Kleve höölau (2): Der gordische Knoten

rd | 22. Januar 2010, 11:29 | 13 Kommentare

Wie der Klever Karneval einmal böse unter die Räder kam – wer ist eigentlich die gordion management GmbH, die als Veranstalter hinter dem Warsteiner Festzelt steht? Und was hat Georg van den Höövel, der umtriebige Event-Unternehmer aus Goch, damit zu tun?

Der 13. Juni 2009 war ein sonniger Samstag, dessen Mittagsstunden ich in Goch verbrachte. Olga, die Erzieherin des Herausgebers, feierte in der evangelischen Kirche ihre Hochzeit. Während ich vor dem Gebäude auf die Brautleute wartete, erblickte ich einen edlen Sportwagen, der schwungvoll in eine Parklücke schoss und dem dann ein dandyhafter Typ entstieg. „Das passt ja nun so gar nicht zu Goch“, dachte ich, und im nächsten Augenblick dämmerte mir: „Wenn das mal nicht der Georg van den Höövel ist.“

Da aber war ich nun überrascht. Nun erwarte ich nicht, dass Menschen, die gerade eine schwere Krise durchleben, sofort in Sack und Asche herumlaufen müssen, aber das letzte, was ich davor von Georg van den Höövel gehört hatte, war das:

allsport geht in die Insolvenz

Die Firma allsport in Goch ist am Montag in die Insolvenz gegangen. Georg van den Höövel betonte gestern in einer ersten Stellungnahme gegenüber der RP, die aktuelle wirtschaftliche Situation habe diesen Schritt erforderlich gemacht, habe ihm aktuell keine andere Wahl mehr gelassen. Dass er weitermachen will – auch daran ließ van den Höövel schon gestern keinerlei Zweifel.

Das stand am 27. Mai in der Rheinischen Post. Und 17 Tage danach im Sportwagen vorfahren, naja…

Die Firma allsport hatte sich einen Namen gemacht mit der Veranstaltung von Public-Viewing-Events zur Fußball-WM und -EM, und auch bei der bevorstehenden WM in Südafrika hätte sie eigentlich ein ganz großes Rad drehen sollen. Eine Nebenspur des Geschäfts war das Warsteiner Festzelt auf dem Gocher Marktplatz, das während der Karnevalstage den närrischen Massen eine Heimstatt bot (und das wegen seines Erfolgs begehrliche Blicke aus Kleve auf sich zog).

Dass er weitermachen will – auch daran ließ van den Höövel schon gestern keinerlei Zweifel.

Solche Kämpfertypen brauchen wir. Macher, die trotz widriger Umstände einfach ihren Weg weitergehen, und voilà, da ist am 29. Juli, zwei Monate nach der Pleite, laut Rheinischer Post das Wunder auch schon geschehen:

gordion – Georg van den Höövel macht weiter

Der in die Insolvenz gegangenen Gesellschaft allsport folgt nun gordion (zum Durchschlagen des bekannten Gordischen Knotens): Georg van den Höövel und sein allsport-Team machen weiter. Gestern informierte der Gocher Unternehmer über die Gründung von gordion: “In den vergangenen Monaten ist viel passiert. Ich freue mich daher sehr, Ihnen heute mitteilen zu können, dass die gordion management gmbh ganz nach dem Motto ,Frischer Wind in der Event-Szene’ ihre neuen Agenturräumlichkeiten bezogen hat. Nach arbeitsreichen Tagen und Wochen der Vorbereitung heißt es in unseren Düsseldorfer und Gocher Büros nun also ,Doors Open’.” Und nun? Volle Kraft voraus! “Für die Zukunft haben wir uns viel vorgenommen”, betonte Georg van den Höövel.

Eines der Projekte betraf offenbar den Transfer des Warsteiner Festzeltes vom Gocher Marktplatz zum Klever Hafen an die Ludwig-Jahn-Straße. Möglicherweise wurde das in der VIP-Lounge von Borussia Mönchengladbach besprochen, jedenfalls hat sich hier ein Kommentator gemeldet, der Georg van den Höövel und Bürgermeister Theo Brauer dort gemeinsam gesehen haben will.

Da ist der Gordische Knoten ja wirklich machtvoll durchschlagen worden! Aber ist er das wirklich? Wer die letzte Berichterstattung zum Warsteiner Festzelt in der Rheinischen Post aufmerksam verfolgt hat, wird eine kleine Unschärfe in der Funktionsbezeichnung der zitierten Person entdeckt haben:

Während der Vorbereitungen zeigt sich der Veranstalter des Klever Zeltkarnevals humanitär engagiert. “Die erschreckenden Nachrichten aus Haiti haben wir zum Anlass genommen, die weltweite Hilfe sofort zu unterstützen”, sagt Georg van den Höövel vom Veranstalter gordion management.”Auch wenn für uns jetzt Brauchtumspflege und Frohsinn im Vordergrund stehen, möchten wir das gewaltige Elend ein wenig lindern. Deshalb haben wir uns entschieden, ab sofort bis zum Abschluss des Karnevals von jeder verkauften Karte 50 Cent zweckgebunden an die Caritas-Nothilfe für die Opfer des Erdbebens zu spenden.”

Nicht Geschäftsführer, Inhaber, Pressesprecher – sondern schlicht: vom.

Geschäftsführer und Gesellschafter der gordion management GmbH ist auch nicht Georg van den Höövel, sondern sein Sohn Sam. Der ist Anfang 20, und er spielt eine wesentliche Rolle bei der Durchschlagung des Gordischen Knotens, weil er – bildlich gesprochen – wohl zusehen durfte, wie der Knoten geschnürt wurde.

Dazu muss man allerdings ein bisschen in die Tiefen des Handelsregisters eintauchen. Dort findet man beim Amtsgericht Düsseldorf am 18. Juni 2009 unter HRB 61217 die Neueintragung der gordion Management GmbH. Interessant ist nun die Information, wann der Gesellschaftsvertrag der GmbH abgeschlossen wurde – laut Handelsregister am 20. Mai 2009. Und sechs Tage später ging allsport in die Insolvenz.

Ein Narr, wer das Schicksal für Zufall hält – womit dann endgültig auch wieder der Karnevalsbezug hergestellt wäre.

Lesen Sie in den nächsten Tagen: Ein merkwürdiger Schwund

Einen Kommentar schreiben





13 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 13. Norbert

    Vielleicht sollte Herr van den Hövel mal damit aufhören den Dicken zu machen, und seine Insolvenz so hinzunehmen und daraus zu lernen.Wie wärs mal mit Arbeit. Und der Stadt Kleve sollte mal einleuchten,
    dass in Kleve gut ohne Festzelt auskommen würde um die örtliche Gastronomie zu stärken und nicht so einer Luftnummer das Geld hinterherzuwerfen.

     
  2. 12. Beobachter

    Heute ein riesengroßer Artikel im Gocher Teil der königlichen Zeitung über gm, die “mit Paukenschlägen” aufwarten. Auch Namen werden genannt und wie toll diese Firma doch ist und dass man die Mitarbeiter aus der allsports crew übernommen hat und große Trucks hat und und und … Allerdings war dieser Artikel nirgendwo als “Anzeige” gekennzeichnet … Na ja, man hat halt so seine Beziehungen …

     
  3. 11. RumsdieKuh4Ever

    @Jochen

    Das steht im Artikel oben: die Eheleute Schmallenberg (Koplinghaus) der Bäcker Bruns sowie die Firma Bacher Getränkegrosshandel.

     
  4. 10. Jochen

    Mist ! Hätte ich vorher gewußt, daß die super Band Ali Paletti in Goch auftreten wird, hätte ich als Klever mir Karten für das Gocher Zelt besorgt. Wer ist denn in Goch der Betreiber des Zeltes?

     
  5. 9. RumsdieKuh4Ever

    Heute findet sich in der Gocher Ausgabe der Palast Presse ein aufschlussreicher Artikel:

    http://www.rp-online.de/niederrheinnord/goch/nachrichten/goch/Superparty-im-Zirkuszelt_aid_815308.html

     
  6. 8. RumsdieKuh4Ever

    Die Süddeutsche Zeitung bringt heute ein Interview mit einem anderen erfolgreichen Unternehmer, der es auf den Punkt bringt, Zitat:

    “Okay, ich habe sicher ein Verkäufertalent. Aber damit allein erreichen Sie nichts. Auch Fachwissen und eine gewisse emotionale Intelligenz sind wichtig. Man muss Verständnis entwickeln, was in den Köpfen anderer Leute vorgeht und sich darauf einstellen. Das ist sicher eine meiner Stärken.”

    SZ: Wie wichtig sind Netzwerke?

    “Ich habe immer auch sehr viel Zeit und Energie in persönliche Beziehungen investiert. Das zahlt sich irgendwann aus. Und es ist sicher so, dass ich mit großer Ausdauer, Willen, Leidenschaft und Entschlossenheit meine geschäftlichen Ziele verfolge.”

    http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/wirtschaft/848/501107/text/

     
  7. 7. Radiergummi

    @theodor v. gb

    “Einmal muss es doch mit meinem Geschäftsmodell klappen. Gottseidank habe ich eine grosse Verwandschaft.”

    🙂

     
  8. 6. theodor v. gb

    klingt bekannt das ganze, wenn man mal einen blick aufs world center -> new world center -> nachttheater guckt…
    hat sich da jemand ein beispiel genommen?

     
  9. 5. yippieh_ya_yeah_Schweinebacke

    Manche Dinge ändern sich halt nie, hier oder in anderen Städten und Ländern. Irgendjemand wird schon profitieren an dem ganzen Gemauschel.

    Aber: Schei**e kann man nicht polieren…

     
  10. 4. Günter

    Aber welche Bank hat denn geblutet bei der Insolvenz? Richtig: die Sparkasse Kleve und wer ist die neue Bank von van den Höövel ? Genau: Die Volksbank Kleverland…….Alles nachzulesen beim Amtsgericht und Grundbuchamt.

     
  11. 3. obi

    2. Klever Unternehmerpreis Anno 2006:

    “In der Kategorie Erfolgsunternehmer holte sich Allsport-Chef Georg van den Höövel aus Goch die begehrte Trophäe…”

    Kein Kommentar!

     
  12. 2. Wim Heuvens

    Kleider machen Leute.

     
  13. 1. Piepsi

    Da hat wohl einer den alten Spruch verinnerlicht:

    “Rette mich, wer kann.”