Technologiezentrum immer schöner

rd | 30. September 2007, 14:00 | keine Kommentare

Ganz allgemein gesprochen, hat z. B. eine Frau mit intellektuellen Defiziten zwei Möglichkeiten, diesen Umstand nicht allzu offensichtlich werden zu lassen. Sie kann entweder

  • viele Bücher lesen, VHS-Kurse besuchen, BR alpha gucken, um grundsätzlich Abhilfe zu schaffen
  • oder ganz was Knappes anziehen, um andere Vorzüge in den Vordergrund zu rücken.

So gesehen, steht das Technologiezentrum Kleve (TZK), die idyllische Heimat von innovativen Visitenkartenherstellern und vermutlich bald auch Nanolottoannahmestellen und Softwareimbissbuden ( mehr hier), seit kurzem fast nackt da. Aber die Unsicherheit bleibt, ob dies der richtige Weg ist…


Doch der Reihe nach: Der Klever Wirtschaftsförderer Rudolf Röhrl, der sich bei einer ersten Besichtigung des TZK sofort an ein Sozialamt und seinen charming Loserflair erinnert fühlte, hat zur allgemeinen Verbesserung des Ambientes Maßnahmen ergriffen. Nun sieht die Sitzgruppe im Eingangsbereich zwar immer noch nicht nach New Economy aus (Foto folgt), aber die Wände sind frisch gestrichen und die übliche Hydrokulturbüroflora sorgt für mehr Businessfeeling.

Doch – und das ist “eine Premiere in der 20-jährigen Geschichte des TZK” (RP) – außerdem blickt der wartende Technologiezentrumsbeschicker, solange sein Gründerkopf nicht depressiv zwischen den Schultern hängt, ab sofort auf Kunst. Echte Kunst! Unsereins denkt natürlich sofort, das passt, schließlich hat der Ackermann sicher auch einen echten deutschen Expressionisten in seinem Vorstandssaal hängen, und wahrscheinlich ziert die Wände über der schwarzledernen Ecksitzgruppe für die eher informellen Besprechungen noch ein bisschen Pop-art, oder zumindest was neueres Deutsches (Immendorff o. Ä.), aber zurück zum TZ in K, wo 15 Siebdrucke des in Kranenburg (!) geborenen und in Kleve aufgewachsenen Grafikers, Gerichtszeichners, Gestalters und Buchautors Robert Nippoldt gezeigt werden. Das Thema der Werke: Jazz. Die Meinung des Experten: “Die Bilder rufen eine Stadt im Rausch der Musik hervor, sie evozieren eine Rastlosigkeit, Lebensfreude und Eleganz, um die wir heute diese Zeit beneiden” (Drs. Guido de Werd, Museum Kurhaus). Die Stimme der Wirtschaft: “Ich kenne mich zwar mit Kunst nicht aus, aber das, was hier zu sehen ist, ist einfach toll” (Mario Goedhart, IHK Kleve). Den nächsten Satz denken wir uns dann mal einfach dazu: “Das Büffet ist eröffnet!” (Und wenn nicht allzu viele Besucher kommen, können wir sogar Alles alleine auftrinken.)

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