Gut vier Jahrzehnte war die Villa des Westdeutschen Rundfunks an der Hoffmannallee eines der journalistischen Gravitationszentren der Stadt, unvergessen die Jahre mit Hans-Peter Riel und seinem großstädtisch geprägten Blick auf die Geschehnisse in der Kleinstadt. So war es unter anderem die Aufgabe einer Sekretärin, die Enten, die sich im Gartenteich niedergelassen hatten, zu füttern. Ein eifriger Praktikant bekam zu hören, dass er zuviel arbeite. Das beeinträchtigte das eher kontemplative Verständnis, dass der damalige Büroleiter seinem Beruf entgegenbrachte. Viel Zeit der Anwesenheit in der Bürovilla ging damals auch dafür drauf, CDs mit den neuesten Hits zu brennen, die auf Wohnmobiltouren gehört wurden. Diese Zeiten sind lange vorbei, auch beim WDR hielt der Realismus Einzug.
„Das Haus ist zu groß geworden“, sagt Kazmierczak. Unter den neuen Verhältnissen „reichen auch ein paar Quadratmeter weniger“, so der Redakteur des Westdeutschen Rundfunks. Der Sender bezog ein Büro im Hoffmannkontor, einige Meter weiter nördlich, statt Hausnummer 91 nun die 55.
Das war Anfang 2025, also vor über einem Jahr. Mit der Vermarktung der Immobilie wurde das Kölner Maklerunternehmen Greif & Contzen beauftragt. Doch es tut sich nichts, offenbar will niemand die WDR-Villa kaufen. Eine Zeitlang war die Villa im Internet zu finden, für den stolzen (aber angesichts der Dimensionen des Gebäudes und des Grundstückes vielleicht auch angemessenen) Preis von 800.000 Euro. Mittlerweile ist das Angebot online nicht mehr zu finden. „Aus Diskretionsgründen präsentieren wir in unserer Immobiliensuche nur einen Auszug aus unserem umfangreichen Angebotsportfolio“, heißt es auf der Website. Das Banner des Maklers hängt allerdings noch am Zaun. Die Makler selbst wollen sich nicht dazu äußern.
Für die Klever Stadtgeschichte ist das Haus von besonderer Bedeutung. Es war ein der Wohnsitz des Klever NSDAP-Chefs Alwin Görlich. Die Initialen AG sind noch in der hölzernen Haustür sowie im stählernen Eingangstor zu finden.
Hier der kleveblog-Bericht über die Geschichte des Hauses und seines Bewohners: Die dunkle Nazi-Vergangenheit der WDR-Villa.


Die Villa sieht auf dem Foto mit den heruntergelassenen Rolläden etwas unfreundlich aus, die schönen weißen Fenster sind nicht zu sehen. Auch innen ist sehr ansprechend gewesen, als das WDR Büro noch dort war.
Hier noch die beiden Fenster ohne Rolläden denken und den Vorgarten begrünt…
https://www.kleveblog.de/wdr-in-kleve-zieht-um-und-verkleinert-sich-villa-steht-zum-verkauf/
Was den Preis angeht, wird das ja in der Regel von Angebot und Nachfrage geregelt und nicht zuletzt von der Frage, wie lange der Eigentümer warten kann. Würde sagen, der Eigentümer hat bei der Wartezeit noch Luft.
In der Liste der „Denkmaleintragungen 2025 zur Vorlage BM3 /XII.“ ist die Villa so eingetragen:
„Denkmalwert festgestellt, Eintragungsverfahren muss noch gestartet werden“
Wenn sich keiner interessiert, scheint es zu teuer zu sein. Wie groß ist das Grundstück? Kann man das auch abreißen? Reicht ein Gedenkstein?
@17
….und Instandhaltung…. 😉
Bleiben aber immer noch 800.000 Euro + Kaufnebenkosten + Sanierung + Unterhalt
@15
Warum sollte die Stadt das tun? Die hat doch ohnehin sprichwörtlich schon alle Hände voll zu tun.
Bürgerschaftliches Engagement wäre doch auch mal reizvoll. Wenngleich wir in den nächsten Jahren in Kleve einen Sponsoren-Kannibalismus erleben werden: LAGA gGmbH, Förderverein LAGA und WTM Stadt Kleve GmbH buhlen gleichzeitig um die Unterstützung aus der lokalen Wirtschaft.
Vielleicht könnte die Stadt ja mal bei der NRW-Stiftung nachfragen, ob was möglich ist. „Museum für „neuere“ Stadtgeschichte“ vielleicht. So ab Industrialisierung. Ideale Lage. Um die „ältere“ Stadtgeschichte könnte sich ja die Schwanenburg kümmern.
Das wäre doch eine interessante Alternative für den „Haus des Erinnerns und Gedenkens e.V.“ anstatt teuer auf dem Synangogenplatz zu bauen. Die Historie des Hauses ergäbe dann noch einen besonderen Aspekt.
@12
Die Kommentare 2 und 11 haben eine gemeinsame Schnittmenge.
@11.
Kommentar 2.
Dass sich derzeit kein Käufer für die geschichtsträchtige WDR-Villa an der Hoffmannallee findet, mag auf den ersten Blick an der Lage oder den Dimensionen oder den Sanierungskosten liegen. Doch es gibt ein faszinierendes Beispiel im direkten Umland, das zeigt, wie scheinbar hoffnungslose Fälle durch Visionen und Mut gerettet werden können: Im benachbarten Kalkar-Grieth kaufte Lutz Kühnen das Haus Haan, an dem in den vergangenen Jahrzehnten der Zahn der Zeit nicht nur genagt, sondern tiefe Bissspuren hinterlassen hat.
Nahezu jeder andere Betrachter hätte bei diesem verfallenen Gebäude aus der Epoche des Neuen Bauens geurteilt, dass das Objekt nur noch ein Fall für die sprichwörtliche Abrissbirne ist. Doch statt den Verfall zu akzeptieren, übertrug Kühnen das Objekt in eine Stiftung. Seither wird es von Grund auf saniert und modernisiert – und zwar mit einer ausgesprochenen Liebe zum handwerklichen Detail und zur Historie des Hauses. Es macht einfach große Freude, die Aktivitäten und den schrittweisen Wiederaufbau dort zu beobachten. (https://haus-haan.de)
Genau ein solches Schicksal sollte meines Erachtens auch der WDR-Villa an der Hoffmannallee zuteilwerden. Die Parallelen sind verblüffend: Beide Gebäude wurden fast zeitgleich – zu Beginn der 1930er Jahre – errichtet. Während das Haus Haan als seltener Solitär der Bauhaus-Moderne im ländlichen Raum glänzt, besticht die Klever Villa durch eine Architektur, die gespickt voller handwerklicher Feinheiten und ausdrucksstarker Texturen ist.
Doch die Verbindung reicht tiefer als die reine Ästhetik. Beide Bauten sind steinerne Zeitzeugen einer Zeitenwende. Schaut man bei der Klever Villa genau hin, lässt sich die dunkle Geschichte zum Zeitpunkt ihrer Entstehung – als ehemaliger Wohnsitz des Klever NSDAP-Chefs Alwin Görlich – förmlich an den Mauern ablesen.
Anstatt das Gebäude aus Angst vor der belasteten Vergangenheit oder den Sanierungskosten dem Verfall oder Spekulanten zu überlassen, bietet sich hier die einmalige Chance für ein Stiftungsmodell nach Griether Vorbild. Der Stiftungszweck könnte eine bewusste Symbiose aus anspruchsvoller Architektur und deutscher, spezifisch kleverischer Geschichte sein. Ein mutiges Projekt, ganz frei in die Tüte gedacht: Ein gelebtes Denkmal gegen das Vergessen – ein echtes ‚Nie-wieder-ist-jetzt-Haus‘.
Energieeffizienzklasse H
würde ich aus der Entfernung schätzen.
Da käme mit Sicherheit noch einiges an Kosten zum Kaufpreis hinzu.
Vor der Lage und der Art würde ich es als guten Standort für eine (Gemeinschafts-)Arzt Praxis halten. Nur ist Kleve ja kein guter Standort an sich wo sich Ärzte niederlassen.
Ich würde sie kaufen… muss aber vorher noch Lotto spielen
Bloß nicht abreißen und einen Neubau-Klotz hinsetzen, dafür gibt es genug anderen Platz. Eher fehlt es an soliden Investoren.
Pottenhässlich die Bude,
zu Teuer, (Selbst für den halben Preis ist das überbezahlt.)
Die Lage ist für einen einzelne Villa nicht schön,
Abreissen / Neubau von 30-40 Wohnungen oder mehr durch Stadt Kleve.
Sparkasse finanziert zu günstigen konditionen, oder die VB
Das macht Sinn. Frohes schaffen.
Wer hat schon die Liquidität, mal eben 800t€ auszugeben….? Die wenigsten. Wundert also nicht, dass sich da nichts tut. Bis sich der Immobilienmarkt mal beruhigt hat und die Blase geplatzt ist, wird es nur schlimmer.
Lage, Lage, Lage…
Zu gross und zu teuer. Vom Grundstück her interessant. Abriss zu teuer. Dunkle Vergangenheit geht mir am arsch vorbei
Es ist ein Haus, das als solches genutzt werden sollte. Das Leben gegen die dunkle Vergangenheit.
Aber die Initialen müssen weg.
) … 😳 🙄 ! 👍🏼 😇
Wer möchte nach dieser menschenverachtenden, grauenvollen Zeit, in einem ehemaligen ,, Nazi-Quartier“ sein?
Auch daraus könnte man ein geschichtliches Mahnmal, in Verbindung mit dem Soldatenfriedhof, genau wieder in dieser fremdenfeindlichen Zeit, machen!
Wäre für Kleve nach der katastrophalen Kriegszerstörung und Wiederaufbau, ein richtiges und wichtiges Zeichen!
Schade, dass der WDR nicht mehr in dem Haus ist. Es war immerhin einer der schönsten und für sich genommen gleichzeitig einer der preiswertesten Redaktionsstandorte hinter z. B. dem Büro Detmold. Aber im WDR stehen die Zeichen auf Verkauf von Immobilien. Auch das Gelände Bocklemünd, auf dem die „Lindenstraße“ gedreht wurde, wird frei – die Abwicklung soll bis spätestens 2035 abgeschlossen sein.
Die Villa in Kleve würde sich z. B. gut als Sitz für eine Stiftung eignen.
Was gegen die Immobilie als Privathaus spricht: die Lage an der Hoffmannallee. Für den Preis würden die meisten wohl lieber im Grünen wohnen und nicht an einer der verkehrsreichsten Straßen der Innenstadt. Und ins Innere müsste auch noch einiges investiert werden. Hinzu kommt der laufende Unterhalt.
Wäre mal interessant, wie es da aktuell innen aussieht.