RE 10, Tage des Chaos und des Zorns: Entnervte Ersatzbusnutzer rufen sogar die Polizei!

Züge sucht man zurzeit in Kleve vergebens – und Busse mitunter auch

Es gibt ein Genre von Witzen, das auf landsmannschaftlichen Stereotypen beruht und in dem beispielsweise eine Eigenschaft der Hölle ist, dass den Italienern die Organisation obliegt. Die Realität der Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel im Kreis Kleve gibt allerdings zu der Vermutung Anlass, dass es noch schrecklichere Formen der Hölle gibt – eine, in der beispielsweise der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr die Organisation des Schienenersatzverkehrs in die Hände verschiedener Busreiseunternehmen gibt. Obwohl die Termine der Bauarbeiten seit Wochen bekannt waren, wurden erst am Samstag notfallmäßig neun Busse für die Strecke gesucht.

Gestern war der erste Werktag mit Schienenersatzverkehr für den RE 10, am Wochenende hatten bekanntlich die soundsovielten Bauarbeiten auf der Strecke zwischen Kleve und Düsseldorf begonnen. Jede einzelne dieser Maßnahmen soll den Betrieb etwas zuverlässiger machen, das genaue Gegenteil indes passiert. Der Fernsehsender RTL hat schon einen festen Reporter für die Linie engagiert. Einen Monat lang soll nun der Zugverkehr erneut ruhen. Somit herrscht ein Regiment, das die regelmäßigen Nutzer des RE 10 in tiefe Täler der Verzweiflung stürzt – das Regiment des Schienenersatzverkehrs!

Gestern Morgen erblickten die Nutzer das reine Chaos, ausgeliefert einem Fahrplan ohne Sinn und Verstand und in der brütenden Hitze so entnervt, das zumindest eine Frau zunächst die Fahrplanauskunft anrief und einen Bus anforderte und gleich danach – auf Lautsprecher, sodass jeder wartende Fahrgast mithören konnte – bei der Polizei, um endlich den avisierten Bus in Bewegung gesetzt zu wissen. Natürlich konnte die Polizei auch nicht helfen.

Was aber sahen die Zeugen? Sie sahen, wie sich um 7:28 Uhr ein Expressbusse in Bewegung setzte. Expressbusse halten das erste Mal in Geldern. Fünf Passagiere saßen in dem Fahrzeug. Der Bus, der die Haltestellen dazwischen anfahren sollte und auf den beispielsweise Pendler nach Goch oder Kevelaer angewiesen sind, fiel hingegen einfach aus. Daher konnten die am Bahnhof in Kleve gestrandeten Fahrgäste sehen, wie zunächst ein weiterer Bus in Kleve ankam. Dessen Fahrer machte aber erst einmal eine Pause. Um 7:58 Uhr verließen zwei weitere Expressbusse den Bahnhof in Kleve – beide diesmal komplett leer. Dutzende Fahrgäste, die zum Beispiel nach Goch, Kevelaer oder Weeze wollte, schauten in die Röhre.

Die am Bahnhof wartenden Pendler konnten erst um kurz nach acht – mit zehnminütiger Verspätung – in einen der Ersatzbusse steigen. Dieser war dann offenbar so marode, dass der Fahrer mehrmals auf offener Strecke anhalten und den Motor neu starten musste.

Es ist mittlerweile so etwas wie ein traurige Pflichte des Chronisten, die immer neuen Variationen des Versagens festzuhalten, und man selbst, der auch zu den regelmäßigen Nutzern der Bahnstrecke zählt, traut sich schon gar nicht mehr, jeden einzelnen dieser Zwischenfälle zu notieren, wie beispielsweise den vom vorvergangenen Montag, als der RE 10 noch fuhr, den Düsseldorfer Bahnhof abends sogar pünktlich verließ, um dann aber bis Meerbusch ca. 40 Minuten Verspätung aufzutürmen. Als Grund führte der Zugführer die komplette Überlastung der Strecke an, sogar Güterzüge wurden dem RE 10 vorgezogen, der ja nur ein paar Menschen transportierte und nicht Autos, Koks oder sonstige Chemikalien.

Jede Woche werden aufs Neue Menschen von der Bahn auf die Autobahn getrieben, und am Ende bleiben in der Bahn nur noch diejenigen sitzen, die keine andere Wahl mehr haben – und das nennt sich dann Verkehrspolitik.

Deine Meinung zählt:

8 Kommentare

  1. 8

    @ 7

    Keine Sorge: allgemein gültig ist für mich nur der Imperativ, gegenüber der eigenen Wahrnehmung und dem eigenen Anspruch skeptisch zu sein! Kritik verbieten ist also verboten!

    Verwunderlich ist es schon, wenn ein solch umweltbewusster Mensch ausgerechnet die „FFF-Kids“ mit abwertendem Eifer verfolgt, und mächtigere Umweltverschmutzer ganz vergisst!

    PS.: Nur wer der Verklärung einer Profitorientierung nachhaltig abschwört, die allgemeinen Menschenrechte mit der Solidarität und dem Respekt für Flüchtlinge und Menschen aller Identitäten, Rassen und Religionen würdigt, hätte eine Chance, in den illustren Kreis der „Genossen“ aufgenommen zu werden, die sich untereinander anerkennend duzen , aber auch nicht immer!

  2. 7

    SpoyBoy wird es nicht gerne hören:

    Sag mal was soll das? Hör mit Deinen unverschämten polemischen und substanzlosen Unterstellungen auf.

    ICH habe diese Kritik ebenfalls bereits vor 40 Jahren geäussert.

    Aber das wird MeLeft sicher nicht gerne hören.

    Und im Gegensatz zu vielen FFF-Kids verhalte ich mich seit Jahrzehnten umweltfreundlich, völlig unabhängig ob man an einen menschengemachten Klimawandel glaubt oder nicht.

    Ich habe kein Auto, fahre Rad bei jedem Wetter , bin nur 5x in meinem Leben im Flugzeug geflogen, alles dienstlich, vesteht sich. Urlaub ausschliesslich zu Hause.
    Aber auch das wird MeLeft sicher nicht gerne hören. Denn ihre/seine ideologische Weltsicht ist die allgemein gültige und alle haben sich dieser unterzuordnen. Kritik verboten!

  3. 5

    @ 3 SpoyBoy

    Oho! „Wir alle, jedenfalls die meisten….“

    Werden wir etwa in ein paar Jahren bei SpoyBoy lesen:

    „WIR

    alle wussten von dem menschengemachten Klimawandel, und haben doch gegen die jugendlichen Fridays4Future bei jeder Gelegenheit gehetzt!“ – ???

    Das von SpoyBoy traktierte „WIR“ gehört zur Grundausstattung politischer Rhetorik vom Kommunalpolitiker bis hin zum Bundeskanzler:

    Dieser Politiker (genderneutral) nimmt erst mal alle in die Verantwortung, die „wir“ doch alle naiv, vertrauensselig, bequem, dumm, getäuscht,…. waren, aber jetzt kommt – endlich, endlich – er/sie, und hat den Mut und die scharfe Klugheit, die „Wahrheit“ zu sagen. Und nun badet er/sie in diesem Ruhm: „Endlich sagt es wer!“ ….!?

    SpoyBoy wird es nicht gerne hören: Es gab schon von Anfang an Kritik an der neoliberalen Agenda des „Privat vor Staat“, deren marktgläubige Ideologie sich auch international verbreitete mit den Leit(d)Figuren Reagan und Thatcher! Diese Kritik und diese Stimmen kamen – schrecklich?! Oh Gott! – von „links“! Schon 1975 gründete sich in der Bundesrepublik die „Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik“, von dort, aus dem Umkreis und von anderen „linken“ Stimmen, wurde vor dem Privatisierungswahn und der Verklärung egoistischer Antriebe gewarnt.

    (Randbemerkung: Die AfD wurde von Wirtschaftsprofessoren gegründet, denen der Neoliberalismus und die Kaputtsparung des Staates nicht weit genug ging…. Merken ihre naiven Anhänger dies?)

    1910 machte z.B. Tony Yudt mit seinem Essay „Ill Fares the Land“ deutlich, dass mit der Privatisierung des Öffentlichen Verkehrs grundlegend gegen den notwendigen Vorrang des Gemeinwohls verstoßen wird. (Tony Yudt definierte sich selbst als undogmatischer Sozialdemokrat.)

    Und heute: Sind wir alle(?) Befürworter der vielen Milliarden in die Rüstung, weshalb für andere Teile des Staatshaushalts nur ein paar Krümel übrig bleiben! Die fehlenden Investitionen in die – UNSERE! – Gemeingüter werden aktuelle Benutzer (und „Anhänger“) der Bahn immer wieder in den traurigen Eindruck versetzen, in einem…. (was ist der passende, andere Länder nicht abwertende Vergleich?) maroden, chaotischen Entwicklungsland angekommen zu sein!

  4. 4

    Die, denen es während der ungeplanten Wartezeiten auf ihren SEV-Bus gelungen ist, einen Blick in eine Tageszeitung zu werfen (in den SEV-Bussen geht das wegen deren rumpelingen Fahrerei eher nicht), könnten dort über eine der Ursachen gelesen haben, warum – wie von rd beschrieben – rund um Meerbusch Züge im DB-Interesse den Zügen der RRB (mal wieder) vorgezogen worden sind. Denn das weist deutliche Parallelen zu dem folgenden Verhalten der DB InfraGO auf:
    Aktuell versucht ausgerechnet eine italienische Firma eine Konkurrenz zum ob seiner Unpünktlichkeit berüchtigten DB-Fernverkehr zu installieren. In Italien ist es dieser Firma (Italo), die rund zur Hälfte einer der größten Reederei der Welt gehört (der schweizerischen-italienischen MSC), bereits gelungen, dem Fernverkehr der italienischen Staatsbahn so richtig Beine zu machen. Für Deutschland möchte sie dazu beim Siemens 26 Velaro-Hoschgeschwindigkeitszüge (natürlich in Ferrari-rot) samt 30 Jahren Wartung für 3,6 Mrd. Euro ordern. Durch den Betrieb der Züge würden ferner 7.500 Arbeitsplätze in Deutschland entstehen. Eine wichtige Bedingung ist aber die Zuteilung verläßlicher Fahrplanslots für die nächsten Jahre, am besten für die Laufzeit der Investition.
    Aber was tut die DB Infra GO? Sie verweigert die verlässliche Zuteilung der benötigten Fahrplanslots, weil sie schon alle an DB-Fernverkehr vergeben seien und andernfalls die Verläßlichkeit (welche, bitte???) von DB-Fernverkehr gefährdet würde. Ziel: Einen (echten) Wettbewerb für den DB-Fernverkehr unbedingt verhindern. Inzwischen hat es wegen dieses Obstruktionsfalls schon Anhörungen durch die Bundesnetzagentur gegeben. Mal schauen, was daraus wird.
    Vielleicht wird die DB InfraGO dort demaskiert und muss nachher sogar ihren Namen ändern, z. B. in DB InfraGSO. Denn das GO soll angeblich für soetwas wie eine gemeinnützige Organisation stehen, während in diesem Fall GSO wie gemeinschädliche Organisation vermutlich zutreffender wäre.

  5. 3

    Früher konnte man in so einem Fall noch den Umweg über Kalkar-Xanten-Duisbirg nehmen.

    Aber:
    WIR alle, – jedenfalls die meisten- haben es so gewollt !!

    WIR
    haben diejenigen gewählt die der Bundesbahn freie Hand gaben in den 60ern, 70ern, 80ern, um massenweise Strecken stillzulegen.

    WIR
    haben in der Mehrheit diejenigen Politiker/innen gewählt, die die Liberalisierung des Schienenverkehrs eine gute Idee fanden und erst auf EU-Ebene, dann auf Bundes- und Landesebene durchgesetzt haben.

    WIR
    haben diejnigen gewählt, die die Bundesbahn abgeschafft haben.

    WIR
    haben diejenigen gewählt, die die Gleise rausgerissen und Bahngelände verkauft haben.

    WIR
    haben diejenigen gewählt die das Bahngelände genutzt haben für Strassen und neue Immobilien statt für den Schienenverkehr.

    WIR
    haben diejnigen gwählt die der DB Netz die Freiheit haben Banhofsgebäude zu verkaufen.

    WIR
    haben diejenigen gewählt, die Mehdorn eingesetzt haben um das Schinennetz kaputtzufahren.

    Und es waren alle Politiker/innen dran beteilifgt.

    AUCH die Grünen!

    WIR baden jetzt aus was WIR uns eingebrockt haben.

    Vielleicht ist die Mehrheit des WIR auch Autofahrer und daher die Bahn ziemlich egal.

  6. 2

    Wo kein Wille, da kein Weg. So einfach ist das. Es ist einfach nur noch Verschwendung von Lebenszeit, sich weiter mit dem RE-10 zu beschäftigen. Der wird ganz offensichtlich in ein paar Jahren ganz aufgegeben werden.

  7. 1

    Mache ich auch mal, wenn mein Zug nicht kommt ob Nah oder Fernverkehr, dann Rufe ich die Polizei an. 😀