

Ein Gremium soll jetzt die Denkanstöße zusammenfassen und sowohl der Politik wie auch der Verwaltung vorstellen. „Wir bestehen darauf, dass wir zusammen an den Hausaufgaben arbeiten“, so Sigrun Hintzen. Joachim Rasch empfahl der Runde, ihre Begehren durchaus offensiv und konkret zu vertreten. „Es ist noch Geld da“, so Rasch – eine Information, die für Verblüffung sorgte.


Landgericht: 10 Einbrüche, 3 Lebensläufe, 7 Alibis

rd | 12. Oktober 2017, 14:51 | keine Kommentare
Wirtschaftsstrafkammer: Interessante Einblicke in ein Geschäftsgeschäftsmodell

Erst Türen hergestellt, dann aufgebohrt – Biographiearbeit im Einbruchsprozess

(Von unserem Gerichtsreporter) Die drei Angeklagten sind 24, 25 und 27 Jahre alt. Zehn Einbrüche sollen sie im Dezember 2016 begangen oder zumindest versucht haben, in Kellen, Bedburg-Hau und Kleve. Mal sollen sie einen Fernseher erbeutet haben, mal Bargeld, mal Schmuck. Die Handschrift der Täter war immer die gleiche: Es wurden Löcher in die Türen gebohrt, dann konnte mit einem Draht der Griff betätigt werden. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Kleve erzählten die drei Männer, wie ihr Leben verlief.

Der Vorsitzende Richter Ruby befragt den Angeklagten Albaner H., wie er aufgewachsen sei. H., gedolmetscht, antwortet: „Ich bin ohne Vater aufgewachsen.“. Der Angeklagte erzählt, dass er acht Jahre zur Schule gegangen sei, und dann fünf Jahre als Wächter in einer Zementfabrik gearbeitet habe. Mit dem Regierungswechsel in seiner Heimat sei er im Juli 2015 nach Deutschland gekommen. Er erzählt weiter, dass er in Deutschland einen Asylantrag gestellt habe, er aber leider nicht arbeiten durfte, was ihn dann dazu bewogen hätte, zurück nach Albanien zu gehen. Der Vorsitzende Richter fragt: „Wo haben Sie zuletzt gewohnt“. Der Angeklagte H. antwortet: „In Wuppertal, nachts habe ich in einem Heim übernachten können.“ Der Vorsitzende Richter fragt: „Haben sie Drogen konsumiert?“ Der Angeklagte H.: „Bis vor einem Monat vor der Haft habe ich Kokain und Haschisch konsumiert, aber nur in kleinen Mengen.“

Anschießend befragt der Vorsitzende Richter den zweiten Angeklagten B. Er erzählt, dass er eine Schwester und einen Bruder habe und dass er schon als Kind habe arbeiten müssen, weil sein Vater Invalide gewesen sei. Was er nach der Schulzeit gemacht habe, will das Gericht wissen. B. sagt: „Ich habe 4 bis 5 Jahre in einer Holzfabrik gearbeitet, die Fenster und Türen hergestellt hat.“ Als die Firma keine Arbeit mehr hatte, wechselte B. ins Baugewerbe. Erste Station von B. in Deutschland war Dortmund, dann ging es weiter nach Kleve, wo er in einem Heim übernachtet habe. Zu seinen finanziellen Verhältnissen befragt, antwortet B.: „Ich habe 5000 Euro Schulden bei verschiedenen Personen. Diese sind entstanden, weil ich für meinen invaliden Vater Medikamente kaufen musste.“ Der Angeklagte weist darauf hin, dass 5000 Euro in Albanien sehr viel Geld sei, weil die Leute ein kleineres Gehalt hätten als hier in Deutschland. Vorbestraft sei er nicht.

Der dritte Angeklagte, D., berichtet von einer achtjährigen Schulzeit sowie Jobs als Kellner, an einer Tankstelle sowie auf dem Bau. Dann sei es Anfang 2016 nach Deutschland gegangen, und zwar nach Hannover. Dort habe er einen Asylantrag gestellt, der jedoch abgelehnt worden wäre. Daraufhin sei er über Dortmund nach Kleve gozogen. D. erzählt: „In Kleve habe ich mich immer auf der Stadionstraße aufgehalten.“

Zur Sache möchte D. sich nicht äußern, B. hingegen gesteht eine Beteiligung an allen zehn Taten – H. wiederum nur die an den ersten beiden Delikten. Seine Rechtsanwältin erläutert, dass Ihr Mandant an den anderen Taten nicht beteiligt sein könne, weil er zu den Tatzeitpunkten bei Schwarzfahren ertappt worden sei – zweimal in Nieukerk und einmal in Düsseldorf. Die Nordwestbahn habe drei Strafanträge gegen ihren Mandanten gestellt.


Radschnellweg vs. Wiesenstraße: Ampel des Grauens

rd | 11. Oktober 2017, 17:50 | 20 Kommentare
Zwei Sorten Feierabend: Firma Loock, Autofahrer im Stau

Zwei Sorten Feierabend: Firma Loock, Autofahrer im Stau

Dieses Angebot steht gemeinhin nicht im Ruf, als Advokat des Autofahrers unterwegs zu sein. Aber: Was zu viel ist, ist zu viel!

Zu viel ist in diesem Fall auch nicht die Baustelle an der Wiesenstraße selbst. Die Idee, für den Radschnellweg Kleve-Nimwegen an der vielbefahrenen Strecke eine Verkehrsinsel einzuplanen, damit es den Radfahrern leichter fällt, die Straße zu queren, ist vernünftig. Man will als Radfahrer ja nicht gleich nach zweihundert Metern tot auf dem Asphalt liegen.

Zu viel ist jedoch die Art und Weise, wie dieses Bauvorhaben umgesetzt wird. Die Firma Loock, die sich dankenswerterweise bereit erklärt hat, die wie so vieles andere in dieser Stadt auch diese Strecke zu bauen, hat die Hauptverkehrsstraße seit Montag in ein Nadelöhr verwandelt – einspurige Verkehrsführung, inklusive einer Behelfsampel.

Wer sich beispielsweise am heutigen Mittwoch um 16:40 Uhr aufmacht, um die Situation zu erkunden, erblickt zwei Sorten von Feierabend – den einen, zu dem sich die Mitarbeiter der Firma Loock bereits rechtzeitig aufgemacht haben, und den anderen, den unzählige Autofahrer aufgrund der dilettantischen Verkehrsführung in einer Schlange verbringen, die gefühlt bis zu Emmericher Rheinbrücke reicht. Chapeau!

Noch verblüffender wird das kleine Projekt – ein paar Quadratmeter Verkehrsinsel und die dafür nötige Straßenverbreiterung –, wenn man sich näher mit der geplanten Dauer beschäftigt. Vor einigen Monaten war auf dieser Seite kurzzeitig das Video einer Autobahnbaustelle aus den Niederlanden zu sehen. Wenn ich mich recht entsinne, wurde eine sechsspurige Autobahn binnen eines Wochenendes komplett untertunnelt, selbst sintflutartige Regenfälle konnten die Arbeiten nicht aufhalten.

Kleve hingegen veranschlagt für den Bau nicht nur 72 Stunden, und auch nicht nur eine Woche. In einer Pressemitteilung spricht die Stadt von „voraussichtlich drei Wochen“. Drei! Wochen! Für eine Querungsinsel. Und auch nur „voraussichtlich“!


Klever Facebook-Gruppen im Überblick

rd | 10. Oktober 2017, 14:37 | 12 Kommentare
Fenster zur Welt: Kleve-Gruppen auf Facebook

Fenster zur Welt: Kleve-Gruppen auf Facebook

Früher gab es zwei Lokalzeitungen, heute tummeln sich die Leser und Schauer in den Kleve-Gruppen auf Facebook. Doch da gibt es mittlerweile so viele, dass man glatt den Überblick verlieren kann. Deshalb hier, als Superservice für die geneigte Leserschaft, eine Auflistung der wichtigsten – inklusive einfühlsamer Bewertung der Redaktion:

Kleve – wie es war und ist

Mitglieder: 2654

Aktuellster Beitrag: Baustellen-Ampel von Loock an der Wiesenstraße

Themenmischung: ein bisschen Krieg, ein bisschen Idyll, ein bisschen Nachkrieg, ein bisschen Baustellenwesen

Typischer Nutzerwunsch: „Moin, kennt jemand den Kunstmaler Jupp van Offern? Hat jemand Gemälde von ihm?“

Empfehlung: auf jeden Fall ab und zu reinschauen, wenn einen die Sehnsucht nach den 70-ern, 60-ern, 50-ern usw. überkommt

*

KLEVE – anno dazumal

Mitglieder: 3896

Aktuellster Beitrag: Reparatur einer Straßenbahn-Oberleitung in Kellen (ca. 1960)

Themenmischung: bloß nichts Aktuelles, je schwarz-weißer, desto besser.

Typischer Nutzerwunsch: „Hat hier irgendjemand noch Bilder aus ca. 1970 von der Kavarinerstr. 42?“

Empfehlung: die goldenen Zeiten der Erinnerung. Für Menschen, die fast komplett weg sind aus dem Hier & Jetzt

*

Du kommst aus Kleve, wenn…

Mitglieder: 11813

Aktuellster Beitrag: „… uns heute endlich mal wieder am Morgen die Sonne lacht.Ich weiß auch warum, denn heute ist Welthundetag und da scheint natürlich die Sonne, denn wer ist der beste Freund des Menschen ,natürlich der Hund und alle andere wundervollen Tiere auf der Welt.Da sie uns jeden Tag versüßen, bekommen sie an ihrem Ehrentag natürlich auch Sonnenschein.Also verwöhnt eure Lieblinge ordentlich und bitte nicht nur heute,sie sind das Beste was uns passieren kann.Also bei bis zu 15 Grad und Sonne können wir mal eine extra große Gassirunde drehen oder andere Dinge im Freien erledigen.Kommt alle zufrieden und halbwegs fit durch den Dienstag.Dies wünscht euch eure Wetterfee“ (SIC!)

Themenmischung: überfahrene Katzen, Herbstidyll, überfahrene Katzen

Typischer Nutzerwunsch: „Wo kann ich günstig hier in Kleve meine Lash Extensions auffüllen lassen ?“ (5 Antworten, davon zweimal Marie Wolters, einmal Beautystudio Divine und einmal Christine Tadaszak, die aber im Moment keine Neukunden aufnehmen kann)

Empfehlung: Die große Mitgliederzahl scheint auf eine große Reichweite hinzudeuten, allerdings scheinen 90 Prozent der User die Seite mittlerweile aus ihrer Tagesdosis Facebook entfernt zu haben

*

Blaulicht-Report KLEVE

Mitglieder: 33844 Abonnenten

Aktuellster Beitrag: „Aufbruch eines Zigarettenautomaten / 34-jähriger Tatverdächtiger vorläufig festgenommen“

Themenmischung: Brände, Morde, Blechschäden – alles, wo irgendwie ein Blaulicht in der Nähe zu sehen sein könnte. Die Redaktion selbst schreibt: „Die Blaulicht-Report Kleve Redaktion nimmt rund um die Uhr, 7 Tage die Woche, Einsatzmeldungen von aufmerksamen Bürgern und Hilfsorganisationen entgegen. Egal, ob Unfall, Feuer, Razzia, SEK-Einsatz, Straßensperrungen oder Kapitalverbrechen. Viel Blaulicht und Beamte verheißt meist nichts gutes. Wir sind Ihnen sehr dankbar, wenn Sie sich schnellstmöglich bei uns melden könnten ! So können wir innerhalb von kurzer Zeit vor Ort sein.“ Und eine Klick-Galerie mit den Fotos ins Netz stellen, sollte man ergänzen.

Typischer Nutzerwunsch: Empathie à la: „die armen Hühner“

Empfehlung: Solange die anderen verunglücken oder erschlagen werden, scheint sich das Angebot großer Beliebtheit zu erfreuen.

*

Neues aus Kleve

Mitglieder: 2228

Aktuellster Beitrag: „Ulrike Folkerts, bekannt als Tatort–Kommissarin Lena Odenthal, kommt am 10.11.2017 mit einer besonderen Veranstaltung nach Kleve!“

Themenmischung: im Wesentlichen Veranstaltungshinweise und Bildergalerien zurückliegender Veranstaltungen (von Charly Stoffels)

Typischer Nutzerwunsch: keine Interaktion erkennbar

Empfehlung: Wenn man sich überlegt: „Eigentlich hätte ich mal wieder Lust, Ulrike Folkerts zu sehen“ – dann ist man dort richtig.


200 Jahre Freiherr-vom-Stein-Gymnasium: Wo ist Waldo?

rd | 08. Oktober 2017, 13:17 | 17 Kommentare
„… und was machst du jetzt so?“

„… und was machst du jetzt so?“

Auf diesem Bild unter anderem zu sehen: ein bekannter CDU-Kommunalpolitiker, ein Staatsanwalt, ein sehr guter Basketballspieler (nein, nicht A. Kacar (Nr. 12)), eine Bankerin, ein Zahnarzt, ein Psychologe – alles ehemalige Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, die den 200. Jahrestag der Gründung ihrer Schule zum Anlass nahmen, die Stätte ihres alten Wirkens und ihrer alten Umtriebe noch einmal aufzusuchen. Von den (ehemaligen) Lehrern unter anderem: Hans Welbers, Wilhelm Diedenhofen, Joachim Marx, Kurt Stynen. Friedhelm Ständer war auch da, Klaus Riße und Walter Froleyks ließen sich den Spaß ebenfalls nicht nehmen, ihre einstigen Schützlinge und Objekte pädagogischer Intensivbetreuung in Augenschein zu nehmen. Die meisten sind ja was geworden! Und viele hatten sich überhaupt nicht verändert! Ein Abend, so schön und trubelig wie eine Regenpause* – nur mit dem Unterschied, dass im Forum Bier ausgeschenkt wurde.

* Regenpause, damit wurde früher eine der beiden großen Pausen bezeichnet, sobald es regnete (oder sonstwie unwirtlich war). Dann durften die Schüler die Pause im Forum verbringen. An allen anderen Tagen mussten sie das Schulgebäude verlassen. An beiden Eingängen musste jeweils ein Lehrer stehen, um zu verhindern, dass Schüler in der Zeit das Schulgebäude betreten. Die Ergänzung habe ich vorgenommen, weil sich heute in einem Gespräch mit Direktor Bleisteiner herausstellte, dass dieser zunächst gar nicht wusste, was gemeint war. The times, they are a-changing.


Prinz-Moritz-Weg: Sollte er nicht längst fertig sein? Und sind umgestürzte Bäume egal?

rd | 06. Oktober 2017, 17:07 | 9 Kommentare
Enger Hals, von der Fa. Siebers neu definiert

Enger Hals, von der Fa. Siebers neu definiert

Wanderer, kommst du nach Kleve!

OK, die Redaktion gesteht, sie hat großzügig aufgestellte Verbotsschilder, so ein Fußgänger mit einem roten Kreis drum, einfach ignoriert und ist losgestapft, aber man kennt das ja von Autobahnen, wo auch immer vergessen wird, die Tempolimitschilder zu demontieren, selbst wenn der Rollsplitt schon drei Monate vorher verteilt worden ist.

Also nichts wie rauf auf eine der schönsten Wanderstrecken unserer Stadt, auf den Prinz-Moritz-Weg am Kermisdahl entlang. Zwei Trillionen pittoreske Fotos wurden bisher vom engen Hals in Richtung Schwanenburg geschossen, doch diese Serie endete Anfang Mai.

Bekanntlich hatte sich nördlich der Regenwasserkaskade ein Erdrutsch ereignet, Hunderte Kubikmeter Sand hatten sich in den Flussarm ergossen und diesen fast zugeschüttet. Mitte Juni besuchte kleveblog die Baustelle und erfuhr, dass die Bauarbeiten in zwei Wochen abgeschlossen sein sollten. Das wäre, grob gerechnet, Ende Juni gewesen.

In der Zwischenzeit: Juli, August, September, sechs Tage Oktober.

Da sollte man doch wieder locker bis zu Uedemer Straße gelangen können. Denkt der Idealist. Die trübe Wirklichkeit sieht anders aus: Die Kaskade ist immer noch eine Baustelle, von einer baldigen Fertigstellung keine Spur! Man gelangt aber auf die andere Seite, dies sei allerdings Menschen mit Sehnenverletzungen und ähnlichen Schädigungen nicht unbedingt empfohlen – zumal einige hundert Meter weiter das nächste Hindernis auf den Spaziergänger wartet, ein umgestürzten Baum, der vermutlich nur deshalb nicht beiseite geräumt wird, weil die Bauarbeiten an der Kaskade ohnehin noch nicht abgeschlossen sind. Allerdings müssen die Bauarbeiten ja auch nicht abgeschlossen werden, weil die Strecke wegen des umgestürzten Baums nicht genutzt werden kann. Dieser muss allerdings nicht entfernt werden, weil die Bauarbeiten an der Kaskade ja noch andauern.

Horizontales Gewerk

Horizontales Gewerk


Bahnhof Kleve: Wunsch, ZDF & Wirklichkeit

rd | 06. Oktober 2017, 16:44 | 32 Kommentare
14 Uhr, Kleve, Gleis 1: Wieder mal zu früh zum Stillstand gekommen

14 Uhr, Kleve, Gleis 1: Wieder mal zu früh zum Stillstand gekommen

Es ist aber auch schwierig! Da hat die Stadt Kleve für 2,4 Millionen Euro den Bahnhofsbereich neu gestaltet, und dann schafft es die Bahn anderthalb Jahre nicht, ein Halteschild zu versetzen, sodass der Transit von Bahn zu Bus oder umgekehrt möglichst nahtlos vollzogen werden kann. Die Züge hielten nach wie vor am Bahnhofsgebäude, knapp hundert Meter zu früh. Dann kam das ZDF und sendete einen Bericht (hier der Link zu dem Beitrag auf Youtube: Der Hammer der Woche). Wir erfuhren, dass Bürgermeisterin Sonja Northing zurecht der Ansicht ist, die Misere liege in der Verantwortung der Bahn: „Das ist Sache der Bahn.“ Und, mehr noch, es seien sogar mehrere Briefe geschrieben worden.

Exkurs: Diese Briefe sind vermutlich die wirkungsvollsten, seit Martin Schulz der Kanzlerin ein zweites Fernsehduell abringen wollte. Oder seit die Stadtverwaltung 2011 einen bekannten Klever Bauunternehmer angeschrieben hatte, an der Hoffmannallee bestimmte – zum Zeitpunkt des Versands — acht Jahre überfällige Bauarbeiten an der Ampelkreuzung am EOC auszuführen, andernfalls müssten evtl. vielleicht Regressforderungen erhoben werden. Geschehen ist natürlich: Nichts.

Sackarbeiten: Bahnmitarbeiter stülpen eine schwarze Hülle über das Haltesignal (Foto: Stephan Haupt)

Sackarbeiten: Bahnmitarbeiter stülpen eine schwarze Hülle über das Haltesignal (Foto: Stephan Haupt)

Da ist die vierte Gewalt, und dann auch noch in Gestalt eines Fernsehsenders von einigem Rang, offenbar wirkmächtiger: Noch während der Dreharbeiten zu dem TV-Bericht regte sich der Moloch Bahn und sicherte Abhilfe zu – was auch in dieser Woche geschah, als zwei Mitarbeiter des Unternehmens einen Plastiksack über das Signal stülpten. Es scheint, als werde die Welt ein Stück weit besser, irgendwie. Und dies dank des beherzten Eingreifens mutiger Journalisten!

Stephan Haupt, Abgeordneter der FDP im Landtag, machte sogar ein Foto, verteilte es in den sozialen Netzwerken und dokumentierte so, dass so etwas wie Veränderung tatsächlich möglich ist. Alles gut, also?

kleveblog machte heute die Probe und fuhr mit der Bahn von Bedburg-Hau nach Kleve. Ergebnis: Alles wie gehabt. Züge halten an der falschen Stelle. Es scheint ein grundsätzliches Problem vorzuliegen.

kleveblog schlägt vor: Einfach die Erde unter der Bahn hundert Meter nach Osten drehen! Dann passt es wieder.


Hochschule präsentiert ersten Fünfjahresplan, kauft ein Stück Technologiezentrum

rd | 05. Oktober 2017, 17:19 | 8 Kommentare
 Im Vordergrund das Werk, im Hintergrund die dafür verantwortliche: Hochschule-Entwicklungsplan, Präsidentin Dr. Heide Naderer. Links neben ihr die neue Leiterin der Stabsstelle Marketing und Kommunikation, Gabriele Stegers, dazwischen die Pressevertreter

Im Vordergrund das Werk, im Hintergrund die dafür Verantwortliche: Hochschulentwicklungsplan, Präsidentin Dr. Heide Naderer. Links neben ihr die neue Leiterin der Stabsstelle Marketing und Kommunikation, Gabriele Stegers, dazwischen die Pressevertreter

Wann immer die Hochschule Rhein-Waal zu einer Pressekonferenz lädt, wollen die Journalisten unabhängig vom eigentlichen Thema schnell wissen, wie viele Studenten in Kleve und Kamp-Lintfort studieren (6287 zu Ende des Sommersemesters), wie viele neu hinzugekommen sind (wird am 15. November mitgeteilt, erst dann ist Einschreibeschluss), wie viele Ausländer an der HSRW immatrikuliert sind (41 % Nicht-EU-Ausländer), ob die drohenden Studiengebühren von 3000 Euro pro Jahr die Hochschule ruinieren werden (nein) und wo die Holländer bleiben (2022 werden „große Gruppen“ erwartet).

Dass aber all diese Fragen nur einen Sinn haben, wenn diese Hochschule selbst einen Sinn hat, geht in diesem Mosaik des Nachrichtenkleinkleins leicht unter. Auch in der hektischen Gründungsphase der Hochschule, als die Zahl der neu eingerichteten Studiengänge sich ein Wettrennen lieferte mit der Zahl der internationalen Kooperationen, konnten kritische Beobachter den Eindruck gewinnen, dass dieser Aktionismus dazu diente, eine gewisse innere Leere zu kaschieren.

„Es geht nicht um Zahlen“, sagt Hochschulpräsidentin Dr. Heide Naderer. „Wenn wir gut sind, kommen die Leute von alleine. Qualität ist entscheidend für den Erfolg der Hochschule.“

Doch bekanntlich fällt das Laufen leichter, wenn man weiß, wohin die Reise geht. So ist der Hochschulentwicklungsplan zu erklären, der, im neunten Jahr des Bestehens der Hochschule Rhein-Waal, nun erstmals erstellt und heute Vormittag stolz der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Von einem „Meilenstein für die weitere Entwicklung der Hochschule“ sprach Naderer, die hervorhob, dass über einen Zeitraum von zwei Jahren mehr als 200 Menschen an dem 40 Seiten starken Dokument, das gleichzeitig in deutscher und englischer Sprache veröffentlicht wurde, mitgewirkt haben. Es handelt sich gewissermaßen um die DNA der Hochschule – nur dass dieses Erbgut der Einrichtung nachträglich verabreicht werden musste.

Der Plan, der für die Jahre 2017-2022 gilt, beginnt mit einer „sehr ehrlichen“ (Naderer) Bestandsaufnahme und beschreibt im folgenden den strategischen Rahmen, in dem die Hochschule sich zukünftig weiterentwickeln möchte. Die beiden Kernelemente sind Internationalisierung und Nachhaltigkeit, beide Themen ziehen sich wie ein roter Faden durch die breite Palette der Aktivitäten, die die Hochschule entfalten will. „Zu den Zielen des Hochschulentwicklungsplans gehört es beispielsweise“, erläuterte der Vizepräsident für Personal- und Organisationsentwicklung und Diversity, Professor Dr. Georg Hauck (er war per Videokonferenz aus Kamp-Lintfort zugeschaltet), „die Hochschule Rhein-Waal in Deutschland führend in Bezug auf Internationalisierung zu positionieren. Wir möchten Kompetenzträger sein und gefragt werden: Wie macht ihr das?“

Im dritten Kapitel werden „konkrete Handlungsfelder“ benannt, beispielsweise wie die Hochschule als Arbeitgeber aufgestellt ist und mit der Region vernetzt ist. „Wir haben eine Größe erreicht, mit der wir auch als Arbeitgeber eine Rolle spielen.“ Im Schlusskapitel werden daraus 36 konkrete Ziele formuliert, sodass in fünf Jahren auch tatsächlich Bilanz gezogen werden kann, ob das, was man sich vorgenommen hat, erreicht wurde.

In Bezug auf das Ziel der regionalen Vernetzung kann die Hochschule womöglich sogar schon jetzt einen Haken an das Ziel Nr. 2.2.4 „Transfer [in die Region] ist gestärkt“ machen. Denn wie Naderer bekannt gab, hat die Hochschule einen rund zehnprozentigen Anteil am Technologiezentrum Kleve erworben. Die Stadt Emmerich hatte diese Anteile abgestoßen.

Es wäre zu hoffen, dass der Einstieg der Hochschule gerade rechtzeitig kam, um einer in die Jahre gekommenen Idee neuen Schwung zu verleihen. Denn wer das Technologiezentrum an der Boschstraße, einen Flachbau aus den 80-er Jahren, betritt, könnte leicht den Eindruck gewinnen, dass die Krönung des Fortschritts aus ISDN-Anschluss und Faxgerät bestehen. Naderer schwebt vor, aus der Einrichtung ein „Innovationszentrum“ zu machen, denn es gehe nicht nur um Technologie, sondern um eine grundsätzliche Haltung gegenüber Problemen und deren Lösung.

Link: Hochschulentwicklungsplan (pdf)


Sichtachse pervers! Stell dir vor, du gehst zum Kupfernen Knopf und siehst… nichts

rd | 04. Oktober 2017, 10:21 | 20 Kommentare
Die aktuelle Aussicht am Kupfernen Knopf – wenn man die Kamera über den Kopf reckt und auf den Auslöser drückt (Foto: Marga Cox)

Die aktuelle Aussicht am Kupfernen Knopf – wenn man die Kamera über den Kopf reckt und auf den Auslöser drückt (Foto: Marga Cox)

Wir wissen nicht, wie Johann Moritz von Nassau-Siegen reagiert hätte, wenn er seine Sichtachse vom Kupfernen Knopf gen Elten in einem derart vernachlässigten Zustand vorgefunden hätte. Vermutlich hätte er einen Kurier nach Berlin geschickt, wo dann der Große Kurfürst Festungshaft für die Verantwortlichen angeordnet hätte. Zu Recht!

Derzeit, wie das Foto zeigt, rauben an einem der markantesten Aussichtspunkte unseres Landstriches üppig wuchernde Sträucher den Besuchern beinahe vollständig die Sicht. Wer am Geländer steht, sieht von den berühmten Parkanlagen am Hang nichts mehr – und selbst der Blick in die Ferne ist nur noch großgewachsenen Menschen möglich. Stattdessen der Blick auf eine grüne Wand mit kleinen, fast fensterartigen Ausschnitt, der ca. 20 Prozent des möglichen Blickfeldes freigibt.

Ein bisschen Parkpflege darf schon sein!


Holzwurm befällt Schwanenburg, Justizbücherei muss geräumt werden

rd | 29. September 2017, 15:21 | 4 Kommentare
Wird bald ultrahocherhitzt: Justizbücherei in der Schwanenburg

Wird bald ultrahocherhitzt: Justizbücherei in der Schwanenburg

Zeuge der Anklage: Holzmehl auf dem Lesetisch

Zeuge der Anklage: Holzmehl auf dem Lesetisch

Zeuge der Anklage war feines Holzmehl, das von den Deckenbalken auf den Lesetisch der Justizbücherei in der Schwanenburg rieselte. Ein hinzugezogener Fachmann erledigte die Beweisaufnahme: Der Holzwurm hat die Justizbücherei befallen, die Deckenbalken aus Eiche sind geschädigt. Doch jetzt wird mit den Holzschädlingen kurzer Prozess gemacht. Sicher ist: Sie werden ihn nicht überleben!

Beim Holzwurm handelt es sich um den Gemeinen Nagekäfer, ein etwa 2,5 bis 5 Millimeter langes Insekt, das seine Eier in Holzritzen ablegt. Daraus schlüpfen Larven – die so genannten Holzwürmer –, die sich unter Umständen bis zu acht Jahre lang durch das Holz fressen können. Eigentlich ist das Tier in zentralbeheizten Räumen nur selten anzutreffen, Risiken bergen allerdings Räume mit einer gewissen Feuchtigkeit. So gesehen, war das alte Gemäuer der Schwanenburg prädestiniert für den Holzwurmbefall.

Klassischerweise wird der Holzwurm bekämpft, indem entweder die Oberfläche des befallenen Holzes chemisch behandelt wird oder aber Injektionen in die Bohrlöcher erfolgen. Beide Methoden kamen jedoch für den Lesesaal in der Schwanenburg nicht infrage, da der Befall zu weit fortgeschritten ist. Deshalb kommt dort das so genannte Heißluftverfahren zum Einsatz. Justizsprecher Alexander Lembke: „Die gesamte Bibliothek wird ausgeräumt und der Raum anschließend mehrere Tage lang auf 70 Grad erhitzt. Dadurch werden die Larven abgetötet.“

Diese Hitze aber kann die Heizungsanlage der Schwanenburg selbst nicht liefern. Die beauftragte Spezialfirma stellt im Hof der Schwanenburg einen Container auf, der eine mobile Heizung enthält. Über Rohre wird von dort aus die heiße Luft in den versiegelten Raum geleitet. Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, dass die enorme Hitze nicht versehentlich ein Feuer auslöst: An der Schwanenburg wird rund um die Uhr eine Brandwache gehalten.

Sobald das Holz länger als eine Stunde auf mehr als 55° erhitzt worden ist, beginnen die Larven und Eier abzusterben. Das ist bei einem gewöhnlichen Dachstuhl in der Regel binnen eines Tages erledigt, für den großen Raum in der Schwanenburg mit seinen schwer befallenen, massiven Holzbohlen in der Decke mussten allerdings mehrere Tage veranschlagt werden.


Asterix, Jöken, Bergmann, Porwol, Beckmann, Scheurle – auf 80 S. vereint

rd | 25. September 2017, 16:09 | 8 Kommentare
Erika Bergmann in ihrer Gaststätte, ein Bild, das es nur noch bis Freitag geben wird

Erika Bergmann in ihrer Gaststätte, ein Bild, das es nur noch bis Freitag geben wird

Nach 50 Jahren schließt am Freitag das Restaurant Bergmann an der Hoffmannallee, ein Lokal mit dem unscheinbarsten Eingang überhaupt und (vielleicht gerade deshalb) ein Ort, in dem sich ganz Kleve traf (und evtl. kegelte). In der neuen Ausgabe des Magazins Der KLEVER zieht Wirtin Erika Bergmann die Bilanz eines halben Jahrhunderts hinterm Tresen und in der Küche.

Das Magazin (Kaufpreis 3,50 Euro) stellt darüber hinaus Klaus Jöken vor; der Klever ist seit Jahren für die deutschen Übersetzungen der weltberühmten Asterix-Comics verantwortlich. Wusste aber keiner – außer Autor Rolf Langenhuisen, der darüber hinaus auch für ein großes Porträt Grafiker Wilfried Porwol verantwortlich ist. Porwols Werk spiegelt die Geschichte von Stadt und Land wider. In der Reihe „10mal…“ widmet sich Helga Diekhöfer überraschenden Aussichtpunkten – es gibt noch weit mehr Möglichkeiten als Schwanenburg, Aussichtsturm und Kupferner Knopf, um am Niederrhein Weitblick zu erhaschen. Breiten Raum nimmt das Jubiläum des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums ein, das im Oktober sein 200-jähriges Bestehen feiert. Zu diesem Anlass schildert drei Abiturienten, die zugleich für drei Generationen stehen, ihre Schulzeit an der „Penne“: der Arzt Jörg Scheurle (Abi 66), Ralf Daute (Abi 84) und Elske Beckmann (Abi 17).

So, und nun als kleine Werbemaßnahme für das Magazin, die Geschichte von Erika Bergmann auch hier auf kleveblog:

Ende Legende

Was aber zeichnet einen guten Gastwirt aus? Fragen wir jemanden, der es wissen muss, fragen wir Erika Bergmann. Die Dame holt kurz Luft, blickt einen mit ihren wachen Augen an und sagt: „Liebe.“

Liebe ist Wärme, ist Energie, ist Nähe. Liebe ist nicht ein elektronisches Kassensystem, ist nicht LED-Beleuchtung, ist nicht Laminatfußboden. Wer je das „Restaurant Bergmann“ eingangs der Hoffmannallee als Gast betreten hat, weiß, was gemeint ist. Das Lokal scheint in den sechziger Jahren stehen geblieben zu sein, aber das spielt keine Rolle, denn das Interieur ist nur die Kulisse für den nicht sichtbaren, aber wichtigsten Einrichtungsgegenstand – Raum für Menschlichkeit.

„Meine Gäste und ich, das war immer wie eine große Familie“, sagt Erika Bergmann. Die männlichen Gäste, Kegelbrüder oder Fußballmannschaften, bezeichnet sie gerne auch als „meine Söhne“. Die wiederum sagen, wenn sie das Zuhause verlassen, um ein Bier zu trinken, sie gehen mal eben „nach Mama“.

Diese Nähe, diese Vertrautheit ist der Lohn einer Lebensleistung, die am 29. September zu ihrem Ende gelangt ist. Erika Bergmann hat die Immobilie verkauft. Der neue Besitzer Mehmet Salih Erdem, ein Unternehmer aus Emmerich, der mehrere Reisebüros betreibt, beabsichtigt zwar, an der Stelle weiterhin Gastronomie zu betreiben, doch „Haus Bergmann“ wird ohne Erika Bergmann natürlich nicht mehr derselbe Ort der Gastlichkeit sein, der er zuvor ein halbes Jahrhundert lang gewesen ist.

Im Ratskeller in Krefeld hatte die Wirtin, aus Straelen stammend, sich zur Restaurantfachfrau ausbilden lassen. Danach wollte sie in die weite Welt, in Orte mit vielen Touristen, die in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen glamourösen Klang hatten, nach Arosa zum Beispiel. Die Mutter sagte Nein. Sie zeigte der Tochter eine Zeitungsanzeige: Das Haus Heek in Kleve suchte eine Mitarbeiterin.

So wurde es nicht Arosa, so wurde es – zum Glück für unsere Stadt – Kleve. Beschäftigt wurde sie, für heutige Zeiten nicht mehr vorstellbar, auf 10-Prozent-Basis. Das heißt, sie durfte zehn Prozent ihres Umsatzes für sich behalten. Nach zehn Jahren in Kleve eröffnete Erika Bergmann dann am 10. März 1967 gemeinsam mit ihrem Mann Helmut († 2007) einige Häuser neben ihrer ersten Arbeitsstätte in Kleve das eigene Restaurant „Haus Bergmann“ – mit eigenen Frikadellen, eigener Kegelbahn und einem eigenen Charme. „Bei mir war immer alles frisch“, sagt sie. „Selbst die Blumen auf dem Tisch.“

Die Gaststätte entwickelte sich zu einem Anziehungspunkt für alle und jeden – vom Fabrikarbeiter bei Hoffmann bis zu den bekannten Klever Unternehmern und Geschäftsleuten, Hans Rexing, Hans Hussmann und Karl Kisters zum Beispiel. „Sie haben sich alle bei mir zuhause gefühlt“, so die Wirtin. Von den älteren Gästen kamen später die Söhne. Die Menschen, die ihr Feierabendbier im „Haus Bergmann“ genossen, wurden allerdings weniger. Bergmann: „Die Zeiten haben sich geändert.“

Erika Bergmann hat zwei Töchter, Tina und Patricia, und einen Sohn, Oliver. Sie entwickelten keine Neigungen, in ihre Fußstapfen zu treten. Die Mutter hat dafür Verständnis, aber sie selbst sei für dieses Gewerbe geboren. „Gastronomie ist Leben“, so fasst sie das nach mehr als einem halben Jahrhundert zusammen. „Jeder Tag ist ein anderer. Mal ist es fröhlich, mal ist es traurig.“ An der Hoffmannallee überwogen die fröhlichen Tage bei weitem. „Ich bereue keinen einzigen Tag“, sagt Erika Bergmann.

Wie stark der Zusammenhalt zwischen der Wirtin und den Gästen geworden ist, zeigten die letzten Wochen. Die Gäste nahmen Abschied, wollten „noch einmal“ die selbst gemachten Reibekuchen, Rouladen oder Frikadellen genießen. Aus den Abenden hinterm Tresen wurden Nächte, weil niemand gehen wollte. Es gab ja kein nächstes Mal mehr.

„Haus Bergmann“, das stand für gelebte Gastfreundschaft. Was Erika Bergmann gab, bekam sich auch zurück: „Ich kann mich gar nicht genug bedanken für all die Liebe, die man mir gegeben hat“, sagt sie.

Nun, da ihre Abende plötzlich frei sind, hätte sie die Möglichkeit, sich lang gehegte Wünsche zu erfüllen. Aber – wie das so sein kann, wenn man im Leben mit sich eins war, wenn der Beruf zugleich Berufung war – ihr fällt nichts ein. Erika Bergmann: „Einen Plan habe ich nicht, ich lasse erst einmal alles sacken, denn ich glaube, ich habe das noch gar nicht verstanden.“

Alles Gute!

Schmiedeeiserne Raumteiler, frische Blumen: Innenansichten einer traditionsreichen Gaststätte

Schmiedeeiserne Raumteiler, frische Blumen: Innenansichten einer traditionsreichen Gaststätte


13%

rd | 24. September 2017, 18:55 | 105 Kommentare

(Aktualisierte Version.)

Glückwünsche per Whatsapp erwidern: Stefan Rouenhoff, vor einem Jahr noch eine unbekannte Größe, nun mit Direktmandat für die CDU im Bundestag

Glückwünsche per Whatsapp erwidern: Stefan Rouenhoff, vor einem Jahr noch eine unbekannte Größe, nun mit Direktmandat für die CDU im Bundestag

Das Gesicht der AfD in Kleve: Gerd Plorin

Das Gesicht der AfD in Kleve: Gerd Plorin

Das Kreishaus um 19:55 Uhr: Die Reihen hatten sich schon merklich gelichtet, nach Feiern war nicht vielen zumute

Das Kreishaus um 19:55 Uhr: Die Reihen hatten sich schon merklich gelichtet, nach Feiern war nicht vielen zumute

Abgang um 19:45 Uhr: Martin-Schulz-Plakate werden demontiert

Abgang um 19:45 Uhr: Martin-Schulz-Plakate werden demontiert (Foto: kbp)

Erste Hochrechnung um 18:12 Uhr: Ausschlag nach rechts

Erste Hochrechnung um 18:12 Uhr: Ausschlag nach rechts

13%. Ein Tag zum Schämen! Mehr muss meiner Meinung nach nicht gesagt werden. Ein paar Sätze dann aber doch:

Die AfD kam in Kleve lediglich auf 7,34 Prozent der Zweitstimmen, immerhin ein tröstlicher Randaspekt. Stefan Rouenhoff (CDU) holt mit 45 Prozent der Erststimmen das Direktmandat. Barbara Hendricks lag bei 30,7 Prozent – mehr, als ihre Partei an Stimmen erhielt, aber vermutlich kein wirklicher Trost.

Immerhin hat der Kreis Kleve fortan zwei Abgeordnete im Bundestag. Rouenhoff zu kleveblog: „Mit dem Ergebnis von rund 45 Prozent auf Kreisebene können wir zufrieden sein, nicht aber mit dem Ergebnis im Bund. Da müssen wir uns fragen, ob wir die richtigen Themen gesetzt haben. Wir haben schwierige Zeiten vor uns.“ Dem ist zuzustimmen.

Barbara Hendricks postete am Abend aus Berlin Glückwünsche und eine erste Einschätzung: „Ich gratuliere Stefan Rouenhoff zu seinem Einzug in den Deutschen Bundestag. Das starke Abschneiden der AfD schockiert mich. Die SPD wird alles dafür tun, dass die Rechtsextremen das Parlament und die Gesellschaft nicht zum Schlechten verändern werden.“

Gerd Plorin (AfD) hatte eine diffenzierte Sicht zu dem Resultat: „Licht und Schatten, wenn Sie mich fragen. Was wollen wir mit 13 Prozent politisch bewirken? Aber wir sind drittstärkste Kraft, die CDU hat ordentlich einen aufn Däz gekriegt, und wir bekommen sehr, sehr viel Geld. Die größte Gefahr sehe ich darin, dass die AfD sich selbst zerlegt.“

Als einzige Kommune im gesamten Kreisgebiet meldete übrigens Kranenburg ein AfD-Ergebnis von unter 5 Prozent (Stand 20:40 Uhr, noch 4 Kommunen offen, mit Dank an Elke Sanders für den freundlichen Hinweis).


Ein wichtiger Tag, …

rd | 24. September 2017, 11:05 | 11 Kommentare
Stunden der Entscheidung

Stunden der Entscheidung

… also das Beste draus machen!


Stell dir vor, du betreibst ein Lokal und dann kommt die Fa. Loock

rd | 22. September 2017, 16:03 | 16 Kommentare
Von der Außenwelt abgeschnitten: das Lokal „Red Wagon“ von Alejandra Manthey (auszumachen in der Bildmitte)

Von der Außenwelt abgeschnitten: das Lokal „Red Wagon“ von Alejandra Manthey (auszumachen in der Bildmitte)

Dreihundert Meter Luftlinie vom Rathaus entfernt sitzt Alejandra Manthey in ihrem Lokal Red Wagon. Das Lokal hat einen kleinen Biergarten, und ist, wie jeder gastronomische Betrieb, darauf angewiesen, dass Gäste kommen. Nur dann fließt Geld, nur dann können die Rechnungen bezahlt werden.

Bei einem Unternehmer ist das anders als bei einem Beamten. Das Gehalt entspringt nicht einem unsichtbaren Füllhorn, es muss täglich neu verdient werden – aber dazu muss man als Gastronom wenigstens die Möglichkeit haben, seine Dienste anzubieten.

Doch genau das ist der Chilenin im Augenblick verwehrt: Eine städtische Baustelle hat ihr die Möglichkeit genommen zu arbeiten – der neue Radschnellweg führt direkt an ihrem Biergarten vorbei (Schlenk rechts), und die Baustellenabsperrungen sind monumental ausgefallen. Der Red Wagon ist seit Anfang der Woche von der Stadt aus praktisch nicht mehr zu erreichen.

Die Bauarbeiten hatten, der Bundestagswahl sei’s geschuldet, Ende August mit einem symbolischen Spatenstich begonnen. Beim Fototermin schwangen Bürgermeisterin Sonja Northing und Umweltministerin Barbara Hendricks die Schaufeln im Gleichtakt. Dann aber begannen die wirklichen Bauarbeiten, statt Muskelkraft regierten Dieselmotoren.

Es gab Tage, da konnten die Gäste im Biergarten ihr eigenes Wort nicht verstehen, weil dröhnende Bagger zentnerschwere Stahlplatten übereinander zogen und ein metallisches Kreischen die Luft erfüllte. Doch an diesen Tagen war der Biergarten immerhin noch zugänglich – anders als in dieser Woche. Die Firma Loock, sonst eigentlich ein Meister der virtuosen Baustellenabsperrung, die üblicherweise nach dem Muster „Weniger ist mehr“ verfährt, hat, als die Pflasterarbeiten begannen, ganze Arbeit geleistet. Der Biergarten ist von der Außenwelt abgeschnitten.

Ursprünglich sollten die Arbeiten nur drei Tage dauern, gestern aber sah es noch nicht einmal danach aus, als ob wenigstens bis zum Wochenende alles fertig ist. Die entgangenen Einnahmen ersetzt niemand.


Momentaufnahme aus der fahrradfreundlichen Stadt

rd | 20. September 2017, 16:51 | 64 Kommentare
Kleve, 7:50 Uhr. Autos stauen sich auf der Römerstraße, motorisierte Menschen auf dem Weg zur Arbeit. In den Autos hört man z. B. Antenne Niederrhein. Vielleicht läuft gerade ein Beitrag über Kleve als fahrradfreundliche Stadt.

Kleve, 7:50 Uhr. Autos stauen sich auf der Römerstraße, motorisierte Menschen auf dem Weg zur Arbeit. In den Autos hört man z. B. Antenne Niederrhein. Vielleicht läuft gerade ein Beitrag über Kleve als fahrradfreundliche Stadt.

Was stört es den Mond, wenn ihn ein Hund anbellt?

Der Mond, das ist in dieser Geschichte das Gesamtgemüt der Autofahrer Kleves, der Hund wiederum wird verkörpert durch den Fahrradstreifen auf der Römerstraße. Dabei handelt es sich um ein Stück Asphalt, stadteinwärts gesehen am rechten Rand der Fahrbahn, der durch eine deutlich sichtbare gestrichelte Linie abgetrennt ist und Radfahrern vorbehalten sein soll. Es gibt diesen Weg, der auch „Schutzstreifen“ genannt wird, seit gut einem Jahr. „Mit dem Stück Römerstraße bekommt die Stadt Kleve ein weiteres Puzzle-Steinchen in ihrem Radwegeplan, das den Radverkehr wieder etwas nach vorne bringt“, jubelte die Rheinische Post. „Für Fahrradfahrer wird die Fahrt über die Römerstraße in die City bald angenehmer.“

Dann aber klingelte frühmorgens in der kleveblog-Redaktion das Telefon. Am Apparat: ein Anwohner der Römerstraße. Mit lebhaften Worten schilderte er, dass der gewöhnliche Klever Autofahrer, der morgens über die Römerstraße in Richtung Unterstadt zur Arbeit fährt, die neue Einrichtung großzügig ignoriere. Der Redakteur möge sich doch bitte selber ein Bild machen. Gesagt, getan.

Also eine Momentaufnahme aus dem Berufsverkehr auf der Römerstraße: Es ist 7:50 Uhr, die Autos, die stadteinwärts unterwegs sind, stehen etwa bis zur Einmündung Frankenstraße. Das sind gut zweihundert Meter Schlange und bedeutet für die Fahrer, die hinten stehen, dass sie es in drei Ampelphasen über die Kreuzung geschafft haben werden. Das wiederum scheint auch die größte Sorge zu sein, denn fast alle Autos im hinteren Bereich der Schlange nehmen den für die Radfahrer gedachten Schutzstreifen mit in Anspruch. In gut zehn Minuten erlebt man Radfahrer, die entweder links an der Schlange vorbei (auf der Gegenfahrbahn) in Richtung Stadt fahren, oder aber solche, die auf den Bürgersteig ausweichen. Auch Rollerfahrer nutzen den Bürgersteig, um schneller voranzukommen. Das aber scheitert manchmal wiederum daran, dass auch Eltern, die ihre Sprösslinge zum Stein-Gymnasium bringen, ihr Auto einfach kurz auf dem Bürgersteig platzieren, bevor sie sich wieder in die Reihe der wartenden Autos einfädeln.

Den Radfahrern wird also nicht nur der Schutzstreifen weggenommen, ihnen wird dazu noch auf dem verbliebenen Terrain eine bunte Mischung aus anderen Bedrohungen zuteil – von sich öffnenden Autotüren bis hin zu Rollern und Autos auf dem Bürgersteig.

Am Freitag, 13. November 2015, hatte Bürgermeisterin Sonja Northing im Kolpinghaus in einer kleinen Feier die Urkunde erhalten, die der Stadt Kleve als insgesamt 76. Kommune die Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Kreise und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen“ (AGFS) bestätigten. Seitdem sind an den Ortseingängen an den Straßenlaternen kleine Schilder befestigt: „Fußgänger- und fahrradfreundliche Stadt in NRW“. Die Etikettierung gilt sieben Jahre, dann wird sie überprüft.

Viel war zuvor in Bewegung gesetzt worden, viel ist seitdem – unter Federführung von Pascal von Koeverden in der Verwaltung – in Angriff genommen worden, unter anderem die für 2018 geplante Umgestaltung der Ringstraße sowie der Bau des Fahrradschnellweges nach Nimwegen. Allerdings erscheint es ratsam, ab und an auch mal zu kontrollieren, wie sich die bisherigen Veränderungen in der Praxis bewährt haben. Die Römerstraße jedenfalls ist durch den Schutzstreifen kein Stück fahrradfreundlicher geworden.

Schönes Schild, schnöde Realität

Schönes Schild, schnöde Realität


Dialektischer Materialismus an der Lindenalleelaterne

rd | 17. September 2017, 23:44 | 2 Kommentare
Könnte eine Revolution auch die Mathematik verändern, oder handelt es sich bei dieser um eine universelle Wahrheit, die auch durch ein noch so konsequentes Parteiprogramm nicht zu beeinflussen ist?

Könnte eine Revolution auch die Mathematik verändern, oder handelt es sich bei dieser um eine universelle Wahrheit, die auch durch ein noch so konsequentes Parteiprogramm nicht zu beeinflussen ist?


… ist es wirklich schon so spät?

rd | 17. September 2017, 23:39 | 1 Kommentar
Herr, es ist Zeit. Das Jahr verging schnell (Foto: Claudia Philipp)

Herr, es ist Zeit. Das Jahr verging schnell (Foto: Claudia Philipp)


Handys sind die neuen Brötchen: Anmerkungen zur Neusortierung der Innenstadt

rd | 15. September 2017, 15:00 | 17 Kommentare
 Viele Medienmacher denken, ohne Photoshop ist heute keine Infografik mehr möglich. Pah!

Viele Medienmacher denken, ohne Photoshop sei heute keine Infografik mehr möglich. Pah!

(Jetzt mit korrigiertem Juwelierumzug) Da schaut unsereins mal eine halbe Stunde nicht genau hin, und schon bleibt kein Stein auf dem anderen. Insbesondere kein Edelstein. Wie zu hören ist, hat der Juwelier neben Reffeling eine Immobilie in der Hagschen Straße gekauft und die beiden Mieter wegen Eigenbedarfs gekündigt – der Beginn einer großen Einzelhandelsrochade.

Änderungsschneider Dennis, seit vielen Jahren in dem Gebäude beheimatet, zog ein paar Häuser stadtabwärts – in einem Teil des leer stehenden Ladenlokals, in dem bis vor wenigen Wochen ein Fahrradhändler ansässig war. Sein Slogan ist geblieben: „Qualität ist meine beste Reklame“. Man muss nicht immer teure Werbeagenturen beschäftigen.

Der daneben wirkende Hundebedarfshändler, gerade erst dem Spoy-Center entronnen, musste ebenfalls seine Sachen packen, worüber er nicht sonderlich erfreut war. Doch es ist ein Glück, dass in Kleve Knochen und Rinderlunge („der leichte Snack für zwischendurch“) besser gehen als Frauenbekleidung. So gab Biggy Cornelissen ihr Modegeschäft Bi hip in der Gasthausstraße, gegenüber der Zentrale, nach nur neun Monaten wieder auf. Die freigewordenen Quadratmeter eroberte Natur und Hund, so dass Hundebesitzer nun auch in der Unterstadt ihren Lieblingen das Beste zukommen lassen können. Die Boutique Loris, ebenfalls in der Gasthausstraße, macht ebenfalls dicht, der finale Sale dauert nun gefühlt schon ein Vierteljahr.

Nach einem Vierteljahrhundert wiederum hat eine treue Seele der Großen Straße, die Boutique Pupille, ihre Geschäftstätigkeit eingestellt. Es wird nicht leichter für die Damenwelt, sich in der Stadt eine ansprechende Fassade zuzulegen. Die Pupille-Schließung allerdings nutzte Optiker Uwe Pohland, um sein durch einen Wasserschaden verheertes Ladenlokal in der Gasthausstraße aufzugeben und eine deutlich bessere Lage in der Großen Straße zu erobern. Die Eröffnung soll laut Schaufenster-Beschriftung „ca. am 15.9.“ sein, was zumindest für den heutigen Tag umgeändert werden könnte in: „ganz sicher nicht am 15.9.“ Aber vielleicht passt ja schon der 16. September.

Doch zurück zu den Juwelen: Der Juwelier Fine Art streicht in der Hagschen Straße die Segel, den Prozentzeichen nach zu urteilen, werden die Edelsteine mittlerweile zu den Konditionen von Kieselsteinen angeboten. Da fügt es, dass in der Großen Straße Kollege Mentze die Tore geschlossen hat Um Platz zu machen für – einen Juwelier. Heimisch wird dort der Inhaber von Fine Art, der in besserer Lage und unter eigenem Namen sein Geschäft fortführt: Knittel. Vorher war übrigens in dem gleichen Ladenlokal ein Juwelier namens Christ, und davor ein Juwelier namens Wempe (wenn ich mich recht entsinne). Deshalb ein Vorschlag zur Güte: Warum nicht einfach den Warenbestand weiterreichen und lediglich die Namensschilder austauschen?

Ausverkaufsstimmung herrscht in der Neuen Mitte: Das Einrichtungshaus, das einem ohnehin schon das Gefühl vermittelt, alles zum halben Preis zu verkaufen, gewährt jetzt auf seinen Bestand im dritten Geschoss weitere Rabatte. Das berühmte „Alles muss raus!“ stimmt in diesem Fall wirklich, weil der Eigentümer plant, die Gewerbefläche in Wohnraum zu verwandeln. Da sind die Einnahmen vermutlich sicherer. Prozente gewährt auch der Kikkonkurrent NKD in der Hagschen Straße, doch bei aller Freude über die nahezu perfekte Beherrschung der Druckfunktion von Microsoft Word sei das Personal darauf hingewiesen, die Grammatik nicht zu vernachlässigen:

Ich kaufe ein N

Ich kaufe ein N

Deutlich dunkler geworden ist es an der Linde: Das Sonnenstudio McInn hat sich mit dem Sommer zusammengetan und Abschied genommen. Nun gibt es in der Stadt nur noch eine Möglichkeit, die Haut künstlich zu rösten – im Holiday Sun am Brücktor.

Zur Abrundung dieses Überblicks sei noch darauf hingewiesen, dass in der immer noch ein bisschen alternativen Herzogstraße – Seifenblase, Antiquar van Bebber – so nach und nach die Moderne Einzug hält. Zunächst eroberte ein Handy-Geschäft die ehemalige Backstube Voss, seit kurzen ist auch unübersehbar, dass in den Eckhaus – ehemals Kleve Marketing – ebenfalls ein Fachgeschäft für Mobiltelefone einzieht. Handys sind die neuen Brötchen.

Terminhinweis: Samstag ab 10 Uhr: Handwerkermarkt in der Kavarinerstraße!


Wiesenstraßenmenetekel, oder: Standhaftigkeit in stürmischen Zeiten

rd | 13. September 2017, 16:12 | 13 Kommentare

Wir leben, aus tausend Kilometern Höhe betrachtet, auf einer Insel der Seligen. Um uns herum ist die Welt in Aufruhr: Die Briten kehren Europa den Rücken, die Türken sagen der Demokratie adieu, die Amerikaner vollführen Kunststücke in intellektueller Regression, die Kriege allerorten gar nicht erst eingerechnet. In solchen Zeiten muss die Politik standhaft sein, Rückgrat zeigen und wie ein Fels der demokratischen Verlässlichkeit in der Brandung des Wahnsinns stehen. So gesehen, hat der aktuellen Bundestagswahlkampf Kleve an der Wiesenstraße ein besonderes Menetekel beschert: Von allen Wesselmann-Plakaten (so heißen die großen) blieb dort nach einigen Windböen nur eines stehen – das der Partei Die Linke. Und auch ein Plakat, das auf die Kirmes in Rindern hinweist, trotzt wacker dem Wind – Vergnügen lässt sich nicht unterkriegen. Dagegen die Werbetafeln sämtlicher großen Parteien – hinweggefegt, flachgelegt:

Die großen Parteien liegen flach, nur Die Linke hält sich. Und der Hinweis auf die Kirmes in Rindern

Die großen Parteien liegen flach, nur Die Linke hält sich. Und der Hinweis auf die Kirmes in Rindern


kleveblog-Gourmettage (2): Wie alt mag das Frittierfett sein?

rd | 12. September 2017, 15:29 | 4 Kommentare
Neonleuchtreklame war mal der letzte Schrei, so ca. 1960

Neonleuchtreklame war mal der letzte Schrei, so ca. 1960

Klappern gehört zum Handwerk. Der Neonleuchtreklamenvertreter, der ca. Anfang 1960 dem Imbissbudenbesitzer dieses Schild empfahl, sagte zur Schriftfarbe sicherlich: „Rot auf Weiß, das knallt! Und in Verbindung mit der pommesfarbenen Verklinkerung stellt sich beim Betrachter sofort die Assoziation Pommes Bahnschranke ein.“ Der Imbissbudenbesitzer glaubte daran, wurde reich und schippert heute mit einer Luxusyacht um die Balearen. Nur manchmal denkt er noch daran, wie alles begann – mit dem Besuch eines verrückten Neonleuchtreklamenvertreters.


kleveblog-Gourmettage (1): Zeitungsanzeigen, bei denen man in Erwägung ziehen sollte, mit dem Rauchen aufzuhören

rd | 12. September 2017, 15:21 | 2 Kommentare
Möchte man das sehen, wenn man morgens die Zeitung aufschlägt?

Möchte man das sehen, wenn man morgens die Zeitung aufschlägt?

Deutschland um halb zehn… Rinderlunge, der beliebte Snack für zwischendurch… Gut, es geht um Tiernahrung, aber das sieht der Zeitungsleser nicht auf den ersten Blick. Da stellt er sich die Frage, ob es tatsächlich Rinder gibt, die Kettenraucher sind. Oder ist das Foto einer zarten Rinderlunge versehentlich gegen eines von Holzkohle ausgetauscht worden?


Wahlergebnis steht bereits fest (zumindest für Kreiswirtschaftsförderung)

rd | 11. September 2017, 19:31 | 6 Kommentare
Seherisches aus der Hoffmannallee

Seherisches aus der Hoffmannallee

Kürzlich hatte die Redaktion an dieser Stelle überzeugend dargelegt, dass nicht die Windkraftwerke den Strom erzeugen, sondern dass sie mit Atomstrom betrieben werden, um uns allen die behagliche Vision einer Energiewende vorzugaukeln. Mit den Wahlen, dafür hat die Redaktion jetzt einen echten Beweis aufgetrieben, verhält es sich ähnlich. Wir, die Bürger des Kreises Kleve, gehen zwar am 24. September zur Wahl, die Stimmen allerdings sind schon jetzt zugeteilt. Dieser Vorgang findet in den Büros der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Kleve statt. Normalerweise wäre diese Form der – nennen wir es einmal – demokratischen Glättung nie aufgeflogen, wenn nicht eine Veranstaltungseinladung aus den Reihen der Kreiswirtschaftsförderung zufällig in die Redaktion geflattert wäre. Darin lädt die Gesellschaft im Oktober zum Agrarforum Niederrhein ins Wunderland Kalkar und kündigt an, es gebe „eine Diskussion mit den zwei Bundestagsabgeordneten des Kreises Kleve Dr. Barbara Hendricks und Stefan Rouenhoff“.

Zwei Bundestagsabgeordnete? Woher wissen die das?

Der Wähler jedenfalls hat noch nicht sein Kreuz gemacht. Da allerdings der Einzug der Bundesumweltministerin dank Platz 2 auf der Landesliste (gleich hinter Martin Schulz) relativ sicher ist, anders als bei Rouenhoff, kann dies nur bedeuten, dass das amtliche Endergebnis der Kreiswirtschaftsförderung für den Wahlkreis 112 lautet: Rouenhoff gewinnt das Direktmandat. Gelebte Demokratie im Turbogang!


Wetterprognose Lichterfest: Trocken!

rd | 09. September 2017, 16:43 | keine Kommentare

So macht Servicejournalismus Spaß: Beim Blick aus dem Fenster erscheint es kaum glaubhaft, doch der äußerst zuverlässige niederländische Wetterdienst meldet, dass es nach der augenblicklichen Schauer trocken bleiben wird. Einem vergnüglichen, wenngleich etwas frischen Lichterfest steht also nichts im Wege, vorausgesetzt Gummistiefel sind verfügbar. Zum Aufwärmen danach sollten allerdings Gaststätten aufgesucht werden, in denen auch Getränke über Zimmertemperatur serviert werden.


Stand nicht auf der Tagesordnung: Der Klever Schrottadler

rd | 08. September 2017, 16:20 | 71 Kommentare
Zweifelsfrei kein Symbol mehr, das irgendeinen Machtanspruch untermauern könnte: Kopetzky-Adler, für kleveblog freundlicherweise aus der Folienverpackung geholt

Zweifelsfrei kein Symbol mehr, das irgendeinen Machtanspruch untermauern könnte: Kopetzky-Adler, für kleveblog freundlicherweise aus der Folienverpackung geholt

Am Donnerstag tagte der Klever Ausschuss für Kultur und Statdplanung, die Mitglieder diskutierten über wichtige Dinge wie das so genannte „Parkpflegewerk“, das vorschlägt, wie die Klever Gartenanlagen erhalten und erweitert werden können, sie sprachen über überraschend niedrige Besucherzahlen des Museums Kurhaus, und sie erörterten, ob in der Nachbarschaft eines wie auch immer zu bebauenden Minoritenplatz die Wallgrabenzone zu einem Grüngürtel ausgebaut werden kann. Ein Thema, das sich der Künstler Max Knipppert, in dem Gremium als sachkundiger Bürger der Offenen Klever aktiv, auf die Tagesordnung gewünscht hatte, fehlte allerdings – die Zukunft des Adlers, der bis vor zwei Jahren die Spitze des kupfernen Knopf zierte. Sicher ist: Der hölzerne, mit Blech verkleidete Greifvogel ist morsch, eine Restaurierung scheint nicht mehr möglich. Das Kunstwerk des Kellner Bildhauers Josef Kopetzky lagert seit Monaten bei der Firma Bau-Art in Bedburg-Hau, sicher verpackt in vielen Lagen Kunststofffolie. Doch wie geht es weiter? Max Knippert, streitbar, wie er ist, hat sich ausführliche Gedanken dazu gemacht, die die Redaktion – obwohl grundsätzlich anderer Meinung – hier dennoch gerne veröffentlicht, um eine Diskussion des Themas anzustoßen.


Groß rausgekommen: Ralf Seeger heute in Bild

rd | 08. September 2017, 13:24 | 5 Kommentare
Gut bebildert: Bild-Aufmacher über Ralf Seeger

Gut bebildert: Bild-Aufmacher über Ralf Seeger

„Besuch bei Deutschland härtesten Tierschützer“, so überschreibt die Bild-Zeitung heute einen Beitrag über Ralf Seeger, den ehemaligen Kampfsportler, der seit einigen Jahren seine neue Berufung im Tierschutz gefunden hat. Groß rausgekommen und gut bebildert, das kann man nicht anders sagen. Die Geschichte selbst ist allerdings weniger die angekündigte Homestory, sondern mehr die tragische Geschichte eines Hundes aus Mazedonien, dessen Beine gebrochen waren und der nun bei Ralf Seeger zu Hause wieder gesund gepflegt wird.


Bürgerversammlung Stadthalle: Die Würde des Baumes ist unantastbar – also fällen!

rd | 06. September 2017, 21:05 | 27 Kommentare
Interessierte Bürger. Im Hintergrund Bäume, die dem Tod geweiht sind

Interessierte Bürger. Im Hintergrund Bäume, die dem Tod geweiht sind

Kürzlich kursierte in sozialen Netzwerken das Selfie eines Schopfmakaken, verbunden mit der schauerlichen Geschichte, dass dieses Foto den Urheber ruiniert habe, weil Tierschutzorganisationen (selbsternannte) den Lichtbildner wegen der Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Menschenaffen vor alle möglichen Gerichte gezerrt hatten. Die Stadt Kleve, das wurde am Mittwochabend auf einer Bürgerversammlung in der Stadthalle deutlich, ist der Zeit weit voraus: Sie achtet sogar schon die Würde der Pflanzen – auch wenn dies im Einzelfall bedeutet, dass zwanzig oder dreißig Bäume gefällt werden müssen.

Tiefbauamtsleiter Bernd Klockhaus wurde nicht müde, dass jämmerliche Dasein einzelner Bäume im Bereich der Stadthalle klangvoll zu beschreiben. Es hörte sich an wie eine botanische Version von „50 Shades of Grey“, natürlich von der Leidensseite. Die knapp hundert interessierten Anwohner, die gekommen waren, um sich über die geplanten Veränderungen der Straßen Lohstätte und Bleichen zu informieren, lernten viel über „abgewürgte Wurzeln“, über Bäume, die sich dem Wind beugen müssen, über zu knapp bemessenen Lebensraum und und und. Manche Bäume besitzen sogar die Unverfrorenheit, den Anwohnern das Licht zu rauben, wissen die denn gar nicht, was gutes Benehmen ist?Bemitleidenswerte Kreaturen allerorten, für die es nach Meinung der Planer nur einen Ausweg geben kann – den Gnadentod durch die Kettensäge.

In den ursprünglichen Planungen sollten von den insgesamt 48 Bäumen im Umfeld der Stadthalle exakt 48 gefällt werden. Dafür sollte die Zahl der Parkplätze von 70 auf 95 steigen, und all diese Parkplätze sollten auch so groß bemessen sein, dass die stolzen Besitzer von SUVs bequem einparken und die Türen öffnen können. (Der Fairness halber sei hinzugefügt, dass auch 44 neue Bäume gepflanzt worden wären.) Dann aber regte sich Mitleid, und die Planungen gerieten etwas weniger radikal. 13 Bäume dürfen stehen bleiben, 35 werden gefällt, dafür 25 neue gepflanzt. Die Zahl der Parkplätze sinkt auf 64, erfreulicherweise kommen sogar Fahrradabstellplätze hinzu!

Für die Anwohner der Straße Lohstätte sei schon einmal festgehalten, dass sie sich neue Briefköpfe, Adressstempel und was weiß ich zulegen können. Die Straße wird verschwinden. Für immer. Aus der Geschichte getilgt. Der ganze Bereich nördlich der Stadthalle ist aus Sicht der Planer „übererschlossen“, die Straße kann also weg. Künftig soll die Straße Bleichen die ganze Last des Verkehrs tragen. Der Bereich zum Wasser soll aufgewertet und als Wanderweg erschlossen werden. Bessere Bedingungen soll es auch für die Stadthallen-Gastronomie geben, ebenso für das Lokal an der Lohstätte, in dem vor langen Jahren der „Franziskaner“ und später das „Flönz & Schmöker“ ansässig war – obwohl die letzten Pächter („Café Live“) schon vor einigen Monaten das Handtuch geworfen haben. Die Baumaßnahmen sollen gut zwei Millionen Euro kosten (wovon die Anwohner einen Teil übernehmen werden müssen). Die Umgestaltung soll ab Anfang 2018 beginnen und in zwei bis drei Jahren abgeschlossen sein.


Der Winter kommt: Tiergartenwald horizontal

rd | 01. September 2017, 12:41 | 19 Kommentare

Leben wir in Westeros? Drohen mehrjährige Winter? Wer aktuell im Tiergartenwald den Hauptweg entlang wandert, könnte fast den Eindruck gewinnen, dass Förster Joachim Böhmer den Ast, auf dem er sitzt, bereits hat absägen lassen (was er natürlich nie tun würde). Allerdings lässt die schiere Masse des bereitstehenden Kaminmaterials der Zukunft an einen gigantischen Kahlschlag, der zuvor dort stattgefunden haben muss, denken. Es sind allerdings noch vereinzelt Bäume zu sehen, soviel zum Trost.


Tiergartenwaldandacht

rd | 31. August 2017, 16:33 | 4 Kommentare
Im Leben geht mancher Schuss daneben… aber dann einen St.-Hubertus-Tropfen

Im Leben geht mancher Schuss daneben… aber dann einen St.-Hubertus-Tropfen


Radschnellweg: Schlenk rechts

rd | 30. August 2017, 10:04 | 39 Kommentare
Wer aber hat sich das ausgedacht? Der Radschnellweg umkurvt ein bewegliches Hindernis

Wer aber hat sich das ausgedacht? Der Radschnellweg umkurvt ein bewegliches Hindernis

Eine der schönsten Straßen im Klever Umland heißt „Schlenk“. Sie beginnt hinter der – mittlerweile geschlossenen – Gaststätte „Haus Erfgen“ und führt von dort angenehm kurvig in Richtung Huisberden.

Es scheint, als hätten sich die Planer des Radschnellwegs Kleve-Nimwegen gleich zu Beginn der Strecke von dieser Straße inspirieren lassen. Denn schon auf dem ersten Kilometer des Millionenprojektes dürften Schnellradfahrer erhebliche Probleme bekommen. Unmittelbar nach der Überquerung des Spoykanals macht die Strecke eine scharfe Rechtskurve und führt dann in einem langen Schlenker wieder zu den Bahngleisen zurück. Grund für den Streckenversatz: das Lokal „Red Wagon“ nebst angegliedertem Biergarten. Bekanntlich aber ist die Gaststätte ein ausrangierter Eisenbahnwaggon, der dort auf ein paar Metern Schienen, die eigens dafür verlegt wurden, platziert wurde. Auf die Idee, den Waggon mit einem Kran einfach drei Meter nach rechts zu verschieben, ist offenbar niemand gekommen. War wohl zu naheliegend.


King Theo

rd | 28. August 2017, 00:40 | 19 Kommentare
Prinz, Bürgermeister – und nun Monarch: Tho Brauer

Prinz, Bürgermeister – und nun Monarch: Tho Brauer (Foto: Tim Tripp/Klever Wochenblatt)

Eine Frau zwischen einem Gewinner und einem Kandidaten: Theo Brauer, Ehefrau Jutta, Stefan Rouenhoff (Foto: Rouenhoff)

Eine Frau zwischen einem Gewinner und einem Kandidaten: Theo Brauer, Ehefrau Jutta, Stefan Rouenhoff (Foto: Rouenhoff)

Er ist ein Machtmensch durch und durch. 1979 Theo der Feurige, Karnevalsprinz, erkennbar zu Höherem berufen. 2004 Bürgermeister, so strahlend, dass selbst am Ende die unabhängige Presse vom „Meisterbürger“ sprach. Und nun, 2017, die Endstufe des gesellschaftlichen Aufstiegs: König Theo! Theo Brauer wurde am Sonntag neuer Schützenkönig des Kellener Schützenvereins 1909! Die Politik der ruhigen Hand zeigt auch nach der Amtszeit als Bürgermeister noch perfekte Ergebnisse. Herzlichen Glückwunsch! Montag soll in Kellen noch gefeiert werden („Spätschoppen“), am Dienstag wird der gelernte Pädagoge, zuletzt als Grüßaugust in Diensten der Volksbank Kleverland, gut unterrichteten Kreisen zufolge, mit seiner Garde zum neuen Rathaus marschieren, um letzte demokratische Hemmnisse zu beseitigen. Bürgermeisterin Sonja Northing soll ein Exil in Goch angeboten werden. Mittwoch wird Emmerich annektiert. Die „Hand“ des neuen Monarchen wird Prof. Dr. Marie-Luise Klotz werden.

Ein sehr emotionaler Bericht in der NRZ: Bum, bum, Brauer (allerdings bezahlpflichtig)


Die wahrscheinlich am besten versteckte Touristen-Information der Welt

rd | 25. August 2017, 16:06 | 24 Kommentare
Abseits aller Laufwege gut versteckt: Kleves neue Touristen-Informationen an der Rückseite des Rathauses

Abseits aller Laufwege gut versteckt: Kleves neue Touristen-Informationen an der Rückseite des Rathauses

Schon gemerkt? Wahrscheinlich nicht, wie denn auch! Mit der Fertigstellung des Rathauses hat auch das Kleve Marketing ein neues Zuhause bekommen – in eben diesem Neubau. Damit kann Kleves sich rühmen, die wahrscheinlich am besten versteckte Touristen-Information der Welt zu betreiben. Obwohl, ich weiß nicht ganz genau, wie es in Pjöngjang aussieht.

Ältere Klever erinnern sich gerne an den Pavillon auf der Herzogbrücke – besser kann eine Touristen-Information nicht platziert sein. Direkt am Eingang der Innenstadt, genau im Laufweg der Besucher, die von den Parkplätzen oder aber vom Bahnhof kommend in die Stadt strömten. Später zog die Einrichtung um in ein Gebäude am Kopfende der heute nicht mehr existierenden Straße, hinter der Herzogbrücke entlang des Spoykanals führte. Heute steht dort die Volksbank. Ebenfalls eine gute Lage, gut sichtbar für alle, die auf der Suche nach Informationen über ihr Reiseziel waren.

Blick auf die Herzogbrücke, oben links der Pavillon (Foto Christoph Hünnkes/Kleve anno dazumal)

Blick auf die Herzogbrücke, oben links der Pavillon (Foto: Christoph Hünnkes/Kleve anno dazumal)

Das vergangene Jahrzehnt schließlich waren die Mitarbeiter des Kleve Marketings auch strategisch günstig untergebracht – in der Eckimmobilie Herzogstraße/Opschlag, wiederum gut sichtbar an den Hauptverkehrswegen gelegen. Für die Besucher erfüllte der Standort seinen Zweck, doch die Immobilie selbst war in einem miserablen Zustand und weckte offenbar Begehrlichkeiten nach einer dem Geschäftsführergehalt angemessenen Unterbringung.

Die fand sich nun im neuen Rathaus. Das aber ist bekanntlich ein ehemaliges Krankenhaus, das, seiner Bestimmung gemäß, sich nicht in den Vordergrund drängte, sondern eher im Verborgenen stand. Das Gebäude liegt in der zweiten Reihe der Kavarinerstraße, oder, aus der Sicht der vom Bahnhof kommenden Besucher der Stadt, hinter der Deutschen Bank. Von dort aus gesehen, dann aber in der hinteren, verdeckten Ecke. Höchstens Abenteuertouristen, die einmal abseits der ausgetretenen Pfade ihr Reiseziel erkunden wollen, haben die Chance, auf das Büro zu stoßen. Wollen sie eintreten, müssen sie noch den Türöffner rechts vom Eingang betätigen (das muss heute wahrscheinlich so sein, wird mich aber nicht von meiner Meinung abbringen, dass Türen einem auch die Gelegenheit geben sollten, sie auf althergebrachte Weise zu öffnen). In Inneren fällt der Blick sofort auf einen hohen Tresen, der den Besucher – wenn er denn überhaupt bis dorthin gekommen ist – psychologisch zu einem Bittsteller degradiert.

Das Ganze ist so vermurkst, dass man sich fragt, wer das abgezeichnet hat. Wollte man den Mitarbeitern von Kleve Marketing etwas Ruhe vom Alltag verschaffen. Abhilfe scheint erst in Sicht, wenn die Volksbank Kleverland infolge von Fusionen ihr Klever Verwaltungsgebäude nicht mehr benötigt und das Rathaus dorthin umzieht. Im Foyer des Gebäudes könnte sich die Stadt den Besuchern angemessen präsentieren. Die Weinhandlung kann vom Kämmerer übernommen werden. Das neue Rathaus verwandelt Christian Nitsch dann in ein Seniorenpflegeheim. Viele Ratsmitglieder müssten sich dann auch nicht mehr groß umgewöhnen.


Klever Wochenblatt entdeckt neue Form der Begeisterung

rd | 24. August 2017, 10:03 | 11 Kommentare
Wissenschaftler untersuchen derzeit, wie diese Form des Enthusiasmus zu bewerten ist

Wissenschaftler untersuchen derzeit, wie diese Form des Enthusiasmus zu bewerten ist

Die Steigerung dürfte etwas so gehen: Ablehnung, Widerwillen, Reserviertheit, Gleichgültigkeit, Wohlwollen, Freude, Begeisterung, Begeisterung beim Zweiradspektakel.

Nicht fürchtet der Journalist mehr, von Leserbriefen von Studienräten einmal abgesehen, als die Text-Bild-Schere. Nur die Kollegen beim Klever Wochenblatt haben keine Angst davor 😉


Blick nach Sachsen

rd | 22. August 2017, 10:40 | 6 Kommentare
Kann auch gut berühmte Skulpturen imitieren: Markus van Appeldorn, Journalist

Kann auch gut berühmte Skulpturen imitieren: Markus van Appeldorn, Journalist

(Tag der Presseschau, Teil 4) Markus van Appeldorn, unser nach Sachsen entsandter Sonderkorrespondent, hat seiner neuen Heimat eine Liebeserklärung gemacht. Kaum zu glauben, aber, lieber Leser, überzeuge dich selbst:

Tief im Westen, tief im Osten

(Die Überschrift hat er netterweise von meinem Artikel zu seinem Abschied aus Kleve übernomme ;-))


Kleve in Farbe: Ist das die Kavarinerstraße?

rd | 22. August 2017, 10:36 | 9 Kommentare
Pittoresk bis abbruchreif: Kleve, vermutlich 1921 (Foto Andries Nielen/NRZ)

Pittoresk bis abbruchreif: Kleve, vermutlich 1921 (Foto Andries Nielen/NRZ)

(Tag der Presseschau, Teil 3) Ein faszinierender Blick auf Kleve, wie es ihn noch nie gegeben hat: Andreas Gebbink präsentierte in der NRZ die Fotos von Andries Nielen, eines Niederländers, der als Unternehmer in den USA ein Vermögen machte und sich deshalb schon früh seinem Hobby widmen konnte – dem Fotografieren. Die – damals aufwändig nachkolorierten – Aufnahmen, entstanden in den Jahren 1912 bis 1921, sind wahrscheinlich die ersten Farbbilder, die es von Kleve gibt. Die Aufnahme oben könnte, dem Blickwinkel zur Schwanenburg nach zu urteilen, in der Kavarinerstraße entstanden sein. Dann wäre die kleine Straße rechts die Hopfensackstege. Das Geschäft am Kopfende heißt „Weinhandlung“ oder „Kornhandlung“, jedenfalls ein kurzes Wort vor „…handlung“, und der Name scheint mit den Buchstaben „Tho…“ zu beginnen, aber richtig genau ist das nicht zu entziffern. Das Geschäft müsste dann in der Großen Straße gelegen haben.

Hier der Link zum Artikel in der NRZ: Ein Niederländer machte die ersten Farbbilder von Kleve (bezahlpflichtig)


Die geteilte Stadt (nein, nicht Berlin)

rd | 22. August 2017, 10:18 | keine Kommentare
Berühmte Fotomontage von Ewald Steiger: Elefanten vor dem Hoffmann-Werksgebäude (Foto: Stadtarchiv Kleve)

Berühmte Fotomontage von Ewald Steiger: Elefanten vor dem Hoffmann-Werksgebäude (Foto: Stadtarchiv Kleve)

(Tag der Presseschau, Teil 2) Die NRZ-Serie zum Klever Stadtjubiläum befasste sich am Wochenende mit den beiden Klever Unternehmen Union und Hoffmannn, auch dies ein Beitrag aus meiner Feder:

Eine revolutionäre Idee und ein bürokratischer Akt sorgten gegen Ende des 19. Jahrhunderts dafür, dass Kleve die Zeit als verarmte ehemalige Residenzstadt, die von ein paar Monaten Kurtourismus im Sommer lebte, hinter sich ließ und in der Moderne ankam. Die Moderne, das hieß: Fabriken, rauchende Schlote, Heerscharen von Arbeitern. Ein gutes Jahrhundert, von den Wirren des Zweiten Weltkriegs einmal abgesehen, blieb dies das Gesicht der Stadt.

1887 erließ Reichskanzler Bismarck ein Zollgesetz, das auf die Einfuhr von Margarine einen Strafzoll von zweihundert Mark je Tonne erhob. Die neue Regelung störte das Geschäft des Fabrikanten Simon van den Bergh erheblich. Der Unternehmer hatte sich im niederländischen Oss, fünfzig Kilometer westlich von Kleve, einem neuen Gewerbe zugewandt, der Produktion von „Kunstbutter“. Das Erzeugnis erhielt wegen seines perlenartigen Glanzes den Namen Margarine.

Das Produkt ließ sich günstiger herstellen als Butter, und es fand schnell reißenden Absatz – auch in Deutschland. Um die heimischen Produzenten zu schützen, erhob das Deutsche Reich deshalb die Strafzahlung auf die Importe. Van den Bergh und andere Unternehmer suchten nach einem Ausweg.

Die Lösung war die Gründung von Zweigniederlassungen jenseits der Grenze. „Grund für die Ausdehnung ihrer Interessen nach Deutschland war der Wunsch, die hohen Schutzzölle zu umgehen“, schreibt Barbara Hendricks, heute Bundesumweltministerin, in ihrer Doktorarbeit. „Mit diesen Gründungen beginnt die eigentliche Geschichte der Margarineindustrie am unteren Niederrhein.“

Das Werk van den Berghs wurde bereits am 20. August 1888 eröffnet; es lag strategisch günstig im Kellen in Nachbarschaft zum Bahnhof sowie unweit des Spoykanals. Schon sechs Jahre später produzierte die Fabrik ausweislich einer Statistik des Regierungsbezirks Düsseldorf 120.000 Zentner Margarine pro Jahr und beschäftigte 200 Arbeiter. Der Konkurrent Jurgens & Prinzen in Goch hatte 160 Menschen in Lohn und Brot und stellte 200.000 Zentner pro Jahr her. Landrat Eich kommentierte die Zahlen: „Sämtliche Etablissements werden unausgesetzt erweitert, die Zahl der Arbeiter vermehrt sich stetig.“

Der Klever arbeitete „op de Butter“, und was in Kleve von den Bändern lief, war schon bald in ganz Deutschland bekannt – weil die Marken wie Blauband, Rama und Clever Stolz aggressiv in den Markt gedrückt wurden. Verantwortlich dafür war unter anderem Johann Manger, ein Mann, von dem sich sagen lässt, dass er – offiziell als Generaldirektor fungierend – der erste Manager in der Stadt war.

Charles Wilson beschreibt den Werkschef in seiner „Geschichte von Unilever“ mit folgenden Sätzen: „Manger war ein stämmiger, kraftstrotzender Kerl. Er besaß einen Stiernacken, war nicht sonderlich feinsinnig und genoss den Ruf, jeden unter den Tisch trinken zu können.“ Rastlosigkeit war sein Markenzeichen: 200 Nächte pro Jahr soll er in Schlafwagen der Eisenbahn verbracht haben.

Parallel dazu entwickelte sich in der Oberstadt ein Musterbeispiel für einen patriarchalischen Familienunternehmer. Im Alter von nur 24 Jahren gründete Gustav Hoffmann, Sohn eines Kleinhändlers aus der Innenstadt, gemeinsam mit dem fünf Jahre älteren Fritz Pannier eine Fabrik, die sich auf die Herstellung von Kinderschuhen spezialisierte – damals eine revolutionäre Idee. Zu der Zeit trugen Kinder Schuhe, die rechts wie links getragen werden konnten. Ein Fußbett, das sich der Form des Fußes anpasst, war nur Erwachsenen vorbehalten.

Auch diese Idee wurde ein Erfolg, der von Kleve aus die Welt eroberte. Hoffmann kam durch seine „Elefanten“-Schuhe zu sagenhaften Reichtum, den er auch entsprechend zelebrierte – er sammelte Häuser wie andere Leute Briefmarken, er fuhr einen Minerva, eine Luxuskarosse, die beispielsweise auch Henry Ford besaß. Die Karosserie seines Wagens hatte er persönlich entworfen, zum Chauffeur hielt er mit einem Sprechrohr Kontakt. Hoffmann hatte in Kleve die Telefonnummer 1 und starb, wie er lebte – während eines Karnevalsballs im Hotel Maywald (das ihm auch einmal gehörte) im Februar 1935 beim Tanzen vom Herzinfarkt gefällt.

In einem gewissen Sinne spalteten die beiden Werke die Stadt: „Op de Botter“ waren die Menschen tendenziell eher rechts und dem VfB Kleve zugetan. Die „Schüsterken“ neigten politisch nach links und schlossen sich mehrheitlich dem Sportclub 1863 Kleve an.

Diese Spaltung aber ist längst Geschichte, so wie es auch die der beiden Industrien selbst ist. Im Unilever-Konzernverbund wurde der Standort Kleve bedeutungslos und weitestgehend abgewickelt, aktuell steht die gesamte Lebensmittel-Sparte zum Verkauf. Die Schuhproduktion in Deutschland wurde zu teuer, der britische Konzern Clarks, seit 2001 Besitzer des Klever Traditionsunternehmens, legte den Standort 2004 komplett still.

Beide Areale gehören nun dem Klever Unternehmer Bernd Zevens. In der Oberstadt entwickelte er ein Einkaufszentrum mit vielen Parkplätzen, nur der alte Schlot erinnert noch an die Vergangenheit des Geländes. In der Unterstadt entsteht ein neuer Stadtteil – lediglich die denkmalgeschützte Produktionshalle soll als Gewerbeimmobilie neu erschlossen werden.


Flugsekunde zur Seligkeit

rd | 22. August 2017, 10:09 | 5 Kommentare
Temps perdu

Temps perdu

(Tag der Presseschau, Teil 1) Für die NRZ durfte ich in der Reihe „Kennste noch“ einen – sentimentalen – Bericht über das alte Klever Freibad, das gerade einem zeitgemäßen Neubau weicht, schreiben. Voilà:

Der Zehner! Sicher, vom Sprungturm im Sternbuschbad konnten Besucher auch aus drei, fünf und siebeneinhalb Metern Höhe ins Wasser springen, doch die eigentliche Grenzerfahrung einer unschuldigen Adoleszenz war die Betonplattform zehn Meter über dem Wasserspiegel.

Der Zehner war ein mystischer Ort, der unbarmherzig die Mutigen von den Zaghaften schied, der Teenagern durch eine Sekunde freien Falls zu Helden erhob oder, wenn oben doch die Angst Oberhand gewinnen sollte und die Metalltreppe für den Rückweg zur Erde gewählt wurde, die schlimmsten Demütigungen für einen bereithielt.

Der Sprungturm war das Wahrzeichen des Sternbuschbades. 1975 wurde es eröffnet, architektonisch eine Perle der – heute leider nicht mehr so geschätzten – Betonarchitektur der Siebzigerjahre, idyllisch mitten im Wald gelegen. Wer nicht im Sommer seiner Jugend nach der Schule dorthin ging, um die sich entwickelnden Neigungen einem durch knappe Badekleidung beförderten Praxistest zu unterziehen, war nicht von dieser Welt. Die Coolsten lagen auf den Betonstufen neben dem 50-Meter-Becken und präsentierten ihre Körper, als hätten sie noch nie von ultravioletten Strahlen gehört. Hatten sie auch nicht.

Das 50-Meter-Becken war neben dem Sprungturm der zweite Fixpunkt der Anlage. Wer häufiger dort zu Gast war, hört heute noch nachts in seinen Träumen, wie es einem aus dem Lautsprecher auf dem Schwimmmeister-Kommandostand entgegenscheppert: „Nicht vom Beckenrand springen!“ In den Siebziger- und Achtzigerjahren mussten die Schwimmer noch Badekappen tragen, aus hygienischen Gründen, bis das Ganze irgendwann als Unsinn entlarvt wurde.

Nirgendwo konnte man seine Bahnen schöner ziehen als in diesem Bassin, das wegen seiner Maße Olympiabecken genannt wurde – bei gutem Wetter, wenn die Besucher zu Tausenden anbrandeten, allerdings nur frühmorgens oder kurz vor der Schließung, wobei der Unterschied in der Wasserqualität im Verlauf eines Tages beeindruckend war. Empfindlichere Naturen kamen also lieber früher.

Ein Besuch des Sternbuschbades war erst perfekt, wenn Fixpunkt Nummer 3 aufgesucht worden war – der Imbiss im Eingangsbereich der Anlage. Die Schlange vor der Fritteuse vermittelte einen Eindruck vom Leben in der DDR, doch sobald der juvenile Besucher eine Schale Pommes in den Händen hielt, war der Gipfel menschenmöglichen Glücks erreicht. Vielleicht waren die Kartoffelstäbchen wirklich so gut, wahrscheinlicher aber sorgte das Gefühl, eine Herkulesaufgabe bewältigt zu haben, für eine besondere Form der Seligkeit – womöglich noch verstärkt durch den vorher absolvierten Sprung vom Zehner.

Konzipiert worden ist das Sternbuschbad als Sportbad; nachdem die Klever Schwimm-Ikonen Klaus und Angela Steinbach bei den Olympischen Spielen in München an den Start gegangen waren (Klaus gewann die Silbermedaille in der 4 200-Meter-Freistilstaffel), schien dem Schwimmsport in Kleve eine große Zukunft bevorzustehen.

Doch ausgerechnet das Olympiabecken war für offizielle Wettkämpfe nicht zu gebrauchen. Das ausführende Bauunternehmen hatte die Beckenlänge exakt mit fünfzig Metern abgemessen – aber leider nicht daran gedacht, dass an den beiden Enden noch jeweils eine Lage Kacheln nötig war. So maß das Becken nach Fertigstellung exakt 49,95 Meter – fünf Zentimeter zu wenig.

Von alldem wird nichts mehr übrig sein, wenn im Sommer nächsten Jahres das neue Sternbuschbad eröffnet wird: Der Sprungturm ist geschleift, das Olympiabecken von acht auf zwei Bahnen geschrumpft. Nur die Schlangen vor der Pommesbude werden vermutlich nicht mehr so lang sein. Aber wollen wir das?


Blick nach Emmerich: Stadtmuseum eröffnet!

rd | 21. August 2017, 10:20 | 1 Kommentar
Museum, das muss nicht immer ein aufwändig restauriertes Kurhaus sein…

Museum, das muss nicht immer ein aufwändig restauriertes Kurhaus sein…

Eigentlich Emmerich! Die für ihre unprätentiöse Art bekannte Stadt (siehe auch hier: Steinstraße und hier: Brückenkopf) setzt nun auch im Kulturbetrieb neue Zeichen: Das neue Stadtmuseum kommt mit einer Vitrine am Bahnhof aus, in der ausgewählte Gemälde aus dem Œuvre des Heimatmalers Hein Driessen ausgestellt werden. Die Telefonnummer des Künstlers ist gut sichtbar an der Frontscheibe angebracht, für den Fall, dass weitere Informationen zum Werk aus erster Hand gewünscht werden. Ist doch besser als diese unleserlichen Schildchen, die sonst immer unten rechts neben den Bildern hängen. Besucher können mit dem Rad bis direkt vor die Gemälde fahren. Das Museumscafé nebenan bietet neben Kaffeevariationen aus Papppechern auch aktuelle Presseerzeugnisse.

Von Herbert (13.09. 18:21):

Wunderschönes Emmerich

...


Neue Erkenntnisse zu alter Menschheitsfrage: Arrividerci, Ciao!

rd | 21. August 2017, 10:10 | keine Kommentare
Komplementärkontrast, aber wie lange noch: Piaggio am Wyler Meer (Foto: Anna Wandowski)

Komplementärkontrast, aber wie lange noch: Piaggio am Wyler Meer (Foto: Anna Wandowski)

Die schon am Beispiel eines Russenmercedes, der sich dann – einem Kommentator zufolge – als niederländischer Überführungsmercedes herausstellte (der übrigens mittlerweile von seinem Parkplatz entfernt wurde), durchexerzierte Frage, ob nicht am Ende doch die Natur alles Menschengemachte wieder überwuchert und annihiliert, darf nach einem weiteren spektakulären Fund getrost mit Ja beantwortet werden. (Langer Satz.) Wacker noch wehrt sich dieses rote Ciao-Mofa des italienischen Herstellers Piaggio gegen die Ranken und Sträucher, die es am Wyler Meer von allen Seiten attackieren. Doch schon im nächsten Jahr dürfte die Natur es verschlungen und Laufe der nächsten Äonen wieder in seine Ursprungsbestandteile zerlegt haben. Arrividerci, Ciao!


An der Klever Abrisskante

rd | 16. August 2017, 16:12 | 26 Kommentare

Seit heute werden die alten Bensdorp-Gebäude abgerissen

Ein Stück Klever Geschichte verschwindet, seit heute morgen machen Bagger einen Großteil des Bensdorp-Geländes dem Erdboden gleich – nur die denkmalgeschützten Bereiche der ehemaligen Kakaofabrik bleiben stehen, z. B. die Turmgarage. Zum Opfer fällt auch jenes Gebäude, das zuletzt mit in hoher Frequenz wechselnden Betreibern der Absturzgastronomie verpflichtet war, der in Kleve wohlbekannte „Tower-Club“, der auch schon mal als „Rampenbrücke“ firmierte, was zu Wortspielen reizte. Vermutlich Anfang der kommenden Woche reißen die Bagger auch die Diskothek ein. Udo Tjaden, der Besitzer des Geländes, möchte in bester Unterstadtlage neue Gewerbeimmobilien errichten. Nebenan nehmen die Bemühungen von Investor Bernd Zevens, einen neuen Stadtteil zu errichten, auch sichtbare Formen an – das geplante Pflegeheim, das dort errichtet wird, wo früher das Verwaltungsgebäude der Union stand, ist bereits auf sechs Stockwerke in die Höhe geschossen.


Poller am Opschlag: Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

rd | 16. August 2017, 15:56 | 12 Kommentare
Photoshop-Profis errichten einen gut sichtbaren Poller in fünf Minuten

Photoshop-Profis errichten einen gut sichtbaren Poller in fünf Minuten

(Auch in der NRZ veröffentlicht) Zugegeben, im privaten Umfeld dürfte eine solche Situation eher selten vorkommen, aber stellen Sie sich einmal vor, Sie benötigten für Ihre Garageneinfahrt einen versenkbaren Poller. Wie würden Sie vorgehen?

Vermutlich so: Sie googeln „versenkbare Poller“, finden in Bruchteilen von Sekunden Unmengen von Treffern, scrollen sich durch die Liste, stoßen auf einen seriös wirkenden Anbieter, der das gewünschte Teil für 1800 Euro anbietet, klicken auf „Jetzt bestellen!“, bekommen es innerhalb von drei Werktagen geliefert und laden fürs Wochenende zwei Freunde, die sich in Sachen Bau auskennen, ein und starten mit einem Kasten Bier das Projekt. Wenige Stunden später findet die Einweihung statt.

Doch der Poller, um den es hier geht, soll nicht auf privatem Grund und Boden stehen, sondern im öffentlichen Raum, eingangs der Straße Opschlag. Und da wird aus einem Poller schnell eine unendliche Geschichte.

Der Opschlag hat sich – für viele überraschend – nach der Umgestaltung zu einem gastronomischen Anziehungspunkt sowie zu einer Flaniermeile entwickelt. Zu verdanken ist dies im Wesentlichen den Lokalen „Tijuana“ und „The Lounge“ sowie dem „Venga“, die allesamt abends reichlich Besucher anlocken.

Das aber macht andere neugierig, und so entwickelte sich schnell eine besondere Art des Verkehrs. Autofahrer drehten Runden, um zu überprüfen, ob in einer der Gaststätten Bekannte sitzen, die es lohnenswert erscheinen ließen, die Tour zu unterbrechen. Leidtragende waren Anwohner, aber auch Kellner, die mit vollen Tabletts über die Straße zu den entfernteren Tischen laufen mussten. Auch Eltern, deren Kinder in der Nähe des Wassers spielten, während sie bei einem Getränk in der Außengastronomie saßen, war das Unbehagen über Situation mitunter anzusehen.

Daraufhin entschied sich die Stadtverwaltung im vergangenen Jahr, die Straße im Sommer abends für den Autoverkehr zu sperren. Ein kleines Schild machte darauf aufmerksam, und ein Pappkamerad in Form eines Ordnungshüters hob mahnend den Zeigefinger. Allein: Der Klever lässt sich nur ungern vorschreiben, wo er lang zu fahren hat und wo nicht.

Selbst überraschende Kontrollen, die nach Ansicht von Augenzeugen binnen weniger Minuten Hunderte von Euro an Bußgeldern eingespielt haben dürften, änderten nichts daran, dass der Opschlag abends von Kraftfahrern benutzt wurde. „Des Aufkommen an Verkehrsverstößen übersteigt bei weitem die Möglichkeiten, diese auch zu ahnden“, so das resignierte Fazit der Polizei.

Schon 2016, als der Opschlag in der Sommersaison erstmals gesperrt wurde, stand für den Fall, dass sich diese Lösung nicht bewähren würde, zur Diskussion,
eingangs der Straße versenkbare Poller einzubauen. Reichlich Zeit, eine entsprechende Lösung vorzubereiten, sollte man meinen.

Im Frühjahr herrschte im Umwelt- und Verkehrsausschuss der Stadt Kleve Einvernehmen darüber, dass die Poller tatsächlich kommen sollten. Am 5. April beschloss der Rat, die Poller „zeitnah“ einzubauen. Allerdings bremste Bernhard Klockhaus, Fachbereichsleiter Tiefbau, die Politik schon damals aus und sprach vage von einer Umsetzung „Ende des Jahres“. Die Kosten der Maßnahme wurden mit 20.000 Euro veranschlagt.

Anders als im Privatleben geht es bei der Stadt Kleve nicht ohne Vergabeverfahren. „Dieses steht kurz vor dem Abschluss“, so Stadtsprecher Jörg Boltersdorf. „Derzeit findet noch die Abstimmung mit der Polizei und der Feuerwehr statt.“ Zu den Verzögerungen sei es gekommen, weil verschiedene Systeme auf dem Markt angeboten werden. Boltersdorf: „Diese mussten im Hinblick auf Verkehrssicherheit und Tauglichkeit geprüft werden.“

Geplant ist, einen versenkbaren Poller in der Mitte zu installieren sowie links und rechts davon zwei Pfosten, die verhindern, dass Autofahrer die Sperre einfach umkurven. Boltersdorf: „Die Installation wird voraussichtlich im Oktober erfolgen.“ Die Chancen stehen also gut, dass in der Sommersaison 2018 der Opschlag diese Form der Verkehrsberuhigung erfahren wird – zweieinhalb Jahre nach der ersten Idee.


Aktuelle Störungen im Raum-Zeit-Kontinuum

rd | 09. August 2017, 16:33 | 31 Kommentare


Rhino’s – zu. Thom’s Lounge – zu. Diverse Fragen – offen

rd | 09. August 2017, 16:07 | 29 Kommentare
Thom's Lounge (Foto: FW)

Halb voll oder halb leer: Das ist in Thom’s Lounge am Kloppberg ncht mehr die Frage (Foto: FW)

Das Rhino’s an der Albersallee, heimisch in Räumen am Tönnissen Center, die auch schon mal unter Namen wie Oberbayern, Café Country, Euforia gastronomisch genutzt wurden, folgt – zumindest kurzzeitig – dem Schicksal der Vorgängerbetriebe und hat erst einmal geschlossen. Das Restaurant, auf die Zubereitung von Fleischklöpsen spezialisiert, klagt über gravierende technische Probleme. Auf seiner Facebook-Seite teilt das „Rhino’s Team“ mit: „Hallo Freunde, es tut uns sehr leid, dass es noch keine Antwort [zur überraschenden Schließung] gab. Wir haben in der Zeit verschiedene Techniker und Handwerker im Haus gehabt, um dies zu beurteilen sowie andere Rückschläge erlebt. Zwar wurde die Ursache gelöst, aber dennoch sind wichtige Teile nicht reparabel, wodurch wir gezwungen sind, den Küchenbetrieb zu minimieren, da zu hohe Investitionen notwendig wären. Wir werden ab September den Barbetrieb und Clubbetrieb wieder aufnehmen, aber mit einer abgeänderten, kleineren Karte als vorher. Die Öffnungstage und -Zeiten werden auch geändert, doch dieses werden wir in der nächsten Woche festlegen. Für uns steht erst einmal der 01.09. fest und werden ab nun wieder fleißig daran arbeiten, dass auch Infos schnellstmöglich weitergeleitet werden. Gutscheine behalten natürlich ihre Gültigkeit und können wieder umgetauscht werden.“ + + + Nur kurz währte die Wiederbelebung der Cocktail-Bar Thom’s Lounge in der Klever Innenstadt. Mehrfach standen Zecher nachts vor verschlossenen Türen. Wer dennoch auf die Cocktails von Andreas Hert nicht verzichten will, wird zumindest laut letztem Facebook-Eintrag auf der Lounge-Seite ins Casa Cleve an der Tichelstraße umdirigiert. + + + Ein bekanntes Gesicht aus der Klever Gastronomie, der Wirt Jos („Kultzapfer“), bekannt aus Biertönnchen und Katzenhof, bringt seit wenigen Wochen neuen Schwung in Ludger Tiggelbecks Klever Keimzelle seines Gastronomie-Imperiums, das Le Journal. Unterdessen schreiten in Tiggelbecks ausgebrannten Düsseldorfer Lokal Kurzen 7 die Renovierungsarbeiten voran. Einen Termin für die Wiedereröffnung gibt es aber noch nicht.


Wer am Ende immer gewinnt

rd | 06. August 2017, 18:02 | 6 Kommentare
Für die Ewigkeit gebaut, aber am Ende nicht mehr als eine Rankhilfe: Altrheinbrücke in Griethausen

Für die Ewigkeit gebaut, aber am Ende nicht mehr als eine Rankhilfe: Altrheinbrücke in Griethausen (Foto: Thomas Arntz)


Die drei ??? und der graue Russenmercedes an der Sternbuschklinik

rd | 04. August 2017, 17:07 | 16 Kommentare
Die Natur erobert das Auto zurück

Die Natur erobert das Auto zurück

Klare Arbeitsanweisung, die aber nicht befolgt wird

Klare Arbeitsanweisungen, die aber nicht befolgt werden

Nun, da mich meine meine Wege vermehrt zum Klever Krankenhaus führen, werden die Sinne geschärft für die Konstanten entlang des Weges. Auf einen dieser Fixpunkte machte mich bereits vor einigen Monaten ein Leser aufmerksam, nun durfte ich mich selbst mit dem durchaus rätselhaften Sachverhalt vertraut machen.

Es geht um die Sternbuschklinik (SBK), genauer gesagt um den ersten Parkplatz links. Dort parkt ein Mercedes C 180 mit (unvollständigem) russischen Kennzeichen JV 03 – und zwar, wie der Leser bereits im Frühjahr anmerkte, seit geraumer Zeit. Der erste Gedanke – Sternbuschklinik, oje, nicht dass da etwas Endgültiges passiert ist! Doch die genauere Inspektion des Wagens bringt hinter der Windschutzscheibe eine interessante Mitteilung des Wagenbesitzers zum Vorschein.

Er schreibt: „Liebe Hausangestellten der SBK: Information: Zu eurem Aufgabengebiet zählt auch der Forstparkplatz an der SBK. Daher bitte ich in regelmäßigen Abständen meinen Dienst-PKW zu waschen, der Reifendruck zu kontrollieren u. gegebenen falls die… Ich bedanke mich im vorraus für Ihr Verständnis Ihr Dr. Schiwoschilzkowitz“

Wie der halb zugewucherte Wagen dokumentiert, halten sich die Angestellten allerdings nicht an diese Anweisung. Das Fahrzeug wird also entweder zurück in die Natur integriert – oder aber Dr. Schiwoschilzkowitz gibt auf und wäscht seinen Wagen wieder selbst.


Der Nächste, bitte!

rd | 03. August 2017, 11:35 | 1 Kommentar

Der unbarmherzige Schnitter! Und immer wieder die Spyckstraße! Aktuelle Mitteilung der Stadt Kleve: „Ein weiterer Baum innerhalb der geschützten Allee an der Spyckstraße muss durch die Umweltbetriebe der Stadt Kleve (USK) kurzfristig gefällt werden. Der Baum ist abgestorben und stellt eine Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer dar.“ Lesen Sie morgen: Schnitthöhe für städtische Rasenmäher um 0,5 mm abgesenkt.


Landgericht oder Drogeriemarkt?

rd | 31. Juli 2017, 15:26 | 2 Kommentare
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft… 1,3 Kilo dieses oder jenes

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft… 1,3 Kilo dieses oder jenes

Medienvertreter erhalten vom Pressesprecher des Landgerichts alle zwei Wochen eine Vorschau über die aus Sicht der Justiz wichtigen Termine. Als ich noch bei der BILD am SONNTAG in Hamburg gearbeitet habe, war der Brief aus Kleve insofern immer ein Quell großen Vergnügens, da alle Klagen von alltours-Kunden, die sich übers Ohr gehauen fühlten, in Kleve verhandelt wurden. Und das waren einige. Nun ist alltours seit einigen Jahren weg, und geblieben sind – die Drogen. Die aktuelle Vorschau der Termine aus Kleve ist in dieser Hinsicht allerdings ein Meilenstein, da sie ausschließlich aus Drogensachen besteht – hier der Überblick:

31.07. Strafverhandlung gegen einen 42-jährigen Polen aus Kleve wegen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in drei Fällen und Handeltreiben mit denselben. *** Strafverfahren gegen einen 50-jährigen Niederländer aus Arnheim we- gen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Handeltreibens mit denselben. *** 02.08. Strafverfahren gegen einen 29-jährigen Italiener aus Leverkusen wegen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Beihilfe zum Handeltreiben mit denselben. *** 07.08. Strafverhandlung gegen einen 52-Jährigen aus Goch wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. *** 09.08. Strafverfahren gegen einen 33-jährigen Albaner aus Italien wegen Ein- fuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Handeltreibens mit denselben. 11.08.
Strafverhandlung gegen einen 48-Jährigen aus Dortmund wegen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Handeltreibens mit denselben.


Schäferhunde! Meteoriteneinschlag! Nacktmodels!

rd | 31. Juli 2017, 15:24 | 19 Kommentare
Wenn du zum Netto humpelst und denkst: O Gott, was ist jetzt schon wieder passiert?

Wenn du zum Netto humpelst und denkst: O Gott, was ist jetzt schon wieder passiert?

Man weiß nicht, wieviel „Diesel“ die Redakteure des Blattes „getankt“ hatten, als sie diese Schlagzeile ins Blatt hoben. Wahrscheinlich waren alle Redakteure, die noch bei Besinnung waren, vor dem Terror aus der Chefredaktion an den Wannsee geflüchtet?!


3 Jahre und 4088,88 Euro Schmerzensgeld

rd | 30. Juli 2017, 20:11 | 41 Kommentare

Zeit zu urteilen

Zeit zu urteilen

Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen: Auf dem Heimweg von einer Klever Disko nach Warbeyen wurde eine junge Frau von einem Mann überfallen, der die vergewaltigen wollte. Die Frau hatte allerdings bemerkt, dass die verfolgt wird und ihren Vater angerufen. Der machte sich sofort auf den Weg, fand seine Tochter und überwältigte den Täter – einen Asylbewerber aus Syrien. In der vergangenen Woche war der Prozess, eigentlich wollte ich auch darüber berichten – aber da kam etwas dazwischen. Deshalb freue ich mich, hier zum wie immer eigenwilligen, aber lesenswerten Text von Heiner Frost verlinken zu können, der eine ausführliche Version seines Textes für die Niederrhein Nachrichten auf seinem Blog Schreibkraft online gestellt hat:

Frühstücksfernsehen


Super-Sonntags-Symbolfotos (2): 100 Jahre De Stijl

rd | 30. Juli 2017, 13:50 | 4 Kommentare
Niederländische Fliesenleger sind bis heute traumatisiert, wenn der Meister sie anherrscht: „Doe maar gewoon de Piet an de muur!“

Niederländische Fliesenleger sind bis heute traumatisiert, wenn der Meister sie anherrscht: „Doe maar gewoon de Piet an de muur!“ (Herrentoilette der Thorenschen Molen, hinter Zyfflich)


Super-Sonntags-Symbolfotos (1): Heuschrecke kontrolliert Lokalzeitung

rd | 30. Juli 2017, 13:41 | 5 Kommentare
Im Presswesen herrschen raue Sitten: Heuschrecken greifen nach Traditionsblättern (Foto: C. Philipp)

Im Presswesen herrschen raue Sitten: Heuschrecken greifen nach Traditionsblättern (Foto: C. Philipp)


Klaus Hommel, 1952-2017

rd | 27. Juli 2017, 21:40 | 3 Kommentare
Klaus Hommel (vor dem Porträt Silvia II von Franz Gertsch) (Foto: A. Gossens/Museum Kurhaus)

Klaus Hommel (vor dem Porträt Silvia II von Franz Gertsch) (Foto: A. Gossens/Museum Kurhaus)

Kleve trauert um Klaus Hommel, die Stadt verliert einen angesehenen Juristen und engagierten Freund der Kultur. Hommel, Direktor des Amtsgerichts Kleve und langjähriger Vorsitzender des Fördervereins Freundeskreis Museum Kurhaus, starb wenige Wochen vor seinem 65. Geburtstag in seinem Haus in Kleve; er war gerade erst von einem längeren Krankenhausaufenthalt zurückgekehrt.

Seit 1995 stand Hommel in Diensten der Justiz, in Kleve wurde er zum Direktor des Amtsgerichts befördert, als sein Vorgänger Dr. Ulf Hientzsch vor einigen Jahren in den Ruhestand ging. In den Gerichtssälen, wo es Kläger und Beklagte gibt, wo Täter und Opfer aufeinandertreffen, war es seine Stärke, einen Ausgleich zu suchen. Hommel sprach nicht nur Recht, er versuchte immer auch der Sache und den Menschen, um die es ging, gerecht zu werden. Und, wenn man ihn bei einem seiner mittäglichen Spaziergänge durch die Fußgängerzone traf, war er immer für einen Plausch zu haben.

Seine Fähigkeit, zu vermitteln und zu verbinden, und seine Leidenschaft für die schönen Künste führten ihn in Kleve auch schnell in den Freundeskreis des Museums Kurhaus, dessen Vorsitzender er von 2007-2013 war. „Ich bin sehr froh, dass er mein Nachfolger geworden ist“, sagt seine Vorgängerin Ulrike Sack. „Er hat den Freundeskreis durch schwierige Zeiten geführt, große Spendenaktionen iniiziert und es verstanden, die Wirtschaft einzubinden. Für den Freundeskreis war er ein wichtiger, unaufgeregter und fairer Berater sowie ein großartiger Unterstützer.“

Anlässlich seines Abschieds vom Amt des Vorsitzenden vor vier Jahren berichtete das Magazin Museumsreporter über seine Zeit als Chef der Museumsfreunde. In dem Text heißt es: Sitzungen habe er „bravourös und fesselnd“ geleitet, und „nicht nur seine gute Vereinsführung zeichnete ihn aus, auch die Fähigkeit auf Menschen zuzugehen und für alle, die ihn ansprachen, ein offenes Ohr zu haben. Darüber hinaus verstand er es im komplizierten Terrain der Interessenvertretung zwischen Museum, Politik, Stadtverwaltung und Bürgerschaft immer ein Auge für das Machbare zu haben, Konfliktsituationen zu entschärfen und für die Museen optimale Ergebnisse zu erzielen.“

Besonders lobend erwähnt wird seine Rolle bei der Restaurierung und beim Umbau des Friedrich-Wilhelm-Bades, ein Projekt, das durch unvorhergesehene Verzögerungen die Nerven aller Beteiligten aufs Äußerste strapazierte. Die feierliche Eröffnung am 9. September 2012 sei auch für Klaus Hommel ein großer Erfolg gewesen. „Mit Klaus Hommel verlässt ein starker Kapitän das Schiff ‚Freundeskreis‘“, so das Magazin.

Als Grund für den Rückzug hatte Hommel angeführt, sich wieder auf seine hauptberufliche Aufgabe als Direktor des Amtsgerichts konzentrieren zu wollen. Das ist ihm in den vergangenen Jahren vergönnt gewesen. Sich auf die nächste Phase des Lebens, den Ruhestand, vorzubereiten und diesen zu genießen, leider nicht mehr. Hommel hinterlässt seine Frau und einen erwachsenen Sohn und eine erwachsene Tochter.


Scharmützel im Hinterhof (an der Thaerstraße)

rd | 26. Juli 2017, 15:17 | 42 Kommentare
Idyllisches Hinterhofszenario an der Thaerstraße – doch die Anwohner der Hoffmannallee fürchten um den Zugang zu ihren Stellplätzen

Idyllisches Hinterhofszenario an der Thaerstraße – doch die Anwohner der Hoffmannallee fürchten um den Zugang zu ihren Stellplätzen

Wahrscheinlich liegen noch Groschen in der Kasse…

Wahrscheinlich liegen noch Groschen in der Kasse…

Werner Drießen betrieb in dem Eckhaus vor langen Jahren ein Lokal für seine Sportlerfreunde vom VfB Kleve, in späteren Jahren buhlten das Café Extrablatt und das Billardcafé um genussfreudige Menschen, letzteres Etablissement auch mit nach den beiden Wirtsleuten benannten Brotspezialitäten („Toast Wolfgang – scharf! Scharf! Scharf!“, „Toast Lothar – zart! Zart! Zart!“).

Dauerhaften Erfolg hatte keiner der Wirte, und so fiel das Gebäude, wie kolportiert wird, „auf spielerischen Wege“ an einem Kaufmann aus München, dessen Interesse an der Instandhaltung der Immobilie am Niederrhein so groß war wie das eines Vegetariers an einem deftigen Schweinebraten. Das Gebäude verfiel, und keine Lokalzeitung, die nicht mindestens einmal den desolaten Zustand an einer für Klever Verhältnisse repräsentativen Straßenecke anprangerte. kleveblog berichtete erstmals 21. Januar 2008 über das Haus, und in einer späteren Veröffentlichung merkte ein Kommentator an, dass er bereits seit 1998 in Kleve lebe und die Immobilie schon damals dem Verfall preisgegeben worden sei.

Im vergangenen Jahr aber, nach mindestens zwei Jahrzehnten Verwahrlosung, kam völlig überraschend Bewegung in die Sache. Auf dem Wege der Zwangsversteigerung wurde das Objekt zum Kauf angeboten. Ein Gutachter veranschlagte den Wert des Gebäudes auf 148.000 Euro, doch nicht wenige rechneten damit, dass nicht einmal dieses Mindestgebot erreicht wird.

Es kam ganz anders: Zum Versteigerungstermin erschienen gleich zwei Unternehmer mit einem Interesse am einstweiligen Billardcafé. Einer davon ein auswärtiger Gastronom gewesen sein, der andere der ebenfalls türkischstämmige Unternehmer T. Beide hegten Pläne, dort erneut Gastronomie zu betreiben – und keiner gönnte den Konkurrenten den Zuschlag. So wie ein Dönerspieß durch immer neue Fleischlappen fetter und fetter wird, wuchs das Gebot. Erst als das höchste Gebot jenseits der 400.000-Euro-Marke lag, knickte der Mitbewerber ein und T. obsiegte.

Mittlerweile ist das Gebäude bereits entkernt, T. plant dort eine Pizzeria. Für deren Betriebsgenehmigung soll jedoch die Bedingung auferlegt werden, die Parkplätze ausschließlich auf demselben Grundstück zu betreiben. Das wäre unter normalen Umständen auch ohne Schwierigkeiten möglich, denn der rückwärtige Bereich ist weiträumig.

Das Problem sind jedoch die Anwohner an der Hoffmannallee, die auf die Eckimmobilie stadtauswärts folgen. Hermann Wiezorek, Friseur („Level Cut“), einer dieser Anwohner, sagt: „20 Nachbarn fahren seit 70 Jahren über das Eckgrundstück, um zu ihren Garagen oder Stellplätzen zu gelangen.“ Dies könnte nun durch einen Parkplatz oder anders geartete bauliche Veränderungen – Zäune, Mauern – unmöglich gemacht werden.

Die Fahrt der Nachbarn über das fremde Grundstück war in den Jahrzehnten zuvor über ein Wegerecht abgedeckt. Doch dieses erlischt, wenn eine Immobilie auf dem Wege der Zwangsversteigerung den Besitzer wechselt. Auch die Versorgungsleitungen zu den nächstgelegenen Häusern führen über das Grundstück von Herrn T., und auch diese dürfte er theoretisch kappen.

Wiezorek hat sich bereits mit einem Schreiben an die Verwaltung und die Parteien im Rat gewandt. „Bestreben sollte sein, dass die Zufahrt zu den vorhandenen Stellplätzen der Nachbarn gewährleistet bleibt sowie die vorhandenen Zuleitungen bestehen bleiben müssen.“ Der Haken: Der neue Besitzer der Immobilie ist genau dazu nicht verpflichtet. Gleichwohl sucht die Verwaltung nach einem Kompromiss. Stadtsprecher Jörg Boltersdorf: „Die Stadt Kleve wird bei der Klärung des Sachverhalts unterstützen und versuchen mit den Beteiligten Lösungen zu finden.“


Wie sicher ist die Hagsche Straße wirklich?

rd | 24. Juli 2017, 18:37 | 18 Kommentare
Ihr Design mag vom Jugendstil inspiriert sein, doch nach 35 Jahren bergen die Straßenlaternen der Hagschen Straße den Keim des Todes in sich

Ihr Design mag vom Jugendstil inspiriert sein, doch nach 35 Jahren bergen die Straßenlaternen der Hagschen Straße den Keim des Todes in sich

Die Hagsche Straße ist so etwas wie das ADHS-Kind unter den Klever Straßen. Menschen laufen durch die Große Straße und die Kavariner Straße, sie halten sich auf in der Gasthausstraße und zumindest auch im oberen Abschnitt der Herzogstraße. Aber am Fischmarktbrunnen (dessen Verkleinerung vor Jahren bereits gefordert wurde) machen fast alle Menschen kehrt und gehen wieder stadtabwärts. Was sehr schade ist, weil es dort immer noch lohnenswerte Geschäfte gibt (Reformhaus, Hintzen, Kürvers, Hofladen Slütter, Mystic Garden, Samocca – nur so als erste Auswahl) und solche Niederlassungen, um deren Besuch man nicht herumkommt (Sparkasse). Doch die Zahl der Läden schrumpft: Unlängst berichtete die Rheinische Post einmal mehr über die Tristesse in der Neuen Mitte, die fast nur noch aus Ausstellungsflächen besteht. Gegenüber strich jetzt auch der niederländische Fahrradhändler die Segel, weiter oben stehen derzeit drei Ladenlokale leer.

Kein Wunder, dass die verbliebenen Geschäftsleute die Initiative ergriffen und die Straße wenigstens optisch aufwerten wollten – mit Blumen, was zurzeit sehr angesagt ist. In der Kavariner Straße schmücken seit langem Blumenarrangements die Laternen, und zuletzt landete die Gasthausstraße mit ihren Pflanzkästen, deren Anschaffung vom städtischen Verfügungsfonds sogar bezuschusst wurde, einen beträchtlichen Erfolg in der Außendarstellung.

Warum nicht auch unsere Laternen etwas aufhübschen, dachte sich Brigitte Kürvers-Will, Inhaberin vom Schuhhaus Kürvers. Flugs trommelte sie binnen drei Tagen alle Anlieger zusammen, es fanden sich 22 Anlieger, die die Begrünung von 20 Laternen an der Hagschen Straße finanzieren wollten.

Drei städtische Ausschüsse prüften das Anliegen, alle waren im Prinzip dafür, aber dann erteilten die Umweltbetriebe der Stadt Kleve dem Projekt den Blattschuss. Einer Belebung der Einkaufszone in Form einer Begrünung stehe man zwar grundsätzlich positiv gegenüber, heißt es in einem Brief der Stadt an die Initiatorin der Aktion, gleichwohl müsse man aus Gründen der Verkehrswegesicherungspflicht von einer „positiven Zusage“ (gibt es auch negative?) „aber leider“ absehen.

Was aber heißt Verkehrswegesicherungspflicht? Wie gefährlich ist die Hagsche Straße wirklich?

In der Begründung wird angeführt, dass die Laternen aus Alumiumguss gefertigt und bereits 35 Jahre alt sind. Die Blumenkästen würden 30 Kilogramm wiegen. Die Stadt schreibt: „Aufgrund des Alters der Laternen kann leider keine belastbare Aussage getroffen werden, ob mit der dargestellten zusätzlichen Gewichtsbelastung und der daraus resultierenden höheren Windlast die Stand-/Bruchfestigkeit noch in ausreichendem Maße gewährleistet ist.“

Es sei sogar ein Gutachter eingeschaltet worden, berichtet Brigitte Kürvers-Will. Der habe dem Projekt eine mehr als 99-prozentige Sicherheit attestiert. Aber eben keine hundertprozentige. „Das ist doch lächerlich, das kann nicht sein“, echauffiert sich die Geschäftsfrau.

Bleibt die Frage, wie sicher die in die Jahre gekommnenen Laternen überhaupt sind. Zu Karneval klettern Menschen daran hoch, die den Rosenmontagszug besser sehen wollen. In Zeiten von Wahlkämpfen dienen sie zur Befestigung großer Plakate, zum Beispiel 2015 von großen Motiven der Bürgermeisterkandidatin Sonja Northing, die wie ein Segel im Wind stehen. Kaum auszudenken, wenn ein Windstoß eine solche Laterne umreißen würde.

Es scheint, als stehe Karsten Koppetsch, der neue Chef der Umweltbetriebe der Stadt Kleve, vor seiner ersten großen Bewährungsprobe!


Zum (baldigen) Abschied von MS Paint

rd | 24. Juli 2017, 17:48 | 1 Kommentar

Zum bevorstehenden Abschied einer Anwendung, die nahezu jeden Computernutzer sein ganzes Leben begleitet (und zur Verzweiflung getrieben) hat, hier ein zehn Jahre altes Video von ein paar Spaßvögeln, die die Entstehung des Programms aus der Sicht der Entwicklung im Dokumentarstil (da gibt es sicher noch ein besseres Wort) nachempfunden haben. MS Paint, wir werden dich vermissen. Wie Karl Klammer. Sehr liebevoll gemacht:

„We’ve got a million ideas. If not two.“

Hintergrund: Microsoft Paint to be killed off after 32 years


Das zum Thema Horoskope 

rd | 22. Juli 2017, 17:05 | 8 Kommentare

Prisma-Leser wussten, was kommt

Stimmt zweifelsohne, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich darauf gewartet habe…


Aktuelle Bäumfällungen

rd | 19. Juli 2017, 22:35 | 2 Kommentare
Abendansicht der Spyckstraße: Ein Baum ist unheilbar krank

Abendansicht der Spyckstraße: Ein Baum ist unheilbar krank

Die Stadt Kleve teilt mit: „Im Zuge der turnusmäßigen Baumkontrollen wurde durch Mitarbeiter der USK festgestellt, dass mehrere kranke oder abgestorbene Bäume kurzfristig gefällt werden müssen. Sie stellen eine Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer dar. Darunter befindet sich auch jeweils ein Baum innerhalb der gesetzlich geschützten Alleen an der Spyckstraße und an der Lindenallee. Die Fällungen in den Alleen sind mit dem Kreis Kleve abgestimmt worden. Das Ziel aller Baumpflegemaßnahmen und Fällungen ist es, den Baumbestand gesund und verkehrssicher zu halten.“

Lesen Sie morgen: Wo und wann werden die Vorratsbehälter für Hundebeutel aufgefüllt?


Hochschule bekommt Zwischenkanzler

rd | 19. Juli 2017, 22:21 | 2 Kommentare
Dr. Oliver Herrmann: Von der Lippe an den Rhein

Dr. Oliver Herrmann: Von der Lippe an den Rhein

Dr. Oliver Herrmann leitet als Interimskanzler die Verwaltung der Hochschule Rhein-Waal: Mit der Besetzung des in der Hochschulleitung erfahrenen Wissenschaftsmanagers als Interimskanzler sichert die Hochschule Rhein-Waal einen nahtlosen Übergang in der Hochschulverwaltung bis zur Neubesetzung der Kanzlerstelle. Als „exzellente Wahl“ in der Besetzung der Interimsfunktion sehen Hochschulpräsidentin Dr. Heide Naderer und Hochschulratsvorsitzender Aloys Krieg den 51-jährigen Diplomverwaltungswirt und Juristen Dr. Oliver Herrmann.

Herrmann ist seit mehr als 25 Jahren im Wissenschaftsmanagement in verschiedenen Hochschulen tätig und verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Hochschulleitung, unter anderem als Kanzler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und zuletzt als Präsident der Fachhochschule Ostwestfalen-Lippe. Gegenwärtig ist er als Berater im Hochschulsektor tätig. Zu seinen Projekten zählen unter anderem die Koordination des Vereins Campus OWL, dem Verbund der fünf staatlichen Hochschulen in Ostwestfalen-Lippe.

Bis zum Amtsantritt der neuen Kanzlerin bzw. des Kanzlers wird Herrmann ab dem 23. August 2017 das Kanzleramt vom scheidenden kommissarischen Kanzler Karsten Koppetsch übernehmen. Die Hochschule griff mit der Besetzung Herrmanns einen Vorschlag von Ministerialrätin Sigrid Rix-Diester aus dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalens auf und freut sich, einen so ausgewiesen qualifizierten Fachmann gefunden zu haben und damit einen nahtlosen Übergang in diesem wichtigen Amt sicherstellen zu können. Für die voraussichtlich im Herbst stattfindende Kanzlerwahl kandidiert Herrmanns nicht.


Rheinische Post jetzt da, wo die Volksbank früher war

rd | 17. Juli 2017, 12:26 | 19 Kommentare
Mitte der 80-er Jahre verschwanden plötzlich die Schreibmaschinen: Der Autor zeigt Besuchern der Bundeswehr, wie am Computer Artikel geschrieben werden (Foto: G. Evers)

Mitte der 80-er Jahre verschwanden plötzlich die Schreibmaschinen: Der Autor zeigt Besuchern der Bundeswehr, wie am Computer Artikel geschrieben werden (Foto: G. Evers)

Die Lokalredaktion der Rheinischen Post ist umgezogen, aus dem Herzen der Stadt, dort, wo eine Lokalredaktion meines Erachtens hingehört, zur Goldstraße, in das Bürogebäude aus dem Immobilienportfolio von Erich Tönnissen, das zuvor die Verwaltung der Volksbank Kleverland beherbergt hatte. Der neue Standort liegt zwar streng genommen immer noch im Herzen der Stadt, aber er befindet sich doch etwas ab vom Schuss. Dafür blicken die Redakteure von ihren Büros direkt zur Stiftskirche, so dass stets unkompliziert göttlicher Beistand für die richtigen Formulierungen erbeten werden kann.

Ich hatte das außerordentliche Glück, am alten Standort am Hasenberg einige prägende Jahre erleben zu dürfen. Im folgenden meine sentimentalen Erinnerungen daran (ursprünglich erschienen im Magazin Der KLEVER, Ausgabe 3/2016):

Von Kaffeebechern und Sektflaschen

Merkwürdigerweise beginnen meine Erinnerungen an die Redaktionsräume der Rheinischen Post am Hasenberg mit meinem beigefarbenen Kaffeebecher, auf dem in einer femininen Schrifttype das Wort „Chocolate“ prangte. Zuhause, am Kieferneck in Bedburg-Hau, hatte ich daraus mit Vorliebe Kakao getrunken, doch nun, nach der Reifeprüfung, war ich als „freier Mitarbeiter“ der RP in der Welt der Männer angelangt, in der aus Bechern Kaffee getrunken wurde, so schwarz wie Teer und am Ende eines Arbeitstages auch von ähnlicher Konsistenz. Um dazuzugehören, brachte ich meinen Kaffeebecher von zu Hause mit.

Die Kaffeemaschine, ein röhrendes Billiggerät, stand auf einem betagten Bosch-Kühlschrank, und dieses Gerät bildete gewissermaßen das Gravitationszentrum der Redaktion. Zur Grundausstattung gehörte Diebels Alt, die Brauerei aus Issum spendierte der Redaktion jeden Monat einen Kasten.

Wichtiger aber waren die Besorgungen der Mitarbeiter selbst. Allein mit den Einnahmen aus dem Verkauf des Sekts der Marke „Splendid halbtrocken“ hatte Walter Oslislo, Leiter der Schätzlein-Filiale im Erdgeschoss, vermutlich ein Ferienhaus auf Mallorca finanzieren können. Dann war da noch der Praktikant von der Bundeswehr, der die militärischen Trinksitten mit in die Redaktion brachte. Er kam jeden Morgen mit einer Flasche Cognac, und so begann ein normaler Arbeitstag für einige Wochen damit, dass gegen zehn Uhr morgens erst einmal ein feiner Cognac genossen wurde – nicht ganz stilecht allerdings aus Kaffeebechern. Aber ich lernte, wofür die Buchstaben VSOP stehen.

Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass die Räume der Rheinischen Post am Hasenberg von Mitte der Achtzigerjahre an mein wahres Zuhause waren. Es war eine Welt der Männer, in der die Frauen zuarbeiteten. Die Männer schmiedeten an ihren Triumph-Adler-Schreibmaschinen auf den vorgedruckten Manuskriptbögen der Reinisch-Bergischen Druckerei- und Verlagsgesellschaft Weltgeschichte (wenn auch nur im Lokalteil), die Frauen, in unserem Fall Redaktionssekretärin Maggy Arping, kochten den Kaffee dazu.

Emanzipation war trotzdem gegeben, denn Spülen mussten die Frauen nicht mehr, was allerdings dazu führte, dass in der kleinen Küche in einem Vorraum der Redaktion in halbleeren Kaffeebechern übers Wochenende neue Lebensformen entstanden. Ich lernte, dass Männer erst dann anfangen zu spülen, wenn sie etwas erneut benötigen – vorher ist es ein Zeichen von weiblicher Schwäche.

Die Jahre in der Lokalredaktion erscheinen aus heutiger Sicht wie ein Paradies des Journalismus. Man trank, man rauchte, man schwadronierte, und irgendwann schrieb man ein paar Meldungen und/oder Geschichten, und wie durch ein Wunder entstand daraus ein Produkt, das der Leser am nächsten Morgen in den Händen hielt. Er war sogar bereit, dafür zu bezahlen.

Die Themen waren schnell gefunden, und zwar durch einen Blick in den Terminkalender. Routiniert verteilte Jürgen Loosen, heute Redaktionsleiter, und schon damals der Blattmacher, die Termine, und die Mitarbeiter schwärmten aus. Sie erledigten ihre Arbeit mit einer gewissen Begeisterung, denn für jeden Außentermin gab es fünfzig Mark, eine Menge Geld damals. (Vielleicht verdeutlicht nichts mehr die Misere des Journalismus als die Tatsache, dass heute, gut 30 Jahre später, Mitarbeiter für einen Artikel rund sechsundzwanzig Euro erhalten.)

Begehrt war es auch, mit der Polizei telefonieren zu dürfen, weil der Polizeibericht immer für einige Geschichten gut war, die sich zudem schnell schreiben ließen: „Unbekannte Täter erbeuteten bei einem Einbruch in ein Einfamilienhaus in Kellen blabla blabla blabla. Hinweise, die auf Wunsch auch vertraulich behandelt werden, an die Polizei Kleve.“

Es folgte eine Telefonnummer, meiner Erinnerung nach 9010, jedenfalls nicht die heutige, ohnehin kannten die Redakteure und Mitarbeiter alle wichtigen Rufnummern im Schlaf und konnten sie auf Telefonen mit Wählscheiben selbst dann noch ansteuern, wenn der Morgen mit Cognac und Splendid halbtrocken begonnen hatte. Nachmittags wurde es allerdings zunehmend schwieriger.

Der ganz spezielle, aus heutiger Sicht vielleicht etwas aufgeblasen wirkende Schreibstil der Lokalredaktion rührte daher, dass die Mitarbeiter ihre Geschichten gerne länger machten, in der Hoffnung dass diese dann auch größer präsentiert und womöglich besser bezahlt wurden.

Was geschrieben wurde, war eigentlich egal. Das führte bei mir in präpotentem Übermut dazu, dass ich gerne in meinen Artikeln tolle Fremdwörter unterbrachte, die kaum noch ein Leser verstand: „Die Führung von Rheinwacht Erfgen war nur ephemerer Natur.“ Ich hätte auch schreiben können „… hielt nicht lange an“, aber das wäre ja uncool gewesen.

So aber zog ich mir ein einziges Mal den Zorn des sanftmütigsten aller Redaktionsleiter, Aloys Puyn, zu. Vor ihm, auf seinem Schreibtisch, lag der Sportteil, und in dem Kreisliga-Bericht war mit Textmarker das Wort „ephemerer“ markiert. Ein kritischer Leser hatte angerufen, was selten genug vorkam, und Puyn hatte selbst das Wort nachschlagen müssen. Seine Botschaft aber, mit gutväterlicher Strenge vorgetragen, behielt ich mein Leben lang. Ich lernte: Der Text dient dem Leser, nicht dem Schreiber.

Aloys Puyn hatte sein Chefbüro am Ende der oberen Etage des Boss-Gebäudes (irgendwann später zog die Redaktion eine Etage tiefer, da waren die goldenen Jahre aber schon vorbei). Es war in einem gewissen Sinne repräsentativ – wenn man nach einer Illustration für die Chaostheorie gesucht hätte, man wäre dort fündig geworden. Das Büro ähnelte einer Bücherei, nur dass jemand die Regale weggenommen hätte und anschließend noch mit einem Bulldozer herumgefahren wäre.

Aber Puyn behielt den Überblick und bewahrte die Ruhe, auch wenn am Freitag Nachmittag noch fünf Artikel zu schreiben waren und der Notizblock gerade nicht aufzufinden war. Übrigens hatte der Lokalchef die Eigenart, fehlerhafte oder überarbeitete Textpassagen nicht mit dem Buchstaben X zu überschreiben, sondern mit der Ziffer 9.

Das Zimmer neben Puyn war das Reich von Maggy Arping, der Sekretärin. Es folgte das Büro von Hanns Evers, dem stellvertretenden Redaktionsleiter (und Vater des Fotografen), der aber nur selten anwesend war, weil er als Gerichtsreporter lange Arbeitsstunden in der Schwanenburg verbrachte. Seine Stärke war ein sehr direkter, fast boulevardesker Stil, der aber von allen anderen in der Redaktion wenig geschätzt wurde, weil er ihnen nicht seriös genug erschien. Außerdem mokierten sich die Kollegen, dass er beim „dass“, das damals noch „daß“ geschrieben wurde, Fehler machte. Aus heutiger Sicht muss ich sagen: Nichts geht über eine lebendige Sprache, und nichts ist tödlicher als eine pseudoabgeklärte Schreibweise, zu der vermutlich auch schon bald jeder Computer automatisch in der Lage sein wird.

Bevor wir zurückkehren in das Zimmer von Hanns Evers, werfen wir noch kurz einen Blick in die eigentliche Redaktion, in der Ludger Distelkamp saß, der damals einen roten BMW fuhr, für Klever Verhältnisse also gewissermaßen einen Ferrari, und von dem auch eine Sentenz für die Ewigkeit stammt: „Der Leser hat kein Archiv.“

(Ewigkeit ist natürlich übertrieben, aber damals gab es noch kein Internet. Der erste technische Quantensprung in der Redaktion war die Einführung eines Faxgerätes, das mit einem Spezialpapier gefüttert werden musste und etwa vier Minuten wie ein durchgedrehtes Küchengerät rotierte, bevor eine einzelne Seite übermittelt war. Wenig später kamen die Computer. Puyn schrieb weiterhin auf seiner Schreibmaschine, und Maggy Arping musste dann die Texte in das „System“, wie es hieß, übertragen.)

Distelkamp ist heute bereits im Ruhestand. Ihm gegenüber saß Helmut Vehreschild, der Sportreporter. Außerdem war er für die Gemeinde Uedem zuständig. Da Helmut Vehreschild große Stücke auf mich hielt und Uedem vielleicht nicht gerade im Zentrum seines Interesses stand, hatte ich das Vergnügen, die Stadt näher kennenzulernen – und die Welt der absurden Journalistenumschreibungen.

Statt zweimal hintereinander „Uedem“ zu schreiben, wählte der geübte Redakteur bei der zweiten Erwähnung „Schüsterkesgemeinde“. Goch, wo der letzte Weber vermutlich 1492 verstorben ist, war die „Weberstadt“. Kalkar die „Nicolaistadt“, Kranenburg die „Grenzfeste“.

Am Seitenende der beiden Schreibtische von Vehreschild und Distelkamp stand der in der Regel verwaiste Schreibtisch von Jürgen Loosen, der stattdessen an seinem Produktionstisch über großen Layoutbögen brütete und mit Filzstift und Typometer, einer Art Lineal, Ein-, Zwei- und Dreispalter die Zeitung von Morgen malte.

Die Fotos waren aus Papier und schwarzweiß; sie wurden mit Zetteln beklebt, die ihnen Ausgabe, Seite und Größe zuwiesen, abends in einen Umschlag gesteckt und dann mit einem Taxi nach Geldern zur Druckerei gebracht.

Die freien Mitarbeiter eroberten die Schreibtische, die wegen Urlaub, Krankheit oder Außenterminen nicht besetzt waren. Das waren neben mir in diesen Jahren Robert Peters, gerade Doktor der Philosophie geworden und nun auf einen Platz für ein Volontariat wartend, heute Sportchef der Rheinischen Post, Dieter Dormann, der eigentlich Lehrer werden wollte, dann aber keine Stelle fand (er ist nach langen Jahren in Düsseldorf wieder Redakteur in Kleve), sowie Frank Hoiboom, ein für meinen Geschmack etwas zu windschnittiger junger Mann aus Goch, den ich aus den Augen verloren habe.

Mit Peters und Dormann habe ich viele Stunden im Büro von Hanns Evers verbracht, unter Zuhilfenahme eines Blatts Spielkarten. Stundenlang spielten wir Skat, natürlich um Kleinbeträge, die sich aber im Verlustfalle schmerzhaft summierten konnten. Jürgen Loosen spielte auch mit, aber der musste zwischendurch auch schon mal arbeiten.

Wir freien Mitarbeiter philosophierten über Gott und die Welt, absolvierten zwischendurch Termine und schrieben Berichte, bevor wir wieder in den Bann der Spielkarten gezogen wurden. Da unser Spielzimmer auf dem Weg von Aloys Puyns Büro in die Redaktion lag, passierte der Lokalchef die Spielrunde viele Male täglich. Störte es ihn? Vielleicht. Ließ er sich anmerken? Nein.

Für Puyn zählte, dass am Ende des Tages die Arbeit gemacht war. Und das war sie, erledigt von einer verschworenen Gemeinschaft junger und nicht mehr ganz so junger Männer, deren Welt zu schildern heute anmutet wie eine Erzählung aus einer fernen Vergangenheit. Und das ist sie ja auch. Vielleicht nicht nach Jahren gerechnet, aber bestimmt nach einem Lebensgefühl.

*
Die Überschrift ist eine Reminiszenz an Jürgen Loosen, der weniger nachrichtliche Geschichten gerne mit Überschriften des Typs „Von X und Y“ versah, wobei der Abstand zwischen X und Y möglichst groß sein musste.


Fa. Loock präsentiert: Kleves 1. Nachtbaustelle

rd | 17. Juli 2017, 09:16 | 1 Kommentar
Nein, kein Tatort: Männer der Tat verlegen Rohre

Nein, kein Tatort: Frauen und Männer der Tat verlegen Rohre

Wenn nachts ein Straßenzug hell erleuchtet ist, denkt der Klever Autofahrer reflexartig an einen Tatort oder eine Unglücksstelle – nicht aber an Frauen und Männer eines bekannten Klever Bauunternehmens, die beispielsweise auf die Teilnahme am Feuerwehrbiwak in Rindern verzichten, sich stattdessen in ihre Arbeitskluft werfen und am Freitag gegen Mitternacht im gleißenden Licht eines Scheinwerfers die Ringstraße aufreißen, um dort Leitungen zu verlegen. Willkommen auf Kleves erster Nachtbaustelle! Um die Autofahrer der Stadt im Berufsverkehr nicht komplett um ihren Verstand zu bringen, verlegte das Klever Bauunternehmen Loock die Erdarbeiten zur Querung der Ringstraße in die Nachtstunden des Wochenendes, so, wie unsereins das sonst aus den Niederlanden oder Japan kennt, nicht aber von zu Hause. Nette Geste!


Love hurts, oder…

rd | 16. Juli 2017, 13:07 | keine Kommentare
Verdrahtet: Libelle (Foto: Claudia Philipp)

Verdrahtet: Libelle (Foto: Claudia Philipp)

Zum Sonntag für dich, lieber Leser, ein einfach strukturiertes, gleichwohl vielschichtiges Bild, das uns über die Verbindung von Schönheit, Schmerz und Verletzlichkeit nachdenken lässt. Man kann aber auch einfach zur Kirmes gehen und fünf Lose kaufen.


WoW? Populärkultur? Hochkultur? Populäre Hochkultur?

rd | 15. Juli 2017, 17:18 | 17 Kommentare
Fesch wie immer: Schützenumzug zur Eröffnung der Klever Kirmes

Fesch wie immer: Schützenumzug zur Eröffnung der Klever Kirmes

Wer an diesem Wochenende nicht zur Klever Kirmes geht, ist ein schlechter Mensch. Oder auch nicht. Das Volksfest wurde am Samstag Nachmittag mit einem Kanonenschuss beträchtlicher Lautstärke eröffnet, Schadensmeldungen blieben bis her aus. Wem der Sinn nicht so nach Rummel steht, dem sei statt dessen empfohlen: Ab ins XOX-Theater! Dort geben Ernst Hanßen und Wolfgang Paterok zum Abschluss der Spielzeit die hochkomische Leseinszenierung „Marlowe und Spade“, zwei Romandetektive also, die im Zwiegespräch über ihre schlechte Auftragslage räsonieren. Das Stück beginnt um 20 Uhr, Einlass ab 19:30 Uhr, Karten gibt es an der Abendkasse für 12 Euro (Vollzahler).


Into the wild, Version Uedemer Str.

rd | 15. Juli 2017, 14:05 | keine Kommentare

Ein faszinierender Aussteiger- und Naturerlebensfilm ist Into the wild von Sean Penn (Ex von Madonna), der auf der (wahren) Lebensgeschichte von Christopher McCandless basiert. Der Held schlägt nach seinem Studium eine Karriere aus und sich bis nach Alaska durch, wo er in einem in der Wildnis herumstehenden Bus lebt und sich von dem ernährt, was die Natur so hergibt. Der Film endet tragisch, weil der Held die essbare Wildkartoffel mit einer Giftpflanze verwechselt und, völlig ausgezehrt, stirbt. Nun, wer das Vorhaben am Niederrhein verwirklichen will, findet in der Nähe der Uedemer Straße immerhin schon mal einen Bus in der Wildnis – und die Gefahr, an Wildpflanzen zu sterben, ist deutlich geringer:

Into the Uedemer Wild

Into the Uedemer Wild (Foto: K. Brückenbauer)


Nur die Harten kommen…

rd | 14. Juli 2017, 17:59 | 12 Kommentare

… nach Kamp-Lintfort

Stadtradeln extrem, Kilometerfressen im fremden Team: Von der Hochschule Rhein-Waal in Kleve radelte eine Gruppe verwegener Menschen (William Megill, Johannes Intveen, Heide Naderer, Heinz Lippe, Gerd Heusipp, Irmi Norman, Thomas Grunenberg und Sandra Blechschmidt) zur Hochschule Rhein-Waal, allerdings am zweiten Standort der Einrichtung — in Kamp-Lintfort. Zwischen Start und Ziel lagen 57 Kilometer, 222 Minuten und drei Regenschauern. Wichtige Erkenntnis: Hinter Xanten hört die Welt nicht auf, auch die restlichen ca. zwanzig Kilometer bis Ka-Li führen durch landschaftlich reizvollen Niederrhein. Der Autor, dessen Team If in doubt, pedal it out ein bisschen schwächelt, in Begleitung des Hochschulteams Kilometerkosmetik zu betreiben… Danke für einen spannenden Tag!


Klever Kirmes: Wer hat den größten Vogel – und 7 andere Dinge, die ab Samstag überlebenswichtig sind

rd | 12. Juli 2017, 12:55 | 12 Kommentare
Bürgermeisterin Northing bei der Vorstellung des prächtigen Jubiläumsvogels (3.v.l.)

Bürgermeisterin Northing bei der Vorstellung des prächtigen Jubiläumsvogels (3.v.l.)

Schützentechnik d'avantgarde: Laserpointer und elektronisch gesteuerte Vogelzerlegung

Schützentechnik d’avantgarde: Laserpointer und elektronisch gesteuerte Vogelzerlegung

  1. Erstmalig wird die Klever Kirmes in diesem Jahr nicht mit einer Schützensalve eröffnet, sondern mit einem Schuss aus einer Kanone, die den Klevern freundlicherweise von der Emmericher Stadtgarde zur Verfügung gestellt wird. Wohin das Kanonenrohr genau zielt, steht noch nicht fest, entweder in Richtung Volksbank oder neues Rathaus.
  2. Erstmalig seit einem Vierteljahrhundert wird auch wieder unter den städtischen Schützenregenten eine Stadtkönigin oder ein Stadtkönig ausgeschossen – ein Beitrag zum Stadtjubiläum. Den prächtigen Vogel konstruierte Rolf Winkels vom Schützenverein Kellen.
  3. Damit aber nicht genug: Es wird auch ein Jubiläumsprinz (oder eine Prinzessin?) ausgeschossen. Da aber das Waffengesetz es verbietet, Kindern unter zwölf Jahren Schusswaffen in die Hand zu drücken, musste eine besondere Lösung gefunden werden. Rolf Winkels tüftelte und ersann eine Konstruktion, die erstens der Lebenswirklichkeit ohnehin näher kommt und zweitens das Potenzial hat, Schützenfeste in ganz Deutschland zu revolutionieren – eine lasergestützte Apparatur, bei der sich die bestrahlten Teile auf Knopfdruck lösen lassen. Die Vorrichtung ist bereits zum Patent angemeldet!
  4. Die Zahl der Fahrgeschäfte beträgt wie im vergangenen Jahr exakt zehn. Aber alle zehn sind neu, keines war im vergangenen Jahr in Kleve. Dieser Komplettaustausch erweckte sogar die Aufmerksamkeit der Branchenzeitschrift Komet, allerdings konnte Ralph van Hoof, Leiter des Amts für öffentliche Ordnung und damit Chef der Kirmes, dem Redaktor des Fachblattes auch nur sagen: „Das hat sich einfach so ergeben.“ Unter den Fahrgeschäften befindet sich auch eines, das im Fachausdruck „Überkopfgeschäft“ heißt. Und auch ein sehr schnell drehendes Karussell lässt sich für neun Tage in Kleve nieder.
  5. 567 Schausteller haben sich für die Kirmes in Kleve beworben – 75 Betreiber des fahrenden Gewerbes erhielten den Zuschlag.
  6. Der Schützenumzug, mit Bürgermeisterin Sonja Northing an der Spitze, setzt sich am Samstag wie gewohnt vom Marktplatz Linde aus in Bewegung. Der Zugweg führt stadtabwärts zum Kirmesplatz, aus Jubiläumsgründen sind die Emmericher Stadtgarde sowie zwei Schützengilden und eine Musikgruppe aus dem niederländischen Huisssen mit von der Partie, letztere teilweise in historischen Kostümen. Die gute Nachricht: Die Niederschlagswahrscheinlichkeit am Samstag beträgt 10 %. Sie ist in Kellen ungleich höher, wenn dort Kirmes gefeiert wird.
  7. Auch wenn Ihnen etwas anderes versprochen wird: Kaufen Sie nicht eine ganze Schale mit verbliebenen Losen leer! Es ist keinesfalls sicher, dass sich darin ein Hauptgewinn befindet, und der Losverkäufer kann dies auch gar nicht wissen, weil er weder zugegen ist, wenn die Lose gerollt und verschlossen werden, noch mitbekommen kann, ob die Käufer ihre Lose auch tatsächlich öffnen und ordnungsgemäß auswerten. Erfahrungsgemäß haben Beschwerden bei der Verbraucherzentrale über ausgebliebene Hauptgewinne wenig Aussichten auf Erfolg.
  8. Junger Mann zum Mitreisen gesucht – bei diesen Aushängen geht es nicht um Urlaubsreisen!


Pleustophytenkreuzer stößt an Kapazitätsgrenzen, Haas erwägt Einsatz von Killerkarpfen

rd | 11. Juli 2017, 13:48 | 15 Kommentare
Drei Mann, verloren in der grünen Hölle: MS Theo d'oro im Kampfeinsatz

Drei Mann, verloren in der grünen Hölle: MS Theo d’oro im Kampfeinsatz

Es ist ein Kampf gegen Windmühlenflügel. Eine Sisyphusaufgabe. Es geht zu wie im Rennen zwischen dem Hasen und dem Igel. Wenn das dreiköpfige Einsatzteam der MS Theo d’oro, des ersten und bisher einzigen Pleustophytenkreuzers in Diensten der Stadt Kleve, seinen hochmodernen Kampf gegen die Wasserpflanzen in Spoykanal und Kermisdahl an der einen Stelle erfolgreich abgeschlossen hat, sind woanders schon wieder neue Wucherungen herangewachsen.

Der Einsatz in der grünen Hölle ist aussichtslos!

Ulrich Sander, der Mann vom Kanuverleih am Opschlag, ist bereits verzweifelt (siehe: Frohe Pfingsten – nicht für jeden), ebenso der Chef des Kanuclubs Kleverland.

Sogar der WDR machte sich ein Bild von der verheerenden Lage des Gewässers, das eigentlich ein Aushängeschild für die Stadt Kleve sein sollte. Sogar Unterwasserkameras kamen zum Einsatz. Weit sehen konnten sie nicht – alles zugewuchert.

Vor den Kameras des Senders kündigte deshalb Kämmerer Willibrord Haas in seiner Funktion als Algenadmiral eine beträchtliche Ausweitung des Einsatzes an. Man denke daran, so der Feldherr, an den Wochenenden zusätzliche Einsätze gegen den Feind zu fahren. Damit nicht genug – es sollen auch biologische Waffen getestet kommen, natürlich unter Einhaltung der Genfer Konvention.

Exklusiv erfuhr der WDR, dass die Stadt Kleve den Einsatz von Killerkarpfen erwägt. Die gefräßigen Tiere sollen das Grünzeug einfach wegfressen. Kurz vor Silvester könnte die Stadt Kleve die auf diese Weise gemästeten Viecher dann auf dem Weihnachtsmarkt verkaufen, um zusätzliche Mittel in die Stadtkasse zu spülen. Es ist eine klassische Win-Win-Lose–Lose-Situation. (Verlierer sind, hoffentlich, die Wasserpflanzen. Und die Karpfen am Ende auch.)


Ka-Li lockt: Hochschule radelt zum anderen Standort

rd | 10. Juli 2017, 18:39 | keine Kommentare
28 Pedale, 1 Ziel: Kamp-Lintfort

28 Pedale, 1 Ziel: Kamp-Lintfort

Bekanntlich, aber in Kleve eine Information, die bisweilen etwas vernachlässigt wird, hat die Hochschule Rhein-Waal zwei Standorte. Einen in Kleve, und dann gibt es noch einen weiteren in… äh… war da was?

Um den Klevern den Standort Kamp-Lintfort etwas näher zu bringen, und dazu noch etwas für die eigene Gesundheit zu tun, für die Umwelt und fürs Naturerleben, hat das Stadtradel-Hochschulteam ein ambitioniertes Unternehmen angesetzt – eine Radtour nach Kamp-Lintfort!

Hier die Pressemitteilung im Wortlaut:


Lauf, Bambi, lauf!

rd | 10. Juli 2017, 12:30 | 5 Kommentare
Der ewige Kampf Tier gegen Maschine

Der ewige Kampf Tier gegen Maschine

Nicht, dass hinterher auf der Weizenmehlpackung stehen muss: Kann Spuren von Reh enthalten.

Geschafft! Das Reh wechselt auf das Feld links der Straße…

Geschafft! Das Reh wechselt auf das Feld links der Straße…

Dort wächst Mais. Der Maishäcksler wartet schon…


kleveblog gratuliert!

rd | 10. Juli 2017, 12:24 | keine Kommentare
Mussten unter freiem Himmel feiern: Abiturienten des Konrad-Adenauer-Gymnasiums

Mussten unter freiem Himmel feiern: Abiturienten des Konrad-Adenauer-Gymnasiums

Hatten ein Dach über dem Kopf: Abiturienten des Stein-Gymnasiums

Hatten ein Dach über dem Kopf: Abiturienten des Stein-Gymnasiums

Ach, wie sag ich’s nur? Sie haben – Abitur! 8 Jahre Wissen pur, nun reif für eine Kur – die sich Leben nennt!


WoW? 775? Ach, was 35!

rd | 07. Juli 2017, 17:38 | 1 Kommentar
Nespresso war gestern: Coffee Tasting im Culucu

Nespresso war gestern: Coffee Tasting im Culucu

(Aktualisiert,jetzt auch inkl. Poetry-Slam) 775 Jahre Stadt Kleve? 200 Jahre Freiherr-vom-Stein-Gymnasium? 50 Jahre Versöhnungskirche? Ach was, das Jubiläum aller Jubiläen wird heute gleich an vier Stellen im Stadtgebiet gefeiert? 35 Jahre dm! „Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein!“, so warb die Drogeriekette einst für sich, und diese Abwandlung des Faustschen „Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein“, sagt auch einiges über den Zustand unserer Gesellschaft aus. Doch konsumkritische Erwägungen schicken wir heute nach Hamburg, hier freuen wir uns über Glücksräder und Probierfläschchen.

***

Tendenziell sei dem Leser jedoch anempfohlen, das gute Wetter zu nutzen, um die Natur und Gartenkultur, z. B. in Form offener Gärten, zu genießen. Darüber hinaus könnte es in doppelter Hinsicht lohnenswert sein, das Culucu in Rindern anzusteuern – heute um 20:30 Uhr wird dort ein Film gezeigt (welcher, darf aus irgendwelchen Gründen nicht verraten werden), und am Samstag um 17 Uhr lädt Joascha Gartz zum Coffee Tasting. Kaffee ist ja zurzeit in aller Munde, insbesondere die leicht säuerlich schmeckenden Filterkaffees der neuesten Generation, die sicherlich durch den Breaking-Bad-Freak inspiriert worden sind.

***

Der Red  Wagon  von Alejandra Manthey am Draisinenbahnhof scheint die neue Lieblings-Location von DJ Mike (Dickhoff) zu werden. Er legte am heutigen Freitag Abend in dem Biergarten mal wieder auf, getreu seinem zeitlosen Motto „Von Abba bis Zappa“. Ich wünsche mir Bobby Brown, ein, wie ich finde, sehr schönes Lied von Zappa, das aber Puristen schon „zu kommerziell“ geraten ist. Dabei sind die anderen Lieder einfach nur schräg.

***

Am Samstag könnte ein Ausflug nach Donsbrüggen zu einer Win-Win-Situation führen: Das ganze Dorf ist ab 10 Uhr ein Trödelmarkt, die Donsbrügger haben die Chance, unerwünschten Hausrat loszuwerden, die Besucher wiederum die Aussicht auf die berühmten Schnäppchen („Schazti, schau, das Laminierniergerät – nur 25 Euro“ –– es wird dann beim nächsten Trödelmarkt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiterverkauft. Überhaupt: Ist nicht alles, was bei Tchibo außer Kaffee verkauft wird, in Wahrheit Verfügungsmasse für Flohmärkte? Schon mal drüber nachgedacht?).

***

Das Radhaus weist auf folgende Veranstaltung hin: „Radhaus-Slam! Im Juli!! OPEN AIR!!! Es ist soweit! Die Sommer-Ausgabe des Radhaus-Slams erwartet euch! Für diesen Poetry-Slam nutzen wir das (hoffentlich) gute Juli-Wetter und gehen mit euch in den Radhaus-Biergarten (Sollte das Wetter nicht mitspielen, gehen wir einfach in den Saal zurück). Im Gepäck haben wir wieder einige Sahnestückchen der deutschsprachigen Poetry Slam-Szene: Sandra da Vina aus Essen; Danny Grimpe aus Hamburg; Sven Hensel aus Bochum; Florian Wintels aus Paderborn; Adina Wilcke aus Wien; Michael Goehre aus Essen; Christian Gottschalk aus Köln und Jonas Scheiner aus Wien. Ihr seht also es wird Groß!! Also so richtig Groß!!! Also streicht euch das dick im Kalender an und seid dabei!! Durch den Abend führen euch auch diesmal Matthias Marschalt und Luigi Aiello; Einlass: 18:30 Uhr, Beginn: 19 Uhr; Eintritt: 4 € (Vorverkauf) ● 5 € (Abendkasse). Die Tickets sind zum Vorverkaufspreis von mikroskopisch kleinen 4 € bei der Buchhandlung Hintzen und an der Radhaus-Theke zu den jeweiligen Öffnungszeiten zu haben.

***

Tim Verfonderns Soundbox Entertainment hat mal wieder den Innenhof der Schwaneburg besetzt – diesmal mit dem Rock-statt-Hose-Festival (Samstag, Einlass ab 18 Uhr). Es treten auf: Theresa Cherchi & Band, Straight28 und Massive Beat.

***

965 heißt es am Sonntag ab 15 Uhr am Aussichtsturm, wo mit einigem Frohsinn zusammengetackert wird, was nicht unbedingt zusammengehört – aber, wenn’s dem guten Zwecke dient: Die Zahl setzt sich zusammen aus dem Stadtjubiläum (775 Jahre), dem Aussichtsturmjubiläum (125 Jahre) und 65 Klever Turmschätzchen (mehr dazu hier: Turmschätzchen (Lokalkompass). Es treten unter anderem auf: Elli und Tina. „Ihr kennt die beiden nicht?“, fragen die Veranstalter. Und antworten: Die Eine hat vor einigen Jahren den bundesweiten Songcontest gewonnen, die andere kommt aus Materborn – geht aber mit ihrer Stimme und Performance echt steil.“ Steil!


„Das ist ein wichtiger Tag für die Wasserschutzpolizei“

rd | 07. Juli 2017, 17:10 | 23 Kommentare

Live-Reporter genießen seit jeher meine uneingeschränkte Bewunderung. Da ist man „auf Sendung“ und steht vor der Herausforderung, die nächsten Minuten mit irgendetwas zu füllen, auch wenn man gar nichts hat und weiß (beides ist, soweit ich das beurteilen kann, der Normalfall). Wenn man dann heute, am Tag des G20-Gipfels, in Hamburg am Hafen steht und hinten im Bild ein paar Boote der Wasserschutzpolizei gezeigt werden, dann führt dies geradezu zwangsläufig zu solch schönen Erkenntnissen wie:

„Das ist ein wichtiger Tag für die Wasserschutzpolizei.“ (Unbekannte ntv-Reporterin)


Nettosprech, für Sie aufgezeichnet und erklärt

rd | 07. Juli 2017, 15:58 | 3 Kommentare
Vorgang Nr. 5097 am 07.07.2017 um 15:38 Uhr erforderte eine Leergutautorisierung

Vorgang Nr. 5097 am 07.07.2017 um 15:38 Uhr erforderte eine Leergutautorisierung

„Einmal Leergutautorisierung, bitte!“

Dieser Vorgang wird ausgelöst, wenn man z. B. für 4,23 Euro einkauft, aber zugleich einen Pfandbon über 9,50 Euro einlöst. Da der Kassierer soviel Geld nicht herausgeben darf, muss er sich die Transaktion genehmigen lassen. Dazu muss er seine Vorgesetzte anrufen, die dann erst einmal nicht erreichbar ist, dann aber doch und sofort herangerauscht kommt und ihren Zeigefinger auf den Fingerabdruckscanner neben dem Kartenlesengerät hält. Dann öffnet sich die Kasse, und der Kunde erhält 5,27 Euro. Plus ca. 10.000 vernichtende Blicke von Kunden in der Schlange hinter einem.

Rein semantisch übrigens: Wenn das Leergut autorisiert wird, was darf es dann? Nähern wir uns einer Leergutdiktatur?


Komisches Wetter heute

rd | 07. Juli 2017, 15:48 | keine Kommentare

„Komisches Wetter heute.“


Wichtige Verbraucherinformation

rd | 07. Juli 2017, 11:24 | 5 Kommentare
Käsekuchen im Glas, Mystic Garden, 3 Euro

Käsekuchen im Glas, Mystic Garden, 3 Euro


Tief im Westen, tief im Osten: Mach’s gut, Markus!

rd | 06. Juli 2017, 17:45 | 11 Kommentare
Kann auch gut berühmte Skulpturen imitieren: Markus van Appeldorn, Journalist

Kann auch gut berühmte Skulpturen imitieren: Markus van Appeldorn, Journalist

Niemals geht man so ganz, sang einst Trude Herr, und im Falle von Markus van Appeldorn hat sich die Wahrhaftigkeit dieser Zeile bereits herausgestellt, denn in den Kommentarspalten unseres kleinen Angebots ist er auch weiterhin aktiv, dem Internet sei Dank, jener großartigen Erfindung, die es erlaubt, ein hyperlokales Angebot wie kleveblog.de auch 650 km weiter östlich, im Freistaat Sachsen aufzurufen und zu verfolgen. Dort sitzt Markus van Appeldorn jetzt nämlich, in der Redaktion der Sächsischen Zeitung in Löbau, tief im Osten und fernab seiner Heimat Kleve, und auch fernab von München, jener Stadt, der er lange Jahre als Gesellschaftsreporter der Bild-Zeitung verbunden war.

Hier fehlt er.

Im Klever Mikrokosmos und seinem spirituellen Zentrum in der Unterstadt, in einem Umfeld, das zwischen kleinen Gläsern und großen Gesten oszilliert, hatte Markus van Appeldorn die Rolle eines Higgs-Bosons inne. So, wie dieses Elementarteilchen andere Partikel auf magische Weise anzieht, gewann Markus die Menschen in seiner Nähe für sich – ganz einfach, weil er ein geistreicher und humorvoller Zeitgenosse ist.

Noch dazu einer, der sich stilvoll zu kleiden weiß. Menschen mit einem Clubjacket samt korrekt sitzendem Einsteckttuch sind eher selten in Klever Lokalen anzutreffen, ebenso solche in Krachledernen. Markus van Appeldorn verstand und versteht es, in beiden Welten würdig aufzutreten.

Mit Freunden am Tresen waren in Markus‘ Gegenwart lehrreiche und unterhaltsame Dialoge garantiert: Wie aus heiterem Himmel legt er plötzlich dar, warum im „Kapital“ von Karl Marx ein grundlegender Denkfehler enthalten ist. Oder er beschäftigt eine Runde damit, darüber zu sinnieren, wer denn damals, am 8. Mai 1945, die Kapitulationserklärung unterschrieben hat. Hitler war’s nicht, klar. Dönitz? Als dann die richtige Antwort – Keitel – in die Runde geworfen wird, ist es nicht weit, bis der erste ungläubig ruft: „Was?! Harvey Keitel hat die Kapitulationserklärung unterschrieben??“ Man muss sich, in geringen Dosen, Alkohol hinzudenken, um eine Ahnung dessen zu erhaschen, was an weiteren Kalauern folgt.

Ein Quell vielfacher Erheiterung ist auch die lange Leidensgeschichte der Beziehung von Markus zu seinem 28 Jahre altren Mercedes 420 SE, die von seinen Freunden stets voller Empathie mitverfolgt wurde. Es reichten die Erwähnung einzelner Bauteile (Kraftstoffpumpen-Relais, man hätte es überbrücken können, sagt Gerri) oder Orte (Karlsruhe), die sich vor dem geistigen Auge zu automobilen Dramen nie gekannten Ausmaßes auswuchsen. Im Freundeskreis ist das Fahrzeug als „der Raumgleiter“ bekannt. 

Auch für kleveblog schrieb Markus van Appeldorn mitunter, nicht nur in den Kommentaren. Diese Beiträge werden fehlen, aber bei alldem überwiegt die Freude für Markus – die Sachsen können sich glücklich schätzen, einen Mann wie ihn in ihren Reihen zu haben: Mach’s gut, Junge!


Polizei sucht dreiarmigen Banditen

rd | 06. Juli 2017, 12:33 | 2 Kommentare
Anatomisch auffällig

Anatomisch auffällig

(Mit Dank an KO) Ein Klassiker… kleveblog ist zuversichtlich, dass dieser Bandit aufgrund seiner anatomischen Auffälligkeit schnell gefasst wird.


Glaubwürdigkeit nur in Spurenelementen

rd | 06. Juli 2017, 09:22 | 1 Kommentar

Ein Dialog brachte das Dilemma in Saal A 105 in der Klever Schwanenburg auf den Punkt: „Was hätte ich von dem Zeug kaufen können, das Sie in der Wohnung hatten“, möchte Christian Henckel, Vorsitzender Richter der 7. großen Strafkammer (Jugendkammer) wissen. „Nix, das war alles für mich“, antwortet der Angeklagte Florian K., in der Szene offenbar besser bekannt als „Flo“.

Was sich an diesem 23. März 2017 in der Wohnung in Emmerich befand, hatte die Staatsanwaltschaft zuvor genau, wie sie in solchen Fällen arbeitet, bei der Verlesung der Anklage aufgelistet: Heroin (25 g), Haschisch (47 g), dazu Amphetamin und Ecstasy-Tabletten, plus ein kleines Waffenarsenal: zwei Baseballschläger, eine Schreckschusspistole, ein Elektroschocker sowie diverse Messer. Alles Eigenbedarf?

Richter Henckel zeigt dem Angeklagten die Fotografie eines der sichergestellten Messer. Die Klinge reicht offenbar aus, um ein Schwein abzustechen. Damit habe er Butterbrote geschmiert, entgegnet der Angeklagte ungerührt.

Florian K. muss sich wegen Drogenhandels vor Gericht verantworten. Zur Last wird ihm unter anderem gelegt, in mehreren Fällen Marihuana an Minderjährige verkauft zu haben. Da er zudem bei seinen Geschäften zur Drogenbeschaffung einen Elektroschocker mit sich geführt haben soll, unterstellen die Ankläger auch „bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln“ – Mindeststrafe fünf Jahre.


So was so nah! 65.000 feiern in Nimwegen Robbie Williams

rd | 05. Juli 2017, 15:00 | 7 Kommentare
Klein in der Mitte, überlebensgroß auf Bildschirmen: R. Williams, Unterhaltungskünstler, bei seinem Auftritt im Goffert-Park

Klein in der Mitte, überlebensgroß auf Bildschirmen: R. Williams, Unterhaltungskünstler, bei seinem Auftritt im Goffert-Park (Foto: BD)

So was so nah! Und die, die da waren, sagen: Super!


„Mit einer Wahrscheinlichkeit von 81,5 % mindestens 25,9 Jahre alt“

rd | 04. Juli 2017, 15:06 | 7 Kommentare
Wenn Sie am Sonntag Nachmittag auf der Schwanenburg diese Zeit erblicken, sollten Sie sich sputen – denn die Führung von Wiltrud Schnütgen hat vor 13 Minuten begonnen

Der Alltag der Justiz – am Beispiel eines Falls, der in Kreisen von Asylbewerbern spielt

So, wie ein Staubsaugerroboter scheinbar ziellos durch ein Zimmer kreist, titschen die Fragen von Gerhard van Gemmeren, dem Vorsitzenden Richter der 2. großen Strafkammer des Landgerichts Kleve, um die Geschehnisse am 13. Februar dieses Jahres vor einem Aldi-Markt in Emmerich. Wem gehörte das weiße HTC-Handy? Woher stammen die roten Striemen am Hals? War das der Stein, mit dem Sie gedroht haben? Wer hat das geschrieben?

Der Mann, der diese Fragen beantworten soll, sitzt auf der Anklagebank. Schwere räuberische Erpressung und einige Diebstähle wirft die Staatsanwaltschaft ihm vor. Aber wem genau eigentlich? Adil B. oder Ibrahim C.?


Ein Paparazzi-Blick bei Pias

rd | 04. Juli 2017, 12:48 | 4 Kommentare

Was einem so passieren kann, wenn man mittags in der Kavarinerstraße einen Kaffee trinkt:

Blick durch den Gummibaum auf die Ministerin

Blick durch den Gummibaum auf die Ministerin

Es handelte sich bei diesen Gruppentreffen allerdings um keine geheimnisvolle Versammlung, sondern um einen Austausch unter Amerika-Stipendiaten des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP), bei dem Schüler, die bereits einmal in den Vereinigten Staaten waren, solchen, den die Reise noch bevorsteht, über ihre Erfahrungen berichten konnten. Die Presse war eingeladen, trotzdem hat die Begegnung im Bistro Pias von Pia Wucherpfennig immer noch diesen merkwürdigen Moment des Erstaunens: „Da sitzt doch nicht etwa…“

Barbara Hendricks freut sich darüber, auch im Kreis Kleve amerikanische Gastschüler willkommen zu heißen. Sie lädt Familien, Paare und auch alleinlebende Menschen aus der Region dazu ein, sich als Gastfamilie zu melden. Mehr Informationen erhalten Interessierte beim Verein Partnership International e.V., der deutsche Schüler in den USA und die amerikanischen Stipendiaten während ihrer Zeit in Deutschland betreut (E-Mail: office@partnership.de, Telefon: 0221 – 913 97 33).


Peter Huth schreibt über seinen Großvater (in der WamS)

rd | 03. Juli 2017, 12:19 | 30 Kommentare
Peter Huth, Chefredakteur BZ, Ex-Mitarbeiter Grenzland Post

Peter Huth, Chefredakteur der Welt am Sonntag, Ex-Mitarbeiter der Grenzland Post

„Mein Großvater war homosexuell. Und er war seiner Frau ein guter Ehemann und seinen Kindern ein guter Vater.“

Mit diesen beiden Sätzen, eigentlich ein perfekter Einstieg für einen Roman, beginnt ein Kommentar von Peter Huth, aus Kleve stammend und mittlerweile Chefredakteur der Welt am Sonntag, den er gestern in seiner Zeitung veröffentlichte. Es geht, natürlich, um das Thema Ehe für alle und die Kapriolen, die dieses Thema in den Kommentarspalten (insbesondere in der FAZ) schlug. Was Huth schreibt, sind ein paar einfach Sätze. Ein bisschen Familiengeschichte, 70-er Jahre, Niederrhein. Was darin zum Ausdruck kommt, sagt eigentlich alles. Deshalb hier: der Link zum Kommentar: Es geht um das Ende der Diskriminierung Homosexueller

… und vielleicht schreibt Peter Huth über seine Familiengeschichte ja tatsächlich noch ein Buch. Er könnte es.


Zwischen Donsbrüggen und Düffelward: Landlust

rd | 03. Juli 2017, 12:08 | 3 Kommentare

Ein wenig Anschauungsmaterial zum Wochenauftakt! Easy Listening fürs Auge…

Ganstga-Raps

Ganstga-Raps

Matareske Gemeinschaft

Matareske Gemeinschaft

100 Jahre De Stijl

100 Jahre De Stijl

Ährenwerte Gesellschaft

Ährenwerte Gesellschaft


Überlebensgroß an der Emmericher Straße und in ganz NRW: Klever Finanzbeamter als Plakatstar

rd | 30. Juni 2017, 17:09 | 9 Kommentare
Ralf Gorissen als Blickfang an einer Hausfassade an der Emmericher Straße

Ralf Gorißen als Blickfang an einer Hausfassade an der Emmericher Straße

Wenn es darum geht, Menschen auf Plakatwänden abzubilden, greifen die Werber gerne zu Prominenten. So kommt es, dass die Menschen auf überlebensgroße Abbildungen von George Clooney oder Heidi Klum blicken. Wer aber auf der Emmericher Straße stadteinwärts fährt, erblickt in Höhe von Hausnummer 270 in der gleichen monumentalen Größe wie die Stars einen Menschen, der außerhalb seines Bekannten- und Kollegenkreises kaum bekannt sein dürfte.

Diplom-Finanzwirt Ralf Gorißen allerdings, wenn er mit seinem Auto von seinem Arbeitsplatz im Finanzamt in Richtung Innenstadt fährt, blickt auf ein ihm wohlbekanntes Gesicht – sein eigenes! Der Betriebsprüfer ist einer von 16 Finanzbeamten, die für eine Kampagne ausgewählt wurden, mit der die Finanzverwaltung NRW dringend benötigten Nachwuchs sucht. Die Plakate sind in ganz Nordrhein-Westfalen zu sehen, Näheres zu der Kampagne erfahren Interessierte auf zur Kampagne gehörenden Internetseite der Finanzverwaltung NRW (so-sind-wir) – und auf Facebook, wo es sich Finanzbeamten bereits zum Spaß gemacht haben, sich vor den Plakaten ihrer Kollegen abzulichten. „Wir sind richtig stolz auf dich“, postete eine Kollegin. Gorißen selbst war einfach nur verblüfft, was die Werber aus dem Shooting gezaubert hatten: „Irre, was ihr daraus gemacht habt! Respekt!!!“, postete er.

Um neue Leute zu finden, so offenbar die Überlegung der verantwortlichen Werbeagentur, müssen die Klischees, die Menschen normalerweise mit dem Beruf des Finanzbeamten verbinden, attackiert werden, also völlig irrige Vorstellungen wie die, dass Finanzbeamte den lieben langen Tag bierernst über sterbenslangweilige Steuererklärungen brüten, dass sie mit pedantischer Inbrunst Fehler in Nachkommastellen suchen und dass sie mit diabolischer Freude Anträge auf Zahlungserleichterungen ablehnen.

Stattdessen präsentieren sich die Beamten in der Kampagne als lässige Typen, die sogar selbstironisch sein können. Im Fall von Ralf Gorißen wird sogar ein alter Beamtenwitz herangezogen und als „Hymne der Finanzbeamten“ präsentiert: „Wake me up, before you go go“. Im erklärenden Text rückt der Inhalt dann schon etwas näher an den Arbeitsalltag des Betriebsprüfers: „Unsere Steuerfahnder freuen sich auch schon morgen über jeden, der singen möchte“, heißt es da offenbar leicht doppeldeutig.


Stadtradeln: Klägliche 2400 Meter!

rd | 30. Juni 2017, 16:33 | 4 Kommentare
Während andere Teilnehmer sich durch den Regen stoppen ließen, fühlte sich Janusz Grünspek im Matschwetter erst so richtig wohl

Während andere Teilnehmer sich durch den Regen stoppen ließen, fühlte sich Janusz Grünspek im Matschwetter erst so richtig wohl

Die neue Runde des Stadtradelns verlangt den Teilnehmern eine gewisse Härte ab – wer wird durchhalten?

Die neue Runde des Stadtradelns verlangt den Teilnehmern eine gewisse Härte ab – wer wird durchhalten?

Dass kleveblog seine Leser seit Jahren mit dieser außerordentlichen Qualität in der Berichterstattung verblüfft, liegt sicherlich auch daran, dass der Autor weite Strecken seines Daseins radfahrend verbringt. Der Kopf wird frei, und man sieht einfach mehr, und, wenn man etwas gesehen hat, hält man einfach an, fotografiert oder fragt. If you’re in doubt, pedal it out, sagen die jungen Leute. In der Sprache ihrer Eltern: Wenn du dir nicht ganz sicher bist, fahre einfach eine Runde mit dem Rad.

Am Mittwoch um sechzehn Uhr fiel in Kleve auf dem Koekkoekplatz der Startschuss zur zweiten Runde der Aktion Stadtradeln, die, wie die jungen Leute sagen, etwas Awareness dafür schaffen soll, dass Radfahren eigentlich eine ganz tolle Sache ist. Jeder Teilnehmer zählt seine auf dem Fahrrad zurückgelegten Kilometer, das wird netterweise auch noch umgerechnet in vermiedene CO2-Emissionen, und am Ende, nach drei Wochen, werden in verschiedenen Kategorien die fleißigsten Radfahrer ausgezeichnet.

Doch zumindest in der Anfangsphase geriet dieser volkspädagogische Wettkampf für ein mit großen Ambitionen gestartetes Team mit dem Namen If you’re in doubt, pedal it out zu einem Fiasko! Der Fahrer mit dem geheimnisvollen Pseudonym Whiteknight hat es bisher gerade mal auf 2400 m geschafft, der Mitstreiter hat noch keinen einzigen Meter eingetragen. Dagegen hat das Team des diesjährigen „Stars“, Janusz Grünspek, schon 271 Kilometer gesammelt.

Nun, das sind Künstler, die können so eine Runde zur Not als Performance in Ihrem Lebenslauf abspeichern. Aber so leicht geben wir uns nicht geschlagen – warte ab, Janusz!


WoW: Ein schöner Dreiklang aus Tanz, Trödel und Traußen (Kulturmeile)

rd | 30. Juni 2017, 15:42 | keine Kommentare
Spielen zum Tanz: Choochoopanini

Spielen zum Tanz: Choochoopanini

Heute Blister, früher Tinkturen: Apothekerflaschen sind etwas aus der Mode gekommen, aber immer noch sehr dekorativ

Heute Blister, früher Tinkturen: Apothekerflaschen sind etwas aus der Mode gekommen, aber immer noch sehr dekorativ

Man muss nicht auf jeder Hochzeit tanzen. Aber wer an diesem Wochenende einen Fuß vor die Tür setzen möchte, hat zumindest zweimal die Gelegenheit zu tanzen, er kann in alten Schätzen stöbern und am Sonntag auf der Festwiese am Spiegelzelt des Kleinkunstvereins cinque unter freiem Himmel erleben, was der freien Klever Kulturszene zum Thema Stadtjubiläum so alles eingefallen ist. Es gibt noch vieles mehr, aber dieser Dreiklang spiegelt etwa wider, welche Vorlieben der Autor hat – von einer nicht ganz einfachen Schiedsrichterprüfung in Xanten am Sonntag einmal abgesehen. Der Reihe nach:

Freitag, 20:30 Uhr: Tanzen mit den Jazzfreunden (Casa Kleve)

In vielen deutschen Großstädten sorgen die „Roaring Twenties“ wieder für Furore. Damals war Jazz genau die passende Musik für die angesagten rauchigen und verruchten Bars. Damals entwickelte sich der Swing-Tanzstil „Lindy Hop“, ein Vorläufer des Jive und des Boogie-Woogie. Tanzveranstaltungen im Stil der wilden exzessiven Zeit, die bis heute als legendär gelten, erleben heute eine Renaissance.

Auch die Klever Jazzfreunde möchten den tanzbaren Jazz nach Kleve holen und verlegen ihr nächstes Konzert dazu ausnahmsweise ins Tanzhaus Kleve, das die gleiche Adresse hat wie das Casa Cleve. Hier kann das Publikum beides: zuhören und/oder dazu tanzen.

Und auch für die richtige Musik ist gesorgt. Choo Choo Panini ist eine Tanzband der goldenen Ära des Swing, in der sich Entertainment und Kunst am meisten einander annäherten. Die Sängerin Nelly Köster und der polnische Gitarrist und Trompeter Radek Fedyk und Band graben nach alten und neuen Schätzen aus dem Swing, in jedem Fall extrem tanzbarem Jazz.

Nach ihrem Debütalbum „Moonray“, welches 2011 in Österreich, der Schweiz und Japan erschienen ist, folgte im Frühjahr 2017 ihr zweites Album, „Hotel Mirage“. Die Suche geht weiter und endet in neuen Klängen und Genres, ohne ihren wiedererkennbaren, warmen Sound zu verlieren. Feine Eigenkompositionen erzählen verträumte Geschichten vom Leben mit „einer Träne im Knopfloch“.

Bei Titeln wie Ella Fitzgeralds Ohrwurm „A Tisket A Tasket“ oder Nat King Coles „Straighten Up and Fly Right“ stellt sich rasch eine beschwingte Leichtigkeit ein. Munter und locker swingt diese erfreulich frisch klingende Nostalgie, die von Nelly Köster mit viel Nonchalance gesungen wird. Musikalisch virtuos begleitet wird sie dabei neben Gitarrist Radek Fedyk von Bassist Benjamin Garcia und Mickey Neher am Schlagzeug.

(Eintrittspreise: 12 Euro Abendkasse; 10 Euro Vorverkauf; 6 Euro Schüler ab 13 J., Studenten; 0 Euro Mitglieder inkl. einer Begleitperson, Einlass ab 19:30 Uhr)

Samstag, Sonntag: Trödelmarkt (Herzogstraße)

Wer trödelt, gewährt der Zeit Raum. Wer trödelt, dessen Herz schlägt nicht im Takt der modernen Welt. Dafür erfreut sich die Seele an Dingen, die der Verstand in ihrem besonderen Wert nicht zu erfassen vermag. So gesehen, ist der Trödelmarkt am Samstag und Sonntag in der Herzogstraße mehr als nur der Verkauf gebrauchter und abgenutzter Gegenstände. Die Veranstaltung ist, philosophisch betrachtet, eine Huldigung an das Leben, das bei uns allen ebenfalls Gebrauchsspuren hinterlässt. Insbesondere am Samstagvormittag trifft sich dort halb Kleve, und, wer ausnahmsweise nichts kaufen sollte, wird zumindest einen Gesprächspartner finden. Und das ist unbezahlbar. Da dieser Trödelmarkt mit der Schließung des Geschäfts Surium zusammenfällt, das überdies mit einem erhöhten Angebot an pittoresken Kleinteilen gerechnet werden.

Sonntag: Kulturmeile (Festwiese am Forstgarten)

Hoffentlich spielt das Wetter mit! Die Klever Kulturmeile ist deutlich kürzer als die Seemeile (1852,216 m), die angloamerikanische Meile (1609,344 m) und auch als die heute nur noch selten verwendete deutsche Landmeile (7532,5 m, was exakt 2000 preußischen Ruten entspricht). Die Klever Kulturmeile, noch nicht in der Wikipedia-Meilenrubrik verewigt, misst 775 Meter, ein Meter entspricht also exakt einem Jahr Stadtgeschichte. Darin haben die Veranstalter, die Mitglieder der freien Kulturszene Kleverland, ein Programm untergebracht, das meiner Einschätzung nach auch den Raum einer deutschen Landmeile hätte für sich beanspruchen können. Hier der Überblick, von Bruno Schmitz zusammengefasst:

  • 12.00 Begrüßung Freie Kulturszene und Bügermeisterin Sonja Northing, Konga Quings
  • 12.30 Führung durch das Freiluftmuseum – Portraits von Klever Persönlichkeiten, gemalt von Schülern der Gesamtschule Unterstadt u. der Gesamtschule Oberstadt
  • Lamatrip – Tierische Spaziergänge
  • 13.00 Theater im Fluss – Melange
  • 13.30 Poetry Slam
  • 14.00 Theater im Fluss – Alice Teegesellschaft
  • 14.30 Artoll Klanglabor Ensemble – Performance 775 Klatscher für Kleve
  • 14.30 Performance „Weg“ aus dem Projekt Weg – Way – Zwarib
  • 15.00 ELLE – Tanz
  • 15.30 VHS Blue Band – Jazz
  • 16.00 Theater im Fluss – „Stern­stunden und Schwanengesänge“ Ausschnitte
  • 16.30 Jazzyness – Jazz-Chor
  • 17.15 Jan Schumacher – Sitzbänkelsänger
  • 17.30 Lizzy’s Cocktail – Irisch-Klevische Musik
  • 18.00 KLEFOR – Klever Freundschaftsorchester
  • 18.30 Tangomusik – Tanzen
  • 19.00 Duo Domenico – Gitarrenkonzert
  • 19.30 Stefan Quinkertz & Marc v. Bebber
  • 20.00 Klangfabrik Allstars & Friends
  • Ganztägiges Begleitprogramm: Nicole Peters & Daniel M. Ziegler – Doku MKK Live-Malerei & Improvisierte Musik
    Musiker wandern – Theater – Walk Acts
  • Bewirtung: Nils Roth Kaffee und Kuchen, Getränketheken, verschiedene Imbißstände

Stadtverordnete beziehen neuen Ratssaal: Fröhlich soll mein Herze springen!

rd | 28. Juni 2017, 19:08 | 13 Kommentare

Wer nicht glaubt, dass – nach Max Weber – Politik das langsame Bohren dicker Bretter ist – im Klever Ratssaal steht nun der Beweis

Wer nicht glaubt, dass – nach Max Weber – Politik das langsame Bohren dicker Bretter ist – im Klever Ratssaal steht nun der Beweis

„Richtig schön geworden“ sei der neue Ratssaal, sagte Bürgermeisterin Sonja Northing, und es folgte eine Litanei des Dankes, die selbst vor verschiedenen Handwerksbetrieben nicht halt machte. Dass nicht immer eitel Sonnenschein herrschte, daran erinnerte sogleich Petra Tekath, die Vorsitzende der SPD-Fraktion: „Zwischendurch hat jeder gedacht: Ob wir das hier noch erleben?“ Noch mehr Dank, und schließlich am Ende ein humorvoll gemeinter, fast schon ekstatischer Ausruf von Hedwig Meyer-Wilmes (Grüne): „Hurra! Juhu!“

In diesem Saal werde Demokratie gelebt, so die Bürgermeisterin. Und das begann nach der viertelstündigen Freudenzeremonie mit einer Ratssitzung, deren öffentlicher Teil aus 38 Tagesordnungspunkten und deren nicht-öffentlicher Teil aus weiteren 15 bestand, darunter Punkt 11: „Vergabeverfahren zur Entwicklung des Minoritenplatz ist/Vergabe Nachprüfungsverfahren OLG Düsseldorf“, worüber vermutlich morgen zu berichten sein wird (für neugierige: Minoritenplatz: Ein bisschen Frieden?).

Was aber musst du, lieber Leser, über diese Keimzelle der Demokratie wissen?

Die Fraktion der Grünen sitzt zwar neben der CDU, aber hinter der FDP, die Teile der inneren der beiden hufeisenförmigen Tischreihen besetzt hat.

Die Ratsdamen und -herren sitzen auf eleganten und gut gepolsterten Sitzungsstühlen mit einem grauen Lederbezug. Die Rückenlehnen dieser Stühle sind allerdings so hoch, dass die hinten sitzenden Ratsmitglieder bei Abstimmungen ihren Arm so weit in die Höhe recken müssen wie früher die Streber in der Schule, um beim Zählen von der Bürgermeisterin wahrgenommen zu werden.

Absoluter Blickfang ist die Klever Stadtsilhouette an der Ostwand des Sitzungssaales. Sie wurde mit unzähligen kleinen Löchern in eine Schallschutzplatte gebohrt, und man kann nur hoffen, dass diese Bohrungen von einem Roboter ausgeführt worden sind, denn sonst wäre die Arbeit an dieser Wand eine unmenschliche Strafe gewesen.

Kleiner Schwachpunkt: der Laminatboden in grauer Holzoptik. Er wirkt billig, und wenn die Ratsmitglieder mit ihren Stühlen unruhig hin und her rutschen, zeichnen sich schon deutlich Streifen ab.

Pluspunkt: deutlich mehr Plätze für Zuschauer. Ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Menschen mehr Anteil an dem nehmen, was um sie herum geschieht. So soll es sein!


WoW: EntWDR, oder…

rd | 23. Juni 2017, 17:49 | 4 Kommentare
„Wie? Herzogstrasse? .....welche Strasse???....“

WDR-Bühne vor dem Venga:
„Wie? Herzogstrasse? …..welche Strasse???….“

Meiner Erinnerung nach gab es in den siebziger Jahren mal Aufkleber, mit denen der WDR auf neckische Weise für sein Angebot warb: EntWDR, oder… Vor dieser Wahl stehen die Menschen in Kleve an diesem Wochenende voller fantastischer Veranstaltungen, von denen die größte und imposanteste zweifelsohne die WDR-Sendung „Ein Tag in Kleve“ ist. Der Sender hat sich auf der Herzogbrücke so prominent platziert, dass die Geschäftsleute im dem Bahnhof zugewandten Bereich der Straße leicht frustriert sind: „Wie? Herzogstrasse? …..welche Strasse???….“, postete Jo Mies auf Facebook. Man kann ihn verstehen. Das Programm des Senders beginnt um zehn Uhr, sogar die berühmte Maus ist vor Ort.

Da ist der Aufkleber — mit Dank an Leser Klaus R.

Hier dann noch eine kleine Auswahl der Oders:

Samstag, ganztägig: Tag der Architektur

Zwei Häuser sind am Tag der Architektur in Kleve zu besichtigen: die Tagespflegeeinrichtung des DRK an der Lindenallee 113 (Wrede Architekten, 14:00 Uhr-17:00 Uhr) und ein Einfamilienhaus am Maselberg 11 (Architekturbüro van der Louw, 11.00-18:00 Uhr).

Samstag, ab 14:00 Uhr: Villa kunterbunt invites (Festival, In den Galleien)

Die Nachbarn seien drei Wochen vorher ausgezogen, und die Veranstaltung selbst sei ordnungsgemäß bei der Stadt Kleve angemeldet – na dann kann ja nichts mehr schief gehen beim Festival „Villa Kunterbunt invites“im Garten des Hauses mit der Nummer 58 in der Straße In den Galleien. Das Festival soll 24 Stunden dauern, also bis Sonntagnachmittag. Hier das bemerkenswerte Line-up, so, wie es auf Facebook gepostet wurde:

Imaginary machete swinger………Japanese pop rock
Biscuit club………Indie rock group from Indonesia
Velvet state…………Blues rock band coming all the way from Nijmegen
Malt dizney…………German rapper from cologne
Diego Barra Ureta…………Chilenian singer song writer
Brudertaktiker…………German hip hopper – really crazy stuff-
Eins…………Funk meets pop, reggae and electro, rap vs rock- This is Eins
Ayvalaostia…………Unpronounceable name, unforgettable south American music
Arschvoll…………Punk rock new comers who will give you an ass full
Cerulean river…………Klever legends, wonderful rock music from kleve

Samstag, abends: Abifete (Radhaus)

Der Klassiker für Menschen, die noch jung sind, die jung geblieben sind, oder die in Gesellschaft junger Menschen dem Wahn erliegen, selbst noch jung zu sein. Man muss warmes Bier aus Plastikbechern mögen, in der Regel nur jedes dritte davon bezahlen und auch ein gewisses Verständnis dafür mitbringen, dass nur wenige französische Chansons ausgespielt werden – dann ist man bei der Abifete im Radhaus genau richtig.

Samstag, 19:00 Uhr: Diner en blanc (Kirmesplatz)

Wer mit der Farbe weiß mehr in Verbindung bringt als nur Mayonnaise, ist beim Diner en blanc (Abendessen in weiß) genau richtig. Es handelt sich um ein spontanes Happening, bei dem sich in weiß gekleidete Menschen mit der nötigen lebensmitteltechnischen Ausrüstung treffen, um unter freiem Himmel ein Festessen zu zelebrieren. Die Gruppe trifft sich am Kirmesplatz und setzt sich dann in Bewegung zum eigentlichen Ort der Speisung.

Samstag, ganztägig: Schnäppchenmarkt

Für die Einkaufsfüchse unter meinen Lesern: am Samstag bieten die Klever Einzelhändler ausgewählte Kostbarkeiten zu Spezialpreisen an.

Sonntag: frei


20 Jahre XOX-Theater: Herzlichen Glückwunsch, Wolfgang Paterok!

rd | 23. Juni 2017, 11:32 | 4 Kommentare
Zu Risiken und Nebenwirkungen des Theaterspielens fragen Sie bitte den Intendanten: Wolfgang Paterok

Zu Risiken und Nebenwirkungen des Theaterspielens fragen Sie bitte den Intendanten: Wolfgang Paterok

Das Schöne an Wolfgang Paterok ist, dass er sich auch in der vorgerückten Lebensphase, in der sich nunmehr befindet, immer noch herrlich aufregen kann – als furchtloser Streiter gegen kleingeistige städtische Bauprojekte im Besonderen und gegen jede Form der Mittelmäßigkeit im Allgemeinen.

Dann bricht es mit barocker Sprachgewalt über einen herein, und, wer Zeuge einer solchen Auseinandersetzung wird, könnte den Eindruck gewinnen, dass bald zu den Waffen gegriffen wird. In Wahrheit ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit aber so, dass die Kontrahenten schon wenig später bei einem Glas Wein oder Bier beieinandersitzen und herzhaft lachen.

Das heißt nicht, dass die Auseinandersetzung es nicht wert war, die Fetzen fliegen zu lassen. Das heißt vielmehr, dass der gute Mann weiß, die Form zu wahren – wenn schon streiten, dann wenigstens so, dass es auch jeder versteht. Und diese Form, das ist das Theater.

Wolfgang Paterok ist eins geworden mit der Schauspielkunst, und das liegt natürlich auch daran, dass er nun schon seit 20 Jahren in Kleve sein eigenes Theater unterhält – das XOX-Theater, beheimatet im Dachgeschoss des einstigen Fabrikgebäudes. Am Wochenende wurde dort nun das Jubiläum gefeiert, im Kreise von hundert Freunden und Weggefährten, bei Sekt und Gulaschsuppe.

Das XOX-Theater sei ein „Glanzpunkt im Kulturleben der Stadt Kleve“, sagte Bürgermeisterin Sonja Northing, die dem Gründer und Chef des kleinen Schauspielhauses attestierte, „ein lustvoller Streiter [zu sein], mit dem es nicht immer ganz leicht ist“.

Das Theater sei ein „gelebter Traum, von dem ganz Kleve profitiert“. Northings Fazit: „Kleine Bühne, aber großes Theater!“

Vergessen waren da die bangen Monate, als die Verwaltung das Theater stillgelegt hatte und eine endgültige Schließung drohte, weil es den immer strenger gewordenen Brandschutzvorschriften nicht mehr genügte. Doch auch diese Klippe konnte umschifft werden, wie so viele andere, an die die drei Schauspieler des ersten überhaupt aufgeführten Stückes, York Dehnen, Michael Freiss und Manfred Küper, vor dem Publikum in launigen Sätzen erinnerten. Nachdem im Königsgarten der Plan geboren wurde, ein Theaterstück aufzuführen, zeigte Paterok den Schauspielern die Spielstätte – den leeren Saal in dem Fabrikgebäude.

Um die Nervenstärke und die dem Theaterchef innewohnende Energie zu begreifen, muss man wissen, wann Paterok seine Schauspieler zu dieser Besichtigung führte – exakt einen Monat vor der Premiere. Der – übrigens feuerfeste – Bühnenvorhang, der heute noch seinen Dienst versieht, sei wenige Tage vor der Premiere in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in Oldenburg gekauft worden. „Wir haben viel mitbekommen und viel mitgenommen“, so die prägnante Zusammenfassung von Michael Freiss.

Naturgemäß stand das Lebenswerk von Wolfgang Paterok im Mittelpunkt des Abends. Doch Paterok selbst nutzte die Begrüßung zum Gedenken an einen Schauspieler des Ensembles, der das Jubiläum noch mit plante, dann aber am 26. März im Alter von nur 57 Jahren überraschend verstarb: Michael Schläger. Ihm wurde mit einer Schweigeminute gedacht. Schläger war der designierte Nachfolger von Wolfgang Paterok, der künftig kürzer treten möchte. Nun wird nach einem neuen Mann oder einer neuen Frau gesucht, die das Theater in die nächsten Dekaden führt. Eine große Aufgabe.

Hier als lokalhistorisches Schmankerl noch der Bericht zur Eröffnung und die Theaterkritik von Matthias Graß in der Rheinischen Post zum ersten Stück aus dem Jahre 1997:

Gefeierte Premiere-Aufführung im Klever XOX-Theater

Bürgermeister Karl Thelosen: „Ein Traum ist in Erfüllung gegangen“

Rauschender Applaus für eine gelungene Premiere, rauschender Applaus auch für ein Wagnis, das einzugehen sich gelohnt hat: Rund 100 Premieren-Gäste feierten die Eröffnung des von Wolfgang Paterok initiierten XOX-Theaters in den ehemaligen Hallen der Biskuitfabrik. Paterok bewies, daß mit viel Enthusiasmus, mit privater Initiative und der kräftigen Unterstützung von Freunden das scheinbar Unmögliche möglich wurde: Kleve hat wieder eine ernstzunehmende, eigene Bühne. In einem professionellen Theater auf einer alle Möglichkeiten offen lassenden Bühne gelang dem Klever Studiendirektor mit Laien eine Aufführung, an die professionelle Maßstäbe angelegt werden können und die so manche Aufführung diverser Tourneetheater in den Schatten stellte. „Ein Traum ist in Erfüllung gegangen“, resümierte Kleves Bürgermeister Karl Thelosen den gelungenen Abend und lobte nochmals den Mut, dieses Unterfangen zu starten… Jetzt gehen hier die hoffnungsvollen Lichter eines Theaters an, das seine Gäste „auf bequemen Sesseln empfängt“, so der Bürgermeister und künftig mit Recht den Titel „Klever Kammerspiele“ tragen dürfte, so Thelosen.

*

„Kunst“ heißt das Stück von Yasmina Reza: Doch die Kunst, ein 1,2 mal 1,6 Meter großes, monochromweißes Bild, im Stück sinn- wie abfällig als weiße Scheiße abqualifiziert, steht so eigentlich gar nicht im Mittelpunkt. Auch wenn sich alles um diese „Weiße Scheiße“, um dieses „Flimmern und Vibrieren“, um die „ganze Farbpalette in der weißen Monochromie“ dreht. Serge, ein gutverdienender Dermatologe aus der Pariser Schickeria stellt voller Stolz und nicht ohne Arroganz seinem Freund Marc, einem Ingenieur, das Bild vor. Doch als Serge ihm den Preis nennt – 200.000 französische Franc – flippt Marc aus, fällt laut lachend und ohne Rücksicht über seinen Freund her, wie man soviel Geld für eben diese „weiße Scheiße“ ausgeben kann. Serge ist erwartungsgemäß empört.

„Kunst“ von Yasmina Reza ist ein Stück über eine Männerfreundschaft, vielleicht über Freundschaft schlechthin -und trotzdem wird die französische Autorin mit ihrem Text nie schwermütig, bleibt leicht, locker, fast oberflächlich aber immer treffend. Ein Text, der Boulevard-Theater sein könnte, ein Stück, das mit seinen möglichen Slapstick-Einlagen zur Commedia dell’arte werden kann, ein Stück aber auch, bei dem sich die Regie auf den Text und auf die zwischenmenschlichen Beziehungen, auf die psychologisierenden Elemente konzentrieren kann.

Wolfgang Paterok wählte eben diesen Weg. Nur drei Zweiersofas und ein kleiner Couchtisch bevölkerten die in ihrer Kargheit überzeugende Bühne: Hier stand das Wort im Vordergrund. Und damit hatte sich Paterok nicht gerade die einfachste Arbeit gesucht – denn gerade ein guter Text will auch gut gespielt werden. York Dehnen als Marc, Michael Freiss als Serge und Manfred Küper als Yvan leisteten als Laienschauspieler Beachtliches.

Köstlich Yvans Familienszenario seiner hysterischen Frauen (Braut, Stiefmutter, Schwiegermutter), nur scheinbar in sich ruhend Marc, ständig irgendwelche Pillchen schluckend, und schließlich der betont distinguierte, alle greifbaren, leeren Kunstphrasen dreschende Serge, ganz betont Bildungsbürger… Kunst bleibt unter Pateroks Regie ein ausgesprochen kurzweiliges Stück mit lustvoll aufspielenden Protagonisten… Ein Stück, das in Kleve ebenso die lauten Lacher provozierte, wie es nachdenkliche, fast traurige Seiten auslotet und in seinem wortreichen Dreikampf niemals ermüdet.


Grüne Hölle oder Schachbrettwald?

rd | 23. Juni 2017, 10:37 | 10 Kommentare
Blick nach Westen: Sattes Grün

Blick nach Westen: Sattes Grün (Foto: Bernd Janssen)

Mit seiner Drohne machte Bernd Janssen gestern am Ehrenfriedhof mit Blickrichtung Westen diese beeindruckende Aufnahme, die den Reichswald in seiner ganzen Pracht zeigt. Gut zu erkennen ist das rechtwinklig angelegte Wegenetz, und zumindest für Naturliebhaber ist nachvollziehbar, dass in dieser grünen Pracht Windenergieanlagen nur wenig verloren haben. Herzlichen Dank an den Drohnenpiloten!


Gunter Gabriel, 1942-2017

rd | 22. Juni 2017, 19:28 | keine Kommentare

„Sein größtes Glück: Im Bademantel und Schlappen zum nächsten Kiosk radeln und ein paar Bier holen.“ Passt, was die FAZ zum Tode des Sängers schreibt, dessen Lieder zum Kanon der deutschen Populärkultur gehören. Was nicht jeder weiß: Auch das legendäre Lied „Wenn du denkst du denkst, dann denkst du nur denkst“ von Juliane Werding stammt aus seiner Feder. Das Video aus der ZDF-Sendung Disco (mit dem berühmten Ilja Richter) ist ein schönes Zeitdokument – achten Sie auf die drei Skatspieler, die zu der Inszenierung gehören! Hier der Link zum Nachruf aus der FAZ: Der Stehaufmann


Wohin heute Abend? (Falls es einem noch nicht heiß genug ist…)

rd | 22. Juni 2017, 18:03 | keine Kommentare
Julia Kadel, Anil Eraslan

Julia Kadel, Anil Eraslan

Im Rahmen der Reihe „Jazz im XOX-Theater“ gastieren am heutigen Donnerstag, 20 Uhr, die Pianistin Julia Kadel aus Berlin und der türkisch­-französische Cellist Anil Eraslan im XOX-Theater. Julia Kadel, ein Shooting-Star der deutschen Jazzszene ist als Komponistin und Pianistin aktiv und war 2015 in zwei Kategorien für den deutschen Echo Jazz als Instrumentalistin des Jahres national und mit ihrem Klaviertrio „Julia Kadel Trio“ als nationaler Newcomer nominiert. Anil Eraslan spielt derzeit in zahlreichen Projekten wie der „Auditive Connection“ (Gewinner der „Jazz Migration Tour 2015“) und dem Streichtrio „Kemik“. Sicher ein Genuss!


Achten Sie auf den Erdbeergletscher!

rd | 22. Juni 2017, 14:19 | keine Kommentare

Kürzlich las ich in der britischen Tageszeitung The Guardian, eine der besten Publikationen auf diesem Planeten, eine Rezension über die Fernsehserie Better call Saul, die der sensationellen Serie Breaking Bad vorausgeht und in vielerlei Hinsicht übertrifft (The perfect prequel). Sie schildert, wie aus dem Anwalt James McGill der Winkeladvokat Saul Goodman wurde, und wie der heimliche Held der Serie, der supercoole Ex-Polizist Mike Ehrmanntraut an die Dealer geriet. Besonders erwähnt wurde unter anderem eine Szene, in der Mike Ehrmantraut auf der Suche nach einem Peilsender sein Auto auf einem Schrottplatz komplett auseinanderschraubt – eine Szene, die mit viel Liebe zum handwerklichen Detail gefilmt wurde und in der die Handlung mit nahezu unendlicher Langsamkeit voranschreitet. Spannend ist’s trotzdem. Für das Tempo der Handlung prägte der Autor den Begriff „glacial pace“, sie schreitet also mit gletscherartiger Geschwindigkeit voran. Eis aber ist das Thema dieser Stunden, und verbunden mit der Erkenntnis, dass der Takt des Nachrichtenwesens ohnehin so schnell schlägt, hier also eine nicht minder spannende kleveblog-Glazialkonstruktion. Achten Sie auf den Erdbeergletscher!


Nennen wir es mal: ein Statement

rd | 22. Juni 2017, 11:14 | 4 Kommentare
Clealry the EU inspires some in the UK, kommentierte Guy Verhofstad das genähte Bekenntnis zu Europa, das die Queen bei ihrer Rede trug

Clealry the EU inspires some in the UK, kommentierte Guy Verhofstad das genähte Bekenntnis zu Europa, das die Queen bei ihrer Rede trug

Cool Britannia: Sie darf nichts Politisches sagen, aber keiner kann der Queen vorschreiben, was sie anzieht – und so kamen wir Europäer in diesen turbulenten Zeiten in den Genuss eines bemerkenswerten nonverbalen Statements…