Obere Lindenallee, ein Protokoll

rd | 16. April 2013, 05:44 | 8 Kommentare

Margret Ostermann hat zusammengefasst, was die Bürgerinformation zu den Plänen der Stadt für die obere, ungerade Lindenallee und das angrenzende Areal ergeben hat. Hier das ausführliche Protokoll:

Am Montag, dem 8.4.2013, hatte die CDU in die Gaststätte „Zu den vier Winden“ eingeladen, um der Verwaltung ein Forum zu bieten, ihre Überarbeitungen den Bereich Lindenallee, Hellingsbüschchen und Stadionstraße einer Öffentlichkeit, insbesondere den Anwohnern der oberen Lindenallee, vorzustellen. Eine Überarbeitung des Bebauungsplans war notwendig geworden, nachdem die Hauseigentümer auf der oberen Lindenallee Beschwerde eingelegt und ihre Kritik ob des offengelegten Bebauungsplans eingemündet war in

  • eine Initiative, in der die Anwohner sich zusammen geschlossen haben
  • ausführliche Begründungen für ihre Ablehnung nahezu aller Teile des Plans
  • konstruktive Alternativvorschläge
  • Inanspruchnahme rechtsanwaltlicher Begleitung

Themen des Bebauungsplans:

  • Bau einer Sporthalle am nordöstlichen Rand des Geländes des Sportzentrums
  • Städtebauliches Ordnen der bestehenden Wohnbebauung bezogen auf bebaubare Flächen der einzelnen Grundstücke und Höhe der Gebäude
  • Sicherung des Bestandes
  • Verdichtung der Innenstadt

Herr Rauer übernahm die Aufgabe, die „angepassten“ Überarbeitungen vorzustellen. Das Interesse war groß, es waren ca. 70/80 Interessierte, darunter viele Betroffene erschienen.

Nach wie vor werden vom Bauamt rechte und linke Seite des betreffenden Teils der Lindenallee unterschiedlich gesehen. Die rechte Seite (stadtauswärts) wird als mit überwiegend homogener Bebauung wahrgenommen und interpretiert, die linke als der mit inhomogener Bebauung und „Vorprägungen“ versehene Teil. Diese Vorprägungen – ein nicht genehmigungsfähiger Doppelbau aus den 70er Jahren (Lindenallee 123-125) – bietet hier nach wie vor die Grundlage für weitere Bauoptionen, die nach dem jetzigen Stand der Dinge ebenfalls nicht genehmigungsfähig wären.

Die Grundfläche der möglichen Gebäude (Baufenster) betreffend ist der Plan wie folgt überarbeitet worden:

Die im ersten Entwurf markierten Baufenster, die sich z.T. über zwei und drei Grundstücke ziehen, um so den Bau entsprechend großer Blockeinheiten zu ermöglichen (6-, 9- und mehr- Parteienhäuser) wurden teilweise wieder voneinander getrennt. So auch das über dem 70er-Jahre- Bau, Lindenallee 123-125. Wenn in dieses Gebäude also versehentlich ein Panzer fährt, es einem Bombenanschlag, einem Erdbeben o.ä. zum Opfer fällt, kann es in der jetzigen Form nicht mehr errichtet werden. Die optische Anmutung des Plans an dieser Stelle war also eine freundliche. Ein anderes großes Baufenster (über Li 129 und 131) wurde nicht wieder aufgehoben.

Nach wie vor sollen die Baufenster und die möglichen Gebäude erheblich vergrößert werden, so dass die maximale Anzahl der Wohneinheiten pro Wohnhaus auf 3 (eine pro Ebene) vergrößert werden kann. Die Vorgärten werden durch die großen Baufenster kleiner und müssten realiter dann in Stellplätze für die Autos der vielen neuen Bewohner der vielen neuen Wohneinheiten umgewandelt werden.

Die Höhe der Gebäude betreffend gibt es folgende Veränderungen: Keine. Der überarbeitete Plan sieht dieselben Maße vor, nämlich 11,00 bzw. 6,50m Traufhöhe. Von Seiten der Verwaltung wurde betont, dass mit großen Baufenstern auch dem Interesse von Investoren Rechnung getragen wird. Kleine Baufenster seien uninteressant für Investoren.

Die Anwohner waren mit diesen im Verhältnis zu den Wünschen der Anwohner marginalen Modifikationen nicht zufrieden.
Es konnte nicht der Eindruck entstehen, dass die Lindenalle in ihrer gewachsenen Struktur und ihrer hohen Wohnqualität mit ihrem jetzigen Erscheinungsbild von der Verwaltung als schützenswert wahrgenommen würde.
Vielmehr besteht bei den Eigentümern die einhellige Überzeugung, dass der Charakter der Lindenallee mit ihrer großzügigen Einfamilienhausbebauung in eingeschossiger offener Bauweise zerstört würde, wenn die Möglichkeiten, die der Bebauungsplan erschließt, realisiert würden.

Alle Eigentümer sind mit der vorhandenen Situation und den derzeitigen Möglichkeiten der zusätzlichen Bebauung zufrieden. Die Frage aus der Eigentümerschaft, wie es möglich ist, dass derartig vehement gegen den ausgesprochenen Willen der Betroffenen verfahren werden soll, blieb unbeantwortet.

Sporthalle:

Die Sporthalle mit den vorgesehenen Ausmaßen (einer bebaubaren Fläche von 1.462 qm (!) und einer Höhe von 12 m) fügt sich – das wird in der Begründung des Bauplans eingeräumt – nicht in die vorhandene Umgebung/Wohnbebauung ein.
Die Befürchtungen der Eigentümer/Anwohner dazu im Einzelnen:

Verminderung der Lebens- und Wohnqualität in den umgebenden betroffenen Bereichen und damit einhergehende Minderung der Grundstückswerte; d.h. im Einzelnen u.a.: durch visuelle Belästigung, Beeinträchtigungen durch Schattenwurf, Lärmbelästigung durch erhebliches Verkehrsaufkommen, geplante Gastronomie und Großveranstaltungen, Beeinträchtigung durch permanent startende Fahrzeuge, Belästigung durch Abgase, zu erwartende Erschließungskosten für die Anwohner, Verursachung eines „Angstraumes“ und eines Sozialen Brennpunktes, Belästigung durch evtl. notwendig werdende Beleuchtung, Missachtung des Rücksichtnahmegrundsatzes…

Die Überarbeitung des Bauplans hat hier hinsichtlich der Dimension der Halle keine Veränderung erbracht. Es konnte bei den Anwohnern der Eindruck gewonnen werden, dass der Alternativstandort an der Stadionstraße auch von Seiten der Verwaltung als verträglichere, wenngleich vermutlich kostenintensivere Variante akzeptiert werden kann – auch hier kein Abweichen von der vorgesehenen Dimension des Baufensters (47 mal 35 Meter).

Bzgl. der unbefestigten Straße, die von der Stadionstraße durch das Gelände des Stadions bis zu der geplanten Halle und in den obersten Teil der Lindenallee (50 Meter vor der Bresserbergstraße) geführt werden soll, wurden die begründeten Befürchtungen der Bewohner nicht erkennbar geteilt.

Ein detailliertes Konzept bzgl. des Verlaufs der Zuwegung, der Einzäunung und anderer Details liegt nicht vor. Ein erforderliches schalltechnisches Gutachten ist nicht erstellt worden.

Ich möchte mich an dieser Stelle freundlich für die Einladung bedanken.



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  1. 8. Heinz Goertz

    @ 7.
    Hoffe ich auch.
    Deshalb sind in Kalkar ja noch soviele spätmittelalterliche Kunst-und Kulturschätze erhalten geblieben.
    Dies erklärt möglicherweise auch den Zulauf zur dortigen Gastronomie.

     
  2. 7. Martin Fingerhut

    @ 6. Heinz Goertz :
    Ja, natürlich, nur klärt das die Sache nicht.
    Maximilian Friedrich Weyhe hat zwar erst knapp 20 Jahre nach der Kö in Kleve den ForstGarten umgestaltet,
    aber die Klever GartenAnlagen Johann Moritz’ waren selbst zu Weyhe’s Zeit – nach über 100 Jahren – noch so bekannt, daß er sie wahrscheinlich schon früher kannte.
    Ich persönlich vermute allerdings, daß Weyhe aus seiner Jugend in Bonn die PoppelsDorfer Allee zum VorBild für die Kö nahm, denn die “PopAllee” sollte ursprünglich auch einen Kanal entlang der Mitte erhalten.
    Zum Glück ging dem Kurfürst Joseph Clemens das Geld aus, weshalb die Bonner heute die weite RasenFläche genießen, benutzen und beleben können.
    Auch bei vielen heutigen Planungen wäre es nicht verkehrt, wenn sie aus GeldMangel gestoppt würden.

     
  3. 6. Heinz Goertz

    @Martin Fingerhut 3.
    Bezüglich der Königsalle in Düsseldorf könnte man sich schlau machen:
    Kö Kulturerbe e.V.

     
  4. 5. Heinz Goertz

    @Martin Fingerhut
    Vielen Dank für die Informationen!!!
    Dann muss Johann Moritz, wie Theo Brauer auch, ein durch und durch von Visionen erfüllter Mensch gewesen sein.
    Nochmals Danke

     
  5. 4. Martin Fingerhut

    @ 2. Heinz Goertz :
    Ergänzung zu 3. :
    Die “GoldElse” ( = SiegesSäule ) in Berlin markiert auch so einen point de vue,
    vom dem strahlenFörmige Wege- und SichtAksen ausgehen.
    u.a. ” unter den Linden “

     
  6. 3. Martin Fingerhut

    @ 2. Heinz Goertz :
    ehe Ihre Frage zwischen SontowskiMinoritenCDU-Kommentaren untergeht
    versuche ich eine Antwort :

    Die Bauten entlang der Straße LindenAllee haben gewiß nichts mit Johann Moritz zu tun,
    aber als Allee geht sie auf Johann Moritz zurück.
    Zusammen mit vielen weiteren Alleen legte er ein Netz von Wegen und Schneisen an,
    die meist sternFörmig von einem AussichtsPunt ( point de vue ) aus
    schnurGerade auf markante Objekte des UmLandes hin führen.
    In der Nähe des heutigen AussichtsTurms müßte ein solcher SternPunkt gewesen sein.
    Diesen verband die LindenAllee mit dem Cupido an der Nassauer Allee.

    Weitere dieser SichtAksen gingen z.B. vom SternBerg aus
    und wiesen u.a. auf SchwanenBurg, StiftsKirche, etc.

    Am deutlichsten ist davon noch der Abschnitt vom kupfernen Knopf über den TierGarten hinweg nach HochElten,
    der zum Teil als Kanal mit Allee ausgeführt ist.

    Andere Abschnitte werden nach und nach wieder erkennbar,
    vor allem durch den Einsatz der ArbeitsGruppe “Wetering” im Klevischen Verein.
    Die BirnenAlleen in den Galleien gehören zu deren Erfolgen.

    Im Bereich SternBusch – Galleien hatte Johann Moritz seinen ersten LandschaftsPark “TierGarten” angelegt,
    weshalb der heute noch teilweise erhaltene Park, in welchem sich der Zoo “TierGarten” befindet, “neuer” TierGarten genannt wurde.

    Alle diese Anlagen soll Johann Moritz zum größten Teil selber bezahlt haben.

    Sowohl der TierGarten als ParkAnlage wie auch die Alleen – namentlich die LindenAllee – sollen Kurfürst Friedrich Wilhelm so gut gefallen haben, daß er nach diesen Vorbildern den TierGarten und die Allee ” unter den Linden ” in Berlin anlegen ließ.

    Übrigens markierte die LindenAllee lange Zeit die südWestliche Grenze des StadtGebiets von Kleve.
    In MaterBorn, das damals noch eigenständig war, gab es auch schon eine KönigsAllee.
    Ob diese eine Anregung für die DüsselDorfer Kö lieferte,
    als diese über 100 Jahre später angelegt wurde,
    habe zwar schon mal gehört, aber noch nicht bestätigt gefunden.

     
  7. 2. Heinz Goertz

    Frage an Frau Ostermann:
    Hat die obere Lindenallee, denn auch etwas mit unserem Landschaftgärtner Moritz (für die, an der Stadtplanung
    Verantwortlichen, noch einmal, nicht der von Wilhelm Busch), zu tun.
    Entschuldigung für die Frage aber ich bin Zugereister.

     
  8. 1. Mareike Kamps

    Was soll das denn heissen, dass der Plan freundlich wirkt? Das ist doch Fauler Zauber! Der Plan wirkt freundlich, aber nur auf dem Papier, in Wahrheit und aus Stein ist die Stelle Lindenallee 123-125 doch schon im Eimer, der rote Klinkerbunker steht da ja schon seit 30 jahren in all seiner Häßlichkeit. Und wenn dann auf dem Plan die Baufenster nicht größer sind als die über den anderen Grundstücken wirkt das erst mal so, als wenn die Stadt den Wünschen der Anwohner entgegen gekommen wäre, oder? Ist das die Absicht, die dahinter steckt? Aber in Wahrheit wird dieses Doppeldoppelhaus da die nächsten hundert Jahre häßlich rumstehen und so schnell nicht vom Erdboden verschluckt werden, um dann kleine hübsche Häuschen wie auf dem Plan zu bauen, in die Felder, in die das echte Gebäude gar nicht reinpassen würde.
    Das ist hoffentlich nur ein verspäteter Aprilscherz, sonst müsste man sich als Bürger ja verhonepipelt vorkommen!