Unsere kleine Lyrikecke: Die Schwanenburg

rd | 12. Januar 2013, 17:32 | 7 Kommentare

Normalerweise ist das Wochenende im kleveblog die Hochzeit der kontemplativen Fotografie, doch nichts ist in Stein gemeißelt, und warum nicht einmal andere Wege gehen? Der Zufall wollte es, dass ich zum Jahreswechsel im Café Lust meinem alten Klassenkameraden Wolfgang Look begegnete, dessen pädagogischem Einfühlungsvermögen ich es zu verdanken habe, im Mathematik-Leistungskurs nicht vollends abgeschmiert zu sein. Er arbeitet mittlerweile im Auswärtigen Amt, ist ein profunder Kenner des Russischen, derzeit jedoch in Brüssel tätig, was ihn seiner Heimatstadt ein Stück näher gebracht hat. Die wenigsten wissen, dass seine wahre Leidenschaft nicht diplomatischen Floskeln, sondern lyrischen Versen gilt. Sein jüngster Heimatsbesuch inspirierte ihn nun zu einem Gedicht, welches ich hier der geneigten Leserschaft gerne präsentiere:

Die Schwanenburg

Des Schwanenritters Burg in Herrlichkeit
Thront fürstlich in des Niederrheines sanfter Wiege,
Wo einst voll Stolz und Kraft es herrschte weit
Des Bundes Jülich-Berg und Kleve Herzogsriege

Im flachen Land bis Aachen, Köln und Ravenstein;
Und in den Burgesmauern bis in Ewigkeit die Sage ruht
Von Elsa von Brabant, die hier am schönen Rhein
Der Gralesritter Lohengrin erlöste aus der Not.

Und heute noch schwimmt unsichtbar sein Schwan
Im Bett vom Kermisdahl für jeden echten Klever,
Der in dem Burgturm schaut des Himmels gute Hand,
Die schützt wie einst der Parzival auch seine Lebensbahn.

Ein Klever weinet, wenn das traute Liebesband
Der Heimat er zerreissen muss am Abschiedstag,
Wie einst, als Lohengrin auf seinem Schwan entschwand,
Da sie den heil’gen Schwur des Schweigens brach.

Doch du, oh Schwanenburg, ruhst in des Herzens Grund,
Und wenn das Leben auch in weite Ferne führt,
Erstehet deines Turmes mächtig Bild zu stiller Stund
Im Herzen wie des Himmels Flamme, die unsterblich loht!

Und wenn einst kommt des Lebenswindes letztes Rauschen
Will ich, du hohes Bildnis der Unsterblichkeit,
In deinem Reich entschlafen und dem Liede lauschen,
Das du dem Klever spielst von Pappeln, Feldern weit.

Dich Schwanenburg, vom Himmel dann die Klever wieder schauen,
Ruhend in dem Himmelsbett vom grünen Niederrhein,
Der singt im ew’gen Regen alter Rheinesauen,
Und auf des Reichwalds Pfaden, deinem heil’gen Hain!

Doch heute schon von jeder Reise immer wieder
Kehr ich zurück, bei dir anfühlend meiner Jugend Glück,
Das in mir stimmet an der alten Zeiten frohe Lieder
Von ew’ger Kindheit wie ein süßer Frühlingstag.

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7 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 7. Mäuschen

    @Kle-Peter: Ich stimme voll und ganz zu…

     
  2. 6. Helmut Look

    Ich habe noch 1ooo. Gedichte in der Reserve von Wolfgang Look

     
  3. 5. KlePeter

    Übrigens der aktuelle Prinzenliedsänger hat ebenfalls eine Ode an die Schwanenburg ausgedacht und präsentiert diese mit einer sehr charmanten begleitung auf diversen Karnevalssitzungen – sehr hörenswert.

     
  4. 4. Kellener

    @Hoshimaru
    Ich kann von zuhause aus Kellen noch die Schwanenburg sehen.
    Aber, wenn ich in die Stadt fahre, erinnert und ärgert mich das Hotel 130 wegen der offensichtlich Willkür Klever Behörden.
    Dahinter steht noch so ein aus den Fugen geratenes Gebäude, das Spoypalais. Dies ist möglicherweise nicht richtig gegründet oder das linke Nachbarhaus nicht ausreichend gesichert.
    Dies kippt nach rechts. Vielleicht sollte sich mal ein Statiker den links an diesem Gebäude entstehenden keilförmigen, unterm Dach ca 5 cm (!) breiten Riss ansehen.
    Wenn man FR glauben darf, gibts bald die Vervollständigung der Groß-Investor-Blöcke auf dem Minoplatz. Hier kann der Bürger dann in Serie bestaunen, was man darf, wenn man seinen Wohn-und Geschäftssitz aus Kleve verlagert hat bzw. hier gar nicht zuhause ist.
    Hier in Kellen gab’s zuletzt eine geplante Bebauungsplanänderung, mit der man nur noch 1,50 niedriger als die vorhanden Nachbarn bauen durfte.
    Vielleicht ist unserm Bürgermeister ja sein Umzug von Kellen in die Höhe zu Kopf gestiegen.
    Kleve hatte früher den Wallgraben zur Verteidigung Kleves vor unerwünschten Eindringlingen.
    Mit der städtebaulichen Entwicklung, insbesondere der 120-m-Wand , haben wir in Bälde eine Art Stadtmauer vor Kellen mit engen Schluchten ins Zentrum.
    Einen Vorgeschmack dazu kann man schon jetzt auf der Bensdorpstrasse geniessen.

     
  5. 3. Hoshimaru

    Es soll Leute geben, welche bereits am Weissen Tor stadtauswärts umkehren weil sie den Anblick der Schwanenburg bereits vermissen.

    Was machen die Kellener, deren Blick auf die Burg durch Moms Betonklotz ein für allemal verschandelt wurde?

    Hoshi

     
  6. 2. otto

    Kleve sucht nach über einem halben Jahrhundert seine Zukunft
    (siehe RP) und hat die Zukunft längst verschlafen, geschweige
    denn erkannt. Den Geist dieser Lyrik-Zeilen in Verbindung mit der Moderne und dem Bewahren des restlichen, urbanen Kleve zu verwirklichen, das wäre eine konstruktive Aufgabe.
    Aber Sontowski-Gewerbeplanung, Voba-Überflüssig-Center, CDU-
    Lachhaft-Pläne, was für ärmliche Geister.

     
  7. 1. kle-master

    Tja so ist das – erst fern der Heimat, weiss man diese zu schätzen.
    Und nur wer mit Klever Lesebüchern gross geworden ist, sollte eine Veranwortung für seine Stadt übertragen bekommen dürfen.