Müssen wir uns Sorgen um die Galeria-Filiale in Kleve machen? Ja, und zwar sehr große

Zu seinen besten Zeiten, die allerdings in einem anderen Jahrtausend lagen, hatte der Karstadt Kaufhof Konzern mehr als 350 Filialen. Nach Jahren, man muss eigentlich schon sagen: nach Jahrzehnten der Krise sind davon aktuell noch 83 Filialen übrig, der Konzern heißt mittlerweile Galeria, und dessen Führungsmannschaft versucht mit einem weiteren Sanierungskonzept den Kopf aus der Schlinge zu ziehen – wobei noch einmal 33 Filialen von der Schließung bedroht sind, wie am heutigen Dienstag bekannt wurde. Auf dieser ominösen „Streichliste“ finden sich so klangvolle Namen wie die Galeria an der Hohen Straße in Köln, für viele der Inbegriff eines Konsumtempels, oder auch das ebenfalls imposante Kaufhaus an der Breiten Straße in Köln – und eben auch der Standort Kleve!

Diese Standorte sollen, so hieß es aus dem Konzern, „explizit auf ihre Rentabilität geprüft werden“. Der Konzernchef Thilo Hellenbrock sagte: „Wir werden jeden einzelnen Standort einzeln und ergebnisoffen betrachten.“ Alle Filialen müssten nachhaltig wirtschaften. Insbesondere sollen auch die Vermieter bei den Mieten entgegenkommen – was in Kleve allerdings schon längst der Fall ist. Als der Konzern Anfang des Jahres knapp bei Kasse war, stimmte Zevens Grundbesitz, seit 2012 Besitzer der Immobilie, einer großzügigen Mietstundung zu.

Dass Kleve aber überhaupt auf der Liste steht, ist ein Alarmzeichen erster Güte, denn eigentlich war die Filiale nach einem mehrmonatigen und kostspieligen Umbau das Vorzeigehaus innerhalb des Konzerns für ein Konzept, das damals – 2001 – „Lokales Forum“ getauft wurde. So sollten die kleineren Filialen mit neuem Leben gefüllt werden. Allein: Vieles von den Plänen, in die der Konzern 2,5 Millionen Euro investierte, blieb graue Theorie, es gelang beispielsweise nicht, wieder eine Gastronomie ins Haus zu holen (das florierende Café Buci’s gleich nebenan zeigt, dass der Standort für ein Lokal dort ideal ist). Nicht einmal die Bude des Schüsterkens konnte in den fünf Jahren seit dem Umbau neu vermietet werden.

Auf Habenseite der Klever Filiale steht zudem der stete Zustrom von Kunden aus dem Nachbarland, wo die Preise deutlich höher sind. Aber, so klagen viele Geschäftsleute, hat der Andrang von Kunden, die etwas anderes als Zigaretten oder Drogerieartikel wollen, nachgelassen.

Doch das zukunftsweisende Forum-Konzept, die vorteilhafte Lage in Grenznähe und auch das bereits vorhandene Entgegenkommen des Vermieters haben nun nicht dazu führen können, dass Galeria in Kleve auf der Streichliste landete. Das ist besorgniserregend, nicht nur für das Unternehmen selbst, sondern für die gesamte Klever Innenstadt, deren Gravitationszentrum das Kaufhaus mitten in der Stadt darstellt. Der Kollateralschaden einer Schließung dürfte ein beträchtliches Ausmaß annehmen.

Immerhin signalisierte der Besitzer der Immobilie, Bernd Zevens, bereits weitere Diskussionsbereitschaft. „Man muss erst einmal über alles reden“, sagte der Unternehmer im Gespräch mit der NRZ (Galeria setzt Kleve und Mom Zevens unter Druck: Bedingungen für Verbleib). Interessant an dem Artikel ist auch der Umstand, dass die Stadt Kleve mit in die Pflicht genommen werden soll. Kleve will bis zur Landesgartenschau auch die Fußgängerzone neugestalten, was für den Handel während der Bauphase sicherlich Erschwernisse mit sich bringt. Wie das aber angesichts knapper Kassen konkret ausgestaltet werden soll, übersteigt die Fantasie aller Beteiligten in der Verwaltung.

Wenn es zu einer Schließung käme, wäre dies das Ende der Kaufhaus-Tradition in Kleve, die im Jahre 1912 begann. Damals eröffnete A. Weyl an der Großen Straße sein „modernes Kaufhaus“, das 1929 von der Hermann Tietz AG übernommen wurde. Nach dem Krieg errichtete der Kaufhof-Konzern an der Ecke Große Straße/Marktstraße einen Neubau seiner im Krieg zerstörten Filiale. Diese wurde 1955, zehn Jahre nach Kriegsende, eröffnet.

Inserat zur Eröffnung 1912
Schon damals mit Abstand das größte Geschäft in der Innenstadt: Kaufhaus Weyl
Seltener Anblick: Kaufhof von der oberen Marktstraße aus gesehen (nach der Wiedereröffnung 1955)

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