Saturn geht, MediaMarkt kommt

Neuer Name, gleiche Ware (Foto: Sebastian Wessels)

Ein neues Kapitel in Kleves Neuer Mitte: Der Elektronikfachmarkt Saturn, seit der Eröffnung der Passage am 26. Oktober 2003 der Dreh- und Angelpunkt der Passage, bekommt einen neuen Namen: Ab dem 27. August firmiert die Filiale nicht mehr unter dem Namen des Planeten, fortan heißt sie MediaMarkt. Dies bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens.

Über dem Eingang des Geschäfts hängen schon die neuen Schriftzüge (Link zu stadt-io.guide), an der Fassade eingangs der Hagsche Straße wird die Veränderung in den nächsten Tagen erfolgen. Für die Kunden ändert sich außer dem neuen Namen nichts, und unter der Haube sind Saturn und MediaMarkt ohnehin bereits ein Unternehmen. 1990 übernahm MediaMarkt den Konkurrenten Saturn, nach einigem gesellschaftlichen Hin und Her gibt es nun den Handelskonzern Ceconomy, der insgesamt rund 1000 Elektronikmärkte betreibt, darunter auch die mit den Namen MediaMarkt und Saturn.

Eine Sprecherin des Konzerns erläuterte die Umbenennung: „Wir betrachten jeden Standort einzelnen Treffen unserer Entscheidung, welche Marken welchen Standort das beste Kundenerlebnis bietet, immer auf Basis der jeweiligen Situation vor Ort.“ Offenbar fällt diese Entscheidung häufiger zu Ungunsten von Saturn aus. Die Sprecherin: „Wir sehen nach einer Umstellung auf MediaMarkt im Durchschnitt ein Umsatzplus von rund zehn sowie ein sehr positives Kundenfeedback.“

Saturn ist der mit Abstand größte Händler für Unterhaltungselektronik und „Weiße Ware“ in Kleve. Einige Tage schwirrten in Kleve Gerüchte durch die Stadt, dass die Filiale schließt. Das wäre insbesondere für die Neue Mitte eine wirtschaftliche Katastrophe gewesen. Für die Stadt selbst natürlich auch, wie schon die Diskussion über Galeria in den vergangenen Wochen gezeigt hat. Doch Hintergrund der Gerüchte war offenbar die bevorstehende Namensänderung. Den Einzelhandelskunden in Kleve bleibt das gewohnte Angebot erhalten.

kleveblog-History: Die Geschichte des Handesunternehmens Saturn selbst begann 1961 am Hansaring in Köln, wo das Ehepaar Anni und Fritz Waffenschmidt einen Markt für Unterhaltungselektronik eröffnete. Ursprünglich verkaufte das Geschäft nur an Diplomaten, weil diese Klientel von der damals existierenden Preisbindung (vorgeschrieben durch die Hersteller) ausgenommen war.

Doch diese Limitierung fiel wenig später, das Geschäft wuchs rasant und zog in die unmittelbare Nachbarschaft des Hansahochhauses (65 Meter hoch, nach seiner Fertigstellung kurzzeitig das höchste Haus Europas), an dessen Fassade das Saturn-Logo weithin sichtbar angebracht war.

In den späten 1970er/1980er Jahren war der Saturn Music Dome mit der „größten Schau der Welt“ der Laden schlechthin für Musikfans (die die Auswahl bewunderten, aber an dem Preissystem (Buchstaben statt Zahlen) verzweifelten).

Weil die Ringe mitsamt dem Planeten so aussahen wie ein Basketball, der durch den Korb rauscht, sponserte Fritz Waffenschmidt den Basketballklub BSC Köln, der mit dem Namenszusatz „Saturn“ in den späten 80er Jahren erstmals dafür sorgte, dass Basketball auf europäischem Spitzenniveau in Deutschland gespielt wurde. Top-Spiele gegen Piräus oder Madrid fanden in der Sporthalle vor Tausenden von Zuschauern statt (damals einmalig in Deutschland), allerdings war die Halle auch Austragungsort des Sechstagerennens, weshalb sich um das Spielfeld auch noch eine Radrennbahn zog.

1984 verkaufte er sein Unternehmen an den Kaufhof-Konzern, wenig später beendete er auch das Basketball-Sponsoring – da begann der Untergang. Kurzzeitig hieß der Klub noch Galatasaray, und in einem ZDF-Bericht über ein (verlorenes) Spiel war sogar kurzzeitig ich zu sehen, wie ich nach der Schlusssirene über das Spielfeld irgendeiner drittklassigen Sporthalle schlenderte. Dann blieb das Geld aus, und alles brach zusammen.

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10 Kommentare

  1. 10

    @8 Bay Michael

    „von Eigentümerinnen/tatsächlichen Einzelhändlerinnen betriebene Geschäfte in Kleve zu priorisieren?“

    Inwiefern bezüglich Saturn/MediaMarkt?

    „Nebenbei wird es natürlich die Konzerne geben, die krebsartig die Innenstädte befallen und kein Interesse an einer nachhaltigen Stadtentwicklung haben.“

    Diese Metapher klingt ziemlich weltfremd. Ohne die Filialen großer Konzerne würden viele Innenstädte heute schon nicht mehr funktionieren. Es geht außerdem weniger um die Eigentümer als um die Einhaltung des geltenden nationalen und EU-Rechts.

    Produkte, mit denen Menschen ausgespäht werden können, gehören grundsätzlich verboten, unabhängig davon, wer sie herstellt oder vertreibt.

    Apropos Konzerne: Sie mieten oder kaufen Immobilien und verkaufen ihre Produkte, unter Beachtung kommunaler Vorgaben. Für welche Form der nachhaltigen Stadtentwicklung sollen sie sich Ihrer Meinung nach interessieren? Ein solcher Einfluss könnte auch schnell zu weit gehen.

    Und btw: Was ist mit den dringend benötigten Gewerbesteuern, die die Filialen der („Kraken“-)Konzerne bringen?

    Ja, ich verstehe: Das ist Ihnen jetzt vielleicht zu viel Kapitalismus. (Aber der Wald, der darf ausgebeutet werden?)

  2. 9

    @6
    Da ich der chinesischen Sprache weder in Wort noch in Schrift mächtig bin, habe ich mal ein Übersetzungstool bemüht. Folgendes kam zu „geiler Geiz verblödet“ heraus:
    卑鄙的吝啬令人愚蠢
    /Bēibǐ de lìnsè lìng rén yúchǔn/
    😀

  3. 8

    Wenn tatsächlich eine chinesische Gruppe Mitbesitzerin von Saturn/Mediamarkt ist,- was sollte diese davon abhalten, einen solchen Media Markt in Kleve zu betreiben?
    Wäre es möglicherweise nicht gut, darüber nachzudenken, von Eigentümerinnen/tasächlichen Einzelhändlerinnen betriebene Geschäfte in Kleve zu priorisieren?
    Was ist mit den Besitzer*innen von Immobilien? Gibt es im GG nicht den Artikel, dass „Eigentum verpflichtet“?
    Oder geht es immer (wie man so hört) noch darum, sich im stillen Hintergrund seine Pfründe zu sichern?
    Es gibt doch einen Plan zur Umgestaltung der Innenstadt. Warum wird der nicht mit den KLAK und der KWP verbunden und gerade in diesen Zeiten verstärkt vorangetrieben?
    Nebenbei wird es natürlich die Konzerne geben, die krebsartig die Innenstädte befallen und kein Interesse an einer nachhaltigen Stadtentwicklung haben.

  4. 7

    Aus Grenzland Post
    „Saturn verschwindet aus Kleve – MediaMarkt kommt

    … Viele Jahre wollte die Holding verschiedene Kundengruppen ansprechen: Saturn sollte Premium-Elektronikanbieter sein, MediaMarkt hatte eher preisbewusstere Kunden im Blick.“

    Welche Kundengruppe ist nun vorwiegend diejenige, die in Kleve konsumiert?

  5. 6

    Was bleibt von
    “ Geiz ist blöd ! “
    und
    “ Ich bin doch nicht geil ! “
    ?
    vielleicht
    “ geiler Geiz verblödet ! “
    ??
    Wie klingt das auf Chinesisch ???

  6. 4

    Den Zusammenhang zwischen „aus Saturn wird Mediamarkt“ und „10% mehr Umsatz“ erschließt sich mir nicht.

    Und wieso habe ich das Gefühl, dass die Warnungen von Experten wieder mal wissentlich ignoriert wird?!

  7. 3

    Der chinesische E-Commerce-Riese JD.com drängt extrem auf den Europäischen Kontinent, nach der Übernahme von großen Elektronikkonzernen in Frankreich und Spanien, steht nun die Übernahme der Ceconomy AG, der Muttergesellschaft von MediaMarkt und Saturn bevor. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte nun die Freigabe unter Auflagen zum Schutz deutscher Kundendaten erteilt. Die EU-Kommission prüft den Deal jedoch wegen möglicher unzulässiger chinesischer Subventionen bis zum 2. Oktober 2026.

    Aktueller Stand und politische Reaktionen in Deutschland. Hier billigte das Bundeswirtschaftsministerium die Übernahme im Juni 2026 mit strengen Auflagen zum Datenschutz und einem Widerrufsrecht bei Verstößen. Und das trotz warnender Worte von Experten für IT und Datensicherheit, die befürchten das China den europäischen Markt mit über diese Plattform mit Geräten flutet, wodurch die Nutzerdaten und Fernzugriff nach China abfließen.. Trotzdem hatte das Bundeskartellamt zuvor schon im September 2025 grünes Licht gegeben.

    Auf EU-Ebene untersucht die Europäische Kommission untersucht, ob JD.com durch unfaire staatliche Beihilfen aus China einen unfairen Wettbewerbsvorteil beim Kaufangebot hatte. Die endgültige Entscheidung der EU wird für Oktober 2026 erwartet.

  8. 2

    Spätestens Ende des Jahres wird es keinen Saturn mehr geben. Da guckt keiner was „welche Marke passt“ da wird alles umfirmiert..

    Jetzt soll „Saturn“ plötzlich eine Fläche im Media Markt werden, dieser Konzern weiss überhaupt nicht in welche Richtung sie noch wollen mit den Läden. Beratung kriegt man dort sowieso keine (da haben die immer weniger werdenden Mitarbeiter wohl auch keine Zeit zu.) Allgemein warum sollte ich in den MediaMarkt fahren wenn ich das Zeug auch Online kriege, teilweise mit 2 Stunden Lieferung?

    Der Unterschied zum Kaufhof? Der Mediamarkt hat „Online“ nicht verschlafen.

  9. 1

    Media Markt ! 😎 ☝🏼“DRUSCHBA“ ? ( Freundschaft 🤫 😱 ? ) Drei mal (noch) in Moskau ? 😳 Noch im Netz als Media Markt 🙄😳 + Bingo , wie schön ,einmal in Kleve 👏🏼 👏🏼, Za zdraov’je 😂 🍻 🥳