
Schleusenbau 1908/1909 in Brienen
Die Schleuse Brienen, eines der 7 Klever Weltwunder. Ein gefühltes UNESCO-Weltkulturerbe, möchte man meinen. Natürlich war auch ich schon mal drin, damals beim Krabbelgruppenausflug der Familienbildungsstätte nach Millingen. Jetzt plant Bernd Zevens, der visionäre Unternehmer aus unserer Mitte, vor seinem Hotelneubau am Ende des Spoykanals eine prächtige Marina, sodass zu den Standards der Klever Alltagsgeräusche auch schon bald das Klackern der Takelage gegen die Masten der Yachten gehören könnte.
Doch werden wir diese Erkennungsmelodie einer prosperierenden Kreisstadt auch tatsächlich vernehmen können? Werden die Gäste des Hotels auf eine spiegelnde Wasserfläche blicken, in der sich der Neubau der Volksbank Kleverland spiegelt? Oder blicken sie in eine düstere Modergrube aus Schlick und Schlamm?
Die Gefahr besteht. Denn die Bundesanstalt Wasserbau ist mit der Prüfung der Schleuse Brienen beauftragt – und schon jetzt zeichnet sich ab, dass das 103 Jahre alte Bauwerk so marode ist, dass Millionen investiert werden müssten, um es zu retten. »Der bauliche Zustand ist einfach nicht mehr ausreichend. Es gibt Risse, Abrostungen, das Tor ist teilweise durchlässig geworden und es gab bereits Verschiebungen durch die Pfähle, auf die die Schleuse vor über 100 Jahren gebaut wurde und die mit der Zeit nachgegeben haben«, sagt Bernd Schönfelder, Pressesprecher des Wasser- und Schifffahrtsamts Duisburg-Rhein (hier der Link zum Artikel in der Rheinischen Post). Auch an den Toren gebe es immer mehr Probleme. »Das bleibt nicht aus; die Tore sind Ende der 40-er Jahre erbaut worden. Die maximale Lebensdauer ist mittlerweile erreicht«, so der Ingenieur.
Eine Sanierung kostet Millionen, was sonst. Und die will der Bund, der für die Schleuse verantwortlich ist, nicht unbedingt bezahlen (trotz unseres Einflüsterers Ronald Pofalla in höchsten Kreisen), denn der Spoykanal wird von Frachtschiffen nicht mehr genutzt. Im März kommt der Schleusen-TÜV, und der hatte dem Bauwerk schon bei der letzten Prüfung vor sechs Jahren erhebliche Mängel attestiert – die aktuelle Prüfung wird vermutlich das Ende der Anlage besiegeln.
Ein historischer Rückblick:
- 1647/48 stellt Johann Moritz von Nassau dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm mehrfach dar, welche Vorteile ein Kanal mit Schleuse für Kleve hat.
- 1657/58 wird die Schleuse komplett als Zimmermannskonstruktion gebaut. Kosten: 2600 Taler, davon bezahlt die preußische Regierung 2000.
- 1688-93 wird die Schleuse in Massivbauweise neu erbaut.
- 100 Jahre herrscht relative Ruhe an der Schleusenfront, doch beim Hochwasser 1809 (Johanna Sebus!) droht sie zu bersten. Die Stadt Kleve hat kein Geld für einen Neubau und packt sie in dicke Mauern – damit ist der Kanal wie vor 1658 wieder ein Siel.
- Nachdem der ehemalige Regierungspräsident von Bodelschwingh Finanzminister in Berlin wird, bekommen die Bemühungen um einen Neubau neuen Schwung – 1843 sichert Preußen die Finanzierung zu, auch kann der Spoykanal verieft werden.
- 1846 Fertigstellung der Schleuse.
- 1907 bis 1910 wird neben der heutigen alten eine neue Schleuse von der Reichswasserstraßenverwaltung erbaut. Im Zusammenhang mit den vorhergegangenen Deichbauten bekommt die Schleuse 1933 höhere Kammermauern und neue Tore, so dass 1000-t-Schiffe den Kanal bis zum höchsten, für die Schifffahrt noch nutzbaren Rheinwasserstand erreichen können.
Noch mehr Infos auf heimat-kleve.de. Hier der Link zur Seite über den Spoykanal